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E-Geständnis

Ich muss mich erklären. Es könnte ja sein, das der eine oder die andre irgendwo und -wann sich erinnert: Hey, hat der nicht mal erklärt, er mag keine eBooks? !!
Stimmt! Ich war sogar mal in einer Facebookgruppe, die sich erklärter Maßen zum guten, alten, gedruckten Buch bekannte. Ich glaube, es waren so drei oder vier Mitglieder. Inzwischen wurde sie geschlossen.Weiß gar nicht warum? Vielleicht hat ja jemand mitbekommen, dass ich ohnehin nur halbherzig dabei war, als Tablet-PC-User. Virtuell, rein von der Möglichkeit her, kann ich es ja schon lange, also Bücher so lesen, ohne Seiten umzuschlagen. Aber gemacht habe ich es kaum. Nur ein Buch, in Worten: 1, habe ich darauf gelesen.
Das Teil ist zu schwer. Und zu sensibel. Sobald man auf die Scheibe tippt, wird weiter geblättert, so schön mit welligem Blättereffekt. Aber das ist einfach unpraktisch, insgesamt, für mich. Konnte mich nicht daran gewöhnen.
Es gibt auch so viele Dinge, die man mit elektrischen Büchern nicht machen kann: Im Buchladen in die Hand nehmen, einfach mal so darin blättern, sie sich im Regal ansehen und Freunden zeigen, verborgen, ins Antiquariat schaffen oder dort billig second hand erwerben, auf dem Flohmarkt zwischen ollem Krempel hervorfischen, riechen, ertasten.
Die ganze Preisgestaltung schreckte mich zudem ab. Die E-Books sind mir in der Regel zu teuer, teurer als die Papierbücher, wenn man sie antiquarisch oder preisreduziert bekommt. Außerdem muss man kein Gerät kaufen, um Bücher zu lesen.
Und nun?
Ich habe es getan: Mir einen Reader zugelegt! Und die ersten Bücher durchgeschnurbst. Und ich bin begeistert!
Wie kann sowas passieren? Nun, da sind zum einen die kostenlosen Angebote. So bekommt man sie in Papierform eher nicht. Gebunkert hatte ich sie schon ein Weilchen, jetzt muss ich die aber auch mal lesen. Ist zwar nicht so, dass mein SUB - der Hardware-SUB sozusagen - maßgeblich geschrumpft wäre, aber nun "musste" es mal sein. Gute Sachen dabei...
Das Fass zum Überlaufen brachte dann kürzlich die Lektüre eines voluminöses Werkes, dass zwar inhaltlich einsame Spitze war, mir aber beim Lesen Probleme bereitete. Die Schrift hätte ein Mü größer, das Buch ruhig etwas leichter (dünneres Papier) und der Bundsteg vor allem weiter sein können. Das hatte ich noch nicht: Ich musste das Buch fast aufbrechen, um es richtig lesen zu können. DAS kann mit einem E-Book nicht passieren!
Tja, so kam es.
Meine Sammelleidenschaft war nie sehr ausgeprägt, aber dennoch häufte ich ein paar Bücher an, von Lieblingsautoren, Bücher die mir wichtig waren, die schön sind. Doch hier gibt es eine natürliche Begrenzung in Form der berühmten vier Wände. Ein Kriterium dafür, welche Bücher ich gerne behalte, ist der Wunsch, sie noch einmal zu lesen. Doch mal ehrlich: Komme ich dazu überhaupt? Also wozu sammeln? Noch ein Argument pro...
Übrigens, bei Filmen lief es ja sozusagen schon immer anders herum: Da ist im Grunde die virtuelle, nicht-haptische Version des Konsums an erster Stelle: Kino, und dann erst die Möglichkeit des Sammelns und Aufbewahrens einer Hardware-Variante: DVD z.B. Na ja, kann man ja jetzt im E-Book-Zeitalter auch so machen. Muss man aber nicht :-)

Meine ersten E-Leseerlebnisse:

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LLN (**) 7) D. J. Franzen: Die Vergessenen, D.J.Franzens Armageddon, die Suche nach Eden, Nr. 2
Dieser zweiteTteil der Zombie-Serie kommt zunächst fast ohne Zombies aus. Im Handlungsablauf kommen wir zudem auch kaum vorwärts. Zu Beginn werden wir zeitlich etwas zurück geworfen, sehen Köln vor der „Desinfizierung“ und lernen dafür ein paar neue Leute kennen.
Wie sich in Bd. 1 schon andeutet, braucht man offensichtlich besondere „Begabungen“, um die Apokalypse zu überleben, um die „Grippe“ zu überstehen. Martin ist so einer, weiß es nur nicht zunächst. Wir lernen ihn als Mann kennen, der gerade seine Frau verloren hat, darüber verzweifelt, aber von Rettungstrupps aufgegriffen wird. Die erkennen, dass was in ihm steckt. Na ja, irgendwann wacht er dann in einem - von Lebenden - verlassenen Krankenhaus auf. Hmm - kennt man ja irgend woher... Aber gut, der Autor bleibt nicht lange bei solchen Nebensächlichkeiten.
Martin findet Anschluss und am Ende werden sie mit unseren Helden aus Bd. 1 zusammen geführt.
Die Schreibe ist wieder sehr flott. Die überzogenen Vergleiche und lustigen Analogien werden hier schon sparsamer als in Bd. 1 eingesetzt. Trotzdem liest sich der Text soghaft, ist fesselnd und spannend. Guter Stoff! Mach’ ich weiter!
9 / 10 Punkte

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LLN 10) Markus Kastenholz: Malleus Maleficarum Band 1: PROJEKT HEXENHAMMER
Da ist er wieder! Nach ca. einem Jahr Sendepause ist Herr Kastenholz wieder präsent. Und das gleich recht massiv. Hier also ein erster Band einer Horror-Serie, die in bekannten Gewässern fischt. So wie einst seine Ritterin Morgenrot im Auftrag des Vatikans gegen Vampire ins Feld zog („Im Auftrag der Rose“, 2003), so sind es jetzt ehemalige Killer, die eine Symbiose mit Engeln eingehen und unter Führung des 2000jährigen Ahasvers gegen Dämonen antreten, auch im Auftrag des Vatikans. Die Geheimorganisation heißt „Hexenhammer“ und ist nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel; halt angemessen im Kampf gegen die Unholde der Hölle.
Es gibt viele eindringlich geschilderte Kämpfe, neben der Kabale auch etwas Liebe, die handelnden Personen entstammen alle einem gewissen Milieu. Der Autor verbindet japanische Kampfkunst und Unterwelt mit alttestamentarischer Mythologie, die aber für die Action-Handlung „aufgebohrt“ wird. Es gibt da z.B. die Caralla, dämonische Kreaturen, die Kobolden ähneln, 1 Meter hoch... ach, ich habe mich mal inspirieren lassen und versucht einen zu zeichnen(*). Dazu noch die drachhaften Reit- und Kampftiere der Caralla.
Markus vermag seine Figuren sehr anschaulich zu schildern. Die Protags wachsen einem schnell ans Herz - irgendwie, denn sie sind von vornherein keine Sympathieträger und machen es einem so nicht leicht, sie zu mögen; sie sind eher „gefallene Engel“, um mal im Bilde zu bleiben.
Nun ja, das Ganze hat großen Unterhaltungswert (und es sollte als U-Literatur gelesen werden) und wird sicher noch ausgebaut.
8 / 10 Punkte

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LLN 11) O.M. Gott: "Plausch mit meinem Killer (Schundheft)"
Natürlich hat dieses "Schundheft" nicht Gott geschrieben. Ich möchte auch nicht behaupten, dass es göttlich ist. Aber unterhaltsam schon; sehr sogar.
Ein Privatdetektiv läuft in eine Falle und wird von einem gedungenen Killer gefangen gesetzt. Der soll ihn umbringen, muss aber pünktlich sein Mittagessen einnehmen. Da noch Zeit ist, tauschen die beiden sich aus, wobei der Killer sehr großes Verständnis für sein Opfer zeigt, was den wiederum milde stimmt. Der Detektiv erzählt, wie er in diese Situation geriet, weiß aber nicht, wer ihn hier reinlegte. Natürlich wird dieses Geheimnis gelüftet, aber ob das Ende nun ein glückliches wird? Ja, jetzt weiß ich, was ein Cliffhanger ist.
8 / 10 Punkte

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(*) ...die Zeichnung kommt noch...
(**) LLN = Leselistennummer

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Urlaubsimpressionen mit kulturellen Abschweifungen

Da wandelte die Familie Hofmann diesen Sommer auf historischen Pfaden. Das hatte sie mir zu verdanken. Dabei hatte ich durchaus ein etwas schlechtes Gewissen. Aber neben „meinen Sehnsuchtsorten“ gab es auch Wanderungen durch den Pfälzerwald, Schwimmbadbesuche und ein Tag im Safari- und Freizeitpark (für den Jüngsten so viel Achterbahn, dass er irgendwann freiwillig meinte, das wäre genug - DAS war sozusagen auch ein historischer Moment).

