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Markus Heitkamp: Die Reisen des jungen Haselhorn

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 16 January 2021 · 85 Aufrufe
Bücher - phantastisch und 3 weitere...
Ein Haselhorn ist der neue Star der Herbstlande-Serie. In seiner Novelle "Die Reisen des jungen Haselhorn" fügt Markus Heitkamp dem Land September eine neue, liebenswürdige Facette und ein zugleich niedliches und tragisches Wesen hinzu.
Allerdings ... Ganz neu ist das Tier nun doch nicht. Wer die Veröffentlichungen über die Länder September, Oktober und November schon länger verfolgt, wird sich an das kleine Pelztier vielleicht noch aus dem Kurzgeschichten-Band "Geschichten aus den Herbstlanden" erinnern. Damals hatte Heitkamp in seinem Beitrag "Ein Horn ist ein Horn" bereits über das kleine Hörnchen mit dem sonderbaren Tick berichtet. Der ungewöhnliche Held kam an, die Leser mochten ihn, und nun hat er ein eigenes Buch.
Haselhörner sind tragische Wesen. Sie sehen im Prinzip aus wie ein Eichhörnchen, aber sie tragen ein Horn auf der Stirn. Ihrer Abstammung nach sind sie tatsächlich Eichhörnchen, werden auch in ganz normale Eichhörnchenfamilien hinein geboren, aber ihr Leben beginnt gewöhnlich damit, dass sie - unabsichtlich natürlich - ihre eigene Mutter töten, indem sie sie bei der Geburt von innen mit dem fatalen Horn aufschlitzen. Selbst wenn die Mutter den Geburtsakt überleben sollte: Gewöhnlich werden junge Haselhörner von ihrer Familie verlassen und verstoßen und haben nur sehr geringe Überlebenschancen. Sollten sie überleben, so erhalten sie weitere Päckchen zu tragen: Zum Geburtstrauma und den Schuldgefühlen packt das Schicksal dem so gebeutelten Haselhorn noch ein Handicap, eine Behinderung, oben drauf. Und nur die wenigsten Haselhörner finden am Ende ihre Bestimmung und erfahren, welche besondere Kraft ihnen verliehen wurde.

Werther in der Bonbontüte

So weit die allgemeine Beschreibung dieser Tiere. Das spezielle Haselhorn, um das es hier gehen soll, heißt Werther, da es nach seiner Geburt in eine Tüte geriet, die vormals echte Bonbons enthalten hatte, und mit dieser ins Meer gespült wurde. Werther hat Glück im Unglück: Er wird aufgefischt von der Mannschaft des Schiffs "Vergissmeinicht", ehemalige Mitarbeiter des Todes, die bei ihrem Arbeitgeber in Ungnade gefallen sind und sich nur rehabilitieren können, indem sie 100 Wesen ihrer wahren Bestimmung zuführen. Unglücklicherweise zeigt sich an Bord auch, welcher Art das Zusatzhandicap des jungen Haselhorns ist: Werther leidet am Tourette-Syndrom, und die Flüche, die er auf die hilfsbereiten Seeleute loslässt, sind schon *Kackpissdreckverdammter Bumsbiber*

Odyssee mit fantastischer Tierwelt

Wie dem auch sei: Das Haselhorn erlebt mit der Mannschaft seine ganz eigene Odyssee und trifft Wesen, die nicht von dieser Welt sind. Darunter dreiäugige Zylinderbackenbartfische, die sich durch ihre ausgesuchte Höflichkeit auszeichnen, und den wahrhaft furchteinflößenden Löwiathan, dessen Name eindeutig ein Extrasternchen verdient hat. .
Die Geschichte ist, wie fast alles, was bislang über die Hernstlande und ihre Wesen erschienen ist, erneut ein zauberhaftes und liebenswertes Stück Literatur. Allerdings bringt diese Novelle einen ganz anderen Zungenschlag mit sich als die anderen Herbstlande-Bücher. Die Melancholie und die Pastelltöne, die sonst vorherrschen, werden hier gebrochen durch ironische, manchmal ziemlich brastige und kratzbürstige Töne, und es sind nicht nur die herzhaften Flüche des Haselhörnchens, die für einen etwas raueren Tonfall sorgen. Dass ein fluchendes Eichhörnchen mit einen Horn auf der Stirn bei aller Fäkalsprache immer noch zum Knuddeln niedlich bleibt, sollte man dem kleinen Werther am besten sehr schonend beibringen.
So entstand erneut ein zauberhaftes, liebenswürdiges und, wie in der Serie gewohnt, auch liebevoll gestaltetes Büchlein, das den Leser mit Vorfreude auf den Herbst zurücklässt. Einfach wieder eine lesenswerte Besonderheit.

Fazit: Fantastische Novelle mit einem besonderen Helden. So zauberhaft, wie es nur ein fluchendes Einhorn-Eichhörnchen sein kann.


Markus Heitkamp: Die Reisen des jungen Haselhorn. Eine Herbstlande-Novelle. Mit Illustrationen von Jana Damaris Rech. Meitlingen/Erlingen: Verlag Torsten Low, 2020. 117 S., Euro 9,90.

Weitere Bücher über die Herbstlande
Herbstlande
Herbstlande - Verklingende Farben
Geschichten aus den Herbstlanden
Anja Bagus: Das Nebelreich
Alessandra Reß: Die Sommerlande
Fabienne Siegmund: Herbstfeuer

© Petra Hartmann
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Brita Rose-Billert: Sheloquins Vermächtnis

Geschrieben von Petra , in Indianer 09 January 2021 · 101 Aufrufe
Insianer, Brita Rose-Billert und 2 weitere...
"Sheloquins Vermächtnis" von Brita Rose-Billert ist ein moderner Indianer-Roman, der an der Nordwestküste Kanadas im Gebiet der Skwahla und Squamish spielt. Geschildert wird ein Kriminalfall, der, wie die Autorin im Vorwort betont, frei erfunden ist, aber gleichzeitig Geschehnisse verarbeitet, die so und ähnlich mehrfach geschehen sind und weiterhin geschehen: "Der Landraub ist den Ureinwohnern immer gegenwärtig, auch heute noch", schreibt sie. Auch eine wirkliche Vorlage für den titelgebenden Sheloquin habe es gegeben.
Sheloquin ist ein alter Indianer, der einen unglaublich schönen Flecken Land besitzt. Ein weißer Unternehmer namens Barn will das Land haben, macht zunächst finanzielle Angebote, dann folgen Drohungen, schließlich wird der alte Mann, der nicht verraten will, wo er die Besitzurkunde versteckt hat, zu Tode gefoltert.
Die Besitzverhältnisse sind zunächst unklar, der Stammesrat tagt. Wäre der alte Mann ohne Erben gestorben, wäre das Land an den Stamm zurückgefallen. Doch es gibt einen Erben: Cody White Crow, dem Sheloquin vorausschauend längst die nötigen Papiere übergeben hatte. Und Cody ist wild entschlossen, das Land nicht an den weißen Immobilienhai zu verkaufen, sondern es für sein Volk unberührt zu bewahren. Allerdings bekommt Cody sehr starken Gegenwind aus den eigenen Reihen: Sein Stiefbruder David, ein Totempfahlschnitzer, würde das Land gern verkaufen, vor allem, da er damit rechnet, dass es sonst noch weitere Tote geben wird. Eine Befürchtung, die nicht von der Hand zu weisen ist. Inzwischen ist längst ein Auftragskiller engagiert und versucht herauszufinden, wer Sheloquins Erbe ist.
Der Roman vereinigt eine spannende Abenteuer-Handlung mit Informationen über die Lebensweise der Skwahla. Cody ist ein Mensch, der die alten Traditionen achtet und sehr eng mit der Natur und den Bergen verbunden ist. Er glaubt auch fest an die "kleinen Leute", die am Stolo-Fluss leben, und ist überzeugt, dass sie es sind, die ihn beschützen, als er vor dem Auftragskiller Share und seinen Kumpanen flüchten muss. Unterstützung erhält er außerdem von der jungen Montaya Sun Road, einer Sqamish-Indianerin und Anthropologie-Studentin, die im Museum in Vancouver arbeitet und Besucher über die Geschichte und Kultur der Küstenstämme aufklärt.
"Sheloquins Vermächtnis" ist gut geschrieben, die Handlung ist spannend, die Geschichte liest sich zügig und entwickelt beim Lesen einen gewissen Sog, sodass man das Buch erst wieder aus der Hand legen kann, wenn die letzte Seite erreicht ist.
Der Krimi-Teil allerdings weist einige Macken auf. So erscheint vollkommen unverständlich, warum Share so hartnäckig und gewalttätig gegen Montaya vorgeht. Der Mann will eigentlich nur von ihr wissen, wer der Erbe Sheloquins ist. Als die junge Studentin ihm wahrheitsgemäß erklärt, sie wisse es nicht, versucht er, sie erst zum Mitfahren in seinem Auto zu überreden. Dann folgt er dem Bus, mit dem sie fährt. Später überfällt er sie an einem Imbissstand und will sie in sein Auto zerren. Am Ende greift er sie an, als sie mit ihrem Freund Pat in dessen Auto unterwegs ist. Dieses Verhalten ist weder professionell noch logisch. Wieso sollte eine Sqamish-Indianerin, die in Vancouver arbeitet, etwas über Interna des Skwahla-Stammes, über die gerade erst die Ratsmitglieder informiert, aber eben nicht ganz informirt, worden sind, wissen? Von einem Profikiller sollte man erwarten, dass er unauffällig vorgeht und nur sein Opfer ausschaltet ...
Von einem Profikiller sollte man ebenfalls erwarten, dass er halbwegs zielsicher ist, Aber er schafft es das ganze Buch über nicht, auch nur einen einzigen Menschen zu erschießen. nicht einmal einen alten Angler, der bei unbewegtem Wasser wie auf dem Präsentierteller vor ihm liegt, während der Profikiller in aller Seelenruhe seine Waffe ausrichten und den Mann mit dem Zielfernrohr einmessen kann.
Auch die Art, wie der letzte Beweis gegen den Immobilienhai Barn auftaucht, erscheint absolut an den Haaren herbeigezogen.
Spoiler
Hier wäre ein bisschen mehr kriminologisches Geschick wünschenswert gewesen. Abgesehen davon aber ein sehr spannender und lesenswerter Roman, der vor allem in den Kämpfen Codys gegen die Verbecher in den Bergen ausgesprochen mitreißend ist.

Fazit: Krimi aus der Welt der amerikanischen Ureinwohner. Ein Plädoyer für die Rechte der Indianer und den Erhalt der Natur. Leichte Macken in der Krimi-Handlung, aber sehr spannend und lesenswert.

Brita Rose-Billert: Sheloquins Vermächtnis. Kanada-Roman. Hohenthann: TraumFänger Verlag, 2019. 196 S., Euro 9,90.



Weiterer Roman von Brita Rose-Billert
Maggie Yellow Cloud


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Jahresrückblick V: Dezember 2020

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 01 January 2021 · 194 Aufrufe
Jahresrückblick
Der fünfte und letzte Teil meines Lese-Rückblicks auf 2020. Offenbar hat der November mein Blog gesprengt, sodass ich hier den letzten Monat separat abfeiern muss. Dafür wird es jetzt kurz. Etwas SF und Phantastik, ein weiterer Oz-Band und etwas zur Aufklärung und Haskala, das wars dann mit dem alten Jahr. Fürs neue habe ich schon ein paar Lesungen geplant, auch soll demnächst eine Kurzgeschichte von mir erscheinen. Wir sehen uns wieder, sobald Corona es zulässt. Und wenn die Seuche noch weiter wütet, bleibt uns immer noch das Lesen. Alles Gute für dieses neue Jahr 2021.

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


Dezember

Rund um die Welt in mehr als 80 SF-Geschichten
Engagiertes Projekt des Verlags Saphir im Stahl. Die im Titel angesprochene, von Jules Verne inspirierte Zahl 80 wurde allerdings durch die zur Verfügung gestellten internationalen SF-Storys bei weitem übertroffen. Es wurden 93 Geschichten von 93 Autoren aus 41 Ländern. Eine stattliche Sammlung. Und natürlich ist jede einzelne Geschichte auf ihre Art schön.
Meine absoluten Lieblinge waren vier Storys.
Da ist zunächst "Bevillinger" von Flemming R. P. Rasch aus Dänemark. Es handelt sich um eine Wissenschafts- und Bürokratie-Persiflage, eine sehr schöne Satire auf die Vorschriften zur Beantragung von Fördergeldern. Ein Wissenschaftler hat eine bahnbrechende Idee, schafft es aber leider nicht, den entsprechenden Förderantrag korrekt auszufüllen. Daher beantragt er für sein Institut die Einstellung einer Fachkraft, die sich um Antragssachen kümmert. Doch der Apparat legt ihm einen Stein nach dem anderen in den Weg. Auch sein Versuch, bei einem Institut in der freien Wirtschaft unterzukommen, wird blockiert, da die Beamten Rechte an seiner von ihnen verhinderten Idee geltend machen wollen. Am Ende ist durch das entstandene bürokratische System jede Wissenschaft und Forschung unmöglich geworden.
Weiterhin beeindruckt hat mich die Geschichte "Licht" von Ghassan Homsi aus Syrien. Es geht um Solartechnik. In der Wüste sind riesige Anlagen des Unternehmens Desertec für die Erzeugung von Sonnenergie entstanden, doch aufgrund von Verträgen fließt der Strom nur an bestimmte Länder, vor allem in Europa, während die Anwohner leer ausgehen. Doch dann schließen sich die Staaten des nahen Ostens zusammen, Araber und Israelis, friedlich vereint, stemmen ein Großprojekt zum Einfangen des Sonnenlichts bereits im Weltall. Und sie können das Licht von den Desertec-Stationen abfangen. Der milliardenschwere Konzern guckt in die Röhre. Schön und gerecht.
"Linber" von Galit Dahan Carlibach aus Israel ist eine berührende, in eingängigem, beinahe lyrischem Rhythmus geschriebene Geschichte, die in Berlin spielt und sich mit dem Holocaust beschäftigt, mit den dortigen Stolpersteinen und der Judenvernichtung in der Nazizeit, die sowohl von vielen heutigen Deutschen, als auch von afrikanisch-stämmigen Juden verdrängt beziehungsweise als nicht sie betreffend betrachtet wird. Doch in einer Nebelnacht in Berlin begegnet die Ich-Erzählerin den Geistern der Ermordeten und ihrer eigenen Identität. Nicht unbedingt etwas, das ich als Science Ficition bezeichnen würde, aber einfach eine sehr gute Geschichte.
Viertens schließlich möchte ich die Geschichte "Unterstadt" von Maria Eijo López aus Spanien hervorheben. Es ist eine sehr harte, böse Geschichte über ein Geschwisterpaar und mehrere andere Bewohner der Unterstadt, die in den falschen Zug steigen und umkommen, weil sie die Durchsage auf Neu-Esperanto nicht verstehen. Eine Säuberungsaktion, mit der sich die Herren aus der Oberschicht der ungebildeten Bewohner der ärmeren Stadtviertel entledigen wollen. Sehr böse.

Uta Lohmann: Haskala und allgemeine Menschenbildung
Eine sehr gute und umfangreiche Darstellung der Freundschaft und Zusammenarbeit von David Friedländer und Wilhelm von Humboldt. Eine Freundschaft, die über Religions- und Altersgrenzen hinweg trägt und sich in einem bildungspolitischen Dialog und gegenseitiger Inspiration zeigt. Beim Stichwort Freundschaft zwischen jüdischen und christlichen Philosophen fallen einem ja immer zuerst Lessing und Mendelssohn ein, aber das, was hier in der darauf folgenden Generation entstanden ist, hat mindestens die gleiche Qualität. Ein Austausch zweier sehr kluger Menschen, die sich im Bereich der Bildungspolitik engagieren, immer auf Augenhöhe und sehr offen für andere Kulturen und Perspektiven. Humboldt ging in die Geschichte ein als großer Bildungsreformer und Schöpfer des humanistischen Gymnasiums. Friedländer kämpfte für die Gleichberechtigung der Juden, für ein Bildungsprogramm und die Gründung einer Schule. Beide zusammen traten ein für Freiheit und Menschenwürde und eine offene, freie Menschenbildung jenseits aller Schranken der Herkunft und Konfession.

David Friedländer, der Ältere, war ursprünglich eine Art Mentor und väterlicher Freund Wilhelms und auch Alexanders, des jüngeren der Humboldt-Brüder. Beide gingen in ihrer Jugend sehr offen auf jüdische Zeitgenossen zu, diskutierten in den Salons jüdischer Gastgeberinnen jenseits aller Standesschranken mit Intellektuellen und Künstlern und lernten Hebräisch. Sprachstudien, die in Wilhelms sprachphilosophischem Werk eine herausragende Stellung hatten, neben Latein und Griechisch ein wichtiger Pfeiler in dessen Philosophie. Und als die Finanzierung von Alexanders Forschungsreise nach Südamerika auf der Kippe steht, ist es Friedländer, der dem Freund mit Geld und Kontakten beispringt und das Auslaufen möglich macht.
Uta Lohmann stellt die bildungspolitischen und sprachphilosophischen Positionen beider Denker dar und arbeitet unter anderem sehr schön heraus, dass vieles, was Friedländer anlässlich seiner Übersetzungsarbeit und der Thora-Übersetzung Mendelssohns als Grundsätze entwickelt hat, in die sprachphilosophischen Aufsätze Humboldts mit eingeflossen ist. Gerade beim Nachspüren von Wortbedeutungen und bei Gedanken über das Wesen von Sprachen und Möglichkeiten der Übertragung sind Humboldt und Friedländer sehr dicht beeinander. Und auch Humboldts bildungspolitische Arbeit wäre ohne den Austausch mit Friedländer sicher sehr anders ausgefallen. Auch in der Übersetzungsarbeit selbst berühren sich die Gedankenwelten und Problemkreise der beiden. Humboldt, der über 20 Jahre an der Übersetzung des aischyläischen Agamemnon arbeitete, und Friedländer, der rund 30 Jahre mit der Übersetzung des Jesaja rang, den Hiob übersetzte und eine Übersetzung des jüdischen Gebetbuchs veröffentlichte, haben sehr ähnliche Gedanken und Ideale bei der Übertragung von einer Sprache in die andere.

Die Grundsätze "Wir wollen ... gute und moralische Menschen bilden" oder "Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, das Gute wollen, das Beste tun" ziehen sich leitmotivisch durch die politische und reformatorische Arbeit beider Männer hindurch, und es ist sehr erhellend, Humboldts Positionen einmal vor dem Hintergrund der Bildungsdiskussion der Haskala (etwa der Wessely-Debatte) zu betrachten.
Uta Lohmann stellt die Wechselwirkungen zwischen jüdischer Aufklärung und neuhumanistischer Bildungstheorie ausführlich und gut nachvollziehbar dar. Der Band enthält auch den Briefwechsel Humboldts mit Friedländer, so weit erhalten, sowie weitere Schreiben von und an Friedländer und seine Familie, außerdem Briefe Alexanders von Humboldt, dazu Textanalysen, Faksimiles und Bildmaterial. Eine sehr schöne, gediegene Ausgabe, die mir sehr gefallen und beim Lesen sehr viel Spaß gemacht hat. Schön, wenn man seinen alten Freund Wilhelm von Humboldt nach so vielen Jahren mal von einer noch neuen Seite vorgestellt bekommt und wieder einmal feststellen kann, dass er auch dort ein sehr anständiger und kluger Mensch war. Gut so.


Wenn die Welt klein wird und bedrohlich. Schreiben aus der Corona-Isolation
Anthologie, in der ich selbst mit einem Text vertreten bin, daher hier keine Bewertung. Wir waren 30 Autoren und haben den ersten Monat des ersten Lockdowns schreibend begleitet. Ich steuerte meine "Notizen aus der Lokalredaktion" bei.

L. Frank Baum: OZ, Complete Edition: 5: The Road to Oz (e)
Ein Landstreicher kommt an der Farm vorbei, auf der Dorothy zusammen mit ihrem Onkel und ihrer Tante lebt. Der Shaggy Man (Zottelmann) trägt nicht gerade vornehme Klamotten, aber er besitzt einen Herzmagneten, der ihm alle Menschen, denen er begegnet, sofort gewogen macht. Als er Dorothy nach dem Weg zu einem benachbarten Ort fragt, meint sie, es wäre einfacher, ihn dorthin zu begleiten. Doch Dorothy, Hund Toto und der Shaggy Man kommen nie dort an, obwohl sie sich auf der Straße eigentlich gar nicht verlaufen können.
Sie begegnen zunächst dem hübschen, aber ziemlich einfältigen jungen Buttonbright, der jede Frage mit "Don't know" beantwortet. Da der Junge nicht weiß, wo er zu Hause ist, beschließen Dorothy und der Shaggy Man, dass sie ihn nicht allein dort sitzen lassen können, und nehmen ihn mit.
Ihr Weg führt sie durch unbekannte Städte. Als sie in eine Stadt kommen, die von Füchsen bewohnt ist, hält der Fuchskönig Buttonbright aufgrund der ständigen Antwort "Don't know" für einen besonders klugen Menschen und zaubert ihm einen Fuchskopf. Buttonbright und seine Begleiter sind entsetzt, der Fuchskönig etwas betrübt, dass der Junge die große Ehre nicht zu würdigen weiß. Leider kann er das Geschenk nicht wieder wegzaubern, das könne nur der Brunnen der Wahrheit in Oz, sagt der Fuchs. Apropos Oz: Der Fuchs erzählt, dass Ozma, die Herrscherin von Oz, demnächst ihren Geburtstag feiert, und er hätte doch so gern eine Einladung ... Dorothy verspricht, dass sie Ozma bitten wird, den Fuchskönig einzuladen, sobald sie sie trifft. Die Wanderer haben jetzt also ein Ziel: Oz. Und Dorothy, die im Bereisen von Zauberländern erfahren ist, macht sich auch keine Sorgen.
Wenig später erreichen sie eine Stadt, die von Eseln bewohnt wird. Selbes Spielchen. Diesmal ist es der Shaggy Man, an dem der Eselskönig einen gewaltigen Narren gefressen hat. So ein höflicher Besucher wie der Shaggy Man ist doch wahrhaftig eines Eselskopfes würdig, meint das königliche Grautier. Ups. Nein, rückgängig machen kann eine solchen Zauber nur der Brunnen der Wahrheit in Oz. Apropos Oz, da ist ja bald diese Geburtstagsparty ...
Die Freunde wandern weiter und treffen ein wunderschönes Mädchen, das immer wieder zu tanzen anfängt, weil ihm so kalt ist. Es handelt sich um Polychroma, die Tochter des Regenbogens, die versehentlich vom Himmel fiel und nun nicht mehr zu ihrem Vater zurückfindet. Polychroma schließt sich der Gruppe an.
Eine weitere interessamte Begegnung haben sie mit einem "Musicker". Der Mann ist offenbar an Musik erkrankt, sein Körper macht bei jedem Atemzug musikalische Geräusche, zum Teil wunderschön, zum Teil aber auch extrem nervtötend, weil ja mit Geräusch verbunden. Auch der Musicker bittet um eine Einladung zu Ozmas Party.
Schließlich erreichen sie die tödliche Wüste, hinter der Oz liegt. Leider, wie gesagt, tödlich, also nicht so ohne weiteres zu überqueren. Doch der Shaggy Man hat einen Freund, den er offenbar in jeder Gefahrensituation anrufen kann: Johnny Dooit. Dieser seltsame, hilfreiche Deus ex Machina erscheint und zimmert für die Gruppe ein Sandsegelschiff, mit dem sie durch die Wüste fahren können. Den Dank dafür wartet Johnny Dooit gar nicht ab, er ist ein vielbeschäftigter Mann und verschwindet sofort. Und die Freunde segeln durch die Wüste. Das Schiff nimmt rasch Fahrt auf, es fährt schnell, aber mit dem Bremsen hapert es, so zerschellt es auf der anderen Seite an Klippen. Doch die Freunde sind in Oz. Und zwar genau am Brunnen der Wahrheit. Schnell baden Buttonbright und der Shaggy Man darin und erhalten ihre wahre Gestalt wieder.
Das war so ungefähr die erste Hälfte des Buchs. Die andere Hälfte besteht aus Besuchen bei Dorothys alten Freunden, Wiedersehensfreude, Erzählen, dann die Ankunft bei Ozma, Gespräche, Empfänge, Festessen, schöne neue Klamotten, wobei die für den Zottelmann zwar aus sauteuren Stoffen hergestellt werden, aber seinem persönlichen Stil folgend als Zottelklamotten gestaltet werden. Es gibt haufenweise Besucher, das Ganze liest sich wie eine endlose Folge von Namedroppings. So wird natürlich die ganze Königsfamilie von Ev bewirtet, jedes Volk, das in den vorigen Bänden irgendwann mal erwähnt wurde, ist hier vertreten. Hinzu kommen auch viele noch unbekannte Völker und Länder. Auch Johnny Dooit ist zu Gast. Der Fuchskönig und der Eselskönig sind da. Der Musicker erhielt keine Einladung, wegen des Krachs, den der Mann macht. Der verrückte Erfinder aus dem vorigen Band schenkt Ozma Knisterer für ihre Kleider usw usw usw.
Zum Glück taucht auch der Weihnachtsmann auf, der als Freund aller Kinder auch Buttonbright kennt und weiß, wo er zu Hause ist. Und auch wo sich Polychromas Vater gerade aufhält, wird nun klar.
Der Zauberer von Oz führt seine neue Luftblasenmaschine vor. Die Riesenblasen sind stabil und lassen sich steuern, sodass alle Gäste, einschließlich Buttonbrights, mit ihnen nach Hause fliegen können. Einzig Dorothy will lieber mit dem Zaubergürtel Ozmas nach Hause geschickt werden. Alle wieder daheim. Ende gut, alles gut.
Die erste Hälfte fand ich ganz nett, allerdings war es wieder ein stereotypes Wiederholen von üblichen Reisegeschichten in und nach Oz. Immer wieder neue seltsame Leute, die sich ihnen anschließen oder ihnen Köpfe aufsetzen, und alles soll sich, wie gehabt, in Oz lösen. Das kennt man aus Teil 1, 2 und 4. Die zweite Hälfte war einfach nur fad, da wurden nur endlos lang Leute aufgezählt, Klamotten und Festessen beschrieben, Wiedersehensfeiern mit alten Freunden gefeiert und alte Einnerungen aufgewärmt. Verzichtbar.
Was mir aufgefallen ist: Bisher konten alle Tiere, die Dorothy nach Oz mitbrachte, sprechen: Henne Billina, Kutschpferd Jim, Katze Eureka ... Nur Toto bleibt auch bei seinem zweiten Besuch in Oz stumm. Wieso?
Interessant ist auch, dass das Transsexualitätsthema fortgesetzt wurde. Beziehungsweise Wesen mit scheinbar männlichem Geschlecht werden als Frauen erkannt, während scheinbar weibliche Wesen plötzlich Männer sind. Billina, ehemals Bill, hat inzwischen zahlreiche Nachkommen. Alle ihre zehn Kinder nannte sie Dorothy. Allerdings musste sie dann drei von ihnen umtaufen, da sie sich als Gockel entpuppten, die heißen jetzt alle David, da sie unbedingt einen Namen mit D brauchten, weil Ozma ihnen ja jeweils ein Halsband mit einem D darauf geschenkt hjatte ...


Heike Wüller: Christian Wilhelm von Dohm. Ein Mann der Aufklärung im preußischen Staatsdienst
Kleiner Nachklapp zu meinen Dohm-Studien im Frühjahr. Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine schmale 42-seitige Broschüre, Herausgegeben vom Landesverband Lippe und der Stadt Lemgo, Dohms Geburtsstadt. Das schlanke Bändchen bietet eine Überblick über Leben und Werk Dohms, ist reich bebildert und erschien in einer Reihe mit dem Titel "Lemgo.Persönlichkeiten". Sehr gute Einstiegslektüre, mit der Lemgo einen der bedeutenden Söhne der Stadt vorstellt. Inhaltlich aber nicht beschränkt auf sein Wirken in Lemgo und seinen Bezug zur Stadt, sondern eine Gesamtdarstellung. Kurz, knapp, handlich, hilfreich.


© Petra Hartmann


Weitere Jahresrückblicke:
Teil I: Januar bis März 2020
Teil II: April bis Juni 2020
Teil III: Juli bis September 2020
Teil IV: Oktober und November 2020
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Jahresrückblick, Teil IV: Oktober bis November 2020

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 31 December 2020 · 514 Aufrufe
Jahresrückblick
Vierter Teil meines Jahresrückblicks auf 2020. Diesmal ausnahmsweise nicht der letzte. Da ich im November einen exzessiven Leseurlaub gefeiert und es dabei wohl etwas übertrieben habe, hat das vierte Quartal mein Blog gesprengt, und ich musste den Dezember in einem separaten Eintrag unterbringen.

Hier also meine Lesefrüchte der Monate Oktober und November. Diesmal sind eine Menge Kinderbuch-Klassiker und Abenteuer-Bücher dabei. Ich habe mich der Abenteuer-Serie von Enid Blyton gewidmet, mehrere Bände der Oz-Serie von L. Frank Baum gelesen, drei Taucher-Abenteuer im Mittelmeer von Nikolai von Michalewsky bestanden und mich mit Horatio Hornblower und der britischen Marine befasst. Dazu Science Fiction, düstere Phantastik, etwas Belletristik und ein paar weitere Werke zur Haskala. Schaut mal rein, ob etwas für euch dabei ist.



Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

Oktober


L. Frank Baum: OZ - The Complete Edition (e)
- Teil 2: The marvellous land of Oz
Kostenloses Kindle-eBook mit allen 14 Oz-Folgen, ein Schnäppchen. Ende September hatte ich den ersten Teil gelesen, ab Oktober ging es dann durch weitgehend unbekanntes Terrain. Okay, ich kannte den Disney-Film. Aber bislang dachte ich, der Film sei einfach die Umsetzung von Teil zwei. Weit gefehlt: Disney bastelte sich seinen Stoff aus Teil zwei und Teil drei zusammen. Aus Stücken, die gar nicht so richtig zusammen passen.
In Teil zwei geht es um Tipetarius, genannt Tip, einen Jungen, der im Dienst der Hexe Mombi steht. Um seine Herrin zu erschrecken und sich für die miese Behandlung zu rächen, baut er in ihrer Abwesenheit eine Horrorgestalt mit einem Kürbiskopf. Die Hexe erschreckt sich allerdings nicht. Im Gegenteil: Als sie nach Hause zurückkehrt, kommt ihr die Figur gerade recht als Versuchskaninchen. Sie hat nämlich von einem zwielichtigen Zauberer eine Dose Lebenspulver erworben. Damit bestreut sie den Kürbismenschen, und Jack Pumpkinhead wird lebendig. Die Hexe Mombi ist erfreut über ihr gelungenes Experiment, aber trotzdem sauer auf Tip. Sie beschließt, ihn für seinen Streich zu bestrafen und in eine Statue zu verzaubern. Tip haut aber rechtzeitig ab. Er nimmt Jack und die Dose mit dem Lebenspulver mit. Und da beide irgendwann nicht mehr laufen können, bestreut Tip ein "Säge-Pferd" (wir würden sagen: Sägebock) mit dem Pulver und erhält so ein sehr schnelles Reittier, das obendrein auch denken und sprechen kann.
Tip beschließt, in die Smaragdstadt zu reiten und sich dort beim König Hilfe gegen die böse Hexe zu holen. Dort herrscht aktuell die weise Vogelscheuche, die der Zauberer von Oz zu seinem Nachfolger ernannt hat. Allerdings herrscht sie dort nicht mehr lange, denn Tip ist gerade eingetroffen und hat sich vorgestellt, als im Palast eine Revolution losbricht. Die Generalin Jinjur und ihre aus Frauen bestehende Gefolgschaft wollen die Männerherrschaft in Oz brechen und eine Art Amazonenstaat ausrufen. Oha, Feminismus in Oz? Allerdings ist es eher eine ziemlich alberne Frauen-Revolution. Zum einen, da Frauen wie Männer im Land sowieso gleich frei und gleich berechtigt sind, zum anderen, weil es den tussigen Frauentruppen vor allem darum geht, sich die Edelsteine der Smaragdstadt unter den Nagel zu reißen und sich damit zu schmücken.
Trotzdem: Der Vogelscheuche soll es an den Kragen gehen, die Situation ist brenzlig, doch die Vogelscheuche kann mit Hilfe seiner neuen Freunde flüchten. Er, Tip, Jack und das Sägepferd flüchten ins Land des zinnernen Holzfällers. Von dort aus kehren sie schließlich mit Verstärkung durch den Zinnmann und einen riesigen gelehrten Käfer zurück, können dank der Hilfe der verbündeten Mäuse ungesehen ins Schloss gelangen und wollen nun die Stadt zurückerobern. Doch was erst aussieht wie ein guter Plan, erweist sich als Falle. Sie werden von den Truppen Jinjurs und ihrer Verbündeten Mombi in die Enge getrieben, können aber in letzter Sekunde noch vom Turm aus flüchten, da sie sich ein besonderes Fluggerät bauen: Aus zwei Sofas, einem Besenstiel, einem Elchkopf und ein paar Palmwedeln als Flügeln entsteht der Gump, der sie durch die Lüfte ins Reich der guten Hexe Glinda trägt.
Glinda erobert zwar mit ihrer Armee die Smaragdstadt zurück und schafft Frieden zwischen Männern und Frauen, die ohnehin keine Lust mehr auf Revolution haben. Aber Glinda stellt auch klar, dass die Vogelscheuche nicht rechtmäßiger Herrscher von Oz ist. Der Zauberer habe damals den wahren Herrscher von Oz besiegt. Es gebe aber noch eine Tochter des alten Königs Oz, Prinzessin Ozma, der die Krone zustehe. Damit hat die weise Vogelscheuche kein Problem, sie ist zur Übergabe der Krone an Ozma bereit, wenn sich die Prinzessin nur findet.
Durch Drohungen schafft es Glinda schließlich, aus der bösen Mombi, die die Prinzessin damals verschwinden lassen sollte, den Aufenthaltsort Ozmas herauszubekommen. Mombi versteckte die Prinzessin auf geradezu geniale Weise: Sie verwandelte sie in einen Jungen. Es ist Tip, der auf die Information, dass er eigentlich ein Mädchen ist, nicht gerade begeistert reagiert. Doch als Glinda Ozma zurückverwandelt, erweist sich die junge Frau als hervorragende Herrscherin und wird neue Regentin von Oz.
Eine ziemlich interessante Geschichte. Es ist der bislang erste Kinderbuch-Klassiker, in dem ich von einer transsexuellen Heldin las. Außerdem interessant: Zwischen Teil 1 und Teil 2 gibt es auffallende Widersprüche: In Teil 1 hieß es noch, der Zauberer sei ins Land gekommen, habe es ohne Herrscher vorgefunden und den Bau der Smaradstadt befohlen. Nun also soll er den Vater Ozmas vertrieben haben, der in der damals schon bestehenden Smaragdstadt herrschte. Außerdem weiß offenbar jeder in Oz, dass er ein Schwindler war. Trotzdem soll Mombi einige Zaubertricks bei ihm gelernt haben ... Seltsam.


