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Deutscher Phantastik Preis: Was hat es gebracht? - Ein Fazit.

Geschrieben von Nina , 26 November 2012 · 886 Aufrufe

Deutscher Phantastik Preis BuchmesseCon DPP
Deutscher Phantastik Preis – immer wieder lese ich die Frage, was es denn bringt, ob es überhaupt was bringt und so weiter.

Ich will hier auch nicht auf die Wahlmodalitäten eingehen, keine Ermittlung für einen Preis ist perfekt, ob das nun Jury- oder Publikumswahl ist. Ich bin da allerdings auch wegen meines Gewinns nicht von Selbstzweifeln geplagt: Die Jury von Deutschen Science Fiction Preis hat denselben Text auf den dritten Platz gewählt, den das Publikum von Deutschen Phantastik Preis auf den ersten Platz manövriert hat. Also irgendwas muss diese Geschichte, wo über weite Strecken der Handlung zwei Menschen auf einem Wüstenplaneten durch die Wüste wandern und wenn sie reden, dann eher verschrobene Gespräche führen, an sich haben.

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Doch die Frage ist natürlich, was bringt es im Endeffekt? Nutzt es was, wenn große Verlage Aufkleber mit „Gewinner des Deutschen Phantastik Preises“ auf die Bücher pappen? – Weiß ich doch nicht! - Aber ich kann mir vorstellen, dass die Marketingabteilung einen Grund dazu hatte. Die sind durchaus gut organisiert und arbeiten normalerweise nicht nach dem Grundsatz, dass man mal eben was probieren kann, wenn es wohl keinen Schaden anrichten wird.

Im Grunde genommen kann ich die Frage letztendlich jedoch nur für mich beantworten: Also, ich habe den Preis gewonnen. Große Bühne, Plattform, um etwas vor ein paar Hundert Leuten zu sagen. Anschließend habe ich viele Hände geschüttelt. Großartig!
Noch bevor ich überhaupt im Hotel in Dreieich war, kamen schon die ersten Glückwünsche via Facebook – ohne dass ich was verkündet habe, es war auch ohne Internet aufregend genug. (Außerdem zahle ich doch keine Roaminggebühren, um im Ausland vom Handy aus ins Internet zu gehen.)

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Preisverleihung "Deutscher Phantastik Preis". Ich bin zwar die kleinste Preisträgerin, aber mein Preis ist so groß wie von den anderen auch!!! (Foto von Ulrich Burger)

Und dann, bin ich wieder zu Hause, mein Leben ist, wie es war, mal abgesehen davon, dass ich jetzt so eine goldene Trophäe am Regal stehen habe. Auf das Hochgefühl folgt unweigerlich das Tief. Ich bin immer noch hier und ich bin immer noch ich.

Natürlich sind viele Einträge im Internet zum Preis aufgetaucht. Die meisten davon haben aber einfach die Liste kopiert. Einige beschweren sich, dass ihr Favourit nicht gewonnen hat. Andere freuen sich so wie ich, dass sie selbst gewonnen haben. So weit, so gut. Ärgerlich für mich wird es dann, wenn Leute allgemein über das Thema schreiben und einfach Kategorien – und dazu gehört meist die meine – einfach totgeschwiegen werden. Als ob es nur zwei interessante Kategorien gäbe, als ob der Preis, den Markus Heitz heimträgt, größer und goldener als meiner wäre! (Ich gönne es ihm übrigens von Herzen und finde es toll, dass er trotz seines enormen Erfolges sich immer noch jedes Jahr wieder unter die Fans am BuCon, wo der Preis verliehen wird, mischt, was ihm offenbar auch Spaß macht und keine lästige Pflicht ist.)
Ist er aber nicht. Die Preise in den unterschiedlichen Kategorien werden auf dieselbe Weise ermittelt, bekommen dieselbe Trophäe und jeder Preisträger darf dazu auf der großen Bühne erzählen, was er will. Daher kann zu Recht davon ausgegangen werden, dass der Preis in jeder Kategorie, ob nun für die beste Homepage oder den besten Roman, gleichwertig ist.

Aber, wie ist es weitergegangen?
Nun, erst mal so, als wäre nichts gewesen. Natürlich gibt es weiterhin Veröffentlichungen. Eben erst ist die Anthologie Hunger bei BLITZ erschienen. Aber das ja nicht wegen des DPP, das geht schon jahrelang nach Verlust des ursprünglichen Verlags dahin. Ein Interview mit mir ist auf Rumänisch übersetzt worden, es geht dabei zwar um den Vincent Preis (den ich ja auch dieses Jahr – allerdings als Herausgeberin – gewonnen habe), aber der Deutsche Phantastik Preis ist im Begleittext erwähnt und dürfte mit ein Grund gewesen sein, mich als interessant genug zu empfinden. (Natürlich läuft so etwas immer über Kontakte, aber in Zeiten von Facebook kann man nicht mehr mit jedem, dem man von irgendwoher kennt, ein Projekt machen oder über ihn berichten, da sind solche Erfolgsmeldungen wichtig.)
Ein weiteres Interview wurde wegen des DPP angefragt (von einer Deutschen), gehört habe ich aber nichts mehr davon.

