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Metaphernpark



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Jeff Lemire & Dustin Nguyen: Descender, Bd. 2 + 3 (Rezension, #53)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Phantastik, Science Fiction, Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 30 September 2018 · 3834 Aufrufe
Comic, Rezension, Besprechung und 5 weitere...
Anmerkung: Zwischenzeitlich wurden auch die Bände 4 und 5 ins Deutsche übersetzt.


Jeff Lemire & Dustin Nguyen: Descender, Bd. 2 + 3

(Rezension, #53)

Die SF-Comic-Reihe Descender des US-amerikanischen Autors Jeff Lemire handelt von dem Androidenkind Tim-21, das mit seinesgleichen ums Überleben in einem Universum kämpft, in dem künstliche Wesen zum Abschuss freigegeben sind. Die Ursache liegt in der Vergangenheit: Eine gewaltige Angriffswelle bis dahin unbekannter Roboter-Raumschiffe – Harvester genannt – hat die Hauptwelten des Vereinten Galaktischen Rates (UGC) zerstört. In der Folge kam es zu einer planetenübergreifenden Vernichtung der eigenen Roboter, die als Sündenböcke für die wieder spurlos verschwundenen Harvester herhalten mussten.
Der erste Band der Descender-Serie schilderte die letzten Endes erfolgreiche Suche von Captain Tesla und des Kybernetikers Dr. Quon nach Tim-21, der über denselben Maschinencode wie die Harvester verfügen soll. Bevor Tim-21 über die Herkunft und etwaige Rückkehr der Harvester befragt werden kann, wird Telsas Gruppe von Roboter-Kopfgeldjägern (›Schrottern‹) angegriffen und auf den Planeten Gnish gebracht, dem Epizentrum der Roboterverfolgung.
Band 2 setzt diese Handlungslinie fort und beginnt mit einer Kommandoaktion des Roboters Psius, der mit seinem Roboter-Bund namens Hardwire Tim-21 und seine Gefährten befreit – und eine Brutalität an den Tag legt, die der der Gnishianer in nichts nachsteht. Psius bringt sie zum ›Maschinenmond‹, Hardwires Geheimbasis in einem Asteroidenfeld. Er hofft über das »Neuro-Netz« von Tim-21 die mächtigen Harvester zu kontaktieren, um den Spieß umzudrehen und Hardwire die Herrschaft über die Menschheit zu sichern. Schon bald wissen Tim-21 und seine Freunde nicht mehr, ob sie noch Psius‘ Gäste sind oder schon seine Gefangenen.

In einer Parallelhandlung steht Andy im Mittelpunkt, ein Schrotter, der aus ganz eigenen Motiven Tim-21 sucht: In seiner Kindheit ist er mit dem Androidenjungen aufgewachsen – seine Mutter hat Tim-21 als »Gefährten-Bot« für Andy angeschafft – und betrachtet ihn darum als seinen Bruder. Um Tim-21 zu orten, nimmt Andy Kontakt zu seiner Ex-Frau auf, die ihm ihre Hilfe aber zunächst verweigert, weil sie sich von Andy und den Schrottern insgesamt losgesagt hat. Schließlich ist da auch noch Tim-22, Psius‘ Sohn. Anders als der baugleiche Tim-21, der sich sehr positiv an Andy zurückerinnert, hasst Tim-22 menschliche Wesen und ist zudem auf Tim-21 eifersüchtig, weil dieser für den Roboter-Widerstand so wichtig sein soll. Sehr eindrücklich werden in einem Splash-Panel die unterschiedlichen Charaktere der beiden Androiden in Szene gesetzt, als sie ein VR-Spiel spielen. Während Tim-21 vor einem Drachen das Weite sucht, kauft sich sein misanthroper Doppelgänger eine titanisch anmutende Axt, mit er das Ungeheuer in Stücke haut.

Im dritten Descender-Band wird der Fortschritt der Handlung etwas verzögert, indem in Rückblicken die Vergangenheit ausgewähler Figuren beleuchtet wird. Dadurch gewinnt die gesamte Geschichte an Komplexität und wird noch unterhaltsamer. Und auch der Aspekt, wie mit den Robotern umzugehen ist, wird differenzierter behandelt, so dass zu fragen ist: Sollte man künstliche Wesen, die mit den Menschen aufgrund ihrer Intelligenz gleichwertig sind, nicht auch ›menschlich‹ – d.h. eben nicht als Sklaven und Ersatzteillager – behandeln?

Insgesamt ziehe ich folgendes Fazit: Der zweite und dritte Band der Descender-Serie bleiben empfehlenswert. Die Serie ist weiterhin spannend und inhaltlich anspruchsvoll, auch weil sie dem Erzählmotiv des künstlichen Wesens interessante Facetten abgewinnt.

Gesamteindruck für beide Bände: +++++ (5 / 5)


Bibliographische Angaben:

Jeff Lemire (Text), Dustin Nguyen (Zeichnungen): Descender. Buch 2: Maschinenmond. Bielefeld: Splitter, 2016. Hardcover. 120 S. 19,80 EUR. ISBN: 978-3958391673.

