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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Hofmann las im März...

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 March 2021 · 255 Aufrufe
Hubbard, George Langelaan und 3 weitere...
Leseliste im März. Ist ziemlich lang geworden. Aber das trügt etwas, da die Bücher meist keinen großen Umfang haben und das Hörbuch habe ich schon vor dem März begonnen.

15 – Richard A. Lupoff: „Vorstoß in den Äther“
Da ist Ende 2020 ein SF-Autor verstorben, den ich bis dahin gar nicht kannte. Die Nachrufe auf ihn, z.B. in dem Fanzine BWA vom Dezember 2020, haben mich aber sehr neugierig auf ihn gemacht.
Hier also meine Erstlesung des Autors. Und? Oh ja, hat mir sehr gefallen!
Es ist ein Vorläufer des Steampunks (1974 geschrieben). Ende des 19. Jahrhunderts erfindet ein mad scientist ein Äthermobil und begibt sich mit Schüler und Diener auf große Fahrt. Das Gefährt wird mit Kohle und Wärme angetrieben; wie es funktioniert? Wird nicht verrate. Allerdings lernen die Ätherargonauten später andere Äther-Raumfahrer kennen: vernunftbegabte Katzen. Die erklären dem Professor die Funktionsweise ihres Ätherantriebes, der – ganz im Gegensatz zu dem des Professors – mit Kälte funktioniert.
Aber wissenschaftliche Korrektheit sollte man hier ohnehin nicht erwarten. Sie gelangen zunächst auf den Mond, und dort über eine Wunde in der Brust der riesigen Mondkönigin in eine Art inner-selenischen Ätherraum.
Dorthin hat es auch schon eine spanische Galeone verschlagen, die im Jahre 1492 losfuhr. Bei dem Jahr klingest es sicher. Aber es ist nicht Columbus, denn sie stammt aus einem Paralleluniversum, in dem Spanien von russischen Zaren regiert wird.
Die Story lebt von ihren Verrücktheiten und einem bunten Haufen kurioser Figuren. Dazu ist alles in einem bewusst altertümlichen, lustigen Slang verfasst. Wenn man sich mit dem erst einmal angefreundet hat, macht die Lektüre einen Riesen-Fetz. Ich war ziemlich angetan.
9 / 10 Punkte

16 – George Langelaan: „Die Fliege. Erzählungen aus der phantastischen Wirklichkeit“
Das Bändchen ist voller SF & Phantastik-Klassiker. Die bekannteste Story ist sicher „Die Fliege“. Es wurden 5 bis 6 Stories aus dem Band verfilmt. 5 bis 6 – je nach Ausgabe; in meinem dtv-Taschenbuch fehlt eine.
Die anderen Verfilmungen sind nicht so berühmt wie „Die Fliege“, aber mit „Schach dem Roboter“ und „Eurydike“ zumindest noch 2, die deutschen Zuschauern bekannt sein könnten.
Die Stories erinnerten mich im Stil an Roald Dahl, vielleicht auch ein wenig an Sheckley. Sie unterhalten mit schwarzem Humor.
Was haben wir da alles? Das mit der Fliege, die in den Teleporter gerät, kennt man ja. Dann versucht ein unzufriedener Ehemann, der des Mordes an seiner Frau angeklagt wird, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen, indem er sagt, dass er sie nicht vergiftet habe, sondern allein ihr Gedanke daran, gerade Gift zu sich genommen zu haben, brachte sie um (daher die Nähe zu Dahl).
„Das Mädchen aus nirgendwo“ ist fast schon eine archetypische Erzählung. Die Story wurde viermal verfilmt. Es geht um die Kontaktaufnahme mit Menschen in einer Anti-Welt, die dort durch die Atombombenexplosion in Nagasaki hingeraten sind. Der Kontakt über Fernsehapparat ist dann für die Beiden, die sich ineinander verliebt haben, unbefriedigend.
Ein Mann kann Tiere mental beeinflussen, aber nicht verhindern, dass so ein Tiger, dem er zeigte, wie er sich aus dem Zoo befreien kann, ihn zu fressen.
Ein Verstorbener kann sich selbst wiedergebären und ein Versicherungsbetrüger hofft auf ein Wunder, an das er nicht glaubt, das aber eintritt und seine unlauteren Hoffnungen zunichtemacht.
Wenn die eigene Hand etwas tut, was man eigentlich nicht will (und verbrecherisch ist), dann ist man entweder schizophren, oder das ist gar nicht die eigene Hand.
Ein Mann schließt einen Pakt mit dem Teufel, aber am Ende verliert er dennoch den geliebten Hund und die gar nicht so sehr geliebte Frau ein zweites Mal.
Zum Schluss besteht ein Pilot seinen letzten Überseeflug, der fast in die Hosen ging. Aber ein großer Vogel weist ihm den Weg aus der Misere, obwohl es so einen Vogel gar nicht geben dürfte.
Sehr kurzweilige Stories zwischen Horror, urbaner Fantasy und SF. Bin sehr froh, dieses fast vergessene Talent für mich entdeckt zu haben; da werde ich wohl mehr von ihm lesen müssen.
10 / 10 Punkte

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17 – Bernhard Kempen: „ARKADIA. Ein Greedy-Roman aus dem Xenosys-Universum“
Das Buch wurde vom Autor als was Besonderes für SF-Freunde angepriesen, „besonders“, weil es die eher konservativen SF-Lesegewohnheiten nicht bedient werden.
Nun ja, wie soll ich es sagen? Von alten SF-Fans weiß ich, dass die sexuelle Revolution auch am SF-Fandom nicht spurlos vorbeiging, damals so in den 70ern. Es gab da wohl Tendenzen, SF und Sex zusammen zu bringen. Zudem locken ja viele SF- und vor allem Fantasy-Cover-Bilder mit mindestens halbnackten Schönheiten. Vor allem sollen damit heterosexuelle männliche Leser angelockt werden.
Das alles täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass SF auch sehr prüde sein kann.
Was ist nun an diesem Roman besonders?
Zum einen zielt es auf den Zeitgeist, möchte ich behaupten. Das Thema Divergenz, vor allem im sexuellen Bereich, wird thematisiert. Dazu wird eine sehr gehörige Portion Freizügigkeit hinzugetan. Das „Thema Nr. 1“ ist dann auch Hauptthema des Buches.
Arkadia ist die Verwirklichung einer Utopie der Nudisten. Alle laufen nackt herum. Es gibt keine sexuellen Tabus – natürlich immer unter der Maßgabe: Was den Beteiligten Spaß und Freude macht, und wenn niemand dabei beschädigt wird, ist gut. Diese utopische Menschengemeinschaft gilt daher auch als absolut friedfertig. Es gibt keine gesellschaftlichen Konflikte.
D.h., wenn alle nackt sein dürfen und zudem auch keine sexuellen Bedürfnisse unbefriedigt bleiben müssen, dann haben wir eine ideale Gesellschaftsordnung? Es gibt keine Unterdrückung, keinen Krieg etc.
Ob das so verkürzt dargestellt wirklich eine ernst zu nehmende Alternative ist?
Die Arkadier berufen sich auf die Nudisten-Bewegung der Erde. Aber, das frage ich mich, der ich mich da nicht so auskenne: Sind die Nudisten, nur weil sie nackt in der Natur leben wollen, gleichzeitig so dermaßen promiskuitiv, bzw. sexuell freizügig? Hat da wirklich das Eine mit dem Anderen zu tun?
Na gut, nehmen wir mal an, das funktioniert so.
Den Leser oder die Leserin erwarten also ziemlich deftige, freizügige Szenerien. Wir betrachten sie mit den Augen eines irdischen Reporters, der von dem utopischen Gemeinwesen berichten soll. Selbst kann er sich nicht so leicht entblößen. Dass er angezogen viel mehr unter den Nackten auffällt, muss er dann halt akzeptieren.
Greedy ist eine Bewohnerin des Planeten. Sie besitzt besondere Fähigkeiten, die mit dem direkten Kontakt mit anderen Menschen zu tun hat. Will nicht zu viel verraten, aber das dürfte auch in kommenden Romanen noch eine große Rolle spielen. Hier erst einmal auch.
Es gibt dann doch ein Verbrechen in dieser anarchischen, utopischen Friedens- und Liebes-Welt. Unser Erdenreporter steht sogar in Verdacht, der Übeltäter zu sein.
So richtig 100%ig hat mich der Roman nicht überzeugt. Die Figuren wachsen einem schon ans Herz. Die Story ist aber nicht so spektakulär. Die einschlägigen Schilderungen nutzen sich dann auch schnell ab, finde ich. Mir reicht diese dann nicht als tragendes Element. Und dass Das immer und überall die Hauptrolle im Leben der Arkadier spielt, halte ich auch für etwas zu viel des Guten. Dem Autor ging es dabei sicher auch darum, einige Gedanken, die mit sexueller Selbstbestimmung, Geschlechtlichkeit etc. zu tun haben, zu diskutieren. Das konnte mich aber nicht so richtig überzeugen, bleib für mich zu sehr an der Oberfläche und wurde von der sexuell aufgeladenen Stimmung, die mit Worten erzeugt wird, überdeckt.
Trotzdem bin ich mal auf die Fortsetzung neugierig, denn Greedy werden wir wohl noch einmal begegnen, dann aber nicht auf Arkadia? Und dann wohl auch nicht nackt, oder?
8 / 10 Punkte

18 – L. Ron Hubbard: „Fear“ (Das Grauen, Opfer der Dämonen)
Jetzt wollte ich es mal wissen: Wie weit geht denn so eine Kürzerei in den alten Heftromanen. Der Zufall half mir dabei, denn ich habe bei meiner Suche nach den alten Schmökern von Hubbard beide Ausgaben von Fear erwischt: Als Vampir Horror-Roman von 1974 und als Hardcover aus dem Jahre 1993.
Mein Fazit: Das mit der Kürzung ist enorm! Im Heftroman wurde viel weggelassen. Aber ein Vergleich mit dem Original zeigt, dass auch in der Hardcover-Ausgabe etwas fehlt. Interessanter Weise fehlen da Sätze, wörtliche Rede, die keiner näher benannten Person zuzuordnen sind, die aber den Leser in eine bestimmte Denkrichtung lenken. Warum wurden sie in der – nur scheinbaren – vollständigen Übersetzung weggelassen?
Das Buch an sich hat mich ziemlich beeindruckt. Eine interessante Story, von der man meint, dass es sich um eine Dämonen- und übernatürliche Horror-Story handelt, ist es aber am Ende nicht. Die Original-Story in UNKNOWN vom Sommer 1940 nennt die Story aus „psychologische Fantasy“; das trifft es.
Ein Professor für Ethnologie, der auch oft auf abenteuerliche Forschungsreisen geht und seine junge Frau im Uni-Städtchen zurücklässt, wird nun aufgrund eines Artikels in einer Zeitschrift entlassen, in dem er darüber schreibt, dass der Aberglaube alter Zeiten an Dämonen und Geister bei der angewandten Medizin Unsinn gewesen ist. Dem Institutsleiter passt die Form (populäre Zeitschrift) nicht und will auch nicht, dass der Glauben an sich in Misskredit gebracht wird – wobei: diese Aussage fehlt im Heftroman (mal so nebenbei).
Zudem hat er aus den Tropen Malaria mitgebracht. Dann kommt noch eine gehörige Portion Eifersucht dazu, denn sein bester Freund kümmert sich für seine Geschmack etwas zu viel für seine Frau.
Und nun sieht er sich in albtraumartigen Zuständen von Dämonen verfolgt – oder?
Großartig erzählt, packend, einfühlsam.
9 / 10 Punkte

19 – William S. Burroughs: „Ali‘s Smile & Naked Scientology“
Nach so viel Hubbard muss ich auch mal die andere Seite zu Worte kommen lassen. - Nee, so funktioniert das auch nicht, denn die Sachen, die ich von Hubbard gelesen habe, haben mit der späteren Religion / Lehre von ihm nichts zu tun, und ob Burroughs wirklich die andere Seite verkörpert?
Literarisch natürlich schon. Der Text hier ist allerdings sehr konventionell. Es sind ohnehin eher Briefe und Artikel aus Zeitschriften, in denen sich B. mit Scientology beschäftigt.
B. war ja auch mal „dabei“, hat aber eher schlechte Erfahrungen gemacht und ist wieder ausgestiegen. Darüber berichtet er und setzt sich mit S. auseinander.
Interessant für mich war dabei, dass offensichtlich das Thema Psychotherapie in den USA eine sehr große Rolle spielt. In Burroughs Reflexionen spielt auch die Auseinandersetzung mit den Psychotherapeuten eine sehr große Rolle. B. War gegen beide, aber da S. wohl auch ein Gegengewicht, oder Gegenangebot für Suchende in Sachen psychologische Betreuung darstellte, geriet B. nicht nur in den Verdacht, S., sondern auch die P. zu unterstützen; je nachdem, wer ihn kritisierte… So erklären sich für mich seine teilweise harschen Worte, die er beißreflexartig vorträgt.
Ansonsten ist das Ganze keine tiefsinnige Auseinandersetzung mit Hubbard, oder mit Dianetik etc. Auch die kurze Story, die S. thematisiert, gab mir im Grunde gar nichts. Ich werde wohl doch kein B.-Fan.
6 / 10 Punkte

20 – Ursula K. LeGuin: „Rocannons Welt“
Der erste Hainish-Roman der Autorin (und wohl ihr erste Roman überhaupt). Für mich ein Wiedersehen nach über 31 Jahren. Das war eines meiner ersten „Nach-Wende-West-Bücher“, das ich mir gekauft hatte. Die Autorin „gab’s“ ja auch in der DDR, und hatte mich schon vorher begeistert. Na ja, ich glaube, nach dieser Zweitlesung muss ich die anderen wohl auch...
Ihre Schreibe kann mich nach wie vor begeistern, obwohl die Story ja gar nicht so besonders ist. Vor allem fasst sie sich mitunter sehr kurz und entscheidende Dinge passieren in wenigen Sätzen. Das traut sich heute kein Autor mehr, befürchte ich. Ich finde das ja gut, auch wenn es mir hier fast zu kurz war.
Rocannon ein Vertreter der Liga, eines Bundes humanoid besiedelter Welten. Prähistorisch sind diese Welten alle mal von Hainish aus besiedelt worden, auch die Erde z.B. Aber irgendwie haben sie den Kontakt verloren und dann wiedergefunden. Allerdings ist dieser Kontakt nicht sehr intensiv, da es keinen licht- oder gar überlichtschnellen Transport von Lebewesen gibt. Nur Maschinen können das überstehen.
Er ist auf einer bisher der Liga unbekannten Welt. Dort existieren gleich mehrere vernunftbegabte Arten; die Autorin schreibt von „Rassen“. Wobei biologisch wohl beides gemeint sein kann, denn einige der Lesewesen scheinen miteinander verwandt, andere eher nicht. Aber egal. Faszinierend ist halt hier einfach der Umstand, dass mehrere verschiedene vernunftbegabten Arten nebeneinander, auch noch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien existieren.
Leider haben sich die Gegner der Liga auf dem Planeten breit gemacht. Irgendwie ist die Liga auch kein Gutmenschenverein. Sie sind sehr technisch – technokratisch? – orientiert und übersehen andere Zivilisationen, Vernunftbegabte, die nicht so technik-affin sind.
Auf dieser Welt gibt es Zivilisationen, die zwischen Bronzezeit und früher Industrialisierung stehen. Die Liga unterstützt gern aufstrebende Zivilisationen, um sie als Hilfs-Welten für ihren bevorstehenden großen Krieg (gegen wen?) fit zu machen. Ist ja auch kein sehr humanistisch-selbstloser Zweck.
Rocannons Truppe ist aber auf friedlicher Mission, sie wollen die Vernunftbegabten hier nur kennen lernen. Leider werden sie von den Rebellen getötet, nur Rocannon bleibt übrig, er schwört Rache und Vergeltung. Die kriegt er auch…
Mich fasziniert der Mix aus Hard-SF und astreiner Fantasy. Magie postuliert die Autorin nicht explizit, aber es gibt halt Telepathie, die Rocannon vom Hüter des Brunnens lernt. Und die Errungenschaften der Liga müssen den weniger entwickelten Einheimischen wie Magie vorkommen.
9 / 10 Punkte

21 – Virginia Woolf: „Orlando“
Hörbuch, ungekürzte Lesung mit Sissy Höffner
Darauf war ich jetzt einfach mal neugierig. Sicher auch wegen der rhetorischen Drama-Comedy-Nachfrage: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“; „Orlando“, weil es ja ein phantastisches Grundthema besitzt.
Aber nun frage ich mich: Was habe ich da gehört? (Hätte ich es selber lesen „müssen“, hätte ich zwischendurch aufgegeben.) Die Idee, dass ein Mensch Jahrhunderte lebt und durch so einige Zeitalter kommt, ist faszinierend. Aber was macht Orlando draus?
Auch die Idee, dass jemand im Laufe seines Lebens das Geschlecht wechselt, vom Mann zur Frau wird, ist faszinierend, aber was macht die Autorin daraus?
Orlando will nur eine tolle Dichterin werden. Okay, steht ihr zu, aber es war für mich als Zuhörer nicht sehr erfüllend.
Dann habe ich versucht, mich über den Film „Freak Orlando“ an das Thema ranzutasten. Na, das war ein Irrweg für mich, um es mal so zu formulieren. Mit dem Kunst-Film kann ich noch weniger anfangen als mit dem Original-Werk.
Es gäbe da noch den Film mit Tilda Swinton. Leider habe ich ihn bisher nicht gesehen, nur Ausschnitte. Die waren für mich insofern interessant, als dass ich die Szenen wiedererkannte. Also hat der Text zumindest einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Aber ob der Film in Gänze mir das Werk dann auch insgesamt besser erschließt? Ich ließe es gern auf einen Versuch ankommen; wird sicher mal klappen…
Ist auf jeden Fall ein toll ausgestatteter Film, und Tilda Swinton übt eine große Faszination in ihre Rolle aus, keine Frage.
Okay, ein Stück Weltliteratur (?) abgehakt, leider kein Supererlebnis, wie ich doch erwartet habe (ja, mein Problem).
keine Wertung


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NEUER STERN 66 & 67 - Roboter, Frankenstein & ElsterCon

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 24 March 2021 · 161 Aufrufe
Günter Kunert, Roboter, R.U.R. und 2 weitere...
NEUER STERN 66 & 67 - Roboter, Frankenstein & ElsterCon Ehe bereits der ganz NEUE STERN rauskommt – und wie ich aus sicherer Quelle weiß, ist das sehr bald der Fall – möchte ich hier doch noch auf die ersten beiden Ausgaben des Jahres hinweisen.
Am 25. Januar 2021 feierten die Roboter dieser Welt ihren 100. Geburtstag, und wir vom ANDROMEDA SF Club (& Freunde) feierten mit.

