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Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen ('Century'): 2009 [Panini/2013]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 25 May 2014 · 1760 Aufrufe

*Moore Panini 21.Jhdt.
Nach den inzwischen legendären 1. 2 Bänden setzte Meistererzähler Alan Moore so um 2009 einen drauf, und schuf eine weitere Trilogie namens "Century" (wird leider in den dt. Titeln unterdrückt, aber ich hab's oben mit hinein gesetzt): Was nach der Auflösung der Truppe besonders "begabter" viktorianischer Damen & Herren in London weiter geschieht. Natürlich holte er sich noch den wilden Zeichner Kevin O'Neill, der schon die 1. 2 Bände zeichnete, wie auch eine Menge kontemporärer Figuren aus der Literatur der jeweiligen Spielzeit, hinzu. Ich bespreche hier v.a. den 3. Teil der Trilogie, er spielt vor 5 Jahren, auf einer etwas alternativen Erde (Eingefügtes Bild) - der 1. Teil in 1910, der 2. in 1969. (Die 3 Bände decken also genau 1 Jahrhundert im Leben der Hauptfiguren ab...)

Das weitere Leben der resoluten Wilhelmina Murray (aus Stokers Dracula) - in der Welt der Liga heiratete sie nach dem psychischen & körperlichen** Trauma wg. des osteuropäischen Grafs nie, und blieb kinderlos - und des heldenhaften aber leider oft drogenabhängigen Allan Quatermain* ist der offensichtliche Leitfaden. Und wie die beiden mit ihrem neueren Status als junge Unsterbliche - nachdem sie Ayeshas* Jungbrunnen in Afrika entdeckten und darin badeten - umgehen. (Diese Afrika-Geschichte fand außerhalb der 2 gezeichneten Vor-Bände in einem der nicht-grafisch erzählten Abenteuer darin statt!)

Die "Century"-Trilogie führt aber noch eine 3. Hauptfigur ein: Orlando (aus Woolfs gleichnamigen Roman), ein unsterblicher Mensch, der mal Wochen/Monate/Jahre lang eine Frau ist, mal ein Mann. Der schon beim trojanischen Krieg hinter den Stadtmauern mitkämpfte und dessen Ausruf "was für ein schönes Pferd" leider das Schicksal der Stadt besiegelte. Eingefügtes Bild Sie/Er führt außerdem das Schwert des großbritischen Schicksals ständig bei sich, Excailbur...

Was von Anfang an außerdem sehr cool ist, ist, dass Brechts Dreigroschenoper teils die immer wieder gesungenen Texte stark beeinflusst - und dass Moore im 1. Teil die einzig wahre Seeräuber-"Jenny", nebst einem recht unsympathischen Mackie Messer, auftreten lässt. Moores Verehrung ggü. B.B.s bekanntestem Werk ist sehr deutlich, und er bekommt das blendend & innovativ hin. Eingefügtes Bild

Und - last but not least - kämpft die immer wieder neu konstituierte Liga um die 3 Protagonisten das ganze Jahrhundert ab und an gegen Maughams Magier, der hier noch ein wenig mächtiger ist als im Original, und versucht, ein "Mondkind", das im Namen des Bösen die Welt beherrschen wird, zu produzieren.
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Es ist also 2009 und die Erzählung beginnt damit, Orlando im Irak aufzusuchen, wo er gerade ein Massaker angerichtet hat, als ihm nach Jahrtausenden endlich die Helmschnur platzte, und er nur noch wild um sich schoß, ständig "Ich bin Krieg! Ich sterbe nie!" schreiend. Seine Vorgesetzten meinen, er sei ein Held - niemand, der vor Ort war, kann widersprechen - und er wird zurück nach England geschickt, beschämt über sein Verhalten. Und darüber, dass er aufgegeben hatte, 'Mina,
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weiter zu suchen und zu finden.

Ohne alles zu verraten: Orlando - nun weiblich (& schlauer?) - schafft es, 'Mina endlich zu orten & wieder ins liga-normale Leben zurück zu rufen. Die beiden finden auch einen verwahrlosten Allan als Obdachlosen auf den Straßen Londons vor, der allerdings nicht mehr will, und sich verabschiedet. Die Sache mit dem "Mondkind" ist nun allerdings längst geschehen. Der neue Chef - ein gewisser Herr aus Mailand, den Shakespeare schuf - beauftragt die beiden nur noch den inzwischen zum Teenager gereiften, und wohl bald im vollen Besitz seiner Macht agierenden, schlimmen Jungen zu finden.
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Wenn Moore & O'Neill eines können, dann ist es, die gewaltigen Schwächen ihrer HeldInnen auszuwälzen. In diesem letzten "Century"-Band gelingt ihnen dies vollendet, finde ich: Orlando ist nach Jahrtausenden ausgebrannt als Unsterbliche, und merkt, dass sie 'Mina liebt & zu ihrer Rettung braucht, und die Angebetene - letztendlich immer das Rückgrat der schwer zu zügelnden Liga - "findet endlich ihre Füße"...
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Wie dann die beiden Frauen dem "Kind" entgegen treten, wen genau sie unbewusst zu Hilfe rufen - ich bin ungelogen vom Stuhl gefallen! - ist sehr gekonnt, in kräftigen Farben... und ohne Blätter vor die Münder zu nehmen - wie immer in den Liga-Comics, im Gegensatz zu dem disneyfizierten lahmen Film! Eingefügtes Bild - gelungen!

Wenn man erstmal die Trilogie geschafft hat, gibt es noch ein interessantes Zwischen-Dossier, in schwarzer Ausführung, zu bewundern - das hilft einigen Hintergrund für Äußerungen der Geheimdienstler im 2009-Band zu verstehen - und außerdem gibt es eine weitere Zweigreihe, die das Leben von "Jenny" und ihrer Tochter verfolgt. Alles sehr lesenswert!

Wer also bereit ist, mit ziemlich harten, aber gut durchdachten, wild-gezeichneten Geschichten zu ringen, und auch Spaß am Verfolgen der vielen Einflechtungen/Referenzen (meist englischsprachiger Literatur) hat, erhält von mir die höchste Empfehlung, diese weiteren Liga-Bände in Betracht zu ziehen, I say!

May hope of continuance never die!

(* beide Figuren aus der Feder Haggards, s. z.B. She and Allan / ** sie hat deutlich sichtbare Vernarbungen überall an ihrem Hals, weswegen sie immer ein Halstuch oder einen Schal trägt / Brillenbild aus der engl. Wikipedia)




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