Jeff Lemire (Text), Dustin Nguyen (Zeichnungen): Descender. Buch 3: Singularitäten. Bielefeld: Splitter, 2017. Hardcover.
Bielefeld,
Splitter: 2017. 120 S. 22,80 EUR. ISBN: 978-3958391680.

(Erstveröffentlichung dieser Sammelrezension in: Michael Görden (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2017, Berlin: Golkonda Verlag, 2017. Und hier geht es zu meiner Rezension von Band 1: Blogpost #43.)

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Robert Deutsch: Turing (Rezension, #52)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Phantastik, Rezension 04 September 2018 · 2544 Aufrufe
Turing, Enigma, Graphic Novel und 4 weitere...
Robert Deutsch: Turing

(Rezension, #52)

Nur auf den ersten Blick erstaunt die Idee des Illustrators und Grafik-Designers Robert Deutsch, mit einem Comic über den britischen Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing (1912-1954) zu debütieren. Denn schließlich ist das Leben Turings so bemerkenswert, dass es keinesfalls auf eine typische Wissenschaftlerbiographie verkürzt werden darf.

Bis heute gilt Turing als Pionier der Computerentwicklung und Informatik, der mit seiner Turingmaschine aus dem Jahre 1936 ein frühes mathematisch fassbares Modell eines Computers entwickelte. Von Bedeutung ist auch seine Grundlagenforschung, besonders im Bereich der Software, für die ersten Computermodelle. Turing war jedoch das Gegenteil eines Elfenbein-Theoretikers. Zum einen leistete er während des Zweiten Weltkriegs entscheidende Zuarbeit in einer Arbeitsgruppe, die die deutschen Funkspruch-Codes dechiffrierte und so die Schlagkraft feindlicher Truppenmanöver schmälerte. Zum anderen lebte Turing auch nach dem Krieg nicht ganz risikolos, als er wegen seiner Homosexualität diskriminiert und bestraft wurde. Die Depressionen, die Turing in der Folge entwickelte, werden heutzutage für seinen Suizid im Jahre 1954 verantwortlich gemacht.

Hier setzt auch Deutsch` Comic wie mit einem Paukenschlag ein, indem er die Entdeckung von Turings Leichnam an den Beginn setzt. Die Handlung springt sogleich um drei Jahre zurück, um die Vorgeschichte dieser Tat zu erzählen und Turing und sein soziales Umwelt in den Blick zu nehmen: Manchester, ein Café, in das Alan seine neue und deutlich jüngere Zufallsbekanntschaft namens Arnold einlädt. Sie unterhalten sich, verlieben sich. Doch schon bald wird aus der Liebesgeschichte ein Kriminalfall, als Arnold einem Fremden den Einbruch in Turings Domizil ermöglicht. Als Turing die Angelegenheit mit der Polizei klären will, ist diese mittlerweile Arnold und seinem Komplizen auf die Spur gekommen. Turing muss seine Affäre mit Arnold eingestehen und wird zu seiner Überraschung von der Polizei als ›Sittenstrolch‹ kriminalisiert. Turing fühlt sich vom Empire ungerecht behandelt, berichtet von seinem mathematischen Partisanenkampf gegen ›Enigma‹, die Chiffriermaschine der Nazis. Doch das hilft alles nichts, er wird zu einer Hormontherapie verurteilt, die ihm die Libodo nimmt und Depressionen verursacht. Dies wird von Deutsch in einem Vorher- und Nachher-Bild versinnbildlicht, das sehr eindrücklich seine körperlichen Veränderungen verdeutlicht. Turing ist nicht mehr er selber, sondern ein Mr. Hyde, der die Blicke seiner Mitmenschen als »Messerstiche« empfindet. Unter Verwendung von teilweise sehr düsteren Märchen- und Todesmotiven der Brüder Grimm schildert Deutsch, wie der erlebte Fremdhass in Selbsthass mündet und Turing zum Suizid treibt.

Comic-Biographien liegen im Trend, wenn man an die vielen Neuerscheinungen der letzten Jahre in diesem Buchsegment denkt. Robert Deutsch ist dennoch ein ganz außergewöhnliches Werk gelungen, weil es in seiner gegenständlich-geometrischen Formensprache auf sehr sympathische Weise Turing als liebenden Menschen und nicht als ›Informatikgott‹ ins Zentrum rückt.

Gesamteindruck: +++++ (5 / 5)

Bibliografische Angaben: Robert Deutsch:Turing. Berlin: Avant Verlag, 2017. 192 S. 29,95 EUR. ISBN-13: 978-3945034552.

(Erstveröffentlichung dieser Rezension in: Michael Görden (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2017, Berlin: Golkonda Verlag, 2017.)

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"Boys & Books" – eine neue Buchempfehlungsseite für Jungen (Top-Titel 09/16 – 2/2017), #47

Jugendliteratur, Kinderliteratur und 3 weitere...
"Boys & Books" – eine neue Buchempfehlungsseite für Jungen (Top-Titel 09/16 – 2/2017)

Der Verein boys & books hat eine gleichnamige Buchempfehlungsseite ins Leben gerufen, die zweimal im Jahr aus den Neuerscheinungen des deutschsprachigen Buchmarkts je fünf Top-Titel für die vier Altersgruppen (8+, 10+, 12+, 14) präsentiert. Das Projekt geht zurück auf eine Initiative der Literaturwissenschaftlerin Professorin Dr. Christine Garbe und ihren MitarbeiterInnen an der Universität Köln. Nachdem die Webpage nach ihrer Erstellung im Jahr 2012 zunächst ein reines Rezensionsportal war – mit dem Ziel der Leseförderung von Jungen –, hat sie nun mehr den Charakter eines Literaturpreises.

