Happy Birthday, Ray!
Eingetragen von ChristianW, 22.08.2010, 08:46 in BücherweltenRay Bradbury wird heute 90. Ein stolzes Alter für den amerikanischen Autor, der Meilensteine der SF wie Die Mars-Chroniken (1950) oder Fahrenheit 451 (1953) geschrieben hat. Er hat das Drehbuch für John Hustons Filmklassiker Moby Dick (mit Gregory Peck in der Rolle des Ahab) verfasst und bis ins hohe Alter hinein fleißig weitere Romane und Kurzgeschichten geschrieben, von denen viele auch auf Deutsch erschienen sind.
Gestoßen bin ich auf Bradburys Werk in der Schule, als ein Lehrer (bin mir nicht mehr sicher, ob es mein Deutsch- oder Englischlehrer war - egal, jedenfalls nachträglich besten Dank!) uns empfohlen hat, doch mal Geschichten von Ray Bradbury zu lesen.
So kam ich zu einem Buch mit dem Titel Der illustrierte Mann (1951). In Bradburys wohl bekanntester Storysammlung werden die Geschichten durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten, in der die Tattoos eines - eben des illustrierten - Mannes zum Leben erwachen. Bradbury hat mich vielleicht nicht maßgeblich beeinflusst, aber ein bisschen doch. Möglicherweise auch mehr als nur ein bisschen. Eine kleine Hommage an den Altmeister: Dort draußen, hinter den Sternen.
Beim Tagesspiegel.de gibt es ein Interview aus dem Jahr 2008, das kurz vor seinem 88sten geführt wurde: "Begrabt mich auf dem Mars." Nun, so weit ist es zum Glück noch nicht - Happy Birthday, Ray!
Der erste Tag der Ewigkeit
Eingetragen von ChristianW, 18.08.2010, 20:35 in SchreibkramGerade bei p.machinery erschienen ist Der wahre Schatz, eine Phantastik-Anthologie, die aus der FantasyGuide.de-Rubrik "Kurzgeschichte des Monats" entstanden ist. Überwiegend beinhaltet das Buch Storys, die in den vergangenen zwei Jahren online dort erschienen sind, garniert mit ein paar neuen Geschichten. Als Zugabe wurde jede Story eigens illustriert und vom jeweiligen Autor mit einem Hintergrundbericht zur Entstehungsgeschichte versehen.

Mit von der Partie sind unter anderem Andreas Gruber, Charlotte Engmann, Michael K. Iwoleit, Markus K. Korb, Helmuth W. Mommers, Marcus Richter, Torsten Scheib, Jakob Schmidt, Michael Schmidt, Michael Siefener, Ralf Steinberg und Uschi Zietsch. Illustriert wurden die Geschichten von Lothar Bauer, Björn Ian Craig, Christian Günther und Chris Schlicht, die auch das Cover gestaltet hat.
Mein Storybeitrag Der erste Tag der Ewigkeit ist bislang unveröffentlicht. Darin begibt sich ein Privatdetektiv auf die weite Reise nach Sardinien, um die Ehefrau eines Unternehmers zu beschatten, die von ihrem Mann verdächtigt wird, ihn zu betrügen. Der Auftrag steht unter keinem guten Stern: Die Observation beginnt zu überhastet, und schon bald scheint die Frau Katz und Maus mit dem Detektiv zu spielen. Sein Ehrgeiz führt ihn auf Wege, die er besser nicht beschritten hätte ...
Als Leseprobe diesmal keinen Auszug aus der Story, sondern das, was ich zum Hintergrund und zur Entstehung für die Anthologie geschrieben habe:
Meine ersten Detektivgeschichten zwischen zwei Buchdeckeln stammten von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle (und aus der Leihbücherei, soweit ich mich erinnere). Die Art und Weise, wie Hercule Poirot und Sherlock Holmes ihre Fälle lösten, hat wohl mit dafür gesorgt, dass ich im Lauf der Zeit ein Faible für diese Art von Geschichten entwickelt habe. Dabei faszinierte mich einerseits, wie scharfsinnig und clever die Gentlemanschnüffler vorgingen, andererseits gefielen mir jene Fälle am besten, die phantastische oder unheimliche Elemente beinhalteten (oder zu beinhalten schienen).
Später begegneten mir Sam Spade, Philip Marlowe und einige andere, die mein Bild vom smarten Detektiv ein wenig verschoben. Auch wenn Poirot und Holmes durch ihre Genialität brillierten und am Ende die Lösung aus dem Hut zauberten – einen Underdogschnüffler bei seiner Arbeit zu beobachten, der schon mal was auf die Schnauze kriegt und sich in eine falsche Spur verrennt, war mindestens genauso spannend und unterhaltsam.
Was sich nicht veränderte, war meine Vorliebe für außergewöhnliche Settings und Plots. Harry Angel auf der Suche nach Johnny Favorite zu begleiten und mitzuerleben, wie er stattdessen die Abgründe der eigenen Seele aufspürt, hatte seinen speziellen Reiz. Ebenso Rick Deckard über die Schulter zu schauen, wenn er seine Haujobs erledigt. Zuletzt habe ich Handyman Jack und Harry Dresden für mich entdeckt und sehe die Romane von Wilson und Butcher als willkommene Abwechslung zu dem ganzen SF- und Horrorkram, den ich sonst lese.
All diese Detektive oder »Männer für besondere Fälle« haben ihre Spuren bei mir hinterlassen, und dieses oder jenes von ihrer Arbeit, ihren Erfolgen und Misserfolgen ist in meine Geschichten um den eurasischen Ermittler Kozak eingeflossen (der zwei Jahrhunderte in der Zukunft seinen Spürsinn auf elektronischem Weg aufmotzt). Und natürlich auch in die vorliegende Story, in der ein nicht unbedingt perfekter, namenloser Normaloschnüffler einem 08/15-Fall nachgeht, der sich dann doch als nicht so ganz 08/15 herausstellt.
Zum Schreiben haben mich Chandler, Christie, Doyle oder Hammett allerdings nicht gebracht (na ja, Doyle vielleicht doch ein bisschen, aber nicht mit seinen Holmes-Geschichten, sondern eher mit seinem Abenteuerroman »The Lost World«), da waren andere Autoren sicher prägender – wobei die Vorbilder im zarten Kindesalter ziemlich rasch wechselten, wenn mich die Erinnerung nicht trügt. Längerfristigen Einfluss hatte wohl nur Stephen King, der mich vor allem durch seine Short Stories noch während der Schulzeit dazu animiert hat, Geschichten nicht einfach nur niederzuschreiben und wieder zu vergessen, sondern auch zu überarbeiten und ein wenig daran herumzufeilen (nicht allzu viel, denn auf der mechanischen Schreibmaschine haben das Tastenhämmern und der exzessive Gebrauch von Tipp-Ex nur so lange Spaß gemacht, bis die Geschichte auf Papier verewigt war – ändern und neu abtippen gestaltete sich eher mühsam und artete fast schon in richtige »Arbeit« aus).
