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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Gelesen - der halbe Juni und der ganze Juli 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 31 July 2020 · 116 Aufrufe
Frank Herbert, Borges, Polidori und 1 weitere...
32 – J.L. Borges: „Die Bibliothek von Babel“
Das ist der 1. Band der vierbändigen Ausgabe aus der DDR, hg. v. Fritz Rudolf Fries, 1987. Ich hatte diese Bände kurz nach ihrem Erscheinen, also so 1988 (?) gelesen; und jetzt also wieder, nach über 30 Jahren. War wohl Zeit, zumal ich seitdem Borges als einen meiner Lieblingsschriftsteller bezeichne.
Dabei bleibt es auch! Auch wenn ich mich oftmals bei ihm frage, was er mir damit sagen will, faszinieren mich diese Kurzerzählungen nach wie vor. Bei ihm ist erst einmal fast egal, worüber er schreibt, er vermittelt mir immer so etwas wie „größere Geheimnisse“, die hinter den Dingen lauern. Die sind ja so ganz anders als die nordamerikanischen Short Stories, denn oftmals hat man nicht mal einen richtigen Plot. Manche lesen sich eher wie Aufsätze zu fiktiven Themen, wie Darstellungen oder Berichte. Andere sind Parabeln.
Na, wie auch immer, das gibt satte 10 / 10 Punkte

33 – H.G. Wells: „Die Insel des Dr. Moreau“
Der Klassiker als Vorbereitung für die Lektüre des neuen Comics von Adams und Rodriguez gelesen. Aber nicht nur deshalb. Schuld daran trägt auch Borges, der ja Fan von Wells war und der einen guten Kumpel hatte: Casares, der nun wiederum mehrere Texte schrieb, für die Wells‘ Roman als Vorlage diente.
Der Roman hielt ein paar Überraschungen für mich bereit. Details, die ich nach 30 Jahren einfach mal vergessen hatte. Diese Auffrischung tat jedenfalls sehr gut; hier kann man nur vergeben:
10 / 10 Punkte

34 – Frank Herbert: „Dune – der Wüstenplanet“
Als Hörbuch. Darf ich das so zugeben: Habe nie vorher Dune gelesen. Den Film von Lynch gesehen, klar, mehrmals. Danach hatte ich gar nicht den Trieb, das dicke Buch noch zu lesen. Was soll denn da noch Interessantes drin stehen, was der Film nicht erzählt hat? Auch wenn man sicher davon ausgehen kann, dass Film und Buchvorlage nicht zu 100 % übereinstimmen.
Na, jetzt also nachgeholt, als Hörbuch. Und? Ja, es ist anders. Was fiel mir da an (für meine Begriffe wesentlichen) Unterschieden auf?
Paul Atreides ist schon früh eine gebrochene Figur, er ahnt, dass er mit seinen „Reformen“ Schlimmes heraufbeschwört. Seiner Mutter Jessica hat eine viel größere Bedeutung als im Film (ist mir so zumindest in Erinnerung). Das Gewürz ist zwar total wichtig, aber wird nicht so sehr in den Vordergrund für die Gilde der Raumfahrer gerückt, die ja ohne das Zeug ihren Job gar nicht ausführen könnte. Na ja, irgendwie stimmt das schon, denn es verstärkt ja die Kraft, die Zukunft zu sehen, also können sie so den Weg durch das All finden.
Im Roman nervten mich zunächst die echt altertümlichen, feudalen Familien-Macht-Verhältnisse, um die es ja fast ausschließlich geht. Aber ich habe mich beim Hören dran gewöhnt.
Was mir beim Sehen des Filmes jetzt nach der Lektüre auffiel: Die Gedankengänge, die Herbert seinen Figuren in den Kopf legt, sind um ein Vieles komplexer als dann im Film. Dort denken die Leute ja auch laut, aber meist belangloser und kürzer als im Buch. Das war dann schon eine echte Bereicherung.
Insgesamt hatte das Buch für mich ein paar Längen, die mich vielleicht beim Lesen abgeschreckt hätten und zu einem vorzeitigen Lektüreabbruch führen könnten. Aber so beim Laufen durch die morgendliche Stadt war das schon schön.
8 / 10 Punkte

35 – Adolfo Bioy Casares: „Morels Erfindung“
Auf den Spuren von Wells‘ Dr. Moreaus führte mich der Argentinier auf eine Nachbarinsel, die von Morel. Hier begegnen wir keinen Tier-Mischwesen, dafür so einer Art untoter Hologramm-Menschen. Ziemlich geniales Setting, aber schon gewöhnungsbedürfte Verarbeitung. Anfangs ging es nur um die Liebe des Protagonisten, den es auf die Insel verschlagen hatte. Er hat sich in eine Frau verliebt, aber irgendwie kam er nicht an sie ran. Das hat seine Gründe. In der Mitte des Romans entpuppt sich die Geschichte als echte SF; ab da hatte er mich dann auch wirklich gepackt.
8 / 10 Punkte

36 – Guy Adams: „Sherlock Holmes. Die Armee des Dr. Moreau“
Eine Fortsetzung von „Die Insel des Dr. Moreau“ in Form einer Sherlock-Holmes-Pastiche. Geniale Idee? Ja, vielleicht, aber die Umsetzung hat mich nicht überzeugt.
Der Roman ist eine geradlinig erzählte Abenteuerstory, die bei Wells ansetzt, dem Vorgänger aber nicht gerecht wird. Auch wird das „Gesetz“, auf das die Tier-Mensch-Gesellschaft eingeschworen wurde, hier auf den Kopf gestellt.
Okay, für so zwischendurch und zur Unterhaltung (das will der Autor, wie er in seiner Nachbemerkung selbst schreibt, auch so erreichen) ist es nicht schlecht. Wer wissen will, was aus Dr. Moreaus Ideen geworden ist, auch was aus dem einzigen menschlichen Überlebenden, Prendick, geworden ist, wer für die schrecklich verstümmelten Leichen in der Themse verantwortlich ist und was Sherlock Holmes und Dr. Watson am Ende dazu rausbekommen, dem sei das Buch empfohlen.
6 / 10 Punkte

37 – Warren Ellis: „Gott schütze Amerika“
Nachdem mir seine Comic-Novelle „Frankensteins Schoß“ so gut gefallen hat, habe ich mich einfach mal auf seinen Romanerstling eingelassen. War eine gute Entscheidung! Habe mich trefflich unterhalten bei der Lektüre. Das Buch zeichnet sich nun zwar nicht gerade durch einen überkomplexen Plot aus, konnte mich aber durch seinen schwarzen, oft unter der Gürtellinie verlaufenden Humor, seine Schnoddrigkeit und dystopischen Verrücktheiten begeistern. Erst dachte ich, das sei ein Alternativ-Welt-Roman, ist es aber nicht. So richtig ernst gemeint ist das Ganze aber auch nicht – hoffe ich zumindest. Den Lese-Spaß erzeugt der Autor vor allem durch witzige-spritzige Dialoge, gefährliche und auch eklige Situationskomik und viele Sex-Gags.
Dabei gibt es sogar einen phantastischen Aufhänger: Ein Detektiv (so richtiges Noir- oder Hardboiled-Klischee: Ex-Polizist, kein Geld, keine Frau, keine Jobs, Alkoholproblem) kriegt von einem durchgeknallten, drogenabhängigen Staatsbeamten einen Job und einen Haufen Geld. Er soll ein Buch finden. Natürlich ein besonderes Buch: Die Verfassung der USA – mit den 23 unsichtbaren (sic!) Zusatzartikeln. Dabei muss er ordentlich im Sex- und Drogensumpf der US-Eliten graben und sich so einiges ansehen, anhören und über sich ergehen lassen. Dabei hilft ihm eine bezaubernde, aber auch nicht so ganz einfache junge Dame. Die Handlung zieht sich von Nummer zu Nummer, dem wertvollen Buch immer ein Stückchen näher kommend, hin. Ein happy end gibt es auch noch.
Hab lange kein Buch mehr so in einem Ritt und mit so viel Amüsement durchgelesen. Klasse Unterhaltung, und dann sogar noch mit einem angedeuteten Diskurs zum Thema Wert der Freiheit im Konflikt zum sittlichen und moralischen Verfall der US-Gesellschaft.
Für mich waren das mal glatte 10 / 10 Punkten.

38 – Frank Herbert: „Der Herr des Wüstenplaneten“
Hörbuch
Frank Herbert, ja? Nun, ich muss gestehen, das hat mir jetzt gar nicht mehr zugesagt. Wenn der erste Teil - also der Klassiker schlechthin – schon eigentlich eher ein Familiendrama vor nahöstlich-mittelalterlichem Hintergrund ist – mit etwas SF, aber auch mit Fantasy-Elementen – dann ist es dieser zweite Teil erst recht.
So gelesen (vorgelesen bekommen) kann ich nicht nachvollziehen, warum dieses Werk so einflussreich war und noch immer ist. Mir war es ziemlich langweilig. Es geht ja fast nur noch um Machterhalt innerhalb eines zutiefst feudalistischen Gesellschaftssystems. Interessant ist noch die Selbstreflektion Pauls, der erkennen muss – nach zig Milliarden Todesopfern! – dass er zum Gewaltherrscher mutiert ist, was er immer verhindern wollte.
In dem Roman passiert eigentlich sehr wenig, wird nur über vergangene Zeiten und Ereignisse reflektiert, über das, was in „Dune“ passierte und danach, aber ansonsten? Ist wohl nur so ein Zwischenstück, ehe der neue Leto an die Macht kommt.
6 / 10 Punkte

39 – Reinhard Kaiser: „Der kalte Sommer des Doktor Polidori“
Alle reden über Mary Shelley und ihren Frankenstein! Aber was ist mit dem anderen Topos der modernen Phantastik, dem edlen, adligen Blutsauger, der in dem gleichen kalten Sommer 1816 geschaffen wurde und seinem Schöpfer?
Außerdem war ich immer skeptisch, ob der Dr. Polidori in dem Film „Gothic“ wirklich so ein unsympathischer Typ ist, wie er dort dargestellt wird.
Nach der Lektüre dieses Buches: Nein ist er nicht, obwohl… Er hat es halt schwer im Schatten seiner Majestät, des Großfürsten der Dichtkunst und des Nonkonformismus, Lord Byrons, zu bestehen. Das Buch ist aufschlussreich und locker und leicht geschrieben; eine Wohltat und Anregung, weiter auf den Spuren Polidoris zu wandeln…
9 / 10 Punkte


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Im Zeichen Münchhausens - der neue NEUE STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastisches Halle & Le... 03 July 2020 · 212 Aufrufe

Im Zeichen Münchhausens - der neue NEUE STERN Geschafft, hurraaaa!
Auf den letzten Drücker. Heute ist SF-Stammtisch bei den „Hallensern“, also beim ANDROMEDA SF Club Halle und der hausinterne „Rundbrief“ ist fertig.
Aber nicht nur das; auch die Leutchen außerhalb Halles, die das Zine beziehen, können sich freuen, verpackt sind sie und, darauf darf ich hier mal hinweisen: Die Briefmarken habe ich extra für diese Ausgabe herstellen lassen, wie man sicher dem Foto entnehmen kann. – Na ja, das ist natürlich geschwindelt, was ebenso zum Inhalt des Heftes passt wie das Cover und die Briefmarke, denn es geht in einem längeren Abschnitt um den guten alten Lügenbaron Münchhausen.

Was gib's zu lesen?

Editorial mit einem Nachruf auf unseren SF-Freund Norbert Danziger, verfasst von Wilko Müller jr.
STORY - Ellen Norten: Emil Blutrausch
Thomas Hofmann erinnert an Münchhausen
Peter Schünemann erinnert an den Männertagsausflug des ASFC 2020
Thomas Hofmann stellt vor: Ina Elbracht: Der Todesengel
STORY - Volker Adam erzählt von der wahren Geschichte von Hänsel & Gretel
Peter Schünemann rezensiert B. Collins: Die verborgenen Stimmen der Bücher
...und Nils Wiesner: Das Gralprogramm
Thomas schaut sich Lovecraft-Mangas an
Volker Adam hat von P. Bacigalupi: Biokrieg gelesen
Thomas Hofmann hat James Blish gelesen
Peter Schünemann meint von Lavie Tidhar, der sei Extraklasse (Teil 1)


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Es sind noch NEUE STERNE da....

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 13 June 2020 · 148 Aufrufe

Es sind noch NEUE STERNE da.... Mal so als Info - und wer diesen "Rundbrief" - das kleine Fanzine kennen lernen möchte.
1) Die Winterausgabe - das ist sozusagen ein Fehldruck (Die interne Farbseite ist nur eingelegt), da kann man gern drüber verhandeln; nur ein Exemplar von dem Fehlerheft ist da.
2) die 2. Winter-Ausgabe - beide Winterausgaben
3) das Frühlings-Doppel 59 /60
4) der aktuelle "Krohns Stern" (eine Hälfte ist Rolf Krohn gewidmet - eine Story von ihm und ein langer Artikel, in dem seine Werke vorgestellt werden).

Ach, und noch etwas, etwas Wichtiges:
Liebe Autorinnen & Autoren!
Die Leutchen vom NEUEN STERN suchen Euch!
Bitte meldet Euch, wenn Ihr Euch vorstellen könnt, Eure Story in dem Fanzine abgedruckt zu sehen!

(wir hatten das ja schon mal, gilt nach wie vor)


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Leseliste - der ganze Mai und der halbe Juni

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 12 June 2020 · 284 Aufrufe
Christopher Priest und 2 weitere...
Na ja, das mit dem monatlichen Rhythmus hat dann mal gerade nicht geklappt. Kann dann in Zukunft nur besser werden. Aber jetzt erst mal: Was bisher geschah...