„Roboter auf dem NEUEN STERN“ – Heft 66
(Davon gibt es übrigens auch einen Fehldruck, mit für uns Menschen unlesbarem Fehlercode, auf jeder Seite des Heftes – also, das nur als Tipp für die Sammler…)
Zum Inhalt:

Editorial von Thomas Hofmann - Coverseite innen
Jörg Herbig: Ich fürchte nicht die Zukunft (Ein Gedankengang)
Karel Capek: R.U.R., Beitrag von Bernd Wiese
Asimov: Ich, der Robot), Beitrag von Bernd Wiese
Asimov: Geliebter Roboter, gelesen von Peter Schünemann
Peter Schünemann: Seltsame Liebe, Story
Walter Tevis: Die Letzten der Menschheit, gelesen von Thomas Hofmann
Ein Blick in die alten Bücherschränke nach den Vorläufern von Robotern wirft Bernd Wiese
Martha Wells: Tagebuch eines Killerbots, gelesen von Holger Marks
Die Kleine Roboter-Filmschau von Thomas Hofmann
...Archive
...Eva
...Schach dem Roboter
...Singularity
...The Machine
Günter Kunerts Androiden, Gedanken von Peter Schünemann
Ana Matronic: Robot Takeover, gesichtet von Thomas Hofmann
Fabeln und Kleingeschichten von Karel Capek, gelesen von David Staege

44 Seiten + 4 Farb-Seiten + Einleger

Ausgabe 67 erschien auch schon und widmet sich im Wesentlichen 2 Schwerpunkten.
Zum einen kommt endlich der schon lang überfällige ElsterCon-Bericht (also zum 15. ElsterCon, September 2020) und die Ergebnisse einer Spurensuche in Sachen Frankenstein.
Im Einzelnen laden wir ein zu:

Editorial - Thomas Hofmann
ElsterCon 2020 - Bericht von Thomas Hofmann und Peter Schünemann
Clemens Nissen: Die Konsequenz, Story
ElsterCon-Nachlese von Peter Schünemann
...Uwe Laub: Leben
...Kim Stanley Robinson: New York 2140
...Rolf Krohn: 29 Sternschnuppen
...Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften
und von Bernd Wiese
...A. Meifert: Im Jahre 2000 im Dritten Reich
Zu Frankenstein, von Thomas Hofmann
...Mike Mignola: Frankenstein Underground
...Gothic, der Film
...Warren Ellis: Frankensteins Schoß
Zweimal Alexander Kröger, von Volker Adam
...Antarktis 2020
...Der Geist des Nasreddin
zu BRADBURY (ganz kurz) von Bernd Wiese
...Vom Staub kehrst du zurück

44 Seiten + 4 Farb-Seiten


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Bronnen, Polidori, Elanqua & was so in der Kneipe passiert

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastische Grafik 05 March 2021 · 322 Aufrufe
STERNENSPLITTER, Polidori und 2 weitere...
Bronnen, Polidori, Elanqua & was so in der Kneipe passiert Letztens erzählte ich ein wenig von grafischen Arbeiten (hier), mit denen ich meine Zeit verbrachte. Inzwischen gibt es ein Ergebnis. Das Bild ist fertig.
Es ist, wie man sicher erkennen kann, von Böcklins „Toteninsel“ inspiriert. Meine Insel ist der der Toten & Lebendigen, irgendwie janusköpfig, zweischneidig – man kann das Bild auch umdrehen, zumal es im All, wo sie schwebt, kein Oben & Unten gibt. (Und schreien hört man dort einen auch nicht – aber das ist eine andere Geschichte.)
Es ziert nun auch die zweite Ausgabe des Fanzines, das Texte enthält, die nicht in den NEUEN STERN passten. In dem Heft sich auch Entwicklungsstadien des Bildes eingearbeitet.

STERNENSPLITTER 2 ist erschienen
Dieses Literaturheft widmet sich seltsamen phantastischen und weniger phantastischen Problemen, aber auf jeden Fall völlig unnützen Wissensgebieten.
Wobei: Ist es so? An einem Punkt bin ich sogar der Meinung, dass wir hier etwas völlig Neues erschaffen haben. Wir sind einem Geheimnis auf der Spur, und ich denke, es ist an der Zeit, zum Weiterforschen auf diesem Gebiet dringendst aufzurufen:

Peter Schünemann hat die Elanqua für uns entdeckt und damit der Elanquistik aus der Taufe gehoben!

Sollten sich Erkunder und Erkunderinnen des Phantastischen dafür interessieren, so kann ich da gern weiterhelfen. Vielleicht regt dieser erste Herzschlag des neuen Wissensgebietes im Reich der unexakten Wissenschaften den einen oder die andere zum Weiterfabulieren – äh, Entschuldigung – zum Weiterforschen an? DAS wäre natürlich großartig!

Ich selbst habe so meine Probleme mit zwei Leuten der realen, bzw. real-phantastischen Geschichte, die ich hier vor dem geneigten Publikum in meinen Beiträgen auswalze.
Da ist zum einen der ideologisch wirre Herr Arnolt Bronnen, dessen großartiger Roman über den antiken Fabeldichter Äsop mich seit Jahrzehnten fasziniert und mich deshalb dazu verführte, mich mit anderen Schriften aus seiner Feder zu befassen.
Was man da so alles erleben kann! Meine Fresse… Ich lade Sie, verehrtes Publikum, gern dazu ein, mir auf dem Weg in die ideologische Finsternis zu folgen.
Alsdann widme ich mich dann dem Herrn Dr. Polidori, bekannter Leibarzt des Dichterfürsten Lord Byron und Erfinder des modernen Vampir-Dandy. Meine These, die ich auf höchst unwissenschaftliche Weise zu belegen suche, ist, dass ihm die Geschichte Unrecht antat und er gar nicht so der giftig-neidische Nichtskönner war, für den ihn alle Welt hält. Ob ich auch hier scheitere?
Animiert wurde ich zu dieser Forschungstätigkeit durch den Film „Gothic“, der Dr. Polidori auf jeden Fall kein gutes Zeugnis ausstellt.
War er wirklich so? Interessieren Sie sich für die Antwort auf diese Frage? Na dann…
Zu guter Letzt kam noch ein Zufall des Weges: Die beiden Autoren des NEUEN STERNS, Peter Schünemann und Arnold Drabek, trafen sich zufällig in der Kneipe… Ach, nee, das stimmt so nicht, aber beide haben komischer Weise unabhängig voneinander Texte geschrieben, die in der Kneipe spielen. Wobei die Kneipen sich recht weit voneinander entfernt befinden, die eine – denke ich – steht an der Elbe oder Saale, die andere in Linz.
Wie auch immer: Ich lade zum Besuch ein – so lange der Vorrat reicht…


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Leseliste Februar 2021 - 2/2 - Ira Levin

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 26 February 2021 · 194 Aufrufe
Ira Levin, 2021
Leseliste Februar 2021 - 2/2 - Ira Levin Das Bild: eine Collage aus den TiBis der Bücher und Filme von & nach Ira Levin, umrahmt von dem "Redaktions-Alien" aus dem NEUEN STERN (keine Ahnung, wie der sich da raufschmuggeln konnte)
Die Rosemary-Bücher hatte ich ja schon hier erwähnt (Januar).

Ira Levin: „Die Boys aus Brasilien“
…und weiter mit der Ira-Levin-Gesamtlesung… Na, also, fast… Auf jeden Fall las ich jetzt nur einfach so, also ohne Rezensionsabsicht für den NEUEN STERN. Dieses Buch hier übernimmt dort mein Kollege. Zu gegebener Zeit werde ich berichten.
Auch hier kann man ja gut mit dem bekannten Film vergleichen (Regie: Franklin J. Schaffner, mit Gregory Peck als Dr. Josef Mengele, Laurence Olivier als Ezra Lieberman, James Mason als Eduard Seibert, Lilli Palmer als Esther Lieberman und auch z.B. mit Bruno Ganz als Professor Bruckner und Sky du Mont als Dietrich Hessen). Diesen Vergleich gewinnt aus meiner Sicht aber eindeutig das Buch! Klar, der Film verkürzt, muss er wohl. Aber die Motive, die Hintergründe etc. sind im Buch einwandfrei besser und stichhaltiger beschrieben.
Dabei machte mir das Buch den Einstieg schwer. Levin erzählt sehr detailliert. Jede Handbewegung seiner Figuren wird beschrieben. Das gleich zu Beginn, hat mich fast überfordert: Wollte ich das so genau wissen? Aber das war nötig, so zwang (mich) der Autor zur Konzentration. Und das hatte dann sein Gutes, denn Wendungen und Pointen kommen – ähnlich wie bei Rosemaries Baby – mitunter im Halbsatz, ganz unvermutet.
Das macht das Buch auch um einiges interessanter und spannender als den Film. Allein die Szenen, in denen die Nazi-Mörder ihre Opfer töten, sind im Buch weit ausführlicher als im Film beschrieben und zeigen, wie geschickt sie ihre Taten maskieren. Was im Film oft wie ein plumper Mord erscheint, ist im Buch eine raffinierte Vorgehensweise.
Inhalt? Na ja, kennt man ja, denke ich…
Interessant finde ich die zum Film in der Wikipedia zitierten Kritiken. Aus denen geht hervor, dass zumindest die Kritiker den Film überhaupt nicht mochten. Zu krude war ihnen der Mix aus Fiktion und Realität. Dass hier reale historische Personen in einen sehr fiktiven Plot verstrickt werden, war ihnen wohl absolut fremd. Als Fan alternativ-historischer Stoffe, die ein Subgenre der SF darstellen, fand ich Idee und Plot hingegen sehr gelungen – im Buch sogar besser als im Film.
Die große moralische Frage, die sich zum Schluss stellt, hatte ich seit der Erstsichtung des Filmes vergessen: Die Frage der Schuld-Abwehr, die nach dem Recht, Kinder töten zu dürfen, um erwartetes Unheil abzuwenden. Der Protagonist beantwortet sie für sich und stellt die Weichen. Aber irrt er am Ende? Der Film zeigt, dass das Böse im H.-Klon wohl doch angelegt ist, aber bei weitem nicht so offensichtlich wie im Buch…
9 / 10 Punkte

Ira Levin: „Die Frauen von Stepford“
Okay, jetzt glaube ich begriffen zu haben, was des Autors Thema ist. Es kristallisiert sich heraus, sowohl in „Rosemarys Baby“, in dem hier und wohl auch in „Silver“ begegnen wir ihm; in „Die Boys…“ eher nicht, obwohl, wenn ich es recht bedenke, auch am Rande.
Es geht Ira Levin immer um die Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Familie. Ja, das klingt nach allem – und nix.
Er fokussiert dabei auf eine Frau, die eine Frau, mit der sich der Leser und die Leserin (die vor allem? – nein, als „Frauenliteratur“ identifiziere ich seine Werke aber nicht), die am Ende völlig isoliert und allein dasteht, verraten von der Gesellschaft, der Gemeinschaft, in der sie sich bewegt, und auch von ihrem wichtigsten Bezugspunkt und liebsten Menschen, ihrem Mann.
Die Frage der weiblichen Emanzipation spielt dem Autor dabei eine wichtige Rolle. Er nimmt – so will ich meinen – die Position der nach Unabhängigkeit und für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit kämpfenden, modernen Frau ein und konfrontiert sie mit den reaktionären, toxisch-männlichen Ideen vom Heimchen und Austräger des Nachwuchses, oder auch als Sexpartnerin.
So auch hier in „Die Frauen…“, hier besonders und unmittelbar. Hier wird auch noch der technisch-wissenschaftliche Fortschritt für die reaktionären Gelüste der Männer missbraucht, die Robotertechnik.
In den beiden Verfilmungen wird das Thema übrigens auch genauso aufgegriffen, aber auf sehr unterschiedlichem Niveau. Der alte Film von 1975 hat mir da deutlich besser gefallen, obwohl er sich langweiliger Weise wieder absolut an die Buchvorlage hält. Schön, dass dieser alte Film dann wenigstens den Schluss noch ausbaut und mehr Aktion reinbringt, als das Buch.
Der neuere, hochkarätig besetzte Film von Frank Oz aus dem Jahre 2004 ist dagegen eine echte Gurke. Ich will ja nix sagen, aber da hätte der Schuster bei seinen Leisten, bzw. der Puppenspieler bei seinen Trickfilmen bleiben sollen, finde ich. Der Film ist eine bonbonfarbig-bunte Klamotte, die nicht mal sonderlich lustig ist, auch wenn Bette Midler sich alle Mühe gibt. Hier haben wir auch kein Überraschungsmoment mehr – okay, kann man damit rechtfertigen, dass jedermann/-frau den Plot schon kennt (ist das so?) – aber das Ende dann ist echt ärgerlich: ein Happy End mit großer Austrickserei und Showdown mit Funkenflug und Explosionen. Der Stoff mutierte zum Hollywood-Kitsch und bricht mit der Aussage des Buches.
Zum Inhalt? Kennt man doch. Wer es nicht kennt, das Buch nicht lesen und dennoch wissen will, worum es geht, dem empfehle ich den NEUEN STERN, der – irgendwann, dauert noch ein bisschen – sich den Autor und auch das Buch vornimmt.
Buch ist spannend, unterhaltsam, am Ende eben nicht happy, in der Anlage des Plots und der Art, wie die Idee transportiert wird, nicht sonderlich innovativ vom Autor; irgendwie kopiert er sich da selbst.
8 / 10 Punkte

Ira Levin: „Der Kuss vor dem Tode“
Zum Abschluss meiner Levin-Lesung nehme ich mir seinen Romanerstling vor. Der Roman ist von 1953 und wurde auch schon zweimal verfilmt – und ich hatte den bisher überhaupt nicht wahrgenommen.
Angesehen habe ich mir dann noch die Verfilmung von 1991, mit Sean Young, Matt Dillon und Max von Sydow. Nach dem Lesen habe ich mich gefragt, wie man diese Story vernünftig verfilmen kann, denn das Buch weist einen Twist etwa in der Hälfte auf, den man filmisch eher nicht umsetzen kann. Nun, der Film schafft es – auf seine Weise.
Es handelt sich um einen Krimi, oder Thriller, ohne phantastische Elemente. Ein sehr ehrgeiziger und gewissenloser Mann macht sich an die Tochter eines Industriemagnaten ran. Als die Beziehung nicht so verläuft, wie er sich das vorstellt, bringt er sie um. Die Schwester der Toten glaubt nicht an Selbstmord, wovon die Polizei ausgeht. Sie recherchiert auf eigene Faust und hat da zwei Kandidaten, von denen einer der Mörder sein muss. Auch die Leserschaft geht davon aus – und irrt sich.
Der Autor macht das absolut raffiniert. Der Clou dabei ist, dass man als Leser bis gut nach dem ersten Drittel die Identität des Freundes und Mörders nicht kennt. Es ist dann schon eine große Überraschung, um wen es sich dabei handelt. Als Leser weiß man es, aber die anderen handelnden Personen noch nicht.
Der Text hat den Vorteil, dass diese Person zwar die ganze Zeit „sichtbar“ ist, aber man sein Gesicht eben nicht sieht, was im Film schlecht geht. Es sei denn, er steht dauernd im Schatten. Dass man seinen Namen nicht gesagt bekommt, fiel mir auch nicht auf, bis er dann mal genannt wird…
Aber der Film von 1991 umschifft diese Sache echt geschickt, indem er das ganze lange erste Kapitel weglässt und im Nachgang beiläufig erzählt, wie sich die Beziehung der Toten zu ihrem Freund und Mörder entwickelte. So sehen wir zwar den Mörder die ganze Zeit, aber wissen nicht, ob und wie er in Beziehung zu den anderen handelnden Personen steht (d.h. ich ahnte es natürlich, da ich das Buch kannte). So gibt es im Film auch eine Überraschung, wenn auch etwas anders als im Buch.
Also, es ist ein Spiel mit Identitäten, und es ist wieder eine Verschwörung Mann gegen Frau, wobei der böse Mann diesmal mehrere Frauen zu seinen Opfern macht. Aber dieses Grundmotiv ist im Grunde wieder bei Levin dabei.
Das Buch endet etwas unspektakulär. Der 1991er Film baut es besser und effektvoller aus, finde ich, obwohl mir gerade dieses Identitätsspiel, den das Buch betreibt, im Film fehlt.
Den alten Film habe ich nicht gesehen; was man in der Wikipedia lesen kann, lässt mich erahnen, dass er sich mehr an das Buch hält, als der neuere. Aber der Film ist irgendwie schwer, sehr teuer, oder gar nicht zu bekommen…
Das Buch ist spannend und kurzweilig. Aus heutiger Sicht vielleicht nicht sonderlich originell, aber aufgrund seines Alters quasi archetypisch.
8 / 10 Punkte


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Leseliste Februar 2021 - 1/2 - Hubbard

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 18 February 2021 · 285 Aufrufe
Hubbard
Leseliste Februar 2021 - 1/2 - Hubbard Die Leseliste Februar - diesmal zweigeteilt, da sie sich um genau 2 Autoren drehen wird. Ich beginne mit...

