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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Im August gelesen: Von Retro-SF zur Sommernachtsmelancholie

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 05 September 2021 · 268 Aufrufe
Lem, Gerd Frey, Millhauser
Dies ist meine August-Leseliste. Ich schaffe es ja eher nie, am Monatsende quasi tagfertig zu sein mit der Lektüre. Ein Buch zwanghaft aus der Hand fallen zu lassen, nur weil der letzte Tag des Monats erreicht wird, halte ich für wenig sinnvoll. Daher also erstmal das letzte Buch des Monats genüsslich zuende gelesen und dann kommt hier auch der Monatseintrag.
Das Buch, das ich nicht aus der Hand legte, ist das neue von Gerd Frey. Ich stelle es gleich mal mit ein paar Stichworten als erstes vor.
Gerd Freys Stories begleiten mich ja schon sehr lange. Ich habe ihn und seine Texte schon 1988-90 kennen gelernt, aus den damaligen ersten Fanzines der letzten Tage der DDR, im SF-Club Andymon in Berlin. Die Andymonianer haben ja mit Fanzines, Gerd mit seinem Egozine „Herovits neue Welten“ und dann mit ALIEN CONTACT das Schreiben von und über SF fortgesetzt. Gerds Abfallverkäufer-Stories gehörten sozusagen zu den ersten fannischen Werken, die ich damals lesen konnte.
Und Gerd macht ja weiter, immer wieder einmal; kann man ja in meinem Blog auch hin und wieder bemerken. Und nun also sein neuestes Werk – eine Zusammenfassung von älteren, mitunter schon ziemlich alten Stories. Für mich war das mitunter ein richtig gutes Wiederlesen:

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Gerd Frey: „OUTPOST. Dunkle Sonne 2“
„Saatzeit“. In naher Zukunft, auf dem Mars. Interessant, wie hier mit wenigen Worten aktuelle Politik in Sachen internationaler Raumfahrt eingeflochten wird. Aber das ist nicht Thema, sondern der Absturz eines Objektes auf der Marsoberfläche. Absturz? War wohl eher eine gezielte Landung. Auf jeden Fall passiert da was, mit Kugeln und Roboterspinnen und schwarzer Materie. Besteht eine Invasion bevor?
Die Frage wird nicht so beantwortet, wie man es vielleicht erwartet, die Story hat fast sowas wie ein offenes Ende – und ist damit der geeignete Opener der Sammlung.
Aber sie lenkt die Aufmerksamkeit der Leser vielleicht in eine falsche Richtung, denn sie ist nicht lustig.
Die folgende schon: „Handlungsreisende“
Der Titel der Story hat sich mir nicht erschlossen. Denn im Zentrum steht ein Agent. Er hat gerade auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise eine wichtige Geheiminformation erhalten. Doch hat er da was vermasselt und um seinen Fehler zu korrigieren, muss mal kurz in der Zeit zurückreisen.
Das sowas nicht gerade unproblematisch abläuft, ist jedem SF-Kenner geläufig. U.a. muss der Agent sich selbst erschießen, also sein andere Ich; aber das ist erst der Anfang der Kalamitäten.
Am Ende hatte ich so ein bisschen den Eindruck, dass der Auto selber den Faden verloren hatte, ich hatte das auf jeden Fall.
Jetzt weiß man aber, wohin die Reise geht: humorige SF, so zwischen „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Ijon Tichy Sterntagebücher“. Ja, das kommt gut!
Wer in dieser Stimmung bleiben möchte, sollte gleich zum letzten Teil des Buches blättern, denn dort findet er drei Abfallverkäufer-Stories. Oh ja, die klassischen, aus ALIEN CONTACT Zeiten. Sie waren für mich auf jeden Fall ein schönes Wiederlesen.
Auch „Teufelssaat“ beschert uns ein Wiedersehen, und zwar mit Ikondrar. Der ist hier aber eher Ziel einer Attacke und damit Nebendarsteller. Der Zauberer, um den es hier geht und dessen Schicksal wir miterleben können, heißt Kolvar. Ob es sich lohnt, sich den Namen zu merken? Na, auf der Sterbenden Erde – so richtig schön in Dark-Science-Fantasy-Manier a là Jack Vance und Michael Moorcock – wird hier eine zauberhafte, abenteuerliche, etwas kriminelle Story erzählt. Ach ja, das war dann wieder keine lustige SF.
„Oupost“ ist die Titelstory des Bandes und das heißt einfach „Außenposten“. Auch das dürfte jetzt so eine typische SF-Story von Gerd Frey sei: Der einzelne auf einem Vorposten, irgendwo in der lebensfeindlichen Umwelt des Kosmos, gern auf einem unwirtlichen Planeten. Hier: Jupitermond Europa. Was wie Routine und sogar mit etwas Langeweile beginnt, wird schnell zu lebensbedrohlichen Unfallsituation. Wie kann so jemand, der da ganz allein in lebensfeindlicher Umgebung agiert, sich helfen? Nun, ganz allein ist er nicht, aber das macht seine Situation wohl auch nicht besser. Als Referenzen darf ich SOLARIS und ALIEN nennen.
„Anna“ hatte ich auch schon mal gelesen, müsste jetzt glatt nachsehen, wo… Das ist mal eine sehr irdische und Horror-Story. Ein Gothic-Mädchen verführt einen unerfahren jungen Mann. Der heiße Sommer, mit Hitze und Trockenheit, bestimmt die Atmosphäre. Die Initiation, der der Junge erfährt, wird ein psychedelischer Tripp, der irgendwie sehr ungut beginnt, ihn dann aber in irgendwie höhere Gefilde führt.
„Havarie“ ist dann fast so etwas wie „Outpost“, nur mit etwas anderem Hintergrund. Hier: Der Mars.
Gerd hat ihr den Untertitel „Eine Retro-SF Geschichte“ verpasst. Na ja, ist halt klassische Hard-SF. Aber sein „Der Marsianer“ denke ich, ist der Stoff wieder up to date.
Ich habe jetzt gar nicht alle Stories aufgezählt, es sind noch ein paar mehr. Gerd bedient in ihnen eine reichhaltige Palette an Topoi und Motiven der SF und Phantastik. Er kann lustig, kann Horror, kann richtige, geradlinige Abenteuer-SF, oftmals mit dystopischen Abgründen, ohne diese allzu tief auszuloten. Immer steht das Individuum im Mittelpunkt, als Leser kann man da immer schnell andocken und sich in die Story ziehen lassen. Manchmal sind es aber auch traumatisch, traumatisierende Erfahrungen, die seine Helden machen müssen, die etwas in Worte zu fassen versuchen, was nicht mit Worten erklärbar scheint. Auch darauf habe ich mich gern eingelassen.
9 / 10 Punkte

Richard A. Lupoff: „Der Dreifaltigkeitsmann“
Die dritte Station auf der Reise mit dem kürzlich verstorbenen Autor durch dessen Welten. Wir machen diesmal in den Jahren 1943 und 1976 Halt. (Meine „Reise“ orientiert sich nicht nach den Entstehungszeiten der Romane, die auf Deutsch vorliegen, sondern nach der Zeit, in der sie spielen.)
Das Buch will so viel, aber schafft es das auch? Also, ich bin der Meinung: Ja, mit Abstrichen.
Im Zentrum steht ein Mann, in dem drei (oder mehr? ...) Persönlichkeiten existieren. Diese psychische Erkrankung wird also zum einen vom Autor thematisiert. Darüber hinaus geht es aber auch um den Wert der Comic-Kunst, und um eine Aufarbeitung der Juden-Verfolgung und -Vernichtung durch die Nazis in Holland, und um die Rettung des Universums vor einem gefährlichen Raumbrand – und das alles auf 250 eng bedruckten Moewig-TB-Seiten! Ja, das ist sehr viel, und der Einstieg fiel mir gar nicht so leicht. Aber irgendwann hat es gezündet und ich bin mal wieder von dem Autor ziemlich begeistert!
9 / 10 Punkte

Steven Millhauser: „Zaubernacht“
Menschenskind, ist das gut! Nach dem kleinen Buch, einer Novelle, wie es auf dem Cover steht, muss ich mehr von dem Autor lesen!
Ich nehme mal an, der ist kein „Geheimtipp“ mehr, aber mir war er bis dato verborgen. So was auch…
Dabei ist diese Geschichte, die in wenigen Stunden in einer sehr warmen Sommernacht im Süden Connecticuts spielt, eigentlich an sich nicht spektakulär. Sie hat ja ein bisschen was von Drama und menschlicher Tragödie, auch ein bisschen Krimi und Horror sogar. Ewas Übernatürliches, Phantastisches. Aber vor allem so unendlich viel Sehnsucht und Melancholie. Das hat mich echt getroffen, mittenmang!
Die Leute in dem Städtchen können nicht schlafen, gehen raus, aus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichen Zielen (falls sie überhaupt ein Ziel haben). Sie begegnen sich dabei sogar, manchmal. Der Mond, die Mondgöttin lockt, und sie scheint Lebloses wie Schaufenster- u.a. Puppen zu beleben.
Aber was da passiert, ist eher sekundär, wie es erzählt und durch mich als Leser empfunden wird, das ist einfach zauberhaft! Deswegen schreibe ich hier gar nicht mehr, sondern empfehle es allen, die ein Sinn für das Poetische im Realen haben.
Gestoßen wurde ich übrigens auf das Buch durch eine Rezi einer meiner Lieblingsseiten, der des Vereins für Vergleichende Mythologie, Leipzig. Da steht auch dann mehr inhaltlich.
https://www.vergleic...s-zaubernacht/
11 / 10 Punkte


Stanisław Lem: „Eine Minute der Menschheit“
Endlich mal wieder Lem! Zu seinem 100. Geburtstag musste das sein (und in Vorbereitung unseres Schwerpunktheftes beim NEUEN STERN, natürlich). Aber was? Was ich schon kenne? Doch was heißt „kennen“? So lange habe ich ihn nicht mehr gelesen. Nur SOLARIS ist mir ziemlich gegenwärtig (durch Theater und Filme).
Also mal was Neues. Das kleine Büchlein kannte ich noch nicht. Ist aber auch so ein Text, der als Rezension eines nicht existierenden Buches getarnt Lems Weltsicht dokumentiert. Und die wurde mit den Jahren nicht besser, oder gar heller. Leider für mich auch nicht mehr so relevant, was er da erzählt und irgendwie in der Intention, die es (das Buch, oder er, Lem) verfolgt, nicht durchschaubar.
Lustig: In einem Interview mit ihm las ich, dass ihn die Liebesgeschichte in der amerikanischen Verfilmung von SOLARS überhaupt nicht gefiel, wie der ganze Film wo sowieso nicht. Und hier, in seinen Gedankengängen, geht es sehr viel um Sex, Pornografie etc.
Das Buch, das in dem Buch vorgestellt wird, zeigt auf, was die Menschheit in einer Minute so macht – vor allem in Zahlen dargestellt. Da geht es also um Hektoliter Blut, Sperma und Milch (Muttermilch). OH je…
Na ja, aber der ironische Ton gefällt mir.
6 / 10 Punkte

Stanisław Lem: „Der Mensch vom Mars“
Da das „Neue“ von Lem mir nicht so sonderlich mundete, also doch was Altes – und dann aber etwas, was zwar alt ist, aber erst Jahrzehnte später auf Deutsch erschien! Den kannte ich echt noch nicht. Das Buch ist Lems Erstling von 1946. Das Buch sollte ihn und seine Kumpels vom Grauen des gerade überstandenen Krieges ablenken. Und es zeigt, dass Lem damals wohl großer Wells-Fan war. Es erschien zuerst in einer Literaturzeitschrift und erst Ende der 80er in Buchform, kurz darauf auch auf Deutsch.
Der „Mensch“ vom Mars ist natürlich kein Mensch, sondern so ein biomechanisches Wesen – ein in künstlicher Hülle verbogenes Plasma-Wesen. Vielleicht er Urahne des ozeanfüllenden Solaris-Wesens?
Ich denke, hier kommen viele Motive vor, die Lem später nochmals aufgriff. Diese für irdische Begriffe unfassbare Lebewesen, von denen die Forscher nicht mal genau wissen, ob es überhaupt lebt, oder gar eine Maschine ist, weil sie mit Maschinenteilen operiert, kann die Gedanken, das Gehirn der Menschen direkt mit Informationen versehen. Denen kommt das wie Visionen und Träume vor.
Leider kommt keine echte Verständigung zu Stande. Außerdem ist das Wesen schon ziemlich gefährlich und aggressiv.
Lustig ist der Einstieg in den Roman. Der Ich-Erzähler, ein arbeitsloser Journalist in New York, wird einfach mal so am helllichten Tage gekidnappt. Es liegt wohl ein Missverständnis vor, aber aufgeklärt wird das nicht. Seine Kidnapper sind die Forscher, die das Alien gefunden haben und untersuchen. Er hilft ihnen daraufhin (ohne jegliche Qualifikation dafür, aber mit „gesundem Menschenverstand“).
Auch wenn das jetzt sicher noch kein reifer Lem ist, aber er las sich erfrischend, war auch ein bisschen spannend und kurzweilig.
8 / 10 Punkte


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..und hier ist er: Hermit! (nicht nur er, sondern beide NEUEN STERNE 71 & 72)

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 15 August 2021 · 410 Aufrufe
Ina Elbracht, Daniel Bechthold und 1 weitere...
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(Das ist eigentlich mein Eintrag zur Vorankündigung für die „Musik & Phantastik“-Spezialhefte des NEUEN STERNS. Durch eine Änderung des Bildes und unsachgemäße Bearbeitung meinerseits ist es nach von gerutscht. Okay, dann nutzt ich das hier gleich als offizielle Mitteilung zum Erscheinen…)

Unsere Sommerausgabe(n) sind erschienen, mit Schwerpunkt-Thema.
Unser Leser David Staege hatte einst vorgeschlagen, mal was über Musik in der SF, Fantasy, Phantastik zu machen. Ja, warum nicht, kam als Reaktion der Redaktion. Und nun ist es da, und weil es recht viel wurde, gibt es gleich 2 Hefte, mit je 44 Text- und 4 Farbeiten.
Und mit Beiträgen von Ina Elbracht & Daniel Bechthold (Hermit!!! – der Froschbarbar erblickt hier das Licht seiner fremden Welt, gewissen Klänge spielen dabei keine unwesentliche Rolle), Achim Stößer, Peter Schünemann, Mike Röder, Andreas Emgels, Clemens Nissen, Armin Möhle, Tami Urah, David Staege und Nils Wiesner - über Wal- und Neuronengesänge, ein kosmisches Musikfestival, Major Tom und Elrics Musik. Wir klären, was Dungeon Synth ist und wem Udo Lindenberg u.a. begegnet ist.
Und am Ende war noch Platz für ein weiteres kleines Spezialthema: Ira Levin, dem sich meine Wenigkeit und Volker Adam angenommen haben.