- L. Frank Baum: Oz, Teil 3: Ozma of Oz
Der dritte Oz-Band bringt ein Wiedersehen mit Dorothy. Sie ist mit ihrem Onkel auf einem Schiff unterwegs, gerät in ein Unwetter und geht über Bord, zusammen mit einem Hühnerstall und einer Henne. Der Hühnerstall landet schließlich an einer fremden Küste, und da die Henne, Billina, plötzlich sprechen kann, weiß Dorothy, dass sie sich in einem Zauberland befindet.
Am Strand finden sie eine Warnung. Sie sollen sich vor den "Wheelers", den Radmenschen, hüten. Diese Leute, eine Art Rockerbande auf körpereigenen Motorrädern bzw Rocker und Bike in einem Wesen, bedrohen Dorothy und Billina tatsächlich, als Dorothy einen gefüllten Picknickkorb von einem Picknickbaum pflückt. Doch die beiden flüchten in die Dünen, wohin die Räder der Radmenschen nicht rollen können. Hier finden sie den aufziehbaren Kupfermann Tik-Tok, der die Radmenschen tüchtig verprügelt und Dorothy erzählt, dass sie im Land Ev gelandet ist. Ev liegt an der Wüste, hinter der das Land Oz liegt.
Das Herrschergeschlecht von Ev wurde vom Nomenkönig verzaubert, der sie als Schmuck- und Kunstgegenstände in seinem Felsenreich unter der Erde gefangen hält. Einzig eine entfernter verwandte Prinzessin namens Langwidere ist noch frei und beherrscht das Land, allerdings interessiert sich die verwöhnte, gelangweilte Göre nur dafür, ihre zahllosen Köpfe zu wechseln, wie andere Leute ihre Hutkollection. So will sie nun auch Dorothys Kopf haben. Doch bevor es zum Showdown um den Kopf kommt, sieht Dorothy durchs Fenster etwas Merkwürdiges: Prinzessin Ozma und ihr Gefolge überqueren auf einem rollenden Teppich die Wüste. Ozma hat von der Südhexe Glinda dieses Transportmittel zur Reise durch die tödliche Wüste erhalten und will nun den Mitgliedern der Königsfamilie von Ev helfen.
Zusamen gelangen sie ins Land des Nomenkönigs. Der hatte mithilfe seines magischen Gürtels die elf Mitglieder der Königsfamilie von Ev in Krimskrams verwandelt, der nun zwischen dem gesamten Nippeszeug in seiner Schatzkammer herumliegt. Er bietet den Oz-Leuten ein Wettspiel an: Alle dürfen nacheinander in die Schatzkammer eintreten und versuchen, einen Gegenstand zu finden, der ursprünlich ein Mitglied der Königsfamilie war. Wenn der Rater das Wort "Ev" ausspricht und richtig geraten hat, wird der Zauber rückgängig gemacht, und der Mensch ist frei. Jeder darf so oft raten, wie verzauberte Personen im Raum sind. Schafft er es jedoch nicht, wird er selbst ebenfalls verzaubert. Die Ozianer willigen ein, Ozma rät zuerst, hat jedoch keinen Erfolg. Nach und nach werden alle ihre Begleiter in Schmuckstücke verwandelt und verschwinden in der Schatzkammer. Einzig Dorothy schafft es einmal, einen Ozianer zu erlösen, nämlich die Vogelscheuche, aber das nur zufällig, Dann rät sie das letzte Mal falsch und wird auch verzaubert.
Schließlich rettet die Henne Billina die Situation: Sie hat die Nacht heimlich unter dem Thron des Nomenkönigs geschlafen und dabei ein Gespräch belauscht, in dem der König erzählte, dass man die Verzauberten an der Farbe erkennen kann, sie haben nämlich die Nationalfarben ihres Landes. So erkennt und erlöst Billina unfehlbar alle Evianer und Ozianer in der Schatzkammer.
Mehr noch: Sie legt Eier, und vor Eiern haben die Nomen und ihr König eine wahre Todesangst. Dadurch wird der König erpressbar und muss die Gruppe ziehen lassen. Dorothy schafft es außerdem, dem König seinen magischen Gürtel abzunehmen, mit dem fortan Ozma zaubern kann.
Die Leute von Ev sind befreit, die Leute von Oz und Dorothy kehren zurück in die Smaragdstadt. Doch irgendwann sieht Dorothy in einem magischen Spiegel, wie ihr Onkel sich grämt, weil er denkt, sie sei ertrunken. Daraufhin bittet sie Ozma, sie mithilfe des magischen Gürtels zurückzuschicken. Dorothy selbst kann den Gürtel nicht mitnehmen, da er außerhalb des Zauberlandes in der realen Welt seine Magie verlieren würde. Ozma verspricht aber, regelmäßig in den magischen Spiegel zu schauen und Dorothy nach Oz zu zaubern, wenn sie dies wünscht.
Auffallend ist, dass sich nach Tip/Ozma nun ein zweites Wesen in Oz befindet, das eine Art transsexuelle Geschichte hinter sich hat: Die Henne Billina war nämlich in ihrer Kindheit für einen Jungen gehalten worden. Damals hieß sie Bill. Erst als sie irgendwann begann, Eier zu legen, wurde sie umgetauft in Billina.
Es gibt erneut einige Widersprüche zu den Vorgängerbänden. So ist der Löwe jetzt wieder ein Feigling, obwohl er doch damals vom Zauberer geheilt wurde. Sehr sympathisch übrigens sein neuer Freund, der hungrige Tiger. Der Holzfäller wurde nicht mehr durch die böse Hexe immer wieder so schwer verletzt, dass seine Körperteile durch zinnerne Ersatzteile ausgetauscht werden mussten, sondern nun ist es pures Ungeschick des Mannes gewesen, das zu den Arbeitsunfällen geführt hatte. Die Rückverwandlung Ozmas in ein Mädchen soll nun durch eine gute Fee bewirkt worden sein, nicht durch die dazu gezwungene Hexe Mombi. Glinda hatte in Band 2 noch geagt, dass nur Leute mit ganz schlechtem Charakter solche Verwandlungen durchführen.

- Teil 4: Dorothy and the wizzard in Oz
Diesmal gerät Dorothy durch ein Erdbeben in ein Zauberland: Sie ist eigentlich unterwegs, um einen Onkel zu besuchen, und gerade zusammen mit ihrer Katze Eureka am Bahnhof angekommen. Ihr Cousin Zeb soll sie mit der Kutsche abholen. Plötzlich tut sich die Erde auf, und Dorothy, Eureka, Zeb und Kutschpferd Jim stürzen in die Tiefe.
Sie landen allerdings recht sanft auf einem gläsernen Hausdach. Die Bewohner der Stadt, die ganz aus Glas besteht, heißen Mangabus. Sie sind nicht gerade freundlich zu den Fremden, da sie sie für die aufgrund des Erdbebens herabprasselnden Steine verantwortlich machen. Was in einer Glasstadt ja ziemlich ärgerlich ist. Der örtliche Zauberer soll entscheiden, ob sie schuldig sind und was mit ihnen geschehen soll. Justament in diesem Augenblick kommt ein Ballon angeschwebt. An Bord: Der Zauberer von Oz, der ja am Ende von Teil 1 versehentlich mit dem losgerissenen Fesselballon davongetrieben wurde.
Der Zauberer Oz tritt mit dem örtlichen Zauberer (wizzard gegen sorcerer, die englische Sprache ist da erstaunlich vielseitig. Keiner ist ein magician) in einen Wettstreit und gewinnt diesen durch einen Trick mit neun kleinen dressierten Schweinchen und einem vergrößerten Schwert, woraufhin Oz der Scharlatan neuer Zauberer des Glaslandes wird. Allerdings soll jetzt noch der Herrscher über die Neulinge entscheiden. Der ist sehr freundlich zu ihnen, beschließt aber ihren Tod.
Die Fremden erfahren, dass die Bewohner des Glaslandes als Gartenfrüchte wachsen, so wird ihnen auch die Knolle gezeigt, aus der ein neuer Zauberer wachsen soll. Auch der Nachfolger des Herrschers, eine Herrscherin diesmal, ist schon erkennbar und eigentlich schon vollreif, sogar überreif, aber der aktuelle König will sie noch nicht pflücken lassen, da dann auch sein Leben endet. Dorothy pflückt kurzentschlossen die Königin, und tatsächlich: Die neue Herrscherin ist netter zu den Fremden und will sie nicht töten lassen.
Allerdings sollen ihre Tiere entfernt und in die "schwarze Grube" geworfen werden. Als die Katze, das Pferd und die Schweine in ein Loch im Berg getrieben werden, folgen Dorothy, Zeb und Oz ihnen. Währenddessen mauern die Magabus von außen das Loch im Berg zu. Dorothy und ihre Freunde fahren in der Kutsche durch den Berg und kommen ins Tal Voe, in dem die Bewohner sich durch das Verspeisen einer seltsamen Knolle unsichtbar gemacht haben, damit die gefährlichen Bären sie nicht finden können. Allerdings haben die Bären inzwischen auch die Knolle gefressen ...
Die Fahrt geht weiter zum Pyramidenberg, in dem ein Weg immer weiter nach oben führt. Hier werden sie von Gargoyles mit hölzernen Flügeln angegriffen und können nur mit Mühe entkommnen, außerdem treffen sie einen verrückten Erfinder, der Flatterer und Knisterer erfunden hat. Flatterer kann man zum Beispiel an Flaggen befestigen, die dann trotz Windstille sehr eindrucksvoll auswehen und flattern, Knisterer dienen dazu, teuere, edle Seidenkleider so richtig schön und romantisch rauschen zu lassen ...
Schließlich geraten die Reisenden im Berg in eine Sackgasse, haben keine Chance mehr, sich aus eigener Kraft zu befreien, und sind völlig verzweifelt. In dieser Situation erinnert sich Dorothy an ihre Freundin Ozma. Sie erzählt ihren Freunden: Ozma und sie hätten vereinbart, dass Ozma täglich um Punkt 16 Uhr in ihren Zauberspiegel schaut und guckt, was Dorothy macht. Wenn Dorothy ihr ein vereinbartes Zeichen gibt, wünscht Ozma sie mit dem Zaubergürtel nach Oz. (In Band 3 hatte die Vereinbarung noch gelautet, dass Ozma jeden Samstag in den Spiegel schaut.)
Die Gruppe wartet nun darauf, dass es 16 Uhr wird, Dorothy gibt Ozma das Geheimzeichen, und prompt landen alle in Oz. Dann gibt es noch ein bisschen Hin und Her im Zauberland, Wiedersehen mit alten Freunden, Festessen und so weiter, außerdem ein Wettrennen zwischen Jim und dem Sägepferd, bei dem der arrogante Kutschgaul schnell von seinem Hochmut geheilt wird. Dann ist Zeit für den Abschied, und außer dem Zauberer, der am Hofe Ozmas bleibt, wird die ganze Reisegesellschaft zurück in ihre Heimatwelt versetzt.
Interessant ist, dass es in einem Gespräch zwischen dem Zauberer, der jetzt den Namen Oz trägt, und Ozma darum geht, ob das Land nach dem Zauberer oder der Zauberer nach dem Land benannt wurde. Der Zauberer erzählt, dass seine ersten beiden Vornamen Oscar und Zoroaster sind, aus denen dann sein Künstlername Oz wurde (die Anfangsbuchsteben seiner restlichen Vornamen ergeben "Pinhead", Dummkopf, darum lässt er sie meist weg). Allerdings war "Oz" beziehungsweise die weibliche Form "Ozma" traditionell schon immer der Name der Herrscher und Herrscherinnen von Oz, wie Ozma erzählt. (Im Band 2 wurde noch berichtet, ihr Vater habe Pastoria geheißen.) Als der Zauberer Oz in Oz ankam, passte dies wohl hervorragend, und man hielt ihn anscheinend mit ein Mitglied der Königsfamilie.
Oz gilt nun wieder als Erbauer der Smaragdstadt. Und er hat angeblich noch nie zuvor etwas von Ozma gehört, obwohl er sie doch laut Band 2 verschwinden lassen hatte. Und Ozma erzählt, dass Mombi einst die böse Nordhexe (Vorgängerin der guten Nordhexe aus Band 1) war, die ihren Großvater gestürzt hatte.

Kreuzfahrt, Mord und Mittelmeer
Eine Anthologie, in der ich selbst mit einer Geschichte vertreten bin. Daher hier keine Meinung dazu. Nur soviel: Es handelt sich um eine Sammlung mit Krimi-Kurzgeschichten, die entweder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs oder in einem der zahlreichen Häfen an der Nordküste des Mittelmeers spielen, die das Schiff ansteuert. Jeder Autor hatte eine andere Stadt als Schauplatz zur Verfügung, um dort zu morden, betrügen oder rauben. Mein Tatort war Port-Vendres. Schaut gern mal rein in das Buch.

Enid Blyton: Im Strudel der Abenteuer
- Die Insel der Abenteuer

Kinderbuch-Klassiker. Für den Urlaub hatte ich mir die Gesamtausgabe der Abenteuer-Serie besorgt. Das musste mal sein. Ich war als Kind ja ein Fan der "Geheimnis um ..."-Serie. Mit den "Fünf Freunden", deren Abenteuer ich als Cassetten-Hörspiele kennen lernte, bin ich nicht so recht warm geworden, die "Abenteuer"-Serie hatte ich als Kind zur Hälfte gelesen. Jetzt also die Komplett-Ausgabe. Ja, war gut. Vielleicht etwas voraussehbar und für Leute in meinem Alter stellenweise nicht ganz so befriedigend, aber, wie sagte es die Autorin? "Kritik von Leuten über 12 interessiert mich nicht."
Band 1, die Geschichte mit der abenteuerlichen Insel, hatte ich seinerzeit in der DTV-Ausgabe gelesen, und es war eine schöne Erinnerung. Philipp mit seiner beinahe magischen Fähigkeit im Umgang mit Tieren, war natürlich mein ganz besonderer Liebling. Jack wegen seiner ruhigen Art und vor allem wegen Kiki kam gleich danach. Aber mir war nicht ganz klar, wie blöd die beiden Mädchen tatsächlich waren. Dina hatte wenigstens noch Feuer, wenn sie mit ihren ständigen Wutausbrüchen Philipp anging. Lucy mit ihrer großäugigen Verehrung Jacks war schon ziemlich fade. Mir war damals gar nicht klar, wie sehr die Autorin die beiden Mädchen aus den gefährlicheren Szenen herausgehalten hat. Vermutlich könnte man die beiden ohne große Verluste aus der Handlung rauskürzen ...
Die Geschichte selbst ist spannend. Erzählt wird, wie die beiden Geschwisterpaare ihren großen Freund Jim kennen lernten und dann auf der geheimnisvolle Insel eine Verbrecherbande ausheben. Ja, die Altmeisterin verstand schon etwas von Spannung. Interessant auch die Darstellung des Jojo, des schwarzen Dieners auf Burg "Felseneck". Von der erst harmlosen, abergläubischen und verrückten Nebenfigur bis zum Kopf einer Verbrecherbande ...



November

Enid Blyton: Im Strudel der Abenteuer
- Die Burg der Abenteuer

Die Patchwork-Familie aus den beiden Geschwisterpaaren, Papagei Kiki sowie aus Philipps und Dinas alleinerziehender Mutter wächst langsam zusammen. Und auch Kriminalpolizist Bill ist zufällig in die Nähe, als die Familie Urlaub machen will. Die Kinder sind fasziniert von einer geheimnisvollen, anscheinend leerstehenden Burg. Und vor allem für Vogelfreund Jack ist das alte Gemäuer interessant, da hier Adler nisten. Zusammen mit einem Zigeunermädchen namens Tassie finden sie einen Weg, in die Burg einzudringen. Ich habe bei dieser und der vorangehenden Folge ziemlich viel über "Political Correctnes" im Kinderbuch nachgedacht. Bei dem Schwarzen Jojo kam in der deutschen Überesetzung das "N-Wort" nicht vor, obwohl es schon eine ziemlich alte Ausgabe war. Ist die Darstellung rassistisch? Zumindest in den Szenen, als er den albernen, abergläubischen Diener spielte, ging es schon hart ans Klischee vom dummen, ungebildeten Sklaven heran. Andererseits, das war ja sehr geschickt von ihm selbst vorgetäuscht. Und in seiner Eigenschaft als Verbrecherchef war er zwar ein Arschloch, aber das hatte nichts mit seiner Hautfarbe zu tun. Schwierig, aber wohl akzeptabel. Aber wie ist das bei Tasssie? Sie ist ein "wildes Mädchen", aber auch ein prima Kumpel. In einem modernen Buch würde man das Wort "Zigeunerin" sicher vermeiden. Und dass sie gebrochen Deutsch (beziehungsweise im Original Englisch) spricht und sich nicht wäscht, ist natürlich Klischee hoch zehn. Trotzdem ist sie ein toller Spielkamerad, mutig und tüchtig und ist mehr als einmal diejenige, die den Freunden aus der Patsche hilft. Wie sieht das eigentlich in den modernen Ausgaben aus? Wurde das umgeschrieben?

- Das Tal der Abenteuer
Urlaub mit Bill, ein Ausflug mit seinem tollen Dienstflugzeug - klar, dass die Kinder da begeistert sind. Allerdings setzen sie sich dann ins falsche Flugzeug. Die Machine wird von Verbrechern gekapert und fliegt ins Ausland, die Kinder reisen unbemerkt mit. Ein etwas unwahrscheinlicher Auftakt, aber das Ganze ist spannend erzählt. Eine klassische Abenteuer-Geschichte mit Höhlen und unterirdischen Gängen - eigentlich kommt in fast jedem Abenteuer-Band ein Geheimgang vor - und einerm uralten Ehepaar, das noch ältere Kunstschätze hütet. Spannend, wenn auch klassische Abenteuer-Kost, man kennt es ja.


- Die See der Abenteuer
Bill wird von einer Verbrecherbande verfolgt und soll, einer Anweisung seines Chefs zufolge, untertauchen. Das passt ihm zwar nicht, Bill würde seine Gegner lieber direkt angehen und zur Strecke bringen, aber er gehorcht. Er tarnt sich als Natur- und besonders Vogelfreund, der mit einem Motorboot eine Fahrt durch eine Insellandschaft vor der schottischen Küste macht. Und Jack, Philipp, Lucy und Dina sowie Kiki dürfen mit - als Tarnung. Allerdings wird das, was eigentlich ein Urlaub hätte sein sollen, dann doch brandgefährlich. Die Bande, die zufällig genau in diesem Inselparadies ein Waffenschmuggel-Lager betreibt, schlägt Bill nieder, entführt ihn, und die Kinder bleiben ohne Boot allein auf der Insel zurück. Natürlich schaffen sie es trotzdem, die Bande zu besiegen. Und die beiden Lunde, Schnarr und Schnauf, sind einfach liebenswürdig.

- Der Berg der Abenteuer
Ferien in Wales für die vier Kinder, Mutter/Tante Allie und Kiki. Die Kinder wollen eigentlich nur einen Ausflug in das sagenhafte "Schmetterlingstal" machen und die dortigen Schmetterlinge beobachten, aber ihr Führer verirrt sich im Nebel, und sie geraten an einen Berg, in dem es nicht geheuer ist. Im, Höhlensystem haust eine Bande eines verrückten Erfinders, der mit der Entwicklung von besonderen Fluggeräten beschäftigt ist. Die jeweiligen Testflieger überleben den Flug gewöhnlich nicht, wenn sie mit diesen gebastelten Flügeln und einem System, das die Schwerkraft reduzieren soll, vom Berg gestürzt werden. Dann kommt der Erfinder auf die Idee, statt erfahrener Piloten leichtere Menschen für seine Versuche zu verwenden. Da kommen ihm die vier Kinder gerade recht ... Skurril und mit typischem Höhlenerlebnis. Kiki beginnt zu nerven. Philipps zahmes Zicklein ist aber süß.

- Das Schiff der Abenteuer
Eines der Bücher, die ich schon aus der DTV-Ausgabe kannte. Die Freunde auf Kreuzfahrt - und auf den Spuren einer alten Sage. Ist der Plan, den sie in einem alten Buddelschiff gefunden haben, tatsächlich eine Schatzkarte, die ihnen den Weg zum legendären Schatz der Andra zeigt? Der schmierige Inselkäufer und Archäologie-Geschäftemacher Eppy, der sich Teile der Karte unter den Nagel reißen kann, ist jedenfalls überzeugt davon. Ein Wettrennen zum Schatz beginnt, bei dem die Kinder Unterstützung von ihrem großen Freund Bill haben. Trotzdem wird es lebensgeführlich. Und das Rätsel ist gar nicht so einfach zu lösen. Erst Philipps zahmes Äffchen Mickie findet den geheimen Eingang hoch oben in einer hohlen Säule. Es geht, wie üblich, tief in die Erde hinab. Übrigens: Wie ich mir ergoogelt habe, war diese Geschichte - mit Heiratsantrag Bills an Allie - eigentlich von der Autorin als Abschlussband vorgesehen. Da die jugendlichen Fans aber so begeistert waren und Nachschub forderten, legte sie noch zwei Bände nach.

- Der Zirkus der Abenteuer
Bill soll auf einen ausländischen Jungen aufpassen. Es handelt sich um einen Thronfolger eines fiktiven osteuropäischen Landes namens Tauri-Hessia, und Bill fand die Idee gut, ihn als Teil seiner Familie auszugeben und zusammen mit Jack, Philipp, Dina und Lucy zu verreisen. Nützt aber nichts: Die Verschwörer, die in Tauri-Hessia einen Umsturz planen, entführen den Prinzen und drei der Kinder gleich mit. Jack, der gerade noch hinzukommt und die Entführung beobachtet, bleibt frei. Er und Kiki folgen den Männern, gelangen an ein Flugzeug und fliegen als blinde Passagiere mit. In Tauri-Hessia angekommen taucht Jack bei einem Zirkus unter und versucht, in das Schloss zu gelangen, in dem seine Freunde und der Prinz gefangen gehalten werden. Schließlich kann er sie befreien. Und Tierflüsterer Philipp hat Gelegenheit, seine einzigartigen Fähigkeiten zu zeigen, als ein Bärenführer erkrankt und die Bären des Zirkus ohne ihre Bezugsperson vollkommen durchdrehen und gefährlich werden. Eine Folge, die ich noch nicht kannte und die neben dem "Schiff der Abenteuer" meine absolute Lieblingsgeschichte der Serie wurde.

- Der Fluss der Abenteuer
Das Buch kannte ich schon aus einer alten Hardcover-Tosa-Ausgabe. Ich hab's sehr gemocht.
Es geht um eine abenteuerliche Bootsfahrt im Orient auf dem "Fluss von Abentoa", den die Kinder natürlich prompt auf den Namen "Fluss der Abenteuer" taufen. Bill hat den Auftrag, einen Verbrecher zu beobachten und herauszufinden, ob dieser etwas tun will, was dem britischen Staat schadet. Die Kinder und Allie sollen dabei quasi als Bills Tarnung fungieren. Der Mann erkennt Bill allerdings und lässt ihn und Allie kidnappen. So machen sich die Kinder allein auf die abenteuerliche Schiffsreise den Fluss entlang, um die beiden zu retten. Dabei geraten sie in einen bisher unbekannten unterirdischen Seitenarm des Flusses und finden in einer Höhle wertvolle Kunstschätze, hinter denen Bills Kidnapper eigentlich hinterher war. (Tragisch: Als Raubgräber und illegaler Kunsthändler hätte er Bill gar nicht interessiert und wäre niemals Teil von Bills Ermittlungen geworden. Gerade durch die Entführung hat der Mann sich und seinem Unternehmen selbst das Grab geschaufelt).
Besonders im Hinterkopf geblieben ist mir damals beim ersten Lesen die tragische Geschichte von der Bargua, der Giftschlange, der man die Giftkanäle durchtrennt hatte. Damit ist das Tier zum Tode verurteilt. Philipp hegt und pflegt sie liebevoll auf der Reise, sie rettet ihm mehrfach das Leben, da man mit ihr prima Verbrecher zu Tode erschrecken kann. Am Ende kriecht sie davon und stirbt einsam. Traurig. Aber etwas, das dieses Buch aus der netten Kinderbuchwelt heraushebt.

Julius H. Schoeps: Moses Mendelssohn
Kurze, sehr kompakte Biografie, die einen guten Überblick über das Leben des Philosophen liefert. Knapp 200 Seiten, die die wichtigsten Lebensstationen nachvollziehen. Gut geschrieben und leicht lesbar. Allerdings nicht mehr im normalen Nuchhandel erhältlich, ich habe es auf Amazon Marketplace fast geschenkt erhalten.

"Wie gut sind deine Zelte, Jaakow ..."
Festschrift zum 60. Geburtstag meines ehemaligen Hebräisch-Lehrers Reinhold Mayer. Erneut ein Fundstück auf Amazon Marketplace. Enthalten sind zahlreiche Aufsätze aus dem Bereich der Judaistik, es geht Ärchäologie, Geschichtsschreibung, Vergleiche römischen, griechischen und jüdischen Rechts, aber auch um Bibel-Eexegese, um Rosa Luxemburg, Franz Rosenzweig und Martin Buber, um Antijudaismus in den Briefen des Paulus, den Holocaust und das Verhältnis von Christen und Juden. Eine sehr vielschichtige Sammlung. Für einige sehr spezielle Artikel hätte ich vermutlich etwas mehr Vorwissen gebraucht, aber es war auf jeden Fall lesenswert.

Henry Wadsworth Longfellow: Der Sang von Hiawatha
Vor sechs Jahren hatte ich das Epos schon einmal gelesen. Damals in der kostenlosen eBook-Version, inzwischen gibt es eine On-Demand-Ausgabe von Tredition, und da ich doch ein Mensch bin, der alles gern anfassen und getrost nach Hause tragen möchte, habe ich mir das Buch geholt. Es ist eine sehr angenehm in der Hand liegende und auch angenehm und sauber layoutete Ausgabe mit ordentlichem Schriftbild. Druckfehler infolge vom System falsch erkannter Buchstaben sind mir nicht weiter aufgefallen, und mit 12,90 Euro ist der Preis für den 200 Seiten starken Klassiker vollkommen in Ordnung.
Es handelt sich, wie schon beim eBook, um die alte Übersetzung von Ferdinand Freiligrath, der auch ein kurzes Vorwort dazu geschrieben hat. Freiligrath weist darauf hin, dass das Werk gelegentlich als "indianische Edda" bezeichnet wurde, aber in seiner Anlage und seinem Rhythmus eher dem finnischen Kalevala vergleichbar ist. Ein Einschätzung, die ich teile. Sowohl das Versmaß als auch die klassische Doppelgliedrigkeit der Personenbezeichnungen sind purer Kalevala-Stil. Und auch die Entstehungsgeschichte dürfte ähnlich sein: Elias Lönnrot, der Verfasser des Kalevala war ja auch eher ein Sammler von Sagen und Liedern, die er zum Groß-Epos zusammenstellte. Ähnlich sammelte wohl auch Longfellow indianische Sagen und gestaltete daraus seinen Hiawatha.
Auch inhaltlich gibt es Ähnlichkeiten. So erinnert Nokomis, Hiawathas Mutter, die aus dem Vollmond wie ein Stern vom Himmel fiel, mich sehr stark an die Himmelsjungfrau Ilmatar, den Luftgeist, der sich vom Himmel auf den Wassern niederließ und schließlich, nachdem die Welt entstanden war, den Väinemöinen gebar. Auch zwischen Väinemöinen als Kulturheros, der eine Schwende in den Wald schlug und Ackerland schuf, und Hiawatha, der den Maisgott Mondamin im Ringen besiegte und die wertvolle Pflanze zur Ernährung seines Volkes gewann, besteht eine gewisse Ähnlichkeit.
Der junge und schöne Hiawatha ist freilich bei seiner Brautwerbung um die schöne Mine-haha erfolgreicher als der alte Väinemöinen bei seiner Bewerbung um die Nordlandochter. Hiawathas Freunde, der Sänger Chibiabos und der starke Kwasind, ergeben mit dem indianischen Kulturheros zusammen ein ähnlich mythisch-magisches Dreigestirn wie Väinemöinen, der Himmelsschmied Ilmarinen und der leichtsinnige aber schöne Lemminkäinen auf ihrer Freifahrt. Die Rolle, die der Gesang in beiden Epen spielt, als Weltschöpfergesang, epische Erzählung und Zauberlied, ist ähnlich, und sogar der Schluss des Hiawatha erinnert an das Kalevala: Väinemöinen muss weichen, als mit dem altklugen Sohn der Jungfrau Marjatta eine neue, christliche Zeit herandämmert, und auch Hiawatha bricht auf, als "Schwarzröcke", christliche Missionare, in sein Land kommen. Beide besteigen ein Boot und fahren auf dem Meer davon. Ganz sicher keine indianische Edda, sondern Kalevala pur.

Werner Bergengruen, Reinhold Schneider: Briefwechsel
Zwei Autoren der "Inneren Emigration", beide Gegner der Nazis, beide gläubig, katholisch, beide bekannte Schriftsteller, die ihren Lesern in dunkler Zeit viel Kraft gegeben haben, um es mal pathetisch auszudrücken. Die beiden haben sich gegenseitig sehr geschätzt, ja geradezu verehrt, und dieser gesammelte Briefwechsel kommt wie eine kleine Reliquie daher. Allerdings muss man nicht glauben, dass die Schreiben der beiden für denjenigen, der etwas über ihre Werke erfahren will, sehr ergiebig ist. Die Briefe sind sehr kurz, keiner der beiden spricht groß von seinen literarischen Plänen, Gedanken, Seelenzuständen. Es sind eher kleine Noten, in denen sie sich gegenseitig ihre Verehrung und Wertschätzung versichern, oft verbunden mit der Übersendung aktueller Werke, kurze Grüße und der Hinweis, dass man sich vom anderen verstanden fühlt, oder dass man ein bestimmtes Gedicht besonders stark empfunden habe ... Dazu einige kurze Texte bzw. Reden von Bergengruen über Schneider und Äußerungen Schneiders zu Bergengruen. Alles sehr karg, sehr dünn, eher ein Andachtsbüchlein für Verehrer der beiden als wirklich ein Stück Literatur.


Im Zauberbann des Harzgebirges
Alte Sagen aus dem Harz in einer sehr schön gestalteten und illustrierten Hardcover-Ausgabe. Interessante Geschichten, Lokalsagen, Entstehungsgeschichten zu bestimmten markanten Punkten in der Landschaft, etwa besonderen Felsen, Geschichten über historische Persönlichkeiten in den Harzstädten. Allerdings, eine Sache muss ich hier doch mal loswerden: Diese Harz-Sagen sind alle furchtbar depressiv und traurig, die wenigsten nehmen ein gutes Ende. Wenn ich dagegen Sagen aus anderen niedersächsischen Gegenden anschaue, die haben wesentlich mehr Humor. Man denke an den Alfelder Hödeken oder die Geschichten um den Huckup, über Zwerge und über Leute, die den Teufel austricksten, den Celleschen Schäfer, an bauernschlaue Dorfmenschen, die sich bei ihren Landesherren in Respekt setzten ... Die Harzer müssen schon bitterarme Leute gewesen sein, wenn sie vor lauter Jammer und Elend noch nicht einmal mehr Humor hatten. Ich habe noch nie so eine traurige Sagensammlung gelesen.

Ina Elbracht: Pentimenti
Ein wunderschön gestalteter Hardcover-Band aus der "Edition 100" im Wurdack-Verlag in einer limitierten Auflage von 100 Stück. Ich habe Nummer 5 erhalten - mit Signaturen der Autorin Ina Elbracht und des Illustrators Daniel Bechtold. Es ist eine phantastische Geschichte, düster und grauenhaft, ein Künstlerroman über einen Maler, der auf seine Art einzigartig ist. Seine Frau hat ehrgeizige Pläne, sie bereitet seine Farben mit geheimen Zutaten zu, kümmert sich um die Publicity und Vermarktung und schafft einen unheimlichen Mäzen heran. In der Einsamkeit eines Waldhauses erschafft der Maler besondere Porträts, eigentlich gegen seinen Willen, er malt junge Frauen, Freundinnen des Mäzens, mit besonderen Farben, die seine Frau für ihn bereitete. Aber was er damit erschafft, ahnt er nicht. Langsam nimmt das Grauen seinen Lauf ...
Eine schreckliche Geschichte, doch voller sprachlicher Schönheit. Ein Buch, das man nicht wieder aus der Hand legen kann, bis die Ereignisse ihren schlimmstmöglichen Ausgang gefunden haben.


Bernd Fischer: Ein anderer Blick: Saul Aschers politische Schriften
Ich habe bereits zwei Textsammlungen der politischen Schriften Saul Aschers gelesen. Das hier vorliegende Buch ist keine weitere Sammlung, sondern es handelt sich um Sekundfärliteratur zu den wichtigsten Texten Aschers. Bernd Fischer gibt Inhaltsangaben, Interpretationen und Einordnungen zu zwölf Schriften des Spätaufklärers, darunter "Eisenmenger der Zweite", die "Germanomanie", der "Leviathan", der "Napoleon", die "Geschichte der Revolutionen" und die "Wartburgs-Feier". Außerdem gibt eine Darstellung zu Leben und Werk Aschers. Ein sehr guter Überblick, sehr hilfreich.

Aristoteles: Über Tugenden und Laster / Große Ethik / Eudemische Ethik
Eigentlich war ich nur auf die "Große Ethik" scharf, die Nikomachische habe ich im Studium ausführlich bearbeitet, sie war sogar mein mündliches Prüfungsthema im Fach Politik, die Eudemische habe ich vor ein paar Jahren gelesen. Aber da in dem Band außer der Großen Ethik noch zwei weitere Schriften enthalten waren, habe ich die anderen beiden auch mit gelesen.
Es handelt sich um eine Ausgabe aus dem Jahr 1951, übersetzt und kommentiert von Paul Gohlke, die ich antiquarisch auf Amazon Marketplace erstanden habe. Gohlke erläutert in der Einleitung das Verhältnis der vier aristotelischen Schriften über Ethik zueinander. Wobei ich bislang die erste Schrift, "Über Tugenden und Laster" gar nicht auf dem Schirm hatte. Sie ist auch recht dünn, kaum mehr als eine katalogartige Auflistung diverser Tugenden und Laster nebst kurzer Definition. Eine Jugendschrift, sehr schülerhaft, eben ein Anfang.
"Die Große Ethik" ist trotz ihres Namens von den drei Ethiken des Aristoteles die kürzeste. Und, wie Gohlke darlegt, auch die früheste der drei Ethiken. Bestimmte Gedanken, etwa die Idee von der rechten Mitte zwischen zwei extremen Verhaltensweisen, fehlen hier noch. Auch weist er darauf hin, dass die Große Ethik sich sprachlich deutlich abhebt von den beiden anderen Ethiken, aber einiges mit der Schrift über Tugenden und Laster gemein hat: Bei beiden tritt der Einfluss des äolischen Dialekts deutlich zu Tage, während Eudemische und Nikomachische Ethik eher attisch geprägt sind. Er ordnet die Große also in die Frühphase ein und stellt fest, dass sie die älteste der drei Ethiken ist. In der Eudemischen Ethik, lauth Gohlke der zweitältesten, die die zweite Hälfte des Bandes ausmacht, sind die Übereinstimmungen mit der Großen Ethik markiert, sie ist fast doppelt so umfangreich wie die Große Ethik. Alles sehr interessant und Aristoteles ist sowieso ein kluger Kopf, wenn auch etwas spröde. Insgesamt bleibt aber die Nikomachische meine Lieblingethik, auch aufgrund ihrer klaren Struktur. Ja, sie ist tatsächlich die reifste und ausgearbeiteste von den dreien.

Cecil Northcote Parkinson: Horatio Hornblower
Fiktive Biografie Horatio Hornblowers auf der Basis der elf Hornblower-Bände von Cecil Scott Forrester. Der Verfasser ist übrigens nicht nur selbst bekannt geworden als Autor von Seekriegsromanen, sondern auch der Erfinder des Parkinsonschen Gesetzes.
Ausgehend von fikltiven Unterlagen über Hornblowers Erwerb eines Landguts zeichnet Parkinson den Lebensweg seines Helden nach, erzählt etwas über die Herkunft des Mannes und sein Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen, und wir erfahren auch einige Dinge über das Verhältnis zu Lady Barbara, die Forrester verschwiegen hat.
Sehr gelungen, hat mir Spaß gemacht, und ich habe Lust bekommen, mir die alten Hornblower-Bände noch einmal vorzunehmen.

