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Wilkos Empfehlungen



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Phantastik aus Russland (sozusagen)

Geschrieben von wilkomueller , in Neuerscheinung 13 January 2019 · 398 Aufrufe

Phantastik aus Russland (sozusagen) Jaroslav Kudlac trafen wir zuerst auf einem Hansecon in Lübeck. Als Gastautor las er dort und zeigte auch seinen auf Russisch erschienenen Roman "Das letzte Fresko". Ich blätterte ein wenig herum und entschied, die Veröffentlichung auf Deutsch zu versuchen. Unser Stamm-Übersetzer Maxim Knoll (u.a. Petuchow, Martynow und Jefremow) erklärte sich bereit, die Übersetzung zu machen.
Nun ist es soweit, das Buch ist im Druck.

Im Basel vor über 500 Jahren nimmt die Geschichte ihren Anfang, die jedoch gleichzeitig in der heutigen Zeit spielt. Eine Verschwörung soll mit magischer Hilfe der Stadt Sicherheit und Wohlstand bringen – und natürlich in erster Linie auch den Verschwörern selbst. Doch wie immer hat die Sache einen Haken. Ein grausames Geschehen, das sich im 15. Jahrhundert entfaltet, wirkt auf mysteriöse Weise bis heute nach und ein alter Fluch findet unfehlbar seine Opfer. Für die Betroffenen beginnt ein Wettlauf mit der Zeit um ihr Überleben und vielleicht noch viel mehr.
Ein spannender Thriller voller Geheimnisse und unerwarteter Wendungen.


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SF aus Spanien

Geschrieben von wilkomueller , in Neuerscheinung 04 November 2018 · 1976 Aufrufe

SF aus Spanien Zum ersten Mal hörte ich von Carlos Suchowolski Kohn auf dem letzten DortCon. Hier fand sich eine seiner Geschichten im Conbuch. Später kontaktierte mich die Übersetzerin Pia Biundo und fragte, ob wir nicht den gesamten, in Spanien erschienenen Sammelband veröffentlichen wollten. Tja, und inzwischen haben wir das gemacht.

Carlos Suchowolski: Elf künftige Zeiten
Phantastische Geschichten
aus dem Spanischen von Pia Biundo
Edition SOLAR-X 2018
Paperback, 194 Seiten
ISBN 978-3-945713-60-0
12,80 Euro

Zeitreisen, vor allem, wenn sie zur Verwirklichung unserer gegenwärtig unrealisierbaren Träume in die Zukunft führen sollen, bieten sich als einfache Lösung an, sobald erst einmal die geeignete Technologie zur Verfügung steht. Aber sie könnten sich als Falle erweisen, noch gemeiner und peinlicher als unrealisierbare Träume. Und dann sitzen wir drin und geben mal wieder der Zeit die Schuld.
In elf Geschichten beleuchtet Carlos Suchowolski das Thema der Zeit(reise) aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.


Carlos Suchowolski Kohn ist am 16. Januar 1948 in Mendoza, Argentinien geboren und lebt seit 1976 in Spanien. Er veröffentlichte zunächst Erzählungen in Zeitschriften seines Heimatlandes und wurde 1968 im Wettbewerb der Tageszeitung „Mendoza“ (Juror war Marco Denevi) ausgezeichnet. Er arbeitete für diverse Print- und Online-Zeitschriften in Spanien, Argentinien, Peru, Mexiko, Belgien, Italien und Frankreich und wurde ins Holländische, Bulgarische, Italienische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt. Mehrfach wurden Texte von ihm in die jährlich erscheinenden Sammelbände „Visiones“ und „Fabricantes de sueños“ (Traumfabrikanten) der Spanischen Gesellschaft für SF aufgenommen, worin die besten Veröffentlichungen des Genres für das jeweilige Jahr zusammengestellt werden. 2007 brachte Mandrágora seinen Roman „Una nueva conciencia“ (Ein neues Bewusstsein) heraus, das 2013 als E-Book erschien. Carlos Suchowolski war Finalist beim internationalen Wettbewerb „Goldener Khan“ in Sofia, sein Beitrag wurde in der dazu erscheinenden Anthologie 2009 veröffentlicht. Er hat zwei Erzählbände publiziert: die hiermit auf deutsch vorliegende Kurzgeschichtensammlung „Elf künftige Zeiten“ und eine Sammlung von Fantasy-Erzählungen. 2012 und 2014 hielt er Vorträge auf den ersten beiden internationalen Kongressen zur Phantastischen Erzählung in Barcelona. „Ein böser Streich der Zeit“ aus der hier vorliegenden Sammlung wurde 2016 im Rahmen der Anthologie „Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten“ (Saphir im Stahl), „Picken und flattern, bis der Himmel Maschinen zeitigt“ 2017 im Buch zum Eurocon in Dortmund veröffentlicht, jeweils in deutscher Übersetzung von Pia Biundo. Sein zweiter Roman „La botella precintada“ (etwa: „Die verplombte Flasche“) wurde 2018 auf dem Eurocon vorgestellt, seine Erzählung „Espacio, espacio“ (etwa: „Raum!“) erscheint in den nächsten Monaten in der Zeitschrift INTI Literatura Hispánica des Programms der Europäischen Union zur Förderung der Integration von Drittstaatsangehörigen. Er arbeitet zur Zeit u.a. an einem Roman und an einer weiteren Sammlung von Kurzgeschichten.



