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PetraHartmann



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Jahresrückblick: Oktober bis Dezember 2016

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 31 December 2016 · 2158 Aufrufe
Jahresrückblick
Das letzte Quartal meines Lesejahres lässt sich ziemlich genau in drei sehr unterschiedliche Phasen gliedern. Phase 1: Vor meinem Urlaub. Mitten im Zimmer stand ein großer Bücherstapel mit traumhaften Büchern, und ich schlug mir jedesmal mit der Hand auf die Finger, wenn ich es wagte, ihn anzurühren. Nein, die Urlaubslektüre durfte natürlich nicht schon in den Wochen vorher weggeknabbert werden. Also las ich in meiner Verzweiflung alles, was ich sonst noch so im Haus hatte - einschließlich rund 30 Bände der Ponyserie "Sternenschweif". Phase zwei: Vier Wochen Lese-und-Schreiburlaub auf Helgoland in der totalen Einsamkeit, einfach nur schön, geprägt von Phantastik, Klassikern und Abenteuerbüchern. Phase 3: Nach dem Urlaub. Da hatte ich beruflich vielstündige Autofahrten vor mir und habe endlich mal wieder ein paar Hörbücher anhören können.

Also, hier das letzte Quartal im Überblick. Viel Spaß beim Stöbern.

Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


Oktober

Maraba: Die Kirschblüte im Haar. Haiku, Senryu, Tanka. (e)
Ein Lyrikband mit Gedichten in den japanischen Gedichtformen Senryu und Tanka. Recht kurze, extrem verdichtete Texte also in jeweils drei oder fünf Zeilen. Anders als in seinem ersten Lyrikband, "Gedichte vom höchsten Ast des Kirschbaums", geht es hier ausschließlich um Liebeslyrik. Ein Thema, das mit dem Haiku, der bekanntesten japanischen Gedichtform, gar nicht zusammenpasst, weshalb das Wort "Haiku" auf dem Titelblatt eigentlich auch nichts zu suchen hat. Der Autor räumt diesen kleinen Etikettenschwindel im Vorwort freimütig ein - ohne diesen Hinweis in eigener Sache wäre es vermutlich aber den wenigsten aufgefallen, da wir in Deutschland gewöhnlich nicht zwischen Haiku und Senryu unterscheiden und ein Gedicht mit 5-7-5-Silbenschema auch dann als Haiku bezeichnen, wenn es eigentlich ein Senryu ist. "Haiku sind Naturgedichte, Zwischenmenschliches wird eher in der Senryu-Dichtung transportiert", schreibt der Autor. Wieder was gelernt. Die Gedichte sind durch die knappe Form sehr pointiert und konzentriert, trotzdem oder gerade deswegen durchaus eine Sammlung, für die man sich Zeit lassen sollte. Das Haiku oder meinethalben auch das Senryu ist ein langsames Gedicht, das sich vor allem über Atemzeiten definiert, und so gibt es in diesem Lyrikband auch sehr viele Stellen, in denen man innehalten und noch einmal nachatmen sollte. Insgesamt eine sehr schöne Sammlung, vielleicht sogar noch etwas stärker als der erste Lyrikband, da das Thema Liebe besser mit der Gedichtform harmoniert. Der eher philosophisch angelegte erste Band brachte die Gedichte mehr in die Nähe des Aphorismus.
Lesenswert auf jeden Fall das Nachwort, das sich mit der Geschichte und den Formen japanischer Lyrik befasst. Allerdings ist es identisch mit dem Nachwort des bereits erwähnten anderen Band, wer beide Gedichtbände kauft, erwirbt hier also Teile des Buches doppelt.

Fred von Hoerschelmann: Das Schiff Esperanza (Reclam)
Gänsehaut. Ein Hörspiel, das mich gepackt hat. Tragisch und unausweichlich steuert das Stück auf die furchtbare Katastrophe zu, so geradlinig und folgerichtig wie eine griechische Tragödie. Ein junger Seemann ist auf der Suche nach einer neuen Heuer und gerät ausgerechnet auf das Schiff "Esperanza", auf dem sein verschollener Vater Kapitän ist. Was anfängt wie eine harmlose Vater-Sohn-Geschichte wird zum tödlichen Ernst, als der junge Seemann im unteren Schiffsraum versteckte Auswanderer beziehungsweise illegale Einwanderer in die USA entdeckt. Menschenschmuggel ist das eigentliche Geschäft der Esperanca. Der junge Seemann verrät einem der Versteckten den Namen seines Schiffes und setzt damit eine unglückliche Kette von Ereignissen in Gang, die in eine Katastrophe münden. Ein Stück, das unter die Haut geht.

Charles Sealsfield: "... und er meinte die Freiheit" (Das österreichische Wort)
Ein Sammelband aus dem Jahr 1957, der die Geschichten "Christophorus Bärenhäuter", "Ralph Doughty's Esq. Brautfahrt" (Auszüge) und "Die Grabesschuld" enthält, außerden eine recht ordentliche und informative Einleitung über Leben und Werk des Charles Sealsfield, der als Karl Postl in Österreich geboren wurde und unter seinem neuen Namen zum "Dichter beider Hemisphären" avancierte. Ich bin nicht unbedingt der große Sealsfield-Fan. Sein "Kajütenbuch" fand ich ziemlich zäh, und auch diese Skizzen und Erzählungen aus der Neuen Welt haben ihre Sprödigkeiten. Aber die Geschichte vom Bärenhäuter ist doch ganz nett. Dabei geht es hauptsächlich um seine Frau, eine resolute Dame mit Haaren auf den Zähnen, die von einem Indianerstamm gefangen wird, sich bei dem Häuptling aber schnell in Respekt setzt und im Lager genau wie in Bärenhäuters Haus das Kommando übernimmt. Auch die Geschichte der Grabesschuld ist ganz in Ordnung, eine klasssiche Gruselgeschichte.

John Tyerman Williams: Jenseits von Pu und Böse
Eine philosophieparodistische Abhandlung, die aus den Büchern "Winnie the pooh" und "The house at Pooh-Corner" alle Philosophien der abendländischen Welt herzuleiten versucht. Interessanter Ansatz, aber es blieb dann doch sehr oberflächlich und beliebig. Letzten Endes lief es immer wieder darauf hinaus, dass der Autor einen einzelnen Satz aus dem Pu herauszog daran einen ähnlichen eines bekannten Philosophen anhängte und dann ein wenig zur Lehre dieses Philosophen sagte, immer mit dem Hinweis, der große Bär hätte diese Philosophie entweder erfunden oder in seiner Philosophie sei dieser oder jener philosophische Ansatz enthalten. Alles ziemlich oberflächlich. Und meine Lieblings-Pu-Lebensphilosophie hat der Autor nicht einmal erwähnt: Pu zu Gast bei Kaninchen wird gefragt, was er aufs Brot möchte, Honig oder Sahne. Da wurde er so aufgeregt, dass er sagte: "Beides." Und um nicht zu unbescheiden zu wirken, fügte er hinzu: "Aber um das Brot brauchst du dich wirklich nicht zu bemühen." Könnte man nicht den gesamten Hegel aus diesem Satz herleiten?

Die Edda, übersetzt von Karl Simrock (e)
eBook-Ausgabe der 7., verbesserten Auflage, erschienen bei Cotta in Stuttgart, 1878. Ich habe schon einige Edda-Ausgaben zu Hause, darunter auch eine Menge Simrock-Eddas, aber dieses eBook ist im Vergleich zu heute erhältlichen Eddas schon eine Besonderheit durch ihren Umfang und ihre Materialfülle. Es sind eine Menge nicht-eddische Lieder drin, die in heute gängigen Edda-Ausgaben nicht aufgenommen sind. Da sind zum Beispiel einige Fragmente, die meist weggelassen werden. Auch das Sonnenlied kannte ich vorher nicht.

Linda Chapman (u.a.): Sternenschweif
1 - Geheimnisvolle Verwandlung
2 - Sprung in die Nacht
3 - Der steinerne Spiegel
4 - Lauras Zauberritt
5 - Sternenschweifs Geheimnis
6 - Freunde im Zauberreich
7 - Nacht der tausend Sterne
9 - Flug durch die Nacht
10 - Geheimnisvolles Fohlen
11 - Spuren im Zauberwald
12 - Mondscheinzauber
13 - Magischer Sternenregen
14 - Der goldene Schlüssel
15 - Das Geheimnis der Einhörner
16 - Geheimnisvoller Zaubertrank
17 - Die magische Versammlung
18 - Sommerzauber
19 - Zauberhafte Freundschaft
20 - Geheimnisvolles Einhorn
21 - Magische Kräfte
25 - Freundschaftszauber
27 - Die Zauberquelle
28 - Schatz der Sterne
29 - Die goldene Muschel
30 - Funkenzauber
31 - Die Magie der Sterne
32 - Lauras Rettung
Mädchen-und-Pony-Serie für sehr junge Leser. Sie kam zu mir ins Haus, als der pferdebegeisterte Sohn einer Schulfreundin sein Zimmer "ausmistete" und sich von seinen Kinderbüchern trennte. Die Kiste war eigentlich bestimmt für meine Nichte, aber da sie noch ein paar Jahre brauchen wird, bis man ihr das mit den Buchstaben erklärt, bin ich erstmal das Zwischenlager. Wirklich eine Schande, dass es so wenig Pferdebücher für Jungs gibt, der Sohn meiner Freundin muss ganz schön verstört gewesen sein nach soviel Einhornglitzer. Betrachten wir es also auch mal als Milieustudie und Konkurrenzbeobachtung für den Fall, dass ich irgendwann mal ein Ponybuch schreibe. Gute Bücher für pferdeliebende Jungs sind jedenfalls dünn gesät, und meine Freundin war mir extrem dankbar, als ich sie an die Blitz-Serie erinnerte.
Die Sternenschweif-Kiste habe ich kurz vor meinem Urlaub aufgemacht. Ich brauchte dringend Lesestoff, aber ich wollte auf keinen Fall noch ein Exemplar meines Bücherstapels für meinen Leseurlaub vor der Abfahrt weglesen. Also lieber ran an die Ponyserie.
Die Bücher lassen sich von einem geübten (erwachsenen) Leser in etwa einer halben Stunde durchlesen. Sie sind sehr schön illustriert und nett geschrieben, man erlebt keine großartigen Tragödien, sondern nette kleine Abenteuer, die einem Kind aber durchaus als Tragödie vorkommen können. Laura, die Heldin, zieht zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder aufs Land. Um den Kindern den Umzug aus der Großstadt schmackhaft zu machen, schenken die Eltern ihrem Sohn einen Hund, und Laura darf ein Pony haben. Zunächst sieht es so aus, als gebe es keines, das für sie passt, doch als Laura auf einer Auktion das graue, unscheinbare, aber sehr liebe Pony Sternenschweif entdeckt, weiß sie sofort, dass er etwas ganz Besonderes ist. Und tatsächlich: Sterneschweif ist mehr als besonders, er ist in Wirklichkeit ein Einhorn. Nur mit Hilfe eines menschlichen Freundes kann ein solches Einhorn seine wahre Gestalt finden. Laura, sanft auf die richtige Spur gebracht von einer freundlichen älteren Buchhändlerin, findet den Zauberspruch und die dazu gehörige Blume und ist nun eine echte "Einhornfreundin". Nach und nach entdecken Laura und ihr Pony immer mehr Fähigkeiten, die Sternenschweif in seiner Einhorngestalt hat. Er kann sprechen, fliegen, Wunden und Krankheiten heilen, Mut machen, Sternenregen versprühen und ähnliches. Aber es muss ein Geheimnis bleiben, dass er ein Einhorn ist, sonst wären seine Kräfte, alle anderen Einhörner und das magische Land Arkadia in Gefahr.
Die weiteren Abenteuer sind recht ähnlich aufgebaut, sie beginnen meist damit, dass Laura und Sternenschweif nachts durch die Luft fliegen, dann folgt eine kurze Rückschau und Erklärung, in der der Leser erfährt oder daran erinnert wird, was es mit Sternenschweif und seiner Verwandlung auf sich hat. Dies ist nicht unbedingt glücklich gelöst, eine kurze vorangestellte Informationsseite mit immer gleichem Infotext und Personenvorstellung hätte den gleichen Zweck erfüllt, ohne die Geschichte schon auf Seite drei durch diesen immer wiederkehrenden Info-Dump zu unterbrechen, aber okay, das muss wohl so sein. Es geht um Freundschaft, gute Taten, Reitwettbewerbe und Rallyes, Geburtstage und manchmal auch um kleine Krimis beziehungsweise böse größere Kinder und Jugendliche, manchmal werden Kranke oder Verletzte gefunden und gerettet. Die Bücher sind wirklich nett, allerdings wiederholt sich vieles. Wer bis zum 32 Band vorgedrungen ist, hat außer bei Laura noch eine gute Handvoll andere Entdeckungen und Erstverwandlungen von Ponys aus der Nachbarschaft in Einhörner erlebt, mal wird Sternenschweif krank und verliert seine Kräfte, mal erkrankt Laura an einer Krankheit, die nur Einhornfreunde bekommen können. Mal geht es darum, dass Sterneschweif wieder zurück nach Arkadien soll. Aber das ist nun einmal so bei Kinderserien, die prinzipiell auf unendlich angelegt sind. Fazit: ganz nett, sehr lehrreich für den angehenden Ponyroman-Autor, aber ich war doch froh, als ich endlich meinen Bücherstapel in den Koffer packen konnte und verreisen durfte.

Roald Dahl: Charlie und die Schokoladenfabrik
Mächenhafte Geschichte über eine besondere Schokoladenfabrik, über ziemlich verzogene Gören und über Charlie, der ein ganz patenter Junge ist. Oh mann, diese Beschreibungen der unterschiedlichen Schokoladensorten - ich will da hin!

Hans Henny Jahnn: Medea (Reclam)
Eine der bedeutenderen Verarbeitungen des Medeastoffs, inspiriert von Euripides, aber durchaus eigen. Jahnn versucht, den exotischen Charakter der Medea und ihre Einsamkeit in Korinth zu unterstreichen, indem er sie zur Schwarzen macht. Historisch/Mythologisch nicht ganz korrekt, aber wirkungsvoll. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Dichter als erster Gedanken über die beiden Söhne Medeas gemacht hat, er gibt ihnen zwar keine Namen, aber ein eigenständiges Profil, Ziele, Gefühle. Am Schluss lässt er sie in einer homoerotischen Begegnung von ihrer Mutter getötet werden, das Ganze hat auf seine handgreifliche Art etwas außerordentlich Zärtliches. Ein sehr ungewöhnliches Medea-Stück, trotzdem oder gerade deswegen verdammt nahe am Euripides.

Labyrinthe (Anthologie zur Storyolympiade)
Die Anthologie zur Storyolympiade 2014/2015. Eine Sammlung der Siegertexte, die mir sehr viel Spaß gemacht haben. Über die vier Erstplatzierten habe ich ja schon hier im Blog geschrieben, aber auch 20 anderen Geschichten können sich sehen lassen. Da gibt es Maislabyrinthe, Irrwege aus Eibenbüschen, Odysseen durch den Cyberspace und Computerspiele, aber auch den legendären Wohnort des Minotaurus. Ritter kämpfen sich durch einen tödlichen Irrgarten voller Aufgaben zur gefangenen Prinzessin vor, unterirdische Gangsysteme und die Kanalisation bergen genau so viel gräuliches Potential wie das unüberschaubare U-Bahn-Netz der Großstadt oder verschlungene Hirnwindungen. Insgesamt ziemlich viel dunkle Phantastik, sehr wenig Science Fiction und reine Fantasy, einiges an Parabelhaftem, vieles ohne Happy End. Alles in allem eine sehr spannende Sammlung, und man sollte die 24 darin veröffentlichten Autoren im Auge behalten, da ist sicher einiges zu erwarten.

Hans Magnus Enzensberger: Mausoleum
Dem Titel ist es schon zu entnehmen, in dieser Gedichtsammlung geht es um Verstorbene, ein Lyrikband mit Gedichten über oder an berühmte Tote, es geht um bedeutende Personen der Geschichte, um Forscher, Politiker, Wissenschaftler, wobei es meist nicht um Ehrung und Huldigung dieser großen Toten geht, sondern Enzensberger geht durchaus kritisch ins Gericht mit den von ihm geschilderten Persönlichkeiten, selbst Alexander von Humboldt wird auf einige dunkle Flecken auf seiner philanthropischen weißen Weste hingewiesen. Unter den Personen, denen hier im Mausoleum ein Platz eingeräumt wird, befinden sich so unterschiediche Menschen wie Gutenberg, Macchiavelli, Leibnitz, Tycho Brahe, Linné, Chopin, Bakunin, Semmelweis, Darwin, Guillotin oder Che Guevara. Das Ganze ist, wie so oft bei Enzensberger, ein sehr kluges Buch, das vom großen Wissen des Autors zeugt und dieses auch vom Leser verlangt. Auch handwerklich untadelig bis großartig. Leider, auch wie so oft bei Enzensberger, sehr kalt und kopflastig, es springt einfach kein Funke über, berührt nur intellektuell und nicht emotional. Das ist vermutlich auch nicht die Intention des Dichters, aber mir fehlt bei seiner Lyrik oft einfach das "mehr", das über das Gesagte hinausgeht. Andernfalls hätte man ja auch einen Fachaufsatz oder ein politisches Programm schreiben können.

Nikolai von Michalewsky: Küsten im Sturm. Grüner Auftrag für "Fortuna"
Geschichte über eine Gruppe von Umweltschützern im Mittelmeer, die auf einer kleinen abgelegenen italienischen Insel eine Kolonie Mönchsrobben betreuen. Wütende Fischer sehen die Tiere als Konkurrenten und machen sie für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich. Und dann gibt es noch ganz andere Interessen an der Insel. Ein Roman aus dem Jahr 1988, als der Umweltschutz noch in seinen Kinderschuhen steckte, inzwischen wäre es vermutlich ein Unding, gegen eine Robbenpopulation vorzugehen. Ich kannte bereits den Roman "In gefährlichen Tiefen", in dem ebenfalls das Schiff "Fortuna" eine Rolle spielt, fand diesen zweiten Teil auch nicht schlecht, aber der erste war besser, in sich geschlossener und nicht so sehr vom Zufall bestimmt. Trotzdem ein gut geschriebenes, spannendes Abenteuerbuch, das auch für Kinder im Alter von 46 Jahren noch geeignet ist.

