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SF-Dinosaurier



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Anne McCaffrey : Schiffs-Zyklus

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 14 January 2012 · 367 Aufrufe

Von Anne McCaffrey habe ich viel gelesen. Begonnen hatte dies vor Jahrzehnten mit den Romanen um die Drachenreiter von Pern. Gerade die ersten fünf in Deutschland erschienenen Bände lese ich immer wieder, speziell die Geschichten um Menolly und Moreta haben ihre ganz eigene Magie.

Aber meiner Meinung nach sind die Pern-Romane weder ihre besten noch ihre bedeutendsten Werke. Während die ersten Bände noch originell sind, wiederholt sich die Geschichte aus "Dragonflight" und "Dragonsearch" doch regelmäßig, so daß mir das Lesen der späteren Romane des Pern-Zyklus keinen Spaß mehr machte. Nein, mich ganz persönlich haben zwei andere Zyklen von ihr tief beeindruckt, weniger vom Inhalt als mehr von der Machart her. Für mich ganz persönlich sind die Romane aus dem Schiffs- und dem Piraten-Zyklus die bedeutendsten Werke von Anne McCaffrey. Zumindestens haben sie den größten Impact auf meine Bibliothek gehabt.

Ausgangsbasis im Schiffs-Zyklus ist eine Menschheit, die sich weit im All ausgebreitet hat. Krankheiten können und werden mit modernsten Mitteln behandelt. Doch auch in dieser Gesellschaft gibt es Menschen, die unheilbar krank werden. Oder so geboren sind. Und hier bietet diese Menschheit eine Wahl an : Diese Babys können entweder ein Leben als Mensch mit (suboptimalem) Exoskelett führen oder als Zentraleinheit eines Raumschiffes leben. Wobei diese Zentraleinheiten (sogenannte "Brains") sich selbst bewusst sind und sozusagen das Schiff an sich darstellen. Denn statt laufen zu lernen, lernen sie das Fliegen im Weltall. Genauer gesagt sind sie an eine Lebenserhaltungsmaschine in einer Titan-Legierung angeschlossen und ansonsten genauso menschlich wie Du und ich. Nur andere Fähigkeiten haben sie. Und diese Brains sind immobil insofern, als sie sich nicht aus dem Schiff entfernen können. Dazu haben sie dann ihren beweglichen Konterpart, den sogenannten "Brawn".

Das erste Buch des Schiffs-Zyklus ist bereits 1969 erschienen und basiert auf ab 1961 erschienenen Kurzgeschichten um Helva, das Schiff, das sang :

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Anne McCaffrey : The Ship Who Sang
Corgi Books 1980 (4. Auflage)
200 Seiten


Als Kind wird Helva in das Brainship-Programm aufgenommen. Sie entwickelt sich und ihre Fähigkeiten, als Hobby versucht sie, zu singen. Was ihr auch gelingt und sie allgemeine als "das Schiff, das singt" bekannt macht. Sie geht eine innige Beziehung mit ihrem Partner Jennan ein, verliert ihn jedoch bei einem Unfall. Aus der tiefen Depression, in die sie nach seinem Tod verfällt, reisst ihr neuer Partner sie heraus und sie wird das erste Brainship, das mit dem neuesten Interstellar-Antrieb den Pferdekopfnebel erreicht.

Sehr lyrisch und mitreissend ist dieser Roman ein Klassiker, von McCaffrey selbst als einer ihrer besten bezeichnet. Ich habe ihn immer wieder gerne gelesen, weil ich die Kombination aus platonischem Liebesroman und SF hier besonders gut getroffen finde. Erst auf deutsch in der Heyne-Ausgabe, später dann im Original.

Es lies sich nämlich nicht vermeiden, die Geschichten im amerikanischem Original zu lesen, da die Übersetzungen der Fortsetzungen auf sich warten liessen. Wie ich oben schrieb, sind die Geschichten um Helva aus den 60ern, der Roman als solcher 1969 erschienen. Mehr als zwanzig Jahre später, 1992, folgte die erste Fortsetzung mit Geschichten um das Brainship Nancia.

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Anne McCaffrey & Margaret Ball : Partnership
Baen Books 1992
320 Seiten

Auf ihrem Jungfernflug wird Nancia als Transport für reiche Schnösel benutzt, die sich innerhalb der FSP-Gesellschaft unmöglich gemacht haben. Diese Schnösel stellen sich als psychopathische kriminelle Elemente heraus und das Buch erzählt, wie Nancia mit diesen Leuten umgeht.

Tatsächlich erzählt das Buch noch viel mehr : Es kritisiert lautstark das amerikanische Rechtssystem, in dem zufällig erlangtes Wissen und nicht vorschriftsmäßig erlangte Beweise nicht zu einer Verurteilung von Kriminellen führen darf. Dies wird sehr geschickt als psychologisches Problem dargestellt und von den Autorinnen als negative Eigenschaften der Protagonisten zum Leser transportiert.

Die Helva-Geschichten waren noch pure McCaffrey. Das sind auch die einzigen Geschichten des Schiffs-Zyklus, die nicht in Kooperation mit anderen Autorinnen geschrieben wurden. Und diese fremden Einflüsse merkt man deutlich. Sie gefallen mir mal mehr, mal weniger, seltenst überhaupt nicht. Und sie motivierten mich, die Bücher der Co-Autorinnen zu lesen. Und das ist in meinen Augen für mich ganz persönlich Anne McCaffreys grösste Leistung.

Margaret Ball hat sich leider deutlich anderen Hobbies zugewandt, ihren Kindern und dem Quilten. Was schade ist, denn ihre Flameweaver-Bücher haben mir sehr gefallen. Das ist bei der nächsten Co-Autorin etwas anders, sie schreibt noch heute und ich habe nicht wenige ihrer Romane in meinen Regalen stehen :

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Anne McCaffrey & Mercedes Lackey : The Ship Who Searched
Baen Books 1992
300 Seiten

Hypatia Cade, so benannt nach der letzten Bibliothekarin der großen Bibliothek von Alexandria, erwischt ein außerirdisches Virus und wird zu einer Shell Person. Auf den Spuren der "Ancients" verliebt sie sich in ihren Partner und ist die erste Shell Person, die sich einen mobilen Androidenkörper bauen lässt.

Wenn zwei große Geschichtenerzählerinnen mit einem Faible für Liebesgeschichten zusammentreffen, potenziert sich die Story. So auch hier, selten so einen herrlich schmachtenden und dabei wenig kitschigen Roman gelesen. Dies war der Anstoß, mich mit Mercedes Lackey zu beschäftigen und in der Zwischenzeit habe ich einiges von ihr im Regal stehen. Dagegen habe ich vom nächsten Co-Autor bisher noch nichts weiter gelesen, was unter anderem daran liegen könnte, das wenig von ihm ins Deutsche übersetzt wurde, englischsprachige Originalromane immer schwerer zu bekommen waren und Stirling scheinbar erst heutzutage zu Höchstform aufläuft.

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Anne McCaffrey & S.M. Stirling : The City Who Fought
Baen Books 1994
430 Seiten

Diesmal ein Brain als Verwalter einer Sternenstadt, bedroht von Piraten und Plünderern. Deutlich weniger unkritisch als die Vorgänger-Romane gegenüber Brains eingestellt, legen McCaffrey und Stirling hier ein spannendes Kammerspiel vor, das sich zu lesen lohnt.

Der letzte Band des Zyklus, den ich bisher gelesen habe, hat mit gar nicht gefallen :

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Anne McCaffrey & Jody Lynn Nye : The Ship Who Won
Baen Books 1995
330 Seiten

Charialle, das Brainship, und Keff, ihr Partner, entdecken auf einem Planeten eine Technologie, die die beherrschende Klasse zu Magiern macht.

Wie gesagt, überhaupt nicht mein Geschmack, das Buch kann sich nicht entscheiden, ob es Fantasy oder SF ist. Und zum ersten Mal in dieser Serie sind die Protagonisten auch nicht gut beschrieben und ihre Aktionen und Reaktionen nicht wirklich nachvollziehbar. Vielleicht einer der Gründe, warum ich mich nie intensiver mit Jody Lynn Nye beschäftigt habe, was sicherlich ihr gegenüber ungerecht ist.

Aber insgesamt hat mir dieser Zyklus viel gegeben, mich auf neue Autoren aufmerksam gemacht und mich viel sensibler gegenüber dem Stil einzelner Autoren werden lassen. Meines Wissens sind Anne McCaffrey und Marion Zimmer-Bradley auch die einzigen Autorinnen ihrer Generation, die in dieser Art und Weise neue Autorinnen und Fans protegiert haben. Und nicht nur aus ihrer eigenen Clique, Mercedes Lackey kommt aus der Ecke von MZB. Und Mercedes Lackey hat, was ich persönlich wiederum sehr angenehm finde, dieses Prinzip der Kooperationen weitergeführt ("Serrated Edge"-Serie etc.), so daß man durchaus von einem von Anne McCaffrey und Marion Zimmer-Bradley ausgelöstem Schneeball-Effekt sprechen kann. Diese Betreuung des Nachwuchses, diese Weitergabe des Wissens an nachfolgende Generationen halte ich für mich persönlich für die grösste Leistung dieser beiden Autorinnen.

Zurück zum Schiffs-Zyklus : So sehr er mir auch gefällt, gibt es doch deutliche inhaltliche Kritik durch Behindertenverbände. Im heutigen Rückblick muß man auch konstatieren, daß die im Zyklus angesprochenen Behinderungen mit modernen Mitteln ganz anders "behoben" werden könnten, als Anne McCaffrey es sich vor 50 Jahren überlegte. Handy, GPS-System, intelligente Exoskelette, weiterentwickelte Chirurgie machen die Ausgangsbasis der Romane fragwürdig. Man denke nur an die relativ unproblematisch (und teilweise schon gar nicht mehr als "anders" wahrgenommenen) unter uns lebenden Contergan-Kinder. Sarah Einstein sagt dazu :

This is not the sort of future disability advocates envision. No, we see a future without stairs. A world in which people no longer build doorways too small for a power chair to pass through and every raised threshold also has a ramp. One in which all public meetings and performances have a sign language interpreter available and restaurants have large print and Braille menus on hand. We envision a future in which disability—like race, gender, ethnicity, and other identity axes—may inform, but certainly not define, who a person is.

