Mit dem Titel "Das Erbe Yggdrasils" setzt der Arcanum-Verlag die Heftroman-Serie "Aegirs Flotte" fort. Nathalie Gnann wählte für den vierten Teil den Mythos der Weltesche zum Thema.
Die Autorin erzählt von der jungen Frau Arfa und ihrem Bruder Digur, denen nach dem Weltuntergang Ragnarök eine wichtige Aufgabe zuteil wird: Im Auftrag der Norne Skuld sollen sie den letzten Samen des zerstörten Weltenbaums nach Westen bringen und ihn dort einpflanzen. Bewusst suchte die Schicksalsgöttin die beiden Menschenkinder und nicht einen großen Helden als Hüter des Samens aus. Denn Digur, der von frühester Jugend an lieber mit Pflanzen umging als mit Waffen, hat offenbar das, was man einen "grünen Daumen" nennt. Eben erst hat der Junge es geschafft, Pflanzen innerhalb des Hauses trotz des schweren Fimbulwinters keimen und wachsen zu lassen. Eine Qualifikation, die keiner der heldenhaften Schwertschwinger vorzuweisen hat.
Der Roman zeigt sehr deutlich die Entwicklung der jungen Autorin, die im vergangenen Jahr mit dem Kurzroman "Einhornblut" debütiert hat. Obwohl auch hier die Protagonisten sehr jung sind, hat der Roman doch einen etwas "erwachseneren" Tonfall, und die Welt ist auch nicht mehr die kleine Zauberwelt der Einhörner. Besonders die atmosphärische Eingangsszene, in der die Norne Verdandi vom verwüsteten Midgard ins verfallende Götterreich Asgard aufsteigt und ihrer Schwester Skuld begegnet, ist gut gelungen und hat etwas Magisches.
Etwas weniger gelungen ist der Spannungsbogen des Questen-Plots. Hier werden der Reihe nach Angriffe erlitten und Gegner überwunden, jeweils wie gleichberechtigte Perlen auf einer Schnur, aber ohne strukturelle Verknüpfung.
Wiederholungen und Widersprüche innerhalb der Serie
Ein Manko, das der Autorin nicht angelastet werden kann, ist das Konzept der Serie, das für eine gewisse Monotonie sorgt: In der Ausschreibung für die Autoren war vom Verlag vorgegeben: Ein Held oder eine Heldengruppe soll sich nach dem Götterkampf durch das zerstörte Land Midgard hindurchkämpfen und am Ende das Ziel, nämlich die Flotte Aegirs, erreichen. Nach "Lokis Fluch" (Thomas Vaucher), "Odins Waisen" (Tanja Rast) und "Die letzte Falkin" (Petra Hartmann) ist dies also die vierte Reise von A (zerstörte Heimat) nach B (Aegirs Flotte).
Ebenfalls nicht auf das Konto der Autorin geht ein gewisses inhaltliches Spannungsverhältnis zum Vorgängerband "Die letzte Falkin". Hier war geschildert worden, wie aus der verbrannten Weltesche ein neuer Schößling hervorgewachsen war, aus dem ein neuer Weltenbaum wachsen sollte. Wenn Arfas und Digurs Mission Erfolg hat, gibt es offenbar zwei neue Yggdrasils in der neuen Welt ... Ebenfalls verwirrend ist das Auftauchen des Drachen Nidhöggr, der bereits im dritten Teil getötet worden war. Immerhin überlebt das Tier den Kampf und flüchtet. Es hätte nicht viel gefehlt, und der Leichendrache wäre innerhalb der Serie zweimal umgekommen. Vielleicht wäre es günstiger gewesen, die Reihenfolge der beiden Romane zu tauschen.
Fazit: Ein Roman, der besser als Einzel-Geschichte gelesen werden sollte. Wer die Vorgängerbände "ausblendet", kann sich an einigen magischen Szenen und einem schnell lesbaren, zielstrebigen Abenteuer erfreuen.
Nathalie Gnann: Das Erbe Yggdrasils. Drei Welten - ein Feind. Aegirs Flotte IV. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. 50 S., Euro 4,95.
