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Metaphernpark



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Anmerkungen zur Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017 (#36)

Geschrieben von Sierra , in Preise und Auszeichnungen, Bilderbuch, Kinder- und Jugendliteratur 23 March 2017 · 881 Aufrufe
Jugendliteraturpreis und 4 weitere...
Heute wurden auf der Leipziger Buchmesse die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis bekanntgegeben. In den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch nominiert eine neunköpfige Kritikerjury, dazu kommt noch der Preis der Jugendjury. Diese Jury setzt sich zusammen aus den Vetretern von sechs bundesweiten Leseclubs.
Viele der nominierten Titel kenne ich nicht bzw. sie sind mir nur dem Namen nach bekannt, aber dafür sind Preise ja auch da, dass man den einen oder anderen Lese-Tipp erhält. Dank der relativ ausführlichen Begründungstexte kann man sich ein erstes Bild über ein Buch machen, schön finde ich, dass neben den Autoren und Illustratoren ebenso die Übersetzer mit Foto und Kurz-Vita Erwähnung finden.


Originell erscheint mir in der Kategorie für die jüngsten Leser das Bilderbuch »Hier kommt keiner durch!«, das auf spielerische Art unsinnige Befehle und Gehorsamspflichten hinterfragt. (Mit solchen Intentionen kann man wohl in der Tat nicht früh genug beginnen... :devil:.) Thé Tjong-Khings Bilderbuch will dagegen nicht Geringeres als den jungen Leser in die »Welt des Hieronymus Bosch« entführen und dabei - laut Jurybegründung - ein »kunsthistorisches Interesse« in ihm wecken. Ob das wirklich altersangemessen und gleichzeitig »generationenübergreifend« gelingen kann? Ich bin gespannt.

In der Sparte Kinderbuch sind mit Simon van der Geests Werk »Krasshüpfer« und der ungewöhnlichen Superhelden-Geschichte »Super-Bruno« zwei Titel benannt, die bereits auf den Seiten dieses Blogs sehr positiv besprochen wurden (vgl. hier und hier).
Erfreulich ist schließlich die Nominierung des Jugendromans »Im Jahr des Affen« über die Identitätssuche eines Mädchens, das sich mit der familiären Migrationsgeschichte und ihrer aktuellen deutsch-chinesischen Lebenswelt auseinandersetzt. Die Ausschnitte, die ich aus dem Roman gehört habe, aber auch das beeindruckende Interview mit der Autorin im DLF (leider ist nur noch der Transkript online) sind sehr vielversprechend.

Schauen wir mal, wer im Oktober dieses Jahres das Rennen machen wird, wenn die Sieger auf der Frankfurter Buchmesse prämiert werden.

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(Quelle: Presse-Material des Deutschen Jugendliteraturpreises)


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Abschied vom Osterhasen: »Hasenfest und Hühnerhof« (#35 Rezension)

Geschrieben von Sierra , in Sachbuch, Bilderbuch, Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 19 March 2017 · 579 Aufrufe
Sachbuch, Ostern, Kinderliteratur und 4 weitere...
Eva Sixt: »Hasenfest und Hühnerhof« (Rezension)

Inhalt
In ihrem Sachbilderbuch nimmt Eva Sixt die Osterbräuche rund um Hasen und bunte Eier zum Anlass, über Feldhasen, Kaninchen und Hühner zu informieren. Sie berichtet von Körperbau und Lebensweise sowie von besonderen Fähigkeiten dieser Tiere. Außerdem arbeitet Sixt die Unterschiede zwischen Feldhasen, Wild- und Zwergkaninchen heraus und gibt Hinweise zur Haltung von Hühnern und Kaninchen. Aber auch das Ei als solches kommt nicht zu kurz: Die Eier verschiedener Vogelarten werden gegenübergestellt.