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Offener Leserbrief zu BWA 452 & 453

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 15 August 2021 · 184 Aufrufe
BWA
Offener Leserbrief zu BWA 452 & 453 „Offener“ LoC? Ja, der steht ja erst einmal hier in meinem Blöggchen und dann vielleicht auch in einem nächsten BWA. Muss aber nicht, da er ja hier steht und den BWA-Macher*innen zur Kenntnis gebracht werden kann. Mir ist nur wichtig, dass wir mal wieder über SF-Fanzines sprechen – ein Hinweis, dass es SIE noch immer gibt. Das Medium finde ich ja grundsätzlich gut.
Ich habe hier im Rahmen meines Fanzine-Austausch-Programms die Hefte 452 und 453, also vom Mai und Juni 2021 vorliegen. BWA heißt „Baden-Württemberg Aktuell“. Ich weiß eigentlich immer noch nicht, warum es so heißt. Für ein SF- oder Phantastik-Fanzine ist es immer noch ein seltsamer Name, finde ich. Na ja, vielleicht nicht seltsamer, als ein Fanzine als „Rundbrief“ zu bezeichnen, das der NEUE STERN mal sein sollte, also ein Heftchen, das sich vornehmlich an die Leute vom ASFC in Halle wendet (und auch von ihnen in erster Linie gestaltet wurde und noch wird). Vielleicht ist das ja mit dem BWA auch so gemeint gewesen: Ein Bulletin von und für die SF-Fans aus BW. Ja, und ich denke, dass das Fanzine diese „Aufgabe“ sogar immer noch sehr gut erfüllt. Aber der regionale Rahmen ist längst überwunden – wie bei unserem „Rundbrief“ ja auch.
Ich komme beim Schmökern in den Heften unweigerlich ins Vergleichen – aber nicht nur mit dem NEUEN STERN, sondern auch vermehrt mit der APA F.A.N. Was das nun wieder ist? Hatte ich schon mal im Blog erwähnt.
Diese Assoziation habe ich dadurch, dass es eine kleine gemeinsame Gruppe aktiver Schreiber in beiden Medien gibt. So habe ich tatsächlich ein déjà vu beim Lesen. In den BWA nahm wohl schon immer der Leserbrief-Anteil einen gewichtigen Platz ein. In 452 sind es von insgesamt 68 Seiten zusammen mit Editorial ca. 22 Seiten, in 453, das stolze 96 Seiten umfasst, sind es ca. 27. Auf interne Kommunikation wird viel Wert gelegt.
Im Vergleich ist die „Leserbriefsparte“ im NEUEN STERN so gut wie nicht vorhanden. Ich habe versucht, sie zu etablieren. Dabei schwebte mit BWA sogar als Beispiel vor. Und es gab auch entsprechende Texte. Sie regten auch bei unseren SF-Stammtischen zur Diskussion an und dabei hat der Kreis der redaktionellen Mitarbeiter*innen – so will ich das mal interpretieren – eher dafür gestimmt, diese Sparte nicht auszuweiten. Wenn es sich häuft, dann lieber auslagern. Na ja, wir wollen unsren Umfang auch nicht über die „normalen“ 44 Seiten ausdehnen (was dann aber doch hin und wieder passiert) – und ich will mal hier nicht zu viel über den NEUEN STERN reden…
Das Editorial von Uwe ist ja auch immer recht umfangreich. Er nutzt es gern zum Plaudern über seine eigenen Projekte, aber auch über seine Befindlichkeiten & Erlebnisse. Auf jeden Fall ist es immer ein schöner, persönlicher Einstieg und unterstreicht den Fanzine-Charakter der Publikation. Gefällt mir! Auch dass er immer wieder mal ein paar Lektüre-Empfehlungen etc. lose einstreut, gefällt mir; auch das praktiziere ich ja gern – woanders, Ihr wisst schon, wo…
Uwe Lammers Editorial in 452 wartete mit einem kleinen Schock für mich auf: Was, man überlegt, BWA als PDF? DAS wäre ein Schock, denn genau die Diskussion hatten wir für die APA F.A.N., in der Uwe (wie Gerd und Sabine als rege LoC-Schreiber*innen) Mitglied ist und dort für die Beibehaltung der Papierform plädierte. Na ja, war dann auch nur ein Schock für mich, denn es geht wohl „nur“ um die Zusendung der Beiträge zum nächsten BWA. Da erstaunt mich nun, dass die wohl auch anders bisher lief? Also direkt an den Redakteur oder die Redakteurin Papier geschickt? Was dann quasi montiert und kopiert wurde? Das wäre ja dann noch echte Fanzine-Handarbeit! Das überrascht mich wirklich.
Ja, die LoCs. Gerd Maximovics und Sabine Seyfarths Briefe ähneln ihren Beiträgen, die sie für F.A.N. schreiben. Bei Gerd fällt mir wiederholt auf, dass sie mir besser als seine F.A.N.-Beiträge gefallen. Diesmal schreibt er z.B. über einen Philosophen aus dem 19. Jh., der wohl schon tatsächlich Kontakte mit Außerirdischen thematisierte, die auf telepathischem Wege erfolgen werden. Faszinierend!
Uwe steuert gern immer wieder Rezensionen aus seinem Rezi-Fundus bei. Ich glaube mich an keine wirklich aktuelle Rezi erinnern zu können, aktuell in dem Sinne, dass er sie frisch geschrieben hat; inhaltlich kann die Rezi ja gern ein altes Buch behandeln. Diesmal sind sie aus dem Jahr 2017. Frage an Uwe: Hast du da einen Fundus? Sind die schon mal woanders abgedruckt worden? Oder hast du die so lange in der Schublade liegen und bringst sie jetzt Stück um Stück? Das wollte ich auch schon lange einmal fragen.
Und mich bedanken! Denn Uwe hat ja solche älteren Texte von sich für ein Projekt des NEUEN STERN rekrutiert: Rezis zu Lem-Büchern, die er mit einem Rahmentext zu seinem eigenen Schaffen versehen hat, weil Lem einer seiner Inspirationsquellen ist. Dafür habe ich mich noch gar nicht gebührend bedanket, lieber Uwe! Das Heft erscheint dann sicher im September, spätestens im Oktober.
Die Rezi zu Kurland, „Wo steckt Aaron Burr?“ fand ich stark und inspirierend. Ich mag ja solche Alternativ-Historien; und die kannte ich noch gar nicht. Dabei ist die reale Biografie dieses Herrn Burr für sich genommen schon einen Roman wert! – Und Schupps – schon wieder was auf meinem SUB.
Michael Baumgartner ist im Star-Trek -Fieber! Und das seit Jahren – Jahrzehnten. Seine Fannischen Erinnerungen beginnt er mit einem Rückblick auf sein ST-Fandom, das er zuerst mit seinem Bruder auslebte. Ja, solche Berichte mag ich. Wir „alten Fans“ haben ja inzwischen was zu berichten und erinnern uns vielleicht gern an „die guten alten Zeiten“. Ja, dem frönen wir übrigens im NEUEN STERN auch gelegentlich; da gibt es jetzt quasi so eine Sparte.
Sabine schreibt auch über das, was sie gelesen hat. Dass es eine Rezi von Sabine ist, konnte ich aber nur dem Inhaltsverzeichnis entnehmen, vor oder nach dem Text steht ihr Name nicht. Warum eigentlich? Ist mir schon öfter aufgefallen, dass die Schöpfer der Texte mitunter gar nicht direkt benannt werden. Gibt es dafür einen Grund?
Auf jeden Fall bespricht sie einen Roman, der ganz nach ihrer Fasson ist: Ein Roman über eine Weltenschöpferin, die in einer eigentlich dystopischen Welt virtuelle Welten erschafft, damit es den Menschen, die in der realen Welt nicht leben wollen und können, gut geht. Interessantes Konzept.
Im Juni-Heft hat Eckhardt Brux einen LoC, in dem es um amerikan. Ureinwohner geht, um Indianer. Hey, das hat mich gefreut, denn es ist eine Replik auf Sabines Worte zum gleichen Thema im vorherigen Heft, die wiederum eine Replik auf Michaels Worte zum Spezialthemenheft des NEUEN STERNS war. Da bin ich ein bisschen stolz, dass so eine Ausgabe unseres Zines solche Wirkung zeitigt.
Andersherum kann ich aber den Dankes-Kelch auch weiterreichen. Ein Spezial der BWA sind die aktuellen Nachrufe. Der eine oder andere hat meinen SUB anwachsen lassen. Diesmal ist aber „nur“ ein Nachruf auf einen US-Astronauten enthalten – informativ und interessant.
Michael hat sich den Film „Lobster“ angesehen. Den kenne ich auch! So besondere Filme mag ich ja und bin an ihnen interessiert, an „Lobster“ bin ich aber damals gescheitert, der hatte mich dann doch nicht fesseln können. Aber schön, an ihn erinnert worden zu sein. Man liest ja immer wieder mal von dem Film; er scheint eine schleichende Wirkung mit der Zeit zu entfalten.
Michael setzt seine Fandom-Erinnerungen fort. Diesmal ist er aktueller und beleuchtet das Phantasten-Stammtisch-Leben in Corona-Zeiten. Na ja, kenne ich ja auch – wir vom ASFC haben da auch unseren Stammtisch ins Netz verlegt. Aber was die Stuttgarter da anstellen, ist noch eine Nummer größer! Alle Achtung!
Übrigens, lieber Michael, wenn ihr das Format beibehaltet und tatsächlich auch thematische Veranstaltungen anbietet: Ich wäre da durchaus interessiert! Bei den Münchner Phantasten schaue ich auch immer mal gern mit rein, wenn es dort auch Vorträge gibt. Ja, man hätte als Fernwohnender kaum die Gelegenheit, Club-Treffen zu besuchen, würden sie nicht online stattfinden.
In der 453 mit fast 100 Seiten gibt es noch einiges. So ein Interview mit dem Autor Ben Calvin Hary, das Alexandra Trinley mit ihm führte. Auch wenn ich jetzt kein Perry-Fan bin so fand ich das Interview interessant. Ich hatte aber den Eindruck, dass „die Chemie“ nicht so ganz stimmt, oder? Ein paar Antworten waren auch sehr zurückhaltend, boten nur andeutungsweise Informationen. Aber wie gesagt, war nur so ein Eindruck.
Der Autor Michael Schnitzenbaumer wird vorgestellt und eine kleine Fantasy-Story war von ihm enthalten. Auch interessant, auch wenn ich danach wieder kein richtiger High-Fantasy-Fan werde. Aus dem Bereich finde ich aktuell gerade mal die TV-Serie „The Witcher“ anregend, aber sonst fesselt mich das Genre weniger.
Der Comic-Crossover aus Conan und Superhelden, den Michael vorstellt, fand ich da schon interessanter; mein Lieblings-Mix ist übrigens einer aus Lobo und Batman.
Uwes Oki-Story aus der 452 wird fortgesetzt, und findet noch immer kein Ende. Hach, da komme ich nie rein, denke ich.
Also, insgesamt hatte ich wieder sehr interessante und abwechslungsreiche Lektüre, die auch über den Rand der Perryversums hinausgeht, wofür ich als Außenstehender sehr dankbar bin. Es gab wieder einige Anregungen für mich.


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Fantasy aus der DDR?