Pfälzerwald: Nach einem TATORT-Krimi mit dem Duo Odenthal / Kopper wurden wir auf das größte Waldgebiet Deutschlands aufmerksam. Und tatsächlich, wenn sich auf den Wanderungen der Blick öffnete, war das einfach atemberaubend und ich fühlte mich an einen Heinlein-Storytitel erinnert: „Die grünen Hügel der Erde“!

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Ehe wir in der Pfalz landeten, am Pfälzer Höhenweg, im Angesicht des Donnersberg, machten wir einen Umweg über Paderborn. Dort konzentrieren sich drei Stätten, die mir schon lange durch den Kopf geistern:

Das Hermannsdenkmal.
Bin seit kleinauf Geschichtsfan, hatte ja dann sogar mal u.a. Geschichte studiert (ist lange her...). Nun endlich wollte ich doch mal das Denkmal sehen, das an die Schlacht im Teutoburger Wald erinnert. Mir ist schon klar, dass dieses Denkmal nicht nur an die Schlacht im Jahre 9 erinnert, sondern ähnlich wie das Völkerschlacht- und das Kyffhäuser Denkmal in meiner unmittelbaren Heimat noch ganz andere Funktionen hatte. Die Opulenz war dann auch überwältigend; zumindest aus der Ferne sehr beeindruckend.

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Die Externsteine.
Zwar nicht zur Sonnenwende, aber in praller Sonne fanden wir sie vor.
Ein sehr schöner Ort! Nun, besondere Strahlen, Wellen oder dergleichen spürte ich nicht, außer die Strahlen der Sonne auf der Haut. Dass man ihnen aber göttliche oder andere übernatürliche Präsenz zuspricht, kann ich zumindest nachvollziehen. - Das wäre dann noch mal so ein absurder Wunsch: hierher zur Sommersonnenwende - vielleicht würde es mich enttäuschen?
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Die Wewelsburg.
Interessiert man sich für Gothic & Dark Wave Musik, die Subkultur, die sich darum bildete, dann stößt man zwangsläufig auf das seltsame Symbol der „Schwarzen Sonne“. Was vielleicht anfänglich schwarz-romantisch erschient, hat natürlich einen ganz anderen Inhalt. Das sollte schnell klar werden. Nun ist mir in diesem Zusammenhang dieser berühmt-berüchtigte Ort des öfteren begegnet. Erinnern darf ich mit guten Gewissen an Pinternagels herrliche Satire „Und morgen der ganze Weltenraum“.
Die Burg selbst ist übrigens sehr schön! Die wohl einzige Dreiecksburg in Deutschland.
Hauptsächlich beherbergt sie ein Museum zur Geschichte der Region. In einem Nebenhaus aber gibt es eine thematische Ausstellung zur Geschichte der Burg in der NS-Zeit, als das Schloss (eine Burg war es längst nicht mehr) als Elite-Kader-Schule für die SS genutzt wurde. Von diesem Ausstellungsgebäude führt dann auch ein Weg in den Nordturm, den man vom Schloss selbst aus nicht erreichen kann, was etwas irritiert, wenn da nämlich Leute im Gang zu den Räumen des Nordturms durch die Gitter schauen und nicht weiter kommen.
Ab den 90ern wurde ein besonderes Fußboden-Ornament, die „Schwarze Sonne“, im Nordturm zum Identifikationssymbol bestimmter Kreise. Das Ornament ist einer alemannischen Fibel, die Kleidung zusammenhält, nachempfunden und war zumindest in der NS-Zeit nicht so wichtig.
Unter der Halle der Schwarzen Sonne befindet sich noch eine Halle, gruftartig, einem mykenischen Grab nachempfunden. Diese Halle jagt einem weit mehr kalte Schauer über den Rücken. Ja, das ist eindrucksvoll, wirkt aber vor allem einschüchternd.

In der Pfalz.
Am Donnersberg bezogen wir ein Zimmer, das uns Aussicht auf den Berg bot. Auf einer Weide vor dem Berg weideten Pferde. Na ja, das klingt sicher kitschig: Meine Urlaubslektüre ist „Die Einhornberge“ von Michael Bishop - nun, was passt besser als Illustration?

Auch hier gibt es viele historische Orte, wie zum Beispiel diese Anhäufung von drei Burgen auf einem 200 m langen Felsen - Altdahn, Grafendahn und Tanstein.
Interessante Konstellation, wie ich finde. Vom Bergfried der mittleren Burg hat man dann auch so einen tollen Blick: den
Machu Picchu-Blick möchte ich ihn nennen...
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Worms.
Ach, die Städte im Westen... Paderborn, Kaiserlautern, Worms. Wenn man dort landet, kann man sie kaum voneinander unterscheiden. Man merkt, dass sie im Krieg weitestgehend zerstört wurden und danach eben zur gleichen Zeit aufgebaut; leider auch im nahezu gleichen Stil. Die Einkaufs-Zentrums-Straßen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. (Als „Ossi“ fiel mir dies besonders auf, denn „unsere“ Neubaustädte sehen halt anders (gleich) aus und wurden wegen ihre eintönigen Architektur so sehr gescholten... nun ja...)
In Worms gibt es aber auf einem Rest der Stadtmauer eine ganz tolle Nibelungen-Austellung. Zwar bietet die „Ausstellung“ kaum richtige Ausstellungsstücke, aber einen akustischen Rundgang durch die Nibelungengeschichte. Das war richtig toll (und für mich auch noch mal der Anlass, etwas nachzulesen, davon später mehr). Hier schon mal vorab: Ich und Hagen, der gerade den Schatz im Rhein versenkt.

Strasbourg.
Als „Kontrast“ machten wir einen Ausflug nach Strasbourg. Dort waren wir schon mal vor ca. 15 Jahren. Aber auf das Gedächtnis ist ja Verlass: Man vergisst so schnell. Hier kann man einen herrlichen alten Stadtkern bestaunen; ganz toll der Blick auf den Dom. Der kommt nämlich überraschend, wenn man fast zufällig um eine Häuserecke kommt.
Tolle Läden entdeckt: Großer Comic-Laden (aber fast nur französische Autoren! ... allerdings auch die neusten Hellboy-Alben, die es in Deutsch noch nicht gibt und die auch großformatiger sind als bei uns...) und ein Weihnachtsschmuckgeschäft - im Hochsommer!

Kunst.
Auf dem Rückweg noch Halt in Kassel gemacht. Nach 1997 (10) nun die dOCUMENTA 13. Tja nun... jetzt könnte ich über Kunst und das Auge des Betrachters schwadronieren. Es sind beeindruckende Objekte dabei gewesen, aber vieles erschloss sich mir nicht. Zumindest nicht von selbst. Und einige „Objekte“ sind ein wenig wie des Kaisers neue Kleider: Wenn da große Räume leer bleiben und der Luftzug durch den Raum als Kunstobjekt „verkauft“ wird. Was soll das?

Fotos: Thomas Hofmann

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Wolfen

Eine Jugenderinnerung: WOLFEN. Den habe ich mal in meiner Jugendzeit, spät, tief in der Nacht, gesehen. Natürlich Schwarz/Weiß. Seitdem nicht mehr. - Also, in meiner Erinnerung war das sehr spät. Und das Schwarz/Weiß hatte zur Folge, dass ich damals dachte, irgend etwas stimmt nicht mit dem Film, denn immer dann, wenn der Zuschauer aus der Sicht des Wolfes die Szene sieht, wird ja eine Verfremdungstechnik angewandt, die in S/W irgendwie nicht so gut kommt.

