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Kais Komik Blokk



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Serenity - Zwischen den Welten #1 [Panini/2015]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 11 September 2017 · 41 Aufrufe
21.Jhdt., Panini, Dark Horse
Zuletzt las ich diesen Band zur berühmten Firefly-TV-Serie - & dem nach dem Schiff benannten Kinofilm! - in der Hoffnung die viel zu kurze Serie ein Stück nachklingen lassen zu können. Insbesonders wurde auch versprochen, diese 2 Hefte in einem Band seien ein Verbindungsstück zwischen Serie und späterem Film. Ich wurde dann doch etwas enttäuscht!

 

Als Texter werden Joss Whedon persönlich und ein Herr Matthews genannt, aber ich habe eher den Eindruck, Whedon gab nur wenig Input. Insbes. ist Whedon m.E. ein großartiger Plotter UND Qualitätsgarantor der Dialoge - beides beeindruckt aber hier kaum. Die Zeichnungen in der 1. Hälfte von einem Hr. Conrad, koloriert von der Fr. Madsen, fand ich entsprachen nicht dem über-dekorierten Rahmen: Es gibt z.B. ein tolles Querbild (leider als Ganzes nur in klein auf der Rückseite des Bandes zu sehen!!) das unglaublich gut gezeichnet wurde - das war wohl so teuer, dass fürs Innere nicht mehr so viel übrig blieb, ein Effekt den man bei Comics seit Urzeiten kennt. In der 2. Hälfte muss Hr. C. wieder 'ran; es koloriert aber eine andere Dame, Laura Martin, und das sieht schon ein gutes Stück besser aus! :thumb:

 

Statt Inkern wird in modernen Comics wohl eher alles außerhalb den Bleistiftzeichnungen vom Koloristen gemacht... spart Geld, führt aber nicht immer zu besseren Ergebnissen. Immerhin sind im Band immer wieder sehenswerte grafische Profile einzelner Crew-Mitglieder zu sehen - von anderen ZeichnerInnen/KoloristInnen. Durch diese Zückerli - das etwas Frazetta-anmutende Coverbild (rechts) zähle ich dazu - wirkt das ganze wie ein reiner Fan-Artikel.

 

Die beste Story ist m.E. in der 1. Hälfte zu finden: Die Serenity-Crew scheffelt bei einem unscheinbaren Job aus Versehen Unmengen Kohle. Der finanziellen Art. (Das oben genannte Querbild zeigt die Crew im 1. Glücksrausch, umgeben vom Geldglitzer...) Natürlich geht das bald wieder flöten - wie das geschieht, ist nicht ganz uninteressant. Die Dialoge sind nicht gerade umwerfend, und ich denke es liegt nicht an der Übersetzung. (Ich sah mir nur den Panini-Band an; die Originalhefte erschienen vor 8 Jahren beim legendären Kleinverlag Dark Horse in den USA.)

 

Die Story im 2. Teil hievt sich torkelnd zu einem Punkt, wo der Shepherd einfach mit Capt. Mal nicht mehr so recht kann, und sein Verlassen der Crew ankündigt... wie man ja dann im Film auch - chronologisch Monate später - bemerkt. Schön fand ich die sehr kurze Szene, in der River alleine ist, und erneut ihre kurz aufblühenden martialischen Fähigkeiten zeigt.

 

Am besten ist noch das Vorwort zum 1. Teil von Adam Baldwin (Jayne im Firefly-Universum) - man merkt ein wenig, wie gut sein Casting war in der Rolle des stets quer-liegenden Egoisten in der Crew. Der Schauspieler zeigt einen interessanten Geist hinter dieser Macho-Maske auf.

 

Es gibt eine Menge anderer Bände mit Nummern nachdem dieser hier wohl ganz gut lief. Rückwirkend wird dieser daher die #1 genannt, obwohl auf meiner Ausgabe davon nichts zu sehen ist.

 

Weitere Nummern werde ich mir, glaub ich, ersparen. :bigcry: Leider.


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Excalibur Classic #1 - The Sword is Drawn [Marvel/1987]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 07 August 2017 · 113 Aufrufe
20.Jhdt., Marvel, *Davis

Excalibur1-Cover Für den Monat, der vor 1 Woche endete, hatte ich mir was Besonderes bestellt; ich erinnerte mich zumindest daran, dass es ein Comic war, das mir ausnehmend gut gefiel - großartig gezeichnet von Bildmeister Alan Davis, der nicht zum 1. oder letzten Mal hier im Blokk erscheint, unterstützt durch Inker Neary & Farmer, in Szene gesetzt von Wortschmied & X-Men-Texter-Legende Chris Claremont - und war gespannt, ob es nach wie vor, fast 3 Jahrzehnte später, derart überzeugt: Excalibur - der vorübergehende X-Kurs einiger X-Men & New Mutants nach einer scheinbaren katastrophalen Auflösung der Super-MutantInnen um Professor X; damals nachdem die X-Men bei einem Kampf gegen Mystique & Team auf einmal gegen eine zeitverzerrende Urmacht in Dallas antreten mussten.

 

Nach der X-Zersprengung seelisch am Boden zerstört, befinden sich Kitty Pryde, die sich durch alles Feste hindurch "phasen" kann, inkl. ihrem besonderen Haustier, einem feuerspeienden Minidrachen, und Kurt Wagner, ein "teuflisch" aussehender, sehr agiler Teleporter, auf Muir Island in der Wohnung des Professors alter Freundin Dr. MacTaggert. Nicht weit weg besäuft sich der designierte Beschützer Englands, Brian Braddock (s. Wikimedia-Foto), weil seine Schwester Psylocke - ja, die mit dem telekinetisch-lila'nen Schwert aus dem letzten X-Men-Film im Kino! - angeblich auf der anderen Seite des großen Teichs "den Eimer trat"; seine Geliebte, die mächtige Fee Meggan, schafft es mehr schlecht als recht ihn zu trösten. Da platzen kurz hintereinander die Tochter-aus-der-Zukunft von Jean Grey, Rachel Summers - mit ähnlichen aber reduzierten Phoenix-Kräften ihrer fast allmächtigen Psi-Mutter - und sie jagende "Kriegswölfe" - wie riesige glühgelbäugige silberne Hunde aussehende Aliens, die u.a. Menschen beißen & damit ihre Form übernehmen können - ins Londoner Westend... Aus dem dann folgenden Tohuwabohu entsteht, v.a. mit Rachels Zutun, ein neues in England basiertes Mutantenteam: Excalibur! (S. Titelbild oben links. Davis war übrigens prädestiniert für diese neue Serie den Bleistift zu schwingen, denn er hatte bis dahin zeichnerisch die Heftserie des Captains lange Zeit unter sich.)

 

Als ich das alles das 1. Mal sah, war ich übermannt von den vielen gleichzeitigen Aha-Momenten auf einmal: Davis' großartige Kunst inkl. vielen wilden GegnerInnen, irdischer & außeridischer Herkunft; Claremonts wunderbarer Kniff mit typisch englischen Redensarten bei den teils schreiend-absurd-komischen Dialogen; Rachel Summers als junge, mächtige aber vernünftigere Phoenix - das eigentliche Herz der Gruppe, mit Kitty an ihrer Seite als deren Hirn. Und dass das Alles inmitten einer meiner Lieblingskulturen, nämlich der britischen, spielte.

 

Cool war & ist auch, dass die Gruppe ohne eindeutigen Teamanführer zurecht kommt - das gibt der Sache eine gewisse wilde Dynamik, die spannend bleibt. Natürlich gibt es auch Anlass zu vielen Reibereien und problematischen Entwicklungen allgemein. Ich bin gespannt darauf, die weiteren Davis-gezeichneten Bände zu lesen!

 

Mann sollte noch die Koloristin Glynis Oliver erwähnen, die auch wesentlich zum Gelingen der "visuals" beitrug. Ich mag insbes. ihre Phoenix-Darstellungen, von den ankündigenden rötlichen Silhouetten in der Ferne am Anfang, bis zum finalen "nach vorne" zeigenden schwebenden Feuervogel im letzten doppelseitigen Plakatbild im Band!

 

Wobei die neue Serie damals v.a. von Claremonts & Davis' großartiger Kooperation lebte - ein einzigartig melodramatisch-UND-komischer* Höhepunkt in den langen Annalen der X-Men & deren Umfeld!

 

P.S.: Der gezeigte Band ist antiquarisch - auch bei Amazon - zu haben. Aktuell wurde die Serie in einer "Epic Collection", die es auch als E-Book gibt, erneut aufgelegt.

 

(* Beispiel: Untertitel "the sword is drawn" - was könnte das juxigerweise noch bedeuten?! :P)




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Münchhausen [Carlsen/2016]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 08 July 2017 · 407 Aufrufe
21.Jhdt., Carlsen

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Im Juni las ich diesen deutschen Comic, kam aber zum Monatsende zu dem Schluss, dass mir zu wenig einfällt dazu, um hier was zu schreiben. Ich kaufte das Werk, weil Flix auf dem Cover steht - er ist einer der bekanntesten Berliner Zeichner, und ich lernte ihn ein wenig kennen über die tolle regelmäßige Wochenend-Comic-Seite des TAGESSPIEGELs, die inzwischen leider wieder abgesetzt wurde. Ich ließ das Buch dann nochmal über eine Woche im Hinterkopf gären, und versuche es nun - verspätet - trotzdem.

Was mich stört ist v.a. der Untertitel "Wahrheit übers Lügen", das Kernthema des Plots, der als tragende Struktur die bekannte Geschichte anbietet, aber diesmal nacherzählt von einem alten Münchhausen in einem britischen Gefängnis, im Jahre 1939. Die Leitlinie deutet etwas Tiefsinnigeres an, das aber m.E. nie eingelöst wird. Die einzige Interpretation, die einigermaßen passt, ist dass der Protagonist 2 gewaltige Traumen zu verarbeiten hat, einmal den Untergang seiner Familie betreffend, dann nochmal um ein Jahrzehnt später eine verpasste Gelegenheit, einen großen Krieg zu verhindern. Gegen Ende des Bandes wird aber dann auch das wieder durch das in der Gefängniszelle vom Leser Gesehene widerlegt.

Ist also die erwähnte "Wahrheit", dass Münchhausen ein durch extrem eingreifende schlimme Geschehnisse - ev. PTBS auslösend - vor den Kopf gestoßener Fabulist ist? Dass diese 2 Dinge die einzig wahrhaft geschehenen sind, die er erlebte? Ich bin mir da gar nicht sicher.