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 11 August 2021 · 113 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Heinz Zander und 2 weitere...
Weil hier danach gefragt wurde und ich dort nicht diesen alten Text einfügen wollte, stelle ich ihn hier mal rein.
...und hier - bei uns - wird die Frage auch aufgeworfen: https://www.scifinet...itären-staaten/

Fantasy-Literatur der DDR
Ein Überblick von Thomas Hofmann
aus SOLAR-X 40 vom 18.6.1993

.
Das gab's doch gar nicht! hört man allenthalben, sobald die Frage nach der Fantasy der DDR gestellt wird. Ist die negative Antwort schnell heraus, kommt eine kurze Pause, nach der den meisten dann Hans Bachs unsägliche "Glastropfenmaschine" einfällt - so hausbacken der Titel, so schlimm der Inhalt... - ein übles Konglomerat meiner Meinung nach, scheinbar entstanden nach einem Griff in die Ideen-Kartei und einfach so zusammengefügt, wie die losen Zettel in ihr übereinander lagen. Ich beginne diesen Artikel über Die DDR-Fantasy mit so harten Worten zu einem Autor, den ich zu meinen Lieblingsautoren zähle, doch habe ich mich seinerzeit dermaßen über dieses Buch von ihm geärgert, daß ich einfach so schreiben muß. Man möge es mir nachsehen. Hans Bach hat für meine Begriffe mit "Sternendroge Tyrsoleen" und "Germelshausen 0.00 Uhr" und seinen mitunter sehr martialischen aber guten Stories echte Höhepunkte in der DDR-Phantastik-Szene geliefert - doch soll die jetzt nicht mein Thema sein.
Nach der "Glastropfenmaschine" wird dann noch oft das Buch von Uwe Grüning, "Das Vierstromland hinter Eden" genannt, das ob seiner überladenen Komplexität und schier undurchdringlichen philosophischen Dichte nicht gerade ein Renner in der Gunst der Fans ist. Auch hier gilt: nomen est omen; der Roman strömt eine gewisse Aura der Vollkommenheit, der Allumfassentheit aus und überfordert den Leser - mir ging es jedenfalls so...
Mir scheinen beide Werke an der gleichen Krankheit zu leiden, obwohl beide Autoren mit völlig verschiedenen Intentionen an ihr Schreiben herangingen. Sie scheinen sich zu unterscheiden wie ein Roman aus der Conan-Serie zu Tolkiens RING-Trilogie. Hans Bach ist ein brillanter Fabulierer und Unterhaltungskünstler, Uwe Grünig ein religiös motivierter Autor äsopscher Gleichnisse, die sich dem Hier und Heute auf phantastische Weise verpflichtet sehen. Beiden fällt aber die Tatsache auf die Füße, daß es in der DDR keine Tradition der Fantasy gab; insofern gebe ich jedem Recht, der von einer Nichtexistenz einer DDR-Fantasy-Literaturszene spricht.
Und dennoch gibt es sie, die Fantasy der DDR!
Zwei Beispiele habe ich bereits genannt, doch können dies ja einsame Ausnahmen sein, die weder Vorgänger noch Nachfolger hatten.
(…) Für die DDR trat in jedem Falle erschwerend hinzu, daß das Label "Fantasy" ein Tabu war; Fantasy ist eine Form imperialistischer Massenunkultur und ein Instrument, die Werktätigen von ihren Klassenkampfaufgaben abzulenken ... das muß doch noch mal gesagt werden!
Wie auch immer, auch ohne diese Bezeichnung (selbst die "Science Fiction" gab's ja lange Zeit nicht, nur "Utopische Romane" - wenn das Sir Thomas Morus gewußt hätte...) gab es Werke, die in diese Schublade gepaßt haben. Andererseits hätten es vielleicht aber mehr gegeben, wäre diese Form der Literatur zugelassen und gefördert worden.
Doch warum hat man sie unterdrückt? Müßte sie nicht eigentlich gefördert worden sein ob ihres ablenkenden Charakters? Warum gab es keine pro-sozialistische Fantasy, wie bei der SF? Oder überwog bei den hauptamtlichen Kulturfunktionären die Angst vor der subversiven Potenz der Phantasie, der Fabel, der phantastischen Verklärung?
Gerade in der SF fanden sich neben den eindeutig propagandistischen Zügen auch Kritik und Fragen, die vielleicht in einem belletristischen oder Sachbuch nur von Leuten geäußert werden konnten, die schon einen anderen Namen hatten, wenn überhaupt.
Hier bietet sich die Sicht auf ein paar weitere Beispiele an, die vielleicht die aufgeworfenen Fragen etwas beantworten.
Uwe Grüning wurde bereits genannt. Neben seinem schwer verdaulichen Mega-Werk, das mir übrigens entgegen der Meinung vieler anderer Fans durchaus gut gefiel - obwohl mir sicherlich genauso viel verborgen blieb in diesem schweren Text - schrieb er noch weitere Erzählungen, die man der Fantasy zurechnen kann.
Gesammelt erschienen sie 1981 in dem Band "Hinter Gomorrha".
"Die Hecke" erzählt von der Bedrohung eines Dorfes durch eine Hecke, die die Menschen vereinzelt und vereinsamt, so daß sie nichts mehr vom Leben erwarten. Na, was ist wohl damit gemeint?
In "Der Schatten" sitzen nach einem fiktiven Krieg der Polizeichef des einen ehemals kriegführenden Landes mit einem Mann aus dem anderen Land, dem Protagonisten, zusammen an einem Tisch und stoßen auf die gute alte Zeit an - eine Vorahnung der Nach-Wende-Zeit?
"Die Vollendung des Menschen" führt zum absoluten Stillstand. Die Übermenschen garantieren Unsterblichkeit und die Mitte des Lebens, doch gibt es keinerlei Entwicklung mehr - ein Absage an jede Form von Utopie?
"Der Wartesaal" ist ein Ort, wo man auf die Einbürgerung ins Reich Sun wartet; so lange, daß sich dort bereits eigene Regeln des Zusammenlebens herausbildeten - eine Fabel auf das Leben in der "Übergangsgesellschaft"?
Der Band enthält noch weitere Stories, einige sind in dem fiktivem Land Sun angesiedelt. Sie sind allesamt ähnlich zeit- und raumlos konzipiert wie der Plot des Romans "Vierstromland...".
Uwe Grünig schrieb weiterhin Gedichte, Essays und Miniaturen, die sich aber beim besten Willen nicht ins Genre einordnen lassen. Also wenden wir uns einem weiteren Vertreter zu, der vielleicht weniger bekannt sein dürfte.
Ähnlich wie Grünig schreibt auch Heinz Zander, seines Zeichens eigentlich Maler und Graphiker, der mir als Hobbyzeichner schon frühzeitig auffiel, weil er so zeichnete, wie ich es mir für mich wünschte. Er widmete sich literarischen, historischen u.a. fantastisch-surrealistischen Themen, ähnelt im Stil dem berühmten Tübke.
Einst lieferte er sogar - als DDR-Mensch - Zeichnungen für westdeutsche SF-Fanzines; damals in den 60ern...
Der Graphiker schrieb auch Bücher, die er selbstverständlich selbst illustrierte. Darunter das Buch "Stille Landfahrten", welches aus zwei Teilen Besteht: Zum einen der romantische Märchenroman "Johann Wagners Reise nach Venedig" und eine Reihe von Fantasystories.
Die Texte sind in einer barocken Sprache verfaßt und auch sehr überladen an philosophischen Deutungsmöglichkeiten und Metaphern. Der Roman erzählt die Geschichte des Dieners von Faust, angesiedelt im 16. Jahrhundert. Die Reiseerlebnisse des Wagner sind wahrlich nicht so sehr von realen Wahrscheinlichkeiten geprägt...
Auch in seinem zweiten Roman, "Das sanfte Labyrinth", 660 Seiten stark, überschreitet der Autor die Grenzen zwischen Wachen und Träumen, doch bleibt dieses Buch weitestgehend realistisch.
Eine große ostdeutsche Autorin, eine meiner Lieblingsautorinnen überhaupt, ist auf jeden Fall noch zu erwähnen: Waltraut Lewin. Ja, werden manche jetzt sagen, klar sie hat selbstverständlich auch Fantasy geschrieben: "Märchen von den Hügeln" und die Fortsetzung "Die Zaubermenagerie", beide in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Miriam Margraf. Doch sind sie irgendwie in Vergessenheit geraten, obwohl sie es wahrlich nicht verdient hätten.
In beiden Bänden treten gar Elben und Halbelben auf, im ersten Band wird sich namentlich auf Tolkien bezogen, doch bleiben beide Romane im Hier und Heute verwurzelt, verfremden diese aber auf wunderbare Weise - ein Lesevergnügen, insbesondere der poetischere erste Band, herrlich illustriert von Carl Hoffmann...
Historische und gegenwärtige Ereignisse aus der Umgebung Dresdens und um einen DDR-Opernsänger der Semperoper werden elbisch verfremdet, was zu manchem "Aha-Erlebnis" führt.
Der zweite Band ist "erwachsener", d.h., die Protagonistin, die im ersten Band ein Mädchen war, ist nun eine junge Frau. Der Stil ist weniger märchenhaft, dafür aber zunehmend surrealistisch, ähnelt dem von Grünig und Zander. Kann man hier vielleicht eine typische Ausprägung der DDR-Fantasy erkennen?
Von W. Lewin stammt auch eines meiner absoluten Lieblingsbücher, "FEDERICO", eigentlich keine Fantasy sondern ein historischer Roman, was ja das Metier der Lewin ist (neben der Musik: Biographie über Händel, Rockoper "Rosa" usw.). Es handelt von einer der faszinierendsten Herrschergestalten des Mittelalters, die viele Eigenschaften des Renaissancefürsten vorweg nahm.
Der Roman besitzt aber sehr ausgeprägte Fantasy-Elemente, so begegnet der junge Friedrich beim Alpenübertritt einer rothaarigen, bewaffneten Hexe. Sie ist wohl die Verkörperung der Autorin selbst und die Inkarnation des ewig Weiblichen, der Urmutter Ewwa.
Auch im Stil erinnert der Roman an moderne Fantasy.
Vielleicht fällt ja dem einen oder anderen noch ein weiteres Beispiel ein, so z.B. die Romane der Irmtraut Morgner, die ich leider noch nicht gelesen habe, oder auch das Spitzen-Buch "Germelshausen, 0.00 Uhr" von Hans Bach, in dem eigentlich eine absolut typische Fantasy-Story erzählt wird von einem Menschen unserer Welt und Zeit, der in eine fantastische Parallelwelt gerät und dort Abenteuer bestehen muß.
Gut, Schluß damit! Es muß reichen, obwohl man sicher noch einige Erzählungen von Rolf Krohn und von A. u. K. Steinmüller heranziehen könnte und andere "Grenzfälle" zwischen SF & Fantasy.
Als kurzer Ein- und Überblick soll dies jedoch genügen. Ich wünsche jedem der Lust dazu hat viel Spaß am Entdecken der fantastischen Fluchtwelten aus einem Land, das es nicht mehr gibt.



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Carlos Suchowolski: „Elf künftige Zeiten“

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 11 August 2021 · 265 Aufrufe
Carlos Suchowolski und 1 weitere...
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Endlich gelesen! Kurz, bevor sein Roman in der Edition SOLAR-X erscheint*. 2018 habe ich den Erzählungsband auf dem ElsterCon erworben und war eigentlich schon sehr gespannt auf die Stories. Kam wieder was dazwischen…
Nun habe ich die Stories im Urlaub, so an den Abenden während meiner Urlaubsfahrt, gelesen. Sollte man aber nicht machen, meiner Meinung nach, denn die Stories erfordern hohe Aufmerksamkeit und Zuwendung. Es sind keine Abenteuer-Stories, die man so zur Unterhaltung mal nebenbei lesen kann. Es wird viel nachgedacht, reflektiert, überlegt, gedanklich konzipiert.
Es geht um die Probleme, die man bei Zeitreisen (unterschiedlichster Form) haben kann. Es geht in 2 Orwelliaden (einmal eher grotesk, zum anderen eher in Horrormanier) um Kritik an totalitären Regimes – die mir dann doch etwas anachronistisch erschienen. Es kommen Androiden, Klone, Zombies vor. Doch sollte man auch hier keine Action erwarten. Durch Perspektivwechsel gewinnt der Autor diesen bekannten Stoffen der Phantastik neue Aspekte ab – mich haben sie nicht immer so wirklich überzeugt, muss ich gestehen. Was mir aber selten beim Lesen passiert: Ich musste mehrfach lesen, und immer fand ich neue Aspekte. Der Tiefgang der Stories hat mich überzeugt, auch wenn es mitunter mühselig war.
Ein großes Lob an die Übersetzerin, Pia Biundo, das muss auch für sie nicht gerade einfach gewesen sei. Die Geschichten sind gedankliche und sprachliche Juwelen – und auf den Roman freue ich mich jetzt.
(Mehr zum Buch im NEUEN STERN)
8 / 10 Punkte

*) "Das Licht der Hohlwelt"


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Sommerlektüre, auch abgebrochene