Werner Koch: Pilatus
Der Untertitel weist dieses Büchlein als historischen Roman aus. Ich selbst würde es eher Sprachkunstwerk in beinahe lyrischer Prosa bezeichnen. Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, dass ich Werner Koch seit seiner See-Trilogie liebe, und auch dies hier war wieder ein meisterhaft geschriebener ... Roman?
Es geht um Pilatus, den römischen Statthalter, der Jesus kreuzigen ließ. Nun ist Pilatus in Rom, politisch kaltgestellt und ein Opfer von Intrigen, seine Gegner sind kurz davor, die Schlinge um seinen Hals zuzuziehen. Aber das politische Gezerre ist ihm längst gleichgültig geworden. Seine Frau ist gerade gestorben, der vermutlich einzige Mensch, dem er näher stand, aber auch sie hat er immer wieder vor den Kopf gestoßen, alle liebevollen Gesten wies er zurück. Und nun steht er am Fenster seines Hauses in Rom und sieht einer Katze auf der Straße beim Verenden zu.
Immer wieder kehren seine Gedanken auch zu dem Prozess gegen den sonderbaren Mann zurück, den einige den Messias nannten. Eigentlich einer von Hunderten, vielleicht Tausenden, die damals hingerichtet wurden. Aber irgendwie ist Pilatus dieser Mensch dann doch noch im Gedächtnis geblieben. Langsam kommt ihm die Erinnerung an die kurzen Dialoge mit dem Delinquenten wieder hoch. Und daran, wie seine Frau ihn diplomatisch bat, er solle doch in diesem Falle "besonders gerecht sein". Als ob er das sonst nicht wäre, ärgerte sich Pilatus. Dann denkt er wieder daran, wie er versuchte, die Menschenmenge zu überzeugen, sie solle doch den Jesus losbitten. Und nicht den Barabas. Doch daraus wurde nichts ...
Und nun ist auch noch einer seiner Diener Christ geworden. Immer wieder bemüht er sich, Pilatus mit zu einer Versammlung der Gemeinde zu bringen. Einmal lässt der sich sogar breitschlagen. Doch er kann dem Gerede des Predigers nichts abgewinnen. Und als man ihn erkennt, den Mörder des Messias, weicht die Gemeinde vor ihm zurück. Da nützt es auch nichts, wenn der Diener und der Priester ihm immer wieder versichern, alle hätten sich gefreut über seine Anwesenheit.
Pilatus vesinkt immer mehr in seinen Gedanken. Am Ende interessieren ihn Messiasse, politische Intrigen und der Tod seiner Frau nicht mehr. Die einzige Frage, die ihn nach seiner Entmachtung und dem Tod noch interessiert, lautet: "Wo ist meine Katze?"

Nikolai von Michalewsky: Korallenjäger
Jugendbuch über drei Taucher im Mittelmeer, die nach Korallen tauchen. Ein Freund, Roberto, hatte ein besonders ergiebiges Korallenriff entdeckt, Korallen von besonderer Größe und Schönheit, aber auch in besonderer Tiefe. Doch dann verunglückt Roberto tödlich. Er tauchte zu schnell auf, ohne sich die Zeit für den nötigen Abbau des Stickstoffs im Blut zu lassen, erlitt eine Embolie, unrettbar. Er soll senkrecht nach oben aus dem Wasser geschossen sein, undenkbar eigentlich, dass ein alter Fuchs die allererste Regel beim Tauchen so außer Acht lassen kann. Es sei denn, er begegnet dort unten etwas, das gefährlicher ist, als ein Aufstieg im Höchsttempo.
Ricardo, der Ich-Erzähler, war Freund und Schüler Robertos, nun ist er sein Erbe und erhält die Position der reichen Korallenbank. Zusammen mit seinen Partnern Bernard und Marco will er die Fundstelle ausbeuten. Es geht für die drei auch um ihre Existenz, denn sie können ihr gemeinsames Boot nicht mehr bezahlen, wenn nicht ein Wunder geschieht. Doch Gier und Sicherheit beim Tauchen passen nicht gut zusammen. Und das, was Roberto getötet hat, lauert noch immer da unten. Die Gefahr ist tödlich. Und schließlich geht Ricardo seiner letzten Konfrontation entgegen ...
Ein spannender, klar strukturierter und zielstrebiger Jugendroman, der Abenteuerlust, Fragen nach Ethik und Verantwortung und Tragik in sich vereint. Ein bedrückendes unhappy End ist in einem Jugendbuch ja recht selten, aber hier passt es wie die Faust aufs Augen. Dazu sehr authentisch und von großer Sachkenntnis. Beeindruckend.

Stefan Cernohuby: D9E - Die Geister der Vergangenheit
Ich habe den "Loganischen Krieg" nicht gelesen. Den "Spin off" der D9E-Serie wollte ich mir eigentlich erst nach Ende der Hauptserie anschaffen. Ich hatte das irgendwie als netten Schlenker zwischendurch oder als Anschlussserie verstanden. Ein Fehler, wie ich jetzt merkte. Denn der Band "Geister der Vergangenheit" bezieht sich unmittelbar auf den Loganischen Krieg, und bei all den Rückverweisen bleibt das unbefriedigende Gefühl zurück, dass mir ziemlich viel fehlt. André bzw. das, was ich von ihm und seiner Vorgeschichte erfahren habe, hat mir gefallen, und ich habe mich über die 1714 und ihren eigenartigen Humor gefreut. Das war, trotz des erschwerten Reinkommens, auf jeden Fall etwas Positives. Und den Loganischen Krieg hole ich nach.

Dirk van den Boom: D9E - Ruf der Evocati
Gut erzählt, spannend, in der Serie fest verortet und mit den Ereignissen der anderen Bände verbunden, und trotzdem selbsttragend und separat verstehbar. Nach dem rätselhaften Vorgänger eine schöne Leseerfahrung. Es geht um die Entführung einer Wissenschaftlerin durch eine Sekte. Die Frau hat eine Alternative zur Fortbewegung durch den Menger-Raum entwickelt - wichtig für die Raumfahrt, wenn die Hondh durch Sabotage des Menger-Raums in ihrem eigenen Gebiet festgesetzt und aus der Zone der neunten Expansion ausgesperrt werden.
Die Handlung ist klar strukturiert und zielsicher durchgezogen, und ich vergebe mehrere Extrasternchen für Humor. Die beiden Steuerfahnder, die plötzlich einen Mord aufklären müssen und dabei in die intergalaktische Suche nach einer entführten Wissenschaftlerin geraten. Dr, Merrick, die ihre Entführer auf geniale und physikalisch völlig unmögliche Weise auszählt. Duftende Aliens mit ihrer olfaktorischen Sprache. Ferngesteuerte Raumanzüge und der schräge Gonwik aus einer noch schrägeren Roboterzivilisation ... einfach nur gelungen.

Fabienne Siegmund: Herbstfeuer

Fabienne Siegmund: Alissa im Drunterland
Eine kurze Erzählung, die den Alice-Romanen von Lewis Carroll verpflichtet ist, aber auch ein wenig an die unendliche Geschichte erinnert. Die Heldin heißt diesmal Alissa, sie kennt die Alice-Geschichten und gerät in ein Land, das dem Wunderland und Spiegelland verwandt ist: Das "Drunterland". Wobei sehr ineressant ist, dass Alices "Wunderland" laut ursprünglichem Manuskript Carrolls heißen sollte "Alice's Adventures under Ground".
Das Drunterland hat ein Problem: Die Uhr des Nachthasen ist abgelaufen. Noch schlimmer, als wenn im Wunderland das weiße Kaninchen zu spät kommt. Das Drunterland ist dem Untergang geweiht. Nur ein Menschenmädchen kann es retten. Das ist Alissas Job. In einem altertümlichen Uhrmachergeschäft beginnt für sie eine abenteuerliche Reise.
Das Büchlein ist reich an wunderlichen Wesen und liebenswerten Einfällen, dabei deutlich düsterer und melancholischer als Carrolls Welt. Schlecht ist es nicht, aber dann doch etwas dünn geraten, und damit meine ich nicht nur die geringe Seitzenzahl. Wer mit den Alice-Romanen in die Schranken treten will, sollte schon etwas wuchtigere Geschosse auffahren. Fabienne Siegmund kann eine Menge, aber dies ist einfach nur klein und nett, ein bisschen gewollt, aber es hat wenig Kraft. Ohne das Alice-Monument im Hintergrund wäre es ein ganz ordentliches Märchen geworden, aber so ist es ziemlich blass.


Peter Høeg: Die Kinder der Elefantenhüter
Brillante Mischung aus Logik und Phantasie, Philosophie und Anarchie. Die Kinder eines Pastorenehepaars müssen feststellen, dass ihre Eltern einen ganz großen Kunstraub planen, und versuchen gleichzeitig, dem Jugendamt und der Polizei zu entkommen, die seit dem Untertauchem der Eltern hinter den drei Kindern her sind. Peter, der Ich-Erzähler, und seine blitzgescheite und manchmal ziemlich direkte Schwester Tilte versuchen, eine Katastrophe zu verhindern, während der älteste Bruder die Liebe seines Lebens trifft. Mit einer Gruppe seltsamer Sektenangehöriger und einem Sarg, in dem eine tote Frau zu einer Segnung gebracht werden soll, machen sie sich auf nach Kopenhagen, schlagen immer wieder den Behörden ein Schnippchen und finden auf so krause und abwegige Art immer wieder neue phantastische Puzzleteilchen, dass der Leser einfach nur mit den Ohren schlackern kann.
Ja, es ist irgendwie ein Krimi, alles passt logisch zusammen. Aber das Ganze ist auch wieder so irre und zauberhaft, dass man sich fragen muss, was der Autor eigentlich geraucht hat. Einfah nur toll. Ich möchte einfach nur weiter von Tilte lesen und dabeisein, wenn sich in einem besonderen Moment die Tür öffnet ...


Isaac Euchel. Der Kulturrevolutionär der jüdischen Aufklärung
Aufsatzband mit 16 Texten über Euchel und seine Rolle in der Haskala, der jüdischen Aufklärung. Die Beiträge waren usprünglich Vorträge auf einer Tagung anlässlich seines 200. Geburtstags im Jahr 2006. Unter anderem gibt es Beiträge zu seiner Biografie und Familiengeschichte, über seine Familie in Kopenhagen, seine Kontakte und das jüdische Leben in Hannover und Königsberg, sowie sein Wirken in Berlin. Dazu ein Vergleich der Gebetsübersetzungen von David Friedländer und Isaac Euchel, mehrere Beiträge über seine Komödie "Reb Henoch", etwas über seine Mendelssohn-Biografie und zwei Aufsätze über seine Bildungskonzeption und jüdische Erziehung. Sehr spannend und sehr gut zu lesen. Ich habe viel daraus gelernt.

Nikolai von Michalewsky: Schatztaucher
Wie im Buch "Korallenjäger" geht es auch in diesem Abenteuer um eine Gruppe von Tauchern, die ein besonderes Ziel haben. Sie sind auf der Suche nach einer gesunkenen spanischen Galeone voller Gold. Den ungefähren Lageort kennen sie aus einer uralten Karte. Tatsächlich finden sie das Schiff - aber in einer solchen Tiefe, dass die Bergung todgefährlich, beinahe unmöglich ist. Wagemut und Gier, verbunden mit der Existenznot der Taucher, lassen die Männer das fast Unmögliche versuchen. Und tatsächlich: Erste Erfolge stellen sich ein. Doch die Goldgier vernebelt ihnen das Hirn. Im Bestreben, möglicht viel von den Barren in möglichst kurzer Zeit emporzuholen, passieren Fehler, die einfach nicht passieren dürfen. Fehler die in diesen Tiefen das Leben kosten.
Nikolai von Michalewsky versteht es, eine spannende Handlung und authentische Taucherfahrung zu einem packenden Roman zu formen. Und erneut ein Roman, der tragisch endet. Der Ich-Erzähler überlebt zwar, aber hat alles verloren, der zweite Überlerbende wird mit ziemlicher Sicherheit kurz nach Ende der erzählten Begebenheiten umkommen, weil er sich nicht von dem verfluchten Gold trennen kann ... Beeindruckend.

Isaak Euchel: Vom Nutzen der Aufklärung. Schriften zur Haskala
Der Band enthält sieben zentrale Texte Euchels, die wichtige Eckpunkte der Haskala markieren. Da ist zum einen die Schrift "Nachal Habesor", Strom der guten Nachrichten, mit der Euchel die neue Zeitschrift "HaMeasef", der Sammler, ankündigt, das zentrale Organ der jüdischen Aufklärer. Euchel stellt das Programm der Zeitschrift vor, die Themen, die behandelt werden sollen, und die Personen, die dahinter stehen. Außerdem ist das Vorwort zum Measef abgedruckt. Im Buch findet sich auch der Brief, in dem Euchel den dänischen König als Unterstützer zur Gründung einer jüdischen Schule zu gewinnen versuchte, nebst einem Aufsatz, in dem er sein Bildungskonzept und die Notwendigkeit einer solchen Schule darlegt, und einem kurzen autobiografischen Abriss, um sich dem König als der geeignete Mann hierfür vorzustellen. Der Band enthält ferner eine Verteidigungsschrift, mit der Euchel die "Schwätzer", die sich gegen ihn aussprechen, in die Schranken weist. Sehr spannend ein literarischer Text Euchels, die Reisebriefe des Meschulam Ben Uriah Haeschtemoni, ein Reisebericht, über jüdisches Leben und jüdische Gemeinden im Mittelmeerraum, vor allem Madrid und Livorno, der leider Fragment blieb. Schließlich ein Beitrag über die "Übernachtung der Toten", mit dem sich Euchel an der Diskussion über die frühe Beerdigung beteiligte. Ein zentraler Streitpunkt zwischen Haskala und Orthodoxie in jenen Zeiten.
Sehr schön, dass dem Band die hebräischen Originale im Anhang mitgegeben wurden. Außerdem gibt es ein informatives Nachwort und hilfreiche, weiterführende Fußnoten.

Nikolai von Michalewsky: Tödliche Bergung
Der dritte Taucher-Roman nach "Korallenjäger" und "Schatztaucher". Es geht um ein Flugzeugwrack, das im Mittelmeer in 230 Meter Tiefe liegt. Für Taucher fast unerreichbar. Aber die abgestürzte Maschine birgt wichtige militärische Geheimnisse, und ein amerikanischer Auftraggeber, der das Bergungsschiff "Thor" samt Mannschaft mietet, macht deutlich, dass von der Rettung dieser Geheimnisse der Weltfrieden abhängt. Schon haben sich russische Schiffe aufgemacht, das Wrack zu suchen. Ein Wettrennen mit der Zeit bedginnt. Und die Bergung ist ein Spiel auf Leben und Tod.
Robert Sedlitz ist ein Ausnahmetaucher und vermutlich der einzige, der diesen Job überhaupt hinkriegen kann. Und Sedlitz ist zurzeit billig zu haben, denn seit er einen Arbeitgeber wegen unzumutbarer Arbeitsbedingen öffentlich angegriffen hat, engagiert ihn niemand mehr. Doch nun soll er die Sache übernehmen und das Team leiten. Arroganz, Karrieregelüste und Intrigen eines übergangenen Kolegen, der Ehrgeiz eines jungen Tauchneulings und nicht zuletzt die Skrupellosigkeit des amerikanischen Bevollmächtigten machen den ohnehin höchstgefährlichen Tauchgang zu einem Himmelfahrtskommando. Als der jüngste im Team gegen Roberts ausdrückliche Anweisung bei einem Bergungsversuch eingesetzt wird und umkommt, kippt die Stimmung vollends. Robert setzt schließlich alles auf eine Karte und zieht den Job durch. Doch obwohl er das Flugzeug tatsächlich begen kann, hat er am Ende alles verloren.
Der vermutlich stärkste der drei Taucher-Romane. Allerdings hätte ich jetzt auch keinen vierten mehr lesen mögen, denn das Konzept von Gier, Eitelkeit und dem Gefühl, eine Sache durchziehen zu müssen, was dann zum tragischen Ende führt, scheint mir jetzt ausgereizt.

David Grossmann: Der Kindheitserfinder
Das Buch habe ich vor Jahren angefangen, bin aber stecken geblieben, und dann wurde es auch noch Opfer eines Wasserschadens im Keller ... Jetzt also ein neuer Start mit einem neuen Buch. Erzählt wird die Geschichte des jungen Aaron Kleinfeld, der gerade mit dem Pubertieren beginnt. Seine Freunde sind schon viel weiter, und er ekelt sich ein wenig vor all den sexuellen Anspielungen, die sie machen. Zwischen Ekel und Faszination schwebt er auch, als er im Schrank der Eltern erotische Fotos entdeckt. Und vor allem die Nachbarin, in deren Wohnung er manchmal heimlich eindringt, beschäftigt seine Phantasie.
Dass die Frau auch Gelüste und Phantasien hat, zeigt sich, als sie sich ein erotisches Erlebnis ganz eigener Art verschafft. Sie bittet Aarons Vater, ob er als starker Mann ihr nicht eine Wand in der Wohnung einreißén könne. Sie wolle ein wenig umgestalten. Dem kräftigen, muskelbepackten, schweißnassen Mann mit bloßem Oberkörper bei dieser Arbeit zuschauen zu können, erregt die Frau offenbar sehr, jedenfalls engagiert sie ihn wenig später, eine weitere Wand einzureißen. Und noch eine. Wie soll man da in Ruhe die Pubertät durchziehen?
Aaron klammert sich an seine Kindheit, die alten Spiele, die Geheimzeichen, die er mit seinem Freund ausgemacht hat. Doch der ist ihm inzwischen ins Erwachsenenleben erntkommen. Und die Houdini-Nummer, mit der Aaron einmal auftreten will, ist auch kein sicherer Anker. Eher eine todgefährliche Übung.
Ein Roman, der einen zum sehr langsamen Lesen zwingt. Nachdenklich, manchmal mit einem bitteren Humor, irgendwo zwischen Kinderlogik und herber Resignation. Nicht schlecht, aber "Stichwort: Liebe" und "Zickzackkind" haben mir besser gefallen.

Khaled Hosseini: Drachenläufer
Geschichte zweier ungleicher Freunde in Afghanistan - und eines großen Verrats. Ein wirklich beeindruckendes Buch, das sich wie im Rausch liest und unter die Haut geht. Amir und Hassan wachsen zusammen in Kabul auf. Aber Hassans Vater ist der Diener von Amirs Vater. Amir gehört zum Volk der Paschtunen, Hassan zur ethnischen Mindeheit der Hazara, die von den Paschtunen unterdrückt und verfolgt werden. Doch zwischen beiden besteht ein besonderes Band, da sie die gleiche Hebamme hatten, also MIlchbrüder sind. Dennoch: Amir würde Hassan niemals als seinen Freund bezeichnen. Wohingegen Hassan alles für Amir tun würde.
Beim Drachenkampf von Kabul sind sie ein eingespieltes Team, und Hassan ist Amirs Drachenläufer: Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wo die im Kampf von ihren Leinen abgeschnittenen Drachen niedergehen. Und als Amir beim Turnier siegt, läuft Hassan los, um seinem verehrten Herrn den abgeschnittenen Drachen seines letzten Gegners zu bringen. Für Amir nur eine wertvolle Trophäe. Doch Hassan zahlt den höchsten Preis dafür, den ein Junge zahlen kann: Als er den Drachen findet und ihn Amir bringen will,. wird er von einer paschtunischen Jungengang bedroht. Er hätte freien Abzug erhalten, wenn er nur den Drachen herausgerückt hätte. Doch Hassan bleibt eigensinnig, will Amir nicht enttäuschen. Woraufhin die Jungen ihn anal vergewaltigen. Für Hassan ein furchtbares Erlebnis, schlimmer als der Tod. Für Amir, der heimlich zugesehen hat und dem Freund nicht beigesprungen ist, ein Moment des Versagens. Die Schuld, die Erkenntnis seiner Feigheit verändern Amir nicht zum Guten. Er kann Hassan, den er verraten hat, nicht mehr ertragen und versucht, ihn loszuwerden. Schließlich schiebt er ihm seine Uhr unter und behauptet, Hasssan habe sie gestohlen. Daraufhin ziehen Hassan und sein Vater fort.
Erst Jahre später, als die Taliban in Afghanistan die Macht überniommen haben und Hassan gestorben ist, gibt es für Amir eine Chance, seine Schuld abzutragen. Und Geheimnisse aus der Familiengeschichte zu erfahren, die ihn völlig aus der Bahn werfen ...
Ein Roman von der Härte und strengen Logik einer griechischen Tragödie. Unausweichlich fordert das Schicksal die Schuld Amirs ein - ein hoher Preis, den er zuletzt auch bereit ist zu zahlen, auch wenn er extreme Schmerzen auf sich nehmen und dem Tod begegnen muss. Beeindruckend und beschämend zugleich die unerschütterliche Ergebenheit Hasans, der bis zum Tode seinen Freund Amir als besten Freund der Welt geschildert hat. Es ist mehr als korrekt, dass Amir versucht, dieses Unrecht wieder gut zu machen. Einzigartig.



Frank Adam: Hornblower, Bolitho & Co.
Ein Buch über die Zustände in der britischen Marine zur Zeit der großen Romanhelden Hornblower, Bolitho & Co. Ich hatte mir den Inhalt ein bisschen anders vorgestellt. Im Prinzip hatte ich eine literaturwissenschaftliche Analyse erwartet, eine Untersuchung des literarischen Aufbaus, Charakterstudien der Helden, etwas zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte.
Das vorliegende Buch setzt seinen Schwerpunkt aber darauf, die Welt vorzustellen, vor deren Hintergrund diese Seefahrer-Romane spielen. Es werden die unterschiedlichen Schiffstypen vorgestellt, die Art der Besegelung, der Aufbau der einzelnen Decks, die unterschiedlichen Kanonentypen und wie sie bedient werden. Man erfährt etwas über Dienstränge und Uniformen, über die Höhe des Solds in den einzelnen Diensträngen und über die Verteilung von Prisengeldern. Dazu gibt es kurze historische Abhandlungen und Zeittafeln zu den einzelnen Epochen und die Vorstellung verschiedener wichtiger Seeschlachten der britischen Marine. Der Autor berichtet über die Hintergründe der Seeleute, ihre soziale Herkunft, die Ausbildung der Offiziere und Mannschaften und mögliche Aufstiegschancen, aber auch darüber, wie streng die Disziplin an Bord war, welche Strafen wofür verhängt wurden, wie das mit dem Anspruch auf Rum war. Berichtet wird auch über Prostituierte, die mit kleineren Schiffen im Hafen zum Kriegsschiff übersetzten, weil die Seeleute meist das Schiff nicht verlassen durften. Und es gibt umfangreiches statistisches Material. Zum Beispiel über Art und Umfang von Verwundungen und Krankheiten an Bord. Nein, die Wahrscheinlichkeit, an einer Kugel oder einem Säbelhieb zu sterben, war in der britischen Marine zur Hornblower-Zeit äußerst gering, diese Todesursache rangiert unter "ferner liefen". Weit häufiger waren es Krankheiten, meist aufgrund mangelnder Hygiene, und entzündete Bagatellwunden, die bei Arbeiten an Deck entstanden, die den Seeleuten den Garaus machten. Dazu gibt es meist in jedem historischen Kapitel eine kurze Übersicht, wo welcher Romanheld von den geschilderten Ereignissen betroffen war. Also: Viel mehr über die literarische Arbeit Forresters habe ich jetzt nicht erfahren, aber Leuten, die mal einen Seekriegsroman schreiben wollen, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Gabrielle C.J. Couillez: Die Rückkehr der Störche
Das Buch schildert laut Untertitel die bewegte Jugend des Georg Wilhelm Schimper, eines Kurpfälzer Naturforschers und Reisenden. Schimper stammte aus einem veramten Adelsgeschlecht. Der Vater hatte sich allerdings aus dem Staub gemacht, Georg Wilhelm, sein Bruder und die alleinerziehend Mutter leben in bitterer Armut und müssen sehen, wie sie über die Runden kommen. Die Autorin schildert die Jugend des Protagonisten, also die Zeit, bevor er zu seinen Reisen aufbricht und berühmt wird.
Es sind Hungerjahre, die die Schimpers durchstehern müssen. Georg Wilhelm wird zu Verwandten geschickt und soll ein Handwerk lernen. Der Bruder ist für den Pastorenstand vorgesehen. Aber Georg Wilhelm kann von dem gleichfalls armen Meister nicht mehr beschäftigt werden. Und in seiner Heimatstadt findet er nach Ende der Lehre ebenfalls keine Anstellung. So bleibt nur die eine Chance, sich als Soldat zu verpflichten. Gleichzeitig muss er sich um die kranke Mutter kümmern, während der Bruder sein Studium vernachlässigt und sich stattdessen um Naturforschung bemüht und Pflanzen sammelt.
Es ist schwer zu entscheiden, wer von den beiden nun der größere Hallodri ist. Der Bruder, der sein Studium schleifen lässt und nur dem Hobby des Pflanzensammelns fröhnt, den daheimgebliebenen Bruder mit der kranken Mutter immer wieder um Geld anhaut, ihn gar zu erpressen sucht. Oder Georg Wilhelm, der tatsächlich seinen Bruder einmal finanziell übervorteilt hat und der sich nun in immer neuen Weibergeschichten sein Mütchen kühlt.
In zahlreichen Briefen der Brüder stellt die Autorin das Verhältnis der beiden sehr lebensnah dar und zeigt, wie es damals war, wenn man aus ärmlichen Verhältnissen kam und etwas zum Beißen brauchte. Doch schließlich kann Schimper seine Vorgesetzten überzeugen, dass er naturwissenschaftliche Studien machen und eine Studienreise in den Süden unternehmen muss. Der Roman endet, als das, wofür Schimper eigentlich bekannt ist, erst losgeht. Eine sehr interessante Vorgeschichte seiner Lebensleistung und eine gelungene Vorstellung eines inzwischen leider vergessenen Forschers.


© Petra Hartmann

Weitere Jahresrückblicke:
Teil I: Januar bis März 2020
Teil II: April bis Juni 2020
Teil III: Juli bis September 2020
Teil V: Dezember 2020


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Jahresrückblick Teil III: Juli bis September 2020

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2020 · 237 Aufrufe
Jahresrückblick
Lese-Rückblick auf das dritte Quartal 2020. In diesem Sommer habe ich recht wenig gelesen. Dafür ist mit drei rotmarkierten Titeln auf dieser Liste die Zahl der Bücher, von denen ich euch ausdrücklich abraten möchte, diesmal besonders hoch. Ebenfalls auffallend hoch ist der Anteil an Hörbüchern. Der Rest ist erneut eine Mischung aus Phantastik, Haskala-Literatur, Antike, etwas Lyrik, dazu ein Thriller, Kinderbücher und Goslarisches. Schaut einfach mal rein, ob etwas für euch dabei ist ...



Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.



Juli

Philo of Alexandria: Flaccus
Eine englische Übersetzung des Textes. Die Schrift entstand zu der Zeit, als Philo Leiter einer Gesandtschaft aus Alexandria nach Rom war und sich bei Kaiser Caligula über judenfeindliche Ausschreitungen beschweren wollte bzw. um den Schutz des Kaisers für die jüdische Gemeinde ersuchte. Flaccus war Chef der Gegen-Delegation, und in dieser Schrift stellt Philo seinen Gegner näher vor.
Der Text ist eines der On-demand-Produkte, von denen ich einige hier schon übelst verrissen habe. Diese Textfassung aber ist absolut in Ordnung, die Buchstaben sauber umgewandelt, alles sehr lesbar. Das Büchlein ist sehr dünn, der Preis etwas höher als für ein vergleichbares "normales" Buch, aber ebenfalls in Ordnung. Etwas schade finde ich, dass absolut keine bibliografischen Angaben gemacht werden. Aus dem Buch geht weder hervor, welche Ausgabe die Quelle war, noch erfährt man den Namen des Übersetzers. Zitierfähig ist es also nicht. Aber besser als nichts.


Günter Abramowski: das leichte ist im schweren


Ina Frodermann: Die jüdische Aufklärung in Preußen. Im Spiegel der Berlinischen Monatsschrift 1783-1796
Ich gestehe, ich war etwas schockiert, als ich das Buch aus dem Briefkasten fischte. Ich hatte beim Bestellen nicht auf die Seitenzahl geachtet und sah nun, dass ich ein weniger als 100 Seiten umfassendes, on demand produziertes Taschenbuch zum Preis von 49 Euro erworben habe. Und nicht mal ein besonders innovatives, wegweisendes wissenschaftliches Werk, sondern offenbar eine studentische Abschlussarbeit.

Ich möchte die Verfasserin nicht diskreditieren. Sie hat sorgfältig ihr Thema abgearbeitet, ein bisschen schulmäßig zwar, aber ich bin sicher, dass sie dafür eine gute Note bekommen hat. Trotzdem: Die zweibändige, gebundene Ausgabe der Schrift über die "bürgerliche Verbesserung der Juden" von Christian von Dohm (siehe meinen Rückblick aufs zweite Quartal) mit insgesamt 640 Seiten und vorbildlichen Beigaben kostet nur 44,95 Euro. Das mal zum Vergleich.
Beim Googeln nach dem Verlag, dem VDM Verlag Dr. Müller, stieß ich auf den Artikel "Die akademische Müllhalde" in der Zeit. Der erklärt vieles.
Also, kurz zum Inhalt: Das Buch widmet sich der Haskala, der jüdischen Aufklärung, und zwar soll es besonders um die Haskala im Spiegel der Berlinischen Monatsschrift gehen. Die Autorin betrachtet dabei ausgewählte Artikel der Maskilim, der jüdischen Aufklärer. Mehr als eine Auswahl war sicher durch das zur Verfügung stehende Zeitfenster nicht möglich, eine Komplettanalyse erst recht nicht. Das ist in Ordnung. Weniger gefallen hat mir beim Lesen, dass ungefähr die Hälfte des Buches für Erklärungen der Vorgeschichte und der Grundlagen verwandt wird. Eher schulmäßig, das schrieb ich ja schon. Die Autorin referiert die Debatte über Dohms Schrift zur "bürgerlichen Verbesserung" und stellt andere Versuche zur Emanzipation der Juden vor, sie erläutert die Problematik der Judeneide und gibt kurz den Inhalt von Moses Mendelssohns Werk "Jerusalem" wieder. Sie stellt die Diskussion zwischen Mendelssohn und Michaelis dar und erklärt ausführlich, was Haskala eigentlich bedeuet. Außerdem referiert sie biografische Daten Mendelssohns, erzählt etwas über seine Bedeutung und über seine Positionen, über seine Freundschaft mit Lessing, sein Wirken, sein zweites großes Werk, den "Phädon".
So bleibt für das eigentliche Thema relativ wenig Platz. Im zweiten Teil widmet sie sich dann einigen wichtigen Texten jüdischer Aufklärer in der Berlinischen Monatsschrift. Dabei fokusiert sie sich auf Moses Mendelssohn, Salomon Maimon und Lazarus Bendavid sowie David Friedländer. Betrachtet werden Mendelssohns "Beantwortung der Frage: Was heißt aufklären?", David Friedländers "Rabbinische Parabel" und Texte zu Kant von Maimon und Bendavid. Weitere Themen sind die Debatte um die frühe Beerdigung bei Juden und ein Vorschlag, das Purimspiel abzuschaffen. Außerdem geht es um die Modernisierung des Schulwesens und die Gründung der jüdischen Freischule.
Sehr spannend fand ich den Vergleich zwischen jüdischem Außendiskurs und den innerjüdischen Debatten. Frodermann zieht in ihrer Schlussbetrachtung das Fazt, dass die Maskilim für die kontroverseren innerjüdischen Debatten nicht die Berlinische Monatsschrift als Podium wählten, sondern beispielsweise die hebräische Zeitschrift Hame'assef. Hier gab es durch die hebräische Sprache einen gewissen Schutzraum, und man konnte wirklich "unter sich" diskutieren. In der Monatsschrift dagegen diskutierten die Maskilim zum einen Themen der klassischen Spätaufklärung, mit denen sich auch christliche Aufklärer befassten, zum anderen versuchten die Maskilim dort, Verständnis für die jüdische Sondersituation zu finden und um Verbündete gegen antijüdische Angriffe zu werben.
Nochmal: Keine schlechte Arbeit, aber eben ein studentischer Text zu einem völlig überzogenen Preis.


Katharina Richmond: Die Entwicklung der jüdischen Erziehung während der Haskala
Und gleich noch ein zweites Mal reingefallen. Gleicher Bestellvorgang, anderer Verlag. Grin arbeitet nach demselben Prinzip wie der VDM Verlag Dr Müller und veröffentlicht studentische Arbeiten zu horrenden Preisen. Dies Büchlein hat 10 Seiten, davon sieben Seiten Text. Kostenpunkt: 9,99 Euro. Der Studentin, die dieses Referat verfasst und auch ordentlich zitiert und viel Sekundärliteratur benutzt hat, gönne ich die Tantiemen von Herzen, aber geärgert habe ich mich doch. Und auf Grin werde ich nie wieder reinfallen.

Paul Wendland: Die philosophischen Quellen des Philo von Alexandria in seiner Schrift über die Vorsehung. Berlin, 1892. (Reprint Forgotten Books 2018.)
Rechtefreier Text aus der Public Domain, den Scan erhielt der Verlag für umme und warf ihn dann als Book on demand auf den Markt.
Dieser Nachdruck ist ein absoluter Reinfall. Offenbar wurde das Original falsch eingescannt oder die Druckvorlage schlecht formatiert. Jedenfalls fehlen auf jeder rechten Seite rund zwei Zentimeter vom Zeilenende, sodass nur die linken Seiten problemlos lesbar sind. Ich habe das Buch leider ziemlich lange auf meinem SUB liegen lassen, bevor ich es aufschlug, und da war es für einen Umtausch zu spät. Also: Finger weg davon. Ich hole mir mal irgendwann das Original in der Landesbibliothek, wenn Corona vorbei ist ...


Reimer Boy Eilers: Die Schiffbrüchigen von Tumbatu



August

Arno Herzig, Hans Otto Horch, Robert Hütte (Hrsg.): Judentum und Aufklärung
Eine sehr vielseitige und interessante Aufsatzsammlung, die ich mit viel Gewinn gelesen habe. Vor allem, da auch einige Themen enthalten sind, die ich bislang gar nicht auf dem Schirm hatte. Spannend fand ich den Aufsatz über den Dialog zwischen jüdischen Ärzten und Rabbinern über das Thema Beschneidung, in dem zwei Gruppen, die beide hohe Kompetenz und Autorität mitbrachten, miteinander ins Gespräch kamen. Ebenfalls interessant die Diskussion um verschiedene Architekturstile beim Bau von Synagogen, entweder stark an christlichen Bauten orientiert oder eben ganz bewusst als an den Orient erinnernder Gegenentwurf. Man erfährt etwas über die Rolle des Lehrers als Verfasser und Akteur der Ghetto-Literatur, über Hofjuden als Vorreiter und Wegbereiter, die durch ihre Kontakte und ihren Einfluss viel bewegen konnten. Außerdem etwas über die jüdische Freischule in Berlin und ihre Programmschriften, über eine Huldigungsrede an den Preußenkönig und über israelitische Kreisversammlungen in Bayern. War spannend und las sich sehr flüssig, viel gelernt.

Hans-Joachim Pülm: Ruß oder Hohlwanges Sicht der Dinge
Ein Krimi, verfasst von einem ehemaligen Golsarer. Es geht um einen Schornsteinfegerlehrling, der ein Verbrechen beobachtet. Eine Buchvorstellung von mir gibts in der Goslarschen Zeitung. Wer den Text lesen mag, findet ihn hier (hinter der Bezahlschranke):
https://www.goslarsc...id,1522115.html

Aufgeben ist keine Option! Die Storys zum Marburg-Award 2020
Woher wusste der Marburger Verein für Phantastik nur, dass wir in diesem Jahr wirklich jede positive Geschichte brauchen, die wir kriegen können? Die Ausschreibung zum Marburg-Award 2020 war ein Aufruf zum Schreiben von phantastischen Storys der mir noch völlig unbekannten Genres Solar Punk, Hope Punk oder Noble Bright. Gesucht waren optimistische Beiträge, die Mut machen und positiv in die Zukunft blicken. Herausgekommen ist eine sehr lesenswerte Anthologie mit spannenden Geschichten. Allerdings, das muss ich auch zugeben, Literatur scheint mir doch etwas eher auf das schlechte Ende, das großartige Scheitern ausgelegt zu sein. Irgendwie fehlte mir dann doch die Tragik. Trotzdem: ein guter Ansatz, sehr spannend.

