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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Fanzine-Austausch – die Fortsetzung

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 19 October 2019 · 77 Aufrufe

Fanzine-Austausch – die Fortsetzung Das gilt immer noch: Als Macher eines Fanzines (oder Fast-Fanzines, nämlich des „Rundbriefs an die Freunde des ASFC Halle“) bin ich am Austausch mit anderen Fanzine-Machern interessiert. Ich finde Fanzines nämlich immer noch gut, so als Medium des SF-Fandoms (und anderer Sparten).
Die Kolleginnen & Kollegen des SF-Club Baden-Württemberg sind zuverlässig fleißig und rührig in Sachen Fanzine-Machen. Ihr BWA Aktuell ist im September 2019 bereits zum 432. Mal erschienen. Und inzwischen lese ich das BWA Aktuell ja regelmäßig. Also fast regelmäßig. Seit dem Frühjahr war da für mich etwas Ruhe, dann erhielt ich jetzt aber gleich einen ganzen Stapel Hefte.
Na, da kommt doch Freude auf! Dafür geht der NEUE STERN in den Süden Deutschlands (leider kriegen wir das gerade nicht allmonatlich hin – auch 2018 hatten wir das nicht, obwohl dann am Ende tatsächlich 12 Hefte erschienen sind. Mal sehen, wie die Bilanz dieses Jahr ausfällt).

Der April, BWA 427 – eine kurze Vorstellung, ein paar Gedanken
Im Vorwort von Uwe Lammers findet er positive Worte zum neuen Doctor, also zur Doktorin. Das liest man ja sonst eher selten, die Meinungen zeigen mehr mit dem Daumen nach unten. Nicht so bei Uwe. Da ich die Serie noch nicht gesehen habe, hat Uwe mir damit Lust auf sie gemacht. Danke dafür!
Gerd Maximovic greift in seinem LoC ein Thema vom vorherigen Heft auf: Homunkulus. Er macht das historisch, wie man von ihm ja gewohnt ist. War sehr erbaulich und enthielt für mich auch viele neue Hinweise zu diesem Thema. Danke dafür! Nur mit seinen Ableitungen komme ich wieder nicht so klar: Spuren in der Literatur sind m.M.n. noch keine Beweise für die wahre Existenz von Homunkuli. Und eine „Erschaffung aus dem Nichts“ stellt so eine Homunkulus-Herstellung auch nicht dar.
Die Buchrezis verlassen oft den Rahmen eines SF & F – Fanzines. Uwe widmet sich mal wieder der Erotik – also, in Buchform: „Shades Of Grey, 3. Teil“ – Na, ich war ja schon mal erstaunt, dass es da drei Teile gibt.
Seine Rezi über „Pandoras Pakt“ machte mich erst neugierig – Thema ist für mich auch interessant: Alexander der Große, Parallel- bzw. Alternativwelt-Historie – aber dann scheint der Roman an sich nichts zu taugen. Also: Danke für Die Warnung!
Ekkehardt Brux ist auch wieder mit von der Partie, mit einer Rezi zu einem alten Roman von W. D. Rohr. Er nutzt den eher unbedeutenden Roman für Ausführungen zur Rolle von „Amateur-Astronomen“, so will ich sie mal bezeichnen. Wobei ja selbst ein Keppler ein Amateur war, da er seine Brötchen mit etwas anderem verdienen musste. Sehr interessant; vielen Dank!
Sehr schick auch die Rezi von Michael Baumgartner über Sex im 21. Jahrhundert. Nein, nein, auch hier „nur“ als Buch… Aber diesmal ist es sogar SF, auch alte, denn es enthält Klassiker der SF und erschien in den 80ern. Mal sehen, vielleicht kann ich ihn überreden und der Artikel kommt noch mal im NEUEN STERN, der zum Jahresende sich „dem“ Thema widmen will.
Dazu gibt es noch mehr (Perry, inkl. eines Romanauszuges; echt; ich verstand kein Wort als Nicht-Rhodanier, Kurz-Rezis von Angelika Herzog, wie ich sie ähnlich schon aus der APA kenne, sehr erfrischend!) Heft hat 52 Seiten, ist von A4 auf A5 runterkopiert (?) – dadurch ist die Schrift oft ziemlich klein. Aber man kann’s lesen, geht schon (beim NEUEN STERN bleib ich aber beim 1:1-Ausdruck eines als A5-gesetztes Heft).


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Aus alten Bücherschränken, Stand: 1. Oktober 2019

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 01 October 2019 · 147 Aufrufe
Aus alten Bücherschränken
Es ist mal wieder Zeit für eine Bestandsaufnahme. (Der NEUE STERN ist jetzt bei Ausgabe 54.) Die Rubrik „Aus alten Bücherschränken“ hat auch im Jahr 2019 Zuwachs erfahren. Der Bücherschrank wurde wie immer vor allem von Bernd Wiese befüllt (kleine Ausnahmen gibt es - u.a. sind jetzt die Titel aus der Wells-Ausgabe mit dabei).
Die Rubrik wird auch weiterhin den NEUEN STERN begleiten, denn offensichtlich sind noch lange nicht alle Schätze der Phantastik (Zeitraum bis ca. 1950) gehoben. Es ist schon phänomenal, was Bernd nach wie vor so alles „ausgräbt“!

NachnameVorname TitelNeuer Stern Ausgabe
________________________________________
A
Abel-Musgrave  Curt  Fräulein Eulalia’s gräßliches Abenteuer  9
Abel-Musgrave  Curt  Der Bacillenkrieg  24
Anton  Ludwig  Brücken über dem Weltenraum  9
Anzelewsky  Erich  Die Nachtmahr  43
Aragon  Jesus de  40.000 Kilometer an Bord des Flugschiffs Phantom  23
Aragon  Jesus de  Nachts über der Verbotenen Stadt,  23
B
Berg  Onno zum  Der Kaiser wieder in Deutschland  13
Bilz  F.E.  In hundert Jahren  6
Blumenthal  Hermann  Gilgul - ein Roman aus dieser und jener Welt  49
Blunt & Rudolph Falb  Charles  Der Weltuntergang  14
Braun  Curt Johannes  Das Land der Finsternis  34
Brust  Alfred  Eisbrand - Die Kinder der Allmacht  40
C
Collins  Gilbert  Das Tal der Träume  13
Condor   Im Kampf um Südamerika  36
D
Dangel  Lars  Hinter dem Quecksilber  53
Dangel  Lars  Das sterbende Bild  53
Daumen  R.H.  Gefahr aus dem Weltall  7
Defontenay  C. I.  Star (Psi cassiopeia)  14
Delmont  Joseph  Erdbeben  50
Desberry  L. H.  Der blaue Strahl  12
Doberer u. Max Seydewitz  Kurt  Todesstrahlen  16
Doyle  Sir A.C.  Der Tauchbootkrieg  3
Dreyer  Harry  Kurier aus dem Weltall  6
E
Ernst  Paul  Sechs Geschichten; die sonderbare Stadt  35
Ettlinger  Karl  Der erschossene Storch  12
Exzelsior   Michael der Grosse  28
F
Faber  Otto  Krieg dem Frieden  24
Falb & Charles Blunt  Rudolph  Der Weltuntergang  14
Frank  Emil  Im Ringen um das Luftmeer:  52
Frey  Alexander Moritz  Dunkle Gänge. Zwölf Geschichten aus Nacht und Schatten  23
Fürth  Jacob  Phantasus : Moderne Märchen  34
G
Gail  Otto Willi  Der Herr der Wellen  19
Götz  Wilhelm  Vor neuen Weltkatastrophen  48
Grassegger  W.  Der zweite Weltkrieg. Deutschland die Waffenschmiede  52
H
Hach  Arno  Der Kopf des Maori  35
Hagen  Richard  Der brennende Kontinent  9
Hansen  Erik  Das verborgene Land  4
Hansen  Wilhelm  Die vierte Waffe  13
Hanstein  Otfrid v.  Der Fluch des Goldes  15
Hanstein  Otfrid v.  Das Licht im Osten  9
Hanstein  Otfrid v.  Der blonde Gott  30
Harbou  Thea von  Frau im Mond  52
Harrison Ainsworth  W.  Auriol oder Das Lebenselexier  16
Haugen  Christian  Die Reise nach dem Ken  9
Hauptmann  Hans  Wer bin ich?  24
Haushofer  Max  Planetenfeuer  40
Heinrichka  Max  100 Jahre deutsche Zukunft  47
Helms  H.  Heinzens Flug zum Mond  7
Herrings  Josef  Die goldene Gefahr nach amerikan. Dokumenten, Briefen u. Depeschen  52
Herzl  Theodor  Altneuland  5
Heuer und Walther Keghel  Hans  Tiefsee  6
Heymann  Robert  Wunder der Zukunft: Romane aus dem dritten Jahrtausend  18
Hoffmann  Arno  Silvester 2999  12
Hoffmann von Vestenhof  A.  Der Mann mit den drei Augen  20
Horst  Walter  Der versunkene Erdteil  37
J
Jefremow  Iwan  Das Observatorium von Nur-i-Descht und Atoll Fakaofu  20
John  Nell  Roman einer Verjüngten von Benno Vigny  18
K
Keghel und Hans Heuer  Walther  Tiefsee  6
Kindermann  Eberhard Christian  Reise in Gedancken durch die eroeffneten allgemeinen Himmels-Kugeln  11
Kloepfler  Walter  Luzifers Ende  15
Kossak-Raytenau  Karl L.  Lermontow vernichtet die Welt  48
Kotze  Stefan von  Das Gift des Vergessens. Roman aus der Südsee  52
Kraft  Robert  Die Nihilit Expedition  23
Kraft  Robert  Aus dem Reich der Phantasie  43
Kraft  Robert  Die neue Erde  43
L
Laffert  Karl-August von  Gefährliche Wissenschaft  22
Lahrssen  Hermann  Unter der roten Fahne, Blätter aus dem Tagebuch eines Volksschullehrers  17
Levett  Oswald  Verirrt in den Zeiten  22
M
Machen  Arthur  Der große Pan  28
Madsack  Paul  Tamotua - Die Stadt der Zukunft  23
Madsack  Paul  Die metaphysische Wachsfigur oder Auf Geisterfang mit Sir Arthur Conan Doyle  35
Martin  Rudolf  Der Weltkrieg in den Lüften  16
Maurus   Ave Caesar : Deutsche Luftschiffe im Kampfe um Marokko  30
Mayer  Theodor Heinrich  Rapanui – Der Untergang einer Welt  37
Melchers  Gustav Adolf  Die Vergangenheit unserer Zukunft? Der Verfall unserer Vormenschen  17
Melchers  Gustav Adolf  Aus dem Jenseits: Aufzeichnungen eines Toten  34
Merriman  Hohn  Die Marsmenschen kommen  1
Meyn  Nils  Die Reise zur Venus  3
Michaelis  Sophus  Das Himmelsschiff  28
Moy  Peter  Medusensteine  37
Münch  Paul Georg  Hindenburgs Einmarsch in London  46
N
Nelson  Heinrich  Ahasvers  15
Niemann  August  Aetherio: eine Planetenfahrt  8
Noordung  Hermann  Das Problem der Befahrung des Weltraums  12
O
Opree  Arthur  Der Unirdische  46
P
Passer  Arnold von der  Mene tekel!  27
Passon  Marga  Der rote Stern, ein Weltuntergangsroman  11
Pastingl  Günther  Die vier denkwürdigen Jahre...  2
R
Renker  Gustav  Ein Schiff steuert in die Urzeit  20
Reymond  Moritz von  An Bord des „Jules Verne”  32
Richter  Eugen  Sozialdemokratische Zukunftsbilder  27
Richter Frich  Oevre  Der rote Nebel  36
Rohmer  Sax  The Day the World ended  10
Rohmer  Sax  Das graue Gesicht  22
Rosegger  H.L.  Der Golfstrom  5
S
Scheerbart  Paul  Ein skurriler Phantast  19
Scheff  Werner  Die wandernde Seele  37
Schertel  Ernst  Die Katakomben von Ombos  20
Schilit  Otto  Die Königin der Tigermenschen  23
Schmidt-Kestner  Hans  Der fliegende Tod der Japaner  24
Schoenaich  Paul v.  Die Peitsche des August Schmidt  3
Schraut  Max  An den Feuern der Ewigkeit  26
Seidel  Willy  Das älteste Ding der Welt  17
Selige  Kurt  Der neue Weltdiktator  18
Severus  Severin  Ein Duell im Jahre 2000  19
Seydewitz u. Kurt Doberer  Max  Todesstrahlen  16
Sixtus  Albert  Das Geheimnis des Riesenhügels  17
Sologub  Fedor  Totenzauber: eine Legende im Werden  18
Soyka  Otto  Im Bann der Welle  19
Spanner  E. F.  Der zerbrochene Dreizack  11
Stockton  Frank R.  Zum Nordpol und Erdkern  6
Strobl  Karl Hans  Eleagabal Kuperu  2
Strobl  Karl Hans  Die Eier des Basilisken  13
Suttner  B.v.  Der Kaiser v. Europa  15
Svensen  Victor  Die Uhr läuft ab  25
T
Taeschner  Titus  Atlantropa  4
Teranus  V. E.  Der letzte Krieg  25
Tyss  P.  Gorgyra  15
U
Unger  Hellmuth  Morells Milliarden  13
V
Vejdelek  Cestmir  Heimkehr aus dem Paradies  34
Venir  A.  Ein Blick nach vorn  30
Verne  Jules  20000 Meilen unter dem Meer (Rezi v. Arnold Drabek)  53
Viereck  Georg Sylvester  Das Haus des Vampyrs  24
W
Wells  H. G.  Die Welt des William Clissold  22
Wells  H.G.  Mr. Blettsworthy auf der Insel Rampole (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H.G.  Tono-Bungay (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H.G.  Im Jahre des Kometen (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H.G.  Der Heilige Terror  21
Wells  H.G.  Kinder der Sterne  21
Winckelmann  Joachim  Gläserne Seelen.  36
Wittkop  Justus Franz  Gullivers letzte Reise. Die Insel der Vergänglichen  32
Z
Ziese  Maxim  Der Film des Dr. Wharton 

