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(Special:) Kinoplakatkunst x 10 [über 90 Jahre!]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 05 November 2017 · 1415 Aufrufe

20.Jhdt. 21.Jhdt. *Ross

A. Ross Heldenbild-Thumbnail Ich oute mich zeichentechnisch: Ich habe in jungen Jahren ziemlich viel gezeichnet, zuerst waren es einfache Nachahmungen meiner Lieblingsvorlagen, meist von Marvel, später ging es mehr ins Cartoonische (z.B. für eine Uni-Zeitung) & die ein oder andere Gelegenheit wie z.B. Grußkarten oder das ein oder andere "lustige" Kollegenbild. Professionell eher nie.

 
Daher finde ich's angemessen, mal für den - etwas herbstverschlafenen - Oktober-Beitrag mich aufs rein Zeichnerische zu konzentrieren: Anlass ist das aktuelle Plakat für die neuste Fortsetzung einer bekannten - öhm, Science Fantasy? - Reihe, die bald in die Kinos kommt, auch StarWars VIII genannt. (Im Archiv-"Anhang" ist es die Bilddatei "9.jpg"!)

Eine Reihe von 10 Plakaten möchte ich besprechen; sie sind alle in einem verschlüsselten*, downloadbaren Archiv zu finden, von 0 bis 9 durchnummeriert. Die Plakate sind mit einer Ausnahme alles gemalte/gezeichnete Plakate - eine m.E. großartige Kunst, die heute nur noch einige Kinos überm Eingang anwenden, und die wohl bald in Vergessenheit geraten könnte. Sie sind einigermaßen chronologisch angeordnet, mit einigen thematisch gruppierten Ausnahmen. Auch sind es alle persönliche Favoriten, ohne Anspruch auf besondere kulturhistorische Güte...