Der Film ist ja bekannt, vor Kurzem erschien das Buch von Strieber noch mal bei Festa. Daher hier nur mal kurz zusammen gefasst, was mir so durch den Kopf ging.

Der Film stammt aus den frühen 80ern und ich sah ihn auch in den 80ern. Die South Bronx war damals noch wirklich die Bronx. Also ein total herunter gekommenes Viertel von New York, bewohnt von Junkies (so wird es zumindest geschildert). Solche Bilder machten den Ruf dieses Stadtteils, einer Hochburg der Kriminalität, aus. Die Stimmung, die der Film aufbaut, hat etwas Apokalyptisches: Die Ruinen, die vielen Leichen in der Pathologie, der abstumpfende schwarze Humor der Protagonisten, die ihre Depressionen lieber runter spühlen.
Inzwischen ist das weg. Was damals sozusagen Gegenwart war, ist nun längst vergangene Geschichte. Fand ich bemerkenswert.

Was mich überraschte: Als Täter für die bestialischen Morde wurden zunächst internationale Terroristen vermutet. Im Film wird auch dann konkret von so einer Gruppe berichtet (Götterdämmerung), die zunächst als Schuldige ausgemacht wurden. - War mir völlig entfallen. Und ich möchte behaupten, das spielte damals auch keine so große Rolle: Terroristen; Krieg gegen den Terrorismus... Heute ist man da ganz anders sensibilisiert; spielte aber damals wohl auch schon eine Rolle...

Edward James Olmos kann man da in eine seiner ersten Rollen sehen. Nun mag ich ja diesen Schauspieler, spätestens seit BLADERUNNER und MIAMI VICE, und auch in GALACTICA!!! Doch was passiert hier? Er spielt einen jugendlichen Indianer, der bei Hocharbeiten eingesetzt wird und der den Traditionen (echten und angedichteten) teif verwurzelt ist. Was auffällt: Olmos spielt fast immer sehr zurückhaltend, ruhig, irgendwie „buddhistisch“. Und hier: Der Junge Haudrauf, voller Tatendrang und Bewegungsenergie. Ich habe ihn erst gar nicht erkannt!

Ansonsten: Der Film hat ja so seine Längen, ähnelt in der Erzählweise seinen „Zeitgenossen“, wie z.B. von Carpenter. Kann aber trotzdem hinreichend Spannung aufbauen. Solche Filme dreht und erzählt man heute anders. Das hat seinen Charme. Dann hat mir auhc die Aussage gefallen - von den uralten Weisheiten und Traditionen (sinngemäß: Wir sind 10 mal älter als Ihr Christen). Vielleicht ist das Ganze etwas plakativ, kommt aber grundehrlich rüber.

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...jetzt wird's russisch: Обитаемый остров

Dark Planet. The Prisoners Of Power. (Obitaemyy ostrov). Part 1 (???) von 2008, mitunter auch unter dem Titel: „The Inhabited Island“ (Die bewohnte Insel)

Ein russischer SF-Film, aufwändig, tolle Effekte, nach einem Roman von den Strugazkis? Muss ich sehen!
Habe ihn gesehen. Und nun? - Ein paar Eindrücke:
Nach kurzer Kamerafahrt durch ein deutlich erkennbar am Computer erstelltes Kanalsystem sehen wir den strahlenden, jugendlichen Helden in seinem Raumschiff-Cockpit. Das Raumschiff selbst ähnelt irgendwie einem anderen, komme jetzt nicht drauf (diese Tentakel - hier als Antrieb). - Dies ist übrigens ein grundsätzlicher Eindruck: Man hat sich scheinbar von vielen SF-Filmen inspirieren lassen. Nun, ok, man muss ja nicht dauernd alles neu erfinden...
Nach kurzem Telefonat mit der Oma, die meinte, er solle doch lieber seine Prüfungen an der Uni absolvieren, statt im Kosmos rumzupendeln, wird das Raumschiff von etwas getroffen, stürzt ab und landet hart in der Wüste eines fremden Planeten. Den Absturz aus dem Orbit hat unser Held unangeschnallt überstanden, nachdem er mal kurz auf den Pult geditscht ist; die Frisur sitzt.
Er steigt im Unterhemdchen bekleidet aus, lächelt in die Runde; die Frisur sitzt.
In einem Wald wird er von einem Halbwilden aufgegriffen und abgeführt in so eine Art Gulag, wo schwarzuniformierte Fascho-Typen das Marschieren üben. Ihr Symbol kommt mir doch irgendwie bekannt vor: Klar, das ist eine 1:1-Kopie des Pfeilkreuzes der ungarischen Faschisten. Sie heben aber im orwellschen Sinne nicht die ausgestreckte Hand, sondern die geballte Faust.
Unser Held, Maxim Kammerer aus der Kammerer-Trilogie von den Brüdern Sturgazki, wird hier als blonder, muskelbepackter Sunny-Boy dargestellt. Er lächelt laufend, was mir schnell auf den Zeiger ging. Kämpfen kann er wie ein asiatischer Martial-Arts-Kampfkunstmeister. Wenn ich mal vorgreifen darf: Die Kampf-Choreographie fand ich nicht wirklich gelungen. Sie wirkte auf mich wie ein Abklatsch diverser, einschlägiger Filme aus Fernost. Darauf muss man sicher stehen, um diese unrealistischen Flug-Kampf-Tänze zu mögen.
Maxim Kammerer Superheld? Ja, das zumindest stimmt! Die Menschen der strugazki’schen Zukunft sind Supermen. Das kommt im Film dann noch mal zur Geltung, als Maxim erschossen wird und dennoch überlebt, weil sein Körper sowas wegsteckt. (Nur den Kopf darf man nicht treffen.) Ach ja, die Frisur sitzt auch danach.
Nach 10 Minuten steckt Maxim mitten drin im Schlamassel, wurde gefangen genommen, hat sich mit einem Gardisten angefreundet, wurde das Lager angegriffen; Krawumm!
Zunächst dachte ich mir, dass diese enorm verkürzte Erzählweise mit dem Vorspann einher geht, in dem Comic-Strip-Szenen „aufgeblättert“ werden. BTW: Kennt jemand noch den Comic aus der Zeitschrift SPUTINIK zum Roman „Die bewohnte Insel“; Mist, habe sie irgendwie wohl mal weggeworfen, Schade eigentlich. Kann mich aber erinnern, dass Maxim dort ähnlich dargestellt wurde.
Also muss man diese Handlung mit all seinen Einkürzungen und daraus resultierenden Unlogiken erklären. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Das ist ja nur die Kurzfassung des Films! Es gibt da wohl eine lange Fassung, doppelt so lang. Hmm, muss ich wohl auch noch sehen...
Um die Zuschauer in diese Welt reinzuholen, werden viele Zitate genutzt, aus der SF-Filmwelt und aus der irdischen Geschichte. Die Stadt, in der der Hauptteil der Handlung spielt, erinnert an „Metropolis“ und „Bladerunner“. Das Interieur in des Staatsanwalts Gemächern sieht russisch-byzantinisch aus, opulent und überladen. Um eine abweisende Atmosphäre zu erzeugen, regnet es auch mal stark, wie in „Bladerunner“, oder auch „Stalker“. Nicht alle Szenen nehmen sich bierernst, mitunter fühlte ich mich auch an die satirische Überhöhung wie etwa in „Brasil“ oder „Das 5. Element“ erinnert.
Als Maxim dann eine Art Super-Bomber zur Verfügung gestellt bekam, fühlte ich mich gar an „Iron Sky“ und die rasselnde Retro-Zahnrad-Ästhetik erinnert. Das mag wohl (auch als Ableger des Steampunks) in der Luft liegen. Kommt sicher gut, auch wenn es auch unlogisch ist: Übermanngroße Zahnräder aus Guss-Eisen treiben ein Luft-/Raumschiff an?
Aber wie schon erwähnt: Warum muss man das Fahrrad immer wieder neu..., na, Ihr wisst schon.
Andererseits: Diese eklektische, einfache assoziative Bildsprache funktionierte nicht immer, meiner Meinung nach. Wenn da dreckige Menschenmassen so eine Mittelaltermarkt-Stimmung erzeugen sollen, in einer supergroßen, supermodernen, Hochhäuserstadt, dann wirkt das unstimmig.
Als Kontrast zum dreckigen Alltag ist dann die holde Unschuld sauber, glatt, ungeschminkt, schlicht und rein. Oh je...
Diese Welt wird von harter Hand regiert; dazu wird eine Atmosphäre der Angst und ständigen Bedrohung geschürt. Das kennt man spätestens seit „1984“. Die Feinde sind dann auch Mutanten und „Ausgeartete“, gegen deren Terror nur der Terror der Garde hilft. Dieses System wurde von den „unbekannten Vätern“ erschaffen nach einem Atomkrieg und durch eine Art Super-Medien-Netz aufrecht erhalten: Per Strahlen werden die Leute flächendeckend beeinflusst.
OK, das ist alles sehr plakativ. Da muss ich wohl tatsächlich „Die bewohnte Insel“ noch mal lesen, um zu sehen, wie sehr man hier die Ideen der Autoren ...verarbeitet hat.
Mich konnte der Film am Ende nicht so recht überzeugen, die Figuren haben mich in keiner Sekunde berührt, die Handlung empfand ich nicht als originell. Die Ausstattung, Effekte, das Geballer, die Kämpfe - all das fand ich zu unorganisch inszeniert. Inhaltlich wird zwar klar, dass das System von einem Erdenmenschen aufgebaut und geleitet wird (Wanderer Rudolf), aber die besondere dramatische Situation, in der sich dieser Superman aus der großartigen, geläuterten (kommunistischen?) Zukunft befindet, der hier mit einer Situation konfrontiert wurde, in der er zum Stalinisten / Faschisten werden lässt. Weil es wohl anders nicht geht? Hmm, muss wohl wirklich das Buch noch mal lesen.
Aber wichtig: Die Frisur sitzt (am Ende lediglich blutverschmiert).