Als ich nach längerer Pause (mit bestandenem Schulabschluss hat man so viele andere Dinge im Kopf oder im Sinn) zum Jahrtausendwechsel mit der Anschaffung des ersten eigenen PCs wieder mit dem Schreiben anfing, fanden Detektiv- und Kriminalplots gelegentlich ein Schlupfloch und schlichen sich in meine Kurzgeschichten ein. Anfangs unbewusst und durch die Hintertür, später dann gezielter. Aber fast immer waren und sind es Ausflüge in Bereiche, in die Poirot oder Marlowe letztlich nicht vorgestoßen sind – ich halte es da lieber mit Harry Angel oder Rick Deckard. Wobei – wer weiß … vielleicht irgendwann …
Hörbuch-Lieblinge (30)
Eingetragen von ChristianW, 08.08.2010, 18:50 in BücherweltenGelesen von Andreas Fröhlich, 6 CDs, 423 Minuten, Argon Verlag, Autorisierte Lesefassung
Den ersten Kontakt mit dem Klassiker des Nobelpreisträgers William Golding hatte ich in der Schule. Herr der Fliegen war als Lektüre vorgesehen, allerdings ging zum Ende des Schuljahres irgendwie die Zeit aus, und obwohl das Buch bereits für die ganze Klasse angeschafft war, lasen wir den Roman nicht mehr im Unterricht. Was ich damals sehr schade fand, denn neben 1984 war es endlich mal eine Schullektüre, die mich wirklich interessierte. Schon allein wegen der martialisch bemalten Gestalt auf dem Buchcover, die auch für das Argon-Hörbuch verwendet wurde, und dann natürlich wegen des viel versprechenden Inhalts. Ich nutzte damals also die Sommerferien und verschlang das Buch innerhalb kürzester Zeit, was vor allem an der fesselnden Abenteuergeschichte lag.
In einem Atomkriegsszenario strandet eine Schar von unterschiedlich alten Schuljungen, die ein Flugzeugunglück überlebt haben, auf einer einsamen Pazifikinsel. Hier gibt es keine Erwachsenen - die Schüler sind sich selbst überlassen und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sie wählen einen Anführer und teilen sich in Gruppen auf, die zur Jagd, zum Bewachen des Signalfeuers und zum Hüttenbauen eingesetzt werden. Während einige das Ganze zunächst als großes Robinsonabenteuer betrachten, sind andere bemüht, das Überleben zu sichern. Schon bald gibt es Kompetenzstreitigkeiten, und die Jagd auf Schweine artet in einen Blutrausch aus, dem ein Junge zum Opfer fällt. Die Gemeinschaft bricht auseinander, die Schüler schlittern nach dem Flugzeugabsturz in ihre zweite Katastrophe.
Für mich gehört der 1954 erschienene Roman zum Besten, dem jemals der Stempel "Jugendbuch" aufgedrückt wurde. Dabei habe ich es eigentlich nie als reines Jugendbuch gesehen. In die Story fließt viel von dem ein, was das Menschsein ausmacht - auch die negativen Seiten. Aus Machtstreben, Gewaltbereitschaft und dem Sich-Entfernen von dem, was Zivilisation bedeutet, entwickelt sich ein Szenario, das ebenso gut unter Erwachsenen spielen könnte.
Die Lesefassung auf CD ist leider gekürzt, was angesichts der überschaubaren Länge des Romans wieder einmal ein Ärgernis darstellt. Immerhin wird der Inhalt durch die Kürzungen nicht verfälscht, soweit ich es beurteilen kann (das letzte Wieder-Lesen der ungekürzten Fassung liegt ein Weilchen zurück). Andreas Fröhlich trägt den Roman exzellent vor. Er variiert die Stimme dort, wo es angebracht ist, ohne dabei in Ausdrucksfaxen abzudriften. Allerdings ist es immer so eine Sache, wenn ein bekannter Synchronsprecher ein Hörbuch einliest, der so extrem mit einem Schauspieler identifiziert wird, wie es bei Fröhlich der Fall ist: Wenn ich seine Stimme höre, denke ich sofort automatisch an John Cusack, und es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Figuren vor meinem geistigen Auge nicht mehr wie Cusack ausgesehen haben ... Trotzdem ist es alles in allem ein sehr empfehlenswertes Hörbuch.
Nähkästchen (7)
Eingetragen von ChristianW, 06.08.2010, 19:45 in SchreibkramKennt jemand noch den alten Werbespruch "Zur Spannung noch die Gänsehaut!"? - Richtig, damit hat Bastei früher seine Gespenster-Krimi-Reihe beworben. Zumindest zu der Zeit, zu der man so ein Heft noch für 1,20 D-Mark am Kiosk kaufen konnte.
Beim Umräumen auf dem Dachboden bin ich kürzlich auf eine Kiste mit alten Romanheften gestoßen, die ich Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger mit Begeisterung gelesen habe. Alles aus der Gruselecke, keine SF. Irgendwann hab ich mal einen Perry Rhodan in die Finger bekommen - natürlich einen Roman mitten in einem Zyklus -, so gut wie nix kapiert und danach keinen mehr angefasst. Neben einigen Gespenster-Krimis und Professor Zamorra-Bänden (inklusive der Nr. 1 aus dem Jahr 1974, die ich irgendwann später noch ergattert habe) finden sich in der Kiste hauptsächlich Hefte aus der Bastei-Serie Geisterjäger John Sinclair. Die hab ich von Beginn an bis weit über Band 100 gesammelt, zusätzlich eine Zeit lang die Zweitauflage, in der anfangs die alten Sinclair-Abenteuer aus der Gespenster-Krimi-Reihe nachgedruckt wurden. Irgendwann war's dann aber genug - nach der Hunderter-Trilogie wiederholte sich inhaltlich zu viel, außerdem hatte ich andere Sachen entdeckt, die etwas anspruchsvoller waren und sowohl thematisch als auch stilistisch einfach mehr Lesespaß boten.
In Nostalgie schwelgen heißt nicht unbedingt nur rückwärts gewandt denken, sondern auch zu seinen Wurzeln zurückkehren. Wenn ich auf meine ersten Schreibversuche zurückschaue, fällt mir ein Autor ein, dem ich im Alter von zwölf, dreizehn Jahren nachgeeifert habe (lange bevor ich die ersten Kurzgeschichten von Stephen King in die Finger bekam, die mich dazu brachten, mich etwas ernsthafter mit dem Schreiben zu befassen und meine Geschichten auch zu überarbeiten und zumindest noch einmal abzutippen): Jason Dark. Hinter diesem Sammelpseudonym stand und steht in erster Linie der Bergisch Gladbacher Autor Helmut Rellergerd, der nicht nur besagten John Sinclair, sondern auch Professor Zamorra auf die Dämonenwelt losgelassen hat.
Geisterjäger John Sinclair gehört mit Perry Rhodan und Jerry Cotton wohl zu den langlebigsten Romanserien in deutscher Sprache (falls ich da eine andere wichtige Serie übersehen haben sollte, möge man mir das bitte verzeihen - mit etwa fünfzehn Jahren hab ich aufgehört, Heftromane zu lesen und bin ganz sicher kein Experte auf dem Gebiet). Die Erstauflage steht derzeit bei 1673 Bänden, dazu kommen 312 Taschenbücher und noch einige Specials - alles in allem also um die 2000 Sinclair-Abenteuer aus Rellergerds Schreibfabrik.
Mein erster Sinclair-Roman war "Der schwarze Henker" (Band 14), damals noch leihweise gelesen, aber kurz darauf hab ich mit dem Sammeln begonnen und die ersten Hefte in Sammelbänden nachgekauft. Wenn man sich noch so genau daran erinnert, dann hat dieser 14. Band in der Tat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Also hab ich ihn jetzt noch mal gelesen, allerdings natürlich nicht mehr mit den leuchtenden Augen eines Elfjährigen, sondern eher mit der Erkenntnis, dass ich mit vierzehn, fünfzehn wahrscheinlich nicht mehr in die Serie eingestiegen wäre, wenn ich in diesem Alter auf sie gestoßen wäre. Da hat mir das einfach nicht mehr gereicht, was - aufgrund der Erscheinungsintervalle logischerweise - am Fließband produziert wurde und sich dementsprechend liest.