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 23 July 2021 · 333 Aufrufe
Sebastian Guhr, Daniel Kehlmann und 3 weitere...
...beginnen wir mit den Abbrüchen des Monats
Der Lesemonat Juni war zunächst von weniger erbaulichen Eindrücken geprägt. Ich habe es z.B. mit John Crowleys „In der Tiefe“ ein zweites Mal versucht. Einst hatte ich den Dreifachband „Maschinensommer“, kam damals – vor 15 Jahren? – nicht rein. verkaufte ihn gar. Und jetzt habe ich ihn mir wieder hingestellt. Und? Wieder nix.
Die Sprache ist sehr gekünstelt, sie erleichtert mir nicht gerade den Zugang. Und dann habe ich wohl nach wie vor falsche Erwartungen? Jedenfalls war ich auf eine exotische Welt erpicht, die Säule im All, auf der sich die kleine flache Welt befindet. Da gäbe es, meiner Meinung nach, so viel zu entdecken. Ein geschlechtsloser Fremder wird dort ohne Erinnerung aufgefunden. Es scheint sich um einen Androiden zu handeln. Aber nicht seine Geschichte steht im Mittelpunkt, sondern die Fehden der feudalen Gesellschaft dieser Mini-Welt. Das ist reine, mittelalterlich geprägte Fantasy, wie ich sie zumindest eher nicht mag. Na, mein Problem, Abbruch nach 80 Seiten
Zum Zweiten:
„Tausend Milliarden glückliche Menschen“ von James Blish und Norman L. Knight. Was für ein Titel! Und dann noch mein jetzt bereits seit Jahren angehimmelter Lieblingsautor Blish!
Auch das Vorwort hat mich für das Buch eingenommen. Es soll eine Utopie sei, obwohl der Umstand einer dermaßen hohen Überbevölkerung die Planeten eher dystopische Zustände erahnen lassen.
Im Vorwort erklären die beiden Autoren, wie sie sich jahrelang mit der Sache beschäftigt haben. Knight hat in den 40ern bereits Stories dazu geschrieben. Sie haben sich viele Gedanken gemacht, Notizen, Briefe hin und her geschrieben.
Na ja, irgendwie merkt man es dem Werk an. Ich kam in die Romanhandlung einfach nicht rein - vielleicht, weil es sie gar nicht gibt. Das ist eher so ein Staatsroman, in dem aber auf aus meiner Sicht Unwesentliches Wert gelegt wird. Aber was kann ich nach gut 50 Seiten schon behaupten?
Von den utopisch-dystopischen Zuständen habe ich nicht viel mitbekommen. Die vielen Menschen leben in Riesenstädten, sie tun nichts, da die Arbeit von Maschinen und Computern erledigt wird (Arbeit 4.0 gab’s damals als Idee also schon). Die Handelnden sind die wenigen noch Arbeitenden. Und einer macht sich einen Kopp, wie und wo er seinen Urlaub verbringen kann.
Dann gibt es noch Menschen, die sich anatomisch an ein Leben im Meer angepasst haben. Sie gelten als neue Art, Tritonen. Okay, also Amphibienmenschen. Nicht so neu (der Roman ist aber auch schon alt). Denen widmet sich das Buch zunächst sehr intensiv. Aber in einer Form, die eher an Arbeit-Geschäfts-Besprechungen erinnert.

Nun aber: Gelesen im Juni und in der 1. Hälfte des Juli.

Daniel Decker: „Dør“
Der Roman nähert sich auf raffinierte Weise seinem Thema. Es gibt quasi verschiedene Romananfänge, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen, verschiedene Protagonisten haben und der am Ende Ideen des Esoterikers Gurdjieff mit denen Lovecrafts mixt. Und das alles in einem relativ kurzen Text.
Dør ist ein Musikprojekt. Natürlich dachte ich als, dass es sich um eine skandinavische Black Metal Band mit HPL-Bezug handle und lag so falsch nicht. Es ist sozusagen eine Proto-Metal-Band aus Skandinavien, die der Beschreibung des Autors nach einige Stilelemente – sowohl musikalisch, als auch im Habitus und Auftreten – des späteren norwegischen Black Metal vorwegnimmt.
Dieses „Musikkollektiv“ aus den 60er Jahre ist natürlich fiktiv – also, ich nehme doch an, es ist fiktiv – und wurde von einem Mann namens Anderson gegründet. Der dürfte aber zu dem Zeitpunkt des Bestehens der band schon über 80 Jahre alt gewesen sein. Nur sieht man das nicht hinter seiner weißen Bühnenschminke.
In kurzen Kapiteln nähern wir uns dem Phänomen Dør und der Person Anderson, um ihn dann im Hauptteil, der 1935 spielt, auf einer Expedition ganz im Stile Lovecrafts und seiner „Berge des Wahnsinns“ zu erleben. Die mysteriöse reise geht hier aber in den Himalaja und teilweise an der Seite des Esoterikers Gurdjieff.
Der Mann hatte es ja auch mit der Musik – mit Tänzen vor allem, die ihm die seelischen und mentalen Geheimnisse der Derwische näherbringen sollten. Bevor er seine 40. Bewegung vollenden konnte, starb Gurdjieff 1949.
Zuvor öffneten er und Anderson aber eine „Tür“ – genau das heißt Dør wohl. Bei der Mission begegnen Andersen große Vögel, die einem Ruf ausstoßen, die dem Fan der Weird Fiction nicht unbekannt sein dürfte: „Tekeli-li! Tekeli-li!“
Eine schöne Hommage an den Altmeister der Weird Fiction, die für meinen Geschmack noch mehr ausgebaut sein könnte und die am Ende vielleicht sogar zu sehr dem Vorbild nacheifert.
8 / 10 Punkte

Richard Lupoff: „Zirkumpolar“
Astreiner SF-Alternativwelt-Roman um berühmte Flieger-Pioniere und -Asse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie Richtofen, Lindbergh und Earhart. Es geht um ein großes Preisausschreiben, um einen Flug um die Welt und wer es am schnellsten schafft.
Die Welt ist der uns bekannten durchaus ähnlich – und doch so völlig anders. Es gab keinen ersten Weltkrieg, nur einen Einjahreskrieg. Richtofen lebt noch, das Deutsche Reich und das Russische Zarenreich auch – und: Die Erde ist doch eine Scheibe! „Unsere“ Erde ist die Oberfläche. Aber was ist auf ihre Rückseite? Das weiß niemand, denn dahin hat sich noch niemand gewagt und vor allem ist noch niemand der es sich doch wagte je zurückgehkehrt.
Aber jetzt gibt es Flugzeuge und damit kann man im Süden über die große Eisbarriere hinweg und im Norden durch das Symmessche Loch auf die andere Seite. Dort finden wir quasi noch mal eine Alternativ-Erde. Und so kann das Abenteuer beginnen!
Das Buch erschien bei Ullstein als Abenteuerroman, in der Aufmachung gar nicht an einen SF-Roman erinnernd. Möglicherweise entging es so vielen SF-Fans und stieß Freunde der historische (echten) Abenteuergeschichte vor den Kopf. Wie auch immer, ich fand das Teil großartig.
9 / 10 Punkte

Barbara Bronnen: „Das Monokel“
Na, das war jetzt auch noch fällig. Ob ich jetzt mit dem Bronnen-Kapitel durch bin? Hmm, weiß nicht…
Den Roman schrieb die Tochter von Arnolt Bronnen. Sie und ihr jüngerer Bruder wundern sich über diesen Mann, der ihr Vater war, genauso wie ich. Was hat ihn geritten, so harte Grenzen aufzumachen und diese mehrmals zu überschreiten?
Die Tochter hat noch recht viel von ihrem Vater mitbekommen, der Sohn, ihr Bruder, war 2 Jahre alt, als Arnolt Bronnen starb. Aber ihm, Andreas, wird seine Herkunft aufs Butterbrot geschmiert!
Andreas Bronnen lebt in Scheidung. Seine Frau und sein Kind leben in Österreich und dort erinnert man ihn an seinen „unzuverlässigen“ Vater – der Anwalt seiner Frau will ihm daraus einen Strick drehen. Also muss sich der Sohn mit seiner Familiengeschichte befassen.
Die Geschwister machen sich auf eine Spurensuche durch Deutschland, Österreich, Polen, die Lebensstationen ihres Vaters.
Und – für mich erstaunlich – sie werden von den gleichen Fragen getrieben, wie ich. Als Hauptdokument nehmen sie auch „Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll“. Allerdings, und das war für mich dann doch der Mehrgewinn aus diesem Roman, widmet sich die Autorin auch ausführlich der Zeit am Ende der Nazizeit, als Bronnen zum antifaschistischen Widerstand überging und der Phase, die Bronnen in der DDR verbrachte. Davon steht in den Protokollen kaum was.
Für den Sohn, also Andreas Bronnen, war dieser Findungsprozess sehr wichtig, weil er erst mal überhaupt eine Beziehung zu seinem unbekannten Vater herstellte, posthum natürlich. Das war auch für mich als Leser interessant, zudem hat Andreas Bronnen, als Wanderer zwischen den Systemen, eine interessante Biografie. Er ist in der DDR aufgewachsen, konnte dann aber in Österreich studieren und machte dort auch eine ziemlich kapitalistische Karriere. Verbal zumindest scheint er aber eine Affinität zur DDR, zum Kommunismus zu haben. Komische Sache, aber natürlich superinteressant.
Der Roman ist vielschichtig, beleuchtet das Leben des berühmten und bei manchen berüchtigten Vaters und zeigt, wie sein „Ruf“, sein Leumund auf die Biografien der Kinder, der nun auch bekannten Autorin und ihres Bruders, ausstrahlt.
Mitunter etwas weitschweifig und redundant, aber ansonsten:
9 / 10 Punkte

Sebastian Guhr: „Mr. Lincoln & Mr. Thoreau“
„Der neue Guhr“ ist da! Klasse! Ja, seit „Die langen Arme“, das ich Anfang 2020 las, bin ich Fan des Autors. Seitdem habe ich einige Sachen von ihm gelesen, auch ein Buch, das ich mal besaß und lesen wollte, weil es eine Swift’sche Gullivernade ist, das ich aber dann doch nicht mehr las, weil ich einfach zu viel von solchen Sachen gelesen hatte und es daher wieder abgab. Der Wiedererwerb gestaltete sich gar nicht so einfach, aber er gelang und das Buch fand ich dann auch nicht übel.
Seitdem warte ich auf neue Publikationen des Autors – ein bisschen sehnsüchtig. Dabei weiß man – so viel habe ich inzwischen gelernt – gar nicht, worauf man sich da einlässt. Nur einem einigen Genre hat er sich nicht verschrieben. Diesmal ist es quasi eine historische Doppelbiografie. Natürlich keine vollständige, dazu ist das Buch auch viel zu dünn.
Er widmet sich zwei berühmten US-Amerikanern des 19. Jahrhunderts.
Abraham Lincoln erleben wir in seiner Anfangszeit als Anwalt. Nun, was mich echt erschütterte, er war kein Erfolgsmensch, musste hart kämpfen, vor allem mit sich selbst und seinen Ängsten, seiner Melancholie, seiner Not.
Der andere ist nicht ganz so populär, aber dennoch sehr interessant: Der Schriftsteller und Natur-Philosoph Henry David Thoreau, der genug von der Zivilisation hatte und daher in den Wald zog. Dort baute er sich eine Hütte und lebte dort 2 Jahre, möglichst abgeschieden vom Trubel der zivilisierten Welt. Na ja, gelang ihm wohl auch nur partiell. Aber das Buch, dass er über seine Erlebnisse schrieb, wurde halt schon berühmt, und wird heute wohl noch gern von Leuten gelesen, die gern – oder auch aktiv – alternative Lebensformen suchen und pflegen.
Auch wenn einem diese Persönlichkeiten gar nicht so sehr viel bedeuten, wie mir, so ist der Roman dennoch ein spannendes Erlebnis. Wieder hat mich der Autor in seine Welt gezogen und seine Figuren nahegebracht. Ich bin schon ziemlich beeindruckt und begeistert – und muss jetzt wieder – wie lange? – warten auf das nächste Werk…
10 / 10 Punkte

Daniel Kehlmann: „Beerholms Vorstellung“
Das ist Kehlmanns Erstling und der steht schon lange in meinem Regal – ungelesen. Wie kann das sein?
Also, endlich nachgeholt.
Meine erste Reaktion auf das Buch: Irgendwie ist Daniel Kehlmann ein Science-Fiction-Autor. Das vorliegende Buch hat diesen Eindruck im Grunde verstärkt. Warum? Na ja, er schreibt gern über Mathematik und Physik, in „Mahlers Zeit“, in „Geister in Princeton“. Naturwissenschaft, gern auch philosophisch ausgeleuchtet, in ihrer Kraft auch fast mythisch überhoben (?), spielt als Background oft bei ihm eine große Rolle – insofern: Wissenschafts-Fiktion.
Hier erzählt ein begabter und ambitionierter Zauberer seine Biografie. Ein Bühnenzauberer, kein Magier aus einer Fantasy-Welt – aber einer, dessen Vorbild Merlin ist! Also auch Fantasy?
Ob er das große Ziel, „echte“ Magie zu entwickeln und auszuüben, erreicht hat? Oder war das dann am Ende doch nur ein von Alkohol benebelter Traum?
Und wie ist das mit seiner Freundin, oder Frau? Hat er sie sich wirklich erschaffen? Oder imaginiert er sie sich bloß herbei? Mit Sicherheit gehört der Ich-Erzähler des Romans zu den unzuverlässigen Erzählern. Aber auf jeden Fall zu den besonders guten!
Ich war wieder absolut begeistert von dem Roman, auch wenn er sogar irgendwie zu kurz geraten war.
10 / 10 Punkte - PS: Und gerade gesehen: "Nebenan" - was ja nicht nur das Regiedebüt von Daniel Brühl ist, sondern auch eine Drehbuchverfilmung von Daniel Kehlmann (hab ich echt erst bei den Credits am Filmende mitbekommen)


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NEUER STERN 70 erschienen

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 10 July 2021 · 215 Aufrufe

NEUER STERN 70 erschienen Der Sommer hat begonnen; Zeit für erste Sommerausgabe des NEUEN STERNS, oder?
Da ist sie, die Nummer 70.
Das Heft hat 48 Seiten + 4 Farbseiten und folgenden Inhalt:

Editorial von Thomas Hofmann
über die Münchner Phantasten, eine Überraschungslesung für und mit Christian v. Aster und Queer*Welten 1
Etwas ausführlicher über George Langelaan, seine "Fliege" u.a. Stories, von Thomas Hofmann
Die Warren-Ellis-Files 2, von Thomas Hofmann
über "Gun Machine" & "Captain Swing"
Die letzten Geheimnisse um die STERNENSPLITTER, von Thomas Hofmann
Ellen Norten: "Salinos", Story
Ellen Norten las Philipp Kerr: "1984.4" & "Kalter Frieden"
Perry Rhodans größtes Abenteuer von Eschbach, erlebte Bernd Wiese
Doppelverriss...
Lars Dangel berichtet über Bloch, "Die klassische englische Geistergeschichte"(*)
Thomas Hofmann las Teil 3 v. TRISOLARIS
In -fast- alten Bücherschränkten kramten...
...Bernd Wiese: C. Pincher, "Die Pille"
...Thomas Hofmann: L. Ron Hubbard, "Fear"
...Thomas Hofmann: Lupoff, "Vorstoß in den Äther" (Beginn einer Reise durch die Welten des kürzlich verstorbenen Autors, chronologisch nach Zeit der Handlung der Romane; hier: 1884)
...Bernd Wiese: Schnack, "Die goldenen Äpfel" (das ist dann wiederum schon ziemlich alt)

Auf dem Cover sehen wir Olesya Kharinskaya (Instagram @cosplaypandared).
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(*) Ein Artikel, der bereits vor seinem Erscheinen Diskussionen auslöste. Das ist neu für den NEUEN STERN. Die Diskussion entbrannte im phantastik-literatur.de/forum.Leider keine sehr hilfreiche, hach, dieses Fandom immer...