Was wie immer bei den M.-Erzählungen Spaß macht, sind die Lügengeschichten "as is", hier durch ihre tolle visuelle Umsetzung. V.a. die Zeiten auf dem Mond - im Comic entgegen allen anderen Seiten in lebendigen Farben gehalten - lassen das Leserherz juchzen; später stellt sich heraus, dass es der Ort ist, wo wahre Menschen leben, die u.a. die Eigenschaft haben, sich in Rauch aufzulösen, wenn sie sterben... q:p

Visuell ist das Comic zu empfehlen, die Zeichnungen dynamisch und realistisch, wobei alle darin vorkommenden Figuren etwas disneyhaft wirken. Auch wirkt der Zeichenstil ab & an wie der von Flix höchstselbst, weswegen ich erst vor ein paar Tagen kapierte, dass Flix hier der Texter war, und Bernd Kissel der Zeichner! Ist es also Flixens 1. Ausflug ins reine Szenaristentum...?

Wer Münchhausen mag, sollte sich den Stoff ruhig mal antun; auch wer Psychoanalytisches in einem Roman bevorzugt. :qdevil: Mehr fällt mir aber in punkto einer Empfehlung nicht ein. Sorry.


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Schneekreuzer [Jacoby & Stuart/2013(1983-2000)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 05 June 2017 · 386 Aufrufe
20.Jhdt., Jacoby&Stuart
Im Mai las ich den 3-teiligen Comic-Klassiker Transperceneige, vom Texter Jaques Lob so um die 1980 erfunden, und in '83 unter damalig sehr lobendem Anklang letztendlich vom Casterman-Verlag heraus gebracht - manche sprechen vom ersten echten "graphic novel" überhaupt - um dann vom Romancier Benjamin Legrand fast 2 Jahrzehnte später in 2 Teilen "abgeschlossen" zu werden (um nochmal über 1 Jahrzehnt später in die Kinos zu kommen, als rasanter SF-Film vom koreanischen Regisseur Boon Jong-ho!). Bindeglied war der am Anfang eher unbekannte Maler - & dann Zeichner! - Jean-Marc Rochette, der nach Lobs Tod für die Fortsetzungen mit Legrand sorgte.

 

Rochettes Zeichnungen sind sicherlich stilgebend für das visuelle Gesicht des Klassikers, aber Lob hatte wohl die wahre große Vision - & machte Rochette ausführliche Vorgaben - des ewig durch eine wintrige Erde ziehenden Superzugs, dessen neuartiges Triebwerk am Zug-Kopf fahren muss (!), damit es den vielen danach folgenden Wagen Energie spenden kann...!

 

Das Absurde an diesem Plotrahmen ist dann auch das was m.E. vorrangig hängen bleibt von der beeindruckend bebilderten nihilistischen Geschichte; Menschen enkapsuliert in einem perfekt funktionierenden Stahlmonster, das über Jahre (!) auf nie kaputt-gehenden Gleisen vor sich hin fährt, den kläglichen Rest der Menschheit in eine ungewisse - hoffentlich wärmere - Zukunft fahrend!

 

Schon im 1. - aus Lobs Sicht einzigen & abgeschlossenen - Teil wird dabei ständig die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens thematisiert, und dass es draußen eher stetig kälter wird. Es gibt ein offenes Ende, und letztendlich eher keine Hoffnung.

 

Das Draußen wird dann im 2. & 3. Teil deutlicher ein Mitspieler in der Geschichte - der Literat Legrand entwirft mehrere Geschichtsstränge mit vielen wilden Entwicklungen, auch was die Beschaffenheit dieser Außenwelt angeht. Die Entscheidungen der Zugsteuernden bleiben allerdings nach wie vor kaum nachvollziehbar - der Käfig der Irren im sogenannten Norden des Zuges, also dort wo die wohlgenährte Elite sich nahe der "heiligen Loko" aufhält, richtet sich zunehmend selbst zugrunde, und damit natürlich langfristig auch alle Anderen im Zug.

 

Mir scheint das dann auch die moralische Schiene auf der die Story fährt: Dass eben unweigerlich alle im Zug buchstäblich von einander abhängen; was vorne, oder auch hinten, an Wesentlichem bzw. Explosivem geschieht, betrifft sofort auch alle Anderen. Da die Story während einer global-ökologischen Katastrophe stattfindet, war der mahnende Umweltsbezug mit Sicherheit von Lob gewollt.

 

Mir hat einerseits die Gnadenlosigkeit der Entwicklungen in allen 3 Teilen gefallen, und wie sehr, je weiter die "Guten" immer wieder ihren Weg nach vorne/"Norden" finden, je mehr auch Korruption & Menschenverachtung zunimmt. Frauen haben wenig zu sagen in dieser unwirtlichen Welt der oft übelriechenden Gänge und Schleusen; sie mischen Menschlichkeit mit in die Überlebensbrühe oder sorgen für etwas - ruhig auch körperliche - Liebe & unerwartete Stromausfälle. Die "machenden" Männer werden aber nach & nach alle bloßgestellt. Und so gut wie alle Protagonisten krepieren in diversen Unhappyends...

 

Andererseits fand ich erstaunlich, dass der absurde Plot auch die Schwäche vieler SF-Erzählungen demonstriert - denn hier ist dessen technisch-physikalischer Boden so kalt & dünn, dass die typischen Gadget-Einlagen, die das "Science" fundieren sollen, immer wieder besonders lächerlich wirken. Ob das der Zeichner - der übrigens inzwischen in Berlin lebt - andeuten wollte, als er für die Außen-"Raum"-Anzüge in den letzten beiden Teilen einen Helm entwarf, der wie ein ewig dumm grinsender Smiley aussieht?

 

Fazit: Ein aufrühriger Klassiker, der nicht aufhört, sich immer wieder selbst zu erfinden, mit ontologischem Tiefgang; allerdings nichts für schwache Herzen & Happyendsüchtige... Sollte man der persönlichen "bucket list" zur Vorbeugung des Kältetods des Planeten hinzufügen!

 

P.S.: Einer der deutschen Verleger führt ein kurzes aber tolles Interview mit dem Zeichner am Bandende - bestimmt nur hier in dieser Ausgabe mit dabei! Darin beschreibt m.E. der Zeichner u.a. eindrucksvoll warum das Comic-Zeichnen an sich eine besondere Anstrengung ist, anstrengender als z.B. Landschaftsmalerei oder Portraitierung. Mir wurde richtig warm ums Möchtegern-Zeichner-Herz! Lesenswerte Sache!



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Gung Ho, Band 1 [Cross Cult/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 07 May 2017 · 619 Aufrufe
21.Jhdt., Cross Cult
GH1-Cover Im April las ich den 1. Band dieser gehypeten dt.-sprachigen Serie, von einem "adeligen" bayrischen Duo, Texter von Eckartsberg und visueller Gestalter von Kummant.

 
Der erste Eindruck ist auch sehr positiv - die Hardcoverversion kommt im Riesenformat, 24x32qcm, gleich auf Deckelinnenseite ein Luftbild des offensichtlich europäischen Umfelds der "Siedlung #16", die an einem See gelegen ist, und wenn man so durchblättert, viele großartig (CGI-assistiert?) gemalte randlose Panels, die insbes. in punkto Kolorierung Stauneffekte auslösen! Allerdings - um es gleich vorweg zu sagen - hat mir dann der Stoff doch nicht so sehr zugesagt...

 
In der nicht allzu weiten Zukunft ist die Welt von einer "weißen Plage" überrannt worden, die - im 1. Band zumindest - nie näher beschrieben wird. Geblieben sind nur mit hohen Zäunen befestigte, ständig bewachte "Siedlungen" - also Dörfer - die mit der Außenwelt nur durch elektrische Züge verbunden sind. Scheinbar sind also alle technischen Kommunikationsmittel ausgefallen - wird auch nicht näher erklärt.

 
In einer dieser Siedlungen treffen die Brüder Zack & Archer ein, die aus einer zentraleren Stadt wg. unspezifizierter Ordnungswidrigkeiten ausgewiesen wurden, und sich nun "an der Front" ein Leben aufbauen sollen. Es wird angedeutet, dass menschliches Leben in den Siedlungen nicht viel wert ist, weil die manchmal übermächtigen Attacken von außen ständig Opfer verlangen. Archer ist ein großmäuliger Twen mit langen Haaren und Waschbrett-Body - und Gitarre - & Zack ein stillerer Teenager, der aber offensichtlich schon mal was ziemlich Schlimmes erlebt hat, wie die Klauenspuren an seinem Kopf und am Hals beweisen (s. Coverbild).

 
Obwohl es dann um eine langsame Einführung der beiden und den Jugendlichen geht, mit denen sie im Dorf zu tun bekommen, wird nach einer Weile klarer, dass der Plot der Serie wohl in Richtung eines klassischen Slasherfilms geht: Hübsche/Sympathische und zumeist unschuldige Teenies finden sich in einer Situation zurecht, in der ein tödlicher Horror sich stetig breiter macht; die wenigen Erwachsenen, die vorkommen, einige offensichtlich ziemlich ekelige Typen, werden nach & nach abgemurkst.

 
Die Zeichnungen - insbesonders deren Kolorierung & Lichteffekte - sind so augenwässernd perfekt, dass ich mir wie in einem Disneyfilm der 60er/70er vorkam; wer nicht superhübsch - und als Mädchen besonders "well-endowed" - ist, zieht zumindest nett die Augenbrauen kreuz und quer. Kindhaft werden ständig die - zu oft blauen oder grünen - Augen aufgerissen; aber in der nächsten Szene spritzt dann Blut. (Wobei die eigentlichen Gewalttaten im 1. Band kaum zu "sehen" sind...)

 
Die Dialoge, und die Textgenauigkeit allgemein, ist m.E. eher durchschnittlich. Gelegentlich hatte ich das Gefühl es müsse auch eine englische Version des Comics geben (immerhin ist neben den Slasher-Elementen die sichtbare Dorfkultur auch eher US-amerikanisch), denn manchmal klingt das Deutsche übersetzt. Auf der letzten Seite gibt es auch einen Rechtschreibfehler in einem englischen Liedtext.

 
Fazit: Wenn man die Idee, die Mühe mit dem Weltenbau, und die tolle grafische Leistung berücksichtigt, haben wir hier so etwas wie einen großartigen Fehlschlag. Letzteren leider auch im Sinne der Ausschließlichkeit der Zielgruppe, der ich eindeutig nicht angehöre.


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Valerian & Veronique Two-in-One [Carlsen/2017(1979)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 April 2017 · 731 Aufrufe
20.Jhdt., Carlsen, Dargaud

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Im März las ich, in Vorbereitung für die diesjährige Verfilmung, eine neue Verlags-Jubiläums-Ausgabe der 3. & 4. Bände eines SF-Comic-Klassikers - die dt. Fassung von Valerian & Laureline des ehrenwerten französischen Dargaud-Verlages. Beide Bände erschienen ursprünglich vor 38 Jahren!

