Zum Inhalt wechseln


Wilkos Empfehlungen



Foto

Eismond Zyklus

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 21 October 2018 · 1339 Aufrufe
Raumfahrt, Saturn, Jupiter
Der Eismond-Zyklus von Brandon Q. Morris
Enceladus / Titan / Io / Enceladus – die Rückkehr
(Kindle Ebooks)

Nachdem der (übrigens deutsche) Autor so freundlich war, den ersten Teil kostenlos als Ebook anzubieten, habe ich ihn und die kostenpflichtigen anderen drei Teile gelesen. So schlecht können die Bücher also nicht sein.
Es handelt sich, wie der Autor nicht müde wird, zu betonen, um »hard sf«. Also gibt es hier zumindest den Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Es ist tatsächlich gute, wenn auch nicht alte SF, die von der Erforschung des Sonnensystems mit Hilfe der Raumfahrt handelt, wie sie tatsächlich stattfinden könnte, wenn man den heutigen Stand optimistisch einige Jahrzehnte in die Zukunft denkt. Die Titel sagen uns schon, wo es hingeht: zuerst zum Saturnmond Enceladus. Hier entdeckt eine Sonde Anzeichen für die Existenz von Leben im möglicherweise tatsächlich vorhandenen Wasserozean unter dem Eispanzer. Das hält man auf der Erde für wichtig genug, um eine bemannte Expedition auszurüsten, die mal nachgucken soll.
Der Autor versteht es, den schier endlosen Flug durch das Sonnensystem glaubwürdig zu schildern, ohne dass den Leser dieselbe Langeweile packt, welche die Besatzung der »ILSE« quält. (Der komisch anmutende Name des Raumschiffs ist irgendeine Abkürzung mit Lebenssuche oder so. Sorry, wird nur einmal erwähnt und ich habe es wieder vergessen.) Eine Reihe der üblichen Gefahren tritt auf: Meteoriten, technische Probleme usw. Zu allem Überfluss wird ausgerechnet die Kommandantin auch noch schwanger und bringt ihr Baby auf der Reise zur Welt.
Schließlich landen sie auf dem Eismond und bohren sich mit einem Bohrschiff namens »Valkyrie« durch die Eisschicht hinunter in den Ozean. Zwar reißt das Verbindungskabel, aber das hindert die beiden Astronauten an Bord nicht, Leben zu entdecken, das sich sogar als eine intelligente Lebensform herausstellt, und sich wieder an die Oberfläche zu kämpfen. Beim Versuch, sie zu retten, stirbt scheinbar ein dritter Astronaut.
Scheinbar, denn als die »ILSE« wieder gestartet ist, stellt sich heraus, dass er noch lebt. Es wird nie erklärt, wie er 48 Stunden mit geborstener Helmscheibe und ohne ausreichenden Sauerstoff überleben konnte. Nun steigt er ins Bohrschiff, taucht ab und vereint sich irgendwie mit dem Enceladuswesen. Schade, hier ging dann eindeutig der Anspruch der Wissenschaftlichkeit verloren. In der folgenden Handlung gelingt es der Crew, zunächst sein Bewusstsein in die Schiffscomputer zu transferieren, so dass er sie als eine Art KI begleitet.
Inzwischen war man noch auf Titan, wo selbstverständlich auch eine Lebensform ihr Unwesen treibt. War die erste noch recht freundlich, ist diese eher primitiv und aggressiv. Im dritten Teil verschlägt es die »ILSE« sogar auf den Jupitermond Io, wo sie in letzter Minute eine Bedrohung für die Erde abwenden, die auch wieder von einer bösen Lebensform (nicht intelligent) ausgeht.
Im ersten Buch konnte ich der Handlung noch eine gewisse Glaubwürdigkeit abgewinnen, doch dieses Hin- und Hergefliege zwischen Saturn und Jupiter mit mehrfachen Landungen war mir zu viel. Die Mission war ja so gar nicht geplant, also sollte das Raumschiff auch gar nicht für solche weitergehenden Einsätze geeignet und ausgerüstet sein. Davon mal abgesehen, ist das Finden von Leben gleich auf allen drei Monden doch etwas übertrieben.
Im dritten Teil spielt eine Nebenhandlung auf der Erde eine größere Rolle. Hier einigen sich der amerikanische NSA und China darauf, dass das Wesen auf Enceladus eine Gefahr für die Erde darstellt und vernichtet werden muss. Deshalb erpressen die bösen Kommunisten Chinas ihre an Bord befindliche Astronautin, so dass diese bereit ist, alle zu töten und das Superwesen gleich mit. Natürlich passiert das nicht, aber dieser Teil der Handlung erschien mir dann doch zu hoch gegriffen. Die Chinesen werden so klischeehaft dargestellt, dass es bereits da unglaubwürdig wird. Es erinnerte an die Kapitel von »Die drei Sonnen«, welche in der Jugend der Protagonistin spielen. Ich bezweifle, dass die heutige oder gar die zukünftige chinesische Führung so denken und handeln würde wie in der Kulturrevolution.
Auch im vierten Teil kommt die Bedrohung von der Erde – ein russischer Milliardär, welcher Asteroidenbergbau betreibt, bringt die alte Crew dazu, noch einmal in die »ILSE« zu steigen. Angeblich, um ihren auf Enceladus verschollenen Kumpel zu retten. Hä?, fragte ich mich da. Kein Wort darüber, wie der Russe sich das vorstellte, einen seit Jahren unter dem Eis befindlichen Körper zu reanimieren und wieder mit dem in Computern herumgeisternden Bewusstsein zu vereinen. Aber alle machen mit.
Klar, der böse Russe hat ganz andere Motive, aber am Ende klappt es auch noch! Ohne jede Erklärung taucht der plötzlich wieder oder immer noch lebende Astronaut auf und muss nicht mal mit seinem KI-Teil wiedervereint werden, denn dieser war wohl nur eine Sicherheitskopie. Also gut – SF, ist klar. Aber mit Glaubwürdigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit hat das nichts mehr zu tun.
Man muss sagen, dass die Reihe vom Ideengehalt leider mit jedem Buch ein wenig abbaut. Wo der Autor versucht, Anleihen beim Thriller zu nehmen, wirkt es ein wenig einfach gestrickt. Wenn man den wissenschaftlichen Anspruch mal vergisst und nicht alles erklärt haben will, ist es in Ordnung. Morris schreibt abwechslungsreich und spannend über die Abenteuer der Raumfahrer. Man kann sich davon durchaus gut unterhalten lassen. Da aber jedes Buch noch einen Anhang von beträchtlichem Umfang hat, der auf wissenschaftliche Hintergründe eingeht und somit den Anspruch des Autors betont, muss ich die obige Kritik üben.