Quelle

Ich kann die Lektüre dieses Essays nur empfehlen. Allerdings, und hier geht mir persönlich die Kritik etwas weit, sollte man berücksichtigen, daß die Romane 50 bzw. 25 Jahre alt sind und inhaltlich auch in ihrer Zeit gesehen werden müssen. Sie haben sich, was die Behandlung Behinderter angeht, schlicht und einfach überholt und sind diesbezüglich veraltet. Andererseits gehen Robert A. Heinlein und Louis McMaster Bujold mit Behinderungen anders um und deren Bücher sind auch nicht gerade taufrisch. Aber da mögen sich berufenere Köpfe drüber unterhalten, für diese Diskussion bin ich einfach nicht weit genug im Thema drin.

Die Romane des Schiffs-Zyklus sind im Deutschen alle bei Bastei erschienen :

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Wer mag, kann sie also auch in der deutschen Übersetzung von Ralph Tegtmeier geniessen.


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Angel

Geschrieben von † a3kHH , 08 January 2012 · 387 Aufrufe



Nach der Trennung von Buffy geht Angel nach Los Angeles und eröffnet eine Detektei. Zusätzlich zu seinen Fällen kämpft er gegen das ultimate Böse in Form einer Anwaltskanzlei.

Deutlich düsterer und wesentlich stärker auf Erwachsene ausgerichtet zeigt dieses Spin-Off von "Buffy" eine faszinierende phantastische Welt. Dämonen, d.h. Dimensionswanderer, sind getarnt in die amerikanische Gesellschaft von L.A. integriert. Sie träumen den amerikanischen Traum, leben und sterben in L.A. wie einheimische Amerikaner – und begehen wie diese auch Verbrechen. Dieses Spannungsfeld zwischen Normalität und Phantastik erinner stark an "Nick Knight", genau wie dort wird aus dieser Dualität ein erheblicher Teil der Faszination der Serie gezogen.

Ein weitaus größerer Teil des Charmes dieser Serie besteht aber ebenso wie bei "Buffy" in den Charakteren. Dabei ist Angel, Hauptdarsteller und zentrale Figur, der Einzige, dessen Potential bereits bei "Buffy" vollständig dargestellt wurde. In "Angel" wird dies, insbesondere auch durch Rückblenden in vergangene Zeiten, noch vertieft, neue Facetten jedoch entdeckt man bei ihm nicht. Das ist aber durchaus positiv zu sehen, denn so bleibt Angel der ruhende Pol, um den herum Freunde und Feinde rasante Entwicklungen erleben. So etwa Cordelia, die zickige High School Queen aus "Buffy". Verarmt und auf der Suche nach Arbeit stösst sie auf Angel und wird in die phantastische Seite von L.A. mit hineingezogen. Im Laufe der Serie wird sie immer erwachsener und man erlebt den Übergang vom Teenager zur selbstständigen und selbstbewussten Frau sozusagen von Folge zu Folge mit. Um so mehr, als Cordelia das romantische Element der Serie darstellt. Ihre Beziehungen werden immer weniger trivial und sind immer mehr von ihr selbst aktiv bestimmt. Von daher kann man sie durchaus als Rollenmodell einer emanzipierten Fantasy-Heldin betrachten, auch und gerade weil sie eben keine waffenstarrende Heroine in absurder Rüstung ist.

Wyndham-Price, ein ehemaliger Hüter, ist bei "Buffy" noch eine Witzfigur. Als diese Witzfigur taucht er auch bei Angel auf der Suche nach Arbeit auf. Innerhalb weniger Folgen wandelt er sich vom komischen Sidekick zum kämpferischen Heroen, teilweise mit tragischen Elementen. Und Spike konnte man auch nicht sterben lassen. Nach seinem heroischem Tod in "Buffy" taucht er als körperloser Geist in L.A. auf und geht Angel ziemlich auf den Geist. Die Dialoge zwischen den beiden sind urkomisch und ein Must-See für Fantasy-Fans.

Insgesamt macht die Serie einfach Spaß, zusammen mit meiner Frau habe ich sie schon mehrfach gesehen. Und es empfiehlt sich, auf die Schauspieler zu achten. Sie konnten sich zunächst in "Buffy" und jetzt in "Angel" entwickeln und "ihre" weiteren Serien ("Veronica Mars", "Bones") sind ebenfalls sehenswert. Speziell auf DVD, da man, ebenso wie bei "Angel", eine durchgehende Geschichte erzählt bekommt. Und da ist es schon empfehlenswert, diese Geschichte nicht in kleinen Wochenhäppchen zu genießen.


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Downton Abbey

Geschrieben von † a3kHH , 07 January 2012 · 400 Aufrufe

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Auf dem SF-Netzwerk als legitimer Nachfolger von "Eaton Place" gehandelt, habe ich die erste Staffel von "Downton Abbey" meiner Frau zu Weihnachten geschenkt. Und nachdem wir sie jetzt gesehen haben, kann ich sie ebenfalls nur weiterempfehlen.

Genau wie bei "Eaton Place" wird parallel die Geschichte der Herrschaft und der Dienerschaft erzählt. Diesmal fokussiert man sich auf das Haus Grantham. Die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Beginn der Elektrifizierung von Downton Abbey, Herrschaftssitz und alte Abtei. Gegen Ende der Staffel wird dort sogar das erste Telefon der Gegend installiert - und der Weltkrieg bricht aus.

Inhaltlich will ich nichts weiter erzählen, um die Spannung nicht vorwegzunehmen. Andererseits sind die Geschehnisse bis zu einem gewissem Grad Standard, schon mehrfachst als Buch und Film erzählt worden. Die Serie zieht auch weniger aus innovativen Plots ihren Charme, als aus sekundären Faktoren, dem "Wie" der Präsentation.

Da sind zunächst einmal die Schauspieler, durch die Bank weg englische Charakterdarsteller, weniger schön als die Schauspieler amerikanischer Serien und daher "echter". Mein besonderer Favorit ist hier Dame Margaret Natalie Smith in der Rolle der Violet Crawley, the Dowager-Countess of Grantham. Bekannt als "liebe" Minerva McGonnagall aus "Harry Potter" zieht sie hier als zickige alte Lady richtig vom Leder. Ihre Auftritte haben mir die ganze Staffel über Spaß gemacht und ich habe fasziniert auf den jeweils nächsten gewartet. Aber, wie gesagt, sie ist mein persönlicher Favorit, das restliche Ensemble ist keinen Deut weniger brilliant. Man denke nur an den Kampf der Köchinnen ...

Ein zweiter Grund für den Erfolg der Serie ist die Erzählweise. Wäre "Downton Abbey" Fantasy, würde man nicht zögern, dies als "High Fantasy" zu deklarieren. Selten waren die Guten so gut und edel und die Bösen so fies und intrigant. Dass man sich hierbei nicht langweilt liegt daran, daß trotz all dieser Klischees die Figuren keine platten Abziehbilder sind, sondern individuelle einzigartige Züge zeigen. Ich denke da zum Beispiel an die Szene im Badezimmer, als eine der wirklich ätzenden Bösen zu sich selbst im Spiegel sagt : "Was machst Du da, Sarah O'Brien ? So bist Du doch gar nicht !" Auch die zurückhaltende zarte Mutter der Heldin gewinnt plötzlich eine einzigartige Kontur, als sie sich im Interesse ihrer ältesten Tochter hart und energisch gegen ihre Mutter stellt. So etwas kann man natürlich nur mit wirklich guten Schauspielern durchziehen, deshab hier nochmals mein Kompliment an das Ensemble.

"Downton Abbey" ist auch eine klassische BBC-Serie. Auch wenn die BBC gar nichts mit der Serie direkt zu tun hat. Denn über Jahrzehnte haben die BBC-Serien einen gewissen Standard definiert, ebenso wie einen ganz eigenen Stil, von dem zeitgenössische englische Serien bzw. Serien mit englischer Beteiligung erheblich profitieren. Das war schon bei den "Tudors" deutlich zu merken und hier, bei dieser rein englischen Produktion wird es noch viel deutlicher. "Downton Abbey" hat den typischen Regie-Stil der BBC-Serien und ist wie alle Klassiker bemüht um Authentizität. So sind etwa die Stoffe echt und nicht, wie in amerikanischen Serien, nachgebildet. Brokat ist Brokat und kein angemalter Billig-Stoff. Das macht sich schon in der Wirkung bemerkbar. Ebenso wie die historische Wirklichkeit, die "Downton Abbey" bei allem Fabulieren enthält. Und damit sind nicht nur die großen globalen und lokalen Ereignisse gemeint, man hat sich auch an echten Menschen und Geschehnissen orientiert. Downton Abbey ist in Wirklichkeit Highclere Castle, Landsitz der Earls of Carnavon. (Da gibt es übrigens ein sehr interessantes Interview mit Ihrer Ladyschaft in den Sonderausstattungen der DVD.) Und genau wie Robert Crawley gab es auch hier, in der Realität, einen Lord, der eine Amerikanerin aus genau dem einen Grund geheiratet hat : Um seinen Herrschaftssitz zu erhalten. Solche Details machen die Serie groß und ich bin schon begierig, die nächste Staffel zu sehen.


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Gini Koch : Aliens in Armani

Geschrieben von † a3kHH , 07 January 2012 · 341 Aufrufe

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Gini Koch : Aliens in Armani (Touched by an Alien)
Piper-Verlag 2011
Deutsche Erstausgabe 2011, Originalausgabe 2010
Aus dem Amerikanischen von Diana Bürgel
400 Seiten, 9,99 €


Die Men in Black sind nicht von der Alien-Aufsichtsbehörde, sondern selber Aliens, die die Menschheit vor den Killer-Sporen aus dem All schützen. Diese verwandeln Menschen in blutrünstige Monster. Die Sporen, nicht die Aliens. Jedenfalls nicht alle. Egal, die Geschichte beginnt, als die Marketingmanagerin Katherine "Kitty" Katt Zeuge wird, als sich ein sich streitender Ehemann in ein echtes Monster verwandelt und Kitty umstehende Zivilisten gerade noch durch den mutigen Einsatz ihres Füllers retten kann. Wie Kitty Katt danach zusammen mit den Aliens in Armani Sporen, Alien-Dissidenten und Monster bekämpft, ihre große Liebe findet und dabei ihr Leben als auch das ihrer Eltern auf den Kopf stellt, erzählt dieser Roman.

