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Metaphernpark



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"Boys & Books" – eine neue Buchempfehlungsseite für Jungen (Top-Titel 09/16 – 2/2017), #47

Jugendliteratur, Kinderliteratur und 3 weitere...
"Boys & Books" – eine neue Buchempfehlungsseite für Jungen (Top-Titel 09/16 – 2/2017)

Der Verein boys & books hat eine gleichnamige Buchempfehlungsseite ins Leben gerufen, die zweimal im Jahr aus den Neuerscheinungen des deutschsprachigen Buchmarkts je fünf Top-Titel für die vier Altersgruppen (8+, 10+, 12+, 14) präsentiert. Das Projekt geht zurück auf eine Initiative der Literaturwissenschaftlerin Professorin Dr. Christine Garbe und ihren MitarbeiterInnen an der Universität Köln. Nachdem die Webpage nach ihrer Erstellung im Jahr 2012 zunächst ein reines Rezensionsportal war – mit dem Ziel der Leseförderung von Jungen –, hat sie nun mehr den Charakter eines Literaturpreises.

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Die Jury-Mitglieder sichten die Neuerscheinungen für ihre Altergruppe und wählen ihre Favoriten anhand eines kriteriengeleiteten Bewertungsbogens aus, in zweimal jährlich stattfindenden Treffen wird die Vorauswahl diskutiert und es werden dann endgültig die "Top-Titel" festgelegt.
Ich habe im Frühjahr dieses Jahres mit viel Spaß an der Sache bei dem Auswahlprozess in der Jury der Altersgruppe 10 + mitgearbeitet. Trotz der vielen Neuerscheinungen haben wir uns sehr einvernehmlich – Christian Dudas Roman "Gar nichts von allem" bildete die Ausnahme von der Regel :devil: – auf unsere "Top-Liste" festgelegt:

So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy
Jennifer Brown >>mehr

Broccoli-Boy rettet die Welt
Frank Cottrell Boyce >>mehr


Jack, der Monsterschreck. Band 1: Den Letzten beißen die Zombies,
Max Brallier >>mehr


Der Blackthorn-Code. Band 1: Das Vermächtnis des Alchemisten
Kevin Sands >>mehr

Game Over. Wir retten die Welt
Susanne Rauchhaus>>mehr

Zu meiner "Vorgeschichte" mit dem Projekt: Als ich gefragt wurde, ob ich an einer Mitarbeit Interesse hätte, habe ich gar nicht lange gefackelt und sogleich zugesagt. Ich finde es sympathisch, dass boys & books – im Unterschied zu manchen anderen Literaturpreisen – keine Berührungsängste mit Genre- und Unterhaltungsliteratur für junge Leser hat. Ganz im Gegenteil erkennt boys & books ihr Potential für die Leseförderung von Jungen an, sieht aber angesichts der Vielzahl der Neuerscheinungen auch die Notwendigkeit der Orientierung und Auswahl.
Ich erhoffe mir zudem von dem Projekt Impulse für eine Neubewertung der phantastischen Literatur im Rahmen der Leseförderung, etwa in Schulen oder Bibliotheken. Dass bei unserem ersten Durchgang u.a. neben Rauchhaus' SF-Comicroman "Game Over – Wir retten die Welt" auch die Anti-(Super)heldengeschichte "Broccoli Boy", die Dystopie "Stone Rider" mit Anklängen an "Mad Max" und Morton Rhues dystopisches Seefahrerabenteuer "Creature – Gefahr aus der Tiefe" eine Empfehlung bekamen, nehme ich als positives Signal wahr. Kinder und Jugendliche selbst müssen von diesen phantastischen Lesestoffen wohl kaum überzeugt werden, schließlich sind Phantastik und Science Fiction (Collins' "Tribute von Panem", Dashners "Maze Runner" etc.) nach wie vor recht beliebt bei jungen Lesern. (bf)


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Bonn-Anthologie "Tanz der Kirschblüten" im Erscheinen (#37)

Geschrieben von Sierra , in In eigener Sache, Phantastik, Kulturraum Rheinland, Unkategorisiert 25 March 2017 · 1003 Aufrufe
Bonn, Stories, Kurzgeschichten und 2 weitere...