Jonathan Philippi: Mary Island III - Das Geheimnis der dunklen Baracke

Armin Rößler: Cantals Tränen
Sammelband mit Geschichten aus dem Argona-Universum, das derzeit eine Neuausgabe seiner ersten drei Romane erlebt und auf dessen vierten Teil, "Die Nadir-Variante" ich schon seit ein paar Jahren warte. Für die Zwischenzeit gibt es nun einen Band mit Kurzgeschichten aus diesem Universum, in dem man einige der bekannten Personen und Völkerschaften wiedertrifft. Es sind größtenteils Geschichten, die schon in Anthologien erschienen sind, einige kannte ich schon aus der Science-Fiction-Reihe des Wurdackverlags, zwei sind im Corona Magazine erschienen, drei sind erstmals hier zu lesen. Unter den neuen Geschichten gefiel mir am besten "Schwärzer als die Nacht, dunkler als der Tod", in der ein Wissenschaftler versucht, hinter das Geheimnis der Lotsen zu kommen, die universumsweit ein Monopol darauf haben, Raumschiffe durch Wurmlöcher zu steuern. (Interessantweise las ich diese Geschichte auf Helgoland, wo das Lotsenmonopol ebenfalls eifersüchtig gehütet wurde und die wichtigste Lebensgrundlage der Inselbewohner war.) Die Versuche, während der Passage die Hirnströme der Lotsen aufzuzeichnen, bringen jedoch nicht viel, für den Forscher aber hat es die denkbar schlimmsten Folgen. Unter den älteren Storys gefiel mir die Titelgeschichte immer noch sehr gut, es geht um ein seltsames Wesen, das für andere Emotionen fühlbar und sichtbar machen kann, die Abfälle werden in Form von besonderen Tränen abgesondert. Auch Cantal hat diese Fähigkeit, muss sie jedoch als Zirkusattraktion einsetzen, und jeden Abend nach der Vorstellung holt der Direktor sich die Tränen ab, nach denen er süchtig ist. Insgesamt eine schöne, vielschichtige Sammlung aus einem bunten, facettenreichen Universum, über das es mal wieder einen Roman geben sollte.

Samuel Beckett: Molloy
Der erste Teil einer Romantrilogie ("Malone stirbt" und "Der Namenlose" waren im nächsten Monat dran). Der Roman zerfällt in zwei Hälften, wobei die erste diejenige ist, die mir am besten gefallen hat. Eine sehr schöne, melodische Sprache, die gerade beim lauten Lesen sehr viel Spaß macht. Inhaltlich passiert fast nichts, nur dass ein Mann vor einer Stadt herumlungert, Leute und Landschaft beobachtet, nach langer Zeit irgendwie hinein gelangt und auf verschlungene Wegen dann doch zu seiner Mutter kommt. Das Ganze als ununterbrochener innerer Monolog, bei dem man zusehen kann, wie sich die Gedankenwelt des Ich-Erzählers mehr und mehr zersetzt. Ein großes sprachliches Kunstwerk. Die zweite Hälfte scheint sich um eine Art Geheimagent zu drehen. Dieser Moran erhält den Auftrag, Molloy aufzusuchen, nimmt seinen Sohn mit und hat einen ziemlich brutalen Erziehungsstil. Irgendwo auf halber Strecke passiert ein Unfall, darauf schickt er seinen Sohn vor in die Stadt, während er mit gebrochenem Bein liegen bleibt. Er erschießt jemanden. Nach und nach weisen seine Gedanken die gleichen Symptome auf wie bei Molloy, sodass man fast den Eindruck bekommt, es sei die gleiche Person. Als Moran schließlich irgendwann nach Hause kommt, ist Winter, sein Haus steht leer, und alle seine Bienen sind gestorben. Klingt in der Beschreibung ziemlich wirr, das ist es auch, aber sehr gut geschrieben, und ich habe es geradezu verschlungen.



November

Samuel Beckett: Malone stirbt
Zweiter Teil von Becketts Romantrilogie. Wobei Trilogie nicht unbedingt heißt, dass hier die Geschichte von Molloy und Moran fortgesetzt wird. Aber es geht wieder um einen Mann, dessen Gedankenwelt sich langsam zu zersetzen beginnt. Malone sitzt allein in einem Zimmer eines Heimes oder Krankenhauses und dementiert vor sich hin, erinnert sich an das, woran er sich noch erinnern kann, etwa an die Schwester, die ihm ab und zu etwas zu essen bringt, an Sexgeschichten, seine Mutter, das klingt alles ganz ähnlich wie bei Molloy, und vielleicht ist es auch wirklich eine Art noch etwas älter gewordener Molloy, der da langsam seine letzten Gedanken ausfließen lässt. Nicht schlecht, hat mir aber nicht mehr ganz so viel Spaß gemacht wie der "Molloy".

Nicole Rensmann: Niemand
Ist das ein Zufall, dass ich ausgerechnet vor dem "Namenlosen" von Beckett Nicole Rensmanns "Niemand" las? Es gibt mehr Dinge zwischen meinem SUB und meinem SGB, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt ...
"Niemand": Das ist ein Buch, bei dem der Leser immer wieder das Gefühl hat, er müsste sich einfach mal zurücklehnen und sagen: "Ja." Ein zauberhaftes, magisches, vor allem sprachmagisches Buch über das "Niemandsland" - ein phantastisches Reich, in dem es Wesen gibt wie Laberköppe, Stromschwimmer, Arschkriecher, siamesisch verdrillingte Kreischzwerge, das Dumme Würstchen, die Rote Armee, die Wimpernwunschfee Fräulein Klimper, Pin und Nöckel, eine Abrissbirnenkatze (ABK), Drecksäcke, Trauerklöße, der Nikolaus, das Christklind, den Heiligen Geist und den Kampfgeist sowie goldgelockte Giganten-Greislinge. Es gibt Orte wie das Haus vom Nikolaus, das Bockshorn, den Floskelwald, den Arsch der Welt oder das Gar Nichts. Ein Land, dessen Herrscher unsichtbar ist und nur "Niemand" genannt wird und der nun darauf hofft (ein kleiner Gruß nach Phantásien), dass das zufällig über die unsichtbare Grenze ins Land hineingeratene Mädchen Nina für ihn einen Namen finden kann. Der Roman ist ein großartiges, phantastisches Stück tiefsinniger Unsinnspoesie, bei dem man in jedem Satz spürt, wie viel Spaß die Autorin am Erfinden und Beschreiben der tausend und abertausend niemandsländischen Besonderheiten hatte. Eine Wortfreude, die auch auf den Leser übergeht. Ein schönes Buch, ein besonderes Buch, absolut einzigartig. (Aber es gibt ja inzwischen eine Fortsetzung, nur mal so fürs nächste Jahr notiert.)


Samuel Beckett: Der Namenlose
Dritter und letzter Teil der Romantrilogie. Ein neuer Held. Oder der alte unter neuen Namen bzw. Nicht-Namen? Der Protagonist bzw. eigentlich der "Non-Agonist" sitzt völlig passiv da und lässt seinen inneren Monolog fließen, reflektiert, soweit sich das noch feststellen lässt, Dinge, die auch Molloy und Malone beschäftigt haben, Sex, Alkohol, seine Mutter und andere Frauen, dabei lösen sich nicht nur die Gedanken auf, sondern zum Schluss auch die Sprache. Sehr anstrengend, aber ich habe ja dieses Jahr den "Ulysses" überlebt, damit lässt sich auch der "Namenlose" durchstehen, der sich eindeutig an Joyce orientiert. Irgendwann erwähnt der Namenlose, dass er in einem Topf oder Krug steckt, und ich wurde die Bilder von Eurystheus in dem Bronzetopf aus den alten Herakles-Trickfilmen nicht mehr los. Wobei man ja nicht weiß, ob der Ich-Erzähler nun tatsächlich in einem Topf steckt oder sich das nur einbildet oder ob er gar nicht mehr weiß, was ein Topf ist, und das Wort für was-auch-immer benutzt. Immer wieder fallen Namen. Mahood, ein Bekannter oder Freund aus alten Zeiten, am häufigsten. Viele mit "M", und außer Murphy tauchen dann auch Molloy, Moran und Malone auf. Alte Identitäten des sich Auflösenden? Oder Brüder im Nicht-Geiste? Fazit: Eine interessante Trilogie, eine Entwicklung von intellektuellen Auflösungserscheinungen, sehr überzeugend nachvollzogen. Als Roman und Klanggebilde hat mir der erste Teil am besten gefallen, als literarischen Meilenstein, nicht nur in Becketts Werk, muss man vor allem den letzten Teil würdigen. Keine leichte Kost, aber nicht schlecht.

Bergengrueniana III
Drittes Jahrbuch der Werner-Begengruen-Gesellschaft. Enthält als kleine Kostbarkeit wieder einen Auszug aus dem "Compendium Bergenguenianum", eine Art zeitloses Tagebuch des Dichters mit Notizen, Gedanken, Aphorismen, Betrachtungen über Sprache und Stil, diesmal auch etwas zum Thema Plagiate. Es gibt in diesem Band auch eine "Einführung ins Compendium Bergengruenianum" von Maria Schütze-Bergengruen, einer Tochter des Dichters. Als Zeitzeuge berichtet Albert von Schirnding über Bergengruen in der NS-Zeit, Otto Betz trug einen Aufsatz über Bergengruens Lyrik bei, von Günter Schmidt gibt es ebenfalls einen Beitrag über die Lyrik des Autors, eine Analyse des Gedichts "Der erste Patrouillenritt", ferner ist ein Artikel von Peter Steinbach zum Thema "Innere Emigration" enthalten. Bemerkenswert die Laudatio an Bergengruen-Preisträgerin Felicitas Hoppe. Der Bruder der Autorin hatte nämlich seine Doktorarbeit über Bergengruen geschrieben und konne so als mit beiden Autoren vertrauter Fachmann sehr interessante Gemeinsamkeiten in beider Werken herausarbeiten.

Herzog Ernst (Reclam)
Eines der phantastischsten mittelalterlichen Versepen - und darüber hinaus eines, das ein internationales und interkulturelles Epos ist, das Bezüge zum Orient hat und eine Parallele zu den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, nämlich zu den Abenteuern Sindbads des Seefahrers. Herzog Ernst, der Held des Epos, ist, wie so oft in solchen Dichtungen, ein Held ohne Fehl und Tadel, fromm, tapfer, freigiebig und tüchtig. Als seine verwittwete Mutter zur neuen Braut des Kaisers auserkoren wird, avanciert er darüber hinaus zum Liebling des Kaisers und hat Aussichten, dessen Erbe zu werden. Doch das erweckt auch Neid, ein Verleumder macht den Herzog beim Kaiser schlecht, der Herzog muss nach einigen Kampfhandlungen außer Landes fliehen und gerät in exotische, südliche Länder. Unter anderem in eine Stadt, die von Kranichen bewohnt wird, und an einen gefährlichen Magnetberg, der alles Metall an sich zieht und nie wieder loslässt, also auch nicht die Schiffe, deren Nägel er festhält. In dieser Situation kommt ein Riesenvogel, der auf Beutesuche ist, gerade recht. Ernst und seine Gesellen nähen sich schließlich in Rinderhäute und lassen sich von dem Tier als "Futter" für dessen Nachwuchs aus der Gefahrenzone fliegen. (Ähnliches gibt es außer im Sindbad auch im Gudrun-Epos.) Nach vielen weiteren Abenteuern hat Ernst es im Orient zu Ansehen und Reichtum gebracht. Es geht nun darum, den Kaiser zu versöhnen ...
Gut kommentierte zweisprachige Ausgabe. Gut lesbarer hochdeutscher Text, der aber gern etwas "poetischer" hätte ausfallen dürfen.

Åsa Böker: Im Glanz der Welten

Hermann Hesse: Der Steppenwolf
Kultbuch einer Generation, der ich nicht angehöre. Ich hab's lange vor mir hergeschoben, auch weil ich vor Jahren mal in Hesses "Narziss und Goldmund" stecken geblieben war und nicht so umwerfend viel von der dort genossenen Schreibkunst des Auors hielt. Als ich jetzt den "Steppenwolf" doch noch vornahm, war ich verblüfft und geriet dann in ein Lesefieber. Das Irre an der Sache ist, dass Hesse hier ein Problem behandelt, das ich damals anhand des "Jungen Deutschlands" beobachtet habe. Bei Mundt, Kühne, Grabbe und Lenau war es mehr als Gegensatz zwischen den Typen "Faust" und "Don Juan" definiert, Hesses Held trägt ebenfalls wie Goethes Faust "zwei Seelen, ach, in seiner Brust", hier der kulturliebende Bildungsbürger Harry Haller und das in ihm lebende zynische, triebgesteuerte Tierwesen, das er als Steppenwolf bezeichnet. Ich bin sehr wach geworden, als ich Textstellen gefunden habe, die fast wörtlich mit Stellen aus Mundts "Madonna" und seinen "Modernen Lebenswirren" und Kühnes "Quarantäne im Irrenhause" zusammenfallen. Und Hesse zitiert auch ausschweifend die beiden Kerntexte, die in diesen Büchern ebenfalls als identitätsstiftende Grundlage dienen: Goethes "Faust" und Mozarts "Don Giovanni" / "Don Juan". Ich muss mich mal näher mit Hesse beschäftigen und ihn auf seine Prägung durch das Junge Deutschland hin abklopfen. Ich meine, da war mal was mit Georg Büchner ... Hesse findet jedenfalls eine hochinteressante Art der Auflösung für diesen Seelenzwiespalt und zwar über die indische Seelenlehre, die den Jungdeutschen damals noch nicht so zur Hand war. Er stellt klar, dass eine Person eben nicht aus nur zwei "Seelen" besteht, die miteinander im Streit liegen, sondern aus mehreren Hundert oder Tausend Komponenten zusammengesetzt ist, die sich auch je nach Situation neu organisieren beziehungsweise sich je nach Situation neu zusammenstellen lassen. Eine Idee, auf die die Jungdeutschen, ohne große Beziehungen zu Indien und obendrein lange vor Freud, nicht kommen konnten. Und wohl auch nicht kommen wollten, bei ihrem Sinn für das "In-Dividuum" und ihrer Suche nach Identität. Hochinteressanter Ansatz, wenn auch nicht der meine. (Nicht ganz mitgehen möchte ich allerdings als Tierfreund und Wolfsliebhaber bei der Bezeichnung "Steppenwolf" für die Ansammlung von negativen Eigenschaften, überdies sind gerade Wölfe hochsoziale Tiere und keine Eremiten und Sonderlinge, auch in der Steppe nicht. Aber das steht auf einem anderen Blatt.)

J. D. Salinger: Der Fänger im Roggen
Klassiker, Bestseller, Weltliteratur ... Das Buch ist nicht unbedingt schlecht, aber ich hab es nicht so mit diesen Ami-Teeny-Highschool-Zeugs. Der Held und Ich-Erzähler ist 16 Jahre alt, schon mehrfach von diversen Schulen geflogen, und auch jetzt fliegt er aus seinem Internat, weil er schlechte Noten hat. Er bricht ein paar Tage vor Schulschluss auf, verbringt eine Nacht im Hotel, versucht, mit einer Prostituierten zu schlafen, bekommt dann aber kalte Füße, ist ansonsten mächtig am Pubertieren, regt sich über die Verlogenheit der Erwachsenen auf, wird von einem ehemaligen Lehrer beinahe unsittlich berührt, ist superfürsorglich gegenüber seiner kleinen Schwester. Sicher ein gut geschriebenes und erfolgreiches Buch, aber dieses Pubertierendengedöns ist einfach nichts für mich.

J. K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne: Harry Potter und das verwunschene Kind
Ich war skeptisch, aber, ja, es stimmt: Die Welt der J.K. Rowling und ihres Zauberlehrlings hat in all den Jahren nichts von ihrem Zauber verloren. Es ist ein neues Medium, wir haben es mit einem Theaterstück zu tun, aber nach nur ein paar Seiten ist man wieder "drin" in der Welt. Und in dieser Welt passiert etwas, das absolut widernatürlich scheint: Harry Potters Sohn wird der beste Freund von Draco Malfoys Sohn, und der sprechende Hut schickt ihn ins Haus Slytherin. Die beiden versuchen, mit Hilfe eines Zeitumkehrers Cedric Diggory, der damals beim trimagischen Turnier ums Leben kam, zu retten. Allerdings verändern sie damit den weiteren Verlauf der Geschichte. Mit jedem weiteren Versuch der beiden, in das Zeitgefüge einzugreifen, wird die Gegenwart furchtbarer und dunkler - bis hin zu einer Weltherrschaft Voldemorts. Schließlich greifen Harry und seine Freunde ein, reisen weit in die Vergangenheit und sorgen dafür, dass Voldemort, wie gehabt, im finalen Kampf um Hogwarts besiegt werden kann. Doch dies bedeutet auch, dass weder Cedric gerettet wird noch jener andere Mord verhindert werden kann, mit dem alles anfing: Harry muss tatenlos zusehen, wie Voldemort seine Eltern tötet. Die Idee, dass man in der Vergangenheit nicht einfach ein oder zwei Details ändern kann, ohne einen hohen Preis in der Gegenwart zu zahlen, ist nicht neu. Aber die Geschichte ist spannend und mitreißend erzählt, auch das neue Potter-Abenteuer ist ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann und erst weit nach Mitternacht oder im Morgengrauen, wenn man es durchgelesen hat, zur Seite legt. Die Umsetzung als Drama ist zunächst etwas irritierend, doch man hat sich schnell eingelesen. Gut gemacht.