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Neuer Katalog

Geschrieben von wilkomueller , 02 November 2018 · 2053 Aufrufe

Der neue Katalog der Edition SOLAR-X ist online:
http://www.wilkomuel...sx/Katalog6.pdf


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Die Symphonie der Urcodisten

Geschrieben von wilkomueller , in Neuerscheinung 23 October 2018 · 1590 Aufrufe
Frau, Zukunft, KI, Abenteuer
Die Symphonie der Urcodisten Heute möchte ich mal auf die aktuelle Neuerscheinung bei der Edition SOLAR-X hinweisen.
Von Sabine Lauderbach kommt das bemerkenswerte Debüt "Die Symphonie der Urcodisten".

Hier der Klappentext:

Als die unfreiwillig eingefrorene Anka wieder aufgetaut wird, ist die Welt, die sie kannte, verschwunden. Die Menschen leben größtenteils in der Rationalen Fundation, regiert vom System – einer Künstlichen Intelligenz. Diese garantiert nach den Kriegen, die Anka verschlafen hat, Frieden und jedem ein gewisses Maß an Wohlstand. Der Preis dafür ist, dass man sich ins System einfügt, sich von ihm steuern, optimieren – beherrschen – lässt. Wer das nicht will, erfährt die Konsequenzen. Was als Bestrafung zunächst absurd und albern klingt, erweist sich als brutale Folter.
Anka und ein paar andere rebellieren trotzdem und begeben sich auf eine abenteuerliche Suche nach einem Schatz aus der Vergangenheit und letztlich einem Weg, das System zu stürzen. Werden sie dem Urcode der KI-Programmierung auf die Spur kommen?


Auf 440 Seiten werden die spannenden und oft überraschenden Abenteuer Anka Kassandras in der Zukunft erzählt. Obwohl es eigentlich eine Dystopie sein sollte, geschieht das erstaunlich witzig. Manchmal allerdings dürfte dem Leser das Lachen im Halse stecken bleiben. Eines der interessantesten Bücher, die wir in letzter Zeit machen durften

http://shop.edition-...der-urcodisten/


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20-bändige Werkausgabe A. Kröger erschienen