23 – Manuela Lenzen: „Künstliche Intelligenz. Was sie kann & was uns erwartet“
Eine sicher gut recherchierte und historisch fundierte Zusammenfassung zum Thema. Mir bot das Buch aber schon zu wenig an Neuem, oder an Sichtweisen, die mir neu wären. Mit anderen Worten: Es hat mich gelangweilt.
Deshalb muss es nicht schlecht sein! Im Gegenteil, wer sich umfassend mit dem Phänomen befassen will, dem sei es empfohlen, aber man „darf“ quasi nicht allzu viel Vorwissen haben. Die Autorin fängt teilweise sehr beim Urschleim an – aber die „historischen Grundlagen“ hatte ich in dem Transhumanismus-Kritik-Buch besser zusammengefasst und präsentiert bekommen, vor allem die, auf die es ankommt; eine wiederholte Darstellung der Entwicklung von Computern und Robotern brauchte ich jetzt gerade nicht.
Die Autorin geht sehr nüchtern an die Angelegenheit ran, will sie weder vergöttern, noch verdammen – und hält bewusst den Ball flach, wie man so schön sagt. Vielleicht sollten wir nicht allzu viel erwarten (Singularität und so…). Ich vermisste den klaren Standpunkt. Im Grunde bleibt sie in der Konsequenz schwammig – vielleicht ist das aber auch eben realistisch, denn niemand kann in die Zukunft sehen…
6 / 10 Punkte

24 – Christopher Priest: „Der Traum von Wessex“
Etwas Geografie vorweg: Wessex ist keine Stadt – in unserer Welt. Hatte ich erst mal so oberflächlicher Weise gedacht. Es ist aber eher eine Landschaft, und historisch: Ein mittelalterliches Königreich auf britischem Boden, südwestlich von London, bis Wales runter.
Da wir den Ort geklärt haben, müssen wir nun über die Zeit reden. Darum geht es auch in dem Roman. Ich behaupte mal, das ist ein Priest-Roman im Rohschliff. Dadurch ist er viel mehr SF, als seine anderen Parallelwelt-Romane.
Das ist unverständlich? Okay, ich bemühe mich um eine Aufklärung des Sachverhalts.
Es gibt in den 80er Jahren des 20. Jh. ein Institut in Südengland, das sich mit einer Simulation der Zukunft befasst. Diese Erkenntnis offenbart der Autor nicht gleich zu Beginn, da lässt uns Leser erst einmal schmoren. Das ist ja auch typisch für Priest und fördert den sense of wonder. Allerding – deshalb „roh“ – klärt er uns ziemlich schnell auf, dass wir es hier mit 2 Ebenen zu tun haben, die in einem direkten und gut unterscheidbaren Maße miteinander zu tun haben: Die Realität und die Simulation. Allerdings ist die Simulation für die handelnden (simulierenden) Personen nicht immer als solche erkennbar. Daher braucht man als Leser zunächst auch etwas, um sich dort zurecht zu finden.
Das ist also schon ungewöhnlich für Priest, der ansonsten gern seine Leser darüber im Unklaren lässt, was „echt“ und was „geträumt“, fantasiert, ausgesponnen, simuliert ist.
Die Simulation ist eine Welt der Zukunft. Die Probanden erleben diese, ja, leben regelrecht in dieser Zukunftswelt. Großbritannien ist zerfallen, die Sowjetunion ist dominierende Macht in Europa, Wessex ist wohl sowas wie eine Sowjet-Republik; allerdings schmückt der Autor diesen gesellschaftlich-politischen Zustand nicht sehr aus. Vieles wird nur angedeutet. Obwohl diese politische Entwicklung den Leser schockieren dürfte, scheint man aber durchaus dadurch in der Lage gewesen zu sein, andere drängende Probleme, wie z.B. die Umweltverschmutzung, in den Griff bekommen zu haben.
Ziel des Instituts, das diese Simulation – übrigens durch Kopplung der Vorstellungswelten der Probanden – erstellt hat, ist es herauszubekommen, wie es zu dieser möglichen Zukunft gekommen ist. Man ist halt in den 80er Jahren des 20. Jh. ziemlich am Ende mit seinem Latein, daher erdenkt man sich eine Welt, in der wichtige Probleme gelöst sind und will nun wissen, wie man zu diesem – leidlich – idealen Zustand gelangen kann.
Das müsste doch nicht so schwer sein. Allerdings wissen die Probanden gar nichts von ihrer Aufgabe, wenn sie in der Simulation „erwachen“, sie denken eben nicht daran, mal „vor Ort“ nachzuforschen, wie die Geschichte in den letzten 100 Jahren verlaufen ist.
Das alles ist der Rahmen; nun kommt – auch typisch für Priest – eine konkrete Beziehungsgeschichte hinzu. Die ist noch nicht mal uninteressant, da die Personen ziemlich starke, vielleicht etwas eindimensionale, aber handfeste Charaktere sind. Julia hat sich von Paul getrennt, Paul ist ein A., na ja… auf jeden Fall macht er seiner Ex das Leben zu Hölle. Julia trifft in Wessex ihren Traummann. Usw. Der Plot ist dann aber doch interessanter, als ich es hier andeute! Lesen lohnt! Wobei ein Trick, den der Autor dann anwendet, nämlich die Möglichkeit, in der Simulation, also in dem zukünftigen Wessex, wiederum eine Simulation anzuregen, nicht wirklich bis zu einem (bitteren?) Ende ausgemalt wird. Da hat der Autor nach meinem Dafürhalten etwas Potential verschenkt, zugunsten seiner Story um Liebe & Kabale.
8 / 10 Punkte

25 – James Blish: „Auch sie sind Menschen…“
Wie (mir selbst) versprochen: Ich lese weiter kurze Texte von Blish, da mir „Irgendwann“ so gut gefallen hat. Dieses Buch hier firmiert – zumindest in der Ausgabe, die mir vorliegt – als Roman. Aber es ist kein Roman, höchstens eine Sammlung von Stories, die ein gemeinsamer Grundgedanke eint. Dennoch sind die einzelnen Stories als „Bücher“ deklariert. Das ist spätestens mit dem „Vierten Buch“ albern, denn das umfasst ganze 8 Seiten…
Das Buch ist in einer Reihe „SF für die Jugend“ erschienen, hat ultradickes Papier, fast Pappe (für Kleinkinder?), aber leider keine Illustrationen. Nun, wie jung die Jugend sein darf, die das lesen kann, weiß ich nicht, aber „Jugend“ ist ja mitunter ein weiter Begriff. Superkomplex sind die Stories aber eher nicht, man muss sich nur bei der starken, fast überbordenden Phantasie des Autors, auf Schilderungen und Beschreibungen gefasst machen, die man erst mal erfassen muss. Dadurch haben wir es aber mit phantasievoll-farbenprächtigen Alien-Schilderungen zu tun, die … äh, stimmt ja gar nicht, denn: Auch sie sind Menschen!
Darum geht’s: Es werden in vier „Kapiteln“ Einblicke in eine Entwicklung der Menschheit gewährt, die zeigen, wie sie sich über die Galaxis ausbreiten kann. Dabei werden nicht die Planeten terraformt, sondern die Menschen passen sich an die fremden Lebensbedingungen an. Das erfolgt zunächst quasi im Widerstand zum gesellschaftlichen Mainstream, später planmäßig. Es gibt da einen richtigen „Aussaatplan“ (Däniken würde sich freuen und das vielleicht als Sachbuch lesen?), das Fachwort dazu hat Blish auch parat: Pantropie
8 / 10 Punkte

26 – Eugene Thacker: „Im Staub dieses Planeten. Horror der Philosophie“
Hach, was fange ich mit diesem Buch an? Gelockt hat mich der Titel und das Thema. Aber nach der Lektüre muss ich gestehen, dass es mich eher nicht so hinter dem Ofen hervorlockt.
Ein Buch mit philosophischen Essays, die Bezug zur dunklen Phantastik, bzw. zur phantastischen Literatur und Filmkunst nehmen. Dass Philosophen sich mitunter um Dinge kümmern, die ein „Normalsterblicher“ kaum nachvollziehen kann, war mir schon bewusst, aber ich hatte schon die Hoffnung, dass mir dieses Gemenge aus (Horror) Phantastik und Philosophie relevant erscheint.
Die Referenzen sind schon so ganz mein Ding: Lovecraft (natürlich), Ballard, Fritz Leiber, James Blish (sic!), Fred Hoyle u.a. Ich lerne etwas über die Dämonen der Hölle, über kosmischen Pessimismus (könnte ruhig intensiver und ausführlicher behandelt werden) und okkulte Philosophie, über die verborgene und sichtbare Welt, über den Zusammenhang von Leben, Tod und Aussterben (das war dann aber mir wirklich zu abstrakt und unfasslich).
Es waren aber auch schöne und inspirierende Wendungen enthalten. So z.B. die Überlegung, dass das Grauen weniger mit der Angst vor dem Tode, denn mit der Angst vor dem Leben zu tun hat.
Punkte? Hach, weiß nicht, will ich mal nicht vergeben, weil ich mich hier einfach nicht für kompetent genug halte, das Buch wirklich wertzuschätzen. Vielleicht kann das ja als Einladung an Euch verstanden werden: Wer will, kann mir gern auf die Sprünge helfen!

27 – Ina Elbracht: „Der Todesengel“
Ein Grusel-Thriller, Blitz-Verlag, 2020
- siehe hier -
9 / 10 Punkte

28 – Anna von Münchhausen: „Der Lügenbaron. Mein phantastischer Vorfahr und ich“
Als ich mitbekam, dass der reale Freiherr v. Münchhausen am 11.05.2020 seinen 300. Geburtstag feierte und ich einen interessanten Artikel in einer Tageszeitung darüber las, die genau dieses Buch zur Lektüre empfahl, erwarb ich es spontan. Tatsächlich las ich in diesem besagten Artikel so viel mir Unbekanntes zur Biografie des real-existierenden Barons und zur Publikationsgeschichte der Bücher, dass ich mich darin etwas vertiefen wollte. Da erschien mir dieses kleine Büchlein einer Verwandten des Herrn eine gute Wahl.
Nun, war sie auch, also eine gute Wahl, wenn auch keine sehr gute. Das Büchlein ist ein Sammelsurium verschiedenster Texte, bzw. Textchen, in denen die Autorin selbst und weitere Familienangehörige über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrem berühmt-berüchtigten Namen erzählen, in denen die wenigen bekannten biografischen Informationen zum Lügenbaron noch mal rekapituliert werden, die interessante und spannende Publikationsgeschichte (Raspe, Bürger), zu den Filmen und den Leuten, die sich heute mit der Person und dem Phänomen Münchhausens beschäftigen, vorgestellt werden.
Ein paar Münchhausiaden erzählt die Autorin auch noch; okay, darauf hätte ich gut und gerne verzichten können.
7 / 10 Punkte

29 – Stephen Hawking & Leonard Mlodinow: „Der große Entwurf“
Hörbuch, gelesen von Ranga Yogeshwar
Ich hoffe, niemand verlangt von mir jetzt eine kurze Inhaltsangabe und vor allem Wertung hinsichtlich der Richtigkeit des Inhaltes. Ich merkte beim Hören, dass ich so unbegabt bin als Physiker; mich interessierte da mehr die philosophische und kosmologische Dimension. Ist ja auch zu einem Großteil eine Geschichte der Erkenntnistheorie, eine Geschichte der Evolution des Wissens und der Erkennbarkeit des Universums. Und tatsächlich fand ich, dass der bekannte Wissenschaftsjournalist und -Popularisator (gibt es das?) aus dem Fernsehen das Buch ganz wunderbar liest. Sehr kurzweilig das Ganze und dafür geschaffen, mehrfach zu hören (teilweise getan), um da richtig mitzukommen.
(Keine Wertung, kann ich hier nicht vergeben)

30 – Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“
Ein Zweitlesen, besser: Lesenlassen – Hörbuch, gelesen von Ulrich Noethen.
Wollte das Buch schon lange mal wieder lesen, wie übrigens alles von D.K. Jedes Mal, wenn ich was von ihm lese, geschieht das mit großem Gewinn, auch beim wiederholten Lesen.
Die Doppelbiografie dieser beiden großen Wissenschaftler, die charakterlich so unterschiedlich waren und sich wohl freundschaftlich zueinander verhielten, ist absolut faszinierend. Es gibt so nebenbei auch ein paar tolle Anknüpfungspunkte für den Phantastik-Fan. Allein die Idee vom Orinoko, die den jungen Humboldt zu seiner abenteuerlichen Forschungs-Reise bewegte, ist im Grunde genau dasselbe, was einen Lovecraft zu seinen abenteuerlichen Geistes-Reisen veranlasste. So erschien es mir jedenfalls.
Vergnüglicher ist natürlich das Verhalten und Ins-Benehmen-Setzen des griesgrämigen Gauß. Und sein Sohn Eugen tut mir jedes Mal immer wieder leid. Dessen Erlebnisse mit der nationalen Studentenbewegung und einem (wohl falschen) Turnvater Jahn sind in ihrer Kehlmann‘schen kondensierten Schilderung so aufschlussreich – immer wieder.
10 / 10 Punkte (was sonst!)

31 – Michael Moorcock: „Die Zeitmenagerie“
Der erste Teil der Endzeit-Saga von Moorcock und mein x-ter Versuch, das Buch zu lesen. Ja, irgendwie kann ich mich immer noch gut verstehen, dass ich es mehrmals abgebrochen habe. Aber diesmal bis zum Schluss durchgehalten! Und dann war es auch gar nicht mal so übel.
Anfangs hat mich die Schilderung dekadenter Beliebigkeit am Ende der Zeiten gelangweilt. Fand ich auch diesmal wieder nicht so prickelnd. Wenn dann aber der Endzeit- Mensch seine große Liebe aus dem 19. Jahrhundert trifft, verehrt und in deren Zeit verfolgt, nimmt das Buch für meinen Geschmack an Fahrt auf. Spätestens dann, als der unbedarfte Zukunftianer in der Epoche seiner Sehnsucht war und so gar nicht mir den Gefahren dieser Zeit umgehen konnte, hatte mich die Geschichte erfasst. Also, ich werde dann wohl auch die anderen beiden Teile lesen müssen...
8 / 10 Punkte


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Die 60 ist erreicht!