Texter Christin erfand eine Zukunft, in der, von der irdischen Megastadt Galaxity ausgehend, Agenten des Raum-Zeit-Services im All nach dem Rechten sehen, wobei sie i.d.R. auf sich selbst angewiesen sind, mit Schwierigkeiten - oder Außerirdischen, die eigentlich kein Eingreifen erwarten/wollen* - umzugehen. Seine wilden Ideen - und ein paar eigene Visualisierungen - brachte dann der Zeichner Mézières zu Papier, in einem m.E. durchaus beachtlich lockeren, & oft sehr bunten, Stil.

Die Stories der 2 Bände in je einem Satz: V&V entdecken, dass in einem leeren/steinigen Riesenplaneten, der droht mit einem anderen bewohnten kleineren zu havarieren, eine Hohlwelt mit eigener Sonne und innerem Planeten existiert - und lernen auf letzterem 2 geschlechtlich getrennte Stämme kennen, die im ewigen Krieg miteinander stehen, und nie die Sterne gesehen haben. (Daher der Bandtitel Land ohne Sterne.) Nach Bestehen dieses Abenteuers kehren sie zum bekannteren terranischen Raum zurück, zum Planeten Technorog, riesig/ressourcenreich/unbewohnt, zufällig zur gleichen Zeit wie dessen Ureinwohner, eine Art Raum-Indianer mit besonderen Fähigkeiten, alle sehr langlebig, nach einer längeren "Wanderung" im All zurückkehren - natürlich etwas verdutzt, dass nun diese emsigen Kurzlebigen sich ausgebreitet haben, und ihre Lebensgrundlage auf ihrem Heimatplaneten durch ihre industrielle Ausbeutung bedrohen...

Mich hat diese Serie nie so besonders angesprochen, v.a. weil die Physik darin oft derart hanebüchen daher kam, stellenweise ärger als bei STORM (s. vor 2 Monaten hier im Blokk). Als nun Carlsen diesen besonders preiswerten Jubiläumsband aktuell in den Comicläden auslegen ließ*, dachte ich, probier's ich nochmal. Und - mir gefällt's im Alter schon etwas mehr, wenn ich auch nicht so ganz warm damit werde.

Das liegt u.a. auch an der besonderen (französischen?) 70er-Geschlechterkampf-Dynamik, die die Herren Autoren hier wohl von Anfang einbauten. Grundregel scheint zu sein: Valerian lande nie beim Planeten Veronique! Er wird als der gelegentlich väterliche Agent mit Erfahrung - öfter aber als simpler Macho - von ihr gesehen, und macht auch prompt vieles Fehlerhafte. (Hundebabyhafte?) Sie wiederum ist modern, klug und mutig, aber macht sich dann doch immer wieder mal Gedanken über Valerians Wohlergehen. Natürlich ist ihr Raumanzug passgenau geformt, und entkleidet sie sich komplett (artig an den "richtigen" Stellen bedeckt) in der 1. Hälfte dieses Sammelbands; damit ein Teil der Zielgruppe auch was zu sehen bekommt. q:p (Dafür hat Valerian wiederum ein Gregory-Peck-Kinn...)

Was mir gefällt, sind die wilden Plotideen, und die vielfältige Zeichnung (nicht nur grafisch) der jeweiligen Umgebungen. Kein Wunder dass das der perfekte Stoff war für den "bunten" Regisseur französicher Phantastik, Besson!

Ob ich mir weitere Bände zulege, um Verpasstes nachzuholen? Hm, sicher bin ich mir nicht. Sollte der Film, den ich mir sicherlich ansehe, auf einen gewissen Band basieren, werde ich mir den, wenn, sicherlich als Erstes noch zulegen. Als früher Baustein für weitere französische/westliche grafische Ausflüge Anderer in die wilden papiernen Grenzwelten der SF scheint es mir jedenfalls nicht unwichtig, etwas von V&V vor die Linse bekommen zu haben.

C'est parti!

(* wie auch die Franquinschen Carlsen-Standards, wie Gaston, Spirou & Marsupilami)


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D.K. III - The Master Race #1-#4 [DC/2016]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 28 February 2017 · 642 Aufrufe
21.Jhdt., *Miller, DC


 
Die Zeichnungen der Hauptserie hier sind noch nicht mal von ihm. Er textet sie nur - Zeichnen tut Andy Kubert, einer der berühmten Brüder in 2. Kubert-Zeichner-Generation, und Tinte drüber schüttet Klaus Janson. Der Sache gibt Brad Anderson (tolle) Farbe. In jedem Heft enthalten ist ein kurzer - oft ziemlich schräger - Exkurs über andere SuperheldInnen, die von den schlimmen Geschehnissen um Kandor betroffen sind - und da zeichnet Miller wahrhaftig ein wenig, den Bleistiftvorgaben von John Romita Jr. folgend...(Ich stell mir vor, Miller, zu den Anderen: "Ach Jungs, ich schreib doch schon die Story & die Dialoge. Und bin eh dauernd in Hollywood unterwegs, nebenbei. Macht ihr mal!")

(HIER GEHT'S LOS! :qblushing:) Ich brauche einen guten Rat. Soll ich weiterhin 7€ für jedes dieser Hefte ausgeben, nur weil es so ein Riesen-Event ist, dass Star-Storyteller Frank Miller seinen Dark-Knight-Epos nach vielen Jahren endlich fortsetzt? Es sollen insgesamt 8 Hefte werden & damit hätte ich dann einen Fünfziger "plus change" für eine Sammlung ausgegeben, was ich i.d.R. für einen Sammelband nie tun würde... (Bin eben doch zu geizig um ein echter Sammler zu sein, folks.)

Um sich klar zu machen, warum die Frage im 1. Absatz oben rechts nicht ganz ohne Schwung ist, sollte man sich gelegentlich die ersten beiden Sammelbände ansehen: Das legendäre The Dark Knight Returns, erschienen Mitte der 80er, und das 15 Jahre später erscheinende Sequel The Dark Knight Strikes Again. Diese abgebrühte Sicht auf den besten, inzwischen doch sehr gealterten/vernarbten, Detektiv der Welt schlug in '86 - zusammen mit einem 2 Jahre später erschienenen anderen "Buch" von einem anderen bekannten Autor - derartig ein, dass ab dann Batman nur noch als grimmiger, gebrochener Dunkelmann dargestellt wurde - der immer auch mit den eigenen Dämonen ringt - und außerdem den 1. Batman-Kinofilm der Neuzeit mit dem gleichen coolen-aber-etwas-irren Image mit-inspirierte, nicht nur im titelgebenden Sinne. (Und jeden weiteren Batman-Film seitdem...)

Nachdem Batman im 1. Band nochmal aus dem Ruhestand erwacht, u.a. durch Anfeuern eines neuen weiblichen Robins (das ehemalige "Catgirl" Carrie Kelly, im Plakatbild oben zu sehen), und letztendlich gegen den regierungshörigen Superman antritt, und im 2. Band entlarvt, dass diese Regierung von Lex Luthor unterwandert wurde, hat nun im 3. Carrie inzwischen die Ritterrolle ganz übernommen... umgeben von einer reichen urbanen Menschheit, die unter ewigen Medien-/Smartphone-Ablenkungen jeglichen Sinn für eine vernünftige Welt abgegeben hat.

Aus Sicht eines Übermensch-Kults einiger hundert Kryptonier in der Flaschenstadt Kandor haben die Menschen - und friedliebendere andere Kryptonier - das Recht verwirkt über die Erde zu herrschen. Der Kult findet einen Weg sich wieder vergrößern zu lassen, und so seinen Siegeszug als gottgleiche Bestimmer über menschliches Leben zu beginnen. U.a. teilt der Kultanführer besondere Pillen an besonders devote Jünger aus, womit sie sich jeweils rasend in den Selbstmord in eine Großstadt stürzen können, um dort eine nukleare Schmelze auszulösen, & atombombenartig Abschied für die Sache zu nehmen. Währenddessen sitzt Superman in seiner arktischen Festung in einem Riesen-Eisblock & träumt seit Jahren von besseren Zeiten.

Das alles stammte nicht von Miller, ohne eine gehörige Menge Blut und Mordio, mit teilweise beachtenswerter Action und Ka-Bumm (s. Atom-Kamikazes im vorigen Absatz). Wie immer sind seine "Helden"-Kreationen sehenswert, insbes. in ihrer unsympathischeren Form, oft weit entfernt von jeglicher Ethik. Aber all das ist kaum neu; im 4. Heft passiert fast gar nichts Nennenswertes mehr, außer dass Superman nochmal richtig dolle Haue bekommt, von einem durchdrehenden Familienmitglied, und Wonder Woman sich (scheinbar) von der Menschheit abwendet.

Spoiler

Die Echtwelt-Referenzen sind wie immer genial - auch ein schwadronierender Trump kommt vor, und ein etwas anders benannter Klon von Großmaul-TV-Talkmaster O' Reilly. Der dunkle Ritter selbst ist noch kaputter als je zuvor, aber noch immer Meister allerlei (Rüstungs- & Kommunikations-) Technik. Das beschwört eine gewisse wohlig-angenehme anarchische Nostalgie, die ich nachvollziehen kann. Doch.

Aber ist das die 50+€ und das Warten wert? Was meinen geschätzte Blokk-LeserInnen?




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Storm #12: Die Monster von Aromater [Ehapa/1995]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 February 2017 · 706 Aufrufe
20.Jhdt., Ehapa, Splitter

Die besondere Kunst vom vor 13 Jahren verstorbenen "malenden" Zeichner Don Lawrence wurde bereits ein paar Mal im Haupt-Board bei uns bewundert - er konnte unglaublichen Realismus an den Tag legen, von phantastischen Szenen bis sehr dynamischer Figurenzeichnerei, wobei mir in punkto letzterer v.a. immer seine Gesichter in Erinnerung bleiben.

Eine seiner bekanntesten Bandserien ist STORM, erstellt für das holländische Magazin "Eppo" und daher auch oft von dem Holländer Martin Lodewijk ausgedacht/getextet.

In diesem mittigen Band (der vor 4 Jahren auch bei Splitter erneut als Die Sieben von Aromater erschien - s. Coverbild) einer 22-teiligen Serie, den ich in dieser Besprechung beispielhaft vorziehe, erkundet das HeldInnen-Trio, bekannt aus früheren Bänden, nämlich

 

  • * Storm, ein in diese phantastischen Welten verschollener Astronaut aus der heutigen Erde, der wohl oder übel gelernt hat, mit Stichwaffen umzugehen,
  • * Rothaar, ein Red-Sonja-Klon, allerdings mit etwas mehr Zurückhaltung und Wärme (insbesonders ggü. Storm :wub:), &
  • * Nomad, ein rothäutiger/haarloser aber superstarker kämpfender Prinz des lebenden Planeten Pandarve, den Storm & Rothaar zu diesem Zeitpunkt des Zyklus "befliegen"

 

die Stadt Aromater und ihre Umgebung, zu der u.a. die riesige Rote Träne, ein sich schnell drehender winziger Mond, gehört, der sich in der Nähe der Stadt nur wenige Kilometer über dem Meer in einem sehr erdnahen Orbit bewegt. (Ok, ich hab gerade versucht, die etwas unmöglichen Physikverhältnisse des pandarvischen Paralleluniversums in diesen Absatz mit einzubauen. q:p)

 

In diesem Band erreichen zu Beginn die 3 in ärmlichem Zustand - Storm hat nur noch ein altes rostiges Schwert, seine Pistole tauschte er vor Tagen gegen etwas Essen - die Stadt, wo Storm gleich in ein Duell mit einem uniformierten Typ gerät, der Rothaar etwas zu machohaft antatscht. Dabei zerbirst sein Schwert und der Hüne spottet, er könne ja versuchen das berühmte 7. Schwert aus einem amboss-ähnlichen Gebilde zu ziehen. Was Storm erstaunlicherweise gelingt - es gab eine molekularische Manipulation von seiten ferner Beobachter - und damit ist klar: Er ist der lang-ersehnte Siebte von Aromater! Der ergraute alte Herrscher der Stadt lädt ihn dann zu einem folgenreichen Trunk ein, während die anhimmelnde Masse der StadtbürgerInnen den Atem anhält...