Einige Zitate:
Seite 14
Der Pullover umschmeichelte ihre gut gewachsene Oberweite. Glenda hatte wirklich eine prächtige Figur, und sie kokettierte auch damit.
Seite 17
Der Parkplatz vor dem Vergnügungspalast (gemeint ist eine Dorfdisko, die in einer ehemaligen Scheune eingerichtet wurde …) war besetzt, doch die Parklücke für Jack hatte man freigehalten.
Er schleuderte seinen MG hinein. (Mein Lieblingszitat in dieser Auswahl)
Dann stieg er aus. Lässig, super. Er tat, als könnte er vor Kraft kaum gehen.
Seite 26
Ich allerdings war ihr nie zu nahe getreten – Liebe im Büro ist nun mal ein schlechtes Geschäft. Außerdem gab es da noch ein blondhaariges Wesen, das mir mehr als gut gefiel.
Das Girl hieß Jane Collins, war Privatdetektivin, und hatte mit mir schon manchen Kampf bestanden.
...
Die Girls – sie waren meist kleiner als ihre männlichen Begleiter – wippten mit den Zehenspitzen. (in der Disko ...)
Seite 31
Das Raunen des Nachtwindes war die schaurige Melodie, die mich begleitete.
Ich verspürte Lust auf eine Zigarette und wollte mir ein Stäbchen anstecken. Doch Rauchen im Wald ist zu gefährlich, außerdem ist es verboten. (Jawoll!)
Aber, wie gesagt, im Alter von elf, zwölf Jahren hat mich das nicht gestört - da fand ich die Romane spannend und unterhaltsam, hab Woche für Woche dem neuen Band entgegengefiebert und schon bald versucht, eine ähnliche Serie selbst zu kreieren. Ungefähr zehn Bände lang, alle vierzehn Tage jeweils 16 DIN-A5-Seiten, wobei mir mitunter auf Seite 15 siedendheiß eingefallen ist, dass das Heftende naht (und mitunter auch das Ende der Welt - zumindest ließen meine Geschichten manchmal darauf schließen) und ich irgendwie einen Schluss hinschludern muss (noch mal neu tippen war mir zu mühsam ...). Tja, war gar nicht so einfach, alle Geschichten in etwa gleich lang zu gestalten.
Wie Helmut Rellergerd es hinkriegt, jede Woche einen neuen Heftroman mit schätzungsweise 100 bis 120 Normseiten abzuliefern und daneben auch noch Taschenbücher zu schreiben, war mir schon damals ein Rätsel (erst sehr viel später erfuhr ich, dass Jason Dark in der Anfangszeit ein Sammelpseudonym war und Rellergerd erst ab Band 180 - oder so - alles selbst geschrieben hat). Hört sich jedenfalls sehr nach Schreibfabrik an. Ich will mit den oben genannten Beispielen keinesfalls seine Arbeit ins Lächerliche ziehen - das liegt mir völlig fern. Immerhin haben er und seine Mit-Schreiber mir eine Zeit lang viel Lesespaß bereitet, und das ist etwas, das ich einem Autor hoch anrechne. Nur gehörte für mich zur Entwicklung des eigenen Schreibkrams auch die Erkenntnis, was und wie ich eigentlich nicht schreiben möchte - man kann aus positiven wie aus negativen Beispielen lernen. Über Spannungsaufbau, Szenenfolge und -wechsel hab ich damals sicherlich einiges gelernt, auch wenn mir meine eigenen Geschichten einige Jahre später so peinlich waren, dass ich die Hefte entsorgt habe. Eigentlich schade - wär interessant und sicher lustig, sich das heute noch mal anzuschauen.
And the Oscar goes to . . .
Eingetragen von ChristianW, 02.08.2010, 20:50 in FilmWRITTEN AND DIRECTED BY CHRISTOPHER NOLAN ist nicht erst seit THE DARK KNIGHT ein Qualitätssiegel, das für einen Film schon fast einem Adelstitel gleichkommt. Einzig bei INSOMNIA (das im Jahr 2002 einen gut spielenden Al Pacino in einer grandiosen, weil extravaganten Krimikulisse in Alaska zeigte) war er am Drehbuch nicht beteiligt - bei MEMENTO (2000), BATMAN BEGINS (2005) und PRESTIGE (2006) hatte er zuvor schon bewiesen, was er draufhat. Möglicherweise ist er schlicht und einfach genial?
Sein neuester Film INCEPTION wurde im Vorfeld teils so euphorisch besprochen, wie ich dann auch aus dem Kino rausgekommen bin. In der ewigen Bestenliste in der Internet Movie Database steht er derzeit mit 9,1 von 10 möglichen Punkten auf Platz 3 - hinter DIE VERURTEILTEN und DER PATE (Nolans andere oben genannten Filme sind bis auf INSOMNIA alle in den Top 250). Bei den Rotten Tomatoes liegt er derzeit - gar nicht rotten - bei 87%. Es ist vielleicht noch ein bisschen früh, um abzusehen, wo sich der Film letztlich einreihen wird, aber eins fällt auf: INCEPTION macht Eindruck. Und wie.
Nachdem Nolan schon Storys rückwärts erzählt hat (MEMENTO), die Tim-Burton-Batmans übertrumpft und außerdem gezeigt hat, dass Kino pure Magie sein kann (PRESTIGE), scheint er diesmal angetreten zu sein, um zu beweisen, dass trotz HD, flachen Großbildschirmen und 5.1-Anlage das Heimkino nicht mit einem Filmtheater mithalten kann. Niemals. Für Filme wie INCEPTION wurde Kinosäle für 500 Leute, mit einer Leinwand von der Größe eines Mehrfamilienhauses und Soundanlagen, die ein Erdbeben simulieren können, gebaut. In Zeiten, in denen Sequels, Prequels, Remakes und 3-D das Kino immer mehr zu beherrschen scheinen, hat Nolan das Rad zwar nicht neu erfunden, aber optisch, akustisch und storytechnisch ein Meisterwerk geschaffen, das künftig als Referenz dienen wird. Den Soundtrack werde ich vermutlich tagelang nicht aus dem Ohr kriegen. Hans Zimmer hat hier eine seiner meiner Meinung nach besten Arbeiten vollbracht, zumal es nicht einfach nur Begleitmusik ist, sondern - vor allem das immer wiederkehrende kurze Motiv, das sich direkt in den Magen gräbt - eigentlich schon Teil der Filmhandlung ist und diese nochmal voranpeitscht.
Wie Nolan seine Traumjunkies - angeführt von einem großartig aufgelegten Leonardo DiCaprio bis hin zu Nolans Liebling Michael Caine in einem Gastauftritt - durch seine Welt aus Sein und Schein am Rande der Realität führt und dem Zuschauer ganz am Ende noch ein kleines Rätsel mit auf den Heimweg gibt (das man aber nicht lösen muss - man kann den Schluss auch so für sich stehen lassen), ist auf jeden Fall einen zweiten Kinogang wert. Mindestens. Die Reminiszenzen an MATRIX und JAMES BOND sind natürlich kein Zufall - Nolan zieht seine Story so auf und steigert die Spannung im Zehnminutentakt, dass er dem Zuschauer atemberaubende Schauwerte bieten und massig rasante Actionszenen einflechten kann, ohne diese Action zum Selbstzweck werden zu lassen.