Der Titel klang derartig bescheuert, daß ich nicht umhin kam, mir den Roman zuzulegen. "Vampirschlampen im Weltall", dachte ich und erwartete Schrott auf dem Niveau von Stephanie Meyers oder den "Vampire Diaries", bestenfalls eine Jungmädchengeschichte a la Trudi Canavan. Stattdessen fand ich einen witzigen, selbstironischen Frauenroman vor, in dem sich Witz, Action, Ironie und heftige Sex-Szenen die Waage halten. Gini Koch (alias Jeanette Cook) legt mit "Aliens in Armani" den ersten Roman eines Zyklus vor, dessen weitere Bände ich gespannt erwarte. Denn man sehe sich die Bilder der amerikanischen Originalausgabe an :

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Ab dem Anblick des Covers von "Alien Proliferation" hatte Gini Koch engültig bei mir gewonnen. Da gab es doch vor Jahren (1993 um genau zu sein), den wahnsinnig witzigen Film "Undercover Blues" mit Kathleen Turner und Dennis Quaid als abgemusterte Geheimagenten, die ebenfalls als Ehepaar mit Kind unterwegs waren. Nachdem ihr Kind entführt wurde, legten die beiden erst richtig los und amüsierten den Zuschauer (zumindestens meine Frau und mich) 86 Minuten lang. Und daran fühlte ich mich sofort erinnert, als ich dieses Cover sah. Und wenn die Schreibe als auch der Amusement-Faktor der Fortsetzungen das halten, was der erste Band verspricht, steht dem deutschen Leser ein interessantes etwas anderes Leseerlebnis bevor. Uwe Post jedenfalls hätte an dem Chaos-Faktor seine helle Freude ... Wer mehr wissen will, der sei auf Gini Kochs Homepage verwiesen.

P.S. : Was ich bei den Romanen, die ich lese, zwar oftmals geniesse, aber mangels Sachkenntnis wenig zu sagen kann, sind die Cover. Die der Alien-Serie sind von Dan dos Santos und ich finde, sie haben alle ihren ganz eigenen Stil. Es lohnt sich jedenfalls, auf seiner Homepage einmal vorbeizugucken. Auch der Blog "Muddy Colors", der von ihm und diversen anderen Künstlern betrieben wird, ist einen Besuch wert. Allein auf der ersten Seite dieses Blogs habe ich mehr über die Entstehung von Bildern erfahren als ich als absoluter Laie bisher wusste. Um bei dos Santos zu bleiben, verweise ich hier auf seinen Eintrag über die Farbe "Schwarz".


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It glows in the dark ...

Geschrieben von † a3kHH , in Fundstücke 06 January 2012 · 367 Aufrufe

.. der Pac Man Bra. Falls also noch ein nettes Geschenk für Frau oder Freundin gesucht wird, ist dieser BH sicher originell.


Disclaimer : SF-Dinosaurier übernimmt keine Haftung für Beulen und/oder zerbrochene Beziehungen, wenn dieses Mitbringsel nicht konveniert.
:-)


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D. W. Schmidt : Perlamith - Der Graue Berg

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 06 January 2012 · 351 Aufrufe

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D.W. Schmitt : PERLAMITH - Der Graue Berg
Wurdack-Verlag 2011
ISBN 978-3-938065-76-1
208 Seiten, 12,95 Euro


Die Raumflotte von Menz hat den Nachbarplaneten Rogamar angegriffen und besetzt. Jev Maltin, Pilot der Verteidigungsstreitkräfte von Rogamar wird auf eine Geheimmission entsandt, um die Besatzer zu bekämpfen. Schnell wird deutlich, daß Menz und Rogamar nur Stellvertreterfunktionen in der Auseinandersetzung galaktischer Mächte haben und zwischen ihnen und den Interessen der Fernen Erde aufgerieben werden können ...

Der erste Band eines Mehrteilers, in sich abgeschlossen, flott und spannend erzählt. Im Gegensatz zur epischen Breite aktueller Space Operas eher kurz gehalten, empfand ich diesen Roman als angenehmes Leseerlebnis für Zwischendurch. Dies um so mehr, als hier zwar keine tiefgründigen Probleme angesprochen werden, der Autor aber sehr wohl eine profunde Kenntnis klassischer SF aus Buch und Film ("Farscape") in diesen Roman einfliessen liess. Ich bin einmal gespannt auf den nächsten Teil.


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Anne McCaffrey : Killashandra-Zyklus

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 02 January 2012 · 436 Aufrufe

Anne McCaffrey ist tot ! Sie starb im Alter von 85 Jahren am 21. November in ihrem Haus in Irland. Jahrzehntelang hat sie, genauer ihre Romane, mich begleitet. Zeit, einige dieser Romane wieder einmal in die Hand zu nehmen.

Mein allererstes Buch von ihr waren wohl die Drachenreiter von Pern, als Übersetzung bei Heyne erschienen. Die Fortsetzungen davon erschienen auch regelmäßig in Übersetzungen bei Heyne, ansonsten sah es schlecht aus. Und so begann ich vor Jahrzehnten, Anne McCaffrey im Original zu lesen. Weniger die Drachenreiter-Romane, deren Inhalt ich als repetitiv empfand, als ihre anderen Zyklen und Einzelromane. Unter anderem auch die Geschichtem um Killashandra Ree, die Kristallsängerin.

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Anne McCaffrey : Crystal Singer
Del Rey 1982
300 Seiten

Nach zehn Jahren Gesangsausbildung auf dem Planeten Fuerte müssen ihre Lehrer zugeben, daß sie nie ein großer Solo-Star werden wird. Frustriert flüchtet Killashandra aus der Schule und trifft einen Kristallsänger, der durch seine Arbeit offenbar genug Geld verdient, um extrem luxuriös Urlaub machen zu können. Statt eine zweitklassige Gesangssolistin zu werden, beschließ Killashandra Ree, sich auf Ballybran zur Kristallsängerin ausbilden zu lassen und dort Karriere zu machen. Doch das ist nicht ganz ohne Tücken : Die nur auf Ballybran existierenden Kristalle können nur mit einem Schallwerfer, der die menschliche Stimme verstärkt, abgebaut werden. Die Kristalle von Ballybran sind als Teil vieler technischer Geräte wichtig für die menschliche Gesellschaft, insbesondere der Schwarze Kristall erlaubt interstellare Kommunikation. Und während ein auf Ballybran heimischer Symbiont zwar das Leben um Jahrhunderte verlängert, führt er auch zu erheblichen regelmäßigen Gedächtnisverlusten und Paranoia. Killashandra wird zur Kristallsängerin, findet Schwarzen Kristall und installiert ihr erstes interstellares Kommunikationsnetz. (Weitere Details findet man in der englischen Wikipedia.)

"Crystal Singer" ist eine erweiterte Fassung der in den Jahren 1974/1975 in Roger Elwoods "Continuum" erschienenen Kristallsänger-Stories. Im Gegensatz zu diesen Geschichten endet der Roman nicht mit Killashandras Tod, es erschienen auch noch zwei Fortsetzungen. Mich hat an diesem Roman zweierlei fasziniert : Erstens die flüssige Erzählung, Storytelling at its best ! Und zweitens die Verbindung von SF und Musik, vor dreißig Jahren noch ein Novum (zumindestens für mich). Ersteres ist ein Markenzeichen von Anne McCaffrey und hat mich motiviert, auch ihre anderen Romane zu lesen. Im Nachhinein muß ich sagen, daß dies eine sehr gute Entscheidung war, denn die Drachenreiter-Romane wurden immer weniger interessant und wer nur diese kennt, hat ein leicht schiefes Bild der Autorin.

Interessant fand ich an diesem Roman die ausführliche Darstellung des Begriffs der Privatsphäre, den Anne McCaffrey hier zelebriert. Wenn ich auch nicht vollständig mit der Autorin konform gehe, ist die Ausformung dieses Begriffs in einer zukünftigen Gesellschaft in diesem Roman doch ein hochinteressantes Gedankenspiel. Mir ist nicht klar, inwieweit dieses autobiographisch ist. In jedem Fall ist der Beginn des Romans, der Schock nach der Erkenntnis, nie eine große Sängerin zu werden, in großen Teilen von Anne McCaffrey so oder ähnlich erlebt worden. Sie hat selbst neun Jahre lang Musik studiert und musste 1962/1963 feststellen, daß sie in ihrem Hobby nie wirklich große Erfolge feiern würde. Details dazu findet man in der Biographie ihres Sohnes Todd "Dragonholder: The Life and Dreams (So Far) of Anne McCaffrey".

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Anne McCaffrey : Killashandra
Del Rey 1986
370 Seiten

Killashandra Ree geht nach Optheria, um dort ein Musikinstrument, das mit Kristallen arbeitet zu reparieren. Nicht nur deckt sie auf, daß die dortige Regierung mit Gedankenmanipulationen ihrer Bevölkerung terrorisiert, sondern entdeckt auch ihre große Liebe, Lars Dahl.

Ein schmalziger zweiter Teil, eine Mischung aus Liebesroman und Space Opera. Inhaltlich nicht weiter bemerkenswert, jedoch werden hier die Grundlagen für den Abschluß der Trilogie gelegt. Es macht Spaß (mir zumindest), diesen Kitschroman "zwischendurch" zu lesen, Anne McCaffrey zeigt einmal mehr ihre Klasse im Geschichtenerzählen.

