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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Dan Simmons: "Flashback" (März 2012/1)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2012 11 March 2012 · 214 Aufrufe

8) Dan Simmons: „Flashback“

Das Buch ist eine klassische Dystopie, in der der Autor seine eigenen Ansichten, Ängste, Einstellungen zu gesellschaftlichen und politischen Themen seiner Zeit (der Entstehungszeit des Romans) verarbeitet hat. Insofern fällt dieses Buch sehr aus dem Rahmen dessen, was Simmons sonst schreibt.
Seine Haltung, die er hier zum Ausdruck bringt, lässt ihn mancherorts in der Nähe zur Tea-Party gerückt erscheinen. OK, das ist im Grunde nicht meine Haltung, trotzdem fand ich das Buch sehr gut. - Warum nur?
Simmons greift ein paar aktuelle Themen auf und extrapoliert sie: Die Aggressivität der Islamisten, die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der USA, zwischen „links“ und „rechts“, zum Bsp. Allerdings finde ich es als Europäer und Ostdeutscher schon kurios, was Simmons als „sozialistisch“, „links“ etc., ansieht. Wenn in Großbritannien nach dem 2. Weltkrieg die Labour Party in den bürgerlichen Wahlen siegt und große Betriebe verstaatlicht, ist das für ihn (oder zumindest für eine seiner Figuren - gibt es da einen Unterschied?) schon Sozialismus, der unweigerlich zum Niedergang des Landes führen muss. In den USA hat dann also Obama auch so was gemacht (Gesundheitsreform) und die USA in kürzester Zeit in den Ruin getrieben. Nun ja, ist halt eine Meinung. Allerdings hat ja auch nach Simmons der Niedergang Europas unter „sozialistischen“ Vorzeichen offensichtlich immerhin 100 Jahr gedauert, der der USA nicht mal 20...
Unfair fand ich in seiner Bewertung auch, dass der Fakt, dass die Sozialausgaben in den USA nicht durch (Steuer-) Einnahmen gedeckt wurden, den „Obamas“ zugeschoben wurde. Dass die USA über ihre Verhältnisse lebt (Staatsverschuldung) dürfte wohl kaum die Obama-Administration zu verantworten haben, oder?
Die Frage, ob die Einführung sozialer Sicherungssysteme unbedingt als „links“ anzusehen sei, was Simmons im Zusammenhang mit seinem Urteil über Obama ja macht, halte ich für zweifelhaft. Bismarck, der im Kaiserreich Wilhelm II. einige Sozialversicherungen einführte, kann man sicher kaum als „links“ einstufen...
Ich nehme an, Simmons ist da ein „typischer“ Amerikaner, der in zu viel Staat und Fürsorge die Ideale der freien US-Gesellschaft, geprägt von ungehindertem Unternehmergeist und Selbstverantwortung, gefährdet sieht.
Zu diesen Umständen kommen noch - wohl eher USA-typische - Ängste hinzu: vor der neuen Supermacht Japan, die ja auch in den USA schon jetzt Fuß fasst. Der Süden der maroden USA wird bei Simmnons auch von einer mexikanischen Reconquista überrollt. (Nur die tapferen Texaner halten Stand.)
Aber die Hauptursache für den Niedergang ist die Selbstaufgabe der US-Amerikaner, die bei Simmons in der Flucht in eine wahre Volks-Droge - Flashback - kulminiert.
In dem Roman geht es dann auch darum, wo das Zeug herkommt.
Simmons malt schwarz: Ein Weltkalifat beherrscht Asien, Europa und Kanada, bedroht die USA.
Was auch in anderen Romanen Simmons schon eine Rolle spielt, nämlich sein Interesse für Israel und das Schicksal des jüdischen Volkes, (schon in Hyperion, aber auch in Ilium / Olympos -.eventuell noch woanders?) kommt auch hier zur Sprache: Israel wurde durch iranische Atombomben vernichtet. Hier greift der Autor also ganz unmittelbar in die aktuelle Diskussion ein.
Simmons ergreift ganz vehement Partei für das jüdische Volk und seinen Staat. So eine Haltung kann ich auch nachvollziehen.
Doch seine einfachen Schlüsse in Sachen Weltpolitik (Islamische Vorherrschaft in Europa, Feudalismus in Japan, völliger Zerfall Chinas, völliger Zusammenbruch der USA), bilden zwar eine akzeptable Kulisse für eine abenteuerliche Geschichte eines Ex-Polizisten und seines ihn hassenden Sohns, kann ich aber nicht so richtig ernst nehmen. - Vielleicht will ich es aber auch einfach nicht. Doch gerade was den Plot anbelangt, versteht es Simmons wieder hervorragend Spanung aufzubauen. Seine Figuren bleiben einem nicht egal, die ihre Konflikte untereinander und in ihnen ausfechten müssen. Da es auch eine richtige Krimihandlung gibt, wird diese wie in einem klassischen Kriminalroman aufgelöst, so wie man es bei Agatha Christie kennt. Nun, das fand ich etwas aufgesetzt, da man zwar ein paar Zusammenhänge durchaus ahnen konnte, aber die richtige Auflösung kommt durch ein - Artefakt - zustande, so deus ex machina - mäßig.
Den „Gegenroman“ zu Flashback hat ja Elliott Hall geschrieben. Der geht ebenso von ziemlich fundamentalen Veränderungen in den USA aus, kommt aber zu einem völlig anderem Schluss. Irgendwie erschien mit Halls Version stimmiger, schlüssiger. Vor allem auch hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung im Nahen Osten.
Tja, die Zukunft ist offen. Wahrscheinlich ist es heutzutage weitestgehend unmöglich, eine Prognose zu wagen.
8 / 10 Punkte


