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Longshot [Marvel/1985]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 11 August 2013 · 495 Aufrufe

Marvel 20.Jhdt.
"Schafft mir einen neuen sympathischen Anti-Helden," scheint der Auftrag von Meister Lee - der, der immer irgendwelche Kurzauftritte in Superheldenfilmen zu haben scheint, heutzutage - an Zeichner Art Adams und Texterin Ann Nocenti damals gewesen zu sein. Die beiden waren beide relativ neu im Geschäft, und dies war ihr erster großer Auftrag. Es durften sogar kurz aktuelle Marvel-Lieblinge wie She-Hulk und Spider-Man im Plot auftauchen. (Einen längeren Auftritt bekommt der allwissende Magier Dr. Strange.)

Die beiden schufen einen Helden, der - in unserer Welt - nichts Anderes kann, als, immer dann wenn er es braucht, kolossales Glück zu haben. Er hat einen niedlich-fitten "body", und ein Auge, das beim Glückhaben immer leuchtet (wovon er selber allerdings nichts merkt). Frauen finden ihn fast alle nur zum Dahinschmelzen. Das war's!

Entsprechend trägt er viele kleine Messer mit sich, die er im selbstgebastelten Glücksrausch wild um sich schmeißt, und die dann immer genau da landen, wo sie hin sollen.

Das wirklich Coole an dieser Heftesammlung - in Form eines Graphic Novels in 6 Teilen - ist aber das Drumherum, das sich Autorin und Artist zusammen ausgedacht haben. Eine alternative Realität, aus der Longshot stammt, bevölkert mit beinlosen, fetten, schwebenden Clown-Monstern, deren irrer Chef vor allem angebetet werden will, und bei entspr. strafendem Blick alles Lebende verdorren lässt. Eine Meute von Kindern, NYC-seitig, die Longshot "assistieren", inklusive eines kleinen Mädchens, das sich sofort in den hippen Anderweltlichen verknallt, und auf einmal kaum ein Wort heraus bringt. Und natürlich Ricochet Rita, die raketen-reitende Stuntfrau, die Longshot in Chuzpe nichts nachsteht, und sich dauernd fragt, warum sie überhaupt als Frau auf die Welt kam - natürlich nur, bis sie Longshot ein wenig besser kennen lernt...

Adams' Zeichenkunst ist hier noch nicht so gestochen wie später (er wurde ziemlich bekannt mit seinem leicht zu erkennenden Stil, u.a. bei der Miniserie, wo die Fantastischen Vier durch andere Helden vertreten werden müssen, und dann Wolverine und der graue Hulk mit dazu gehören), aber seine Heldinnen - und sechsarmigen Rache-Engel! - sind schon hier sehr "stark" und abenteuerfreudig gezeichnet, ein Jahrzehnt bevor Lara Croft erschien. Seine wilden Kreationen und großartigen Tier-/Tiermensch-Darstellungen, die er später perfektionierte, sind auch hier schon beeindruckend - der depressive Held Quark (kleines Bild - im eigenen Fenster geöffnet sieht man mehr) ist eine Wucht! Dabei wirkt alles sehr sauber und klar.

Das Comic ist inhaltlich - und kreativ - ausgelassen und sehr voll, mit vielen kleinen, teils sehr absurden, Plot-Elementchen... so dass man etwas Konzentration beim Konsumieren braucht. Auch gibt es eine Menge Text, so dass man das Gefühl hat, Nocenti war es noch nicht gewohnt, eigenen Text beim wiederholten Durchsehen zusammen zu streichen. Aber diese "Fehler" machen eher den Charme dieses Doppel-Erstlings aus. Gelacht hab ich auch beim erneuten Lesen wieder mehrmals...

Der selbstverliebte Bösewicht Mojo, stolz auf seine Rückgratlosigkeit, bleibt einem jedenfalls dauerhaft im Kopf kleben! Eingefügtes Bild




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