Beurteilung
Wie es der Untertitel ihres Sachbilderbuches verspricht, liefert die Biologin und Wissenschaftsillustratorin Sixt »Naturwissen - nicht nur für Ostern«. Originell ist es, dass die Autorin von den Fragen ausgeht, die sich Kinder zu stellen beginnen, wenn der feste Glaube an den Osterhasen zu schwinden beginnt und die Unstimmigkeiten zwischen dem tradierten Mythos und einer zunehmend kritischeren Realitätswahrnehmung größer werden. Eva Sixt geht sensibel vor, wenn sie durch Sachinformationen aufklärt ohne explizit zu sagen, dass es den Osterhasen nicht gibt. Folglich überlässt sie es dem kindlichen Leser, aus ihrem Buch Schlüsse zu ziehen - oder eben (noch) nicht.
Eva Sixt schreibt in kurzen einfachen Sätzen. Die Anzahl der Fachbegriffe, z.B. Tarnkleid, Kolonien, Schalltrichter und Wurf(bau), ist Vorschulkindern zumutbar und sie sind vom erwachsenen Vorleser schnell erklärt. Hierbei helfen auch die lebendigen, detailreichen und naturgetreuen Zeichnungen, welche die verbalen Informationen sehr gut illustrieren. Text- und Bildverständnis werden zudem durch die wohlüberlegte Auswahl der Informationen und Illustrationen unterstützt, die sich auf Wesentliches konzentriert, aber spannende Fakten nicht außer Acht lässt. Wer weiterführende Informationen wünscht, findet sie in der Innenseite des Einbandes. Der Buchtext, der als Fließtext ohne Überschriften und Aufzählungen layoutet ist, erinnert in seiner Erzählweise eher an die Sachgeschichten der »Sendung mit der Maus« als an Lehrtexte aus dem Sachunterricht. Auch diesbezüglich ist der Autorin die Orientierung an der Adressatengruppe gelungen.
Sixt’ Zeichnungen offenbaren einen Blick für die Schönheit von Tier und Natur und lassen den kindlichen Betrachter daran teilhaben bzw. hierfür sensibel werden. Die großformatigen und klaren Bilder eignen sich zudem für eine Präsentation in der Kleingruppe. Wichtig - auch schon für die Gruppe der Vorschulkinder - sind die Hinweise zur Hühnerhaltung. Die bildliche und verbale Darstellung der Käfighaltung hätte m.E. etwas kritischer sein können, ohne dass die Altersgruppe überfordert worden wäre. Die Formulierung »Sie haben kein schönes Leben« verharmlost wichtige Fakten und ist wenig informativ. Ganz anders ist es mit den Vergleichen, mit denen Sixt dem kindlichen Leser Aussehen und Gestalt unterschiedlicher Vogeleier näher bringt. So ist zu erfahren, dass die Eier des Kolibris so groß sind wie Erbsen und die des Afrikanischen Straußes wie 24 Hühnereier. Wissenswert sind schließlich die Informationen zur Haltung von Hauskaninchen, die sich mancher kindliche Leser nach der Lektüre dieses Buches sicherlich wünscht. (sb)

Gesamteindruck: +++ (4 / 5)

Bibliografische Angaben: Eva Sixt: Hasenfest und Hühnerhof. Zürich: Atlantis bei Orell Füssli, 2016. 32 S. ISBN: 978-3-7152-0712-4. EUR 14,95 € [Gebundene Ausgabe].


[Rezension zuerst erschienen in der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW]

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Nachlaufspiele und Spielplatzgeschichten (#32, Bilderbuch-Besprechungen)

Geschrieben von Sierra , in Bilderbuch, Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 28 January 2017 · 832 Aufrufe
Spiel, Tiere, Gewicht und 7 weitere...
»So leicht so schwer«

Inhalt:

Die Spielplatzgeschichte von Susanne Straßer erzählt von einem Elefant, der gerne wippen möchte. Alleine geht das gar nicht. Der Pinguin macht mit, aber er ist zu leicht. Nach und nach unterstützen ihn immer mehr Tiere und klettern auf seine Seite der Wippe. Erst als ein Nilpferd dazuplumpst, setzt sich die Wippe in Bewegung ohne jedoch zu wippen. Die Tiere sind zusammen genauso schwer wie der Elefant. Am Ende kommt ein Kind mit einer Überraschung und der Wippspaß kann endlich beginnen.

Beurteilung:

In ihrem Bilderbuch stellt Susanne Straßer ein Spielgerät – auch bildlich – in den Mittelpunkt, das schon ganz kleinen Kindern aus eigener Erfahrung vertraut und zumeist sehr positiv besetzt ist: die Wippe. Vielleicht hat das ein oder andere Kind schon einmal erlebt, dass die Wippe nicht immer (gleich gut) wippt, z.B. wenn Mama und Papa auf der anderen Seite gesessen haben und es einfach in der Luft hängen geblieben ist. Straßer greift diese Erlebnisse in einer einfachen und witzigen Geschichte auf und erklärt ganz nebenbei, warum dies so ist. Dabei spielen die Begriffe »leicht« und »schwer« eine zentrale Rolle. Durch die Art und Weise, wie die Wippe dargestellt ist, wird auch die Vorstellung von der Funktionsweise einer Waage unterstützt.
Straßers Helden sind bekannte und beliebte Tiere, offensichtlich unterschiedlicher Gewichtsklassen. Ihre Bilder sind äußerst klar und deutlich gezeichnet und einfach komponiert. Obwohl das Buch nicht groß ist, lässt es sich aus diesem Grund dennoch in der Gruppe präsentieren. Reduziert und pointiert ist auch Straßers Text. Sie arbeitet mit Halbsätzen und sich wiederholenden Sätzen bzw. Satzmustern, die sich selbst kleinen Kindern schnell einprägen bzw. sie zum Mitsprechen einladen. Alliterationen und lautmalerische Wörter verstärken diesen Effekt. Letztere sind schräg gestellt und fett gedruckt, wodurch eine erste Auseinandersetzung mit Wort und Schrift angeregt wird. Die Tiere sind lebendig gezeichnet. Mimik und Gestik fördern das Textverständnis und geben Anlass zum Lachen. Dies gilt auch für die Zwischenfälle bzw. Überraschungen, durch die Straßer den sehr einfachen Plot durchbricht: Ein Krokodil mit großem Maul hat zum Glück keine Zeit beim Wippen dabei zu sein. Ein Kind bringt die Wippe am Ende – mit lauter Tröte und einem Dinosaurier an der Leine – endlich in Schwung.
Das Buch ist eine empfehlenswerte Bereicherung für jede U3-Gruppe und könnte im Rahmen von basalen Projekten zum Thema Gewicht sinnvoll zum Einsatz kommen. (sb)

Gesamteindruck: +++ (4 / 5)


Bibliografische Angaben:
Susanne Straßer: So leicht so schwer. Mit Illustrationen von Henrike Wilson. Wuppertal: Peter Hammer, 2016. 22 S. ISBN: 978-3-7795-0538-9. EUR 14,90 (Hartpappe)

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW.]

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»Das Schaf Charlotte und das Kätzchen«

Inhalt:

»So etwas Wildes wie unsere Charlotte gibt's nicht noch mal!«, sagen die Schafe. Aber sie sollten sich täuschen. In dem neuen Bilderbuch-Abenteuer des Schafs Charlotte von Stohner und Wilson taucht plötzlich der kleine Kater Michel auf, der mindestens genauso ungestüm ist wie sein wolliges Pendant. Der quirlige Vierbeiner stört die Tiere in ihrer Ruhe und Gemächlichkeit. Nur Charlotte erkennt, dass Michel »nur spielen« will und »eben ein bisschen wild« ist.


Beurteilung:


»Das Schaf Charlotte und das Kätzchen« ist nach »Das Schaf Charlotte« (2005), »Das Schaf Charlotte und die Wölfe« (2009) und »Das Schaf Charlotte und seine Freunde« (2011) das vierte gemeinsame Werk der Autorin Anu Stohner und der Illustratorin Henrike Wilson. Die sympathische kleine Heldin Charlotte tobt sich schnell in die Herzen der jungen Leser und ihrer Begleiter. Welches Kind zwischen zwei und fünf Jahren hat nicht auch schon einmal den Satz »Jetzt sei doch nicht so wild!« hören müssen. In der Figur der Charlotte steht Wildsein für etwas Positives, für pure Lebenslust, die auch erwachsene Vorleser in Schwung zu setzen vermag. Charlotte zeigt zudem, dass es auch wilde Mädchen gibt und geben darf. Aus der eigenen Lebenswirklichkeit wird der Adressatengruppe das »Nachlaufspiel« bekannt sein, welches sich zwischen Charlotte und Michel automatisch entspinnt. Kern des Spiels – welcher sich vielen Erwachsenen nicht mehr erschließt – ist nicht das Gefangennehmen. Der eigentliche Spaß liegt im Prozess selbst, im wechselseitigen Hintereinanderherlaufen.
Anu Stohner zeigt mit ihrer Geschichte nicht nur ein tiefes Verständnis für das Spielverhalten der adressierten Altersgruppe, sondern auch für ihr Bedürfnis nach Spannung und ihren spezifischen Humor. Dieser wird nicht nur durch Charlottes Verhalten, sondern auch durch lustige Wörter wie »Modderpampe« bedient. Sprachlich kommt den jüngeren Lesern zudem entgegen, dass Stohner mit sich wiederholenden und parasprachlichen Äußerungen arbeitet, wie z.B. »Tz-tz-tz«, die Lust zum Nachsprechen bzw. Mitlesen erzeugen. Getragen wird die Geschichte zweifellos durch die großformatigen, farbintensiven Bilder Henrike Wilsons, die sich fast immer über eine Doppelseite erstrecken. Dies macht ein Betrachten in einer größeren Gruppe auch ohne technische Hilfsmittel möglich. Die Emotionen der Tiere lassen sich leicht an ihrer Mimik und Körperhaltung ablesen, ebenso die Dynamik der Handlung und in eindrucksvoller Weise die Größenverhältnisse. Letztere führen vor Augen, wie widersinnig und daher witzig es eigentlich ist, dass der winzige Michel selbst die riesigen Tiere wie Eber und Stier aus der Ruhe bringt. Da mag man es vertreten, dass Text und Bild nicht immer übereinstimmen. Alles in allem ist »Das Schaf Charlotte und das Kätzchen« eine echte Bereicherung für jede Kita-Bibliothek und liefert viele Anhaltspunkte über die Themen Wildsein, Spiel und Freundschaft zu sprechen sowie Verständnis für unterschiedliche persönliche Bedürfnisse und Grenzen zu wecken. (sb)