 

Neben den unglaublichen Erlebnissen der 3 auf der Roten Träne, wo alle - außer Rothaar! - sich ständig neuen unerwarteten Einschränkungen - jaja, diese verquere Physik wieder! - beugen müssen, gefiel mir schon immer an diesem Band, wie Rothaar letztendlich alle Kumpel-Fliegen aus der Suppe holt. Im Gegensatz zu den machohaften Plots früherer Bänder, und den meisten Fantasy*-Plots der 70er und 80er, wird hier effektiv der Spieß umgedreht: Storm und Nomad sind in der 2. Hälfte kaum im Spiel, und Rothaar kämpft und rennt (unter rötlichem Wasser!) und absorbiert Energie, dass es eine Wonne ist.

 

Letztendlich fegt dies und die unglaublich( leuchtend)en gemälde-artigen Bilder der Seefahrt hin/hoch zur Träne die Unglaubwürdigkeiten des teils geklauten Plots hinweg. Storm macht Spaß (immer wieder mal, mit geschlossenem kritisch-literarischen Auge)! Lawrence rocked!

 

(* hier eher Science Fantasy / übrigens ist dies der Januarbeitrag :blush:)



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Mermaid Project Episode 1 [Epsilon/2015]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 08 January 2017 · 797 Aufrufe
21.Jhdt., Epsilon

Zum Jahresabschluss* stelle ich ein tolles neues französisches SF-Comic vor, das es schon seit 4 Jahren dort gibt, jedes Jahr mit weiterem Folgeband erscheinend, wo seitdem aber jede Spur einer deutschsprachigen Fortsetzung fehlt (leider!): Das Mermaid Project vom bekannten SF-affinen Texter Léo, assistiert von Corine Jamar, und den für mich neuen, aber sehenswerten Zeichner/Tuscher Fred Simon!

Der Zeichenstil des Letzteren ist eigentlich angenehm einfach, aber gewöhnungsbedürftig; z.B. mag er offensichtlich Portraits - frontale, seitliche, 45°ige. Das wirkt zwar etwas stereotyp, aber ist letztendlich auch angenehm, da er damit dem Texter eine stärkere Unterstreichung anbietet für das was da - beim "Angesichts"-Bild - gerade gesagt wird. Das, gekoppelt mit dem wunderbar lässigen allgemeinen Stil, der mir schon oft bei frankobelgischen Zeichnern urbaner Szenen auffiel, eine souverän-ruinierte (oft Pariser) Welt visuell beschreibend! Très bien!

Souveräne Ruinen? Tja, der Weltenbau der Texter ist in diesem Comic besonders auffällig: Sie haben so etwas wie Ökopunk** geschaffen - ein vom zu großen Fortschritt bzw. zu großer Luxus-Gier zerstörtes Umfeld, aber völlig ohne Computer. Die Erzählung spielt mitten im 21. Jahrhundert, in einer Welt in der Öl/Benzin/Kerosin praktisch nicht mehr vorhanden ist. Der pöse Klimawandel hat die Zone zwischen den Breitengraden von Rom und Paris (wahrscheinlich sogar noch tiefer/höher) stark hin zum Tropischen verändert & den Meeresspiegel soweit ansteigen lassen, dass Teile von Manhattan wie (einst) Venedig wirken. Und irgendeine Katastrophe hat die obersten Etagen fast jedes höheren Gebäudes weggemäht - der Eifelturm ist nur noch ein Stumpf (s. Cover).

Für mich das Spannendste am Weltenbau ist allerdings dass, zumindest in Paris & NYC, Weiße nur noch eine verschwindende Minderheit sind. Nachdem sich der Westen wegen seiner Gier und Arroganz fast selber zerstört hat, haben die Migranten bzw. deren Nachfahren übernommen. Die Protagonistin Romane, Polizei-Inspektor des 8. Departements, ist also wie mann es gewohnt ist, weiß, wird aber in der 1. Hälfte des Bandes öfter gehänselt und allgemein als zweitrangig behandelt wie früher die Weißen viele Andere; an einer Stelle beklagt sich sogar ihre Nichte bei ihr weil ihr Freund mit ihr Schluss gemacht habe, da sie ja weiß sei... In Antwort ein Ausschnitt der Ich-Narration der Detektivin:

[..] dann erzählte ich ihr von früher, wie es war, als die Welt von Europa und den USA dominiert wurde, als die reichen Länder hauptsächlich von Weißen bevölkert wurden und wie sie, die Dunkelhäutigen, die Schwarzen aus dem Süden, kamen, um dem Elend ihrer Länder zu entfliehen...

 

Ein cleverer Clou! :wub:

Nach all dem ist der Plot schon fast nebensächlich. Er ist spannend - viel darüber zu erzählen, verrät schon zuviel. Und er leidet leider unter Sequelitis - hört also im spannendsten Moment auf, um auf die Fortsetzung zu harren. In Kürze daher: Nachdem der Inspektor einem Hinweis nachgehend, entdeckt dass die tote Tochter eins Pariser Ehepaars nicht in ihrem Sarg liegt, und der Hinweis auf diesen Misstand Romane persönlich erwähnt, wird sie in angedeutete dunkle Entwicklungen des New Yorker Unternehmens Algapower - einer der größten Produzenten von Methan, dem neuen Antriebsersatzmittel - involviert. U.a. weil ihr Zwillingsbruder dort als Genetiker arbeitet. Was genau treibt der Weltkonzern hinter den Kulissen bei seinem geheimen "Mermaid Project"?

Fazit: Ein sehr erfreuliches Réussement der frankobelgischen urbanen Comic-Tradition zur nahen Zukunft! Ich war hingerissen, und halte feste beide Daumen für eine baldige Fortsetzung für deutschsprachige Fans!

(* Aus aktuellem Anlass lautet ein Neujahresvorsatz von mir: Blokk-Deadline innerlich ab sofort immer um eine Woche vorziehen! / ** Statt Cyberpunk...)




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Calvin & Hobbes - Lazy Sunday Book [Andrews McMeel/1989]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 06 December 2016 · 737 Aufrufe
20.Jhdt., *Watterson und 1 weitere...

Mal wieder einige Tage zu spät dran - diesmal mit Ausrede: Grippe - hole ich, für den letzten Oldie des Jahres, ein Sammelband des m.E. besten Zeitungsstrips des späten 20. Jahrhunderts hervor: CALVIN & HOBBES, hier im Lazy Sunday Book, einer 1989er Sammlung von besten Sonntags-Seiten aus mehreren Jahren. Solche Seiten sind ja oft größer als der tägliche Strip, nämlich hier 3 Streifen untereinander, mit einer Titel-Splash-Szene darüber.

Der Erfinder der Serie fand's spaßig 2 Figuren zu schaffen, die immer wieder mal miteinander über die Welt philosophieren, und klaute sich daher dem Wesen der Figuren ungefähr entspr. Namen aus der Weltgeschichte: Des etwas fanatischen, misogynen Gründers des Protestantismus, Calvin, und des eher misanthropen, aber nachdenklichen, Erschaffers des Leviathan-Brockens, Hobbes.

Den 1. Namen bekommt ein hyperaktiver Sechsjähriger, der seine Eltern massiv auf Trab hält, und eine gewaltige Fantasie, Quelle vieler Ideen & vermeintlicher "Super"-Dinge (man halte Kartonkisten von ihm fern :D), inne hat; den 2. Namen vergibt er seinem Stofftiger, der - immer nur wenn er mit ihm alleine im Raum ist - zu einem langen echten Tiger wird, allerdings einem meist eher netten, der auch aufrecht stehen kann. Die beiden werden unzertrennliche Wegbegleiter in die entdeckerischen Welten, die Calvin erforscht. Die Philosophierereien geschehen v.a. bei Spaziergängen oder wilden Schlittenfahrten im Schnee.

Angenehm finde ich also schon mal die klugen Texte, und der stetige Kampf zwischen Calvins Impulsen/Manipulationen und Hobbes etwas traurigem Hedonismus. Auf dieser Basis baut Calvin dann noch an diversen weiteren phantastischen Ausflügen, oft auch in die Genren Superhelden-Abenteuer (mit Calvin als "STUPENDOUS man!" im scharlachroten Cape) und S.F. (mit Calvin als "Spaceman Spiff", der eine sehr fortgeschrittene Variante Ray-Bans trägt!). B-) (Letztere beiden Gründe warum ich mich endlich traute, C&H hier im Blokk vorzustellen; das hier gezeigte Buch fängt sogar mit 10 riesigen Extraseiten zu einem weiteren Spaceman-Spiff-Fall an, die der Autor extra für den Band anfertigte! Juchhe!)

Sporadisch treten auch in Einzelszenarien phantastische Elemente auf, wie z.B. im anliegenden Sonntagsstrip, der das engl. Idiom "don't let the bed-bugs bite" etwas calvinom interpretiert...

Neben der großartigen Zeichnerei, und wilden (Spiel-)Ideen, die oft auch mit der Form des Comics an sich spielen, bewundere ich Meister-Storyteller Bill Watterson aber auch für seinen damaligen nie müde werdenden Einsatz sein Werk NIE kommerzialisieren zu lassen. :o Keine beliebige "Syndication" damals, kein Marketing jeglicher Art - also auch keine T-Shirt-Aufdrucke oder C&H-Becher, oder C&H als Werbefiguren für irgendwas. Alles was man heute in der Form sieht, ist also illegal und gegen seinen Wunsch. Das führt natürlich auch dazu, dass C&H ein Geheimtipp geblieben ist; nur die vielen Bände gibt es nach wie vor überall zu bestellen.

Also: Alleman steige in die wundersame Welt eines ewigen Sechsjährigen und seines Tigers - und seiner taffen Eltern! - ein, und erlebe viele Wochen erstaunlicher Erlebnisse, inkl. phantastischen Erzählungen und Lyrik und visuellem Jazz. Und sauge eine Menge "joie de vivre" auf, in punkto toller Ideen/Sichtweisen, Grafiken, Texte und Dialoge.