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 22 May 2020 · 658 Aufrufe
Rolf Krohn, Sebastian Guhr
Die 60 ist erreicht! Jetzt aber!
Die letzte, 59. Ausgabe des NEUEN STERNS sollte ja so ein wenig mal wieder Teil einer Doppelausgabe werden. Aus verschiedenen Gründen, die nicht wirklich wichtig sind, wurde das nichts.
Aber es gibt diesen „anderen Teil“. Hier ist er! Und noch verrückter: Jetzt gibt es doch gleich 2 Ausgaben auf einmal. Das Heft 61 ist zur Hälfte mit Krohn-Material befüllt.
Fast unbemerkt hat nämlich ein deutscher SF-Autor seinen 70. Geburtstag gefeiert, und dazu auch noch sein 40-jähriges Schriftsteller-Jubiläum:
Rolf Krohn
Gut, dass wenigstens einem unserer Halleschen Autoren des NEUEN STERNs dran gedacht hat. Bernd Wiese hat sich der in 40 Jahren entstanden Bücher von Rolf Krohn angenommen. UND: Rolf Krohn hat exklusiv für uns zu „seiner“ Ausgabe – KROHNS STERN – eine Story beigesteuert. Da bin ich ja ganz besonders stolz drauf!

Beide Hefte haben je 44 Seiten + Farbcover

#60 Frühlingserwachen
Story von Marco Rauch + Thomas Hofmann lässt sich über geniale SF von Moorcock aus + Bernd Wiese widmet sich wieder seinen Alten Bücherschränken + Volker Adam kramt auch darin, auch wenn sein Bücherschrank nicht gar so alt ist, aber Klassiker hat er auch gefunden (Ward Moore und Farmer) + Peter Schünemann stellt Claire North: Die vielen Leben des Harry August, vor + Thomas Hofmann setzt seine Entdeckungsreise in die Welten des Sebastian Guhr fort + und widmet sich der „Transhumanistische Mythologie“ + Zu guter Letzt noch etwas Steampunk- George Mann, Rezi von Peter Schünemann
#61 Krohns Stern
Peter setzt seine George-Mann-Lesung fort + Rolf Krohn kommt zu Wort und wird breit vorgestellt + noch mehr aus alten Bücherschränken + und eine sehr schöner Überblicksartikel zu Bernhard Hennen: Die Chroniken von Azuhr - Beitrag von Sabine Seyfarth


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Ina Elbracht: „Der Todesengel“

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung 17 May 2020 · 539 Aufrufe
Ina Elbracht
Noch ist der Mai nicht zu Ende, aber ich habe schon mal ein Lieblingsbuch in meinem Lektüre-Monat gefunden. Damit will ich mal nicht hinterm Berg halten.

Ina Elbracht: „Der Todesengel“
Ein Grusel-Thriller, Blitz-Verlag, 2020

Eingefügtes Bild

So ein bisschen liege ich gerade auf der Lauer; ich warte auf ein Buch von Ina Elbracht, das bei Wurdack in einer auf 100 Stück limitierten Auflage erscheinen wird und das für Leser & Leserinnen des NEUEN STERNs durchaus eine kleine Überraschung parat hält, denn es ist – ich denke mal, das ist wirklich so, weiß es aber erst, wenn ich es gelesen habe – die lange Fassung der Geschichte, die die Autorin für uns, für den NEUEN STERN, geschrieben hatte, illustriert von Daniel Bechthold: „Pentimenti“, Heft 43. Diese bewerte Kooperation wird in der Langfassung fortgesetzt.
Das Jahr 2020 ist aber das Jahr der Ina Elbracht, denn neben diesem zu erwartenden Buch ist gerade noch eines von ihr erschienen, beim Blitzverlag, in der Reihe „Ein Grusel-Thriller“, die erst aus zwei Büchern besteht.
Ähnlich wie in ihrem „Klunga“ spielt der Roman wieder in Köln und er spielt mit der Kölner Sagenwelt. Ihre Geschichte bezieht sich auf eine Sage aus dem 14. Jahrhundert, eine sog. Wandersage, die wohl ursprünglich aus Flandern kam und auch in anderen Städten, z.B. auch in Magdeburg, eine Ausschmückung erfuhr. Kann man gern in der Wikipedia nachlesen, aber vielleicht erst nach der Lektüre des Romans, dann hat man noch ein paar Aha-Effekte zusätzlich.
Der kurze Roman weist drei Zeit- und Handlungsebenen auf. Die Autorin bringt damit die mittelalterliche Sage in die Neuzeit und Gegenwart.
Es beginnt in einem Bombenkeller am Ende des II. Weltkrieges in Köln, Ein kleines Mädchen hat gerade ihren Vater verloren, doch eine etwas wunderliche „Tante“ kümmert sich rührend um sie.
Natürlich wird der Beginn der Geschichte erzählt, als in Köln die Pest wütete und der Tod allgegenwärtig war.
In der Jetztzeit lernen wir eine erfolglose und mit manchmal unlauteren Mitteln operierende Immobilienmaklerin kennen. Nach einer anhaltenden Pechsträhne scheint sie nun den großen Fisch am Haken zu haben.
Die drei Zeitebenen gehören zusammen, personell – wenn auch nicht wirklich durch die gleiche Person(ein), auch wenn dies erst einmal so scheint. Ist es eine Art Vampirgeschichte? Vielleicht… Die Sagenfigur heißt Richmodis von Aducht; ist sie so etwas wie eine Kölner Elisabeth Báthory? Hmm, vielleicht… Und wer sind diese seltsamen Bediensteten der alten Dame? Tauchen die auch schon im Mittelalter auf? Scheint so… Aber auf alle Fälle gibt es da noch welche, die im und aus dem mysteriösen Untergrund Kölns (den wir ja eigentlich schon aus „Klunga“ gut kennen) agieren: Der Hinkende und der Bucklige. Was können die denn?
Die Geschichte ist nicht nur spannend und einfach mal gut erzählt, sondern auch so ein bisschen ein Plädoyer für Frauen-Power.
Ach nee, ich verrate nichts und empfehle die sehr kurzweilige Lektüre – als Taschenbuch oder, wie ich diesmal, als eBook.
9 / 10 Punkte


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Gut gelesen im April 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 30 April 2020 · 433 Aufrufe
Sebastian Guhr, Michael Moorcock und 4 weitere...
Leseliste, diesmal wieder pünktlich zum Monatsende. Ich scheine meine alte Form, also LL-Report allmonatlich, wiedergefunden zu haben. Aber noch kommt es mir eher zufällig vor.
Es wird wieder etwas ausführlicher. Aber, hey, kommt: Ihr habt doch Zeit! Wohin wollt Ihr auch? Also, lest ruhig…

16 - Michael Moorcock: „Der Herr der Lüfte“
Erster Roman aus dem Sammelband „Zeitnormaden“ um den unfreiwilligen Zeitreisenden Captain Oswald Bastable. Neben Una Persson einer der bekannteren Zeitnomaden, die zwischen den Welten und Zeiten hin und her switchen. Una Persson ist in den Zeitnomaden-Romanen auch eine wichtige Figur. Das freute mich; ich mag sie – irgendwie. Sie taucht ja, wie der gute Oswald auch, in anderen Werken Moorcocks auf. Schön ist hier, dass der Autor nicht gleich wieder lange Vorträge zu seinem Multiversum hält.
Bastable weiß auch gar nicht, was mit ihm passiert (vielleicht bekommt er es ja noch heraus in einem der Folgebände; ich werde lesen). Als Offizier der britischen Kolonialtruppen auf dem indischen Subkontinent begibt er sich 1903 mit einer Expedition in eine unheimliche Gegend, nahe Tibet. In den uralten Gemäuern einer alten Tempelanlage, oder eines Palastes geschieht es. Wenn ich hier „alt“ schreibe, so ist das auch so gemeint. Hier hat Moorcock ein bisschen bei Meister Lovecraft über die Schulter geschaut. Es wird nicht erklärt, wie alt die Anlage ist und wer sie wirklich gebaut und genutzt hat, aber den Andeutungen der Eingeboren zufolge muss sie sehr, sehr alt sein. Huu, das reicht für einen unheimlichen Schauer.
Nach einem Erdbeben wacht unser Captain in seiner fernen Zukunft auf – 1973. Was er nicht weiß, aber der Leser schon: Das ist nicht unsere Welt von 1973. Wobei: Ich weiß natürlich auch nicht, ob das Bastables Welt von 1973 ist. Für ihn ist es einfach „die“ Zukunft, für uns Leser eine alternative Vergangenheit; für den Autor übrigens eine alternative Gegenwart.
Der Imperialismus des späten 19. und beginnenden 20. Jh. konnte sich erhalten und hat aus der Sicht des Captains ein Utopia geschaffen, denn alle Nationen, in mächtigen Imperien geordnet, leben in stabilen Gesellschaften. Okay, es gibt noch Kolonialismus und strenge Hierarchien, aber alles hat seine Ordnung und es herrscht weitestgehend Frieden auf der Welt. Die Weltkriege fanden nicht statt, auch nicht die Revolutionen. Onkel Lenin gibt es, der heißt aber nach wie vor Uljanov und ist so ein bisschen ein alter, sozialistischer Träumer. Der trifft dann auch mit Dutschke zusammen – Graf v. Dutschke! Auch ein Revoluzzer, was sonst, aber adlig.
Ach ja, Reagan kommt auch vor. Herrlich, wie der von Moorcock „behandelt“ wird. Eine Lachnummer, aber unangenehme.
Der Frieden trügt. Es gibt in den kolonial unterdrückten Völkern Unabhängigkeitsbestrebungen, nationale Befreiungsbewegungen. Für mich interessant war, dass die nationalistische Ausrichtung dieser Befreiungsbewegungen betont wird; das war ja in „unserer“ Geschichtsschreibung und Gesellschaftsbetrachtung nicht so im Fokus; da sahen „wir“ ja gern proto-sozialistische Volksbewegungen.
Unserem jungen imperialistischen Captain wird das Weltbild ordentlich zerrüttet, als er Protagonisten des Widerstands kennen lernte. Erst einmal einen Polen, namens Korzeniowski. Hmm, tja, kenne ich nicht – oder doch? Wenn man weiß, dass das Joseph Conrad war…
Nicht nur die politische, auch die technische Entwicklung nahm in der Alternativ-Welt einen etwas anderen Verlauf. Interessanterweise einen verzögerten, denn das vornehmliche Luftfahrzeug ist das Luftschiff, Flugzeuge sind hier Exoten und quasi eine Geheimwaffe. Auch die Erfindung der Atombombe hat sich verzögert; tja, wozu Kriege so alles gut sind…
Bastable wird auf abenteuerlichen Wegen in den antikolonialen Kampf, vor allem durch den „Herrn der Lüfte“ in China hineingezogen und zu einem schlimmen Kriegsverbrechen verführt. Der Roman endet damit sehr unlustig. Aber: feiner, interessanter, mitunter vielleicht etwas lahm erzählter Alternativwelt-Abenteuer-Garn; satte 8 / 10 Punkte

17 – Michael Moorcock: „Der Landleviathan“
Jetzt kommt Michael Moorcock erst einmal selbst zu Wort, also nicht der Autor des Buches, sondern dessen Opa. Der fand ja einst das Manuskript von Oswald Bastable und will nun nachforschen, ob da was dran ist, was der so hinterlassen hat. MM reist nach China, auf der Suche nach dem geheimnisvollen Tal, wo der Herr der Lüfte sein Utopia aufbaute, äh, aufbauen wird.
Und wem begegnet er dort? Na klar, Una Persson! Und ihren „Rittern“ – oder Räubern – auf alle Fälle tragen sie auf ihren Gewändern so seltsame Zeichen: Kreuz aus 8 Pfeilen. Oh, das kennt man doch... Aber auch hier gilt: MM, der Autor, lässt es mit einem Herumreiten auf seiner Multiversum-Theorie. Dafür geht’s mehr in die Praxis.
O.B. hat wieder ein Manuskript, diesmal also direkt von ihm, aus seiner Hand, hinterlassen, das wir hier in diesem Buch einsehen dürfen.
Die Zukunft ist – aus Sicht von Oswald – nicht allzu fern, also so Zeit des Ersten Weltkrieges. Der findet auch statt. U.a. ist Großbritannien völlig am Boden, zerstört, verseucht, verwildert.
Ganz Europa ist hin. Aber in Südafrika hat so ein indischer Rechtsanwalt was gemacht. Man liest hier, dass es gut sei, dass er dort aktiv wurde, nicht etwa in Indien: Ghandi. Bantustan ist eine Utopie.
Ein Dystopia scheint es auch zu geben, errichtet von einem „schwarzen Attila“, der fast den ganzen Rest der Welt erobert hat, bzw. am Erobern ist. Ihn treibt der Hass auf die „weiße Rasse“. Also ein umgekehrter Rassismus? Oder eine Art historischer Gerechtigkeits-Ausgleich? Das wird im Grunde im und durch den Roman diskutiert – und ziemlich unentschieden (nicht) geklärt.
Auf alle Fälle kommt der Landleviathan, ein unmöglich riesiges, kanonenbewehrtes Panzer-Landfahrzeug in Nordamerika zum Einsatz. Dort herrscht der blanke Südstaatenrassismus, den will der Schwarze Attila bekämpfen und die schwarze, versklavte Bevölkerung befreien.
Das Schema der beiden Romane gleicht einander; was im Titel des jeweiligen Romans genannt wird, kommt im in beiden Fällen erst in der zweiten Hälfte zum „Einsatz“. Beide Romane sind in erster Linie Abenteuer und gleichzeitig Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problematiken und dadurch so etwas wie Sozial- (Anti-) Utopien. Hätte ich erst mal gar nicht gedacht. Moorcock schreibt, weil er was „sagen“ will. Find ich gut!
8 / 10 Punkte