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Zentralorgan des guten Geschmacks :)

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 05 June 2021 · 492 Aufrufe

Zentralorgan des guten Geschmacks :) Die neueste Ausgabe des NEUEN STERN, dem „Zentralorgan des guten Geschmacks“ – auch: Rundbrief an die Freunde des ASFC Halle (aber eben nicht nur an die, sondern an alle Phantastik- & SF-Freunde!) – ist am Start.
Sie widmet sich hauptsächlich der Autorin Petra Hartmann – im Interview, mit ihrem Märchen von der verzauberten Straßenlaterne & einer Rezi „Das Serum des Doctor Nikola“.
Diesmal haben wir zwei fette LoCs, Leserbriefe, von Sabine Seyfarth & Michael Baumgartner.
Arnold Drabek setzt seine Bekenntnisse und Erkenntnisse fort: Zur Science Fiction - mein Weg zur und meine Sicht auf die SF.
Rezensionen? Gibt es auch, zu:
...zu Robert Harris: Der zweite Schlaf
...zu Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße
...zu Stephen King: Revival
...zum Manga „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns“
...zur Graphic Novel "Die drei Geister von Tesla"
In alten Bücherschränken kramte und fand Bernd Wiese
...Hermann Dressler: Mondvögel
...Otto Schultzky: Im Saturnsystem
Ich finde ja, für 44 (+4 Farb-) Seiten ist das ganz anständig. – Wer möchte?


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Der Mai ist weiblich (zumindest auf meiner Leseliste)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 May 2021 · 331 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Ina Elbracht und 1 weitere...
Na, das ist ja 'n Ding: Den Mai dominieren Autorinnen! Das war so nicht geplant - ist aber sicher nicht die schlechteste Variante!
Den einen Mann hatte ich ja schon vorab besprochen, Link siehe im Text.
Falls jemand meint, der Hofmann war aber echt faul beim Lesen, so darf ich mich damit herausreden, dass ich ein Mega-Buch begonnen habe - übrigens doch wieder von einem Mann verfasst - das mich an ein Thema heranführen soll, dem ich mich später noch weiter widmen möchte. Dabei geht es quasi um einen "Sehnsuchtsort" und am Ende dann auch um eine historische Gestalt, der ich literarisch, fiktiv gern nachforschen möchte.
Das Buch, von dem ich hier spreche und das ich zumindest begonnen habe, ist "Glastonbury Romance" von John Cowper Powys. Der "Sehnsuchtsort" dürfte damit klar sein? Und wer das Buch kennt, weiß, dass man damit Monate verbringen kann (also, ich brauche die Zeit bestimmt...)

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27 – Ina Elbracht: „Klub Tropikal“
Wieder so ein kleiner Schatz, etwas ganz Besonderes, was ich da genießen durfte. Ist ja nur ein „Appetizer“ aus dem Hause KOVD („Meine literarische Zuflucht“) – der Band 2 der kleinen Reihe – und an einem gemütlichen Nachmittag durchgeschnurbst.
Aber was da alles drin steckt! Ist es nun einfach ein mörderisches Familiendrama, eine Art Aufarbeitung eines Gastarbeiter-/Migranten-Schicksals? Der ungewisse Report eines „unzuverlässigen Erzählers“? Gar eine Zeitreisegeschichte?
Aus allem entstand eine Art Reisetagebuch einer Frau, die das letzte Vermächtnis ihres Vaters in dessen ehemaliger Heimat, einer griechischen Insel, erfüllen muss und dabei auf seine Geheimnisse und die ihrer Familie stößt. Das alles ist verstörend und ihre Familie zerstörend. Und alles auf 70 Seiten geballt. Grandios!
Die Gestaltung des kleinen, feinen Hardcovers sei auch besonders hervorgehoben, das aussieht wie ein Notizbuch, so eine Kladde, die man gern als Reisetagebuch nutzt, mit schnell dahin gekritzelten Zeichnungen, die den Text auflockern.
Ja, und dann fühlte ich mich sogar noch dazu angehalten, das Video von Wham! – „Club Tropicana“ mir anzusehen.
10 / 10 Punkte

28 – Nils Wiesner: „Das Gralprogramm“
Richtig gut hat es mir gefallen. Per Computer-Spiel gerät ein junger Mensch in die Welt von Merlin und Artus und muss – na was wohl? – den Gral suchen. Seine Quest führt ihn durch die bekannte Artus-Legendenwelt, dann aber darüber hinaus ins mittelalterliche Frankreich, zur Burg der Katharer, Montségur, wo es unserem Helden nicht sehr gut ergeht, um es mal gelinde auszudrücken, danach in weitere zukünftige, jenseitige Gefilde. Und das Ende ist dann durchaus befriedigend und ein Gewinn.
(Hier ein paar schwärmerische Worte mehr).

29 – Ursula K. LeGuin: „Das zehnte Jahr“
Irdische Kolonisten sind das „10. Jahr“ auf dem Planeten. Wobei hier „1 Jahr“ etwas länger dauert, etwa 1 Generation. Entsprechend sind die Jahreszeiten auch länger. Nach dem langen Sommer kommt der lange Winter.
Auf dem Planeten gibt es noch eine Ur-Bevölkerung, auch Menschen. Doch die Exilanten / Kolonisten können sich in die fremde (Ur-) Gesellschaft nicht integrieren, obwohl sie sich alle Mühe gaben und z.B. auf ihren technologischen Fortschritt verzichteten, um sich anzupassen.
Die Ureinwohner nennen sich selbst „Menschen“, die Fremden sind in ihren Augen keine. Umgedreht verhält es sich mittlerweile auch so; gegenseitiger Rassismus prägt ihr Verhältnis zueinander. Aber es gibt da immer wieder mal so Amouren – Romeos und Julias – mit ähnlich dramatisch-tragischen Geschichten.
Die Geschichte dieses Buches ist aber die des Jahreszeitenwechsels und des damit verbundenen Einfalls von Nomaden aus dem Norden, den Gaal, die vor dem Winter in den Süden fliehen und dabei alles plündern, wessen sie habhaft werden können. Diesmal sind sie besonders gefährlich, da sich die nördlichen Stämme verbündet haben und gemeinsam und geballt angreifen.
Angesichts dieser Bedrohung können die „Ferngeborenen“ und die „Menschen“ ihre Differenzen überwinden und hinfort zusammen leben. Das hat so ca. 600 irdische (oder 10 Planeten-) Jahre gedauert…
Tolles, kleines Buch, kein wirklich überraschender Plot, aber mit klarer humanistischer Botschaft, denn der tief verwurzelte Rassismus wird am Ende überwunden. Dieser Prozess wird für die Protagonisten nicht widerspruchsfrei und schmerzvoll dargestellt; aber er ist machbar. Die Gaal als „die Wilden“ aus dem Norden müssen allerdings als Platzhalter für eine außerzivilisatorische Bedrohung herhalten. Die Darstellung ist sicher veraltet und überdenkenswert. Sie bleiben schemenhaft.
9 / 10 Punkte

30 – Waldtraut Lewin: „Artussagen“
Nils Wiesner ist schuld! In seinem „Gralprogramm“ geht es um den Gral, was ja sicher klar ist, also auch um die Artus- und Tafelrundenritter-Sagen. Ja, ja, die kennt man ja. Aber wirklich so genau? Ich wollte mein Wissen wieder auffrischen. Dazu habe ich erst mal John Boormans „Excalibur“ gesehen, sicher auch nach 20 Jahren mal wieder. Doch dann stieß ich bei meinen Recherchen auf dieses Buch – da es von einer meiner absoluten Lieblingsschriftstellerinnen stammt, musste ich ja…
Es ist eher für eine jüngeres Publikum geschrieben. Auch hält die Autorin sich etwas zurück, lässt den alten Stoff für sich sprechen. Doch trotz der „Einschränkungen“ hat es mir sehr gut gefallen.
Nun ist es mit diesem Sagenstoff so, dass er von sehr vielen Autor*innen „bearbeitet“ – damit geändert, umgeschrieben, erweitert wurde. In der Rezeption des Stoffes fällt auf, dass nicht nur die mittelalterlichen Autoren herangezogen werden, sondern auch moderne. W. Lewin hat aber – eine Version – unmittelbar und unverändert wiedergegeben. Genau das habe ich auch gesucht.
Für mich eine wichtige Erkenntnis: Es war gar nicht das Schwert Excalibur, das da im Stein (und Amboss) steckte, wie uns John Boorman weismache wollte. Der Regisseur hat sich noch weitere Freiheiten herausgenommen, z.B. was Lancelot anbelangt. Aber – wie schon angedeutet: Was ist denn eigentlich „die richtige“ Version? Kann man das sagen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich dieses Buch hier sehr gern und mit großem Vergnügen und einigen Aha!-Effekten gelesen habe.
9 / 10 Punkte


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Meine (etwas späte) Empfehlung: Wiesners Gralprogramm

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Meine Empfehlung 09 May 2021 · 411 Aufrufe
Nils Wiesner, Gral und 1 weitere...
Frisch gelesen und noch stark begeistert:

Nils Wiesner: „Das Gralprogramm“
Seit dem 9.8.2019 habe ich das Buch auf meinem SUB liegen. Woher ich das weiß? Na, da hat mir der Autor eine Widmung reingeschrieben. Dann wird's ja Zeit, dass ich es am 9.5.21 endlich mal gelesen habe.
Er, also der Autor, meinte, ich werde „irgendwann“ auch meinen Gral finden. – Echt? Als würde jedermann (frau, diverse Person) „seinen“ Gral finden. Wie denn, gibt es den für alle?
So eine dumme Frage stellte ich mir vor der Lektüre.
Aber erst mal muss ich betonen, dass ich die Lektüre absolut genossen habe. Es handelt sich um ein zügig erzähltes Abenteuer. Ein junger Nichtsnutz aus dem Hier & Heute gerät in ein absurdes PC-Spiel-Programm hinein. Hat wohl was von Ready Player One (aber, wenn ich das mal so schreiben darf, war mit das Gralprogramm näher als die 80er Jahre Games-Hommage, der ich – im Osten aufgewachsen und mit Computer / Video-Spielen erst nach 1990 in Berührung gekommen – nicht viel abgewinnen konnte).
Der Autor nutzt dieses moderne Setting, seinen Leser*innen eine Tour de Force durch die Geschichte der Sagen-, Mythen- und Legendenwelt rund um den heiligen Gral aufzutischen. Das liest sich sehr spannend, mitunter auch arg bösartig, gemein und fast horror-mäßig – vor alle, da man (ich) es gar nicht erwartet hätte. Aber wie das so ist, wenn man in einem Life-Rollen-Spiel einen Folter- und Feuertod findet (um danach aber wieder im nächsten Level aufzuwachen).
Ich betone hier diesen Spiel-Charakter, und der wird im Text auch immer wieder – gesehen durch die Augen des Protagonisten – betont, aber eigentlich käme das alles auch ohne dieses PC-Gaming-Zeug gut aus.
Es ist eine mythische Reise, eine Reise, die zur Selbstfindung beiträgt. Irgendwie mutiert der Roman vom Abenteuer-Spiel mit alten Mythen zum richtig großen „Erziehungsroman“. Wenn ich jetzt nicht zufällig wüsste, dass der Autor an seinem Opus Magnus arbeitet (einem mehrbändigen Werk, in dem es auch um Sagen, Mythen etc. geht), dann würde ich es fast in diesem eher kurzen Roman vermuten. Was er da erzählt ist relevant. Für mich schon immer ein Kriterium für die Qualität eines literarischen Werkes.
Also, wir tauchen erst in die Welt um Artus, Merlin, die Dame vom See und den Fischerkönig ein. Da erhält unser Held seine Aufgabe, nämlich „den“ Gral zu suchen und Unterstützung durch einen Drachen. Also: Alles dabei!
Später sind wir im Hochmittelalter, in Frankreich, bei den Katharern, bzw. ihren katholischen Gegnern und der Inquisition – kein Zuckerschlecken, echt nicht!
Das vierte Level ist im Öden Land angesiedelt – hier ist die Stelle, wo ich den weltliterarischen Bezug nur vermuten kann, da mir a) T.S. Eliot nicht so und b) der Ursprung in der Artus / Grals-Legende nicht mehr geläufig ist. – Notiz an mich: zu b) Nachholen / Wiederholen! In dieser zukünftigen Müll-Welt baut der Autor gleich noch ein Plädoyer für die Freiheit des Individuums und quasi etwas Gesellschafts-Kritik ein. Ob das an Eliot erinnert?
Die letzte Station ist dann wohl – das Paradies? Auf jeden Fall werden ein paar wesentliche Fragen beantwortet. Und ich weiß auch, was die Widmung bedeutet. Insgesamt also eine runde Sache, dieses Buch!
Es erschien in der Edition Solar-X, und ist über die Homepage des Verlages zu bekommen, als ebook auch noch beim großen Player.
10 / 10 Punkte