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Anne McCaffrey : Crystal Line
Del Rey 1993
300 Seiten

Im dritten Teil der Geschichten um die Kristallsänger ist Killashandra Ree mit Lars Dahl zusammen, trennt sich von ihm und findet wieder zu ihm hin. Dabei gehen auch an ihr die Wirkungen des Ballybran-Symbionten nicht spurlos vorüber, nach mehreren Jahrhunderten ist ihr Gedächtnis ein Sieb und ihre Paranoia deutlichst vorhanden. Wie sie davon geheilt wird und wie das (unausweichliche) Happy End aussieht, erzählt dieser Roman.

Wie an der Inhaltsangabe zu merken, halte ich diese Geschichte, ebenso wie den zweiten Teil, für ziemlich schmalzig. Eigentlich wären diese Romane nicht weiter bemerkenswert, wäre Anne McCaffrey nicht so eine große Erzählerin, die auch in eine solche Liebesschmonzette noch nachdenkenswerte nicht-triviale Punkte einpflegt. Einerseits ist da das ausdrückliche Statement, daß man auch seine Beziehung zum Partner pflegen soll, statt sich einfach scheiden zu lassen, wenn's einem nicht mehr passt. Dies stellt die Autorin sehr klar in der Ehe zwischen Killashandra und Lars dar, die wegen des Gedächtnisverlustes Killashandras in die Brüche geht und nach ihrer Heilung wieder intakt wird. Diese Demenz von Killashandra Ree hat auch noch eine andere Dimension : Meiner Meinung nach ist sie eine deutliche Aussage der Autorin für eine generalisierte Weltsicht und wider das Spezialistentum mit Scheuklappen. Anne McCaffrey zeigt am Beispiel der vollkommen auf das Auffinden von Kristallen fixierten Killashandra, wie eng eine solche Sichtweise werden kann und wieviel einem dabei doch entgeht. Vielleicht überinterpretiert, aber das ist das, was ich aus diesen Romanen herausziehe.

Ein Wort noch zu den amerikanischen Covern, die einen ganz eigenen Stil pflegen. Die Cover der ersten beiden Romane sind von Michael Whelan, in der SF-Szene kein Unbekannter. Eine Übersicht über seine SF-Cover findet man hier, auf seiner Homepage sind weitere faszinierende Bilder zu finden. Und für diejenigen mit etwas zu großer Brieftasche auch einige Originale im Shop. Das Bild des dritten Bands ist von Rowena Morrill, deren Asimov-auf-dem-Thron-Bild ebenfalls allseits bekannt ist. Auch in ihre Homepage lohnt es sich reinzugucken, ein Buchcover kann die Bildkomposition nicht wirklich einfangen. Als Beispiel dazu das Originalbild des dritten Bandes.

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When the legend becomes fact, print the legend !

Geschrieben von † a3kHH , in Fundstücke 31 December 2011 · 394 Aufrufe

Er lebte das Leben eines Filmstars in Rente: Zuletzt malte Schimpanse Cheetah abstrakte Gemälde und spielte Football. Nun verstarb der Primat - angeblich im ungewöhnlich hohen Alter von 80 Jahren.

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Gelesen im August, September, Oktober und November 2011 (III)

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 29 December 2011 · 347 Aufrufe

Ich lese viel moderne SF und Fantasy. Einerseits in meiner Rolle als DSFP-Juror, andererseits bin ich auch neugierig, was sich international aktuell so tut. Doch zwischendurch packt es mich immer wieder und ich brauche klassische SF. Und so habe ich im letzten Halbjahr zum Beispiel wieder einmal zu Roger Zelazny gegriffen :

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Roger Zelazny : Mein Name ist Legion (My Name is Legion)
Deutsche Erstausgabe 1980, Originalausgabe 1976
Übersetzung von Jens Röser
Bastei-Lübbe 21133


In Naher Zukunft wird die Welt total vernetzt, die Daten aller Bürger in einem Zentralcomputer gespeichert. Doch einer der Programmierer bekommt in letzter Minute Zweifel und löscht seine Daten aus dem System. Nicht mehr existent laut Computer arbeitet er als einer der letzten Privatdetektive, hauptsächlich in den Fällen, in denen das System, repräsentiert durch eine (die ?) Strafverfolgungsbehörde, nicht mehr weiterkommt.

Dies ist kein Roman, sondern eine Sammlung dreier Kurzgeschichten :
  • Rumokos Sohn (The Eve of Rumoko, 1969)
  • 'Kjawalll'kje'k'koothai'lll'kje'k (1973)
  • Daheim ist der Henker (Home is the Hangman, 1975)
In typischem Zelazny-Stil zeigen diese Stories eine leicht depressive Welt, die durch die Hoffnung, repräsentiert durch den Protagonisten, sich noch zum Besseren wenden kann. Ansonsten kann man diese Geschichten mit Fug und Recht als einfache SF-Kriminalstories kategorisieren. Allerdings derartig gut geschrieben, daß die letzte ("Home is the Hangman") sogar einen Nebula Award erhielt. Ich mag diesen realistisch-optimistischen Ansatz, es macht immer wieder Spaß, diese Stories zu lesen.

Und als ich so vor meinen Regalen stand und nach Klassikern suchte, kam ich auf Harry Harrison. Zu ihm muß man wenig sagen, "Deathworld", die Stahlratte, Soylent Green : Alles aus seiner Feder. Und alles lesenswert. Aber diesmal blieb ich bei Goldmann hängen :

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Harry Harrison : Brüder im All (Two Tales and Eight Tomorrows)
Deutsche Erstausgabe 1968, Originalausgabe 1965
Übersetzung von Hans-Ulrich Nichau
Goldmann SF 097


Auch dies ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten aus den Jahren 1958-1965 :
  • Brüder im All (Final encounter ,1964)
  • Der dritte Jon (Captain Bedlam ,1957)
  • Kannibalen (The pliable animal ,1962)
  • Kapitaen Honario Harpplayer (Captain Honario Harpplayer, R.N. ,1963)
  • Der Missionar (The streets of Ashkelon ,1962)
  • Rettungsaktion (Rescue operation ,1964)
  • Das Selbstportrait (Portrait of the artist ,1964)
  • Tod durch Unfall (Unto my manifold dooms ,1964)
  • Was Teddy sagt, wird gemacht (I always do what Teddy says ,1965)
  • Wegen besonderer Faehigkeiten (According to his abilities ,1964)
Es fehlt allerdings die Einführung von Brian Aldiss, die in der Originalausgabe die Geschichten einleitet. Zu den Geschichten selber : Was soll man dazu sagen ? Klassische amerikanische SF der Goldenen Jahre, allerdings mit einem deutlich weiterem Horizont geschrieben, als man aus den USA erwarten kann. Denn die Harrisons haben ihren Urlaub oft in Europa verbracht, die nationalistische Scheuklappensichtweise, die bei aller Liebe doch die US-amerikanische SF dominiert (hat ?), fehlt bei Harrison.
Wie gesagt, man kann über jede einzelne der Geschichten einen längeren Blog-Eintrag schreiben. Ich möchte hier nur eine hervorheben, "Der Missionar". Die Wesker kennen keine Gewalt und keine Religion, der Händler John Garth bringt ihnen stattdessen die wissenschaftliche Methodik bei. Als ein Missionar auftaucht und den Weskers von Gott erzählt, wenden sie diese wissenschaftliche Technik auf ihn an und kreuzigen ihn. Theoretisch hätte er nach drei Tagen auferstehen sollen, aber wie zu erwarten misslingt das Experiment. Stattdessen stellen die Weskers fest, daß sie jetzt Mörder sind. Deprimierend und ohne Happy-End kritisiert Harrison in dieser Story beide Extreme, die rein wissenschaftliche ebenso wie die rein religiöse Sichtweise. Wenn man die christlichen Fundamentalisten in den Staaten heutzutage betrachtet, haben diese und ähnliche frühzeitige Warnungen wenig gefruchtet.

Und gelesen habe ich auch wieder einen meiner Lieblingsromane :

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Alan Dean Foster : The Man Who Used the Universe
Warner Books, New York 1983
315 Seiten

Erzählt wird die Geschichte von Kees van Loo-Macklin, aufgewachsen in einem Kinderheim. Seine ersten Schritte als Kleinkrimineller, der Aufbau seines kriminellen Imperiums, sein Wandel zur legalen Seite der menschlichen Gesellschaft bis hin zur Position des Herrschers des menschlichen Imperiums (für die, die das Buch schon gelesen haben : ;-) ) ist immer wieder ein Genuß. Faszinierend auch, das Foster die ganze Geschichte an einer rein psychologischen Motivation des Protagonisten aufhängt. Die Motivation des "Helden" ist das Kindheitstrauma des Verlassenwerdens durch die Mutter und der daraus resultierende Kontrollzwang. Ich les' den seit Jahren im amerikanischen Original, das Buch ist schon ziemlich derangiert. Ist aber auch auf Deutsch erschienen unter dem Titel "Dunkle Mission", Knaur SF 5789.

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Andreas Eschbach : Herr aller Dinge

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 26 December 2011 · 323 Aufrufe

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Andreas Eschbach : Herr aller Dinge
Lübbe Hardcover 2011
690 Seiten, 22 €
ISBN 978-3785724293

Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters, und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Als er und Charlotte sich Jahre später wieder begegnen, sieht er dies als Zeichen des Himmels, dass sie beide schicksalhaft miteinander verbunden sind. Er beschließt, seine Idee umzusetzen und die Welt in einem Maße zu verändern, wie dies noch nie zuvor jemand versucht hat – denn nur so, sagt er sich, wird er Charlottes Liebe gewinnen. Er ahnt nicht, worauf er sich einlässt. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn auf die Spur eines uralten Geheimnisses: Es hat schon einmal eine hoch entwickelte Zivilisation gegeben – und sie hat das schrecklichste Verbrechen des Universums begangen… (Klappentext)

Als Kind hat Hiroshi die Eingebung, wie man alle sozialen Probleme auf einen Schlag beseitigen kann : Geld ist nur eine Wertschätzung von Arbeit und Arbeit kann man durch die Entwicklung eines sich selbst produzierenden Roboters überflüssig machen. Dann können die Menschen wieder ihren Neigungen nachgehen. Zusammen mit seiner Freundin Charlotte, Tochter des französischen Botschafters in Japan und Medium, verfolgt er sein Leben lang diesen Traum. Da werden auf einer Insel im sibirischen Eismeer außerirdische Naniten gefunden ...