18 – Michael Moorcock: „Der Stahlzar“
Okay, jetzt habe ich es begriffen. Das Schema, der Romanaufbau, ist wieder dasselbe. Moorcock, diesmal der richtige Moorcock, also Michael jr., bekommt ein Manuskript, diesmal auch direkt von Bastable. Opa Moorcock, so schätzt es Bastable ein, kann der Geschichte nicht die seiner Meinung nach notwenige Verbreitung verschaffen. Also soll der Schriftsteller M.M. ruhig aus dem Tatsachenbericht einen Roman machen, Hauptsache er wird gelesen.
Also habe ich ihn natürlich auch gelesen. War wieder gut, aber: Ist wieder Schema F. Dazu gehört, dass die Titel-Figur erst wieder ziemlich zum Schluss die Bühne betritt. Dazwischen wird ein von Krieg und Gewalt gezeichnetes alternatives 20. Jahrhundert entworfen, es werden auch ideologisch-politische Systeme „bewertet“ und deren herkömmliche Bewertungen in Frage gestellt. Bastable, der seiner englischen Majestät und gegenüber dem Britischen Imperium loyale Offizier, wird mit anderen Denk- und Gesellschaftsmodellen konfrontiert. Er entwickelt sich eher zum pazifistischen Humanisten, der aber auch „das Notwenige“ erledigen kann. Aktiv wird er wieder in der Luftschifffahrt, die auch in dieser Welt-Alternative dominiert. Die Luftschiffe sind richtige Schlachtschiffe, stabil und wohl nicht so leicht zu zerstören.
Diesmal geht es erst nach Fernost, nach Indochina, 40er Jahre. Da tobt sowas wie ein Weltkrieg, dort vor allem zwischen den alten britischen (und auch niederländischen) Kolonialverwaltungen und den eroberungswütigen Japanern. Später geht es nach Russland, wo bereit 1905 die Revolution erfolgreich war, Kerenski ein moderates, sozialistisches Regime führt, das aber durch nationalistische, anarchistische und radikal-sozialistische Kräfte bedroht wird, und gleichzeitig sich gegen Japan behaupten muss. Russland hat aber dafür ganz Osteuropa eingeheimst. Der Stahlzar ist – na, wird man sicher ahnen, wer das ist. Hier aber hat er einen glänzenden Helm auf, der sein ganzes Gesicht bedeckt. Seine priesterliche Herkunft spielt eine größere Rolle als in der Realität, die wir kennen. Er ist aber genauso ein mörderischer Schweinhund, wie im „richtigen“ Leben.
Es gibt aber auch „gute“ Sozialisten und Anarchisten, die Bastable wohlgesonnener sind und denen er Sympathie entgegenbringen kann.
Leider gibt es auch die Gefahr der Atombombe, diesmal in der Hand des Stahlzaren. Deren erneuter Einsatz (in Hiroshima wurde sie jedoch bereits abgeworfen) muss verhindert werden. Das ist das Ziel meiner Lieblingsfigur in dem Zeitnomaden-Universum: Una Persson.
Am Ende wird Bastable endlich in den Reigen der Zeitschiffer aufgenommen, allerdings gibt es daher auch keine weiteren Manuskripte mehr, wegen Geheimhaltung und so.
Ja, wieder sehr erfrischend, unterhaltsam, nachdenklich machend. Daher satte 9 / 10 Punkte.

19 – Sebastian Guhr: „Im Boxring meines Kopfes hau ich jeden um“
Jetzt habe ich doch so ziemlich alles, was es an Romanen von Sebastian Guhr gibt, gelesen. Oder? Na, denke schon. Und dieser hier, wenn auch gar keine Phantastik, war wieder richtig gut!
Interessant für mich ist die Beobachtung, dass bei „Mainstream-Romanen“ mitunter es kein richtiges Ende gibt. So viel Lese-Erfahrung habe ich auf dem Sektor gar nicht, aber genau das ist mir schon des Öfteren aufgefallen. Auch bei kürzeren Texten, Erzählungen etc. Vielleicht liegt es ja daran, dass es im „richtigen Leben“ eben auch kein Ende gibt – außer natürlich dem einen Ende.
Hier also eine vertrackte Liebesgeschichte, zwischen zwei Großstadt-Pflanzen, die irgendwie nirgends ankommen können. Ihre Sehnsüchte können sie nicht verwirklichen.
Die Spannung zieht die Story aus der Konstellation der Personen, also aus dem, wie sie zueinanderstehen, wie sie (die Protagonisten, also das potentielle, vermeintliche, verunglückte Liebespaar) zueinanderkommen oder auch nicht.
Ach, und erzähltechnisch ist das Ganze noch toll und interessant: Es gibt keine Kapitel oder andere Unterteilungen; es wird in einem Stück erzählt, aber trotzdem wechselt die Perspektive zwischen den Haupt- und Nebenfiguren. Muss man manchmal ein bisschen aufpassen, aber ist auch nicht kompliziert; kriegt man gut mit. Das fand ich dann auch sehr spannend.
Ja, und ein happy end gibt es nicht, kann es wohl nicht geben, tja…
9 / 10 Punkte

20 – Ralph C. Doege: „Yume. Träumen in Tokio“
Meine Ostersonntags-Balkon-Lektüre. Im Sonnenlicht, in der Wärme genossen. Wenn ich schon selbst nicht nach Japan fahren kann (derzeit, außerdem ist es ja auch nicht gleich um die Ecke). Japan ist so ein Sehnsuchtsort für den Autor, das spürt man nicht zuletzt beim Lesen. Allerdings hat er ein „Problem“: Er reist nicht gern. Tja, und dann gleich soweit. Das macht ihn fertig, Jetlag-Müdigkeit – alles verschwimmt zu einem Traum-Trauma. Und eine reale Reiseerfahrung verschmilzt der Autor mit einem zaghaften SF-Plot und einer Familiengeschichte.
Was ist real, fragte ich mich beim Lesen; dass er wirklich kürzlich in Japan war, weiß ich ja, aber stimmt auch was am „Familien-Plot“? Das mit dem Zwillingsbruder? Der in Japan lebt und einen Unfall erlitt?
Laut Buch ereignet sich der Unfall im Jahre 2025; das wäre dann also SF. Die Reise des Erzählers erfolgte auch nicht – hier im Buch – aus touristischen Gründen. Es geht um ein spezielles Verfahren (Yume) der Gehirn-Weckung aus dem Koma, zu der ein naher Verwandter, ein Zwillingsbruder, gut gebraucht werden kann.
Ob dieses seltsame, Traum-Experiment glückt? Und wie hilft dies dem Reisenden, der sich – nicht nur auf der Reise – über die Unzulänglichkeiten seines Lebens bewusst wird – auch ein Teil der komplexen Geschichte, von der ich hoffe, dass sie so nicht wirklich autobiografisch ist.
9 / 10 Punkte

21 – Tom Hillenbrand: „Hologrammatica“
Hörbuch, gelesen von Oliver Siebeck
Ach ja war schön – und lang. An dem Teil höre ich seit Januar… Heißt aber nicht, dass es aus Missfallen so lange bei mir gedauert hat, es ist halt eine Frage der Gelegenheiten. Leider leidet unter diesem auseinandergezerrten Hören der Zugang. Aber das Buch macht es einem auf der anderen Seite sehr leicht, denn es ist gut und spannend und superinteressant. Thematisch fällt es bei mir gerade auf fruchtbarem Boden, denn…
Kurz zum Inhalt:
Wir sind etwas in der Zukunft, nicht ganz nahe, aber auch nicht allzu fern von heute. Die Menschheit ist arg dezimiert; Schuld trägt eine – Achtung: Pandemie! Na ja, aber keine, die Menschen tötet, sondern „nur“ unfruchtbar macht.
Die Mikroelektronik hat enorme Fortschritte gemacht, äußerlich macht sich das sehr deutlich bemerkbar durch eine permanente, fast vollständige Holografie-Sphäre, die alles übertüncht: schmutzige Straßen, angeranzte Fassaden, die Kleidung der Menschen. Hat so seine Vorteile, finde ich; kann man gut mit leben, auch wenn man die Frage: „Ist das echt?“ sich echt sparen kann, zumindest im Alltag; für die Ermittlungen eines Detektivs ist sie aber oftmals entscheidend.
Die Menschheit ist auch ins All, in das Sonnensystem vorgedrungen. Spielt aber nur am Rande eine Rolle.
Unser Held ist ein Privat-Ermittler, der in unserem Falle eine verschwundene Top- Programmiererin finden soll. Dabei stößt er natürlich auf ein Riesen-Geheimnis, in dem eine „tot“ gewähnte KI, eine seltsame Lichtdom-Erscheinung möglicherweise außerirdischer Herkunft auf Knossos, mörderische Schwertkämpfer, die natürlich nicht sind, was sie scheinen und noch viele andere Verwicklungen, und natürlich etwas Liebe und Kabale eine Rolle spielen.
Für mich war halt interessant, dass hier das transhumanistische Problem einer singulären KI, das unter Transhumanisten und ihren Gegnern diskutierte Value-Loading-Problem und eine mögliche Herangehensweise einer übermächtigen KI an ein sog. existentiales Risiko eine wichtige Rolle spielen – und vor allem, wie der Autor diese Frage am Ende beantwortet.
Für mich ein echter Genuss, vielleicht ein paar zufällige Verwicklungen und plotmäßige Verrenkungen, aber doch satte 9 / 10 Punkte.

22 – James Blish: „Irgendwann“
Zur Zeit, also, „zur Zeit“, lese ich ja gern systematisch – so irgendwie alles von einem Autor. Gern abwechselnd zu einem anderen Autor. Allerdings stelle ich jetzt gerade fest, dass Zeit wohl doch sehr relativ ist; deshalb ja die Gänsefüßchen.
Wer meine Leseliste so im Auge hat, wird sicher ein paar Namen registriert haben: Christopher Priest, Mark Fisher, Michael Moorcock, und in jüngerer Vergangenheit: L. Sprague de Camp und James Blish. Tja, „jüngere“… Ich habe mal hier im Blog nahgesehen, das letzte Mal habe ich von Blish was 2013 gelesen. Hey, das ist schon wieder 7 Jahre her! Ich fasse es nicht!
Dabei habe ich ein paar Bücher noch auf Halde (genannt: der SUB) und nun mache ich mal einfach da weiter, wo ich 2013 aufgehört habe.
Beim Rekapitulieren fällt mir auf, dass ich seine damaligen Highlights sogar schon wieder gerne lesen würde, vor allem inspiriert durch eine andere Lektüre, der ich gerade fröne: Eugene Thacker: „Im Staub dieses Planeten“, in dem der Horror-Philosoph eben auch auf Blish, und zwar sein Werk „Hexenmeister“, Bezug nimmt. Ja, ich muss dann wohl wieder mal…
Aber jetzt erst mal diese Erzählungen.
Noch ein 2. Wort vorweg: Ganz früher, zur Wende, habe ich von Blish ja mal ein Enterprise-Bändchen gelesen, bzw. angefangen zu lesen. War mir damals echt zu … schlecht. Aber die Story habe ich ja schon mal erzählt. (klick)
Wenn ich jetzt diese Stories dagegenhalte: Was für ein phänomenaler, fundamentaler, sehr erstaunlicher Unterschied! Das ist vom gleichen Autor? Kaum zu glauben.
Aber leichte Lektüre ist das dann auch nicht mehr. Gleich die erste, ziemlich lange (50 Seiten) Story ist irgendwie doch ziemlich sperrig.
Nun, ich denke, das wird jetzt dann doch zu ausführlich. Mal wieder eine gute Gelegenheit, auf unser Fanzine aus Halle zu verweisen: NEUER STERN, da könnt ihr den Rest meiner Vorstellung dieses Erzählungsbandes lesen.

9 / 10 Punkte


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Der NEUE STERN nähert sich der Nummer 60...

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 12 April 2020 · 547 Aufrufe
Sebastian Guhr, Tobias Reckermann
Der NEUE STERN nähert sich der Nummer 60... Was schreibt eigentlich Tobias Reckermann? Ist das philosophische Weird Fiction, oder doch eher urbane Fantasy? Oder sind das Psychostudien von seelischen Grenzgängern? Na ja, ich weiß es nicht – aber wer will, kann sich ja mal in der neuen Ausgabe des NEUEN STERNS kundig machen. Darin ist nämlich seine Story „Engels Wolle und Magie“ zu finden. Kann ich empfehlen!

Und, sonst so? Also, in der 59. Ausgabe ist noch eine Story. Jawoll. Von keinem Geringeren als Sebastian Guhr! Bin ich mal besonders stolz drauf, dass wir ihn für diesen Beitrag gewinnen konnten. Sein Genre? Oh, auch das muss man bitte selbst erkunden. Für ihn gibt es im Heft sozusagen eine eigene Abteilung, die unter dem Banner „Grenzgänger“ eingerichtet wurde. Darin habe ich meine Eindrücke zur Lektüre einiger seiner Romane in Worte gefasst. Wie geschrieben: Gekrönt durch seine Story: „Brüter“.

Dann gibt es noch Rezis, zu ganz alten Phantastik-Büchern (Aus alten Bücherschränken von Bernd Wiese; immer faszinierend, was er da so an verrückten, skurrilen erstaunlichen Sachen findet) und zu nicht ganz so alten, aber durchaus klassischen SF-Büchern.

Dietmar Sievers erzählt von einer Reise zum Schwarzen Mond; mit Familien-Erinnerungen.