  • METROPOLIS = Langs früher Klassiker über eine übermenschliche Stadt der Zukunft inspirierte diese klassischen einfachen Linien und gezeichneten Texturen, die sich bis in die Sechziger auf (auch Reise-) Plakaten hielten. Ich mag den symmetrischen Aufbau, mit der - damals sicherlich auf einem Filmplakat sehr fremd wirkenden! - Figur & ihrem kantigen Gesicht, das den Menschen vorm Plakat fast schon verwundert anstarrt. Das Plakat ist eine Fantasie, und verrät wenig über das, was den staunenden KinogeherInnen dann aufwartet! (Die Farblosigkeit war damals, scheint mir, üblich, obwohl bei einem gezeichneten Bild natürlich nicht zwingend. Aber das in diesem Punkt normal Wirkende stützt hier ja ev. den phantastischen Schreckmoment...)
  • 2001 = In den 60ern waren spektakuläre gemalte farbige Filmplakate mit viel Dynamik bei Blockbusterfilmen gern gesehen. Auch die durch den das kubricksche Shuttle folgenden "Kondensstreifen" angedeutete Dynamik ist typisch für Plakate der 60er & 70er, so wie ich sie in Erinnerung habe. Gefällt! Auch tut das das "Beleuchtungs"-Design dieses Bildes - der warm-gelbe Abflugsschacht im ansonsten meist technisch-farblos gehaltenen Umfeld der Raumstation. Starke Sogwirkung auf den (damaligen) Teenager!
  • THOR I = Der 1. Kinofilm zum Comic-Donnergott lief natürlich erst vor 10 Jahren an, aber dieses coole Alternativplakat feiert den anderen Trend der Sechziger - ein kleveres reduktionistisches Design, mit nur wenigen Farben & eher schemenhaft gezeichnet. Ein ziemliches Fundstück in unserer Zeit. Genial auch die Einbindung der Tragschlaufe des Hammers in den Filmtitel...
  • KING KONG = Das 70er-Jahre-Remake eines größeren Studios, das u.a. auch die Karriere von der m.E. großen Schauspielerin Jessica Lange begründete, ist meine Lieblingsverfilmung der verkorksten Geschichte um den großen schwarzen Mann in Affenform, der westliche (auch Eigentums-)Werte bedroht. Das m.E. beste Plakat allerdings ist dieses gemalte zum OST-Album! Das Riesenwesen zeigt gleichzeitig Angst & Kraft - letztere indem es einfach die Eckkante des World Trade Centers benutzt um daran außen hoch zu klettern. Die "brautgeraubte" Blondine ist durch ihr Festkrallen auf seiner Schulter & ihre Haltung eher eine Alliierte als ein hilfloses Opfer. Die Lichteffekte in diesem Bild sind sehr gelungen - die Betreiber der mächtigen Lichtquellen sind auch gleichzeitig das, vor dem die beiden flüchten...
  • BRAZIL = Dieser phantastische Film lebt u.a. vom Absurden, dass sich hinter jeder Plotecke versteckt. Außerdem wird niederschmetternd das irre Wesen jeder größeren Bürokratie parsifliert. Gleichzeitig gibt es hoffnungsvolle Momente, wenn auch etwas überzeichnet. ALL das gibt dieses großartige Plakatbild her - ich mag v.a. diese unendliche Schubladenwand aus der der Engel versucht zu entkommen. Wieder wird virtuos mit Licht gespielt, diesmal auch mit dem Dunklen, den Schatten außerhalb des riesigen Spots im Off. Die durch wegflatternde Aktenblätter angedeutete Bewegung ist dann noch das i-Tupferl.
  • SPECIES = In den 80ern erschienen immer mehr phantastische Filme mit sehr starken weiblichen Rollen - einer der späten Filme dieser Phase ist dieser Mittneunziger-Fall. Ich finde die Balance zwischen dem typisch "verletzlichen" Imago einer schönen Frau, und der bedrohlichen Macht des formwandelnden Aliens hier gelungen. Letzteres liegt offensichtlicherweise in der körperlichen Ausstattung des Wesens, wenn es mal die menschliche Haut hinter sich lässt - sein Torso hier, seine Beine, und ein Arm - aber auch in dem kühlen Blick von Natasha Henstridge. Die leuchtenden Augen erinnern an das Klischee, das hier "gebaut" wurde - eine den meisten Männern gefallende "10"er-Frau muss natürlich grüne Augen haben. Dabei wurde m.E. das Bild so entworfen/koloriert, dass es auch eine potenzielle weibliche Zuschauerschaft anspricht - ein Wink in diese Richtung sind ev. die rosafarbenen Rücken-"Spoiler"...
  • JUSTICE LEAGUE = Dieses Bild des aktuell anstehenden DCEU-Beitrags fällt natürlich aus der Reihe, da es ein (bearbeitetes, immerhin) Foto ist, aber ich hab's mit drin, weil es eine ganz offensichtliche Hommage an einen kinoplakatmalerischen Meister ist, Alex Ross, dessen 1. Sammelbild der "Silver Age"-SuperheldInnen aus der D.C.-Welt (man klicke auf das kleine Bild hier im Blokk-Eintrag oben rechts!) fast exakt dieselben Posen & Beleuchtungseffekte anbot. Ross brach vor einigen Jahren mit seinem Debütwerk Marvels gefühlt alle Rekorde für realistische Darstellung von Comicfiguren - jedes weitere Werk von ihm wird seitdem mit Spannung erwartet! (Wenn ich mich nicht irre, kam die Vorlage für das Kinoplakat aus der Kingdom-Come-Miniserie.)
  • STAR WARS Ep. IV = Kommen wir nun zum abschließenden Plakaten-Trio, alle zur StarWars-Reihe im Kino. Urheber Lucas meinte mal, die ersten Filme seien eigentlich keine S.F., sondern eher Märchen - was ja unschwer auch an den Worten zu erkennen ist, mit denen jeder Film der Hauptreihe beginnt: "Vor langer langer Zeit"... Bei diesem ersten Plakat wurde nach einer Vorlage ein Bild von einem schwert-hochhaltenden Kämpen und der sexy vor ihm halb-knieenden Prinzessin, dem neuen Film entsprechend umgemünzt: Leia, so wie sie (leider, dachte damals der 17-jährige Teenager nach 1. Filmsichtung) nie erscheint, aber mit gezücktem Blaster in der Hand ("cool!" juchzte der Teenie), und Luke mit blitzendem Lichtschwert, seine Brust auch so entblößt, wie nie in den Filmen, beide umgeben von einer erdfarbenen, offensichtlich windigen Wüstenumgebung... Die rasende Hundertschaft X-Wings links im Hintergrund unterstreicht den Filmtitel. Und im dunklen Hintergrund der den Beobachter direkt ansehende, maskierte Kopf von Darth Vader - diese bedrohliche Fratze im Hintergrund wurde zu einer Tradition bei so gut wie allen weiteren Haupt-Filmplakaten der Reihe!
  • STAR WARS Ep. V = Der Ton dieses tollen und "realistischeren" - weil selbstbewussteren? - Plakatbildes ist schon wieder anders. Es gibt mehr Farben. Filmszenen werden dargestellt - v.a. Luke erscheint in einer toll-dynamischen Pose! Die S.F.-Elemente sind deutlicher zu erkennen, z.B. Chewbacca und die Söldner, wie auch der durchs Bild kreuzende M. Falke. Und natürlich droht wieder Vader aus dem Weltraumhintergrund...
  • STAR WARS Ep. VIII = Das aktuelle Plakat des bald kommenden 8. Teils spielt nun mit der sich über Jahrzehnte entwickelten Tradition der SW-Vorgänger. Vader ist nicht mehr zu sehen, aber dafür nun ein viel älterer Luke an der Stelle, wo sein maskierter Vater sonst "stand". (Wenn man das Plakat aus weiterer Ferne ansieht, behaupten einige Fans, sind die hellen & dunklen Stellen des ganzen Bildes trotzdem genau so angeordnet wie die der Vader-Maske!) Die guten & bösen Lichtschwerter werden parallel gehalten aber in entgegen gesetzter Richtung. Leia guckt versteinert aus dem roten Drumherum den Beobachter direkt an. Der sonst in der oberen Hälfte zu findende "explosive" Effekt der anderen Plakate wird nun durch diese das Zentrum anfliegenden Bodeneffekt-Vehikel über weißer Oberfläche, hinter sich aber roten Staub aufwirbelnd, am unteren Rand des Bildes verursacht. Klasse!