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Die Jury-Mitglieder sichten die Neuerscheinungen für ihre Altergruppe und wählen ihre Favoriten anhand eines kriteriengeleiteten Bewertungsbogens aus, in zweimal jährlich stattfindenden Treffen wird die Vorauswahl diskutiert und es werden dann endgültig die "Top-Titel" festgelegt.
Ich habe im Frühjahr dieses Jahres mit viel Spaß an der Sache bei dem Auswahlprozess in der Jury der Altersgruppe 10 + mitgearbeitet. Trotz der vielen Neuerscheinungen haben wir uns sehr einvernehmlich – Christian Dudas Roman "Gar nichts von allem" bildete die Ausnahme von der Regel :devil: – auf unsere "Top-Liste" festgelegt:

So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy
Jennifer Brown >>mehr

Broccoli-Boy rettet die Welt
Frank Cottrell Boyce >>mehr


Jack, der Monsterschreck. Band 1: Den Letzten beißen die Zombies,
Max Brallier >>mehr


Der Blackthorn-Code. Band 1: Das Vermächtnis des Alchemisten
Kevin Sands >>mehr

Game Over. Wir retten die Welt
Susanne Rauchhaus>>mehr

Zu meiner "Vorgeschichte" mit dem Projekt: Als ich gefragt wurde, ob ich an einer Mitarbeit Interesse hätte, habe ich gar nicht lange gefackelt und sogleich zugesagt. Ich finde es sympathisch, dass boys & books – im Unterschied zu manchen anderen Literaturpreisen – keine Berührungsängste mit Genre- und Unterhaltungsliteratur für junge Leser hat. Ganz im Gegenteil erkennt boys & books ihr Potential für die Leseförderung von Jungen an, sieht aber angesichts der Vielzahl der Neuerscheinungen auch die Notwendigkeit der Orientierung und Auswahl.
Ich erhoffe mir zudem von dem Projekt Impulse für eine Neubewertung der phantastischen Literatur im Rahmen der Leseförderung, etwa in Schulen oder Bibliotheken. Dass bei unserem ersten Durchgang u.a. neben Rauchhaus' SF-Comicroman "Game Over – Wir retten die Welt" auch die Anti-(Super)heldengeschichte "Broccoli Boy", die Dystopie "Stone Rider" mit Anklängen an "Mad Max" und Morton Rhues dystopisches Seefahrerabenteuer "Creature – Gefahr aus der Tiefe" eine Empfehlung bekamen, nehme ich als positives Signal wahr. Kinder und Jugendliche selbst müssen von diesen phantastischen Lesestoffen wohl kaum überzeugt werden, schließlich sind Phantastik und Science Fiction (Collins' "Tribute von Panem", Dashners "Maze Runner" etc.) nach wie vor recht beliebt bei jungen Lesern. (bf)


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Descender. Sterne aus Blech (Lemire / Nguyen 2015, Bd. 1; Rezension, #43)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Science Fiction 13 May 2017 · 3461 Aufrufe
Comic, Science Fiction, Descender und 4 weitere...
Descender. Sterne aus Blech (Lemire / Nguyen 2015)
Rezension

Der nunmehr auf Deutsch vorliegende erste Band des SF-Comics »Descender« von dem US-amerikanischen Autor Jeff Lemire war nach den Maßstäben der Bücherwelt bereits überaus erfolgreich. Denn kaum war die Originalausgabe in den Läden, bekamen Lemire und sein Zeichner Dustin Nguyen Besuch von Hollywood-Vertretern, die sich um die Filmrechte bewarben. Sony Pictures erhielt den Zuschlag und es verdichten sich seitdem die Gerüchte, dass tatsächlich irgendwann ein Film unter der Ägide des Produzenten Josh Bratman in die Kinos kommt. Diese Vorgeschichte ist recht ungewöhnlich, bedenkt man, dass nicht erst seit Steven Spielbergs Spielfilm »A.I. - Künstliche Intelligenz« Geschichten mit einem Roboterkind als Hauptfigur alles andere als neu sind. Somit stellt sich die Frage, ob und wie es dem Duo Lemire und Nguyen gelungen ist, der Roboter-Thematik neue Facetten abzugewinnen.

