Ulzana, der legendäre Unterhäuptling der Chiricahua-Apachen, ist dem einen oder anderen sicher durch den DEFA-Spielfilm mit Gojko Mitic bekannt. Jetzt hat sich der Anthropologie-Professor Karl H. Schlesier daran gemacht, den "letzten Kampf der Apachen" aufzuarbeiten und in Romanform vorzustellen.
Das Buch beschreibt die Flucht der Apachen aus der Reservation und ihre Versuche, sich im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko zu behaupten. Als die Gruppe von der US-Armee überfallen wird und viele Frauen und Kinder, darunter die Frau Ulzanas, verschleppt werden, zieht eine Handvoll Krieger aus, um die Entführten zu befreien. Doch die Expedition scheitert, inzwischen sind die Frauen und Kinder in ein anderes, besser gesichertes Fort gebracht worden.
Roman und Fachbuch über Ulzana
Das Buch ist eine interessante Mischung zwischen Roman und Fachbuch. Bei den 67 Kapiteln handelt es sich jeweils abwechselnd um Romanabschnitte und Original-Dokumente wie Briefe, Dienstanweisungen der Kavallerie, Zeitungsausschnitte und heilige Lieder aus den Berggeist-Zeremonien der Apachen. Dies ist zugleich die Stärke und die Schwäche des Buches. Denn für einen Roman ist es über weite Strecken nicht literarisch genug und für ein Fachbuch enthält es wiederum zu wenig Daten und zu viel freie Erzählung. Gerade im Erzählteil bleiben teilweise die Charakterzeichnung und die Spannungskurve auf der Strecke. Viele der Häuptlinge - unter anderem Chihuahua, Geronimo und Victorio oder die am Rande auftauchende Lozen - bleiben schattenhaft und wenig unterscheidbar.
Sehr anschauliche Zeremonien und Rituale der Apachen
Die große Stärke des Romans sind die sehr anschaulich dargestellten Rituale und Zeremonien und die große Sachkenntnis des Autors in den religiösen Vorstellungen der Apachen. Der Leser erlebt unter anderem eine Berggeist-Zeremonie und ein Ritual für eine junge Apachin mit, die ihre erste Periode hat und nun in den Kreis der erwachsenen Frauen aufgenommen wird. Man erfährt viel über mythische Gestalten wie "White painted Woman" und "Child-of-the-Water". Außerdem wird der Weg eines jungen Mannes bis zum vollwertigen Krieger mit Geheim-Namen vorgestellt. Eine große Rolle spielt auch die Scheu der Apachen vor Toten und das Vertreuen von heiligen Pollen nach jedem Kampf, um eine Trennlinie zwischen den Lebenden und den Totengeistern zu ziehen.
Apachenscouts als beste Waffe der Armee
Sehr deutlich wird auch das Problem der Apachenscouts, die in Diensten der Weißen stehen. Ohne diese Überläufer wären Ulzana und seine Stammesgenossen womöglich erfolgreich gewesen, doch nun erhalten sie einen Gegner, der denkt wie sie und ihre Kriegstaktik genau so hervorragend beherrscht. Der Blick auf diese "Verräter aus den eigenen Reihen", die zum Teil sehr gute Gründe für ihren Dienst in der Armee haben, schmerzt auch den weißen Leser des 21. Jahrhunderts. Außerdem wird dem Leser immer wieder das Zahlenverhältnis zwischen Jägern und Gejagten vor Augen geführt: Während Ulzanas Gruppe nur etwas über 30 Personen, darunter größtenteils Frauen und Kinder und nur eine Handvoll Krieger umfasst, ist die Zahl der Apachenscouts und der hinter ihnen reitenden Kavalleriesoldaten geradezu ersdrückend.
Fazit: Ein sehr sachkundiges Buch und eine sehr interessante Mischung aus Dokumentation und Fiction. Leichte Schwächen in Charakterzeichnung und Handlung werden durch die Stärken in der Schilderung von Kultur und Religion der Apachen mehr als ausgeglichen. Lesenswert.