L. Ron Hubbard
„Gefangen in Raum und Zeit“
(Return To Tomorrow), TERRA Utopische Romane, Band 60, 1959
Nachdem ich mich nun mit einem „Problemkind“ befasst habe, geht’s gleich ans nächste. Bronnen war ja sozusagen eine gute Jugenderinnerung, die bei näherer Betrachtung arg ramponiert wurde. Dass er sich zwischen den Weltkriegen ideologisch für die absolut mieseste Seite entschieden hatte, um dann aber auch enttäuscht zu werden (der Arme), wusste ich dann schon irgendwann. Aber die Zeugnisse seiner ideologischen Abwärtsentwicklung selbst zu lesen, war dann noch eine ganz andere Hausnummer. (siehe meinen Januareintrag in der Leseliste)
Bei Hubbard ist das anders. Ihn kannte ich immer schon als den Stifter einer fragwürdigen Religion. Das er auch mal SF-Autor war, erfuhr ich dann aber auch sehr bald, nur gelesen hatte ich bisher gar nichts von ihm.
Das wollte ich jetzt doch mal ändern. Wobei mich weder diese Pseudoreligionsbüchern, noch die SF, die er schrieb, als er bereits seiner Mission nachging, interessieren. Sondern die Sachen, die er in der Pulp-Ära schrieb. Das engt die Auswahl schon ziemlich ein – wenn man Englisch nicht so gut kann. Es wurde nur sehr wenig von ihm aus dieser Zeit ins Deutsche übersetzt. Das meiste dann auch noch sehr früh und in Form von Heft-Romanen publiziert. Und einige Hefte und TBs sind mittlerweile einfach zu teuer (für mich).
Aber ich hatte auch Glück. Das Heft hier ist ja aus dem Jahre 1959 und sicher nicht mehr im besten Zustand; hab‘s dafür für 1 € bekommen. Ich las es auch sehr vorsichtig, so dass nur wenig von den vergilbten Seiten abbröckelte…
Ist der Roman gekürzt? Möglich. Sogar gut vorstellbar, denn er beschreibt eine „lange Reise“ durchs All („Lange Reise“ heißt es als Terminus technicus im Roman), mit verschiedenen Stationen, Abenteuern, Erlebnissen. Es ist sicher denkbar, dass es im Original mehr Reisestationen und Abenteuer sind. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, dass (mir) etwas fehlte.
Hubbard hat als SF-Autor keinen guten Ruf. Nach der Lektüre dieses Romans kann ich dies aber nicht bestätigen. Na, vielleicht bin ich ja auch ein einfaches Gemüt. Auf jeden Fall fand ich das Teil spannend, interessant und befriedigte meinen sense of wonder hervorragend.
Ich lese die Geschichten auch mit dem Gedanken, hier schon Ansätze seiner Dianetik zu finden. In der Erzählung „Die negative Dimension“ fand ich so etwas (siehe Dezember 2020); hier aber eher nicht.
Es ist ein Entwicklungsroman. Er beschreibt die Entwicklung eines Mannes zu etwas, was er einst ablehnte, unter menschenunfreundlichen, kosmischen Bedingungen.
Die interstellare Raumfahrt ist kein Ding, das Menschen glücklich macht. Die Physik und so… Das größte Problem: Die Zeit. Bei hohen Geschwindigkeiten und weiten Reise entsteht eine enorme Diskrepanz zwischen der Raumschiffbesatzung und den Menschen auf der Erde. Die Raumschiffe, sind aus irdischer Sicht Jahrhunderte, Jahrtausende unterwegs. Was hat das für einen Sinn? Die Frage stellen sich die Raumfahrer auch. Aber sie sind nun mal in der Mühle drin und kommen da nicht mehr raus. Wenn sie nach Jahrhunderten die Erde anfahren, herrschen dort völlig fremde Verhältnisse; ihre Verwandten und Bekannten sind längst Staub.
Ja, das ist kein neuer Gedanke. Sicher nicht mal mehr zu der Zeit, als das Werk entstand, aber der Autor beschreibt diesen physikalischen Einfluss auf das Leben der Menschen, inklusive einer gewissen kosmologischen, philosophischen Dimension, sehr eindringlich. Ich fühlte mich angesprochen.
Um die Mühle am Laufen zu halten, brauchen die Raumschiffe immer mal neue Leute, die gern auch schanghait werden. So auch Protagonist Alan. Der wurde mit falschen Versprechungen an Bord gelockt, sträubt sich dann erfolglos, will sogar eine Meuterei anzetteln, um am Ende zu dem zu werden, den er an Bord am meisten hasste: zum kalten, unmoralischen Kapitän, der die Interessen des Schiffes, also seine Interessen, mit Tricks, Härte und auch Grausamkeit durchsetzt.
Ist nicht viel Platz in diesem Roman, der ein ganzes Leben (50 Jahre auf dem Schiff), bzw. einen riesigen Zeitraum auf der Erde (Jahrtausende), abdeckt. Das macht der Autor sehr geschickt, mit wenigen Sätzen zaubert er neue Welten und Gesellschaften herbei. Das fand ich echt beeindruckend. Möglicherweise wurde hier gekürzt, aber für mich nicht merklich. Aus diesen „Skizzen“ hätte man sicher mehr machen können – muss man aber nicht, finde ich.
Ein paar Sachen störten mich schon. So wurde mal ein Problem mit einer vernunftbegabten Art, die einen Planeten eroberte hatte, den irdische Siedler für sich in Anspruch nehmen wollten, kriegerisch gelöst, mit Massenmord (und dann auch noch mit einem Virus…) Das erfährt der Leser in einem Nebensatz. Das spricht nun nicht gerade für großartigen Humanismus, aber vielleicht ist dies der unmenschlichen Welt der Raum- und Zeitfahrer (was sie ja quasi sind) geschuldet.
Der Roman ist groß angelegt, vielleicht mitunter zu klischeebehaftet, was ich gern überlas, weil ich sein Alter im Blick hatte. Vielleicht will der Roman zu viel auf zu wenig Seiten; mir hat dieses kosmische Leben im Schnelldurchlauf aber doch ziemlich gut gefallen.
8 / 10 Punkte
PS Der SF-Dinosaurier hatte seinerzeit das Heft auch beim Wickel: https://a3khh.blogsp...efangen-in.html
Er bestätigt dann auch die Kürzung, die doch erheblich war, betont aber die gute Lesbarkeit des Heft-Romans. Und er meint, dass Hubbard ein „nicht einmal so schlechter SF-Schriftsteller“ war. Na ja, wie schon geschrieben: Ich las anderswo was anderes, aber tatsächlich kann ich das schlechte Vor-Urteil selber auch nicht bestätigen bisher.

„Doktor Methusalem“
TERRA ASTRA Band 135, März 1974.
Der „Heft-Roman“ enthalt vier Erzählungen.
„Die Rache einer Königin“
Der Doc scheint mir Ähnlichkeiten mit „Dem Doktor“ zu haben: Er ist, sein Name weist schon mal darauf hin, sehr alt – 750 Jahre. Ist er unsterblich? Auf jeden Fall ist er Angehöriger der Universal Medical Society und ein Sonnensoldat, der so viel Autorität in der Galaxis besitzt, dass er sogar Königen Befehle erteilen kann.
Nur, wenn man ihn irgendwo als solchen nicht erkennt, landet er erst mal im Knast. So wie in dieser Story. Auf einem Planeten, der vornehmlich von Strafgefangenen besiedelt wurde und entsprechend in Isolation lebte, muss er den inhaftierten rechtmäßigen Herrschern helfen und das versklavte Volk befreien. Im Kern ist das Böse hier zurückzuführen auf eine Verstümmelung und Verunstaltung durch ein Bombenattentat auf die Usurpatorin, die ihre verloren Schönheit in einer üblen Tyrannei zelebriert. Doch da kann der Doc helfen.
Na, ist eine „leichte“ Story, hat was von Dr. Who, finde ich. Die Figur des Doc Methusalem muss man schnell lieben, auch seinen 500 kg schweren Assistenten, Hippokrates, ein Gnom, den der Doc einst untersuchen (also sezieren) wollte, dann aber merkte, dass der sehr wissbegierig ist…
„Gefährliche Sklaven“
Ein Plädoyer gegen die Sklaverei, die aber in den gesetzlosen Weiten des Alls an der Tagesordnung ist. Immer da, wo es genug Platz, aber keine Arbeitskräfte gibt, kommt ein findiger „Unternehmer“ und „hilft“ mit Sklaven aus. So auch hier. Auf einem sehr unwirtlichen Planeten, der um 2 Sterne kreist und nur unterirdisch bewohnt werden kann, sind es humanoide Wesen einer anderen Welt, die als Sklaven dort eingesetzt werden.
Nun bricht aber eine Seuche aus und unser Doc hat einen Einsatz. Er bekommt raus, woran es liegt. Das einzige Heilmittel ist es, die Sklaven auf ihre Heimatwelt zurück zu bringen. Da das dem Herrscher sehr teuer kommt, will er lieber seine Sklaven töten als zurück transportieren. Aber das wäre fatal, meint der Doc. Alles hängt mit deren Ernährung zusammen, die diese Sklaven halt gefährlich – sehr explosiv und radioaktiv dazu – werden lässt.
Schon ein interessanter Kniff, den sich der Autor da ausgedacht hat. Auf diese Weise kann er den Sklaven zu ihrer Freiheit verhelfen – aber ohne die Gesellschaftsverhältnisse in Frage zu stellen, die Sklaverei ermöglichen…
„Doc und der Kindergarten“
Die Story beginnt beschwingt. Dieses Wort löst bei mir eine Assoziation mit Gerhard Branstner aus, und seiner „Reise zum Planeten der Beschwingten“. Na ja, ist eher so ein Gefühlt, hat weniger mit inhaltlichen Ähnlichkeiten zu tun. Aber der Beginn dieser etwas längeren Erzählung hat etwas Humoristisches, und Beschwingtes.
Aber der Schein trügt dann doch wieder. Es wird bösartig. Diesmal erhält der Doc einen Notruf, dem er sich umgehend widmet, aber weniger, weil er die Pflicht rufen hört, sondern weil der Planet, den er nun anfährt, Wein und jagdbare Wasserbewohner verspricht; er will guten Wien trinken und angeln. na ja…
Aber es gibt schon einen Grund, hier Panik zu bekommen. Auch wenn der Doc so tut, als gehe ihn das dann alles gar nichts an, was ihn mir etwas unsympathisch macht, aber das gehört zu seinem überragenden Verstand und kontrollierten Vorgehensweise.
Also es gibt da eine Station, die sollte Löwenembryos bekommen. Löwen werden als natürliche Gegner einheimischer Raubtiere benötigt. Aber es sind 38.000 menschliche Embryonen, die da „ausgebrütet“ wurden. Irgendwie sind die komisch – oder eher: Supergefährlich. Sie sind schon als Babys aktive Kämpfernaturen, die offensichtlich eine echte Bedrohung darstellen, für alle anderen Lebewesen.
Dazu kommt, dass ominöser Weise ein Schlachtschiff den Doc aus dem Orbit angreift.
Unterm Stich hat man es hier mit einer außergalaktischen Invasionsvorbereitung zu tun und der Doc weiß ein Mittelchen dagegen – übrigens kommt seine Lösung ohne den von allen anderen und dem Leser (?) erwarteten Massenmord an den Babys (die aber gar keine sind) aus.
„Das Luftmonopol“
Der humoristische Ton setzt sich hier fort. Aber noch bemerkenswerter ist der Umstand, dass unser Doc noch mehr in die Nähe von Dr. Who gerückt wird! Er ist jetzt schon über 900 Jahre alt und er muss wohl immer mal sogenannte „Rejuvenierungen“ durchführen, sonst gelangt er an das Ende seines Lebens. Find ich erstaunlich, die Stories um Doc Methusalem entstanden zwischen 1947 und 1950, also ein Weilchen vor Dr. Who.
Wieder sind wir auf einer Welt, wo es Sklaverei gibt. Schien wohl ein Steckenpferd von Mr. Hubbard gewesen zu sein. Übrigens ist Hippokrates auch ein „Sklave“ – vom Doc, aber wie wir lesen werden, dann doch eine wichtige Bezugsperson für ihn, ein unersetzbarer Begleiter, sogar ein Freund. Dem kleinen, aber schweren, vierarmigen Senf und Gips essenden Begleiter des Doc geht es diesmal an den Kragen und der Doc muss sich bemühen, ihn zu heilen.
Zuvor aber bringt der Doc sie beide in Gefahr, weil er eine Sklavin, in die er sich verguckt hat, quasi befreit. Obwohl sie und die anderen Sklaven diese Befreiung nicht wollen, denn dann würde ihnen die lebensnotwendige Luftration gestrichen werden.
Luft, die den Planten umhüllt, wird von einem Konzern verkauft, bzw. zugeteilt? Kann das gehen? – Am Ende: Natürlich nicht. Da steckt eine miese Masche (oder „Geschäftsmodell“) dahinter, und der Tyrann hantiert eher mit Drogen, denn mit Luft.
Wieder recht spannend, flott erzählt, zwischen (nicht so sehr komplexem) Humor und Dramatik pendelnd. Mir hat es gefallen.
Insgesamt eine interessante Figur, die Hubbard da geschaffen hat. Scheinbar unmoralisch und gleichgültig gegenüber Lebewesen, aber dennoch immer bemüht, Krankheiten, elend, Unterdrückung zu beseitigen. Dieser Widerspruch ist da, wird nicht weiter erklärt und auch nicht gelöst.
8 / 10 Punkte

„Versklavte Seelen“
Wie in der Dezember-Leseliste bereits erwähnt, war Hubbard für mich seit DDR-Zeiten ein Mysterium. Tatsächlich konnte ich es jetzt erkunden. Das war fast ein Zufall, denn das Buch, aus dem mal jemand in einem anderen Buch, das in der DDR erschien (nl konkret Reihe; was über Sekten im „Westen“), konnte ich lange Zeit gar nicht bestimmen. Ich wusste nur, dass es dort einen „Zongri“ gibt, der einen Professor mit einem Schwert zweiteilt. Das wurde als Beispiel für die Abscheulichkeit der Trivialliteratur des späteren Sektengründers herangezogen.
Wie ich schon im Dezember meinte: Das schreckte mich weniger ab und weckte eher meine Neugier. Doch wie bekomme ich raus, in welchem Buch das steht? Nun, ganz so schwer ist es nicht herauszubekommen, denn von Hubbard erschien auf Deutsch nicht allzu viel; ausgenommen seine Dianetik-Sachen und die SF-Bücher, die er in den 80ern schrieb. Mein Vorhaben, „alles“ von ihm zu lesen (was verfügbar ist und was eben nicht meinen Ausschlusskriterien entspricht) klingt nur auf den ersten Blick, eine große Herausforderung zu sein, denn es wurde herzlich wenig von ihm übersetzt. Ein paar Heftromane sind dann auch noch ziemlich teuer. So bleiben mir nur 3 Einzelausgaben (und 1 Story bisher).
Hier nun das umfänglichste Werk – und – Tataaa! – das mit dem Professoren-teilenden Zongri!
Und? War es nun so schlimm?
Tja also, eigentlich nicht. Im Grunde ist es ein ziemlich typischer Low-Fantasy-Schmöker; mit einer interessanten Ausgangsidee.
Wir wissen ja, dass unsere Seelen im Schlaf auf Wanderschaft gehen. Doch wohin? Leider können wir uns im Wachzustand daran nicht erinnern. Außer, wenn wir verflucht werden, z.B. von einem Ifriten. Den hat nämlich der schmächtige und nicht allzu lebenstüchtige Erbe eines Großunternehmens in einem Kupfertopf in seiner Villa. Da nun der vormalige Besitzer tot ist, will auch endlich ein echt fanatischer und unsympathischer Professor an das Geheimnis dieses Topfes. Der schreckt vor einem Einbruch nicht zurück und weckt den Geist im Topf nach 5000jähriger Gefangenschaft.
Zongri entschlüpft dem Topf. Der Ifrit ist 5 Meter groß und man kann ihn sich wohl als so eine Art Teufel vorstellen. Der schnappt sich das Schwert, das über dem Kamin hängt und erschlägt den Prof.
Und wer wird des Mordes beschuldigt? Na klar, Jan Palmer, besagter junger Erbe, den seine Verwandten und die Betriebsleitung gerne weghaben wollen, da er den unternehmerischen Betriebsablauf nur stört.
Jan ist dann noch in die Sekretärin verliebt, landet aber im Knast mit Mordanklage. Er tischt dem Richter seine Story mit dem Geist aus dem Topf auf. Das soll den Anklägern als Vorlage für eine Einweisung in die Psychiatrische dienen.
Zongri hat Jan verflucht: Er kann nie wieder schlafen! Was bedeutet, dass er in den Phasen des Schlafes in eine andere Welt und Identität schlüpft. Hier haben wir also so einen 08/15-Fantasy-Ansatz: Der schwächliche Erdenmensch wird zum Draufgänger und wilden Abenteurer in einer anderen Welt. Dort gibt es auch verschiedene phantastische Wesen, ein feudales, spätmittelalterliches System, mit Königin und echten Feinden.
Der Hauptkonflikt, in den Jan, hier als „Tiger“, hineingerät, besteht zwischen Zongri, der auch dort lange Zeit als verschollen galt, und der Königin Ramus, einer abscheulichen Kreatur – zumindest in den Augen Jans.
Hubbard spielt sehr schön mit den Identitäten, denn Jan ist sich auch als Tiger seiner anderen Persönlichkeit, dank des Fluches von Zongri, bewusst, und umgekehrt. Wenn er nämlich in der Parallelwelt müde wird, wacht er wieder in seiner Jan-Welt auf.
Es braucht ein Weilchen, bis Jan-Tiger alle Probleme seiner beiden Seins-Ebenen lösen kann, aber er kann sie lösen, gern auch mit miesen Tricks und etwas Gewalt und Kraftanstrengung.
Ich fand den Roman recht unterhaltsam und gar nicht so schrecklich, wie er mir einst „angepriesen“ wurde. Das alles hat ein happy end, die Bösen werden bestraft, die Guten können heiraten. Eigentlich eher Kitsch, denn Horror.
Einige Passagen in der Fantasy-Welt erschienen mir zu lang, da sie mit ihren Kämpfen etc. austauschbar, da passiert zwar viel, aber es geht mit der Story nicht wirklich vorwärts – Seitenschinderei. Aber gut, insgesamt ist es ja kein dickes Buch.
7 / 10 Punkte


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PEGASUS (Literatursalon in Halle) fliegt weiter

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 11 February 2021 · 284 Aufrufe
Salon PEGASUS, Ellen Norten
Zeit: 10.02.2021, 19:00
Ort: Irgendwo im Internet (eigentlich Halle/S.)

Literatursalon PEGASUS…
…ohne Salon, dafür im Wohnzimmer.
Der Literatursalon PEGASUS aus Halle / Saale existiert weiter. Das ist ja schon mal die gute Nachricht. Natürlich derzeit ohne Life- und Vor-Ort-Präsenz im Literaturhaus in Halle. Das hat zu, was kaum verwundert. Aber die PEGASUS-Leute machen weiter, seit geraumer Zeit online. Nun, auch das ist sicher nicht so überraschend, denn viele Stammtische, Lesungen etc. (und was weiß ich, was noch so alles gibt; ich sehe das aus dem Blickwinkel des SF- und Literaturinteressierten) sind dorthin verlagert worden.
Auch wenn das natürlich nicht dasselbe ist, und man als Büromensch derzeit vielleicht an so einem Mittwoch schon die dritte Video- / Telefonkonferenz hinter sich hat, so ist es ein Weg, so eine Sache nicht einschlafen zu lassen.
Am 10. Februar war es mal wieder soweit. Vier Mutige haben ihre Texte vor einem kleinen, interessierten Publikum vorgetragen. Da gab es z.B. zuerst Gedichte, stimmungsvoll und voller Wort-Bilder. Okay, nicht wirklich so mein Ding.
Danach eine für mich neue Stimme in der Runde. Frau Jeannette Drygalla las und provozierte zu ausführlichen Reaktionen des Publikums. Nun, dank Internet kann man schnell herausbekommen, dass sie quasi ein Wort-Profi ist. Fand ich ja gut, dass sie diesen Literatursalon gefunden und damit sehr bereichert hat.
Volker Adam, ein SF-Kumpel aus dem ASFC Halle, gelegentlich und gern gesehener Mit-Autor im NEUEN STERN, las auch – zum wiederholten Male. Dabei hält er sich nicht bei der Phantastik auf (wobei ich es natürlich sehr missen würde, wenn er sie vernachlässigen würde). Er hatte einen Text dabei, der aus einer Art Not geboren wurde. Ein Mitmensch bat ihn um eine Einschätzung seiner Person, eine Beurteilung für eine Bewerbung. Das Ansinnen missfiel dem Autor zuerst und er verfasste aus Frust einen Frust-Text, der – natürlich nicht auf die zu beurteilende Person gemünzt – eine moralisch zweifelhafte, sogar verwerfliche, dafür um so lustigere Einschätzung bot.
Da es ja ein Jahresheft des Lit.Salons gibt (Nr. 2 erscheint demnächst), würde ich mir wünschen, wenn diese Story (? – ist es überhaupt eine?) dort zu finden wäre.
Danach las Ellen Norten noch ihre Story aus dem NEUEN STERN 62: „Emil Blutrausch“. Eine humoristisch, ironische Space-Vampir-Story mit Lokal-Kolorit. (Habe ich schone erwähnt, dass die im NEUEN STERN 62 zu finden ist? Dort auch eine Story von Volker, übrigens, eine bösartig mädchenhafte; ich wollte es nur mal erwähnt haben.)