Neugierig?

(Wer noch etwas unentschieden ist: Demnächst gibt es die 60. Ausgabe, die layout-technisch mit der Nr. 59 korrespondiert – es empfiehlt sich der Griff zur Doppel-Nummer. Infos folgen.)

44 + 4 Farbseiten


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Leseliste März 2020 - blöde Zeit, aber gute Bücher

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 March 2020 · 433 Aufrufe
Sebastian Guhr, Mark Fisher und 1 weitere...
Der Monat war – was die Lektüre anbelangt, the rest is a nightmare – ergiebig und gut für mich. Ohne Schnörkel, hier also einfach meine Leseliste für März:

10 – Adrian Tchaikovsky: „Die Kinder der Zeit“
Nach den eher destillierten, komprimierten, aber absolut fantastischen Romanen von Sebastian Guhr, auch nach den durchaus auch konzentriert erzählten – zu heute vergleichsweise kurzen – Romanen von Michael Moorcock wollte ich doch mal wieder zum Ausgleich einen schönen, dicken SF-Schmöker konsumieren.
Okay, reicht dann auch mal wieder. Irgendwie bin ich wohl inzwischen durch meine übrige Lektüre „verdorben“: Ehe ich kurz zusammenfasse, dass der Roman gar nicht schlecht ist, muss ich als erstes einfach loswerden: Der ist zu dick, zu ausufernd, zu redundant, zu… dick.
Die Ideen sind schon großartig. Dabei holt der Autor auch recht weit aus, was bei der Dicke des Buches sicher angemessen ist.
Die Menschheit hat sich zu den Sternen aufgemacht, aber auch selbst vernichtet und ein Erbe auf der Erde hinterlassen, dass es den Überlebenden, die eine neue Zivilisation gründen, unmöglich macht, auf der Erde zu bleiben. Also werden Archen entsandt, auf einer davon finden wir uns als Leser wieder.
Parallel wird – konsequent Kapitel für Kapitel alternierend zum Archen-Plot – von einer wunderbaren, superinteressanten Evolution auf einer fremden Welt erzählt. Es wurden nämlich von der alten Erde initiierte Terraforming-Programme auf fremden Welten angestoßen. U.a. wurden modifizierte Viren ausgesetzt, die bei extra eingeführten Tieren eine beschleunigte Evolution initiieren sollen. In unserem Fall waren aber keine Affen oder andere Säuger die Empfänger des Virus, sondern Spinnen und Insekten.
Deren Evolution zu vernunftbegabten Wesen, die eine Zivilisation aufbauen, verlief dann auch ganz anders als bei uns Säugern. Da der Autor u.a. auch Biologe ist, kann man sicher davon ausgehen, dass das Geschilderte Hand und Fuß hat – bei aller großartigen, phantasievollen Beschreibung.
Irgendwie darf ich nicht zu viel verraten, damit potentiellen Lesern der Spaß nicht genommen wird; ich hör schön auf, ist gut.
Aber natürlich treffen die hochentwickelten Spinnen am Ende, die gerade dabei sind, auf ihren Seidenfäden den nahen Weltraum zu erobern, mit den Menschen der Arche zusammen, denen der Po auf Grundeis geht, weil ihr Schiff nun schon Jahrtausende unterwegs ist, langsam zerbröselt und sie wohl endlich irgendwo ankommen müssen, wenn sie nicht alle umkommen wollen.
Es gibt so viele interessante Aspekte: Z.B. die Rolle der Ameisen u.a. Insekten auf der Spinnenwelt, oder wie das mit dem Alter der Archen-Menschen ist, die immer mal „aufgetaut“ werden, um was zu machen, dann aber partiell wieder in Hyperschlaf versetzt werden, Jahrhunderte später wieder aufwachen. Man kommt da schon etwas durcheinander.
Der menschliche Plot überzeugte mich dabei nicht so wie der mit den Spinnen. Was bei der Spinnenerzählung allerdings komisch war, waren die Namen: Bianca, Viola, Fabian – sie sind so anders als wir Menschen und haben solche Namen?
Auch die Art und Weise der Wissensvermittlung bei den Spinnen ist interessant, da der Autor ja davon ausgeht, dass Spinnen keine Brutpflege betreiben, also sowas wie Schulen eher nicht erfunden werden.
Und am Ende gibt es zwar eine Endschlacht, wo ich schon dachte: Okay, jetzt machen wir hier wieder die 08/15-Krieg-der-Welten-Show, aber am Ende gibt es ein versöhnliches, utopisches Ende. Vielleicht nicht unumstritten, denn im Hintergrund schwebt die Grundfrage: Was ist entscheidend im Zusammenleben vernunftbegabter Wesen: Sozialisierung oder Vererbung?
Wenn das Ganze nicht so ausufernd, mitunter schon etwas zäh und zu ausführlich, bis fast langweilig erzählt gewesen wäre, wären es satte 10 Punkte, so aber „nur“:
7 / 10 Punkte

11 – Mark Fisher: „Gespenster meines Lebens“
Weiter auf meinem Pfad der „Ich lese alles von Mark Fisher“-Challange. Oh, nee, das klingt zu… modern. Außerdem gibt es so viel auf Deutsch auch gar nicht, als dass dies eine Herausforderung wäre.
Das Buch fasst seine Essays zur Musik zusammen, vor allem zur Musik, aber nicht nur. Nun hat er durchaus einen anderen Musikgeschmack als ich, aber das macht die Lektüre nicht schlechter. Fast im Gegenteil: Ich habe ein paar Sachen kennen gelernt, die mir vorher nicht bekannt waren – und die ich durchaus mögen könnte.
Das Stück „Ghosts“ von Japan z.B. – sicher eines der für die Essaysammlung titelgebende Inspiration: Ich kann es zurzeit täglich mehrere Male hören. Großartig. Hatte ich, obwohl ein „Kind der 80er“ damals gar nicht wahrgenommen; oder es ist nicht haften geblieben.
So eine Entdeckung befeuert natürlich auch weitere Recherchen. David Sylivan und seine Kooperationen, die durchaus später sehr schnulzig wurden, haben es mir nun auch angetan.
Schwieriger ist es mit dem, was aus Rave und Hip-Hop wurde. Das sind nicht unbedingt meine Musik-Felder – obwohl, so ganz stimmt das auch schon lange nicht mehr. Trip-Hop von U.N.K.L.E, Massive Attack und Archive gehören nun schon seit Jahren zu meinem Repertoire.
Aber Fisher meint noch was anderes. Na ja, BURIAL kannte ich vorher auch nicht, jetzt schon. Ist interessant, aber ob ich es in meinen persönlichen Kanon übernehme? Oder die Arbeiten des Labels Ghost Box – das ist dann auch Zeug, das man absolut nicht einfach mal so hört, oder hören kann. Und es ist auch das, was Hauntology am Ehesten meint.
Auf alle Fälle schreibt Fisher nur selten einfach so über Musik, seine Eindrücke, journalistisches Beiwerk dazu. Er ordnet ein, seine Sicht auf die Welt, auf die neoliberale Gesellschaft sind omnipräsent – das reicht allemal für mich, um „mit dem Textmarker zu lesen“.
Er entwickelt, na ja, skizziert zumindest (könnte für meinen Geschmack ausführlicher und begründeter erzählt werden) seine besondere Sicht auf die (Musik-) Kultur der 90er, Nuller und 10er Jahre, die mehr aus der Vergangenheit recycelt und damit Gespenster weckt und wach hält – was da passiert, nennt er, anknüpfend an andere Philosophen; Hauntology. Und so ist auch der Untertitel: „Depression, Hauntology und die verlorene Zukunft“. (So nebenbei liefert er auch die Begründung dafür, dass wir als Elterngeneration gar nicht mal mehr „abgeschreckt“ sind von der Musik unserer Kinder. Das ist ja ein Umstand, der neu ist in der Moderne. Pop und Rock waren für meine Eltern jedenfalls noch ein Unding. – Interessant wäre die Frage, wie „die Jugend“ von heute damit umgehen kann, denn sie können sich schwerer von den „Alten“ abgrenzen.)
Okay, ein Buch voller Inspirationen, Anregungen – zum Denken, Nachschlagen, Weiterrecherchieren, Einordnen. Und wieder: Schade, dass es ihn nicht mehr gibt!
9 / 10 Punkte

12 – Sebastian Guhr: „Philpots Reise“
Jetzt also doch gelesen! Das war ja dann so ein toller Zufall – der ja nicht wirklich ein Zufall war, wenn man anerkennt, dass das SF- und Phantastik-Fandom einfach mal nicht so riesig ist, und ich das Buch unter den Angeboten eines Mitgliedes dieses Forums hier in einer Buchverkaufsplattform im Netz fand. Dabei gilt: Das Buch ist schwer zu bekommen.
Ich hatte schon gedacht, dass der gelernte Philosoph Sebastian Guhr diese Swift-Gulliver-Hommage „philosophischer“ ausnutzt. Ich hatte das sogar befürchtet: Würde ich da überhaupt alle Anspielungen verstehen? Wäre das Ganze am Ende zu akademisch? Aber nein, diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt, das Buch ist eher eine locker erzählte Geschichte, die ihre Komik aus den Situationen bezieht, die nun mal entstehen, wenn so ein Winzling in die Welt seiner einst angebeteten Riesen gerät, die sich als gar nicht so überlegen und göttlich erweisen.
Mehr dazu dann im NEUEN STERN, wie so oft 😊
7 / 10 Punkte

13 – Mark Fischer: „Das Seltsame und das Gespenstische“
Spätestens jetzt hätte mich der Autor voll auf seiner Seite. Hier widmet sich Mark Fisher vor allem phantastischen Werken (Literatur, Film) und seine Auswahl – so ein Zufall – trifft bei mir voll ins Schwarze! Bei dem Thema fängt er natürlich bei Lovecraft an. Der Essayband ist diesmal offensichtlich als solcher konzipiert gewesen; sonst werden ja eher thematisch passende Artikel von ihm zusammengestellt. Hier scheinen sie originär für den Band geschrieben worden zu sein, oder wurden von ihm zumindest noch mal angepasst. Er beginnt daher mit einer Einführung, in der er auf die Begrifflichkeiten eingeht, also auf das Seltsame und das Gespenstische. Nun ja, muss man vielleicht nicht unbedingt haben, schon gar nicht so eine dezidierte Unterscheidung dieser Begriffe und deren Wiederspiegelung in den Werken. Dazu überschneiden sie sich inhaltlich zu sehr, finde ich. Allerdings hat er mich mit seinen Worten, was denn nun „gespenstisch“ ist, bzw. was eine Situation zu einer gespenstischen macht, für sich gewonnen. Auf den Punkt gebracht (nee, verrate ich hier nicht).
Aber die Auswahl! Ich war schon etwas sehr erstaunt, wie weit ich mit meinen Vorlieben auf dem Gebiet der Phantastik mich bei ihm wiederfinden kann.
Da nennt er z.B. H.G. Wells – eine Erzählung – und zwar eine, die ich schon vor 30 Jahren las und die ich seitdem zu einer meiner Lieblingsstories überhaupt zähle; und genau die wählt er aus: „Die Tür in der Mauer“!
Dann: China Miéville! Christopher Priest! Tim Powers! P.K. Dick sowieso. Daphne du Mauriers „Vögel“ und „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (letzteres insbesondere). Aber auch Sachen, die ich nicht so im Fokus hatte, die mir aber Inspiration sein sollen: M.R. James (zu meiner Schande muss ich dies gestehen), die Quatermass-Filme, D.M. Thomas‘ „Das weiße Hotel“. Andere haben mich weniger abgeholt: David Lynch, The Fall (einer der wenigen Musik-Aspekte in dem Buch, der andere beschäftigt sich mit Brian Eno – das hatte mich dann wieder mehr interessiert), Fassbinder („Welt am Draht“), Alan Garner (doch, interessant, aber wird mich nicht animieren, ihn zu lesen), M. Atwood (ja, okay, hat mich angestachelt, nun doch die Serie „Report einer Magd“ zu sehen – und die ist sooo gut, bedrückend…). Tolles, kurzweiliges Buch, wieder voller Inspirationen.
Also: 11 / 10 Punkte!