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Marvel Now: Ms. Marvel [Marvel/2014f]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 05 November 2016 · 1045 Aufrufe
21.Jhdt., Marvel

Mit nur GANZ WENIGEN Tagen Verspätung rutscht der Oktober-Blokk hinein auf den Spuren der neuen Miss Marvel, die die Comicwelt in den USA wunderbar aufwirbelte - und schnell ein Renner in den Läden wurde - weil es sich um die erste muslimisch-jugendliche Comicheldin "ever" handelt! Gezeichnet wird sie von mehreren guten Leuten bei Marvel, aber der lässig-lustige Stil von Adrian Alphona gefällt mir am besten.

 

Das Fundament der gelungenen Serie - bis heute gibt es 5 Sammelbände* - ist aber die innovative und v.a. kenntnisreiche Schreibe der Texterin Willow Wilson, die sich scheinbar SEHR gut mit muslimischem Alltag auskennt, bis hin zu einem reichen pakistanischen Vokabular für Alltagsrollen & Objekte - "Shalwar kameez" z.B. für pakistanische Festkleidung (die die Protagonistin, Kamala, hasst)...

 

Man könnte meinen, Marvel reitet da mal wieder eine geldbringende Sympathiewelle - bzw. wollte geldbringenden Krawall lostreten - aber was sofort heraus sticht, ist wie klischeeplättend normal das Leben der Khans ist. Der etwas runde, großköpfige Vater, der seine Zeitung am morgen so liebt, die umsorgende/strenge Ma, der religiös-überkompensierende große Bruder... und die nerdige Tochter, die am liebsten neuste Computergame-Updates kompiliert, und in Jersey City - wo viele der Action stattfindet, nahe NYC - am liebsten mit einer Russenwinterklappenkappe herum läuft. q:D

 

Als dann diese junge Dame, von einem besonderen Nebel getriggert, zu einer merkbaren Inhuman reift - den Begriff kennen natürlich ALLE Agents-of-SHIELD**-Fans! - entscheidet sie sich, mit Hilfe ihres "Sidekick"-Freundes Bruno, ihren Burkini zu einem Heldinnenkostüm umzugestalten und sich den gerade frei gewordenen Namen "Miss Marvel", den dessen vorherige Inhaberin nur wenige Monate vorher abgab, zu schnappen!

 

Mit ihren besonderen Fähigkeiten - sie kann beliebige Körperteile verkleinern/vergrößern/verlängern, oder alle zusammen, und seltener sogar ihre Form wandeln, und bei jeder Rückverwandlung wird der betroffene Teil in den Urzustand versetzt, d.h. sofortige Heilung bei Verletzungen - kommt sie schnell vom Nebel in die Traufe, und so auch ins Visier der Inhuman-Königin Medusa, die ihr zur Hilfe eine meiner Allerlieblings-Comic-Figuren "ever" schickt, die teleportierfähige Riesenbulldogge Lockjaw. (S. Coverbild oben!)

 

Durch Wilsons gelassenen Umgang der "immigrantischen" Umgebung der neuen, unsicheren aber freudig-wilden Heldin sind die Geschichten ein Genuss, immer wieder tolle unerwartete Wendungen nehmend - z.B. als Kamala sich im 3. Band in einen ehemals verachteten gleichaltrigen Strebersohn von Freunden ihrer Eltern verknallt - und das Trumpeten-Thema nicht-islamischer Leitkultur so ganz und gar vom Tisch kehrend. Genial! Und sehr zeitgemäß!

 

Nur gelegentlich sickert durch, dass es Leute gibt, die die Khans etwas "anders" behandeln. Was natürlich v.a. eher belacht oder belächelt wird von Kamala selbst.

 

Fazit: In your face, Otherland!  :qwiseguy: Diese Serie ist der Beweis, dass Marvel alles Andere als zu klischeehaft ist fürs Coole-Comics-Regal. Meine Empfehlung ist... nicht verpassen!

 

(Das "in your face" ist seit Anfang Dezember ca. obsolet; mit Hilfe eines K.L.-Übersetzungs-Preisträgers konnte das Otherland doch überzeugt werden! Juhuu!

* Diese Besprechung deckt nur die ersten 3 Bände ab, damit der Post nicht zu lang wird.

** Am Ende des 3. Bandes gibt es übrigens ein kurzes Crossover mit genau 2 dieser Agents! :o

Übrigens ist das Coverbild von einem von sehr vielen Heften, die es im Angebot gibt; wer die Sammelbände finden will, sehe sich nur ein wenig um...)




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Marvel Team-Up #7 feat. Spider-Man & Thor [Marvel/1972]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 30 September 2016 · 1013 Aufrufe
20.Jhdt., Marvel, *Romita
Zur Erwärmung im herbstlicher-werdenden September hab ich einen meiner ältesten Comics hervorgeholt: Ein alleinstehendes Heft mit dem ersten kombinierten Auftritt der bereits damals größten Zugpferde Marvels - dem Gott der seit fast einem Jahrhundert gelebten Science Fantasy, Thor, und dem frech-labernden wände-hoch-krabbelnden Teenager, Spider-Man.

Ich fand damals als Pre-Teen die Zeichnungen einfach toll, wie - yo! - auch den erstaunlichen Hammer des Donnergottes, und Peter Parkers überbordendes Mundwerk! Heute gefallen mir noch immer die Zeichnungen - insbesonders als die Trolle, die die beiden bekämpfen, in Asgard und auf dem Planeten Erde die Zeit anhalten, und alles schwarz-weiß negativ erscheint... Marvel invertierte aufwändig in den entspr. Panels alles außer den beiden Helden und ihren Gegnern, die normal - koloriert - erscheinen. Klever!

Auch interessant durch die heutige Brille zu erkennen ist, dass Texter und Zeichner scheinbar andere Marvel-Größen nachahmen, und dies zeitweilig besser hin bekommen als die Originale! Gerry Conway schreibt den rasenden Spider-Man-Speak & Thors Shakespeare-Deklamationen, beide stilistisch von Stan Lee vor-exerziert, wunderbar dicht & zackig; Ross Andru zeichnet die beiden Helden sehr ähnlich John Romitas romantisch-dynamischen Stil. (Andru half natürlich Inkmeister Jim Mooney, der manchmal auch Romitas Linienzeichnungen "einschwärzte"...)

Ach ja, die Story: Die nicht immer netten Trolle der neun Welten wurden vor längerer Zeit nebst Schwarzelfen und Eisgiganten von Odin & seinen Söhnen unterjocht. Als ihr aktueller Anführer Kryllk eine fortgeschrittene Lern-/Zeitsprung-Maschine in Form eines riesigen blaukristallnen Eis entdeckt, "friert" er Erde & Asgard ein, um Asgard problemlos zu übernehmen. Zufällig aber hielt sich Thor gerade auf einem Balkon in der Nähe von Peter Parker auf, der gerade dabei war, zwei sexistischen Straßenmachos mit spinnenstarken Fäusten etwas Benimm beizubringen, und rettet ihn - und sich - vor dem Zeitstillstand mit einem von Mjolnirs Wirbeln...

44 Jahre ist diese etwas zerfledderte Ansammlung vergilbter Seiten alt... einer der wenigen Comics, die dieser Nicht-Sammler in einer typischen Sammlerplastikhülle lässt, und sich kaum traut da - vorsichtig! - heraus zu nehmen. Aber wenn doch, alle paar Jahre wieder, dann geht der gute alte Stoff wie Butter 'runter! :wub:

P.S.: Das Coverbild hab ich mal aus Spaß verlinkt auf ein kanadisches Angebot, das andeutet wieviel eine "mint copy" vom Heft heute wert sein kann! :o Wer es wirklich erstehen will, dem empfehle ich die britische Version von eBay - da gibt's momentan mehrere (preiswertere) Angebote.




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Superhelden - das Handbuch [Jacoby & Stuart/2015]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 19 August 2016 · 804 Aufrufe
21.Jhdt., Jacoby&Stuart
Dieses rätselhafte Werk ist kein Comic per se, stützt sich aber stark auf die atmosfärischen Zeichenkünste des namhaften Parisers Benjamin Lacombe, der einen trendigen Retro-Stil aufzeigt, und das ganze Buch in dunklere "Verbrauchs"-Farben/-Effekte abtauchen lässt. Damit wirkt es irgendwie antik & eben wie ein Gebrauchsobjekt. Dies, und die teils skurril-saraszenen Texte des Konzept-Erfinders Sébastien Perez - auch Franzose - ließen mich lange im Dunkeln darüber, dass dies eigentlich ein Kinderbuch sein soll!
 
Jedenfalls ist es ein Werk mit Tiefen, die man erst nach und nach entdeckt, wie es sich bei einem echten Handbuch gehört! U.a. gibt es eine Menge Druckfehler - von "Ruestand" bis zur einmalig vergessenen Umstellung des franz. Originalnamens in der Kurz-Kurzgeschichte* "Donnie & Klyte", die wohl im Original "Donnie & Claude" hieß. Ob der Berliner Verlag nicht genug Budget verfügbar hatte für den ein oder anderen Korrekturlesezyklus? Egal, diese nach & nach entdeckbaren Kleinstfehler sind letztendlich Teil des Charmes des Buches.
 
Auch heißt der Flitzer - ähnlich Flash oder Quicksilver bei den Amerikanern - der Heldenriege, die alle neu & i.d.R. mächtiger sind in diesem Handbuchuniversum,  mal Velox - und das zugehörige Vollbild zeigt einen schlanken/flachbrüstigen dunkelhäutigen Sympathen - aber später - nur mit Profilbild anbei - Windbraut. Wurde eine transsexuelle Heldin hier unkommentiert eingeschmuggelt? q:)d
 
Die Texte sind teils euphorisch und auch ab & an m.E. ziemlich lustig, wie diese ausgesuchten Zeilen der 1. Textseite:

Ein Superheld zu sein, ist super!

   :

Superheld ist der Beruf der Zukunft!

   :

[..] ihr jungen Superhelden [..] Experimentiert, übt, kämpft! Und vergesst diese schwachsinnigen Umhänge! Wichtig ist nur die Maske und die schreckliche Wirkung von Spinat.

Aber dann gibt es auch die schlimmeren Drehs in manchen der KKGen, wie z.B. Donnie & Klytes Wende hin zum Morden, und ihr letztendlich blutiges Ende...