Das führt mich wieder zur eingangs gestellten Frage zurück: Ist Christopher Nolan ein Genie? Muss er wohl sein.
3. Platz beim DSFP
Eingetragen von ChristianW, 28.07.2010, 21:10 in SchreibkramGestern hat die Jury für den Deutschen Science Fiction Preis ihre Entscheidung bekannt gegeben: Meine Story Schöpfungsliberalismus ist auf dem 3. Platz gelandet, und obwohl nur der 1. dotiert ist (mit 1000 Euro je Kategorie), ist so ein Stockerlplatz doch allemal ein Grund zur Freude. Und in einer Zeit, in der schreibtechnisch aus verschiedenen Gründen nicht allzu viel geht, auch ein Ansporn für mich - logisch.
Gewonnen hat Matthias Falke mit seiner Novelle Boa Esperança, den 2. Platz belegte Niklas Peinecke mit Klick, klick, Kaleidoskop. In der Romankategorie landete Karsten Kruschel mit Vilm ganz vorn, zweiter wurde Uwe Post mit Symbiose. Herzlichen Glückwunsch!
Die kompletten Ergebnisse lassen sich auf der DSFP-Seite nachlesen.
Vampyrrhic
Eingetragen von ChristianW, 25.07.2010, 09:10 in BücherweltenIm Frühjahr startete der Wurdack Verlag seine neue Reihe Horror, Phantastische Literatur & Abenteuer mit dem ersten Dr.-Nikola-Band. Der zweite Reihentitel Vampyrrhic stammt vom Engländer Simon Clark, der sich mit Horror-Romanen und Short Stories einen Namen gemacht hat.
Der Titel ist Programm - doch im Gegensatz zu den meisten Blutsaugerbüchern, die derzeit auf den Markt kommen, gibt es in Vampyrrhic keine romantisch-verklärten, blasshäutigen, liebestollen Edelvampire. Zum Glück. Hier suchen Geschöpfe eine Kleinstadt heim, die wie Raubtiere über ihre Opfer herfallen auf der Suche nach ihrem Lebenselixier. Sie hausen im Untergrund und warten darauf, aus ihrem Gefängnis auf die Menschheit losgelassen zu werden. Zwei Männer und zwei Frauen - vier fein herausgearbeitete Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können - stellen sich den Vampiren entgegen und versuchen, eine Katastrophe zu verhindern. Erst nach und nach erkennen sie, worauf sie sich da eingelassen haben ...
Clark zieht die Story geschickt auf und lässt seinen Hauptakteuren Raum, sich zu entfalten. Seine Protagonisten sind alles andere als schablonenhaft angelegt und demnach nicht sofort zu durchschauen, was den Lesespaß ungemein erhöht. Nach und nach wird ihnen klar, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind. Was anfangs nur Ahnungen und Visionen sind und eine düstere Atmosphäre verbreitet, wird im Verlauf des Romans zu einer immer handfesteren Bedrohung - und handfest darf man dabei ruhig wörtlich nehmen. Denn was sich in der Kleinstadt abspielt, zu großen Teilen in einem Hotel und in Höhlen unter der Erde, artet im letzten Drittel zum Überlebenskampf aus, der mit harten Bandagen geführt wird und das Buch zum echten Pageturner macht.
Keine Ahnung, ob eine Verfilmung des Romans geplant ist - falls nicht, sollten sich die Macher von Streifen wie The Descent oder Silent Hill den Stoff mal zu Gemüte führen. Die Leseempfehlung gilt natürlich auch für alle anderen Horror- und Phantastikfans.
Kinodekade 1980 – 1989
Eingetragen von ChristianW, 23.07.2010, 18:17 in FilmNach 1990 - 1999 und 2000 - 2009 noch die Filme aus den Achtzigern, die mich - auf die eine oder andere Weise - beeindruckt haben. Kriterien wie gehabt: Alles Filme, die mich zudem
a ) dazu verleitet haben, Geld für eine DVD auszugeben
b ) bewogen haben, kostbaren Platz im DVD-Regal zu belegen
c ) dazu gebracht haben, sie immer wieder mal anzuschauen.
Blues Brothers (1980)
The Fog – Nebel des Grauens (1980)
Das Imperium schlägt zurück (1980)
Shining (1980)
In tödlicher Mission (1981)
Jäger des verlorenen Schatzes (1981)
Die Klapperschlange (1981)
Mad Max II – Der Vollstrecker (1981)
Blade Runner (1982)
Conan – Der Barbar (1982)
Das Ding aus einer anderen Welt (1982)
Die Glücksritter (1983)
Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983)
Scarface (1983)
Es war einmal in Amerika (1984)
Indiana Jones und der Tempel des Todes (1984)
Terminator (1984)
Zurück in die Zukunft (1985)
Aliens (1986)
Die Fliege (1986)
Highlander (1986)
Hitcher – Der Highwaykiller (1986)
Platoon (1986)
Full Metall Jacket (1987)
Lethal Weapon: Zwei stahlharte Profis (1987)
Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (1987)
Predator (1987)
Robocop (1987)
The Untouchables (1987)
Wall Street (1987)
Ein Fisch namens Wanda (1988)
Mississippi Burning (1988)
Stirb langsam (1988)
The Abyss (1989)
Batman (1989)
Der Club der toten Dichter (1989)
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989)
Lethal Weapon 2: Brennpunkt L.A. (1989)
Kinodekade 1990 – 1999
Eingetragen von ChristianW, 23.07.2010, 17:50 in FilmWie schon für die Jahre 2000 bis 2009, hier die Filme aus den Neunzigern, die mich - auf die eine oder andere Weise - beeindruckt haben. Kriterien wie gehabt: Alles Filme, die mich zudem
a ) dazu verleitet haben, Geld für eine DVD auszugeben
b ) bewogen haben, kostbaren Platz im DVD-Regal zu belegen
c ) dazu gebracht haben, sie immer wieder mal anzuschauen.
Good Fellas (1990)
Der mit dem Wolf tanzt (1990)
Total Recall (1990)
Gefährliche Brandung (1991)
Kap der Angst (1991)
Das Schweigen der Lämmer (1991)
Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991)
Erbarmungslos (1992)
Der letzte Mohikaner (1992)
Im Namen des Vaters (1993)
Jurassic Park (1993)
Perfect World (1993)
Schindlers Liste (1993)
True Romance (1993)
Pulp Fiction (1994)
Speed (1994)
Die Verurteilten (1994)
12 Monkeys (1995)
Braveheart (1995)
Heat (1995)
Sieben (1995)
Strange Days (1995)
Die üblichen Verdächtigen (1995)
From Dusk Till Dawn (1996)
Besser geht’s nicht (1997)
Cube (1997)
Im Körper des Feindes (1997)
L.A. Confidential (1997)
The Big Lebowski (1998)
Dark City (1998)
Der Soldat James Ryan (1998)
Fight Club (1999)
The Green Mile (1999)
Matrix (1999)
The Sixth Sense (1999)
Kinodekade 2000 - 2009
Eingetragen von ChristianW, 20.07.2010, 22:15 in FilmEin Thread im SF-Netzwerk hat mich darauf gebracht, die Filme aus dem letzten Jahrzehnt auszugucken, die mich - auf die eine oder andere Weise - beeindruckt haben. Sind sicher nicht alles Meisterwerke, aber jeder dieser Filme hat irgendwas, das mich
a ) dazu verleitet hat, Geld für eine DVD auszugeben
b ) bewogen hat, kostbaren Platz im DVD-Regal zu belegen
c ) dazu gebracht hat, ihn mehrfach anzusehen.