________________________________________

Die alten Auflistungen findet man am besten über den Tag:
http://www.scifinet....ücherschränken/


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Hardy & der HUGO

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 20 September 2019 · 245 Aufrufe

Hardy & der HUGO Ich mach’s mal kurz:
Leipzig
Haus des Buches
19. September 2019
Zu Gast war Hardy Kettlitz, der sein neues HUGO-Award-Buch (ab 2000) vorstellte. Mit seinem Band 1953 – 1984 war er einst beim Freundeskreis SF Leipzig am 22. Mai 2015 zu Gast. Heute nun konnte er u.a. auch die Story um die sad puppies weitererzählen, die damals ja gerade am Laufen war. Und mittlerweile wohl ihren Abschluss fand. Interessanter Weise sind gegenwärtig genau die „Feindbilder“ der sad puppies die HUGO-Award-Abräumerinnen.
Insgesamt hatte er interessante, statistische Auswertungen dabei, was die gegenwärtige SF-Szene (amerikanischer Prägung) erhellt.
Ich weiß jetzt, dass Jeschke und sogar eigentlich sogar Rolf Heyne Schuld daran tragen, dass heute fast keine HUGO-Preisträger-Story mehr auf Deutsch erscheint – „Schuld“ im Sinne von: Da diese beiden Buchverlags-Arbeiter heute eben nicht mehr mitwirken. Das ist schon sehr Schade, alles.
Und ich weiß, dass der Hugo nicht Hugo Gernsback-Award heißt, wie mitunter zu lesen ist; eigentlich heißt er nicht mal „Hugo“. Und ich habe gelernt, dass die traditionelle SF zugunsten von Fantasy und social fiction ins Hintertreffen geraten ist.
Abgerundet hat Hardy seinen Vortrag durch seine persönlichen Empfehlungen, besonders lesenswerter Preisträger-Geschichten. Ich habe mir mal fleißig Notizen gemacht. Danke dafür!

Wichtig: Zum Schluss verriet er auch noch, wie es mit MEMORANDA weitergeht. Es geht weiter! Das ist doch mal eine gute Nachricht. Für 2020 kündigte er 7 Titel an.

Foto: Hardy prüft das Auditorium; geknipst von mir
Hardy & der HUGO 2015:
http://www.scifinet....hre-in-leipzig/


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Alles könnte gut werden!

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Ich war dabei... 15 September 2019 · 232 Aufrufe

Alles könnte gut werden! Daniel Weißbrodt las im Literaturhaus Halle, 11.09.2019
Sein Buch heißt: „Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2050. Wie das bedingungslose Grundeinkommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat“ und erschien 2018 im Engelsdorfer Verlag, Leipzig. Der Titel sagt ja schon fast alles.
Doch was ist das eigentlich für ein Buch? Ein Roman, oder ein Sachbuch? Da der Autor sich nicht als Prophet und im Besitz einer zukunftsschauenden Glaskugel wähnt, ist es fiction. An anderer Stelle, so führte er eingangs aus, wurde das Buch als „Sachbuch“ einsortiert. Das muss nicht unbedingt zum Nachteil für den Autor sein, aber ist es richtig? Nun, nachdem er einige Passagen zu Gehör brachte, kann ich sagen, dass „Roman“ im Grunde auch falsch wäre. Es ist wie ein Sachbuch geschrieben, wie eine historische Abhandlung. Es besitzt, so weit ich das nach den gehörten Passagen einschätzen kann, keine originäre Romanhandlung. Aber natürlich ist es reinweg erfunden, Science Fiction. Leider, möchte ich hinzufügen, oder vielleicht: noch? Aber es könnte ja so werden, wie er es beschreibt! Ich bitte drum!
Der Start in die utopische Gesellschaft vollzieht sich über die Dystopie. Auch: leider. Soziale Verhältnisse, wie sie sich aber heute bereits abzeichnen, spitzen sich zu. Dummerweise ist im dystopischen Teil auch ein Vorfall in einem französischen Atomkraftwerk dabei – das wirkte in mir gerade besonders nach, da ich die TV-Serie „Chernobyl“ sah.
Nun, wer weiß, was das bewirken wird. Auf jeden Fall unterstellt der Autor den Verantwortlichen und Regierenden, dass sie aus den Fehlern lernen. Und deshalb lässt er die bundesdeutsche Regierung, voran den amtierenden Bundeskanzler, einen CDU-Mann, zum Schluss kommen,dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt, um der sozialen Zuspitzung in der Gesellschaft zu entgegnen, um das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen. Es kommt zur Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Dass es ausgerechnet ein CDU-Mann ist, erscheint vielleicht nur auf den ersten Blick unrealistisch. Der Autor verwies auf die Bismarck’schen Sozialgesetze nach 1871, die die Lage der Bevölkerung stark verbesserten. Na, und Bismarck war sicher auch kein Sozi…
Der Autor hat sich mit der Problematik sehr intensiv beschäftigt. Er kann wohl für sich in Anspruch nehmen, als Spezialist auf diesem Gebiet zu gelten. So wird er auch von interessierten Politikern behandelt. So spricht er auch – sehr eloquent, sehr engagiert. Ihm liegt was dran, an der Idee, das ist mehr für ihn als bloße Fiktion. Er hatte auch Antworten auf die vom Moderator und dem Publikum gestellten Fragen, nach dem Lebenssinn, nach dem Primat von Sozialfragen und Umwelt- u. Klimaschutz, nach der Finanzierbarkeit des Ganzen, nachdem was von der Haltung der Gewerkschaften dazu zu halten ist.
Die gelesenen Kapitel illustrieren sehr eindrucksvoll, was das BGE mit uns machen kann – zunächst, unmittelbar (durchaus anarchistische, chaotische Zustände), und in naher Perspektive (was Entschleunigung so z.B. alles bewirkt – es wird utopisch!).
Auch wenn finanzpolitische und wirtschaftliche Fragen an so einem eigentlich literarischen Abend deplatziert und langweilig wirken könnten, scheute er nicht, mit viel Elan an solche Fragen heranzugehen. Ist ja auch wichtig dabei, sonst bleibt die Idee ein Wolkenkuckucksheim.
Er benannte auch eine Schwachstelle seines Konzepts, die ihm von anderen Kritikern auch schon vorgeworfen wurde: Er knüpft unmittelbar am Hier&Jetzt an, d.h., er geht gar nicht auf die sich gerade abzeichnenden technologischen Veränderungen in der Arbeitswelt ein. Sein BGE-Konzept fußt auf dem Stand der Dinge, den wir gerade jetzt haben. Dabei – aus meiner bescheidenen Sicht – ist es ja gerade die technologische Revolution, in der wir uns gerade befinden, die es unumgänglich macht, sich darüber Gedanken zu machen, wie das Leben der Menschen in unserer von direkter produktiven Arbeit befreiten Welt gestaltet werden muss, ohne einen Kollaps zu riskieren.
Ein gelungener Abend – und aus meiner persönlichen Sicht lange überfällig. Das erste Mal wollte ich zur Leipziger Buchmesse, hatte es aber dann doch versäumt, das zweite Mal sollte er im Burggraben in Halle im Hochsommer lesen, aber die Hitze machte dem einen Strich durch die Rechnung. Das war also (mein) dritter Anlauf – und der war richtig gut.