Geschrieben von wilkomueller , 22 October 2018 · 986 Aufrufe

20-bändige Werkausgabe A. Kröger erschienen Helmut Routschek (25.9.1934 – 7.4.2016) war unter seinem Autorennamen Alexander Kröger einer der bekanntesten und beliebtesten Science Fiction Autoren in der DDR. Sein Werk umfasst mehr als 20 Bücher, die insgesamt eine Millionenauflage erlebten.
Der Autor wurde in Zarch, im Sudetenland geboren, machte nach der Aussiedlung in Mühlhausen das Abitur und absolvierte 1959 an der Bergakademie Freiberg eine wissenschaftliche Ausbildung als Diplomingenieur in der Fachrichtung Markscheidewesen und Bergschadenkunde, promovierte zum Doktor-Ingenieur und qualifizierte sich 1971 postgradual zum Fachingenieur für Datenverarbeitung. Als konzessionierter Markscheider, Fachmann für Automatisierung und Experte für Untergrundgasspeicherung war er 17 Jahre im Bergbau und in der Energie-, später in der Wohnungs- und Bauwirtschaft, nach 1990 in der Bauverwaltung des Landes Brandenburg leitend tätig. Er war Mitglied des Schriftstellerverbandes, des Friedrich-Bödecker-Kreises und seit 2003 Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Land Brandenburg.
Da er auch zahlreiche fachwissenschaftliche Artikel veröffentlichte, wählte er für sein schriftstellerisches Werk von Anfang an ein Pseudonym – ohne aus seiner Identität jedoch ein Geheimnis zu machen. Im Gegenteil – er stand immer in Kontakt mit seinen Lesern, besuchte Treffen und Cons. Bei seiner Tätigkeit im Schriftstellerverband war es ihm ein Anliegen, für die von der Literaturkritik und -wissenschaft oft vernachlässigte Science Fiction einzutreten.
Nach der Wende teilte er das Autorenschicksal vieler ostdeutscher Schriftsteller. Zunächst schienen ihre Werke nicht mehr gefragt zu sein, die Leser wandten sich gen Westen. Er ließ sich davon allerdings nicht entmutigen und veröffentlichte und verkaufte seine Bücher eine Zeitlang selbst. In dieser Zeit nach 1990 erschienen sogar einige neue Werke Krögers.

2008 brachte ich Helmut Routschek mit dem halleschen Projekte-Verlag zusammen, der es unternehmen wollte, alle Kröger-Bücher noch einmal neu zu veröffentlichen. Beinahe hätte man es auch geschafft, doch Ende 2013 stellte der Verlag wegen Insolvenz seine Tätigkeit ein. Vier Bücher fehlten noch!
Heute haben Verlage eine andere Politik als früher. Bücher scheinen nur noch als Neuerscheinungen von Interesse zu sein, schon nach wenigen Jahren verschwinden die meisten wieder aus dem Programm. Die Idee, ein zwanzigbändiges Werk nicht nur neu zu veröffentlichen, sondern auch lieferbar zu halten, ist da vielleicht zu kühn. Neuauflagen sind ohnehin riskant, es gibt ja schon unzählige Exemplare des Buches auf dem Markt – und der Buchmarkt schließt wie fast kein anderer auch einen riesigen Second-Hand-Bereich ein.
Die 2003 gegründete Edition SOLAR-X hat trotzdem 2017/18 eine Alexander Kröger Werkausgabe in 20 Bänden komplett veröffentlicht. Mit dabei war der Grafiker Klaus Brandt (Hoyerswerda), der schon die Cover der Projekte-Verlags-Ausgabe gestaltete.
Da fragt man sich vermutlich, warum?
