Ein Mann ohne Gedächtnis. Magier, Helden, alte Feinde, die ihm nach dem Leben trachten. Und eine dunkle Vergangenheit, die wieder erwacht. In seinem Roman "Der Weg der Macht" legt Paul Wimmer ein klassisches Motiv zugrunde. Der 16. Band der Reihe "Weltenwanderer" erzählt von Macht und Erinnerung und von der Suche nach einem eigenen Weg.
Agand, der Protagonist des Buches, ist Fischer. Jedenfalls ist das die Beschäftigung, die er seit einiger Zeit ausübt. Was davor war, ist aus seinem Gedächtnis verschwunden. Doch dann verunglückt er mit seinem Boot, ertrinkt beinahe und wird mit gebrochenem Bein an die Küste geworfen. Ein reicher Mann erblickt ihn und erkennt seinen alten Feind. Aus unerfindlichen Gründen geht er dem ersten Impuls, ihn zu töten, nicht nach. Doch weitere Gegner Agands tauchen auf. Langsam hebt sich der Schleier des Vergessens. Der vermeintliche Fischer war offenbar früher einer der mächtigsten Magier, und keiner von der guten Sorte ...
Die Geschichte vom Mann ohne Gedächtnis, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, ist nicht neu, und die Begegnungen Agands mit diversen alten Feinden bieten wenig an äußerer Spannung. Action und dramatische Kampfszenen wird der Leser selbst in der Schlussbegegnung vergebens suchen. Der Roman lebt vielmehr von der märchenhaft-lyrischen Nachdenklichkeit und von der flüssigen, sehr gut lesbaren Sprache des Erzählers. An einigen Stellen wirken die Rückblenden etwas eckig und bringen den Erzählfluss zum Stocken; dass sowohl die Geschichte als auch die langsam Gestalt annehmende Vorgeschichte im Imperfekt steht, ist manchmal etwas verwirrend, vielleicht wären für die Übergänge ein oder zwei Plusquamperfektsätze angemessen gewesen. Doch im Ganzen ist "Der Weg der Macht" ein gut gestaltetes kleines Stück Literatur, das den Leser mit auf eine Reise zu Agands neuem Selbst mitnimmt, ohne in die pseudo-tiefsinnigen Betrachtungen von Selbstfindungsliteratur abzudriften. Mit knapp 50 Seiten hat die Erzählung für den Inhalt genau die richtige Länge und lässt sich ohne weiteres in einem Zuge durchlesen. Langeweile kommt an keiner Stelle des Romans auf.
Fazit: Flüssig geschriebener und leicht lesbarer Kurzroman. Eine schöne Lektüre für zwischendurch. Lesenswert.
Paul Wimmer: Der Weg der Macht. Weltenwanderer XVI. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010. 54 S., Euro 4,95.
Weitere "Weltenwanderer"-Besprechungen:
Sina Geiß: Engelsgesang
Petra Hartmann: Darthula
Perrudja: Joie de la Curt
Nathalie Gnann: Einhornblut
Tanja Rast: Stadt im Schnee
Wolfgang Tanke: Bund der Schatten
Esther S. Schmidt: Der Trollring
Steffen Gaiser: Das Turnier von Eskendrion
Lilith Kirchner: Kinder der Dunkelheit
Margareta Simari: Spiralmond
Isabella Benz: Freiheit - um jeden Preis
Barbara Schinko: Rabenfeder
Sascha Menghin: Kun - Im Auftrag der Göttin
Andrea Sondermann: Königin der verbotenen Stadt
Susanne Nort: Zwischen den Toren
Stefan Wernert: Chimaerenrache
Agand, der Protagonist des Buches, ist Fischer. Jedenfalls ist das die Beschäftigung, die er seit einiger Zeit ausübt. Was davor war, ist aus seinem Gedächtnis verschwunden. Doch dann verunglückt er mit seinem Boot, ertrinkt beinahe und wird mit gebrochenem Bein an die Küste geworfen. Ein reicher Mann erblickt ihn und erkennt seinen alten Feind. Aus unerfindlichen Gründen geht er dem ersten Impuls, ihn zu töten, nicht nach. Doch weitere Gegner Agands tauchen auf. Langsam hebt sich der Schleier des Vergessens. Der vermeintliche Fischer war offenbar früher einer der mächtigsten Magier, und keiner von der guten Sorte ...
Die Geschichte vom Mann ohne Gedächtnis, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, ist nicht neu, und die Begegnungen Agands mit diversen alten Feinden bieten wenig an äußerer Spannung. Action und dramatische Kampfszenen wird der Leser selbst in der Schlussbegegnung vergebens suchen. Der Roman lebt vielmehr von der märchenhaft-lyrischen Nachdenklichkeit und von der flüssigen, sehr gut lesbaren Sprache des Erzählers. An einigen Stellen wirken die Rückblenden etwas eckig und bringen den Erzählfluss zum Stocken; dass sowohl die Geschichte als auch die langsam Gestalt annehmende Vorgeschichte im Imperfekt steht, ist manchmal etwas verwirrend, vielleicht wären für die Übergänge ein oder zwei Plusquamperfektsätze angemessen gewesen. Doch im Ganzen ist "Der Weg der Macht" ein gut gestaltetes kleines Stück Literatur, das den Leser mit auf eine Reise zu Agands neuem Selbst mitnimmt, ohne in die pseudo-tiefsinnigen Betrachtungen von Selbstfindungsliteratur abzudriften. Mit knapp 50 Seiten hat die Erzählung für den Inhalt genau die richtige Länge und lässt sich ohne weiteres in einem Zuge durchlesen. Langeweile kommt an keiner Stelle des Romans auf.
Fazit: Flüssig geschriebener und leicht lesbarer Kurzroman. Eine schöne Lektüre für zwischendurch. Lesenswert.
Paul Wimmer: Der Weg der Macht. Weltenwanderer XVI. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010. 54 S., Euro 4,95.
Weitere "Weltenwanderer"-Besprechungen:
Sina Geiß: Engelsgesang
Petra Hartmann: Darthula
Perrudja: Joie de la Curt
Nathalie Gnann: Einhornblut
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