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Unheimliche Tripps - 2. Teil des Lesemonats Februar

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2012 26 February 2012 · 213 Aufrufe

...und der Ende vom Monat... eigentlich ja noch nicht, aber was ich da gerade noch lese, werde ich wohl bis zum 29. nicht mehr schaffen, daher hier noch zwei dünne Bücher:

Jeremy C. Shipp: „Der Tripp“
Tjaaaa, nun..., ähm..., also ich weiß nicht, was das soll.
Das Buch firmiert unter dem Label bizarro fiction. Nun kenne ich aus diesem Subgenre lediglich bisher Mellick III. Wenn das vorliegende Buch nun auch dazu gehören soll, weiß ich überhaupt nicht mehr, was diese Kategorie bedeutet. Ich weiß auch nach dem Lesen nicht, worum es in dem Buch überhaupt geht. Es gibt Gedankenfetzen, die ich nicht auf die Reihe bekomme, Dialoge und so was wie psychiatrische Gutachten, oder zumindest Teile davon.
Ein Zitat, ziemlich wahllos, soll das zeigen, was ich meine: „Und was ihr nicht wisst, was ich euch nie verraten habe, ein imaginärer Bär ist nicht immer ein imaginärer Bär.“ Der Erzähler leidet wohl unter Depressionen, so viel kam raus dabei.
Schreibweise (wohl auch dem Übersetzer zu verdanken), Diktion, Formulierungen lassen mich vermuten, dass der Autor wirklich was kann. Aber er schreibt eindeutig über meinen Kopf hinweg. Gut, dann bin ich wohl einfach nicht die Zielgruppe.
Wer es gerne mal probieren will, dem kann ich das eBook empfehlen, das deutlich preiswerter ist. Als Fan des kleinen und feinen Verlages - Voodoo Press - darf man auch gerne zum „richtigen“ Buch greifen.
- ohne Wertung -

Denis Johnson: „In der Hölle“
Drei literarische Reportagen aus Afrika. Dieser Autor machte es mir auch nicht immer leicht. Sein „Schon tot“ fand ich überwältigend, seinen utopischer Roman „Fiskadoro“ legte ich nach der Hälfte weg. Bei diesem dünnen Büchlein kann man nicht viel falsch machen. Und tatsächlich fand ich es überaus interessant.
Sicher, man kann recht viele Texte über die bürgerkriegsgeschüttelten Regionen Afrikas lesen, über Kindersoldaten, Genozide, Diktatoren, brüllende Ungerechtigkeit und Armut. Johnson macht das auch nicht sonderlich spektakulär, aber selten glaubt man sich so nah dran.
Es geht 2 mal um Liberia und 1 mal um Somalia. Immer muss man mit dem Autor um sein Leben bangen; ob da jemand leben darf oder nicht, erscheint völlig willkürlich zu sein.
Dazu gibt es ein ausführliches Vorwort, aus dem ich u.a. lernte, dass Denis Johnson mal so was wie ein „Problembürger“ war, schwerst drogenabhängig. Hat sich aber gerappelt, der Gute; einwandfrei!
9 / 10 Punkte


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Kriminelles Utopia meets Psychophantastik

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2012 18 February 2012 · 241 Aufrufe

Halbmonatsbilanz... sozusagen.
Dieser Beitrag gehört zu meiner "Leseliste 2012", da mir beide Bücher so gut gefallen haben, kann ich ja mal drauf aufmerksam machen...