Foto: von mir geknipst


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Leseliste 2019 - Sommerupdate

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 31 August 2019 · 205 Aufrufe
Arnolt Bronnen, Edgar Allan Poe
Leseliste 2019 - Sommerupdate Das Foto ist von diesem Jahr, geknipst in Triest. Zufälle gibt’s, denn es scheint direkt zu Entrag 30 zu passen. (Für einen Besuch der Ausstellung hatte ich aber keine Zeit)

28 – Arnolt Bronnen: „Aisopos“
Eine Jugend-Erinnerungs-Auffrischung. Dieser historische Roman hatte mich in jungen Jahren mächtig beeindruckt, weniger wegen des Plots – der auch – vielmehr wegen des Schreibstils. Der Expressionismus des Theater-Skandal-Autors der frühen 20er schimmert ja noch durch, auf jeden Fall geht der Autor frisch und frech an den altehrwürdigen Stoff ran. Und so ein Fabeldichterleben ist gar nicht langweilig.
Sicher, es war nicht mehr dasselbe, inzwischen kann ich meine frühe Über-Begeisterung nicht so ganz nachvollziehen, aber immerhin:
8 / 10 Punkte

29 - Joel Rose: „Kein Rabe so schwarz“
Ein Roman mit und über Edgar Allan Poe. Allerdings beginnt er als geradliniger historischer Krimi, der authentische Mord-Fälle im New York der 40er Jahre des 19. Jh. aufgreift. Bei der Darstellung der Fälle, aber auch der Lebensumstände der Menschen in dieser Stadt, der teilweise anarchistischen Zustände dort, des Elends und der Kriminalität, besticht der Roman für meine Begriffe durch große Authentizität.
Der Roman verquickt sehr geschickt Realität und Fiktion. Poe wird dorrt nicht mehr zum Beobachter und literarischen Kommentator, sondern scheinbar auch direkt in die Kriminalfilme verwickelt.
9 /10 Punkte

30 – Kersten Knipp: „Die Kommune der Faschisten“
Nachdem ich den Autor des Buches auf der LBM 2019 erleben durfte und er mich mit seiner eloquenten und charmanten Art faszinierte, aber auch durch das Thema seines Buches, habe ich nun das besagte Buch auch gelesen. Zur LBM siehe hier: http://www.scifinet....ericht-lbm2019/
Bei der Faszination ist es geblieben. Darf man davon fasziniert sein? Sind ja immerhin „Faschisten“! Na ja, da fängt es schon an: Im Grunde sind es vom Krieg entwurzelte Männer, die nach den Fronterfahrungen nicht mehr so richtig ins normale zivile Leben zurückfanden. Dazu kam eine Portion überzogenen Patriotismus und Nationalismus. Es waren aber auch revolutionäre Romantiker, Futuristen, Abenteuer, die sich von dem Super-Dichter Gabriele D'Annunzio angesprochen fühlten. Die waren nicht mal alle „rechts“, manche sogar explizit links, oder anarchistisch (man hat z.B. Schiffe überfallen, die Material nach Russland bringen sollten, die die Konterrevolutionäre dort unterstützen sollten; man tat dies natürlich, um sich selbst zu versorgen, aber auch, um den Revolutionären in Russland zu helfen). D'Annunzio führte sie nach Fiume, einem Hafenstädtchen an der kroatischen Adria-Küste, das nach Vorstellung nationalistischer Italiener zu Italien gehören sollte.
Das Buch erzählt eher die Biografie, den Charakter und den ideologisch-künstlerischen Werdegang des Dichters; der Teil, der Fiume behandelt, also die „Kommune der Faschisten“, ist mir dann fast zu kurz. In seiner Veranstaltung auf der LBM hat der Autor dem viel mehr Platz eingeräumt.
Interessant war das allemal, als der Faschismus in seiner äußeren Erscheinungsform (Uniformen, kultische Dinge, Massen-Aufmärsche, Redenschwingerei) quasi erfunden wurde.
8,5 / 10 Punkte

Abgerundet habe ich den Ausflug nach Fiume durch den Comic:
David B.: „Auf dunklen Pfaden“
Interessanter Weise scheinen die Leute in dieser Geschichte, die es in die Republik Fiume verschlagen hat, weit weniger begeistert von dem Brimborium des überkandidelten Dichters begeistert zu sein. Es gab Kriminalität, Straßenschlägereien, von dem las ich in dem Buch von Knipp nichts. Nun ja…

31 – Rudy Rucker: „Hohlwelt“
Im Zuge meiner „Zu Ehren Edgar Allen Poes Lektüre Exkursion“ las ich dieses Buch ein 2. Mal. Damals, Ende der 90er, fand ich es nicht so pralle. Auch diesmal erinnerte mich die Lektüre daran, was mir wohl damals auch nicht so gefiel: Es wird viel erzählt, aber das Ganze wirkt irgendwie beliebig und austauschbar. – Aber nicht alles!
Es erzählt ein junger weißer Farmer. Im Ersten Teil muss er zusammen mit einem Sklaven und seinem Hund in die Stadt, um Whiskey zu verkaufen. Das geht schief und er begibt sich auf die Flucht.
Als Leseratte und Fan von Edgar Allan Poe ist er begeistert, diesen in Richmond zu treffen und eine Anstellung beim Southern Literary Messenger zu erhalten, wo Poe als Redakteur arbeitet.
Poe bereitet mit einem gewissen Mr. Reynolds eine Reise zum Südpol vor. Dabei werden unlautere Mittel eingesetzt. Ziel ist es, die Passage ins Innere der Erde zu finden. Eine gewaltige Eismauer hindert einen dran, so hörten sie. Die Lösung? Ein Ballon. Ist ja einfach.
Die Geschichte in der realen Welt der 30er Jahre des 19. Jh. erinnerte vom Flair an Mark Twain und hat mir erst einmal sehr gefallen, auch die leichten Andeutungen ins Geheimnisvolle und die Vorbereitung der Expedition. Man erfährt viel von dem – gelinde gesagt – schrägen Charakter des großen dunklen Dichters.
Die Abenteuer in der Edre – also der Gegen-Erd-Seite im Inneren unseres Planeten – sind bunt und exotisch und voller physikalischer Wundersamkeiten, aber eben auch beliebig und austauschbar. Zum Ende dieses 2. Teils wird es noch mal spanend, nämlich dann, wenn die Geheimnisse der Inneren Anomalie, also des wahren Kerns der Erde, erkundet werden. Über diesen gelangen die Helden auch wieder an die Erd-Oberfläche. Doch besagte Anomalie ist eben nicht normal und mit etwas einsteinscher Physiktrickserei sind wir in einer Parallel-Erde. Nur weiß man schon vorher, was unsere und was wirklich die Spiegel-Erde ist.
Der 3. Teil ist dann wieder „realistischer“, der hat mich dann auch gepackt und erschien mir relevant. Insgesamt habe ich mich doch recht gut unterhalten. Daher…
7 / 10 Punkte


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Sommer im NEUEN STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 09 August 2019 · 246 Aufrufe
Albert Sánchez Piñol und 2 weitere...
Sommer im NEUEN STERN Keine Alle-Tage-Ausgabe des NEUEN STERNS – na, ist es ja nie, oder? Es ist kein Sonderheft, aber dafür DAS Sommer-Heft. Diesmal mit 48 Seiten (+ 4 Farbseiten) und mit Inhalt:
Meine kleine Lobeshymne auf Adam Hülseweh: KLUNGA und die Ghule von Köln +++ die lang erwartete Fortsetzung des „thematischen“ Reiseberichts Magisches Island 3 von Peter Schünemann +++ Eine Story: Verlierertypen, von Clemens Nissen +++ Ein Bericht über: Torgo – ein vergessener Held, Beitrag von Ekkehardt Brux +++ Aus alten Bücherschränken: Jules Verne: 20.000 Meilen unter dem Meer, Beitrag von Arnold Drabek +++ 2 x Lars Dangel als Herausgeber, Beiträge von Bernd Wiese +++ die Comicgarten-Auslese, Teil 2, Beitrag von Thomas Hofmann +++ 3. Comic Park Erfurt, Beitrag von Mike Röder +++ 2 Comic-Rezis von Thomas Hofmann +++ Buchrezensionen: Marina Lostetter: Die Reise, von Peter Schünemann +++ Brandon Q. Morris: Der Riss, Rezi von Sabine Seyfarth +++ Alien Contact am Ende der Welt, die Lost-Race-Robinsonaden des Albert Sánchez Piñol, von Thomas Hofmann +++ Christopher Priest: Der steile Horizont, Rezi von Volker Adam +++ und zum Abschluss noch eine kleine Pfingstbetrachtung von Thomas Hofmann
So, das muss reichen für Heft 53.