Antonia Michaelis: Wind und der geheime Sommer
Ein zauberhaftes Buch, sowohl die Geschichte als auch die Illustrationen. Wind, die Titelheldin ist ein seltsames Mädchen, das allein auf einem wilden Gelände hinter einem Bauzaun lebt und Geige spielt. Und: Wind kann zaubern. Oder jedenfalls so lebendig erzählen, dass all die abenteuerlichen Landschaften, die sie ihren Freunden beschreibt, wirklich und wahrhaftig spürbar werden. Afrikanische Savannen, Weltmeere, ein geheimnisvoller Cenote - eine überflutete Höhle im Urwald - oder ein Tempel südamerikanischer Indianer, die Kinder stürzen von einem Abenteuer in ein anderes, eines spannender und zauberhafter als das vorherige.
Aber: Winds Zauberzeit ist begrenzt. Wenn die Sommerferien zu Ende sind, ist alles aus, sagt sie. Ob sie sterben wird oder nur wegziehen? Ihre Freunde wissen es nicht, aber vor allem für John-Marlon ist die Vorstellung beängstigend. Wer verstreut die sonderbaren Blütenblätter in Winds Welt und dringt sogar in ihr Baumhaus vor? Die dunklen Gestalten, die manchmal auf dem Gelände auftauchen, sind jedenfalls keine Abenteuer-Figuren aus Winds Märchen.
Liebenswürdig, melancholisch, zauberhaft, ein echter Michaelis eben.



September

Linda Budinger: Der siebte Schrei (e)
Packender Thriller um einen Serienmörder, der kleine Jungen entführt und zu Tode quält. Sechsmal hat der Mann bereits zugeschlagen. Fünf Jungen starben. Der sechste konnte entkommen. Aber der sechste Junge ist stumm, er war es schon vor der Entführung, und nun ist er verstört und traumatisiert, sodass seine Aussagen bei der Suche nicht sehr hilfreich sind. Dann wird ein siebter Junge entführt. Für die Polizei beginnt ein Rennen gegen die Zeit. Ist der siebte Junge noch am Leben, und kann er gerettet werden? Ein FBI-Agent versucht noch einmal, mit dem entkommenen Jungen ins Gespräch zu kommen - in der Hoffnung, doch noch Informationen über den Täter zu erhalten.
Linda Budinger versteht viel von Psychologie und Charakterzeichnung. Die Begegnung und die Gespräche zwischen dem neunjährigen Steve Wells und dem Special Agent Deacon Hamilton sind unglaublich intensiv und berührend. Ja, es ist ein Thriller, Gewalt und Action gehören auf jeden Fall mit dazu bei diesem Fall und diesen Ermittlungen, und es sind ausgesprochen harte Szenen dabei. Linda Budinger kann das sehr gut. Aber das, was diesen Roman vor allem ausmacht, was die Geschichte wirklich unter die Haut gehen lässt, das ist die Spannung, die entsteht, wenn die unterschiedlichen Personen aufeinandertreffen. Wenn Hamilton versucht, in die stumme Welt Steves vorzudringen. Wenn ein tumber, karrieregeiler Kollege Steve "hart rannimmt", um die Ermittlungen zu beschleunigen, der daraufhin wieder vollkommen blockiert. Wenn Steve bei seiner Pferdetherapie langsam wieder zu sich zurückfindet, Rückfälle erlebt, neues Vertrauen fasst. Und wenn der gestörte Mörder sich seiner besonderen Liebe mit Hingabe widmet.
Langsam fügt sich ein Puzzleteil zum anderen. Und endlich erkennt Deacon etwas Ungeheuerliches: Steve entkam dem Mörder nicht trotz seiner Behinderung, sondern gerade weil er stumm ist ...
Beeindruckend.
Eine Kleinigkeit am Rande: Ein bisschen schmunzeln musste ich, als die Autorin einen klassischen Lapsus deutschsprachiger Schriftsteller machte, die ihre Geschichten im englischsprachigen Raum spielen lassen: Deacon und Steves Reitlehrerin Marina River kommen einander durch ihren gemeinsamen Kampf für den Jungen so nahe, dass sie irgendwann offiziell ins "vertrauliche Du" wechseln. Dann steht einer intensiveren Beziehung ja nichts mehr im Wege ...

Hans Baumann: Orpheus
Sehr schön illustriertes Kinderbuch, das inzwischen 30 Jahre alt ist. Ich habe es auf Amazon Marketplace gefunden, und da ich Baumanns Kinder- und Jugendbücher sehr schätze, habe ich natürlich zugegriffen. Da es sich um ein Bilderbuch handelt, wird keinen wundern, dass das dramatische Finale der Orpheus-Sage ausbleibt. Der Mann wird nicht am Ende von schwärmenden Mänaden zerrissen. Er sitzt am Ende traurig da, als er seine geliebte Eurydike ein zweites Mal verloren hat, doch dann kommt ein Hirte, der den wundersamen Sänger um Hilfe bittet: Ein furchtbarer Löwe bedrohe sein Dorf, erzählt er. Und Orpheus steht auf, nimmt seine Leier und folgt dem Hirten, um den Löwen zu zähmen.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der ein wenig anders als die anderen ist. Verstoßen von seinem Vater, weil er nicht Bogenschießen, sondern die Leier spielen will. Ein Mann, der die wilden Tiere mit seinem Leierspiel zähmt, von einer jungen Taube begleitet wird und einen Löwen als Freund gewinnt. Als Teilnehmer des Argonautenzugs tut sich Orpheus besonders hervor. Seine Musik gibt den ermatteten Ruderern neue Kraft, weckt den Wind, stillt Stürme, teilt einen Fluss.
Es ist seine Taube die den Flug zwischen den zusammenschlagenden Donnerfelsen hindurch wagt, dann bannt Orpheus die Felsen und lässt sie stillstehen, sodass die Argo sicher hindurchgleiten kann. Schließlich singt er sogar den Drachen in den Schlaf, der das Goldene Vlies bewacht. Ja, und dann die große Liebe, der Tod Eurydikes, der Weg durch die Unterwelt. Sehr schön. Solche Kinderbücher gibt es heute wohl nicht mehr ...

L. Frank Baum: OZ - The complete edition (e)
- Teil 1: The wonderful wizzard of Oz

Kostenloses eBook, das ich mir auf den Kindle geladen habe. Es enthält die komplette Oz-Serie, alle 14 Teile. Gebt zu, dass es so viele gibt, habt ihr nicht gewusst.
Teil 1 ist wahrscheinlich allerseits bekannt. Dorothy wird durch einen Tornado samt Farmhaus und Hund Toto ins wundersame Land Oz geweht, wird als Retterin betrachtet, da ihr Haus auf eine böse Hexe gefallen ist und diese erschlagen hat, und muss sich nun auf die Suche nach dem Zauberer von Oz machen, der sie vielleicht wieder nach Hause bringen kann. Unterwegs trifft sie eine Vogelscheuche, die sich selbst für strunzdumm hält und gern Verstand hätte, einen furchtsamen Löwen, der gern mutiger wäre, und einen Holzfäller aus Zinn, der sich ein Herz wünscht. Das große amerikanische Märchen. Und den Film kennt vermutlich auch jeder. Die Sprache fand ich sehr einfach, ich kam mit meinem Englisch gut durch und hatte keinerlei Probleme. Klar, ich wusste ja auch, worum es geht. Ab Folge drei gab es etwas mehr zu knabbern, aber das hört ihr dann im nächsten Quartal ...



Hörspiel/Hörbuch

Abenteuer & Wissen: Ludwig van Beethoven. Musik für eine bessere Welt
Das wird auch Zeit, dass ich im Beethovenjahr endlich mal dem Meister meine Reverenz erweise. Das Hörspiel stammt aus der Reihe "Abenteuer & Wissen", die ich in der Zeit, als die Hörspiele noch von Maja Nielsen stammten, sehr geliebt habe. Das hier ist, sagen wir, redlich. Es wird sehr redlich die Lebensgeschichte des Komponisten abgearbeitet, die Pflichtstationen werden besucht. Vom kleinen Jungen, der Eier stahl und nachts von seinem Vater mit Klavierunterricht gequält wurde, zum selbstbewussten Genie, das auch der kaiserlichen Kutsche in Teplitz nicht auswich: Goethe tritt zur Seite und verneigt sich, Beethoven bleibt stehen, und die Kauiserin muss ihm ausweichen ... Von der Formel "Mozarts Geist aus Haydns Händen" bis zum Heiligenstädter Testament, vom tauben Genie, das die neunte Sinfonie dirigiert und nach der Aufführung umgedreht werden muss, damit es den tosenden Beifall sehen kann. Alles da. Aber es fehlt einfach der Zauber. Und irgendwie kommen die Abgründe und die Dramatik nicht rüber. So bleibt es die Geschichte eines weitherzigen Menschenfreundes, die jemand in hölzerne Dialoge umgesetzt hat, damit Kinder sie auf eine vermeintlich kindgerechte Weise lernen sollen. Alles inhaltlich ganz okay, aber es hat einfach nicht das gewisse Etwas.


André Wiesler: Protektor - Monsterjäger mit Sockenschuss
Bingo - Volltreffer! Das war das absolut Genialste, was ich dieses Jahr gehört habe. Die Konstellation "Loser wird berufen, die Welt zu retten, und schafft es auch" ist zwar nicht neu, aber das, was André Wiesler daraus macht, ist einfach nur umwerfend.
Sein Held, Klaus Holger, Langzeitarbeitsloser, der schon lange die Kontrolle über sein Leben verloren hat, Zyniker und Pechvogel, ist vollkommen perplex, als die bildschöne Veronique ihn anspricht und abschleppen will. Und Veronique, altgediente Monsterjägerin schon aus Zeiten der Inquisition, ist genau so perplex, als sie kapiert, zu was für einem Volltrottel ihn ihre übersinnlichen Begeliter geführt haben. Dieser Idiot soll tatsächlich ihr Nachfolger sein und die Menschheit vor Dämonen und Teufeln retten?
Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, als Klaus Holger das mächtige Protektorensiegel in die Handfläche eingebeizt bekommt. Und es wird auch nicht besser, als sich sein "Tierbegleiter" zu ihm gesellt. Jeder Protector hat ein seelenverwandtes Tier an seiner Seite, das ihn im Kampf gegen das Böse unterstützt. Veroniques animalischer Seelenfreund war ein stolzer Silberlöwe. Das Entsetzen ist groß, als vor Klaus Holgers Tür plötzlich eine Kuh auftaucht, die bei ihm einziehen will. Aber nützlich ist diese Kunigunde mit ihren großen treuen Augen und ihrem noch größeren Herzen allemal. Zum Beispiel, wenn man einen Rammbock braucht, um eine Tür zu aufzusprengen, hinter der der eigene Vater Messdiener bei einem satanischen Ritual ist und sich an einem Huhn vergeht.
Verdammt nochmal, warum habe ich dieses Hörbuch erst jetzt entdeckt. Kauft! Dieses! Hörbuch!

Abenteuer und Wissen: Alexander von Humboldt
(Nach dem Beethoven-Hörspiel stieß ich auf die "Kennenlernbox" der Reihe "Abenteuer und Wissen" und dachte mir, man kann es ja nochmal versuchen, auch ohne Maja Nielsen. Ich bekam also drei CDs: Alexander von Humboldt, Albert Einstein und Edmund Hilary. Das Angebot ist sehr günstig.)
Ich habe es ja eigentlich mehr mit Wilhelm von Humboldt, aber ab und zu bin ich doch auch mit seinem kleinen Bruder unterwegs. Das vorliegende Hörspiel beginnt mit einem abenteuerlichen beinahe-Schiffbruch auf dem Orinoco und blendet dann zurück und erzählt, wie der Wissenschaftler und Weltreisende dorthin kommen konnte. Los geht es mit der Kindheit in Tegel, wo die beiden Brüder von einem Hauslehrer erzogen werden, Wilhelm ist recht fleißig beim Lernen, Alexander träumt sich davon in die Welt. Doch bis er dahin kommt, fließt noch viel Wasser den Orinoco hinunter.
Gezeichnet wird das Bild eines Mannes, der sehr offen und wertschätzend auf seine Mitmenschen, auch auf Angehörige anderer Völker und Kulturen, zugeht, und ich denke, dass das der Zug ist, den das Hörspiel wirklich am besten eingefangen hat. Ein Europäer, der nicht als Eroberer in die neue Welt fährt, sondern ernsthaft am Gespräch interessiert ist, der von den dortigen Menschen lernen will und der auch an die Natur nicht mit dem Skalpell, sondern mit Bleistift und Skizzenbuch herangeht, Zusammenhänge begreift, Ökosysteme und Klimazonen erkennt und versteht.
Ein wenig gewurmt hat es mich, dass der Autor den großen Bruder Wilhelm so herablassend über den kleineren reden lässt. Naja, die beiden werden als Kinder schon so oder so ähnlich mit einander umgegangen sein. Letzten Endes sind beide aber ganz besondere Menschen geworden.
Übrigens, eine interessante Duplizität der Ereignisse: Im November habe ich ein Buch über Wilhelm von Humboldt gelesen, in dem erwähnt wird, dass er einmal beinahe ertrunken wäre, wenn ihn ein Freund nicht gerettet hätte. Hier im Hörspiel ist die Szene, als Alexander beinahe im Orinoco ertrunken wäre, wenn ihn sein Freund Bonpland nicht herausgefischt hätte, sehr eindrucksvoll dargestellt. So ist das wohl mit Geschwistern, vieles wiederholt sich ...

Abenteuer und Wissen: Albert Einstein
Ordentlich erzählte Lebensgeschichte eines genialen, etwas weltfremden Mannes, der Atome und die Lichtgeschwindigkeit verstand, aber es nicht auf die Reihe brachte, sein Haar ordentlich zu kämmen oder gleichfarbige Socken anzuziehen. Tragisch die Geschichte mit seiner ersten Ehefrau Milena, dem vorehelichen Kind und ihrer wohl deswegen verpatzten Prüfung. Sehr gut getroffen seine Ablehnung von Uniformen und Gleichdenkerei. Ein Mensch, der für Menschenwürde und humanistische Werte eintrat - und dann der große Sündenfall, als die Nazis immer stärker wurden und er dem amerikanischen Präsidenten zum Bau der Atombombe riet. Das Hörspiel ist lang und enthält viele Details. Aber es fehlt auch hier wieder das Berührende, der Haken, der hängen bleibt und unter die Haut geht. Es ist okay, nicht mehr und nicht weniger. Aber mir fehlt das Mehr.

Abenteuer und Wissen: Edmund Hillary
Geschichte der Erstbesteigung des Mount Everest. Und was davor war. Man erfährt einiges über Hillarys Jugend, seine furchtbaren Verbrennungen bei einem Bootsunfall, seine Frau und die Faszination des Bergsteigens. Und auch das ist ein wichtiger Faktor: Geld. Denn ein guter Freund und mindestens ebenso guter Bergsteiger aus Hillarys Team kann dem Ruf an den Everest einfach nicht folgen, weil ihm die nötige Kohle fehlt. Ddann ist es tatsächlich so weit: Edmund Hillary und Tenzing Norgay machen sich auf zum höchsten Gipfel der Welt.
Interessant ist auf jeden Fall, dass die Hörspiel-Macher als Gesprächspartner Reinhold Messner gewinnen konnten, der an einigen Stellen die Situation Hillarys kommentiert und eigene Erfahrungen als Everest-Besteiger beisteuert.
Es ist nicht schlecht. Aber gerade hier ist der direkte Vergleich zu Maja Nielsens Hörspielen möglich: Kennt ihr das packende, unter die Haut gehende Hörspiel, das sie über die Everest-Expedition von George Mallory und die Suche nach seiner Leiche gemacht hat? Die Gänsehaut davon habe ich noch immer.


Weitere Jahresrückblicke:
Teil I: Januar bis März 2020
Teil II: April bis Juni 2020
Teil IV: Oktober und November 2020
Teil V: Dezember 2020


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Jahresrückblick II: April bis Juni 2020

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2020 · 212 Aufrufe
Jahresrückblick
Willkommen zum zweiten Teil meines Jahres-Leserückblicks. Im zweiten Quartal 2020 habe ich den Spagat zwischen Karl May, Turnvater Jahn, Gertrude Stein und Don Juan versucht. Außerdem habe ich mich intensiv mit Christian von Dohm befasst, zu dessen 200. Todestag ich unbedingt einen Artikel schreiben musste. Dazu ein wenig Goslar-Literatur, Zeitreisen und Alternativ-Historie, Antike, Comics, erneut Haskala. Ach ja, und ich habe sehr viel über Aale gelernt.

Viel Spaß beim Lesen. Vielleicht ist ja etwas für euch dabei.

Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


April

Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin
Hm. Arno Schmidts ironisch-sarkastische Abrechnung mit Karl May und dessen Werken stand schon seit Jahrzehnten auf meiner To-do-Liste. Eigentlich habe ich das Buch schon vor einigen Jahren aus der Bibliothek ausgeliehen, als ich einen Artikel über das Thema "Gegenerde" schrieb und dabei auch auf den Stern Sitara als Mays Gegenerde eingehen wollte. Ich stellte jedoch ziemlich schnell fest, dass es in Schmidts Buch um etwas ganz anderes ging, und verschob dann die Lektüre. Jetzt habe ich es mir antiquarisch besorgt und endlich gelesen.
Worum geht es? Arno Schmidt will Karl May, einen der Lieblings-Trivialschriftsteller der braven Deutschen, als Homosexuellen bloßstellen und nimmt sich dafür schwerpunktmäßig den Wildwestteil des May'schen Kosmos vor. Dabei befasst er sich mit Personenbeschreibungen - etwa der sehr liebevollen Beziehung zwischen Winnetou und Old Shatterhand, aber auch mit Männern in Frauenkleidern wie der Tante Droll und ähnlichem - sowie mit Wortuntersuchungen und mit Mays Landschaftsschilderungen.
Okay, die Winnetou-Old Shatterhand-Sache leuchtet tatsächlich ein, deckt sich auch mit meinen eigenen Leseerfahrungen. So zärtlich, wie dieser Ich-Erzähler den Apachen beschreibt, redet tatsächlich nur ein verliebtes Turteltäubchen, und Schmidt stellt eine ganze Menge Szenen zusammen, bei denen man sich des Gedankens nicht erwehren kann: Oha, ja klar, die haben Sex miteinander.
Etwas fragwürdig scheint mir Schmidts Methode beim sprachlichen Teil. Da werden seitenlang Zitatstellen angeführt, in denen der Verfasser alles kursiv gesetzt oder mit einem Ausrufungszeichen versehen hat, was irgendwie auf Wörter wie Anus oder Po oder Hintern hinweisen könnte. Wenn Winnetou "indianische" Kleidung trägt, zieht Schmidt die Silben als "in-di-anisch" auseinander. Alles was imposant oder imponierend erscheint, alles was empor steigt, wird von Schmidt als Hinweis auf Analsex aufgelistet. Männer, die hinter einander gehen oder gar reiten dito. Überhaupt: Reiten - da kann ja nur Geschlechtsverkehr gemeint sein. Verdammt, was sollen sie denn machen, wenn sie die Kiowas auskundschaften wollen? Sollen sie die U-Bahn nehmen?
U-Bahn?, würde Schmidt sofort nachfragen. Ist das nicht dieses längliche harte Ding, das in den dunklen Tunnel rein und wieder raus fährt? Schon mal überlegt, was eine U-Bahn für Sie bedeutet, Frau(!) Hart(!) Mann(!)?
Jedenfalls ist die Po-Wort-Sammlung sehr akribisch zusammengetragen. Wenn Schmidt etwas macht, dann macht er es gründlich. Ich glaube nicht, dass ihm im Gesamtwerk Mays irgend ein Hintern entgangen ist. Wenn ich mal viel Zeit habe und nichts Besseres zu tun weiß, führe ich mal eine ähnliche Analyse (Anal-yse) anhand des Telefonbuchs von Hannover durch und weise nach, dass die Telekom für'n Arsch ist.
Zur Höchstform läuft Schmidt aber auf, wenn er May beim Malen homoerotischer, analfixierter Landschaften beschreibt beziehungsweise erwischt. Jeder Doppelberg ist ein Hintern, jeder Taleinschnitt die Pofalte, jedes stinkende Wasserloch oder dünne Rinnsal darin ... ach, das brauche ich nicht weiter auszuführen. Jeder Kaktus oder Solitärbaum ist natürlich ein Phallus, jeder Busch oder Wald steht für Schambehaarung. Ein Becken, eine Oase im Kaktusfeld, naja, mir fällt absolut kein in der Natur vorkommendes Phänomen ein, das Schmidt nicht sexuell interpretieren kann. Was hätte er wohl aus meinen movennischen Landschaften gemacht, aus dem Lilienmeer oder dem Schottergebirge?
Das Ganze erinnert an das lückenlose Wahnsystem eines Paranoikers. Wobei Schmidt seinem Autor zugute hält, dass dieser vermutlich diese Landschaftsbilder "unbewusst" entsprechend seiner Neigung gemalt hat. Nicht ganz klar war mir allerdings, was Schmidt - bewusst oder unbewusst - in dieses Wahnsystem hineingetrieben hat. Hat er es nicht gemerkt? Jedenfalls ist es eine enorme Fleißarbeit. Den Gesamt-May durchzukauen und alle Stellen zu unterstreichen, an denen die Silbe "po" vorkommt, das deutet schon auf eine gewisse Fixiertheit hin.
Fazit: Sehr interessant, aber auch ziemlich irre.


Peter Hacks: Ascher gegen Jahn. Ein Freiheitskrieg
Dieses Buch ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen natürlich wegen des Inhalts, zum anderen aber wegen der Ausstattung. Denn der Essay, in dem Hacks sich mit Ascher auseinandergesetzt hat, kommt nicht als einsames kleines Büchlein daher, sondern als Teil einer Dreierbox. Zusammen mit dem Buch von Hacks befinden sich in dem Schuber ein Buch mit vier Schriften von Ascher und ein Buch mit Jahns Schrift über das "Deutsche Volkstum" (beide siehe unten). Es handelt sich um drei Hardcover-Bände mit Schutzumschlägen in unterschiedlichen Farben. Aschers vier Schriften und Jahns "Volkstum" sind Hacks Essay sozusagen als Dokumente mit beigegeben, sodass man den Konflikt, den Hacks schildert, anschließend an den Originaltexten nachvollziehen kann.
Der Essay selbst kommt sehr leichtfüßig und elegant daher, lässt sich gut und flüssig lesen, stellt mit Ascher einen Mann vor, der relativ unbekannt und inzwischen fast völlig vergessen ist, und macht durch seine spannende Darstellung durchaus Lust, sich wieder mehr mit Ascher zu befassen.
Hacks geht aus von den beiden Dingen, die heute einem gebildeten Menschen noch über Ascher im Gedächtnis sein könnten. Das ist zum einen der Abschnitt in Heines "Harzreise", in der Ascher als Vernunft-Doktor überzeichnet dargestellt wird und dem Reisenden in einem Alptraum als Gespenst erscheint, das ihm gleichzeitig äußerst vernünftig und im Sinne der Aufklärung darlegt, dass es keine Gespenster gibt. Die andere Erinnerung, die heute noch mit Ascher verbunden ist, ist die Bücherverbrennung auf dem Wartburg-Fest, bei der Aschers Schriften verbrannt wurden. (Siehe auch meinen Eintrag im 4. Quartal 2019, als ich begann, Ascher wiederzuentdecken.)
Hacks analysiert, warum die Wartburg-Leute einen solchen Hass auf Ascher hatten, und legt die Konflikt-Linien offen. Vor allem war es die Auseinandersetzung mit Fichte, die Ascher auf die schwarze Liste der deutschtümelnden Burschenschafter brachte. Ascher hatte Fichte wegen dessen offen antisemitischer Haltung scharf angegriffen, vor allem in seiner Schrift "Eisenmenger der Zweite". Aber auch seine "Germanomanie", mit der Ascher gegen die immer einflussreicher werdenden Nationalisten und ihre Juden- und Franzosenfeindschaft zu Felde zog, erregte den Zorn der Burschenschafter, was zur Verbrennung der Schrift führte.
Allerdings legt Hacks auch dar, dass der tumbe Turnvater Jahn wohl eher ausführendes Organ war, als er Aschers Schrift ins Feuer warf. Die eigentlichen Drahtzieher im Hintergrund waren demnach Fichte und seine akademischen Verbündeten.
Ein sehr schöner, gediegener, sprachlich und inhaltlich gelungener und lehrreicher Essay. Einen halben Punkt Abzug gibt es für die fehlenden Fußnoten. Aber man kann sich zumindest bei den Ascher-Zitaten die betreffenden Stellen ja selbst raussuchen.

Saul Ascher: 4 Flugschriften
- Eisenmenger der Zweite
- Napoleon
- Die Germanomanie
- Das Wartburgfest

Ich hatte bei der Vorstellung der anderen Ascher-Ausgabe im vorigen Quartal ja schon mein Befremden darüber geäußert, dass darin die "Germanomanie" nicht enthalten war. Der Grund scheint zu sein, dass es auf dem Markt damals schon eine Ascher-Ausgabe gab, die diese Germanomanie enthielt, nämlich dieses Buch mit dem Titel "4 Flugschriften". Germanomanie und Wartburgfest hatte ich vor Urzeiten in der Uni schon gelesen. Ich hatte mich damals in meiner mündlichen Magisterprüfung in Politikwissenschaft über das Hambacher Fest prüfen lassen und mich bei der Vorbereitung auch mit dem "anderen" politischen Fest befasst. So war mir Aschers Schrift auf den Schreibtisch gekommen, und ich las die Germanomanie gleich mit, beide gab es als Kopiervorlagen in der alten Germanisten-Bibliothek. Lange her.
Von den vier Schriften in diesem Buch sind drei vor dem Wartburgfest entstanden. Die vierte ist Aschers Reaktion auf die Bücherverbrennung. Die ersten drei sind der Grund, dass Ascher ins Visir der Germanomanen geriet.
Eine positive Darstellung Napoleons, verbunden mit dem Untertitel "Über den Fortschritt der Regierung", konnte natürlich den Franzosenfeinden nicht gefallen. Ascher betrachtet Napoleon als den Vollender der Aufklärung, ein Gedanke, der sich ähnlich auch bei Heinrich Heine wiederfindet, wenn er in der "Romantischen Schule" die Aufklärung als den "Traum von der Französischen Revolution" bezeichnet. Vor allem aber mussten die anderen beiden Schriften provozierend auf die Wartburger und die Köpfe dahinter gewirkt haben. In "Eisenmenger der Zweite" greift Ascher Fichte an. Der Titel geht zurück auf Johann Andreas Eisenmenger (1654 bis 1705), den Begründer/Wegbereiter des neuzeitlichen Antisemitismus. Eisenmenger hatte in seiner Schrift "Entdecktes Judentum" übelste Stereotype und antijüdische Behauptungen zusammengetragen und gewissermaßen eine Bibel der Pogrom-Veranstalter erstellt. Die Geschichten über Brunnenvergiftungen und Ritualmorde hatten fatale Folgen für die Juden, das Buch war quasi so eine Art "Hexen-Hammer" der Antisemiten. Nun erinnert Ascher an diesen Menschen und stellt Fichte als dessen Nachfolger vor. Die "Germanomanie" schließlich greift die Nationalisten an, die mit dem Rassebegriff operieren und wert auf ihre deutsche - besonders: nicht jüdische - Abstammung legen. Gegner ist unter anderem die "Christlich-Deutsche Tischgesellschaft", deren Mitglied nur jemand werden konnte, der nicht von einem Juden abstammte. (Mitglieder waren unter anderem Achim von Arnim, Clemens Brentano, Clausewitz, Savigny und eben Fichte). Mitglieder der Gesellschaft hatten einige üble Schmähungen gegen Juden, erst in Tischreden und dann in Schriften, von sich gegeben. Und da es nicht nur ein paar spintisierende Sonderlinge waren, sondern Vordenker der Romantik und der Burschenschaften, waren diese Leute ziemlich gefährlich. Das gefährlichste von allem war, dass in dieser Zeit und in diesen Kreisen Judentum nicht mehr religiös, sondern rassisch definiert wurde. Bis zu dieser Zeit war, bei aller Verfolgung, der Notausgang der Taufe immer noch möglich. Wir kennen die Folgen der Ideologie, die hier ihren Anfang nahm. Ascher schreibt gegen die Germanomanen an, gegen Jahn, Rüh, Fichte, Arndt. Und er wünscht sich sogar, dass deren Schriften gegebenenfalls zensiert und aus dem Verkehr gezogen werden. Wobei Ascher als Kind der Aufklärung und Vernunftoptimist immer noch glaubt, dass sich die Vernunft gegen die dumpfen völkischen Kreise durchsetzen wird.
"Die Wartburgs-Feier" schließlich ist eine Schrift der Ernüchterung. Ascher ist sehr betroffen angesichts der Verbrennung seiner "Germanomanie". Ja, es habe wohl so kommen müssen, dass diese nationalistischen Kreise erstarken, meint er. Er meint auch, dass dies auf Napoleon und eine Art notwendigen Gegendruck zurückzuführen ist. Dass Hass gegen alle Ausländer nach Meinung der Wartburger die erste Tugend der Deutschen sein soll, missfällt dem Verfechter eines weltoffenen und vernunftgeleiteten Kosmopolitismus zutiefst. Ascher, ganz Soziologe, versucht, das Phänomen zu analysieren. Dass er selbst tief betroffen ist, verschweigt er nicht. Ein bisschen resigniert ist er. Ganz hat er die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben. Seine Hoffnung ist auch in der Spaltung der Religionen begründet, er hofft auf einen neuen Geist der Duldung und einen Weltbürgersinn ...
Die Ausgabe ist handlich, die vier Texte passend zum Gesamt-Thema gut ausgewählt und Aschers Argumentation ist durchaus spannend und interessant. Etwas schade ist, dass der Leser wirklich nur den nackten Text erhält. Eine kurze Einführung zu den jeweiligen Texten wäre schön gewesen, ein Kommentarteil erst recht.

Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volkstum
Ziemlich anstrengendes, schwerlötiges Buch, das dickste in der Dreierkassette und auch das, das mir am wenigsten Spaß beim Lesen gemacht hat. Turnvater Jahn legt dar, was ein Volk ist, wer alles dazu gehört und wer nicht, stellt ein Konzept für Schulbildung auf und für die Wehrertüchtigung. Das Ganze in einer bewusst "deutschen" Sprache, fremdwortvermeidend, urwortsuchend. Ein Vielvölkerstaat ist ihm beispielsweise ein "Völkermang".
In seiner Ablehnung der altdeutschen Ständegesellschaft und seiner Forderung allgemeiner Bürgerrechte mutet er durchaus modern an. Die deutsche Einheit haben in Zeiten, als Deutschland aus mehr als drei Dutzend Staaten bestand, auch Heinrich Heine und Hoffmann von Fallersleben erträumt. Auch seine Vorschläge, das Schulwesen zu reformieren, sind, obwohl sie weder mit Herder noch mit Humboldt mithalten können, durchaus interessant. Aufstiegschancen für Menschen auch aus weniger begüterten Familien sind eine sehr sympathische Forderung. Aber dieser Nationalismus und Hass auf alles "Fremde", auf "Blendlingsvölker", der Antisemitismus und das Hochjubeln des deutschen Volks liest sich ziemlich eklig.
Gefehlt haben mir, wie auch bei Ascher, ein Kommentarteil und/oder Fußnoten, auch eine Bibliografie wäre nett gewesen. Und was mir nach der Lektüre des Hacks-Essays immer wieder im Kopf herumgegangen ist: Wenn Jahn gar nicht der Haupt-Akteur war, sondern nur ein ausführendes Organ Fichtes, warum ist dann Jahns Buch in diesen Dreier-Schuber eingegangen und nicht die Fichte-Texte, von denen Ascher sich herausgefordert fühlte?