»Descender« spielt in einem fernen Sternensystem mit dem Planeten Niyrata als seinem kulturellem Mittelpunkt. Die Menschheit und diverse Alien-Völker haben sich in dem Vereinten Galaktischen Rat zusammengeschlossen. Als eines Tages gigantische Roboter-Raumschiffe – Harvester genannt - über den Hauptwelten der Menschen auftauchen und sogleich zum Angriff übergehen, sind diese trotz ihrer fortgeschrittenen Technik machtlos. Da die Harvester so schnell verschwinden, wie sie gekommen waren, richtet sich der Hass der überlebenden Menschen gegen die eigenen Roboter als Sündenböcke. In der Folge werden sie in einer als Robocaust bezeichneten Vergeltungsmaßnahme vollständig ausgelöscht – beinahe vollständig. Denn zehn Jahre später – hier setzt die Handlung des Comis ein – erfährt der Roboter-Forscher Dr. Quon von Militärs der Regierung, dass ein Abgleich von Maschinencodes einen Zusammenhang zwischen den Harvestern und seinen eigenen Geschöpfen, den Tim-Androiden, hergestellt hat. Zudem soll ein junger Androide namens Tim-21 noch existieren. Er soll Lebenszeichen von dem Bergbau-Planeten Dirishu gesendet haben, obwohl dort alle Kolonisten bei einem Gas-Unfall umgekommen sein sollen. Bevor die Regierungsagenten den Androiden bergen können, wird Tim-21 von sogenannten Schrottern, radikalen Roboterfeinden, aufgespürt. Schwer verletzt überlebt der Android ihren Angriff, weil ihm der Bergbau-Droide ›Bohrer‹ – deus ex machina – zu Hilfe kommt. Der zwischenzeitlich eingetroffene Dr. Quon vermag Tim-21 zu reparieren und für Tesla, die Anführerin des Rettungskommandos, besteht die Hoffnung, dass sie von Tim erfährt, »was die Harvester sind – oder ob sie zurückkommen«. Doch kaum treten der Android und seine Retter die Rückreise an, werden sie von einer Elite-Einheit der Schrotter abgefangen: Tim-21 ist wieder mal in höchster Gefahr.

Diese Inhaltsangabe macht deutlich, dass Lemire auf der narrativen Ebene des Comics auf wichtige Motive der Science Fiction, aber auch Kinderliteratur – zum Beispiel das unschuldige Kind als Menschheitsretter – Bezug nimmt. Da Hintergrundinformationen meistens über die Dialoge vermittelt werden, ist die Erzählweise flüssig und stellenweise humorvoll. So kann Bohrer, der Beschützer von Tim-21, sicherlich nicht für sich beanspruchen, die hellste ›Glühbirne‹ im Weltraum zu sein. Und doch sorgt er durch wortkarge wie glasklare Ansagen à la Bud Spencer für manch einen Lacher. Besonders gelungen ist »Descender« auf der grafischen Ebene. Nguyens originelle Aquarellzeichnungen werden sicherlich bei vielen, nicht zuletzt erwachsenen SF-Fans gut ankommen. Die Bildgestaltung setzt zudem inhaltliche Akzente, wenn z.B. durch eine rosafarbene Tönung des Panelhintergrunds kritische Zustände und Emotionen der Hauptfigur zur Geltung gebracht werden. Und als Tim-21 nach einem Laserangriff der Schrotter mit einem Systemschaden k.o. geht, spiegelt sich sein bisheriges Leben in kleinen wabenförmigen Bildern wider, die über seinem Kopf aufsteigen. Schließlich entwickelt Nguyen in der Darstellung der Schrotter eine eigene Ästhetik der Hässlichkeit, die die klare Gut-Böse-Unterscheidung der Handlung durch die Groteske des anspruchsvollen Horrors bereichert. Es sind neben der Grundthematik des Bandes solche gestalterischen Umsetzungsideen, die neugierig machen auf den Fortlauf der »Descender«-Serie. (bf)

Gesamteindruck: ++++ (4 / 5)

Bibliografische Angaben: Jeff Lemire (Text), Dustin Nguyen (Zeichnungen): Descender. Sterne aus Blech. Bielefeld: Splitter, 2015. 144 S.. 22,80 EUR. ISBN-13: 978-3958391666.

(Erstveröffentlichung dieser Rezension in: Sascha Mamczak und Hannes Riffel (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2016, Berlin: Golkonda 2016.)


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Wale können Planeten fressen (»Weltraumkrümel«, Rezension, #42)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Science Fiction, Kinder- und Jugendliteratur 12 May 2017 · 531 Aufrufe
Comic, Weltraumkrümel und 3 weitere...
Wale können Planeten fressen
Craig Thompson: »Weltraumkrümel« (Rezension)