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Hofmanns Leseliste, so ca. nach Ostern bis Sommerferien, mit einem Haupttreffer

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 30 July 2019 · 406 Aufrufe
GRM, Christopher Priest, Klunga und 5 weitere...
Hofmanns Leseliste, so ca. nach Ostern bis Sommerferien, mit einem Haupttreffer 26 - Adam Hülseweh: „KLUNGA und die Ghule von Köln“
Auf knapp 350 Seiten erfahren wir sehr viel von den Umständen, wie aus Menschen Ghule werden, in den letzten 2000 Jahren. Der titelgebende Haupt-Ghul, Klunga, ist seit dem späten Römischen Reich Ghul. Er wurde als Sklave von einem besonderen Sklavenhändler, wie sich herausstellt, einem Troll, in die germanische Provinz des Römischen Reiches, nach dem Ort, der heute Köln heißt, verschleppt worden. Anfänglich war er noch Mensch, aber in der Schlacht gestorben und doch wieder aufgestanden: Da stimmt doch was nicht…
Der Käufer in Köln, ein römischer Bürger, brauchte genau so ein besonderes Geschöpf, um selbst eines zu werde, aber ein anderes.
Neben Klunga und seinem neuen Herrn, Gaius, sind es weitere Figuren, die „der“ Autor vorstellt, Leute, die zu Ghulen wurden. Der Roman verwebt die Entstehungs-Episoden (1288 / 1803, 1813 / 1804, 1844 / 1945 / 1948) mit einer Haupthandlung, die ihrerseits in zwei Zeitebenen spielt und sich um ein Gebäude in Köln dreht. Die nach dem 2. Weltkrieg, von dem Architekten Wilhelm Riphahn entworfene und 1954 gebaute Kölner Oper soll so um 2009 abgerissen werden. Der Abriss fand übrigens nicht statt, und wenn man dem Roman folgen darf, ist das ganz gut so. Der Architekt kommt im Roman übrigens auch vor, so nebenbei auch ein anderer berühmter Kölner: Konrad Adenauer.
Köln ist eine Stadt der Vampire, zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Neben den Ghulen sind es noch andere Unterwelt-Wesen, die die Stadt Köln auf ihre ganz besondere Art bereichern: Troglodyten – Höhlenbewohner. Ein wenig erinnert der Plot an die „Underworld“-Filmreihe, ist aber raffinierter und unblutiger – also, bis auf ein paar Ausnahmen, z.B. gleich zu Beginn, als sich ein amerikanischer Vampir – ein Rockstar – nach Köln verirrt. Hätte er lieber bleiben lassen sollen…
Die Haupthandlungsebenen und in den Rückblicken lassen die Autoren nicht nur literarisches Geschick und einfach großartige Erzählkunst, sondern auch sehr viel historisches Kolorit und Detailwissen erkennen. So macht Lektüre Spaß! Das alles auf 350 Seiten? Ja, geht, wenn man so dicht und spanend und abwechslungsreich erzählt wie Ina (ich denke mal, sie hat die Literatur zu verantworten) und so auf den Punkt genau historische Ereignisse Revue passieren lässt wie der benannte Historiker. Da stimmte einfach alles. Klingt übertrieben? Nein, ich gebe hier schon mal satte 10 von 10 Punkte.
Weitere Infos

16 – Christopher Priest: „Die stille Frau“
Irgendwie bin ich froh, dass ich zu diesem Buch keine Rezension schreiben „muss“. Das „muss“ bezieht sich auf den NEUEN STERN. In den letzten Ausgaben fröne ich meiner neuen Leidenschaft, „eine Lanze für Christopher Preist“ zu brechen. Sehr spät habe ich seine faszinierende Phantastik für mich entdeckt, begonnen bei den Werken, die zum Traumarchipel-Zyklus gezählt werden (teilweise vermeintlich, da stimmt die Aufzählung in der deutschen Wikipedia gar nicht) lese ich mich jetzt wohl durch das Gesamtwerk.
Inzwischen konnte ich noch jemanden mit meiner „Mission“ anstecken. So hat Karsten Kruschel eine schon ältere Rezi von sich für den NEUEN STERN zur Verfügung gestellt („Amok-Schleife“) und nunmehr hat auch Peter Schünemann etwas von ihm gelesen und für den NEUEN STERN rezensiert: eben „Die stille Frau“.
Ausführlich also dort. Hier nur sei angemerkt, dass mir das Buch wieder absolut gefallen hat, auch wenn ich am Ende nicht genau weiß, wie sich all das, was da an Plot-Fäden und Problematiken angehäuft wird, auch auflöst.
In einer Mail hat mir Herr Priest geschrieben, dass er derzeit an einem Roman sitzt, der die Geschichte von „Die stille Frau“ wieder aufgreift und die er jetzt mit dem Traumarchipel verknüpft. Es ist so schade, dass wir das Werk auf Deutsch sicher nicht lesen werden; seit gut 15 Jahren ist von ihm nichts mehr bei uns erschienen…
Wer ist eigentlich „die stille Frau“? Die Protagonistin, eine in einem von radioaktivem Niederschlag verseuchten Gebiet im Südwesten Englands lebende Schriftstellerin, oder die Ermordete, ihre Freundin und ehemalige Schriftstellerin und Anti-Atomkraft-Aktivistin?
Es geht um einen Mord, es geht um das Geheimnis eines Manuskripts über sechs Frauen, das der Autorin insofern ein Rätsel ist, dass sie partout nicht nachvollziehen kann, warum die „Behörden“ das Manuskript kassierten und deren Veröffentlichung untersagen. Es geht um die Gefahren des Datensammelns und –manipulierens.
Es geht um einen vertuschten Nuklear-Unfall und es geht – wie immer bei Preist – um die sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die handelnden Personen. Da gibt es sogar eine gute Stelle, wo er – nach meiner Auffassung – am Traumarchipel-Zyklus anknüpfen könnte. Der unsympathische Sohn der Ermordeten hat sich in jungen Jahren schon eine eigene Traum- und alternative Vorstellungswelt in seinem Kopf gebastelt, um mit der Realität, in der der nicht zurechtkam, leben zu können.
Ein sehr komplexer, dabei aber bis zum Schluss spannender Roman, der weder richtige SF, noch ein richtiger Krimi, auch kein dezidiert gesellschaftskritischer Roman sein will, sondern eine Mischung aus allem – und rätselhaft.
9 / 10 Punkte

17 – Jonathan Littell: „Die Wohlgesinnten“
Hörbuch.
Wow, ich habe es geschafft! Was mir als Buch – lesend – nicht gelang, konnte ich jetzt in Form eines Hörbuches nachholen: Dieses Riesenwerk (Umfang) durchgehört. Das hat mich glatte 4 Monate gekostet, denn ich höre nur zu bestimmen Anlässen (meiste lange Autofahrten allein, meist aber die Fußgänge zur und von der Arbeit). Und 1500 Seiten vorgelesen dauert halt.
Aber ich habe es geschafft und muss gestehen, dass man in diese Lebens-Abschnitts-Schilderung eines SS-Mannes, der an vielen Brennpunkten des II. Weltkrieges teilnahem, bzw. involviert oder zumindest zugegen war, schon reingezogen wird.
Der Erzähler ist dabei nicht immer so zuverlässig. Die historischen Hintergründe scheinen aber stimmig und plausibel und wahrhaftig zu sein, all diese Mörder-Bürokratie, die unsäglichen Grausamkeiten, dieser „Alltag des Krieges“. Dazu kommen eher traumhafte Sequenzen, die schon an waschechte Phantastik erinnern (Delirium nach Kopfschuss), oder an eine Groteske (Hitler in die Nase beißen).
8 / 10 Punkte

18 - Erik R. Andara: „Im Garten Numen“

20 – Louis-Ferdinand Céline: „Reise ans Ende der Nacht“
Die schönste, mehrmals wiederholte Passage aus dem Stück, könnte ich mir einrahmen – also, habe ich mir eingerahmt:

„Unser Leben ist eine Reise durch den Winter und die Nacht,
wir suchen, was den Weg uns weise
am Himmel, wo kein Stern uns lacht.“

Und sonst? Also, um ehrlich zu sein, ich komme mit dem lakonisch, distanzierten, leicht ironischen (?) Stil des Autors nicht so gut zurecht. Ich hätte mir mehr Tragik und sogar schwülstige Poesie gewünscht. Aber so ist das mit diesen Erwartungshaltungen…
Die Reise durch die Nacht in der ersten Hälfte (dem ersten Drittel gar) des 20. Jh. ist auch eine Reise durch verschieden Dschungel: Den des I. Weltkrieges, durch die Schützengräben in Frankreich, dann durch die Zentralafrikas (hier fühlte ich mich natürlich ganz dolle an Conrads „Herz der Finsternis“ erinnert), dann durch den anonymen und menschlich-kalten Großstadtdschungel New Yorks, wo der Ich-Erzähler nur ans F#@+*n denkt. Und immer fragt er sich, was er da eigentlich macht, was er da soll, was das alles soll – oder so ähnlich. Der Roman ist eher ein Bericht über eine Lebenseinstellung, die Handlung ist nebensächlich. Für mich nicht so das Wahre.
6 / 10 Punkte