Gerhard Becker: Menschen wie du und ich!
Berufliche Lektüre. Der Verfasser stammt aus Hahndorf bei Goslar. Ich habe seinen Lyrikband gelesen und anschließend einen Artikel darüber verfasst. Wer mag, kann ihn hier lesen, allerdings hinter der Bezahlschranke:
https://www.goslarsc...id,1505988.html


Christian Wilhelm von Dohm: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden, 2 Bde.
Grundlegende Schrift und unverzichtbar für jeden, der sich mit der Geschichte der Haskala und der Emanzipation der Juden beschäftigt.
Dohms Argumentation für die Verleihung der Bürgerrechte an Juden erschien im Jahr 1781. Ein zweiter Teil, in dem er sich mit den Einwänden gegen sein Buch auseinandersetzt, kam 1783 heraus, dazu erschien auch eine überarbeitete Zweitauflage. Dohm argumentiert in dieser Schrift zwar als Aufklärer, Humanist und Menschenfreund, obendrein als guter Freund Moses Mendelssohns, der ihn zu dieser Schrift angeregt hatte, aber das Interessante an seinem Plädoyer für eine rechtliche Gleichstellung der Juden ist, dass der Verfasser, als hochrangiger preußischer Beamter und Diplomat, sehr deutlich sagt, welchen konkreten Nutzen ein Staat, in diesem Fall Preußen, davon hätte, den Juden Bürgerrechte zu verleihen.
Dohm stellt klar, welch ein Wirtschaftsfaktor freie, gleichberechtigte Juden werden können, wenn sie nur erst zu allen Berufen zugelassen werden. Gerade im Handwerk sieht er ein großes Potential. Er könnte sich aber auch vorstellen, dass Juden in wüst gewordenen Gegenden Landwirtschaft betreiben. Bis dahin gab es nur wenige Tätigkeiten, die Juden überhaupt gestattet waren, hauptsächlich Handel und Geldverleih - und das nicht unbedingt zum Besten ihres Charakters, wie Dohm klarstellt: Wer gegen eine rechtliche Gleichstellung das Argument ins Feld führe, Juden seien krimineller als Christen, der möge sich doch bitte vor Augen führen, dass Juden nicht von Natur aus kriminell seien, sondern erst durch Berufe wie Geldverleih und Handel moralisch abgesunken seien. Ein interessanter Gedankengang, der ein bezeichnendes Licht auf Dohms Meinung über Kaufleute wirft. Er hielt offenbar auch christliche Kaufleute für nicht ganz koscher.
Exkurs: Interessant dazu dürfte auch der Vergleich mit den Schriften David Friedländers sein. Der jüdische Kaufmann war Schüler Moses Mendelssohns und gehörte zur etwas jüngeren Generation der Maskilim, der jüdischen Aufklärer. Friedländer hat in seinen Schriften sehr dezidiert nachgewiesen, dass Juden auf keinen Fall krimineller als Christen seien (hierzu hat er sehr viel statistisches Material ausgewertet), außerdem gibt es von ihm auch eine sehr überzeugende Schrift über die Ethik des Kaufmanns, in der er darlegt, dass Vertrauen und Zuverlässigkeit für (Groß-)Kaufleute unerlässlich sind.
Zurück zu Dohm. Er hat sich unter anderem sehr intensiv mit der Frage befasst, wie jüdische Handwerker ausgebildet werden können. Zum Beispiel schlug er vor, falls die Zünfte sich querstellen und zünftige Handwerksmeister keine jüdischen Schüler annehmen wollen, die Ausbildung zunftfreien "Freimeistern" zu übertragen. Eine Frage, die in der Diskussion um sein Buch aufkam, war auch der Umgang mit dem Sabbat: Christliche Handwerker arbeiten am Sonntag nicht, fromme Juden aber dürfen am Samstag nicht arbeiten. Ein Argument, mit dem Gegner der jüdischen Gleichberechtigung eine Handwerksausbildung für unmöglich erklären wollten. Dohm entwickelte im zweiten Teil aber eine ganze Menge Gegenvorschläge. Zum einen machte er klar, dass Religion Privatsache sei. Insofern, sei es zwar Sache des Staates, Handwerksausbildung zu erlauben. Aber es sei Angelegenheit der privaten Vertragspartner Meister und Lehrling, wie sie den Ausbildungsvertrag gestalten. Zum Beispiel könnte der Lehrling eine Fünf-Tage-Woche bekommen, aber dafür würde die Lehre ein Jahr länger dauern. Oder man könnte das Lehrgeld anpassen. Oder der jüdische Handwerker würde irgendwann so weit verweltlichen bzw. in der christlichen Mehrheitsgesellschaft assimiliert werden, dass er einfach aufhören würde, ein Jude zu sein. Eine Möglichkeit, die Dohm gar nicht schlecht gefunden hätte. Was ihm auch von späteren Generationen einige Kritik eingetragen hat. Aber man sollte festhalten, dass Dohm, wie auch andere Aufklärer vermutlich genau so erwartet haben, dass auch der Christ aufhörte, ein Christ zu sein, und dass sich alle Menschen irgendwann zu einer Vernunftreligion jenseits der klassischen Religionsgrenzen zusammengefunden hätten. David Friedländer ging ja etwas später sogar noch einen Schritt weiter und versuchte, den Propst Teller für eine Art Fusion zwischen Judentum und evangelischem Christentum zu gewinnen.
Die zweibändige Ausgabe ist opulent ausgestattet und eine geradezu mustergültige Edition, darüberhinaus für Umfang und Qualität mit nur 44,90 Euro auch mehr als günstig zu nennen. Enthalten ist die Schrift "Über die bürgerliche Verbesserung" aus dem Jahr 1781, der zweite Teil aus dem Jahr 1783 sowie Dohms Schrift über die Juden im Elsass im französischen Original und in deutscher Übersetzung. Verzeichnet sind die Veränderungen zwischen Erst- und Zweitauflage, es gibt weiteres Quellenmaterial dazu, darunter Briefe von und an Dohm, ausführliche Darstellungen zur Entstehung und Wirkung der Schrift, eine biografische Darstellung und einiges zur Argumentation und Analyse der Texte. Eine wirklich herausragende Ausgabe, die ich wirklich empfehlen kann.
Übrigens war der äußere Anlass meiner Beschäftigung mit Dohm, dass ich einen Artikel für meine Zeitung schreiben wollte. Der Mann hatte nämlich dieses Jahr seinen 200. Todestag, und da er auch mal rund zwei Jahre in Goslar gewirkt hatte, nahm ich das zum Anlass, mich mal so richtig auszutoben und eine Sonderseite über ihn zu bauen. Wer ihn lesen mag, findet meinen Artikel hier.
https://www.goslarsc...id,1510590.html


Plutarch: Moralphilosophische Schriften (Reclam)
- Über den Fortschritt in der Tugend
- Von der Vielzahl der Freunde
- Über den Aberglauben
- Über die Bruderliebe
- Ob seelische oder körperliche Leiden schlimmer sind
- Trostschrift an die Gattin
- Aus den Gastmahlsgesprächen
- Über die Seele
Nach dem Insel-Bändchen im vorigen Quartal die zweite Plutarch-Auswahl, die ich mir in diesem Jahr zu Gemüte geführt habe. Es handelt sich um eine solide Reclam-Ausgabe mit kurzen Einleitungen zu den jeweiligen Texten, mit Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Nachwort. Die Überschneidungen zu Insel-Bändchen sind gering, nur die Trostschrift ist in beiden enthalten.
Plutarch beschäftigt sich mit ethischen Fragen und geht seine Themen als guter Stoiker an. So geht er der Frage nach, wie man Fortschritte in der Tugend machen kann (auch kleine Schritte zählen und werden schließlich zu einem großen Fortschritt). Er erklärt, warum man lieber nur wenige, aber dafür gute Freunde haben soll, nämlich unter anderem, weil man seinen Freunden wohltun soll, und dies nicht mehr möglich ist, wenn man seine Kraft, seine Emotionen und sein Vermögen auf Hunderte von Leuten verteilt. Die Frage, ob seelische oder körperliche Leiden schlimmer sind, beantwortet er ganz klar: Natürlich ist es viel schlimmer, wenn mit der Seele etwas nicht in Ordnung ist. Vermutlich hat der Mann niemals richtige Zahnschmerzen gehabt ...
Insgesamt eine freundliche, leicht machende Lektüre. Ein Autor, der sehr vernünftig ist und sich dabei sehr angenehm liest.

Karl G. Bruchmann: Christian Wilhelm von Dohm und sein Wirken in Goslar
Ein Aufsatz aus dem Jahr 1951 (wohl anlässlich des 200. Geburtstags Dohms entstanden), ein Jahr später als separater Druck als kleines Büchlein erschienen. Recherchematerial für meinen Artikel zum 200. Todestag von Christian von Dohm. Wenn man, wie ich, den Mann bisher nur als Aufklärer und Verfasser der Schrift "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden" kennt, erlebt man hier eine große Überraschung. Keine Spur von Philosophie, Aufklärung und theoretischen Gedanken aus dem geisteswissenschaftlichen Elfenbeinturm. Hier kann man einem preußischen Beamten bei der Arbeit zuschauen: Effektiv und ohne langes Herumeiern nimmt Dohm seine Arbeit auf. Sein Job: Die Stadt Goslar, die eben noch alte Kaiserstadt und reichsunmittelbar war und nun Teil Preußens geworden ist, umzustrukturieren und sie in den modernsten und effektivsten Verwaltungsapparat seiner Zeit einzugliedern. Dohm war nur knapp zwei Jahre da, aber er hat auf allen Ebenen gearbeitet und die Stadt wohl ziemlich umgekrempelt. Spannend, ihm dabei über die Schulter zu schauen und ihn auf eine ganz andere Weise kennen zu lernen.

Hörspiel
Zeitschiff Unicorn: Krieg der Zeiten



Mai

Angelika Kroker: Wendezeit. Die Reichsstadt Goslar an der Schwelle vom Ancien Régime zur Moderne
Ein Buch über die Stadt Goslar in der Zeit, als Christian von Dohm dort die Verwaltung reorganisierte. Die Verfasserin bietet ein umfangreiches Gesamtbild, stellt den Ist-Zustand bei der Übernahme durch Preußen dar und analysiert die politische und finanzielle Situation der alten Kaiserstadt. Deutlich widerspricht sie der oft berichteten Annahme, dass Goslar zu der Zeit nahezu pleite gewesen ist und sich aus eigener Kraft nicht mehr retten konnte. Es gab damals offenbar schon einige Anstrengungen und Erfolge des Goslarer Bürgermeisters. Sie stellt die einzelnen Interessengruppen und ihre Ziele vor, erklärt, was Dohm bewirkt hat und was nicht, und zeichnet ein etwas nüchterneres Bild seiner Arbeit als Karl Bruchmann. Sehr gut als Hintergrund für die Recherche über das historische Goslar.

Thorgal 37: Der Eremit von Skellinger

Valerian und Veronique: Souvenirs der Zukunft II
Zauberhaft wie alles von den beiden. Phantastisch, liebenswert und mit hintergründigem Humor. Valerian und Veronique sind als Botschafter und Friedensstifter unterwegs, müssen sich aber auch pädagogisch betätigen, und wir erleben sie schließlich auch als gestrandete Kinder auf der Erde bei Onkel Albert. Ich habe mich besonders über das Wiedersehen mit dem Schnarf gefreut. Und die Shinguz sind sowieso die coolsten.

Gertrude Stein: Die Welt ist rund
Das Buch habe ich mir angeschafft, weil es in dem Hörbuch "Gertrude grenzenlos" (siehe etwas weiter unten) eine wichtige Rolle spielte. Es ist ... hm ... naja, ist es ein Kinderbuch? Ein Erwachsenenbuch? Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens namens Rose. Rose steigt eines Tages auf einen Berg, und unterwegs schreibt sie ihren Namen auf einen Baum: Rose. Und dann schreibt sie weiter: Rose ist eine Rose. Und da der Baum rund ist, wird daraus dann: Rose ist eine Rose ist eine Rose. Ein berühmtes Zitat, das ich bisher nur in der Version: "Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose" kannte. Außerdem spielen noch der Junge Willie und ein Löwe namens Löwe und ein Hund namens Love eine Rolle, vor allem aber geht es darum, dass die Welt rund ist, wie der Titel schon sagt. Tiefsinnig und gleichzeitig mit Lust am Quatschreden geschrieben. Ganz interessant, aber das Hörbuch hatte mir mehr versprochen ...

Faye Hell: Keine Menschenseele
Brrr. Ich weiß gar nicht, ob ich euch dieses Buch empfehlen soll oder lieber nicht. Es geht um die Geschichten mehrerer Menschen, die in einem Hotel unterkommen und dort von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Die einzelnen Geschichten berühren einander nicht, sie werden nacheinander erzählt, fast alle enden tödlich, und der jeweilige Hotelbewohner muss lange leiden und erlebt übelsten Horror. Der erste ist ein Mann, der als Kind eine Katze zu Tode gequält hat und von dieser Katze immer wieder heimgesucht wird. Das klingt harmlos, ist aber ziemlich heavy. Und doch ist diese Geschichte noch die harmloseste von allen. Es geht um Mord und Vergewaltigung, um eine psychisch gestörte Frau, die ein Kind entführte, es in ihrem Keller ankettete und sich, als es verhungert war, an der Leiche sexuell verging ...
Die Autorin beherrscht ihr Fach, sie kann echt was. Sprache, Aufbau der Geschichte, alles tadellos. Aber es ist kein Buch, das angenehme Leseerinnerungen hinterlässt. Nein, ich mochte es nicht.

Bergengrueniana IV
Vierte Ausgabe des Periodikums der Werner-Bergengruen-Gesellschaft. Enthält einen weiteren Teil des "Compendium Bergengruenianum" (Skizzen, Aphorismen, Beobachtungen und Kommentare des Autors), ferner den Bergengruen-Text "Kuckucksgedanken", den der Verfasser während der Nazizeit zu Hitlers Geburtstag veröffentlichen konnte und damit dem Führer gewissermaßen ein Kuckucksei ins Nest legte. Innere Emigration und literarischer Widerstand, das heißt: zwischen den Zeilen schreiben und lesen ... Außerdem geht der Band der Frage nach, was der "Völkische Beobachter" wirklich in seiner Rezension des Romans "Der Großtyrann und das Gericht" geschrieben hat (Stichwort: "Führerroman der Renaissance"). Es gibt Informationen über die Kinderbuchreihe "Zwieselchen", etwas aus Bergengruens Briefen an Charlotte Hensel und die Reden anlässlich der Verleihung des Werner-Bergengruen-Preises 2017 an Zsuzanna Gahse (Begrüßung, Laudatio, Dankesrede). Erneut ein sehr vielschichtiger Band, interessant und lesenswert.

Hilda und der Steinwald
Ein Comic, der mich gelinde gesagt, etwas ratlos zurücklässt. Die Figuren sind sehr einfach gezeichnet, die Geschichte kommt über weite Strecken, manchmal über mehrere Seiten ohne Text aus. Zu Beginn der Geschichte beobachtet man Hilda dabei, wie sie einem Stück Land hinterherläuft, das aus ihrem Garten abhaut. Später gerät Hilda zusammen mit ihrer Mutter in die andere Welt und verläuft sich in einem steinernen Wald beziehungsweise in einer Art Unterwelt mit hohen steinernen Säulen. Das Mädchen mit den blauen Haaren ist recht pfiffig, aber ganz warm geworden bin ich mit ihr nicht.

Michael Moorcock: Zeitnomaden I - Der Herr der Lüfte
Auf die Zeitnomaden-Bände wurde ich aufmerksam durch eine Buchvorstellung in Thomas Hofmans Blog nebenan. Aufmerksam heißt: Ich stutzte, als ich den Namen Oswald Bastable las. Denn Oswald Bastable ist "eigentlich" der Held einer Kinderbuchserie meiner Lieblings-Autorin Edith Nesbit, der edle und hochanständige Chef der Bastable-Geschwister auf der Suche nach Schätzen und einer Möglichkeit, den gesunkenen Stern des Hauses Bastable wieder steigen zu lassen. Und da musste ich doch nachschaun und hab mir die drei Zeitnomaden-Bände antiquarisch besorgt.
Worum geht es? Bastable ist englischer Offizier und ist in Indien stationiert. Hier leitet er eine Expedition zu einem Kloster, in dem sich einheimische Widerstandskämpfer gegen die britischen Besatzer versammelt haben. Allerdings geht es im Kloster nicht mit rechten Dingen zu, sondern mit seltsamen Mächten. Bastable wird erst unter Drogen gesetzt und dann durch ein Erdbeben aus dem Jahr 1902 ins Jahr 1973 geschleudert (das Buch erschein 1971). Bastable ist jedoch nicht in "unserem" Jahr 1973 gelandet, sondern in einer alternativen Zukunft, in der es beispielsweise keine Weltkriege gegeben hat. Eine perfekte Welt? Nicht ganz, auch hier gibt es Unzufriedene, einige Menschen wollen den Umsturz.
Bastable wird Flieger, Zeppelin-Steuermann. Überhaupt ist der Zeppelin das Hauptverkehrsmittel in dieser Zeit. Er trifft auf einen arschigen, großfressigen Ronald Reagan, auf eine Alternativ-Version von Rudi Dutschke, auf Lenin. Schließlich schließt er sich dem titelgebenden "Herrn der Lüfte" an, einem chinesischen Piratenchef, der die Weltherrschaft anstrebt und gegen die Kolonialmächte kämpft.
Einen direkten Bezug zu Edith Nesbits Werken habe ich nicht gefunden. Wohl aber noch einen kleinen Gruß über den literarischen Tellerrand: Bastables Ausbilder und erster Kapitän trägt den Namen Harding, wie der Zeitreisende Dickie Harding bzw. Richard von Arden aus den beiden Büchern über die Arden-Kinder und das weiße Muddeltier.

Wilhelm Gronau: Christian Wilhelm von Dohm nach seinem Wollen und Handeln. Ein biographischer Versuch (Ulan-Press und Forgotten Books)
Um das gleich vorweg zu sagen: Die rote Farbe bezieht sich nicht auf den Text von Wilhelm Gronau. Es handelt sich um eine Biografie aus dem 19. Jahrhundert, verfasst in dem damals üblichen Stil, etwas umständlich und schwülstig vielleicht, auch etwas unkritisch Dohm gegenüber (der Autor ist sein Schwiegersohn), aber man kann damit arbeiten, und die Arbeit ist penibel und detailreich ausgeführt. Wer sich mit Christian von Dohm befasst, kommt an der Gronau-Biografie nicht vorbei.
Ganz übel ist aber der Zustand des Textes in den vorliegenden Ausgaben. Ich habe zunächst die Ausgabe von Ulan Press gelesen. Dann habe ich mir in meiner Verzweiflung die Ausgabe von Forgotten Books geholt. Beides sind Verlage, die die Public Domain abgrasen und rechtefreie Texte, die digitalisiert vorliegen, automatisch in ihr System lutschen und ohne weitere Überrprüfung der optischen Qualität im On-demand-Verfahren auf den Markt werfen. Die Qualität des Buches hängt dabei also von der Qualität des Scans ab. Meine Erfahrung aus diesem Doppelkauf: Beide Verlage greifen auf die gleiche Vorlage zurück. Und die ist absoluter Mist.

Viele Seiten fehlen, manche sind doppelt, immer wieder sind Seiten in der falschen Reihenfolge angeordnet, einige sind verdruckt, viele sehr dunkel. Stellenweise ist das Buch kein "Flickenteppich" mehr, sondern eher ein brüchiges "Netz" aus Seiten. Und die Lücken treten bevorzugt an den wichtigen und spannenden Stellen auf.
Ich weiß, dass diese eingescannten und dann im On-demand-Verfahren auf den Markt geworfenen "Originale" immer eine Wundertüte sind, und bin schon ein paarmal an minderwertige Ausgaben geraten. Meist nimmt man ein paar Ecken und Kanten ja gern in Kauf, die Alternative wäre ja, das Buch überhaupt nicht zu erhalten. Aber dieses Buch war wirklich ein ganz tiefer Griff ins Klo.
Tipp: Wenn ihr es irgendwie einrichten könnt: Geht in eine Bibliothek und lest das dort hoffentlich vorliegende Original.



Mordché Wolf Rapaport: Chr. W. Dohm - ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie
Eine wirtschaftswissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 1907, die nun rechtefrei geworden ist und im On-Demand-Verfahren gedruckt wurde. Diesmal ein absolut ordentlicher Druck, ich habe nichts zu meckern.
Inhaltlich geht es um Dohms Haltung zu wirtschaftlichen Theorien, der Schwerpunkt liegt auf dem physiokratischen System. Mich hat etwas gewundert, dass Dohm den physiokratischen Theorien anscheinend recht kritisch gegenüberstand. (Jedenfalls hätte ich ihn, da er nicht unbedingt ein Freund des Kaufmannsstands zu sein schien, eher den Physiokraten als den Merkantilisten zugeordnet ...) Rapaport weist unter anderem nach, dass Dohm, als "erster Gegner der physiokratischen Lehre in Deutschland" und Verfasser eines Aufsatzes über das physiokratische System, nur über sehr lückenhafte Kenntnisse ebendieses Systems verfügte und die grundlegenden Schriften des Physiokratie-Erfinders François Quesnay nicht bzw. nur durch Vermittlung anderer kannte. Interessant, aber eher etwas für Spezialisten, die sich tiefer in die Materie einarbeiten möchten.

Christian Wilhelm von Dohm: Die Lütticher Revolution im Jahr 1789 und das Benehmen Sr. königl. Majestät von Preussen bey derselben
Die Lütticher Revolution im Jahr 1789 war ein Volksaufstand in Lüttich gegen den amtierenden Fürstbischof Caesar Konstantin Franz von Hoensbroech. Das Volk litt unter angestiegenen Lebensmittelpreisen, und die Nachricht von der Französischen Revolution begeisterte die Lütticher zu einem eigenen Sturm auf die Bastille bzw. auf die Zitadelle der Stadt. Einen instabilen Staat in den deutschen Landen konnten allerdings die Herrscher der umliegenden Staaten nicht dulden, und so geriet Lüttich auf die Agenda mehrere mächtiger Fürsten, und auch der preußische König Friedrich Wilhelm II. hatte als Herrscher des Herzogtums Kleve Interesse daran, dass in Lüttich wieder Ruhe und Ordnung einkehrte. Er schickte daher einen seiner profiliertesten Diplomaten, Christian von Dohm, nach Lüttich, um zwischen dem Fürstbischof und seinem Volk zu verhandeln.
Dohm hatte sich gerade in Aachen durch den Entwurf einer neuen Verfassung hervorgetan und schien daher geradezu prädestiniert dafür, den Lüttichern eine moderne Verfassung zu geben, die sowohl dem Volk als auch dem Herrscher gerecht würde. Dohm als geübter Diplomat schaffte es, mit beiden Parteien ins Gespräch zu kommen. Und als liberaler Humanist hat er sogar viel freiheitlichere Ideen als die Aufständischen, denen eher eine ständische Verfassung nach mittelalterlichem Vorbild vorschwebt.
Allerdings scheitert Dohm dann doch. Zum einen, weil der Fürstbischof irgendwann türmt, zum anderen aber weil die Lütticher Revolutionäre mächtigen Staaten ein Dorn im Auge sind. Schließlich, als die Gefahr besteht, dass sich die Lütticher mit den gleichfalls aufständischen Brabantern zusammentun, und gewissermaßen ein revolutionärer Flächenbrand droht, bestehen die Pfalz und Kurköln auf einer militärischen Niederschlagung des Spuks. Schließlich marschieren die Preußen ein, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dohm und seine Diplomatie sind gescheitert. Vor Ort mochte er sich Vertrauen erworben haben, aber die politische Großwetterlage war dann doch stärker. Spätestens mit der Reichenbacher Konvention (1790) und dem Zusammenrücken Preußens und Österreichs, verlor Dohm seine letzten Unterstützer in Berlin, die bis dahin die Lütticher Revolution schätzten als ein Mittel zur Schwächung Österreichs. Trotzdem ging der Diplomat mit recht gutem Ruf aus der Sache hervor.
Was wie und warum geschehen ist, darüber gibt Dohms Rechenschaftsbericht Aufschluss. Ein sehr interessantes Buch, allerdings nicht ganz unparteiisch und in etwas umständlichem Stil verfasst. Trotzdem lesenswert.


Hörbuch

Judith Burger: Getrude grenzenlos
Ein Hörbuch, das mich mehr als begeistert hat. Die Geschichte spielt in der DDR, zwölf Jahre vor dem Mauerfall. Ina ist eigentlich ein schüchternes Mädchen, das gar nicht aus der Reihe tanzen will, trotzdem eckt sie immer mal wieder an bei der Lehrerin, der Oberpionierin ihrer Klasse, der Kassenfrau, die heimlich IM ist und sie dauernd zurecht weisen will. Und nun kommt plötzlich Gertrude in ihre Klasse und wird neben ihr platziert. Gertrude ist anders, aufregend anders, und die Freundschaft mit ihr gibt Inas Leben einen Kick in eine völlig andere Richtung. Denn Gertrude stammt aus einer kirchlich orientierten Familie. Ihre Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Eine Freundschaft mit ihr ist mehr als gefährlich.
Zunächst versucht Ina noch, das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Sie will, dass niemand ihre neue Freundin schikanieren kann, und darum muss, so der Plan, Gertrude als vorbildliches Mitglied des Kollektivs dastehen. Ina macht sich mit ihrer neuen Freundin auf zum Altpapiersammeln, und die beiden Mädchen knacken mit ihrer riesigen Bollerwagen-Ladung den Schulrekord. Ina und Gertrude praktizieren "Timurhilfe", wollen alten Frauen die Einkaufstüten tragen und landen tatsächlich mit Bild in einem Artikel der örtlichen Zeitung, die die Leistung der beiden Mädchen positiv herausstellt. Aber, da nicht sein kann, was nicht sein darf, bleibt Gertrude eine Geächtete, von der Lehrerin gemobbt, und Ina landet auch auf der schwarzen Liste. Trotzdem, die Freundschaft der beiden Mädchen bleibt bestehen gegen alle Widerstände.
Immer wieder zieht es Ina hinüber zur Wohnung der Dissidenten-Familie. Hier lernt sie Literatur und Poesie kennen, Musik, Kreativität, Philosophie. Vor allem das Buch "Die Welt ist rund" von Getrudes Namenspatronin Gertrude Stein, deren Kernzitat "Rose ist eine Rose ist eine Rose" sich leitmotivisch durch die Geschichte hindurch zieht, hat es Ina angetan. Und dann kommt der Tag, an dem Gertrudes Familie tatsächlich ausreisen darf und muss ...
Eine wunderschöne Erzählung, die durch die etwas gnatzige Stimme von Natalia Belitzki den genau richtigen Tonfall hat. Kindlich und gleichzeitig empört und verbittert wie ein Mädchen ganz kurz vor dem Beginn der Pubertät klingt das, ein naives Reibeisen, das hassen und staunen kann, einzigartig.


Juni

Michael Moorcock: Zeitnomaden II: Der Landleviathan
Zweiter Teil der Zeitnomaden. Oswald Bastable, der nach seinen Abenteuern im Jahr 1973 zurück ins Jahr 1902 versetzt wurde, ist nicht ganz in seiner Wirklichkeit angekommen. Erneut sucht er das Kloster auf, von dem aus er durch die Zeiten geschleudert wurde. Diesmal landet er in einer Zukunft, in der Europa durch Kriege völlig zerstört wurde. Es gibt in Südafrika einen friedlichen Idealstaat, in dem die Völker in Harmonie zusammen leben. Staatschef ist Mahatma Gandhi. Und dann gibt es noch den General Cicero Hood, der den Rest von Afrika beherrscht. Hood wird zunächst als grausamer Bösewicht aufgebaut, hat aber als Kämpfer gegen Sklaverei durchaus ein mehr als verständliches Anliegen. Er will den letzten Sklavenhalter-Staat, die USA, zerstören und die Sklaven befreien. Mit einer riesigen Armee und furchtbaren Kampfmaschinen überrollt er Amerika. Die furchtbarste dieser Waffen ist der titelgebende "Landleviathan", der vielleicht als eine Art rollender Fleischwolf vorgestellt werden kann. Die Geschichte ist spannend und flüssig erzählt. Bezüge zu Edith Nesbit, die ich ja eigentlich suchte, habe ich hier aber nicht gefunden. Allenfalls allgemein in ihrem sozialen, politischen Anliegen.

Michael Moorcock: Zeitnomaden III: Der Stahlzar
Dritter Teil der Zeitnomaden und der Abenteuer von Oswald Bastable. Diesmal landet Bastable in einer Zeit, die den Zweiten Weltkrieg kennt, und der Held der Serie erlebt mehr davon, als ihm lieb ist. Er erlebt die Zerstörung Singapurs, wird Schiffbrüchiger, gerät in japanische Kriegsgefangenschaft und tritt schließlich in russische Dienste. Der russische Herrscher Dschugaschwili wird wegen seiner eisernen Maske auch der Stahlzar genannt. Unschwer lässt sich darin Stalin wiedererkennen. Und dieser Stahlzar ist drauf und dran, die Atombombe zu erhalten.
Ich bin auf meiner Suche nach Reminiszenzen an Edith Nesbit tatsächlich fündig geworden, als ich es beinahe schon aufgegeben hatte. Da taucht doch glatt ein Brigadekommandeur L.G.A. Nesbit auf, der offizielle Regierungsvertreter auf Rowe Island, wo Bastable strandet. Der letzte Beweis, dass der Autor seinen Helden Oswald Bastable auch tatsächlich genau so gemeint hat. Und wie genau? Ich denke, dass ihn schon die politische Edith Nesbit inspiriert hat. Die Mitbegründerin der sozialistischen Fabian-Society, ihr soziales und pazifistisches Engagement und ihre Sympathie für Bewegungen, die die armen und unterdrückten Menschen befreien und menschenwürdig behandeln wollten. So lässt Moorcock seinen Bastable in einem Gedankenexperiment die verschiedenen sozialen und politischen Systeme und Befreiungsbewegungen miterleben, bis zu ihrem Scheitern oder ihrer Pervertierung. Moorcock zeigt in seinen Alternativwelten ziemlich viel, das nicht funktioniert hat, ein Gemisch aus guten Motiven und Machtgier, und lässt es scheitern. Warum? Weil die Menschen so sind, wie sie sind? Eine funktionierende Utopie zur Menschheitsbeglückung hat er jedenfalls nicht anzubieten. Das ist auch eine Botschaft. Aber wohl keine, die Edith Nesbit gemocht hätte.

Uwe Pook: Heimat an der "Zonengrenze". Romanbiographie
Ein semi-autobiografischer Roman eines Autors, der in Vienenburg bei Goslar aufwuchs. Für mich also berufliche Lektüre, ich habe einen Artikel für die Goslarsche Zeitung darüber geschrieben. Zu finden hier, hinter der Bezahlschranke:
https://www.goslarsc...id,1513354.html

Carolin Christine Rosendahl: Don Juan-Variationen und die Frage nach dem Мythos von Don Juan
Masterarbeit, über die ich zufällig beim Ego-Googeln gestolpert bin. Die Autorin befasst sich mit einem ähnlichen Thema wie ich in meiner Magisterarbeit "Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozess", und da musste ich natürlich gleich reinschaun.
Schwerpunktmäßig analysiert Rosendahl die "Don Juan"-Fassungen von Tirso de Molina, Christian Dietrich Grabbe, Nikolaus Lenau und Max Frisch. Dabei geht sie, nach einer allgemeinen Analyse der Texte, jeweils der Frage nach, was den "Mythos" des Don Juan ausmacht und ob der betreffende Held in den einzelnen Dichtungen nun als Mythos begriffen werden kann, ob übernatürliche Elemente auftreten, ob und welche Bestandteile der Stofftradition vorkommen und wie sich der betreffende Text überhaupt in diese Tradition fügt.
Für mich waren vor allem die Kapitel über Tirso und Frisch interessant, da ich selbst beide Texte nur sehr kurz abgehandelt hatte, während mein Schwerpunkt auf Grabbe und Lenau (nebst Goethe, Mozart, Theodor Mundt und Gustav Kühne) lag.
Die Arbeit ist sehr klar strukturiert und bietet einen guten Überblick. Durch ihre Knappheit und Konzentration auf vier Texte ist sie auch gut als Einstieg ins Thema geeignet.
Wer sie nachlesen möchte, findet die Arbeit hier:
http://www.mythos-ma.../cr_donjuan.pdf


Maren R. Niehoff: Philon von Alexandria. Eine intellektuelle Biographie
Beeindruckend. Ich war erst skeptisch beim Blick auf den Titel. Zunächst hat mich das Wort "intellektuell" abgestoßen, und dann war da die Frage, wie man denn eine Biografie Philons schreiben könne. Immerhin gibt es nur ein einziges Datum zu seinem Leben, nämlich dass er im Jahr 39/40 nach Christus Leiter eine Gesandtschaft der Juden aus Alexandria war, die nach Rom reisten, um sich beim Kaiser Caligula über ein Pogrom zu beschweren, das die Heiden gegen die jüdische Bevölkerung in Alexandria veranstaltet hatten. Dass man daraus eine umfangreiche Biografie herausdestillieren kann, kam mir zumindest sehr überraschend vor.
Aber Maren R. Niehoff schreibt auch gar nicht über Lebensdaten. Sondern sie zeichnet eine Art Entwicklung Philons anhand seiner Werke nach. Daher auch "intellektuelle" Biografie, es geht um die Entwicklung von Philos Gedanken und Philosophie. Das Spannende daran ist, dass die Autorin sehr genau zeigen kann, wie sich Philos Schriften in seiner römischen Zeit verändern. Hatte er zuvor zu Lesern gesprochen, die wie er im Judentum zu Hause waren und damit die gleiche Basis hatten wie er, so redet er nun zu römischen Philosophen und Philosophie-Interessierten. Wenn er tatsächlich jüdische Themen behandelt, so muss er viel mehr erklären, quasi bei Adam und Eva anfangen, und kann nicht voraussetzen, dass irgendeiner seiner Leser Anspielungen auf die Tora versteht.
Aber mit der Anwesenheit in Rom verändert sich auch Philos Fokus. Es treten immer mehr klassische Themen der Stoa in den Vordergrund, und Philo schreibt sehr gezielt über Fragen, die in der römischen Öffentlichkeit gerade en vogue sind. Fast will es scheinen, als ob Philo geradezu nach Auflage und Publicity strebt und dies sehr planvoll angeht. Nun entstehen Werke, die in seiner Gemeinde daheim vermutlich viele nicht verstanden hätten, vielleicht sogar überhaupt niemanden interessiert hätten.
Interessanterweise setzt sich die Verfasserin dieser intellektuellen Biografie zuerst mit den späteren, römischen Schriften Philos auseinander, dann erst schlägt sie den Bogen zurück in der jüdisch-alexandrinische Welt, in der Philos frühe Schriften entstanden. Ein Ansatz, der die Entwicklung des Philosophen und die Wandlung seines intellektuellen Programms besonders deutlich macht. Dabei sehr gut und nachvollziehbar geschrieben. Ein Buch, das ich jedem, der sich mit Philo beschäftigt, sehr nachdrücklich ans Herz legen möchte.

Patrik Svensson: Das Evangelium der Aale
Dieses Buch war ein Zufallsfund in der Ameis-Buchhandlung in Hildesheim. Eine der wenigen Buchhandlungen, die für mich immer noch Überraschungen parat haben und nicht nur uninteressante Mainstream-Stapelware. Ich bin auf dieses Aale-Buch zugelaufen und musste einfach zugreifen.
Der Verfasser, der als Kind gemeinsam mit seinem Vater oft am Fluss auf unterschiedliche Art Aale gefangen hat, schildert hier einen besonderen, rätselhaften Fisch, über den die Wissenschaft immer noch erschütternd wenig weiß. Allein das Fortpflanzungsverhalten wirft seit zweieinhalbtausend Jahren Rätsel auf. Aristoteles glaubte noch, dass Aale einfach aus Schlamm geboren werden, und der junge Biologe Sigmund Freud wurde fast verrückt bei seiner ergebnislosen Suche nach einem Aal, der männliche Geschlechtsorgane aufwies. Mag sein, dass ihn das nachhaltig geprägt hat.
Svenson zeichnet die Entwicklung vom "Weidenblatt" zum Glasaal, zum Gelbaal bis hin zum Blankaal nach, erzählt von den weiten Wanderungen der Tiere, vom Weg flussaufwärts und von der Rückkehr ins Sargassomeer. Und immer noch gibt der Aal sein Geheimnis nicht preis, denn gerade im Sargassomeer, wo die jungen Weidenblätter am dichtesten vorkommen und am kleinsten sind, hat offenbar noch nie jemand einen geschlechtsreifen Aal gefunden ...
Svensson erzählt vom legendären Brantevik-Aal, der rund 150 Jahre lang in einem Brunnen lebte, und natürlich hat auch die nicht minder legendäre Aalfang-Szene aus Günter Grass' "Blechtrommel" ihren Platz im Buch.
Ein absolut lesenswertes und erkenntniserweiterndes Buch dieses "Evangelium der Aale".

© Petra Hartmann


Weiterer Jahresrückblick
Teil I: Januar bis März 2020
Teil III: Juli bis September 2020
Teil IV: Oktober und November 2020
Teil V: Dezember 2020


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Jahresrückblick I: Januar bis März 2020

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2020 · 269 Aufrufe
Jahresrückblick
Ein seltsames Jahr geht zu Ende. Fast nichts ist so gelaufen wie sonst in diesem Jahr 2020, und beinahe will mir scheinen, als habe derjenige, der den chinesischen Fluch "Mögest du in interessanten Zeiten leben" erfand, dabei an die Corona-Pandemie gedacht. Aber wenn die Zeiten etwas turbulenter sind, dann ist es gerade geraten, die alten Rituale einzuhalten, die sind wichtig und geben uns die Stabilität, die wir brauchen. Willkommen also zu meinem traditionellen Jahresrückblick.
Zunächst einmal: Ich bin verschont worden und ausgesprochen dankbar dafür. Das Virus hat mich nicht erwischt, ich bin nicht erkrankt, ich habe im Familien- und Freundeskreis keine Krankheits- oder gar Todesfälle erlebt, und ich hatte auch beruflich keine Einschränkungen. Seit anderthalb Jahren bin ich nun bei der Goslarschen Zeitung unter Vertrag. Ich kann wieder fliegen, ich kann wieder zaubern, ich habe meine Unsterblichkeit zurück erhalten. Ein bisschen beschwippst bin ich vielleicht immer noch, aber daran stirbt man nicht. Ja, auch mir sind in diesem Jahr fast alle Lesungen und Buchpräsentationen weggebrochen, das war schade, aber ich war nicht finanziell darauf angewiesen. Ja, ich vermisse die Buchmessen und Cons und die Live-Treffen mit euch allen. Aber wenn das dazu beiträgt, uns alle gesund zu halten, ist es ein kleiner Preis.
Mein neues Buch "Falkenblut" ist erschienen, dann gab es noch zwei Anthologien mit Beiträgen von mir und haufenweise Zeitungsartikel, das ist eine gute Quote für dieses Jahr. Den Rest holen wir nach, wenn Corona weg ist, okay?

Mein Lektüre-Jahr war vielseitig. Hier folgt der Blick auf das erste Quartal. Ich habe mich natürlich wieder mit phantastischer Literatur befasst, dazu gab es etwas Indianisches, Flugpioniere haben mich beschäftigt, Kinderbuch-Klassiker und erneut viel Aufklärung und Haskala. Ein bisschen Goslar-Literatur war auch dabei und etwas Helgoländisches. Schaut einfach mal rein, vielleicht ist etwas für euch dabei. Viel Spaß beim Lesen!