Ein typischer Eschbach, übersprudelnd vor Ideen, die in alle Richtungen führen. Davon enden jedoch sehr viele im Nichts, so daß man als Leser am Ende des Romans sich etwas unbefriedigt fühlt. Dies tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch, der Roman liest sich flüssig und Eschbach zeigt ein weiteres Mal, was für ein großer Erzähler er ist.

Doch trotzdem bleibt der Roman etwas unentschlossen zwischen Jugendbuch und Erwachsenenliteratur stehen, so als wäre sich der Autor nicht sicher gewesen, für welche Zielgruppe er schreibt. Einerseits sind Figurenzeichnungen und der gesamte Plot einfach gestrickt, ideal für Kinder und Jugendliche. Andererseits zeigt Andreas Eschbach Ideen und Verhaltensweisen auf, deren Konsequenzen relativ komplex sind und die deutlich auf ein erwachseneres Publikom zielen. Oftmals werden diese Ideen jedoch nur angerissen, nicht ausgeführt, so daß ich nicht weiss, was ich davon halten soll. Mein ganz persönlicher, subjektiver Eindruck ist, daß die gleichzeitig von Eschbach geschriebene brilliante Jugendbuchserie, die mit Black*Out begann, sozusagen in diesen Roman herübergeschwappt ist.

Ein Wort noch zu dem Druckfehler "PatriCIA", der durchgängig im Roman vorhanden ist. Wie Andreas Eschbach im Lesezirkel auf SF-Fan sagte, ist dies ein Alleingang eines Setzers gewesen, der nach der finalen Abnahme noch Verbesserungen meinte einfügen zu müssen.


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Stefan Burban : Nahende Finsternis

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 24 December 2011 · 385 Aufrufe

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Stefan Burban : Nahende Finsternis
Der Ruul-Konflikt #3
Atlantis-Hardcover 2011
280 Seiten

Das Asalti-System scheint von den Ruul annektiert worden zu sein. Zwei terranische Erkundungsteams werden zur Aufklärung ausgesandt. Insbesondere das Schicksal der Bevölkerung, der pazifistischen Asalti, ist unklar. Die Entdeckungen der Terraner sind schockierend : Die Asalti werden als biologische Steuereinheiten der Ruul-Kampfschiffe mißbraucht. Und die Großinvasion beginnt ...

Der dritte Band des Ruul-Konflikts, der zweite, der bei Atlantis als Hardcover herausgegeben wurde. Und wie schon sein Vorgänger, "Düstere Versuchung", ist auch dieser Roman spannende Military SF der intelligenteren Art.

Deutlicher noch als beim ersten Hardcover lässt Stefan Burban hier seine Protagonisten plastisch werden und vermeidet billige Klischees. Und dies nach beiden Seiten hin : Weder beschreibt er dumpfe "Yessir"-Soldaten noch oktroyierte er jedem Handlungsträger eine tiefe seelische Krise auf. Diese "Normalität" hat mir besonders gut gefallen.

Die Idee der biologischen Schiff-Prozessoren ist klar und deutlich von "Babylon 5" geklaut. [Die diese Idee übrigens wiederum von Anne McCaffrey übernommen hatten, dazu demnächst mehr.] Der Autor führt dies aber im vorliegendem Band nicht weiter aus und da die Ruul auch deutlich anders als die Schatten beschrieben werden, bleibt abzuwarten, was Stefan Burban in den nächsten Romanen aus diesem Konzept macht. Da keine Telepathen in Sichtweite sind, hat dieses Szenario durchaus das Potential, zu einer innovativen Hommage zu werden.

Genau wie im ersten Hardcover ist die Handlung spannend und bietet einiges an überraschenden Wendungen. Mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist die geringe Eindringtiefe in die Gesellschaft der Ruul. Gerade im Vergleich mit dem von mir erst vor kurzem gelesenen Roman "Eobal" und dem "Dominic Flandry"-Zyklus fällt dieses Manko deutlich auf. Hier hätte ich mir eine stärkere Charakterisierung der "Bösen" gewünscht.

Auch die Gesellschaftsstruktur des Asalti bleibt blaß. Dies ist aber offenbar auch genau die Intention des Autors, denn ihr Hauptmerkmal, der Pazifismus, wird deutlich dargestellt und beleuchtet. Im Rahmen der Invasion der Ruul wird er auf die Probe gestellt und Stefan Burban nimmt hier deutlich Stellung gegen einen absoluten Pazifismus bis hin zur Selbstaufgabe. Das hat mir gefallen, denn ich persönlich teile genau diesen Standpunkt. Wie aber Gandhi gezeigt hat, ist dieser Standpunkt keinesfalls der einzig funktionierende, wie es im Roman suggeriert wird. Auch hier hätte ich mir eine kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht.

Als Fazit kann man festhalten, daß die Ruul-Romane bisher spannende und angenehm lesbare MilSF-Geschichten sind, die sich nicht hinter ihren amerikanischen Vorbildern verstecken müssen. Im Gegenteil : Da jeder Roman eigenständig lesbar ist und nicht die Detailkenntnis seiner Vorgänger erfordert, ist der Ruul-Zyklus eine angenehme Abwechslung zu den aktuellen Fortsetzungsromanen angloamerikanischer Provenienz. Ich warte auf jeden Fall schon ungeduldig auf den nächsten Band.


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Gelesen im August, September, Oktober und November 2011 (II)

Geschrieben von † a3kHH , 23 December 2011 · 240 Aufrufe

Zyklen lese ich gerne. Sie haben den ausgesprochenen Vorteil, daß ich nicht vor der Qual der Wahl stehe, was ich als nächstes lesen soll. Und dem Geläster meiner Frau entgehe, wenn ich vor meinen SF-Regalen stehe und ihr sage, ich hätte nichts zu lesen. :-) Nichtsdestotrotz lese ich auch Einzelromane, so auch im letzten halben Jahr.

Neugierig geworden durch einige zielmlich gute PR-Einzelromane, habe ich mir den ersten Band der Serie "2012" besorgt :

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Las sich ganz nett, war allerdings ein echter Trivialroman. Also nix für den Intellekt, aber eine angenehme Abwechslung für Zwischendurch. Ich habe die Serie allerdings nicht weiterverfolgt, da es etwas schwierig war, die Hefte zu bekommen. Die Kioske in meinem Viertel, in denen ich nachfragte, hatten die Serie nicht, und die Energie, danach zu suchen, brachte ich mangels Interesse nicht auf.

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Sehr viel Spaß haben mir die Ausgaben des Andromeda Science Fiction Magazins des SFCD gemacht. Beide Ausgaben, der Sonderdruck No.4 und das ASFM 151, beschäftigen sich mit "Perry Rhodan". Zwischen diesen beiden Ausgaben liegen allerdings 15 Jahre und, wenn ich das richtig sehe, 2000 Heftromane. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) sind beide Ausgaben sehr lesenswert, ASFM 151 habe ich hier im Detail besprochen. Ein Muß für jeden PR-Fan.

Als wir in Bergedorf beim Stadtfest waren, musste ich natürlich den dortigen Bücherstand durchforsten. Und fand einen Band von Alan Dean Forster :
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War allerdings nicht mein Geschmack, das Thema habe ich schon besser abgehandelt gelesen und der Roman ist seltsam unentschlossen, wohin er sich denn entwickeln will.

Skeptisch, aber mit Spannung, habe ich den ersten Roman der neuen PR-Serie erwartet. PR Neo startete mit "Sternenstaub" von Frank Borsch. Gerade von diesem Autor habe ich tolle Romane gelesen, tatsächlich war seine Schreibe in den "Alien Earth"-Romanen und den PR Extras der Grund, warum ich mich wieder für PR zu interessieren begann.

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Im Vergleich zu dem Klassiker "Unternehmen Stardust" von K. H. Scheer hat mir dieser Roman allerdings überhaupt nicht gefallen. Ebensowenig wie einige Romane der aktuellen Erstauflage. Von der Story der EA als auch Neo, die ich durch die Spoiler-Threads weiterhin verfolge, einmal ganz abgesehen. Aber vielleicht bin ich einfach zu alt für PR, vielleicht ist gerade diese Serie stark mit Reminiszenzen an meine Kindheit behaftet. Das würde auch erklären, warum ich die "Christoph Schwarz"- und "Schatzjägerin"-Romane von Gunter Arentzen relativ begeistert lese, während PR und andere aktuelle (!) Heftromane mich nicht mehr so interessieren. Im Gegensatz zu mir gibt es übrigens eine gar nicht so kleine Fan-Gemeinde von PR Neo, siehe dazu die entsprechenden Threads im Neuen Galaktischen Forum und im SF-Netzwerk. Ich empfehle also jedem, sich seine eigene Meinung zu bilden.


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Gelesen im August, September, Oktober und November 2011 (I)

Geschrieben von † a3kHH , 22 December 2011 · 281 Aufrufe

Irgendwie ist das mit meiner Leselisten-Disziplin nicht weit her, ich hänge immer wieder ziemlich zurück. Aber ich versuche einmal, meine Leseeindrücke des vergangenen halben Jahres zu beschreiben, so vollständig es eben geht.

Gelesen habe ich wieder einmal die Serrano-Geschichten von Elizabeth Moon.
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Klassische Military-SF, in der das Verhältnis des Militärs zur Zivilregierung beleuchtet wird. Eine ausführliche Rezension habe ich hier geschrieben.

Dann kam der Fandom Observer heraus und ich wurde auf die Kim Harrison-Romane über Rachel Morgan aufmerksam.

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Romantic Fantasy der intelligenteren Art, Details hier.