Greg F. Gifune: „Die Einsamkeit des Todbringers“

Ich mag ihn! Immer mehr, echt.
Eigentlich dachte ich, das wird so ein Psycho-Thriller. Doch es beginnt mythisch, phantastisch. Ja, und dann wird es sicher ziemlich psycho-pathologisch und am Ende stehe ich etwas ratlos da. So richtig aufgelöst wird da nichts. Ist aber ok; Buch ist trotzdem (oder gerade deswegen) sehr gut.
Was mich sofort auch für das Buch eingenommen hat, ist der Protagonist, in dem ich mich gut hinein versetzen kann: Der in die Jahre gekommene, gar nicht erfolgreiche, vom Leben und der Liebe enttäuschte Mann. Die Lebens-Sinnfrage steht im Raum. Und dann kommt da so was wie eine Chance, die etwas verändern könnte, grade was seine Beziehung zum weiblichen Geschlecht ausmacht.
Was allerdings immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Horror-Kindheit des Protagonisten und seines Bruders, der inzwischen zur Schwester wurde. Aus dieser psychisch belastenden Mühle kommt er nicht raus. - Übrigens, ähnlich wie in dem Buch, das ich davor von ihm las, „Blutiges Frühjahr“, werden wieder Tote zur materiellen Gewalt (wenn auch nicht so wie im „Frühjahr“).
Sehr gut erzählt, spannend, nicht ausufernd. Richtig gut.
10 / 10 Punkte

Nicolai Lilin: „Sibirische Erziehung“

„Freier Fall“ hatte ich zuvor von ihm gelesen, was mich sehr beeindruckte. Daher musste ich dieses Vorgängerbuch nachschieben, zumal dieses den „Ruhm“des Autos begründete. Es erschien zuerst in Italien, wo Lilin heute lebt, in Italienisch. Es ist dort mit einem Vorwort versehen, das ein in Italien populärer Autor, der auch über die Mafia schrieb, verfasste, R. Savianos. Das erregte wohl die Aufmerksamkeit der Italiener.
Hier schreibt der Autor autobiografisch über seine Kindheit und Jugend in dieser Schatten- / Neben-Gesellschaft der sibirischen Urki in Transnistiren. Das ist so ein Landstrich, den es fast gar nicht richtig gibt. Natürlich gibt es ihn, aber was weiß man darüber? Heute ist das eine Art Staat, der fast von niemanden anerkannt ist, worum aber schon mal Krieg geführt wurde.
Die Story Lilins begann in der sowjetischen Zeit, was mich - wie so oft in solchen Fällen - sehr erschütterte.
Die Sibirer, als sie noch in Sibirien lebten, aber auch später in Transnistiren, sperrten sich gegen Staat und staatliche Gesetze und Organe. Sie waren antikommunistisch, aber nicht, weil sie sonderlich politisch waren, sondern weil sie gegen jedes Regime waren, das ihnen aus Moskau (oder Petersburg) übergestülpt wurde. Ihre Alternative ist eine Art Gegengesellschaft, die auf organisiertem Verbrechen fußt.
Wie man in dem Buch so nebenbei erfährt, ist das organisierte Verbrechen (auch anderer ethnischer Gruppen) durchaus ein großes Problem auch in der UdSSR gewesen, Odessa z.B. soll so eine Hochburg gewesen sein. - Nebenbei: Jetzt kann ich fast verstehen, dass es selbst den Bürgern der UdSSR nicht immer so einfach gemacht wurde, in „ihrem“ Land herum zu reisen, da brauchte man ja mitunter ein Visum.
Die Urki, dieses sibirische Volk, lebte von kriminellen Machenschaften: Bank- und Zugüberfälle, Handel mit verbotenen Dingen etc. Sie schufen sich eigene, strenge Regeln, die irgendwie so zwischen urtümlichen, eigentlich basisdemokratischen Regeln und sogar vernünftig klingenden Hierarchien changieren. Der Glaube spielt eine große Rolle, der eine Mischung aus orthodoxem Christentum und archaischen Naturreligionen ist. Natürlich: Ehre und Treue, ohne geht es gar nicht. Es gibt recht komplexe Verhaltensregeln. Doch wenn man in dieser Gesellschaft aufgenommen wurde, kann man darin sehr gut auskommen und kann sich gegen die „richtige“ Gesellschaft behaupten. Das geht so weit, dass die männlichen Vollmitglieder der Urki nicht mit Vertretern der Staatsgewalt (Polizisten werden immer nur als „Köter“ bezeichnet) reden dürfen. Auch wenn ein Urki von einem Polizisten angesprochen wird, antwortet er ihm nie direkt, nur über Mittelspersonen und in der dritten Person. Irgendwie absurd...
Was man dann aber auch über die Lebensbedingungen, oder den Knast, über regelrechte Straßenschlachten lesen kann, lässt einem behüteten Mitteleuropäer wie mir den Atem stocken. Unglaublich, das so was in der UdSSR schon möglich war.
Nun muss es noch einen dritten Band geben: Wie konnte sich Lilin aus dieser Welt befreien; in „Freier Fall“ wird seine persönliche Situation als Soldat bei der Spezialabteilung der „Saboteure“ in Tschetschenien nicht besser. Bin gespannt, wie es ihn nach Italien verschlug!
10 / 10 Punkte