Hinweis:
Etwaige blau markierte Texte sind herausragende Spitzenbücher, rot steht für absoluten Mist, ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den betreffenden Text in der eBook-Version gelesen habe, und hinter den Links verbergen sich ausführlichere Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


Januar

Alfred Hildebrandt: Die Brüder Wright
Nachdruck eines Buchs aus dem Jahr 1909, geschrieben von einem Journalisten, der sich mit der geheimnisvollen Flugmaschine der Brüder Wright befasst und Informationen einholt, unter anderem auch bei dem Vater der beiden. Sehr interessantes historisches Dokument. Mit Original-Briefwechsel im Anhang und mit einer Beschreibung der Flugmaschine. Sehr gut lesbar. Für mich auch wertvolles Material, das ich für meinen historischen Roman brauche.

Ulrike Stegemann: Alonsos Reise und andere Katzengeschichten
Liebenswürdiges Buch mit fünf Kurzgeschichten über die flauschigen Kleinraubtiere mit dem eigenwilligen Kopf und dem geheimnisvollen Wesen. Die Titelgeschichte erzählt von einem Hamburger Hafenkater, der sich auf ein Kreuzfahrtschiff schleicht und sich auf große Fahrt begibt. Eine andere spielt in Paris, wo ein Kater eine besondere Liebe für Schmuckstücke offenbart. Wir erleben die Verwandlung einer Katze in einen Menschen, außerdem gibt es in dem Buch eine sehr interessante Variation des Märchens vom gestiefelten Kater und die Geschichte einer Katze, die als Tänzerin ihr Publikum bezaubert. Ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Lesevergnügen, einfach zum Schnurren.

Otmar Hesse: Goslar und die salischen Kaiser
Berufliche Lektüre zur Geschichte meimer neuen journalistischen Heimat. Eine kurze, übersichtliche Darstellung der salischen Kaiser Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. und ihrer besonderen Beziehung zu Goslar. Die Stadt war für die damaligen Kaiser, die im Mittelalter ja ihr Reich zu Pferde durchreisten, von Pfalz zu Pfalz zogen und überall vor Ort regelten, was geregelt werden musste, einer der festen Bezugspunkte, und vor allem für Heinrich III. so etwas wie eine Heimatstadt oder Lieblingsaufenthalt. Er hing so sehr an Goslar, dass er verfügte, dass nach seinem Tod sein Herz dort begraben werden sollte. EIn Mythos, von dem die Stadt heute noch zehrt. Und die eindrucksvolle Kaiserpfalz, in der die salischen Kaiser während ihrer Goslar-Aufenthalte gewohnt haben, ist schon ein ganz besonderes Bauwerk. Mein besonderer Liebling war aber immer Heinrich IV., schon im Geschichtsunterricht hatte mich die Sache mit dem Investiturstreit wahnsinnig fasziniert. Die Schlagzeilen "Papst bannt Kaiser" und "Kaiser setzt Papst ab" in meinem Geschichtsbuch habe ich nie vergessen. Dass von Kaiser Heinrich am Ende nur noch der sprichwörtliche Gang nach Canossa im Gedächtnis der Bevölkerung geblieben sein soll, finde ich schade. Immerhin: Canossa war nur der Halbzeitstand, Heinrichs erstes Ungarnspiel sozusagen. Kluge Leute sollten also keine Probleme damit haben, mal nach Canossa zu gehen.
Das Buch ist kurz und knapp, sehr übersichtlich, reich bebildert und mit einem Preis von nur 5 Euro außerordentlich wohlfeil. Eine gute Einstiegslektüre vor allem für den Goslar-Neuling.

Die Welten von Thorgal: Thorgals Jugend VII - Blauzahn

Sibylle Luig: Magie hoch 2 - Band III: Diebe in Berlin


Hörbuch:

Gerald Hüther, Christoph Quarch: Rettet das Spiel!
Interessantes und hörenswertes Plädoyer für das Spiel. Die Autoren gehen aus von philosophischen, hinrphysiologischen und sozialen Theorien über das Spiel und machen deutlich, dass es nur die Fähigkeit zu spielen ist, die die menschliche Entwicklung voranbrachte. Manchmal sehen die Verfasser allerdings zu viel Spiel in der Welt: Einen Zufall wie etwa das Crossing over von Chromosomen oder bestimmte Vorgänge im Universum als "Spiel" zu bezeichnen, geht mir persönlich etwas zu weit. Aber generell kann ich der Argumentation schon folgen, wenn die Verfasser darauf hinweisen, dass große Erfindungen und Entdeckungen aus dem freien Spiel heraus geboren werden. Marketing und große technische Abteilungen können immer nur "lineare Entwicklungen" voran treiben. Das heißt: Wenn sie wissen, wie es geht, können sie die Ideen und Erfindungen dann mit immer mehr Geld und Material immer größer und immer aufwändiger weiter entwickeln, aber der zündende Gedanke, der wirklich etwas Neues hervorbringt, wird immer vom einzelnen, unaustauschbaren Individuum in einer entspannten, absichtslosen Atmosphäre, im Traum, immer abseits mechanischer Vervielfältigung und Vergrößerung gefasst. Nennen wir es: Spiel. Auch dies eine klare Argumentation gegen Bulimie-Lernen und das Einpauken von Stoff, um am Ende kleine, brave, funktionierende Zahnrädchen zu gewinnen, die reibungslos und ohne Aufwand in die industriellen Arbeitsplätze eingepasst werden können. Wir brauchen Menschen. Und der Mensch ist nur da Mensch, wo er spielt ...


Februar

Miriam Rademacher: Talisman und das tote Dorf

Dallas Chief Eagle: Wintercount
Ein historischer Indianer-Roman, verfasst von einem Lakota-Indianer. Erzählt wird die Geschichte eines frisch vermählten Paars: Der junge Krieger Keyaschante (Schildkrötenherz) und Tscheyasa-win, die "Frau, die immer weint", sind ein glückliches Liebespaar und feiern den Tag ihrer Hochzeit. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Das Dorf wird von Banditen überfallen, die eigentlich nur Pferde stehlen wollen, aber dann das Paar mitnehmen - als Wegweiser und Geiseln. Wenig später kommt es zu einem Kampf, bei dem Schildkrötenherz schwer verletzt wird. Die Männer halten ihn für tot und lassen ihn liegen, während sie seine Frau mitnehmen in ein Fort der Weißen. Denn die hellhäutige Tscheyasa-win ist eigentlich eine Weiße, sie wurde lediglich als kleines Kind von den Lakota nach einem Überfall eines anderen Indianerstamms gefunden und aufgenommen. Während sie ihren Mann für tot hält und von den Weißen nach Osten gebracht wird, wo sie wieder in ein "zivilisiertes" Leben integriert werden soll, erholt sich Keyaschante langsam von seinen Verletzungen. Er kehrt zu seinem Volk zurück, um Kraft zu sammeln, dann will er losziehen und sich auf die Suche nach seiner entführten Frau machen. So weit, so gut. Es kommt dann allerdings immer wieder etwas dazwischen, die bekannten historischen Ereignisse nehmen ihren Lauf, Keyaschante wird einer der Häuptlinge seines Volkes, führt Krieg an der Seite Sitting Bulls und Crazy Horses gegen die Eindringlinge, sieht seine Verwandten und Freunde sterben. Erst spät, als Tscheyasa-win mehr zufällig erfährt, dass ihr Mann noch lebt, und sich auf den Weg in den Westen macht, finden die beiden wieder zusammen.
Das Buch ist als Buch eines Angehörigen des Lakota-Volkes natürlich ein wertvolles Dokument und eine kleine Besonderheit. Literarisch lässt es allerdings einiges zu wünschen übrig. So wird nach der Trennung zwar ein paarmal darüber gesprochen, dass Keyaschante sich auf die Suche nach seiner Frau machen will, aber es unterbleibt, und am Ende scheint es auch gar nicht so wichtig, diese Frau wieder zu finden.
Ähnlich wenig Fleisch auf den Rippen hat der Teil der Geschichte, der von Tscheyasa-wins Aufenthalt bei den Weißen erzählt. Man merkt keine Eingewöhnungs- und Umgewöhnungs-Probleme, obwohl sie doch als kleines Kind zu den Lakota kam und vollständig indianisch sozialisiert wurde. Von Erinnerungen an ihre "weiße" Vergangenheit findet sich nichts, und trotzdem ist sie sofort voll integriert, wird ohne weiteres in eine weiße Familie aufgenommen, erlebt nicht die Spur irgendwelcher Garstigkeiten und Gehässigkeiten, eckt nirgends an, hat nirgends das Gefühl, dass es in der Lakota-Gesellschaft aber menschlicher, ehrlicher, gerechter o.ä. zuginge, und hat sogar die Gelegenhheit, eine "gute Partie" zu machen, als ein angesehener, leidlich wohlhabender und auch nicht unbedingt unsympathischer junger Mann um sie wirbt. Ja, wenn das so einfach wäre, von weiß zu rot und dann wieder zurück zu wechseln, warum haben sich die Völker dort drüben eigentlich bekriegt?
Die titelgebende "Wintererzählung" erweist sich gleichfalls als ein blindes Motiv. Zwar wird Schildkrötenherz im Buch von seiner Großmutter seine eigene, persönliche Wintererzählung, eine auf Leder aufgemalte Geschichte seines Lebens, übergeben, aber abgesehen von einigen Stellen, an denen er stolz darauf ist, einen persönlichen Wintercount zu haben, wird auf die Sache nie näher eingegangen. Man erfährt nie, was drin steht in der Geschichte und was sein Großvater eigentlich aufgezeichnet hat.
Auch die Wiederbegegnung der beiden Liebenden geht, wie bereits gesagt, auf einen reinen Zufall zurück. Es ist keine Leistung Keyaschantes, seine Frau wieder zu finden. Insofern bleibt alles zufällig, beliebig, nichts hängt zusammen, keine Handlung geht aus der vorherigen hervor.

Plutarch: Die Kunst zu leben (Insel)
- Über die Seelenruhe
- Über die Schwatzhaftigkeit
- Gesundheitsregeln
- Ratschläge für die Ehe
- Trostbrief an die Gattin
- Über Kindererziehung
- Das Gastmahl der Sieben Weisen
Von Plutarch hatte ich bisher nur die Parallelbiographien gelesen. Dieses Insel-Taschenbuch mit ausgewählten Schriften fiel mir mehr oder weniger zufällig in die Hände, ein Fundstück aus dem Prämienshop bei ebook.de. Es ist eine Auswahl, getroffen und übersetzt von Marion Giebel, die ich sehr schätze. Enthalten sind außer den oben genannten Texten auch ein Vorwort und zu jedem Text eine kurze Einführung, ferner gibt es im Anschluss ein paar hilfreiche Anmerkungen. Insgesamt ein sehr lesbares Buch in der geschmeidigen und eleganten Handschrift Plutarchs mit sehr vernünftigen, eben stoischen Ansichten. Ein guter Begleiter für unterwegs. Wenn auch der gefeierte Trostbrief an die Gattin ein wenig oberlehrerhaft daherkommt, und nicht tröstend.

Reinhard K. Sprenger: Total Digital
Sprenger hat wie immer einen guten Schreibstil und kluge Gedanken aufzubieten. Ich schätze seine Bücher sehr, auch darum, weil es mir danach immer ziemlich gut geht ... Als kleine Warnung möchte ich hier allerdings zweierlei vorwegschicken: Zum einen geht es hier nicht darum, wie man Digitalisierung im Unternehmen technisch hinbekommt und was alles möglich ist. Wer also hier nach Informationen sucht, welche Software man einkaufen sollte, um ein Unternehmen umstrukturieren, ist hier fehl am Platz. Das zweite ist, dass das Buch in extrem kurze Kapitel eingeteilt ist, meist nicht mehr als eine Seite. Das hat den Vorteil, dass man es häppchenweise lesen kann, in der Werbepause beim Fernsehen, in der U-Bahn, auf dem Klo oder wo auch immer, aber es hat keinen "Fluss" und ist keine groß angelegte Analyse mit anschließendem Programm, sondern es ist angelegt als Rezeptsammlung, die auch nicht in einer vorbestimmten Reihenfolge gelesen werden muss. Das wird auch geradezu als Leseempfehlung vorangestellt.
Inhaltlich bietet Sprenger einen sehr erfrischenden, humanen Ansatz zum Umgang mit der Digitalisierung. Eben, indem er den "Faktor Mensch" wieder in den Mittelpunkt stellt und klarmacht, dass gerade der Mensch den Unterschied macht und nicht irgendwelche Algorhythmen und Technologien.
Er setzt drei Schwerpunkte: Zum einen rät er, das Unternehmen wieder "vom Kunden aus" zu denken, also nicht immer wieder neue Möglichkeiten auf den Markt zu werfen und dann zu versuchen, das Zeug irgendwie an den Mann zu bringen, sondern ganz konkret bei jeder neuen Entscheidung zu fragen: Was will der Kunde? Welche Probleme will er gelöst haben? Was können wir ihm anbieten, um genau das zu tun?
Der zweite Schwerpunkt ist der Bereich der Kooperation und zwar sowohl der besseren Zusammenarbeit von Mitarbeitern im Unternehmen als auch gemeinsamer Initiativen mehrerer Unternehmen, die an bestimmten Projekten zusammenwirken.
Drittens legt Sprenger den Fokus auf das, was den Menschen schon seit jeher über die Maschine erhob: die Kreativität.
Ein interessanter Ansatz. Und einer, der Mut macht. Es geht gar nicht darum, den Wettbewerb mit der Maschine zu gewinnen. Sondern darum, uns genau auf das zu konzentrieren, was uns als Menschen ausmacht. Und das ist nicht, immer größere Datenmengen sammeln und zusammenzustöpseln ...

Eleanor H. Potter: Pollyanna
Kinderbuch-Klassiker, den ich schon lange mal lesen wollte. Jetzt kam er mir in der Buchhandlung im Goslarer Bahnhof in einer 5-Euro-Hardcover-Ausgabe in die Finger, und das muss man doch mitnehmen. Pollyanna mit ihrem unerschütterlichen Optimismus und ihrem "Freude-Spiel" ist im anglophonen Sprachraum geradezu sprichwörtlich geworden. Der Ausspruch "I am such a Pollyanna!" bedeutet so viel wie: Ich bin so ein fröhlicher optimistischer Mensch, meine naive Lebensfreude lässt sich einfach nicht auslöschen ...
Die Geschichte ist eine typische Waisenkind-kommt-zu-griesgrämiger-Pflegeperson-und-verwandelt-sie-durch-seine-naive-liebevolle-Art-in-einen-Riesenphilanthropen-Story. Denkt an Anne auf Green Gables oder den kleinen Lord oder sowas. Pollyanna hat ihre beiden Eltern verloren. Aber sie hat von ihrem Vater ein unfehlbares Gegengift gegen alle Verzweiflung mit auf den Lebensweg bekommen, eben das Freude-Spiel. Wann immer ihr irgend etwas Trauriges und Niederschmetterndes begegnet, dann will es die Spielregel, dass Pollyanna dieses Erlebnis so lange dreht und wendet, bis sie am Ende doch irgend etwas Gutes daran gefunden hat, über das sie sich freuen kann. Zu einer wahren Meisterschaft hat sie es einst gebracht, als sie zum Geburtstag statt der heißersehnten Puppe von einer Gruppe von Wohltätigkeitsdamen nur ein paar Krücken erhielt. Absolut aussichtslos, an diesen hässlichen Dingern noch etwas Erfreuliches zu finden? Doch. Pollyanna braucht zwar einige Zeit, bis sie die Lösung entdeckt, aber dann geht ihr ein Licht auf: Sie freut sich riesig darüber, dass sie diese Krücken nicht benötigt.
Auf diese Art gefeit gegen alle Verzweiflung kommt Pollyanna ins Haus ihrer Tante, einer griesgrämigen alten Dame, die es Pollyannas Mutter nie verziehen hat, dass diese eine "gute Partie" ausgeschlagen und stattfdessen einen armen Geistlichen geheiratet hat. Aber Pollyanna lässt sich nicht unterkriegen, freut sich über alle Garstigkeiten und Gedankenlosigkeiten, mit denen die Tante ihr den Auftenhalt eigentlich zur Qual machen müsste, und nach und nach lehrt sie alle frustrierten Bewoner der Kleinstadt ihr Freude-Spiel. Bis eines Tages etwas passiert, über das sich selbst Pollyanna nicht mehr freuen kann ...
Das Freude-Spiel wird oft in der Ratgeber-Literatur zitiert, es ist so eine Art umgekehrte "Anleitung zum Unglücklichsein". Insofern war es interessant, hier einmal die Quelle kennen zu lernen. Literaturwissenschaftlich betrachtet ist das Buch allerdings nicht die ganz große Literatur, es kann nicht mit Waisenkind-Klassikern wie "Anne auf Green Gables", "Oliver Twist", "David Copperfield" oder "Eine kleine Prinzessin" mithalten, dazu ist Pollyanna zu eindimensional und nur auf dieses eine Spiel fixiert. Aber, wie gesagt, es war interessant.


März

Alessandra Reß: Die Sommerlande

Hartmut Bomhoff: Israel Jacobson - Wegbereiter jüdischer Emanzipation
Handliche, sehr kompakte Überblicksdarstellung aus der Reihe "Jüdische Miniaturen". Israel Jacobsohn war so eine Art Martin Luther des Judenthums, also derjenige, der das Reformjudentum erfunden hat. Interessanterweise nahm das Ganze in Seesen seinen Anfang, also fast direkt bei mir vor der Haustür, wo Jacobsohn im Jahr 1810 die erste Reformsynagoge gründete. 1815 führte er in Berlin liberale Gottesdienste ein. Eine sehr spannende Geschichte. Ich mag die Reihe ohnehin, sie bietet jeweils einen guten Einstieg in die entsprechenden Persönlichkeiten.

Reimer Boy Eilers: Das Helgoland, der Höllensturz: Oder Wie ein Esquimeaux das Glück auf der Roten Klippe findet, obwohl die Dreizehenmöwen hier mit Rosinen gegessen werden (e)

Saul Ascher:Ausgewählte Werke:
- Soll der Jude Soldat werden?
- Leviathan oder Ueber Religion in Rücksicht des Judenthums
- Ideen zur natürlichen Geschichte der politischen Revolutionen
- Ansicht vom künftigen Schicksal des Christenthums
Sehr gediegene, ausgesprochen werthaltige Hardcover-Ausgabe mit einer allgemeinen Einleitung zu Saul Aschers Leben und Werk und vier Einzel-Einführungen zu den aufgenommenen Schriften, sie enthält auch eine Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur und einen Index. Etwas vermisst habe ich Aschers "Germanomanie". Die hätte in einen Band innerhalb einer Reihe mit dem Titel "Schriften zu Staat, Nation, Gesellschaft" unbedingt mit dazu gehört. Aber ich vermute mal, dass sie weggelassen wurde, da es noch eine weitere Ascher-Sammlung auf dem Markt gab, die die Germanomanie enthielt (dazu mehr im nächsten Quartal).
Ascher widmet sich in den Schriften politisch-gesellschaftlichen Themen und liefert geschichtsphilosophische Betrachtungen mit ungewöhnlicher Perspektive und ungewöhnlichen Ergebnissen. Sehr interessant fand ich seine Betrachtungen zur Frage "Soll der Jude Soldat werden?" Dies war zu der Zeit ein heiß diskutiertes Thema. Seit Christian von Dohms Schrift "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden" (1781) war immer wieder darüber diskutiert worden, dass Juden, wenn sie denn die Staatsbürgerschaft. z.B. die preußische, bekommen, nicht nur die Rechte, sondern eben auch alle Pflichten eines Staatsbürgers haben, und gerade in Preußen war damit dann nicht nur auch, sondern vor allem die Wehrpflicht gemeint. Die Argumente dafür, dass Juden womöglich als Soldaten nicht geeignet waren, waren vor allem: 1) das Sabbatgebot, verbunden mit der Frage, ob Juden am Samstag überhaupt kämpfen und für den Krieg üben durften, 2) die Speisevorschriften, was die Frage aufwarf, ob jüdische Soldaten im Krieg überhaupt ernährt werden können, 3) damit verbunden die Feststellung, dass Juden aufgrund ihrer Ernährung - ob koscher oder aufgrund armutsbedingter Mangelernährung - doch meist sehr dünne und schwächliche Personen seien und dem Einsatz im Krieg physisch gar nicht gewachsen, und 4) die Loyalitätsfrage: Wären Juden bereit, sich für ihre jeweiligen Heimatländer totschießen zu lassen, oder fühlen sie sich diesen Staaten weniger verbunden, da sie dort ja bislang jahrhundertelang Fremde mit eingeschränkten Rechten waren? Viele Juden haben, wie die Teilnahme am Ersten Weltkrieg zeigte, mit Begeisterung für ihr Vaterland in die Schlacht ziehen wollen ...
Ascher bezieht sehr klar eine Gegenposition. Er geht aus von einer zeitgenössischen Schrift, die unter der Überschrift "Soll der Jude Soldat werden?" angetreten ist, aber dann nur die Frage beantwortet: "Kann der Jude Soldat werden?" Ascher rügt diesen Etikettenschwindel. Und dann geht er selbst diesem "soll" nach, das bislang in der Diskussion vernachlässigt wurde. Sein hartes, provokantes Urteil lautet: "Nein."
Aschers Argumentation: Wer Soldat werden soll, um sein Vaterland zu verteidigen, der ist dazu verpflichtet, wenn er denn ein Vaterland hat und von diesem von Kindesbeinen an Wohltaten empfangen hat. Ein christlicher Bewohner eines bestimmten Landes ist von Geburt an in den Genuss der staatlichen Fürsorge gekommen, ist aufgewachsen in Sicherheit, hat Schulunterricht erhalten, die Polizei schützte sein Eigentum und seine Sicherheit usw. Damit ist der christliche Staatsbürger auch verpflichtet, sich für diesen Staat einzusetzen. Ein Jude, der jetzt plötzlich die Staatsbürgerschaft erhält, aber vorher sein Leben lang unterdrückt wurde, hat diesem Staat gegenüber noch keine Verpflichtungen, hier ist der Staat erst noch in der Bringschuld. Erst die Angehörigen der nächsten Generation, die als vollwertige Staatsbürger aufgewachsen sind und alle Segnungen des Bürgerrechts frei genießen konnten, seien dann auch in der Pflicht, Soldat zu werden. Ascher fehlte es nicht an Selbstbewusstsein und an Mut, auch mal gegen den Mainstream zu argumentieren.
Ebenso selbstbewusst tritt er im "Leviathan" gleichzeitig mit Moses Mendelssohn und Thomas Hobbes in die Schranken. Dabei sind vor allem deutliche Differenzen zu Mendelssohns "Jerusalem" festzustellen. Beide treten zwar für eine "bürgerliche Verbesserung der Juden" ein. Doch während Mendelssohn auf jeden Fall an der jüdischen Tradition festhalten will und eher auf Bürgerrechte als auf religiöse Formen und Zeremonialgesetze verzichten will, tritt Ascher dafür ein, das Judentum als ein Glaubenssystem zu denken, das als solches auch reformierbar und modernisierbar ist. Hierdurch erklärt sich auch der Titel: Bei Hobbes war der Leviathan, benannt nach dem gewaltigen biblischen Ungeheuer, noch der absolute Staat, der die Bürger (zu ihrem eigenen Schutz) knechtet und in vollkommener Unfreiheit hält. Für Ascher bezeichnet das Wort den zum Moloch angewachsenen jüdischen "Staat im Staate", der die Emanzipation der Juden verhindert.
In seiner Revolutionsgeschichte fasst er Geschichte geradezu als eine Abfolge von Revolutionen auf, die jeweils einen Fortschritt beziehungsweise eine Veränderung zum Besseren hin mit sich bringen. Ascher zufolge liegen in der Menschheitsentwicklung zwei Bestrebungen miteinander im Widerstreit, nämlich Sinnlichkeit und Vernunft. Leuten, die sich gegen Revolutionen aussprechen, wirft er vor, dass sie Ursache und Wirkung verwechseln: Revolutionen entstehen, wenn ein Missstand vorliegt, und ihr Ziel ist es, diesen Missstand zu beseitigen.
Dass sich Ascher als Jude in einem Aufsatz mit dem "künftigen Schicksal des Christentums" auseinandersetzte, wäre für einen jüdischen Autor der vorherigen Generation wohl undenkbar gewesen. Auch bei dem Spätaufklärer Ascher werden es noch sehr viele Leute ziemlich keck gefunden oder für einen Anfall von Hybris erklärt haben. Ascher ficht das nicht an. Er geht davon aus, dass die "Offenbarungsreligionen" inzwischen mehr oder weniger abgewirtschaftet haben. Offenbarung ist laut Ascher nicht aus der Vernunft zu begründen, lässt sich nicht denkend entwickeln, Offenbarungsreligionen seien dem Volk immer von außen aufgedrückt worden, hätten "nie einen unmittelbaren Zusammenhang mit den Völkern selbst gehabt", schreibt er. Sie seien zu ihrer Zeit möglicherweise notwendig gewesen. Ascher geht aber davon aus, dass mit zunehmender Entwicklung der Menschheit die geoffenbarte Religion nach und nach einer Weltreligion das Feld räumen dürfte. Einer Religion, die sich, gut aufklärerisch gedacht, mit dem menschlichen Verstand weiterentwickeln wird. Besonders im Protestantismus sieht er eine fortschreitende Entwicklung. Am Schluss könnte für eine Art Religion der Freiheit und Vernunft stehen, in der die Menschen im Bewusstsein ihrer Selbstständigkeit leben.


Fabienne Siegmund: Das Nebelmädchen von Mirrors End


© Petra Hartmann


Weiterer Jahresrückblick:
Teil II: April bis Juni 2020
Teil III: Juli bis September 2020
Teil IV: Oktober und November 2020
Teil V: Dezember 2020


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Fabienne Siegmund: Herbstfeuer

Geschrieben von Petra , in Bücher - phantastisch 26 December 2020 · 85 Aufrufe
Bücher- phantastisch und 2 weitere...
Die Herbstlande-Welt ist ein Projekt, das seit vier Jahren bereits mehrere zauberhafte Bücher hervorgebracht hat. Fabienne Siegmund ist - neben Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser - Mit-Weltgründerin und Autorin des Drei-Landes aus September, Oktober und November. Neben zwei dicken, reich illustrierten Romanen und einem Kurzgeschichtenband hat das Projekt inzwischen auch einige Novellen hervorgebracht. Nun erschien mit "Herbstfeuer" ein neues Büchlein aus diesem Universum. Es ist erneut eine Novelle und gehört, nun ja, irgendwie mit dazu und doch wieder nicht dazu.
"Herbstfeuer" ist eine Novelle, die enstand, bevor es das Herbstlande-Projekt gab. Fabienne Siegmund veröffentlicht hier gewissermaßen eine "Ur-Erzählung", eine Geschichte, aus der später einmal die Idee zu den komplexen Herbstlanden wurde, die sie mit ihren drei Kollegen zusammen entwickelte. Insofern ist die vorliegende Geschichte kein Teil der Herbstlande-Kontinuität, sondern eine Vorform, ein Dokument aus der Entstehungsgeschichte, ein Blick ins Skizzenbuch der Autorin, das dem Leser zeigt, wie es einmal ausgesehen hat in dieser Welt, ein Märchen, das zur Kernzelle des Universums wurde.

Wunschzettel verbrennt im Kürbiskopf

Einige Grundbestandteile, die auch im ersten Herbstlande-Roman vorkommen, finden sich bereis in der Herbstfeuer-Novelle. So geht es um einen schwerkranken Menschen, den nur noch ein Wunder retten kann. Und es geht darum, dass eine Person dieses Wunder durch einen besonderen Wunsch herbeiführen will: Ein Wunsch in der aufgeschrieben und dann in einem Kürbiskopf verbrannt wird. Damit beginnt für den Wünschenden eine abenteuerliche und gefährliche Odyssee durch ein Zauberland, es gibt gute und schlechte Begegnungen, freundliche und feindliche Wesen, und es ist gar nicht so einfach, wieder zurück in die wirkliche Welt zu kommen. Der Preis für einen Wunsch ist sehr hoch ...

Kürbiskönig und Novemberhexe

In "Herbstfeuer" ist die Gebieterin der Wünsche noch nicht die Kürbiskönigin. Es ist der Kürbiskönig, an den die junge Hazel sich wendet, als ihr Bruder schwer krank in der Klinik liegt. Und dann ist da noch die Novemberhexe, vor der Hazel sich vorsehen muss. Der größte Kürbiskopf der Stadt muss es sein, in dem sie ihren Wunsch verbrennt. Aber damit ist nur der allererste Schritt getan. Und das Opfer, das Hazel bringen muss, ist groß.
Es ist ein dünnes, erneut zauberhaft illustriertes Bändchen, das hier den Herbstlanden eine neue Facette hinzufügt. Für die Fans der Serie hat es einen ganz eigenen Charme, dieses noch etwas ungelenke, unfertige Herbstlande-Stück zu lesen. Denn dass sich die Welt inzwischen weiter entwickelt hat und wesentlich komplexer geworden ist als das kleine Märchen, das am Anfang stand, sollte niemanden verwundern. Auch die Autorin hat sich inzwischen entwickelt und ist beseer und vielschichtiger geworden. Aber gerade darum ist dieses Märchen eine kleine Kostbarkeit und ein hochinteressanter Blick in die Werkstatt einer besonderen Erzählerin.

Fazit: Ein Einblick in die Ur-Herbstlande. Für Fans ein Muss, für Neueinsteiger ein interesantes Probehäppchen, das ein wenig über die Welt der Monate September, Oktober und November ahnen lässt, ohne allzu viel zu verraten. Lesenswert.

Fabienne Siegmund: Herbstfeuer. Eine Herbstlande-Novelle. Meitlingen/Erlingen: Verlag Torsten Low, 2020. 37 S., Euro 7,50.



Weitere Bücher über die Herbstlande
Herbstlande
Herbstlande - Verklingende Farben
Geschichten aus den Herbstlanden
Anja Bagus: Das Nebelreich
Alessandra Reß: Die Sommerlande
Markus Heitkamp: Die Reisen des jungen Haselhorn

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Namiria
Das Mädchen und der Leuchtturm
Der Karussellkönig
Goldstaub
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Herbstlande - Verklingende Farben
Moon Bird
Das Nebelmädchen von Mirrors End


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Reimer Boy Eilers: Die Schiffbrüchigen von Tumbatu

Geschrieben von Petra , in Lyrik 26 December 2020 · 154 Aufrufe
Lyrik, Reimer Boy Eilers
Ein "Langgedicht" nennt Reimer Boy Eilers sein neues Werk "Die Schiffbrüchigen von Tumbatu". Das ist eine redliche Bezeichnung für eine rund 200 Seiten starke in Verse gegossene Dichtung, wenn man nicht gerade mit so wuchtigen Genre-Bezeichnungen wie "Epos" hantieren möchte. Eilers erzählt vom Schiffbruch eines Sklavenschiffs, der sich vor der Küste der Insel Tumbatu nahe Sansibar zugetragen hat, und vom Schicksal der Sklaven, die an Bord gefangen waren.
In 31 Kapiteln - Eilers bezeichnet sie als "Stremel", ein Wort, das ich bislang nur in Verbindung mit Lachs kannte - erzählt der Autor von einer offenbar zum Teil autobiografischen Erfahrung, einer Reise nach Sansibar, und verbindet dies mit einer Art Vision oder mystischen Zeitreise.
Der Ich-Erzähler ist zur Zeit des Ramadan auf der Insel Sansibar unterwegs. Hier lernt er den Heiler Salumba kennen. Als er von der nahegelegen Insel Tumbatu hört, an deren Küste einst ein Sklavenschiff verunglückte, wird er neugierig und macht sich auf, den Ort zu besuchen. Im Einbaum, begleitet von einigen Einheimischen, setzt er über. Im Ramadan keine ganz einfache Fahrt, da die moslemischen Begleiter wegen des Fastenmonats tagsüber weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen dürfen, und auch der Ich-Erzähler wird an Bord von Durst und Hitze in einen seltsamen, überwirklich-halluzinatorischen Zustand versetzt. Es sind nicht nur die Stimme und das Bild Salumbas, die ihn auf dieser Fahrt als mystische Helfer begleiten, an der Unglücksstelle angelangt wird der dehydrierte deutsche Tourist einer Vision teilhaftigt und erlebt das Schicksal der Sklaven hautnah mit.

Sklavenschiff verunglückt vor Tumbatu

Es ist keine schöne Geschichte. Ein Schiff voller Sklaven, dem Untergang geweiht. Die Menschen unter erbärmlichsten Bedingungen unter Deck zusammengepfercht und angekettet. Kenyatta, der Held der Geschichte, wird von seiner Frau und seiner Tochter getrennt, muss sogar mit ansehen, wie seine Tochter Sabahate, Morgenröte, die auf der Fahrt erkrankt, über Bord geworfen und von einem Tigerhai davongerissen wird.
Als das Schiff vom Sturm vor der Küste Tumbatus zerschlagen wird, kann Kenyatta sich retten. Doch der Traum von der Freiheit ist kurz und trügerisch. Er währt nur wenige Tage, dann werden die letzten Überlebenden von Sklavenjägern erneut gefangen und nach Sansibar auf den Sklavenmarkt gebracht.

Reimer Boy Eilers schreibt keine "schöne" Lyrik

Es ist keine schöne Geschichte, und es ist kein "schönes" Gedicht. Blümchenlyrik wäre angesichts des Themas auch unangemessen gewesen. Eilers verwendet einfache Verse mit schlichten Reimen, oft Knittelverse, oft auch Takte und Reime, die irgendwie "haken". Geschmeidig und elegant geht anders, dieses hier hakt und öst und eckt und kantet, und das soll wohl auch so sein. Interessant ist die Sprache gleichwohl. Da werden immer wieder arabische Ausdrücke und Swahili-Wörter eingeflochten, aber gleichzeitig scheut der Helgoländer Autor nicht davor zurück, norddeutsche Ausdrücke einzustreuen, vor allem Seemannssprachliches, was an Bord eines sansibarischen Einbaums einen ganz eigenen Effekt macht. Wenn der Freund mit "Rafiki" ("Freund") oder "Muzungu" (rote Banane = Weißer mit Sonnenbrand) angeredet wird, dann ist die Antwort des Norddeutschen darauf, dass er die Fahrt einer südlichen Sklaven-Dhau mit seinem eigenen Vokabular schildert. Das Schiff trifft auf "Rasmus' Wasserhose", da schreit der Rudergänger: "Wahrschau!", die Dhau treibt "blank vor Top und Takel", und schon ist die gefährliche Küste nur noch eine halbe Kabellänge voraus. "All hands on deck!", schallt es. Der Erzähler selbst "wie der Klabautermann vorn im Bug", fordert: "Butter bei die Fische" und bekommt von seinem Kapitän den Rat: "Schau zur Kimm".
Und was hat der Reisende nun mitgenommen von seiner Expedition? Das lapidare "Na, is auch wurscht./ Mann, hab ich nen Durscht." ist nicht ganz das letzte Wort des Langgedichts. Der Schamane Salumba hatte seinem Fraund ja angekündigt, er werde nicht so zurückkommen, wie er aufgebrochen war. Ein neugieriger, naseweiser Tourist ist er wohl doch geblieben, wie der Heiler diagnostiziert. Nichts, was nicht auch irgendwie in Ordnung wäre. Aber ein wenig nachdenklich geworden ist er schon, als er von dannen geht.

Fazit: Ein spannendes sprachliches und erzählerisches Experiment zwischen Sansibar und Helgoland. Eine Zeitreise zurück in die düstere Zeit, versehen mit einem kleinen Fragezeichen an die Gegenwart. Keine schöne Geschichte, aber eine notwendige. Lesenswert.