 

Also durchaus auch mit einem erwachseneren - oder: französischeren :confused: - Kern, wie z.B. die großartige Superheldinnen-Werdung des Batman-Ersatzes: Der wundersam gerundeten Wasp Woman aus Harlem, NYC! (Vordergründig abgebildet auf dem Cover oben.) Ihr Heldenalias ist wunderbar zweideutiges Programm, denn sie trägt auch einen hervorstehenden gestreiften Kostümhintern - keinen Umhang!! - aber kann auch Erstaunliches wie Teleportieren. Alles hervorgebracht, als sie ansehen musste wie mehrere Honky-Besucher^ einer Kneipe, wo ihr Vater arbeitete, vor ihren Augen diesen fast zu Tode prügelten...

 

Sehr gefallen hat mir auch die 3D-Bildgeschichte** mittens, ohne Worte! Wie auch die ständige Überbeanspruchung des Wortes "super"! :P

 

Zwiespältiges Fazit: Nicht so ganz, was man als bierernster dt. oder amerikanischer Comic-Fan gewohnt ist, aber "it grows on you". Man setze die Riddler-Maskenbrille auf, und sehe das Ganze als Herausforderung, und entdecke immer wieder mal was Neues. Sozusagen ein tiefflammiges Dauervergnügen, dieses Handbuch! -- Aber wahrscheinlich eher was für junge Teenager, als Kleinkinder...

 

(* im Rest des Beitrags abgekürzt auf KKG / ^ m.a.W. WASPs! / ** im hinteren Innendeckel ist auch eine rot-grüne 3D-Brille mit dabei!)




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Amber #1 [Feest/2002(1996)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 31 July 2016 · 1110 Aufrufe
20.Jhdt., Ehapa
Vor ca. zwei Jahrzehnten entdeckte ich diesen dt.-sprachigen Band in einem dt. Comic-Laden. Natürlich wusste ich wer Roger Zelazny ist, und hatte sogar von seinen 9 Princes in Amber schon gehört. Aber v.a. begeisterten mich die großartigen Panels im Inneren - gezeichnet von einem der realistischsten Comic-Zeichner, die ich kenne, Lou Harrison. Den Band musste ich sofort haben...

Die schlechte Nachricht gleich vorweg - obwohl der 1. Band (von insgesamt 3) überzeugte, wie weiter unten angedeutet, wirkten die weiteren Bände aus zwei Gründen als eine zu starke Bremse meines Geschmacks in Comics um sie weiter zu lesen/sammeln. Zum Einen war Harrison bei den weiteren Büchern nur noch der Cover-Artist (sein eigentliches Metier), und der Zeichenstil der Folgezeichner zu "schlampig" im Vergleich, und zum Anderen wurde mir die Geschichte irgendwann einfach zu blutig. Es eignen sich eben nicht alle Stoffe für die Verbildlichung, zumindest was mein Wohlgefühl angeht... :qinsane: Vom 2. Band hab ich irgendwann vor lauter Frust den vorderen Cover abgerissen, und den Rest der Seiten entsorgt; der besagte Cover dient bis heute als Lesezeichen für den hier besprochenen Band.

Amber, die 9 Prinzen, wie die Urgeschichte im Dt. vollständig heißt, ist eine Science Fantasy von Altmeister Zelazny, der sozusagen der Erfinder des Genres sein könnte. Die Geschichte beginnt mit Corwin, einem der "Prinzen", der aus einer Amnesie in einem Betreuungsinstitut erwacht, diesem entflieht, und sich dann auf den Weg macht die Leute aufzusuchen, die ihn dort einwiesen. Wie sich heraus stellt, seine Familie, deren Mitglieder aber in Wirklichkeit zum versprengten Adel der fabelhaften Stadt Amber gehören, und sich im erweiterten Sinne gerne gegenseitig versuchen zu benachteiligen (daher: Corwin im Institut) oder sogar bekriegen...

Fürs Comic umgeschrieben wurde das Zelazny-Original vom talentierten Mr. Terry Bisson, dessen Kurzgeschichten ich sehr mag, und den einen Roman, den ich bisher las, ziemlich cool fand. Wie gegen Ende des Bandes die Landschaft, durch die Corwin und sein alliierter Bruder fahren, sich ständig wandelt, hätte direkt in einen solchen Bisson-Roman hinein gepasst. Vielleicht ist ja Bisson, ein weiterer Könner im Science-Fantasy-Oeuvre, bei Hrn. Z. in die Lehre gegangen? :qdevil:

Aber zu guter letzt haut dieser Band v.a. um wg. den perfekten, stark-kolorierten Bildern, die Mr. Harrison hinein gezaubert hat. Fotorealistische Ausführung der Menschen und allem Anderen - die sich z.B. soviel Mühe mit der Frisur einer jeden dargestellten Figur macht wie andere Zeichner mit mehreren Seiten! In den letzten 10 Seiten gibt es eine erstaunliche Kampfszene mit einem 3. Bruder, in weißer Rüstung auf einem weißen Kriegspferd, wo jede Schattierung, jeder von Hufen fallende Erdkrümel, jeder Blutspritzer, sitzt. Erstaunlich, dass Hr. H. sich den ganzen ersten Band soviel Mühe gemacht hat, wie sonst nur mit seinen Covern - ich denke mal, das war der Akt eines Fans der Urreihe.

Ich kann also keine fundierte Empfehlung aussprechen, weil ich mir die ganze Comicserie nicht antat. Und die Urromane hab ich noch immer nicht gelesen - obwohl sie längst Kultstatus erreicht hatten damals. Also bleibt mir nur zur Empfehlung der "Moment", den dieser wohl-geschriebene und perfekt-illustrierte Band einem COnsuMICenten beschert... :qgoodnight:


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Aladin & die Wunderlampe [gondolino/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 July 2016 · 1222 Aufrufe
21.Jhdt., gondolino
Mitte Juni fand ich auf dem Ramschtisch vor einem Spandauer Buchladen dieses Kinderbuch, und war sofort angezogen vom Stil des Deckel-Layouts & der Zeichnungen. Wieso kostete so ein gut "dekoriertes" Buch nur €5? Es ist zwar kein Comic - keine Sprechblasen! - aber es sind genug großformatige Zeichnungen drin, dass ich für den (späten) Juni-Beitrag das ein wenig verbiege...

Ich werde hier nichts Weiteres über den Text des bekannten Märchens sagen, außer: Auch der (politisch) korrigierte Text erzählt einen wirren Plot (wieso ist der Lampengeist automatisch wichtiger als der Ringgeist?), so dass man deutlich das Gefühl hat, dass - schon immer - eine Menge klärende Füllung ausgelassen wurde. -- Nein, es geht mir in diesem Blokk-Beitrag v.a. um die Zeichnerin/Koloristin Olga Poljakowa*:

Eingefügtes Bild


Sie setzt einen etwas einfachen Stil beim Zeichnen der Menschen ein - lieblich, ein Tick großäugig, proportional sehr korrekt/realistisch, & mir ein Tick zu "westlich" - und die Linienführung der dekorativen Seitenränder ist comichaft "klar". Aber schon bei den grandiosen Haus- & Palastentwürfen sieht man ihr eigentliches Interesse durchscheinen. Neben einer der stimmungsvollsten & treffsichersten Farbgebungsjobs, die ich je gesehen habe - das erahnt man schon, wenn man sich die Himmel der Coverbilder genauer ansieht! Very well done! q:)d

Sobald man aber das Buch aufschlägt, wird m.E. offensichtlich, was ihr Haupttalent ist - das Layout und die allgemeine künstlerische Gestaltung des Ganzen! :o Sie umrandet viele Bilder mit dekorativen Kränzen, Bögen und Ranken, oder dünnen Ausschnitten von kontextuell passenden Landschaften. Das ganze Buch ist v.a. Poljakowas Werk - von den lila Innendeckeln mit mauve-farbenen Wunderlampen, zum großen verzierten "I" zum Textbeginn, bis zum hellgelb-umrandeten Abschlussbild, in dem sich die Prinzessin und der Sultan umarmen, & Aladin lächelnd zusieht. Alles in einem Retro-Stil, der an die Eleganz der Dreißiger erinnert. Und dazu kommt die vorsichtige Farbton-Nuancierung... :wub:

Ein erstaunlicher Fund, auf den ersten Blick unauffällig, dann aufreibend großartig wenn man sich Zeit dafür nimmt - und mit-träumt! q:)

(* heir stand ursprünglich "die Dame ist nicht in der WIkipedia oder anderswo zu finden, also kann man ihre Biographie nur erahnen, leide" - inzwischen lief dank heschu ein Maildialog mit ihr, s. Kommentare untenr; im Buchhandel sind mehrere ihrer märchenhaften Werke zu finden, u.a. eine Neuinterpretation von Peterchens Mondfahrt)


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Batman: The Dailies 1943-1944 [Kitchen Sink/1990]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 03 June 2016 · 967 Aufrufe
20.Jhdt., Kitchen Sink, DC

Mit drei Tagen Verspätung nehme ich mir für den Mai-Blokk-Beitrag mal das erste Erscheinen von Batman & Robin als Zeitungsstrip vor, damals vor über unglaublichen 7 Jahrzehnten. Ich wurde an diesen Band in den Tiefen meiner Comic-Kiste erinnert, weil ich seit wenigen Wochen wieder zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Comic Heft für Heft kaufe, aus lauter Neugier: DK III - The Master Race (also die lang erwartete Fortsetzung von Millers Dunklem-Ritter-Zweig der Abenteuer des Manns im Fledermaus-Kostüm...). q:)d

 

Für Bob Kane war das zusätzliche Erscheinen des von ihm erfundenen und schon recht erfolgreichen maskierten Helden mit Grips - er lief ja als einer der Zugpferde in der Serie "Detective Comics", nach der kurze Zeit vor seinem Debüt der gleichnamige Verlag umbenannt worden war - sicherlich eine Aufwertung, trotz der Tatsache, dass alles nun in schwarz-weiß erscheinen musste. Für dieses 1. Jahr der Batman-Strips jedenfalls standen ihm einige DC-Texter zur Seite, u.a. Jack Schiff, der die ersten drei Jahre auch als Chefredakteur für die Strips verantwortlich war. Gerade bei einem Strip war auch wichtig, wer die Tuscharbeit vornahm: Das war neben Kane selbst auch Charles Paris, der das danach noch über zwei Jahrzehnte (!) lang weiter machen sollte.

 

Der "inker" eines solchen Strips arbeitete zur der Zeit außerdem mit einer damals gerade neu eingeführten Technik, Craftint. Zeichner trugen ihre Urversionen mit Bleistift auf ein chemisch präpariertes Papp-Brett - das "Craftint board" - auf, und Tuscher konnten danach ganz normal die Linien zu Ende tuschen, und auch Schattierung usw. anbringen. Aber für den Craftint-Effekt nahmen Letztere dann einen Pinsel in die Hand und tunkten diesen in einen Spender mit einer klaren Flüssigkeit - und wenn damit auf dem Strip "gemalt" wurde, kam auf dem präparierten Brett pünktchwenweise eine graue Schattierung zustande, perfekt geeignet für den Druckprozess, der ja Bilder eigentlich nur schwarz-weiß produzieren konnte. Graustufen mussten also mit mehr oder weniger engen Punkten simuliert werden, und die Craftint-Methode bekam das für Zeitungscomics hin. (Im anliegenden Foto eines Strips aus dem Buch sieht man z.B. beim 2. Panel von links den Craftint-Effekt - im Nachthimmel, der einen Gebäudeseite und an einigen Stellen der Staubwolken, die das Batmobil hinterlässt.)