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Neues Jahr - neue Leseliste bei Hofmann

Geschrieben von T.H. , in Leseliste 2012 28 January 2012 · 269 Aufrufe

Ich mach mal weiter mit der Leseliste. Nun, viel war es nicht diesen Monat, aber gute Sachen dafür:

1) S. I. Watson: „Ich.darf.nicht.schlafen“
Dass ich das Buch lese, verdanke ich einem anderen Leser, der das Buch gerne abgab, als ich mal meinte: „Hey, ich stand auch schon mal vor dem Buch und habe überlegt, es zu lesen...“ Tja, so kann es gehen. Vielen Dank noch einmal an den freigiebigen Schenker!!!
Nun, der „Thriller“ war nicht übel. Habe mich durchaus amüsiert beim Lesen. Auch wenn es nicht so Thriller-haft war. Eher hat sich die Spannung ganz gemächlich aufgebaut.
Da wacht also eine Frau jeden Morgen auf, und weiß nicht so recht, wer sie ist und warum... Ihre Amnesie ist nervend, aber es wird dann schon langsam klar, dass sie ihren Grund hat...
6 / 10 Punkte.

Comic 1) Ted Naifeh: „Courtney Crumrin im Reich des Zwielichts. Bd. 3“
Wieder einmal: Restlose Begeisterung für die kleine Dame / Hexe / Magierin!!!! Diesmal sind es fast normale Jugendkonflikte, die sie austrägt; verabschiedet sich von alten Freunden.
12 / 10 Punkte

Comic 2) Ted Naifeh: „Courtney Crumrin und die Ungeheuer der Alten Welt. Bd. 4“
Noch mal: Überaus restlose Begeisterung! Oh Mann, ist echt Schade, dass die Serie nicht fortgeführt wurde. - Sie wird langsam erwachsen und muss sich mit dem Phänomen Liebe auseinander setzen.
Ich habe selten eine so unkomplizierte, unverkrampfte Beschäftigung mit dem märchenhaften, fantasy-haften Mysterie-Kram goutiert, wie hier. Dazu sehr gekonnt in Szene gesetzt, wenn auch mit einfachen Mitteln, die ich so ähnlich auch bei HELLBOY gefunden und lieb gewonnen habe.
Ja „liebgewonnen“; die Kleene muss man einfach liebgewinnen. Und dabei geht alles im Grunde tragisch aus...
13 / 10 Punkte