In Kürze erscheint im Kid-Verlag die von mir herausgegebene Bonn-Anthologie "Tanz der Kirschblüten", die auf einer Ausschreibung aus dem vergangenen Jahr beruht. Anmerkung zum Titel: Die Bonner Altstadt ist für ihre Kirschbäume bekannt, die jedes Jahr im April aufblühen und zum Spazierengehen und Fotografieren einladen. (bf)

Klappentext des Verlags:

Ehemalige Kurfürstenresidenz und Bundeshauptstadt, heute Sitz der Vereinten Nationen, Campus City mit großzügigen Parkanlagen – Bonn ist großstädtisch und ruhig zugleich. Manch einer sagt: Heimelig. Doch auch hier gibt es Geschichten über Ereignisse, die sich nicht immer rational auflösen lassen.
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Der von Bartholomäus Figatowski herausgegebene Band enthält 12 Erzählungen über solche Ereignisse. In „Die Glocken von Beuel“ werden ebendort die Einwohner von dem Glockenspiel der Pfarrkirche St. Josef aus dem Schlaf gerissen, obwohl kein Glöckner im Kirchturm zugegen ist. Jahrzehnte später versuchen akribische Wissenschaftler dieses ‚Wunder‘ aufzuklären. In „Tanz der Kirschblüten“ wird die Altstadt zu einem Schicksalsort, an dem das Leben eines Kindes eine phantastische Wende nimmt. Am Rheinufer in Castell wird eine Leiche gefunden, die aus der Römerzeit stammt und doch kaum gealtert zu sein scheint. Und immer wieder taucht ein Namen auf: Ludwig van Beethoven.

AutorInnen und Texte: Jörg Weigand Die Glocken von Beuel / Günter Vollmer: Das Bonnzelmännchen / Monika Niehaus: Die schöne Else / Jessica Findling: Tanz der Kirschblüten / Rainer Schorm: Wasser / Karla Weigand: Ad majorem Dei gloriam/ Udo Weinbörner: Das Dornbusch Phänomen / Hans-Dieter Furrer:Sehsucht / Karsten Beuchert: Die Lanze des Mauricius / Silke Vogt: Himmel und Hölle / Diana-Isabel Scheffen: Kunst am Brückenmännchen / Jörg Weigand: Es war einmal

Bibliografische Angabe: (Hrsg.): Tanz der Kirschblüten - Phantastische Geschichten aus Bonn
Titelbild: Martin Welzel. 165 Seiten, Preis: 12,80 €, ISBN 978-3-929386-73-8.


Link zur Verlagsankündigung.




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#25 Merry Christmas!

Geschrieben von Sierra , in Unkategorisiert, Kulturraum Rheinland, Verschiedenes, In eigener Sache 24 December 2016 · 756 Aufrufe
Weihnachten, Jazz, Köln, Krippe
Zum Glück hat sich gestern auch im Rheinland das Dimensionstor ( :thumb:) geöffnet und es ist kurz vor knapp doch noch so etwas wie Weihnachtsstimmung bei mir aufgekommen. "Schuld" daran hatte auch der Kölner Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz am Dom: Wie jedes Jahr versuche ich es dorthin zum Konzert der TroJazz Bigband zu schaffen. Gestern gelang es und ich hatte zwischen den Weihnachtsmarktständen und unter einem imposanten Lichterzelt viel Spaß mit den hiesigen Jazz-Interpretationen von "Swinging Christmas"....

Allen Boardlern und Blog-KollegInnen auch von mir Frohe Weihnachten!


Ein von mir geknipstes Motiv der Kölner Stadtkrippe am Dom:

Angehängte Grafiken

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#7 Susanne Rihas und Eva Rudofskys »Schätze der Erde« (Besprechung)

Geschrieben von Sierra , 03 July 2016 · 447 Aufrufe
Sachbilderbuch, Biologie und 5 weitere...

Das Sachbilderbuch von Susanne Riha und Eva Rudofsky widmet sich zwanzig bedeutenden »Schätzen der Erde«: von Wasser, Holz und Steinen, über Obst-, Gemüse- und Getreidesorten bis hin zu Baumwolle, Zucker und Salz. Neben zentralen Sachinformationen zu den einzelnen Schätzen werden Bastel- und Experimentiervorschläge sowie Koch- und Backideen vermittelt. Eingefügtes Bild