 

 

Auf die Geschichten gehe ich mal nur kurz ein. Robin ist immer dabei, und das dynamische Duo ist meist unterwegs in der Stadt zu sehen (wenig im Wayne Manor), wo sie ermitteln - es gibt also eine Menge Dialoge mit Verdächtigen & der Polizei - bzw. behende in Aktion treten. Obwohl in einem Fall Batman schwer verletzt wird, tragen die beiden nie Waffen & töten auch ihre Gegner nicht. Im Gegenteil, in einer Sequenz retten sie einen Kriminellen, der Selbstmord begehen will, indem sie ihn mitten im Sturz in die Tiefe auffangen. Ich fand die Plots allesamt spannend, wenn auch aus heutiger Sicht gelegentlich etwas stereotyp in punkto Gesichtsgebung der Bösewichte. Butler Alfred ist hier übrigens noch ein treuer Tölpel, der den gelegentlichen "comic relief" abdeckt, aber zur Not auch mit einer guten Idee seinen Meister aus einem reißenden Fluss rettet.

 

Kanes Zeichenstil ist recht professionell, finde ich. Zwar benutzt er immer wieder ähnliche "ägyptisch"-anmutende Action-Posen, insbes. wenn eine Figur läuft, aber die Umgebungsdetails sowie auch die Darstellung der ProtagonistInnen sind genau & mit Liebe auf Papier - bzw. Craftint-Brett - gebannt. Sein "inking" gefiel mir besonders gut - typisch Schwieriges wie Lichtflecken/Schatten in der Nacht, und Wellen auf einer Wasseroberfläche, bekommt er glaubhaft hin. Der moderne Trend zu mehr Schwarzem/Dunklen in Comics wurde eigentlich von Zeitungsstripzeichnern erfunden...

 

Empfehlung also: Als Batman-Fan sollte man diese "Täglichen" Bände nicht missen, einerseits um staunend zu bewundern, wie spannend & aktuell anmutend diese uralten Comics noch heute wirken! Und auch weil es am Anfang eine wunderbare historische Einführung vom Initiator dieser Reprint-Sammlung, Joe Desris, gibt.


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Rocket Girl VOL:01 [Image/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 29 April 2016 · 1022 Aufrufe
21.Jhdt., Image
Zeichnerinnen kommen zu selten im Blokk vor, finde ich, und diesen Monat ist eine besondere Könnerin dran: Amy Reeder, die bei Image zusammen mit Texter Montclare diese Reihe über ein Teenage-Mädchen aus einer nicht all zu fernen Zukunft geschaffen hat, deren erste 5 Hefte nun in diesem Band gesammelt wurden. (Leider gibt es noch keine weiteren "trades"...)

DaYoung Johansson - eine paralleluniversale Cousine des heutigen Hollywoodstars? :wub: - heißt die Dame, und ist eine von einer Truppe raketenbetriebener JungpolizistInnen der fernen Zukunft 2013. "Fern" weil die Haupthandlung des Bandes Mitte der Achtziger spielt - wir haben es hier also auch mit einer alternativen Geschichts-SF zu tun. Die junge Polizistin bekommt Infos von einem unbekannten Hacker, dass ihre komische oligarchische Gegenwart die Folge ist von der Entwicklung des Prototyps der zu ihrer Zeit wohl-bekannten Zeitsprungmaschinen, der in den 80ern in den Quintum-Labors gebaut wurde, Sie springt also illegalerweise zurück um genau diese Maschine zu vernichten: Leider ist der Unbekannte scheinbar nicht so vertrauenswürdig wie sie annahm, und einige unangenehmere Zeitgenossen springen ihr hinterher. Im chaotischen NYC der 80er geht dann zunehmend die (Flug-)Post ab...

DIe Geschichte torkelt immer wieder etwas vor sich hin, und ich finde die Dialoge manchmal etwas plakativ. Ein junger Kollege DaYoungs versucht noch, ihr auszureden, die Zeitreise anzutreten, und das nächste Mal, das wir ihn sehen, liegt er angebeult und leicht blutend vor den Füßen seines - ebenfalls blutjungen - Commisioners, umgeben von bedrohlich dreinschauenden erwachsenen Quintum-Sicherheitstypen.

Aber wegen der großartigen Linienführung inkl. Tintengebung ("inking") Reeders schnürt die junge Heldin, der unsere Augen meistens folgen, die ganze Sache zusammen. Reeder schafft es, fast alles Wirre, das ihrer Heldin - und NYC! - geschieht, zu einem faszinierenden Ritt durch die scharfen Ecken und Tunnel der Comic-Panels umzugestalten.

 

Gelegentlich geht sie auch in die volle Breite und zieht eine "Marvel style"*-Sequenz ab, in der die willensstarke Polizistin vor irgendeiner Bedrohung - meist älterer Herren, die nachher ernsthafte Kopfschmerzen verspüren! - ausbüchst. Wow!

Am Ende ist Ms. Johansson emotional adoptiert worden vom Leser und man will mehr sehen von dem Teenie mit den doppelten Jets auf dem Rücken. Man hofft, dass die längere Pause endet und der nächste Band bald erscheint!

(* Zitat des in 10 Bonusseiten abgedruckten Dialogs zwischen Texter und Zeichnerin am Bandende / dort schoss ich auch das Schwarzweiß-Foto - man öffne es in einem neuen Browserfenster um es in größerer Form zu bewundern)




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Spider-Man Taschenbuch [Panini(Marvel)/2004(1967)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 31 March 2016 · 1116 Aufrufe
20.Jhdt., Panini, Marvel, *Romita und 1 weitere...


Ich löse ein Versprechen vom 1. Blokk-Jahr ein: Nochmal den großartigen & prägenden Marvel-Zeichner John Romita sr. aus den Sechzigern/Siebzigern zu präsentieren - bei einem seiner bekanntesten Einsätze, seiner Übernahme des Zeichnerbleistifts von Spider-Man-Miterfinder Steve Ditko, um die Stories & Texte von Marvel-Gründer Stan Lee grafisch umzusetzen.

Der vorliegende Band ist besonders, weil er nach 2 enthaltenen Ditko-Heften, u.a. das allererste Spider-Man-Comic, wo Peter Parkers Entstehungsgeschichte zum ersten Mal erzählt wird, fünf (5!) von Romita gezeichneten Hefte ansammelt, die er Ende 1966 & Anfang 1967 zeichnete. Auf die letzten drei möchte ich mich hier konzentrieren, denn in diesen lernt Spidey den Kingpin kennen - und für den damals noch recht jungen Rezensenten war diese Figur - in diesen Seiten - ein überwältigender Gegner.

Der Kingpin wird hier als breit-eher-als-lang und bullig dargestellt, immer extrem selbstsicher, mit teils tödlichen aber ungewöhnlichen Waffen zur Hand, u.a. einem kurzen Stock mit Knauf, aus dessem dünnen Ende ein Destruktorstrahl gefeuert werden kann, der z.B. problemlos einen Revolver in Luft auflösen kann. Das wirklich besondere Attribut ist aber Kingpins Kampffähigkeit, die er selber während eines blitzschnellen Schlagabtauschs mit einem seiner aufmüpfigeren Schlägerunterlingen so beschreibt:


Hast du dich nie gefragt, wie ich der Herrscher der Unterwelt werden konnte? Nie daran gedacht, du könntest dich irren? Dass du Muskelmasse mit Fett verwechselst?

Während dieses Monologs umschließt er die geballte Faust des Anderen fest in seiner breiteren "fetten" Faust, als ob es sich um einen "Schraubstock" handle, wie der nachher klein beigebende Gorilla konstatiert.

Das Besondere an Romitas Linie ist die sichere Art, wie er Körper zeichnete, sei es im Alltag, wenn M.J. Watson eine ihrer ausladenden Armbewegungen macht, sei es im Spinnen-Kampf mit Kingpin oder seinen Mannen. Romita hatte ein rares Können was kämpfende Figuren anging, inkl. dramatischen Perspektiven & ausholenden Faustschlägen; die fast cineastische Weise, wie er Kampfabläufe darstellte, hatte ich ja schon mal bei seinem Einsatz in der Cap-Reihe im Blokk dokumentiert. Dazu kommt, dass Romita seine Anfänge ja in den Romanzen-Zeitungsstrips hatte - Peter Parkers "look" (der ab dann für alle weiteren Hefte bis heute "galt") als Herzensbrecher auf dem Campus, sowie z.B. MJs markante "mehrspitzige" Vorderfrisur und ihre Grübchen, sind alles Erfindungen von Romita.

Der agile Spinnen-Superheld mit dem Maschinengewehr-Kommentar aus Lees Feder war damals derart markant, dass meine Theorie ist, dass der heuer so beliebte Marvel-Anti-Held Deadpool einfach eine neue Variante davon ist, mit heute gängigen Zusätzen wie - leider - ständigem Umnieten seiner Gegner und das Durchbrechen der "4. Wand".

Das preiswerte Panini-Büchlein hat jedenfalls einen frühen Höhepunkt des Oeuvres um den "Netzschwinger" festgehalten, spannend geschrieben und gezeichnet, in großartigen Farben, und durchaus gekonntem Inking (durch Mickey Demeo)! Schade dass es seit kurzem nicht mehr neu bestellt werden kann. (Beim dt. Comicguide - s. Link hinterm obigen Bild - findet man einige Preisangaben, und heuer wird es definitiv noch spottbillig bei Booklooker angeboten...)

Wenn mensch ein alter oder neuer Fan des taffen Wände-hochlaufenden Teenagers ist, sollte sie/er die paar Euronen für diesen Schatz ausgeben.

P.S.: In einer tollen Geschichte aus der Feder von All-Round-Talent J. Michael Straczynski - ja, der der auch Babylon 5 mit-erfand! - und gezeichnet von Romitas SOHN (!) wird nah am Ende des dünnen Bandes noch beschrieben, wie Peter endlich seiner Tante May Parker sein Geheimnis eröffnet! Großartiger Comic-Stoff!

P.P.S. (2 days later edit): Ein ZIP-Archiv, das u.a. Kingpin in Großaufmachung zeigt, liegt nun endlich vor (1MB-Download). Allerdings alle Seiten nur in nicht zu hoher Auflösung & schwarzweiß...