Viel Hollywood, ein paar Filme aus Spanien bzw. von Spaniern, immerhin zwei aus Deutschland. Und kaum Komödien, fällt mir auf - sollte mir das irgendwie zu denken geben? Nun gut, meinen letzten Neuerwerb Zombieland hätte ich auch noch reinnehmen können, oder den ähnlich witzigen Shaun of the Dead, aber wenn ich jetzt länger darüber nachdenke oder meine Gesamtliste noch mal durchgehe, wird die Liste unten gleich viel länger. Also belass ich es bei dem, was mir spontan ins Auge gestochen ist (und stell die Liste auch deshalb in mein Blog, um sie für mich selbst zu archivieren).
Gladiator (2000)
Memento (2000)
Dämonisch (2001)
Donnie Darko (2001)
Das Experiment (2001)
Der Herr der Ringe – Die Gefährten (2001)
The Others (2001)
Shrek – Der tollkühne Held (2001)
Die Bourne Identität (2002)
Der Herr der Ringe – Die zwei Türme (2002)
Ring (2002)
Road To Perdition (2002)
Fluch der Karibik (2003)
Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs (2003)
Kill Bill Volume 1 (2003)
Mystic River (2003)
Butterfly Effect (2004)
Hellboy (2004)
Spider-Man 2 (2004)
Serenity (2005)
V wie Vendetta (2005)
Blood Diamond (2006)
Children Of Men (2006)
Departed – Unter Feinden (2006)
Das Leben der Anderen (2006)
Pans Labyrinth (2006)
Prestige – Die Meister der Magie (2006)
Der Sternwanderer (2007)
Todeszug nach Yuma (2007)
Das Waisenhaus (2007)
The Dark Knight (2008)
Gran Torino (2008)
Iron Man (2008)
Tödliches Kommando – The Hurt Locker (2008)
Avatar (2009)
Inglourious Basterds (2009)
Chroniken der Weltensucher
Eingetragen von ChristianW, 17.07.2010, 18:12 in BücherweltenMit Carl Friedrich Donhauser, der von sich behauptet, ein leiblicher Sohn Alexander von Humboldts zu sein, hat Thomas Thiemeyer eine Figur geschaffen, die geradezu prädestiniert ist für rasante Abenteuerschmöker. Donhauser und seine Gefährten wagen sich hinaus in die Welt und setzen dabei Technik ein, die im Jahr 1893 geradezu revolutionär anmutet. Zwar sind die Bücher, die in der Reihe Chroniken der Weltensucher beim Loewe Verlag erscheinen, für Jugendliche konzipiert, und wo Jugendbuch draufsteht, ist auch ein Jugendbuch drin. Das muss Erwachsene jedoch nicht vom Lesen abhalten, hab ich mir gesagt, und die beiden bisher erschienen Romane in kürzester Zeit verschlungen. Jules-Verne-SF (die man hier getrost als Steampunk bezeichnen darf) gemixt mit ein bisschen Fantasy und mit viel Abenteuergarn verwoben - das wäre vor dreißig Jahren schon genau nach meinem Geschmack gewesen, und das ist es heute immer noch.

Im ersten Buch Die Stadt der Regenfresser stellt Donhauser, der sich gern mit Humboldt anreden lässt, zunächst seine Truppe zusammen, die im Kern aus seiner Nichte Charlotte, dem jugendlichen Haudegen Oskar und einer geheimnisvoll anmutenden dunkelhäutigen Frau namens Eliza besteht. Sie reisen in die Anden, um eine sagenumwobene Stadt in den Wolken zu suchen, die noch andere Überraschungen als hochmoderne Luftschiffe und seltsame Insekten bereithält.
In Der Palast des Poseidon wird die kleine Entdeckertruppe von Paris über Athen in die griechische Inselwelt verschlagen, wo seit einiger Zeit Schiffe auf mysteriöse Art und Weise verschwinden. Dass Jules Verne einen kurzen Cameoauftritt hat, ist dann fast schon wegweisend für das Abenteuer, das die vier diesmal zu bestehen haben.
Mal sehen, wie die Reihe weitergeführt wird. Ich hab mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt, und hätte ich als Zwölf- oder Vierzehnjähriger den ersten Band in die Hände bekommen - ich bin mir sicher, dass ich fiebernd auf das nächste Buch gewartet hätte. Zumal die Hardcover sehr schön gestaltet sind: Der Umschlag trägt Illustrationen vom Autor himself, innen findet sich zudem zeitgenössisches Kartenmaterial und ein Glossar, mit dem auch Jugendliche problemlos den Einstieg in Humboldts Wissenschaftswelt bewältigen können.
Kein Karateweltmeister
Eingetragen von ChristianW, 11.07.2010, 22:10 in AllerleiSchand, o Schand ... Im WM-Finale ging es über weite Strecken anscheinend nicht darum, den Fußballweltmeister zu ermitteln, vielmehr wurde der Karateweltmeister gesucht - oder hilfsweise der im Auslassen von Torchancen. Damit setzt das Endspiel einen negativen Schlusspunkt auf eine für meinen Geschmack recht durchwachsene WM, in der vor allem die deutsche Mannschaft für Highlights gesorgt hat und nach Jurypunkten (die es natürlich nicht gibt) am Ende gefühlt vielleicht sogar vorne gelegen hätte. Immerhin gab es dank eines Weltklassespielers namens Andrés Iniesta letztlich doch einen Fußballweltmeister - und einen würdigen noch dazu.
Ende gut, alles gut? Nicht so ganz.
Der rustikalen Tretertruppe in Oranje wurde im Training womöglich als Anschauungsunterricht das Karate-Kid-Remake vorgeführt (das die Welt ebenso wenig braucht wie Ninja-Turtles oder Kampfsportler in Fußballstiefeln). Ihr einziges Konzept in der ersten Halbzeit war offensichtlich, mit größtmöglicher Brutalität die spielstarken Spanier vom Platz zu fegen, die sich fast zwangsläufig davon haben anstecken lassen. Warum der schwache Schiedsrichter nach 110 Minuten erstmals die rote Karte gezogen hat, wird wohl nicht einmal er selbst wissen, wenn er sich das Spiel in der Nachbetrachtung noch mal anschaut.
Es ist bezeichnend für diese WM in Südafrika, dass Mr. Webb einen rabenschwarzen Tag erwischt hat und das Spiel fast im Alleingang entschieden hätte. Hätte er in der ersten Halbzeit die richtigen Karten gezogen, dann hätten die Spanier uns gegen neun Holländer mit dem Fußball verwöhnt, den sie spielen können und hätten den Zuschauern vielleicht ein paar Zaubertore geliefert. Man muss dem Schiri allerdings zugute halten, dass er es heute sehr schwer hatte. Vielleicht hat er auch schlicht den roten Karton bei Spielbeginn in der Kabine vergessen ...
So einen Katastrophenkick hat sich keiner gewünscht, mit einem halbwegs ordentlichen Fußballspiel, das in der zweiten Hälfte und in der Verlängerung dann doch zumindest phasenweise zu sehen war, hätte man sich ja schon begnügt. Aber aufgrund der Karatestrategie der Holländer war das wohl nicht drin.