Karl H. Schlesier: Ulzanas Krieg. Die Weißen nannten ihn Josanie. Der letzte Kampf der Apachen. Hohenthann: Traumfänger-Verlag, 2011. 354 S., Euro 22,50.
Das Buch beschreibt die Flucht der Apachen aus der Reservation und ihre Versuche, sich im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko zu behaupten. Als die Gruppe von der US-Armee überfallen wird und viele Frauen und Kinder, darunter die Frau Ulzanas, verschleppt werden, zieht eine Handvoll Krieger aus, um die Entführten zu befreien. Doch die Expedition scheitert, inzwischen sind die Frauen und Kinder in ein anderes, besser gesichertes Fort gebracht worden.
Roman und Fachbuch über Ulzana
Das Buch ist eine interessante Mischung zwischen Roman und Fachbuch. Bei den 67 Kapiteln handelt es sich jeweils abwechselnd um Romanabschnitte und Original-Dokumente wie Briefe, Dienstanweisungen der Kavallerie, Zeitungsausschnitte und heilige Lieder aus den Berggeist-Zeremonien der Apachen. Dies ist zugleich die Stärke und die Schwäche des Buches. Denn für einen Roman ist es über weite Strecken nicht literarisch genug und für ein Fachbuch enthält es wiederum zu wenig Daten und zu viel freie Erzählung. Gerade im Erzählteil bleiben teilweise die Charakterzeichnung und die Spannungskurve auf der Strecke. Viele der Häuptlinge - unter anderem Chihuahua, Geronimo und Victorio oder die am Rande auftauchende Lozen - bleiben schattenhaft und wenig unterscheidbar.
Sehr anschauliche Zeremonien und Rituale der Apachen
Die große Stärke des Romans sind die sehr anschaulich dargestellten Rituale und Zeremonien und die große Sachkenntnis des Autors in den religiösen Vorstellungen der Apachen. Der Leser erlebt unter anderem eine Berggeist-Zeremonie und ein Ritual für eine junge Apachin mit, die ihre erste Periode hat und nun in den Kreis der erwachsenen Frauen aufgenommen wird. Man erfährt viel über mythische Gestalten wie "White painted Woman" und "Child-of-the-Water". Außerdem wird der Weg eines jungen Mannes bis zum vollwertigen Krieger mit Geheim-Namen vorgestellt. Eine große Rolle spielt auch die Scheu der Apachen vor Toten und das Vertreuen von heiligen Pollen nach jedem Kampf, um eine Trennlinie zwischen den Lebenden und den Totengeistern zu ziehen.
Apachenscouts als beste Waffe der Armee
Sehr deutlich wird auch das Problem der Apachenscouts, die in Diensten der Weißen stehen. Ohne diese Überläufer wären Ulzana und seine Stammesgenossen womöglich erfolgreich gewesen, doch nun erhalten sie einen Gegner, der denkt wie sie und ihre Kriegstaktik genau so hervorragend beherrscht. Der Blick auf diese "Verräter aus den eigenen Reihen", die zum Teil sehr gute Gründe für ihren Dienst in der Armee haben, schmerzt auch den weißen Leser des 21. Jahrhunderts. Außerdem wird dem Leser immer wieder das Zahlenverhältnis zwischen Jägern und Gejagten vor Augen geführt: Während Ulzanas Gruppe nur etwas über 30 Personen, darunter größtenteils Frauen und Kinder und nur eine Handvoll Krieger umfasst, ist die Zahl der Apachenscouts und der hinter ihnen reitenden Kavalleriesoldaten geradezu ersdrückend.
Fazit: Ein sehr sachkundiges Buch und eine sehr interessante Mischung aus Dokumentation und Fiction. Leichte Schwächen in Charakterzeichnung und Handlung werden durch die Stärken in der Schilderung von Kultur und Religion der Apachen mehr als ausgeglichen. Lesenswert.
Karl H. Schlesier: Ulzanas Krieg. Die Weißen nannten ihn Josanie. Der letzte Kampf der Apachen. Hohenthann: Traumfänger-Verlag, 2011. 354 S., Euro 22,50.