Riha (Texte und Bilder) und Rudofsky (Vektorgrafiken) ging es nicht nur darum, ein Sachbuch über wichtige »Schätze der Erde« zu verfassen. Dass sie den Titel ihres Buches in einem doppelten Sinn auch als Aufforderung verstehen, die Erde wertzuschätzen, ist bereits beim ersten Durchblättern ihres Werks zu spüren. Bei der Vermittlung dieses Anliegens kommen die Autorinnen ohne moralische Unterweisung oder dem Entwurf apokalyptischer Bedrohungsszenarien aus. Ganz im Gegenteil: Ihre Botschaft kommt indirekt und kindgerecht zum Ausdruck. Sie spiegelt sich in den liebevollen und detailgetreuen Illustrationen der Schätze, in spannenden Informationen, die den kindlichen Leser staunen lassen und in den Bastelanleitungen, Rezepten und Experimenten, die zum Selbermachen einladen und gleichzeitig vor Augen führen, zu welch schönen und nützlichen Dingen die Schätze Verwendung finden können. Sie reichen von Klecksbildern (Wasser), über Nistkästen (Holz) und Pizzasternen (Tomate) bis hin zu Popkorn (Mais), Zitronenigel gegen Wespen (Zitronen) oder einer Schale aus Wollfäden (Baumwolle) - um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Die Sachinformationen sind sehr pointiert und in einfacher Sprache dargestellt, so dass die Texte bereits Vorschulkindern vorgelesen werden können und von ihrem Umfang her nicht überfordern. Der Textzugang wird zudem durch die Bilder unterstützt, die wichtige Aspekte aufgreifen und veranschaulichen. Begrüßenswert ist auch, dass Fakten ausgewählt wurden, die mit der Lebenswelt kindlicher Leser in Beziehung stehen bzw. für sie besonders interessant erscheinen. Dies gilt für Hinweise zu Wasserverbrauch, Fair-Trade-Schokolade, nachhaltige Forstwirtschaft, Vollkorn, Heilpflanzen - zu denen auch die Zwiebel gehört -, die Notwendigkeit des Waschens von Obst vor dem Verzehr und ähnliches. Sie alle beinhalten Verhaltenstipps, die konkret im Alltag umgesetzt werden können.

Gelungen sind auch der Aufbau und die Struktur der dargestellten Inhalte. Jedem Schatz ist eine Doppelseite gewidmet, die stets gleich aufgebaut ist und dadurch gerade für Kinder sehr überschaubar ist: Links befinden sich Sachtext, farblich hervorgehobene Details und die Aktionsvorschläge. Rechts sind die Illustrationen zum Sachtext zu sehen sowie eine kurze Anmerkung zu einem herausragenden statistischen Faktum, Erntezeit und Herkunft des Schatzes. Leider gibt es kein Inhaltsverzeichnis, das ein schnelles, gezieltes Nachschlagen erleichtern würde. Die Anzahl von insgesamt zwanzig Schätzen macht andererseits aber auch kein langes Suchen erforderlich. Aufgrund vieler praktischer Ideen und einer leserfreundlichen Textgestaltung eignet sich das Werk auch für den Einsatz in der Grundschule, etwa im Sachunterricht oder als Grundlage für ein umweltpädagogisches Projekt. (sb)

 

Bibliografische Angaben: Susanne Riha und Eva Rudofsky: Schätze der Welt. Innsbruck: Tyrolia, 2015. 48 Seiten. ISBN-10: 370223487X.

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW. Für den vorliegenden Blog-Beitrag leicht überarbeitet.]




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#3 Nick Mamatas' »Northern Gothic« (Besprechung)

Geschrieben von Sierra , in Phantastik, Rezension, Unkategorisiert 17 May 2016 · 439 Aufrufe
Rezension, new york, phantastik

Zu meinen Lieblingsautoren gehört der New Yorker Autor Nick Mamatas, der in Romanform zuletzt 2014 eine Zombi-Dystopie namens »The Last Weekend« veröffentlichte. Hier eine ältere Besprechung seiner Schauergeschichte »Northern Gothic«, die deutschsprachig als Liebhaberausgabe in der Edition Phantasia (2007) erschienen ist, aber auch nach wie vor preisgünstig im englischspr. Original bei Soft Skull Press lieferbar ist.