2) Gerard Donovan: „Winter in Maine“
- Hörbuch, ungekürzte Lesung, 5 CDs, gelesen von Markus Hoffmann
Da gab es zunächst eine Notiz im Horror Forum, die mich neugierig machte. Dann wurde auf einem Kultursender die Lesung gebracht, deren Anfang wir während einer sonntäglichen Auto-Heimfahrt hörten. Ich war sofort hin und weg.
Da der Vorleser einfach gut und dessen Stimme so passend für den melancholischen, verknappten Stil des Buches passte, erwarb ich auch das Hörbuch - und bereute dies nicht.
Die Story ist im Grunde einfach: Ein einsamer Mann lebt im Wald in einem der nördlichsten Staaten der USA. Das Haus ist angefüllt mit Büchern, die der Vater des Protagonisten anhäufte und wohl auch alle las, am Kamin sitzend.
Zum Winterbeginn wird der Hund, der einzige Begleiter des Hausbewohners, erschossen. Wer es war, ist unbekannt. Der Hund kann nicht gerettet werden und der Winter bricht an. Nun passiert etwas mit unserem Protagonisten: Er will nicht nur wissen, wer seinen besten Freund erschossen hat, sondern will sich rächen. Dabei wird er zum Serienkiller. Ob er den wahren Täter erwischt? ...
Der Schreibstil bleibt in dieser Melancholie; man erfährt viel über die Herkunft und Vergangenheit des Mannes, über dessen Großvater und Vater. Beide Ahnen waren in einem Krieg, was offensichtlich eine große Bedeutung für ihren Werdegang hatte. Wie sollte das auch nicht so sein? Doch das scheint auch den Jungen geprägt zu haben. Beide Kriegs-Männer sind als Kriegs-Gegner sozusagen geläutert zurück gekehrt und haben sich in ihrer wäldlichen Idylle zurück gezogen, sich von der Welt abgekehrt. Diese Erbe übernimmt der Sohn. Der lernt lieber Wörterlisten aus den Werken Shakespeare auswendig, um seinen Wortschatz zu vergrößern. Wörter, die zum Teil nicht mehr gebräuchlich sind und deren Gebrauch auf Unverständnis der Menschen in der Stadt führt.
Selten, dass mich ein Buch so zum Nachdenken anregt, obwohl es inhaltlich gar nicht mal so viel zu bieten scheint.
Am Ende fühle ich mich als Leser ertappt: Ja, ich habe mich mit dem Protagonisten identifiziert, mit ihm über den Verlust getrauert; war sehr berührt! - Aber was tut der Mann? Er mordet planlos und massenhaft! Darf man sich mit so einem identifizieren?
Dabei führt er sogar eine Begründung für sein Tun an: Er verteidigt die Natur gegen die ihrerseits mordlustigen Hobby-Jäger, die wahllos Hirsche abknallen.
Und was hat die ständigen Erinnerungen an die Kriegsvergangenheit seiner Ahnen zu bedeuten? Ist es vielleicht so, dass jede Generation quasi ihre Kriegserfahrung braucht? Auch um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Krieg Mist ist? Doch unser Mann hatte diese Erfahrung nicht selbst gemacht. Zieht er deshalb in den Krieg, um „seinen“ Wald zu verteidigen?
Was nützt all dass Wissen, all die Kultur, die 3000 Bücher, Shakespeare, Lieblingsgedichte? Die ererbte Erkenntnis, dass Krieg schlecht ist? - Am Ende erscheint dem in der Idylle und Erinnerung Gefangenen die Welt „da draußen“ als fremd und feindlich und böse = die moderne Welt taugt nichts. Darf man sich daher so verhalten?
Auch wenn mich da Buch etwas ratlos zurück lässt:
11 / 10 Punkte

3) Dan Simmons: „Hyperion“
Da Buch ist schon lange eines meiner Lieblingsbücher; jetzt wollte ich mal sehen, warum das so ist. Habe es also wieder einmal gelesen, und war wieder über die Maßen angetan. - Ist ja immer so eine Sache, etwas zu wiederholen, denn was einem vor 20 Jahren gefiel, kann ja nunmehr ganz anders ankommen. Nun, ich staune, wie überraschend und neu mir Vieles vorkam.
Nachdem ich in diesem Roman auf die Droge „Flashback“ stieß, wurde ich zudem aufmerksam: Gibt es weitere Schnittstellen zwischen den Werken Simmons?
Nach dieser Droge, die in dieser post-terranischen Welt eine gewissen Bedeutung besitzt, hat er ja nunmehr einen ganzen Roman verfasst, der eigentlich nicht im Hyperion-Universum spielt. Oder eben doch? Ist der Zustand der Erde, der in „Flashback“ geschildert wird, die Vorstufe zur Hegira, dem Kollaps der irdischen Zivilisation, dem Tod der Alten Erde?
Den Mars gibt es in der Welt der Hegemonie ja noch. Interessant: Am und auf dem Olympos werden militärische Simulationen durch geführt. Hmm, kann man da auch eine Verbindung herstellen? Zu dem Doppelroman „Ilium“ und „Olympos“, wo es ja auf dem Mars auch eine besondere Simulation gibt? - Zu weit hergeholt? Tja...
Interessant ist, dass Simmons offensichtlich auch das Thema der jüdischen Verfolgung, ihrer Diaspora, ihrer besonderen Rolle in der menschlichen Geschichte auch hier schon deutlich beschäftigte. - Na ja, Spekulationen...
10 / 10 Punkte






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„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

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Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
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Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
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Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
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Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
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Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019

 

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Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
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Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

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