Georg Rittschlag: Das Asyl auf dem Felseneiland
Geschichte zweier Jugendfreunde, die sich nach Jahren auf Helgoland wiederfinden. Altertümlich und ziemlich schwülstig, heutzutage würde wohl keiner mit solch para-homoerotischem Geseufze seines Klassenkameraden gedenken, und für die "Empfindsamkeit" ist das Buch auch schon etwas spät dran. Interessant ist, dass sich hier Spuren des gescheiterten Revolutionärs Harro Haring auf der Insel finden, Auszüge seiner "Möwe" werden zitiert. Der überwiegende Teil aber sind Tiraden des Freundes, der mit dem auf dem Festland existierenden Christentum nicht zufrieden ist und endlose Exzerpte aus Predigten und Erbauungsschriften auflistet und als unchristlich verwirft. Heutzutage kaum noch zu genießen, aber als Zeitdokument nicht uninteressant.

Michael Stoffers: Unheimliche Freunde

Herbstlande

Kim Scheider: Der rote Feuerstein und das Geheimnis von Atlantis

Yvonne S. Bonnetain: Loki. Beweger der Geschichten
Umfangreiche Dissertation über den rätselhaftesten Gott der Germanen. Das Buch bietet eine Sammlung der Mythen, die über Loki bekannt sind, stellt die unterschiedlichen etymologischen Deutungsversuche des Namens vor und gibt eine sehr gute, umfassende Übersicht über die Interpretationen, die man der Funktion Lokis beilegte, von der Klassifikation als Feuergott oder Todesgottheit, Teufelsgestalt oder Dämon bis hin zum wohl bekanntesten Etikett, das man ihm anheftete, nämlich das des "Tricksters". Bonnetain verwirft so gut wie alle diese Ansätze und arbeitet einen neuen Aspekt heraus, den ich so bisher noch nicht gesehen habe: Ausgehend von Abbildungen des Todes Balders überlegt sie, ob nicht Loki als Beauftragter Odins gehandelt hat und es hier nicht um einen Mord, sondern um ein Ritual gegangen sei, eine rituelle Opferung des lichten Gottes, veranlasst und gebilligt durch Odin selbst. Balders Tod sei demnach beschlossen gewesen und von Odin möglicherweise gezielt ins Werk gesetzt, um Balder vor dem Weltuntergang / Ragnarök in die Unterwelt in Sicherheit zu bringen und von dort aus seine Auferstehung als neuer Götterkönig und Weltherrscher zu gewährleisten. Damit wäre dann auch das geheimnisvolle letzte Wort, das Odin seinem toten Sohn ins Ohr geflüstert hat, erklärt. Loki wäre dabei als Stellvertreter, Beauftragter oder als ein Aspekt Odins zu denken und führe die unangenehme Tat aus, die der Götterkönig in eigener Gestalt niemals hätte vollbringen können oder dürfen. Bonnetain bringt auch die wechselnde Rollen Lokis als Freund und Feind der Götter recht elegant unter einen Hut, indem sie ihn als einen "Beweger der Geschichten" definiert. Loki sei immer derjenige, der die Weiterentwicklung, die Folge der Geschlechter und Äonen vorantreibe. So sei er es gewesen, der zunächst pro-asisch den Bau der Götterburg mit forciert und anschließend den Hauptgöttern Odin, Thor und Freyer ihre Attribute und Waffen verschafft habe, er ist aber auch derjenige, der dann die Weltgeschichte weiter vorantreibt, noch über das Asengeschlecht hinaus, und nach ihrem Wachstum und ihrer Fortentwicklung nun auch ihren Absturz beschleunig. Damit wäre er wohl als so etwas wie ein Geschichtsprinzip zu verstehen. Sehr interessanter Gedanke. Ich frage mich nur, ob das nicht ein etwas zu abstraktes Modell für die Germanen war. Den Griechen oder Indern hätte ich eine solche Denkweise eher zugetraut.

Wolfram von Eschenbach: Titurel
Mittelalterliches Versepos aus der Feder von Wolfram von Eschenbach. Das Werk blieb unvollendet, es gibt jedoch noch einen "Jüngeren Titurell", in dem ein anderer Autor versucht, Wolframs Werk fortzusetzen. Zunächst einmal der Hinweis, dass sich hinter dem Titel "Titurel" nicht die Geschichte eines Mannes namens Titurel verbirgt, sondern die Geschichte des Liebespaares Sigune und Schionatulander, die im Parzifal eine Rolle spielt. Dort traf Parzifal dreimal auf seine Cousine Sigune, die um den toten Schionatulander klagte. Wobei vermutet wird, dass "Sigune" ein Anagramm aus Cousine" sei (die Rechtschreibung hat sich inzwischen gewandelt). "Titurel" heißt das Buch, mittelalterlicher Konvention gemäß, weil Gralskönig Titurel die erste Person ist, die im Buch vorkommt. Eine weitere Besonderheit: Schionatulander ist der erste Mensch, von dem ich gehört habe, er sei durch eine Hundeleine ums Leben gekommen. Es ist überhaupt eine ganz erstaunliche Hundeleine, die in diesem Epenfragment vorkommt. Unheimlich lang und breit muss sie sein, damit nicht nur die zahlreichen Edelsteine, mit denen sie geschmücht sein soll, sondern auch ein Liebesbrief, der einen Abenteuerroman enthält, auf ihr Platz haben. Ganz schön schräg. Aber im Parzifal ist Sigune ja auch etwas merkwürdig und dazu noch nekrophil.

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund
Das Buch hat mir vor Jahren mal eine Freundin als ihren Lieblings-Hesse empfohlen. Ich habe damit angefangen, bin aber stecken geblieben. Jetzt, nach der positiven Lektüreerfahrung des "Steppenwolfs" fing ich es nochmal an und kam damit zu Ende. Naja, so schlecht ist es nicht. Hesse stellt zwei junge Klosterschüler dar, der eine zum strengen, logischen, wissenschaftlichen Streben, der andere zum Künstler und Liebenden berufen. Vorwiegend wird das bewegte Leben Goldmunds geschildert, der aus dem Kloster wegläuft, sich als Landstreicher und Frauenliebhaber durch die Welt schlägt und schließlich ein großartiger, genialer Holzschnitzer wird. Ja, die Darstellung beider Typen ist sicher überzeugend. Aber bei aller Verachtung der guten Ratschläge aus Schreibratgebern: An dem Buch merkt man doch, dass man das Gesetz "Show, don't tell" nicht ungestraft über längere Strecken vernachlässigt. Es werden zu oft und zu weitläufig innere Zustände Goldmunds beschrieben, das ist auf die Dauer etwas ermüdend. Aber das ist natürlich auch unserer heutigen Erzähl- und Lesegewohnheit geschuldet.

Kerstin Groeper: Im fahlen Licht des Mondes

Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita
Phantastischer Klassiker aus Russland, absolute Pflichtlektüre. Der Teufel taucht in Moskau auf und wirbelt die dortigen Literatureinrichtungen, Behörden und Einkaufszentren ganz schön durcheinander. Es wird ein ausschweifender Hexensabbat bzw. Teufelsball gefeiert, und Margarita als Ballkönigin des Teufels nutzt ihre Position schließlich, um ihren Geliebten, den namenlosen Meister aus der Irrenanstalt zu holen und sein vernichtetes Manuskript eines genialen Romans über Pontius Pilatus zu retten. Phantastisch, skurril, magisch, einfach gut.

Klaus Doderer: James Krüss. Insulaner und Weltbürger
Enttäuschend. Das Ding war bezeichnet worden als "Biographie", aber es ist nichts weniger als das. Klaus Doderer hat dieses Buch mit Unterstützung der Familie von James Krüss geschrieben, heißt es, er selbst war offenbar mit dem Schriftsteller befreundet. Aber das alles spürt man nicht beim Lesen. Mag sein, dass da jemand mit einer Schere im Kopf geschrieben hat, weil es um einen Menschen ging, mit dem er sehr eng befreundet war, mag auch sein, dass er irgendwie befangen war und die Familie es auch nicht so privat haben wollte. Aber es fehlt so ziemlich alles, was eine Biographie ausmacht. Der erste Teil, wohl der biographische Teil, ist ein kurzer Abriss seines Lebens, nennt halt ein paar Daten, enthält aber so gut wie nichts, was über das rein Lexikalische hinausgeht. Mensch, wenn jemand die Geschwister von James Krüss als Informationsquelle zur Verfügung hat, dann muss er doch einfach ein bisschen mehr zu erzählen haben, Erlebnisse, Anekdoten, Aussprüche, Farbe. Über die Familie und Herkunft - nichts, gerade mal den Beruf des Vaters und die Anzahl der Geschwister erfährt man. Wie lange lebte die Familie schon auf Helgoland? Waren es sehr alt Eingesessene oder noch relativ neue Insulaner? Wie verläuft eine Kindheit und Jugend auf Helgoland? Wie war er als Bruder - nett, freundlich, verantwortugsvoll oder ein Kleineschwesteradventskalenderplünderer? Nichts über Krüss als Schüler. Was waren seine Lieblingsfächer? Wie waren seine Deutschnoten? Am Rande wird erwähnt, er hätte aus Ärger über einen Lehrer, der die Schüler immer kniff, eine Zeitung gegründet, die Kneifzange. Hallo? Man erfährt nicht den Namen des Lehrers und die Fächer, man erfährt nicht einmal, ob Krüss selbst gekniffen worden ist. Und was stand nun in der Zeitung drin? In jeder ordentlichen Biographie wäre das mindestens eine Seite gewesen. James Krüss kam als viel zu junger Mensch in die Armee und war Flakhelfer, er war nach dem zweiten Weltkrieg bedingungsloser Pazifist. Kein Wort über seine Erlebnisse im Krieg, keine Briefe, nichts. Es ist, als sei dieser Mensch nach dem Krieg aus dem Nichts gekommen und von Null auf Hundert zum Shooting Star der Kinderliteratur geworden. Aber kein Mensch kommt aus dem Nichts, nicht in einer Biographie. Einmal wird kurz erwähnt, er sei wegen seiner Homosexualität angefeindet worden. Ich wusste nicht, dass Krüss homosexuell war, das wäre doch zumindest ein Kapitel wert gewesen. Hier ist es nur ein Satz. Wie war das? Gab es eine Hetze durch alle Medien hindurch? Wie hat er reagiert? Hat er geschwiegen? Sich leise oder lautstark verteidigt? Wie hat sein Freundeskreis reagiert? Nichts? Wie hat er es selbst gemerkt, dass er auf Männer stand? Das muss doch der totale Hammer für ihn gewesen sein. Das Buch schweigt. Schließlich zog er mit seinem Lebensgefährten Dario nach Spanien, nach Gran Canaria. Wie lebt man als Pazifist, politisch engagierter Weltbürger, Deutscher und Homosexueller in Spanien unter Francos Diktatur und mit katholischen Nachbarn? In jeder anderen Biographie hätte sich ja zumindest eine Beschreibung gefunden, eine kurze Charakteristik seines Lebensgefährten. Was war/ist das für ein Mensch, wie haben sie sich kennen gelernt? Nichts. Stärker ist Doderer im literaturwissenschaftlichen Teil, in dem er die Werke des Autors beschreibt und ein paar Motiv- und Traditionslinien herauszuarbeiten versucht. Aber über den Menschen und sein Leben erfährt man so gut wie nichts, nur ein paar Sachen über den "fertigen" Autor James Krüss, seine Freundschaften mit namhaften Kollegen, seine Reisen und sein ungeheures Talent, sich fremde Sprachen anzueignen. Sicher beeindruckend. Aber zu wenig. Schade.

Jutta Ehmke: Eulenland

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder
Geschichte über einen jungen Mann, dessen Großvater früher viel über seine Kindheit auf einer Insel und seine Freundschaft mit "besonderen Kindern" erzählt hatte. Der Großvater redete von einer Art Heim, geleitet von einem Habicht, der Pfeife rauchte. Von einem Jungen, der einen Bienenschwarm in sich beherbergte, von einem Mädchen, das fliegen konnte, einem Kind mit einem zweiten Mund am Hinterkopf, superstarken, flugfähigen Kindern und so weiter. Später erfährt der Enkel, dass sein Großvater als jüdisches Kind aus Deutschland fliehen musste, seine gesamte Familie im Holocaust verloren hat und dass diese Kinder im Heim eben tatsächlich "besondere Kinder" waren, weil sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ausgesondert wurden, besonders auch, weil sie überlebten, eben auf dieser besonderen Insel. Es sieht so aus, als habe der Großvater, der im Alter schon etwas tüddelig geworden ist, für sich dieses Märchen erfunden und die Wahrheit darin verpackt. Aber dann wird der Großvater eines Tages von einer furchtbaren Bestie umgebracht, die außer ihm nur der Enkel sehen kann. Der Enkel macht sich auf die Spurensuche und begibt sich auf die Insel des Großvaters. Und stellt fest: Es gibt diese besonderen Kinder wirklich, superstarke, flugfähige, bienenbeherbergende Kinder mit besonderen Begabungen aller Art. Sie leben seit der Auslöschung des Heims durch eine Fliegerbombe der Nazis in einer Zeitblase, geschaffen von der Heimleiterin, die nicht nur magische Fähigkeiten hat, sondern auch Pfeife raucht und sich in einen Greifvogel verwandeln kann. Doch die scheinbare Sicherheit der besonderen Kinder ist bedroht, die Monster sind auf der Suche nach ihnen ...
Das Buch ist spannend und stellenweise unheimlich, vor allem wirkt es durch die zahlreichen historischen Fotos darin, verstörende Aufnahmen sind darunter, alles künstlerisch wertvoll, aber auch mit vierl brrr-Effekt. Fotos wie aus Freakshows eben, die durch Beleuchtung oder winzige Details um einen halben Grad neben die Wirklichkeit geraten wirken. Ein ziemlich gutes Buch mit einem etwas zu schnell dahingehuschten Ende, das dann doch kein richtiges Ende ist, sondern den Ausblick auf den folgenden Band eröffnet. Dass es ein Mehrteiler war, ist mir erst da klargeworden, da hängt man dann als Leser ein bisschen in der Luft. Kein schlechtes Buch, aber ich weiß noch nicht, ob ich mir Teil 2 anschaffen werde.


Hörbuch

Elea Eluanda 1: Das Labyrinth der blauen Eulen



Dezember

Gunnel Linde: Tina zaubert Geburtstage
Nettes Kinderbilderbuch über ein Mädchen, das morgens im Bett versucht zu zaubern. Tina sagt ihren Zauberspruch auf und wünscht sich, dass sie Geburtstag hat und alle mit Geschenken hereinkommen. Das passiert tatsächlich, wohl aus Zufall. Dann versucht sie es in der Schule und auf der Straße noch ein paarmal mit ihrem Zauberspruch Manchmal klappt es, manchmal nicht. Sehr liebenswert und humorvoll.

Fabienne Siegmund, Thilo Corzilius: Das Mädchen und der Leuchtturm

Holger M. Pohl: Im Schatten der Hondh
Gelungene und superspannende Fortsetzung des Bandes "Fünf für die Freiheit", wieder mit ausgesprochen einprägsamer Personenzeichnung und gut ausgearbeiteten zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen. Fünf Agenten dringen im Auftrag des Den-Haag-Instituts hinter die Linien der Hondh vor und suchen nach Informationen über die geheimnisvollen Eroberer. Es gibt eine Notlandung, Fluchten, neue Verbündete und einen Hinweis auf die Vorfahren der Hoc. Offenbar sind die Angehörigen dieses Volkes nicht nur immun gegen die mentale Beeinflussung durch die Hondh, die fremden Eroberer haben sogar eine schwere Niederlage durch sie erlitten und haben mächtig Schiss vor ihnen. Der Handlungsstrang gehört zu den besten innerhalb der Serie. Ich bin gespannt, was aus dem Hoc wird ...

Malcolm Max: Gesamtausgabe 1
- Body Snatchers
- Auferstehung
- Nightfall
- Das Teufelsdutzend
Der Splitter-Verlag versteht es wirklich, besondere Bücher zu machen. Zur Feier des zehnten Verlagsgeburtstags gab es jetzt diese opulente Gesamtausgabe des Malcolm-Max-Comics, eine edle Hardcover-Ausgabe und so kostbar eingebunden, dass man sich fast gar nicht traut, das Buch anzufassen oder gar aufzuschlagen. Im Inneren finden sich nicht nur der Alben-Dreiteiler, sondern auch eine bisher unveröffentlichte Kurzgeschichte des Autors Peter Mennigen über ein Abenteuer des Helden auf einem Friedhof voller Untoter, einige Skizzen des Zeichners Ingo Römling sowie ein Interview mit den beiden Machern des Comics. Der Albendreiteiler berichtet über die Abenteuer Malcolms und seiner halbvampirischen Begleiterin Charisma mit einem irrsinnigen und perversen Erfinder, der fast unzerstörbare und supergehorsame Arbeitsroboter erschafft und diesen die Hirne frisch Verstorbener, oft hingerichteter Verbrecher, einpflanzt. Allerdings ist das erste Experiment schief gegangen, das Gehirn eines enthaupteten Sereinmörders konnte nicht "gefügig" gemacht werden, der Verbrecher nutzt den neuen Körper zur Fortsetzung seiner Untaten und überzieht London mit einer Serie an Bluttaten, die der etwas eingeschränkte Polizeichef ausgerechnet Malcolm Max zur Last legt. Der Leser erlebt eine abenteuerliche Flucht aus dem Tower, großformatigen Steampunk-Horror mit Leichenfledderern und Frauenmördern, einen atemberaubenden Schwertkampf im Zeppelin der von Monster-Robotern bedrohten Queen und eine schöne und gefährliche Charisma, die in den Kampfszenen zulangt, als sei sie Mitglied der X-Men. Dazu die schrägen und schnippischen, in herrlich verschrobener altertümelnder Schriftsprache abgefassten Dialoge des Heldenpaars und die überwältigenden großformatigen Seiten, einfach ein Erlebnis. Bleibt zu hoffen, dass das Duo Mennigen/Römling mit diesem Werk nicht seine letzte gemeinsame Arbeit abgeliefert hat. Ich schreie schon mal zweimal "Hier" - für wenn es weitergeht ...

Miriam Rademacher: Talisman und die blauen Rästsel

Dirk van den Boom: 1713 (D9E)
Für mich bisher der Höhepunkt der Serie. Der gnadenlos und präzise durchexerzierte Sturz der Roboterzivilisation 1713. Der Autor schafft es, dem Leser diese gefühllosen und rein logisch funktionierenden Wesen derart ans Herz wachsen zu lassen, dass es extrem wehtut, als die Hondh sie auslöschen. Das ist große Kunst.