An sich hätte ich unseren holländischen Nachbarn den Titel gegönnt, auch wenn Spanien die bessere Mannschaft hat - wer einschließlich des Halbfinales alle Spiele gewinnt, hätte sich den Cup verdient. Aber so? Nein, so nicht. Auf keinen Fall. Also gab es letztlich doch noch ein halbwegs versöhnliches Ende dieser WM.
Apropos Ende: Das soll's dann auch erst mal mit Fußball gewesen sein. Obwohl - für die deutsche Mannschaft stehen ja möglicherweise noch turbulente Tage bevor, falls Jogi Löw seinen Vertrag nicht verlängern sollte. Und das nächste Länderspiel für die Jungs mit dem Adler auf der Brust findet bereits in einem Monat statt - am 11. August in Kopenhagen ...
Vuvuzela ade!
Eingetragen von ChristianW, 10.07.2010, 22:02 in AllerleiIrgendwie scheint die Vier eine Schlüsselzahl für die deutsche Mannschaft zu sein. Dreimal vier Tore, zum Glück aber kein vierter Platz (was beim Spiel um die goldenen Ananas allerdings kein Beinbruch gewesen wäre). Nach dem verlorenen Halbfinale war die Luft im Grunde raus, die Grippeviren haben dankbare - weil geschwächte - Opfer gefunden. Wer selbst schon mal erlebt hat, wie es einen nach einer Stressphase in der vermeintlichen Erholungsphase erwischen kann und wie platt man dann ist, kann das sicher gut nachvollziehen. Die neu zusammengewürfelte Truppe hat sich aber am Riemen gerissen, und auch wenn Herr Schweinsteiger und Langes-Dünnes-Müller diesmal nicht glänzen konnten, haben sie in Co-Produktion doch ein Tor fabriziert und den Grundstein für den dritten Platz bei dieser WM gelegt.
Bei der letzten EM waren es zwei sehr gute Spiele, diesmal waren es drei - bei der nächsten EM werden es ja vielleicht vier, und dann könnte es auch wieder einmal für einen Titel reichen. Zumindest träumen darf man davon, denn die Mannschaft kann ja noch lange in dieser Zusammensetzung spielen und ihre guten Leistungen hoffentlich nicht nur konservieren, sondern ausbauen. Schau'n mer mal, ob das mit Matthias Sammer als Trainer so bleibt, falls Jogi Löw seinen blauen Pullover tatsächlich in die Vitrine hängt.
War das nun eine tolle WM, diese erste in Afrika? Nur bedingt, wenn ich mir - abgesehen vom insgesamt erfreulichen Auftritt der deutschen Elf - überlege, wie viele mäßige oder schlechte Spiele dabei waren, wie wenig Tore geschossen wurden und wie oft über schwache Schiri- und Torhüterleistungen diskutiert wurde. Von der Stimmung in den Stadien hat man, zumindest als Fernsehzuschauer, dank Dauergetröte leider nicht viel mitbekommen. Es würde allerdings zu weit gehen, wenn man das Austicken der Franzosen und das unrühmliche Davonschleichen der Italiener allein auf die nervtötende Lärmbelästigung zurückführen würde. Bleibt zu hoffen, dass es alle ohne Gehörschaden überstanden haben und dass die Südafrikaner nach der WM nicht mit Katzenjammer und Geldproblemen zu kämpfen haben, sondern eine dauerhaft positive Entwicklung im Land am Kap beobachten können.
Wunderkrake Neun-Gehirne-Paul hat sich mit seinem nächsten richtigen Tipp zum heimlichen Star dieser WM entwickelt und ist dem Metzger noch mal von der Schippe gesprungen. Hätte die deutsche Mannschaft den dritten Platz nicht erreicht - wer weiß, ob er seine Tentakel auch morgen noch fröhlich geschwungen hätte. Vielleicht entzaubert er sich aber noch selbst - falls Holland Weltmeister wird, dann waren alle seine vorherigen Tipps reiner Zufall.
Apropos Getröte: Jetzt kommt also die vuvuzelalose Zeit - Gott sei's getrommelt. Himmlisch wird sie sein, diese Ruhe.
Noch mal apropos, diesmal apropos vuvuzelalose Zeit: Zeit wird es vielleicht auch, die Spiele um den 3. Platz aus dem Turnierkalender zu streichen. Bei Sportarten, in denen der Sieger nicht im Modus Viertelfinale-Halbfinale-Finale ermittelt wird, freuen sich die meisten auch über einen dritten Platz - egal, ob es sich um Leichtathletik, Skirennen oder Radfahren handelt (obwohl, beim Radfahren ist die Tatsache, nur am drittbesten gedopt zu haben, wohl eher kein Grund zur Freude). Aber grad bei den Ballsportarten sind die Mannschaften, die den Einzug ins Finale verpassen, doch in aller Regel froh, wenn sie nach dieser Enttäuschung ihre Sachen packen und in den Urlaub fahren können. Bronzemedaillen sind hier in aller Regel keine begehrten Trophäen - die legt mancher schneller wieder ab, als die Fernsehkameras es aufzeichnen können. Auf der anderen Seite war es ein teilweise recht unterhaltsames Spiel (leider nicht über 90 Minuten, wie man es eigentlich bei so einem Ananas-Finale erwarten dürfte), in dem neben vielen Fehlpässen immerhin fünf Tore zu sehen waren - da kann man eigentlich nicht meckern, zumal die eigene Mannschaft einen Rückstand noch umgedreht hat.
Nix Tor, nix Finale
Eingetragen von ChristianW, 07.07.2010, 21:38 in AllerleiSpanien wird Weltmeister - das ist wohl keine allzu kühne Behauptung.
Schon nach zehn, fünfzehn Minuten war zu erahnen, dass es nix wird für die deutsche Mannschaft mit dem Finale. Wie im EM-Endspiel 2008 haben die Iberer den Teutonen auch diesmal kaum Torchancen ermöglicht und hatten das Spiel weitgehend im Griff. Da kann man nur neidisch kucken. Die Unseren hätten sich dieses Kucken allerdings für die Nachbetrachtung des Spiels aufheben sollen - während der 90 Minuten ist das ziemlich hinderlich. Gegen die Ballkünste der Spanier war buchstäblich kein Kraut gewachsen, und selbst die Wunderwaffe (blauer Pullover mit V-Ausschnitt) hatte diesmal eine stumpfe Klinge.
Unglaublich, welche Chancen die Spanier dabei noch vergeigt haben. Wirbelwind Vier-Füße-Pedro (wieso muss ich bei dem immer an Speedy Gonzales denken? - der ist doch Mexikaner) hat die Abwehr mehrfach schwindelig gespielt und wurde nach seiner 2:0-Verweigerung postwendend vom Trainer ins Verlies im Untergeschoss der Stadionkatakomben geschickt, wo er bis Sonntag in Ketten gelegt und bei Wasser, Brot und einer Endlosschleife mit der bewussten Vergeig-Szene Buße tun wird.
Die Jungs mit dem Adler auf der Brust müssen sich aber keineswegs bei Nacht und Nebel nach Hause schleichen (was mangels Nebel eh nicht funktionieren würde), auch wenn die Schwarz-rot-goldene Euphorie inklusive Public-Ausflipping jäh abgewürgt wurde. Dreimal vier - das hat viel Spaß gemacht und lässt für die Zukunft hoffen. Jetzt noch mal zusammenreißen und gegen Uruguay wieder so spielen wie gegen England und Argentinien - das sollte allemal drin sein, denn Uruguay darf man zwar nicht unterschätzen, aber man muss vor denen nicht in Ehrfurcht erstarren.