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Nowhere Men Vol. I [Image/2013]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 29 February 2016 · 1219 Aufrufe
21.Jhdt., Image

Der Verleger des ca. seit einem Vierteljahrhundert existierenden US-Comic-Verlags Image Comics, Eric Stephenson, hat wahrscheinlich ein Faible für die BEATLES - und hat mit diesem lesenswerten Band eine neue Art von X-Men-Anfang in Form einer Hommage an die echten Sechziger & Siebziger hingelegt, die aber eine alternative Geschichtsentwicklung beschreibt: Was wäre, wenn in den Mittsechzigern "science" - also experimentale Wissenschaft, die zur Entwicklung von Technologien führt - einen ähnlichen Schub erlebt hätte wie damals die Popmusik?

 

Die vier Nicht-ganz-Pilzköpfe sind - man beginne im Kopfreihen-Bild hinterm Link ganz rechts & mache dann vorne links weiter - der ethisch-motivierte Ellis, sein praktischer-veranlagter Partner Strange, der geniale, aber anerkennungsgierige, Grimshaw, und der abgeklärte "boy wonder" Walker. Nach einem eröffnenden Interview bei einem Dick-Cavett-Lookalike im TV - damit die BEATLES-Parallele klar etablierend - werden diese 4 wie Rockstars gefeiert, ob ihrer Ansichten & den erstaunlichen Erfindungen der von ihnen gegründeten Fa. World Corporation (deren Produkte immer wieder mittels Vollseiten-Werbungen im Band vorgestellt werden) - u.a. künstliche Augen, Riesenbrücken zwischen Inseln, unkaputtbare Roboter für den Einsatz in besonderen Gegenden bzw. im All. Und dies sind nur die offensichtlichsten Erzeugnisse - eigentlich geht es die meiste Zeit im Band um einen selbstgebauten Virus aus Grimshaws Abteilung, der offensichtlich in der Lage ist, in theoretisch jeder Zelle im infizierten Körper die DNS umzuschreiben. Als Walker verschwindet, und Ellis nach einem Riesenstreit mit Grimshaw - wodurch Letzterer World Corp. verlässt - in ein jahrelanges Koma verfällt, zieht sich Strange zurück & führt v.a. einen Umbau der von ihm inzwischen aquirierten ISS durch, und schickt ein Team junger Leute insgeheim dorthin...

 

Die Ideen sind nicht neu - vieles scheint aus den mutantenthematischeren* Marvel-Comics und Byrne's Next Men geklaut worden zu sein - aber die Synthese schon, insbes. mit vielen Memen aus der postmodernen Hippie-Zeit unserer Eltern & Großeltern, wohl um ein "Gründerzeit"-Feeling der gegenwärtigen Moderne auszustrahlen. Neu ist das, was die 3 aktiveren Mitglieder der alternativen Fab 4 miteinander machen, sowie der ein oder andere höhere World-Corp.-Angestellte, und wie abgebrüht menschlich - und damit oft fehlschlagend - die meisten Beteiligten agieren. Und wie sehr schief technologische Anwendungen oft gehen können. Das alles gefiel mir ganz gut - und der "cliffhanger" am Ende ist spannend genug, das ich allein von der Story her auf Vol. II gespannt bin. (Leider gibt es bereits seit ca. 4 Monaten Gerüchte, dass dieser Band nie kommen wird. q:()

 

Die Aufmachung des Bandes ist super! Nicht nur gibt es großartige "visuals" von Nate Bellegarde - u.a. einen Centerfold der umgebauten I.S.S.! Die Macher haben sich auch Mühe gegeben, diverse magazin-/buch-artige Auszüge ihres alternativen Universums im Band zu "dokumentieren", u.a. ein 2-seitiges Interview mit dem sehr breit denkenden Harrison-Klon Thomas Walker, das ganz genau dem Format der Playboy-Interviews der Siebziger entspricht. q:D

 

Wenn es etwas zu meckern gibt, dann evtl. dass man Geduld mitbringen muss, um alles zu lesen & kapieren - so 3 Mal von Anfang bis Ende Durchlesen sollte man zur vollen Erleuchtung schon einplanen! Und außerdem ist die Prämisse, dass "science" ahnlich beliebt werden kann wie Rock 'n Roll mir etwas zu abgehoben, obwohl mit den hier geschilderten ziemlich glaubhaften Konsequenzen einer bleibenden heutigen Meme ausgemalt werden - dass "science" doch soviel besser als Religion sei, und so große Errungenschaften mit sich bringen würde. Dabei lassen sich m.E. die Wissenschaften kaum mit einer Religion vergleichen; es gibt stärkere Zweige - wie jeder Forschungs-Prozess für ein neues maschinelles Produkt heutzutage - oder schwächere - wie die aktuell in aller Munde ins Katastrophale tendierende Klimawandeltheorie... Das alles gehört dazu, und kann v.a. jederzeit ins Leere führen (eine der Kerneigenschaften einer wahrhaftig wissenschaftlichen These)!

 

Die kulthafte Ding-Machung von "science", die im Band immer wieder angedeutet wird, ist m.E. die Kernfantasie dieses epikurisch & mit viel Detailliebe konstruierten Gebildes. So sehr dass Nowhere Men schon fast als zynische Dekonstruktion dessen gedacht sein könnte.

 

Jedenfalls hat Board-KI Jorge zurecht diesen - in 2014 auch auf dt. bei Cross Cult erschienenen - Sammelband empfohlen! Dem schließe ich mich an. :thumb:

 

(* X-Men, New Mutants, X-Factor, Excalibur, usw. usf.)




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Star Wars Special #5 [Dino/1999]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 10 January 2016 · 1228 Aufrufe
20.Jhdt., Dino, *David

Passend zum neuen Star-Wars-Kinofilm (Ep. VII) hab ich dieses alte Heft in meinem Fundus ausgegraben, das ich mir damals ungefähr zu genau dem Zeitpunkt kaufte, als ich nach Berlin zog. Es ist eine Sammlung von 4 "graphic short stories" von namhaften Autoren wie u.a. Peter David & (meist) guten Zeichnern. Sie erschien damals auf deutsch im Dino-Verlag, wohl unter Lizenz von LucasBooks.

 

Damals war wohl gerade erst der 1. Prequelfilm (Ep. I) heraus gekommen, weil gleich die erste Story von Obi-Wan & Qui-Gon handelt; sie ist großartig gezeichnet von Robert Teranischi, wenn auch die Dialoge bzw. die Geschichts-Moral etwas merkwürdig wirken. Anakin Skywalker, noch bevor er Vader wurde, kommt nirgendwo im Band vor.

 

Ich möchte mich in einer folgenden genaueren Analyse dieser 1. und der vorletzten Geschichte im Band v.a.* annehmen; letztere ist auch grandios gezeichnet, von Claudio Castellini. Sie handelt von einer der letzten Jedi-Auslöschungen von Vader, chronologisch vor Beginn von Ep. IV.

 

In der ersten Geschichte befinden sich Qui-Gon und sein Padawan Obi-Wan in einer Dschungelumgebung. Dort treffen sie u.a. auf ein Monster, das eine liebliche Gesichtsattrappe am Körper entwickelt hat, die es aus Gebüsch heraus zeigt, um Zweibeiner anzuziehen um sie dann zu fangen und verschlingen - und einen von sich selbst überzeugten, lauten, zwerghaften "Moggoniten", der seine Rettung durch die Jedis leider nicht so recht würdigt... Am Ende bestehen die Jedis noch gegen einen Silan, ein riesiges furchtbares Wesen, das mit Hilfe der dunklen Seite der Macht unter den Dschungelbewohnern wütet.

Nach all dem Morden fragt Obi-Wan warum Qui-Gon dieses letzte Lebewesen anders behandelt als z.B. den widerwärtigen Moggoniten, den er, Qui-Gon. offensichtlich zu naiv behandelte. Und da kommt eine Philosophie hervor, die ich doch damals - & heute - etwas befremdlich fand, und die in der Form nie in den Filmen anklang, obwohl sie sicherlich eine valide Extrapolation wäre: Ein wahrer Jedi müsse immer der Macht folgen, woimmer sie ihn hin führt...

Als Jedi-Ritter wirst du noch oft dazu gewzungen sein, etwas zu tun, was du nicht willst, Obi-Wan.

Für mich einer der Hauptgründe, warum ich irgendeiner Religion nie vollständig folgen könnte. Ich möchte mein Hirn nie ganz ausschalten müssen im Leben.

In der zweiten, chronologisch früher angesiedelten, Geschichte reden Darth Vader, der Imperator - Darth Sidious - und Mara Jade über eine der wenigen verbleibenden Jedis, die Vader seit Jahren jagt, deren Aufenthaltsort Jade entdeckt hat: Die Dunkle Frau. Vader besucht den Ort, und findet ein pflanzliches Paradies vor (s. Bild). Die Frau, eine hochgewachsene weißhaarige-aber-robuste Schönheit, weist ihn mit ihrem ersten gesprochenen Satz darauf hin, dass er gerade eine sterbende Blumenart ansieht. Sie hege diese Arten hier um ihnen eine Chance zu geben, sich später wieder zu vermehren. Vader meint, Auslöschung gehöre auch zu den natürlichen Mechanismen des Universums, Schwäche müsse dem Kräftigen weichen. Am Ende sieht man nur wie die Frau von Vader abgewandt ihn implizit einen Feigling nennt, während er hinter ihrem Rücken das eingeschaltete Lichtschwert hebt.

Tatsache ist leider, dass dies nur der erste Teil eines Zweiteilers ist; der zweite Teil fehlt. Ich als Uninformierter damals wusste das nicht, und nahm an, dass sie einfach ohne Angst in den Tod geht, im letzten Moment noch einen Zweifel in Vader säend. War mir aber dessen nicht ganz sicher. Trotzdem gefiel mir die Geschichte gut; heute, wo ich dank diversen Wikis im Web weiß, wie die Geschichte endete, gefällt mir mein altes Missverständnis noch immer gut. Die Geschichte hätte hier gut enden können!

Fazit: Star Wars ist für mich v.a. ein Phänomen des bewegten Bildes - interessant( gemacht)er Kinofilme und der gelungenen Clone-Wars-Serie. Aber diese großartig gezeichneten Kurz-Comics sind definitiv einen genussvollen Einblick wert. Allerdings kann es sein, dass die "reinere" Sicht auf was die Macht wohl sei, dadurch etwas getrübt wird! q:D (Aber ausgleichend dafür gibt's den obigen Cover mitten im Heft als herausnehmbaren Poster! ;))

(* Es gibt noch eine Geschichte von Timothy Zahn, die nicht so toll gezeichnet ist, und eher was für Mara-Jade-Fans ist. Und eine großartig komische Geschichte vom bereits erwähnten Textmeister David, die glaubhaft erklärt dass der R2-Droide, der in Ep. I von Lukes Onkel abgelehnt wird, damit dann R2-D2 dran kommt, in Wahrheit ein Jedi-Droide sei, der sich aus gewissen Gründen opfert, damit die Dinge fürs Universum zum Positiven, also im Sinne der Rebellen, entwickeln können.)






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