Hildesheimliche Autoren: Tatort Hildesheim. Zehn Kneipenkrimis
Zehn Kneipenkrimis aus der Feder von zehn Hildesheimlichen Autoren. Richtig gut gefallen hat mir die Geschichte von Peter Hereld, der das "be bop" wieder aufleben lässt, sehr schön auch Bernward Schneiders Krimi über seinen Anwalt Michael Bendis, der schon einmal die Hauptfigur in einem Hilldesheimer Lokalkrimi Schneiders war. Es gibt einen historischen Kriminalfall aus der Zeit der Hexenverbrennung, ein vergiftetes Pilzgericht, Hühnerdiebstahl, eine Entführung, einen diebischen Koch, etwas Liebe, Filmaufnahmen, palettenweise verschwundene Elektrogeräte und sehr viel Lokalkolorit. Für Hildesheimer und Gäste sicher ein kriminell gutes Mitbringsel.



Hörbuch

Elea Eluanda 2: Der Elefantengott

Elea Eluanda 3: Ezechiel, die Weihnachtseule

Edith Nesbit: Der Ebenholzrahmen
Grusel-Hörspiel über einen jungen Mann, der eigentlich bereits die Frau gefunden hat, die er um ihre Hand bitten möchte. Nun macht er eine Erbschaft, erbt ein Haus und viel Geld, außerdem zahlreiche Bilder, allesamt sehr kostbar und geschmackvoll. Doch in einem besonders aufwändig gestalteten Ebenholzrahmen hängt einfach nur ein billiger Kunstdruck, der die Augen des jungen Erben geradezu beleidigt. Er sucht nach dem ursprünglichen Gemälde und findet es schließlich auf dem Dachboden. Es ist das Porträt einer wunderschönen Frau, die er in einem früheren Leben geliebt hatte. Eine Liebe, die stärker ist als der Tod. Oder zumindest eine Liebe, die mit HIlfe des Teufels den Tod besiegen kann. Denn so lange sich das Porträt in dem von Höllendämonen angefertigten Ebenholzrahmen befindet, kann die Geliebte heraussteigen. Der wiedergeborene junge Mann kann sie endgültig zu sich ins Leben zurückholen und sich wieder mit ihr vereinigen, wenn er sich ebenfalls dem Teufel verschreibt. Aber dann bricht im Schloss ein Feuer aus ...
Gut gemachtes Hörspiel mit viel Atmosphäre und einer spannenden Geschichte. Könnte stellenweise etwas gestrafft werden. Einen halben Punkt Abzug für den zufällig entstandenen Brand. Bei so kurzen Werken sollte es keine Zufälle geben, sondern eine lückenlose Choreografie und und Motivationskette.

Mark Brandis, Raumkadett 2 - Verloren im All
Die Abenteuer des jungen Mark Brandis, bevor er zum legendären Kommandanten der Delta VII wurde ... Teil 2 der Serie setzt dort ein wo, der erste endete: Mark Brandis darf, nach seiner Feuertaufe aus "Klabautermann" und blinder Passagier, tatsächlich an der Astronautenausbildung der VEGA teilnehmen. Er ist der Jüngste im Kurs und zeigt in der ersten Trainingseinheit bereits, was in ihm steckt. Auf einem ersten "Raumflug" geht so ziemlich alles schief, Erschütterungen des Schiffes, Ausfall aller Verbindungen nach außen und zur Brücke, und fünf Azubi-Raumfahrer allein im Maschinenraum eingeschlossen. Das Szenario ist beängstigend, und die jungen Kadetten müssen damit rechnen, auf ewig steuerlos durchs All zu trreiben. Doch langsam werden sie zu einem Team und schaffen es, das Notfall-Programm aufzulösen. Das Abenteuer des jungen Mark Brandis ist erneut ein Hörgenuss und knüpft nahtlos an die hohe Qualität der "großen" Mark-Brandis-Hörspiele an.Das Ende ist zwar ein wenig vorhersehbar, aber das tut der Spannung, die ja zum Großteil auf den zwischenmenschlichen Reibereien im Team und deren Überwindung beruht, keinen Abbruch. Die Fortsetzung ist gelungen.

Dat Späl von Dokter Faust: Goethes Faust als plattdeutsches Hörspiel
Goethes Faust auf Plattdeutsch, ein schönes Stück Literatur, das mir viel Spaß gemacht hat. Es ist nicht der ganze Faust, sondern nur rund eine Stunde, aber die Kernzitate sind drin, zum Beispiel: "Dor stah ick nu, ick arme Narr, un wüßt giern, wat ick dorvon harr!" Empfehlenswert. Ihr solltet es allerdings nicht im Autoraio hören, sondern besser zu Hause, das Motorgebrumm hat bei mir etwas gestört, in der semi-fremden Sprache musste ich schon manchmal etwas genauer hinhören.


Teil I: Januar bis März 2016
Teil 2: April bis Juni 2016
Teil 3: Juli bis September 2016

© Petra Hartmann


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Jahresrückblick III: Juli bis September 2016

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2016 · 735 Aufrufe
Jahresrückblick
Dritter Teil meines Rückblicks auf mein persönliches Lesejahr. Im dritten Quartal finden sich wieder ein paar sehr dicke und sehr spröde Schinken aus der Weltliteratur, ein wenig Fantasy und Comics, viele eBooks. Viel Spaß beim Stöbern und Mitlesen!

Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.

Juli

Die Welten von Thorgal: Kriss de Valnor 6 - Die Insel der verlorenen Kinder

Jan-Eike Hornauer: Das Objekt ist beschädigt

Edward Bulwer-Lytton: Die letzten Tage von Pompeji
Historischer Roman, absoluter Klassiker. Sehr spannend geschrieben, und wenn man sich erstmal eingelesen hat, ist man in einem Rutsch durch. Die Sache mit dem intriganten Ägypter ist natürlich etwas ... Ist halt ein abenteuerliches Spektakel mit großen historischen Kostümen.

Tassilo 15 - Das achte Reich

Eduard Mörike: Maler Nolten (e)
Künstlerroman in dunkelromantischem Setting. Mit dem Drama "Der letzte König von Orplid" als Einlage und vielen bekannten Gedichten. Ich hatte das Buch Anfang der 1990er in der Insel-Ausgabe gelesen (damals hatte ich mich auch näher mit Orplid und den beiden Orplid-Dramen von Mörikes Freund Ludwig Bauer befasst), hatte aber ganz vergessen, wie düster der Roman ausgeht.

August

Heinrich Heine: William Ratcliff (e)
Eine von Heines beiden Tragödien, die beide kein Glück auf dem Theater hatten. Ich mag den Ratcliff lieber als den Almansor, seine düstere Stimmung, die Geschichte. Aber als Prosastück hätte er sicher mehr Erfolg gehabt.

Hans-Jürgen Fischer: Schreiben gegen das Abgeschriebensein
Eine Masterarbeit über eine Schreibwerkstatt für Langzeitarbeitslose. Sie besteht aus einem theoretischen Teil, der sich mit den politischen Ursachen und den sozialen und psychischen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit befasst, hierauf wird das Konzept einer Schreibwerkstatt entwickelt, das den Betroffenen helfen und durch die Entdeckung eigener Fähigkeiten ihr Selbstwertgefühl stärken soll. Das Buch enthält auch eine Dokumentation der in der Praxis durchgeführten Schreibwerkstatt. Ich habe das Buch als Vorbereitung für ein Interview gelesen, das ich mit dem Autor geführt habe. Einen Mitschnitt der Sendung könnt ihr hier nachhören:
https://youtu.be/zNjIiDTzr5E

Felix Dahn / Therese Dahn: Walhall (e)
Sehr umfangreiches und reichhaltiges Werk über die Götter und Helden der Germanen. Abgesehen von ein bisschen "völkischem" Einschlag (Deutschtum, Bismark in den Fußstapfen der alten Helden) und abgesehen davon, dass die Forschung inzwischen schon weiter ist, auch heute noch brauchbar und hilfreich. Ein sehr interessantes Schriftstellerehepaar. Felix Dahn widmet sich im ersten Band den Göttersagen, seine Frau Therese Dahn schrieb den Band mit den Heldensagen.
Als Professor geht Felix Dahn das Ganze eher wissenschaftlich an, zieht Parallelen zu anderen Mythologien, analysiert Götternamen etymologisch, interpretiert Metaphern. Das kommt etwas trocken herüber, steckt dem Leser aber reihenweise Kronleuchter auf. Therese Dahn, eine Nichte zweiten Grades der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, ist eher Erzählerin und hat die wesentlich schönere, lesbarere und für den Leser angenehmere Hälfte geschrieben. (Ein Kollege, der sich zeitgleich mit mir durch Felix Dahns "Kampf um Rom" quälte, klagte auch über dessen drögen, professoralen Stil, der Mann ist eben klug, aber nicht unbedingt ein Abenteuerautor.) Ich fand beide Hälften gut, hätte mir im zweiten Teil mehr Hintergrundinfos gewünscht.

Lou Goble: Das neue Epos von Kalewas Sohn. 3 Bände
Ein Buch, das ich mir in meiner Jugend unbedingt kaufen wollte und dann doch nicht mitgenommen habe, weil es nicht um das finnische Kalevala geht, sondern um den estnischen Kalevipoeg. (Ich hatte damals den Kalewipoeg noch nicht gelesen.) Jetzt habe ich die Trilogie antiquarisch bekommen. Eigentlich wollte ich die drei Bände für meinen Urlaub aufheben, aber als sie da so auf dem Reisestapel lagen ... da waren sie nach zwei Tagen schon durchgelesen, und ich hatte Gepäck gespart. Das neue Epos von Kalewas Sohn ist erschienen in der Reihe Goldmann Fantasy, aber ich würde es eigentlich nicht als Fantasy betrachten wollen. In einem anderen Format und mit anderem Cover wäre es durchaus als "Hochliteratur" durchgegangen und vielleicht mit Literaturpreisen ausgezeichnet worden.
Die Sprache ist eher lyrisch und getragen, es ist nicht die Erzählweise eines Fantasyromans. Der Held des Buches, der Sohn des starken Kalew (keine Ahnung, warum es im Titel heißt "Kalewas Sohn" und nicht "Kalews Sohn", im Buch steht durchgehend und korrekt "Kalew") wird gezeichnet als etwas schlichter und naiver Jugendlicher, der sehr stark auf seine Mutter fixiert ist, seinen Vater noch vor der Geburt verlor und nicht so recht weiß, was er auf der Welt zu tun hat und wie es die Stelle seines von bösen Zauberern getöteten Vaters ausfüllen soll. Als seine Mutter auch noch von Zauberern getötetet wird, glaubt er, sie sei entführt worden, und macht sich auf die Suche. Dieser Kalewipoeg, wie schon im Original angelegt, ist zwar irgendwie ein Nationalheld und sehr stark, aber eigentlich ist er vor allem ein großer Scheiterer. Er scheitert in seiner Suche nach seiner Mutter. Er scheitert in seinem Kampf gegen die Zauberer. Er scheitert bei seinem großen Ziel, ein Schwert zu erwerben, das eines Helden würdig ist. Er erringt es zwar, doch geht es genau so schnell wieder verloren. Er stürzt seine unbekannte Schwester ins Unglück. Er schafft es nicht, sein Land gegen die einfallenden Feinde zu verteidigen. Und bei seinem Versuch, eine große, alles überragende Stadt zu schaffen, geht alles schief. Ein wunderbares literarisches Werk und besser als das Original. Ich habe es nicht ins Fantasy-Regal gestellt, sondern neben den alten Kalewipoeg, da steht es gut.

Sophie von La Roche: Erscheinungen am See Oneida (e)
Sophie von La Roche kannte ich bisher nur als Verfasserin der "Geschichte des Fräuleins von Sternheim". Eine rührende Geschichte über ein edles doch armes Fräulen, das aufgrund seiner Tugend nach vielen schweren Prüfungen schließlich doch noch den Mann seiner Träume bekommt. Die "Erscheinungen" sind in dem gleichen Tonfall gehalten, emotional, innerlich, ein hohes Lob der Tugend und Tätigkeit, sie kommen jedoch nicht als Roman, sondern als Reportage beziehungsweise Reisebericht daher, in dem ein USA-Reisender eine Siedlung besucht, dort viele tüchtige Leute kennen lernt, und schließlich durch seinen Wirt auf ein Ehepaar aufmerksam gemacht wird, das aus Frankreich stammt, von dort flüchten musste und lange vor den anderen Siedlern auf einer einsamen Insel im nahe gelegenen See eine Hütte baute. Die beiden erzählen nach und nach ihre Lebensgeschichte und die Abenteuer, die sie in den ersten Jahren auf der Insel zu bestehen hatten. Unter anderem mussten sie, als die Frau schwanger war, schwimmnend ans Ufer kommen (ein Boot gab es nicht), wo die Frau bei einem freundlichen Indianerstamm ihr Kind zur Welt brachte. Ein bissel schwülstig und alles voller Tugend, nicht ganz so toll wie der Sternheim-Roman, aber ein hochinteressantes Zeitdokument.

James Joyce: Ulysses
Uuugh. Was für ein Brocken. Ich hatte ganz schön zu beißen daran. Die Geschichte eines Anzeigenverkäufers, der durch Dublin läuft, in Verbindung gebracht mit der Odyssee, jedes Kapitel in einem anderen Stil, sehr widerständig zum Teil. Wir hatten damals im Deutschunterricht in der zwölften Klasse ein paar Auszüge daraus gelesen, und es war spannend, diese Stellen nach all den Jahren nun wiederzuentdecken. Aber das Kapitel mit Bloom im Rotlichtmilieu und das letzte Kapitel, der lange innere Monolog seiner Frau, waren doch ganz schön fordernd. Ja, ich hatte auch meinen Spaß daran, gerade an den hinteren Kapiteln, als Odysseus und Telemach endlich zuammengefunden hatten. Ein großer Reichtum an Anspielungen und Zitaten quer durch die Weltliteratur und die Mythologien, auch ein sehr eigener Humor der sich an verschrobenen und verumständlichten Formulierungen zeigt wie: "Warum wurde ihr Gesang unterbrochen? - Infolge mangelhafter Mnemotechnik." Es war immer mein Traum, das mal zu einem Lehrer zu sagen, aber die haben mich in der Oberstufe einfach nicht mehr gefragt: "Warum hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht, Petra?" Tja, kann ich's nun empfehlen? Ich sage keinem, dass er es lesen soll. Aber schaden kann's auch nicht. Nur erwartet keine leichte Kost.

Physiologus gr./dt. (Reclam)
Eine Art Naturlehre aus der Zeit des frühen Christentums, entstanden irgendwann zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert nach Christus und ein erschütterndes Beispiel dafür, wieviel das Christentum zur Volksverdummung beigetragen hat. Diese "Naturwissenschaft" verdient den Namen nicht und es ist kaum zu glauben, dass ein halbes Jahrtausend nach den wissenschaftlichen Schriften eines Aristoteteles so ein haarsträubender Blödsinn als wissenschaftlich und zitierfähig verbreitet wurde. Es ist kein Kapitel darin, in dem keine Absurditäten behauptet und mit Bibelstellen belegt werden. Geschildert werden unterschiedliche Tierarten und ihre Eigenschaften, Hasen, Schlangen, Löwen, und jedes Kapitel schließt mit der Formel: "Schön hat der Physiologus über den xxx gesprochen." Vom Panther heißt es, er würde besonders gut riechen. Die Hyäne sei zuweilen Frau, zuweilen Mann. Berühmt wurde die Schilderung des Pelikan, von dem erzählt wird, er ritze sich die Brust auf, um seine Kinder mit seinem Blut zu ernähren. Damit wird das Tier zum Symbol Christi. Das Büchlein hat auch ein vielzitiertes Kapitel über Einhörner.
Als Teil der Wissenschaftsgeschichte wahrhaft deprimierend. Für den Fantasy-Autor aber durchaus eine Fundgrube. Es kommt also auf die Perspektive an und darauf, was man aus dem Büchlein herausholen will.


September

Alexandra Bauer: Das rätselhafte Abenteuer des kleinen Goblin

Stephan Lössl: Jäger im Zwielicht

Ludwig Tieck: Franz Sternbalds Wanderungen (e)
Einer der bedeutendsten Künstlerromane der Romantik. Spielt zur Zeit Albrecht Dürers, dessen begabtester Schüler Sternbald ist. Der Titelheld hat nun ausgelernt und begibt sich auf eine Reise durch die Welt, um bei anderen Meistern und mit anderen optischen Eindrücken seine Ausbildung vervollkommnen. Viel Zitatmaterial über den Kunst- und Naturbegriff der Romantiker. Ich hab's Anfang der 90er erstmals in der Reclam-Ausgabe gelesen. Und ich erinnere mich noch gut an den flapsigen Kommentar meiner Dozentin im Seminar über den Naturbegriff der Romantiker: "Franz Sternbald ist drei Jahre unterwegs, und jede Nacht ist Vollmond."