Foto

Convergence

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 20 October 2018 · 951 Aufrufe
Cherryh, Atevi, Foreigner
Convergence C. J. Cherryh: Convergence
(DAW Books 2017)

„Convergence“ ist der nächste Foreigner-Roman einer Serie, die damit bereits sechs Dreiergruppen, also 18 Bände umfasst. Nach der üblichen Vorgehensweise müsste nun eine neue Dreiergruppe beginnen, denn die Handlung ist auch jetzt nicht abgeschlossen.
Der Inhalt des neuen Buches gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Bren Cameron, der menschliche Diplomat am Hof der Atevi, wird zurück nach Mospheira geschickt, auf die Insel der Menschen auf dieser Welt. Er soll dort die Ergebnisse der Verhandlungen mit den Kyo präsentieren, einer weiteren außerplanetarischen Rasse, der man in früheren Bänden begegnet war. Außerdem muss er Mospheira die bevorstehende Landung von 5000 Flüchtlingen einer versehentlich von den Kyo zerstörten Raumstation schmackhaft machen. Cajeiri, der noch sehr junge Erbe des Herrschers der Atevi, reist hingegen auf einer anderen Mission zu seinem Onkel. Dabei geht es um die Nachfolgeregelung eines bestimmten Clans und gleichzeitig immer noch die Bewältigung der Folgen einer Verschwörung innerhalb der Assassinengilde, mit der man auch in früheren Bänden zu tun hatte. Die beiden Stränge wechseln beinahe regelmäßig von Absatz zu Absatz.
Beide Handlungen sind diesmal voller langer Ausführungen der Personen, Überlegungen, Darlegungen – Politik. Es passiert eigentlich nur sehr wenig. Camerons bisher kaum beschriebene Vergangenheit spielt in Form von alten Freunden eine Rolle, auf die er plötzlich zurückgreift. Er hat sich ja von der Bevormundung durch die Universität Mospheiras längst gelöst und betrachtet sich eher als den Atevi zugehörig. Dieses spannungsgeladene Verhältnis ist nun natürlich von Bedeutung. Er konfrontiert die Menschen damit, dass die Dinge sich geändert haben und weiter ändern werden, ob sie es nun wahrhaben wollen oder nicht.
Auf Cajeiris Seite geht es ebenfalls um alte Zusammenhänge, z.B. die Herkunft seiner Mutter, die Manipulationen des Gilden-Renegaten, Morde und noch mehr Morde … Er erfährt so einiges, das ihn zu verändern scheint. Er wird auch durch diese Erfahrung erwachsener.
Am Ende steht man da und runzelt etwas die Stirn. Wie es nun wohl weitergeht? Aber das ist vermutlich Sinn der Sache.