Der vielfach preisgekrönte Comic-Zeichner Craig Thompson entwirft in seinem Werk »Weltraumkrümel« eine märchenhafte Welt der Zukunft, in der die Raumfahrt selbstverständlich geworden ist und auch Außerirdische weitgehend friedlich mit den Menschen koexistieren. Trotz des technischen Fortschritts ist jedoch das Energieproblem nicht gelöst, denn die Vorkommen an Erdöl, Uran und »Sternstaub« (!) sind versiegt. Und so ist die Menschheit – eine sehr weitreichende Erzählprämisse – auf die Tierwelt zurückgeworfen: Durch das Weltall streifen riesenhafte Wale, die sich von Himmelskörpern und Weltraummüll jedweder Art ernähren. Ihre energiereichen Exkremente sind die Energieträger, die die Menschheit notgedrungen zur Aufrechterhaltung ihrer Infrastruktur braucht. Diese alternative Form der Energienutzung hat allerdings den Schönheitsfehler, dass Wale auch bewohnte Planeten auf ihrem Speiseplan haben.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Violet, die mit ihren Eltern in bescheidenen Verhältnisse in einer interstellaren Wohnwagensiedlung lebt. Ihre Mutter arbeitet als Näherin in der »Fashion Factory«, ihr Vater, Müllwerker und Energietechniker in einem, schippert in seinem Raumschiff durch den Weltraum und sammelt Wal-Exkremente ein. Als der Alt-Rocker bei einem Arbeitseinsatz verschollen geht, macht sich Violet unverzüglich auf die Suche nach ihm. Unterstützung erhält sie von einem hochintelligenten wie vorwitzigen Hühnchen namens Elliot und Zachäus, einer orangen Alien-Ameise (?), die sie auf der Fahrt in einem Space-Trike begleiten. Obwohl Violet anfangs von niemandem ernst genommen wird, stellen sich nach den ersten Recherchen und Abenteuern Erfolge heraus. So findet Violet heraus, dass das Verschwinden ihres Vaters mit einer riskanten Spezialaufgabe zu tun hat, die darin bestand, dass er ein Walbaby einfängt. Da diese Mission alles andere als erfolgreich war, macht sich Violet nun selbst todesmutig auf die Suche nach ihm in den Revieren der Weltraum-Wale.
Craig Thompsons »Weltraumkrümel« richtet sich als Comic an eine altersgemischte Leserschaft. Das wird nicht nur durch die Erzählprämisse der Weltraum-Wale und dem damit verbundenen skatologischen Humor (Stichwort: Verdauungsprodukte) deutlich. Neben der kindlichen Hauptfigur, deren lustigen Sidekicks Elliot und Zachäus soll viel Slapstick-Action jüngeren Lesern Leseanreize bieten. Gleichzeitig adressiert Craig Thompson den erwachsenen Leser, was sich beispielsweise in der Kritik an der kapitalistischen Geschäfts- und Arbeitswelt, der Rocker-Ästhetik des Bandes und einigen intertextuellen Verweisen spiegelt.

Thompsons Grundkonzept ist sicherlich gut durchdacht und liegt durchaus im Trend, wenn man an die gegenwärtige Zunahme von All-Age-Titeln denkt, und doch kann es nicht gänzlich überzeugen. Die Story krankt daran, dass sie auf den oben angesprochenen Adressatenebenen nur unzureichend ausbalanciert wirkt, sodass kein organisches Erzählgebilde geschaffen wird. Dies wird offensichtlich, wenn einige Handlungsteile komplett ins Skurrille abdriften – man denke etwa an den Kampf zwischen Violet und Zuccinus, Zachäus' Bruder und Nachwuchs-Ninja, der zu ihren Gunsten ausgeht, weil sie ihn mit ihrer Zahnseide (!) lassoartig zu fesseln vermag. In anderen Panelsequenzen ist fraglich, ob der junge Leser angesichts der überbordenden und unruhigen Farbwahl und dem »Primat der Niedlichkeit« ernst genommen wird, sodass gar der Eindruck von Anbiederung erweckt wird. (bf)

Gesamteindruck: ++ (2,5 / 5)


Bibliografische Angabe: Craig Thompson: Weltraumkrümel. Übers. von Matthias Wieland. Berlin: Reprodukt, 2015. 320 S. 22,80 EUR. ISBN 978-3956400513.

(Erstveröffentlichung dieser Rezension in: Sascha Mamczak und Hannes Riffel (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2016, Berlin: Golkonda 2016.)

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Das Schloss in den Sternen (Rezension, #41)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Science Fiction, Rezension 04 May 2017 · 1709 Aufrufe
Alex Alice, Steampunk, Hetzel und 7 weitere...
Alex Alice: Das Schloss in den Sternen – 1869: Die Eroberung des Weltraums, Buch 1 (Rezension)