Sabrina Železný: Straka

Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (Reclam)
Der dritte große Künstlerroman, den ich mir in diesem Quartal zu Gemüte geführt habe, diesmal ein Buch, das ich noch nicht kannte. Daher erstmal die Reclamausgabe. Ein so dickes Reclamheft habe ich noch nicht gesehen (höchstens Kants Kritik der reinen Vernunft kann da noch mithalten, ich müsste mal nachmessen). Das Ding hat rund 1000 Seiten und sorgte schon manchmal für komische Blicke und Nachfragen der Kollegen, wenn ich es in der Gesäßtasche meiner Jeans stecken hatte, es passte aber gerade so rein.
Heinrich, der Titelheld, will Maler werden, und zwar Landschaftsmaler, und zieht, ähnlich wie die Maler Nolten und Sternbald in die Welt hinaus. Anders als die beiden erstgenannten, ist er allerdings ein furchtbarer Unsympath. Irgendwie fand ich ohnehin das ganze Buch ziemlich fade, eigentlich haben mir nur die letzten ca. 50 Seiten gefallenen, in denen Heinrich wieder zurück nach Hause kommt und seine Mutter, deren Briefe immer drängender wurden, von der immer besorgniserregende Nachrichten über ihren Gesundheitszustand kamen, dann doch nicht mehr unter den Lebenden antrifft. Heinrich selbst stirbt kurz danach. Und ausgerechnet diesen Schluss, der das Buch dann doch noch ein wenig an Fahrt aufnehmen lässt und ihm eine gewisse Tragik verleiht, hat der Autor dann umgeschrieben und in der zweiten Fassung in ein Happy End verwandelt. Doof.
Auch die Erzählform ist ziemlich anstrengend. Zu Beginn wird seitenlang das Bild eines Sees und einer daran liegenden Stadt in der Schweiz entworfen, und man weiß als Leser nicht, ist das jetzt real oder will uns der Erzähler/Künstler erstmal einfach nur sein Handwerkszeug zeigen. Klingt jedenfalls auktorial. Dann eine zeitlang eine personale Erzählung, in der von Heinrich auf Reisen berichtet wird. Dann wird plötzlich eine Autobiographie Heinrichs eingeschaltet, der Mann setzt sich hin und schreibt als Ich-Erzähler sein ganzes Leben auf. Und erst nach ewigen Hunderten von Seiten, als man sich in die Ich-Erzählung eingelebt hat und denkt, das soll jetzt wohl so sein, wird wieder zurückgesprungen in den alten Er-Erzähler, der dann ebenfalls noch ziemlich lang vor sich hin schwadroniert. Dabei befindet sich der Maler auf einer immer tiefer sinkenden Bahn des gesellschaftlichen Abstiegs. Das hätte spannend oder tragisch sein können, aber erregt eigentlich kaum Mitgefühl, da Heinrich sich in seiner Jugend als ziemlich bösartig gezeigt hat, in den Phasen, in denen es ihm besser ging, bestenfalls gleichgültig und durchschnittlich, manchmal auch einfach nur gemein oder zumindest faul und verschwendungssüchtig. Ja, wenn er wenigstens ein künstlerisches Genie gewesen wäre. Man hat einfach kein Mitleid mit diesem lauen Typen, der weder menschlich noch künstlerisch irgend etwas hat, was positive Emotionen hervorrufen könnte. Und sein ständiges Selbstmitleid und Gewimmer, wenn es ihm mal wieder schlecht geht, verleiden einem diesen Protagonisten erst recht. Keller solle mit seinem Roman die Tragik eines mittelmäßigen Talents geschildert haben, sagt der Klappentext. Mittelmaß ja, Tragik nein. Und das kann man auch kürzer erzählen.


Sophokles: Elektra (e)
Ich hatte die sieben Sophokles-Tragödien vor vielleicht einem Vierteljahrhundert als Reclamheft gelesen, den Autor aber ansonsten nicht intensiver studiert, da ich einfach zu sehr auf Aischylos fixiert war. Allenfalls den "Aias" noch, den liebe ich. Vielleicht, weil er noch ein wenig eckig und kantig war und nicht so vollkommen und erhaben wie der "König Ödipus".
Jetzt fand ich seine Elektra als eBook, ein Anlass zur Neulektüre. Auffallend ist, dass diese Elektra ausgesprochen aktiv ist und sich sehr bewusst nicht nur gegen ihre Mutter stellt, sondern sich auch für die aktive Mitarbeit am Muttermord des Orest entscheidet und sich an der Tat beteiligt. Und mir war gar nicht mehr bewusst, das in dieser Tragödie Chrysothemis vorkommt. Ein ähnliches gegensätzliches Schwesternpaar wie Antigone und Ismene. Chrysothemis, die gehorsame Tochter der Klytaimnestra, die ihre Schwester zur Unterwerfung überreden will, hat auf jeden Fall etwas von der Kleon treuen Ismene. Allerdings ist Elektra keine so ruhige, friedliche Heroine wie Antigone, die in den Tod geht, um das göttliche Gebot zu befolgen. Elektra kämpft, gerade umgekehrt, um ihr Leben, und ihre Überlebenschancen sind wesentlich größer, wenn Klytaimnestra stirbt. Eine schöne Neuentdeckung.

Michael H. Schenk: Die Pferdelords und die Kristallstadt der Zwerge (Pferdelords II)
Zweiter Teil der Pferdelords. Die Welt des Reitervolks wird weiter ausgearbeitet und man lernt eine ganze Menge über Waffen und Pferde. Dieser Autor hat, obwohl es um eine Fantasywelt geht, offenbar eine ganze Menge recherchiert. Sehr lehrreich seine Erklärung des Unterschieds zwischen Jagdpfeil und Kriegspfeil. Die Pferfdelords müssen diesmal das benachbarte Volk der Zwerge aus den Fängen der Orks befreien, und der junge Nedeam hat die Gelegenheit, sich als Pferdelord zu bewähren. Etwas anstrengend ist die Angewohnheit des Autors, bestimmte Tierarten mit neuen Namen zu belegen. Warum kann man nicht von Wölfen und Bären oder von Hühnern reden, warum müssen es Pelzbeißer und Scharrfüßer sein? Das macht es etwas kompliziert.

Tacitus: Germania (e)
Musste einfach nochmal sein nach dem Dahn-Buch. Ich schreibe ja gerade (auch) am fünften Teil meiner Walküren-Serie und brauche ein wenig germanischen Input. Kleines, dünnes, schnell lesbares Buch mit etwas zu Sitten und Gebräuchen, etwas Mythologie, das Ganze aufgebaut als positives Gegenbild, das der Autor seinen Mitrömern als Spiegel vorhalten wollte. Wichtige Quelle, stellenweise mit Vorsicht zu genießen, aber durchaus anregend.

Teil I: Januar bis März 2016
Teil 2: April bis Juni 2016
Teil 4: Oktober bis Dezember 2016

© Petra Hartmann


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Jahresrückblick II: April bis Juni 2016

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2016 · 742 Aufrufe
Jahresrückblick
Teil zwei des Jahresrückblicks auf mein Lesejahr 2016. Diesmal wieder eine Menge Klassiker in eBook-Form, die ich schon mal als Reclamheft verschlungen habe, aber auch ein paar moderne Klassiker. Recht wenig Phantastik diesmal, aber vielleicht findet ihr ja trotzdem etwas. Und ich habe im zweiten Quartal nur ein einziges Buch im Blog rezensiert. Könnte am Arbeitststress gelegen haben. Oder am Wetter.
Viel Vergnüpgen mit meinen Lesefrüchten!

Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


April

Christian August Vulpius: Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann (e)
Räuberpistole aus der Feder von Goethes Schwager. Damals der absolute Bestseller, wurde wesentlich häufiger verkauft als der "Faust" oder der "Werther". Die Geschichte eines legendären Räuberhauptmannes. Was mich gewundert hat: Es geht weniger um einen kühnen Räuber, der einen Handstreich nach dem anderen ausführt und Erfolg hat, sondern das Buch beginnt bereits auf dem Höhepunkt von Rinaldinis Ruhm und zeigt ihn als einen Menschen voller Skrupel beziehungsweise als jemanden, der des Raubens überdrüssig ist und nichts lieber täte, als mit seiner Räuberei aufzuhören und ein gesittetes Leben als braver, friedlicher Bürger zu führen. Rinaldos Ausstiegsversuche ziehen sich über 20 Bände hin. Jedesmal, wenn er glaubt, es geschafft zu haben, und unter falschem Namen irgendwo untergekommen ist, taucht jemand auf, der ihn kennt. Meist sind es Räuber, die ihn oder seine neuen Freunde überfallen woillen. Er wird erkannt oder gibt sich zu erkennen, die Räuber jauchzen ihm zu und rufen: "Hurra, Rinaldini ist da, der soll unser neuer Hauptmann sein!" Und wieder ist Rinaldini Opfer seines Ruhms, übernimmt die Herrschaft einer neuen Räuberbande, führt sie zu einem kühnen Coup, scheitert, und muss erneut flüchten und untertauchen. Dazu dann ein paar amouröse Abenteuer, meist mit jungen gutaussehenden Damen aus dem Adel - fertig. Vom Stil her nicht schlecht, wenn auch manchmal etwas pathetisch und ziemlich sentimental. Auch vom Setting her nicht ganz unspannend. Aber die ewigen Wiederholungen ermüden. Es ist immer wieder nur die eine Geschichte: Rinaldini ist auf der Flucht, träumt vom ruhigen Leben als braver Bürger, findet Freunde und Geliebte, richtet sich ein, wird entdeckt, wird zum neuen Räuberhauptmann ausgerufen, organisiert einen Raubzug, flüchtet ... Endlose Fortsetzungen eines Bestsellers gibt es eben nicht erst seit unserer Zeit ...

Ludolf Wienbarg: Ästhetische Feldzüge (e)
Die Vorlesungen, die Ludolf Wienbarg im Sommersemester 1833 in Kiel über Ästhetik gehalten hat. Durch die Widmung - "Dir, junges Deutschland, widme ich diese Schriften, nicht dem alten" - quasi die Geburtsurkunde der literarischen Bewegung Junges Deutschland, meiner Leib- und Magen-Dichter. Ich hab das Buch bestimmt schon zwanzig mal gelesen, nun also die eBook-Ausgabe. Sehr lebendig und feurig im Tonfall. Inhaltlich ziemlich viel von Hegel, Schiller, Baumgartner etc. übernommen (um nicht zu sagen geguttenbergt), aber im Stil doch recht eigen. Besonders wichtig die 24. Vorlesung, in der es um die Jungdeutschen geht.

Jaroslav Hajek: Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg (Reclam)
Die Neuübersetzung, jetzt auch als Taschenbuch erhältlich. Ich habe lange überlegt, ob ich mir tatsächlich eine neue Übersetzung zulegen sollte, oder doch lieber die klassische, altgediente und damit gewissermaßen allbekannte Fassung. Überzeugt hat mich schließlich das Argument, dass der Svejk im tschechischen Original ganz normales Hoch-Tschechisch redet und nicht das komische Kauderwelsch, das wir aus dem alten Buch und dem Film mit Fritz Muliar kennen. Damals hat man das wohl der Art nachempfunden, wie Deutsche dachten, dass Tschechen in Österreich-Ungarn reden würden ... Also, wenn im Original richtig geredet wird, dann sollte Svejk auch im Deutschen nicht so radebrechen, dachte ich und nahm die Neuausgabe. Das Buch selbst ist, obwohl Fragment geblieben, göttlich und in sich vollendet, oder, wie im Nachwort ein Tscheche zitiert wird: Im Svejk ist alles drin. Svejks Art, abzuweifen und vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, hat eine gewisse Verwandtschaft mit Laurence Sternes "Tristram Shandy", nur dass hier eben kein Gentlemen sein Leben erzählt, sondern ein braver Soldat Geschichten von Rheuma und Schnaps erzählt und sich um den Einsatz an der Front herumlaviert. Sehr schön, und auch ein dickes Lob an den dicken Kommentarteil. Ein schönes, empfehlenswertes Buch.

Sören Kierkegaard: Die Krankheit zum Tode (Reclam)
Interessantes, etwas schwerlötiges Werk zum Thema "Verzweiflung", das man vermutlich nur dann richtig goutieren kann, wenn man schwermütig ist und Christ. Die Argumentation ist schon irgendwie logisch aufgebaut, beinahe aristotelisch wird definiert, was Krankheit ist, was Krankheiten des Körpers und der Seele sind und so weiter. Nicht ganz folgen mochte ich dem Autor aber dann schon bei der Definition der Verzweiflung, als er davon sprach, dass im Prinzip jeder an Verzweiflung leidet, und dann unterschied in bewusste und unbewusste Verzweiflung. Ich gestehe freimütig, dass ich mit unbewusster Verzweiflung nichts anfangen kann. Wenn etwas so schwach ist, dass ich es nicht einmal wahrnehmen kann, dann kann man es bestimmt nicht "Verzweiflung" nennen. Na gut, das sind wohl Definitionsfragen. Die Reclamausgabe ist ordentlich gemacht, man kann damit arbeiten, aber mit "Entweder - oder" kann ich einfach mehr anfangen.

Eduard Mörike: Die Historie von der schönen Lau (e)
Märchenhafte Geschichte über eine Wasserfrau, die im Blautopf leben soll. Es geht darum, dass sie zum Lachen gebracht werden soll. Das schafft aber niemand. Bis sie zu Besuch an Land geht. Ich hab es Anfang der 90er als Reclamheft gelesen, nun nochmal als eBook. Viele bekannte Gedichte Mörikes stehen drin. Sehr nettes, märchenhaftes Buch mit viel Lokalkolorit. Gut zu lesen.

Tilo Wesche: Kierkegard. Eine philosophische Einführung (Reclam)
Sicher ein hilfreiches und kluges Buch. Aber das Wort "Einführung" im Titel ist Etikettenschwindel und sollte vom Leser respektive Käufer nicht als "Kierkegaard für Anfänger" missverstanden werden. Es ist doch ganz schon viel Stoff zum Durchkauen, zumal es sich ursprünglich um die Dissertation des Autors handelte.

Dietrich von Bern

Westslawische Märchen (e)
Sammlung von Joseph Wenzig, erschienen 1857, gemeinfrei und damit kostenlos auf dem Kindle. Westslawisch bedeutet, dass es sich um Märchen, Sagen, Geschichten, Volkslieder und Sprichwörter der Böhmen, Mähren und Slowaken handelt. Enthält ein wenig angestaubte ethnologische Betrachtungen über den "Volkscharakter" dieser Nationen und setzt sich zum Ziel, die europäischen Völker und Staaten einander näher zu bringen, damit sie "sich auch geistig näher kommen und sich wechselseitig kennen lernen, um sich zur Förderung ihres gemeinschaftlichen Besten freundlich die Hand zu reichen." Eine sehr menschenfreundlich motivierte, proeuropäische Sammlung also. Die Märchen selbst sind recht europäisch, viele hätten auch gut in die Grimmsche Sammlung hineingepasst. Da gibt es Bauern mit drei Söhnen, von denen sich der jüngste, obwohl zunächst verlacht und verspottet, am Ende als der Erfolgreichste zeigt. Es gibt Witwen mit schönen Töchtern, um die sich übernatürliche Freier bewerben. Man trifft auf den Metallherrscher und die zwölf Monate. Stolz und Hochmut werden bestraft, Gutes tun belohnt. Es gibt abenteuerliche Reisen, gefährliche oder peinliche Situationen, auch viele humorvolle Stücke, zum Beispiel vom lustigen Schwanda, dem Dudelsackpfeifer, der den Teufeln zum Tanz aufspielt. Es gibt Riesen, Waisen, Geister, Reiche und Arme. Eheleute, die sich gegenseitig an Dusseligkeit übertreffen, und Erklärungen dafür, warum Hund und Katze sich nicht mögen. Dazu viel Liedgut und Sprichwörter. Also eine schöne, umfangreiche Sammlung mit vielen interessanten Fundstücken.


Mai

Zurück zu den Wurzeln - Die Storys zum Marburg-Award
Taschenbuch mit den Beiträgen zum Marburg-Award, ein Mitbringsel vom MarburgCon. Dieses Mal sollten es Horror-Geschichten sein, die mit der Rückkehr zu den Wurzeln zu tun haben, metaphorisch oder auch gärtnerisch. Durch letzteres bedingt auch ein paar Geschichten über Monsterpflanzen oder über jemanden, der seine Leichen im Garten vergräbt. Eine optisch und inhaltlich sehr ansprechende Sammlung, sehr gehaltvoll, es hat Spaß gemacht beim Lesen.

Michael H. Schenk: Die Pferdelords und der Sturm der Orks
Da strebt die Serie ihrem Ende zu, Teil 12 soll herauskommen, und ich fange erst jetzt mit Teil 1 an ... Wollte aber auch endlich mal reinschaun, nachdem mir die "Zwerge der Meere" des Autors so gefallen hatten. Das Buch war nur noch antiquarisch zu kriegen. Ein groß angelegter Roman über das Volk der Pferdelords in der Nachfolge Tolkiens, aber durchaus eigenständig. Der Autor entwirft eine sehr ausgearbeitete und detailreiche Kultur, die Stärken des Buches liegen auf jeden Fall auf den Schilderungen der Ausrüstung, Bewaffnung, Pferdegeschirre sowie des Brauchtums. Das ganze ist eingebettet in eine ziemlich blutige, ausufernde Kriegshandlung, die Orks stürmen das Land der Pferdelords und können nur unter hohen Verlusten schließlich zurückgeschlagen werden. Vorerst. Das Buch hat mir gefallen, ich habe mir kurz danach Teil 2 besorgt, auch antiquarisch.

Achim von Arnim: Die Kronenwächter (e)
Ich glaube, ich war 17, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, gleich nach "Isabella von Ägypten". Ein ziemlich dicker Wälzer über eine Geheimorganisation aus dem 16. Jahrhundert, die die alte Kaisertradition der Stauffer fortführt. Und die Geschichte des Jungen Berthold, eines Nachfahren der Hohenstauffen, der bei einem Türmer aufwächst. Mir hatte sich vor allem die Eingangsszene im Gedächtnis eingeprägt: Der Türmer und seine recht stabile Frau hoch oben im Turm. Der neue Türme musste die Wittwe des alten Türmes mit übernehmen, weil sie die Treppe nicht mehr herunterkam. Und die Geschichte der Bluttransfusion. Dass in dem Roman so viel gemordet wurde, war mir entfallen. Insgesamt ein sehr interessantes Buch, etwas umständlich, etwas verschlungen und nicht unbedingt als historischer Roman zu betrachten.

John Brinckmann: Kasper Ohm in Batavia
Zweiter Teil der plattdeutschen Abenteuer von Kasper Ohm, erzählt von seinem Neffen. Teil eins hatte ich letztes Jahr gelesen. Diesmal wird Kapitän Kasper Ohm tatsächlich von einem Adligen examiniert, den er nicht so einfach zusammenstauchen kann wie seinen Neffen, und muss etwas von Batavia erzählen. Herrliches Seemannsgarn. Die Ausgabe, ein Titel der Reihe Hamburger Lesehefte, ist recht dünn, ließ sich aber nicht allzu schnell durchlesen. Zum einen, weil Brinckmanns Platt sich von dem in meiner Gegend geredeten doch etwas unterscheidet, dann weil für mich Platt generell schriftlich ungewohnt ist, aber ich fand auch den Druck ziemlich klein und eng, also etwas anstrengend.