21 – Dan Abnett: „Doctor Who – und stumme Sterne ziehn vorüber“
Hörbuch, gelesen von Tobias Nath
Dr. Who zum lesen (oder vorlesen lassen)? Warum nicht mal probieren?
Anfänglich wollte sich Enttäuschung breit machen. Der Autor ahmt die lockere, leichte, frohstimmende Atmosphäre der Filme nach. Im Plauderton werden da ja gern große Pläne geschmiedet, große Entscheidungen getroffen und Welten gerettet. Mir gefällt diese Atmosphäre – in den Filmen. Aber gelesen? Na ja, ich gebe zu, hätte ich es selbst gelesen, hätte ich vielleicht abgebrochen. Der Anfang war mir zu beliebig, zu unverbindlich, zu wenig relevant.
Aber die Story entwickelt sich – zu einer interessanten, spannenden SF-Story, die mit Sicherheit auch ohne den Doctor und seine Begleiter, Amy und Rory, funktioniert hätte.
Natürlich schweben einem die Gesichter aus den Filmen vor dem geistigen Auge beim Zuhören – und das funktioniert; ja passt, meiner Meinung nach.
Die Story selbst ist dabei nicht so komplex: Die Nachkommen irdischer Terraformer (Morphener) sehen sich einer schnell verlaufenden Klimaveränderung auf dem erdähnlichen Planeten ausgesetzt: Es wird kälter, ewiger Winter droht. Schuld daran tragen die Nachkommen der ausgestobenen Marszivilisation, die Eiskrieger. Die wollen auch den Planeten für sich, aber mögen es halt kalt.
Schön, aber wahrscheinlich immer das Unrealistischste an den Serien-Erzählungen: Der Doctor versucht eine friedliche Lösung. Auch den scheußlichsten und brutalsten Monstern begegnet er vorbehaltlos und freundlich, scheint sie gar nicht ernst zu nehmen.
Okay, war unterhaltsam, aber so ein Dr.-Who-Leser werde ich wohl nicht.
7 / 10 Punkte

22 – Albert Sánchez Piñol: „Im Rausch der Stille“
Viele meinen, das ist ein Horrorroman. Tatsächlich mutet der Anfang weird und lovecraftian an. Aber ich denke, dass ist eher eine First-Contact-Story, die an die Lost-Race-Stories des 19. und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts anknüpft; also waschechte SF.
Ich war jedenfalls absolut positiv überrascht und froh, nach so langer Zeit die Lektüreerfahrung nachgeholt zu haben. Im Abgleich mit dem Film, „Cold Skin“, ist das Buch auch um Klassen besser, reichhaltiger (Figurenaufbau, philosophische Dichte).
9 / 10 Punkte

23 – Sybille Berg: "GRM“
Ja, okay, ich hab’s begriffen: Die Welt ist Scheiße, die Zukunft auch, trotz BGE. Wobei die Autorin wahrscheinlich Recht hat, mit allem. Ich will es nur nicht hoffen, besonders was den „utopischen“ Teil anbelangt. BGE kann m.M.n. Teil der Lösung der Probleme werden.
Die Story – welche Story? – ist in GB angesiedelt. Dass es dort bereits zu so enormen sozialen Verwerfungen kommt, zeigt die Autorin übrigens immer mal wieder bei Facebook in Form von Links zu Zeitschriftenartikeln. Die sind fast noch beeindruckender – im deprimierenden Sinne – als ihre sehr gekonnte Fiktion. Es ist schlimm! Und das im hochentwickelten Westen.
Aber die Story: Kaum vorhanden. Daher erlahmte bei mir der Lesedrang dann doch. Zum Schluss fast nur durchgequält. Daher leider nur
7 / 10 Punkte

24 - Ingo Scharnewski bei TES
Alle 9 Hefte von diesem Autor aus der Reihe bunTES Abenteuer, hg. v Gerd-Michael Rose in seinem Kleinverlag gelesen. Das wollte ich schon lange einmal tun. Von dem Autor findet man woanders – nach meinem Kenntnisstand – kaum was, was aber durchaus unverständlich ist. Damit dürfte TES hier etwas ganz Eigenes haben. Nicht alle Stories sind so gut, aber ein paar haben was. Der Autor schreibt „kleinteilig“, lenkt mit unwichtigen Details vom Wesentlichen ab. Auf die Dauer kann das nerven, aber er erzeugt damit Authentizität, verankert seine Stories in der Realität. Dann aber gibt es immer ein phantastisches Element, das die Story kippen lässt, auch wenn man sich z.B. bei der „Kiki“-Story schon an den Umstand gewöhnt hat, dass man hier ja eigentlich eine Liebesgeschichte serviert bekommt. Scharnewski ist ein Grenzgänger zwischen den Genres. Und unter dieser Rubrik stelle ich dann im NEUEN STERN auch alle Hefte mal vor.
Die Frau in der Bücherei, 5 / 2010
Der Hund, der auf zwei Namen hörte, 8 / 2011
Tätowierte Haut, 1. Teil, 4 / 2012
Tätowierte Haut, 2. Teil 5 / 2012
Curtis Anserina, 28 / 2014
Mademoiselle Kiki, Nr. 34 / 2016
1800, Nr. 41 / 2017
Uneinholbarer Vorsprung, Kiki 2, Nr. 44 / 2018
Zwei Seelen, ach, in einer Brust, Kiki 3, Nr. 48 / 2019
7 / 10 Punkte

25 - Albert Sánchez Piñol: „Pandora im Kongo“
Irgendwie knüpft dieses Buch an sein berühmteres „Im Rausch der Stille“ an, zumindest findet man viele Elemente daraus hier wieder: Die kleine Gruppe Europäer in einem ihnen fremden und unwirtlichen Umfeld (afrikanischer Urwald statt ferne Insel), einen humanoide, fremde Art (so zwischen Alien und Lost Race, hier: große, schlanke, weißhäutige, sechsfingrige und im Erdreich lebende Tektoner statt „Amphibienmenschen“), Liebesstory zwischen dem /den Europäer/n und einem weiblichen Wesen dieser fremden Art, kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Arten und sogar der Zeitrahmen ist derselbe (I. Weltkrieg).
Diesmal haben wir aber noch eine Erweiterung – um das Schicksal von Trivial-Ghostwritern und um eine perfide Krimi- & Gerichts-Geschichte. Am Ende hat man dann auch ein ganz anderes Ergebnis als zuvor erahnt. Ich bin begeistert.
9 / 10 Punkte

27 – Arnolt Bronnen: „Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll“
Faszinierende Autorbiografie eines faszinierenden Literaten und Menschen. Auch wenn er politisch, weltanschaulich nicht gerade „zuverlässig“ war und mit den Extremen „spielte“ – aber zu einer Zeit, da man nicht unbedingt wissen konnte, was mal aus solchen „Meinungen“ wie Faschismus entstehen kann (es zumindest nicht die „Erfahrung“ 3. Reich und 2. Weltkrieg gab) ist es halt schwer über jemanden den Stab zu brechen. Der Mann rechnet hier mit sich selbst ab, das liest sich wie ein Politthriller – vom Jugend-Bewegten (Wandervogel), über Theater-Expressionist und Theater-Skandal-Macher (Zusammen mit Bert Brecht), zum Frauen-Helden (2 seiner Angebeteten nahmen sich das Leben), Freund von Ernst Jünger und Joseph Goebbels, Radio-Macher der ersten Stunde, zum Widerständler gegen das NS-Regime. Nur sein Lebensabschnitt in der DDR lässt er leider aus. (Das Buch erschien aber auch schon 1954 und in die DDR übersiedelte er erst 1955.)
10 / 10 Punkte


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Wer hat mehr Laßwitz-Preise bekommen als Wolfgang Jeschke?

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 28 June 2019 · 277 Aufrufe

Wer hat mehr Laßwitz-Preise bekommen als Wolfgang Jeschke? Ja, richtig: Bodo Traber
...In der Rubrik „Hörspiel“.
Okay, ich gebe es zu, die Überschrift ist so eine clickbait-Falle. Es sei mir gestattet, denn ich denke, er und der Freundeskreis SF Leipzig haben es verdient, Aufmerksamkeit zu erhalten.
Also: Am 27. Juni 2019 hat der FKSFL mal wieder zur Monatsveranstaltung geladen. 19:30, Haus des Buches = kennt man ja. Richtig hieß die Veranstaltung:

"Aus der Werkstatt eines Science Fiction Hörspielautors".

Moderation hatte Thomas Braatz inne (wollte / sollte ursprünglich jemand anderes sein, aber irgendwie kam da was dazwischen…).
War superinteressant. Man dankt ja: Hmm, kein „richtiger“ Autor, wie und was soll denn da laufen? Aber der Mann ist ja eine wahre Wundertüte! Er hatte viel zu erzählen. Dazu gab es Ausschnitte aus den Hörspielen und seine Bemerkungen dazu.
Angefangen hatte er, ausgebildeter Film-Wissenschaftler, allerdings als Autor für Synchron-Manuskripte. D.h., er hat für Serien und Filme aus englische-sprachigen Ländern vor allem die Dialoge für die deutsche Synchronisation geschrieben. Dann auch die Dialoge für deutsche TV-Vorabend-Soaps. Dann schrieb er als Freund der Phantastik, des Horrors, japanischer u.a. Monsterfilme etc. erste Bücher für SF-Hörspiele, mittlerweile führt er auch Regie – und fasst Preise ab, u.a. 2 Mal den Laßwitz-Preis für das beste SF-Hörspiel – also mehr als W. Jeschke (der hat auch 1 Mal diesen Preis erhalten).
Als Synchron-Autor – so seine Bezeichnung – ist er im „grauen Gewerbe“ tätig. Niemand nimmt diese Autoren wahr; sie werden eher nicht als Künstler verstanden. Er sieht das selbst anders.
Bodo Traber reagierte eloquent und voller Esprit; machte Spaß, ihm zuzuhören. Dann wurde er aber auch nachdenklich-verärgert, als er davon erzählte, dass solche Warn-SF wie sie ein J.G. Ballard in „Welt in Flammen“ – oder eben auch er mit seinem Hörspiel von 2002 „Mühlheimers Experiment“ (hier schrieb er noch „nur“ das Buch) – wo vor den Folgen der menschengemachten Klimaveränderung gewarnt wurde, völlig nutzlos sind, misst man sie daran, dass sie in den Köpfen der Entscheidungsträger etwas bewirken sollten. Da konnte er auch ziemlich zynisch werden…

Das Bild: Bodo Traber in einer für einen Hör-Spiel-Macher typischen (?) Pose. © Thomas Hofmann


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An Bestseller-Autorinnen & Autoren in spe!

