Zum Inhalt wechseln


Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



Foto

Von Poe und Schenkel

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke, Ich war dabei... 28 October 2018 · 1225 Aufrufe
Gunter Böhnke, Elmar Schenkel und 3 weitere...
Von Poe und Schenkel Jetzt kommen Fitness-Tipps! Echt? – Nein, natürlich nicht. Das bleibt hier ein Literatur-Tagebuch. In Leipzig ist mal wieder Herbst – Literaturherbst. Zum 22. Mal schon. Inzwischen ist es für mich zur guten Tradition geworden, neben „Leipzig liest“ zur Buchmesse im Frühjahr auch den Literarischen Herbst in der Bücherstadt zu genießen.
Ist aber nicht immer ganz einfach, wenn man die Brille des Phantasten aufhat.
Ich bin da gar nicht so stur, möchte ich mal behaupten, also es darf ruhig über (meinen) Tellerrand geschaut werden. Ob diesmal was dabei ist? Doch, doch, habe was gefunden. Zu 2 Veranstaltungen hat es „gereicht“.
Am 25. Oktober 2018 war ich in der Stadtbibliothek, wieder ganz oben, im großen Saal. Dort referierte der Leipziger Autor Günter Gentsch über E. A. Poe und den Brückenschlag in die Moderne. Der Mann weiß ja, wovon er spricht, war er doch der Herausgeber der dreibändigen Poe-Ausgabe im Leipziger Insel Verlag, die 1989 erschien (Bd. 1: Erzählungen und Skizzen. Bd. 2: Reflexionen, Essays und Kritiken. Bd. 3: Dichtungen und Briefe).
Um es kurz zu machen: Gentsch las ein Essay, worin er sich primär mit der Biografie Poes befasst. Dies auf hohem Niveau, einem Schriftsteller angemessen wohlfeil formuliert. Interessant waren die Ausführungen zur Rezeption Poes, der auch gerade in seiner Heimat, den USA, ziemlich spät „angekommen“ ist, aber auch in einigen europäischen Ländern, später als es seiner Bedeutung – so Gentsch – entsprochen hätte. In Deutschland gab es erst 1904 eine Gesamtausgabe.
Die Ausnahme war Frankreich, wo der umtriebige Baudelaire sich als Übersetzer und Propagandist für die „Sache Poe“ eingesetzt hat.
In den USA war Poe schon zu Lebzeiten eher gelitten, weil er sich dem korrupten Literaturbetrieb nicht unterwerfen wollte, sich als Kritiker bei seinen „Kollegen“ unbeliebt gemacht hatte und am Ende einen Nachlassverwalter hatte, der ihm mehr Schaden als Nutzen zufügte. Die Story kannte ich ja schon, war aber gut, das noch mal ausführlich dargelegt zu bekommen. Richtig Geld verdiente er nur mit einem Buch über Muschelkunde, für das er das Vorwort verfasste.
Das mit der Moderne bleib für meinen Geschmack etwas unterbelichtet. Der Referent erwähnte durchaus den Einfluss Poes auf die moderne Literatur, auf andere Autoren (dass Jules Verne eine Fortsetzung zu A. G. Pym schreib, erwähnte er ausführlich, Lovecraft hat er noch nicht mal namentlich genannt), insbesondere auf die Symbolisten und Dekadenz-Literatur.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht! Hätte ich bei dem Thema nicht vermutet. Der recht große Saal war voll!
Nun zu Professor Schenkel. Es ist ja auch schon fast eine gute Tradition, dass ich mir zumindest 1 Mal im Jahr eine Veranstaltung mit dem Anglisten, Herrn Prof. Elmar Schenkel anschaue. Er ist ja auch ziemlich oft präsent. Das letzte Mal sah und höre ich ihn aber bereits im Frühsommer, als er mit seinen Kollegen und Kolleginnen über Frankenstein sprach.
Diesmal lud das Schumann-Haus ein. Da war ich auch noch nie. Tolles Gebäude, sehr stimmungsvoll. Für gute Stimmung sorgten auch musikalische Einlagen von Schülerinnen der Celloklasse von Prof. Peter Bruns.
Das Thema war aber nix Phantastisches: Brückenschlag. Anlass bot die Edition der englischen Version des Buches „Leipzig and the English-speaking World“ – ah, ist ja Englisch; gab es aber 2 Jahre zuvor schon auf Deutsch, allerdings auch mit teilweise anderem Inhalt. Na ja, das Buch ist so was Touristisches, soll bei Englischsprechenden Lust auf Leipzig machen, bzw. Leuten aus englischsprachigen Ländern, die in Leipzig leben, Anknüpfungspunkte bieten. Die Idee ist nicht übel. Es gab da z.B einen Vortrag über Orte, wie sich die englischsprechende Community in Leipzig trifft, inklusive Theater. Wusste ich vorher nicht…
Einer der Referenten war der Komiker Gunter Böhnke – schon seinetwegen hat das Ganze sich gelohnt. Auch wenn er hier nicht zum Spaßmachen hinkam, sondern als Sammler der Tauchnitz Editions -Taschenbücher in Englischer Sprache, die in Leipzig für ein Massenpublikum im 19. u. 20. Jh, gedruckt wurden (mitunter früher als die Originale in England!), konnte er natürlich nicht aus seiner Haut: Sen Vortrag war daher auch sehr unterhaltsam. Dass er als Übersetzer angefangen hatte nach seinem Anglistikstudium war mir unbekannt. Seine Ehefrau machte da weiter, wo er Anfang der 90er aufgehört hatte.
War ein toller Abend, auch ohne Phantastik.

22. Leipziger Literarischer Herbst


Foto

Mein LBM18-Tagebuch – vor dem Winterchaos

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 18 March 2018 · 291 Aufrufe
LBM18, Endzeit, Andymon und 1 weitere...
Mein LBM18-Tagebuch – vor dem Winterchaos (Foto: Karlheinz Steinmüller, Erik Simon & am Rand noch gerade sichtbar: Angela Steinmüller)

Ich hatte Glück, aber sowas von Glück! Dabei hatte ich auch Pech, aber am Ende doch Glück.
Okay, der Reihe nach…

Wetter
Es ist ja immer, also wirklich jedes Jahr, ein Wackeln und Bibbern, ob das mit dem Wetter auch hinhaut zur Buchmesse. Es ist nicht das erste Mal, dass die Buchmesse im Schnee absäuft – also, übertreiben gesagt. Ich kann mich schon an Fahrten zu Lesungen (unmittelbar vor der Messe, an einem Mittwoch) erinnern, wo die Autos reihenweise an der roten Ampel geblitzt wurden, weil so gut wie keines vor der Ampel zum Stehen kam, so glatt und schneeig war es.
Dies Jahr hat es aber verkehrstechnisch dann aber eher die Öffentlichen Verkehrsmittel getroffen, die teilweise gar nicht mehr fuhren. Aber ich hatte Glück: Am Tag 1 (noch warm und kein Schnee) ging es mit dem Auto, am Tag 2 (das Wetter schlug um) dann mit der Bahn, die da noch fuhr (zwischen Halle und Leipzig), wenn sie auch supervoll war. So voll hatte ich das letzte Mal eine Bahn zu einem Herrentag erlebt, als die Leute auch nicht mehr wegen Überfüllung mitgenommen werden konnten (da kamen sie aber auch teilweise mit Fahrrädern, zur Messe eher nicht…).
Die Hiobsbotschaften von Messebesuchsabbrüchen und „Gerade-noch-so-geschafft“-Odysseen am Tag 3 habe ich dann vom heimatlichen Sessel aus verfolgt. Denn am Morgen des Samstages erfuhr ich noch voller Bedauern, dass „mein“ Haupt-Akt für den Tag sozusagen gecancelt worden war – wegen Krankheit. Als mir dann im Laufe des Tages klar wurde, dass ich es wahrscheinlich ohnehin nicht so richtig, oder nur unter Anstrengung dahin geschafft hätte, verwandelte sich meine Trübnis in eine Form von Erleichterung.
Das soll aber nun mal reichen mit Wetterbericht, jetzt noch mal etwas LBM18:

Messe
Am Tag 2 (16. März 2018) hatte ich als Erstes eine Comic-Buch-Vorstellung besucht, Halle 1 (Manga-Con), Schwarzes Sofa. Dort wurde Olivia Vieweg zu ihrem frisch erschienen, dicken Graphic Novel „Endzeit“ befragt. Der Comic spielt im Gebiet um Jena und Weimar, woher die Autorin stammt. Sie hatte den Comic sozusagen aus einer Designschul-Abschlussarbeit weiterentwickelt, und – was vielleicht noch spektakulärer ist – als Comicumsetzung zu ihrem Drehbuch zum gleichen Thema: Zombies in Jena! Nur ein Drehbuch? Einfach so? Nein, natürlich nicht! Der Film ist wohl bereits fertig gedreht, wird noch geschnitten und ist in 2019 im Kino – ein deutscher Zombiefilm, der auch in Deutschland spielt.
Wow! Oder? Ich find’s gut! Zumal die Autorin sehr sympathisch rüberkam, viel erzählte – von ihrer Erfolgsgeschichte. Hut ab!
Danach machte ich mir das Leben etwas schwerer und wählte zwei Veranstaltungen, die harten Tobak enthielten: Zunächst eine Buchvorstellung über Kindsmissbrauch durch einen mexikanischen, katholischen Orden. Es handelt sich zwar um einen Roman, den der jetzt 90jähriege Autor aber nach einem wahren Fall schrieb. Vor Ort, auf der Messe, war „nur“ der Übersetzer. Aber der erzählte bewegt von diesem Unrecht, dem die jungen Eleven dort ausgesetzt waren ("Zum Bösen verführt" von José Manuel Ruiz Marcos).
Dann wechselte ich in die Stadt, als übernächstes war ein Besuch in der „Runden Ecke“ fällig, dort erzählten Zeitzeugen von ihrem Aufenthalt in sowjetischen Lagern. Auch sehr bewegend, bis hin zu Tränenausbrüchen im Publikum, ebenfalls von einem Betroffenen.
Anlass war hier die Veröffentlichung einer Broschüre der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.: „Den Willen zu verlieren, war der halbe Tod“, von Ariane Zabel, die auch zugegen war und das Gespräch moderierte.
Davor war ich aber im Hugendubel, dort wurde im Halbstundentakt eine Lesung nach der anderen fast schon durchgepeitscht. Ich hatte mir Roman Israel herausgepickt, den ich als einen der Book Brother schon mal kennen und schätzen lernte und dessen Beitrag in der Antho „Leipzig morbid“ mir auch sehr gefiel. Er las aus einem „Wenderoman“ mit dem Titel „Flugobst“, also einer Geschichte aus der Wendezeit, an der ostdeutsch-tschechischen Grenze – ein Fest, echt! Ist schön, wenn man über Geschichte lachen kann! Er las übrigens im Rahmen einer Aktion sächsischer Schriftsteller (60 an der Zahl: „Literatur statt Brandsätze“) gegen Fremdenfeindlichkeit, die es schon ein Weilchen gibt. Die Initiatorin der Initiative, Anna Kaleri, stellte die Sache vor. Allerdings hat sich mir nicht erschlossen, inwieweit Roman Israels Text da hineinpasst. Interessant war es allemal
Weil Zeit war, hörte ich mir danach Christoph Jehlicka an, der aus seinem Debut, „Das Lied vom Ende“ las, ein Coming-In-Age-Roman, dazu ein Familiendrama mit kriminalistischen Anklängen. Auch nicht übel – hach, wenn ich doch nur schneller und mehr lesen könnte…
Zum Abschluss ging’s zum Griechen – aber nicht zum Essen, sondern wegen der Buchpräsentation von „Andymon“ – neu erschienen bei Golkonda / Memorandum. Mit den Steinmüllers und Erik Simon. Michael Görden war auch da, hat dann aber nicht allzu viel erzählt. Karlheinz Steinmüller dafür umso mehr, auch aus seinem Erfahrungsschatz als Zukunftsforscher. War interessant, durchaus. Gelesen hat er einen Text, der nicht zu ANDYMON gehörte, weil er meinte, das kenne ohnehin jeder Anwesende.
Ich bekam dann auch mein Beleg-Ex, was mich sehr freute (für die Vignette auf dem Cover).
Der Nachhauseweg war dann zwar verschneit, aber noch passierbar; bin noch mal aus dem Winterhexenkessel entwischt.