Manfred Fuhrmann: Die Dichtungstheorie der Antike
Schöner Hardcover-Band, enthält die dichtungstheoretischen Schriften von Aristoteles, Horaz und "Longin" (Pseudo-Longinus). Aristoteles kenne ich zwar beinahe auswendig, aber die beiden anderen waren neu für mich. Hab eine Menge daraus gelernt. Aber ich werde wohl nie der große Dichtungstheoretiker werden.

Wsewolod M. Garschin: Attalea Princeps
Noch ein Buch aus der Abteilung: "Schon lange auf der To-do-Liste, aber erst jetzt bekommen". Den Titel dieses Buches entdeckte ich, als ich irgendwann zwischen 1987 und 89, als ich in der Oberstufenbibliothek meines Gymnasiums im alten Kindler blätterte. (Ja, ich war diese Art Jugendlicher ...) Irgendwie bin ich an der Beschreibung hängen geblieben, die Geschichte von der Pflanze, die im Gewächshaus immer größer wird und der Freiheit entgegenstrebt, allen Reden ihrer Mitgewächse zum Trotz, und die dann die Glasdecke durchbricht, hatte mich einfach fasziniert. Jetzt habe ich meinen alten Bücherwunschzettel von damals wiedergefunden und das Buch tatsächlich bei Amazon Marketplace entdeckt. Es ist ein kleines Insel-Büchlein mit Novellen und Kurzgeschichten, die titelgebende Attalea-Geschichte bildete den Schluss. Auch die anderen Geschichten waren nicht schlecht, vor allem die ersten beiden, Geschichten aus dem Krieg, waren einprägsam. Und "Die rote Blume", über einen Insassen eines Irrenhauses, der auf rote Klatschmohnblüten fixiert ist, hat mich sehr beeindruckt.

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut
Geschichte eines Flüchtlingsmädchens, jedenfalls eines minderjährigen Mädchens, das in Deutschland unterwegs ist und die Sprache nicht kennt. Eher eine Novelle als ein Roman. Das Mädchen tut sich mit zwei ebenfalls ausländischen Jungen zusammen, von denen einer ihre Sprache spricht und zwischen ihr und dem anderen Jungen dolmetscht. Die beiden schlagen sich eine Zeitlang zu dritt durch, bis ausgerechnet der Dolmetscher verlorengeht. Einmal werden die drei von der Polizei eingefangen, ein andernmal brechen sie in ein zeitweise leer stehendes Haus an. Schöne Sprache, eine harte Geschichte, sensibel und doch ohne Sentimentalität erzählt, auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Hat mir gefallen, vor allem sprachlich.

Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen
Ein Fundstück aus einem Büchertauschschrank in Hildesheim. Ich kannte ja den Film "Es geschah am hellichten Tag" und war sehr gespannt auf die Buchfassung. Hatte schon mal gehört, dass der Täter im Buch nicht gefasst wird. Und jetzt weiß ich nicht so recht, was mir besser gefällt. Irgendwie wirken beide Fassungen überzeugend, die Buchfassung mit dem uneingelösten Versprechen ein wenig härter, tragischer. Aber letztlich bleibt Matthäi ja nur aufgrund eines dummen Unfalls also zufälligerweise erfolglos. Hier also mal das Gegenteil vom vielzitierten Kommissar Zufall, der die Aufklärung herbeiführt. Ist der Zufall ein erlaubtes Stilmittel? Im Krimi nicht. In der Literatur vielleicht.

Karl Deichgräber: Die Persertetralogie des Aischylos
Umfangreiche Darstellung der Tetralogie von 472 v. Chr., zu der auch die "Perser" des Aischylos gehörten. Deichgräber versucht herauszuarbeiten, dass die drei Tragödien "Phineus", "Perser" und "Glaukos Potnieus" zusammen mit dem Satyrspiel "Prometheus Pyrkaios" eine groß angelegte Inhaltstetralogie ergeben, ähnlich der Promethie, der Danaidentetralogie und der Orestie.
Ich habe den Text vermutlich 1993 gelesen, als ich in einem müßigen Sommersemester die Perser übersetzte und anschließend eine Hausarbeit darüber schrieb. Jetzt habe ich das Buch nochmal vorgenommen, weil ich in die Fragmente des Satyrspiels "Glaukos Pontios" noch einmal reinschaun wollte. Deichgräber hatte diese im Zusammenhang mit der Tragödie "Glaukos Potnieus", die zur Tetralogie gehörte, ebenfalls mit besprochen. Er vertrat auch die These, beide Glaukoi, der König und Wagenlenker sowie der skurrile Meeresgott, seien ein und die selbe Person, und auf Glaukos' Sturz vom Wagen sei die Verwandlung in das Meerungetüm erfolgt. Allerdings gehe ich da nicht so recht mit ihm konform. Beide Wesen sind doch zu unterschiedlich, und ich finde auch keinen antiken Textbeleg dafür.

Wilfried A. Hary: Mark Tate (Pilotroman)
Ein quasi nachgereichter Pilotroman zur schon recht lange laufenden Serie, in dem geschildert wird, wie die Hauptpersonen sich kennen lernten und gemeinsam gegen Dämonen und böse Geister kämpfen. Das heißt, im Prinzip ist es doch nicht ein Roman, sondern es sind fünf kurze Romane in einem Band mit unterschiedlichen Ich-Erzählern und teilweise exotischen Schauplätzen. Geboten wird klassische Heftromanlitertur im positiven Sinne, handwerklich gut gemacht, spannend und interessant. Vielleicht sollte man den "Schawall", ein Amulett des Titelhelden als ständigen "Deus ex machina" nicht so sehr überstrapazieren. Denn es ist immer dieser Anhänger, den Tate um den Hals trägt, der sich irgendwann eigene Gedanken macht, sich anders verhält als geplant, sich in sich zurückzieht und schließlich, wenn die Situation aussichtlos ist, zuschlägt und die bösen Mächte erledigt. Aber, wie gesagt, ansonsten spannend und gut erzählt.

Michael Siefener: Albert Duncel
Fiktive Biographie eines Horrorschriftstellers, als als auf 100 Exemplare limitierte Hardcover-Ausgabe im Wurdackverlag erschienen. Wow, ein schönes Stück Literatur. Siefener zeichnet die Geschichte eines, gelinde gesagt, schwierigen Menschen nach, gestört, krank, mit eigenartiger Psyche, Hang zum Sadismus und als Autor von nicht geringem Selbstwertgefühl. Duncel, geboren als Albert Hell, schreibt drei Romane, hat mit dem ersten auch einen ganz ordentlichen Erfolg, die beiden anderen kommen beim Publikum nicht mehr so gut an. Es wird nach und nach klar, dass das Hirn des Autors in immer düsterere Regionen abdriftet ... Das Buch ist aufgemacht wie eine "echte" Biographie, mit Zitaten und Quellenangaben, es werden fiktive Rezensionen, aber auch Interviews mit seiner Exfrau und Erinnerungen von Mitschülern zitiert. Ein Buch, das mich auch als Germanist sehr erfreut hat. Allerdings, der Held ist sowas von krank, aber sowas von ...


Juni

Niklas Peinecke: Die Sonne der Seelen (D9E 10)
Fortsetzung der Geschichte um das "Haus der blauen Aschen" und die "Seelen der blauen Aschen". Ich muss gestehen, dass ich mit Niklas Peineckes Beiträgen zur Serie "Die neunte Expansion" am wenigsten klarkomme. Dabei sind mir seine Helden Farne und Karman eigentlich ausgesprochen sympathisch, und die Birkenmenschen scheinen ein interessantes Volk zu sein, aber der ganze technische, physikalische, computerige Bereich ist mir einfach zu hoch ... Der Autor ist vermutlich sehr klug.

Heike Wulf (Hrsg.): Noch mehr Schoten. Neue Geschichten aus dem Ruhrgebiet
Kurzgeschichten, zumeist sehr kurze, herrlich kohlenpottig und absolut unphantastisch, sondern sehr realistisch. Lesenswert, ich habe mich gut unterhalten.

Robert Schneider: Schlafes Bruder
Klassiker. Geschichte eines Hochbegabten, eines besonderen Tonkünstlers aus einem kleinen Bergdorf im 19. Jahrhundert, der mit seinem Orgelspiel sogar ein geistliches Prüfkollegium verzaubern kann und kurz danach stirbt, als er beschließt, nicht mehr zu schlafen. Großartiges Buch. Ich hab's lange vor mir hergeschoben, hätte es schon eher lesen sollen.

Jane Austen: Kloster Northanger
Ein Buch, das mir eine sehr liebe Kollegin einmal geschenkt hat. Es war mir wegen eines Umzugs in eine Kiste geraten, in der ich es nicht gleich wiedergefunden habe. Jetzt aber geborgen und noch einmal von vorn angefangen. Herrlicher Humor, der mit den Genrekonventionen des Schauer- und Liebesromans spielt, und eine Heldin, die naiver ist als jeder Dummling im Märchen - und sich damit natürlich am Ende den Traumprinzen verdient. Schön.

Das Gespensterbuch I
Große Sammlung an Schauerlichem aus dem 19. Jahrhundert, damals wohl eines der Kultbücher der Horrorfans, jetzt neu bei Blitz erschienen und mit einem lesenswerten Vorwort vom Markus K. Korb, der unter anderem berichtet, wie dieses Buch in die Villa Diodati am Genfer See geriet, wo sich eine Illustre Versammlung von Literaten um Lord Byron aufhielt und sich davon inspirieren ließ. Es folgte ein legendärer Wettbewerb im Schreiben von Horrorgeschichten. Damit wurde das Buch gewissermaßen zum Paten von Mary Shelleys "Frankenstein" und - über John William Polidoris Novelle "Der Vampyr" - auch indirekt von Bram Stokers "Dracula". Wer dieses Buch liest, wandelt also gewissermaßen in großen Fußstapfen. Insgesamt eine sehr vielschichtige, dicke Sammlung mit Sagenstoffen, Gespenstererzählungen, aber auch Feenmärchen. Interessant, dass darin die Vorlage für den "Freischütz" zu finden ist. Ein paar ziemlich harmlose und lichte Feenmärchen hätten gut und gern fehlen dürfen.

Peter Hereld: Einer von mir
Krimi über einen Menschen mit multipler Persönlichkeit, der plötzlich mit einer Leiche im Auto erwacht und nicht weiß, wer sie getötet hat. War es ein Fremder, oder war es möglicherweise eine seiner unterschiedlichen Persönlichkeiten? Es handelt sich um die überarbeitet Neuausgabe von Herelds Debüt-Roman "Mein achtes Leben". Ich habe das Buch als Vorbereitung auf mein Interview mit dem Autor auf Radio Tonkuhle gelesen. Ein Mitschnitt der Sendung ist hier zu finden:
https://youtu.be/15vVnMss6wU

Daniel Himmelberger & Saro Marretta: Letzte Reise nach Palermo
Ein Krimi, den ich als Dankeschön für eine Lesung beim Nürnberger Autorentreffen geschenkt bekam. Es geht - passenderweise - um eine Gruppe von Autoren, die nach Italien reist. Aber kurz vor der Abfahrt wird das prominenteste Mitglied der Gruppe, eine Krimiautorin, ermordet. Es stellt sich heraus, dass sie an einem Buch über die Mafia arbeitete. Wer der Mörder ist, wird hier natürlich nicht verraten. Aber ein Lob an die Ermittlerin, die hat mir gefallen.

Hannu Raittila: Atlantis
Roman aus Finnland über ethnologische/archäologische Untersuchungen an einem Dorf in einem Stausee und einem Menschen, der diesen Stausee in die Luft sprengen will. Ich hab es mir vor einigen Jahren gekauft und bin drin stecken geblieben, habe es jetzt noch einmal angefangen und durchgehalten. Nicht uninteressant, aber teilweise ziemlich spröde. Ich hab's vor allem gekauft wegen des tollen Covers, und das ist auch wirklich richtig schön.

Karla Schmidt: Ein neuer Himmel für Kana (D9E)
Ein neuer Höhepunkt der Serie "Die neunte Expoansion". Und ein sehr spannendes neues Volk mit einer interessanten Art zu kommunizieren und Bilder zu erzeugen. Hat mir sehr gut gefallen. Ich mag überhaupt die eher ethnologischen und biologischen Handlungsfäden im D9E-Kosmos lieber als das Physikzeug. Naja, das war schon in der Schule so. Jedenfalls hat Karla Schmidt hier eine neue Kultur geschaffen, von der ich hoffentlich noch mehr zu lesen bekomme.

Über den Rand des tiefen Canyon. Lehren indianischer Schamanen
Sammlung aus Dietrichs Gelber Reihe mit Texten von beziehungsweise über diverse Schamanen nordamerikanischer Indianer. Ich habs von einem Bekannten bekommen, der es doppelt hatte. Ließ sich gut lesen, inhaltlich ganz okay, aber eben eine Auswahl und Sammlung unterschiedlicher Texte, es fehlt ein wenig der Zusammenhang.


Zu Teil I meines Jahresrückblicks: Januar bis März 2016
Zu Teil III meines Jahresrückblicks: Juli bis September 2016
Zu Teil IV meines Jahresrückblicks: Oktober bis Dezember 2016

© Petra Hartmann


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Jahresrückblick I: Januar bis März 2016

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2016 · 731 Aufrufe
Jahresrückblick
Hier kommt mein literarischer Jahresrückblick auf das Lesejahr 2016, das erste Viertel. Natürlich ist wieder einiges an Phantastik darunter und wie immer ein wenig Literatur aus den 1830ern. Im ersten Quartal auch ziemlich viel, das mit der Nazizeit und der Nachkriegszeit zu tun hat. Und ich habe es endlich geschafft, den Koran zu lesen. Schaut mal rein, vielleicht ist das eine oder andere Buch ja für euch auch interessant.


Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


Januar

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby

Heinrich Laube: Reisenovellen III (e)
Dritter Band der Reisenovellen, Teil I und II hatte ich noch im vorigen Jahr gelesen. Ich hatte während des Studiums einen Reprint aus den 70ern in der Fachbereichsbibliothek zur Verfügung. Jetzt also die eBook-Ausgabe. Die Reisenovellen sind, trotz des Titels, eigentlich keine Sammlung von Novellen, es handelt sich um eine Reisebeschreibung mit Schilderungen verschiedener Städte und Länder, wobei ab und zu auch mal eine kleine Anekdote erzählt und manchmal auch eine novellistische Einlage zu finden ist. Aber es geht eben nicht nur um Novellen, eigentlich sogar höchst selten. Im dritten Teil ist der Ich-Erzähler (den wir größtenteils mit dem Autor identifizieren dürfen) in Wien. Er schildert die Leopoldstadt, die Theaterkultur (Laube wurde nach 1848 Direktor des Wiener Burgtheaters), St. Stephan, Sperl in floribus, Wiener Musik, erlebt romantische Abenteuer, Nationalborniertheit, Natur, Kunst und Kultur, Essen und Mode, Bäder und Gesundbrunnen, macht sich Gedanken über den Wiener Dialekt. Es gibt ein Kapitel über Grillparzer und eines über Beethoven, über die Donauberge, eine Legenden-Erzählung über die Gründung eines Karthäuserklosters und eine unglückliche Liebe, einen Ausflug nach Schönbrunn. Zum Schluss geht es um Ungarn, es gibt Betrachtungen über das Land und seine Bewohner, seine Geschichte sowie über seine berühmtesten Söhne.