Gesamteindruck: +++ (4 / 5)


Bibliografische Angaben:
Anu Stohner: Das Schaf Charlotte und das Kätzchen. Mit Illustrationen von Henrike Wilson. München: Hanser, 2015. 23 S. ISBN: 978-3-446-24752-9. EUR 14,90 (Hardcover, Großformat).

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW.]

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#27 »Józef macht Kunst im Bilderbuch« – Ein Gespräch mit Gerd Maschmann, Buchhändler und Literaturagent von Józef Wilkoń

Geschrieben von Sierra , in Bilderbuch, Verlagswesen, Kinder- und Jugendliteratur 04 January 2017 · 640 Aufrufe
Jozef Wilkon, Bilderbuch und 3 weitere...

Nach einer kurzfristigen Anfrage ergab sich für mich noch am selben Tag die Möglichkeit, ein Gespräch mit Gerd Maschmann, Gründer der Stiftsbuchhandlung in Nottuln (Münsterland), zu führen. Nach Betreten des Büros machte mich Herr Maschmann auf die Katze aufmerksam, die seit kurzem ein neues Zuhause in seinem Haushalt gefunden hat. Auf seine Frage, ob sie mich denn stören würde, antwortete ich, dass dem nicht so wäre und fügte hinzu, dass es für mich undenkbar sei, Wilkoń zu lesen und Katzen nicht zu mögen. Wir mussten daraufhin beide lachen, eine gute Grundlage für unser Gespräch war gelegt.

Herr Maschmann, neben Ihrer Tätigkeit als Buchhändler engagieren Sie sich auch als Agent für den polnischen Maler, Illustrator und Bildhauer Józef Wilkoń (* 1930). Zudem haben Sie eine deutschsprachige Web-Galerie gestaltet, in der man einen Eindruck von dem Schaffen Wilkońs erhält. Woher rührt Ihre Begeisterung für Wilkoń, von der ich mich bereits als Kunde in Ihrer Buchhandlung überzeugen konnte?

Józef Wilkoń begleitet mich fast so lange, wie ich als Buchhändler im Geschäft bin, d.h. seit Beginn der 1990er-Jahre. Ich habe mich mit meiner Buchhandlung 1992 selbständig gemacht, unter anderem mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur. Dafür war damals folgende Überlegung ausschlaggebend. In Nottuln leben viele Familien mit Kindern. Die Idee, Bücher für junge Leser zu verkaufen, ist naheliegend. Józef habe ich bald darauf über einen gemeinsamen Freund, Georg Leifels, kennengelernt. Das muss um 1995 gewesen sein. Meine Frau und ich haben ihn zu uns eingeladen, waren bei ihm in Zalesie Dolne, in der Nähe von Warschau, zu Gast; es entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, die bis heute besteht. Bei manchen Besuchen bei uns war er auf Durchreise, etwa wenn er zu Lesungen oder Terminen nach Deutschland kam.

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(Die Stiftsbuchhandlung in Nottuln)

Seit wann sind Sie als Wilkońs Agent im deutschsprachigen Raum tätig?