Als Kind las ich »Sieben fielen vom Himmel«, Krögers Erstling, mit wachsender Begeisterung immer wieder. Es war eines der wenigen DDR-SF-Bücher, in dem für mich einigermaßen überzeugende Aliens vorkamen. Viele andere Bücher von Kröger & Kollegen folgten; ich war zum SF-Fan geworden. Nie hätte ich mir aber damals vorstellen können, dass ich genau dieses Buch einmal für eine Neuauflage korrekturlesen würde. Aber so geschah es. Helmut Routschek, den ich inzwischen persönlich kennengelernt hatte, gab mir den Auftrag, seine Bücher neu zu veröffentlichen, zuerst im Projekte-Verlag (wo ich damals arbeitete) und nun noch einmal im zweiten Anlauf. Leider verunglückte er schwer, während wir auf die Freigabe der Rechte durch den Insolvenzverwalter warteten, und verstarb an den Folgen.
Es gibt viele Leser, die immer wieder erwähnen, dass ihnen der Stil der alten DDR-SF in der heutigen SF-Literatur fehlt. Natürlich sind das Leser, die wie ich mit der »wissenschaftlichen Phantastik« aufgewachsen sind. Wahrscheinlich eine aussterbende Gattung. Oft wird zu dieser Art SF hervorgehoben, dass sie ohne all diese Gewalt und Aggression auskam, die scheinbar moderne oder auch westliche SF prägt. Das ist freilich etwas einseitig betrachtet. Man könnte sogar dagegenhalten, dass die »Ost-SF« stattdessen oft so voller Ideologie war, dass man sie heute kaum noch lesen kann. Bei Alexander Kröger findet man dies kaum in dieser Vordergründigkeit. Auch er versuchte manchmal, utopische Zukunftsentwürfe auf der Basis des Sozialismus zu zeigen, doch nie ausschließlich. Gerade in seinen letzten Romanen, aber auch schon in einigen der früheren findet man Gesellschaften, bei deren genauer Schilderung er sich auffallend zurückhielt. Stattdessen widmete er sich z.B. wissenschaftlichen Entdeckungen und daraus erwachsenden ethischen Problemen. In der Centauren-Trilogie liest man über das Aufeinandertreffen mit einer außerirdischen Gesellschaft – was natürlich als Metapher für ganz irdische Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu sehen ist.
Alte DDR-SF-Fans weisen ihre Gegenstücke aus dem Westen immer mal wieder darauf hin, dass sie doch mal diesen oder jenen Ost-Autor lesen sollten. Ja, das stimmt. Aber: Einiges wird einem zwangsläufig seltsam vorkommen, wenn man nicht »ost-sozialisiert« ist. Diese Einzelheiten, ob nun bei Kröger oder Tuschel oder anderen Ost-SF-Autoren, muss man im Kontext des Zeitgeistes zu verstehen versuchen. Wenn man das im Auge behält, lernt man vielleicht wirklich eine wenn nicht gerade neue, dann doch andere Erzählweise kennen.
So wie man Dominik & Co. z.T. auch heute noch auflegt und liest, kann oder sollte man das auch mit dem einen oder anderen dieser Autoren der 60er bis 80er Jahre tun. Deshalb vor allem gingen wir das Wagnis ein, Krögers Werk noch einmal vollständig (und auch überarbeitet) zu verlegen. Nicht nur für Sammler von Komplettauflagen, nicht nur für langsam ergrauende Fans, die sich mit einem Hauch von Nostalgie an ihre Jugendliteratur erinnern und sie gern noch einmal lesen wollen.