Foto

LBM18 - Tag 1 (15.03.2018)

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 15 March 2018 · 341 Aufrufe
LBM18
LBM18 - Tag 1 (15.03.2018) Allenthalben raschelt es in der virtuellen Bücherwelt vor LBM18-Einträgen, -Hinweisen, -Reminiszenzen. Kommt mir das dies ja nur so vor, oder ist die Vorfreude und Euphorie zu Beginn der Messe gerade in der Phantastikszene dies Jahr besonders stark ausgeprägt? Ja, es kommt mir so vor. Das ist gut! Die LBM hat ihren Platz im Herzen der Phantasten gefunden, und sicher nicht nur dort.
Heute habe ich meinen Messerundgang absolviert. Eine kurze Stippvisite beim FESTA-Verlag, ein kurzer Plausch mit Hardy Kettlitz; dann auch mal ganz kurz Torsten Scheib angesprochen und ihm versichert, dass sein Roman auf jeden Fall den Vincent-Preis gewinnen wird [Smiley]; na ja, kann ich ja gar nicht so gesagt haben, da ich den Roman bisher noch nicht mal gelesen habe…
Interessanter Weise präsentieren sich viele kleine Verlage. Teilweise haben sie nur ein bis wenige Bücher (-Reihen) am Start. Für mich war dann auch wieder echt was Neues dabei, wie z.B. die Romanreihe von Sigrid Kraft um das Fantasy-Land Ardeen. Hier wurde ich gleich angesprochen und der stolze Verleger erzählte lang und ausführlich von den Werken. Na, die Leseproben werde ich mir auf jeden Fall zu Gemüte führen.
Insgesamt, muss ich gestehen, haben mich die phantastischen Verlage und Bücher nicht so dolle gelockt. Klingt hier in diesem Rahmen ja blöd, ist aber nur halb so tragisch: Die Messe hat einfach ihren Status als Neuigkeiten-Pool gegenüber den elektronischen Medien verloren; ich habe hier kaum etwas entdecken können, was ich nicht schon vorher mal wahrgenommen habe.
Ist ja nicht schlimm, kann ich also nach anderem Ausschau halten.
So gestern bei der Lesung von Peter Stamm in Halle, Volkspark („Halle liest mit“). Ich kann mich ja rausreden, dass ich nur jemanden begleitete, aber tatsächlich wollte ich ihn auch mal lesend kennen lernen. Sein neuestes Buch wird ja mit dem Vergleich zu Camus beworben. Das reizte mich schon.
Darin geht es um Doppelgänger und die Ausgangsfrage: Was würde ich mir sagen, wenn ich als Alter mir als jungen Menschen begegnen würde? Würde sich etwas für diesen jüngeren Doppelgänger ändern? Diese psychologische Fragestellung, dazu der tolle Erzählstil und die faszinierende, sympathische Ausstrahlung des Menschen Peter Stamm machten diesen Abend zu einem richtig großen Erlebnis.
Lesungen direkt auf der Messe finde ich eher suboptimal, habe mich daher heute nur mal kurz im Österreich-Kaffeehaus eingefunden, wo sich Peter Engelmann (Foto), bzw. sein Passagen-Verlag feiern ließ. Seit dem Forumsgespräch zur Leipziger Buchherbst 2016 (siehe hier) bin ja fast so was wie ein Fan von ihm, der mich mit seiner vornehmen, ruhigen, trotzdem engagierten Art und seiner streitbaren Haltung gegenüber gesellschaftlichen Missständen, aber auch kritischen Bemerkungen zu linken Haltungen beeindruckt. – Leider nur kurz, aber mehr ist in dem allgemeinen Lärmpegel der Messehalle kaum machbar. – Daher morgen: Leipzig liest... in der Stadt.


Foto

Nachruf auf Ursula Le Guin von Peter Schünemann

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 25 January 2018 · 583 Aufrufe

Ursula K. Le Guin ist am 22. Januar 2018 gestorben. Auf Bitte von Peter Schünemann, einem Mitstreiter beim NEUEN STERN und SF-Kumpel aus Halle / Saale möchte ich hier seinen persönlichen Nachruf einstellen:

Zur Erinnerung an Ursula Le Guin

Manchmal ereignen sich seltsame Zufälle. Am Wochenende vom 20./21. Januar las ich auf einer Bahnreise wieder einmal Ursula Le Guins „Die Erzähler“; seit ich das letzte Mal etwas von ihr gelesen hatte, war einige Zeit vergangen, „Erdsee“, im letzten Frühling, so weit ich mich erinnere. Auf der Fahrt sagte ich irgendwann plötzlich zu meiner Frau: „Ursula Le Guin ist 1929 geboren, im gleichen Jahr wie Christa Wolf. Zum Glück lebt sie noch …“ Was man so sagt, wenn man selbst älter wird und Autoren, die einen mit ihren Büchern immer noch begleiten, allmählich auf die Neunzig zugehen oder darüber hinaus sind: Günter de Bruyn, geboren 1926; Günter Kunert, 1929; Ursula Le Guin, 1929, Reiner Kunze, 1933, Philip Roth, 1933 …

Ja, man weiß, dass einen jeden Tag die Todesnachricht erreichen kann, aber wenn es dann wirklich passiert --- Gestern, am 24. Januar, kam ich erst spätabends aus der Schule, und gleich nach der Begrüßung sagte meine Frau: „Ursula Le Guin ist gestorben.“ Da war es dann doch nötig, sich den Satz ein paar Mal vorzusagen, ihm kopfschüttelnd, halb ungläubig nachzusinnen und anschließend ins Lesezimmer zu gehen, wo Le Guins Bücher auf einem besonderen Platz stehen. Ein paar Momente Stille.

Zu DDR-Zeiten habe ich „Winterplanet“ (DNB 1979) verpasst, aber „Planet der Habenichtse“ (DNB, 1987, englisch „The Dispossessed“) ergatterte ich, las es … und war fasziniert, nicht zuletzt deswegen, weil die anarchistische Gesellschaft auf Anarres mir wirklich und realisierbar vorkam, aber auch, weil einzelne negative Züge dieser Gesellschaft (Bürokratisierung, Parolen als „Totschlag­argumente“, Machtmissbrauch) mich stark an das erinnerten, woran die DDR krankte. Da der Roman mich tief beeindruckt hatte, bemühte ich mich gleich nach der Wende, alles von Ursula Le Guin zu lesen und zu sammeln. Liebe auf den ersten Satz sozusagen. Sie hat bis heute gehalten.

Le Guins Werk ist dem Unfang nach eher schmal, passt bequem auf ein halbes Regalbord – aber was für Romane und Geschichten sind das! Da wäre zum einen die, die im Hainish-Universum spielen: zuerst „Rocannons Welt“, „Das zehnte Jahr“ und „Stadt der Illusionen“, dann natürlich „Winterplanet“, „Das Wort für Welt ist Wald“ und „Planet der Habenichtse“ (für diese drei Romane gab es insgesamt dreimal den Hugo und zweimal den Nebula Award!), schließlich das ebenso leicht wie bedächtig erzählte „Die Erzähler“. Dann fällt einem natürlich sofort der „Erdsee-Zyklus“ ein, die Romane und Erzählungen um den Magier Ged oder um die Welt, in der er lebt; nicht umsonst bisweilen mit Tolkiens „Herr der Ringe“ verglichen, ganz anders in Geschichten, Welt-Schöpfung und Ton als dieser und ihm doch ebenbürtig. Hinzu kommen die Story-Sammlungen wie „Die zwölf Striche der Windrose“ und „Die Kompassrose“, die Romane „Die Geißel des Himmels“, „Das Auge des Reihers“ oder „Die wilde Gabe“ und schließlich die zauberhafte Fantasy von „Das Wunschtal“, einer Geschichte um drückenden Alltag, Flucht, Zuflucht, Scheitern und Gelingen da, wo man es anfangs nicht erwarten konnte.

2017 erschien bei Tor die Neuübersetzung von „The Dispossessed“ unter dem Titel „Freie Geister“ – und dieser Titel könnte auch über Le Guins gesamtem Werk stehen. Ihre Heldinnen und Helden, wie wir alle befangen in den Fesseln von Psyche und Herkommen, machen sich auf ihre Wege, um an deren Ende (ohne es anfangs zu beabsichtigen oder zu ahnen) wirklich freie Geister zu werden, Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten, im Gefühl des Richtigen, wenn auch nicht Schwerelosen. So lautet der letzte Satz in „Planet der Habenichtse“: „Seine Hände waren so leer, wie sie immer gewesen waren.“ Shevek, der geniale Physiker, hat vom reichen Urras nicht einmal das kleine Geschenk mitnehmen können, das er seiner Tochter gern gegeben hätte: ein Bild von einem Lämmchen. Kein Schluss mit großen Akkorden, sondern verhalten, nachdenklich, vielleicht mit einem Hauch Traurigkeit. Aber es ist richtig so, wie es ist, das fühlt der Leser mit; genau wie es folgerichtig erscheint, dass der einst so mächtige Magier Ged seine Macht verliert – und es nicht bedauert.

2014 erhielt Ursula Le Guin den National Book Award, der alljährlich nicht nur für Einzelwerke vergeben wird, sondern in Form der Medal for Distinguished Contribution to American Letters auch für das Lebenswerk einer Autorin oder eines Autors, die die US-amerikanische Literatur um Hervorragendes bereichert haben. (Das zeigt, wie künstlich die Trennlinien zwischen „Mainstream-“ und „Genreliteratur“ oder gar zwischen „E-“ und „U-Literatur“ sind, wenn es doch nur auf gute Literatur ankommt. Und es zeigt, dass die National Book Foundation ein gutes Gespür für gute Literatur hat.)

In ihrer Dankesrede zur Verleihung des Preises sagte Ursula Le Guin: „Auf uns kommen harte Zeiten zu, in denen wir uns nach den Stimmen von Schriftstellern sehnen werden, die fähig sind, Alternativen zu unserer heutigen Lebensweise zu sehen; denen es gelingt, über unsere angstgeplagte, der Technologie verschriebene Gesellschaft hinauszuschauen, um andere Lebensformen in den Blick zu nehmen und echte Ursachen für Hoffnung zu ersinnen. Wir werden Schriftsteller brauchen, die sich an Freiheit erinnern können – Dichter, Visionärinnen -, Realisten einer größeren, weiteren Realität.“

Das beschreibt nicht nur, was wir dringend brauchen - es beschreibt auch Ursula Le Guins unverwechselbare Art zu denken, zu träumen und zu schreiben, ihre ganz eigene Stimme. Wir hören sie immer noch. Ich bin dankbar.