Weitere Besprechungen zu "Aegirs Flotte"
Thomas Vaucher: Lokis Fluch
Tanja Rast: Odins Waisen
Die Autorin erzählt von der jungen Frau Arfa und ihrem Bruder Digur, denen nach dem Weltuntergang Ragnarök eine wichtige Aufgabe zuteil wird: Im Auftrag der Norne Skuld sollen sie den letzten Samen des zerstörten Weltenbaums nach Westen bringen und ihn dort einpflanzen. Bewusst suchte die Schicksalsgöttin die beiden Menschenkinder und nicht einen großen Helden als Hüter des Samens aus. Denn Digur, der von frühester Jugend an lieber mit Pflanzen umging als mit Waffen, hat offenbar das, was man einen "grünen Daumen" nennt. Eben erst hat der Junge es geschafft, Pflanzen innerhalb des Hauses trotz des schweren Fimbulwinters keimen und wachsen zu lassen. Eine Qualifikation, die keiner der heldenhaften Schwertschwinger vorzuweisen hat.
Der Roman zeigt sehr deutlich die Entwicklung der jungen Autorin, die im vergangenen Jahr mit dem Kurzroman "Einhornblut" debütiert hat. Obwohl auch hier die Protagonisten sehr jung sind, hat der Roman doch einen etwas "erwachseneren" Tonfall, und die Welt ist auch nicht mehr die kleine Zauberwelt der Einhörner. Besonders die atmosphärische Eingangsszene, in der die Norne Verdandi vom verwüsteten Midgard ins verfallende Götterreich Asgard aufsteigt und ihrer Schwester Skuld begegnet, ist gut gelungen und hat etwas Magisches.
Etwas weniger gelungen ist der Spannungsbogen des Questen-Plots. Hier werden der Reihe nach Angriffe erlitten und Gegner überwunden, jeweils wie gleichberechtigte Perlen auf einer Schnur, aber ohne strukturelle Verknüpfung.
Wiederholungen und Widersprüche innerhalb der Serie
Ein Manko, das der Autorin nicht angelastet werden kann, ist das Konzept der Serie, das für eine gewisse Monotonie sorgt: In der Ausschreibung für die Autoren war vom Verlag vorgegeben: Ein Held oder eine Heldengruppe soll sich nach dem Götterkampf durch das zerstörte Land Midgard hindurchkämpfen und am Ende das Ziel, nämlich die Flotte Aegirs, erreichen. Nach "Lokis Fluch" (Thomas Vaucher), "Odins Waisen" (Tanja Rast) und "Die letzte Falkin" (Petra Hartmann) ist dies also die vierte Reise von A (zerstörte Heimat) nach B (Aegirs Flotte).
Ebenfalls nicht auf das Konto der Autorin geht ein gewisses inhaltliches Spannungsverhältnis zum Vorgängerband "Die letzte Falkin". Hier war geschildert worden, wie aus der verbrannten Weltesche ein neuer Schößling hervorgewachsen war, aus dem ein neuer Weltenbaum wachsen sollte. Wenn Arfas und Digurs Mission Erfolg hat, gibt es offenbar zwei neue Yggdrasils in der neuen Welt ... Ebenfalls verwirrend ist das Auftauchen des Drachen Nidhöggr, der bereits im dritten Teil getötet worden war. Immerhin überlebt das Tier den Kampf und flüchtet. Es hätte nicht viel gefehlt, und der Leichendrache wäre innerhalb der Serie zweimal umgekommen. Vielleicht wäre es günstiger gewesen, die Reihenfolge der beiden Romane zu tauschen.
Fazit: Ein Roman, der besser als Einzel-Geschichte gelesen werden sollte. Wer die Vorgängerbände "ausblendet", kann sich an einigen magischen Szenen und einem schnell lesbaren, zielstrebigen Abenteuer erfreuen.
Nathalie Gnann: Das Erbe Yggdrasils. Drei Welten - ein Feind. Aegirs Flotte IV. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. 50 S., Euro 4,95.
Weitere Besprechungen zu "Aegirs Flotte"
Thomas Vaucher: Lokis Fluch
Tanja Rast: Odins Waisen