Gott – oder besser gesagt – Jules Verne sei Dank herrscht im Genre der literarischen Phantastik seit jeher kein Mangel an Abenteuerromanen, die die Sehnsucht des Menschen nach den Sternen und anderen unbekannten Gefilden abbilden. Auf sehr sympathische wie spannende Weise spiegelt sich dieses urmenschliche Bestreben in Alex Alices ambitioniertem Comic-Abenteuer »Das Schloss in den Sternen«. Im Zentrum der Geschichte, die im 19. Jahrhundert spielt, steht ein Junge namens Seraphin, der im nordfranzösischen Courrière in die Schule geht. Seraphins Eltern sind Naturwissenschaftler und Seraphin wünscht sich nichts so sehr, wie in ihre Fußstapfen zu treten. Besonders interessiert sich die Forscherfamilie an dem Phänomen des Äthers, eines Urstoffs, der jenseits der Erdatmosphäre vorkommen soll und dem Menschen gänzlich phantastische Unternehmen ermöglichen soll. Und doch ist dieses Forschungsgebiet alles andere als ungefährlich. Die Handlung setzt damit ein, dass Claire, Seraphins Mutter, einen riskanten Heißluftballonflug in extremer Höhe unternimmt und nach der Konfrontation mit unbekannten elektromagnetischen Phänomenen verschollen geht. Ihrem Tod zum Trotz gibt sich Seraphin weiterhin seinen Tagträumen hin, etwa von einem Flug zur Venus mit einer Äthermaschine. Als Seraphins Vater, Professor Archibald, ein Jahr später einen ungewöhnlichen Brief aus Bayern erhält, in dem der anonyme Absender behauptet, im Besitz des Logbuchs seiner Frau zu sein, reisen Vater und Sohn nach Füssen in Bayern, um dies zu überprüfen. Ihre Hoffnung wird nicht enttäuscht, aber noch eine größere Überraschung bedeutet für sie die Person des Absenders, es ist niemand geringerer als König Ludwig von Bayern. Der König beauftragt Professor Archibald, ein Ätherschiff auf Schloss Neuschwanstein zu bauen. Dies führt sogleich zu einem Disput mit dem Architekten König Ludwigs, der das Fluggerät lieber auf barocke Weise austatten will, anstatt seine Flugsicherheit zu gewährleisten. Während der Professor diesen Streit mit der Kraft des besseren Arguments lösen kann, geht für ihn und Seraphin eine ernsthafte Gefahr von einem Spion aus, der im Auftrag Bismarcks handelt. Indem er eine politische Intrige in Gang setzt, die auf die Entmachtung von König Ludwig abzielt, wird der Entwicklungsprozess des Ätherschiffs empfindlich gestört. Für den Professor und seinen Jungen beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit.

Alex Alices Comic überzeugt hinsichtlich verschiedener Aspekte. Zum einen ist die Handlung hervorzuheben, in der eigentlich altbekannte Versatzstücke des Steampunks und der Abenteuerliteratur – zum Beispiel die Ballonfahrt als halsbrecherisches Wagnis oder der um den Äther als mysteriöses Energie-Substrat aufgebaute Spionage-Plot – auf originelle Weise verknüpft werden. Zum anderen hat Alice, der bereits die Nibelungensage als Heroic Fantasy gezeichnet hat, ein Händchen dafür, Figuren Tiefe zu verleihen, indem er mit den historischen Fakten spielt. So ist König Ludwig – der realiter im Jahre 1886 für geisteskrank erklärt und entmündigt wurde – bei Alex Alice kein Wahnsinniger, sondern ein Visionär, der an die Kraft der Mythen glaubt. An einer Stelle bringt er dies gegenüber Seraphin wie folgt zum Ausdruck: »Seht ihr, die Wahrheit, die uns die Mythen lehren ist nicht, dass Drachen existieren, sondern dass man sie besiegen kann.« Bemerkenswert ist der Band schließlich dank des graphischen Handlungsgerüstes, das sich zwar den Erzählsträngen der Texte unterordnet, aber immer wieder durch großformatige, perspektivreiche Splash-Panels und actionbetonte Panelsequenzen Akzente setzt. Ausschmückungen wie die zweiseitige Projektskizze des Ätherschiffs sorgen für eine zusätzliche Authentizität der Geschichte. Passend ist auch die Covergestaltung des Bandes, die auf angenehme Weise Pierre-Jules Hetzels Ausgaben der »Voyages extraordinaires« von Jules Verne Reverenz erweist. Insgesamt betrachtet ist das »Schloss in den Sternen« durch und durch empfehlenswert und wird als zeichnerisches Schmuckstück viele Freunde unter den Comiclesern – und auch den Comicsammlern! – finden. (bf)

Gesamteindruck: +++++ (5 / 5)


Bibliografische Angaben: Alex Alice: Das Schloss in den Sternen – 1869: Die Eroberung des Weltraums. Übers. von Swantje Baumgart aus dem Französischen. Bielefeld: Splitter, 2015. 72 S. (inkl. Bonusmaterial).15,80 EUR. ISBN 978-3958390706.

(Erstveröffentlichung dieser Rezension in: Sascha Mamczak und Hannes Riffel (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2016. Berlin: Golkonda 2016.)

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#10 David O' Doherty & Chris Judge: »Gefahr lauert überall...« (Besprechung)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 30 July 2016 · 615 Aufrufe
Rezension, Gefahren, comicroman und 3 weitere...

Inhalt
Dass Gefahr überall lauert, führen O'Doherty und Judge auf amüsante Weise vor Augen. In der Person des Gefahrologen Docter Zones konstruieren die Autoren Gefahren, die selbst vor den harmlosesten Wesen und Situationen nicht Halt machen. Abwehrmöglichkeiten werden mitgeliefert und sind oft noch abstruser als die Gefahren selbst. So erscheint ein Schwimmbad nach eingehender Risikoanalyse ohne Wasser am sichersten. Wer will und kann, legt am Ende eine »GPP«, eine »Gefahrologen-Profi-Prüfung«, ab.