Peter Schünemann, 25.1.2018


Foto

Mein Lektürejahr 2017

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013, Subjektive Eindrücke 21 December 2017 · 425 Aufrufe

Mein Lektürejahr: Noch mal Revue passieren lassen…
Als ich die Bücher hier nach meiner persönlichen Rangliste sortierte, kam ich sogar ins Staunen; bei einigen Titeln dachte ich – jetzt im Dezember – dass ich sie vor viel längerer Zeit gelesen hatte…
Also, mein Lektürejahr stand im Zeichen von 2 Schwerpunkt-Themen für den NEUEN STERN: Zum einen das Lovecraft (Doppel-) Spezial – also Weird Fiction und solch Zeug, von dem ich meinte, das es dazu gehört; und das Swift (ebenso Doppel-) Spezial, also Bücher, die das Erbe Swifts aufgreifen.
Dann gab es auch für mich ein schönes Wiederlesen mit einer alten Jugendliebe: Waldtraut Lewin; ich denke mal DAS Kapitel ist für mich auch noch nicht abgeschlossen. (Weitere Jugenderinnerungen sollen ebenso aufgefrischt werden, na, mal sehen…)

1. Bücher, die ich überragend fand; meine Bücher des Jahres 2017:
Daniel Kehlmann: „Tyll“ 12 / 10 Punkte
Aleksandar Žiljak: „Welche Farbe hat der Wind“ 12 / 10 Punkte
George Orwell: „Rache ist sauer“ 11 / 10 Punkte

2. Bücher, die ich richtig gut fand:
Daniel Kehlmann: „Du hättest gehen sollen“ 10 / 10 Punkte
Daniel Kehlmann: „Mahlers Zeit“ 10 / 10 Punkte
George Orwell: „Im Innern des Wals“ 10 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin: „Der Wind trägt die Worte“ 10 / 10 Punkte
Tobias Reckermann: „Das schlafende Gleis“ 10 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Herr der Unterwelt“ 10 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin & Miriam Margraf: „Märchen von den Hügeln“ 10 / 10 Punkte
Ričardas Gavelis: „Friedenstaube“ 10 / 10 Punkte
H. G. Wells: „Die Zeitmaschine“ 10 / 10 Punkte

3. Weitere, für mich sehr gute Bücher im Jahre 2017:
Thomas Melle: „Die Welt im Rücken“ 9 / 10 Punkte
William Golding: „Herr der Fliegen“ und „Der Sonderbotschafter“ 9 / 10 Punkte
China Miéville: „Diese Volkszähler“ 9 / 10 Punkte
T.H. White: „Schloss Malplaquet oder Lilliput im Exil“ 9 / 10 Punkte
Marianne Sydow: „Affäre Interstar“ 9 / 10 Punkte
H.P. Lovecraft: „Die Katzen von Ulthar“ 9 / 10 Punkte

4. Bücher, die ich auch gern gelesen habe, mit Abstrichen:
Klaus Mann: „Alexander. Roman der Utopie“ 8 / 10 Punkte
Felix Gasbarra: „Schule der Planeten“ 8 / 10 Punkte
J. G. Ballard: „High-Rise“ 8 / 10 Punkte
H. Heidtmann: „Willkommen im Affenhaus“ 8 / 10 Punkte
Laurynkas Katkus: „Moskauer Pelmeni“ 8 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin: „Insel der Hoffnung“ 8 / 10 Punkte
Brian Deatt: „Mind Watch“ 8 / 10 Punkte
Tom Hillenbrand: „Drohnenland“ 8 / 10 Punkte
Colin Wilson: Rudolf Steiner, Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes 8 / 10 Punkte
Neil Gaiman: American Gods. Director’s Cut 8 von 10 Punkte
Waldtraut Lewin / Miriam Margraf: „Die Zaubermenagerie“ 8 / 10 Punkte
Jerk Götterwind: „Etwas ist geblieben. Gedichte 2014 & 2015“ 8 / 10 Punkte
Joris K. Huysmans: „Tief unten“ 8 / 10 Punkte
Len Deighton: „SS-GB“ 8 / 10 Punkte.
Sybille Berg: „Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten“ 7 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Die Seelenfresser“ 7 / 10 Punkte
William Meikle „Das Amulett“ 7 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Vampire aus dem Weltall“ 7 / 10 Punkte
P. D. James: „Das Land der leeren Häuser“ 7 / 10 Punkte
Jack Kerouac: „Unterwegs“ 7 / 10 Punkte
Klaus Mann: „Treffpunkt im Unendlichen“ 7/ 10 Punkte
Marlen Haushofer: „Die Wand“ 7/10 Punkte
Neil Gaiman: „Niemalsland“ 7 / 10 Punkte

5. So lala-Bücher, also nicht wirklich mies, aber auch nicht dergestalt, dass ich sie sofort wieder lesen würde….
Frigyes Karinthy: „Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver“ 6 / 10 Punkte
Kenneth Grant: „Gegen das Licht“ 6 / 10 Punkte
J.G. Ballard: „Crash“ 6 / 10 Punkte
Gynter Mödder: „Gullivers fünfte Reise und die Tyrannei der Alten“ 6 / 10 Punkte
Michael Kozyrew: „Die fünfte Reise Lemuel Gullivers“ 6 / 10 Punkte
A. A. Attansio: „Radix“ 6 / 10 Punkte
James Herbert: „Blutwaffe“ (Spear) 6 / 10 Punkte

4. Die fand ich dann in 2017 nicht so gut; ist aber – wie so oft – reine Geschmackssache:
Leigh Brackett: „Der Weg nach Sinharat“ 5 / 10 Punkte
H.G. Wells „Ugh-Lomi“ 5 / 10 Punkte
Götter des Grauens, hg. von Roman Sander 5 / 10 Punkte

Comics-Rangliste 2017
Mark Millar, Steve McNiven: „Wolverine. Old Man Logan“ 10 / 10 Punkte.
Alan Moore und Jacen Burrows: NEONOMICON 10 / 10 Punkte
Dingess, Roberts, Gieni: „Manifest Destiny. Bd.3: Chiroptera & Carniformaves“ 9 / 10 Punkte
Dingess, Roberts, Gieni: „Manifest Destiny. Bd.4: Sasquatch“ Noch mal 9 / 10 Punkte

Ivan Brandon und Nic Klein: Drifter, Bd. 2: Die Wache 8 / 10 Punkte
Morvan, Looky, Thill: „Herkules 1. Das Blut von Nemea“ 8 / 10 Punkte
Allen Ginsberg & Eric Drooker: „Howl“ 8 / 10 Punkte
Mézières & Chrstin: „Valerian & Veronique. Das Land ohne Sterne + Willkommen auf Alflolol“
8 / 10 Punkte
Francois Durpaire, Farid Boudjellal: Die Präsidentin 8 / 10 Punkte
Jeff McComsey: Mother Russia 8 / 10 Punkte
Moreno, Luján: „Psychodetektiv Byron. Das Portrait“ 8 / 10 Punkte

Wilson, Gill, Dalhouse: Shadowman and the Battle of New Stalingrad. – Stalinverse #1 6 / 10 Punkte


Foto

Neues aus dem Hause TES

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 14 November 2017 · 441 Aufrufe
BunTES Abenteuer, TES, H.G.Wells
Neues aus dem Hause TES Natürlich bin ich weit davon entfernt, alle Hefte, die Gerd-Michael Rose der SF-Fan-Gemeinde so zur Verfügung stellt, gelesen zu haben, aber es ist immer wieder ein großes Vergnügen, mal zu sehen, was er da für Schätzchen ausgegraben hat. Beim PentaCon in Dresden, November 2017, konnte ich mal wieder seine gut gefüllte Heftchen-Kiste durchstöbern und auch etwas für mich finden:

BunTES Abenteuer 37 / 38 (Doppelheft)
Rainer Zuch: „Der Außenposten“

Die Überschrift hier könnte auch lauten: „Lem meets Lovecraft“, oder meinetwegen auch – den gewählten Zitaten, die als Mottos der Erzählung vorangestellt wurden, entsprechend – „Jefremow meets Lovecraft“. Ich fühlte mich jedenfalls an die Klassiker der Ost-SF erinnert, an „Gast im Weltraum“ z.B., wo der Leser lange auf die Große Fahrt ins All vorbereitet wird, indem er das Raumschiff erst einmal ausgiebig vorgestellt bekommt.
So ähnlich geht der Autor dieser längeren Erzählung auch an die Sache. Allerdings nimmt er das Ergebnis der geplanten Expedition vorweg: Nur eine Raumfahrerin kehrt von der Mission zurück und erzählt nach einer komatösen Zwangspause von einem wahrlich schrecklichen first contact auf dem fernen (nicht-) Planeten Pluto (wie ist das übrigens: Ist Pluto nicht nun doch wieder ein Planet?).
Die Schilderung der Artefakte und Wesenheiten, denen die Raumfahrer dort begegnen und der Präsenz des Grauens, dem sie sich aussetzen, ist eine handfeste Lovecraftiade (gibt es dieses Wort?). Der Autor erfindet das Genre nicht neu, aber es hat mir sehr großen Spaß gemacht, in diese finstere Planetenwelt einzutauchen. Der Autor beginnt seine Erzählung etwas unterkühlt, um sich dann das schwarze Grauen entfalten zu lassen.

BunTES Abenteuer 40
H.G. Wells „Die Argonauten der Luft“
Zwei Erzählungen von Wells (Titelstory und „Filmer“), die meines Wissens nach noch nicht ins Deutsche übertragen wurden (ich weiß es nicht wirklich und habe nicht recherchiert, ob sie nicht vielleicht in früheren Tagen bereits doch mal übersetzt wurden).
Die Übersetzung hat Gerd-Michael selbst vorgenommen. Na ja, ich denke mal, das ist keine leichte Aufgabe gewesen. Wells neigt zu langen Schachtelsätzen. Mitunter war es mir gar nicht so leicht, denen zu folgen. Es ist wirklich schwierig, da den Überblick zu behalten.
Ansonsten sind es feine Erfinder-Unternehmer-Stories; Thema beider Geschichten ist der Versuch der Verwirklichung des Traums vom Fliegen. Beide Male geht das nicht so gut aus, der Fortschrittsglaube bekommt Dämpfer. Typisch Wells. Mir hat’s gefallen.

BunTES Abenteuer 39
Stanley G. Weinbaum: „Planet der Illusionen“
Wieder so ein herrliches Planetenabenteuer, mit schlüssigen Gedanken zur Beschaffenheit eines Planeten und den Lebewesen, die auf ihm leben. Diesmal geht es auf den Uranus, der zwar viel größer als die Erde ist, aber durch seine wesentlich geringe Dichte eine geringere Gravitation besitzt. Er eignet sich für die Landung einer irdischen Expedition. Seine Oberfläche ist mit dichtem Nebel umhüllt, was schon mal eine mysteriöse Atmosphäre schafft. Neben zunächst unerklärlichen Erscheinungen (Illusionen) begegnen die Raumfahrer auch einer raupenartigen Lebensform. Hier zeigt der Autor mal wieder, was sein großes Steckenpferd ist: Das Ausdenken raffinierter Exobiologie. Diese „Raupen“ haben eine bestimmte Eigenschaft, die sich ein Expeditionsteilnehmer in einer Gefahrensituation erkennen und ausnutzen kann. Famos!


TES im Netz


Foto

Phantastik im Mainstream? 2 Notizen zum Literaturherbst in Leipzig

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei..., Subjektive Eindrücke 29 October 2017 · 392 Aufrufe
Leipziger Literarischer Herbst
Phantastik im Mainstream? 2 Notizen zum Literaturherbst in Leipzig Wenn ich mir mit den Augen des Phantasten das Programm des 21. Leipziger Literaturherbstes anschaue, muss ich schon ganz schön suchen, ehe ich etwas finde, das mich – als Phantasten – anspricht. Nun ist das ja kein Zwang, keine Pflicht; gibt ja schließlich noch mehr, neben SF, Fantasy, Phantastik, Horror, Surrealistik… aber nicht viel :aliensmile:
Das Thema lautet: Martin Luther Superstar. An anderer Stelle erwähnte ich schon, dass ich langsam den Namen Luther nicht mehr hören und lesen kann. Interessanter Weise geht das anderen auch so, sogar den am Festival Beteiligten, wenn ich den ersten der beiden Lesenden richtig verstanden habe, die ich mir – beide an einem Tag – am 26. Oktober „reingezogen“ habe. Gut zu wissen.
Nun, das Thema lockte eben nicht die klassischen Phantasten an. Also, das muss nicht sein, es gibt wirklich noch viel mehr Interessantes nebenher, aber nicht... ach, hatte ich ja schon.
Beide Autoren, beide Bücher, um die es hier ging, hatten aber durchaus phantastische Elemente.