Beurteilung

Wenn es um die kulturelle Bedeutung der amerikanischen Freiheitsstatue geht, wird immer wieder ein dem irischen Dramatiker George Bernard Shaw zugeschriebenes Zitat kolportiert. »Man nennt mich allenthalben einen Meister der Ironie, aber auf die Idee, ausgerechnet im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten, wäre nicht einmal ich gekommen.« Alles andere als abwegig ist es, eine Rezension von Nick Mamatas’ »Northern Gothic«, eine New Yorker Schauergeschichte, mit Shaws Ausspruch zu beginnen. Denn Mamatas’ timeslip-Roman erzählt eine wenig ruhmreiche Geschichte New Yorks, die Shaw wohl nicht nur in ihren schroffer Ablehnung des amerikanischen Freiheitsmythos und der Mär vom selfmade man gefallen hätte.
Die beiden Handlungsstränge der Geschichte, die alternierend auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen, werden von Mamatas in phantastischer Manier miteinander verwoben. Der erste Handlungsstrang spielt im Sommer des Jahres 1863, also 23 Jahre vor der Einweihung der Freiheitsstatue, und schildert den verhängnisvollen Amoklauf eines jungen irischen Dockarbeiters. Wie viel sein Leben wert ist, erfährt William Patten von einem Aushang der amerikanischen Regierung in New York, die alle waffentauglichen jungen Männer zum Wehrdienst ruft: brutale 300 Dollar, seinen ganzen Jahresgehalt, müsste er berappen, um den Bürgerkrieg zu verweigern. Den drohenden Fronttod vor Augen, machen die Hafenarbeiter den Sündenbock im eigenen Lager aus und rotten sich unter Pattens Anführerschaft zusammen, um gegen den Einsatz farbiger Arbeiter zu protestieren, die dieselbe Arbeit für noch weniger Gehalt machen und so angeblich die Löhne kaputtmachen. Der Streik gerät außer Kontrolle und wird zur Lynchjagd, die schließlich in die Brandsetzung eines Waisenhauses für farbige Kinder und in die Schändung und Tötung farbiger Arbeitskollegen mündet. Schließlich greift die Armee ein und Patten wird standrechtlich erschossen, um noch im Moment seines Todes seine Rechte als freier und weißer Amerikaner zu beschwören.
Die zweite Handlungsebene spielt im Juli 1998: Ahmadi Jenkins, ein schwuler Afro-Amerikaner, zieht aus South Carolina nach New York und nimmt zufällig eine Wohnung in dem Haus, in dem Patten vor hundertvierzig Jahren gelebt hat. Jenkins scheitert sowohl in seinem Versuchen, als Tänzer in New York Fuß zu fassen, als auch Freundschaften zu knüpfen – so wird er von seinem Freund Sammy ausgenutzt und brutal vergewaltigt. Die Erzählebenen vermischen sich und die Geschehnisse aus dem 19. Jahrhundert werfen ihren Schatten bis in Jenkins’ Gegenwart. Bei einem Spaziergang zum Hudson River begegnet ihm ein Afro-Amerikaner, der, in panischer Angst gelyncht zu werden, in den Fluss springt. Jenkins rettet ihn vor den Augen von Sammy, der im Wasser jedoch nichts erkennen kann. Zudem plagen Jenkins »böse Gedanken«: »Daß ich ein Sklave war, daß ich vergewaltigt wurde, daß man mir die Eier abgeschnitten hat. Nichts Unterbewußtes, weißt Du, nur... Terror, aber auch wie eine Erinnerung.« Jenkins’ Pechsträhne geht weiter, als dann ausgerechnet noch seine Wohnung abbrennt und er zu persona non grata und einem öffentlichen Ärgernis wird: »In den vergangenen Tagen hatten Ahmadis harmlose Gutmütiger-Trottel-Schwingungen nachgelassen und waren einer zunehmend ausgeprägteren Wilder-Negerstamm-Aura gewichen. Der Mann im Kiosk wusste schon, daß er ihn besser nicht anlächeln oder allzu aufdringlich anstarren sollte, wenn er zum Geldautomaten ging und sich ohne Geld herauszunehmen wieder entfernte. Gestern konnte er noch alten Damen zulächeln und die lächelten zurück. Heute hasteten sie wie auf einer Pfütze voll Murmeln an ihm vorbei und hielten schützend ihre Handtaschen fest. Gestern hatte er dazugehört. Heute bildete er die Vorhut einer Armee von Straßenräubern, Heroinsüchtigen und obdachlosen, zahnlosen Bürgersteigpissern und verkommenen Subjekten. […] Ein Stupser der Stiefelspitze eines Polizisten und er war keine quietschvergnügte Schwuchtel mehr, sondern ein muskulöser und möglicherweise derangierter analphabetischer Nigger.« Bei dem Versuch, die Stadt zu verlassen, wird Jenkins schließlich von einem Taxifahrer überfahren und muss in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In einem Schlafsaal, den er sich mit acht älteren Patienten teilt, wird er in einer letzten Traumvision von William und seinem weißen Lynchmob aufgesucht.
Meisterhaft bedient sich Mamatas den Konventionen des timeslip-Romans, wie etwa der geisterhaften Kommunikation zwischen Jenkins und Patten, um Kontinuitäten von Rassismus in den USA aufzuzeigen, die Anschließbarkeit der Jetzt-Zeit an den blindwütigen Rassenhass der ›Gründungsväter‹ von New York. Die Darstellung des Gewaltausbruchs im New Yorker Hafen ist nicht nur ein minutiös recherchiertes und historisch verbürgtes Beispiel, wie Gewalt entsteht, wenn die Abstraktion empirischer Realität in schizophrene Phantasmagorie mündet und sich Unterbewusstes in eruptiver Gewalt entlädt, der Roman ist nicht nur Krankengeschichte, sondern auch Gesellschaftskritik: Wenn etwa bei Pattens Erschießung ein junger Soldat, noch fast ein Kind, an ihm vorbeischießt und sich mit ihm solidarisiert, wird deutlich, dass die Beseitigung des Rassenhasses dem Kampf mit der Hydra in der griechischen Mythologie ähnelt.