PS. Ich muss mal fragen, ob die Einladung zum virtuellen PEGASUS hier auch eingestellt werden kann. Ich denke aber, dass – sollte jemand Interesse am Zuhören, oder noch besser: Am Mitmachen, also am Vortragen eigener Texte haben – man sich gern an Ellen wenden kann, um eingeladen zu werden.
Der nächste Salon ist am 10. März.
PPS: Rückmeldung erhalten. Bei Interesse bitte melden bei: ellen.norten@gmx.de - Dann bekommt Ihr die Einladung (und Ellen klärt auch über die Modalitäten für das Lesen auf)


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Jahreswechsel in Hofmanns Leseliste

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 05 February 2021 · 289 Aufrufe
Arnolt Bronnen, Ira Levin, 2021
noch 2020 - Nachtrag, den ich schuldig blieb

61 – Monika Maron: „Stille Zeile Sechs“
Da ja nun alle über Monika Maron sprechen, will ich sie wenigstens auch mal lesen. In der Hausbibliothek steht dieses Buch. Das ist nicht das aktuelle, auch kein „umstrittenes“. Das ist so eine Abrechnung mit der DDR. Aber auch mit der Vätergeneration, so ganz allgemein.
Liest man es jetzt, kommt es einem 30 Jahre zu spät vor. Die Brisanz ist futsch; über das verdorbene Experiment Sozialismus auf deutschem Boden wurde ja schon oft und umfangreich geschrieben. Interessant ist es natürlich schon noch, zumal für jemanden wie mich, der in der DDR groß geworden ist.
Ich fühle mich aber als solcher (DDR-Geborener) recht wenig „ertappt“. Könnte ja sein: Die Vorwürfe, die die Protagonistin (die Ich-Erzählerin hat sicherlich viel von der Autorin) dem SED-Regime allgemein und deren Protagonisten im Besonderen macht (dem fiktiven Bonzen Beerbaum und ihrem Vater – der im realen Leben immerhin ein Minister war, im Buch Neulehrer und Schuldirektor), könnte ich mir ja annehmen. Mach ich aber nicht. Die Autorin prangert Dinge an, die ich selber auch nicht gut fand. Vor allem die Borniertheit in der Diskussion über Missstände – die ja gar nicht wirklich stattfand. Und diese platten Sprüche, schrecklich, keine Frage.
Was mich an ihrer „Kritik“ aber echt stört: Sie kritisiert nicht nur Haltungen und Charakterschwächen, auch die aus ihrer Sicht falsche Ideologie, sondern auch persönliche Äußerlichkeiten (Alter, Figur, Kleidung). DAS fand ich echt daneben. Vielleicht menschlich verständlich, denn wen ich nicht leiden kann, den finde ich ggf. auch hässlich, aber so in dieser Form (und wiederholt) fand ich das echt daneben.
Der Hauptkonflikt ist der zwischen Bildung und Macht – die Mächtigen, ehemalige Proletarier, weitestgehend bildungsfern aufgewachsen, entscheiden über Wohl und Wehe von Bildungsbürgern. Und die können sich nicht mal effektiv lustig machen über die „dummen“ (und hässlichen) Mächtigen. Es bleiben Ohnmacht und Wut.
Das alles beschreibt die Autorin einfach großartig, das muss man schon mal sagen. Der Plot ist sogar durchaus spannend, obwohl man dies ja nicht unbedingt erwarten würde (also ich). Die Sprache ist teilweise auch poetisch, aber insgesamt klar und nicht intellektuell verschwurbelt (was man auch erwarten könnte, also ich).
Okay, die Lektüre hat sich gelohnt für mich! Und ich will jetzt auch mal was Neueres (und Umstrittenes) von ihr lesen. Demnächst…
8 / 10 Punkte

jetzt aber: 2021 - der Januar, mit ein bisschen Februar
1 – Arnolt Bronnen: „O.S.“
Das Jahr beginnt bei mir politisch. So, wie es aufgehört hat (siehe Nachtrag). Das Buch war aber schon lange fällig. Versuche ich doch gerade, einen Menschen zu verstehen, der – nicht nur einfacher Mitläufer – scheinbar einfach mal so die politischen Fronten wechselte, und zwar radikal.
Wenn man sich mit Arnolt Bronnen befasst, stößt man unweigerlich auch auf seine Tochter, Barbara Bronnen, die interessanter Weise das gleiche Problem hat, nur halt wirklich existentiell, da sie als Familienmitglied „betroffen“ ist: Wie konnte ihr Vater so eine Karriere hinlegen? Sie schrieb ein Buch darüber, wie sie und ihr Bruder sich auf die Spur des Lebens ihres Vaters machten; ich befürchte, das muss ich auch noch lesen („Das Monokel“).
Für mich ist das nur „Grübel-Sport“ – etwas, was mich einfach fasziniert. Bronnen habe ich kennen und lieben gelernt mit seinem Roman „Aisopos“. Damals, als Jugendlicher in der DDR, wo das Buch erschien, hatte ich noch gar keine Hintergrundinfos. Das kam später. Und damit auch das Grübeln über diese „Un-Person“.
„O.S.“ ist schon ein „reifes Zeugnis“ seines weltanschaulich-politischen Wandels zum „Rechten“. Der Roman wurde von seinem Kumpel Goebbels gelobt. Der ehemaliger Brecht-Freund und Theater-Revolutionär hat nun eindeutig die Fronten gewechselt. – Wobei: Hat er es? Oder hat er sich einfach nur „verirrt“? Er wird ja in die nationalbolschewistische Ecke gestellt und saß im Grunde immer zwischen den Stühlen.
Und das merkt man dem Roman an. Sein Hauptheld ist ein gestandener Proletarier, der vom Kommunisten zum Nationalisten und Freischärler in Oberschlesien wird. Er lässt sich dort von den Ereignissen Anfang der 20er Jahre in Beschlag nehmen. Für ihn – und Bronnen – war eine nationalistische Haltung für Deutschland und gegen Polen kein Widerspruch zu einer positiven Haltung zur unterdrückten Arbeiterschaft. Na ja, so kann man sich irren…
Ich lass mich zu dem Roman und Bronnen in meinem Sternesplittern dann noch etwas aus; also, wer Lust drauf hat…
Keine Wertung

2 – Ina Elbracht: „Pentimenti“, illustriert von Daniel Bechthold
Darüber hatte ich schon berichtet -Klick-

3 – Arnolt Bronnen: "Film und Leben. Barbara La Marr"
Ich bin gerade im BRONNEN-Fieber. Dabei macht er es einem ja nicht leicht, schließlich hat er sich in verschiedenen Phasen seines Lebens verschiedenen Extremen zugewandt und ergeben. Jetzt wollte ich mal schauen, ob bei einem unverfänglichen, unpolitischen Thema das auch eine Rolle spielt.
Nee, tut es nicht! Das Buch hier ist eine Exkursion in die sprühenden, glühenden 20er Jahre, in der die Filmindustrie entstand und ihre ersten Stars und Skandale hervorbrachte.
Das Buch entstand 1927 und behandelt das Leben der Schauspielerin (und Drehbuchautorin, Burlesk-Tänzerin, Lebe-Dame und Rauschgiftsüchtigen) Barbara La Marr. Sie lebte von 1896 bis 1926. Gestorben ist sie am Übergenuss an Rauschmitteln und quasi an Überarbeitung. Sie betonte immer, dass sie nicht mehr als 2 Stunden Schlaf bräuchte; alles andere wäre Zeitverschwendung.
Sie war „das Mädchen, das zu schön ist“. Ein amerikanischer Traum. Nach schwerem Anfang ein Stummfilm-Star mit richtig großer Gage; eine der ersten Hollywood-Größen mit viel Kohle – die sie aber auch, folgt man dem Roman, gern und schnell verbrannte. Und was sie so alles in ihren nicht mal 30 Lebensjahren erlebte! Bronnen hat sich da jemanden rausgesucht, mit der man halt einfach einen großartigen Gesellschafts- und Abenteuerroman fabrizieren konnte. Das ist ihm voll & ganz geglückt. Ich bin echt angetan von dem Buch – und auch von der schönen Frau…
10 / 10 Punkte

4 – Christa Wolf: „Was bleibt“
Mein Lesejahr begann politisch, so wie das letzte aufhörte und wird nun noch ein wenig so fortgesetzt. Bin gerade beim „Aufarbeiten“. Nach Marion Marons Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit nun ein kleines Werk von Christa Wolf.
Ch. Wolf ist ja „etablierter“ in der DDR gewesen als M. Maron. Wurde aber auch observiert. Hängt mit Biermann zusammen, aber auch schon davor, erst verdeckt, dann offen observiert – das ist genau das Thema der Novelle. Sie setzt sich in dem kurzen Text mit ihrer Observation auseinander. Sie schreibt über Leute, die sich der Stasi verschrieben haben und über Leute, die sich dieser widersetzten. Das alles auf großzügig bedruckten 100 Seiten.
Ich bin kein Wolf-Leser, weiß daher nicht, wie weit dieses Thema woanders bei ihr noch eine Rolle spielte. Ich nehme mal an, so deutlich wie hier in dem Text, der nach 1990 erschienen ist, spielt es in den Werken, die sie in der DDR veröffentlichen konnte, eher keine große. Allerdings ist er schon in den 70er Jahren entstanden also unmittelbar unter dem Eindruck dessen, was sie da schildert. Das hatte natürlich keine Chance, auch veröffentlicht zu werden.
Interessant ist aber, wie sie einer jungen Autorin rät, sich in ihren Texten nicht zu stark gegen den Staat zu engagieren. Die junge Frau sucht den Rat der gestandenen Autorin. Die Szene fand ich großartig, denn sie zeigt, wie man als kritisch denkender Mensch und Schriftsteller in der DDR „überleben“ konnte. Der Eindruck des Duckmäusertums, der dadurch entstehen kann, ist irrelevant (ich selbst habe gar keinen Grund, so zu tun also ob), jemanden vorzuwerfen, er oder sie hätte nicht „ordentlich“ Widerstand geleistet, zeugt eher von Unkenntnis des Lebens bei „uns“. Wie auch immer: Mich hat die Erzählung durchaus beeindruckt.
9 / 10 Punkte

5 – Arnolt Bronnen: „Roßbach“
Was für ein schreckliches Buch! Leider habe ich mir dieses Buch als letztes in Sachen Bronnen ausgesucht. Leider, leider…
Ich möchte da gar nicht über den Inhalt schreiben, aber es ist auch stilistisch unterste Schublade. Sehr ärgerlich, weil ich mit dem Buch meine Bronnen-Lektüre (erst einmal?) beende. Ob da dieser miese Eindruck alles überdeckt?
4 / 10 Punkte

6 – Monika Maron: „Munin, oder Chaos im Kopf“
Als Hörbuch, gelesen von der Autorin
Das ist wohl das erste (?) Buch der Autorin, mit dem sie politisch aneckte – in der BRD. In der DDR hatte sie ja bereits einschlägige Erfahrungen gemacht. Jetzt hat sie ein neues Feld ihrer kritischen Sicht für sich gefunden. Aber immerhin muss sie das Land nicht verlassen.
Okay, ich mach es kurz: Ist nicht meine politische Position, die sie einnimmt. Interessant ist aber, dass sie „nur Fragen“ stellt, sozusagen. Ihre fiktive Autorin – die Ich-Erzählerin – soll einen Essay über den 30jährigen Krieg schreiben und in dem Zusammenhang kommen ihr Assoziationen zu der 2018 aktuellen Lage in der Welt und in Deutschland. Es geht um die syrischen Kriegsflüchtlinge, die – so die Autorin – den Krieg mitbringen. Aus ihrer Sicht leben wir hier in Europa in einer Vorkriegszeit. Das betont sie mehrmals.
Der Untertitel des Romans soll darauf hindeuten, dass sie sich noch gar nicht im Klaren darüber ist, was sie genau über all das denken soll. Um das Chaos zu sortieren, hält sie Selbstgespräche; als Gesprächspartner steht ihr ein einbeiniger Rabe, den sie Munin nennt, zur Verfügung.
Der rote Faden im Buch wird aber durch einen anderen Konflikt geprägt: Im Haus der Protagonistin lebt eine Frau, die jeden Tag auf dem Balkon steht und grässlich, dafür laut singt. Sie hat psychische Probleme. Die Mitbewohner der ganzen Straße leiden unter ihr. Sie können aber die Situation nicht klären. Die Frau ist durch ihre Krankheit geschützt, einen Pflegplatz bekommt sie aber auch nicht. Auf jeden Fall entwickelt sich anhand dieses Problems ein Konflikt zwischen den Bewohnern der Straße, der stellvertretend für die gesamte politische Situation steht.
Ja, kann man sicher so machen. Wobei die Autorin sich um eine Antwort bzw. Lösung drückt. (Ja, ist sicher nicht ihre Aufgabe.) Aber wie sie die Fragen stellt, wie sie Fakten in einen Zusammenhang stellt und den Bezug zur Situation vor und im 30jährigen Krieg, hat zumindest den Verdacht genährt, in welcher Richtung sie die Aufmerksamkeit ihre Leser und Leserinnen lenken möchte.
Ich fand den Roman durchaus kurzweilig (er ist ja auch schön kurz), interessant, aber kaum erhellend. Mal sehen, vielleicht lese oder höre ich ihren aktuell letzten Roman noch?
ohne Wertung

7 – Ira Levin: „Rosmaries Baby“
Ein Klassiker! Endlich gelesen! Hurrraaaa!
Es läuft da gerade so eine kleine Ira-Levin-Challenge in der Redaktion des NEUEN STERNS, na ja, es sind 2 Leute, die mal mehr von dem Autor lesen und vorstellen wollen; der eine davon bin ich. Da mein „Kollege“ damit angefangen hat, werde ich die beiden Roman um „Rosmaries Baby bzw. Sohn“ vorstellen und er ein paar andere. Also, ausführlich gibt es dazu dann im NEUEN STERN dann was. Aber ich werde auch weiter Bücher von dem Autor lesen, denn das habe ich schon mal durch die Lektüre dieses Buches hier erkannt: Der Autor ist großartig!
Macht echt Laune! Auch wenn man den Plot kennt, so ist das Buch einfach spannend. Wobei ich den Film vor 30 Jahren (?) sah – noch in Schwarzweiß. Schaue ich mir natürlich gleich jetzt noch mal an…
Buch und Film sind übrigens sehr kongruent; beide Medien so schnell hintereinander zu konsumieren, ergibt kaum Sinn.
Für mich so nebenbei auch spannend: Der Film spielt ja im Bramford, gedreht wurde aber im Dakota. Das Dakota wird als mögliche Alternative für eine Wohnung, die das Ehepaar sucht, im Text genannt (im Film nicht). Spannend für mich auch, weil ich ja schon mal da war – natürlich nicht reingekommen, da kommt niemand rein…
Zum Inhalt? Muss ich nicht wirklich was schreiben, oder?
10 / 10 Punkte

8 – Ira Levin: „Rosemarys Sohn“
Da hat der Autor tatsächlich eine Fortsetzung seines berühmten Romans geschrieben. Mir kam ja das Ende von „Rosmaries Baby“ sehr offen, wie ein Cliffhanger vor. Aber dann gab es 30 Jahre nichts.
Kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts erinnerte sich der Autor aber daran. Gut so – dachte ich erst. Ich habe den Roman auch mit großem Interesse verschlungen. Aber war das wirklich eine gute Idee?
Also, ich will nicht zu viel verraten. Ich kann Interessierten an dem Stoff sehr empfehlen, den Roman zu lesen. Er ist an mehreren Stellen sehr seltsam. Er greift durchaus die Stränge aus dem Vorgänger auf, spielt mit der Erwartungshaltung der Leser und Leserinnen, indem er Rosemary stellvertretend mit diesen Dingen konfrontiert.
Diesmal ist sie nicht die hilflose Person, aber am Ende wird sie auch verraten dastehen – wobei: Am richtigen, schlussendlichen Ende macht der Autor etwas, was den echten Fans des Buches und Films von Polanski sicher einen enormen Schock versetzten könnte.
Ist das Buch nun eine Gurke? Oder ein genialer Schachzug? Ich weiß es nicht. Ich neige dazu, das Buch zu verreißen und sowas wie 5 / 10 Punkten zu geben. Aber ich achte die Absicht und den Versuch des Autors, seinen großen Mythos fortzuspinnen – und ihn dabei ironischer Weise vielleicht fast zu zerstören. Den Mut muss man erst mal haben.
8 / 10 Punkte


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NEUER STERN 65

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 23 January 2021 · 272 Aufrufe
Nils Wiesner
NEUER STERN 65 Habe ich denn schon von dem neuesten NEUEN STERN berichtet? Nein? Und dabei ist das überfällig, denn ziemlich bald soll es schon wieder ganz neue Ausgaben geben.
Das hier ist aber erst mal das aktuelle Heft. Mit Schwerpunkt-Thema: Amerikanische Ureinwohner im Weltall – nein, nicht ganz richtig, also in der SF. Und Fantasy…
Das Thema ist speziell, so viele SF mit ihnen gibt es gar nicht, aber natürlich mehr, als wir hier im Heft präsentieren können. Trotzdem haben wir einiges zusammentragen können.
Besonders möchte ich natürlich die extra hierfür geschriebene Story von Nils Wiesner hervorheben. Er widmet sich dem Thema von der Alternativ-Historien-Seite – gleich mehrfach. Bitte lesen!
Also, 44 prall gefüllte Seiten + 4 Farbseiten. Nun, es sind noch ein paar zu bekommen…