14 - Max Franz Johann Schnetker: „Transhumanistische Mythologie“
Ein Buch, das ich las, weil mich a) das Thema sowieso interessiert und b) weil mich Titel und Untertitel provozierten. Der Untertitel lautet: „Rechte Utopien einer technologischen Erlösung durch künstliche Intelligenz“. – Echt? Transhumanismus ist „rechts“? Ich fühlte mich ertappt, denn ich liebäugle mit deren Ideen.
Im Buch wird durchaus plausibel und nachvollziehbar (mit Abstrichen) nachgewiesen, dass es im TH durchaus diese Tendenz gibt. Vor allem ist es eine Kollektivistische Ausformung des TH, die unter diesen Verdacht fällt, die aber auch im „Mutterland“ des TH eine große Rolle spielt, im Silicon Valley, bei den Machern der Zukunft. Insofern ist diese Tendenz nicht zu unterschätzen. Es sind dann durchaus den Menschen als Individuum und Person negierende Tendenzen, richtig ekelhaft sozialdarwinistische Gedanken etc., die auch für mich nachvollziehbar diese Idee in die rechte Ecke stellt. Der Autor hat aber nach meinem Eindruck schon ein Problem mit dem Gedanken, dass Interessen der Menschheit, also des Kollektivs, über die des Individuums gestellt werden. Angesichts globaler und alle Menschen bedrohender Gefahren scheint es aus meiner Sicht aber diskussionswürdig zu sein, über Problemlösungen nachzudenken, die eben nur durch und im Kollektiv möglich sind. Und da bietet der TH ziemlich verrückte, utopische, futuristische Lösungen an – die aber, durchaus Hand und Fuß haben; finde ich…
Okay, dem Buch widme ich mich mal wieder im NEUEN STERN und auch in der APA FAN. Meinen APA-Beitrag kann man auch gern als PDF kostenlos und frei Haus elektronisch von mir bekommen, falls Interesse besteht – das lädt dann natürlich auch zur Diskussion ein!
7 / 10 Punkte

15 – Christopher Priest: „Die Stadt“
Dieser Roman von Mr. Priest erschien kürzlich auf Deutsch zum X-ten Male. Komischer Weise unter einem „neuen“ Titel; so, dass ich erst mal dachte: Hey, endlich mal was Neues vom Meister! Aber Pustekuchen. „Die Stadt“ ist gleich „Der steile Horizont“ ist gleich „Inversion“. Der „neueste“ Titel kommt dem Originaltitel „Inverted World“ am nächsten, aber auch die anderen passen inhaltlich.
Eigentlich scheint das ein „normaler“ Roman zu sein, völlig untypisch für Chris Priest? Wir sind da auch einer fremden Welt, irdische Kolonisten steuern ein Riesengefährt, genannt die Stadt „Erde“, auf Schienen, die ständig verlegt werden müssen, durch einen ihnen fremde Landschaft. Irgendwie haben sie vergessen, wieso sie das machen, und die Gesellschaft ist in eine so quasi postfeudalistische Stände-Republik zurückgefallen. Gilden bestimmen, wer was machen und wer was wissen darf.
Verrückt wird es aber dann doch noch. Wenn der Protagonist in die Richtung reist, aus der die Stadt kommt, verschiebt sich zumindest in seiner Wahrnehmung die Landschaft ins Bizarre. Hier wären mathematische Kenntnisse hilfreich; ich musste mein Vorstellungsvermögen ziemlich strapazieren. Grundsätzlich habe ich es schon verstanden, aber so richtig schlüssig und überzeugend fand ich diese „Verwerfungen“ nicht.
Am Ende sind sie es auch nicht, wie sich herausstellt. Der Roman zielt dann auch nur noch auf die Auflösung des Rätsels um die Kolonisten, ihre Stadt und ihre Mission, und um die Plausibilität der Physik und Mathematik, die hier verwendet werden. Fand ich als Inhalt fast schon etwas dürftig; andere Romane des Meisters sind für meine Begriffe geheimnisvoller, psychologisch interessanter. Vielleicht auch deswegen, weil sie weniger erklären als er es hier tut. Erzählen kann der Autor aber, das beweist er hier auch, es gibt hinreichend interessante menschliche Konflikte, zwei verunglückte Liebesgeschichten und einen bizarr-interessanten Weltenentwurf.
8 / 10 Punkte


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Der Februar in der Leseliste: da lacht das Alien (und tanzt natürlich)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 February 2020 · 863 Aufrufe
Mark Fisher, Ellen Norten
Im Februar scheinbar nicht viel gelesen, aber die Wahrheit ist, ich lese gerade noch an drei Büchern, von denen zwei kurz vor dem Abschluss stehen. Und ich lese gerade viel "Drumherum" - weil mich ein neuer Themenkomplex gerade dolle fasziniert. Das fing an mit einem Artikel, den mir ein Freund empfahl und der eine philosophische Denkrichtung, die ich zuvor nur am Rande wahrnahm, unter dem Aspekt beleuchtet, inwieweit diese Denke Fuß in rechter Ideologie gefasst hat. Es geht um den Akzelerationismus (siehe unten). Interessant ist sie, weil sie u. a. auch direkt an Science Fiction anknüpft. Was nun dran ist, was draus wurde und wie sie heute dasteht, ist ein weites Feld.
Neben akzelerationistischen Texten und Artikeln waren es dann weitere Referenzen, die mich an den leider schon verstorbenen Mark Fisher "verwiesen". Und das war dann schon eine ganz wunderbare Erfahrung für mich! Ist so schade, dass ich auf ihn so spät aufmerksam wurde und noch sehr viel mehr schade, dass es ihn nicht mehr gibt...

Aber erst mal was erfreuliches. Sehr aufmunternde und empfehlenswerte Lektüre:

Eingefügtes Bild

Ellen Norten (Hrsg.): „Das Alien tanzt Polka“
Jetzt war ich doch mal neugierig. Ich weiß ja, dass Ellen bei einigen Plattformen mitmischt, auf denen Geschichten erzählt werden. Dabei nicht nur Phantastik und SF.
Das hier ist aber eine astreine SF-Anthologie, Teil einer Serie, die fortgesetzt wird – wie lange eigentlich? Ich glaube, derzeit ist man im Hause p.machnery beim 3. Band.
Lohnt sich das denn nun, so eine SF-Anthologie? Ich denke, nur dann, wenn sie ein „Alleinstellungsmerkmal“ aufweist. Hier ist es der Humor! Das ist echt wohltuend bei der doch überwiegend miesepetrigen Zukunftsschau, die uns so oft zwischen den Buchdeckeln erwartet; Dystopie rules, immer noch.
Mit dem Humor ist es aber auch so eine Sache; um es zusammen zu fassen: Mir haben nicht alle Geschichten wirklich gefallen. Mitunter war es halt so ein Schenkelklopferhumor, oder wenn man SF-mäßig Alltagssituationen von heute in eine fremde, Alien-Welt projiziert oder in die Zukunft. Ja, das ist auch durchaus komisch, holt mich aber nicht immer ab.
Eine andere Gruppe der Stories, die ich für mich beim Lesen ausgemacht habe, ist die, die irgendwie an bekannte Film-Geschichten erinnern.
Und es gibt dann noch die, die – für meine Begriffe – eine gute Idee umsetzen und daraus Witz und Humor ziehen, und / oder mit Witz davon erzählen.
Ein Autor hat mich dabei richtig überrascht – ich denke mal, von ihm wurden sogar zwei Erzählungen untergebracht, eine halt unter Pseudonym geschrieben? Hubert Katzmarz. Er hat da eine tolle Zeitreisestory hinterlassen. Ja, klar, auch die verweist auf längst Erzähltes, aber sehr kurzweilig und konsequent.
Also, wer ist dieser Herr Eberhard Entensterz? Der Mann kann doch unmöglich so heißen, oder? Sein Beitrag war auch ein Fest für mich. Das Ganze war so eine Art Raumfahrtstory-LARP-Fantasy-Verarsche. Eigentlich ohne tieferen Sinn. Okay, erinnert dann auch an bestimmte Filmvorlagen, hat mir aber sehr gefallen.
Es wären noch viele andere zu nennen, aber das wird dann langweilig. Ich darf das Buch auf jeden Fall empfehlen. Habe hinreichend oft gelacht, geschmunzelt und wirklich nur so ca. 2 Stories überblättert. Reiche Ernte, finde ich.
8 / 10 Punkte

Armen Avanessian (Hrsg.): #Akzeleration
Gar keine SF. Oder doch? Auf jeden Fall bin ich über einen Artikel, der SF mit dieser – tja, was ist das eigentlich? – gesellschaftswissenschaftlichen, sozial-philosophischen Denkweise, Weltanschauung verbindet. SF als Quelle für ein Weltbild, das auf Beschleunigung beruht, diese befördert und fordert.
In dem besagten Artikel konzentriert sich der Autor auf einen Protagonisten dieser Lehre: Nick Land. Der Mann erscheint mir durchaus interessant, verrückt genug, was er in den 90ern angestellt hat. Allerdings findet der Artikel-Autor – und ich auch – dass Land inzwischen den progressiven Pfad verlassen hat.
Auf jeden Fall war meine Neugier geweckt und ich wollte mich einfach mal mit Akzeleration – im gesellschaftswissenschaftlichen Sinne – befassen. Leider bot mir der kleine Band nicht wirklich tiefen Einblick. Das Grundprinzip habe ich erfasst, denke ich. Es ist ein Appell an die (intellektuelle) Linke, sich dem Fortschrift, vor allem in Wiss. u. Fortschritt, nicht zu verschließen, sich nicht in lokale und irgendwelche Retro-Strategien zu verlieren. Aber das „Wie“ ist hier für meine Begriffe nach wie vor unklar… Aber das nur am Rande.
7 / 10 Punkte

Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“
DAS ist nun aber wirklich ein Autor, den ich bei meiner Recherche zum Thema Akzelerationismus für mich entdeckt habe, worüber ich sehr, sehr froh bin! Leider, wie ich dann schnell feststellen musste, lebt er nicht mehr. Er ist in etwa der gleiche Jahrgang wie ich, aber schon tot – durch Selbstmord, wegen Depression.
Das Tema Depression spielt auch in diesem kleinen Buch – einer „Flugschrift“ – eine gewissen Rolle. Er findet für dieses psychologische Phänomen gesellschaftlich Ursachen.
Seine Bücher öffnen mir neue Welten – der Welt-Betrachtung. Ich bin absolut beeindruckt. So wie er dann auch Filme, Musik etc. rezensiert, möchte ich es auch können! Er erkennt gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen in Werken der Popkultur, zeigt auf, was da wie zusammenhängt und zusammengehört. Für mich ziemlich überzeugend, überraschend, faszinierend. Na ja, und großartig formulieren kann er auch noch.
Mark Fisher – sollte es eigentlich schon lange sein, ist es aber erst jetzt für mich – eine faszinierende Inspirationsquelle.
12 / 10 Punkte


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NEUE STERNE, NEUE STERNE!

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 21 February 2020 · 747 Aufrufe
Ulf Fildebrandt, Ellen Norten und 2 weitere...
NEUE STERNE, NEUE STERNE! Ein neues Jahr hat auch für den NEUEN STERN begonnen. D.h., es ist schon im vollen Gange und vom ersten Heft des Jahres – im Bild links, ohne Farbcover (aber mit Farbinnenteil) – sind nur noch ein paar Exemplare verfügbar. Und: Aufgrund gewisser neuer Umstände bei der handwerklichen Herstellung des Heftes haben 2 Exemplare dieses Heftes eine kleine Macke: Der farbige Innenteil liegt nur lose bei. Aber dafür gibt es dieses Mängelexemplar für etwas weniger, wie ich hörte (vielleicht mal nachfragen, falls man mal reinschnuppern will).
Inhalt? Oh ja, haben die Hefte auch (je 48 Seiten):
57
Liebe Planetenbewohner! - Thomas Hofmann
Ulf Fildebrandt: Das Rätsel der Qualia (Story)
Fragen an den Autor Ulf Fildebrandt
Nach-Gedanken zu Jack Parsons
...China Miéville: „Die letzten Tage von Neu-Paris“, Rezi v. Thomas Hofmann
...Ergänzungen zu Parsons von Arnold Drabek
Magisches Island. Teil 4 - Peter Schünemann
Aus alten Bücherschränken - Bernd Wiese & Gast
...Mihaly Babits: Der Storchkalif
...Der Zusammenbruch: die Seeschlacht zwischen Borkum und Helgoland
...P. Hans-Fried Braun: Die Expedition der Senta II
...Romain Rolland / Frans Masereel: Die Revolte der Maschinen
...Kim Roy - der neueste Held - Ekkehardt Brux
Ellen Norten: Molar (Story)
Grenzgänger
...Ingo Scharnewski bei TES - Thomas Hofmann
...Sachbuch über Computer in der DDR - Dietmar Sievers
...Christoph Ecker: Der Bahnhof von Plön - Bernd Wiese
...Ulf Torreck: Fest der Finsternis - Arnold Drabek

58
Liebe Leute, Editorial von Thomas Hofmann
Peter Schünemann, Freunde der Erde (Story)
Rolf Kauka und seine „SF-Romane“, Beitrag von Thomas Hofmann
Aus alten Bücherschränken von Bernd Wiese
...Arthur Opree: Unter glühender Doppelsonne
...Robert Kraft: Im Panzerautomobil um die Erde
...Jesco von Puttkamer: Im Panzer-Automobil
...Hanns von Zobeltitz: Die Jagd um den Erdball
Aus neuen Bücherschränken
...Anna Hildebrandt: UAIOM Gruß eines Fremden, Rezi von Sabine Seyfarth
...Rolf Krohn: Der Stern von Granada, Rezi von Bernd Wiese
...Hans Frey: Fortschritt und Fiasko, Rezi von Bernd Wiese


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LBM20.1.FKSFL.12.März

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le... 13 February 2020 · 388 Aufrufe
LBM20
LBM20.1.FKSFL.12.März Ein erster Aufschlag zur Leipziger Buchmesse 2020 - aus Leipzig. (Natürlich gibt es schon eine Reihe anderer, auch sehr interessanter und vielversprechender Meldungen für Phantasten.)
Hier möchte ich auf die Veranstaltung des Freundeskreis SF Leipzig aufmerksam machen, organisiert von Sabine Seyfarth.


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Erste Bücher in 2020 gelesen

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 31 January 2020 · 545 Aufrufe
Michael Moorcock, Moorcock und 1 weitere...
Erste Bücher in 2020 gelesen 2020
Das Lesejahr beginnt abwechslungsreich - also, wenn man unter Abwechslung versteht, dass 2 Autoren sich gegenseitig abwechseln. Ich mache weiter mit meiner Moorcock-Komplett-Lesung (ja, das ist jetzt zu hoch gestochen, niemals schaffe ich da alles von ihm...) und einer absolut faszinierenden Neuentdeckung für mich: Sebastian Guhr! Hier im Forum tauchte der Name bereits auf (und eigentlich hätte ich ihn längt "kennen" müssen - siehe hier), aber jetzt erst weiß ich, was ich bisher verpasst habe.