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Meine Empfehlung 22 June 2019 · 241 Aufrufe

An Bestseller-Autorinnen & Autoren in spe! ...natürlich auch an bereits als Bestsellerautoren Arbeitende gerichtet.

Liebe Bestseller-Autoren & Autorinnen in spe: Ich darf auf ein Podium für die Erst-Publikation hinweisen (na, kann auch die x-te Veröffentlichung sein, na klar…), im allseits (gut, zumindest den Leserinnen & Lesern des Heftes; aber zu einem solchen kann man ganz schnell werden, ich kann da was vermitteln…) beliebten „Rundbrief“ NEUER STERN.
Es gilt daher weiterhin (wie bereits in einem ziemlich berühmten sozialen Netzwerk verkündet):

Liebe Autorinnen & Autoren!
We need you!
Wir machen seit 2013 ein kleines Fanzine (Infos gibt es hier). Wir – die Leute vom Andromeda SF Club Halle – widmen uns allen Spielarten der Phantastik, SF; Fantasy, Horror, und allem, was dazwischen liegt.
Und wir sind neugierig: Wir wollen Euch kennen lernen! Also, bitte her mit Euren Geschichten. Wenn Ihr Lust habt, bitte melden. Und uns interessieren auch die Leute hinter den Texten. Ihr könnt Euch im Heft präsentieren, ein paar Fragen zu Leben & Werk gestellt bekommen.

Kontakt. Bitte pn an mich


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Nach Ostern kommt Pfingsten, so steht es geschrieben...

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 01 June 2019 · 363 Aufrufe
Jack Parsons, Günter Kunert und 2 weitere...
Nach Ostern kommt Pfingsten, so steht es geschrieben... Nach Ostern kommt Pfingsten, so steht es geschrieben, im Editorial des NEUEN STERNS 51
Na dann, los geht’s
Es ist wieder ein DOPPEL-STERN. Die Ära der Doppelsterne ist angebrochen. Das hat seine Gründe. Welche? Das steht in den Heften. Ist aber auch egal, auf den Inhalt kommt’s schließlich an, und davon haben wir:

Die special guests sind diesmal: Björn Candidus, der Schöpfer des farbigen Covers der Nummer 51, im Innern des Heftes sind weitere Bilder von ihm, und Tami Urah, von der in der Ausgabe 52 eine Story enthalten ist. Danke Euch!!!


Inhalt
51 – 36 + 4 (Farb-) Seiten
*****************************
Heiterer Melancholiker, kreuzfideler Pessimystiker: Günter Kunert zum 90. Geburtstag gratuliert Peter Schünemann

Der Claypool Lennon Delirium Komplex
Beitrag von Thomas Hofmann
…John Carter: Raumfahrt, Sex und Rituale. Die okkulte Welt des Jack Parsons
…Jack Williamson: Geschöpfe der Nacht
…BORISKA – Ein Indigojunge vom Mars

Rezensionen zu…
…Frank Bittner: Kai Ritter – Der schlaflose Vampir, von Bernd Wiese
…Alastair Reynolds: Rache, von Peter schünemann


52 – 40 Seiten
*****************
Kritische Bemerkungen zu...
...Robert N. Bloch: Nachtragsheft zur Bibliografie der Utopie du Phantastik 1650 – 1950, von Lars Dangel
...Helmut Krausser: Geschehnisse während der Weltmeisterschaft, von Thomas Hofmann - S. 8

Grenzgänger
...Paul Auster: Im Land der letzten Dinge, von Peter Schünemann
...Christopher Priest: Die stille Frau, von Peter Schünemann
...Christopher Priest: Schwarze Explosion, von Thomas Hofmann

Aus alten Bücherschränken, von Bernd Wiese
...Joseph Herrings: Die goldene Gefahr
...W. Grassegger: Der zweite Weltkrieg
...Stefan von Kotze: Das Gift des Vergessens
...Emil Frank: Im Ringen um das Luftmeer: ein Fliegerroman
…Thea von Harbou: Frau im Mond

Rezensionen zu…
…Kai Meyer: Hexenmacht / Maschinengötter, Rezi von Bernd Wiese
…Harry Harrison: Zeitreise in Technicolor, Rezi von Volker Adam
…Erik R. Andara: Im Garten Numen, Rezi von Thomas Hofmann

Tami Urah: Zwiesprache, Story


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Hartes Literaturbrot, charmant dargebracht

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei..., Subjektive Eindrücke, Phantastisches Halle & Le... 23 May 2019 · 281 Aufrufe

Hartes Literaturbrot, charmant dargebracht Claudia Rapp zu Gast beim Freundeskreis SF Leipzig e.V.
Haus des Buches, Leipzig
am 16. Mai 2019
Moderator: Manfred Orlowski
*********************************

Da habe ich den April-Termin doch glatt ausfallen lassen. Und um ehrlich zu sein, der Mai-Termin erschien mir erst einmal gar nicht so attraktiv: „Aus dem Nähkästchen einer Übersetzerin“. Hmm, nun ja…
Aber: Das täuschte! Es war ein sehr interessanter und erfreulicher Abend! „Schuld“ daran trug eindeutig die eingeladene Claudia Rapp. Sie berichtete ausführlich von ihrem Leben mit und durch die Literatur. Was mir erst trocken erschien, entpuppte sich als turbulente tour de force durch das, was mir nur ein liebes Hobby, für den Gast aber Alltag und Lebensgrundlage ist. Ja, das muss man erst mal meistern. Sicher geht es vielen Leuten so, die aus ihrer Passion für die Literatur allgemein, für die Phantastik im Besonderen, einen Job machten.
Es begann bei ihr frei nach Heinrich Böll: „Junge, was willst du machen?“ „Irgendwas mit Büchern.“ So zitiere ich sie Böll zitierend. Das hätte ich mir selbst nie zugetraut. Allerdings war das in dem kleinen Ort, wo sie aufwusch, erst mal nur ein Buchladen, wo sie anfing.
Später kam die Erkenntnis dazu, dass 9 Stunden Verkaufsarbeit auch nicht so prickelnd sind. Daher der Wechsel zum Studium. Da Germanistik ihr zu trocken war, studierte sie lieber Amerikanistik, wo man sich auch mit popkulturellen Sachverhalten auseinandersetzten darf, da halt in Amerika die Trennung von E und U nicht so drastische vorgenommen wird, wie bei uns.
Also, ich merkte bald: Die Dame macht, was ihr gefällt. Und sie kommt dabei sogar voran. Auch wenn am Ende (das ist allerdings bei ihr noch lange nicht erreicht!) nicht der große finanzielle Reibach steht.
Jedenfalls hat sie über einen Studienaufenthalt auf Hawaii und eine Abschlussarbeit über hawaiianische Literatur zur englischen Sprache und zum Übersetzen gefunden. In diesem Feld arbeitet sie jetzt. U.a. für den FESTA Verlag. Sie erledigt aber auch Jobs für TV-Streaming-Dienste, übersetzte sogar aus dem Deutschen ins Englische.
Das, und noch mehr erzählte sie, insgesamt in einer inspirierend-spritzigen, lebendigen Art. Der Moderator kam kaum mit seinem Fragen hinterher, das Publikum machte ebenso fleißig mit. War eine runde Sache und Claudia Rapp konnte ihr Publikum damit sehr fesseln.
Ach, und dann kam noch der EuroCon ins Gespräch – darf ich das hier so schreiben? Also, die junge Autorengemeinschaft PAN überlegt wohl, nicht zuletzt angeregt durch Claudia Rapp, die einschlägige Erfahrungen erst kürzlich, 2019 in London machte, dass 2026…, und Berlin… Na, mal sehen, was passiert!


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Aus schlechten News gute machen…

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, News 12 May 2019 · 542 Aufrufe

Aus schlechten News gute machen… …zumindest kann man es versuchen:
Den Rundbrief an die Freunde des ASFC Halle, also der NEUE STERN, gibt es seit 2013. Lange bekam man den für 1 Euro plus Porto (gab ein paar Ausnahmen). Ja ja, ist verrückt…
Aber jetzt:
1. Januar 2019: Büchersendung von 1 auf 1,20 raufgesetzt.
1. April 2019: Kosten für Kopien fast verdoppelt!!! (Habe ich erst jetzt mitbekommen, vor Schreck…)
1. Juli 2019: Büchersendung wird quasi abgeschafft; das dürfte die Portokosten fast verdoppeln.

Nun das Gute (daraus): Das Heft wird zwar teurer, aber im Durchschnitt auch dicker. Es wird eine bereits fast etablierte, gute Tradition ausgebaut: Der STERN wird zum Doppelstern. Ich hoffe, das freut den Leser und die Leserin!
Na ja, wer aber noch mal einen Blick ins Zine werfen möchte: Hier sind die letzten verfügbaren 1.- Euro-Ausgaben (plus Porto). Zuschlagen? Zuschlagen!!!!