Der erste Autor ist Reiner Tetzner. Er führt derzeit den Arbeitskreis Vergleichende Mythologie in Leipzig an. Na, wenn das nicht allein schon genügt, um eines Phantasten Aufmerksamkeit zu wecken!
Diesen Arbeitskreis beobachte ich schon ein Weilchen – fast neidisch. Denn ihre Clubnachmittage, die Vorträge, die dort gehalten und Themen, die besprochen werden, erscheinen mir seit langem schon interessant. Aber oft habe ich es noch nicht zu ihnen geschafft; ist halt immer ein Weg von Halle nach Leipzig.
Der Arbeitskreis war aber u.a. auch Mitveranstalter des Eröffnungsabends mit dem Philosophen Sloterdijk. Jetzt ist also ihr Vorsitzender dran, ein rühriger, älterer Herr, der sich wohl auch viel um die Kultur und Geschichte der Stadt Leipzig gekümmert hat, wen ich den einleitenden Worten der Moderatorin der Veranstaltung folgen kann. Er hat einen der umfassendsten Berichte über den Leipziger Herbst 89 verfasst, ist aber ansonsten – als Suchender nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält – so Herr Tetzner in seiner Selbstvorstellung – an den religiösen, philosophischen Überlieferungen der Menschheit interessiert. Daher kam es in den 90ern zur Gründung dieses Arbeitskreises, der wohl ziemlich einmalig in Deutschland sein dürfte, mit dieser Ausrichtung.
Herr Tetzner verfasste viele Schriften kulturhistorischen Inhalts mit Schwerpunkt Mythologien, brachte auch Sagensammlungen heraus, sogar zur germanischen Mythologie für China, wenn ich das richtig verstanden habe. Und er verfasst auch literarische Texte, um mehr noch seinen Ideen freien Lauf zu lassen.
Ich finde das ziemlich bewunderungswert und großartig und interessant. Ist es aber nur gute Literatur, die er verfasst?
In „Luther und das Weltgetriebe – eine kritische Satire", lässt der Autor Gestalten aus der Ideengeschichte: Luther, Leibnitz, Thomas Morus, Marx, als Moderatorin Gaia, eine Maria (aber nicht DIE Maria) ins Hier (Leipzig) und Jetzt (2017) versetzen. Wie das geschieht? Ist den Betroffenen wohl auch unklar. Aber es klappt. Die großen Geister sollen sich Gedanken machen über einen Plan, die Welt zu retten.
Dabei geraten sie – ihre Ideen – aneinander. So war wohl der Plan. Leider konnte ich dieses Ansinnen anhand der gewählten Passagen nicht erkennen. Da hat er sich auch besonders auf Luther – Thema – konzentriert und ihn als nicht ganz einfach zu handhabenden Typen dargestellt. Wer da am besten bei wegkam, scheint mir Leibnitz zu sein. Dass Marx dabei sein sollte, hat den Autorenkollegen von Herrn Tetzner wohl Unbehagen bereitet. Aber er ließ sich nicht beirren, und Marx ist wohl auch so ein bisschen der Haken in der Wunde, ähm, Runde… Nun, im Osten ist man ob der praktischen Erfahrungen in Sachen Marxismus eben gebranntes Kind. – Eine Abschweifung: Der zweite Autor des Abends, eine gebürtiger Wiesbadener, hat weit weniger Berührungsängste mit Marx…
Die Passagen, die Reiner Tetzner aus seinem Roman verlass, haben mich nicht davon überzeugt, dass ich den Roman unbedingt lesen muss. Ich hätte mir mehr Erkenntnisdichte gewünscht. Das, warum er seine Protagonisten debattieren ließ, war für meine Begriffe kaum essentiell, eher persönliche Befindlichkeiten. Wo blieb der große Plan? Wo der Weg, den diese Größen weisen könnten, wenn sie nunmehr auferstünden? Ob das im Roman dann noch offenbart wird? – Ob jemand, der diesen Blogeintrag liest, mir das sagen könnte?

Frank Witzel ist sicher der bekanntere Autor von den beiden, die ich mir hier herausgesucht habe. – Anmerkung: Obwohl das so ist und Frank Witzel auch zu einer moderateren Zeit las (19 statt 16 Uhr wie Herr Tetzner), war seine Lesung nicht besser besucht als die von Reiner Tetzner. Das kann man aber sicher mit der großen Anzahl von Lesungen etc. im Rahmen des Festivals zur gleichen Zeit begründen.
Frank Witzel ist ziemlich schlagartig berühmt geworden mit seinem Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“.
Sein Neuling hat einen weit kürzeren Namen, der aber wohl nicht weniger problematisch ist, in Hinsicht auf Reproduzierbarkeit bei Veranstaltungshinweisen: „Direkt danach und kurz davor“. Obwohl man den Titel im Zweifelsfall ja vom Buch abschreiben könnte, schaffen es wohl die Autoren von Hinweisbotschaften immer wieder, diesen zu verdrehen. Auch der Moderation, Jutta Person, gab zu, dass sie sich Eselsbrücken bauen musste, um sich den Titel – richtig – zu merken.
Zu den handelnden Personen – des Abends: Veranstaltung 2 hatte weit bessere Voraussetzungen im Vergleich zu der von Reiner Tetzner: Der Autor ist auch Radiomoderator, veranstaltet selbst in Wiesbaden Literaturfestivals, ist sehr merklich ein Profi darin, sich und seine Gedanken sprechend zu präsentieren. Die Moderatorin, Jutta Person, ist ebenso eine versierte Medien-Protagonistin, die – spürbar Fan und Bewunderin des Autors – absolut souverän durch den Abend führte, das Gespräch auch wirklich lenkte und den Autor sprudeln ließ.
In dem neuen Buch geht es um die Nachkriegszeit und die Vor-der-Zeit-der-neuen-Ordnung (der BRD), fiktive Erinnerungen an eine Unzeit. Dem Autor ging es darum aufzuzeigen, wie persönliche und kollektive Erinnerungen (Erinnerungsmythen) nicht korrespondieren.
Sowohl in „Die Erfindung“ (auf diese Kurzform einigten sich Moderatorin und Autor für den berühmten Roman, der übrigens nicht sein Erstling war), als auch in diesem neuen Werk nutzt der Autor Märchen und Sagen, bzw. die Form der märchenhaften, sagenhaften Erzählweise, um diese an sich schon verrückte Nachkriegswelt darzustellen. Er spielt mit alternativen Erinnerungen (Handlungs- und Geschichtsabläufen). Auch hier „mein“ Anknüpfungspunkt. Na ja, diese Romane wären dann schon was für mich, gebe ich gern zu. Weiß nur nicht, ob ich den langen Atem hab, denn beide Werke sind sehr voluminös.


Foto

Phantastik-Mags CLN & IF – ein paar subjektive Eindrücke

Geschrieben von T.H. , in Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 02 July 2017 · 521 Aufrufe

Ich habe die Wahl: Superhelden oder Geisterhäuser?
Oder Beides? Ja, warum denn nicht Beides?
Zwei Magazine – Fanzines ist ja fast schon untertrieben bei dem Format und der Aufmachung – also, 2 Fan-Magazine, die eher ohne kommerzieller Profi-Attitüde daherkommen, aber einen formidablen Eindruck beim Leser und Betrachter hinterlassen, goutierte ich.
Ja, da hat der Fan Recht, wenn er behaupte, der Hofmann ist der „Fanzine-Man“ (® by lapismont - hier). Na ja, das bin ich dann doch nicht, aber immer ein interessierter, neugieriger und dem gemeinen Fan-Erzeugnis ergebener Leser.
Was die neuen Medien aber auch so möglich machen: Dank des Onlinehandelsriesen kann man recht einfach und sogar kostengünstig sein eigenes Buch, oder eben auch Mag, raushauen. Und weil das Jede/r kann und macht, bin ich da eher skeptisch. Ein schönes Titelblatt macht noch keinen Frühling. Aber wenn Leutchen wie Eric Hantsch und Jörg Kleudgen, oder Tobias Reckermann etwas publizieren, dann darf man ruhig mal näher hinschauen.

Eingefügtes Bild

Die noch immer frische Ausgabe von Cthulhu Libria Neo widmet sich schwerpunktmäßig den Geisterhäusern in der phantastischen Literatur. Der geneigte Leser (die Leserin natürlich auch) findet überblickgebende Artikel, Rezensionen, auch Stories zum Thema. Schwerpunkt dieses Mags liegt auf dem Sekundärtext. Find ich gut. Die für mich besten Artikel, Beiträge waren das Interview mit Boris Koch und die sehr persönlichen Erinnerungen Uwe Sommerlads an Robert Bloch, anlässlich seines 100. Geburtstages. Der Artikel von und mit Boris Koch hat Jörg Kleudgen geschrieben. Interessanter Weise fügt er seine Interview-Ergebnisse in seinen Essay ein; eine Verfahrensweise, die mir schon früher aufgefallen und im Gedächtnis geblieben ist, als er noch in Gothic und Gothic Grimoire schrieb (eventuell heute noch? ich weiß es nicht, bin etwas weg davon).
Auch schön war Uwe Voehls Beobachtungen zu einem „Gespensterhaus“, auch sehr persönlich und subjektiv gehalten. Hey, Leute, diese persönliche Note – ich dachte ja, das wäre so ein „Alleinstellungsmerkmal“ den NEUEN STERNS! Also, ich mag das ja… Apropos, „wir“ kommen in einem „100 Wörter Horror“-Block auch vor; danke, lieber Uwe, für die guten Worte!
Lars Dangel steuerte zwei wichtig-gewichtige Artikel bei; der eine über Bibliografien, der andere, der mich persönlich mehr ansprach, über Oscar Wilde und dessen erste Übersetzung ins Deutsche. Lars trug viele interessante Personalien zusammen; ich staune mal wieder über sein enormes fundiertes Wissen, das auf eine intensive Erforschung der phantastischen Materie beruht.
Noch ein Interview, diesmal mit Michael Siefener. Auch superinteressant – und an einer Stelle schockierend traurig. Nur das förmliche „Sie“ hat mich irritiert.
An Primärtexten gibt es was ganz Altes und was ganz Junges: Eine Wiederentdeckung von Lars Dangel: Isolde Kurz, die im 19. Jahrhundert auch Phantastik schrieb, und eine Neuentdeckung von Jörg Kleudgen und seiner Goblin Press: Max P. Richter, der nun wirklich zeigt, dass die Phantastik nicht ausstirbt und „die Jugend“ durchaus noch was damit am Hut hat. Der Mann ist 1996 geboren… In der Goblin Press erschien ein Roman von ihm, der hier im Heft befindliche Text ist wohl ein Outtake daraus und zeigt, welche grusligen Gefahren in der skandinavischen Mythologie verborgen sind. (und ich habe so nebenbei dabei gelernt, dass „meine“ Nacht am 21. Dezember ist: Die Thomasnacht, der Beginn der Rauchnächte – am 12. Dezember habe ich Geburtstag… hat das nun was zu bedeuten?)
Insgesamt bin ich ziemlich begeistert und möchte dies hier auch gern an Euch weitergeben.