Vor ungefähr sechs Jahren war die Situation für Józef Wilkoń in Deutschland unbefriedigend. Obwohl seit den 1960er-Jahren viele Titel erschienen sind und Wilkoń mehrfach ausgezeichnet und sogar für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, waren nunmehr die meisten Bilderbücher vergriffen, also nicht mehr auf dem Markt für neue Leser erhältlich. Gleichzeitig waren die Lizenzen und Rechte für viele seiner Titel in Deutschland ausgelaufen, die den Verlagen nur eine zeitlich befristete Nutzung seiner Werke einräumt. Da sich Wilkoń am liebsten ganz der künstlerischen Arbeit widmet, gleichzeitig aber an der Verbreitung seiner Werke in Deutschland interessiert ist, habe ich also in seinem Namen bei einigen Verlagen angefragt, was mit den Rechten los sei. Mit anderen Worten stellte ich die Verlage vor die Wahl: Entweder wir bekommen die Rechte zurück oder ihr legt seine Bücher neu auf.

Was ist seitdem passiert?

Erfreulicherweise sind im deutschsprachigen Raum, Russland, Argentinien und Spanien um die vierzehn Wilkoń-Bücher wiederveröffentlicht worden. So hat der Schweizer Nord-Süd Verlag »Der gute Wolf und andere Tiergeschichten« ins Programm genommen. In diesem Sommer ist bei Bohem Press »Wölfchen« mit Illustrationen von Józef Wilkoń und einem Text von Gerda Wagener neu aufgelegt worden. In ebenso wunderbarer Ausstattung (Leinen mit Prägung) folgt 2017 »Leopanther«, wofür ich Annabel Lammers, der Verlagsleiterin, sehr dankbar bin.
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Nicht immer sind solche Lizensierungen lukrativ, so sind Bilderbücher in Russland beispielsweise sehr preiswert, die Gewinnspanne ist gering. Meine Motivation, solche Märkte zu erschließen, rührt daher vor allem aus meiner freundschaftlichen Verbundenheit mit Wilkoń und dem Wunsch, seinem Werk die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die es verdient. Auch im asatischen Raum war übrigens Wilkoń früher kein Unbekannter. Ich freue mich daher, dass demnächst bei einem befreundetem Verlag in Taiwan Wilkoń-Titel erscheinen werden.

Von meinem Selbstverständnis sehe ich mich als Vermittler zwischen Verlag und Künstler. Mittlerweile arbeite ich nicht nur für Józef Wilkoń, sondern auch für seinen Sohn Piotr, der zu einer ganzen Reihe von Bilderbüchern die Texte beigetragen hat. Außerdem vertrete ich die spanische Illustratorin Paz Rodero und die polnische Illustratorin Aleksandra Kucharska-Cybuch.

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(Józef Wilkoń in seinem Atelier)

Zu meinen Lieblings-Wilkońs gehört die ziemlich anarchisch daherkommende Zooausbruchsgeschichte »Die Tiere sind frei!«. Könnten Sie Klassiker hervorheben, die in keinem Buchregal fehlen dürfen?

Diese Frage ist mit Blick auf Eingefügtes Bilddas vielfältige Werk Wilkońs nicht ganz einfach zu beantworten. Es sind nicht nur über 75 Titel ins Deutsche übersetzt worden, sie sind außerdem bei ganz unterschiedlichen Verlagen wie Nord-Süd , Patmos, Middelhauve, Parabel oder Bohem erschienen. »Wölfchen«, der »Katzenausflug« und »Leopanther« gehören wohl dennoch zu meinen Liebsten. Und auch die »Geschichte vom guten Wolf«, die von Peter Nickel geschrieben wurde. Wilkoń steht für einen Stil, der heute nicht mehr so populär ist: Joźef macht Kunst im Bilderbuch. Da ist aber etwas, was ich bewundernswert an Józef finde, was nur indirekt mit Büchern zu tun hat: Es ist seine Arbeit mit Kindern. Einmal durfte ich ihn in Berlin bei einer Lesung mit vielen jungen Zuhörern erleben, bei der er sein Talent für die Literaturvermittlung unter Beweis stellte.

Sie haben schon viel über die Verfügbarkeit der Werke Wilkońs im deutschsprachigen Raum berichtet. Wie ist die Situation in seinem Heimatland Polen?