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PS. Wer bei meiner ganzen Schwärmerei mehr Inhalt vermisst, den verweise ich gern auf den NEUEN STERN. In der Ausgabe 62 stellt es Peter Schünemann recht ausführlich und in der 55 Bernd Wiese kurz vor. Das will was heißen: In unserem kleinen Heft wird nicht jedes Buch mehrfach rezensiert! ich meine ja nur…


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Pünktlich (heute ist der 1.Mai): Leseliste April 2021

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 01 May 2021 · 337 Aufrufe

22 – Sibylle Berg, Dietmar Dath: „Zahlen sind Waffen. Gespräche über Zukunft“
Die Idee ist nicht schlecht: Zwei Leute, denen ich gerne zuhöre, sprechen miteinander, bzw. sprechen mit Dritten, die ihnen Fragen stellen. Und das Thema ist die Zukunft. Als Referenz dienen den beiden Autor*innen ihre letzten Werke, also „GRM“ und „Niegeschichte“.
Ja, es hätte so richtig gut werden können. Und obwohl der lockere Plauderton, der hier abgebildet wird, natürlich sehr unterhaltsam ist, bekommen die Gespräche für meine Begriffe nicht die Tiefe, die sie bei diesen sehr klugen und eloquenten Köpfen bekommen könnte.
S. Berg wehrt sich erst mal dagegen, dass ihr Buch SF sei. Und obwohl D. Dath in SF mehr sieht als Zukunftsliteratur, wird die Frage auch daran festgemacht, ob das Buch nun in der Zukunft spielt oder nicht. (Zum Zeitpunkt des Schreibens: ja, aber jetzt schon nicht mehr, weil ja der Brexit stattgefunden hat?)
D. Dath kann mit Hauntology (Mark Fisher) nichts anfangen, wie es scheint. Auf die Frage, ob uns die Zukunft abhandengekommen ist, antwortet er mit „nein“, aber ich bekomme hier einfach keine ordentliche Begründung dafür. Ja, es gäbe Kreisentwicklungen, die aber genau betrachtet Spiralentwicklungen sind. Oder so…
Was mir hier übrigens auch dolle auffiel: D. Dath nutzt sehr viele Anglizismen, besser: Englische Wendungen und Sätze. Teilweise sind es Zitate, was ja okay ist, dann aber einfach nur so englische Wortgruppen, die mehr aussagen als ihre deutschen Pendants? Und dann sind da auch viele verstärkende Schimpfwörter unterwegs. Was will er mir damit zum Ausdruck bringen? Dass die Beschäftigung mit wissenschaftlichen, akademischen, literaturliterarischen Themen eben doch schick und hip sein kann, wenn man nur die richtig falschen Wörter benutzt?
Mit dem zweiten Gesprächstext wird es für mich besser. Hier wird D. Dath allein ausgequetscht. Und das hat dann absolut mehr Substanz und ist auch konzentrierter formuliert.
ohne Wertung

23 – „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns“
Kein Autorenname? Den sowieso jeder und jede kennt? Lasst es mich erklären…
Grund für meinen Eintrag hier ist die Lektüre des Mangas „H.P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns“ von Gou Tanabe. Und weil es so schön ist, habe ich die Novelle (? – Kurzroman?) von HPL auch noch gelesen. Daher erlaube ich mir, dieses Lektüreerlebnis in meine Leseliste aufzunehmen (obwohl hier eher keine Comics zu finden sind).
Der Zeichner hält sich ziemlich genau, bis hin zu Details und bestimmten expliziten Aussagen, an HPL. Dadurch bekommt man noch mal eine prima Zusammenfassung der Handlung und der Aussagen des Werkes von HPL. Dabei hat es den Vorteil, dass es die Längen, die das für HPLs Verhältnisse recht umfangreiche Text-Werk hat, dem Betrachter auf eine Art und Weise präsentiert, die ihn nicht so schnell langweilen. Oder vielleicht doch? Der Comic hat ca. 620 Seiten und ist in zwei Bände geteilt., Der erste Band widmet sich fast ausschließlich der Anreise der Forscher aus Arkham, die vor allem die Geologie und Paläo-Biologie erforschen wollen. Die Manga-Seiten werden dominiert von Landschaften unendlicher Weite und Ödnis: Fels & Eis, soweit das Auge reicht.
Lovecraft wird nicht müde, diese beängstigende und lebensfeindliche Eis-Wüste zu beschreiben und dazu noch jeden Handschlag, den die Forscher ausführen. Genau das ermüdet (mich) beim Lesen. Die Zeichnungen sind dagegen ja relativ schnell konsumiert, laden aber doch zum Verweilen ein. Man muss sich halt nur drauf einlassen.
Tanabe kann sehr detailliert und exakt zeichnen. Nur hat er in diesen Landschaften relativ wenige Objekte, die diesen Detailreichtum erfordern würden.
Interessanter ist der zweite Band, in dem er u.a. die Historie der Alten Wesen bildnerisch umsetzt. Die Forscher entschlüsseln unendlich viele Reliefs in der geheimnisvollen und uralten Stadt, die sie hinter den Bergen des Wahnsinns entdeckt haben.
Hier kann der Zeichner dann aber ordentlich seinem Affen Zucker geben. Das macht Laune! Großartige Grafik-Orgien! Aber auch hier hat er das Problem, das Lovecraft provoziert hat, wenn er davon schreibt, dass den Forschern Unsagbares, Unbeschreiblichen (Grauen) begegnet. Die Formen, die Architektur, die darin enthaltene Geometrie sind mit menschlichen Mitteln nicht erfassbar. Ja, wie stellt man etwas dar, was Menschen sich nicht vorstellen und erfassen können, selbst wenn sie es sehen?
Insgesamt ist das Werk aber ein Fest und für mich (Banausen) sogar spannender als der Original.
9 / 10 Punkte

24 - Petra Hartmann: „Das Serum des Doctor Nikola“
Mein erster Dr. Nikola-Roman – und dann auch gleich der letzte der Reihe. Die Autorin hat zusammen mit dem Übersetzer der alten Romane von Guy Boothby, Michael Böhnhardt, je einen zusätzlichen Roman beigesteuert. Man kommt aber gut rein, viel „Vorwissen“ ist nicht nötig.
Es ist ein rasanter Abenteuerschmöker, der am Ende der Goldenen Zwanzigerjahre in Berlin und Umgebung spielt. Dr. Nikola hat „faule“ Aktien, die nach dem Börsencrash nichts mehr wert sind und ein arbeitsloser Bankier soll die geschickt und mit faulen Tricks zu Geld machen.
Neben unverhofftem Wohlstand findet der Bankier Felix Pechstein seine große Liebe, die ist aber zwangsweise Tempeltänzerin einer okkulten Organisation, einer Art Sekte, die sich auf die altägyptische Religion beruft. Die Verwicklungen, die sich daraus für den Ex-Banker ergeben, bringen ihn in Konflikt mit seinem „Arbeitgeber“. Ob das mal gut geht?
Habe mich köstlich amüsiert bei dem geradlinig erzählten Abenteuergarn. Das war für mich gleichzeitig die erste Begegnung mit der vielseitigen Erzählerin.
9 / 10 Punkte

25 – Cixin Liu: „Jenseits der Zeit“
Ja, geschafft – mit Hängen & Würgen, um ehrlich zu sein. Mich hat dieser große Wurf dann doch ziemlich enttäuscht. Cixin Liu macht den Olaf Stapledon von heute. Okay, wäre ich ja ganz bei ihm, aber…
Wenn wir dann in einem Universum mit einem Kubikkilometer per Schubkarren „Materie“ in das „große Universum“ schippen, damit dieses sich nicht im Nichts auflöst, dann bin ich raus. Das kam ziemlich zum Schluss, aber bis dahin hat mich das Buch zumindest noch bei der Stange gehalten, denn ich wollte schon wissen, wie alles endet.
Das darf man ja durchaus wörtlich nehmen, auch wenn wir dieses Ende, der ja ein neuer Anfang sein wird, von jemanden erzählt bekommen, die da alles überlebt. Wie das geht? ich glaube, das weiß der Autor auch nicht, daher ist seine Erzählung für mich unbefriedigend gewesen.
Die Trisolarier werden übrigens von ihrem Erd-Eroberungsplan rabiat abgehalten. Zumindest das gelingt. Am Ende – in zig Millionen Jahren – interessiert das keinen mehr. Aber leider auch mich als Leser auch nicht.
Schön war nur, dass der Autor seine Personen, die er diesem riesigen Zeit-Raum aussetzt, zusammenhält. Eingeführte Personen tauchen auf, verschwinden, und tauchen wieder auf. Das ist okay. Aber ansonsten? Ich vergebe 6 / 10 Punkte.

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26 – Sven Haupt: „Die Sprache der Blumen“
Ja, hat mir auch recht gut gefallen, wenn auch nicht überragend. Die Ausgangssituation fand ich toll, diese faszinierende Wald-Welt, die mich erst mal an LeGuin (Das Wort für Welt ist Wald) erinnerte, die Protags, die man auf dem wunderschönen Cover sehen kann, also den witzigen Affen und die Pflanzen-Frau, charmant vom Affen als „kleiner Setzling“ bezeichnet, die Rätsel dieser recht kleinen, hermetisch abgeschirmten Welt, die da angedeutet werden.
Aber dann kam so etwas lakonisch dieses riesige, „böse“, quasi globale Problem um die Ecke, das dann von Einzelpersonen gelöst wird. Allein den Antagonisten echt nur als „das Böse“ zu bezeichnen, fand ich nicht optimal. Oder sollte es eine Persiflage auf so typische Trivial-SF sein? Den Eindruck hatte ich sonst eher nicht.
Die Welt wird entschlüsselt, die Protagonisten sind – kaum anders zu erwarten (doch, ich hatte es anders erwartet) – DIE Schlüsselpersonen, die die Problematik von globalem Ausmaß lösen werden.
Welche, verrate ich nicht, schon genug gespoilert.
Ich habe mich aber auf jeden Fall über diese (für mich) neue Stimme in der SF gefreut und werde mehr von Sven Haupt lesen; steht schon mal fest.
8 / 10 Punkte


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NEUER STERN 68

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 29 April 2021 · 271 Aufrufe

NEUER STERN 68 Das Jahr schreitet voran. Jetzt ist bereits Ausgabe 69 in Arbeit, da wird es ja höchste Zeit, auf die aktuelle Ausgabe hinzuweisen. Also, Heft 68 gibt es.
Letztens* hat eine Leserin und gelegentliche Content-Lieferantin unseres „Rundbriefs“ eine fulminante Idee gehabt. Ich fand das inspirierend. Na ja, vielleicht muss ich jetzt den „Rundbrief“ umbenennen in „Zentralorgan des guten Geschmacks“!
Tja, und? Stimmt das auch?
Kann man gern selber testen.

Zum Inhalt der Ausgabe 68:
Der Name steht diesmal in Telugu auf dem Cover. Das ist ja so eine Sitte bei uns: „Neuer Stern“ wird jedes Mal in einer anderen Schrift geschrieben – also, nur der Namenszug, nicht das ganze Heft… (Inkonsequenter Weise aber auch nicht wirklich auf jedem Heft. Und die ursprüngliche Idee, wegen der unterschiedlichen Sprachen auf eine Nummerierung zu verzichten, haben wir schon lange aufgegeben. Aber das nur am Rande.)
Telugu wird übrigens von recht vielen Menschen in Indien gesprochen.
Der Cover-Künstler ist Stefan Böttcher; sicher sehr bekannt in SF-Kreisen, auch wenn er sich jetzt anderen künstlerischen Gefilden zugewandt hat.
Diesmal sind wir richtig SF-Fannisch drauf. Meinereiner schrieb das Editorial, dann gibt es einen feinen und langen Leserbrief von Norbert Fiks und den ersten Teil von Arnold Drabeks SF-Fan-Bekenntnis. Er holt ziemlich weit aus und erzählt, wie er zur SF kam, welche Hindernisse es da sozusagen zu überwinden gab und welche Sub-Genres ihm in der SF besonders am Herzen liegen.
Wir haben ja jetzt quasi eine Rubrik mit solchen Fan-Historien. Und ich möchte das gern zum Anlass nehmen, dazu aufzurufen, sich zu beteiligen. Weiterführende Infos gebe ich gern…
Die Story schrie diesmal Ellen Norten: „Gute Reise“. Hier können wir erfahren, was so ein Postbeamter alles erleben kann.
Eine beliebte Rubrik bei uns heißt: „Aus alten Bücherschränken“. Hier stellt diesmal Volker Adam ein sehr altes Werk vor (okay, es passt nicht wirklich in die Rubrik, denn sie konzentriert sich eher auf SF, Phantastik, Fantasy, die zwischen 1850 und 1950 entstand): „Kalevala“.
Unser Erfinder und Haupt-Autor dieser Rubrik, Bernd Wiese, hat sich zwei Werken gewidmet, die inhaltlich auch zusammengehören: „Der Radium-Vulkan“ und „Der Radio-Teufel“.
Weitere Rezis in der Sparte von Bernd zu „Honeymoon in Space“ und zu „Die Künste des Dr. Incubus“ von Ellen Norten.
Peter Schünemann widmet sich ausführlich und intensiv Philip Roths „Verschwörung gegen Amerika“ und Ellen Norten las ein SF-Jugendbuch: „KI. Freundschaft vorprogrammiert“
Andreas Giesbert und ich feiern ein Werk, dessen Ursprung tatsächlich in unserem Fanzine liegt und das zu einem Roman ausgearbeitet wurde und bei Wurdack erschien: Ina Elbracht & Daniel Bechthold: „Pentimenti“
Na ja, soviel passt auf 44 (+4 Farb-) Seiten. Was meint Ihr: Man könnte es doch mal wagen, oder?
PN an mich reicht.
*) Ina Elbracht, auf Facebook


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Hofmann las im März...