Eingefügtes Bild
Cover: Erik R. Andara !!!!
„Superhelden“ – kennt man aus Film und Comic. Auch aus dem (nur) geschriebenen Wort? Oh ja, gibt es. Ich erinnere mich gern an Michael Bishop und Lansdale, z.B. Und es gibt im deutschsprachigen Phantastikraum auch ein paar aktuelle Beispiele, wo Superhelden kämpfen und siegen und ihr tragisches Dasein fristen, zum einen „Gladium“ aus dem Hause Kastenholz und aus Austria: „ASH – Austrian Superheroes“, mit denen ich mich bis dato kaum befasst hatte; denen begegnen wir im Heft gleich in Form einer Story und in einem Comic. Unterm Strich liegt mir „Gladium“ mehr; ich scheue nur die Serie und ihre vielen Folgen (von denen es bald noch mehr gibt) zurück; Im Heft haben wir aber den schönen Prolog, ein Text voller Andeutungen (na, bravo, muss ich jetzt doch alles lesen?).
Christian Weis, so scheint es mir, ist derzeit sehr aktiv (Exodus…). Seine Superheldenstory ist im „Milieu“ angesiedelt. Das erinnerte mich – auch wegen der Ernsthaftigkeit, an Michael Bishop. Toll!
Sprachlich am besten gefiel mir „Ground Ultra“ von Tobias Reckermann. Na ja, ich habe jetzt – btw. – seinen Erzählungsband „Venom & Claw“ liegen; kurze, ganz kurze und längere Stories. Ich freue mich echt drauf! In dem Text hier kann man wieder die große Stärke des Tobias Reckermann erkennen: Seine große Freude am Formulieren und Philosophieren; ich habe so den Eindruck, dass mir seine Art, schöne, interessante, wichtige Gedanken in vortrefflichen Worten und Wendungen wieder zu geben, derzeit am besten gefällt. (Nun muss sich noch erweisen, dass mir die Ideen dahinter auch so gut gefallen; viele schöne Worte können natürlich auch was überblenden… na, bin gespannt)
„Ground Ultra“ also: Schon mal wieder völlig überraschend und irre, wie er ferne, dystopische, scheinbar völlig vom alltäglichen Erfahrungshorizont entfremdetes Setting mit sozial-ökonomischen, wirtschaftspolitischen Gedanken und Hintergründen verbindet. Wer macht sowas sonst noch? (na, China Miéville vielleicht, und sicher auch Dietmar Dath)
Ob die Stories wirklich Superhelden braucht? Die Welt, in der Tobias seine Story ansiedelt, ist ziemlich borderline; besondere Kräfte scheinen eher Teil des Problems, denn die Lösung zu sein.
Ich glaube, ich habe das richtig gemacht, als ich dachte, der Autor ist für die kurze Form noch besser als beim Romanschreiben. Sein „Gleismeer“ war ja schon eine Wucht, aber diese Art des Andeutens, damit Horizonte erweiternd, ist einfach großartig; ja, ich freue mich dann mal schon auf den… ach, hatte ich ja schon erwähnt.
Lustig wird es in Frank Tumeles „Fliegenpeters Drehbuch“. Das ist keine Superheldenstory, sollte aber eine werden, also ein deutscher Film mit einem Superhelden. Das Drehbuch ist provinziell, also so, wie man es oft deutscher Kinokunst unterstellt. Es ist eine Satire. Hübsch, mit Lokalkolorit und etwas Schenkelklopferhumor. Aber – ein beabsichtigter Kunstgriff? – mit einer schönen Überleitung zu einem anderen deutschen Superhelden: Captain Berlin. Ha, den kannte ich ja vorher schon! Da gibt es die Super8-Filme und jetzt die Comics von Jörg Buttgereit. Feine Sache, schön trashig. Ein langes Interview mit ihm, danke dafür!
Noch mal richtig weird wird es in „Der Gutter sieht das Licht das niemals scheint“. Also, wenn man nicht weiß, was das heißt, ich weiß es nach dem Lesen auch nicht so recht. Dieses „Licht…“ ist übrigens ein Name. Es ist eine weird fantasy, würde ich mal sagen. Das Setting bleibt unkonkret, poetisch ummantelt, irgendwo zwischen amerikanischer Moderne und Zauberer von Oz (oder jedem anderen beliebigen Fantasy-Land). Stil und Plot könnte man – ich mach das jetzt mal einfach so – als Mischung aus Ligotti und Hack’n’Slash bezeichnen (???).
Da es sich um den 2. Teil (Kapitel) einer längeren Story, die mit diesem auch nicht abgeschlossen ist, brauche ich mir vielleicht auch keine Birne zu machen, wenn ich da nicht durchsteige. Aber der Stil ist toll; der erinnert dann auch an den von Tobias: New Weird par excellence.
Das Interview mit Laird Barron wurde leider nicht ins Deutsche übertragen; Schade. Am Schluss noch ein Mini-Manifest zum Magazin-Titel: IF.
Eine für mich weitestgehend runde Sache, die mir irgendwie zeigt, dass es weitergeht mit der Phantastik.


Foto

Grund zum Jubeln…

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 07 April 2017 · 313 Aufrufe

Grund zum Jubeln… …haben die SF-Fans aus Baden-Württemberg. Wobei, wenn ich das richtig sehe, sind die wenigsten Leutchen, die bei dem altehrwürdigen SF-Fanzine

BWA – „Baden-Württemberg Aktuell“

– mitwirken, bzw. mitlesen, aus BW. Aber okay, ist bei unserer SF-Hauspostille, dem NEUEN STERN ähnlich, aber nicht ganz so, also, da kommen schon die meisten Lesenden aus Sachsen-Anhalt und Sachsen, aber bei weitem nicht alle, es wird sicher einen guten Grund geben, dass das Fanzine so heißt, wie es heißt.
Wie auch immer: Grund zum Jubeln haben die BWA-Leutchens allemal, denn 400 – in Worten Vierhundert – Ausgaben eines Fanzines muss man erst mal schaffen. So viel Elan und Durchhaltevermögen muss geehrt werden!
Zunächst haben sie sich selbst „geehrt“ – mit einer schön dicken, farbig eingeschlagenen Jubel-Ausgabe. Die habe ich mir – mein 1. BWA – gegönnt. – Übrigens – mal so nebenbei – habe ich das Zine im Austausch gegen den NEUEN STERN erhalten – nun, ein Fanzine-Austauschmodell, das ich hier gern zur Nachahmung empfehlen möchte. Bin bereit!
Kurz die beeindruckenden Parameter: 400. Ausgabe +++ 108 Seiten +++ farbiger Umschlag und farbiger Innenteil ++++ ziemlich schöne Grafiken von einem bisher im SF-Fandom eher Unbekannten: Piero Paolo Capogrosso, dessen Computergrafiken was von Dali haben.
Was erwartet den Lesenden?
Das Jubiläum wurde selbstverständlich zum Anlass genommen, Rückschau zu halten, und auch ein paar Erwartungen an die Zukunft zu stellen; man will wohl noch lange nicht aufhören. Solche fannischen Rückblicke und Selbstauskünfte finde ich ja toll; lese ich gerne, lernt man die Fans doch auf diese Weise kennen und kann sich selbst auch irgendwie da „einordnen“, findet sich sozusagen wieder. Das waren mir fast die liebsten Texte im Heft.
Ansonsten ist es ziemlich Perry Rhodan-lastig; bin ja kein PR-Leser/Fan, von daher kann ich das nicht so richtig genießen. Andererseits: Wenn man die ziemlich umfassenden Darstellungen der letzten, aktuellen Hefte und PR-Neo-Bücher so liest, dann braucht man ja fast gar nicht mehr die Originale lesen 😊
Übrigens: Ich fühlte mich ja fast „zuhause“: Ein paar „alte Bekannte“ = Leute, die bei der APA F.A.N. mitmachen, habe ich hier „wiedergetroffen“, wie Uwe Lammers, Angelika Herzog, als LoC-Schreiber Gerd Maximovič und Erich Wallner.
Angelika schreibt ausführlich über „Otherland“, die voluminöse SF-Saga von Tad Williams. Da muss ich echt den Hut ziehen: Hier den Überblick zu behalten, ist sicher nicht einfach, finde ich. Also, selber habe ich es nur mit der Hörspielfassung versucht – und bin gescheitert…
Auch toll war die Gegenüberstellung der beiden Bände „Die Welt in hundert Jahren“, einmal mit Aufsätzen und Gedanken von Menschen um 1910 und das „Remake“ aus dem Jahre 2012. Ich hatte davon beiläufig schon mal etwas gehört oder gelesen, aber für diese etwas ausführlichere Darstellung bin ich sehr dankbar.
Ebenso an Dank an Uwe Lammers für die Rezension zu der Sherlock Holmes Biografie. – Ja, Holmes, nicht Doyle – inzwischen kann man ja fast gar nicht glauben, dass es sich bei der bekannten Schnüffelnase nicht um einen richtigen Menschen handelte.
Die Ph. K. Dick-Bio war nun nicht so aussagekräftig. Ich denke mal, zu Dick gibt es mittlerweile sehr viel Material. Vielleicht wäre hier eine persönlichere Darstellung besser gewesen (also, ich würde in so einem Fanzine eine persönliche Sichtweise interessanter finden) ansonsten ist der Autor immer einer näheren Betrachtung würdig, keine Frage.
Um 400 Hefte zu füllen, braucht viel Material, das sozusagen dauerhaft nachwächst. Also, eine dieser scheinbar selbständig nachwachsenden Quellen scheint der derzeitige Hauptredakteur, Uwe Lammers, zu sein, denn mindestens genauso lange wie es BWA gibt, gibt es seine Endlos-Serie OSM. Natürlich finden sich Texte aus dem Zyklus im Heft. Allerdings muss ich gestehen, dass mir da absolut der Bezug zu fehlt (auch wenn mich eine gewisse Tat fast Lügen straft, könnte man meinen, denn ich habe sogar ein Titelbild für eine OSM-Band gemalt, der ist aber noch nicht erschienen – wann erscheint der eigentlich?). Möglicherweise sind diese Stories für BWA-Neulinge und -Nur-mal-Rein-Schnuppernde wie mich nicht so gewinnbringend. Ist aber meine persönliche Meinung.
Insgesamt ein beachtliches Heft das zeigt, dass es auch im I.Netz-Zeitalter „richtige“ Fanzines geben kann. Find ich gut!


Foto

LBM2017: Jetzt wird’s finster

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 26 March 2017 · 409 Aufrufe
LBM2017, Leipziger Buchmesse und 4 weitere...
Messetagebuch, Tag 4.
Zu den guten Traditionen der Lesereihe „Leipzig liest“ gehören die Lese-Marathons: Autoren eines Genres lesen hintereinander weg an einem Ort. Das machen die Krimiautoren, oder auch die Phantasten. Oftmals lädt dazu ein Verlag ein, oder eine Lesebühne. Mittlerweile gibt es fast schon zu viele, zumindest, wenn man sich entscheiden will und muss. Ich habe mich entschieden:
Samstag, 25. März
Ort: DarkFlower
zu „Phantastisch - Nordisch – Bizarr“ lud ein: Edition Roter Drache
Die Autorengilde: Alex Jahnke, Selina Haritz, Robin Gates, Luci van Org, Christian von Aster
und Axel Hildebrand.