Und wo wir gerade bei den Zyklen sind : GRRMs "Lied von Eis und Feuer" habe ich auch gelesen. Die Bände habe ich vor einem Jahrzehnt bereits gekauft und nach dem viertem Band Mangels Interesse aufgehört. Nach dem Hype um die HBO-Serie nahm ich mir die Bände noch einmal vor :

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Ich muß allerdings sagen, daß sich mein damaliger Eindruck bestätigt hat, die Serie gefällt mir überhaupt nicht, Details dazu hier. Jedoch hatte ich beim Lesen den Eindruck, daß man bei radikalen Kürzungen hieraus eine sehr gelungene TV-Serie machen kann. Ich bin einmal gespannt auf die DVD.

Ein weiterer Zyklus, den ich genossen habe, sind die Geschichten um Eddie Drood von Simon R. Green :

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Mein Name ist Bond, Shaman Bond. Ich bin der Wächter der Menschheit mit der Lizenz, dem Übernatürlichen in den Arsch zu treten.

Na ja, eigentlich heisse ich Eddie Drood, Shaman Bond ist nur mein Deckname. Wenn man zu den Droods gehört, die die Menschheit seit den Tagen König Arthurs vor Aliens und Dämonen beschützen, legt man sich besser ein Pseudonym zu. Denn nur aus einem einzigem Grund haben Gespenster, Ghule und glubschäugige Monster die Welt noch nicht übernommen : Weil meine Familie sich ihnen in den Weg gestellt hat. Wir hüten die Tür, wir schützen euch vor dem Bösem Wolf. (dem Klappentext nachempfunden)
Lohnt sich, hat mir beim Lesen echt Spaß gemacht, siehe hier.


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Ronald M. Hahn : Captain Enfick

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 10 December 2011 · 524 Aufrufe

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Ronald M. Hahn : Captain Enfick
Unitall / HJB 2011
190 Seiten
ISBN 9-783905-937657

Nobby Enfick, genannt "Captain", gelangt in den Besitz einer Zeitmaschine, reist zurück ins Jahr 1934 und ändert damit die Geschichte.

Wie man der Inhaltsangabe entnehmen kann, ist die Handlung weder besonders innovativ noch neu. Tatsächlich bezieht der Roman seine Wirkung mehr aus dem "Wie" als aus dem "Was" der Geschichte. Ronald M. Hahn hat hier eine flammende Brandrede gegen den Multikulti-Kult der heutigen Linken geschrieben. Man merkt, das ihm das Thema am Herzen liegt.

Schade nur, das Stil und Inhalt diesem Anspruch des Autors nicht standhalten. Zunächst einmal fragt sich der geneigte Leser, warum zum Teufel Hahn hier primitiv-vulgäre Verunglimpfungen des Fandoms vornimmt, wenn er dies in geschliffener Kritik in Nebensätzen deutlich präziser und wirkungsvoller erreicht. Die Analogie "Nobby Enfick = Klaus N. Frick" ist weder besonders geschmeidig noch für die Geschichte notwendig. Ein neutralerer Name wäre hier wesentlich geschickter gewesen. Und was sollen so primitive Verballhornungen wie "Gumminasium" ? Mit diesem klamaukigem Quatsch versaut der Autor seine Kritik an dem Quoten- und Gleichmacherei-Fimmel gewisser linker Kreise, die laut Hahn zu Auswüchsen führen können wie Abiturverlosungen (denn man kann doch nicht einen Doofen diskriminieren, indem man Leistung von ihm fordert) oder Diskriminierung von Deutschen durch Bevorzugung von Personen mit Migrationshintergrund, die bereits in der vierten Generation vom Sozialamt leben und ja lt. Fama immer noch von den Deutschen diskriminiert werden. Dieses, ebenso wie seine beissende und nicht ganz unzutreffende Kritik am Perry Rhodan-Fandom, geht aber unter in Hahns vulgärem Klamauk, der das gesamte Buch durchzieht. Hier wäre der Lektor gefragt gewesen.

Und das ist auch der Vorwurf, den ich Hans Joachim Bernt, dem Herausgeber und Eigentümer des HJB-Verlages mache. Dieses Buch ist nicht wirklich lektoriert, man war viel zu interessiert daran, diesen Roman um jeden Preis schnell zu veröffentlichen. Verständlich, aber ein Fehler. Statt hier klar und deutlich auf die Mängel hinzuweisen und Ronald M. Hahn zu einer Überarbeitung zu bewegen, wurde dieser suboptimale Roman angenommen, um die Gesellschaft der in meinen Augen fragwürdigen Romane der "Verbotenen Zone", die HJB unter diesem Label veröffentlicht, zu veredeln - und zu verharmlosen. Eine solche Aufwertung wäre mit einem ambitioniertem Lektorat meiner Meinung nach sogar möglich gewesen. Aber so hat HJB weder seine "Verbotene Zone" interessanter und weniger unangenehm (für mich zumindestens) als bisher gemacht, noch dem Autor einen Gefallen getan. Bedauerlich, wirklich schade. Denn linkskonservative Science Fiction der intelligenteren Art wäre schon eine interessante Lektüre.


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Dirk van den Boom : Eobal

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 27 November 2011 · 317 Aufrufe

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Dirk van den Boom : Eobal
Atlantis-Verlag 2011
170 Seiten
ISBN 978-3-941258-58-7 (Paperback)

Casimir Daxxel ist Konsul der "Galaktische Akte" auf Eobal, einer Randwelt zwischen dem terranischen Hoheitsgebiet und dem Imperium der reptiloiden Meraner. Eines Tages erhält er nicht nur Unterstützung durch den Marine-Sergeant Josefine Zant als Leibwächterin, sondern findet auch die Leiche seines Freundes Dhloma, des turulianischen Botschafters, im Foyer seines Konsulats vor. Auf der Suche nach seinem Mörder überstürzen sich die Ereignisse …

Ein Diplomat der Sterne ? Das erinnert mich sofort an James Retief. Reptiloide Meraner, turulianische Welten als Puffer zwischen ihnen und den Terranern ? Das hat doch eine starke Ähnlichkeit mit der Umgebung von Dominic Flandry. Einen Roman zu schreiben, der inhaltlich so nah an den klassischen Romanserien von Keith Laumer und Poul Anderson ist, finde ich mutig. Und so habe ich mich neugierig mit den beiden Serien im Hinterkopf ans Lesen von "Eobal" gemacht.

Und wurde ausnehmend positiv enttäuscht. Denn die Ähnlichkeiten sind nur sehr oberflächlich, Dirk van den Boom vermeidet jegliche tiefergehende "Hommage" an diese großen Serien. Stattdessen ist "Eobal" ein eigenständiger und flüssig lesbarer SF-Kriminalroman mit einigen ganz eigenen Vorzügen. Casimir Daxxel ist kein omnipotenter Held, der mit Witz und Charme jede Situation elegant meistert, sondern ein Mensch wie Du und ich, der aus einer verfahrenen Lage das Beste macht. Dabei nutzt Dirk van den Boom diesen "Mr. Everybody" aus, um augenzwinkernd einige Seitenhiebe auf das männliche Geschlecht loszuwerden. So wird unser Daxxel regelmäßig durch den Hüftschwung weiblicher Wesen (menschliche als auch menschenähnliche Außerirdische) von seinen Untersuchungen abgelenkt – eine zwangsläufige Reaktion, wie jeder Mann bestätigen kann.

Ein weiterer Vorzug dieses Romans ist die kompromißlose emanzipierte Darstellung der Frauen. Sie reden nicht über Emanzipation, sondern sind emanzipiert, gleichberechtigt den männlichen Konterparts gegenüber. Dabei stellt van den Boom keine utopische Idealgesellschaft dar, sondern weist auch deutlich auf antiemanzipatorische, biologisch bedingte Traditionen hin, die Männer immer noch bei der Karriere bevorzugen. Nichtsdestotrotz wissen sich van den Booms Protagonistinnen zu behaupten und ihre männlichen Kollegen zu manipulieren und oftmals auch zu dominieren. Die Lösung des Kriminalfalls unterstreicht dies nochmals deutlich.

Im Unterschied zu Keith Laumer und Poul Anderson stellt Dirk van den Boom die reptiloiden Meraner deutlich differenzierter dar und gibt im Verlauf der Geschichte auch Einblicke in die Geschichte und Sozialstruktur dieser außerirdischen Gesellschaft. Daß Daxxel von einem tödlich verwundeten, mit klassischen Vorurteilen gegen diese ausländischen Menschen behafteten Meraner, adoptiert wird, fand ich sehr faszinierend und lässt mich auf eine eventuelle Fortsetzung hoffen.

Ein letzter, nicht zu unterschätzender Vorzug von "Eobal" ist seine Länge. Mit Seite 170 ist die Geschichte abgeschlossen, keine Cliffhanger oder ungeklärte Handlungsstränge. Das oben angesprochene lose Ende ist das Einzige, daß eine Fortsetzung andeutet. Also kein Ziegel, keine Trilogie, maximal der Beginn einer Reihe unabhängiger, in sich abgeschlossener Romane. In dieser Form erinnert mich "Eobal" an die glorreichen Zeiten der "Heyne Science Fiction und Fantasy", als in den 60ern und 70ern auch kürzere, in sich abgeschlossene Romane noch eine Chance hatten, veröffentlicht zu werden.

Insgesamt ein lesenswerter Roman, als Weihnachtsgeschenk sehr zu empfehlen. Speziell als Hardcover, die edle Ausführung mit Lesebändchen der "Edition Atlantis" macht beim Lesen einfach mehr Spaß als ein "einfaches" Taschenbuch. Ich selber hoffe, demnächst mehr von Casimir Daxxel und Josefine Zant alias "Schnuppsi" zu lesen.