1 – Michael Moorcock: „Die goldene Barke“
Laut eigenem Vorwort ist das der erste vollendete Roman des Autors, geschrieben 1958. Erschienen ist er aber erst Mitte der 70er. Warum der so lange in der Schublade lag, weiß ich nicht, kann ich nach der Lektüre auch nicht sagen. Denn der ist nicht schlecht. Vielleicht noch etwas ungelenk? Aber nicht ungelenker als z.B. „Der schwarze Korridor“.
Interessant, dass es in der Ende der 60er erschienen Storysammlung „Die Zeitbewohner“ (siehe meine Leseliste vom Vorjahr) eine gleichnamige Geschichte gab. Dies scheint ja der Meister des Öfteren gemacht zu haben: Stoffe mehrmals, sogar unter gleichem Titel, veröffentlicht.
Bleibt der Hintergrund in der Kurzgeschichte noch weitestgehend unbestimmt, hat sich der Autor im Roman schon mehr ausgelassen, aber so richtig kann man weder Zeit noch Raum bestimmen.
Ein paar Namen erinnern an spätere Ortsnamen, z.B. gibt es einen Stadt namens Melibone.
In beiden, Story und Roman, begibt sich der Protagonist auf eine Bootsreise. Er sah eine goldene Barke vorbeifahren und meint ihr folgen zu müssen. Grund, Motivation bleiben völlig im Unklaren, werden aber besonders im Roman stark thematisiert: Dem „Helden“ ist selbst unklar, was ihn antreibt, aber der Trieb ist enorm. Er geht dabei auch über Leichen, wenn es sein muss. Die goldene Barke ist sicherlich so etwas wie die blaue Blume der Romantiker.
Also, man kann da sicher viel aus Moorcocks späteren Werken, gerade um den Ewigen Helden, heraus lesen. Am meisten wird der Protagonist hier noch mit dem späteren Cornelius zu tun haben. (Das muss ich aber erst noch mal selbst „herausbekommen“; mal sehen, ob ich diesmal länger durchhalte, denn die Cornelius-Sachen habe ich schon mehrmals begonnen und abgebrochen).
Schön ist, dass im Roman eine Karte vorhanden ist, an der man die Reise des Jephraim Tallow verfolgen kann. Alle relevanten Orte sind eingezeichnet.
Eine wichtige Station ist seine Begegnung mit der Superfrau Miranda. Das ist ja auch Hauptthema der Short Story gleichen Titels. Im Roman ist seine Beziehung zu ihr aber weit weniger devot. Seine Emanzipation von ihr gelingt ihm viel einfacher und am Ende auch sehr viel „konsequenter“ (tödlich), als in der Story. Dabei ist sie so eine tolle Frau, gutmütig, wohlwollend, unterhaltsam, sexy, gutaussehend. Eine wahre Traumfrau. Und Tallow ist bei weitem kein Traummann. Er ist wohl eher hässlich, kleinwüchsig und seelisch arm – unterkühlt, empathisch, in sich gekehrt. – Nun ja, irgendwie erinnerte er mich auch so ein wenig David Bowie in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ – gleiche Zeit, gleicher Zeitgeist…
Ihre Liebe zu ihm engt ihn aber ein – das ist ja auch das Thema der kurzen Geschichte. Im Roman erweitert Moorcock die Aussage, Tallow fühlt sich von Wohlmeinenden und Wohltätern, als auch von der anhänglichen Miranda in seiner Freiheit eingeschränkt.
Der Roman ist wie ein klassischer Fantasyroman aufgebaut: Eine Quest, mit verschiedenen Stationen, auch mal wechselnden Begleitern (weniger) und Abenteuern. Da gibt es den seltsamen, verfolgen und angebeteten Prediger Ophum Mesmers, ein gefundenes Baby, das Tallow aber schnell wieder loswerden will, halbverhungerte Bewohner verbrannter Dörfer, Revolutionäre, denen er sich zwangsweise anschließt. Er wird inhaftiert, leider auch mal gefoltert. Und immer glaubt man ihm nicht. Die goldene Barke scheint nur er zu sehen. Nur ganz zum Schluss gelangt er auf eine Insel, auf der auch andere Sucher nach der goldenen Barke gestrandet sind. Auch sie begegnen ihm feindlich. Denn sie scheinen neidisch zu sein, dass er seinen Enthusiasmus bewahrt, seine Suche noch nicht aufgegeben hat, wie sie.
Interessant sind dann noch die Hüter – offensichtlich menschliche Wesen einer anderen Dimension, später würde Moorcock sie in seinem Multiversum einsortieren.
Mit diesem kleinen Roman hat Moorcock mir mal wieder sehr eindrucksvoll bewiesen, dass er mehr ist als „nur“ der Schwert&Zauberei-Onkel (der er ja nicht wirklich jemals nur war)!
Das Jahr beginnt sehr gut mir satten 9 / 10 Punkten.

2 – Sebastian Guhr: „Die langen Arme“
Großartige Ode an die Andersartigkeit, zeigt aber auch, wie problematisch so ein anderes Leben ist – in der absterbenden DDR, aber auch in der „neuen“ Gesellschaft. Ein traurig-schönes Buch, sehr kurzweilig und humoristisch, trotz der Dramatik. Ausführlich dazu, auch wenn es gar keine SF ist, nicht mal wirklich Phantastik, im NEUEN STERN.
10 / 10 Punkte

3 – Michael Moorcock: „Eiszeit 4000“
Ich glaube, Moorcocks Jahr 1969 ist „mein Moorcock-Jahr“! Da erscheinen drei Romane, die ich inzwischen als faszinierend und großartig empfinde: "I.N.R.I oder Die Reise mit der Zeitmaschine", "Der schwarze Korridor" und der hier kurz zu besprechende. Auf Deutsch erschienen sie natürlich etwas später. Ach, und die Storysammlung „Die Zeitbewohner“ erschien da auch im Original. Wow! Geht noch mehr? Na ja, auf dem Fantasysektor ist es „nur“ das 4. Runenstab-Buch. Ich denke mal, da durfte der Meister sich mal den ihm wirklich am Herzen liegenden Stoffen zuwenden. Es wird ja oft kolportiert, dass er zum Broterwerb Elric & Konsorten erfand und schrieb, um die New Wave SF fördern zu können.
„Eiszeit 4000“ ist allerdings kein New Wave Stoff. Eher ein handwerklich einwandfreier, vielleicht etwas geradliniger und damit schmalspuriger Abenteuer-Garn. Aber es liest sich ausgenommen flüssig, flüssiger als „Der schwarze Korridor“.
Also die ferne Zukunft der Erde. Es gab den großen Knall und danach eine neue Eiszeit, die wohl mehr oder weniger die ganze Erde heimsuchte, d.h., fast alles ist mit dickem Eis überzogen. Die menschliche Zivilisation konnte sich erhalten, fiel aber in so eine Art Postdoomsday-Mittelalter zurück. Die Beschreibung der gesellschaftlichen Strukturen, des vorindustriellen Niveaus des Handwerks, der Kleidung, des Weltbildes der Menschen erinnert an das europäische Spätmittelalter / Beginn der Neuzeit.
Der „Broterwerb“ der Menschen wird vor allem durch Walfang realisiert. Wale sind nunmehr Land- bzw. Eisflächenbewohner. Dass sie sich so schnell dahin entwickeln konnten, wie andere Tiere auch, wird irgendwann mal kurz im Nebensatz begründet. Immerhin: Moorcock hat das nicht vergessen und suggeriert uns nicht, dass jetzt mal auf die Schnelle natürliche Evolution dafür verantwortlich sei.
„Große“ Familien bestimmen das Geschehen der 8 Städte in der Region. Die Städte selbst sind sich untereinander nicht wirklich grün und konkurrieren vor allem um die Jagdgründe. Der Walfänger an sich ist der Mann der Stunde.
Aber es gibt Gerüchte, dass es im Süden wärmer wird und die Wale wandern.
Die Geschichte steigt in einen Moment ein, wo ein hochangesehener Kapitän der Flotte der einen Stadt einen hohen Potentaten einer verfeindeten Stadt Friesgalt sterbend auf dem Eis findet und ihm das Leben rettet. Der Mann lebt immerhin so lange, bis er ihm, seinem Retter, ein Erbe vermacht: Das beste Schiff aus seinem Haus und die Aufgabe, New York zu finden.
Ah, New York! – Ist nur noch eine Legende, der Hort, wo die Mutter des Eises thront. Die Religion, der Glaube an das einst alles auslöschende Eis, beherrscht das Denken der Leute.
Konrad Arflane nimmt das Erbe an, verliebt sich in die Frau eines Angehörigen des gerade Verstorbenen, was aber nicht der einzige Konflikt-Anlass sein wird. Er sucht sich eine Walfänger-Mannschaft zusammen, u.a. ein ganz besonders großartiges Exemplar dieser Gilde.
Arflane wird – so habe ich das zumindest gelesen – nicht unbedingt als Sympath vorgestellt. Er ist reaktionär, haarscharf am religiösen Fanatismus vorbei glaubend (härter drauf ist nur sein Super-Walfänger-Kollege). Mit der leicht dekadenten, aber weltoffenen Haltung des friesgaltischen Adels, die wissenschaftliche Erkenntnisse vom langsamen Erwärmen nicht einfach vom Tisch wedeln und dadurch Zweifel an der Lehre der Mutter des Eises zum Ausdruck bringen, kann er nichts anfangen. Er ist dann auch mal unleidlich, als Kapitän fast unzumutbar zu seinen Untergebenen. Der Autor macht es dem Leser nicht leicht, mit seinem Helden warm zu werden.
Die Fahrt nach New York ist dann eine 08/15-Abenteuer-Reise, mit Konflikten zwischen den Besatzungsmitgliedern des ICE SHOONER, Angriffen von Barbaren, widrigen Wetterwendungen, Spalten im Eis und am Ende mit einer SF-lastigen Auflösung, die aber noch sehr an die Frühzeit der SF erinnert, auch wie sie der Autor abhandelt: Man findet da jemanden, der einem alles fein erklärt.
9 / 10 Punkte

4 – Sebastian Guhr: „Die Selbstlosen“
Ein Frühwerk des Autors, sozusagen. Ein kurzer Roman voller Ideen und mit vielen Genre-Andockungsversuchen. Das ist ein bisschen aus SF, Krimi, Mystery, viel Familiendrama und Psycho-Zeug. Für mich war es zu gedrängt und zu wenig ausgeführt, manches mutete mir an, als hätte ich es mit einem Exposé zu tun, das erst noch ausgeschrieben werden muss.
Der Stil mundete mir diesmal auch nicht, zu viel Schachtelsatz.
Die Ausgangsidee: In naher Zukunft gibt es keine Tierhaltung mehr, dafür einen Menschenzoo, in dem sich Menschen in Tierkostümen gegen Eintrittsgeld anschauen lassen. Aber das ist wirklich nur ein kleiner Aspekt, ansonsten geht es um eine fast mafiöse Familiengeschichte, Mord und Totschlag; und der Teufel mischt auch mit.
6 / 10 Punkte

5 – Michael Moorcock: „Rituale der Unendlichkeit“
Ein SF-Roman aus dem Jahre 1967 (also 2 Jahre vor „seinem“ großen Jahr, siehe weiter oben). Ich würde ihn als „klassischen“ SF-Roman bezeichnen, also eher keine New Wave. Obwohl, es gibt da so ein paar surrealistische Anstriche, die an Verrücktheiten seiner Jerry Cornelius und Endzeit-Romane erinnern (sind die allergings New Wave?).
Diesmal hat mich der gute Mr. Moorcock nicht 100%ig überzeugt. Die Personage ist recht überschaubar, und das bei so einem weltenüberspannenden Thema! Das ist schon mal was, was ich für unglaubwürdig halte und erinnert eher an naive Superhelden-Stoffe: Eine Handvoll Guter und Böser entscheidet über Wohl und Wehe ganzer Welten – hier: Erden. Ja, Mehrzahl. Also, es gibt sie, die gute alte Mutter Erde, in vielfacher Ausführung. Dem Protagonisten, unserem guten Helden, Professor Faustaff, sind so ca. 16 bekannt. Später erfahren er und die Leser, dass es davon 1000 gab. Ein Agent der Bösen – na ja, ist er denn überhaupt böse? – verplappert sich und nennt diese Erd-Variationen aus den Parallel-Realitäten „Simulationen“.
Faustaff? Erinnert an Faust? Das mag kein Zufall sein. Der Roman erschein unter zwei verschiedenen Titeln, sowohl im Englischen, als auch im Deutschen: The Wrecks of Time / The Rituals of Infinity (Zerschellt in der Zeit / Rituale der Unendlichkeit). Der ganze Titel lautete sogar: „Zerschellt in der Zeit - Die neuen Abenteuer des Doktor Faustus“. Nun, hat er was mit DEM Faust zu tun? Würde ich jetzt so nicht wirklich behaupten. Jedenfalls schließt er keinen Pakt mit Mephisto (oder einer SF-Variante dessen) ab. Im Gegenteil, er ist tatsächlich ein Guter, er begibt sich nicht auf Glatteis, bei aller Neugier und Forscherdrang, er bleibt standhaft, auch angesichts der wahren Strippenzieher, die natürlich hinter all dem stecken.
Was all das nun ist? Kurz: Faustaff ist der Sohn eines Forschers, der auf die Spur der verschiedenen Parallel-Erden kam und ein Team von Erden-Rettern gründete, weil er – und Faustaff später auch – erfahren mussten, dass diese Erden in ihrer Existenz gefährdet sind.
Ihre Gegenspieler und offensichtliche Weltenvernichter sind das Z-Schwadron und dann auch spezielle Agenten einer fremden Macht, die Falstaff umbringen wollen. Um ihn am Weltenretten zu hindern.
Was das alles soll, und wie es endet? Verrate ich hier nicht. Ist aber tatsächlich eben keine so große Überraschung. Es endet halt sehr „klassisch“ – eher einfallslos: Man begegnet Ihnen und Sie verraten dann alles. Es geht um ein großes utopisches Experiment. Nur sind die „Götter“ auch nicht perfekt und von daher müssen fehlerhafte Ergebnisse auch mal beseitigt werden…
Lange habe ich mich gefragt, was das nun mit den titelgebenden Ritualen zu tun hat. Tatsächlich kommt der Autor noch darauf zu sprechen. Zwar nicht sehr plausibel, aber Rituale sollen helfen, eine neue Erde zu etablieren. Auch wenn das so nicht im Text gesagt wird, kommt es mir so vor, als würden dadurch sozusagen Mythen für die neuen Bewohner der jeweiligen Erde geschaffen-.
Bei der Beschreibung dieser Rituale gibt Moorcock erzählerisch Gas. Das wirkt alles wie in verrückter Alb-Traum. Auch die Schilderung dessen, was auf so einer gerade neu simulierten Erde sich vorfindet, wird bewusst un- oder über-realistisch geschildert.
Insgesamt ist es ein mäßig spannender und wenig innovativer Roman, mit ein ganz wenig Tiefgang (wenn über Sinn und Unsinn des Lebens orakelt wird, z.B. – die Frage diskutiert Faust(aff) mit einem Androiden).
7 / 10 Punkte