Beurteilung
Das ›fun book‹ von David O'Doherty und Chris Judge liest sich wie ein Comic. O'Doherty vermittelt seine Gefahrenwarnungen und Sicherheitshinweise in kurzen Texten, die in einfacher Sprache verfasst sind. Verständlichkeit und Lesevergnügen werden durch eine entsprechende Typographie je wichtiger die Information desto größer (= lauter) die Wörter und maßgeblich durch Judges lustige Schwarz-Weiß-Zeichnungen unterstützt. Dabei erinnern die Figuren mit ihren Glubschaugen und den winzigen Pupillen an Groenings »Simpsons«. Es ist dem Handbuch anzumerken, dass die beiden Autoren selbst eine diebische Freude beim Erfinden und Entwickeln der »Gefahrologie« hatten.* Anders hätten sie sich soviel durchdachten Nonsens und kreative Albernheiten, die ein gutes Gespür für den Humor der 8- bis 11-Jährigen offenbaren, kaum einfallen lassen können. Dazu gehören Tipps, wie die eigenen Haustiere auf ihre Gefährlichkeit zu prüfen sind. Verstecken sich hinter der eigenen Katze oder dem Hund vielleicht ein Baby-Tiger oder ein Baby-Wolf? Da man dies nie ganz sicher sagen kann, hat sich Docter Zones für einen kleinen Stein als Haustier entschieden, den er Rico nennt. All dies macht das Handbuch gerade für Lesemuffel dieser Altersgruppe interessant.
Eingefügtes Bild Folglich wurde das »handbook for danger« in Dublin, der Heimatstadt der Verfasser, für eine UNESCO-Lesekampagne ausgewählt, durch die v.a. die Lesefreude gefördert werden sollte. O'Doherty und Judge parodieren mit der Gefahrologie Sicherheitswahn und Überängstlichkeit in den hochtechnisierten westlichen Gesellschaften, die aus der Perspektive ›großer Kinder‹ bzw. junger Teenager als Spaßbremse wirken. Sie machen sich zudem über den Abkürzungsspleen lustig, der durch übertriebenes Vereinfachen nur zu neuen Schwierigkeiten führt: Im Gefahrologenwortschatz (GEWO) wird man z.B. mit »SVDWKGBWAASKGS« dazu aufgefordert, »Sich (zu) Vergewissern, Dass Wirklich Keine Gefahr Besteht, Wo Alle Anderen Sowieso Keine Gefahr Sehen«. Der junge Leser wird nicht nur durch das neonorange Buchcover angesprochen, durch das ihm die Gefahr förmlich ins Gesicht springt. O'Doherty wendet sich in der Person des Docter Zones immer wieder direkt und im lockeren Ton an seine »GAZUBIs«, seine »GefahrologenAusZUBIldenen«: »Habt ihr sie noch alle?« Die »GPP« (Gefahrologie-Profi-Prüfung) und das »GAD« (»GefahrenAbwehrDiplom«) am Ende runden das Handbuch ab.
Das Fazit fällt leicht: O'Dohertys Comic-Roman eignet sich hervorragend für die ›Zwischendurchlektüre‹, empfiehlt sich aber auch für jede Schülerbücherei. Auch zum Entwickeln eigener unsinniger Gefahren(abwehr)ideen, z.B. im Rahmen des Kreativen Schreibens, bietet »Gefahr lauert überall« zahlreiche Anregungen. (sb)

Gesamteindruck: ++++– (4/5)

Bibliografische Angaben: David O'Doherty und Chris Judge: Gefahr lauert überall. Docter Noel Zones Großes Handbuch der Gefahrologie (Orig. Danger is Everywhere, 2014). Übers. aus dem Englischen von Knut Krüger. München: Dtv, 2015. 252 Seiten. ISBN: 978-3-423-76113-0. EUR 12,95 (gebundene Ausgabe). Altersempfehlung des Verlags: Ab 9 J. Anmerkung zur Verfügbarkeit: Die gebundene Ausgabe ist zur Zeit vergriffen und nur antiquarisch erhältlich. Für Oktober dieses Jahres ist allerdings eine Taschenbuchausgabe zum Preis von 8,95 EUR angekündigt.

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW. Für den vorliegenden Blog-Beitrag leicht überarbeitet.]

*Einen visuellen Eindruck von dem Humor des Buchs liefert ein kurzes YouTube-Video mit David O' Doherty alias Docter Noel Zone. Aus Sicht der Gefahrologie darf man selbst den Besuch im Streichelzoo nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn natürlich könnte sich der hinter der vermeintlich harmlosen City Farm eine furchterregende ›Hackfleisch-City‹ verbergen, in der selbstverständlich die Menschen auf dem Speiseplan der Raubtiere stehen...




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#6 Håkon Øvreås' »Super-Bruno« (Besprechung)

Geschrieben von Sierra , in Comics, Kinder- und Jugendliteratur, Rezension 17 June 2016 · 947 Aufrufe
Kinderliteratur, Freundschaft und 3 weitere...
Inhalt

Bruno trifft es hart. Erst stirbt sein geliebter Großvater, dann muss er mitansehen, wie ältere Jungen die Bude zerstören, die er und sein Freund Matze gebaut haben. Inspiriert durch einen Fernsehfilm und die Farbvorräte seiner Tante wird Bruno nachts zum Superhelden Brauno, der entschlossen ist, gegen die Schikanen der Älteren mit viel Witz und Farbe vorzugehen. Unterstützung erfährt er hierbei durch seine Freunde Schwarzke (Matze), Blaura (Laura) und in gewisser Weise durch seinen Großvater.