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Harald Giersche (Hrsg.) : Prototypen

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 26 November 2011 · 504 Aufrufe

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Harald Giersche (Hrsg.) : Prototypen und andere Unwägbarkeiten
ISBN 978-3-981394603
Begedia-Verlag 2011
phatastic episodes V
200 Seiten

Christian Endres : Das erste Orakel
Ein Mann ist auf der Suche nach dem ersten Orakel, das ihm die dringendste Frage seines Lebens beantworten soll. Seit einem Vierteljahrhundert ist er schon auf der Suche danach, Frau, Familie, Freunde und sonstige soziale Kontakte hat er weit hinter sich gelassen. Als er auf einem einsamen Planeten havariert, findet er das Objekt seiner Begierde. Doch die Antwort des Orakels ist eine andere, als er es erwartet hat.
Nette Pointen-Story, die ihren Charme jedoch hauptsächlich durch das vermittelte Gefühl gewinnt. Endres hat hier die Einsamkeit und den egozentrischen Fanatismus des Suchers beeindruckend eingefangen.

Dirk Ganser : Das Leuchten in der Ferne
Um Tschernobyl herum leben die verstrahlten Ureinwohner, "Nachkommen der Pioniere, die die Auswirkungen fehlerhafter Abschirmungen auf die Umwelt beobachtet und dokumentiert haben". Und sie gehen ritualisiert immer noch der gleichen Tätigkeit nach.
Hochmoralische Geschichte, bei der der erhobene Zeigefinger aus jeder Zeile spriesst. Seit Ende der 80er ist dieser Stil ebenso wie die triviale Weltsicht überholt, Moderne geht anders.

Sven Klöpping : Der Entwicklungsplanet
Auf dem Entwicklungsplaneten kämpfen neue Robotermodelle gegen alte, um sich zu optimieren und irgendwann im Krieg der Menschen verheizt zu werden.
Nette Geschichte, der der letzte Kick fehlt. Allerdings gelingt es Klöpping ziemlich gut, den Standpunkt eines Roboters darzustellen und alles aus seiner Perspektive zu erzählen.

Miriam Pharo : Der Junge
Die Menschheit ist von einer Seuche praktisch ausgerottet, allein sucht eine Frau nach weiteren Überlebenden. Da trifft sie auf einen Jungen ...
Bissig, böse, pointiert : So eine Kurzgeschichte liest man gerne. Tatsächlich habe ich nach dem brutalem Ende fast zwangsläufig wieder zum Anfang zurückgeblättert und die Geschichte unter ganz anderen Vorzeichen noch einmal genossen. Zwar eine Pointen-Story ohne tieferen philosophischen Hintergrund, aber dafür eine der oberen 10%.

Lucas Edel : Der Tag der Zikade
Joe Finrich ist einer dieser lieben, netten,absolut uneigennützig handelnden Menschen. Und so bleibt er beim Exodus der Menschen von der Erde als Einziger zurück.
Lucas Edel stellt exemplarisch an einem SF-Szenario den Egoismus und die Ellenbogenmentalität der heutigen Gesellschaft in all seinen vielen Facetten dar. Mir persönlich etwas zu moralisch, doch insgesamt habe ich die Story genossen.

Frank Lauenroth : Goldene Zeiten
Ein Wissenschaftler entwickelt eine Verbindung von Gewehr und Zeitmaschine. Was Attentätern ganz neue Perspektiven aufzeigt ...
Eine frisch von der Leberweg erzählte und sehr gelungene Kriminalgeschichte, eine Mischung aus einem Asimov-SF-Krimiklassiker und einem Bogart-Film. Eine der besten Geschichten dieser Anthologie, die mich jetzt sehr neugierig auf "Boston Run" gemacht hat.

Thorsten Küper : Handlungsreisende
Die Corporation hat die Umwelt der Erde endgültig ruiniert, ihre Manager versuchen, sich ins All abzusetzen. Dort erwarten sie jedoch Piraten ...
Gut erzählt, aber insgesamt doch etwas platt. Der Story fehlt es an inhaltlicher Tiefgründigkeit, was die unzweifelhaft gelungenen Charakterisierungen der Piraten konterkariert. Schade, denn so bleibt die Story nur Mittelmaß.

Heidrun Jänchen : Die Isolierbox
Auf einer Erde der Nahen Zukunft werden drei gegen Radioaktivität immune Mutanten zur Bergung von Forschungsergebnissen eingesetzt. Einer stirbt, die anderen beiden fliehen vor der Käfighaltung durch das Militär.
Gut und spannend geschrieben, aber insgesamt belanglos.

Heinz Löbel : Zeiten
Harvey flieht mit der von ihm konstruierten Zeitmaschine vor der Gängelung und Bevormundung durch den Konzern, für den er sie entwickelt hat. Dann versucht er, die Zeitmaschine in der Vergangenheit zu zerstören ...
Inkonsistent und unlogisch, die Geschichte ist einfach nicht gut durchdacht. Was schade ist, denn stilistisch ist sie eigentlich gar nicht so schlecht.

Frederik Brake : pax vobiscum
Eine Art Steampunk-Version des Ersten Weltkriegs, in dem die Soldaten mit cybernetischen Ersatzteilen versorgt werden und nach und nach ihre Menschlichkeit verlieren. Kompromißlos erzählt Frederik Brake dies aus der Sicht eines jungen Patrioten, der sich schwerverletzt im Krankenhaus mit einem desillusioniertem Cyborg unterhält. Eine hervorragende Antikriegsgeschichte in der Tradition Remarques.

Nina Horvath : Die Duftorgel
Die Kommunaktion mit Aliens, die alleine durch Gerüche kommunizieren, ist schwierig. Iva Giese hat ein Kommunikationsgerät prototypisch entwickelt und rettet damit einen jungen Wissenschaftler. Obwohl sie für eine solche Rettungsmission nicht wirklich qualifiziert ist, wird sie von ihren Mitwissenschaftlern dazu gedrängt. Die zu allem Überfluß diese Mission auch noch versuchen zu sabotieren ...
Eine nette Geschichte, soweit es die Kommunikation mit den Aliens und den Rettungsversuch geht. Bis dahin auch in meinen Augen gut, aber nicht weiter bemerkenswert. In meinen Augen brilliant wird die Geschichte ab dem Zeitpunkt, an dem die Archäologie-Studentin Nina Horvath sich kritisch mit der wissenschaftlichen und universitären Gesellschaft auseinandersetzt. Hier zieht sie plötzlich vom Leder und setzt bisssige Kommentare ab, daß man sich den letzten Teil der Geschichte genüßlich auf der Zunge zergehen lassen kann. Würde sie eine SF-Geschichte schreiben, die sich nur in diesem Milieu bewegt, wäre diese zweifelsohne preiswürdig. Mir persönlich hat "Die Duftorgel" genau und nur wegen dieses letzten Teils ganz besonders gut gefallen.

Uwe Post : Träumen Bossgegener von nackten Elfen ?
Post hat wieder zugeschlagen. In seiner neuesten Story kämpfen sich drei Level-200-Charaktere durch ihr düsteres Fantasy-Universum, als dieses sich plötzlich mit dem nahegelegenem HAPPYLIFE, einer Casual-Welt mit rosa Ponys und fliegenden Herzchen, vermischt. Konsterniert gehen unsere Helden auf die Suche nach dem fiesem Bossgegner, der alles verursacht haben muß. Oder doch ein Programmierer-Bug ?
Gewohnt chaotisch überhöht Uwe Post hier die Stereotypen virtueller Welten und wirbelt sie gekonnt durcheinander. Die Kreativität dieser Story ist unglaublich, die feinen Details machen den besonderen Charme der Postschen Creation aus. "Die Konstrukteure des Ganzkörper-Rollenspiels MAGEDAWN hatten sich nicht um den Unterschied zwischen den Geschwindigkeiten von Licht und Schall geschert. [...] Die allgegenwärtigen Stufe-1-Ratten [...] In der ewigen Dämmerung von MAGEDAWN ging zum ersten Mal die Sonne auf. Und sie zeigte ein lachendes Gesicht." Mein persönlicher Favorit dieser Anthologie.

Niklas Peinecke : 300 PS intravenös
Werbung per Mücken hat so seine Tücken ...
Eine nette, kurze und bitterböse Extrapolation heutiger Werbemethoden. Lesenswert, insbesondere auch wegen der Auswahl und Darstellung der Protagonisten der Geschichte.

Merlin Thomas : Wunschkind
Über die kontrollierte (Er-)Zeugung von Kindern in der Zukunft. Gut erzählt, aber genau dieses Thema habe ich in der letzten Zeit etwas zu oft behandelt gelesen, von daher ist es für mich etwas überstrapaziert.

Harald Giersche : Die Reise
Ein Mann auf dem Weg zum Mars, zu seiner großen Liebe Julie.
Harald Giersches Antwort auf die Frage "Do Androids Dream of Electric Sheep ?" und zugleich ein sehr besinnlicher Ausklang dieser Anthologie.


Eine nette, kleine lesenswerte Anthologie, die zeigt, daß es auch neben NOVA und den Kurzgeschichten-Sammlungen des Wurdack-Verlags möglich ist, gute Story-Bände herauszugeben. Ich stimme allerdings Michael Schmidts Kritik zu, daß keinesfalls jede Geschichte eine Offenbarung an den Leser darstellt. Tatsächlich halte ich einige Stories dieser Anthologie für suboptimal, andere für überarbeitungsbedürftig. Dieser Mix aus (nach meiner persönlichen Sicht) guten, mittelmäßigen und suboptimalen Geschichten erinnert mich persönlich an die "Best of ..."-Anthologien des Heyne-Verlags, in denen Auswahlen aus dem "Magazine of Fantasy and Science Fiction" und "Isaac Asimov's Science Fiction Magazine" erschienen. Auch dort gefiel mir nicht jede Geschichte, es waren aber viele gute und einige sehr gute dabei. Ebenso wie meiner Einschätzung nach hier in den "Prototypen". Von daher teile ich Michael Schmidts Meinung, daß die Jubelarien im Lesezirkel auf dem SFN doch deutlich verfrüht sind, kann aber diese Anthologie guten Gewissens jedem SF-Fan weiterempfehlen. Ebenso wie die "phantastic episodes" I - IV, die mir ebenfalls beim Lesen viel Spaß gemacht haben.