Es sind noch da:
- Bulgarische: 2
- Bernd Robker: 4
- von den anderen abgebildeten je 1
- von den nicht hier abgebildete, aktuellen - siehe hier - gibt es je 3 Exemplare noch.
Dann ist Schluss... Nein, es geht weiter, die Redaktion ist sich noch nicht ganz schlüssig wie, aber es es geht weiter, auch angemessen "preiswert".
...............
Updates:
  • Atlantis-Hefte sind weg. (also, für 1 € das Heft, ich kann weitere herstellen, aber - siehe oben)
  • 1 Bernd-Robker-Spezial weg (Das kann übrigens nicht mehr nachgemacht werden)
  • 15.07.2019: Nunmehr sind die "1 €-Hefte" alle weg.



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Zwischen Anti-Bibel und Ehekrieg: Erik R. Andara: „Im Garten Numen“

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung 06 May 2019 · 456 Aufrufe

Der Titel mutet biblisch an. Nun, um theologische Erbauungsliteratur handelt es sich bei dem nunmehr ersten Roman von Erik R. Andara nicht. Das steht schon mal fest.
Erst einmal: Der Roman ist recht kurz. Ich las ihn bequem an 2 Nachmittagen. Oh ja, das geht, man kann sich auch kurzfassen. Fand ich schon mal sehr angenehm.
Es beginnt dabei allerdings nicht so sonderlich originell. Der Einstieg kommt dem versierten Horror-Leser durchaus geläufig vor: Ein Mann kommt in aus der Stadt in ein dem Trubel der Zivilisation abgewandtes Kaff. Aber „ruhig“ ist, oder bleibt es aber nicht, keine Bange.
Es ist ein Roman, der im Hier und Heute angesiedelt ist, um dann in die mystische, unheimliche Tiefe hinter der vermeintlich bekannten Welt einzutauchen.
Doch schon bald entfaltet der Autor seine Story und vor allem seine Charaktere. Und das machte mir großen Spaß! Er schafft nämlich die Balance zwischen unheimlicher Phantastik und menschlicher Dramatik.
Der Held der Story ist Simon. Er hat sich von seiner Frau getrennt, die einen neuen Mann hat. Er hat aber mit ihr eine Tochter. Wir erleben ihn, wie er in eine abgelegene Siedlung reist, um dort nach seiner Tochter zu suchen.
Der Autor verrät Stück um Stück, mitunter fast beiläufig immer mehr von Simon, von dessen Frau, von ihrer Tochter. Die Familie ist keine glückliche, die Eltern sind keine redlichen Bürger. Die Probleme, die sie mit sich herumschleppen, lasten schwer auf ihnen. Der neue Mann der Mutter spielt auch keine rühmliche Rolle. Und er ist auch nicht nur das gutbürgerliche Arschloch, das wir – durch die Augen des ausgebooteten Ex-Mannes (Simon) gesehen – kennen lernen müssen.
Die Handlung verbindet nachehelichen Rosenkrieg mit einem kosmologisch-mythologisch begründeten Reich der Finsternis und einer melancholischen Geistergeschichte.
Was es mit dem titelgebenden „Garten Numen“ auf sich hat, wird natürlich erklärt. Das System um die Welt der Finsternis ist – fast würde ich es mal so beschreiben wollen – dialektisch. Durch die Finsternis zur Erleuchtung? Ob das klappt? Irgendwie irritierte mich dabei der Bibelton etwas. Aber hey, das ist Fantasy! Und es funktioniert, auch bei einem ollen Atheisten wie mir. Ich war fasziniert und gefesselt.
Erik tangiert noch ein Thema, aber wirklich nur am Rande: Problematik des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche. Nun, vielleicht war das nur ein Mittel, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken. Neben der kosmologischen Erklärung für die Finsternis, die unserer Welt droht, sind es die menschlichen Verwerfungen, die der Autor vorzüglich ausleuchtet. Das hat mich fast am meisten gefesselt diesmal.

Erschienen ist das Buch bei NitghtTrain, dem finsteren Imprint von WhiteTrain. Infos hier:
http://nighttrain.whitetrain.de/

Das ist der Eintrag 18 auf meiner Leseliste 2019 und dort bekommt das Büchlein satte 9 / 10 Punkte.


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NEUER STERN: Die Oster-Hefte 2019

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 19 April 2019 · 579 Aufrufe
Christopher Priest, Otto Ganz und 1 weitere...
NEUER STERN: Die Oster-Hefte 2019 Auf dem Bild kann man nicht erkennen, dass bereits von den frisch gefärbten Eiern welche fehlen. Na ja…
Aber dafür gibt es noch, wie ich hörte, von den frischen Oster-Ausgaben des NEUEN STERNs.
Inhalt der Hefte:
Bernd Wiese hat sich die komplette fünfbändige Ausgabe der Stories von P.K. Dick vorgeknöpft. Also, wer schon immer mal die Geschichten alle lesen wollte, es aber wie ich bisher nie geschafft hat, kann hier eine Abkürzung nehmen…
Peter Schünemann hat eine dick’sch-kafkaeske Story verfasst und Daniel Bechthold illustriert.
Ich bin weiterhin auf den Spuren von Christopher Priest und seinem Traumarchipel. Unterstützung erfahre ich von Karsten Kruschel, der auch gern eine #Lanze_für Chistopher_Priest bricht.
Volker Adam las sehr ausführlich einen algerischen SF-Roman: 2048.
Rezis zu: Juli Zeh, Qualityland, aus alten Bücherschränken.
(die Inhalte einzeln - siehe Kommentar)
Die wunderschönen Cover stammen von Otto Ganz (Belgien) und Dagmar Renée Ritter (Österreich).


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Hofmanns Leseliste bis kurz vor Ostern 2019

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 17 April 2019 · 294 Aufrufe
Christopher Priest, Bulgakow und 1 weitere...
Was hat denn der Hofmann so in letzter Zeit gelesen?
Den Bulgakow habe ich jetzt ziemlich durch, für Christopher Priest muss ich wieder eine Lanze brechen, "alte Bekannte" habe ich auch wieder getroffen...

7 – Angela & Karlheinz Steinmüller: „Traummeister“
Endlich mal nachgeholt (aus gegebenem Anlass). Das Buch ist eines der wenigen Fantasy-Bücher der DDR. Es erschien aber auf den letzten Metern, und ich denke mal, es ging etwas unter. Ich kann mich aber an die Erwartungshaltung an das Erscheinen des Romans erinnern, denn Teile, Erzählungen erschienen im Vorfeld (Lichtjahr) und die machten ja neugierig.
Na ja, jetzt also gelesen, weil ja demnächst bei Golkonda der Roman als eine der nächsten Gesamtwerk-Ausgaben erscheint. Und es hat gemundet. Die Analogien zur DDR sind erkennbar, aber nicht so eindeutig, finde ich. Es geht wohl um die Kraft und Verwirrung der Ideologie, die das Handeln der Menschen beeinflusst, dabei ausgenutzt und gelenkt werden kann. Traum = Ideologie, Utopie, Warnung etc. Am Ende geht es um die Macht, so lange, bis durch Revolution normales Leben fast unmöglich wird. Was mich nicht so ansprach, war die Sprache, die irgendwie auf altertümlich getrimmt ist, entsprechend des Entwicklungsstandes der Menschen auf diesem einst von irdischen Raumfahrern besiedelten Planeten. Schön sind die Traumsequenzen, in denen Dämonen und anderes traumatisches Gewürm über die Menschen herfällt.
8 / 10 Punkte

8 – Christopher Priest: „Der schöne Schein“
Das soll ja ein weiterer Traumarchipel-Roman sein. Hmm, nun ja, ob das mal stimmt? Auf der deutschen Wiki-Seite steht es so. Aber es gab keinen Hinweis auf diese Fantasy-Welt in dem Buch.
Allerdings ist der Roman schon sehr verwandt, denn es wird wieder geheimnisvoll mit der realen Welt gespielt. Und es ist wieder formal eine Liebesgeschichte, gebrochen durch einen Unfall und Gedächtnisverlust. Es ist ein Spiel der Manipulation und Realitätssicht; aber es gibt auch einen phantastischen Einfall, den der Autor aber in die reale Welt ganz selbstverständlich integriert. Mehr wundere ich dann im NEUEN STERN rum…
9 / 10 Punkte

9 – Michael Bulgakow: „Arztgeschichten“
Als der Schriftsteller noch jung war, war er Arzt, ein junger Arzt. Frisch von der Uni wurde er aufs Land „verschickt“, so um 1916 / 17, in die absolute russische Pampa.
Dort führte er eine Arztpraxis – ohne jede Erfahrung, und voller Ängste und Unsicherheiten.
Die satirische Ader des Autors kommt natürlich auch zum Tragen, die Dinge, die er da erlebt hat, sind mitunter auch komisch, aber meist doch eher tragisch. Die Unwissenheit und Naivität seiner Patienten hat was Komisches.
Aber zwei Dinge fielen mir bei der Lektüre besonders auf, bzw. halte ich für wichtig.
Die erste Sache, die mir die Stories und den Menschen Bulgakow auch absolut sympathisch machen: Der Medizinstudiumabsolvent ist sich seiner Sache absolut unsicher, er muss seine Unsicherheit aber verbergen. Er bricht fast unter der Verantwortung zusammen, kann es aber nicht zeigen; die Stories schrieb er ja 10 Jahre später. Das ist – so schlimm für den Mann und am Ende aber nicht für seine Patienten, denn er wusste sich und seinen Patienten dann doch zu helfen – so wohltuend zu lesen. Kommt es mir nur so vor: junge Menschen von heute mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet, die sofort alles können (was man ihnen auch zumutet, bzw. von ihnen verlangt), die alles besser wissen, alles können – aber irgendwie von nix eine Ahnung haben, nerven mich.
Ich war total erstaunt und berührt von der Lektüre.
Ein 2. kleines Detail: Die bäuerliche Kundschaft des seines Standes wegen hochangesehenen Arztes sind gar nicht so devot, wie ich es ihnen unterstellen würde. Sie zeigen Selbstbewusstsein, lehnen (mitunter aus Unwissenheit und Angst) eine Behandlung (erst mal) ab. Reagieren also so, wie man es heute von mündigen Bürgern erwartet. Fand ich bemerkenswert.
Ansonsten erzählt der Autor im Grund eine Story mehrmals, immer anders ausgeschmückt.
Die letzte, „Morphium“, erzählt von der Rauschgiftsucht, die einen anderen (aber im Grunde war es doch auch autobiografisch) jungen Arzt befällt, als er sich mal an das Schmerzmittel Morphium gewöhnt hat. Seinen alter ego treibt die Sucht in den Selbstmord. Das ist ja dann auch mal eine ordentliche Warnung.
Großartige, kurzweilige Einblicke in eine fremde, und doch irgendwie vertraute Welt.
9 / 10 Punkte