Reimer Boy Eilers: Die Schiffbrüchigen von Tumbatu. Langgedicht. Hamburg: Kulturmaschinen Verlag, 2020. 203 S., Euro 18.


Mehr von Reimer Boy Eilers
Das Helgoland, der Höllensturz

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Günter Abramowski: das leichte ist im schweren

Geschrieben von Petra , in Lyrik 25 December 2020 · 86 Aufrufe
Lyrik, Günter Abramowski
Mit schöner Regelmäßigkeit legt der Lyriker Günter Abramowski im Abstand von einem bis zwei Jahren einen neuen Gedichtband vor. Sein neuestes Werk trägt den Titel "das leichte ist im schweren" und reiht sich nahtlos in diese Folge ein. Knapp 100 Gedichte enthält das im Hamburger Elbaol-Verlag erschienene Taschenbuch, und der Verfasser rät dem Leser zum Einstieg: "Es ist von Vorteil, die Gedichte in ihrer Reihenfolge zu lesen." Was natürlich gerade zum Widerstand und Querlesen herausfordert ... So ergeben die ersten Zeilen des Inhaltsverzeichnisses am Schluss des Buchs Folgendes:

wink
in die welt hinein
nackt sind wir schön
so weit ich weiß

Aber beginnen wir nun ernsthaft mit dem Anfang. Eröffnet wird der Band mit dem Gedicht "wink", in dem sich das Thema des Leichten und Schweren, das sich ja im Buchtitel ankündigte, widerspiegelt. Ein Augenblickseindruck, geronnen zur Allzeit:

dieser augenblick
wundersame knospe
an einem zaunpfahl

weiß nicht
woher er kommt
liebfürchte das licht der blüte.

Das Aufeinandertreffen von Schwere und Leichtigkeit findet sich in vielen Gedichten dieses Bandes wieder. So in dem mit rund zweieinhalb Seiten auffallend langen Stück "die reise in den ort des abschieds", das im Anfang die Schwere und Gewichtigkeit mit dem Bild von "bleiernen Wolken" über einem sandsteinernen Turm, grauweißem Geröll und dem Gipfel eines Hügels beschwört, deren "Schwere" sich über die Landschaft ergießt. Dann entwickelt sich leicht ein Wind auf der stehenden Luft heraus, Windvogel und Ölpapierdrache an feiner Silberschnur lehren das lyrische Ich fliegen. Es geht um Abschied, Schmerz und Tod, aber auch um die Leichtigkeit in allem:

dein offen herz es ist das das goldne tor
in deine schöpferwelt
durch die der freie vogel fliegt

Ähnlich klingt es am Schluss des Gedichts "heiligabend 1972", in dem der Ich-Erzähler festhält:

ich ergab mich

in meinen
ausgebreiteten armen
der eisenharten erde gewicht

mich trug
aus der schwere
die leichtigkeit
unserer melodie
wir sangen einander
heimwege durch den wald

Abramowski beschreibt Oberflächlichkeit und Sinnarmut der modernen Zeit, wendet sich gegen Massengeschmack, Konsumgesellschaft und versäumtes Selbst-Denken. So heißt es im Gedicht "wer ist wir":

polit-eure verblenden die sicht
influencer geben ihrem lebem
fake sinn

den unbrauchbaren bleibt nichts
sie sterben dahin
sich balgend um must haves

Und in "zwischen welten" spricht sehr viel Verärgerung über einen gewissen Typus Mitmensch: "wer zu doof zum leben / verspielt die welt", gnatzt der Autor und fordert auf: "versuch zu heilen / dich deine führer die welt"
Dazwischen: ein Ich auf der Suche nach sich selbst, manchmal verloren, einsam, traurig, "muttervaterseelenalleintraurig", ein Autor, der orpheusartig klagt: "ach ich habe mich verloren" und sich aufrafft "aus meines gottes armen" "das eigne leben in die häbde" zu nehmen":

will in der erinnerung
zeitenlos mein jetzt erleben

möchte sein
was ich deinst hatte

möchte werden
was ich bin


Fazit: Ein leicht-schwerer Lyrikband, für den man sich ein wenig Zeit nehmen sollte. Sehr schön ausbalanciert zwischen Gewichtigkeit und Schweben.

Günter Abramowski. das leichte ist im schweren. Gedichte. Hamburg: Elbaol Verlag, 2019. 124 S., Euro 6,99.


Mehr von Günter Abramowski
darüberhinaus
vor den toren von tag & nacht
vom turm


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Weihnachtsmärchen: Die Tannenbaumspitze

Geschrieben von Petra , in Weihnachten 24 December 2020 · 129 Aufrufe
Weihnachten, Weihnachtsmärchen
Weihnachten kommt immer so plötzlich, heißt es ja. Nun, dieses Jahr war alles ein bisschen anders, die letzten Geschenke-Einkäufe habe ich rechtzeitig vor dem Lockdown gemacht, und nun hoffe ich auf ein paar stille und irgendwie frohe Tage. Bleibt nur noch, euch ein Weihnachtsmärchen zu erzählen. Meine Schwester hat sich für dieses Jahr etwas gewünscht. Sie hat sich gewünscht, dass im Märchen das Wort Corona nicht vorkommt. Und es sollten Kinder eine Rolle spielen. Klar, dass ich ihr diesen Wunsch erfüllt habe. Und wenn ich mir nun auch etwas wünschen darf: Ich wünsche mir, dass alle, die das hier lesen, glücklich und vor allem gesund durch das neue Jahr kommen. Passt auf euch auf, ja? Und nun: Viel Spaß beim Lesen.


Die Tannenbaumspitze


Wie lange war ich nicht mehr hier oben auf dem Dachboden? Jahre? Jahrzehnte? Ein Leben lang? Es ist unfassbar, was sich in all der Zeit angesammelt hat. Aufräumen war nie meine starke Seite, aber wer es in diesem Jahr nicht schafft, seinen Dachboden zu entrümpeln, der wird es nie schaffen, dachte ich mir. So kam ich herauf.
Bald habe ich die ersten kaputten Stühle nach unten geschafft, alte Umzugskisten geöffnet, und da ist ja auch die Comic-Sammlung aus den 80ern mit den Yps-Heften und Superhelden-Abenteuern. Als ich den Karton mit der Weihnachts-Deko öffne, werde ich langsamer. Die Krippe mit dem dreibeinigen Schaf und ohne Jesus. Die Tannenzapfen-Wichtel und Goldpapier-Sterne und die rotleuchtenden Kugeln aus hauchdünnem, zerbrechlichem Glas.
Wie ein absurder Fremdkörper liegt die dicke orangefarbene Knetkugel mit dem Loch in der Mitte daneben. Eine plumpe, von grobmotorischen Kinderfingern zusammengerollte Knetkugel, auf der drei ungeschickt daraufgedrückte blaue Sterne kleben. Ziemlich hässlich, aber wir haben es nie übers Herz gebracht, sie wegzuwerfen.
Und jetzt weiß ich auch wieder, wo ich damals die wunderschöne, hauchzarte Tannenbaumspitze aus Glitzerglas versteckt habe. Ganz vorsichtig balanciere ich nach hinten in den dunkelsten Bereich des Speichers und passe auf, dass ich die ekligen Spinnennetze nicht berühre. Dort im Geheimversteck hinter dem alten Eichenbalken finde ich die graue Pappschachtel, die ich vor über 40 Jahren dort verborgen hatte. Vorsichtig hebe ich den Deckel.
Es ist kaum zu glauben, aber sie liegt noch vollkommen unversehrt vor mir. Und als ich jetzt an die kleine Dachluke trete und ein dünner Wintersonnenstrahl sich in dem Glitzerglas fängt, wahrhaftig, da leuchtet das wunderschöne Zauberding auf und funkelt wie ein Eiskristall im Schneekönigin-Märchen. So wunderschön, denke ich.
Nie habe ich eine schönere Tannenbaumspitze gesehen. Aber gezeigt habe ich sie niemals jemandem. Vorsichtig lasse ich mich auf einem der alten, zerbrechlichen Stühle nieder und drehe das glänzende Meisterwerk hin und her. Die schönste Tannenbaumspitze der Welt.

*


Nie werde ich das Gesicht unserer Mutter vergessen an dem Tag, als sie die Scherben der zerbrochenen Tannenbaumspitze aufsammelte. Das Geräusch des zersplitternden Glases ist verschwunden aus meinem Gedächtnis. Das Wanken und Schwanken des Weihnachtsbaums, der Sturz – nichts. Nur ihr bleiches, trauriges Gesicht und die dunklen Augen, die auf die Scherben starrten, als sei alles Glück und alle Herrlichkeit der Welt für alle Zeit zerbrochen.
Meine Schwester und ich fühlten uns hundeelend an dem Tag. War sie schuld, war ich es? Ich wusste es nicht mehr. Ich wusste nur, dass Weihnachten nie wieder dasselbe sein würde und dass ein Baum ohne Tannenbaumspitze das Furchtbarste war, was es auf der ganzen Welt geben konnte. Wir hatten sie doch nur einmal genau ansehen wollen. Und nun lag Weihnachten in Scherben.
Die Kleine konnte es noch nicht wissen, die kam gerade mal in den Kindergarten und verstand nicht viel. Aber ich, ich war schon groß und kam bald in die zweite Klasse. Ich wusste genau, was wir getan hatten. Wir hatten Weihnachten getötet. Und wenn Mama auch versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, es hatte sie getroffen. Und was sollte nun werden?
Natürlich geht das Leben immer irgendwie weiter. Anfang Januar verschwand der Baum aus unserem Wohnzimmer, und die Kugeln und Zwerge und Sterne kamen in die große Weihnachtskiste, die Papa auf den Dachboden trug.
Das Frühjahr kam, der Sommer, der Herbst. Ich hatte das Unglück schon fast wieder vergessen, als unsere Lehrerin anfing, uns Weihnachtssterne basteln zu lassen, Sterne aus rotem Tonpapier und Goldfolie, damit wir zu Hause unseren Baum auch ordentlich schmücken konnten.
Ach, da fiel es mir alles wieder ein. Welchen Sinn konnte es schon haben, einen Tannenbaum zu schmücken, wenn die Spitze zerbrochen war? Nein, das würde kein frohes Fest werden. Mama würde weinen beim Anblick des Baumes, das wusste ich doch.
In der Woche darauf hatten wir eine Deutschstunde bei unserem Schulleiter. Wir sollten einen Wunschzettel schreiben, entweder an den Weihnachtsmann oder an das Christkind, das durften wir uns aussuchen. Da musste ich gar nicht lange überlegen.
„Lieber Weihnachtsmann“, schrieb ich in Beinahe-Schönschrift, „ich wünsche mir ganz doll eine Wasserpistole und eine Tannenbaumspitze.“
Der Schulleiter fand das seltsam. Aber ich war doch froh, dass er auf die Idee mit dem Wunschzettel gekommen war. Denn nun musste doch alles gut werden.
Nach der Schule lief ich sofort hinüber zum Briefkasten und warf meinen Wunschzettel ein. Doch dann hörte ich den dicken Peter hinter mir dreckig lachen. Er hatte alles mitgekriegt, und nun lachte er mich aus, weil ich einen Wunschzettel abgeschickt hatte und weil ich noch an den Weihnachtsmann glaubte. „Du bist ja noch ein richtiges Baby“, lachte er. „Den Weihnachtsmann gibt es doch gar nicht, und die Geschenke, die kaufen ja die Eltern.“
Ich habe nicht geweint, als er es sagte. Ich habe die Nase ganz hochgenommen und bin aufrecht an ihm vorbeigegangen. Aber bestimmt habe ich ein Gesicht gemacht wie meine Mutter, als sie die Scherben der Tannenbaumspitze zusammenkehrte. Doch, ein bisschen habe ich doch geweint. Aber erst, als Peter mich nicht mehr sehen konnte. Und dann ist mir etwas eingefallen. Mir ist eingefallen: Wenn Eltern Geschenke kaufen können, dann können Kinder das auch.
An das Geräusch des Sparschweins, das ich zerschlug, erinnere ich mich noch genau. Auch an sein verdutztes Gesicht. An die drei Fünfmarkstücke zwischen den dicken gelben Steingutscherben und daran, wie gut ich aufpasste, dass ich mir nicht Finger zerschnitt, als ich sie herausfischte.
Damals gab es noch den kleinen Dorfladen von Renate Huber im Eichenweg. Ich war Stammkunde in der Bonbon-Abteilung, natürlich, und manchmal hatte mich Mama auch schon mit einer Einkaufsliste losgeschickt, um Konservendosen oder Waschpulver zu kaufen. Aber als ich meine drei Fünfmarkstücke auf den Tresen legte und eine Tannenbaumspitze verlangte, schaute mich Tante Renate ungefähr so verblüfft an wie das Sparschwein kurz zuvor.
Zuerst hatte ich das Gefühl, dass sie gar nicht wusste, was eine Tannenbaumspitze überhaupt war. Sie zeigte mir einen Strohstern mit einer grünen Drahtspirale unten dran. Den könne man sehr gut auf eine Fichte setzen, meinte sie, das sei auch supergünstig und obendrein jetzt modern. Oder einen kleinen Engel, der oben auf dem Weihnachtsbaum sitzen konnte. Aber eine glitzernde Glasspitze, die aussah wie ein verzauberter Eiskristall, nein, so etwas hatte sie nicht im Regal. Ob ich nicht lieber einen Schokostern haben wolle?
Da begann ich zu weinen. Mitten im Tante-Emma-Laden von Tante Renate, und es war gut, dass ich in diesem Augenblick der einzige Kunde war.
„Kind, Kind, wein doch nicht“, rief sie erschrocken aus. „Warte, ich habe da vielleicht noch etwas auf dem Speicher. Geh nicht weg.“
Ich schniefte. Aber da war sie schon aus dem Laden verschwunden, und ich hörte sie mit schweren Schritten die Treppe hinauf zum Dachboden stiefeln. Da oben rumpelte etwas. Möbel wurden verschoben. Ich hörte eine quietschende Schranktür. Noch ein Möbelrücken. Der Dachboden von Renate Huber musste wohl ähnlich vollgestellt sein wie unserer. Aber am Ende kam sie dann doch wieder die knarrenden Treppenstufen herunter.
In der Hand hielt sie eine graue Schachtel, und als sie jetzt den Deckel anhob, da blieb mir fast die Luft weg vor lauter Glück: Eine gläserne Funkel-Tannenbaumspitze, die in tausend Farben sprühte, lag darin. Und da wusste ich, dass es dieses Jahr doch ein Weihnachtsfest geben würde.
„Nimm sie ruhig“, meinte Tante Renate. „Das ist noch ein Erbstück von meiner Schwiegermutter. Ich würde das altmodische Ding ohnehin nicht mehr auf meinen Christbaum setzten.“
Sie wollte nicht einmal mein Geld haben, und ich glaube, sie hielt mich für etwas verrückt, dass ich so ein altmodisches Ding überhaupt haben wollte. Aber als ich den Karton vorsichtig nach Hause trug, da war es mir, als hätte ich den kostbarsten Schatz der ganzen Welt geschenkt bekommen.
Die Tage bis Heiligabend waren kaum auszuhalten. Zu gern hätte ich wenigstens meiner kleinen Schwester das Zauberding gezeigt und mich dafür bewundern lassen, dass ich Weihnachten gerettet hatte. Aber sie hätte es womöglich noch zerbrochen oder, schlimmer noch, mein Geheimnis verraten. Sie war ja erst ein Kindergartenkind und verstand es nicht besser.
Hach, und dann war es endlich so weit. Das Wohnzimmer lag im Halbdunkel, der Baum war festlich geschmückt, rote Wachskerzen brannten auf den Zweigen, und er sah wunderschön aus. Nur der Platz an der Spitze war leer und erinnerte an die Katastrophe vom letzten Jahr. Wir sangen. „Oh du fröhliche“ und „Oh Tannenbaum“.
Und dann kam der feierliche Moment, in dem ich vortrat, mein kleines Päckchen hochhielt und ...
„Da, Mama, für dich“, sagte in diesem Augenblick meine kleine Schwester. Sie hielt eine dicke orangefarbene Knetkugel in der Hand. „Das habe ich im Kindergarten gemacht. Weil ich doch letztes Jahr die Tannenbaumspitze kaputtgemacht habe.“
Meine Mutter hätte fast geheult vor Rührung. Sie umarmte die Kleine. Und dann hat Papa die dicke orangefarbene Knetkugel mit den drei blauen Sternen ganz oben auf den Baum gesetzt. Die nadelige Spitze der Fichte passte genau in das Loch der Kugel, und Papa musste die Knetmasse nur ein ganz kleines Bisschen zusammendrücken.
Schön sah es nicht aus, das mussten auch meine Eltern gemerkt haben. Aber als ich das Strahlen im Gesicht meiner Mutter sah und wie stolz die Kleine vor dem Baum stand, da wusste ich, dass das nicht der richtige Moment war, meine Pappschachtel zu öffnen. Aber ich verstand auch, dass Weihnachten gerettet war und dass unser Baum ganz genau die richtige Spitze bekommen hatte.
Ganz leise schlich ich mich davon und ließ den Karton mit dem Glitzerkristall verschwinden, und später versteckte ich ihn auf dem Dachboden.

*


Das ist jetzt über 40 Jahre her. Und die Tannenbaumspitze glitzert und funkelt noch immer so zauberhaft wie damals im Tante-Emma-Laden von Tante Renate. Ja, denke ich, Weihnachten ist gerettet, wenn man die richtige Tannenbaumspitze hat. Und dann mache ich den Deckel wieder zu und verstecke die Schachtel wieder hinter dem alten Dachbalken. Wenn meine kleine Schwester mich nächste Woche zum Fest besucht, dann wird auf meinem Baum eine dicke orangefarbene Knetkugel mit drei blauen Sternen thronen. Ob sie sich noch daran erinnert?


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Corona-Anthologie erschienen

Geschrieben von Petra , in Aus Petras Werkstatt 12 December 2020 · 97 Aufrufe
Aus Petras Werkstatt, Corona
Unsere Corona-Anthologie "Wenn die Welt klein wird und bedrohlich" ist da. Die Sammlung enthält 30 Beiträge von 30 Autoren, die sich schreibend durch den ersten Monat unter Pandemie-Bedingungen hindurchgelebt haben. Ich bin mit meinen "Notizen aus der Lokalredaktion" darin vertreten.

Der Klappentext:

„Ich möchte glauben, dass auch diese Pandemie etwas Gutes besitzt; dass sie nicht umsonst ausbrach. Gut möglich, dass sie der außer Kontrolle geratene Blutdruck unseres Planeten war, der nun die Möglichkeit nutzte, für mehrere Wochen oder Monate in Kur zu dürfen.
Ich möchte glauben, dass wir aus diesem Ereignis etwas lernen werden. Nicht alle, aber genug von uns.
Ich möchte glauben, dass kommende Generationen von ihren Eltern gewarnt werden, es nicht so weit kommen zu lassen.
Ich möchte …“
(Torsten Scheib)

30 Phantastik-Autorinnen und -Autoren begleiten den ersten Monat der Corona-Isolation.
30 Perspektiven auf eine Welt im Krisenzustand.
Ein literarisch-phantastisches Tagebuch zwischen realer Dystopie und erschreckender Wirklichkeit.
Mit Beiträgen von Vincent Voss, Michael Schmidt, Jörg Kleudgen, Arthur Gordon Wolf, Nele Sickel, Silke Brandt, Petra Hartmann, Marianne Labisch, Markus K. Korb, Sascha Dinse, Gerd Scherm, Tatjana Stöckler, Sebastian von Arndt, Christian Veit Eschenfelder, Nicole Rensmann, Tobias Bachmann, Günter Wirtz, Tobias Reckermann, Martina Sprenger, Julia Annina Jorges, Thorsten Küper, Torsten Scheib, Jana Oltersdorff, Nadine Muriel, Matthias Attig, Alessandra Reß, Isabella Benz, Frank Hebben, Carolin Zwergfeld und Michael Marrak.


Buch-Infos:

Felix Woitkowski (Hrsg.)
WENN DIE WELT KLEIN WIRD UND BEDROHLICH
Band 11, Anthologie
Seiten: 306 Taschenbuch
Künstler: Jens Weber
Preis: 12,95 Euro

Das Buch könnt ihr euch als Taschenbuch beim Blitz-Verlag bestellen: https://www.blitz-ve...on=buch&id=2548
Oder als eBook bei allen üblichen Online-Buchhändlern.

Wer mag, kann auch gern auf der Facebook-Seite zum Buch hereinschauen:
https://www.facebook...100370131892429


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Reporterslam in Hildesheim: Die Kunst, kleine Buchstaben zu schreiben

Geschrieben von Petra , in Unterwegs 30 October 2020 · 4306 Aufrufe
Unterwegs
Ich war beim ersten Hildesheimer Reportslam mit dabei. Mein erster Slam überhaupt. War eine spannende Sache. Vor allem, weil es ziemlich überraschend kam. Ich habe erst 48 Stunden vor der Veranstaltung erfahren, dass ich da auftreten sollte, ein Teilnehmer ist wegen Corona ausgefallen. Mein Text "Die Kunst, kleine Buchstaben zu schreiben" war dann am Morgen um 3.36 Uhr fertig. Es gibt kein Problem, das nicht mit Kaffee gelöst werden kann.

Direkt zu meinem Auftritt geht es hier lang:
https://youtu.be/xnJsYm1TVnQ?t=5544

Naja, das war halt mein erster Slam. ;-)


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Falkenblut: Schlagkräftig und schlagfertig

Geschrieben von Petra , in Falkin 27 October 2020 · 208 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküren
"Valkrys eine schlagkräftige und schlagfertige Walküre" - so nennt Birgit51 ihre Rezension meines Walküren-Romans "Falkenblut". Sie vergibt fünf Sterne und schreibt:

"Mit Falkenblut entführte mich Petra Hartmann sehr unterhaltsam und klasse beschrieben in eine schaurige, düstere Welt der germanischen Mythen, so dass ich mir Valkrys, die taffe, eigensinnige, nicht auf den Kopf gefallende und schlagfertige Walküre und deren Welt gut vorstellen konnte."

Was ihr besonders gefallen hat, waren die fantasievollen Beschreibungen, die sie in den Bann gezigen haben. Außerdem:

"Klasse auch, dass sich die kleine Walküre und auch Widar - den einzigen Gott, den sie vom Schlachtfeld lebend retten konnte - sich immer wieder einen humorigen Schlagabtausch liefern. Auch viele andere Protagonisten in diesem Buch sind nicht auf den Mund gefallen, so dass die vielen Wortgefechte mich immer wieder zum Schmunzeln brachten. Diese Abwechslung zwischen den düsteren, geheimnisvollen sowie den humorigen Szenen machen das Buch so unterhaltsam."

Die vollständige Rezension findet ihr hier:
https://www.amazon.d...SIN=3935928998


Weitere Rezensionen zu Falkenblut:
JohnnyZombie
Jojos Bücherwelten
Christel Scheja im Fantasyguide
Frank W. Berneburg im Eisenacher Rezi-Center
Suntje
Diana Naumann
Erik Schreiber im Phantastischen Bücherbrief
Angelsammy


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Falkenblut: "Eine starke Frau ohne Wagner (Gott sei dank!)"

Geschrieben von Petra , in Falkin 17 October 2020 · 724 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküren
Angelsammy hat meinen Walküren-Roman "Falkenblut" gelesen. In ihrer Rezension auf Lovelybooks schreibt sie unter der Überschrift "Eine starke Frau ohne Wagner (Gott sei dank!)":

"Viele werden bei dem Wort "Walküre" oder Plural die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und gleich an Richard Wagner, Hornhelme und Stimmen denken, die klischeehaft Glas zerspringen lassen (was nicht stimmt! Ist physikalisch gar nicht möglich!)! Keine Sorge! Dieses Buch könnte davon nicht entfernter sein - im besten Sinne."

Als Kurzmeinung hält sie fest: "Die Welt wird rebooted. Und Valkrys ist an vorderster Front. Spannend und mit knisternd - trockenem Humor, tolles Abenteuer!"

Zur Heldin des Romans notiert sie:
"Valkrys ist ein starker, lebendiger, intelligenter Charakter mit Tiefe und liefert sich mit Widar einen ordentlichen Schlagabtausch, was Humor und vitalen Antrieb in das Buch bringt. Sie muß sich tapfer, todesverachtend und geschickt mit und / oder gegen alle möglichen (Un) Wesen auseinandersetzen. Das Schöne ist, daß sie keinen Kerl braucht um selbst ist die Walküre zu sein."

Das Fazit lautet:
"Das Thema ist sehr gut lesbar und einnehmend umgesetzt worden. So muß ein wahres Abenteuer sein! Spannend und aufregend, superbe, kristallklare Lektüre! Ich freue mich schon schon auf die Fortsetzung!"

Die vollständige Rezension findet ihr hier:
https://www.lovelybo...t-2637379426-w/



Weitere Rezensionen zu Falkenblut:
JohnnyZombie
Jojos Bücherwelten
Christel Scheja im Fantasyguide
Frank W. Berneburg im Eisenacher Rezi-Center
Suntje
Diana Naumann
Erik Schreiber im Phantastischen Bücherbrief
Birgit51


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Falkenblut: "Arbeitslos am Ende aller Dinge"

Geschrieben von Petra , in Falkin 10 October 2020 · 172 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküre
Unter der Überschrift "Arbeitslos am Ende aller Dinge" berichtet heute die Wochenzeitung "Kehrwieder" über meinen Walküren-Roman "Falkenblut".

"Ihre Abenteuer beginnen dort, wo alle Sagen enden", heißt es in dem Artikel. "Valkrys hat ihren ersten Arbeitstag aber ausgerechnet am Tag des Weltuntergangs. Die Walküre ist arbeitslos."

Das Blatt berichtet: "Die promovierte Literaturwissenschaftlerin hat sich intensiv mit alten isländischen Götter- und Heldenliedern auseinandergesetzt - und sie dann mit Humor in ein freches Spiel mit Märchen- und Mythen-Klischees verwandelt."

Den vollständigen Artikel könnt ihr im ePaper des Kehrwieder auf der Kulturseite (S. 8) lesen:
http://www.e-pages.dk/kehrwieder/260/


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Kreuzfahrt-Schiff sticht in See

Geschrieben von Petra , in Aus Petras Werkstatt 01 October 2020 · 158 Aufrufe
Aus Petras Werkstatt, Krimi und 3 weitere...
Ab heute erhältlich: "Kreuzfahrt, Mord und Mittelmeer" - eine Krimi-Anthologie, die euch mörderische Freude und ein diebisches Vergnügen bereiten soll. Ich bin mit der Geschichte "Der Hafen der Astarte" mit an Bord und erzähle euch von einem Archäologie-Studenten, der in Port-Vendres eine heiße Spur verfolgt. Oder wird er nur eiskalt abgezockt?

Der Klappentext:

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön! Sie kann aber auch schön dramatisch, ganz schön kriminell oder sogar mörderisch sein. Je nachdem, wer sich mit Ihnen an Bord befindet. Und bei Tausenden von Passagieren kann der mit Problemen beladene Rucksack des Lebens schon mal zu perfiden Plänen führen. Rache, Eifersucht und Gier machen vor einer Mittelmeerkreuzfahrt nicht halt. Lassen Sie sich vom exklusiven Flair einer Kreuzfahrt, den vielfältigen Eindrücken der Landausflüge und von spannenden Kurzkrimis gefangen nehmen!
Ein Kreuzfahrtschiff bildet einen Mikrokosmos auf hoher See. Verliebte und frisch Vermählte, aber auch Familien und rüstige Rentner lassen sich verwöhnen und genießen das Meer und die Landgänge. Doch mit dem Leben auf engstem Raum sind Eifersüchteleien, Streit und dicke Luft vorprogrammiert. Ein Heiratsschwindler trifft auf die perfekten Frauen, es kommt zu Diebstahl an Land, Morden und Ermittlungen. 17 AutorInnen präsentieren 19 Kurzkrimis auf einer Kreuzfahrtreise durch das Mittelmeer zwischen Barcelona, Marseille, Cannes, Palma de Mallorca und Rom.

Buch-Infos:
edition caput 4 "Kreuzfahrt, Mord und Mittelmeer" (Hrsg. Brigitte Lamberts & Ursula Schmid-Spreer), Kurzkrimis, 270 Seiten, ISBN 978-3-941935-75-4, Klappenbroschur, 12,00 EUR

Die Autoren:
Julia Raabe, Petra Hartmann, Greta R. Kuhn, Heike Winter, Kerstin Lange, Carolin Roth, Bruno Woda, Joachim Speidel, Stefan Schreiber, Sabine Giesen, Fenna Williams, Laura Gambrinus, Martin Meyer, Jan Teuner, Brigitte Lamberts, Ursula Schmid-Spreer, Edith Anna Polkehn

Bestellmöglichkeit:
Shop des Adakia-Verlags


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Falkenblut: Unterhaltsam, humorvoll und lesenswert

Geschrieben von Petra , in Falkin 01 October 2020 · 768 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküren
Erik Schreiber hat meinen Walküren-Roman "Falkenblut" in der neuen Ausgabe seines "Phantastischen Bücherbriefs" besprochen. Er nennt die Geschichte unterhaltsam und lesenswert, mag besonders den Humor darin und vergibt drei Smileys. In seiner Rezension schreibt er:

"Petra Hartmann fiel mir bereits früh auf mit ihren magisch angehauchten Geschichten wie etwa Darthula und Timur. Ihre neue Geschichte entführt den Leser in den hohen Norden und seine Mythologie. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Valkrys. Als unbedeutende Bauerntochter ist ihr Lebensweg vorgegeben. Doch sie möchte lieber eine richtige Walkyre werden. Das bedeutet für sie, sie muss sich vor den Augen des Göttervaters Odin. Doch was sie auch macht, zuerst scheint es nicht Erfolgsträchtig. Manche ihrer Aktivitäten erscheinen töricht, dann wieder mutig. Je nachdem, wie es Valkrys oder der Leser sieht. Sie gibt sich alle Mühe und schliesslich schafft sie es. Doch zu welchem Preis.
Hier kann man den Klappentext zitieren, der schon sehr viel verrät. Die Zeit der Götter ist vorbei, die letzte Schlacht, Ragnarök, ist geschlagen.
Doch sie ist in einer gewissen Weise eine Heldin. Sie kann den Asenspross Widar retten. Widar hat jedoch eine schwere Aufgabe übernommen, er muss Odin ersetzen und dessen Aufgaben übernehmen. Eine Aufgabe, die mit seinen eigenen Vorstellungen ziemlich konträr laufen. Im Lauf der Zeit und der Abenteuer lernen sie fremde Wesen kennen, die ihnen aber nicht immer wohlgesonnen sind.
Petra Hartmann lässt viel von der nordischen Mythologie in ihre Geschichte einfliessen. Jedoch anders als bereits geschriebene Geschichten von ihren Autorenkollegen, spielt ihre Geschichte nach dem Endzeitkampf. Als Erwachsener oder sagenbegeisteter Leser, findet man die vielen Hinweise sicher als interessant. Nichts desto Trotz finden sich auch neue Wesen, die nicht in der Edda vorkommen. Besonders gut gefällt mir die Art Humor, die Valkrys an den Tag legt. Das macht Falkenblut zu einer unterhaltsamen und lesenswerten Geschichte."

Quelle:
Der phantastische Bücherbrief für Phantastik / Krimi / Thriller / Jugendbücher. September 2020. Ausgabe 685.

Den kompletten Bücherbrief könnt ihr euch unter anderem hier herunterladen:
https://sftreffda.we...ember_2020.pdf


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Frank W. Berneburg im Eisenacher Rezi-Center
Suntje
Diana Naumann
Angelsammy
Birgit51


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Falkenblut: Fesselnde Walküren-Abenteuer

Geschrieben von Petra , in Falkin 29 September 2020 · 498 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküren
Diana Naumann hat meinen Walküren-Roman "Falkenblut" gelesen und ihn besprochen. Ihre Leseeindrücke beschreibt sie folgendermaßen:

"Bisher habe ich mich noch nicht mit der skandinavischen Mythologie beschäftigt, hatte aber keine Probleme mich in die für mich fremde Götterwelt hineinzufinden. Es ist der Autorin super gelungen mein Interesse dafür zu wecken und mich mit den Abenteuern der Walküre zu fesseln."

Auch Diana wünscht sich einen Einblick in die Walkürenschule. (Memo an mich: Schreib das auf, Petra.)

Ihr Fazit:
"Das offene Ende spricht für eine Fortsetzung, auf die ich mich jetzt schon freue."

Die vollständige Rezension findet ihr hier (etwas nach unten scrollen):

https://www.lovelybo...9468252#thread


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Falkenblut: Lara Croft mit Walküren-Action

Geschrieben von Petra , in Falkin 28 September 2020 · 282 Aufrufe
Falkin, Falkenblut, Walküren
Auf Lovelybooks gibt es eine neue Rezension zu meinem Walküren-Roman "Falkenblut". Leserin Suntje vergibt fünf Sterne und schreibt unter der Überschrift "Action in neuen Welten" Folgendes:

"Solch eine Geschichte mit dem Hintergrund der nordischen Mythologie habe ich noch nicht gelesen. Es ist total spannend, zu verfolgen wie Valkrys die verschiedenen Herausforderungen bewältigt, welche interessanten Helfer sich auftun."

Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr das unheimliche Totenschiff Naglfari und das stinkende Leichenwasser, das an Bord getrunken wird. "Irgendwie hatte ich Lara Croft für die junge Frau im Kopf während der Lektüre", notiert Suntje. Sie mag die Spannung und den Humor des Buchs. Und sie wünscht sich, mehr über Valkrys' Ausbildung zur Walküre zu erfahren. Ein Wunsch, den inzwischen mehrere Rezensenten äußerten. Da muss ich wohl nochmal nachlegen.

Das Fazit lautet:

"Ich kann es den jugendlichen Lesern und auch Erwachsenen, die in die Mythologie eintauchen wollen, echt empfehlen. Das Glossar ist sehr hilfreich. Es macht Lust auf viel mehr Walküren-Action."

Die vollständige Rezension findet ihr hier:
https://www.lovelybo...on/2704566690/


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Diana Naumann auf Lovelybooks
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Falkenblut, 2020

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Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Widar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus …
Es ist eine schaurige Welt, in der sich die junge Walküre behaupten muss. Doch Valkrys wäre keine echte Falkin, wenn sie einem Kampf aus dem Weg gehen würde. Todesmutig und mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor stürzt sie sich in die Begegnungen mit Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfen, Berserkern, Hexen, Meerungeheuern und dem furchtbaren Totenschiff Naglfari.

 

 

Petra Hartmann: Falkenblut.

Sibbesse: Hottenstein, 2020.

Broschiert, 247 S., Euro 11.

ISBN 978-3935928991

 

Bestellen im Hottenstein-Verlags-Shop

 

Bestellbar unter anderem bei Amazon

Hörbuch: Drachen! Drachen! 2020

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Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren. Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist – und gelegentlich fies!

Die Autoren: Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.

 

Herausgeber: Petra Hartmann, Frank G. Gerigk

Sprecher: Tim Schmidt

Blitz-Verlag

Ungekürzte Lesung

mp3-Download

611 Minuten, 495.91 MB

9783991093435

 

Zu bestellen unter anderem bei Thalia oder bei Amazon.

Nestis und die verbotene Welle, 2017

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Meerprinzessin Nestis und ihre Freunde sind sauer: Lehrer Seestern meint, dass laute Haifischmusik nichts für Kinder ist. Und der Kronrat stimmt ihm zu. Deshalb bekommt die Band »Ølpæst« Auftrittsverbot in der gesamten Nordsee. Doch plötzlich ist deren Musik überall zu hören: Ein Piratensender strahlt die Hits der Knorpelfischgang lautstark aus.

Als eine hochexplosive Kugelmine über dem blauen Glaspalast im Meer dümpelt und ein führungsloser Öltanker in die Nordsee einfährt, droht eine wirkliche Ölpest. Gelingt es den Meerkindern, ein Unglück zu verhindern?