Hätte ich alles gesehen / gehört, hätte ich da gut 4 Stunden verbracht. „Geschafft“ habe ich aber nur die ersten 4 Lesenden.
Für mich war das DarkFlower eine Primäre. Im Grunde erstaunlich, denn dort finden ja immer mal Veranstaltungen statt, die mich als Fan der eher der dunklen Seite der Phantastik durchaus anlocken. Es hatte nur bisher nie geklappt. Vielleicht hatte ich ja auch etwas Scheu, schließlich ist das so ein Dark Wave Gothic Tanzclub (es ist übrigens sehr dunkel dort, zuerst dachte ich, ich müsse aufpassen, nicht die Treppe zu verpassen, nix gesehen...); was soll ich oller Zausel da? An dem Nachmittag waren aber auch ein paar ältere Semester anwesend, hatte ich den Eindruck. Insgesamt ist die Location gar nicht so groß, es waren auch nicht wirklich viele Leute da. Aber was soll’s? Gelohnt – für mich – hat es sich dennoch, sehr sogar.
Ich war extra gleich beim ersten Act da: Alex Jahnke. Von seinen Neuschwabenstein-Büchern hatte ich ja schon gehört / gelesen, aber wohl nicht aufmerksam genug. Ich hatte mir was ganz anderes darunter vorgesellt, eher so in Richtung „Iron Sky“. Aber die Nachkommen der Nazis, die da in der Nazi-Mythologie-Welt Neuschwabenland am Südpol bis heute überwintert haben – schon ähnlich wie die Mondnazis in „Iron Sky“ – entpuppten sich als lustige, trottlige Alltagstypen, mit flotten Sprüchen und die große weite Welt (außerhalb der Antarktis) beäugend. Vielleicht habe ich da nun auch zu wenig von gehört, aber so drauf wie die auf dem Mond, sind die Frostnazis nicht.
Es ging dann auch kurios weiter: Selina Haritz erzählte von (postapokalyptischen?) belebten Plüschtieren, die sich in den menschlichen Hinterlassenschaften zurecht finden müssen, wobei ihnen wohl Drogen „helfen“. Auch schön: Die „großen Alten“ der Plüschis sind Nietzsche und Schopenhauer, die die Autorin auch reichlich zitierte. Ihre Geschichte hat aber keineswegs die Schwere dieser beiden angestaubten Philosophen. Auch sehr fein, bizarr, ungewöhnlich.
Ebenso völlig neu und mir unbekannt bis dato: Robin Gates. Er präsentierte wohlfeil seine Heroic Fantasy. Als ein nach Norwegen Ausgewanderter widmet er sich aber schriftstellerisch auch dem Skandinavien-Krimi, da unter seinen richtigen Namen Bernhard Stäber.
Von ihm muss ich hier mal ein Foto präsentieren: Nun, mal ehrlich: An wen erinnert er ganz stark? 😊

Eingefügtes Bild
Robin Gates | Foto: Th. Hofmann

Sein Vortrag war übrigens schon mit viel Verve versehen. Große Klasse Offensichtlich macht ihm das Lesen seiner Texte auch große Laune, die sich auf seine Zuhörer überträgt. Muss mal nach Hörbüchern von ihm Ausschau halten…
Danach trat Luci van Org auf:

Eingefügtes Bild
Luci van Org | Foto: Th. Hofmann

Sie hatte ich ja zumindest schon mal erlebt. Diesmal präsentierte sie ihr neues Buch, in dem es um die nordischen Götter geht. Auf sehr unterhaltsame Weise stellt sie darin die nordische Mythologie vor. Sich selbst stellte sie als „bekennende Heidin“ vor. Das war für mich auch neu. An dem Thema liegt ihr viel; so betonte sie auch, dass sie alles dafür tut, dass die Mythologie der Edda etc. vom braunen Staub befreit wird. Dazu hatte sie u.a. ein sehr schönes Argument: Sie wies auf ihren Kettenanhänger hin: Thors Hammer. Der wird ja gern auch von Bräunlingen getragen, die damit auf fremdenfeindlichen Veranstaltungen auftauchen. Das findet sie absurd, denn die Germanen waren wohl so dermaßen gastfreundlich, dass die Römer sich schon lustig über die dummen Waldleute machten, da ihnen ihre Gastfreundschaft auch zum Verhängnis und ausgenutzt werden konnte.
Ihr Vortag war mit Sicherheit der „professionellste“ der Veranstaltung, zumindest, so lange ich dabei war. Sie ist ja Schauspielerin und Sängerin – ihre halbe Stunde hat sie dann auch mit einem Lied zur Gitarre begonnen. Also, ich war verzaubert. Große Klasse!
(Kleine Randnotiz zu mir und dem Verlag: Erst kürzlich bin ich auf Kenneth Grant aufmerksam geworden, der mir namentlich im Zusammenhang mit meinen Vorbereitungen auf das Lovecraft-Spezial unseres Fanzines NEUER STERN unter gekommen ist. Ich habe auch einen Roman – oder sollte ich besser formulieren: eine Art Roman – von ihm gelesen, erschienen in diesem Verlag. Dort erschienen auch seine übrigen, magischen Werke. Auf der Messe habe ich extra nach den Büchern Ausschau gehalten, aber leider gab es kein von dem Autor. Warum nur?)

Dann: Standortwechsel. Anderes „Genre“.
Götz Aly, Präsentation seines neuen Buches „Europa gegen die Juden“,
Veranstaltungsreihe: Jüdische Lebenswelten
Ort: Ariowitsch-Haus, Zentrum Jüdischer Kultur

Kann sein, dass der Historiker sich mal wieder in die Nesseln setzt. Gut so! Hier hat er in langjähriger Recherche und Archivarbeit dokumentiert und herausgearbeitet, dass das beschissene Thema Antisemitismus nicht nur ein deutsches ist, sondern leider ein gesamteuropäisches. Dabei geht er differenzierend an die Sache ran, zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Er zeigte aber auch sehr eindringlich und überzeugend auf, dass die deutschen Nazis ihr Mörderhandwerk in dem riesigen Territorium, das sie unterworfen hatten, nicht allein hätten durchführen können. Sie fanden wohl überall willige Helfer. Schlimmes Thema, rhetorisch eindrucksvoll vorgetragen, vor vollem Auditorium.
Mit dieser eindrucksvollen Veranstaltung ging „meine“ LBM2017 zu Ende.

Eingefügtes Bild
Götz Aly | Foto: Th. Hofmann


Foto

LBM2017: Runde Ecken

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 24 March 2017 · 692 Aufrufe
LBM2017, Leipziger Buchmesse und 1 weitere...
Mein Messetagebuch, Tag 2, 23. März 2017

Es gab für mich 2 interessante Termine. Zunächst wurde in der „Runden Ecke“ ein Buch über die Stasi-Verwicklungen der Grünen präsentiert. „Runde Ecke“ – ja, so eine mathematische Unmöglichkeit gib es. Seinen Namen hat das Gebäude aufgrund seiner baulichen Beschaffenheit. Darin war in der DDR die Stasi-Zentrale von Leipzig. Mehr Infos gibt es hier.
Jens Gieseke und Andrea Bahr stellten in einem Vortrag mit anschließender Diskussion ihr Buch „Die Staatssicherheit und die Grünen“ vor. Dass die Stasi da auch Informanten hatte, sollte nicht verwundern – erst mal hatten sie wohl überall welche, zum anderen gab es sozusagen „Überzeugungstäter“ in den Reihen der Grünen, die eine entsprechende politisch-ideologische Vorprägung besaßen.
Fast lustig fand ich aber den Umstand, dass die Zuträger Dinge „verrieten“, die die Grünen selbst nie unter „Geheimhaltung“ stellten, nämlich die Inhalte ihrer öffentlichen Sitzungen etc. Auch kurios ist der Umstand, dass die DDR-Führung ja die Grünen gern als politische Partner suchte, aber mit deren Kontakten zu DDR-Dissidenten arge Probleme hatte. Na ja, Geschichte… aber keine unspannende.
An diesem Tag hatte ich dann noch einen Termin, und diesmal sollte es – eigentlich – phantastisch zugehen. So richtig wurde da nix draus – also wieder so eine „Runde Ecke“…

Eingefügtes Bild
Sascha Macht | Foto: Thomas Hofmann

Ich freute mich auf Sascha Macht und sein Buch „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“. Auch wenn es das Buch schon 1 Jahr gibt, hatte ich bis dato nichts davon mitbekommen. Dabei liest sich die Inhaltsangabe echt gut: Es muss sich um eine Mixtur aus Absurden und Phantastischen handeln. Es geht um eine Insel, geboren aus Atombombenversuchen der 40er/50er Jahre, auf der sich ein utopisches Gemeinwesen gründete, das nun aber am Abgrund seiner Existenz steht. Ein 17jähriger findet sich allein, von seinen Eltern verlassen, wieder und flüchtet sich in den Konsum von Horrorfilmen, um erwachsen zu werden – ist das autobiografisch?
Diese und andere Fragen hätte man ja den Autor fragen können, aber das gestaltete sich schwierig.
Also, mal abgesehen davon, dass das Buch schon schön schräg ist, und er nur am Ende, quasi aus Verlegenheit, daraus las, weil er sich entschied, entgegen der Ankündigung lieber einen Essay zu lesen und aus dem Manuskript seiner gegenwärtigen Roman-Arbeit, waren auch die sonstigen Umstände der Lesung irgendwie bizarr.
Als ich den Ort aufsuchte, fand ich ihn erst gar nicht – bzw. nahm ihn nicht als Lesungsort wahr. Es handelte sich um einen Optiker. Die Lesung sollte um 18 Uhr beginnen. Ich war pünktlich eine viertel Stunde vorher da. Im Ladengeschäft saß ein junger Mann an der Seite – der Autor. Ansonsten gab es leere Holzbänke und einige Kundinnen, die Brillen probierten.
Fragezeichen in meinem Gesicht – und eine gewisse Scheu, da einfach mal reinzuplatzen. Aber ich gab nicht auf; und siehe da: Punkt 18 Uhr kamen die ersten Gäste der Lesung. Der Verkaufsraum füllte sich sogar; es gab Freigetränke und der Autor las. Leider ohne Moderation, die hätte der Veranstaltung echt gutgetan. So routiniert ist der Autor irgendwie als Lesender noch nicht. Dafür ging die automatische Schiebetür laufend auf und zu und Fotografen tauchten auf.
Der Essay war auch seltsam. Ich könnte mir vorstellen, dass er ein Schlaglicht auf den Roman, der ja eigentlich Thema der Lesung sein sollte, wirft. Mehr noch wirft er aber ein Licht auf das Romanprojekt, dass der Autor gerade beim Wickel hat, denn ein Teil des Essay widmet sich genau diesem Manuskript. In dem zukünftigen Roman wird es um die Freundschaft von Drei Mädchen in den 50er Jahren (?) in einem alternativen England gehen. Die Alternative besteht darin, dass Krebstiere, Insekten etc. – übergroß und in großer Anzahl – die Erde überrennen und die die Staaten entsprechend martialisch darauf reagieren müssen.
Erst ging es um einen blind Geborenen in Südamerika 1964, dann um den bizarren Mord an drei Leute, die 2011 in Augsburg eine Videospiel-Messe besuchten (?): Irgendwie haben sie mit einem Spiel zu tun, in dessen Mittelpunkt eine SS-Bestie steht, um dann nackt tot um einen Tisch drapiert nicht mehr aufzuwachen. Dann das Buch mit der Insekteninvasion (von dem ich zunächst dachte, es handelt sich um D. Daths „Am blinden Ufer“, oder zumindest eine Hommage daran). Der Autor wurde mal gefragt, warum er nichts über den Harz schreibt. Na ja, hat er: „Der Harz ist tot“.
Okay, ein finstereres, wohlformuliertes assoziatives Gedränge. Nicht uninteressant, wenn ich auch nicht so ganz genau weiß, was ich da wirklich gehört habe.

24. März, 3. Tag
Der eigentliche Messebesuchstag.
Nun, unterm Strich nichts Überraschende, Fulminates, für mich Bemerkenswertes entdeckt. Anfangs ein bisschen am FESTA-Stand mit Leuten vom Verlag geplaudert, gleich früh, ehe, der Run auf Stand begann – den ich den Festas sehr wünsche (am Vortag war es wohl schon ziemlich turbulent); drücke die Daumen für gute Geschäfte und Gespräche!
Ach, doch noch eine kleine Sache, die ich „entdeckt“ habe: Es erscheint der Roman zum Film Iron Sky – von der finnischen Drehbuchautorin. Ja kommt auf meine Wunschliste!


Foto

LBM2017: Es beginnt Crazy!

Geschrieben von T.H. , in Subjektive Eindrücke 23 March 2017 · 787 Aufrufe
LBM2017, Leipziger Buchmesse und 3 weitere...
Endlich: Leipziger Buchmesse! Kommt es mir nur so vor, oder lese ich (vor allem auf Facebook, in der Timeline meiner FB-Freunde), das dies Jahr die Leute, die zur Messe fahren, sich besonders darauf freuen? Es gibt da besonders viele Bekundungen – allerdings fast genauso viele, die kundtun, dass sie nicht hinfahren. Möglicherweise werden sie ja bedrängt… Wie auch immer: ICH habe mich auch sehr auf diese Märztage gefreut!
Diesmal auch rechtzeitig Urlaub „bestellt“ und bekommen.
Nun, die Messe an sich lockt mich nicht so sehr, 1 Tag werde ich da natürlich auch verbringen, die Stände nach neuen Namen, Eindrücken, Inspirationen abklopfen. Was mich aber zieht, ist das Programm von „Leipzig liest“. Und dort, da muss ich hier vorwarnen, da es sich hier um einen Blog im SF-Netzwerk handelt, nicht nur die phantastischen, SF&Fantasy-Autoren und -Lesungen.

