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»Linkslesemut oder Die Sache mit dem Versiebtlein« von Anja Janotta (#33, Rezension)

Geschrieben von Sierra , in Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 28 January 2017 · 599 Aufrufe

Lese-Rechtschreibschwäche LRS Erste Liebe Schule Jugendliteratur Kinderliteratur Rezension Besprechung kinderbuch
»Linkslesemut oder Die Sache mit dem Versiebtlein«

Inhalt:

Mira ist genervt: Alle ihre Freunde sind verliebt. In Miras Leben aber hat die Liebe nichts zu suchen. Schließlich ist sie durch ihre Lese-Rechtschreibschwäche mehr als genug gefordert. Doch in der Schülerzeitungs-AG, der sie nur widerwillig beitritt, trifft das Mädchen auf Maurice, den ›Maulaufreißer‹. Im gemeinsamen Kampf für die Pressefreiheit gegen die oberstrenge Schulleiterin kommt sie dem Jungen näher. Und am Ende steht fest: Auch Mira ist gegen den ›peinlichen Quatsch‹ nicht im-muhen.


Beurteilung:

»Linkslesemut oder Die Sache mit dem Versiebtslein« ist Anja Janottas zweites Buch über ihre sympathische Heldin Mira, die sich nicht nur mit einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), sondern auch mit der Schwierigkeit herumschlägt, sich Namen nicht merken zu können.
Janotta versteht es sehr gut dem Leser zu vermitteln, wie sich eine LRS ›anfühlt‹. Dies gelingt ihr, indem sie Mira aus der Ich-Perspektive mit altersentsprechenden Bildern und Wörtern erzählen lässt: »Für Leute wie meinen längsten Freund Felix oder meinen schlauen Bruder Linus sind Wörter immer alte Bekannte – sie wissen, wer das ist und wie man sie schreibt. Ich hingegen muss sie immer wieder neu kennenlernen, ihnen brav die Hand schütteln und von dem ganzen Geschüttel geraten die Buchstaben dann immer wieder durcheinander« (S. 63). Selbst der Hinweis auf einfache Ableitungs- und Verlängerungsregeln (Wald – Wälder, Fahrrad – fahren) kann ihr zur tiefen Verzweiflung der Mutter keine Hilfe sein (S. 59). Die Identifikation mit Mira wird zudem dadurch gefördert, dass Janotta ihre Protagonistin nicht als ›graues Mäuschen‹ darstellt. Mira erscheint als temperamentvolles, aufgewecktes und durchsetzungsstarkes Mädchen, das mit ihren Schwächen – zumindest im zweiten Band – offensiv umzugehen weiß, aber auch zum Ausdruck bringt, wie anstrengend dies sein kann. Damit liefert die Autorin ein ermutigendes Vorbild für den Umgang mit ähnlichen Problemen.
Janottas Figuren und deren Dialoge sind überwiegend authentisch gezeichnet und mit viel Witz geschrieben: »›Was is'n das?‹, fragte also Papa beim Abendessen und deutete auf den roten Punkt. ›Hast du Masern?‹ ›Nein, das ist ein Zeichen für meine indische Weisheit.‹ (…) ›So, so. Und das ist dir nicht peinlich?‹ ›Wieso peinlich?‹ ›Na, du bist doch keine Inderin oder so. Oder Hinduistin. Du bist doch eh-wann-Gel-lösch.‹ ›Ja und?‹, gab ich trotzig zurück. ›Magst du das nicht lieber wegmachen?‹, fragte Papa. ›Warum sollte ich?‹ (…) ›Weil man sich hier nicht im Gesicht anmalt.‹ ›Und Mama? Was ist mit Mama? Mama trägt auch jeden Tag Merk-ab (…)‹«. (S. 110) Etwas überzeichnet und klischeehaft wirkt die Darstellung der Schulleitung, die als gemeinsames Feindbild, als eine Art »Fräulein Rottenmeier« daherkommt. Zudem wären der von Janotta gewählten Jugendsprache m.E. stellenweise ein paar weniger Kraftausdrücke zuträglich gewesen ohne an Authentizität zu verlieren.

Die Autorin spricht in ihrer Geschichte unterschiedliche Themen an, die ältere Grundschulkinder beschäftigen wie Umgang mit Anderssein, Freundschaften, erstes Verliebtsein, Bewusstsein für eigene Rechte oder Auseinandersetzung mit Regeln. Die einzelnen Handlungsstränge verbindet sie zu einem schlüssigen Plot – wobei es am Ende keine wirkliche Überraschung ist, dass das Verliebtsein Mira selbst erwischt. Realistisch und humorvoll zugleich sind die Gefühle und das Verhalten verliebter Grundschüler aus Miras Sicht beschrieben: Initialen mit einem Pluszeichen verbunden und einem Herz umrandet sorgen für Glückseligkeit und Ärger zugleich. Mira begründet ihre Abwehr gegen Verliebtsein direkt zu Anfang: »Ich will immer noch angucken, wen und solange ich das will. Will allen möglichen Quatsch quasseln, ohne darüber nachdenken zu müssen. (…) Mich mit Schneematsch als Indianer bemalen und mir Schneelockenwickler drehen ohne schauen zu müssen, ob's nicht vielleicht doch beknackt aussieht« (S. 8). Hinter diesen Worten verbirgt sich gleichzeitig die ermutigende Aufforderung, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Dies gilt noch mehr für Miras Schülerzeitungsartikel »Warum manche Regeln blöd sind« (S. 112), den Janotta in berührende, altersentsprechende Worte zu fassen versteht.

Äußerst gelungen ist m.E., dass die Autorin das problemgeladene Thema LRS durch die beschriebenen Wort- und Satzbildungsspiele sowie die bildlich dargestellten Kapitelüberschriften und eingebauten Mira-Wörter – »schick-an-Nieren«, »Komm-säg-wenn-zehen«, »Sehr-Minis Nächst Topf Modell«, »tu Matsch« u.v.m. – mit einer Aufforderung zum spielerischen, kreativen Umgang mit Schriftsprache verbindet. Die comichaften, witzigen Illustrationen von Stefanie Jeschke geben den Figuren Janottas ein entsprechendes Gesicht und spiegeln vor allem die freche, natürlich-sympathische Art der Protagonistin wider. (sb)


Gesamteindruck: ++++ (4 / 5)


Bibliografische Angaben: Anja Janotta: Linkslesemut oder Die Sache mit dem Versiebtslein. Mit Illustrationen von Stefanie Jeschke. München: cbj, 2016. 237 S. ISBN: 978-3-570-16340-5. EUR 12,99 (Hardcover).

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW.]

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