 

Petra Hartmann: Nestis und die verbotene Welle. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Voraussichtlich ab Juni 2017 erhältlich.

Buch-Infos: ca. 152 Seiten, 14,2 x 20,6 cm, Hardcover, zahlreiche s/w-Illustrationen, mit Fadenheftung, Euro 12,90, ISBN 978-3-977066-00-1

 

Leseprobe

 

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs.

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Demantin, 2016

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Demantin, der junge König von Antrium, liebt die griechische Königstochter Sirgamot. Doch ihr Vater ist strikt gegen die Hochzeit. Immerhin ist Sirgamot erst zwölf Jahre alt. So zieht Demantin in die Welt, um Ruhm zu erwerben, den Namen seiner Geliebten durch seine Taten zu verherrlichen und sich dem griechischen König als Schwiegersohn zu empfehlen. Er besteht heldenhafte Kämpfe, erwirbt sich die Freundschaft der Königin und des Königs von England und besiegt ein schauriges Meerweib. Letzteres allerdings erweist sich als verhängnisvoll. Denn die sterbende Unholdin verflucht Demantin und prophezeit, dass seine Geliebte mit dem üblen König Contriok verlobt werden soll. Kann Demantin noch rechtzeitig zurückkehren, um die Hochzeit zu verhindern?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Demantin. Ein Ritter-Epos
128 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 9-78-3-940078-34-6
8,95 EUR

 

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Leseprobe

 

Crane, 2016

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Gayol, der Sohn des ungarischen Königs, hat in jugendlichem Übermut den alten Hofmarschall seines Vaters zum Wettkampf herausgefordert und eine peinliche Niederlage erlitten. Aus Scham flüchtet er und gerät ins Reich des deutschen Kaisers, wo er unerkannt unter dem Namen Crane (Kranich) eine Stellung als Kämmerer annimmt und bald sehr beliebt ist. Doch als der Fremde und die Kaiserstochter einander näher kommen und Hofbeamten Unzucht und eine unstandesgemäße Liebschaft wittern, beginnt eine schwere Zeit für Königssohn und Kaiserstochter. Kann Gayol sich auf die Treue Acheloydes verlassen? Und kann die lebensbedrohliche Krankheit der Prinzessin noch geheilt werden?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Crane. Ein Ritter-Epos
84 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 978-3-940078-48-3
6,95 EUR

 

Bestellen bei Amazon

Leseprobe

Hut ab, Hödeken! 2015

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Ein rasender Bischof auf dem Rennstieg.
Wegweiser, die sich wie von Geisterhand drehen.
Jäger in Todesangst.
Bierkutscher mit unheimlicher Fracht.
Ein stammelnder Mönch,
der plötzlich zum brillanten Redner wird.
Sollte da Hödeken seine Hand im Spiel haben?
Sagen um einen eigenwilligen Geist
aus dem Hildesheimer Land,
frisch und frech nacherzählt
von Petra Hartmann.

 

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken!

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

101 S., Euro 7,95.

ISBN 978-3-940078-37-7

 

Bestellen bei Amazon

 

Leseprobe

Freiheitsschwingen, 2015

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Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift sehr zum Leidwesen ihres Vaters selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem kleinbürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen

 

Petra Hartmann: Freiheitsschwingen

Personalisierter Roman

München: Verlag Personalnovel, 2015

ca. 198 Seiten. Ab Euro 24,95.

(Einband, Schriftart und -größe, Covergestaltung etc. nach Wahl.)

 

Bestellen unter:

www.tinyurl.com/Freiheitsschwingen

 

Timur, 2015

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Wer ist der bleiche Jüngling im Verlies unter der Klippenfestung? Prinzessin Thia will ihn retten. Doch wer Timurs Ketten bricht, ruft Tod und Verderben aus der Tiefe hervor. Als der Blutmond sich über den Horizont erhebt, fällt die Entscheidung ...

 

Beigaben:

Nachwort zur Entstehung

Original-Erzählung von Karoline von Günderrode

Autorinnenbiografien

Bibliografie

 

Petra Hartmann: Timur

Coverillustration: Miguel Worms

Bickenbach: Saphir im Stahl, 2015.

ISBN: 978-3-943948-54-7

Taschenbuch, 136 S.

Euro 9,95

 

 

Ulf, 2015

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Ein Roman-Experiment mit ungewissem Ausgang: Ulf (Magisterstudent unbekannter Fachrichtung), stammt aus einem Dorf, das mehrmals jährlich überschwemmt wird. Zusammen mit Pastor Dörmann (Geistlicher unbekannter Konfession) und Petra (Biografin ohne Auftrag) überlegt er, was man dagegen tun kann. Als ein vegetarisches Klavier die Tulpen des Gemeindedirektors frisst und das Jugendamt ein dunkeläugiges Flusskind abholen will, spitzt sich die Situation zu. Nein, Blutrache an Gartenzwergen und wütende Mistgabelattacken sind vermutlich nicht die richtigen Mittel im Kampf für einen Deich ...
Mal tiefgründig, mal sinnlos, etwas absurd, manchmal komisch, teilweise autobiografisch und oft völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Bildungs- und Schelmenroman aus einer Zeit, als der Euro noch DM und die Bahn noch Bundesbahn hieß und hannöversche Magister-Studenten mit dem Wort "Bologna" nur eine Spaghettisauce verbanden.

 

Petra Hartmann:

Ulf. Ein Roman-Experiment in zwölf Kapiteln.

eBook

Neobooks 2015

Euro 2,99

Erhältlich unter anderem bei Amazon

Vom Feuervogel, 2015

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Ein Tempel in der Wüste. Heilige Männer, die sich dem Dienst des Feuervogels geweiht haben. Ein Hirtenjunge, der seinem Traum folgt. Aber wird der alte und kranke Phönix wirklich zu neuem Leben wiederauferstehen, wenn der Holzstoß niedergebrannt ist? Eine Novelle von Idealen und einer Enttäuschung, die so tief ist, dass kein Sonnenstrahl je wieder Hoffnung bringen kann.

 

Petra Hartmann:

Vom Feuervogel. Novelle.

Erfurt: TES, 2015.

BunTES Abenteuer, Heft 30.

40 Seiten, Euro 2,50 (plus Porto).

Bestellen unter:

www.tes-erfurt.jimdo.com

 

eBook:

Neobooks, 2015.

Euro 1,99.

Unter anderem bei Amazon

Nestis und die Hafenpiraten, 2014

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Endlich Sommerferien! Nestis und ihre Freunde freuen sich auf sechs Wochen Freiheit und Abenteuer. Doch ausgerechnet jetzt verhängt der Kronrat ein striktes Ausgehverbot für alle Meerkinder. Denn in der Nordsee treibt plötzlich ein furchtbares “Phantom” sein Unwesen. Möwen, Lummen und Tordalke werden von einem unheimlichen Schatten unter Wasser gezerrt und verschwinden spurlos.

Nestis beschließt, den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Als ein Dackel am Strand von Achterndiek verschwindet, scheint der Fall klar: Die gefürchteten “Hafenpiraten” müssen dahinter stecken. Zusammen mit ihrem Menschenfreund Tom wollen die Meerkinder der Bande das Handwerk legen …

Petra Hartmann: Nestis und die Hafenpiraten
Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014
ISBN 978-3-940078-84-1
14,90 EUR

 

 

Leseprobe unter

 

www.tinyurl.com/nestis2

Blitzeis und Gänsebraten, 2014

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Weihnachten im Potte …

… ist so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Und deshalb findet sich auf diesem Bunten Teller mit 24 Hildesheimer Weihnachtsgeschichten für jeden etwas: romantische Erzählungen und freche Gedichte, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, Geschichten von neugierigen Engeln, eifrigen Wichteln und geplagten Weihnachtsmännern. Der Huckup und die »Hildesheimer Weisen« fehlen auch nicht. Was es aber mit dem Weihnachtswunder an der B6 auf sich hat, erfahren Sie auf Seite 117. – Greifen Sie zu!

 

 

Petra Hartmann & Monika Fuchs (Hrsg.): Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten.

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

144 Seiten | 12 x 17 cm | Paperback |

ISBN 978-3-9400787-57-5
8,90 EUR

 

Leseprobe

Beim Vorderhuf meines Pferdes, 2014

Eingefügtes Bild

Das Messer zuckte vor. Fauchend wich die riesige Katze zurück. Doch nur, um sofort wieder anzugreifen. Das Mädchen, das auf dem Leichnam seiner Stute kauerte, schien verloren.
Acht Jahre ist Steppenprinzessin Ziris alt, als sie bei einem Sandkatzenangriff ihr Lieblingspferd verliert. Ist es wirklich wahr, was ihr Vater sagt? "Alle Pferde kommen in den Himmel ..."
Drei Erzählungen aus der Welt der Nearith über edle Steppenrenner, struppige Waldponys und die alte graue Stute aus Kindertagen.

Petra Hartmann: Beim Vorderhuf meines Pferdes. Neue Geschichten aus Movenna. eBook, ca. 30 Seiten. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014. Euro 0,99.

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

Darthula, 2014

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Darthula ist die Tochter eines irischen Kleinkönigs, der über das nebelreiche Land Selama herrscht. Als schönste Prinzessin Irlands lebt sie allerdings nicht ungefährlich. Als sie den mächtigen König Cairbar abweist und ihm nicht als seine Braut folgen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Cairbar überzieht das kleine Selama mit Krieg und Vernichtung und rottet Darthulas Familie aus. Mit ihrem Geliebten Nathos wagt die junge Frau die Flucht über die stürmische See. Aber Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...

Beigaben zur Neuausgabe:
Vorwort der Autorin mit Infos zur Entstehungsgeschichte
Übersetzung des "ossianischen Originals"
Autorinnenbiographie und Veröffentlichungsliste

Buch-Informationen:
Petra Hartmann: Darthula, Tochter der Nebel.
Bickenbach: Verlag Saphir im Stahl, 2014.
Taschenbuch. 126 S., Euro 9,95.
ISBN 978-3-943948-25-7

Bestellen bei Saphir im Stahl

Pressearbeit für Autoren, 2014

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Petra Hartmann, Autorin und langjährige Lokalredakteurin, gibt Tipps für die Pressearbeit vor Ort. Sie erklärt die Wichtigkeit der „Ortsmarke“ für eine Zeitung, gibt Tipps zum Schreiben von Artikeln, zum guten Pressefoto und zum Umgang mit Journalisten. Anschaulich, verständlich, praxisorientiert und für Autoren jedes Genres anwendbar.

Petra Hartmann: Pressearbeit für Autoren. So kommt euer Buch in die Lokalzeitung.
eBook. Neobooks, 2014. Ca. 30 Seiten.
Euro 1,99
Diverse Formate, für alle gängigen eBook-Reader.
Erhältlich z.B. bei Amazon, eBook.de, Thalia, Hugendubel, Weltbild u.a.

Nestis und der Weihnachtssand, 2013

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Als kleine Weihnachtsüberraschung gibt es für Fans des "großen" Nestis-Buchs "Nestis und die verschwundene Seepocke" jetzt ein kleines bisschen Weihnachtssand: Der Verlag Monika Fuchs hat aus der "Ur-Nestis", einem Helgoland-Märchen aus dem Jahr 2007, jetzt ein eBook gemacht. Mit einem wunderschönen Cover von Olena Otto-Fradina und mit ein paar exklusiven Einblicken in Nestis' Nordseewelt.

Klappentext:
"November 2007: Orkantief Tilo tobt über die Nordsee und reißt große Teile der Helgoländer Düne ins Meer. Wer soll nun die Robbenküste reparieren? Meerjungfrau Nestis wünscht sich einfach mal vom Weihnachtsmann 500.000 Kubikmeter Sand ..."

Bonus-Material:
Die Autorin im Interview mit Wella Wellhorn von der Meereszeitung "Die Gezeiten"
XXL-Leseprobe aus "Nestis und de verschwundene Seepocke"

Petra Hartmann: Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013. 99 Cent.

Erhältlich für den Amazon-Kindle

Nestis und die verschwundene Seepocke, 2013

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Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier:
www.tinyurl.com/nestis


Wütend stampft Meerjungfrau Nestis mit der Schwanzflosse auf. Ihre Schwester Undine ist von den Menschen gefangen worden – und weder Meerkönig noch Kronrat wagen, die Kleine zu retten. Aber Nestis fürchtet sich nicht einmal vor den furchtbarsten Monstern des Meeres. Zusammen mit ihren Freunden bricht sie auf zur Rettungsaktion, und es zeigt sich, dass tollpatschige Riesenkraken und bruchrechnende Zitteraale großartige Verbündete sind.
Petra Hartmann entführt ihre Leser in eine etwas andere Unterwasserwelt mit viel Humor und Liebe zum Detail. Trotz des phantastischen Meermädchen-Themas findet der Leser auch sehr viel naturnahe Beobachtungen aus Nord- und Ostsee, lernt die Meerbewohner und ihre Probleme kennen. Dabei werden unter anderem auch die Meeresverschmutzung, Fischerei und die wenig artgerechte Haltung von Haien in Aquarien behandelt.
Zauberhaft dazu die Zeichnungen von Olena Otto-Fradina.

Text: Petra Hartmann
Bilder: Olena Otto-Fradina
| Hardcover | 14,8 x 21 cm
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2013
151 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-940078-64-3


eBook:
Amazon-Kindle, 2154 KB
Euro 6,99
http://amzn.to/JJqB0b

Autorenträume, 2013

Eingefügtes Bild


Autorinnen und Autoren schicken ihre Leser in vergangene Zeiten, ferne Länder, phantastische Welten, spannende Abenteuer und bringen sie zum Träumen.
Wovon aber träumen Autoren? Vom Nobelpreis? Vom Bestseller? Vom Reich-und-berühmt-werden? Oder einfach nur davon, eines Tages vom Schreiben leben zu können? Vom Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, wenn das neue Märchen vorgelesen wird? Oder sind es schreckliche Albträume, die der angebliche Traumberuf mit sich bringt? Werden Schriftsteller nachts im Schlaf gar von Verlegern, Lektoren, Rezensenten oder Finanzbeamten bedroht?
Monika Fuchs und Petra Hartmann starteten eine »literarische Umfrage«, wählten aus den über 300 Antworten 57 phantasievolle Beiträge aus und stellten sie zu diesem Lesebuch zusammen. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Autorenalltags und träumen Sie mit!
Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an das Hilfswerk Brot & Bücher e.V. der Autorin Tanja Kinkel gespendet, die auch das Geleitwort zum Buch schrieb.

Petra Hartmann und Monika Fuchs (Hrsg.):
Autorenträume. Ein Lesebuch.
ISBN 978-3-940078-53-7
333 S., Euro 16,90

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs

Mit Klinge und Feder, 2013

Eingefügtes Bild


Phantasie statt Völkerschlachten - das war das Motto, unter dem die Phantastik Girls zur Schreibfeder griffen. Mit Humor, Gewitztheit und ungewöhnlichen Einfällen erzählen sieben Autorinnen ihre Geschichten jenseits des Mainstreams der Fantasy. Kriegerinnen und gut bewaffnete Zwerge gehören dabei genau so zum Personal wie sprechende Straßenlaternen, Betonfresser oder skurrile alte Damen, die im Bus Anspruch auf einen Behindertensitzplatz erheben. Dass es dennoch nicht ohne Blutvergießen abgeht, ist garantiert: Immerhin stecken in jeder der Storys sechs Liter Herzblut. Mindestens.

Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns.
Mit Geschichten von Linda Budinger, Charlotte Engmann, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl.
Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. 978-3943378078
247 S., Euro 9.
Bestellen bei Amazon

eBook:
396 KB, Euro 5,49.
Format: Kindle
Bestellen bei Amazon

Das Serum des Doctor Nikola, 2013

Eingefügtes Bild

Berlin, 1927. Arbeitslos, pleite und mit der Miete im Rückstand: Bankierssohn Felix Pechstein ist nach dem "Schwarzen Freitag" der Berliner Börse ganz unten angekommen. Da erscheint das Angebot, in die Dienste eines fremden Geschäftsmannes zu treten, eigentlich als Geschenk des Himmels. Doch dieser Doctor Nikola ist ihm mehr als unheimlich. Vor allem, als Felix den Auftrag erhält, Nikola zu bestehlen ...

Petra Hartmann: Das Serum des Doctor Nikola
Historischer Abenteuerroman.
ISBN 978-3-938065-92-1
190 S., 12,95 Euro.
Bestellen beim Wurdack-Verlag

Leseprobe

Hörbuch: Der Fels der schwarzen Götter, 2012

Eingefügtes Bild

Bei einer Mutprobe begeht der junge Ask einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat.
Bald wissen die Völker des Berglandes nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...

Der Fels der schwarzen Götter.
Hörbuch. 8 Stunden, 57 Minuten.
Sprecherin: Resi Heitwerth.
Musik: Florian Schober.
Action-Verlag, 2012.
CD/DVD: 16,95 Euro
mp3-Download: 11,95 Euro

Hörbuchfassung des 2010 im Wurdackverlag erschienenen Buchs "Der Fels der schwarzen Götter".

Drachen! Drachen! 2012

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Frank G. Gerigk & Petra Hartmann (Hrsg.)
DRACHEN! DRACHEN!
Band 01, Drachen-Anthologie
ISBN: 978-3-89840-339-9
Seiten: 384 Taschenbuch
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier
Preis: 14,95 €
Bestellen beim Blitz-Verlag

Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist – und gelegentlich fies!

Die Autoren:
Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.
Originalveröffentlichung!

Nächste Lesungen / Termine

Lesungen

 

Dienstag, 6. April 2021: Möwenlesung auf Helgoland. Mit Petra Hartmann ("Die kleine Möwe Kackvorbei"), Michael Stoffers ("Waldemar hat einen Traum") und Andreas Strutz (Lesung über die Möwe Alexandra von James Krüss). Geplant ist auch ein Beitrag von Florian Tietgen, der beim Schreibwettbewerb zum Literaturfestival mit seiner Geschichte "Möwenjunge" den sechsten Platz belegte. 3. Helgoländer Literaturfestival. Ort und Zeit folgen.

 

Mittwoch, 7. April 2021: Lesung aus "Nestis und die verschwundene Seepocke" auf Helgoland. 3. Helgoländer Literaturfestival. Feuerwache auf dem Oberland. Uhrzeit folgt.

 

Samstag, 18. September 2021: Lesung aus "Nestis und die verschwundene Seepocke". Buchmesse "Buch im Wald" in Leimen/Pfalz.  Beginn: 14.30 Uhr.

 

 

 

Buchmessen, Cons, Büchertische

 

Montag bis Freitag, 5. - 9. April 2021: 3. Helgoländer Lesefestival.

 

Samstag und Sonntag, 18. und 19. September 2021: Buch im Wald

Links

Meine Heimseite:

www.petrahartmann.de

Mein Gezwitscher:

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Seite der Nestis-Serie:

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Biografie

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei der Neuen Deister-Zeitung in Springe. Anschließend war sie dort fünf Jahre Lokalredakteurin. Ferner arbeitete sie für die Leine-Zeitung in Neustadt am Rübenberge, die Nordsee-Zeitung in Bremerhaven, die Neue Presse in Hannover und die Volksstimme in Gardelegen. Derzeit ist sie bei der Goslarschen Zeitung beschäftigt.
Als Schriftstellerin liebt sie vor allem das fantastische Genre. Sie verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna. Mit den Abenteuern der Nordsee-Nixe Nestis legte sie ihre erste Kinderserie vor. Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

Leserunden zum Nachlesen

Leserunde zu "Darthula, Tochter der Nebel" auf Lovelybooks. Mit Autorin Petra Hartmann und Cover-Künstler Miguel Worms: http://www.lovelyboo...nde/1201913120/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Nestis und die verschwundene Seepocke": Mit Autorin Petra Hartmann und Verlegerin Monika Fuchs:

http://www.lovelyboo...nde/1166725813/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Mit Klinge und Feder": Mit den Autorinnen Linda Budinger, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl: http://www.lovelyboo...nde/1156671163/

Geschichten über Nestis

Bücher
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

"Nestis und die verbotene Welle. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

 

Mini-Buch

"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

eBooks
"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.

"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

Hörbuch
"Eine Hand voll Weihnachtssand." In: Petra Hartmann: "Weihnachten im Schneeland". Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Essen: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM)

Beiträge zu Anthologien
"Weihnachtssand für Helgoland." In: "Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein." Hrsg. v. Bartholomäus Figatowski. Plön: Verlag 71, 2009. S. 163-174.

Hödeken-Lesestoff

Buch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 101 S., Euro 7,95. ISBN 978-3-940078-37-7. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

 

Hörbuch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. 2 CD. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Euro 14,95. ISBN: 978-3940078414. Unter anderen erhältlich bei Amazon.

 

eBook

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

 

Geschichten

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg. In: Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n). Ein Beitrag zum 1200-jährigen Stadtjubiläum. Norderstedt: Book on Demand. 196 S., Euro 9,99. ISBN 978-3734752698. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

Die glücklose Hasenjagd. In: MVP-M. Magazin des Marburger Vereins für Phantastik. Marburg-Con-Ausgabe. Nr. 19b. S. 36-40.

 

Lesung

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg, Radio Tonkuhle, Sendung vom April 2015.

 

Movenna-Kompass

Übersicht über die Romane und Erzählungen aus Movenna


Bücher

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004. 164 S.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007. 188 S.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 240 S.

 

eBooks

 

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Beim Vorderhuf meines Pferdes. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Hörbuch

Der Fels der schwarzen Götter. Action-Verlag, 2012.


Movennische Geschichten in Anthologien und Zeitschriften

Die Krone Eirikirs. In: Traumpfade (Anthologie zur Story-Olympiade 2000). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2001. S. 18-25.
Flarics Hexen. In: Geschöpfe der Dunkelheit (Anthologie zur Story-Olympiade 2001). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2002. S. 22-28.
Raubwürger. In: Kurzgeschichten, September 2004, S. 20f.
Furunkula Warzenkraish. Elfenschrift, dritter Jahrgang, Heft 2, Juni 2006. S. 10-14.
Der Leuchtturm am Rande der Welt. In: Elfenschrift, vierter Jahrgang, Heft März 2007, S. 18-21.
Gewitternacht. In: Im Bann des Nachtwaldes. Hrsg. v. Felix Woitkowski. Lerato-Verlag, 2007. S. 57-60.
Pfefferkuchen. In: Das ist unser Ernst! Hrsg. v. Martin Witzgall. München: WortKuss Verlag, 2010. S. 77-79.
Winter-Sonnenwende. In: Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns. Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. S. 51-59.
Der Reiter auf dem schwarzen Pferd. Ebd. S. 60-68.


Movennische Geschichten in Fanzines

Föj lächelt. In: Alraunenwurz. Legendensänger-Edition Band 118. November 2004. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 23.
Raubwürger. In: Drachenelfen. Legendensänger-Edition Band 130. Januar 2006. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 3-5.
Goldauge. In Phantastische Geschichten mit den Phantastik Girls. (Broschüre der Phantastik Girls zum MarburgCon 2007)


Aufsätze

Wie kann man nur Varelian heißen? Über das Unbehagen an der Namensgebung in der Fantasy. In: Elfenschrift, 5. Jahrgang, März 2008. S. 16f.


Movennische Texte online

Aus "Geschichten aus Movenna":
König Surbolds Grab
Das letzte Glied der Kette
Brief des Dichters Gulltong
Der Kranich
Die Rückkehr des Kranichs

Aus "Ein Prinz für Movenna":
Der Leuchtturm am Rand der Welt
Furunkula Warzenkraish
Gewitternacht

Aus "Der Fels der schwarzen Götter":
Der Waldalte
Hölzerne Pranken
Im Bann der Eisdämonen

Die Bibliothek der Falkin

Übersicht über die Romane und Novellen über die Walküre Valkrys, genannt "die Falkin"

Bücher

Die letzte Falkin. Heftroman. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.
Falkenblut. Sibbesse: Hottenstein-Verlag, Sommer 2020.

eBooks

Falkenblut. Vier Fantasy-Romane. eBook-Ausgabe. Chichili und Satzweiss.com, 2012. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. eBook. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. In: Best of electronic publishing. Anthologie zum 1. Deutschen eBook-Preis 2011. eBook. Chichili und Satzweiss.com, 2011. (unter anderem erhältlich bei Thalia und Amazon)


Aufsatz

Aegirs Flotte – ein Nachruf. In: Fandom Observer, Dezember 2011. S. 16-18. Online-Magazin und Blogversion

Die Schlagzeile, 2011/2012

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Petra Hartmann: Die Schlagzeile.
Personalisierbarer Roman.
PersonalNovel Verlag, 2011.
eBook: PersonalNovel, 2012.
Personalisieren und bestellen

Verschlafen und idyllisch liegen sie da, die Orte Barkhenburg, Kleinweltwinkel und Reubenhausen. Doch dann stört der Diebstahl einer Heiligenfigur die Ruhe: Ein jahrhundertealter Hass bricht wieder aus und ein hitziger Streit entflammt, der aus Freunden Feinde und aus friedlichen Nachbarn sich prügelnde Gegner macht. Mittendrin: Eine Journalistin, die bereit ist, für eine Schlagzeile im Sommerloch alles zu geben. Mit viel Einsatz und einer Prise Humor versucht sie, das Geheimnis um die verschwundene Hubertus-Statue aufzuklären, und muss sich dabei mit erregten Politikern, aufgebrachten Dorfbewohnern und einem nervösen Chefredakteur herumschlagen. Aber die Journalistin lässt sich nicht unterkriegen – bis ihr ein Anruf fünf Minuten vor Redaktionsschluss die Schlagzeile zunichtemacht...

Falkenblut, 2012

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Petra Hartmann: Falkenblut.
Vier Romane in einem Band.
E-Book
Satzweiss.com - chichili agency, 2012.
3,99 Euro

 

Nicht mehr lieferbar!

Neuausgabe in Vorbereitung.


Die Abenteuer der jungen Walküre Valkrys beginnen an ihrem ersten Arbeitstag und ausgerechnet dort, wo die germanischen Götter- und Heldensagen enden: Ragnarök, die Endzeitschlacht, ist geschlagen, Götter und Riesen haben sich gegenseitig aufgerieben, die wenigen Überlebenden irren ziellos durch die Trümmer des zerbrochenen Midgard. An der Seite des neuen Götterkönigs Widar muss sich Valkrys nun behaupten. Dabei trifft sie auf Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfe, Berserker, Hexen, riesenhafte Meerungeheuer und das furchtbare Totenschiff Naglfari. Leseempfehlung ab 12 Jahren.

Meine Bücher 1998 - 2011

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Petra Hartmann
Falkenfrühling
eBook
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN: 978-3-939139-59-1

Wegen Verkauf des Arcanum-Verlags ist die Ausgabe nicht mehr erhältlich, aber die Zweitveröffentlichung in der eBook-Anthologie "Best of electronic publishing" gibt es noch als epub oder Kindle-Ausgabe.

Valkrys träumt davon, eine echte Walküre zu sein. Sie springt, noch Kind, vom Dach des Langhauses.
Alle Ermahnungen ihrer Eltern sind vergeblich, sie macht sich an den Aufstieg zum Gipfel der nahen Klippe, besessen vom "Traum vom Fliegen" ...

Fünfter Platz beim Deutschen eBook-Preis 2011.

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Petra Hartmann
Die letzte Falkin
Roman.
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-62-1
Bestellen beim Arcanum-Verlag

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus …


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Petra Hartmann
Der Fels der schwarzen Götter
Roman
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-64-8
Bestellen beim Wurdack-Verlag


Hochaufragende Felswände, darin eingemeißelt weit über tausend furchteinflößende Fratzen, die drohend nach Norden blicken: Einer Legende zufolge sind die schwarzen Klippen das letzte Bollwerk Movennas gegen die Eisdämonen aus dem Gletscherreich.
Doch dann begeht der junge Ask bei einer Mutprobe einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat. Und die Völker des Berglandes wissen bald nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...


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Petra Hartmann
Darthula
Heftroman
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-32-4
Bestellen beim Arcanum-Verlag


Darthula, die schönste Prinzessin der Nebellande, beschwört Krieg, Tod und Vernichtung über ihr heimatliches Selama herauf, als sie den Heiratsantrag des mächtigen Königs Cairbar ausschlägt. Zusammen mit ihrem Geliebten flüchtet sie in einem kleinen Segelboot übers Meer. Doch Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...


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Petra Hartmann
Weihnachten im Schneeland
Hörbuch
Action-Verlag
Download bei Audible
CD bestellen beim Action-Verlag

WEIHNACHTEN IM SCHNEELAND von Petra Hartmann vereint vier wundervolle Kurzgeschichten für Kinder ab 6 Jahren. Schon die Titel regen die Phantasie der Kleinen an und verleiten zum Schmunzeln und Staunen:
- "Der Reserve-Weihnachtsmann"
- "Die Weihnachts-Eisenbahn"
- "Eine Handvoll Weihnachtssand"
- "Paulchen mit den blauen Augen"



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Petra Hartmann
Ein Prinz für Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-24-9
Bestellen

Mit dem Schild oder auf dem Schild
- als Sieger sollst du heimkehren oder tot.
So verlangt es der Ehrenkodex des heldenhaften Orh Jonoth. Doch der letzte Befehl seines sterbenden Königs bricht mit aller Kriegerehre und Tradition: "Flieh vor den Fremden, rette den Prinzen und bring ihn auf die Kiesinsel." Während das Land Movenna hinter Orh Jonoth in Schlachtenlärm und Chaos versinkt, muss er den Gefahren des Westmeers ins Auge blicken: Seestürmen, Riesenkraken, Piraten, stinkenden Babywindeln und der mörderischen Seekrankheit ....


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Petra Hartmann
Geschichten aus Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-00-1
Bestellen


Verwünschte Hexen!
Warum zum Henker muß König Jurtak auch ausgerechnet seinen Sinn für Traditionen entdecken?
Seit Jahrhunderten wird der Kronprinz des Landes Movenna zu einem der alten Kräuterweiber in die Lehre gegeben, und der Eroberer Jurtak legt zum Leidwesen seines Sohnes großen Wert auf die alten Sitten und Gebräuche. Für den jungen Ardua beginnt eine harte Lehrzeit, denn die eigenwillige Lournu ist in ihren Lektionen alles andere als zimperlich ...


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Wovon träumt der Mond?
Hrsg. v. Petra Hartmann & Judith Ott
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
Bestellen

Der Mond - König der Nacht und gleichsam Verbündeter von Gut und Böse ... Seit jeher ranken sich Legenden voller Glauben und Aberglauben um sein Licht, das von den einen als romantisch verehrt und von den anderen als unheimlich gefürchtet wird. Seine Phasen stehen für das Werden und Vergehen allen Lebens, er wacht über die Liebenden, empfängt die Botschaften der Suchenden, Einsamen und Verzweifelten und erhellt so einiges, was lieber im Dunkeln geblieben wäre. 39 Autorinnen und Autoren im Alter von 12 bis 87 Jahren sind unserem nächtlichen Begleiter auf der Spur gewesen. In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen sie die Abenteuer von Göttin Luna und Onkel Mond, von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.


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Drachenstarker Feenzauber
Herausgegeben von Petra Hartmann
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-28-0
Bestellen

Öko-Feen, Büro-Feen, Todes-Feen und Bahn-Feen, geschäftstüchtige Drachen, goldzahnige Trolle, Sockenmonster, verzauberte Kühlschränke, Bierhexen, Zwirrrrrle, Familienschutzengel, Lügenschmiede, ehrliche Anwälte, verarmte Zahnärzte und andere Märchenwesen geben sich in diesem Buch ein Stelldichein.
51 Märchenerzähler im Alter von zwölf bis 76 Jahren haben die Federn gespitzt und schufen klassische und moderne Märchen, lustige, melancholische, weise und bitterböse Erzählungen, so bunt wie das Leben und so unvergesslich wie das Passwort eines verhexten Buchhalters.


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Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension.
Die jungdeutschen Autoren nach 1835.
ibidem-Verlag
ISBN 978-3-89821-958-7
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Das Junge Deutschland“ – dieser Begriff ist untrennbar verbunden mit dem Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, durch den die Werke der fünf Schriftsteller Heinrich Heine, Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Heinrich Laube verboten wurden. Das Verbot markierte Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt einer literarischen Bewegung, die erst wenige Jahre davor begonnen hatte. Die Wege der Autoren trennten sich. Und doch gab es auch danach immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte.
Petra Hartmann zeichnet die Wege der Verbotenen und ihrer Verbündeten nach und arbeitet Schnittstellen in den Werken der alt gewordenen Jungdeutschen heraus. Sie schildert insbesondere die Erfahrungen der Autoren auf der Insel Helgoland, ihre Rolle in der Revolution von 1848, aber auch die Versuche der ehemaligen Prosa-Schriftsteller, sich als Dramatiker zu etablieren. Irgendwo zwischen Anpassung und fortwährender Rebellion mussten die Autoren ihr neues Auskommen suchen, endeten als gescheiterte Existenzen im Irrenhaus oder als etablierte Literaten, die doch körperlich und seelisch den Schock von 1835 nie ganz verwunden hatten, sie leiteten angesehene Theater oder passten sich an und gerieten nach Jahren unter strenger Sonderzensur beim Publikum in Vergessenheit. Die vorliegende Untersuchung zeigt, was aus den Idealen von 1835 wurde, wie vollkommen neue Ideen – etwa die Debatte um Armut und Bildung – in den Werken der Jungdeutschen auftauchten und wie die Autoren bis zum Ende versuchten, ihr „Markenzeichen“ – ihren Stil – zu bewahren.


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Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll
Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman
Aisthesis-Verlag
ISBN: 3-89528-390-8
Bestellen beim Aisthesis-Verlag

Theodor Mundt - Schriftsteller, Zeitschriftenherausgeber, Literaturwissenschaftler und Historiker - verdankt seinen Platz in der Literaturgeschichte vor allem dem Umstand, daß seine Veröffentlichungen am 10. Dezember 1835 verboten wurden. Das vom deutschen Bundestag ausgesprochene Verbot, das sich gegen die vermeintlichen Wortführer des "Jungen Deutschland", Heine, Gutzkow, Laube, Wienbarg und eben Theodor Mundt richtete, war vermutlich die entscheidende Zäsur in den literarischen Karrieren aller Betroffenen. Daß sie mit dem schon berühmten Heinrich Heine in einem Atemzug genannt und verboten wurden, machte die noch jungen Autoren Gutzkow, Laube, Mundt und Wienbarg für ein größeres Publikum interessant. Doch während Gutzkow und auch Laube im literarischen Bewußtsein präsent blieben, brach das Interesse an Mundt und seinen Werken schon bald nach dem Verbot fast gänzlich ab. Seine weitere Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahr 1861 wurde von der Literaturwissenschaft bislang so gut wie vollständig ignoriert. Diese Lücke wird durch die vorliegende Studie geschlossen. Nachgezeichnet wird der Weg von den frühen Zeitromanen des jungen Mundt bis hin zu den historischen Romanen seines Spätwerks.


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Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß,
dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt
ibidem-Verlag
ISBN 3-932602-29-3
Bestellen beim Ibidem-Verlag


"Faust und Don Juan sind die Gipfel der modernen christlich-poetischen Mythologie", schrieb Franz Horn bereits 1805 und stellte erstmalig beide Figuren, speziell den Faust Goethes und den Don Giovanni Mozarts, einander gegenüber. In den Jahren darauf immer wieder als polar entgegengesetzte Gestalten aufgefaßt, treten Faust und Don Juan in den unterschiedlichsten Werken der Literaturgeschichte auf.

Bei Lenau sind sie Helden zweier parallel aufgebauter Versepen, bei Grabbe begegnen sie sich auf der Bühne und gehen gemeinsam zugrunde. Theodor Mundt stellt als Lebensmaxime auf, man solle beides, Faust und Don Juan, in einer Person sein und beide in sich versöhnen.

Anhand der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt zeichnet Petra Hartmann die Biographien Fausts und Don Juans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach, einer Zeit, die beide Helden stark prägte und auch für heutige Bearbeitungen beider Stoffe grundlegend ist.

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