Foto

Die Schwarze Harfe

Geschrieben von wilkomueller , in SF-Rezension 20 October 2018 · 894 Aufrufe
space opera, aliens, frau
Die Schwarze Harfe Gravity Assist: Die Schwarze Harfe
Edition 381
ISBN 978-3-9524287-6-4
Klappenbroschur, 772 Seiten
20,00 Euro

Eines Tages bekam ich ein Päckchen aus der Schweiz, das ein dickes Buch enthielt. Ich wunderte mich und begann zu lesen. Aufhören konnte ich dann erst nach ein paar Tagen, als ich mit dem Buch fertig war. Bei „Die schwarze Harfe“ handelt es sich um eine Space Opera, die mich im Stil zunächst ein wenig an „Dune“ erinnerte. Andererseits ist da auch irgendwie Star Wars mit seinem „vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis …“ Denn die Handlung nimmt ihren Lauf im „Ring der Sterne“, einer seltsamen lichtjahreweiten Anordnung von Sternsystemen um ein Schwarzes Loch. Hier leben die Endoer, die man sicher als Menschen bezeichnen könnte, obwohl es keine sind. Sie haben den Ring besiedelt – bis auf ein System, in dem die Senjasantii leben, technologisch scheinbar noch fortschrittlichere, aber auch geheimnisvolle Wesen, die nicht so wie die Endoer nach Ausdehnung über die Sterne des Rings streben.
Es gibt ein Königreich und eine Handelsföderation, neben einer Menge anderer Kräfte. Auch Piraten treiben ihr Unwesen, wenn man sie auch anders nennt. Überhaupt hat sich das Autorenteam „Gravity Assist“ viel einfallen lassen, was Sprache angeht. Zwar bleibt es des besseren Verständnisses wegen bei König, Königin und Prinz – es gibt aber auch den Laar, was ein Kapitän eines Kriegsschiffes wäre (selbstverständlich eines Kriegs-Raumschiffes), und viele andere spezielle Bezeichnungen.
Die Geschichte, welche viele Jahre überspannt, erzählt vom Krieg im Ring der Sterne, wie und warum er begann und wie er schließlich endete. Doch eigentlich erzählt die Geschichte von den Schicksalen einiger Leute, die für den Krieg usw. verantwortlich waren bzw. ihn beendeten. Ja’en ist der Thronfolger von Endo und Shikani eine der Senjasantii. Die Handlung wechselt ständig zwischen ihren beiden Ich-Perspektiven und widmet sich außerdem noch dem undurchschaubaren Bromen und seinem zunächst Freund und dann Gegner Se’en.
Die Erzählweise ist sehr detailreich und wirkt äußerst durchdacht. Von der Sprungtechnologie bis zu den Waffensystemen der Kriegsschiffe ist alles wie aus einem Guss. Es muss gar nicht pseudowissenschaftlich erklärt werden, weil es in der Anwendung sofort plausibel erscheint – es funktioniert. Wenn dann z.B. relativ spät im Buch plötzlich eine Raumzeitwaffe auftaucht, so überrascht das nicht, denn die Technologie ist ja beim FTL-Antrieb bereits öfter mal erwähnt worden.
In der von kriegerischen Auseinandersetzungen und Verfolgungsjagden angefüllten Handlung ist auch noch Platz für einen großen Teil Mystik und Geheimnisse. Die Senjasantii träumen nämlich prophetische Träume – damit hat auch der Buchtitel zu tun, die schwarze Harfe. Außerdem gibt es noch ein paar Rätsel, z.B. um die Herkunft, genauer gesagt den Vater Ja’ens. Die ständigen Wechsel in der Erzählposition sorgen für einen anderen Blickwinkel und Spannung.
Alles in allem ist das ein sehr spannendes, lesenswertes Buch, das man wirklich nur schwer aus der Hand legen kann, denn die Schicksale der Figuren fesseln den Leser schnell. Etwas überraschend ist, dass sich hinter dem Pseudonym Gravity Assist gleich fünf Autorinnen und Autoren aus der Schweiz verbergen (na ja, letzteres tun sie gar nicht so sehr). Das Buch, welches 2017 in der Schweiz erschien, wird nun auch in Deutschland über uns (Edition SOLAR-X) zu beziehen sein.

http://dieschwarzeharfe.ch/home/
http://shop.edition-sx.de/






November 2019

M D M D F S S
    123
45678910
11121314151617
18 192021222324
252627282930 

Neueste Einträge

Neueste Kommentare