Eingefügtes Bild Und fast mühelos gelingt Mamatas am Beispiel Jenkins die Vermittlung der Erkenntnis, dass Afro-Amerikaner auch noch im vermeintlich liberalsten Umfeld enormen Zwängen und Abhängigkeiten ausgeliefert sind. New York wird dabei als eine Stadt der Illusionen sichtbar, die nur mangelhaft ihre weiterhin schwelenden Kämpfe, die Galgenbäume und sozialen Widersprüche kaschiert. Den Leser erschaudern lässt also weniger die phantastische Geistergeschichte als die dargestellte Fremdbestimmung, Leere und Verlogenheit der metropolitanen und metrosexuellen Gesellschaft, die immer feinere Methoden entwickelt, Schwächere auszugrenzen und zu beherrschen. Zusätzlich verstörend wirkt dabei die Teilnahmslosigkeit und blutleere Lethargie Jenkins, die etwa an die Figur Karl Rossmanns in Kafkas »Amerika«-Roman erinnert.
Der edlen Aufmachung des Romans in einer limitierten und durch ansprechende Zeichnungen von Thomas Franke und Reinhard Kleist bereicherten Sonderedition zum Trotz ist »Northern Gothic« kein Sammlerstück, das im Regal verstauben darf. Ganz im Gegenteil: Dass Literatur und Subversion heutzutage durchaus noch eine Menge miteinander zu tun haben, brachte Mamatas in einem Interview mit Joachim Körber (phantastisch! Nr. 28) selbst auf den Punkt: »Für mich sind Bücher und die amerikanische Kultur schon längst nicht mehr ein und dasselbe; Lesen, besonders Science Fiction und Fantasy ist Gegenkultur in den USA.« Wer sich von der Gültigkeit dieser Selbstauskunft überzeugen will, greife zu »Northern Gothic«. (bf)

Gesamteindruck: +++++ (5/5)

Bibliografische Angaben: Dt. Erstausgabe: Nick Mamatas: »Northern Gothic«. Eine New Yorker Schauergeschichte. Aus dem Amerikanischen von Joachim Körber. Mit je fünf Illustrationen von Thomas Franke und Reinhard Kleist. Edition Phantasia 2007, 154 Seiten, ISBN 978-3-924959-78-4

[Rezension zuerst erschienen in: phantastisch! 30. April 2008. ISSN 1616-8437. Für den vorliegenden Blog-Beitrag leicht überarbeitet.]







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»Wenn man den Gerüchten glauben durfte, steckte im Kostüm des Maskottchens der Forest Shade Middle School eine 72-jährige Frau. Doris, die 72-jährige Mutter von Trainer Verde, um genau zu sein. Die Vermutung lag nahe, denn während die Maskottchen anderer Schulen Purzelbäume schlugen und zu Rockmusik tanzten, sah man unseren Waschbären oft in einem Schaukelstuhl sitzen und Hauben für Klopapierrollen stricken.«

 

(Jennifer Brown: So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy. München 2017, S. 7)

 

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(Quelle: Wikipedia:Dominik Matus: A Thonet rocking chair. Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Letzte Veröffentlichungen: Sekundärliteratur

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