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 28 March 2021 · 492 Aufrufe
Hubbard, George Langelaan und 4 weitere...
Leseliste im März. Ist ziemlich lang geworden. Aber das trügt etwas, da die Bücher meist keinen großen Umfang haben und das Hörbuch habe ich schon vor dem März begonnen.

15 – Richard A. Lupoff: „Vorstoß in den Äther“
Da ist Ende 2020 ein SF-Autor verstorben, den ich bis dahin gar nicht kannte. Die Nachrufe auf ihn, z.B. in dem Fanzine BWA vom Dezember 2020, haben mich aber sehr neugierig auf ihn gemacht.
Hier also meine Erstlesung des Autors. Und? Oh ja, hat mir sehr gefallen!
Es ist ein Vorläufer des Steampunks (1974 geschrieben). Ende des 19. Jahrhunderts erfindet ein mad scientist ein Äthermobil und begibt sich mit Schüler und Diener auf große Fahrt. Das Gefährt wird mit Kohle und Wärme angetrieben; wie es funktioniert? Wird nicht verrate. Allerdings lernen die Ätherargonauten später andere Äther-Raumfahrer kennen: vernunftbegabte Katzen. Die erklären dem Professor die Funktionsweise ihres Ätherantriebes, der – ganz im Gegensatz zu dem des Professors – mit Kälte funktioniert.
Aber wissenschaftliche Korrektheit sollte man hier ohnehin nicht erwarten. Sie gelangen zunächst auf den Mond, und dort über eine Wunde in der Brust der riesigen Mondkönigin in eine Art inner-selenischen Ätherraum.
Dorthin hat es auch schon eine spanische Galeone verschlagen, die im Jahre 1492 losfuhr. Bei dem Jahr klingest es sicher. Aber es ist nicht Columbus, denn sie stammt aus einem Paralleluniversum, in dem Spanien von russischen Zaren regiert wird.
Die Story lebt von ihren Verrücktheiten und einem bunten Haufen kurioser Figuren. Dazu ist alles in einem bewusst altertümlichen, lustigen Slang verfasst. Wenn man sich mit dem erst einmal angefreundet hat, macht die Lektüre einen Riesen-Fetz. Ich war ziemlich angetan.
9 / 10 Punkte

16 – George Langelaan: „Die Fliege. Erzählungen aus der phantastischen Wirklichkeit“
Das Bändchen ist voller SF & Phantastik-Klassiker. Die bekannteste Story ist sicher „Die Fliege“. Es wurden 5 bis 6 Stories aus dem Band verfilmt. 5 bis 6 – je nach Ausgabe; in meinem dtv-Taschenbuch fehlt eine.
Die anderen Verfilmungen sind nicht so berühmt wie „Die Fliege“, aber mit „Schach dem Roboter“ und „Eurydike“ zumindest noch 2, die deutschen Zuschauern bekannt sein könnten.
Die Stories erinnerten mich im Stil an Roald Dahl, vielleicht auch ein wenig an Sheckley. Sie unterhalten mit schwarzem Humor.
Was haben wir da alles? Das mit der Fliege, die in den Teleporter gerät, kennt man ja. Dann versucht ein unzufriedener Ehemann, der des Mordes an seiner Frau angeklagt wird, seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen, indem er sagt, dass er sie nicht vergiftet habe, sondern allein ihr Gedanke daran, gerade Gift zu sich genommen zu haben, brachte sie um (daher die Nähe zu Dahl).
„Das Mädchen aus nirgendwo“ ist fast schon eine archetypische Erzählung. Die Story wurde viermal verfilmt. Es geht um die Kontaktaufnahme mit Menschen in einer Anti-Welt, die dort durch die Atombombenexplosion in Nagasaki hingeraten sind. Der Kontakt über Fernsehapparat ist dann für die Beiden, die sich ineinander verliebt haben, unbefriedigend.
Ein Mann kann Tiere mental beeinflussen, aber nicht verhindern, dass so ein Tiger, dem er zeigte, wie er sich aus dem Zoo befreien kann, ihn zu fressen.
Ein Verstorbener kann sich selbst wiedergebären und ein Versicherungsbetrüger hofft auf ein Wunder, an das er nicht glaubt, das aber eintritt und seine unlauteren Hoffnungen zunichtemacht.
Wenn die eigene Hand etwas tut, was man eigentlich nicht will (und verbrecherisch ist), dann ist man entweder schizophren, oder das ist gar nicht die eigene Hand.
Ein Mann schließt einen Pakt mit dem Teufel, aber am Ende verliert er dennoch den geliebten Hund und die gar nicht so sehr geliebte Frau ein zweites Mal.
Zum Schluss besteht ein Pilot seinen letzten Überseeflug, der fast in die Hosen ging. Aber ein großer Vogel weist ihm den Weg aus der Misere, obwohl es so einen Vogel gar nicht geben dürfte.
Sehr kurzweilige Stories zwischen Horror, urbaner Fantasy und SF. Bin sehr froh, dieses fast vergessene Talent für mich entdeckt zu haben; da werde ich wohl mehr von ihm lesen müssen.
10 / 10 Punkte

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17 – Bernhard Kempen: „ARKADIA. Ein Greedy-Roman aus dem Xenosys-Universum“
Das Buch wurde vom Autor als was Besonderes für SF-Freunde angepriesen, „besonders“, weil es die eher konservativen SF-Lesegewohnheiten nicht bedient werden.
Nun ja, wie soll ich es sagen? Von alten SF-Fans weiß ich, dass die sexuelle Revolution auch am SF-Fandom nicht spurlos vorbeiging, damals so in den 70ern. Es gab da wohl Tendenzen, SF und Sex zusammen zu bringen. Zudem locken ja viele SF- und vor allem Fantasy-Cover-Bilder mit mindestens halbnackten Schönheiten. Vor allem sollen damit heterosexuelle männliche Leser angelockt werden.
Das alles täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass SF auch sehr prüde sein kann.
Was ist nun an diesem Roman besonders?
Zum einen zielt es auf den Zeitgeist, möchte ich behaupten. Das Thema Divergenz, vor allem im sexuellen Bereich, wird thematisiert. Dazu wird eine sehr gehörige Portion Freizügigkeit hinzugetan. Das „Thema Nr. 1“ ist dann auch Hauptthema des Buches.
Arkadia ist die Verwirklichung einer Utopie der Nudisten. Alle laufen nackt herum. Es gibt keine sexuellen Tabus – natürlich immer unter der Maßgabe: Was den Beteiligten Spaß und Freude macht, und wenn niemand dabei beschädigt wird, ist gut. Diese utopische Menschengemeinschaft gilt daher auch als absolut friedfertig. Es gibt keine gesellschaftlichen Konflikte.
D.h., wenn alle nackt sein dürfen und zudem auch keine sexuellen Bedürfnisse unbefriedigt bleiben müssen, dann haben wir eine ideale Gesellschaftsordnung? Es gibt keine Unterdrückung, keinen Krieg etc.
Ob das so verkürzt dargestellt wirklich eine ernst zu nehmende Alternative ist?
Die Arkadier berufen sich auf die Nudisten-Bewegung der Erde. Aber, das frage ich mich, der ich mich da nicht so auskenne: Sind die Nudisten, nur weil sie nackt in der Natur leben wollen, gleichzeitig so dermaßen promiskuitiv, bzw. sexuell freizügig? Hat da wirklich das Eine mit dem Anderen zu tun?
Na gut, nehmen wir mal an, das funktioniert so.
Den Leser oder die Leserin erwarten also ziemlich deftige, freizügige Szenerien. Wir betrachten sie mit den Augen eines irdischen Reporters, der von dem utopischen Gemeinwesen berichten soll. Selbst kann er sich nicht so leicht entblößen. Dass er angezogen viel mehr unter den Nackten auffällt, muss er dann halt akzeptieren.
Greedy ist eine Bewohnerin des Planeten. Sie besitzt besondere Fähigkeiten, die mit dem direkten Kontakt mit anderen Menschen zu tun hat. Will nicht zu viel verraten, aber das dürfte auch in kommenden Romanen noch eine große Rolle spielen. Hier erst einmal auch.
Es gibt dann doch ein Verbrechen in dieser anarchischen, utopischen Friedens- und Liebes-Welt. Unser Erdenreporter steht sogar in Verdacht, der Übeltäter zu sein.
So richtig 100%ig hat mich der Roman nicht überzeugt. Die Figuren wachsen einem schon ans Herz. Die Story ist aber nicht so spektakulär. Die einschlägigen Schilderungen nutzen sich dann auch schnell ab, finde ich. Mir reicht diese dann nicht als tragendes Element. Und dass Das immer und überall die Hauptrolle im Leben der Arkadier spielt, halte ich auch für etwas zu viel des Guten. Dem Autor ging es dabei sicher auch darum, einige Gedanken, die mit sexueller Selbstbestimmung, Geschlechtlichkeit etc. zu tun haben, zu diskutieren. Das konnte mich aber nicht so richtig überzeugen, bleib für mich zu sehr an der Oberfläche und wurde von der sexuell aufgeladenen Stimmung, die mit Worten erzeugt wird, überdeckt.
Trotzdem bin ich mal auf die Fortsetzung neugierig, denn Greedy werden wir wohl noch einmal begegnen, dann aber nicht auf Arkadia? Und dann wohl auch nicht nackt, oder?
8 / 10 Punkte

18 – L. Ron Hubbard: „Fear“ (Das Grauen, Opfer der Dämonen)
Jetzt wollte ich es mal wissen: Wie weit geht denn so eine Kürzerei in den alten Heftromanen. Der Zufall half mir dabei, denn ich habe bei meiner Suche nach den alten Schmökern von Hubbard beide Ausgaben von Fear erwischt: Als Vampir Horror-Roman von 1974 und als Hardcover aus dem Jahre 1993.
Mein Fazit: Das mit der Kürzung ist enorm! Im Heftroman wurde viel weggelassen. Aber ein Vergleich mit dem Original zeigt, dass auch in der Hardcover-Ausgabe etwas fehlt. Interessanter Weise fehlen da Sätze, wörtliche Rede, die keiner näher benannten Person zuzuordnen sind, die aber den Leser in eine bestimmte Denkrichtung lenken. Warum wurden sie in der – nur scheinbaren – vollständigen Übersetzung weggelassen?
Das Buch an sich hat mich ziemlich beeindruckt. Eine interessante Story, von der man meint, dass es sich um eine Dämonen- und übernatürliche Horror-Story handelt, ist es aber am Ende nicht. Die Original-Story in UNKNOWN vom Sommer 1940 nennt die Story aus „psychologische Fantasy“; das trifft es.
Ein Professor für Ethnologie, der auch oft auf abenteuerliche Forschungsreisen geht und seine junge Frau im Uni-Städtchen zurücklässt, wird nun aufgrund eines Artikels in einer Zeitschrift entlassen, in dem er darüber schreibt, dass der Aberglaube alter Zeiten an Dämonen und Geister bei der angewandten Medizin Unsinn gewesen ist. Dem Institutsleiter passt die Form (populäre Zeitschrift) nicht und will auch nicht, dass der Glauben an sich in Misskredit gebracht wird – wobei: diese Aussage fehlt im Heftroman (mal so nebenbei).
Zudem hat er aus den Tropen Malaria mitgebracht. Dann kommt noch eine gehörige Portion Eifersucht dazu, denn sein bester Freund kümmert sich für seine Geschmack etwas zu viel für seine Frau.
Und nun sieht er sich in albtraumartigen Zuständen von Dämonen verfolgt – oder?
Großartig erzählt, packend, einfühlsam.
9 / 10 Punkte