Inhalt:
Ein paar Indianer in der SF - Editorial von Thomas Hofmann
Nils Wiesner: Der Flug der Gefiederten Schlange, Story
Manifest Destiny, Rezi von Thomas
Martin Cruz-Smith: Der andere Sieger, Rezi von Bernd Wiese
Peter Krassa: Das Geheimnis der Goldenen Höhle, Rezi von Ekkehardt Brux
Dreamkeeper, Filmrezi von Thomas
Peter Schünemann: Zwei völlig verschiedene Welten
Wolf Weitbrecht: Der Mann aus Alaska, Rezi von Peter
Tony Daniel: Kriegspfad, Rezi von Bernd
Philip José Farmer: Das Tor der Zeit, Rezi von Peter
Marcus Hammerschmitt: Der Zensor, Rezi von Thomas

…und dann noch: WEIRD FICTION, Rezis von Peter zu...
...Edward Lee: Die Romanze von Dunwich
...S.T.Joshi: H.P.Lovecraft - Leben und Werk


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Mein Lieblingsbuch 2021

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung 17 January 2021 · 349 Aufrufe
Ina Elbracht, Daniel Bechthold und 1 weitere...
Mein Lieblingsbuch 2021 [Bild: Das Buch mit Daumen des Rezensenten und 2 Bildern von Daniel Bechthold (die beiden rechts im Bild, übereinander hängend, das andere ist ein Stückchen Giger)]

Ina Elbracht: „Pentimenti“, illustriert von Daniel Bechthold
Okay, das Jahr ist gelaufen: Ich habe wohl schon mein Lieblingsbuch in 2021 gefunden.
Dabei wollte es anfangs gar nicht so scheinen. Außerdem wird meine Urteilskraft durch etwas „getrübt“, nämlich durch meinen Stolz. Dabei habe ich gar nichts groß getan, außer etwas Platz im Rundbrief an die Freunde des ASFC, dem NEUEN STERN, zu spendieren. In dessen Ausgabe 43 vom Herbst 2018 erschien nämlich eine Short Story der Autorin – besser: des Autorengespanns – gleichen Titels, die der Nucleus dieses Buches darstellt, erschienen 2020 bei Wurdack in der Edition 100. Aber doch, ein bisschen stolz bin ich schon.
Die Short Story findet sich in einem Erzählstrang des Romans wieder, wird natürlich ausführlicher erzählt. Aber am Ende gilt schon – darauf muss man gefasst sein:

„Ich muss mir eingestehen, dass es Dinge gibt, die bei aller Mühe unerklärbar sind und es auch bleiben.“ (S.162)

Das macht gute Unheimliche Phantastik aus, denke ich: Dass man im Unklaren bleibt, weil man mit etwas konfrontiert wird, was den menschlichen Verstand überfordert, oder untergräbt, oder ad absurdum führt. Genau das schafft das Buch!
Dabei fing es fast zu langsam an. Zunächst werden diesmal zwei Paare eingeführt. Zum einen Adam und Eva aus der Short Story, also Adam, den seltsamen Maler und dessen Frau. Das zweite Paar sind Holly und Paul. Beide Paare sind nicht einfach, bzw. schon besonders. Nun wird auch recht ausführlich auf die beiden Paarbeziehungen eingegangen. Das lullte mich ein. Nun, das las sich nicht schlecht, war interessant und die Autorin ist einfach zu gut, um mich auch bei so einem Thema kalt zu lassen, aber hätte ich dann so euphorisch reagiert, würde es so weitergehen?
Beide Paare erleben wir dabei, wie sie in ihre neuen Domizile einziehen. Adam & Eva weit ab vom Schuss, irgendwo im Wald, wo sie ihre Ruhe haben, wo Adam in Ruhe malen und Eva in Ruhe ihre Pflanzen pflegen kann.
Paul & Holly ziehen auch in so eine Einöde. Holly sucht ein Haus, aus dem sie eine Art grusligen Erlebnispark machen kann. Paul will nur das eine. Aber gut, lest selbst.
Fakt ist, dass es nicht bei Beziehungskram bleibt. Ich habe mich da noch immer gefragt, was beide Erzählstränge verbindet. Dann krachte es bei einem Pärchen. Danach las ich fiebrig weiter und wartete nur darauf, dass es bei den anderen auch kracht.
Es kam auch so und noch heftiger. Wow!
Ja, und wie die beiden Paar-Geschichten zusammenhängen, wird natürlich auch erzählt.
Man soll ja Autoren nicht danach fragen, woher sie ihre Ideen haben. Nun, ich würde das in diesem Falle die Autorin auf keinen Fall fragen, denn ich hätte Angst vor der Antwort. Fakt ist, dass sie mich wieder absolut überrascht und gefesselt hat mit ihrer Schreibe!
Der zweite Autor ist aber Daniel mit seinen Bildern. Für sich genommen erscheinen sie spröde und dunkel. Sie versprechen eine finstere Welt, aus denen sie Ausschnitte zu sein scheinen. Erst mit dem Lesen erkennt man, was man da sieht! Das ist tatsächlich eine Offenbarung. Und man kann sich in ihnen, in ihrem Detailreichtum, verlieren, wie in einem Strudel (oh, war das jetzt ein Spoiler?).
Daniels Stil erinnert mich an die Illustrationen phantastischer Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum. Sie könnten auch im ORCHIDEENGARTEN abgedruckt worden sein, in den 20er Jahren. Für mich sind sie eine Wohltat in der Flut computergenerierter scheinbarer Perfektion auf dem Illustrationssektor.

Leser*innen: Lest mehr Elbracht / Bechthold! Ina & Daniel: Schreibt / zeichnet mehr!
11 / 10 Punkte


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Notiz eines Grafik-Fans (Projekt Sternensplitter)

Geschrieben von T.H. , in Sternensplitter, Phantastische Grafik 06 January 2021 · 519 Aufrufe
STERNENSPLITTER
Notiz eines Grafik-Fans (Projekt Sternensplitter) [Tagebuchaufzeichnung, Rubrik: Thomas zeichnet.]
Bevor in 2021 DAS (ziemlich große) neue Projekt losgeht (losgegangen ist es quasi schon, muss jetzt nur was dazu machen, hat aber Zeit, ist für das laufende Jahr 2021 angedacht), kommt noch ein kleines Projekt. Es spukt schon eine Weile in meinem Kopf herum. Es soll am Ende ein Bild – oder mehrere – dabei herauskommen, die mein Egozine STERNENSPLITTER (die zweite Ausgabe, die erste gab es 2018) schmücken soll.
Im STERNENSPLITTER kommen Texte, die im NEUEN STERN nicht reingekommen sind – nicht, weil sie so mies wären, aber sie tangieren die phantastischen Welten nur, denen sich der NEUE STERN widmet. Das sind Sachen von mir, aber auch von anderen Mitstreitern beim NEUEN STERN. Wenn es soweit ist, sag ich Bescheid.
Das Bildprojekt knüpft an ein absolut geniales Bild an, das jeder und jede kennt: Arnold Böcklins „Toteninsel“. Dieses Bild dürfte schon von vielen Künstlern als Inspiration und Vorbild gedient haben. Und es ist ja auch so genial – sowohl die Komposition, die Farben, die Stimmung, Aussage. Ja, nicht gerade lustig, aber wundervoll melancholisch, schwarz-romantisch.
Für mein Zine wollte ich erst ein Bild nutzen (von dem ich annehme, dass es gemeinfrei ist, da der Künstler schon länger tot ist): https://www.oldbooki...ions/graveyard/
Es ist aus einem alten Märchenbuch und ich nehme an, dass es in einem anderen Zusammenhang als bei Böcklin steht. Der Künstler, Frederick Cayley Robinson, hat sein Bild auch etwas anders aufgebaut als Böcklin. Das zeigt mir, dass man mit dem Motiv auch spielen kann.
Dann kam Jörg Neidhardt mit seiner Variation. Auf seiner Facebook-Seite kann man es bewundern.
Er lässt die Toteninsel im Luftraum schweben. Und da hatte ich meine Idee!
Ich will sie ins All expedieren! Oh, das hat nichts mit Gigantismus zu tun. Damit wird sie ihren morbiden Charme mit einem anderen Gedanken teilen, sie wird so zu einer Insel des Lebens. Zu einem Ort der Sehnsucht, den ich zeitlebens suche und vielleicht nie finden werde.
Nun dürft Ihr mir die Daumen drücken, dass ich diese Idee auch adäquat umsetzen kann. Ich taste mich ran. Hier eine erste Ideenskizze – bei der noch viel fehlt.
Am Ende soll sogar Farbe dazukommen; ich muss das betonen, weil es für mich nicht selbstverständlich ist.


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Das Jahr 2020 und der NEUE STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 31 December 2020 · 188 Aufrufe

Das Jahr 2020 und der NEUE STERN So in Gänze und Farbe sieht das Jahr des NEUEN STERNS doch recht gut aus. Übrigens kommt das C-Wort darin sehr selten vor.
Wir haben ja nur 9 Hefte geschafft, wobei das sicher zum Großteil mein Versäumnis ist, denn es gibt noch eine ganze Menge Material, das noch das eine oder andere Heft füllen wird. Das passiert dann aber in 2021. Das neue Jahr beginnt dann auch wohl gleich mit 2 Heften auf einen Ruck! – Das ist sozusagen auch eine gute Chance für einen Einstieg in unsere phantastische Fluchtwelt.
Noch gerade rechtzeitig kam die letzte Ausgabe bei mir an; ausgeliefert wird daher erst im neuen Jahr. Ich hoffe, liebe Leser*innen, ihr seht es mir nach.
Ich finde es in aller Bescheidenheit allerdings doch recht beachtlich, was wir in diesem verrückten Jahr zustande gebracht haben – einem Jahr, in dem dystopische Zustände Wahrheit wurden, wenn auch anders als es uns hunderte SF-Romane zuvor erzählt haben.
Daher möchte ich mich bei alle bedanken, die hier mitmachten und unseren kleinen Stern wachsen ließen!
Zum neuen Heft gibt’s sehr bald Infos auf diesem Kanal.
Unser NEUER STERN ist ja der „Rundbrief an die Freunde des ASFC Halle“, also erst mal ein SF-Clubinternes Heftchen. Es sind aber kaum clubinterne Nachrichten enthalten, sondern Stories, Artikel, Rezensionen zu SF-u.a. phantastischen Werken, vornehmlich älteren Datums – wie wir, möchte ich fast ironisch hinzufügen. Das Heft ist kein Medium für aktuelle Nachrichten und Werk-Vorstellungen aus dem Genre. Wir machen, was uns Spaß macht. Daher gibt es immer mal wieder Schwerpunktthemen, meist zu Jubiläen – runde Geburtstage berühmter Phantasten z.B. Im Januar feiern wir aber auch z.B. den 100. Jahrestag der Uraufführung des berühmten Theaterstücks „R.U.R“. Das ist uns Anlass, ein Heft über Roboter und andere künstliche Wesen in der SF zu gestalten. Wer sich da mal überraschen lassen möchte, was wir dazu zu sagen / schreiben haben, mag sich gerne melden. (Auch von den anderen abgebildeten Heften sind noch welche da…).
Unser Heft ist in erster Linie ein Werk unserer Club-Autoren; aber nicht nur, es gibt auch immer wieder Beiträge anderer Leser*innen und Gastautor*innen. Das ist auch wichtig und gut so!
Auch hier mein Apell an die Welt: Wir möchten Euch mit dem Heft ein Podium bieten. Bitte meldet Euch!

Unser ASFC – Andromeda Science Fiction Club – hat dies Jahr einen herben Verlust erlitten. Völlig überraschend starb im Frühjahr unser Club-Freund Norbert Danziger. Als wäre das Jahr nicht schon beschissen genug!
Dass da auch eine Reihe unserer Stammtische ausgefallen sind, ist ja noch das kleinere Übel, schmerzte aber auch. Video-Konferenzen sind da nur ein sehr mäßig attraktiver Ersatz. Die lebendigen Treffen in der Kneipe und die Ausflüge fehlen schon (auch, weil das der Umschlagplatz für den NEUEN STERN im Club ist). Oder unsere immer tolle Halloween-Zusammenkunft mit neuen Horrorstories. Diesmal hätte nicht nur Peter Schünemann gelesen. Na ja. Ausgefallen. Aber – wenn es geht – holen wir das nach, die Walpurgisnacht bietet sich an, wie es gerüchterweise heißt.
In diesem Sinne. Machen wir weiter. Ich freue mich da auch auf einige NEUE STERNE, hoffentlich mit neuen Stimmen und vielfältigen Eindrücken.


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Fanzine-Austausch – die Fortsetzung (2)

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung 30 December 2020 · 254 Aufrufe
BWA
Fanzine-Austausch – die Fortsetzung (2) „Und inzwischen lese ich das BWA Aktuell ja regelmäßig“, schrieb ich im Oktober 2019 noch hier, an andere Stelle.

Irgendwie hatte ich mich an den regelmäßigen Fanzine-Austausch gewöhnt. Na ja, damals stockte der Austausch bereits und wurde mit einer massiven Heft-Lieferung wieder aufgenommen. Danach war dann aber für fast ganz 2020 Ruhe. Leider, möchte ich hinzufügen. Aber nichts ist für die Ewigkeit.
Ich weiß auch gar nicht, warum es erst mal endete. Vielleicht gibt es da so ein Ungleichgewicht. Ja, unser NEUER STERN hat selten so viele Seiten wie BWA. Andererseits wird der Platz schon unterschiedlich genutzt.
Inhaltliche Gründe vielleicht? Wir haben ja weniger Perry bei uns (also, gar keinen, um ehrlich zu sein). Auch schaffen wir es eher selten auf regelmäßig 1 Heft pro Monat, was BWA seit gefühlten Jahrhunderten schafft. Dafür: Alle Achtung! Aber wie ich gern betone: Es soll ja nicht in Arbeit ausarten…
Doch kurz vor Weihnachten – vielleicht liegt’s ja an der besonderen Zeit, wo man gern an andere Menschen denkt, an Geschenke, an Freude bereiten – da meldete sich mein Fanzine-Tauschpartner und ich bekam 2 Hefte zugesandt (für die ich mich bereits revanchiert habe). Freude! Ja, habe mich sehr darüber gefreut!
Gleich mal untern Weihnachtsbaum gesetzt und geschmökert.
BWA ist jetzt schon bei den Nummern 446 und 447 für 11 & 12 / 2020. (Auch das werden wir vom NEUEN STERN niiiiie aufholen!). Beide Hefte mit buntem Covern, aber das seht Ihr ja…
Eine erste kleine Überraschung für mich: Eine Autorin kam quasi hier bei den BWAlern dazu, die ich bereits ein bisschen bei „uns“ vermisst habe. Na, vielleicht hat sie hier eine neue Heimat gefunden? (Als Selber-Herausgeber macht man sich natürlich Gedanken, vielleicht sogar Sorgen. Hmm, mag es an der Leserbriefe-Sparte liegen, die wir nicht haben und bei der sie sich dort rege beteiligt? Ja, vielleicht…)
Schauen wir mal in die Hefte.
Ein paar Gedanken zu den Äußerlichkeiten: Letzens wurde auf der Facebook-Seite der Clubs vermeldet, dass Corona-bedingt das erste Mal das Heft komplett am PC erstellt wird. Nanu, dachte ich, wird es das sonst nicht? Auf jeden Fall erklärt sich so, dass die Seiten ziemlich unterschiedlich aussehen. Es sind wohl die Zuarbeiten der Autor*innen, die Seite für Seite montiert werden. Durchgehende Seitennummern gibt’s aber trotzdem. Muss ja doch am Bildschirm zusammengesetzt worden sein, oder?
Die Arbeitsweise erklärt dann auch, warum nach einem Artikel mitunter viel Platz (der Rest der Seite) frei bleiben muss. – Als Selber-Fanzine-Macher fällt mir das halt auf.
Inhaltlich:

Im November...
gefiel mir der Nachruf auf Thomas R.P. Mielke von Karl-Ulrich Burgdorf ganz besonders. Sehr informativ und schön geschrieben! Macht echt Laune, selber mal wieder was von Mielke zu lesen!
Ein paar Sachen, die Leserbriefe zum Teil, aber auch eine Quasi-Fortsetzung eines Artikels zu Terry Goodkind von Angelika Herzog, beziehen sich auf Artikel vorhergehender Hefte. Da fehlte mir der Anschluss. Aber gut. Angelika outet sich als Leserin, die nicht so gerne Endlosserien liest. Da haben wir was gemeinsam! Allerdings ziehe ich schon den Hut, wenn sie nach 10 Teilen eine Serie abbricht, also doch so lange durchgehalten hat. Ich bin ja bei solchen Serien froh, wenn sie verfilmt wurden, wie das ja hier auch der Fall war (Legend of the Seeker) – und an die TV-Serie erinnere ich mich gern!
Uwe Lammers schrieb wieder das Vorwort. Darin erzählt er sehr ausführlich von seinen OSM-Schreib-Abenteuern. Okay, ich denke mal hier muss man schon ein bisschen Fan der Serie sein. Das ist insofern vielleicht ein clubinternes Ding. Seine Rezis waren mir da informativer und die habe ich auch mit großem Vergnügen gelesen. Mir macht es auch nix aus, wenn sie von 2016 sind; ein Aktualitätsfanatiker bin ich auf jeden Fall nicht!
Diesmal war auch recht wenig Perry Rhodan drin. Ein Interview mit Kurt Kobler, das Alexandra Trinley mit ihm führte, über dessen ersten Roman der Perry-Fan-Roman-Serie. Allerdings eine Übernahme aus dem PRFZ-Newsletter.