Infos auf unserer Webseite http://www.edition-sx.de.


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Eismond Zyklus

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 21 October 2018 · 1059 Aufrufe
Raumfahrt, Saturn, Jupiter
Der Eismond-Zyklus von Brandon Q. Morris
Enceladus / Titan / Io / Enceladus – die Rückkehr
(Kindle Ebooks)

Nachdem der (übrigens deutsche) Autor so freundlich war, den ersten Teil kostenlos als Ebook anzubieten, habe ich ihn und die kostenpflichtigen anderen drei Teile gelesen. So schlecht können die Bücher also nicht sein.
Es handelt sich, wie der Autor nicht müde wird, zu betonen, um »hard sf«. Also gibt es hier zumindest den Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Es ist tatsächlich gute, wenn auch nicht alte SF, die von der Erforschung des Sonnensystems mit Hilfe der Raumfahrt handelt, wie sie tatsächlich stattfinden könnte, wenn man den heutigen Stand optimistisch einige Jahrzehnte in die Zukunft denkt. Die Titel sagen uns schon, wo es hingeht: zuerst zum Saturnmond Enceladus. Hier entdeckt eine Sonde Anzeichen für die Existenz von Leben im möglicherweise tatsächlich vorhandenen Wasserozean unter dem Eispanzer. Das hält man auf der Erde für wichtig genug, um eine bemannte Expedition auszurüsten, die mal nachgucken soll.
Der Autor versteht es, den schier endlosen Flug durch das Sonnensystem glaubwürdig zu schildern, ohne dass den Leser dieselbe Langeweile packt, welche die Besatzung der »ILSE« quält. (Der komisch anmutende Name des Raumschiffs ist irgendeine Abkürzung mit Lebenssuche oder so. Sorry, wird nur einmal erwähnt und ich habe es wieder vergessen.) Eine Reihe der üblichen Gefahren tritt auf: Meteoriten, technische Probleme usw. Zu allem Überfluss wird ausgerechnet die Kommandantin auch noch schwanger und bringt ihr Baby auf der Reise zur Welt.
Schließlich landen sie auf dem Eismond und bohren sich mit einem Bohrschiff namens »Valkyrie« durch die Eisschicht hinunter in den Ozean. Zwar reißt das Verbindungskabel, aber das hindert die beiden Astronauten an Bord nicht, Leben zu entdecken, das sich sogar als eine intelligente Lebensform herausstellt, und sich wieder an die Oberfläche zu kämpfen. Beim Versuch, sie zu retten, stirbt scheinbar ein dritter Astronaut.
Scheinbar, denn als die »ILSE« wieder gestartet ist, stellt sich heraus, dass er noch lebt. Es wird nie erklärt, wie er 48 Stunden mit geborstener Helmscheibe und ohne ausreichenden Sauerstoff überleben konnte. Nun steigt er ins Bohrschiff, taucht ab und vereint sich irgendwie mit dem Enceladuswesen. Schade, hier ging dann eindeutig der Anspruch der Wissenschaftlichkeit verloren. In der folgenden Handlung gelingt es der Crew, zunächst sein Bewusstsein in die Schiffscomputer zu transferieren, so dass er sie als eine Art KI begleitet.
Inzwischen war man noch auf Titan, wo selbstverständlich auch eine Lebensform ihr Unwesen treibt. War die erste noch recht freundlich, ist diese eher primitiv und aggressiv. Im dritten Teil verschlägt es die »ILSE« sogar auf den Jupitermond Io, wo sie in letzter Minute eine Bedrohung für die Erde abwenden, die auch wieder von einer bösen Lebensform (nicht intelligent) ausgeht.
Im ersten Buch konnte ich der Handlung noch eine gewisse Glaubwürdigkeit abgewinnen, doch dieses Hin- und Hergefliege zwischen Saturn und Jupiter mit mehrfachen Landungen war mir zu viel. Die Mission war ja so gar nicht geplant, also sollte das Raumschiff auch gar nicht für solche weitergehenden Einsätze geeignet und ausgerüstet sein. Davon mal abgesehen, ist das Finden von Leben gleich auf allen drei Monden doch etwas übertrieben.
Im dritten Teil spielt eine Nebenhandlung auf der Erde eine größere Rolle. Hier einigen sich der amerikanische NSA und China darauf, dass das Wesen auf Enceladus eine Gefahr für die Erde darstellt und vernichtet werden muss. Deshalb erpressen die bösen Kommunisten Chinas ihre an Bord befindliche Astronautin, so dass diese bereit ist, alle zu töten und das Superwesen gleich mit. Natürlich passiert das nicht, aber dieser Teil der Handlung erschien mir dann doch zu hoch gegriffen. Die Chinesen werden so klischeehaft dargestellt, dass es bereits da unglaubwürdig wird. Es erinnerte an die Kapitel von »Die drei Sonnen«, welche in der Jugend der Protagonistin spielen. Ich bezweifle, dass die heutige oder gar die zukünftige chinesische Führung so denken und handeln würde wie in der Kulturrevolution.
Auch im vierten Teil kommt die Bedrohung von der Erde – ein russischer Milliardär, welcher Asteroidenbergbau betreibt, bringt die alte Crew dazu, noch einmal in die »ILSE« zu steigen. Angeblich, um ihren auf Enceladus verschollenen Kumpel zu retten. Hä?, fragte ich mich da. Kein Wort darüber, wie der Russe sich das vorstellte, einen seit Jahren unter dem Eis befindlichen Körper zu reanimieren und wieder mit dem in Computern herumgeisternden Bewusstsein zu vereinen. Aber alle machen mit.
Klar, der böse Russe hat ganz andere Motive, aber am Ende klappt es auch noch! Ohne jede Erklärung taucht der plötzlich wieder oder immer noch lebende Astronaut auf und muss nicht mal mit seinem KI-Teil wiedervereint werden, denn dieser war wohl nur eine Sicherheitskopie. Also gut – SF, ist klar. Aber mit Glaubwürdigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit hat das nichts mehr zu tun.
Man muss sagen, dass die Reihe vom Ideengehalt leider mit jedem Buch ein wenig abbaut. Wo der Autor versucht, Anleihen beim Thriller zu nehmen, wirkt es ein wenig einfach gestrickt. Wenn man den wissenschaftlichen Anspruch mal vergisst und nicht alles erklärt haben will, ist es in Ordnung. Morris schreibt abwechslungsreich und spannend über die Abenteuer der Raumfahrer. Man kann sich davon durchaus gut unterhalten lassen. Da aber jedes Buch noch einen Anhang von beträchtlichem Umfang hat, der auf wissenschaftliche Hintergründe eingeht und somit den Anspruch des Autors betont, muss ich die obige Kritik üben.