Der Koran (Reclam)
Das Buch steht schon seit 30 Jahren auf meiner To-do-Liste. Da ich dieses Jahr sehr viel mit Flüchtlingen zu tun hatte, war es dann endlich an der Zeit, mir das Werk zu Gemüte zu führen. Tja, wie sage ich's? Auch auf die Gefahr hin, dass morgen früh irgendwelche Idioten sich vor meiner Haustür in die Luft sprengen: Das Ding ist nicht so prickelnd. Ich habe die Bibel und den Talmud gelesen, kenne mich mit der Edda und auch ein bisschen mit den Veden aus, habe sogar mal die Nase ins Buch Mormon gesteckt, aber weder literarisch noch philosophisch und theologisch kann dieses Buch da mithalten. Und wer mir jetzt vorwerfen will, dass mein Arabisch nicht gut genug ist, um das Buch im Original zu lesen, dem sei gesagt, dass man anhand einer Übersetzung durchaus gewisse Qualitäten des Originals mitbekommt. Bei den anderen genannten Büchern hat es ja auch geklappt.
Der Koran ist zunächst einmal ziemlich lang und dabei auch ausgesprochen redundant. Es wird sehr viel wiederholt. Ob das Buch nun von Mohammed geschrieben worden ist, oder ob Mohammed nur das Medium war, durch das Gott selbst diese Zeilen gesandt hat, möchte ich hier nicht diskutieren, fest steht jedenfalls, dass der Verfasser nicht allzu viel an Motiven und Variationen zu bieten hat. Es wird oft hervorgehoben, dass im Koran auch die großen Gestalten des jüdischen und christlichen Glaubens vorkommen. Ja, tun sie. Moses beispielsweise wird häufig erwähnt. Und immer wieder wird die gleiche Geschichte erzählt: Moses in Ägypten steht vor den Priestern des Pharao, er und sie werfen ihre Stäbe zu Boden, die Stäbe verwandeln sich in Schlangen, und die Schlange des Moses frisst die Schlangen der ägyptischen Priester. Ehrlich wahr, die gleiche Geschichte, immer und immer wieder, den Leitsatz "Variatio delectat" (Abwechselung erfreut) kennt der Verfasser offenbar nicht.
Ja, es gibt eine gewisse Toleranz gegenüber Juden und Christen, allerdings unter der Bedingung, dass sie sich zum "Islam" bekehren. Wobei das wohl auch heißen kann, dass sie sich einfach fromm verhalten und den monotheistischen Gott verehren sollen, das Wort "Islam" mag da noch im allgemeinen Sinne als „Unterwerfung (unter Gott)“, „völlige Hingabe (an Gott)" verstanden worden sein. Recht interessant auch der Gedanke, dass auch die früheren Propheten die rechte Lehre und im Sinne Gottes gepredigt hätten - wo diese dem Koran widerspricht, da sei die von den Propheten rein dargebrachte Lehre später von den Menschen verfälscht worden. So behält man natürlich immer Recht.
Der Koran ist auch ein Buch, das immer wieder über sich selbst spricht, sich selbst als Gottes Wort preist und fordert, dass man ihm folgen soll. Und der Koran betont mehrfach, dass er es seinen Gläubigen besonders leicht machen wolle, also keine anstrengenden und schwer zu befolgenden Gebote enthält, nur des Schweinefleisches müsse man sich enthalten, das sei ja keine Belastung.
Ebenfalls interessant fand ich die Anordnung. Abgesehen von der ersten Sure, "Die Eröffnende", ist der Koran zumeist nach Länge der Suren geordnet. Das bedeutet: Wenn man die ersten 17 Suren gelesen hat, ist man schon mit der Hälfte des Buches durch, nach hinten hin wird es immer kürzer.
Insgesamt ein ziemlich sprödes, nicht allzu spannendes Buch. Wenn ich eine Auswahl meiner persönlichen Highlights zusammenstellen sollte, käme ich auf zehn bis fünfzehn sehr interessante Suren, die ich euch zu lesen ans Herz legen möchte:
- "Die Öffnende" und die Schutzsuren 113 und 114, "Das Morgengrauen" und "Die Menschen", quasi als Anfang und Ende des Buches,
- "Die Pochende" (101),
- "Die Ungläubigen" (109, kam bei Karl May in "Ardistan und Dschinnistan" als "Prüfungssure" vor. Eine, wenn man dem Altmeister der Orientalistik glauben darf, aufgrund ihres vertrackten Baus als Prüfstein dafür genommen werden kann, ob jemand betrunken ist oder nicht. So eine Art arabisches - "Fischers Fritz" wohl)
- Die 100. Sure von den schnell eilenden Rossen bzw. in dieser Ausgabe "Die Renner" (sehr schön, kraftvoll, bildreich, und - natürlich - es ist Rihs Sure, muss man als Karl-May-Leser einfach parat haben)
- "Die Kuh" - die zweite Sure, also nach der Eröffnung ganz vorn - und "Die Beute" (8). Die beiden langen Suren, vor allem interessant, da es hier um historische Begebenheiten geht, um die Aussendung von Boten zur Bekehrung einzelner Stämme und um Schlachten.
- 53. Sure, "Der Stern". Sehr interessant, da hier die "satanischen Verse" standen, die hinterher getilgt wurden. Hier war ursprünglich erlaubt worden, drei alte, in Mekka verehrte weibliche Gottheiten anzurufen, später wurden diese Verse als vom Satan eingeflüstert betrachtet und ausgetauscht. Man denke an das bekannte Buch von Salman Rushdie und die Folgen.
- Berührt hat mich die 80. Sure, "Er runzelte die Stirn", in der Mohammed von seinem Gott getadelt wird. Die ergreifendste und persönlichste Sure des Buches. Ein Blinder kommt zu Mohammed und bittet um Belehrung, doch der weist ihn ab. Darufhin wird er von Allah zusammengestaucht. Mohammed ist tief getroffen. Seitdem sagte er jedesmal, wenn er den Mann sah: "Willkommen der Mann, um dessentwillen mich mein Herr tadelte." Eine sehr beeindruckende und sehr menschliche Sure. Das hat Größe.
- Die Sure über die Frauen bzw. hier "Die Weiber" (Nummer vier), nicht nur für Diskussionen über das Frauenbild und die Rechte der Frauen wichtig, sondern es sind auch andere Rechtsvorschriften enthalten. Interessant fand ich zum Thema Frauen auch die 24. Sure, "Das Licht", in der es um Ehebruch und Hurerei geht. Der Kommentar hebt als bemerkenswert hervor, dass für männliche und weibliche Ehebrecher das gleiche Strafmaß angesetzt wird. Hintergrund der Sure war laut Kommentar ein Skandal im Lager Mohammeds, als jemand die eheliche Treue Aischas, der Lieblingsfrau des Propheten, in Zweifel zog. Die Verleumder erhielten 80 Peitschenhiebe, der angesehene Abdullah ibn Ubba durfte als Strafe nicht Moslem werden. Außerdem zum Thema Mohammed und die Frauen interessant: "Das Verbot", Sure 66, in der der Prophet seine Gattin (Hafsa) tadelt, weil sie gegenüber seiner Lieblingsfau Aisha ausgeplaudet hat, dass er in Hafsas Haus mit einer koptischen Sklavin geruht habe. Hafsa soll ihm eine lautstarke Szene gemacht haben. Es geht mir jetzt gar nicht darum, Sodom und Gomorrha zu schreien, ich find es einfach biographisch und menschlich interessant, und die Sure sticht als sehr persönliche Sure mit biographischem Hintergrund hervor und ist mir im Gedächtnis geblieben.
- Dazu noch eine von den Suren, die die Moses-Geschichte enthalten, als christlich Interessierte noch die Suren, in denen von Joseph, Jonas, Maria und Jesus die Rede ist, dann habt ihr schon eine guten Überblick über den Koran.
Übrigens, was mir die Lektüre persönlich im Gespräch mit deutschen Muslimen (nicht mit gerade angekommenen Flüchtlingen, die noch kaum Deutsch sprechen, sondern mit deutschen Kollegen mit Migrationshintergrund) gebracht hat: Man kann etwas mitreden. Im Gespräch mit vielen ist es durchaus ein Brückenbauer. Und im Gespräch mit Schwadroneuren ist es auch von Vorteil. Ich habe schon zweimal, als mir jemand sagte: "Das steht im Koran", sagen können: "Hä? Nein, das steht nicht im Koran, das wäre mir beim Lesen aufgefallen. Welche Sure soll das denn gewesen sein?" Woraufhin der religiöse Eiferer zurückruderte und meinte, ja, nein, also, das stünde zwar nicht im Koran, das wäre eben islamische Tradition.
Also, das Fazit: Es ist ein wichtiges Buch, zweifellos. Es macht keinen Spaß. Aber reinschaun lohnt sich doch.

Inge Becher: Lautlose Stufen
Eine Geschichte über eine "andere" Kindheit und Jugend in der Nazizeit. Das Mädchen Hella erkrankt an einer unbekannten Krankheit und hat immer wieder seltsame Anfälle, bricht zusammen und muss ins Krankenhaus. In der Schule fehlt sie daher oft, bleibt vor allem in Mathematik zurück. Aber das Schlimmste für sie ist, dass sie nicht wie ihre Freundinnen zum Jungmädelbund und Bund deutscher Mädel gehen darf, denn der Führer will nur gesunde Mädchen in seinen Organisationen haben. Als sie von einem geheimnisvollen Krankenhaus hört, in dem schwer kranke Kinder behandelt werden, bittet sie den Leiter der Klinik, in der sie bisher behandelt wird, sie dorthin zu überweisen. Was Hella nicht ahnt: Die angebliche Heilanstalt ist Teil des "Euthanasie"-Apparates der Nazis - unheilbare Kinder werden dort systematisch getötet, damit sie "der Volksgemeinschaft nicht länger zur Last fallen".
Es handelt sich um ein Kinderbuch, die Geschichte und die Hauptfigur sind erfunden, aber in Anlehnung die historischen Begegebenheiten und an konkrete Fälle und Orte erschaffen. Inge Becher schreibt in sehr leicht lesbarer, einfacher, aber trotz des bösen Themas sehr schöner Sprache. Vor jedem Kapitel ist ein kurzer Absatz zum historischen Hintergrund zu finden, der dem Leser hilft, die Geschehnisse einzuordnen. Ein Buch, das sich vermutlich vor allem als Schullektüre eignet. Vom Thema her ein Buch, das wir damals in unserer Schulzeit als "Problembuch" bezeichnet haben, also eigentlich nichts, was man sich als Schüler selbst gekauft hätte, sondern eher als Geschenk von Eltern oder Verwandten bekam, die einem etwas "pädagogisch Wertvolles" zukommen lassen wollten. Oder ein Buch, über das man seine Buchreferate hielt, weil man den Lehrer beeindrucken wollte. Tja, und nun bin ich in dem Alter, in dem ich mal ein "Problembuch" für Kinder empfehlen möchte: Lest dieses Buch, es ist gut geschrieben, spannend erzählt, ordentliche recherchiert und geht unter die Haut. Ach ja, und der Humor von dem Onkel, dessen Hund am gleichen Tag wie Hitler Geburtstag hat, hat mir auch gefallen. Absolut empfehlenswert.

Werner Bergengruen: Dies Irae
Dies Irae, der Tag des Zorns, ist ein Gedichtband, den Werner Bergengruen kurz nach dem Ende der Nazidiktatur in Deutschland veröffentlichte. Es sind 13 Gedichte, ein sehr schmales Büchlein also, über den Weltenbrand, den die Nazis entfesselt hatten, und die Abrechnung Gottes mit Deutschland. Ein sehr eindrückliches Werk, das auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende nichts von seiner Kraft verloren hat. Ich bin als alter Bergengruen-Fan ja schon lange auf der Suche nach dem Buch, jetzt bin ich am Amazon-Marketplace fündig geworden, und der Versender kam aus Hildesheim, also ganz aus meiner Nähe.

Unter dem sapphischen Mond. Deutsche Frauenlyrik seit 1900
Schmales Hardcover-Lyrikbändchen, Piper-Bücherei, aus dem Jahr 1957. Ich habe es schon vor einiger Zeit von einer Freundin erhalten, und es hat ziemlich lange auf meinen SUB gelegen. Der Band enthält Werke von 35 Dichterinnen aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrunderts, darunter Ingeborg Bachmann, Ricarda Huch, Marie Luise Kaschnitz, Elisabeth Langgässer, Agnes Miegel und Ina Seidel, um nur ein paar zu nennen. Eigentlich bin ich immer sehr skeptisch gegenüber solchen Anthologien. Ich mag "Lyrik von Frauen" genau so wenig wie "Lyrik von Senioren", "Lyrik von Flüchtlingen", "Lyrik von Hildesheimern" oder "Lyrik von Dampfwalzenfahrern mit Diabetes". Aber dieser Band hat durchaus eine ganz eigene Kraft. Vor allem, wenn man ihn im Vergleich zu dem Lyrikband "Junge Lyrik" betrachtet, den ich kurz danach gelesen habe. Frauen scheinen doch irgendwie anders zu dichten. Etwas ruhiger, geerdeter, bewahrender klingt es als die Sammlung der "jungen Wilden".

Junge Lyrik 1960
Eine Sammlung aus dem Hanser-Verlag, ein schmales Hardcover-Bändchen mit Gedichten von 16 Autoren, davon 15 Männer und eine Frau. Abgesehen von Jürgen Becker sagten mir die Namen alle nichts, was allerdings nicht viel heißen muss, da ich ja im 20. Jahrhundert literarisch nie so recht zu Hause war. Auffallend ist, dass ein Großteil dieser damals noch sehr jungen Dichter heute einen Wikipedia-Eintrag haben: Karl-Alfred Wolken, Arno Reinfrank, Rudolf Peyer, Klaus Reichert, Peter Lachmann, Jürgen Becker, Ferdinand Kriwet, Peter Dorn (nur als Komponist und Pianist verzeichnet) und Walter Hinderer (nur als Literturwissenschaftler). Die meisten haben es also tatsächlich "zu etwas gebracht" in der Literatur. Insofern ein großes Kompliment für Oda Schäfer, die Herausgeberin, sie hatte offenbar ein gutes Gespür für Autoren, die über den Tag hinaus Bedeutung haben. Auch wenn es bei der Sammlung wohl erstmal nur um eine Momentaufnahme ging. Insgesamt eine recht interessante Anthologie. Bei manchen Gedichten hatte ich schon das Gefühl, man sollte von dem Verfasser mehr lesen.

Christian Morgenstern: Man muß aus einem Licht fort in das andre gehn. Ein Spruchbuch
Noch ein antiquarisches schmales lyrisches Hardcoverbändchen, erschienen in der Piper-Bücherei 1950. Ein Morgenstern, den ich so noch nicht kannte. Recht ernste Sinnsprüche, Aphorismen, kurze Gedichte, die sehr vernünftig und sehr weise und menschenfreundlich sind. Manches könnte glatt aus den Lebensmaximen Goethes entnommen sein. Hat mich sehr überrascht, dieser andere, ernste Morgenstern.

Heinrich Laube: Reisenovellen IV (e)
Vierter Teil der Reisenovellen. Laube beginnt mit einigen Schilderungen österreichischer Personen, unter anderem geht es um Metternich. Wenig später geht es nach Mähren und Böhmen. Es folgen Betrachtungen über die czechischen Völker und ihre Sprache, dann endlich eine Novelle mit dem Titel "Florentin". Der Titelheld wird von einem Beamten erzogen, hat die irritierende Eigenschaft, dass er zu allen Menschen gleich freundlich ist, also keinen Sinn für Standesunterschiede kennt, und verliebt sich in ein Mädchen, dessen Eltern eine deutlich zu hohe gesellschaftliche Stellung haben, als dass er als Ehemann infrage käme ... Es gibt Schilderungen über Prag, dann geht es zurück nach Deutschland, und zwar nach Dresden, danach in die sächsische Schweiz. Unter den kulturellen Betrachtungen gibt es eine Abhandlung über Tieck. Eindrucksvoll die Schilderung mit einem geflohenen Polen (nach dem niedergeschlagenen polnischen Aufstand gegen Russland). Dann die Rückkehr nach Berlin und Frankfurt an der Oder, weiter nach Schlesien, Laubes Heimat. Interessant die Lokalsage vom "schönen Gottlieb", einem Räuberhauptmann, der in der Nähe von Grünberg sein Unwesen getrieben haben soll. Es wird ein Pfingstschießen in Laubes Heimatstadt Sprottau geschildert und ein Schützenausmarsch, es folgt eine Skizze über den Schriftsteller Weisflog. Laube reist mit der Postkutsche seinen alten Schulweg nach Glogau nach und stellt Betrachtungen über das Schulwesen an. Beinahe zärtliche Schildungen der schlesischen Natur und der Schlesier schließen sich an, er schildert die schlesischen Jugendlichen, gelangt schließlich in den geheimnisvollen Ort "Merschelwitz, wo an einer Kreuzung die Straßen nach Breslau, Schweidnitz und Zobten zusammentreffen, erzählt über Lanzenknechte und einen Traum, in dem römische Götter auftreten, redet zu den Trojanern aus Zobten usw. Weitere Stationen sind Gräfenberg (mit einer sehr skurrilen Schilderung des dortigen Bades) und Neisse. Ferner gibt es eine "Gebirgsnovelle", eine Geschichte um ein Liebespaar, Armut, den Weg ins Gebirge


Fabienne Siegmund: Der Karussellkönig

Heinrich Laube: Reisenovellen V (e)
Der fünfte Band. Es geht nach Pommern. Los geht es mit einigen Schilderungen aus der unbequemen Postkutsache samt einer Räubergeschichte. Der Autor freist über Schwedt, Vierraden, Garz bis Swinemünde und Stettin. Der Komponist Löwe und die Stettiner Börse sind Themen, ein Blick aufs Meer, eine Liebesgeschichte, Betrachtungen zur Badesaison. Dann geht es weiter nach Rügen. Sehr ansprechende Meeresschilderungen, erinnert etwas an Heines "Die Nordsee, dritte Abteilung". An der Ostküste Usedoms wird Vinetas gedacht. Auf Rügen wird von antiken Berichten über diese Insel erzählt (Bernstein, Phönizier, Römer). Außerdem geht es um Seeräuber und die alten rügenschen Wenden. Und über die Seehunde wird geschimpft, die den Fischern die Netze zerreißen. Der Autor schildert die Landschaft, vor allem die Bodden, erzählt von archäologischen Funden wie Muscheln, Opfermessern, steinernen Streitäxten und Urnen. Natürlich auch vom Hain der Hertha, den Tacitus in der "Germania" schildert. Dann eine stürmische Überfahrt. Eine Unterkunft bei einem Zöllner. Ein Kapitel ist Ferdinand von Schill gewidmet (Freikorpsführer 1806/07). Die zweite Hälfte des Buches spielt in Berlin. Eine Betrachtung über Berliner Literatur. Eckensteher. Franz Horn. Geschichtsphilosophische Betrachtungen über Kultur und Herrschaft bei den alten Völkern und deren Ablösung in der Herrschaft. Friedrich II und die Flöte. Berliner Berühmtheiten: Die beiden Humboldt. Neander. Carl Ritter. Willibald Alexis. Chamisso. Unter dem Titel "Die Maske. Eine Silhouette" gibt es eine kleine novellistische Einlage. Es folgt ein Kapitel über eine Begegnung mit Heinrich Heine. Dann ein Kapitel über Hegel. Eine Theaternovelle. Schließlich eine Beschreibung Potsdams.