Also: Mein Messetagebuch, Tag 1, 22. März 2017

Kennt noch jemand Benjamin Lebert?

Eingefügtes Bild
Benjamin Lebert vor der Lesung; Foto von Thomas Hofmann

Die Frage ist nicht mal despektierlich gemeint. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man sein Erstling durchaus im Gedächtnis hat, und den Autorennamen darüber vergessen hat: „Crazy“ – vor allem, weil dieses Buch so eindringlich verfilmt wurde (und wer Herrn Lebert mal erlebt hat, weiß, dass der Schauspieler Robert Stadlober, der die Hauptperson in „Crazy“ spielt, ganz hervorragend seine Figur – nämlich das alter ego des Autors, darstellt – wie ein 1:1-Abbild – auch nach all den Jahren muss es einem so erscheinen).
An diesen Titel erinnerte ich mich und er lockte mich zur Lesung. Der Schriftsteller Benjamin Lebert hat ja seit „Crazy“ weitergeschrieben, wohl auch hinreichend erfolgreich und anerkannt. Und er wird sicher auch gelesen; ich muss nur gestehen: nicht von mir.
Noch einen unnützen Gedanken vorweg: Letztes Jahr besuchten wir die Lesung von Stuckrad-Barre. Er gilt als deutscher Popliterat, ähnlich wie Christian Kracht. Schon die beiden Autoren sind so unterschiedlich. Mir war in Erinnerung, dass B. Lebert auch zu dieser Riege (Popliteratur, bzw. „Generation Golf“) gehört. Doch in den einschlägigen Wiki-Einträgen wird sein Name nicht mir aufgeführt; im Netz insgesamt findet man durchaus Bezüge zwischen diesen Schubläden und dem Autor. Wie auch immer: Lebert hat so gar nichts mit Stuckrad-Barre zu tun. Da sind Welten dazwischen – dabei hätte ich es nicht für möglich gehalten.
Zu der Veranstaltung, von Julia Hemmerling moderiert, traten 3 Leutchen zur Lesung an. B. Lebert war der letzte, erst gg. 21:45 Uhr betrat der die Lesebühne. Da war ein Großteil der Zuhörer schon wieder weg, sicher dem Umstand geschuldet, dass das Ganze so lange (seit 20:00 Uhr) lief. Da braucht man Sitzefleisch. Oder hat man Lebert doch schon vergessen?
Er war auf alle Fälle der eindringlichste Gast. Fast erschütternd, wie melancholisch und tieftraurig er wirkte. Seine Worte wählte er genau und ruhig, sprach fast langsame, stockend. Die Lesungen wurden durch Fragen der Moderatorin aufgelockert; die gesamte Veranstaltung war sehr kurzweilig, interessant und schon mal durch die Auswahl der Lesenden sehr abwechslungsreich.
Lebert erscheint mir wie einer der letzten Spätromantiker. Was er las (über verkaufte Kinder in Katmandu) fehlte jede Leichtigkeit (die ich bei den Popliteraten a lá Stuckrad-Barre erwartet hätte), aber es fesselte die Zuhörer, und machte betroffen. Ja, man darf sich ruhig diesem Gefühl hingeben; bei ihm wirkte das nicht wie eine Show, sehr authentisch.
Davor las Jochen Schmidt. Kannte ich auch nicht. Er – ein studierter Mathematiker mit dem Gespür für Details, entpuppte sich als cooler Humorist im Kleinen. Er verbreitet – vor B. Lebert – eine wohlige, entspannte, humorige Stimmung. Sein Buch ist eine nichtlinear erzählte Rückblicks-Geschichte in der er als Vater eines kleinen Kindes seine eigene Kindheit aufarbeitete. Beim Lesen musste er selber über seine zahlreichen lustigen Details und Wendungen lachen. Sehr amüsant, auf alle Fälle besser zum Vorlesen geeignet als der schwere, romantische, fast schon schwermütige Text von B. Lebert.
Als erste war aber Nora Bossong dran. Nun, der Name ist mir durchaus begegnet, gebe aber zu, auch von ihr noch nichts gelesen zu haben. Sie hat im Rotlichtmilieu recherchiert und darüber halbfiktionale / halb essayistische Erzählungen verfasst. Ihr ging es nach eigener Auskunft darum, die Menschen in diesem Sexgeschäft (Anbieterinnen und Kunden) zu verstehen, ihre Motive, Beweggründe etc. Nun, die Passagen, die sie las, erschienen mir erst mal wie ein Draufblick, eine Bestandausaufnahme. Was da nun wirklich an dahinter steckt, hat sich zumindest mir nicht so sehr erschlossen.
Im Gespräch erweise sie sich als außerordentlich geschliffene Rhetorikerin; das war eindrucksvoll.
Okay keine SF, keine Phantastik. Aber trotzdem ein toller Abend.
--------
„Rotlicht“, „Zuckersand“ und „Die Dunkelheit zwischen den Sternen“
22. März 2017 | 20:00
Veranstalter war der MDR


Foto

Der reaktionäre J. Swift - nachgereichte Erklärung und Aufruf

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastisches Halle & Le..., Subjektive Eindrücke 04 February 2017 · 1303 Aufrufe
Jonathan Swift, George Orwell
Liebes Tagebuch!
Gestern war ich dann mal sprachlos*. Und das kam so:

Gestern, also am 2. Februar 2017, war Lothar Powitz aus Berlin beim Leipziger Freundeskreis SF Leipzig zu Besuch. Er erzählte uns, anhand einiger Filmzitate, von SF-Filmen, in denen der Mars eine gesonderte Rolle spielt. Das hat er prima absolviert (davon wird noch gesondert die Rede sein müssen in diesem Blog).
Freudiger Weise war Erik Simon als interessierter Zuhörer anwesend. Und in der Wartezeit vor dem Vortrag unterhielten wir uns ein bisschen. Da kam auch die Sprache auf den NEUEN STERN – recht ausführlich – und den Umstand, dass wir im Andromeda SF Club auch in diesem Jahr eine Jahresveranstaltung anlässlich eines anstehenden SF-lastigen Jubiläums durchführen; so im kleinen, clubinternen Rahmen – mit Texten des oder üben den Jubilaren, und mit einem Schwerpunktthema im NEUEN STERN.

Bernd Wiese hatte da im letzten STERN ein paar Vorschläge unterbreitet. U.a. wird Jonathan Swift am 30. November 350 Jahre. Nun, also, wenn ihr mich fragt: Hätte was! Ein schöner runder Geburtstag, ein wichtiger Mensch und Autor und Satiriker und zumindest (auch) eine große Inspirationsquelle für die SF und Phantastik allgemein. – Wen hat er nicht beeinflusst? – muss man ja fast fragen…
Spontan fiel mir dabei ein, dass ich vor gar nicht langer Zeit einen Essay von George Orwell über Swift las. In dem Band „Rache ist sauer“.

Spontan plauzte ich raus: „Orwell hat Swift als Reaktionär bezichtigt!“ – oha? Echt? Die Reaktionen waren fragende Skepsis, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Und ich? Ähm, tja, mir fiel dann so erst mal gar nicht mehr ein, wie Orwell das meinte. Kennt Ihr so eine Situation? Ach, echt peinlich.

Das Ganze ließ mir keine Ruhe und ich habe es einfach noch einmal gelesen. Also, wer es nachvollziehen will; in Deutsch im Diogenesband...

„Rache ist sauer“
Titel des Aufsatzes: „Politik contra Literatur: Eine Untersuchung von Gullivers Reisen“ (S. 109 – 135, erschienen ist es 1946)
(siehe weiter unten: Link zum Buch)

Und da stehen tatsächlich die Sätze: „Die reaktionäre Seite von Swifts Denken tritt jedoch nicht hauptsächlich in seiner politischen Stellung in Erscheinung. Wichtiger ist seine Einstellung zur Wissenschaft und im weiteren Sinne zur intellektuellen Neugier.“ (S. 114)
Orwell erklärt noch, wie er das meint, wie er zu so einer – für meine Begriffe ziemlich harten – Auffassung gelangen konnte.
Swift, so Orwell, zeigte vor allem in der 4. Reise des Gullivers (zu den Houyhnhnms und Yahoos), mit den Mitteln der Satire, dass er „…die gesamte Wissenschaft und philosophische Spekulation für wertlos…“ (S. 115) hält.
Die vernunftbegabten Pferde bei Swift haben eine Gesellschaft, die in sich ruht – so könnte man dies positiv formuliert ausdrücken. Aber im Grunde, und das erschien Orwell in Swifts satirischer Utopie wohl so ätzend, stagnieren sie einfach – und dies absichtlich und selbstbewusst. Swift stellt die Houyhnhnms als wünschenswertes Ideal seinen Landsleuten und Lesern vor.
Und nun kommt ein Gedanke, der mich sehr stark an heute erinnert. Vielleicht ist es ja beruhigend, dass diese Denkart, die ich nun meine, eben nicht neu ist. – Was ich meine? Kennt Ihr diese Leute, die gern mal Erkenntnisse der Wissenschaft, Forschung, auch gern statistische Daten negieren, indem sie ihren „normalen Menschenverstand“ einsetzen? Ich denke mal, das ist am Ende auch das, was mit „postfaktisch“ aktuell beschrieben wird.
Ja, sicher, oftmals ist es so, dass man durch die eigene Lebenserfahrung Dinge, Antworten auf Fragen etc. skeptisch betrachtet. Aber Leute mit so großem Selbstvertrauen auf ihren Menschenverstand“ – auf ihr Ego im Allgemeinen – ihre antrainierte Skepsis in blanken Intellektuellen-Hass verkehren, sind mir auch suspekt. So einer scheint – nach Orwell – Swift gewesen zu sein.
Der Mann war demnach stockkonservativ, alles, was über den Status Quo hinausweise, machte er lächerlich; er strebte, nach Orwell, an:„…sein unausgesprochenes Ziel ist eine Zivilisation ohne Neu-Gier…“ (S. 117). Am Ende verteidigt Swift eine ungerechte Gesellschaftsordnung, weil sie sich seiner Meinung nach nicht verbessern lässt (siehe S. 119). Das kennt man auch aus heutiger Zeit; so wäre vielleicht Swift auch nur ein geistreicher Streiter gegen das pöööse Gutmenschentum, weil er ja sowieso weiß, dass „die“ nur Unsinn erzählen… Dieser Gedanke kam mir tatsächlich erst beim nochmaligen Lesen; insofern muss ich dem missratenen abendlichen Gespräch wohl dankbar sein.
Tja, also, das hätte ich so gern an dem Abend erzählt. Ich reiche es hier einfach mal nach (schicke Erik einen Link; hallo Erik!)

Eingefügtes Bild
Vor diesem Hintergrund sieht man so eine Illustration zu Gullivers Reisen aus dem Jahre 1894 mit ganz andren Augen, finde ich.
"Gulliver's Travels ... New edition", "Gulliver's Travels", aus dem Fundus der British Library, puplic domain.

Aber ich habe auch einen „richtigen“ Grund für meinen Blogeintrag, den ich gleich mit einem Aufruf verbinden möchte:

Hat jemand Lust, etwas für den NEUEN STERN zum Thema J. Swift – eine Hommage an Swift – eine Story im Sinne Swifts – neue Abenteuer des Gulliver etc. pp. zu verfassen? Ideen sind gefragt, Beiträge her! Bitte!!!