Es ist beinahe paradox, dass Józef bis zum Jahr 2006 nur eingeschränkt bekannt war in Polen. Momentan jedoch reißen sich die polnischen Verlage um ihn, so sind dort beispielsweise erweiterte Neuausgaben seiner Interpretationen des »Don Quijote« und des polnischen Nationalepos »Pan Tadeusz« – ein Buch, dass in fast jedem polnischen Haushalt neben der Bibel steht – erschienen.

Schließlich ist Wilkoń auch künstlerisch neue Wege gegangen, wie sein neues Bilderbuch »Zbuntowany Elektron« zeigt. Der Clou dieser Grußmutter-Enkel-Geschichte ist, da
ss Wilkoń die Bilder mit Hilfe des Touchpads seines Tablets gemalt hat. Seine künstlerische Entwicklung ist also trotz seines Alters dynamisch. Und bei einem unserer letzten Treffen sagte er zu mir: »Gerd, ich bin froh, dass ich noch so arbeiten kann.« Und Arbeit heißt bei ihm wirklich Maloche.

Wie kommt es zu dieser erhöhten Popularität in Polen?

Ausschlaggebend war eine große Ausstellung mit Arbeiten Wilkońs in der »Galeria Zachęta« in Warschau, einem der bedeutendsten Kunstmuseen Polens. Dort zeigte sich für viele Besucher nochmal die Spannbreite seines Schaffens, das ja weit über Illustrationen hinausgeht. Beeindruckend sind seine Skulputuren. Er kann alles in die Hand nehmen, und macht was draus. Egal ob Holz oder Rinde aus dem Garten, er setzt zwei Augen rein und gestaltet im Nu ein Tier. [Herr Maschmann zeigte einige Fotos aus Wilkońs Gartenatelier] Toll diese Pelikane aus Blech oder diese Vogelvitrine‹, die entfernt an einen Adventskalender erinnert und jede Menge Kanarienvögel aus Holz zum Leben erweckt.

Wenn ich an Bilderbücher wie »Mister Browns Katze« denke , in dem sich im Haus von Mr. Brown eine zugelaufene Katze in einen Tiger verwandelt, scheint mir die Bedeutung des Phantastischen in seinem Werk nicht unerheblich zu sein. Würden Sie zustimmen?

D
as Phantastische sehe ich nicht so stark. Wilkoń ist nah an allem. Er ist sehr nah bei den Tieren. Gerade seine Tier-Darstellungen haben etwas sehr Reales, wie bei seiner »Arche«, die in der »Galeria Zachęta« ausgestellt wurde. Er hat wirklich ein Händchen für figürliche Darstellung. Schaut man allerdings auf die Handlungsebene in vielen seiner Bücher, gehen diese in der Tat ins Phantastische, – als Person steht Wilkoń aber mitten in der Realität.

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(Die »Arche«)

Kommen wir zum Schluss unseres Gesprächs noch ein letztes Mal zu den Bilderbüchern: Was würden Sie sagen: »Wer Józef Wilkoń mag, mag auch?«

Mir fällt darauf eine
Antwort schwer, dazu gibt es zu viele gute Leute unter den Autoren und Illustratoren, so viele gute Verlage. Ich will die Frage daher umdrehen: Wilkoń selbst ist ein großer Bewunderer von Wolf Erlbruch, der ist für ihn ein besonderer Künstler. Auch Štěpán Zavřel zählt zu seinen Favoriten. Beide haben in Sarmede, Italien gewirkt, u.a. sind da tolle Fresken von Wilkoń entstanden. Und wenn ich Wilkoń treffe, fragt er mich manchmal, wie es Janosch denn so gehe...

Herr Maschmann, Ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche ein frohes neues Jahr.


Anmerkung: Das Gespräch fand am 29.12.16 in der Stiftsbuchhandlung in Nottuln statt. (bf)

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung, Sammlung Gerd Maschmann.







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Zitat des Monats

»Wenn man den Gerüchten glauben durfte, steckte im Kostüm des Maskottchens der Forest Shade Middle School eine 72-jährige Frau. Doris, die 72-jährige Mutter von Trainer Verde, um genau zu sein. Die Vermutung lag nahe, denn während die Maskottchen anderer Schulen Purzelbäume schlugen und zu Rockmusik tanzten, sah man unseren Waschbären oft in einem Schaukelstuhl sitzen und Hauben für Klopapierrollen stricken.«

 

(Jennifer Brown: So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy. München 2017, S. 7)

 

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(Quelle: Wikipedia:Dominik Matus: A Thonet rocking chair. Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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