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„Ja, dürfen die denn das?“ - das Elend des Rezensenten

Wer hätte das gedacht, ich jedenfalls nicht – bisher: Die Frage, ob irgend jemand einfach so über ein literarisches Werk eine Meinung formulieren und kund tun darf, steht nun tatsächlich im Raum.

Nachdem ein bis dato eher unbekannter, wenn auch sehr „lauter“ Fantasyautor, dessen Werke er selbst als „phantastische Abenteuerromane“ bezeichnet, sich nicht gerade sachlich gegen Rezensionen seiner Werke wehrte, da diese ihnen, seiner Meinung nach, nicht gerecht wurden. Er fordert gar eine Art akademische Approbation für Rezensenten; nur wer kann, der darf auch.
In seinem konkreten Falle war die „Rezension“ nicht mal eine, nur halt so eine Meinungsbekundung, dass sein Werk nicht gefalle.
Warum ich das betone? Na ja, fühle mich irgendwie ertappt.
In meiner „Karriere“ als Rezensent, vormals vor allem für SOLAR-X, aber auch GOTHIC GRIMOIRE, ALIEN CONTACT u.a. ZInes näherte ich mich den gelesenen Werken zunehmend subjektiv. Das tat ich ganz bewusst, da ich der Meinung war und bin, dass meine Meinung nur eine von vielen ist. Ich befürchte, es gibt gar keine objektive Einschätzung, höchstens in den Gefilden der gehobenen Literaturwissenschaften.
Habe ich da – sozusagen intuitiv – das Urteil des „Rezi-Mafia“-Gegners vorweg genommen?
Inzwischen gibt es für mich kein Betätigungsfeld als Rezensent mehr, den Fanzines weine ich so manche Träne nach, auf den zahlreichen Internet-Plattformen bin ich nie so richtig angekommen. Ich beobachte dort auch eine gewisse Beliebigkeit. Man findet ja beispielsweise schnell etwas zu einem Buch, das einen interessiert. Doch fällt es zunehmend schwerer, Unterschiede in Anspruch und Ausrichtung bei den verschiedenen Rezensionsangeboten auszumachen. Aber das ist wohl in erster Linie mein Problem, da ich mich nicht mehr so eingehend damit beschäftige. Viele fleißige Rezensenten leisten durchaus tolle Arbeit und ich wünsche Ihnen, dass sie viel mehr Aufmerksamkeit erhalten, als ich ihnen zukommen lassen kann!

Selber führe ich mehr oder weniger nur meine Leseliste. Hier, mehr denn je, geht es mir nur um die Wiedergabe weniger, rein subjektive Eindrücke, mehr als Erinnerungsstütze für mich und vielleicht – so hoffe ich – auch für den einen oder die andere, die sich hierhin verirrt und sich davon inspirieren oder gar zu Kommentaren verleiten lässt.

Nach der Attacke des besagten Autors gegen die „Rezi-Mafia“ kommt – so empfinde ich es jedenfalls – ein Wind auf, der den Rezensenten, vornehmlich (aber nicht nur) im Internet, kräftig entgegen bläst. Und langsam frage ich mich, wie das kam und was dahinter steckt.

Beispiel 1: „Occupay The Feuilletons“, initiiert von Thor Kunkel. Kenne ich als Facbook-Gruppe. Hier polemisiert der Autor mit gewohnt spitzer Feder gegen die echte oder vermeintliche Macht des Feuilletons. Da geht es also nicht um kleine Literatur-Bloggs oder Forenbeiträge, die eher schon mal in der Masse untergehen. Das Urteil eines Rezensenten in überregionalen Zeitungen kann ja schon was bewirken...

Beispiel 2: Alban Nikolai Herbst kritisiert in seinem Internet-Tagebuch „Die Dschungel / Anderswelt“ eine unsachliche Kritik eines seiner Bücher in den Kommentarseiten eines großen Internetbuchladens. Hier wird ähnlich wie bei dem oben erwähnten, in seiner Argumentation nicht immer so feinen Autor, auch recht scharf gegen die Unbedarftheit der Besprechung geschrieben. Hier, bei Herbst, der ungleich sachlicher und formvollendeter schreibt, kann ich sogar nachvollziehen, worum es ihm geht. --- Kann so eine Meinungsäußerung dazu führen, das die Existenz des Autors bedroht wird, da man als potentieller Leser vom verrissenen Buch abgeschreckt wird? Auch Herbst schreibt von der „Dummheit von Lesern“ (siehe hier)

Beispiel 3: Michael K. Iwoleit setzt sich in einem Beitrag in der Facebook-Gruppe „Deutsche Science Fiction“, mit einer Rezension seiner Story in NOVA 17 auseinander.
In diesem Beitrag und den folgenden Wortmeldungen kommt Zweifel an der Kompetenz des Rezensenten zum Ausdruck.

Ist diese hier in Fetzen erkennbare Diskussion Teil der gerade tobenden, großen Diskussion über Recht und Unrecht im Internet (die potentielle Verbreitung von schnell geschriebenen, ungefilterten Meinungen im Netz dürfte von ausschlaggebender Bedeutung für dieses Phänomen sein)? Entstehen hier neue „Verschwörungstheorien“? Sind es reale Existenzängste oder nur gekränkte Eitelkeit, die zur Kritik der Kritiker führt?

Was kann ich aus dem schließen?
Als Ost-Mensch war die Möglichkeit, unbehindert meine Meinung über Sachen zu äußern, die mir am Herzen liegen, eine der wirklich großen Errungenschaften der westlichen Freiheit. Irgendwann lernte ich auch, dass mir andererseits nicht jede Meinung, die so geäußert wird, mir auch passt. Und ich lernte, dass Leute, die anderer Meinung sind als ich, deshalb nicht dümmer sind. Wenn mich jemand nicht versteht, muss das nicht bedeuten, das der Andere dümmer ist. - Dann lernte ich noch, dass anderen, gegensätzlichen Meinungen mit Schimpftiraden kaum zu begegnen ist; das verhärtet nur die Fronten.
Was die Literatur anbelangt, tja, da ist Vieles Geschmacks- und Stimmungssache. Demzufolge haben gerade wir kleinen (fannischen – auf die SF-Szene bezogenen) Rezensenten auch das Recht auf Subjektivismus.