Und Dezember?
Noch dicker, noch mehr Nachrufe, noch mehr Stories. Das Heft hat satte 80 Seiten. Diesmal gibt es auch 2 Stories, eine von Uwe Lammers, der seine Leser mal wieder in seine schier unendliche Zyklenwelt entführt. Ich muss hier „seine Leser“ betonen, da es mir als Außenstehenden absolut nicht gelang, dort einzutauchen. Allein die zahlreichen Fußnoten haben mir die Lektüre vergällt. Sorry, Uwe. Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann bitte Solo-Geschichten, ohne deinen 30jährigen Schaffensbackground.
Die zweite Story ist von Sabine Seyfarth und ist wie ein Brief an die verstobene Gro0mutter formuliert. Die Autorin (des fiktiven Briefes) macht sich Gedanken über Weihnachten, den Sinn und Zweck des Festes und darüber, ob das nicht abgeschafft gehört. Nun, da es sich um SF handelt, sind das keine gegenwärtigen Gedanken.
Sabine packt da – könnte ich mir vorstellen – Gedanken und Diskussionsergebnisse hinein, die sie als Mensch interessieren, jenseits der Idee zu dieser kleinen Geschichte. Wir kennen die Debatte vielleicht auch aus unserem Erfahrungskreis: Warum feiern wir Nicht-Christen überhaupt noch Weihnachten? Dürfen wir das? Hat das noch Sinn? – Müsste ich mich in einer Abstimmung verhalten, dann wüsste ich schon, auch als Atheist, wo ich das Kreuzchen setze.
Zu 2 Personen gibt es 3 Nachrufe; 2 zu Sean Connery und 1 für den eher unbekannten SF-Autor Richard Lupoff. Der war für mich gleich so gut, dass ich erst mal alle auf Deutsch verfügbaren Romane des Autors bestellt habe. Danke dafür! Mehr brauche ich zu dem Text gar nicht schreiben, oder?
Insgesamt finde ich diese Tradition der etwas ausführlicheren und auch persönlich gehaltenen, trotzdem überaus informativen Nachrufe sehr gut! Na ja, wenn nur die Anlässe nicht wären…
Uwe rezensiert wieder einen Cussler, wie auch im Novemberheft. Jedesmalig sind es Kooperationen, die wohl entsprechend Kooperationspartner ausfallen; diesmal wohl besser als letztes Mal.
Seine Rezi zu Bradbury Marschroniken war aber sehr wohltuend, ein Genuss! Vielen Dank dafür, auch wenn es ja ein allgemein bekanntes Werk ist. Aber die persönliche Note, die er da einbringt, macht das Lesen der Rezi zu mehr als einer bloßen Information.
Diesmal ist auch etwas mehr Perry drin, von daher…
So, genug um den heißen Brei herumgeschrieben. Wer mehr will, bitte an die SF-Freunde in BW wenden:
http://www.science-f...uerttemberg.de/


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2020 - die Leselisten-Abrechnung

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 29 December 2020 · 217 Aufrufe

Das wars also mit 2020. Zumindest auf meiner Lektüreliste sah das Jahr sehr gut aus. Bei den rund 60 von mir gelesenen Büchern gab es im Grunde keine Ausfälle; na gut, eines davon fand ich wirklich ziemlich mies (Der hat auch noch 6 Punkte bekommen, aber so im Nachhinein weiß ich echt nicht mehr, warum ich da so gnädig war…)
Was war denn so drauf auf dem Plan? Na ja, meine Klassiker habe ich weitergelesen, also etwas Blish, einige Bücher von Moorcock, noch ein bisschen Priest, neuerdings Huxley. Das will ich auch im nächsten Jahr weiterverfolgen, da liegt noch was auf dem SUB.
An für mich neuen Autoren kamen Warren Ellis, Sebastian Guhr und Mark Fisher dazu; Kandidaten, von denen ich wohl einfach alles lesen muss. Die drei haben mich auf sehr unterschiedliche Art und Weise beeindruckt, beackern sie auch völlig verschiedene Felder. Zwei davon sind nicht mal originär „Phantasten“, wenn auch absolut phantastische Autoren!
Im Sommer gab es so zwei spezielle Wissensgebiete, die mich gefangen nahmen. Das eine hing mit einer kleinen Textarbeit für einen Verlag zusammen, der den „Frankenstein“ von Mary Shelley neu herausbrachte. Bei meiner Recherche stieß ich auf allerlei Schriftwerke um das Monster und ihre Schöpferin herum. Dass dabei auch eine ganze Reihe Artikelchen entstanden, kann ich bisher nur behaupten; denn bisher war kein Platz im NEUEN STERN und ein Teil davon wird auch gleich ins Sonderformat STERNENSPLITTER ausgelagert. Das 2. Heft wird dann hoffentlich 2021 fertig.
Meine Skala hat 10 Punkte, wobei ich den Rahmen auch gern sprengen lasse – mit 11 Punkten.

Meine Highlights mit 11 Punkten waren:
Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“
Sebastian Guhr: „Die Verbesserung unserer Träume“

Sehr gut gefallen haben mir und mit 10 Punkten bedacht habe ich:
J.L. Borges: „Die Bibliothek von Babel“
Warren Ellis: „Gott schütze Amerika“
Warren Ellis: „Gun Machine“
Charlotte Freise: „Die Seelenfotografin“
Mark Fisher: „Das Seltsame und das Gespenstische“
Sebastian Guhr: „Die langen Arme“
Aldous Huxley: „Das Genie und die Göttin“
Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“
Tim Powers: „Die kalte Braut“
Angela & Karlheinz Steinmüller: „Pulaster“
H.G. Wells: „Die Insel des Dr. Moreau“

Noch sehr gute 9 Punkte haben:
James Blish: „Irgendwann“
Ralph C. Doerge: „Yume. Träumen in Tokio“
Ina Elbracht: „Der Todesengel“
Mark Fisher: „Gespenster meines Lebens“
Sebastian Guhr: „Im Boxring meines Kopfes hau ich jeden um“
Marcus Hammerschmitt: „Der Zensor“
Frank Herbert: „Dune – der Wüstenplanet“
Tom Hillenbrand: „Hologrammatica“
Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“
Aldous Huxley: „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“
Reinhard Kaiser: „Der kalte Sommer des Doktor Polidori“
Michael Moorcock: „Eiszeit 4000“
Michael Moorcock: „Die goldene Barke“
Michael Moorcock: „Der Stahlzar“
Alan Moore, Dave Gibbon: „Watchmen“
Sam Moskowitz (Hg.): „Die Gesichter der Zukunft“
Walter Tevis: „Die Letzten der Menschheit“

Auch gut gefielen mir (8 Punkte):
James Blish: „Auch sie sind Menschen…“
James Blish: „Triumpf der Zeit“
Aldous Huxley: „Affe und Wesen“
Monika Maron: „Stille Zeile Sechs“
Michael Moorcock: „Der Herr der Lüfte“
Michael Moorcock: „Der Landleviathan“
Michael Moorcock: „Die Zeitmenagerie“
Ellen Norten (Hrsg.): „Das Alien tanzt Polka“
Christopher Priest: „Die Stadt“
Christopher Priest: „Der Traum von Wessex“
Karla Schmidt: „Lügenvögel“
Marianne Sydow: 4 x Terra Astra
David Foster Wallace: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“

Was ich nicht übel, aber auch gar nicht überragend fand und 7 Punkte erhielt:
Federico Andahazi: „Lord Byrons Schatten“
Armen Avanessian (Hg.): #Akzeleration
John Clagett: „Das perverse Paradies“
Sebastian Guhr: „Philpots Reise“
Tom Holland: „Der Vampir“
Michael Moorcock: „Rituale der Unendlichkeit“
Anna von Münchhausen: „Der Lügenbaron. Mein phantastischer Vorfahr und ich“
Max Franz Johann Schnetker: „Transhumanistische Mythologie“
Adrian Tchaikovsky: „Die Kinder der Zeit“
Yehuda Shenef und Karel Čapek: „Karel Capeks R.U.R. – Rossum Universal Robots“

6 Punkte bekamen, weil sie mich nicht mehr so richtig überzeugt haben:
Guy Adams: „Sherlock Holmes. Die Armee des Dr. Moreau“
Sebastian Guhr: „Die Selbstlosen“
Frank Herbert: „Der Herr des Wüstenplaneten“
Manuela Lenzen: „Künstliche Intelligenz. Was sie kann & was uns erwartet“

Bei folgenden Büchern vergebe ich einfach keine Punkte, kann verschieden Gründe haben, die ich in den Einträgen der Leseliste auch angesprochen habe. Ich lass das mal so stehen:
Stephen Hawking & Leonard Mlodinow: „Der große Entwurf“
Eugene Thacker: „Im Staub dieses Planeten. Horror der Philosophie“
Mario Vargas Llosa: „Der Traum des Kelten“ (beim 1. Mal gab es sogar 12 von 10 Punkten)


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Hofmanns Leseliste - Der Rest des Jahres 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 25 December 2020 · 320 Aufrufe
Marianne Sydow, Steinmüller und 1 weitere...
Hofmanns Leseliste - Der Rest des Jahres 2020 Angela & Karlheinz Steinmüller: „Pulaster“
Der Roman wird demnächst bei Memoranda erscheinen. Wenn ich richtig zähle, ist das die vierte Publikation des Romans. Ist das sinnvoll? Ja, denn jetzt erscheint der Roman in der Werkreihe bei Memoranda.
Da das Buch wieder eine Vignette von mir zieren soll, habe ich ihn jetzt noch einmal gelesen. Erstmals tat ich das Ende der 80er, vielleicht sogar Anfang der 90er Jahre. Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall ist leider nicht sehr viel bei mir hängen geblieben. Das lag daran, dass er mich damals nicht so erreichte. Sicher hängt da auch mit der Umwälzungszeit damals zusammen; das gilt für fast alle Bücher, die ich damals las. Für mich waren da wichtiger: Studium, Beginn des Lehrerdaseins, Armee-Zeit, Wendezeit natürlich, Arbeitslosigkeit. Kein Nerv für gute Lektüre!
Jetzt las ich die Shayol-Variante. Und bin schlichtweg begeistert! Na, vielleicht musste das Buch reifen – oder ich? Auf jeden Fall ist es aus meiner Sicht ganz großartig gealtert.
Ich habe befürchtet, hier noch mal – unterschwellig, oder sogar vordergründig – eine Auseinandersetzung mit dem realexistierenden Sozialismus im SF-Gewand zu lesen. Ob mir das jetzt noch was geben würde? Doch selbst, wenn davon etwas enthalten ist, so „störte“ es mich jetzt keineswegs.
In der kleinen terranischen Kolonie auf Pulaster herrscht das strenge, hierarchische Regime der Flotte. So ein administratives System ist für so ein Unternehmen eigentlich normal, denke ich. Da man sich hier gegen eine überwältigende Natur behaupten muss, kann man sich eher nicht in Freiheit und / oder kommunistischen Verteilungsverhältnissen ausleben.
Interessant ist aber in dem Zusammenhang die zeitliche Dimension, in der „Entscheidungen“ durch die Flottenleitung gefällt werden. Da Flüge mit halber Lichtgeschwindigkeit bei den Entfernungen immer noch Jahrhunderte dauern, kann man sich kaum vorstellen, wie so eine Organisation vernünftig geleitet werden soll. Das wird im Roman auch thematisiert. Der Hintergrund dieser seltsamen Gesellschaft, in der Menschen aus verschiedenen Epochen auf diesem besonderen Planeten zusammentreffen und zusammenleben sollen, ist schon mal absolut faszinierend.
Im Mittelpunkt stehen aber die vernunftbegabten Saurer auf Pulaster, die Hreng. Und ein Mensch, ein Raumfahrer, der quasi auf Pulaster gestrandet ist. Er kann dort aus Gründen nicht mehr weg. Das nimmt ihn erst mal gar nicht für seine neue Heimat ein. Aber das wird. Und dieses Werden und seine Freundschaft zu einem Hreng, das in Bedrängnis gerät, dazu diese Dschungel-Welt mit dem Dauerregen, all das beschreiben die Autoren so überaus faszinierend.
Sie haben sehr viel Hintergrund geschaffen, die Welt, die Hreng, ihre Kultur, ihre Biologie (eingeschlechtlich), ihre Gesellschaft, die auf Fortschrittsverzicht basiert. Diese Kultur der Hreng, die irgendwann in ihrer langen Geschichte darauf verzichteten, sich aus ihren steinzeitlichen, urtümlichen Verhältnissen fortzuentwickeln, also z.B. auf Feuernutzung und Metallverarbeitung zu verzichten, damit aber im Einklang mit der üppigen Natur leben zu können, erscheint heute ja aktueller denn je.
Da es sich um Hard SF handelt, dürfen auch Physik und Kosmologie nicht zu kurz kommen. Es wird nach Dunkler Energie geforscht. Die „Zahl“ spielt eine große Rolle, also so eine Art Theorie von allem (…lautet die „Zahl“ nicht 42?). Und eine mysteriöse Hyper-Zivilisation, deren Spuren man nachjagt, aber deren man nicht habhaft wird, wabert so im kosmischen Hintergrund. Die „Außenzeitler“ sind sicher sowas wie die Wanderer bei den Gebrüder Strugazki, nehme ich mal an.
All das spielt eine große Rolle und dennoch bleiben sie bei ihren Figuren; die stehen im Mittelpunkt.
Einfach ein großartiger Planetenroman, der nach so viel mehr schmeckt. Na, ihr merkt, ich bin begeistert und möchte ihn daher einfach mal wärmstens empfehlen.; vielleicht ja ein bisschen warten, in 2021 erschient die Neuausgabe.
10 / 10 Punkte

Marianne Sydow: 4 x Terra Astra
Von der Autorin gibt es, soweit mit bekannt, keine „richtigen“ Bücher. Sie schrieb Heft-Romane. Für mich gut: Sie schrieb auch außerhalb von Serien eigenständige Romane. Vier davon las ich nun am Stück. Für meine Leselisten-Abrechnung nehme ich die 4 Hefte mal als 1 Buch. Im Einzelnen waren das also folgende TERRA ASTRA-Hefte:

#220: „Affäre Interstar“
2017 hatte ich das Heft schon mal gelesen und war recht angetan. Ist ja „nur“ ein Heftroman. Aber das gilt hier nicht, denn es ist kein Serien-Teilchen und auch keine eingekürzte Übersetzung, sondern halt eine eigenständige Geschichte. Ob es wirklich ein „Roman“ ist, sei dahingestellt. 2017 habe ich einfach Novelle dazu gesagt. (alter Blogeintrag) Ich nehme also daher jetzt der Einfachheit halber an, dass diese Texte auch für den Umfang konzipiert waren, da extra so geschrieben; also nicht im Nachhinein eingekürzt. Bei Übersetzungen muss man ja davon ausgehen, nur das halbe Buch (oder so) zu lesen…
Damals versprach ich (mir in erster Linie), mehr von ihr zu lesen. Nun endlich also…
Aber zunächst noch mal dieses Heft. Es ist ein SF-Krimi, bei dem es um nicht mehr, nicht weniger als die Rettung der Menschheit vor dem Zugriff eines bösen Usurpators geht. Zumindest andeutungsweise.
In einem „Nachts im Museum“-Opening scheint es in einem Museum für außerirdische Artefakte und Naturkunde zu spuken. Die Nachtwächter nehmen jedenfalls seit geraumer Zeit regelmäßig Reißaus. Übrigens stimmt hier das Titelbild sogar: Ein hilfloser Mann inmitten von Monstren.
Der Fall soll von einem Privatdetektiv gelöst werden. Hinter der Affäre steht natürlich ein großes Ding. Es geht um eine Kristall-Mosaik-Wand, außerirdischer Herkunft. Die kann mehr als nur schön sein, wie wir erfahren. Ein skrupelloser Konzernboss wittert das große Geschäft mit einer Art Psycho-Waffe.
In erster Linie ist es ein rasanter Krimi. Die Figuren haben ihre Funktionen und herausgearbeitete Allianzen und Positionen zueinander werden im Laufe der Handlung in Frage gestellt und neu sortiert.
Nebenbei aber wird auch so eine für mich faszinierende Welt der Zukunft entworfen, in der mit wenigen Pinselstrichen, oder Worten, die Ausbreitung der Menschen in der Galaxis gezeichnet, in der sie viele fremde Welten mit interessanten Naturphänomenen, Tieren und sogar vernunftbegabten Wesen gefunden hat. Aber „wir“ sind keiner hochstehenden Zivilisation begegnet, nur den Hinterlassenschaften einer solchen. Wohin sie entschwand, weiß niemand. Vielleicht haben wir es nun mit ihnen zu tun? Oder ist das doch nur… Die Antwort auf diese Fragen bekommen wir hier auf den 60 Seiten auch. Mir hat der Roman wiederum großen Spaß gemacht; ich bleibe bei den 2017 vergebenen 9 /10 Punkten.