Seventies-/Eighties-Sound
Eingetragen von ChristianW, 04.07.2010, 18:55 in MusikBeim Umräumen und Ausmisten auf dem Dachboden fördert man so manches zutage, was längst verschollen geglaubt oder in Vergessenheit geraten ist - zum Beispiel Kisten mit alten Audiocassetten, die ich in den Achtzigern und Neunzigern überwiegend fürs Cassettendeck im Auto aufgenommen habe, bevor dort irgendwann ein CD-Player Einzug gehalten hat.
Inzwischen hab ich viele von den Cassetten durchgehört und dabei Erinnerungen gefrönt. Leider haben nicht alle Bänder die lange Zeit überstanden. Vor allem die ältesten Sachen, die von 1985 oder 1986 stammen dürften, sind nicht mehr abspielbar oder es sind nur noch die beschrifteten leeren Cassettenhüllen vorhanden, weil mein launenhaftes Auto-Tapedeck damals immer wieder Bandsalat verursacht hat.
Wenn ich mal viel Zeit haben sollte, muss ich mich daran machen, zumindest die beiden Cassetten zu rekonstruieren und vielleicht auf CD zu brennen, deren Playlists unten stehen - da sind etliche Leckerbissen tanzbarer elektronischer Musik aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern dabei (eine Art Best Of für mich). Ich hab schon angefangen, Platten zusammenzusuchen, aber das wird insofern schwierig, weil zwar das meiste, aber eben nicht alles aus dem eigenen Plattenschrank stammte. Ein paar Vinyls waren nur von Freunden geliehen. Ich habe damals zwar sehr viel Geld in Platten und Equipment gesteckt (deutlich mehr als in Bücher), aber für alles, was das Herz begehrte, haben Taschengeld und selbstverdiente Kröten aus Ferienjobs nicht gereicht.
Anhören kann ich mir die Sachen aber trotzdem schon - YouTube macht's möglich.
I A
Gary Numan – Are Friends Electric?
The Human League – Being Boiled
Eberhard Schoener – Why don't You Answer?
Donna Summer – I Feel Love
Giorgio Moroder – Chase
Santa Esmeralda – Don't Let Me Be Misunderstood
I B
Visage – Fade To Grey
Liaisons Dangereuses – Los niños del parque
Frankie Goes To Hollywood – Relax
Propaganda – Abuse / Machined
Kraftwerk – Die Roboter
Anne Clark – Our Darkness
DAF – Brothers
II A
Kraftwerk – Trans-Europe Express
Midnight Star – Operator
Tears For Fears – Shout
Icehouse – No Promises
Talk Talk – Such A Shame (US Mix)
Kraftwerk – Nummern / Computerwelt 2
Yello – Bostich
II B
Kissing The Pink – Big Man Restless
Stan Ridgeway – Salesman
Anne Clark – Sleeper In Metropolis
Grauzone – Film 2
Soft Cell – Tainted Love
Yazoo – Don't Go
Telex – Moskow Diskow
Vicious Pink – 8:15 To Nowhere
George Kranz – Din Daa Daa
Noch mal vier ...
Eingetragen von ChristianW, 03.07.2010, 17:44 in AllerleiHab ich's nicht gesagt? Bloß nicht den Zwirn wechseln: Der dunkelgraue Anzug und der leuchtendblaue Pullover mit V-Ausschnitt waren der modische Garant für den Sieg. Bravo, Jogi und Hansi! Maradona wird jetzt sicherlich den Schneider wechseln (oder sich Kummerspeck zulegen, damit er sein zu großes Sakko richtig ausfüllt).
Ansonsten haben Löw und seine Truppe natürlich auch noch ein paar andere Sachen richtig gemacht. Sie haben für einen spannenden Nachmittag gesorgt und für viel Spaß bei den Zuschauern. Wenn ein großartiger Fußballer wie Messi sich zu schade ist, auch nach hinten mitzuarbeiten wie etwa die gegnerische 10, dürfen sich die Argentinier nicht wundern, wenn sie wie die Engländer vier eingeschenkt bekommen und nach Hause geschickt werden. Immerhin haben sie sich als faire Verlierer erwiesen, damit sollten die Vorfälle der letzten WM dann auch vergessen sein.
Der Satz des Spiels: "Der hat sogar während dem Laufen Zeit, seine Kapitänsbinde zu richten. Das nenn ich Souveränität." Diese Kaltschnäuzigkeit hatte ich dem jungen Team vor der WM ehrlich gesagt nicht zugetraut, umso mehr wünsche ich sie Philipp Lahm und seinen Mitstreitern auch fürs Halbfinale und (hoffentlich) fürs Finale.
Apropos Zwirn: Vielleicht wäre es klug, wenn Jogi und Hansi zum Halbfinale doch die Klamotten wechseln, denn damit wird der Gegner sicherlich kalt erwischt. Aber das will natürlich gut überlegt sein.
Noch mal apropos, diesmal apropos Maradona: Was dem Brasilianer Dunga verwehrt bleibt, kann der gute Diego "die Zehn" mit der Hand Gottes nun auch nicht mehr schaffen und nicht in die Fußstapfen von Kaiser Franz treten. Nach dem WM-Titel als Spieler wird er den Cup als Trainer erst mal nicht gewinnen. Ob sie ihm daheim den Gott-Status jetzt aberkennen?
Der neue Schlossherr
Eingetragen von ChristianW, 30.06.2010, 21:00 in AllerleiWie erwartet wurde nun also die Ernennung Christian Wulffs zum neuen Herrn auf Schloss Bellevue, die Anfang des Monats in einer kurzen, eher spröden Pressevorstellung den Untertanen verkündet wurde (jedenfalls kam mir das so vor), offiziell abgenickt - wenn auch mit einigen Pleiten und Pannen, was den Plan des Ernennungskomitees betrifft. Abgenickt gegen den Mehrheitswillen dieser Untertanen, wenn man den Umfragen vertraut. Und wohl auch gegen den Mehrheitswillen der Mitglieder der Bundesversammlung - zumindest könnte man die Ergebnisse des ersten Wahlgangs so deuten, wenn man bedenkt, dass in den letzten Tagen viele Sympathien für den anderen Kandidaten geäußert wurden und die Regierungskoalition ihren Wahlleuten deshalb eine recht klare Vorgabe gemacht hat, was sie zu wollen und zu wählen haben und dass es doch einen Korpsgeist gebe, dem man sich verpflichtet zu fühlen habe.
Nun gut, so funktioniert halt unsere gelebte Demokratie. Parteikalkül geht über fast alles - wo kämen wir sonst auch hin? Also, bitte. Wir sind doch keine Bananenrepublik! Die nächste Krise kommt bestimmt, aber die Schwarzseher müssen zur Kenntnis nehmen, dass es bei dieser Präsidentenwahl nach einigen Kraftanstrengungen, nach Wer-waren-die-Verräter-Detektivspielen und eindringlichen Gesprächen doch noch geklappt hat, die Katastrophe zu vermeiden. Bloß einen Autocorso hat's, wenn ich ihn nicht verpasst habe, nicht gegeben.