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Thomas' Lektüre-Resümee 2011

Mal kurz zusammen gefasst: Die Romane (auch als Hörbuch) und Erzählungsbände, die ich in 2011 gelesen habe. Hier ohne Punktewertung, aber insofern gewertet, ob ich sie – aus der Erinnerung heraus – empfehlen würde (ich befürchte, so mit dem zeitlichen Abstand, verschieben sich einige Wertungen).
Die Farben bedeuten (rot und fett = Superbuch!)
  • primstens
  • gut bis so lala
  • eher zu vernachlässigen
Jussi Adler-Olsen: "Schändung"

Carl Amery: „Der Untergang der Stadt Passau“ (Entdeckung für mich!)
Martin von Arndt: "Der Tod ist ein Postmann mit Hut"
Martin von Arndt: „ego shooter“
von Aster / Koch / Hoffmann: "Weihnachten im Stirnhirnhinterzimmer. Bedingt besinnliche Geschichten"
Paolo Bacigalupi: „Biokrieg“
Otto Basil: „Wenn das der Führer wüsste“
Ned Beauman: „Flieg, Hitler, Flieg!“
Robert Bloch: „Der Feuerengel“
Frank Borsch: Perry Rhodan Neo 1. Sternenstaub
Charles Bukowski: „Pulp ausgeträumt“
Charles Bukowski: „Kaputt in Hollywood“
Charles Bukowski: "Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel"
Charles Bukowski: „Fuck Machine“
Charles Bukowski: „Hollywood“
Martin Cruz-Smith: „Der andere Sieger“
Dietmar Dath: "Die Abschaffung der Arten"
Ralph Doege: „Ende der Nacht“
Christa Faust: "Hardcore Angel"
Andrej Gelassimow: "Durst"
Greg F. Gifune: „Blutiges Frühjahr“
Andreas Gruber: „Ghost Writer“
Elliott Hall: „Den ersten Stein“
Elliott Hall: „Böses mit Bösem“
„Hiroshima soll leben“
Robert E. Howard: „Rächer der Verdammten. Die Abenteuer des Solomon Kane“
Robert E. Howard: „Unter schwarzer Flagge“
Brian Keene: Kill Whitey
Jack Ketchum: "Die Schwestern"
Jörg Kleudgen: „Stella Maris“
E.E.Knight: "Saat der Nacht"
Helmut Krausser: „Einsamkeit und Sex und Mitleid“
Thor Kunkel: „Subs“
Anatolij Kusnezow: „Babij Jar. Die Schlucht des Leids“
Joe R. Lansdale: „Kahlschlag“
Nikolai Lilin: „Freier Fall“
Arjen A. Lucassen & Wilko Müller jr.: "Die Reise ins Elektrische Schloss"
Carlton Mellick III: „Ultra Fuckers“
China Miéville: „Der Krake“ (die Enttäuschung des Jahres für mich)
Christian Montillon: „Utopie Terrania. Perry Rhodan Neo 2
Michael Moorcock: „Die Kriegsmeute“
Michael Moorcock: "Der Eroberer"
Michael Moorcock: „Die See des Schicksals“
Michael Moorcock: „Elric am Ende der Zeit“
Michael Moorcock: "Das Buch Corum"
Wilko Müller jr.: „Fräulein Schmidt und die Maske der Mona Lisa“
Walker Percy: „Das Thanatos-Syndrom“
Douglas Preston & Lincoln Child: „Cult. Spiel der Toten“
Gero Reimann: „Sonky Suizid“
Frank Schätzing: "Der Schwarm"
Uwe Schimunek: „Das Thüringen-Projekt“
Roger Smith: „Kap der Finsternis“
„Styx. Fluss der Toten“
Jeffrey Thomas: „Tagebuch aus der Hölle“
Michael Tillmann: „Ein Gänsekiel aus Schwermetall“
Volkmer Weiss: „Das Reich Artam“ - eher gar nicht gut -
John Wyndham: „Kolonie im Meer“
John Wyndham: „Die Triffits“
Carlos Ruiz Zafón: „Der Schatten des Windes“

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Die Hölle ist kein übler Ort, meint Jeffrey Thomas

Jetzt kann Weihnachten beginnen! Die Hölle ist gerettet und im Grunde gar kein so übler Ort, oder?

Endlich wieder ein Thomas! Habe mich sehr darauf gefreut, doch dann lag das Buch noch eine Weile auf dem SUB. So kurz vor Weihnachten und Jahresende sollte dieses Highlight aus der Horror-Jahr 2011 aber noch goutiert werden.

Also: Die Hölle ist nicht Punktown. Nein, das nicht. - Ich brauchte ein Weilchen, mich an das Sujet zu gewöhnen. Ich war unentschieden: Wo läuft der Hase hin? Ist das eine Parodie, soll das ein böser Splatterroman werden, denn wo wenn nicht in der Hölle wird auf Teufel komm raus gefoltert und gemartert? Aber will ich so was lesen? „Saw“ auf 250 Seiten?
Oder ist „die Hölle“ ein Synonym für „die Welt“ - ohne Gott? Steht das Buch gar in einer Tradition? Dante für das 21. Jahrhundert?
Jeffrey Thomas hat mich so ca. nach 50 Seiten herumgekriegt. Was er nämlich wirklich kann: erzählen. Auch wenn der Plot ein ziemliches Konstrukt ist, so schildert der Autor so plastisch und einfühlsam, da muss man einfach mitgehen.
Unser Ich-Erzähler ist ein gottloser Selbstmörder, ein Möchtegernschriftsteller, der sich die Kugel gab, weil es mit der Schrifttellerkarriere nicht klappte, auch sonst nicht im Leben, mit der Frau etc.
In der Hölle muss er erst mal so was wie einen Grundwehrdienst absolvieren, wird da ordentlich durch die Mangel genommen. Das alles wird aber nicht wirklich drastisch erzählt, also keine Folter-Orgie, wie man sie aus dem Kino kennt.
Als Ausgleich führt er illegal Tagebuch. Das Tagebuch ist übrigens auch ein verdammter Hölleninsasse, der aber nur mit seinem Auge kommunizieren kann und um den sich unser Held etwas kümmert.
Das Personal in der Hölle sind Dämonen. Engel kommen, um sich auszutoben und Leute zu foltern usw.
Gott glänzt durch Abwesenheit, Satan scheint es überhaupt nicht zu geben.
So ganz beiläufig entwickelt der Autor eine stimmige höllische Gesellschaftsordnung mit eigener Geschichte, Regeln, unsterblichen und sterblichen, seelenlosen und beseelten Kreaturen, mit einer Hackordnung.
Und es gibt Fluchtpunkte aus der scheinbar festgefügten Folterordnung. Es gibt sogar eine Lovestory, einen Aufstand, Kämpfe und ein versöhnliches Happy End. Auch der Plot hat mich dann also überzeugt.
Dazu gibt es zahlreiche erstklassige Illustrationen von Erik Wilson; die mir außerordentlich gut gefielen!
Bei all den Engeln und christlich-religiösen Bezügen fühlte ich mich sogar irgendwie auf Weihnachten eingestimmt. Nun ja...
Großartige Weisheiten sollte man nicht erwarten, das ist ein Klasse-Unterhaltungsroman. Die Konflikte, die unser Held da ausficht, funktionieren auch außerhalb der Hölle; die konstruierten besonderen Umstände dieses unwirtlichen Ortes sind Fantasy, reiner Eskapismus; wirklich Philosophisches habe ich nicht entdecken können (von wegen Dante und so...).

OK, nun heißt es warten bis zum Frühjahr, denn da bringt FESTA den Band mit Chtulhu-Stories von Jeffrey Thomas. Wieder was zum drauf Freuen!