Beurteilung
»Super-Bruno« ist eine ungewöhnliche Superhelden-Geschichte, die auf eine herzerfrischende Art anders ist als die verkommerzialisierten Exemplare aus Film und Fernsehen. Bruno ist ein ganz normaler Junge und bleibt es auch als Super-Bruno mit seiner improvisierten Verkleidung, einem Farbeimer als Waffe und der Taschenuhr seines Großvaters als Energiequelle. Er verfügt über keine fantastischen Fähigkeiten oder außergewöhnlichen Kräfte. Dies erleichtert ebenso die Identifikation mit Øvreås' sympathischen Protagonisten wie die Tatsache, dass Brauno kein Einzelkämpfer ist, sondern weitere Akteure an seiner Seite duldet und sich über deren Unterstützung freut. Øvreås schreibt in einfachen, leicht verständlichen Sätzen. Bereits zu Anfang ist zu spüren, dass jedes seiner Worte mit Bedacht gewählt ist. Brunos Trauer um den Tod des Großvaters trifft den Leser, ohne dass Øvreås' pathetisch werden muss bzw. gerade weil er auf jedes Pathos verzichtet. Sie findet Ausdruck in Sätzen wie »Bruno starrte lange auf den Berg brauner Zwiebeln auf seinem Teller. Eingefügtes Bild
Die Gabel war schwer in seiner Hand
«. Aber »Super-Bruno« ist keinesfalls ein trauriges Buch, die fantasievollen Superhelden-Einsätze, Matzes unglaubliche Geschichten und manche Erinnerung des Großvaters haben viel Lustiges und Komisches. Sie zeigen, dass Øvreås der Humor von Kindern im Grundschulalter, seiner Adressatengruppe, vertraut ist. Ein weiterer Aspekt aus dem Leben dieser »großen Kinder«, der von Øvreås sehr treffend dargestellt wird, ist der wachsende Einfluss der Peergroup. Der kindliche Leser wird aus seiner Erfahrung wissen, wie wichtig Freunde sind, wenn ihn die eigenen Eltern nicht verstehen, sie zu beschäftigt für seine Bedürfnisse sind oder er deren Verhalten und Handlungen nicht nachvollziehen kann. Äußerst authentisch sind auch die Dialoge zwischen Bruno und seinen Freunden bzw. zwischen ihm und den Erwachsenen oder den älteren Jungen. Dabei kommt in den Gesprächen unter den Freunden sehr gut zum Ausdruck, was echte Freundschaft ausmacht. Øyvind Torseters Zeichnungen fangen die Gefühle der Figuren und wesentliche Teile der Handlung treffend ein und vermögen das Textverständnis des Lesers zu unterstützen. Ihr Comic-Stil harmoniert zudem mit Øvreås einfacher Sprache. »Super-Bruno« ist aus den genannten Gründen für die Privatlektüre, aber auch für den Einsatz in Schule und Unterricht, auch als Klassenlektüre, sehr empfehlenswert. (sb)


Bibliografische Angaben: Håkon Øvreås: Super-Bruno (Originalausgabe: Brune, 2013). Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch. München: Hanser, 2016. 144 Seiten. ISBN-10: 3446250840.

[Rezension zuerst erschienen in: Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW. Für den vorliegenden Blog-Beitrag leicht überarbeitet.]




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#2 Comics und Tweets vom »Fuchskind« (aka Daniela Schreiter)

Geschrieben von Sierra , in Medien, Comics 16 April 2016 · 458 Aufrufe

Twittern habe ich erst vor ein paar Monaten für mich entdeckt. Der Twitter-Channel der Berliner Comic-Zeichnerin Daniel Schreiter ist für mich ein Grund, regelmäßig beim blauen Vogel reinzuschauen. Ich kannte bisher nur Schreiters Comic »Schattenspringer«, der witzig und autobiographisch Pubertät und Autismus thematisiert.


Eingefügtes Bild

Die Autorin ist als »Fuchskind« im Netz präsent und bezieht sich in ihren Zeichnungen immer wieder auf Populärkultur, etwa den Cthulhu-Mythos oder Star Wars.

Zwei Kostproben:

https://twitter.com/Fuchskind/status/698788179156013056?lang=de

https://twitter.com/Fuchskind/status/690854263183032320?lang=de


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»Wenn man den Gerüchten glauben durfte, steckte im Kostüm des Maskottchens der Forest Shade Middle School eine 72-jährige Frau. Doris, die 72-jährige Mutter von Trainer Verde, um genau zu sein. Die Vermutung lag nahe, denn während die Maskottchen anderer Schulen Purzelbäume schlugen und zu Rockmusik tanzten, sah man unseren Waschbären oft in einem Schaukelstuhl sitzen und Hauben für Klopapierrollen stricken.«

 

(Jennifer Brown: So überlebte ich das Schuljahr trotz Aliens, Robotern und der grausamen Missy. München 2017, S. 7)

 

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(Quelle: Wikipedia:Dominik Matus: A Thonet rocking chair. Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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