 
Möge es noch lange große, farbige & dynamische - und am liebsten gemalte! - Kinoplakate geben! M.a.W. möge es noch lange Kinos geben, die solche Plakate an Häuserwänden usw. "fördern"!

 
(* das Kennwort für den Archiv-"Anhang" - s. Link oben im Text - ist eine mehrstellige Zahl: Das multiplikative Produkt der 4-stelligen Jahreszahl des Erscheinens des 1. StarWars-Films in den 70ern, mal der höchsten vorkommenden Ziffer in Bildnamen im Archiv, mal der Anzahl weiblicher Mitglieder der Avengers, zur Zeit des 2. Films des Teams! Ausrechnen & Archiv - übrigens ca. 3,5MB groß - dann damit "knacken"!)





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derbenutzer
Nov 10 2017 23:51

So, lieber yip, ich bin  anscheinend zu blöd für die Rechenaufgabe :)

 

Zudem habe ich den 2. Avenger Film nicht gesehen. Der Wikipedia-Beitrag dazu ist mir zu verwirrend. Vermutlich werde ich jetzt ein Programm schreiben, welches in einer Schleife nach dem ersten Teil der Aufgabe die Zwischenlösung mit Eins bis Zehn multipliziert und das dann weiter berechnet ...

 

:(

 

Jakob

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yiyippeeyippeeyay
Nov 11 2017 08:59

Es gibt bis dato 2 weibliche Kino-Avengers: Black Widow & Scarlet Witch. Sorry!

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