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Nach dem Krieg im Iran: Elliott Hall: "Böses mit Bösem"

Elliott Hall: „Böses mit Bösem“

Ach, diese „bösen“ Buchtitel. Wenn ich solch einen Titel sehe, lasse ich meist sofort die Finger davon. Das ist eine wahre Inflation der Bösen!
Nun war ich aber hinreichend begeistert vom ersten Band um den Iran-Krieg-Veteranen Felix Strange, der sich im „Kirchenstaat USA“ als Privatdetektiv durchschlägt. „Iran-Krieg“? Nee, kein Tippfehler. Das ist SF, die aber, wenn man die Nachrichten verfolgt, als man gar nicht mehr so unwahrscheinlich und weit in der Zukunft angesiedelt sehen darf.
Das letzte Mal wurde Strange von den neuen politischen Mächten, die die USA immer mehr beherrschen, in ihre Intrigen integriert und fast verheizt. Er kam noch mal davon. Allerdings steht er nun immer noch unter „Beobachtung“, sozusagen...
Diesmal wird er darauf hingewiesen,dass ein alter Kamerad aus dem Iran-Krieg verschwunden ist. Also richtig verschwunden, so sehr, dass keinerlei Spur von ihm übrig blieb. Das passierte auch anderen Leuten. Da werden Biografien und Spuren, die Menschen in der Gesellschaft hinterlassen, vollständig ausgelöscht, was auch bedeuten kann, das deren Familien nicht „mehr da sind“. - Wer macht denn so was?
Das Buch ist etwas dicker als das erste; dennoch endet er .. - unentschlossen. Wie soll ich es anders ausdrücken? Das Ende dürfte ziemlich unbefriedigend sein; aber wahrscheinlich ist das real. Denn Felix legt sich wieder mit den ganz Mächtigen an. Wenn er da überhaupt mit heiler Haut raus kommt, ist das schon ein Wunder.
Der Autor verwendet diesmal noch mehr Raum der Schilderung der politischen und Lebensumstände in der USA der nahen Zukunft. - Man könnte seinen wie ein Gegenroman zu „Flashback“ von Dan Simmons lesen. Ist jedenfalls interessant, dass beide Bücher im Deutschen gleichzeitig erschienen.
In den USA regiert ein Präsident, der von einem fundamentalistisch-christlichen Rat der Ältesten gelenkt wird. Ihren Einfluss in der Bevölkerung besitzen diese Ältesten durch eine Reihe von mehr oder weniger karitativen und / oder terroristischen Organisationen, die durch die Verbreitung von Heilsbotschaften und den moralischen, religiösen und eben auch physischen Druck die Leute für sich gewinnen und / oder mundtot machen, unterdrücken, einschüchtern.
Hall erzählt da auch Sachen, die für die unmittelbare Handlung eigentlich keine Rolle spielen, so z.B. von einer Art Jugendorganisation, eine Art Kinder-SA: Den „Söhnen Davids“. Das gibt es eine tolle Szene in einer Gaststätte, in der ausländische Touristen von solchen Typen angemacht werden; und alle US-Bürger gucken beschämt weg.
Oder es wird so ein fanatischer Gottesdienst dieser Erweckungsbewegung geschildert. Da denke ich allerdings, das ist wohl keine SF...
Diesmal gibt es ausführliche Rückblicke in die Vergangenheit. Es wird davon erzählt, dass Strange irgendwie mit den Auswirkungen der Bombe, die die Amis über Teheran zündeten und deren Wirkung die Stadt in eine Geisterstadt verwandelte. Was das aber für ein Zeug war, worunter Felix nun tatsächlich leidet, ist weiterhin unklar.
Ohne viel Phantasie erzählt der Autor davon, dass der Grund, weshalb die USA den Iran nun angegriffen hatten, nämlich die Zündung einer A-Bombe in Houston, vielleicht doch nicht stimmte. Jedenfalls konnten die Ermittler im Iran kaum etwas finden, was darauf schließen lässt, dass die die Bombe geabaut haben könnten. Na, das kennen wir doch...
„Das Komitee für Kinderschutz“ aus Teil 1 ist so ziemlich ausgeschaltet (nach den Ereignissen aus Teil 1). Dafür gibt es neue Truppen, z.B. eine Firma, die eine Privatarmee unterhält,„Fisher-Partners“. Dann gibt es eine „Spezialeinheit 17“, die im Iran-Krieg hinter den feindlichen Linien für die Entführung von „Feinden“ verantwortlich war und deren Opfer ausgewiesenen Verhörern zugeführt wurden. Felix Strange gehörte damals dazu. Daher kennt er deren Potentaten, denen er nun wieder begegnet. Er hat mit den „Idealen“ dieser Mordstruppe gebrochen, was seine Ex-Kommandeure nicht gut heißen. Um es mal so auszudrücken...
Er sieht auch seine Schwarm aus Teil 1, Iris, wieder; doch wie es scheint, zum letzten Mal. Oder doch nicht?
Nun ja,es bleibt viel offen. Das kann – nein MUSS – nur bedeuten, dass es eine Fortsetzung gibt. Ich bitte innigst darum!!! --- klick klick klick --- gleich mal nachgesehen, und tatsächlich: Im Frühjahr erscheint dann „The Children's Crusade“. Yes!!
10 / 10 Punkte

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Tags: Ende, Nacht, eRDe7, sehr, gut!

Ralph Doege: „Ende der Nacht“
Deltus media, Leipzig, 2010

Auch wenn ich jetzt in den Verdacht der Schleimerei gerate, zumal der Autor zu den Forianern hier gehört, so muss ich zugeben, dass mich lange nicht mehr eine Story-Sammlung so beeindruckt hat!
Dabei war es für mich völlig unerheblich, dass es sich nicht immer um SF, nicht mal um Phantastik im weitesten Sinne, handelt. Ist ja eher eine Sammlung tragischer Liebesgeschichten. Das Motto zu „Wunden“ scheint mir symptomatisch zu sein für die meisten der Texte: „...Liebe bedeutet... das Bedürfnis, verloren zu sein...“ (S. 193; Zitat von G. Bataille).
Ich kann auch gar nicht sagen, welche Story mir am besten gefallen hat. Vielleicht waren es nur zwei, zu denen ich keinen rechten Zugang fand, und zwar „Alter ego“ - war das überhupt eine Story? Irgendwie ja, aber vielmehr noch ein philosophisches Essay, und „Im Sog“.
Ein paar Worte zu den Erzählungen:
■ „Balkonstaat“ ist eine Dystopie, vielleicht eine Mischung aus Kafka und Bukowski. Das Szenario wird schnell und treffend skizziert. Der totale Kapitalismus herrscht und lässt jedes Privatleben asozial erscheinen. Hier begegnen wir gleich das erste Mal den Qualen der Liebe.
■ „Altes Muster“ spielt in einem Fantasy-Postdoomsday-Leipzig. Autos fahren auf den Straßen, Supermärkte werden geplündert und ein Drache verlangt nach Jungfrauen. Eine seltsame, Aufmerksamkeit heischende Mischung, die aber sehr gut zusammen passt. Kaum zu glauben, das Ganze ist sehr stimmig. Es geht um den Wert von Vertrauen und Liebe in einer korrupten, finsteren Nach-Welt-Gesellschaft, spannend und konsequent erzählt bis zum Schluss.
■ „Im Sog“ ist eine Replik auf eine vergangene Liebe und ein vergangenes Leben, erzählt anhand der Einrichtung eines Hauses, mit dem diese verbunden sind. Schöne, melancholische Grundstimmung.
■ „Nikki oder Jeder stirbt allein“ erzählt von der seltsamen Romantik eines Killer-Pärchens a lá Bonny & Clyde / „Leon - Der Profi“. Der Killer möchte von allen geliebt werden. Der perfekte Mord ist der, bei dem sich das Opfer wohl fühlt. Ein Märchen von den „schönen Bestien“ - alles seelische Zustände, zu denen Normalsterbliche keinen Zugang haben; sicher ist das eine Form falscher Romantik, aber schön!
■ „Julia und die dunklen Spiegel“. Wieder eine Julia (wie in „Altes Muster“), wieder Leipzig. Julia und das männliche Pendant, Julian, (auch in „Altes Muster“) wird uns noch mal begegnen in diesem Band. (Also, Ralph, wer ist Julia?). Es wird der Frage nachgegangen,was Crowleys Magick bewirken kann; für den unglücklich Verliebten bringt es nichts.
■ „Kago Ai oder Das Ende der Nacht“. Großartig! Diese Story entlässt den Leer voller Bilder im Kopf. Der Autor spielt hier wohl auch mit seinen musikalischen Vorlieben und beginnt scheinbar ein Mosaik verschiedener Stories auszubreiten. Sollte dies einem verrückt vorkommen, so ist das sicher beabsichtigt, denn der Schauplatz ist eine psychiatrische Klinik. Es geht dabei auch um Drogen, wieder um eine unerfüllte Liebe, Melancholie und Selbstmord.
■ „Laura und die weiße Spinne“; hey, keine Julia. Und keine lustige Geschichte, denn die „weiße Spinne“ ist Krebs, unter dem ein einsamer Mann leidet, der seine unerfüllte Liebe wohl nur mit Stalking und Spannen seiner Angebeteten ausleben kann. Dann ändert sich aber vieles, um am Ende wieder sehr abrupt und überraschend den Leser zu schocken.
■ „Writer's Cut“. Der Titel ist eine Analogen zu „Director's Cut“ beim Film. Diesmal ist es eine sehr schöne, wenn auch ungewöhnliche Liebesgeschichte. Ungewöhnlich, weil zwischen Mensch und Android. Die Story hat was von Simak oder Bradbury.
■ „Freepolis“ ist ein Verbrecher-Utopia augensicher Couleur, in der der Autor wieder einmal eine vergebliche Liebesgeschichte ansiedelt, die im Bombenhagel endet.
■ „Wunden“ ist fast nur ein Text-Vignette, eine schöne Übung zum Thema Werwolf (und Liebe, natürlich...).
■ „Zwillinge“ gehört meiner Meinung nach zu den überragenden Stories des Bandes! Julia und Julian sind die Zwillinge, die hier im Widerstand zur Moral und Gesellschaft ihre Geschwister-Liebe ausleben wollen und scheitern. Eindrucksvoll und sicher nicht ganz unproblematisch.
■ „Zombie!Music for Zombie!People“. Diese Story erinnert mich an das was Dietmar Dath zu seiner eigenen SF sagte / schrieb, der sich der SF verpflichtet fühlt, aber auch der deutschen Literatur. Das hier könnte so etwas sein, also Phantastik Dath'scher Prägung?
Es ist keine 08/15-Zombie-Story, weder inhaltlich, noch formal. Der Form nach ist es wie der Versuch einer Story, denn der Autor selbst „spielt“ mit. Er schreibt einen Brief, in dem er über seine neue Story schreibt. Dabei führt er einige Szenen aus, aber nicht alle. Mit diesem Trick kann der Plot auf das Mindestmaß reduziert werden, was aber völlig ausreicht. Die Zombies stehen hier wohl, auch wenn das nicht explizit zum Ausdruck gebracht wird, für die an die hohle Konsumwelt Angepassten. Ein Musikprojekt richtiger Menschen versucht sich an die Zielgruppe anzupassen.
So, wie hier Zombies beschrieben und für die Story aufbereitet werden, erinnert es mich eben sehr an Dath, „Alles in Honig“ etwa. Trotzdem sehr originell und ungewöhnlich!
Ich weiß gar nicht, warum in den Autor so lange ignorieren konnte; war ein großer Fehler, den ich jetzt etwas gut gemacht habe. Nunmehr gilt es, die Augen aufzuhalten.
11 / 10 Punkte