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Convergence

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 20 October 2018 · 751 Aufrufe
Cherryh, Atevi, Foreigner
Convergence C. J. Cherryh: Convergence
(DAW Books 2017)

„Convergence“ ist der nächste Foreigner-Roman einer Serie, die damit bereits sechs Dreiergruppen, also 18 Bände umfasst. Nach der üblichen Vorgehensweise müsste nun eine neue Dreiergruppe beginnen, denn die Handlung ist auch jetzt nicht abgeschlossen.
Der Inhalt des neuen Buches gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Bren Cameron, der menschliche Diplomat am Hof der Atevi, wird zurück nach Mospheira geschickt, auf die Insel der Menschen auf dieser Welt. Er soll dort die Ergebnisse der Verhandlungen mit den Kyo präsentieren, einer weiteren außerplanetarischen Rasse, der man in früheren Bänden begegnet war. Außerdem muss er Mospheira die bevorstehende Landung von 5000 Flüchtlingen einer versehentlich von den Kyo zerstörten Raumstation schmackhaft machen. Cajeiri, der noch sehr junge Erbe des Herrschers der Atevi, reist hingegen auf einer anderen Mission zu seinem Onkel. Dabei geht es um die Nachfolgeregelung eines bestimmten Clans und gleichzeitig immer noch die Bewältigung der Folgen einer Verschwörung innerhalb der Assassinengilde, mit der man auch in früheren Bänden zu tun hatte. Die beiden Stränge wechseln beinahe regelmäßig von Absatz zu Absatz.
Beide Handlungen sind diesmal voller langer Ausführungen der Personen, Überlegungen, Darlegungen – Politik. Es passiert eigentlich nur sehr wenig. Camerons bisher kaum beschriebene Vergangenheit spielt in Form von alten Freunden eine Rolle, auf die er plötzlich zurückgreift. Er hat sich ja von der Bevormundung durch die Universität Mospheiras längst gelöst und betrachtet sich eher als den Atevi zugehörig. Dieses spannungsgeladene Verhältnis ist nun natürlich von Bedeutung. Er konfrontiert die Menschen damit, dass die Dinge sich geändert haben und weiter ändern werden, ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht.
Auf Cajeiris Seite geht es ebenfalls um alte Zusammenhänge, z.B. die Herkunft seiner Mutter, die Manipulationen des Gilden-Renegaten, Morde und noch mehr Morde … Er erfährt so einiges, das ihn zu verändern scheint. Er wird auch durch diese Erfahrung erwachsener.
Am Ende steht man da und runzelt etwas die Stirn. Wie es nun wohl weitergeht? Aber das ist vermutlich Sinn der Sache.


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Die Schwarze Harfe

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 20 October 2018 · 689 Aufrufe
space opera, aliens, frau
Die Schwarze Harfe Gravity Assist: Die Schwarze Harfe
Edition 381
ISBN 978-3-9524287-6-4
Klappenbroschur, 772 Seiten
20,00 Euro