10 – Michael Bulgakow: „Die verfluchten Eier“
Die Novelle (Powest?) wurde von Alexander Nitzberg neu übersetzt, daher auch der etwas andere Titel. Auch bekannt als „Die verhängnisvollen Eier“.
Nun muss ich gestehen, das Büchlein in der DDR-Zeit gar nicht gelesen zu haben. Mit der satirischen, „typisch russischen“ Art und Weise der Erzählung konnte ich – so meine Erinnerung – nicht viel anfangen. Die Alltagsbezüge zur jungen Sowjetunion lenkten mich damals zu sehr vom phantastischen Inhalt ab. Heute sehe ich das anders. Doch daher weiß ich nicht, ob die ziemlich bissigen Spitzen gegen die Revolution, gegen die Bolschewiki, gegen das Leben in der Sowjetunion auch in der DDR-Ausgabe standen. Z.B. spielt, wie in „Meister und Margarita“, die Wohnungssituation, die ja in der SU eher prekär „gelöst“ wurde (Gemeinschaftswohnungen), eine gewisse Rolle. Aber auch insgesamt ist der Professor, der den lebenspendenden Strahl entdeckt, nicht gerade Pro-Sowjet. eingestellt.
Die „Wells’sche Phantasie“ besteht im Grunde „nur“ in der eher zufälligen Erfindung dieses Strahls, der Tiere schnell und übermäßig wachsen, sich vermehren und aggressiv werden lässt. Als dann eine Eier-Krise ausbricht und alle Hühner sterben, will ein ehrgeiziger Genosse den Strahl entsprechend einsetzten. Zu dumm, dass man die Eierlieferungen verwechselt (Hühner gegen Reptilien). Der apokalyptische Riesen-Tier-Ansturm wird recht schnell abgehandelt und ihr Ede kommt doch sehr überraschend und nicht sehr überzeugend.
7 / 10 Punkte

11 – Michael Bulgakow: „Hundeherz“
Den Klassiker Bulgakowscher Phantastik musste ich nun auch endlich mal lesen. Ich kann wenigstens sagen, dass ich den Stoff als Theaterstück bereits in den 90ern gesehen habe, in Dresden, im Theaterkahn, mit Uwe Steimle. Nun also das „Original“.
Der Plot hat mich nicht mehr überrascht. Ein – im Grunde ziemlich nerdiger, dem Alltag abgewandter – mad scientist versieht einen streunenden Hund mit menschlichem Herz und Gehirnteilen. Es setzt eine rasante Verwandlung ein, der Hund wird Mensch. Unser Professor Filipp Filippowitsch Preobrashensk ist ein naher Verwandter des Wells’schen Dr. Moreau, wie es aussieht. Auch Filipp Filippowitsch will schauen, ob man hier was verbessern kann.
Klappt nicht. Wobei mir persönlich bei der Lektüre nicht mal die Schlechtigkeit des „Hundes“ auffiel, sondern eher die sicher verständliche Ablehnung der revolutionären neuen Sowjetordnung durch den bürgerlichen Professor. Die Frage der Akzeptanz der neuen Ordnung bricht sich – wie schon in „Meister und Margarita“ und auch in den „Verhängnisvollen Eiern“ thematisiert – an der Frage des knappen Wohnraums. Der wird durch quasi-verbeamtete proletarische Ordnungskräfte gleichmacherisch aufgeteilt, was am Ende irgendwie mehr Elend als Gerechtigkeit erzeugt. Aber muss so ein Prof denn wirklich 5 Zimmer für sich haben? Na ja…
Unser „Hundeherz“ reiht sich in die proletarische Revolutions-Garde ein, der Prof und sein Gehilfe ziehen die Reißleine.
8 / 10 Punkte

12 – Jack Williamson: „Geschöpfe der Nacht“
Buch 1 einer Lesung verschiedener Quellen zur Erkundung seltsamer Persönlichkeiten, die allesamt in einem Musik-Album auftauchen. Wovon ich hier spreche? Hmm, verrate ich mal noch nicht. Das kommt dann im NEUEN STERN.
Dieses kleine Horror-Büchlein, aus dem Jahre 1940, auf Deutsch in der Ullstein-Reihe „Visionen des Schreckens“ 1979 erschienen, war eine Inspiration für eine sehr interessante und obskure Persönlichkeit der Geschichte: Jack Parsons.
Ob ich hier wirklich nachvollziehen konnte, was Herr Parsons da zu finden glaubte?
Die Story ist ziemlich einfach. Ein Forscherteam kommt ziemlich verstört von einer jahrelangen Expedition rund um die Welt zurück und wird Mann für Mann gemeuchelt. Wer der oder die Täter sind, ist im Grunde klar. Es geht hier um einen evolutionären Ausrutscher, den die Forscher entdeckten. Also, der Ausrutscher ist übrigens: Der Mensch – also du und ich. Die Ur-Menschen gibt es aber auch noch, bzw. ihre Gene in uns, so mehr und weniger. Und je nachdem wie ausgeprägt sie wirken, sind wir zu Dingen fähig, die unsere Vorfahren konnten. Das erklärt dann vieles, z.B. das Phänomen der Werwölfe.
Hübsch, kurzweilig, 8 / 10 Punkte

13 – John Carter: „Raumfahrt, Sex und Rituale“
Der Untertitel lautet: „Die okkulte Welt des Jack Parsons“. Das wäre dann das 2. Werk zur Erklärung der Songs des oben bereits angedeuteten Musikwerkes. Hier geht es direkt um eine besungene Person, den Raketenforscher und Okkultisten Jack Parsons.
Also, von wegen „Jack“, er nutzte verschiedene Vornamen, das gehört sicher zum Gesamtbild dieser irgendwie mehrfachen Persönlichkeit. Schizophren war er nicht, aber eben sehr vielschichtig. Das das so zusammenging: rationaler Forscher und tatkräftiger Bastler und gleichzeitig okkulter Führer, überzeugt von esoterischen Dingen und charismatischer Leiter okkulter Zirkel, Kulminationspunkt einer obskuren Szene, die aus Okkultisten und SF-Autoren bestand. Er verband seine Interessen und sammelte interessante Menschen um sich. In seinem Umfeld tauchte z.B. ein gewisser Herr Hubbard auf.
Leider wurde er nicht alt; er erlitt einen Unfall mit Sprengstoff. Die Umstände sind nicht genau geklärt… Ausführlich im NEUEN STERN.
9 / 10 Punkte (vor allem wegen der interessanten Inhalte)

14 – Christopher Priest: „Schwarze Explosion“
Auf meiner Mission „Eine Lanze für Christopher Preist“ stoße ich auf einen ersten Widerstand. Also, das ist jetzt schon etwas kompliziert. Nein, nicht der Roman, der dürfte einer der am wenigsten mysteriösen Romane des Autors sein, sein Zweitling wohl, auch wenn die Komposition des Romans anfänglich für Verwirrung sorgen kann – nein, ich meine das Buch, gelesen im heutigen gesellschaftlichen, politischen Kontext Europas.
Heute so gelesen, wie der Autor das Anfang der 70er schrieb, kann es absolut missverstanden werden. Aber andererseits: Was weiß ich schon? Vielleicht kann man das Buch gar nicht missverstehen?
Fakt ist, dass der Autor es 2011 überarbeitet noch mal rausbrachte. Leider kenne ich diese überarbeitete Fassung nicht – wenn jemand diese Notiz hier von mir liest und die neue Version kennt, wäre ich über ein paar aufklärende Worte sehr, sehr dankbar!
ohne Wertung

15 – Helmut Krausser: „Geschehnisse während der Weltmeisterschaft“
Es handelt sich um SF, um Nah-SF, um eine Dystopie. Europa wird rechtspopulistisch regiert, aber es gibt öffentliche Sex-Sport-Meisterschaften. Die Sportler sind Profis und treten paarweise gegen andere Mannschaften anderer Länder (wo dieser Sport noch zugelassen ist) an. Der Roman ist dabei keineswegs pornografisch, spricht aber auch nicht das Kopfkino an. Das ist halt Leistungssport. Vergnügen daran kann jemand haben, der gern Sportberichte liest. Dazu gehöre ich leider nicht.
Dieser Gag hat sich für meine Begriffe schnell abgenutzt. Die übrige Handlung konnte mich nicht locken, weder der eingeflochtene Krimi um einen ermordeten Ex-Sportler, ein bisschen nur der E-Mail-Dialog zwischen einer Sportlerin und einem ihrer Fans. Das hatte was!
Der Autor kann ja witzig schreiben, aber auch die Witze wollte nicht bei mir zünden.
6 / 10 Punkte






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„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

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Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019

 

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Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
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ARCANA 6 (2005)
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Nova 22 (2014)
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Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

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