Wie auch immer unser Club entscheidet, also welchen Geburtstag wir bei einem SF-Stammtisch in Halle feiern werden, ich würde gern so ein Heft zusammenstellen.

__________
*) Nun, das ist jetzt nicht so ungewöhnlich; so viel habe ich nicht zu erzählen, von daher ist man das ja sogar gewohnt von mir…

Ein Wikipedia-Eintrag zum Essay:
https://en.wikipedia...liver's_Travels

Den Essay-Band von Orwell kann ich auch wegen der anderen Texte nur wärmstens empfehlen; er greift da noch andere Autoritäten an...

Eingefügtes Bild


Foto

Lit.Herbst - Aus dem Tagebuch eines Papiertigers I

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei..., Subjektive Eindrücke 28 October 2016 · 723 Aufrufe
Paul Zelik, Ingo Schulze und 3 weitere...
20. Leipziger Literarischer Herbst
26. Oktober 2016
„Wieviel Utopie braucht die Literatur?“
Ort: Bibliothekca Albertina, Leipzig (toller Ort! Leipzig hat ohnehin ganz tolle Bibliotheksgebäude)

Beim Thema „Utopie“ werde ich zurzeit hellhörig. Beim diesjährigen Literarischen Herbst zu Leipzig ist das eines der Schlüsselthemen; zwar sehr viel in Bezug zu Leibnitz („beste aller möglichen Welten“…), und natürlich eher von der Mainstream-Seite aus beleuchtet, aber immerhin. Na ja, es war natürlich kein SF-Con, eher eine bemüht akademische Veranstaltung.
Ich gebe es zu: Bin Fan des Leipziger Literaturherbstes! Neben „Leipzig liest“ also die zweite alljährliche Literatur-Schaffe in der Messestadt. Ja, find‘ ich gut!
Der „Herbst“ ist der kleiner Bruder der Buchmessebegleitenden Leserei im Frühjahr, und wirkt insgesamt auch „strenger“, zumindest habe ich so den Eindruck, dass die Veranstaltungen weniger auf „bloße Unterhaltung“ ausgerichtet sind. Allerdings ist ja das, was man so als „Unterhaltung“ empfindet, sehr subjektiv. Um hier den Bogen zu kriegen: ich finde den „Herbst“ sehr unterhaltsam.
Also jetzt mal konkret:
Am Mittwoch, den 26., mitten in der Woche, wurde wohl die längste Veranstaltung des „Herbstes“ anberaumt. Schon mal ärgerlich – für so einen Frühaufsteher aus Sachsen-Anhalt :-) (nein, nein, ich finde das Motto auf den Autobahnschildern nicht so prickelnd…) – außerdem schon eine Strapaze für das Sitzefleisch: Die ganze Chose dauerte planmäßig von 19 bis 24 Uhr!
Durchgehalten habe ich nur den 1. Akt: Es referierte der Schriftsteller und Philosoph Raul Zelik zum Thema „Wieviel Utopie braucht die Literatur! – und verfehlte das Thema ordentlich. – Das merkte er auch selbst, und brachte so etwas wie eine Entschuldigung an seine Zuhörer, doch diese zeigten mitunter grummelnden Unmut. Ich selber? Na ja, ich fand den Vortrag gar nicht so übel.
Herr Zelik zeigte auf, was es seit dem 19. Jahrhundert an „konkreten Utopien“ in Europa gab, wie sie wirkten, wie sie scheiterten, wie sie heute nicht mehr wirken, aber wirken sollten. Er sprach eine dreiviertel Stunde, brachte viele Namen ins Spiel, u.a. viel Marx, na ja, und – was mich sehr freute – Dietmar Dath und Barbara Kirchner („Der Implex“ und „Maschinenwinter“). Immerhin: Damit komme ich der Erfüllung meiner Prophezeiung, dass D. Dath einer der wichtigsten philosophischen Köpfe in D. wird / geworden ist, näher.
Interessanter Weise könnte gerade D. Dath stellvertretend für das gesamte Thema stehen, denn neben Theorie ist es ja auch literarische Praxis, die ihn bekannt machte. Er bewegt sich im Umfeld Gesellschaftskritik / phantastische / SF-Literatur. Allerdings, ich erwähnte es schon, hat Herr Zelik ja das Thema eher nur geschrammt. Auf Literatur ging er so gut wie gar nicht ein. Vielleicht, weil das auch gar nicht „sein“ Thema ist? Zumindest irritierte er mich, als er eingangs erwähnte, dass es derzeit in Literatur und Film gar keine Utopien gäbe, dafür Dystopie zuhauf (womit er teilweise ja Recht hat), und als Beispiel für (Gesellschafts- Dystopie) den Film „Armageddon“ erwähnte - ??? echt jetzt? Nein, Herr Zelik, das ist keine Dystopie, sondern ein Katastrophenfilm. Na gut, kann ja mal passieren. Ärgerlich fand ich da nur, dass eine SF-Franchise, die seit 50 Jahren TV, Film, Bücher beherrscht und ein deutlich utopisches Grundkonzept aufweist, nicht in nähere Betrachtung gezogen wurde; ich meine STAR TREK.
Dass ich hier nur Fehlstellen erwähne, soll nicht bedeuten, dass der Vortag inhaltslos war. Ganz im Gegenteil, er war so massiv und vollgepackt, dass es mir an dieser Stelle unmöglich erscheint, alles wiederzugeben.
Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion, mit Raul Zelik, dem Philosophen Peter Engelmann und dem Schriftsteller Ingo Schulze. Moderator war Michael Hametner.
Es gab was zu diskutieren, vor allem die beiden Philosophen gaben sich ordentlich Paroli. Herr Engelmann hat eine Biografie, die ihn am Wert sozialistischer Ideen / Utopien etwas zweifeln lässt, vor allem an deren konkreten Umsetzungen in der Geschichte des 20. Jh.

Eingefügtes Bild
Foto © Thomas Hofmann, Die ganze Mannschaft der 1. Runde: Peter Engelmann, Michael Hametner, Ingo Schulze, Raul Zelik

Der bekannte Autor Ingo Schulze wirkte dabei am entspanntesten; fast moderater als der Moderator.
Was das alles mit Literatur…? Na ja, man bekam insofern die Kurve, indem man verkündete, im 2. Teil der Veranstaltung, dann mit dem Autor Thomas von Seinaecker, mehr auf Literatur zu sprechen zu kommen, und dass der Auftakt sozusagen erst einmal den gedanklichen Rahmen absteckte. Von Steinaecker, mit seinem utopischen (?) Roman „Die Verteidigung des Paradieses“ hätte mich sehr interessiert, aber die Zeit… Lese jetzt aber einen älteren Roman von ihm und bin nach den ersten (nichtutopischen) Seiten ziemlich angetan. Ich könnte mir ihn gut und gerne als Gast im Freundeskreis SF Leipzig vorstellen; mal sehen…


Foto

Book Brothers? Yeah!

Geschrieben von T.H. , in Phantastisches Halle & Le..., Meine Empfehlung, Subjektive Eindrücke 08 June 2016 · 756 Aufrufe
Roman Israel, Uwe Schimunek und 1 weitere...
Leipzig hat ja reichlich Lesebühnen. Diese hier ist eine kleine, aber sehr feine, die es verdient hätte, noch etwas zu wachsen und daher hier empfohlen werden soll:

Die Book Brothers.


Eingefügtes Bild
Foto: Schirmer.

v.l.n.r.: Benjamin Kindervatter; Roman Israel, Uwe Schimunek.


Sie spielen mit dem Rock’n’Roll & Blues, den man vielleicht auch in der Literatur finden kann; werben damit, Literatur für Erwachsene zu fabrizieren und vorzutragen. Nun, so deftig wie vielleicht zu erwarten, wurde es dann gar nicht. Dennoch sehr unterhaltsam, kurzweilig, und mit spitzer Feder formuliert. Mitgemacht haben diesmal sogar vier Leute. Die Book Brother sind: Roman Israel, Benjamin Kindervatter, die ich beide bisher nicht kannte und Uwe Schimunek, den ich recht gut kenne; und als Gast diesmal die „lebende Legende“ Christian von Aster. Ja, so wurde er von der Eingangsmoderation durch Roman Israel angekündigt.
Wow! Jetzt hat er es geschafft, der liebe Christian – er wird als lebende Legende gehandelt. Recht so! Roman Israel erwähnte, dass er von v. Aster hörte, als er noch in Dresden lebte. Ja, „hörte“… Das ist es wohl, was man unter „legendär“ versteht.

Der Abend. 7. Juni 2016. Die Lokation:
Das Café ROBOTNIK in Leipzig-Connewitz ist eines von vielen Orten der gastronomischen Amüsements in diesem Stadtteil. Ein kleiner Ort; richtig viele Leute passen da gar nicht rein; aber wie schon angedeutet: Es hätten ruhig noch ein paar Leutchen kommen können. Die 4 literarischen Streiter ließen sich aber nicht beirren, setzen die Sonnenbrillen ab und lasen in 2 Akten, jeweils 2 Texte. Schön war es für mich ollen SF-Futzi, auch mal was aus dem nichtphantastischen Segment der Literatur serviert zu bekommen. Roman Israel amüsierte seine Zuhörer mit persönlichen Erlebnissen – wie er z.B. an der Grenze Sachsen / Tschechien, also an einem Ende der Welt, die Fahrschule besuchte. Herr Kindervatter klang irgendwie nicht so amüsiert – z.B. darüber, wie ihn seine französische Freundin vor dem Theater warten ließ und er deshalb von einem bekannten Schauspieler angemotzt wurde, der Störungen während seiner Vorführung gar nicht leiden kann. Also, den Zuhörer hat’s hingegen sehr amüsiert, vom Pech des Autors zu hören.
Uwe verlas eine SF-Story, die er sozusagen spontan einem extra aus Halle angereisten SF-Fan widmete – also, sozusagen; hoffe, ich nehme mir hier nicht zu viel raus, aber er fand es wohl passend, dass er zumindest eine Person im Auditorium wähnte, die von vornherein seine Wahl, ein SF-Story zu lesen, für gut befindet. Hat sie, hat sie J
Dann hatte er noch eine kleine Krimistory parat, in der der Täter via Musik tötet; am Ende spielte Uwe diese Musik ab, und ich lebe komischer Weise immer noch…
Christian gab eine mittelalterliche, Fantasy-hafte Bolz-Geschichte und zum Schluss eine Kostprobe seiner Balladen-Kunst zum Besten.
Allesamt sind übrigens sehr gute Interpreten ihrer Texte. Irgendwie erwartet man ja, dass Autoren, Schriftsteller ihre Texte mit Esprit und Verve vortragen, so dass die Lesung auch ein Kunststück für sich ist. Warum eigentlich? Sind ja keine Schauspieler, sondern Schriftsteller, die sicher mit Worten umgehen können, aber eher auf dem Papier. Also, es gibt ja da so Beispiele, na, wollen mal keine Namen nennen… Aber diesen vier Recken zuzuhören war ein Fest. Denke mal, das muss ich noch mal wiederholen; vielleicht im November, wenn die Book Brothers wieder im Robotnik auftreten.






Datenschutzerklärung

Diese Blog-Seite ist Teil des www.scifinet.org. Die Datenschutzerklärung von www.scifinet.org:

 

http://www.scifinet....chutzerklärung/

Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

____________

.

Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


ratte.gif

Impressum

Thomas Hofmann

Kontakt: 
Telefon: 0345-7764072
E-Mail: phantastische.ansichten@web.de

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Thomas Hofmann 
Kurt-Freund-Str. 18
06130 Halle 

Haftungsausschluss: 

Haftung für Links

Unser Angebot enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte wir keinen Einfluss haben. Deshalb können wir für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Links umgehend entfernen.

 

Archiv

pforte.jpg

Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001 [/font
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

0 Besucher online

Mitglieder: 0, Gäste: 0, unsichtbare Mitglieder: 0