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Zu PR neo 2.

Christian Montillon: „Utopie Terrania. Perry Rhodan Neo 2"
Nach 2 Romanen stelle ich die Vertrauensfrage: Wozu das Ganze?
Klingt enttäuscht? Ist es auch.
Ich weiß, das der „Roman“ kein Ende haben wird. Es wird also in Zukunft beliebig etwas dazu erfunden. Hinzu kommt, dass viele Ideen nur Nuancen dessen sind, was vor 50 Jahren geschrieben wurde. Ich kene das alte Zeug nicht (richtig), aber der Gedanke (verdammte Meme) drängen sich immer mehr in den Vordergrund.
Langsam erkenne ich auch (wieder), was mir an solchen Trivialepen nicht gefällt: Redundanz und fehlende Plausibilität.
Ein Gedanke wird mit verschiedenen Sätzen wiederholt, hintereinander. Das halt e ich für schlechten Stil. Entscheidungen werden schnell gefasst, ohne (für mich) richtig begründet zu werden. Mir kam es z.B. völlig unklar vor, als die Truckerin dem ex-geheimdienstlichen Tramper die Knarre unter die Nase hielt und danach (ode gleichzeitig) ihn in ihr Trucker-Bettparadies verführt.
Erkenntnisse, Botschaften, Haltungen (sind tatsächlich welche drin, die mir auch durchaus gefallen, das ja!) werden plakativ wieder gegeben. Die Handlung wird in die Länge gezogen, ohne (für mich) dabei durch besondere sprachliche Anregungen aufzuwerten. Wenn ich da nur an der erste Gespräch zwischen dem chinesischen General und Rhodan denke: Was kam denn dabei heraus? Nichts! Dabei hatte sich der Chinese doch vorgenommen, dass nun die Wende der Geschichte und der Geschichte der Menschheit eingeleitet wird. Das war gar nichts!
Mir scheint, für mich ist das Kapitel abgeschlossen.
3 / 10 Punkte

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Geständnis: Habe PR NEO 1 gelesen... und nicht mal so übel gefunden.

Frank Borsch: Perry Rhodan Neo 1. Sternenstaub
Wer hätte das gedacht: Hofmann liest Perry Rhodan. Habe mich vom Hype anstecken lassen. Dass dem Projekt im Fandom so ein starker Wind entgegen bläst, hat mich richtig erschreckt. Warum nur so eine Häme vorab?
Die Urteile der Alt-Fans fielen danach erwartungsgemäß mies aus, zumindest da, wo ich dazu was gelesen habe. Sind das Vor-Urteile, die man bestätigt fand? Welche Ansprüche stellt man an so einen Heftroman? War der alte von 1961 so viel besser? Sicher in de Erinnerung, da die damaligen Leser, die heute enttäuscht sind, ja viel jünger und leseunerfahrener waren. Die gute Erinnerung sollte man sich nicht zerstören, das sehe ich auch so. Aber deshalb jeglichem Versuch, diese Mega-Saga einem neuen Publikum näher zu bringen, so in Bausch und Bogen zu verurteilen, fand ich irgendwie unangemessen. Aber wie so oft bei Kommunikationsfragen muss man sich vielleicht die Frage stellen: Was liegt darunter?
Nun ja, PR NEO 1 fand ich immerhin so gut, dass ich mir den 2. Roman auch zulegen will.
Was fiel mir so auf:
Der Anfang war tatsächlich dröge. Pressekonferenz. Pffff....
Dass ein Mensch der Erde, der nie zuvor mit Aliens konfrontiert wurde, gleich mal den ersten Außerirdischen zur Arzt-Visite auf die Erde einlädt, fand ich eher kurios. Genau so wird der first contact stattfinden? Nun ja, immerhin fand ich den unspektakulären, irgendwie „dreckigen“ first contact in DISTRICT 9 durchaus überzeugend. Aber hier nicht. Da wäre mehr mehr gewesen. Der clevere Perry kann sich zu schnell mit den Fremden arrangieren. Aber ich glaube, das war damals auch so, oder?
Die Nebenhandlung um den zum Gutmenschen mutierten Investmentbanker und die Waisenkinder, unter denen sich wohl Helden der zukünftigen Romane tummeln und von denen einer schon mal gezeigt hat, was ihn ihm steckt, hat mich mehr gefesselt, als die Mond-Landung.
Auch die nur seicht angedeutet Geheimagentenstory hat mir gefallen. Da ging dem Autor allerdings etwas die Puste aus; das war zu viel für die 150 Seiten. Den kurzen Dialog der drei Agenten fand ich aber witzig, vor allem den großrussischen Typen, der aber wohl nicht wieder auftauchen wird (sein Tod wurde zumindest nicht bestätigt).

