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Wie wird man Virganer?

Geschrieben von T.H. , 01 March 2010 · 481 Aufrufe

Subjektive Eindrücke zur Lektüre
Karl Schroeder: "Planet der Sonnen"

Na, ich weiß, das ist keine große Literatur. Aber ich hatte mordsmäßige Laune auf eine richtig schöne Sciencefiction-Abenteuergeschichte. Und das war ja wohl eine!
Das Buch ist flüssig, toll, mitreißend geschrieben. Wie lange nicht (bei mir) sprach es den SF-berühmten sense of wonder an. Dafür kann ich mich nur dolle beim Autor bedanken!
Und am Ende sollte ich noch sauer sein: Die Fortsetzung kommt erst im September! Ist das Euer Ernst liebe Leute bei Heyne? Was soll ich denn so lange machen???

Virga
Also, man wird in eine Art Hohlwelt entführt. Keine Angst, das endet hier nicht in irgendwelchen obskuren Theorien der 20/30er Jahre. Die Welt hat einen Durchmesser von 9000 km und ist gefüllt mit Luft, Wasserblasen, Asteroiden und künstlichen Habitaten, von Menschen erbaut, umgeben von einer harten Schale. Für Licht und Wärme sorgen künstliche Sonnen. Woran echt Mangel herrscht, ist Schwerkraft. Diese kann durch Rotation erzeugt werden, aber meistens fehlt sie. Das hat Auswirkung auf die Leute, die da wohnen, auch auf ihre Physis.
Diese Hohlwelt kann mit Schiffen durchfahren werden. Bevölkert wird diese Welt durch zahlreiche Völker, die sich in wohl eher totalitären Reichen und Piraten-Exklaven organisiert haben. Da die „Länder“ mitunter nicht fest stehen, sondern sich frei durch diese Welt bewegen, sind schon mal Konflikte vorprogrammiert, wenn nämlich – wie hier auch – ein Staat in das Territorium eines anderes Staates einbricht und diesen sozusagen im Vorübergehen erobert.
Gesellschaftlich bewegt man sich so zwischen 18. und 21. Jahrhundert. Immerhin kann man Aggregate erzeugen, die sozusagen als künstliche Sonnen Energie erzeugen, fährt mit Schiffen durch den Luftraum, die bis zu 300 km/h schaffen, schlägt sich aber im Zweifelsfall die Köppe mit dem Schwert ein. Die "Umgangsformen" sind deutlich hierarchisch - wohl so was wie feudal-abolutistisch.

Welt außerhalb von Virga
Davon wird nur wenig angedeutet. Aber dies Wenige erscheint mir außerordentlich faszinierend. Transportiert werden die Nachrichten von Außen durch eine Protagonistin, die freiwillig ihr „Paradies“ verlassen hat und in Virga lebt; nein, ganz freiwillig tut sie das nicht: Sie hat eine Mission, die sie nicht erfüllen wird; aber ich will mal nicht zu viel verraten...
Die menschliche Zivilisation hat seit Jahrtausenden einen Zustand erreicht, der Künstliche Natur genannt wird. Da scheint so gut wie alles möglich zu sein. Interessant ist, dass alles, was ein Mensch haben möchte, von der K.N. erstellt wird. Dabei ist kein Produkt wie das andere, denn die K.N. erfindet sozusagen das Teil immer wieder neu. Dieser Überfluss hat aber zur Folge, dass niemand mehr schöpferisch tätig sein muss.
Es gibt einen Seitenkonflikt, der nur andeutungsweise eine Rolle spielt: Die K.N. möchte Virga in ihren Machtbereich zurück holen, aber da gibt es eine Sperre, die auch am Ende dieses Romans nicht durchbrochen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass da noch was passiert...

Der politische Hauptkonflikt besteht zwischen der Supermacht Slipstream und dem besiegten Area, personifiziert wird dieser Konflikt durch die ehrgeizige und egoistische Venera Flanning und den in seiner Art edlen Admiral Chaison Flanning, der irgendwo auch eine tragische Figur darstellt auf der einen Seite und dem Helden der Geschichte, den Areaner Hayden Griffin, den zunächst nur Rache für den Tod seiner Mutter umtreibt. Am Ende sammelt er die „Rohmaterialien“ für eine neue Sonne für seine Heimatwelt ein.

Es ist zwar ein Reißer und Schmöker, der auf abenteuerliche, als äußerliche Elemente setzt, aber die Figuren sind nicht eindimensional gezeichnet, auch nicht die Nebenfiguren; wie sie reagieren ist also nicht immer von vornherein klar.

Genial sind die phantastischen Einfälle des Autors; ich darf mal ein paar aufzählen (wer sich den Roman noch reinziehen will, kann ja auf meine Aufzählung verzichten, vielleicht verrate ich hier zu viel...):
  • „Touristenstation“ - die größte Stadt, an der Innenseite der Hülle, das Tor zur Welt da draußen, bewohnt auch von Leuten aus der Künstlichen Natur.
  • Der Kurator eines Museums für Virganische Kultur in der Touristenstation ist ein Gespenst, eine Person nach dem Prinzip des Chinesischen Zimmers – was das eigentlich ist, musste ich auch erst nachschlagen...
  • Spielkirchen: deren Mitglieder bilden wie Teile eines Nervensystems eine theoretische Person; ihr Zusammenwirken ergibt eine 1:1-Kopie eines kompletten Nervensystems; das scheint von großer Bedeutung für die Künstliche Natur sein
  • Warea – eine große Wasserkugel mit einer riesigen Vertiefung, in der die Ausgestoßenen der zivilisierten Länder Virgs sich zurück gezogen haben.
  • Leat's Choir – 80-km im Durchmesser – ehemals vollständig von Wald erfüllt, der soviel Sauerstoff produzierte, dass eine Selbstentzündung drohte. Der Sauerstoff wurde abgepumpt; in einem Krieg wurden die Pumpen zerstört, und zurück blieb eine finstere Kugel Holzkohle, ein Sargassum (vielleicht muss man sich ihr Aussehen wie das der gleichnamigen Alge vorstellen...)




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✝ Christian Weis
Mar 01 2010 20:01
Klingt wirklich interessant!

Aber Fortsetzung ... o je ...

Inwieweit lässt sich denn das Buch auch allein lesen, oder gibt's ein offenes Ende?
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Nun ja, es gibt schon so was wie ein Ende. Aber das Schicksal einiger Figuren wird zum Schluss dieses Bandes so schnell abgehandelt, dass ich mal vermuten möchte, dass da eben noch nicht alle Messen gesungen sind.
Aber gerade die Große Frage, die das Backcover suggeriert: Wie ist denn diese Welt überhaupt entstanden? wurde auch noch nicht beantwortet. Da MUSS noch mehr erzählt werden. Also: Ja, leider, offenes Ende...
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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
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Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
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N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
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Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
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Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

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■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016

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Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
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Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
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