In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob Wulff nicht nur als Herr Bundespräsident angesprochen wird, sondern sich auch wie einer verhält oder vielleicht doch eher wie ein Ersatzregierungssprecher oder repräsentativer Edelminister ohne Ministerium. Vielleicht wird seine Patchworkfamilie ja so etwas wie der gute Geist von Schloss Bellevue, wer weiß? Die Regierungskoalition kann im Grunde beruhigt weiterhin munter drauflos wurschteln und sich nach Herzenslust prügeln, denn durch das kollektive Nein für Joachim Gauck durch die SED/PDS/Linke droht von dieser Seite in naher Zukunft keine Gefahr. Eine Zusammenarbeit anderer Oppositionsparteien mit dieser Truppe erscheint damit unmöglicher denn je.
Wieder vier und weiter
Eingetragen von ChristianW, 27.06.2010, 20:28 in AllerleiGeneraldirektor Löw und Co-Direktor Flick tragen die Klamotten vom Spiel gegen Australien - und schon schießen die Mitarbeiter des modernen Unternehmens Nationalmannschaft wieder vier Tore (und was für welche). Da stellt sich die Frage, warum Jogi und Hansi im zweiten und dritten Spiel diesen Zwirn im Schrank gelassen haben. Im Nachhinein gesehen war's wohl eine Fehlentscheidung.
Immerhin lagen sie bei den anderen - und wichtigeren - Entscheidungen dann doch richtig, wie der Neuerkloseblitz, Prinz Poldi, Langes-Dünnes-Müller und der gemüller-wohlfahrtete Herr Schweinsteiger gezeigt haben. Für die Three Lions ist der Nachmittag zugegebenermaßen blöd gelaufen, aber vielleicht hätten die englischen Fans vor dem Spiel kein Pfeifkonzert anstimmen sollen, als die deutsche Nationalhymne angekündigt wurde. Nicht, weil ich die Hymne so gern ungestört höre, aber die feine englische Art ist das halt nicht unbedingt.
Soweit es die ARD berichtet hat, erweisen sich die Engländer aber alles in allem als faire Verlierer und geben nicht dem Schiedsrichter die Hauptschuld an der Niederlage (in der BILD, äh pardon, SUN wird das natürlich anders lauten, schließlich hat man einen Ruf zu verlieren). Zwanzig bis dreißig gute Minuten reichen eben nicht, wurde da von ehemaligen englischen Nationalspielern ernüchtert kommentiert, auch wenn Mr. What-If und Herr Wackelpudding natürlich mitgespielt haben. Außerdem war H. G. Wells ja Engländer. Wenn sich seine Landsleute 1966 in die Zeitmaschine gesetzt hätten, dann wäre ihnen schon damals klar gewesen, dass irgendwann die Retourkutsche kommt. Womöglich wurde das Wembley-Tor damals gar nicht gegeben, und heute Nachmittag ist Wells' Erbe in der Zeit zurückgereist und hat die Geschichte aus Verärgerung verändert, so dass wir jetzt glauben, damals wäre ... aber nein, dann hätte er ja auch ein paar Minuten zurückreisen können und es gäbe keine Autocorsos mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und keine grölenden Fans, die in der Kurve vom Autodach fallen und sich die Knochen brechen und ... Ähem, lassen wir das lieber.
Die deutsche Mannschaft hat wie im ersten Spiel gezeigt, was sie kann. Mit dieser Offensivleistung (um die uns sicher einige Nationen beneiden, auch angesichts der Zukunftsperspektive der jungen Truppe) muss im Viertelfinale nicht Schluss sein - egal, ob der Gegner Archentinna oder Mechiko heißt (wobei nach dem 3:0, das gerade der argentinische Apache geschossen hat, alles für die Gauchos spricht). Hoffentlich gelingt es diesmal, das zu konservieren und ins nächste Match mitzunehmen. Allerdings sollte die Abwehr dann etwas standfester agieren und sich ein Beispiel an Arne Friedrich nehmen, denn sonst seh ich doch eher dunkelgrau - egal, ob sie dann in weißen oder schwarzen Trikots spielen.
Mal schau'n, inwieweit sie Schwimmeinlagen in stürmischem Gewässer vermeiden können. Ich bin jedenfalls gespannt, in welchem Outfit Löw und Flick auflaufen werden und tippe, sie wechseln die Klamotten nicht. Jetzt gilt höxte Konzentration eh dem Spiel am kommenden Samstag, da sollte man sich über Kleiderfragen keine störenden Gedanken machen.
Weitergezittert
Eingetragen von ChristianW, 23.06.2010, 21:47 in AllerleiÜbernervös technischschwach rumgeeiert. Knappgewonnen. Weitergezittert. Uff.
Soll man dazu noch mehr sagen? Heutenicht.
Am Sonntag kommt England.
Entzaubert
Eingetragen von ChristianW, 18.06.2010, 14:55 in Allerlei"O-ooh, was ist das für'n Spiel?" Die Frage des Kommentators Béla Réthy nach 35 Minuten hat es ziemlich gut getroffen und die Zusammenfassung schon fast vorweggenommen. Die Warnungen vor dem Spiel gegen die Serben, dass man das 4:0 gegen den Sparringspartner aus Down Under nicht überbewerten sollte, hätten eigentlich als Dämpfer ausgereicht. Dass die Schwachstellen der deutschen Mannschaft so deutlich aufgedeckt werden und dazu den Kickern mit dem Adler auf der Brust auch noch das Pech am Schuh klebt, hätt's nicht unbedingt gebraucht. Grmblvx.
Vielleicht hat ein afrikanischer Witchdoktor die Mannschaft mit einem Bannfluch belegt - davon soll's rund um die WM ja einige geben, die mit ihren Zauberkräften Spielergebnisse beeinflussen wollen (ist Voodoodoping eigentlich erlaubt?). Fast von allen guten Geistern verlassen hat man's natürlich gegen eine kompakte Mannschaft wie die Serben schwer, einen Fuß auf die Erde zu bekommen - oder einen Ball ins Netz. Spätestens nach 40 Minuten war Schluss mit lustig, und wenn's banane läuft, dann läuft es eben banane. Da hätte der eigensinnige Podolski noch zehn Mal aufs Tor schießen können, er hätte trotzdem keinen Treffer erzielt. Na ja, der Erdbeerkuchen hat eindeutig besser geschmeckt als das Spiel.
Könnte sein, dass diese WM unter der Bezeichnung Farben- und Vuvuzelaspiele in die Fußballgeschichte eingehen wird. Farbige Plastikkarten und Plastiktröten gibt's jedenfalls im Übermaß. So macht das allerdings nicht wirklich Spaß. Schau'n mer mal, was von der WM in Südafrika neben Plastikgenerv und Minusgraden sonst noch hängen bleiben wird.
Hierzulande haben viele schon vom Finale geträumt - jetzt kommt das Endspiel früher als erwartet, nämlich nächsten Mittwoch. Und die Rolle des Mitfavoriten sind die Unseren fürs Erste los, so was wirkt ja manchmal befreiend. Mich ruft jetzt die Gartenarbeit: Unkraut ausreißen hat mir, glaub ich, noch nie so viel Spaß gemacht wie heute.
Apropos Down Under: Nicht unterkriegen lassen (und nicht mit blankem Grausen abwenden wie Jogi Löw), sonst wird's tatsächlich nix mit dem Achtelfinale, und das ist allemal noch drin oder sollte zumindest drin sein.
Nochmal apropos, diesmal apropos Erdbeerkuchen: Wenigstens da gab's ein leckeres Sahnehäubchen. Und gegessen hatte ich ihn glücklicherweise schon vor der Gelb-Roten Karte.





















































am Nähkästchen (7)