Eines Tages bekam ich ein Päckchen aus der Schweiz, das ein dickes Buch enthielt. Ich wunderte mich und begann zu lesen. Aufhören konnte ich dann erst nach ein paar Tagen, als ich mit dem Buch fertig war. Bei „Die schwarze Harfe“ handelt es sich um eine Space Opera, die mich im Stil zunächst ein wenig an „Dune“ erinnerte. Andererseits ist da auch irgendwie Star Wars mit seinem „vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis …“ Denn die Handlung nimmt ihren Lauf im „Ring der Sterne“, einer seltsamen lichtjahreweiten Anordnung von Sternsystemen um ein Schwarzes Loch. Hier leben die Endoer, die man sicher als Menschen bezeichnen könnte, obwohl es keine sind. Sie haben den Ring besiedelt – bis auf ein System, in dem die Senjasantii leben, technologisch scheinbar noch fortschrittlichere, aber auch geheimnisvolle Wesen, die nicht so wie die Endoer nach Ausdehnung über die Sterne des Rings streben.
Es gibt ein Königreich und eine Handelsföderation, neben einer Menge anderer Kräfte. Auch Piraten treiben ihr Unwesen, wenn man sie auch anders nennt. Überhaupt hat sich das Autorenteam „Gravity Assist“ viel einfallen lassen, was Sprache angeht. Zwar bleibt es des besseren Verständnisses wegen bei König, Königin und Prinz – es gibt aber auch den Laar, was ein Kapitän eines Kriegsschiffes wäre (selbstverständlich eines Kriegs-Raumschiffes), und viele andere spezielle Bezeichnungen.
Die Geschichte, welche viele Jahre überspannt, erzählt vom Krieg im Ring der Sterne, wie und warum er begann und wie er schließlich endete. Doch eigentlich erzählt die Geschichte von den Schicksalen einiger Leute, die für den Krieg usw. verantwortlich waren bzw. ihn beendeten. Ja’en ist der Thronfolger von Endo und Shikani eine der Senjasantii. Die Handlung wechselt ständig zwischen ihren beiden Ich-Perspektiven und widmet sich außerdem noch dem undurchschaubaren Bromen und seinem zunächst Freund und dann Gegner Se’en.
Die Erzählweise ist sehr detailreich und wirkt äußerst durchdacht. Von der Sprungtechnologie bis zu den Waffensystemen der Kriegsschiffe ist alles wie aus einem Guss. Es muss gar nicht pseudowissenschaftlich erklärt werden, weil es in der Anwendung sofort plausibel erscheint – es funktioniert. Wenn dann z.B. relativ spät im Buch plötzlich eine Raumzeitwaffe auftaucht, so überrascht das nicht, denn die Technologie ist ja beim FTL-Antrieb bereits öfter mal erwähnt worden.
In der von kriegerischen Auseinandersetzungen und Verfolgungsjagden angefüllten Handlung ist auch noch Platz für einen großen Teil Mystik und Geheimnisse. Die Senjasantii träumen nämlich prophetische Träume – damit hat auch der Buchtitel zu tun, die schwarze Harfe. Außerdem gibt es noch ein paar Rätsel, z.B. um die Herkunft, genauer gesagt den Vater Ja’ens. Die ständigen Wechsel in der Erzählposition sorgen für einen anderen Blickwinkel und Spannung.
Alles in allem ist das ein sehr spannendes, lesenswertes Buch, das man wirklich nur schwer aus der Hand legen kann, denn die Schicksale der Figuren fesseln den Leser schnell. Etwas überraschend ist, dass sich hinter dem Pseudonym Gravity Assist gleich fünf Autorinnen und Autoren aus der Schweiz verbergen (na ja, letzteres tun sie gar nicht so sehr). Das Buch, welches 2017 in der Schweiz erschien, wird nun auch in Deutschland über uns (Edition SOLAR-X) zu beziehen sein.

http://dieschwarzeharfe.ch/home/
http://shop.edition-sx.de/



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Sinn & Zweck

Geschrieben von wilkomueller , 20 October 2018 · 642 Aufrufe
Vorstellung
Kurz gesagt, habe ich vor, mich wieder mehr in den SF-bezogenen social medias zu engagieren. Ich möchte hier im SF-Netzwerk zum Einen meine Meinung zu gelesenen Büchern ausdrücken, wie ich es schon früher z.B. im Fanzine SOLAR-X getan habe, zum Anderen habe ich vor, dieses Netzwerk zu nutzen, um die Bücher meines Verlages genau dem Publikum vorzustellen, für das sie bestimmt sind.
Klar ist das Werbung. Aber wie soll das sonst gehen mit den Büchern, wenn die Autoren ihre paar Freunde und Kontakte abgegrast haben? Wenn man ein Buch nicht bekannt macht, kann es noch so gut geschrieben sein, es "verkauft sich nicht" von selbst.
Deshalb sehe man mir den gelegentlichen Hinweis auf Neuerscheinungen des Verlages Edition SOLAR-X nach.





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