Ansonsten: Der Regionalpresse ist das alles völlig egal. Hingewiesen wurde sie, geschehen ist nichts. Selbst bei meinem SF-Stammtisch ist keiner von sich aus drauf gekommen, ein Wort darüber zu verlieren, dabei dachte ich eigentlich, dass die Leute so was mitverfolgen. Im Endeffekt sind die Leute aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland am meisten drauf abgefahren (auch wenn ich mir die persönlichen Nachrichten dazu ansehe), meine eigenen Landsleute – zumindest die, die nicht bei der Preisverleihung waren – am wenigsten. Nicht mal die Genugtuung, den hierzulande nicht so beliebten Deutschen (gut, das ist ohnehin Blödsinn, es gibt in jeder Nation solche und solche Leute und ich habe mich bislang in Deutschland immer recht wohl gefühlt, aber es ist halt ein gewisser Tenor, den man immer wieder hört) „ihren“ Preis wegzuschnappen (ist ja schon etwas absurd, als Österreicherin einen Preis zu bekommen, der „Deutsch“ im Namen hat), hat was dran ändern können.

Am MucCon wurde ich immerhin noch von ein paar Leuten darauf angesprochen, was natürlich der zarten Künstlerseele enorm geschmeichelt hat.

Aber sonst? – Nun ja, da hat was gefehlt. Natürlich glaubt man immer, irgendwas würde das Leben über Nacht verändern. Tut es aber nicht.

Bis ... bis mir ein Verleger doch noch angeboten hat, einen eigenen Kurzgeschichtenband zu machen! Mehr dazu wird aber erst mal nicht verraten. Ich werde jedoch demnächst dazu schreiben. Es wird allerdings keine hohe Auflage werden, dafür Hardcover, nummeriert und signiert.
Damit bin ich erst mal mehr als zufrieden.



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Christian Günther
Nov 28 2012 08:39
Interessanter Bericht und Blick hinter die Kulissen - besser als alle Preisträgerlisten, die man im Netz finden kann!
Meinen Glückwunsch (zum Preis - aber auch zum Bericht ;) )
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Ich denke, wenn es sich nicht gerade um einen renommierten Preis handelt, sind diejenigen, die im Ausland verliehen werden, immer irgendwie angesehener im Inland, zumindest gefühlt.
Man müsste mal unbedarfte (also keine Autoren, etc.) Personen fragen die SF lesen:
Was haltet ihr vom KLP und DSFP?
Was haltet ihr vom Hugo und Nebula?

Ich schätze mal, die beiden englischsprachigen Awards haben das höhere Renommee. Und ich denke fast, das ist unabhängig von den Werken.

Was du auch nicht unterschätzen darfst ist die Langzeitwirkung eines Preisgewinnes. Die ist bestimmt da (Wirkung = Renomee).
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Danke, Christian!

Mit den englischsprachigen Preisen vergleiche ich das nicht. Zumal man sich seine Muttersprache ja auch nicht aussuchen kann, es stellt sich nicht Frage: Bemühe ich mich entweder, den Hugo zu bekommen oder will ich lieber den DPP? - Eine Reihung wäre daher sinnlos. Fest steht aber, dass es im deutschsprachigen Raum für phantastische Literatur vier Preise für veröffentlichte Werke gibt und der DPP ist vermutlich der, der noch am ehesten Mainstream-Potential hat.

Wegen Langzeitwirkung muss ich erst abwarten. Zumindest kann ich es in meine Autorenvita schreiben. Ansonsten wird es wohl schnell vergessen sein. (Nicht von mir, natürlich.)
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Hallo Nina,

danke für deine Einschätzung und Darstellung deiner Gefühle. Tut mir echt leid, dass die große Veränderung, die man sich ja doch erhofft, (noch) nicht stattgefunden hat. Der DPP ist etwas Besonderes und daher meine Frage: Warum hast du keinen Wikipedia-Eintrag? Hab gerade nachgeschaut und dich nicht gefunden. Vielleicht genießt du dann etwas mehr Aufmerksamkeit. Wenn es aufgrund der strengen Vorgaben nicht geht, kann man vielleicht mal anregen, dass der DPP zumindest dort eingetragen wird - mit allen Preisträgern. Hab den nämlich auch nicht gefunden. Eingefügtes Bild
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Ja, Wikipedia ist so eine eigene Sache. Das Meiste wird als "nicht relevant" wieder gelöscht - bei mir wäre das wohl der Fall. Beim "Deutschen Phantastik Preis" sollten jedoch die Chancen steigen - immerhin steht was dazu bei so manchen berühmten Autoren aus dem deutschsprachigen Raum dabei, nur die Erklärung, worum es geht, fehlt einfach.
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Das mit wikipedia ist echt bitter. Ich finde auch, dass angesichts einiger bekannter Preisträger die Relevanz eigentlich steigen müsste. Na, mal sehen. Vielleicht wird das ja noch was.
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Ich weiß nicht genau, wie das läuft, aber möglicherweise würde es helfen, wenn ein registrierter User, der schon ganz viele Wikipedia-Artikel geschrieben hat, etwas zu dem Thema einstellt. In Foren ist es ja auch so, dass ein Moderator einem Stammgast eher was durchgehen lässt als einem User mit nur einem Beitrag.
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Klaus N. Frick
Feb 03 2013 15:57
Falls es irgendwie »tröstet«: Als irgendjemand über mich einen Wikipedia-Beitrag einstellte (in dem es auch heute noch von Fehlern wimmelt), gab es eine interessante Diskussion. Haupt-Tenor der Gegner: ein Schundheftredakteur sei ja wohl nicht relevant. Haupt-Tenor der Befürworter: Aber der Herr Frick hat ja auch Zeugs außerhalb der Szene veröffentlicht.
Fazit: Wegen irgendwelcher kleinauflagigen Punkrock-Bücher gibt es jetzt einen Wikipedia-Beitrag über mich, nicht wegen der zwanzig Jahre Arbeit in der immerhin umfangreichsten Science-Fiction-Serie der Welt ... Wikipedia halt.
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Danke für Deinen Bericht!
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