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Willi Voltz : Die letzten Menschen der Erde

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 26 November 2011 · 296 Aufrufe

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William Voltz : Die letzten Menschen der Erde
HJB – Utopische Klassiker, Neuwied 1996
174 Seiten
ISBN 3-930515-62-8

Nach dem Krieg gegen die Torrel ist die Menschheit bis auf einen Rest von 800 Leuten ausgerottet. Diese wurden von den Torrel auf einen Staubplaneten verbannt, von dem sie unter heroischen Anstrengungen fliehen und nach Auseinandersetzungen mit den Torrel die Erde wieder besiedeln.

Ebenfalls ein uralter Heftroman. Den man genau und nur aus historischen Gründen lesen sollte, die Geschichte an sich ist grottenschlecht. Selten so viel Heroismus und Humanozentrik gelesen, dieser hurrapatriotische Stil ist seit 40 Jahren out. Geschrieben wurde der Roman jedoch vor 40 Jahren, anno 1966. In diese Zeit passt er so gerade eben noch hinein, obwohl auch da ds zelebrierte Menschenbild in dieser Form bereits als überholt gelten muß. Kein Ruhmesblatt für Willi Voltz.

Ich habe ihn, ebenso wie den Darlton, in einer Hardcoverausgabe des HJB-Verlags mit einem schönem Nachwort. Und wie beim Darlton muß man sich fragen, ob sich der hohe Preis (DM 16,90) für derartige Trivialliteratur der unteren Schubladen lohnt. Ich für meinen Teil bin zu dem Schluß gekommen, daß der HJB-Verlag mit der Herausgabe dieser beiden Bände sich sehr wohl profiliert hat. Auch wenn beide Romane nicht gerade die Höhepunkte des Schaffens beider Autoren darstellen, sind solche kommentierten Ausgaben für einen SF-Fan schon interessant. Ich selbst habe auch die Heftroman-Ausgaben (TERRA ebenso wie die TERRA ASTRA-Nachauflage) und ja, diese Hefte haben ein ganz eigenes Flair. Nehme ich sie in die Hand, sehe ich mich wieder als Jugendlichen, der begeistert am Kiosk sein Taschengeld für den neuen Lesestoff ausgab. Und Antiquariate mit einer ebenso großen Begeisterung und Energie nach den Heftchen durchstöberte. Der von Oma Geld für diesen Tüddelkram bekam und selbiges auch sofort umsetzte. Das alles geht natürlich bei einer edlen Neuauflage als Hardcover verloren.

Denn die Originalhefte sind nur etwas für Sammler. Kommentierte Ausgaben wie diese beiden von HJB dagegen sind etwas für alle, auch und gerade jüngere SF-Fans (obwohl bei denen die Antike schon 1980 beginnt, aber das ist ein anderes Thema). Mit solchen liebevoll herausgegebenen Ausgaben erhält man schnell einen Einblick in die Zeit und, was man ja auch meinen beiden Rezensionen entnehmen kann, einen Einblick in den Stil dieser Zeit, einer längst vergangenen Epoche mit einem glücklicherweise nicht mehr gepflegtem Stil. Von daher ist es bedauerlich, daß (meines Wissens nach) keine weiteren Ausgaben dieser Reihe existieren. Allerdings hätte ich mir dann qualitativ hochwertigere Romane gewünscht.


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Clark Darlton : Die Zeit ist gegen uns

Geschrieben von † a3kHH , 13 November 2011 · 292 Aufrufe

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Clark Darlton : Die Zeit ist gegen uns
HJB – Utopische Klassiker, Neuwied 1996
174 Seiten
ISBN 3-930515-61-X

Der Photonenantrieb ermöglicht eine Geschwindigkeit nahe der Lichtmauer. Die HUMAN SUCCESS testet diesen Antrieb mit einem Flug nach Alpha Centauri. Sie kommen durch die Geschwindigkeit in eine andere Dimension und leben plötzlich 8000-mal langsamer als der Rest des Universums. Von ihrem Raumschiff aus können sie nacheinander den Auszug der Menschen von der Erde und zwei Exilplaneten beobachten, der von der Zeitebene der Raumfahrer Jahrhunderttausende in der Zukunft liegt. Am Ende sind zwei der Raumfahrer als Adam und Eva für die Existenz der Menschheit, ein Dritter für den Urknall verantwortlich.

"Ein Roman der atemlosen Spannung und vieler unbeantworteter Fragen. Ein Roman, der Probleme aufwirft, ohne sie lösen zu wollen. Der bisher beste Roman von Clark Darlton." (Klappentext BALOWA-Leihbuch, siehe Leihbuch-Datenbank)

Wie man der obigen Inhaltsangabe entnehmen kann, ist das Buch heute ziemlich fragwürdig. Damals, zum Zeitpunkt seiner Entstehung, war das anders, die Frage, wie sich hohe Geschwindigkeiten auf die eigene Raumzeit auswirken würden, wurde mehrfach in der SF behandelt. Allerdings meistens besser als dieses doch ziemlich schwülstige Werk von Clark Darlton. Jedoch sollte man nicht vergessen, daß die Erstveröffentlichung bereits 1956 als UTOPIA-Großband 36 erfolgte. D.h. als Heftroman Mitte der Fünfziger. Zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form dürfte der Stil sehr wohl angemessen gewesen sein. Die physikalischen Mängel, die dieser Roman hat, sehen wir vielleicht heute, damals hatten die grundlegenden Versuche, die diese und andere, ähnliche Spekualtionen ins Reich der Phantasie verwiesen, noch nicht stattgefunden. Der Roman ist also schlicht und einfach überaltert und prinzipiell wäre vom Kauf dieses Hardcovers abzuraten. Allerdings ist das Buch liebevoll und sorgfältig neu aufgelegt und mit einem interessantem Nachwort versehen, von daher kann ich jedem Fan klassischer deutscher SF trotzdem dieses Buch empfehlen. Mehr dazu später.


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Christian von Ditfurth : Der 21. Juli

Geschrieben von † a3kHH , in Rezensionen 12 November 2011 · 292 Aufrufe

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Christian von Ditfurth : Der 21. Juli
Geest-Verlag Vechta, 2011
491 Seiten
ISBN 978-3-86685-293-8

Das Attentat auf Hitler war ein Erfolg, Coerdeler und die SS unter Himmler haben die Macht übernommen. Doch von allen Seiten wird Deutschland von den Alliierten bedrängt, die Invasion in der Normandie ist ein weiterer Rückschlag für die neue Regierung. Fieberhaft bauen Heisenberg und Eizsäcker an der Atombombe, während die in die USA emigrierten deutschen Wissenschaftler die Arbeit am Manhattan-Projekt einstellen. 1945 haben sie Erfolg, die erste Atombombe der Welt wird auf Minsk abgeworfen. Aus Angst vor weiteren Atomschlägen stimmen die Alliierten einem Waffenstillstand mit Deutschland in den Grenzen von 1940 zu.

Acht Jahre später, 1953 : Neben Amerika und der Sowjetunion ist Deutschland die dritte Weltmacht. Der Mord an Millionen von Juden, Zigeunern und sonstige mißliebigen Menschen wurde vertuscht, die Presse ist immer noch gleichgeschaltet, Himmler zusammen mit der SS der eigentliche Machthaber Deutschlands. Goebbels schreibt im Gefängnis, wie es wirklich war, Reichspräsident Göring ist machtlos und dem Kokain vollständig verfallen, Reichkanzler Goerdeler zum Repräsentanten ohne Kompetenzen degradiert. Schellenberg ist Chef des SD, während Gestapo-Chef Müller sich nach Rußland abgesetzt hat. In der SU tobt nach dem Tod von Stalin im ZK ein Machtkampf zwischen Berija und Chruschtschow. In dieser Situation versuchen Schellenberg und Himmler, die Patt-Situation der drei Weltmächte zu durchbrechen und zusammen mit Berija eine Koalition gegen Amerika zusammenzubringen.

All dies wird erzählt aus der Perspektive Knut Werdins, eines Majors des deutschen SD, Spion für Moskau, Überläufer zu den Amerikanern. Die russische Seite wird wiedergegeben durch Oberst Grusewitsch, einen echten Kriegshelden, der in die Wirren der Politik geriet und zum Chef der Spionageabwehr des NKWD berufen wurde. An ihren Gedanken und Erlebnissen hängt von Ditfurth die gesamte alternativhistorische Geschichte auf, durch sie gibt er seinen (bitteren) Kommentar zu Legenden wie der Fama der Helden des 20. Juli ab.

Dies ist kein nettes Buch, es gibt keine Helden, nur Menschen und Allzumenschliches. Deutlich stellt von Ditfurth heraus, daß die Widerstandsgruppen des 20. Juli keineswegs strahlende Helden waren, sondern in der Nachkriegszeit diesen verklärten Nimbus angedichtet bekamen. Ebenso macht er unzweideutig klar, daß der Faschismus des Hitler-Regimes vom ganzen deutschen Volk getragen wurde und nicht nur von einer kleinen herrschenden Clique. Aber das, was mir am Besten an diesem Buch gefallen hat, ist nicht die Beschreibung Nazideutschlands, sondern die Darstellung eines unbesiegten Nachkriegsdeutschlands, in dem Heuchelei, Lügen, Propaganda des III. Reichs unbeeinflusst weiterleben und von den Regierenden als auch den Regierten kultiviert und ausgebaut werden. Der Befreiungsschlag, den der Sieg der Alliierten für Deutschland darstellte, hat nicht stattgefunden, der Weg in die Freiheit ist dem unbesiegtem Deutschland versperrt.

Ich halte dies für ein wichtiges Buch. Daß es sich gut, flüssig und spannend liest, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Die Gesellschaftskritik auch und gerade des Deutschlands des ausgehenden letzten Jahrtausends, die ich hier nur rudimentärst anreissen kann, ist die Hauptsache und hat mich in dieser Form begeisteret. Wer Hans Hellmut Kirst oder Siegfried Lenz mag, sollte am "21. Juli" nicht vorbeigehen.


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Manager

Geschrieben von † a3kHH , 06 November 2011 · 312 Aufrufe

Wenn ich solche Beiträge lese, wird mir klar, warum nicht die Fähigsten Karriere machen :
http://www.spiegel.d...,795153,00.html
http://www.manager-m...,787244,00.html






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