#328: „Planet der Verrückten“
Der Roman trägt auf dem Cover die Bezeichnung „Eine SF-Humoreske“. Das Cover passt auch wieder sehr gut zum Inhalt. Auf der Homepage von M. Sydow, der Villa Galactica, kann man die vollständige Version dieses Romans erwerben. Zumindest in diesem Fall ist das Heft die gekürzte Version des Romans. Allerdings erfolgte die Kürzung wohl nicht aus Platzgründen, sondern wegen inhaltlicher Fragen. Es gibt da wohl vor allem sexuelle Anspielungen, die im Terra Astra Heft dann nicht enthalten sind. Da ich den Roman als Heft las, kann ich mir sie zumindest vorstellen. Ob das aber wichtig für den Roman ist, weiß ich nicht, glaube ich aber auch nicht.
Also, da gibt es den Planten Harako. Auf dem leben ziemlich unkaputtbare, kleine, amorphe Aliens in paradiesischen, also vorzivilisatorischen Zuständen. Aber sie lernen schnell von den Menschen, leider scheinbar den ganzen Unsinn, wie Krieg und so was. Da sie aber mit vielen „Konzepten“ der menschlichen Natur und Zivilisation nichts anfangen können (Liebe, Scham, Tod), weil sie eben ganz anders sind, ahmen und spielen sie nur nach und das halt recht unsinnig und kurios.
Jedenfalls gibt es wohl seine Art galaktischen Rat der Zivilisation, die diese Entwicklung mit Sorge beobachtet.
Dazu kommt dann noch, dass ein Psychotherapeut, der einen recht miesen Ruf hat, dort helfen soll – und noch mehr verdirbt.
Das ist halt so ein typischer Roman über die Missverständnisse unterschiedlicher Kulturen, die wir auf der Erde oft genug erlebt haben und die hier ins Kosmische projiziert werden.
Ob das nun so lustig ist? Es gibt vor allem in der ersten Hälfte viel Schenkelklopferhumor aus meiner Sicht, also durchaus kuriose Situationen und die dazu passende Hilflosigkeit der Menschen. In der zweiten Hälfte wird für meine Begriffe der Ton ernster. Die Probleme treten mehr zutage. Es werden von der Autorin auch viel mehr Spitzen losgetreten gegen so eine überzogene Frohsinn- und Gesundheitspropaganda, die in Form des besagten Psychotherapeuten auf dem Planeten eintrifft und den alle unangenehm finden. Mit seinem selbstgemachten und natürlich grässlich schmeckenden Tee bringt er sogar ein echtes Problem mit auf den Planeten.
Der Roman ist dann halt so ein Plädoyer für die „erste Direktive“; man kennt das ja. Hübscher Roman, wieder mit etwas detektivischer Ermittlungsarbeit, ohne aber ein Krimi zu sein. Sowas scheint der Autorin aber zu liegen. Für mich waren das aber „nur“ 7 / 10 Punkte

#300 „Angriff aus dem Jenseits“
Der Titel? Nun, hier kann man sich eigentlich nicht damit herausreden, dass es eine unpassende Übersetzung wäre. Der Titel erscheint trotzdem etwas unpassend. Aber am Ende vielleicht doch nicht…
Die ca. 60 Heftromanseiten haben es in sich. Hätte ich eingangs gar nicht gedacht. Das Titelbild wirkt ja etwas lahm – ein futuristischer Produktionsroman? Dabei ist es gar nicht mal fehl am Platze.
Also, Terraner sind dabei, einen Wüstenplaneten am Rande ihrer Einfluss-Sphäre zu erkunden und zu erschließen. Der Planet ist unbewohnt. Es gibt nur wenig Wasser und wenig Flora. Ansonsten haben wir hier viel Sand. Scame liegt aber am Rande des Imperiums der erbitterten Feinde der Menschen, der Goghleens. Damit besitzt der Planet vielleicht eine gewisse strategische Bedeutung.
Zunächst aber kommt ein Raumschiff an, das einen Inspektor mitbringt, der das Team der Planetenbesiedler prüfen soll. Der Typ ist ein Ekel, der sogleich einen Verbündeten, einen karrieregeilen Offizier, unter der Crew auf Scame findet. Die Beiden machen sich erst mal sehr unbeliebt und räumen mit scheinbaren Saboteuren auf. Das alles ist sehr unschön und endet mit dem Tod der beiden Querulanten. Nun scheint der Roman ein SF-Krimi zu werden.
Das turnte mich ab, muss ich zugeben. Scheinbar hat die Autorin ein Faible für SF-Krimis gehabt. Aber ich hatte erst mal keine Lust mehr drauf. Aber Pustekuchen. Ehe es für mich langweilig zu werden drohte, begegnen die Menschen doch noch Eingeborenen: Beschrieben werden sie von der Autorin sehr anschaulich. Mich hat es dazu bewogen, so einen Scame-Alien zu zeichnen.
Die erste Begegnung verläuft leider feindselig. Ein Mensch wird spurlos entführt.
Danach ereignen sich noch andere mysteriöse Dinge, die die Terraner zu der Erkenntnis kommen lässt, dass sie es hier nicht mit primitiven Steinzeit-Leuten zu tun haben. Deren „Waffe“ sind wohl Psi-Kräfte. Und wenn ein entführter Mensch zurückkehrt, ist der wahnsinnig und aggressiv, für das normale Leben verloren.
In der Situation kann nur noch eine „psionische Null“ helfen – ein Mensch, der völlig unempfänglich für Psi-Kräfte ist und nicht beeinflusst werden kann.
Man kommt den Fremden auf die Schliche, wo sie überhaupt leben (das mit dem „Jenseits“ im Titel kann damit zumindest ansatzweise erklärt werden) auch was die Erzfeinde damit zu tun haben.
Hinter allem steckt eine total psychedelische Friedens-Utopie, die halt von den latent aggressiven Terranern und erst recht von den stark aggressiven Goghleens nicht verstanden werden kann. Ein Kontakt ist hier im Grunde nicht möglich, Scame wird zur Tabuzone.
Nachdem ich nach dem ersten Drittel fast mit dem Roman innerlich abgeschlossen hatte, entpuppte er sich noch als spannendes und utopisches Abenteuer, mit viel action, aber auch tollen Ideen.
9 / 10 Punkte

#309 „Weg durch das Nichts“
Der Roman konnte mich nicht so hundertprozentig überzeugen. Er war mir diesmal doch zu konstruiert.
Ein Detektiv wird von einem Industrieboss angeheuert, um einen Planten zu finden, den es sich auszubeuten lohnt. Also, so richtig klar ist es mir im Nachhinein nicht, was er da soll, ich interpretiere das mal so.
Nun hat dieser Industriemagnat einen adoptierten Sohn, den nimmt aus selbst für ihn unerfindlichen Gründen der Detektiv mit auf seiner Reise mit. Der Planet, den sie ansteuern, ist der, wo der Adoptivsohn herkommt. Zufall? Kaum zu glauben…
Auf dieser Welt leben Ureinwohner, die sich aber sehr komisch benehmen. Komisch vor allem aus der Sicht einer profitorientierten Gesellschaft, wie sie die Terraner immer noch haben. Sie arbeiten nämlich nicht, sondern „dienen“, wobei sie „dienen“ als freiwillige Tätigkeit ansehen. Allein der Gedanke, für ihr Tun Geld zu erhalten, macht sie wütend oder bringt sie an den Rand des Wahnsinns.
Okay, das haben sie sich nicht ganz allein so ausgedacht, sondern sie sind in einer sehr manipulativen Religion unterwegs. Und deren Gründer hat mit dem Adoptivsohn zu tun. Also, ich erzähle das mal nicht genau nach. Der Plot ist sehr an den Haaren herbeigezogen. Es gibt auch noch zahlreiche Wendungen, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die Opfer werden zu Tätern, oder / und umgekehrt. Und der Titel des Romans erklärt sich auch noch – nur so richtig interessiert hat es mich am Ende nicht.
Hier nur 7 / 10 Punkten (Spannend war das alles schon, auch gut erzählt)
2 x 7 und 2 x 9 von 10 Punkten = macht also im Durchschnitte 8 / 10 Punkte für das Gesamtpaket.


Sam Moskowitz (Hg.): „Die Gesichter der Zukunft“ (Terra TB 220)

L. Ron Hubbard: Die negative Dimension
Wegen dieser Geschichte habe ich das Büchlein bestellt. Ja, ich wollte einfach mal den SF-Autor Hubbard kennen lernen, nachdem man (ich) so viel über ihn als Stifter seiner Religion / Kirche / Sekte erfahren habe. Kritiker meinen, so las ich, dass seine Stories nicht so pralle wären. Aber eine eigene Notiz triggerte mich seit langer Zeit. Ich hatte sie mir so um 1987 notiert. Ein Zitat aus dem Büchlein aus der nl-Konkret-Reihe (DDR 1983) „Falsche Propheten“ von Günter Koch, in dem er Hubbard mit einer Stelle aus einem seiner SF- oder Horrorbücher zitiert. Leider entspricht mein Zitat keinem wissenschaftlichem Anspruch, so kann ich da kaum genauere Angaben machen. Es geht um eine Story, in der das Ungeheuer Zongri einen Professor mit einem Schwert auf einen Schlag zweiteilt. Das war so ein Beispiel für die Abscheulichkeiten Hubbardscher Phantasie, wie sie der nl-konkret-Autor bei Hubbard ausmachte. Na ja, das schreckte mich eher nicht ab; seit ich das dort las, war ich neugierig. An diese Neugierde erinnerte ich mich immer mal wieder.
Heute ist es ja recht einfach solche Sachen zu recherchieren. Auf jeden Fall „muss“ ich jetzt endlich mal Hubbard lesen!
Die Schlachtfeld-Erde-Romane wollte ich nicht lesen, sondern das, was er im Golden Age schrieb, also „davor“. Diese kleine Story hier kam mir als Einstieg gerade recht.
Und? Nun ja, ist tatsächlich nicht so der große Wurf. Aber auch nicht übel.
Ein Wissenschaftler entwickelt eine Formel, mit der er durch den bloßen Gedanken an einen Ort wechseln kann. Er nutzt dazu eine vierte, die negative Dimension. Leider klingt da nur auf den ersten Blick großartig. Wie gesagt, allein der Gedanke reicht. Man denke an den Mond und schwups.
Neben dieser „physikalischen“ Idee ist es der angedeutete Kompetenzstreit zwischen Akademikern, der hier eine Rolle spielt. Der eher unterwürfige Entdecker muss sich erst mal bei seinen Kollegen und Vorgesetzten durchsetzen, um Gehör zu finden.
Wie kommt er aber aus dem Dilemma? Na, er entwickelt noch eine andere Formel. Nun ja…
Interessant ist aber der Gedanke, den Hubbard hier formuliert: Der Körper folgt dem Geist.

A.E Van Vogt: Im Dschungel von Mira II
Kurioser Weise geht es auch hier um Kompetenzen – zwischen einem ehemaligen Raumfahrer, der inzwischen ein am Schreibtisch agierender Funktionär geworden ist und einem harten, aktiven Raumfahrer. Raumfahrer scheinen in dieser Zukunft die Outlaws mit amtlicher Genehmigung zu sein, sowas wie die englischen Piraten zu Zeiten von König Elisabeth II. Auf jeden Fall wird der Kompetenzstreit hier nicht nur mit Worten ausgetragen.
Es geht um die Entscheidung, wie der Saft einer Lebensform auf Mira II, der „Brut der Lymphbestien“, gewonnen werden kann. Das Zeug ist sehr wichtig, es bekämpft Krebs beim Menschen und ist gleichzeitig eine biologische Waffe gegen die kosmischen Feinde der Menschen, die unverwüstlichen Yerd. Die können auch die Lichtstrahlung manipulieren und sich dadurch hervorragend tarnen. Ansonsten sind sie richtig üble Typen.
Als man schon denkt, dass der Streit der beiden Männer eskaliert, kommt es ganz anders und endet als Alien-Agenten-Story. Spannend das Ganze und Vogt zeigt sich als Könner beim prägnanten Beschreiben außerirdischer Lebensformen. Das erinnert mich daran, dass ich schon längst mal mit der Space Beagle unterwegs sein wollte (um u.a. auch der Urform des Aliens zu begegnen).

Alfred Bester: Der Joker
Es könnte eine einfache Zeitreise-Abenteuer-Story sein. Aber dann kommt ja der Joker ins Spiel – das ist fast ein Zitat. Bester führt diesen Joker an einer Stelle ein, wo er seinen Lesern versucht zu erklären, wie das mit der Beeinflussung der Zeitebenen funktioniert. Ich gebe zu: Da bin ich ausgestiegen. Vielleicht ist das was für Physiker? Auf jeden Fall für Mathematiker, denn er bemüht so etwas wie Formeln. Einfache zwar, aber es sind Formeln.
Ob die stimmen? Keine Ahnung. Es geht auf jeden Fall darum, dass ein Mann aus der fernen Zukunft (2975) mit seiner Zeitmaschine in eine Vergangenheit reist, die aus Sicht des Autors die nahe Zukunft ist: 1975. Dort muss er irgendetwas erlebt haben, was genau, erfahren wir gar nicht. Nur die letzten Minuten, in denen er sich mit seiner dort gefundenen Geliebten gegen den Angriff irgendwelcher Böslinge erwehren muss.
Er kann die Angelegenheit klären, muss aber planmäßig zurück in seine Zeit. Nur leider geht das nicht (und jetzt käme das mit den Formeln). Er landet in einem alternativen Jahr 2975.
Da sieht es finster aus: Er begegnet Typen in Ritterrüstungen und mit Lanzen bewaffnet. Die Lanzen verschießen allerdings nukleare Projektile. (Was dazu ein Physiker sagen würde?)
Er gerät auch dort in ein Gefecht, und danach in Gefangenschaft. Es gibt zwei Gruppen, die einen können lesen, genannt die „Leser“, sie haben die alte Kunst des Lesens bewahrt, aber im Widerstand gegen die herrschende Meinung, dass das Teufelszeug sei.
Es wird viel gekämpft und der Zeitreisende kann natürlich aufgrund überlegenden Wissens einer Seite der Streithähne helfen. Er hilft natürlich den Guten, also den Leuten, die als „Leser“ verschrien sind. Leser sind die neuen Ketzer, die wenigstens noch ein wenig der alten zivilisatorischen Tugenden bewahren konnten.
Am Ende kehrt der Zeitreisende nach 1974 zurück, weil er – wie formelhaft bewiesen wurde – seine richtige Zeit-Realitätsebene nie wieder erreichen kann. Außerdem wartet 1974 ja jemand auf ihn.

Clifford D. Simak: Am Rande der Tiefsee
Eine feine, (fast ganz) runde Story. Auf kurzem Raum werden drei Handlungsebenen aufgemacht und miteinander verknüpft. Mag sein, dass da ein zu großer Zufall beschworen wird, aber in sich ist das alles sehr stimmig.
Ein Reporter erhält die Nachricht, dass ein Supergangster, der einst durch die Ermittlungstätigkeit des Reporters dingfest gemacht werden konnte, aus dem Knast ausgebrochen ist. Das ist für unseren Reporter keine gute Nachricht, denn der Gangster ist sehr nachtragend.
Dann erfahren wir, dass der Reporter schon mal auf der Venus war. Dort gibt es Ureinwohner, die aber in dem für menschliche Verhältnisse unwirtlichen Meer leben und sich daher der Erforschung durch die Menschen entziehen.
Und dann bekommt der Reporter einen vermeintlich einfachen Auftrag, in der Tiefsee (der Erde) herauszubekommen, warum dort immer wieder die Glaskuppeln der Stationen kaputt gehen.
Wie das nun alles zusammenhängt? Das erfahren wir und Simak erzählt das in einer flotten und enthaltsamen Art und Weise. Nebenbei erfahren wir sogar was über Tiefseewesen und den „Haus-Kraken“ eines Tiefsee-Einsiedlers. Simak hat so eine Art, seine Figuren den Lesenden schnell nahe zu bringen; mir erschienen sie schnell sehr vertraut.
Nur das Ende der Story ist seltsam, denn mir erscheint es fast so, als hätte sie gar kein Ende und es müsse noch eine Fortsetzung geben. Meine bisherigen Recherchen ergaben aber dahingehend nix.

L Sprague de Camp: Der Unverbesserliche
Johnny Black ist ein Bär. Einer der lesen kann, und denken, aber nicht sprechen. Er ist das Ergebnis von Forschungen, die nun verboten werden sollen.
Ein anderes Ergebnis derselben gentechnischen Forschungen sind Ziegen, die Bier, statt Milch erzeugen.
Aus diesen beiden amüsanten Ideen strickt de Camp eine hinreichend spannende und unterhaltsame Abenteuerstory. Fast möchte ich schreiben: leider nur eine kleine Abenteuerstory.
Es geht um eine politische Entscheidung, ob besagtes Verbot durchgesetzt werden soll. Um einen Senator dazu zu überreden, dem nicht zuzustimmen, wird Poker gespielt. Na ja, das ist doch hoffentlich auch nur SF, und keine Realität…
Es kommen noch Gangster ins Spiel, die im Auftrag von Brauereien die Verbreitung von Bier-Ziegen unterbinden wollen. Nur der Bär Johnny kann die Situation klären und den Fall retten. Am Ende bekommt er sogar einen Ehrendoktortitel verliehen.
Eine hübsche Story, die ein großes Thema anspielt, aber dann etwas verschenkt, aber sie für mich mit der bezaubernden Figur des Bären Mr. Black rettet.

Henry Kuttner: Blumen von der Venus
Im Grunde sicher eine typische amerikanische SF-Story des Golden Age: Ein Raumschiff stürzt über Neuengland ab und wird von einem durchschnittlichen, etwas unbedarften Mann, einem Farmer, gefunden. Als richtiger US-Amerikaner sieht er erst mal Dollarzeichen vor Augen, als er in dem Raumschiff so etwas wie einen riesigen Diamanten findet. Und Samenkörner. Nimmt er alles mit und verschweigt den Absturz, obwohl da sicher wissenschaftliches und regierungsseitiges Interesse dran bestünde.
Das Raumschiff ist ein irdisches. Er findet Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass das Schiff auf der Venus war und dort Entdeckungen machte.
Auf jeden Fall gehen seine Geheimniskrämerei und Geschäftstüchtigkeit mächtig in die Hosen.
Aus dem Kristall schlüpft ein Monster, was aber nur äußerlich eines ist, eigentlich ist es ein Vertreter der schon ausgestobenen vernunftbegabten Art auf der Venus, der gern Kontakt zu den vernunftbegabten Erdlingen herstellen möchte.
Und aus den Samen entstehen schöne Blumen. Die Story konzentriert sich auf das vermeintliche Monster, aber sie heißt ja nicht „Das Monster von der Venus“. Man kann sich also denken, was am Ende rauskommt.
Eine einfache Story, auch geradlinig und einfach erzählt. Aber durchaus spannend und Partei für das missverständlich und von den dummen Menschen schlecht behandelte „Monster“ ergreifend.

Fazit: Obwohl Hubbard mich lockte, diese alte Antho zu erwerben, um mich dann weder zu schocken, noch zu sehr zu enttäuschen, fand ich unterm Strich diese Reise in die Urzeit der SF sehr erfrischend! Was machen heutige SF-Erzähler anders, oder gar besser? Ich fand die Auswahl richtig gut.
Was mir auffiel: Recht viele Gangster sind damals in der SF unterwegs gewesen. Und die Aliens kommen oftmals noch aus dem eigenen Sonnensystem. (Und ein Mal sind die Aliens die Gangster…)
9 / 10 Punkte


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Gelesen - November 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 03 December 2020 · 547 Aufrufe
Karla Schmidt, Huxley und 1 weitere...
Da ist ja - für meine Verhältnisse- doch ein bisschen zusammen gekommen. Ein paar Klassiker nachgeholt (Huxley) und, wie versprochen, noch etwas von Karla Schmidt gelesen. Hier: Ein Buch, das unter einem Pseudonym erschien, aber kein geheimes... Das Buch hat mir so gut gefallen, habe mir gleich das nächste bestellt. Mehr gibt es aber von der Sorte leider nicht. Schade.