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Hard Boiled in Zeiten fundamentalistischer Alpträume

Elliott Hall: „Den ersten Stein“

So ganz nebenher, fast unbemerkt, erschien bei DTV premium eine astreine Anti-Utopie. Wie üblich heutzutage unter dem Deckmantel „Thriller“. Ist schon ok, Hauptsache, man erkennt seine Pappenheimer.
Der „Kampf gegen den Terror“ zeigt erste Blüten: Eine Atombombe hat Houston ausradiert. Dafür haben die USA im Iran interveniert und Teheran auch mit einer Bombe beglückt, allerdings eine, die wohl die Gebäude weitestgehend verschonte, dafür schön dreckig die Leute killte, sie in eine Geisterstadt verwandelt. Leider auch die eigenen Soldaten.
Felix Strange ist einer von ihnen gewesen, der seitdem schwer krank ist. Um zu überleben, braucht er Medikamente, die er legal nicht bekommt, nur auf dem Schwarzmarkt, für teuer Geld. Das bekommt er für seinen Job als Privatdetektiv.
In den USA hat ein christlicher Fundamentalist die letzte Präsidentenwahl gewonnen. Die „letzte“ kann man hier wörtlich nehmen, denn Wahlen wurden abgeschafft. Dafür gibt es Organisationen und ihre Quasi-Polizei-Milizen. Mit einer Mischung aus religiösem Eifer, Messianismus, karitativer Tätigkeit und viel Terror, Einschüchterung und religiöser Intoleranz verwandeln ein „Komitee für Kinderschutz“, angeführt von einem undemokratischen Ältestenrat, in Konkurrenz zu einer religiös-militanten Bürgerbewegung, dem „Kreuzzug“, die USA in einen totalitären Staat. Der Kreuzzug wird als eine Mischung aus Erweckungsbewegung und Inquisition beschrieben.
Auch wenn Hall kein US-Bürger, sondern Kanadier, ist, so scheint er seine Pappenheimer auf jeden Fall zu kennen und aus dem Erfahrungsschatz amerikanischer Wirklichkeit zu schöpfen.
Die Krimihandlung wird ausgelöst mit einem Mord an einem Potentaten des Kinderschutzkomitees, den unser Privatdetektiv im Auftrag eines Chefs des Kreuzzugs aufdecken soll. Also, aufdecken soll er nichts, eher die Aufmerksamkeit auf sich lenken, vorbei an offiziellen Ermittlungsbehörden, wie den FBI, den es durchaus noch gibt und der sich mehr schlecht als recht in das neuen Machtgefüge einzusortieren sucht.
Strange ist ein Spielball, der das aber erkennt, tatsächlich alles aufklärt, nicht ohne Hilfe einer schönen, geheimnisvollen Dame und eines FBI-Agenten, der ihm danach nichts mehr schuldet.
Stilistisch setzt Hall beim Hard Boiled an. Zynismus und Ehrlichkeit bis zum Rand der Selbstaufgabe dominieren die Dialoge und Handlungen unseres Helden. Hall hat damit das Genre nicht neu erfunden, aber richtig toll aufgegriffen und eingesetzt. Das Buch ist für mich eine perfekte Mischung aus zwei Genres, ist damit unterhaltsam und warnt, wie es gute dystopische SF tun soll.
Vielleicht ist die eigentliche Krimihandlung noch nicht mal so wichtig. Wichtiger ist der Background, und da gibt es einige Bezugspunkte zum Hier und Heute. So finden wir z.B. Bücherverbrennungen, die beim Vormarsch der „Bewegung“ an der Tagesordnung sind. Na, kennt man ja. „...unpatriotische und wissenschaftliche“ Bücher werden verbrannt, genauso wie „Geschichten von jungen Zauberern oder von Geistern und allem anderen Übernatürlichen, das nicht von Gott sanktioniert war.“ (S. 218) Keine gute Zeit für Harry Potter und Fantasy-Fans.
Bundesdeutsche Wirklichkeit habe ich auch wiedergefunden, die aber in den USA wahrscheinlich genauso vorhanden ist, wenn nämlich der Schutz von Jugendlichen vor Schmutz und Dreck im Internet und der virtuelle Kampf gegen „spirituelle Terroristen“ (S. 104) für die Installation einer Zensur missbraucht wird (was ja Datenschützer auch jetzt schon befürchten), wobei auch in dieser dystopischen nahen Zukunft es den Jugendlichen nicht wirklich schwer fällt, die Sperren zu umgehen.
Also, für mich eine echte Überraschung; freue mich schon auf den nächsten Fall von Felix Strange, „Böses mit Bösem“.

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Vampire Earth - zum Dritten...

E.E. Knight
Donnerschläge
Vampire Earth Band 3

Heilige S... ! Das ist doch mal ein Cliffhanger!
Der dritte Band der Vampire Earth-Serie spielt ein paar Jahre nach dem 2. Die gefährliche Mördertruppe, die unter dem Hakenkreuz agierte, wird nicht mehr erwähnt. Die sind sozusagen Geschichte.
Direkte historische Bezüge blendet der Geschichtsprofessor Knight diesmal mehr oder weniger aus. Es gibt ein paar Halbsätze zur Geschichte des Bürgerkrieges in den USA und natürlich Anklänge an die Piraten-Ära in der Karibik. Denn dorthin verschlägt es die „Katze“.
Als Geheimagent des Kommando Süd, einer von den Kur befreiten Zone in den ehemaligen USA, hat er sich als Offizier in der Armee des Feindes etabliert und kann sich so in den Besitz eines umgebauten Eisbrechers bringen, eines Schiffes, das die karibische See beherrscht ob seiner Größe und Bewaffnung.
Die Kur, lernen wir, haben es nicht so mit dem Wasser, zumindest die meisten. So ganz kann man sich auf solche Aussagen nicht verlassen, wie die Protagonisten des Romans erleben müssen. Zudem gibt es auch einen abgefallenen Kur, einer, der gelernt hat, dass die Gier nach den Lebensauren verwerflich ist und der ganz gut mit den Menschen zusammen leben kann.
Das ist eines der großen Pluspunkte für mich in dieser Romanreihe: Knight malt nicht schwarz-weiß, seine Welt ist vielschichtig, die Grenzen zwischen Freund und Feind sind fließend, durchlässig und keineswegs geradlinig. Somit ist immer für Überraschung gesorgt.
Und natürlich begegnet er in der Karibik einer menschlichen Gesellschaft, die an die Traditionen der Piraten dieser Region anknüpft; dass sie teilweise auch so wie ihre geistigen Ahnen im 18. Jahrhundert aussehen, ist ein bisschen albern, aber man möge dies dem Autor verzeihen. - Ach ja, eine dufte Piratenbraut gibt’s auch...
Was will David Valentine eigentlich dort? Er sucht eine Waffe, der der Ruf vorauseilt, mit den Schlächtern, den Avataren der Kur, fertig werden zu können. Nun ja, er findet sie; was er da findet, ist dann schon eine Überraschung. Aber wie er diese Waffe dann in seine Heimat bringt, bzw. was ihm dann am Ende des Romans noch zustößt, hat den Leser schon etwas um. Was da passiert, kann ich hier natürlich nicht schreiben. Auf alle Fälle müsste ich jetzt gleich weiter lesen, eigentlich...
Neben der wieder recht spannenden, aktionsreichen Handlung, die aber keineswegs als zu anspruchsvoll bezeichnet werden kann – es ist halt ein unterhaltsamer Sonntagnachmittagsroman – zeigt der Autor wieder ein paar Aspekte dieser postapokalyptischen Welt auf.
Ich muss es nochmal betonen: Der Roman ist nicht gruslig, hat nur wenige düstere Aspekte. Eher ist er eine Mischung aus epic fantasy und etwas military sf, wenn man so will. Auch wenn der Titel der Reihe in eine andere Richtung weist, hat die ganze Sache kaum was mit der gerade abflauenden Vampir-Welle zu tun.
Was für Aspekte meine ich?
Da gibt es diesmal mehr über die Grogs, die von den Kur mitgebrachten Kreaturen zu lesen. Sie bilden keine einheitliche Art, sondern gehören verschiedenen Spezies an. Der Entwicklungssand der einzelnen Arten ist auch unterschiedlich. Die Relgion der Goldenen hat sogar Aspekte, die nicht uninteressant sind. Einer der Goldenen ist Davids engster Begleiter und Freund.
Ein Kur auf einer karibischen Insel, genannt Papa Legba (es gibt natürlich auch viele Bezüge zu Voodoo), erzählt auch aus Sicht der Kur, was da mal passierte, was die Weltenweber und Kur einst trennte, dass auch die Kur keine homogen Masse waren und sind.
In der Schlussphase des Romans treffen wir noch auf Kreaturen, die den Labors der Kur entsprangen, die sich gerne Wesen züchten, deren Auren sie trinken können und die ihnen auch sonst zur „Hand gehen könnten“ - die Schlächter sind ja solche Experimentalprodukte. Aber da ging wohl auch was schief und es wird die Erde punktuell von neuen Arten bewohnt. Auch hier steckt wieder viel Potential, das der Autor vielleicht sogar zu wenig nutzt. Aber die Reihe ist ja noch lang...
Daher muss ich wohl weiter lesen, den nächsten Band auf alle Fälle. Mal sehen, wie lange ich durchhalte.

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")

Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


( Ich auf FB )

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Neueste Einträge

Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Verlag, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Verlag, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
Gothica, Workbook 1995, 2003

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