6 – Sebastian Guhr: „Die Verbesserung unserer Träume“
Das Sahnestück aus meiner Guhr-Lektüre. Also, neben „Die langen Arme“ eigentlich gleich oben auf, aber da „echte“ SF, ein Ticken besser für mich.
Im 26. Jh. haben irdische Siedler auf dem Planten Rheit eine Stadt gegründet. Wir sehen, wie ihre Nachkommen so 200 Jahre später ihre Zivilisation verlieren. Grund dafür sind rätselhafte Träume. Wobei es fraglich ist, ob das, was sie sich als Zivilisation aufgebaut haben, Wert ist zu erhalten. Einiges ist tatsächlich utopisch, aber am Ende ergeben sie sich einem sinnenleerten Alltag, in dem sie sich lediglich selbst optimieren wollen und sollen. Das macht sie nicht gerade fit für die ansonsten unwirtlichen Lebensbedingungen auf diesem Planeten, der so viele Geheimnisse und Mysterien birgt.
So, nun habe ich versucht, ganz kurz was zum Inhalt zu schreiben. Ich denke mal, das dürfte weitestgehend unverständlich sein. Mehr dazu schrieb ich im NEUEN STERN, aber ob das dann verständlicher wird? kann man ja ausprobieren…
Der Roman ist jedenfalls großartig.
11 / 10 Punkte


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...und Schluss mit 2019 (Lese-Liste)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 December 2019 · 599 Aufrufe
Rolf Kauka, Rolf Krohn, Granada
Abschluss meiner Leseliste 2019.
Diesmal - zufällig - 3 x Historisches. Wobei 1 Buch ja SF ist, aber es spielt aus heutiger Sicht in der Vergangenheit.
(Damit würde es sich ja für die Lese-Challange 2020 hier im Forum (Punkt 5) qualifizieren; na ja, habe ich ja nun schon weg...)

47 – Rolf Kauka: „Roter Samstag, oder: Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt“
Na ja, der Untertitel verspricht ja fast so etwas wie eine gute Botschaft. Sollte man die von dem Erfinder so lustiger Comicfiguren wie Fix & Foxi und dem Bussibär nicht auch erwarten? Also, ich lass mich hier nicht über dieses „Werk“ aus, dafür im NEUEN STERN ausführlich, auch zu dem nächsten Buch von ihm…
4 / 10 Punkte

48 – Rolf Kauka: „Luzifer. Roman einer Seelenwanderung“
War weitaus weniger schlecht als der andere Roman von ihm. Eine esoterisch bemäntelte Sammlung historischer Erzählungen. Mit nur (aus meiner Sicht) wenigen bedenklichen Aussagen (der Mensch hat sich aus dem Tierreich dadurch erhoben, dass er in der Lage war, seinesgleichen zu töten…). Ansonsten sind die Stories interessant, spannend, regen zum Weiterlesen (recherchieren) an. Auch die Erzählweise und Stilistik ist wesentlich besser als beim „Roten Samstag“.
8 / 10 Punkte

49 – Rolf Krohn: „Der Stern von Granada“
Zum Schluss noch ein richtiger Hit! Sehr empfehlenswert! Für Phantasten – ein bisschen – und für Geschichts-Fans – ziemlich viel. Rolf Krohn war ja schon immer ein Wanderer zwischen den Welten, und historische Stoffe sozusagen sein erstes Standbein. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat er bisher auch keinen SF-Roman (1), aber dafür halt Historische Romane geschrieben. Allerdings gönnt der Autor sich in seinen historischen Erzählungen und Romanen gern auch eine Portion Spekulation, d.h., er denkt laut – schreibend – darüber nach, wie es hätte sein und kommen können, oder wie es hätte gewesen sein können. Dabei sind seine Hintergründe hervorragend recherchiert, so dass der „reine“ Historienfreund voll auf seine Kosten kommt.
So auch hier: Wir werden ins maurische Spanien des 14. Jh. entführt. Der muslimische Herrschaftsbereich (Andalusien) sieht sich dem Vordringen der christlichen Reconquista (vornehmlich Kastilien) ausgesetzt.
Das fällt beim Lesen als Erstes auf: Der Autor hat ganz genau recherchiert und darüber nachgedacht, wie das damals funktioniert hat – also sozusagen alles. Alltägliche Dinge in Seefahrt, am Hofe des Sultans, im Denken der Menschen etc. werden sehr genau beschrieben. Es scheint dem Autor augenscheinlich großen Spaß gemacht zu haben, diese Welt vor seinem und des Lesers geistigem Auge wieder auferstehen zu lassen.
Und bei aller Präzession und Genauigkeit der historischen Schilderung spekuliert der Autor: Was wäre, wenn da nur eine Kleinigkeit anders gelaufen wäre? Wäre es denkbar, dass die muslimische Hochkultur sich hätte behaupten können gegen die Ungläubigen und Barbaren, die die Christen ja in den Augen der Muslimischen Hochschicht waren? Was hätte passieren müssen? Nun, Rolf Krohn dreht nur an scheinbar kleinen Drehschaltern. Da kommen bei einem Attentat, das es wirklich gegeben hat, nicht nur der Sultan von Granada um, sondern auch die Söhne, die ihm – in unserer Realität – auf den Thron folgten. Dafür kommt ein fernerer Verwandter auf diesen „Posten“.
Und der ist eben nicht der schwache, wenn auch kulturell und künstlerisch Interessierte (wie in der Realität), sondern der weiterdenkende, weise Herrscher. Er kann sich eines kriegerischen Angriffs der Christen erwehren und mit juristischen Reformen das Reich stabilisieren. Und er fördert die Seefahrt – was hier nur am Rande angedeutet wird, hat Riesen-Auswüchse, die der Autor in einem kleinen Ausblick darstellt; Stichwort „Amerika“ (das dann natürlich nicht so heißt).
Ach ja, der „Stern von Granada“: Ein Meteorit, der die Erde streift und von den Protagonisten als himmlisches Zeichen gewertet wird. Sie handeln nach der Sichtung anders als sie es zuvor wollten. Das reicht dann schon (fast). Das Potential, wenn ich den Autor richtig verstehe, war sozusagen vorhanden.
Interessant auch, dass durch dieses „himmlische Zeichen“ die Inquisition in Kastilien früher eingeführt wurde. Die hat dann auch schön dafür gesorgt, dass das Land geschwächt wurde – durch die Angst und den Terror, den sie verbreitete und durch Flucht der Leute aus dem Land, die dann sogar lieber in den muslimischen Teil Spaniens wechselten, also sich diesen Teufeln auszusetzen.
Wie liest sich das Buch? Nun, der Autor passt sich etwas einer altertümlichen Erzählweise an. Ich brauchte etwas, um mich daran zu gewöhnen. Seine Sprache ist oftmals metaphorisch, bildgewaltig und bildhaft, zum Teil einfach wunderschön. Wenn man sich eingelesen hat, macht es großen Spaß. Vielleicht hätte die Erzählung mehr gerafft werden können, wie schon angedeutet: Der Autor hat sichtlich Freude am Schwelgen in der Historie.
Also, für mich ein sehr guter Abschluss des Lesejahres.
9 / 10 Punkte

Infos zum Buch von Rolf Krohn bei TES: https://tes-erfurt.jimdofree.com/

(1) Rolf Krohn hat meinen Blog-Eintrag entdeckt, was mich natürlich auch freute. Und er wies darauf hin, dass er sehr wohl schon einen SF-Roman veröffentlichte. Habe ich glatt unterschlagen, obwohl ich den Roman sogar einst las: "Das dunkle Bild der Liebe". Ich kann mich aber rausreden: Zum einen ist es ein Weilchen her und in meiner Erinnerung war es in erster Linie ein Krimi, in dem dann auch noch sehr stark das Thema Stasi / DDR-Vergangenheit eine Rolle spielt. Vor dem Hintergrund der Biografie des Autors fand ich damals, und heute auch noch, sehr staunenswert, dass er einen Menschen mit Stasi-Vergangenheit nicht einfach pauschal abkanzelt und verurteilt. - Aber ja, es war eine SF-Roman.


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Mein Lese-Jahr 2019

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 28 December 2019 · 530 Aufrufe
2019
So eine Rückschau ist was Feines. Letztens meinte ich noch so: Dies Jahr war ja irgendwie gar kein Rausreißer bei „meinen“ Büchern dabei. Tja, dann habe ich mal in die von mir selbst erstellte Leseliste geschaut und war echt überrascht: Ach ja, das habe ich dies Jahr auch gelesen. Klar, das war großartig!
Also, es gab da schon so ein paar echte Glanzlichter für mich! Hier ist die Liste.
Und ich konnte noch einmal Revue passieren lassen, welche Themen mich so faszinierten. Da gab es ja auch einiges:
Einmal meine „Lanze für Christopfer Priest“, die ich für ihn vor allem im NEUEN STERN brach – was mich nun daran erinnert, dass hier noch ein paar Bücher von ihm darauf warten, von mir gelesen zu werden.
Oder meine Bulgakow-Lesereihe; dann das, was ich für unser E.A.Poe-Spezial-Heft gelesen habe; oder das, was ich als Anregung aus der Musik vom Claypool Lennon Delirium entnahm, vornehmlich zu Jack Parsons.
Auch ein Schwerpunkt für mich war das Werk und Leben von Arnolt Bronnen. Dazu sollte es ja ein Spezialheft geben, also, nicht nur zu ihm, aber das hat Zeit…
Und zu guter Letzt, auch noch nicht „abgeschlossen“, meine Obsession für Michael Moorcock.
Okay, jetzt aber die Liste:

Überragende 11 von 10 Punkte
Christopher Priest: „Der weiße Raum“
Christopher Priest: „Der Traumarchipel“

Großartige 10 von 10 Punkte
Adam Hülseweh: „KLUNGA und die Ghule / Köln“
Arnolt Bronnen: „Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll“
Christopher Priest: „Das Kabinett des Magiers“
Michael Moorcock: „Der schwarze Korridor“
Michael Moorcock: „Der Zeitbewohner“
Michael Moorcock: „Die ewige Schlacht“
Michael Moorcock: „Tochter der Traumdiebe“

Sehr Gutes mit 9 von 10 Punkten
Albert Sánchez Piñol: „Im Rausch der Stille“
Albert Sánchez Piñol: „Pandora im Kongo“
Christoph Hein: „Gegenlauschangriff“
Christopher Priest: „Der schöne Schein“
Christopher Priest: „Die stille Frau“
Erik R. Andara: „Im Garten Numen“
Joel Rose: „Kein Rabe so schwarz“
John Carter: „Raumfahrt, Sex und Rituale“
Max Czollek: „Desintegriert Euch!“
Michael Bulgakow: „Arztgeschichten“
Michael Moorcock & Rodney Matthews: "Elric am Ende der Zeit"
Michael Moorcock: „Das ewige Schwert“
Michael Moorcock: „Der Phönix im Obsidian“
Michael Moorcock: „Die See des Schicksals“
Michael Moorcock: „Elric von Melniboné“
Philip K. Dick: „Ubik“
Rolf Krohn: „Der Stern von Granada“

Faszinierend, gut zu lesen etc., 8 von 10 Punkte
Kersten Knipp: „Die Kommune der Faschisten“
Alan Dean Foster: „Die denkenden Wälder“
Angela & Karlheinz Steinmüller: „Traummeister“
Arnolt Bronnen: „Aisopos“
Jack Williamson: „Geschöpfe der Nacht“
Jonathan Littell: „Die Wohlgesinnten“
Martin Amis: „Im Vulkan“ Essays, hg. v. Daniel Kehlmann
Michael Bulgakow: „Hundeherz“
Rolf Kauka: „Luzifer. Roman einer Seelenwanderung“
W. H. Pugmire: „Der dunkle Fremde“

Nicht mehr ganz so überragende 7 von 10 Punkte
Rudy Rucker: „Hohlwelt“
China Miéville: „Die letzten Tage von Neu-Paris“
Dan Abnett: „Doctor Who – und stumme Sterne ziehn vorüber“
Ingo Scharnewski bei TES
Michael Bulgakow: „Die verfluchten Eier“
Michael Moorcock: „Das Bordell in der Rosengasse“
Sybille Berg: GRM“

Was mir dann nicht mehr dolle gefiel…
Helmut Krausser: „Geschehnisse während der Weltmeisterschaft“
Louis-Ferdinand Céline: „Reise ans Ende der Nacht“
Rolf Kauka: „Roter Samstag, oder: Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt“

…und wo ich aus Gründen keine Wertung gab:
Christopher Priest: „Schwarze Explosion“ - ohne Wertung, weil thematisch …seltsam…
Hermann Dreßler: „Die Künste des Doktor Incubus“ - ohne Wertung, weil das Buch erst noch kommt, ich las das Manuskript - das fand ich übrigens super!






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„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
■ A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

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