51 – David Foster Wallace: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“
Hörbuch, gelesen von Dietmar Bär
Mal so zwischendurch, weil ich gern als Hörbuch Bücher konsumiere, die ich sonst eher nicht lesen würde. Der Autor wurde ja mit einem Riesenwerk und seinem Selbstmord (auch mir) bekannt. Ansonsten hat er, mir zur Überraschung, eher kurze Texte veröffentlicht. Das hier ist sein Bericht einer Schiffsreise, die er im Auftrag von und bezahlt durch eine Zeitschrift antrat. Nun, er ist kein Fan solcher Form des Urlaubs und Unterhaltung. Kann ich übrigens voll verstehen. Und nach der Lektüre fühle ich mich in meinem Vorurteil bestärkt: sowas ist nix für mich.
Wallace erzählt sehr amüsant, keine Frage. Ist jetzt aber nicht so tiefsinnig, das Ganze. War nett.
8 / 10 Punkte

52 – Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“
Ein Klassiker? Ja, ein Klassiker! Und ich habe ihn nicht in der Schule gelesen. (Hat das eigentlich wirklich jemand? Ich frage, weil ich gerade einen Abiturienten erlebte, der kaum noch ganze Bücher im Unterricht lesen musste / durfte…)
Ich las das Buch weil…
… ich jetzt irgendwann sicher mal die neue TV-Serie sehen werde und darauf vorbereitet sein will…
…ich das Buch zwar seit 29 Jahren im Regal stehen habe, aber es selbst nie gelesen hatte, ja, ja…
…mich nach „Genie und Göttin“ Huxley als Autor stark interessiert. Selbiges fand ich ja ziemlich gut, mal sehen, ob das so weiter geht…
Die Reclam-Ausgabe (DDR, 1988) ist seit ca. 29 Jahren in meinem Besitz. Das Buch trägt einen „Ausmusterungsstempel“ einer Bibliothek (aus Hoyerswerda; hab keine Ahnung, wie ich das Buch erworben habe…) von 1991. Damals stürzte ja eine Welt zusammen und eine andere auf mich ein; ich – glaube – ich habe es nicht gelesen damals. Aber das Buch „muss“ man ja haben! Und kennen; aber wie so oft bei Klassikern: Man kennt es einfach zu gut, ohne es gelesen zu haben.
Aus einem nun schon ziemlich tief in mir verwurzelten Misstrauen gegenüber DDR-Ausgaben von „West-Büchern“ dachte ich mir, dass es vielleicht besser wäre, lieber die bundesdeutsche Ausgabe zu lesen. Könnte ja was in der DDR zensiert, gekürzt, verändert sein?
Außerdem wollte ich auch „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“ dazu lesen. Das Buch gibt es separat, ist aber mit dem Roman zusammen billiger zu bekommen als solo. Daher legte ich mir also die Übersetzung von Herbert E. Herlitschka zu. Wie ich inzwischen weiß, ist das die erste deutsche Übersetzung von 1932.
Als ich das Buch dann aufschlug und die Reclam-Ausgabe danebenhielt, überraschte mich schon der erste Absatz, der nämlich die Handlung einmal nach London, ein andermal nach Berlin verlegte!
Inzwischen weiß ich, wie das zustande kam. Und ich las die alte „Berliner Version“.
Ist das Buch nun eine Kritik am Kommunismus? In der kleinen Diskussion auf Facebook, die um meinen Hinweis auf die beiden unterschiedlichen Übersetzungen entstand, kam dieser Aspekt auch zur Sprache. – Nun, vielleicht auch, aber meiner Meinung nach sicher nicht in erster Linie. Ansonsten wäre es auch kaum denkbar, dass das Buch bereits in der DDR (ab 1978) erschien; „1984“ ja z.B. überhaupt nicht.
Die Schöne neue Gesellschaftsordnung des Ford’schen Weltstaates ist auf universellen, gemeinschaftlichen, massenkompatiblen Konsum und Produktion ausgerichtet. Als kommunistisch kann ich diese Weltordnung eher nicht erkennen. Die ideologische „Gleichschaltung“ hier ist auch eine andere als in „1984“. Die Leute wollen ja in der Mehrheit diese Weltordnung – wer sich ihr entgegenstellt, wird aber ausgegrenzt.
Ach, und dann gibt es da einen Aspekt, den ich gar nicht vermutet hätte, der mich das Buch in unserem (NEUER STERN) Sonderheft zum Thema „Indianer und SF“ erwähnen lassen wird.
Insgesamt fand ich die Lektüre sehr inspirierend und kurzweilig. 9 / 10 Punkte

53 – Aldous Huxley: „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“
Kein Roman, also keine direkte, erzählerische Fortsetzung des berühmten, dystopischen Romans. Der Autor greift seine Themen, die er im Roman ansprach, nach 30 Jahren in Form von Essays noch einmal auf: Was hat von seinen Fragen, die er in „Schöne neue Welt“ aufwarf, noch Bestand, wieweit sind die befürchteten, prophezeiten Dinge bereits in der Realität angekommen?
Der Roman ist eine Dystopie, vielleicht auch als Satire lesbar, aber eben keine Utopie. Trotzdem gibt es einen Faktor, eins der großen Probleme, die Huxley für die Menschheit sieht, der in seiner schönen neuen Welt gelöst wurde: Die Überbevölkerung.
In dem späteren Aufsatz betont er aber, dass die Probleme, die er nennt, nur im Zusammenhang zu sehen sind und zu lösen sind.
Kurzgefasst sind es folg. generellen Probleme, oder, wie die Transhumanisten von heute sagen: die „existentiellen Risiken“, die Huxley ausmacht: Überbevölkerung, Überorganisation. Sie werden unbehandelt und ungelöst die Freiheit des Menschen einschränken; auch in den westlichen Demokratien!
Für mich ein wichtiger Schluss: Huxley richtet sich mit seiner Gesellschaftskritik aus „Schöne neue Welt“ nicht (nur) an die totalitären Diktaturen, sondern sieht da auch ganz konkrete Gefahren für die Demokratie und Freiheit des Westens. Und er macht kein Hehl draus, dass er da schwarz für die Zukunft sieht.
Natürlich geht er auch auf die Formen der Manipulation der Menschen, die in „Schöne neue Welt“ eine Rolle spielen (von Drogen, über Gehirnwäsche etc.) sehr ausführlich ein – übrigens alles Faktoren, die im demokratischen Westen bereits eine sehr große Rolle spielen. Ich nehme mal an, das hat sich seit Huxley nicht verbessert…
Im letzten Kapitel diese Essays bietet der Autor Lösungen an. Die gehen in eine sozialistische Richtung, allerdings mit Betonung auf die Wahrung / Herstellung der persönlichen Freiheit der Menschen und orientiert an eher altmodische Formen des Sozialismus („Walden“) des 19. Jahrhunderts und erinnerte mich an die Ideen, die in der Fabian Society eine Rolle spielten.
Das Buch ist eine absolut notwendige und erhellende Ergänzung zum bekannten Roman, zumindest für mich.
9 / 10 Punkte

54 – Aldous Huxley: „Affe und Wesen“
Untertitel: „Ein Roman aus der Zeit nach dem Atomkrieg“. Ein interessanter „Roman“, der als fiktives Drehbuch daherkommt. Er stammt aus dem Jahre 1948. Das Buch ist zweigeteilt. Im ersten Teil, der noch „normal“ erzählt wird, lernen wir einen Schauspieler und seinen Agenten in Hollywood kennen. Sie sind ziemlich kulturpessimistisch drauf. Das mag aber auch daran liegen, dass der „Erfolg“ so wie erhofft ausbleibt.
Huxley nutzt die Gelegenheit, interessante Gedanken anzusprechen, indem er sie seinen Figuren in den Mund legt. Da geht es z.B. um die Rolle Gandhis. Aus der Sicht eines zukunftszugewandten, technokratischen, erfolgsorientierten Fortschrittsmenschen („…wir, die Intelligenten, die Aktiven… die Anhänger von Ordnung und Perfektion…“ S.12) ist Gandhi ein Reaktionärer, der sich um Leute vom Dorf kümmert. Irgendwie kennen wir das ja, oder?
Das Buch erwies sich für mich als überraschend aktuell. Huxley formuliert, u.a. mit dem Gandhi-Vergleich, aber auch als er Bezug zu Platons „Staat“ nimmt, die Gefahr einer „Wissenschaftsdiktatur“ herauf. Der Autor erlaubt es sich allerdings, hier bei der Behauptung zu bleiben; dieser erste Erzähl-Teil bietet auch gar nicht genügend Raum für weitergehende Erläuterungen. Huxley sieht jedenfalls eine logische Kette von Platons Mythen-Zerstörung durch Mathematik & Logik, die den Weg aus Chaos zur Kunst bereitet, aber auch zur quasi wissenschaftlichen Begründung der Tyrannei, die sich z.B. auch im wissenschaftlich begründeten Marxismus widerspiegelt (S. 10). Aber nicht nur!
Ehe es zu philosophisch wird, kippt vor den Augen der Beiden ein Laster um, der mit Drehbüchern gefüllt ist, die vernichtet werden sollen. Eines heben sie auf: „Affe und Wesen“.
Der Text ist ein bisschen wie ein Drehbuch formuliert, also mit Regieanweisungen z.B., aber im Grunde auch ein normaler Erzähltext, der nur ein wenig so wirkt, als sei er noch nicht fertig ausformuliert. Kann man machen, finde ich, das rafft den Text ungemein.
Der Atomkrieg beschleunigt für Huxley den Verfall der Menschheit zum Bösen und zu einer Ordnung, die die menschliche Gesellschaft dadurch aufrechterhält, indem sie alle humanistischen Grundsätze über Bord wirft.
Die Welt ist weitestgehend zerstört und atomar verseucht. Nur Neuseeland war nicht betroffen. Von dort startet eine Expedition nach Amerika. Ein Dr. Poole gerät in die Fänge der Überlebenden in San Franzisco und lernt für uns stellvertretend die satanistische Gesellschaftsordnung dort kennen. Dr. Poole ähnelt in seiner Funktion dem Wilden in „Schöne neue Welt“. Auch hier gibt es eine Liebesgeschichte dazu, in der auch die verschiedenen „Lebensentwürfe“ des Liebespaares aufeinanderprallen. Anders als in „Schöne neue Welt“ finden sie aber am Ende zueinander.
Das Ganze liest sich noch satirischer als „Schöne neue Welt“; so richtig ernst kann man das nicht nehmen. Aber es ist schon interessant!
Frauen sind nur noch „Gefäße“, die Kinder gebären sollen. Durch die atomare Verseuchung kommen die Kinder oftmals verkrüppelt und entstellt zur Welt. Die werden von den satanistischen Priestern in Ritualen geopfert und die „Gefäße“ bestialisch bestraft.
Liebe gibt es nicht mehr; die Menschen sind insofern mutiert, dass sie nur noch zu einer bestimmten Zeit in Brunft sind. Dann gibt es eine deftige Orgie.
Industrie ist in der stark dezimierten Menschheit nicht mehr möglich. Kleidung „gewinnt“ man durch das Aufbrechen der Gräber aus der Zeit vor dem Krieg.
Das alles ist so gesehen ziemlich deftig, um es mal so auszudrücken. Huxley scheint der Menschheit nicht viel zuzutrauen, scheint aber müde gewesen zu sein, nur davor zu warnen und lässt seinen Unmut in bissiger Satire freien Lauf.
8 / 10 Punkte

55 – Marcus Hammerschmitt: „Der Zensor“
Der Roman spielt im Jahre 2136 in Spanien. Spanien? Gibt es nicht mehr. Das wurde von den Maya überrannt, ca. 100 Jahre zuvor. Portugal ist von Azteken besetzt. Die Maya haben ihre Kultur, ihre Vegetation, ihre Religion mitgebracht; alles so auf dem Stand kurz vor der Conquista, also 16. Jh., Aber ihre Technologie ist höchst modern: Alles Nano! Und Cyber und so.
Der Roman lebt auf jeden Fall von den faszinierenden Beschreibungen all dieser „Rahmenbedingungen“, die so eine Umkehrung der Geschichte mit sich bringt. Ein „echter“ Alternativweltroman ist es nicht, denn es ist schon ein „echter“ SF-Zukunftsroman. Es gab halt eine Renaissance der amerikanischen Ureinwohner, und die kehrten einfach die Geschichte um, holten sich Amerika zurück und eroberten Teile Europas.
Dass die Welt dadurch eine bessere wird, kannste vergessen.
Die blutigen Rituale und Opferungen und die extrem harsche Rechtsprechung der Indios sind kein Zuckerschlecken.
Der Roman ist eine Wucht, auch wenn mich die Personen und die eigentliche Handlung nicht so sehr abholten. Mag sein, dass ich auch viel zu sehr auf die Begleitumstände geachtet habe, sie mich regelrecht ablenkten. Aber das ich schon ein Jammern auf sehr hohem Niveau! Die Handlung kehrt auch Verhältnisse und Begebenheiten für die betroffenen Personen um. Der titelgebende Zensor ist ein hohes Tier in der Maya-Hierarchie und verliert seinen Posten sozusagen. Ein spanischer Widerstandkämpfer fällt bei seinen Genossen in Ungnade.
Es gibt kein Gut und Böse, kein 08/15-Schema. Alles bleibt sehr differenziert und konkret.
Eine tolle Leseerfahrung. 9 / 10 Punkte

56 – Walter Tevis: „Die Letzten der Menschheit“
Was der Mann so alles schrieb! Nach der supertollen Netflix-Serie „Damengambit“ habe ich mal nachgeschaut. Na, will das hier nicht kolportieren, googlen kann ja jede/r allein.
Der SF-Roman geht aber etwas im Oeuvre des Autors unter, der wurde nicht verfilmt und zumindest auf Deutsch seit damals nicht noch mal aufgelegt. Es gibt da nur die alte Moewig-Ausgabe von 1981.
Da es ein „Roboter-Roman“ ist (natürlich nicht nur) habe ich ihn gerade sehr gern gelesen, da eine Rezi gut in das erste Heft des NEUEN STERNs im Januar 2021 passen wird. Warum? Verrate ich jetzt nicht…
Der Roman erscheint mir an bekannte Dystopien wie „Schöne neue Welt“ (Befriedung der Menschen durch gedankliche Manipulation [hier: TV] und Drogen; Reduzierung der Menschheit; Ent-Demokatisierung der Gesellschaft, Abkehr von Familie und Liebe, dafür Hinwendung zum beziehungslosen Sex) und „Fahrenheit 451“ (Lesen ist verpönt und vergessen, Bücher sind nur noch zum Heizen gut). Realisiert wird diese „Befreiung der Welt vom Menschen“ durch Einführung von KIs – da der Roman nicht so neu ist, sind es hier noch handfeste Roboter, verschiedener Bauklassen, die interessanter Weise auch eher Androiden, keine Blechkumpel, sind. Aber so ein Klasse Neun Roboter, der in dem Roman eine Hauptfigur ist, ist eine weltbeherrschende KI.
Ja, der Typ Neun: Der ist dann aber auch schon ziemlich menschlich, wird beherrscht durch Todessehnsucht. Die menschlichen Haupt-Akteure fallen aus dem Rahmen der normalen menschlichen Gesellschaft, indem sie schlau, neugierig sind – und das Lesen lernen! Das ist der Hauptgrund für ihr Anderssein – und dafür, dass die Welt der Menschen am Ende noch mal gerettet werden kann. Na ja, ich plaudere dann im Neuen Stern weiter und vergebe hier glatte 9 / 10 Punkten. Das Buch liest sich nämlich trotz des angestaubten Inhalts sehr gut, ist spannend, weist tolle, mitunter sehr melancholische Textpassagen auf, die mich sehr erreichten.

57 – Charlotte Freise: „Die Seelenfotografin“
Charlotte Freise ist Karla Schmidt. Das muss man wissen. Also, für den Roman ist das vielleicht unwichtig, aber nicht für mich, der ich letztens auf die Autorin aufmerksam und auf ihre Werke neugierig geworden bin – hoffentlich nicht zu spät (sie stellt ja die Sinnfrage auf ihrem Blog, auch die Frage nach dem Sinn des Schreibens von Geschichten).
Es ist ein historischer Roman, spielt in den Gründerjahren in Berlin. Dass die Autorin aus der phantastischen Ecke kommt, ist aber dennoch zu merken; ein klein wenig fließt davon hier ein – am Ende vielleicht zu wenige für meinen Geschmack, aber genug, um den sense of wonder bis zum Schluss zu kitzeln.
Aber auch ohne Phantastik ist der Roman phantastisch. Dabei hat er mich zunächst einmal auf einem ganz anderen Gebiet überrascht. Es ist ja ein „normaler“ historischer Roman, er setzt bei konkreten, realistischen historischen Hintergründen an und erzählt von einfachen – fiktiven – Menschen dieser Epoche (nicht von „historischen Persönlichkeiten“, also bekannten Figuren der Weltgeschichte). Ohne das Gerne noch gut zu kennen, sehe ich in den Regalen der Buchhandlungen in dieser Sparte Unmengen von Büchern. Bin mir nicht sicher, an wen konkret sie sich wenden. Ich vermute aber, dass ein weiblicher Autorennamen mit einer weiblichen Protagonistin (bzw. titelgebenden Person) auch eher ein weibliches Publikum anzieht? „Darf“ ich sowas überhaupt lesen? (Okay, das ist ironisch gemeint, und kann die Frage auch beantworten: Ja, darf ich – und zwar mit großer Begeisterung!)
Also da hatte ich dieses (falsche?) Bild dieses speziellen Genres im Kopf – und las teilweise recht deftige Anspielungen, vor allem sexueller Art. Hatte ich so nicht erwartet.
Das zum einen. Zum anderen aber glänzt der Roman durch seine absolut interessanten, niemals eindimensionalen und unproblematischen Figuren, deren Beziehungen zueinander (ja, es geht viel um Beiziehungen, vor allem auch liebestechnischer Art, aber das mag niemanden abschrecken, ist tatsächlich nicht langweilig oder beliebig), ihre Konflikte, ihre Sehnsüchte und ihr Scheitern am Ende. Es ist ein Buch ohne happy end, das man – vielleicht? – auch hier erwarten könnte.
Und dann schleust die Autorin so seltsame Themen und Motive ein: Seelenfotografie? gibt es sowas? Die leider gehbehinderte, aber überaus faszinierende junge Dame, die u.a. im Mittelpunkt der Handlung steht, die schöne, wenn auch sehr dünne und zierliche Isabel, erfindet da mal so einfach solche Sachen. Ob die aber auch funktionieren? Ihre verbesserte fotografische Platte tut es jedenfalls.
Sie will aber nicht nur Fotos machen lassen, sondern das „Fluidum“, also das Wesen, die Seele des Menschen festhalten – um mit diesem speziellen Abbild einen Menschen in einen anderen Körper zu transferieren.
Ein anderes Element, das mir wie SF erschien (Steampunk) ist der Versuch eines egomanischen, eitlen Arztes, die Gehbehinderung per Implantation elektrischer Drähte zu beheben. Ist das echt? Gab es solche Versuche? Habe bisher nicht recherchiert…
Das jedenfalls dürfte eventuell (?) Mainstream-Historienroman-Leser*innen irritieren. Mich nicht, höchstens der Umstand, dass am Ende diesbezüglich schon noch die eine oder andere Frage offenbleibt…
Hauptperson ist aber ein junger Mann, der sich erst an seine Vergangenheit erinnern wird, der in einer miesen, finsteren Halbwelt lebt und aus ihr ausbrechen möchte. Er scheitert, und er findet Antworten auf seine Lebensfragen, die ihn auch nicht glücklich machen.
Das hier soll keine vollständige Rezi werden, nur eine Erinnerung für mich an ein ungemein gutes Buch mit ungemein interessanten Figuren und vielleicht eine Anregung an euch, die ihr das hier lest, es mal mit dem Roman zu versuchen.
10 / 10 Punkte






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Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
■ A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
■ Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

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