19 – William S. Burroughs: „Ali‘s Smile & Naked Scientology“
Nach so viel Hubbard muss ich auch mal die andere Seite zu Worte kommen lassen. - Nee, so funktioniert das auch nicht, denn die Sachen, die ich von Hubbard gelesen habe, haben mit der späteren Religion / Lehre von ihm nichts zu tun, und ob Burroughs wirklich die andere Seite verkörpert?
Literarisch natürlich schon. Der Text hier ist allerdings sehr konventionell. Es sind ohnehin eher Briefe und Artikel aus Zeitschriften, in denen sich B. mit Scientology beschäftigt.
B. war ja auch mal „dabei“, hat aber eher schlechte Erfahrungen gemacht und ist wieder ausgestiegen. Darüber berichtet er und setzt sich mit S. auseinander.
Interessant für mich war dabei, dass offensichtlich das Thema Psychotherapie in den USA eine sehr große Rolle spielt. In Burroughs Reflexionen spielt auch die Auseinandersetzung mit den Psychotherapeuten eine sehr große Rolle. B. War gegen beide, aber da S. wohl auch ein Gegengewicht, oder Gegenangebot für Suchende in Sachen psychologische Betreuung darstellte, geriet B. nicht nur in den Verdacht, S., sondern auch die P. zu unterstützen; je nachdem, wer ihn kritisierte… So erklären sich für mich seine teilweise harschen Worte, die er beißreflexartig vorträgt.
Ansonsten ist das Ganze keine tiefsinnige Auseinandersetzung mit Hubbard, oder mit Dianetik etc. Auch die kurze Story, die S. thematisiert, gab mir im Grunde gar nichts. Ich werde wohl doch kein B.-Fan.
6 / 10 Punkte

20 – Ursula K. LeGuin: „Rocannons Welt“
Der erste Hainish-Roman der Autorin (und wohl ihr erste Roman überhaupt). Für mich ein Wiedersehen nach über 31 Jahren. Das war eines meiner ersten „Nach-Wende-West-Bücher“, das ich mir gekauft hatte. Die Autorin „gab’s“ ja auch in der DDR, und hatte mich schon vorher begeistert. Na ja, ich glaube, nach dieser Zweitlesung muss ich die anderen wohl auch...
Ihre Schreibe kann mich nach wie vor begeistern, obwohl die Story ja gar nicht so besonders ist. Vor allem fasst sie sich mitunter sehr kurz und entscheidende Dinge passieren in wenigen Sätzen. Das traut sich heute kein Autor mehr, befürchte ich. Ich finde das ja gut, auch wenn es mir hier fast zu kurz war.
Rocannon ein Vertreter der Liga, eines Bundes humanoid besiedelter Welten. Prähistorisch sind diese Welten alle mal von Hainish aus besiedelt worden, auch die Erde z.B. Aber irgendwie haben sie den Kontakt verloren und dann wiedergefunden. Allerdings ist dieser Kontakt nicht sehr intensiv, da es keinen licht- oder gar überlichtschnellen Transport von Lebewesen gibt. Nur Maschinen können das überstehen.
Er ist auf einer bisher der Liga unbekannten Welt. Dort existieren gleich mehrere vernunftbegabte Arten; die Autorin schreibt von „Rassen“. Wobei biologisch wohl beides gemeint sein kann, denn einige der Lesewesen scheinen miteinander verwandt, andere eher nicht. Aber egal. Faszinierend ist halt hier einfach der Umstand, dass mehrere verschiedene vernunftbegabten Arten nebeneinander, auch noch in unterschiedlichen Entwicklungsstadien existieren.
Leider haben sich die Gegner der Liga auf dem Planeten breit gemacht. Irgendwie ist die Liga auch kein Gutmenschenverein. Sie sind sehr technisch – technokratisch? – orientiert und übersehen andere Zivilisationen, Vernunftbegabte, die nicht so technik-affin sind.
Auf dieser Welt gibt es Zivilisationen, die zwischen Bronzezeit und früher Industrialisierung stehen. Die Liga unterstützt gern aufstrebende Zivilisationen, um sie als Hilfs-Welten für ihren bevorstehenden großen Krieg (gegen wen?) fit zu machen. Ist ja auch kein sehr humanistisch-selbstloser Zweck.
Rocannons Truppe ist aber auf friedlicher Mission, sie wollen die Vernunftbegabten hier nur kennen lernen. Leider werden sie von den Rebellen getötet, nur Rocannon bleibt übrig, er schwört Rache und Vergeltung. Die kriegt er auch…
Mich fasziniert der Mix aus Hard-SF und astreiner Fantasy. Magie postuliert die Autorin nicht explizit, aber es gibt halt Telepathie, die Rocannon vom Hüter des Brunnens lernt. Und die Errungenschaften der Liga müssen den weniger entwickelten Einheimischen wie Magie vorkommen.
9 / 10 Punkte

21 – Virginia Woolf: „Orlando“
Hörbuch, ungekürzte Lesung mit Sissy Höffner
Darauf war ich jetzt einfach mal neugierig. Sicher auch wegen der rhetorischen Drama-Comedy-Nachfrage: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“; „Orlando“, weil es ja ein phantastisches Grundthema besitzt.
Aber nun frage ich mich: Was habe ich da gehört? (Hätte ich es selber lesen „müssen“, hätte ich zwischendurch aufgegeben.) Die Idee, dass ein Mensch Jahrhunderte lebt und durch so einige Zeitalter kommt, ist faszinierend. Aber was macht Orlando draus?
Auch die Idee, dass jemand im Laufe seines Lebens das Geschlecht wechselt, vom Mann zur Frau wird, ist faszinierend, aber was macht die Autorin daraus?
Orlando will nur eine tolle Dichterin werden. Okay, steht ihr zu, aber es war für mich als Zuhörer nicht sehr erfüllend.
Dann habe ich versucht, mich über den Film „Freak Orlando“ an das Thema ranzutasten. Na, das war ein Irrweg für mich, um es mal so zu formulieren. Mit dem Kunst-Film kann ich noch weniger anfangen als mit dem Original-Werk.
Es gäbe da noch den Film mit Tilda Swinton. Leider habe ich ihn bisher nicht gesehen, nur Ausschnitte. Die waren für mich insofern interessant, als dass ich die Szenen wiedererkannte. Also hat der Text zumindest einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Aber ob der Film in Gänze mir das Werk dann auch insgesamt besser erschließt? Ich ließe es gern auf einen Versuch ankommen; wird sicher mal klappen…
Ist auf jeden Fall ein toll ausgestatteter Film, und Tilda Swinton übt eine große Faszination in ihre Rolle aus, keine Frage.
Okay, ein Stück Weltliteratur (?) abgehakt, leider kein Supererlebnis, wie ich doch erwartet habe (ja, mein Problem).
keine Wertung


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NEUER STERN 66 & 67 - Roboter, Frankenstein & ElsterCon

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 24 March 2021 · 316 Aufrufe
Günter Kunert, Roboter, R.U.R. und 2 weitere...
NEUER STERN 66 & 67 - Roboter, Frankenstein & ElsterCon Ehe bereits der ganz NEUE STERN rauskommt – und wie ich aus sicherer Quelle weiß, ist das sehr bald der Fall – möchte ich hier doch noch auf die ersten beiden Ausgaben des Jahres hinweisen.
Am 25. Januar 2021 feierten die Roboter dieser Welt ihren 100. Geburtstag, und wir vom ANDROMEDA SF Club (& Freunde) feierten mit.

„Roboter auf dem NEUEN STERN“ – Heft 66
(Davon gibt es übrigens auch einen Fehldruck, mit für uns Menschen unlesbarem Fehlercode, auf jeder Seite des Heftes – also, das nur als Tipp für die Sammler…)
Zum Inhalt:

Editorial von Thomas Hofmann - Coverseite innen
Jörg Herbig: Ich fürchte nicht die Zukunft (Ein Gedankengang)
Karel Capek: R.U.R., Beitrag von Bernd Wiese
Asimov: Ich, der Robot), Beitrag von Bernd Wiese
Asimov: Geliebter Roboter, gelesen von Peter Schünemann
Peter Schünemann: Seltsame Liebe, Story
Walter Tevis: Die Letzten der Menschheit, gelesen von Thomas Hofmann
Ein Blick in die alten Bücherschränke nach den Vorläufern von Robotern wirft Bernd Wiese
Martha Wells: Tagebuch eines Killerbots, gelesen von Holger Marks
Die Kleine Roboter-Filmschau von Thomas Hofmann
...Archive
...Eva
...Schach dem Roboter
...Singularity
...The Machine
Günter Kunerts Androiden, Gedanken von Peter Schünemann
Ana Matronic: Robot Takeover, gesichtet von Thomas Hofmann
Fabeln und Kleingeschichten von Karel Capek, gelesen von David Staege

44 Seiten + 4 Farb-Seiten + Einleger

Ausgabe 67 erschien auch schon und widmet sich im Wesentlichen 2 Schwerpunkten.
Zum einen kommt endlich der schon lang überfällige ElsterCon-Bericht (also zum 15. ElsterCon, September 2020) und die Ergebnisse einer Spurensuche in Sachen Frankenstein.
Im Einzelnen laden wir ein zu:

Editorial - Thomas Hofmann
ElsterCon 2020 - Bericht von Thomas Hofmann und Peter Schünemann
Clemens Nissen: Die Konsequenz, Story
ElsterCon-Nachlese von Peter Schünemann
...Uwe Laub: Leben
...Kim Stanley Robinson: New York 2140
...Rolf Krohn: 29 Sternschnuppen
...Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften
und von Bernd Wiese
...A. Meifert: Im Jahre 2000 im Dritten Reich
Zu Frankenstein, von Thomas Hofmann
...Mike Mignola: Frankenstein Underground
...Gothic, der Film
...Warren Ellis: Frankensteins Schoß
Zweimal Alexander Kröger, von Volker Adam
...Antarktis 2020
...Der Geist des Nasreddin
zu BRADBURY (ganz kurz) von Bernd Wiese
...Vom Staub kehrst du zurück

44 Seiten + 4 Farb-Seiten


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Bronnen, Polidori, Elanqua & was so in der Kneipe passiert

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastische Grafik 05 March 2021 · 456 Aufrufe
STERNENSPLITTER, Polidori und 2 weitere...
Bronnen, Polidori, Elanqua & was so in der Kneipe passiert Letztens erzählte ich ein wenig von grafischen Arbeiten (hier), mit denen ich meine Zeit verbrachte. Inzwischen gibt es ein Ergebnis. Das Bild ist fertig.
Es ist, wie man sicher erkennen kann, von Böcklins „Toteninsel“ inspiriert. Meine Insel ist der der Toten & Lebendigen, irgendwie janusköpfig, zweischneidig – man kann das Bild auch umdrehen, zumal es im All, wo sie schwebt, kein Oben & Unten gibt. (Und schreien hört man dort einen auch nicht – aber das ist eine andere Geschichte.)
Es ziert nun auch die zweite Ausgabe des Fanzines, das Texte enthält, die nicht in den NEUEN STERN passten. In dem Heft sich auch Entwicklungsstadien des Bildes eingearbeitet.

STERNENSPLITTER 2 ist erschienen
Dieses Literaturheft widmet sich seltsamen phantastischen und weniger phantastischen Problemen, aber auf jeden Fall völlig unnützen Wissensgebieten.
Wobei: Ist es so? An einem Punkt bin ich sogar der Meinung, dass wir hier etwas völlig Neues erschaffen haben. Wir sind einem Geheimnis auf der Spur, und ich denke, es ist an der Zeit, zum Weiterforschen auf diesem Gebiet dringendst aufzurufen:

Peter Schünemann hat die Elanqua für uns entdeckt und damit der Elanquistik aus der Taufe gehoben!

Sollten sich Erkunder und Erkunderinnen des Phantastischen dafür interessieren, so kann ich da gern weiterhelfen. Vielleicht regt dieser erste Herzschlag des neuen Wissensgebietes im Reich der unexakten Wissenschaften den einen oder die andere zum Weiterfabulieren – äh, Entschuldigung – zum Weiterforschen an? DAS wäre natürlich großartig!

Ich selbst habe so meine Probleme mit zwei Leuten der realen, bzw. real-phantastischen Geschichte, die ich hier vor dem geneigten Publikum in meinen Beiträgen auswalze.
Da ist zum einen der ideologisch wirre Herr Arnolt Bronnen, dessen großartiger Roman über den antiken Fabeldichter Äsop mich seit Jahrzehnten fasziniert und mich deshalb dazu verführte, mich mit anderen Schriften aus seiner Feder zu befassen.
Was man da so alles erleben kann! Meine Fresse… Ich lade Sie, verehrtes Publikum, gern dazu ein, mir auf dem Weg in die ideologische Finsternis zu folgen.
Alsdann widme ich mich dann dem Herrn Dr. Polidori, bekannter Leibarzt des Dichterfürsten Lord Byron und Erfinder des modernen Vampir-Dandy. Meine These, die ich auf höchst unwissenschaftliche Weise zu belegen suche, ist, dass ihm die Geschichte Unrecht antat und er gar nicht so der giftig-neidische Nichtskönner war, für den ihn alle Welt hält. Ob ich auch hier scheitere?
Animiert wurde ich zu dieser Forschungstätigkeit durch den Film „Gothic“, der Dr. Polidori auf jeden Fall kein gutes Zeugnis ausstellt.
War er wirklich so? Interessieren Sie sich für die Antwort auf diese Frage? Na dann…
Zu guter Letzt kam noch ein Zufall des Weges: Die beiden Autoren des NEUEN STERNS, Peter Schünemann und Arnold Drabek, trafen sich zufällig in der Kneipe… Ach, nee, das stimmt so nicht, aber beide haben komischer Weise unabhängig voneinander Texte geschrieben, die in der Kneipe spielen. Wobei die Kneipen sich recht weit voneinander entfernt befinden, die eine – denke ich – steht an der Elbe oder Saale, die andere in Linz.
Wie auch immer: Ich lade zum Besuch ein – so lange der Vorrat reicht…






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Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Neueste Kommentare

Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
■ A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
■ Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

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