Hörbuch

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. In 80 Sätzen durch die Weltgeschichte
Ein Hörbuch, das die Hintergründe zu "geflügelten Worten" aus rund zweieinhalbtausend Jahren beleuchtet. Außer dem Lutherwort im Titel sind das Aussprüche wie "L'etat c'est moi" (Der Staat bin ich) Ludwigs XIV., das delphische "Erkenne dich selbst", Gorbatschows "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" oder "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" (Karl Marx). Das Konzept ist faszinierend, das Hörbuch gut und spannend, die CDs haben mich auf langen Autofahrten gut eine Woche beschäftigt. Ich habe viel Neues gelernt, viele Hintergründe und Zusammenhänge entdeckt, die mir so bisher noch nie aufgefallen waren, und eine Menge Aha-Erlebnisse gehabt. Gut, das eine oder andere Kapitel war vielleicht nicht ganz so ausgefeilt wie der Rest, aber insgesamt eine sehr hörenswerte Angelegenheit.
Nun zum Schlechten. Die Auswahl ist extrem eurozentrisch. Es geht um die klassische Geschichte West- und Mitteleuropas, später dann ein wenig um Europas transatlantischen Erben, die USA. Unter "Welt"-Geschichte hatte ich mir etwas anderes vorgestellt als die klassische Schulgeschichtsbuch-Abfolge: Griechenland, Rom, Frankreich, Deutschland, England und USA. Es kommt nur ein einziger Asiat vor, Konfuzius. Oha, ein Indianer. Naja, der Satz mit dem letzten Baum, der gefällt wird. Das Zitat wird Häuptling Seattle in den Mund gelegt, wird auch oft als Mahnung der Cree-Indianer zitiert, entpuppte sich dann aber als Produkt der Phantasie eines Drehbuchautors. Kein Afrikaner. Nein, halt, ich will nicht ungerecht sein: Es wird Theodore Roosevelts Maxime "Sprich leise und trage einen großen Knüppel" zitiert, die er als Sprichwort aus der Westsahara bezeichnete. Und Saddam Hussein trägt einen der 80 Sprüche bei: "Die Mutter aller Schlachten hat begonnen." Allerdings ist das eines der dämlichsten Zitate. Ein dummer Satz, den ein großkotziger Wüstenschrat ausgespuckt hat, als welthistorischer Ausspruch? Da wäre doch das islamische Glaubensbekenntnis eher angebracht, ein Satz, der die Welt bewegt hat und eine der großen Welttreligionen antrieb und immer noch antreibt.
Überhaupt liegt die Auswahl ziemlich stark auf den sozialen und politischen Bewegungen und Parteien, auf Herrschern und Politikern. Wissenschaftler, Literaten und Künstler sind wenig vertreten, Religionsstifter gar nicht. Könnte es nicht sein dass Burschen wie Jesus oder Buddha oder Mohammed irgend etwas gesagt haben, was die Welt bewegte? Offenbar nicht. Nur Pontius Pilatus darf seine Hände in Unschuld waschen. Also Saddam wird zitiert, und Mohammed nicht. Pilatus wird zitiert, und Jesus nicht. Seltsame Prioritäten.
Insgesamt wird das Hörbuch dämlicher, je näher man an die Gegenwart herankommt. Gorbies "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" (sehr schön vom Autor recherchiert und aufbereitet) wäre ein gutes Schlusswort gewesen. Aber was zum Teufel hat Bill Clintons Satz "I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinski" in der Weltgeschichte verloren? Norbert Blüms Ausspruch "Die Renten sind sicher" als welthistorisches Zitat in einer Reihe mit "I have a dream" und "Ich weiß, dass ich nichts weiß"? Helmut Kohls Satz, er sähe "blühende Landschaften", ist sicher nicht das Kernzitat der Wiedervereinigung, sondern der Ruf: "Wir sind das Volk!" Ich habe auf Amazon in einer Rezension die Vermutung gelesen, beim Blüm- und Kohl-Kapitel solle aus linker Richtung noch einmal nachgetreten werden. So weit würde ich nicht gehen, aber ich finde auch, dass eine ansonsten hochwertige Arbeit durch den letzten Federstrich verdorben wurde. So gibt es keine 1 mit Sternchen, sondern nur eine 2 Minus auf die Sammlung.


Februar

Lutz Seiler: Kruso
Geschichte eines jungen Aussteigers in der DDR, Edgar, der den Tod seiner Freundin verkraften muss, nach Hiddensee kommt und dort in einer Kneipe als Tellerwäscher arbeitet. Fasziniert ist er von seinem Kollegen Kruso, eigentlich Alexander Krusowitsch, der unter den Angestellten des "Klausners" eine Art Führungsposition hat. Kruso ist fast so etwas wie der Schamane der Insel. Er organisiert auch die Unterbringung von Festlandsbewohnern, die sich halb legal auf der Insel herumtreiben, und führt seltsame Rituale durch. Eine unwirkliche Atmosphäre. Edgar und Kruso kommen sich näher. Und auch Kruso hat eine Tote zu beklagen, seine Schwester ist - aber ganz sicher ist das nicht - wohl ertrunken.
Der Roman spielt zu einer Zeit, als von Hiddensee aus immer wieder DDR-Bürger versuchen, in den Westen abzuhauen, oft schwimmend, meist ohne Kenntnisse der wirklichen Entfernungen, und zumeist ertrinken sie oder werden von der Polizei erwischt. Im Speiseraum quäkt ein kaputtes Radio, der Deutschlandfunk ist eingestellt und lässt sich nicht mehr ausstellen. Ausgerechnet zur Zeit der "Wende", geht das Radio dann aber doch ganz kaputt, das heißt, die Hauptfigur kriegt gar nicht mit, dass die Grenzen offen sind und warum alles so leer wird. Nach und nach gehen die Mitarbeiter des "Klausners" von Bord. Auch Kruso verschwindet und geht ins Wasser. Schließlich merkt Edgar doch, dass alles zu Ende ist. Zuletzt macht er sich auf nach Dänemark und versucht dort, in einem Dokumentationszentrum für Leichen von in der Ostsee ertrunkenen DDR-Flüchtlingen, die Schwester Krusos zu finden. Das Buch "hat was". Teilweise etwas sperrig zu lesen, aber nicht schlecht.

Hans Jürgen Fischer: Auf den zweiten Blick (e)
Die Sammlung enthält Kurzgeschichten und Gedichte, Alltagsbeobachtungen und Gedanken, zum Teil sehr bissig, recht systemkritisch, oft mit dem Blick auf die Verlierer unserer Gesellschaft. Ich habe das eBook als Vorbereitung für ein Interview mit dem Autor gelesen, das ich für die Sendung "High Noon" auf Radio Tonkuhle geführt habe. Das Gespräch und ein paar von Hans-Jürgen Fischer gelesene Passagen aus diesem Buch und aus seinem Roman "Sandros Strafe" könnt ihr hier nachhören:
https://youtu.be/BfOoVOUlLC0

Hans Baumann: Demetrius und die falschen Zaren
Ein Buch, das schon lange nicht mehr erhältlich ist. Ich fand es in einem öffentlichen Büchertausch-Schrank in Hannover. Mitgenommen habe ich es, weil ich zum einen ein großes Faible für Baumanns Jugendbücher habe, zum anderen, weil ich mich in meiner Unizeit sehr intensiv mit Schillers Demetrius-Fragment befasst habe, mit den Fortsetzungen, die Heinrich Laube und Gustav Kühne dazu geschrieben haben, und mit Friedrich Hebbels Demetrius, der ebenfalls Fragment blieb. Baumanns Demetrius ist ein Jugendbuch, aber mit einem hohen Anteil an Geschichtsreferat. Insofern ist es keine durchgehende Romanhandlung, sondern es werden immer wieder Abschnitte über die Zustände in Russland, die Interessen bestimmter Volksschichten und ähnliches eingefügt. Insofern lässt es sich nicht ganz so flüssig lesen wie etwa "Die Höhlen der großen Jäger", "Der Sohn des Columbus" oder "Flügel für Ikaros". Für mich als "Demetrius-Forscher" aber sehr erhellend und mit Gewinn zu lesen.
Baumanns "Demetrius" enthält, wie auch seine Bücher "Der große Alexanderfeldzug" oder "Flügel für Ikarus" als Auseinandersetzung mit der Frage nach der Rechtmäßigkeit von Herrschaft und der Möglichkeit, ein "guter Herrscher" zu sein, ein Thema, das wohl für den Autor immer auch eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Biographie gewesen ist. Damals, als ich seine Jugendbücher kennen lernte, wusste ich noch nichts von seiner NS-Vergangenheit und seiner Position als Cheflyriker und -Lieddichter der NS-Jugendorganisationen. Ich bin sehr froh darüber, dass ich den Autor damals ganz unvoreingenommen entdecken konnte. Womöglich hätte ich mir damals seine "Höhlen der großen Jäger" sonst nicht vom Taschengeld gekauft, es hätte mich gegraust. Aber der Mann hatte eine ganze Menge auf dem Kasten, schreiben konnte er wirklich.

Alexander von Ungern-Sternberg: Braune Märchen (e)
Alexander von Ungern-Sternberg gehört am Rande mit in den Bereich des "Jungen Deutschlands", der liberalen Literatur der 1830er Jahre, mit deren Autoren ich mich im Studium recht intensiv befasst habe. In diesem Zusammenhang stieß ich auch auf Ungern-Sternberg, der mit seinem Roman "Die Zerrissenen" ein damals sehr gängiges Schlagwort, eine psychologische Grundhaltung der modernern Literaten aufgegriffen hat. Ich las damals außer den "Zerrissenen" auch den Folgeroman "Eduard", fand beide grottig oder zumindest durchschnittlich, stieß dann aber auf zwei Taschenbücher mit Märchen von ihm, die "Schiffersagen" und die "Braunen Märchen" und stellte fest, dass dieser Autor seine Stärke auf jeden Fall auf dem Gebiet der "kleinen Formen" hat und dass seine Märchen viel besser sind als seine Romane. Jetzt stieß ich also auf eine kostenlose Ausgabe der "Braunen Märchen" und lud sie herunter.
"Braune Märchen" nennt er sie, weil er sich in die Tradition der französischen "Nouvelles Brune" stellt, was besagen will, dass es sich um erotische Märchen handelt. Für heutige Leser sind sie eher harmlos, es werden halt manchmal Dinge wie Geschlechtsorgane oder Beischlaf angedeutet. Da ist zum Beispiel die Geschichte einer Bäckerstochter, die eine supergute Bäckerin ist und eines Tages verkündet, sie wolle jetzt ihr Meisterstück liefern und sich einen Mann backen. Der Mann wird auch ganz toll und gefällt ihr ausnehmend gut, aber die junge Frau ist halt noch vollkommen unschuldig, und die älteren, erfahrenen Männer und Frauen kichern ein wenig, weil sie "das Hauptstück" vergessen hat. Der gebackene Mann ist ausgesprochen liebenswürdig, sieht auch gut aus, hat Manieren, aber er wird immer verdrossener, und als sie nicht versteht, was ihm fehlt, macht er sich irgendwann allein auf die Reise, kommt dann in den Besitz eines gläsernen Löffels, der ihm genau an die Stelle springt, wo ihm etwas fehlt, und dort anwächst, und der gebackene Mann zieht weiter, erlebt noch ein paar Abenteuer ... So in der Art. Also, wenn ihr etwas von Ungern-Sternberg lesen wollt, greift zu seinen Märchen und lasst die Romane weg. Macht mehr Spaß.

Heinrich Laube: Reisenovellen VI (e)
Letzter Band der Reisevovellen. Und vom Autor auch schon im Vorwort als Abschlussband angekündigt. Laube reist durch Thüringen. Stationen sind Weißenfels, wo es um eine Jagd und ein Liebespaar geht, Naumburg und Kösen, Bibra, der Kyffhäuser, wo des schlafenden Kaisers gedacht wird, Auerstädt und Osmanstädt, Weimar, wo es um Goethe und Schiller geht. Goethes Hauswesen , seine Gespräche und Briefe. Dann ein neuer Abschnitt über Süddeutschland, den Niederrhein, die Franken, München, Frankfurt. Ein Kapitel über den Rhein. Heidelberg. Die Nibelungen. Eine Novelle über ein Mädchen aus dem Schwarzwald. Stuttgart und die Schwaben. Schiller in Stuttgart. Nürnberg. Noch eine letzte Novelle aus Adelskreisen. Fertig.
Fazit: Die Italien-Reise vom letzten Jahr und die Ostsee-Reise aus diesem Jahr waren die besten Reisebeschreibungen aus Laubes Feder. Der Rest ist lesbar, aber auch sehr zusammengewürfelt.

Peter Hereld: Teutonia
Ein Interview mit Peter Hereld über sein Buch habe ich für Radio Tonkuhle geführt, einen Mitschnitt findet ihr hier: https://youtu.be/bVhQ4G4QtQw

Andrea Tillmanns: Weltenschlüssel 1 – Mit den Eulen fliegen

Regina Felin: Der Kleine Wagen
Ein Buch, das ich mir eigentlich schon vor 15 Jahren kaufen wollte, es ist dann aber irgendwie doch nicht dazu gekommen, aber jetzt habe ich es antiquarisch gefunden. Es geht nichts verloren.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen deutschen Mädchens, das nach dem Zweiten Weltkrieg beziehungsweise noch in den letzten Tagen des Krieges aus Polen nach Deutschland flüchten muss. Ihr Vater hatte einen wichtigen Posten bei der Bahn, war Leiter eines Bahnhofs, so kann er seine Frau und seine Tochter noch im Zug nach Westen unterbringen, obwohl alles restlos besetzt ist. Auf den Bahnhöfen spielen sich endzeitliche Szenen ab, alles flüchtet in Angst vor den Russen. Aber das ist nichts gegen das, was die Ich-Erzählenrin dieses autobiographisch geprägten Romans erlebt, als sie im Deutschland der Endkriegszeit ankommt. Freunde, selbst nahe Verwandte, sind plötzlich wie ausgetauscht, seitdem sie nur noch ein Flüchtlingskind ist. Jeder denkt nur an sich, keiner will sie und ihre Mutter durchfüttern, und wo immer sie ein Zimmer bekommen, müssen sie der Wirtin ihre Essensmarken zur Verwahrung und zwecks gemeinsamen Einkaufs abgeben - Marken, die sie nie wieder sehen werden. Sie werden bestohlen, betrogen, ausgenutzt und wie Abschaum behandelt, nach unten durchgereicht, auch und gerade von Verwandten ... Ein Buch, bei dem ich fast froh bin, dass ich es jetzt erst gelesen habe, in einer Zeit, in der die meisten Deutschen vergessen haben, dass auch Angehörige ihres Volkes vor noch nicht allzu langer Zeit einmal Flüchtlinge waren.
Etwas zu bekritteln habe ich allerdings als passionierter Sterngucker: Das Cover zeigt nicht den Kleinen Wagen, sondern den Großen Wagen. Und auch die Ich-Erzählerin scheint gar nicht zu wissen, dass es zwei Wagen gibt. Sie spricht nur immer von dem Kleinen Wagen, schaut zu ihm auf und stellt sich vor, dass sie all ihre Habseligkeiten und ihre Familie samt Hund in diesen Handwagen hineinsetzen und mitnehmen will. Irgendwie wäre es doch sinnvoller gewesen, der Vater hätte ihr erstmal den Großen Wagen gezeigt und ihr dann erklärt, wie man den Kleinen findet. Ich mein ja nur ...

Alexander von Ungern-Sternberg: Die Zerrissenen (e)
Typischer Roman der 1830er Jahre in der Verwandtschaft der Jungdeutschen. Künstlerroman mit Weltschmerz, ein paar Adlige, Liebesgeschichten, Gedanken über das Leben und den Staat, ein paar Verwicklungen. Ich hab Anfang der 1990er den Erstdruck in der niedersächsischen Landesbibliothek gelesen, und obwohl ich sonst immer fleißig exzerpiere, habe ich damals kein einziges Zitat zum Herausschreiben gefunden. Der Folgeroman "Eduard" ist etwas besser, der hat mir eines beschert. Jetzt also die eBook-Ausgabe, kostenlos für den Kindle heruntergeladen, nochmal gelesen, und letztlich gibt es immer noch nichts Großartiges daraus zu zitieren. Wichtig ist halt der Titel "Die Zerrissenen" als Schlagwort und Selbstbeschreibung einer ganzen Literatengeneration und das Erscheinungsjahr 1832, dann wisst ihr schon genug darüber. Lest lieber seine Märchen.

Sheelagh McErin: Das Haus der Masken



März

Antje Babendererde: Isegrim

Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern
Als ich mir eine Ausgabe von "Walden" bestellte, tat ich zunächst einen Fehlgriff. Ich bestellte die im Anaconda-Verlag erschienene Hardcover-Version, optisch wunderbar, aber als ich sie aufschlug, stellte ich fest, dass es sich um ein gekürztes Buch handelt. Das war weder aus der Buchbeschreibung im Internet noch aus dem Klappentext ersichtlich. Einer der ganz wenigen Fälle, in denen ich eine wütende Mail an meinen Online-Buchhändler schreib und das Buch wieder zurückschickte. Vielleicht hat die Bearbeiterin ihren Job ja tatsächlich gut gemacht. Aber ich bin da Purist. Wenn jemand entscheidet, was ich beim Lesen weglassen soll, dann tue ich das selbst.
Ich schaffte mir dann die Taschenbuchausgabe an, die im Verlag Hofenberg erschienen ist. Optisch nicht ganz so ansprechend, halt ein komisches helles Grün mit einem grünen Hüttenbild, offenbar der Originalausgabe nachempfunden. Die Übersetzung ist uralt und gemeinfrei (dass Anaconda hier eine Neuübersetzung lieferte, ist eindeutig ein Plus der anderen Ausgabe), sie stammt von Wilhelm Nobbe und ist 1905 erschienen, damals wohl die erste deutsche Walden-Ausgabe. Damit lässt sich leben. Ein Minuspunkt ist aber, dass hier wieder einfach nur ein alter Frakturdruck eingescannt, in eine modernere Schrift umformatiert, aber nicht Korrektur gelesen wurde. Da ist die Rede von "Negierungstruppen", von einem Jäger mit seinem "Sunde" und einer "Sausherrin" und einer "Sintertür", man braucht schon manchmal sehr viel Scharfsinn, um solche Texte zu lesen. Auf jeden Fall lernt man so viele neue Wörter.
Der Text selbst ist auf jeden Fall empfehlenswert. Der Mann konnte nicht nur denken und eine Hütte bauen und sich zwei Jahre in der Wildnis behaupten, sondern auch schreiben. Ein Klassiker, den man gelesen haben muss. Und was die Redundanzen angeht, die in der anderen Ausgabe weggekürzt wurden, ja, vielleicht gibt es darin welche, aber da muss man als Selbstdenker eben durch.

Wolf N. Büttel: Sie hatten 44 Stunden
Ein Roman, der an nur einem Wochenende entstand. Ein Schreibseminar. 15 fortgeschrittene Autoren, die ein ungewöhnliches Experiment wagen. Es ist ein Buch, das ich schon lange lesen wollte. Ich kenne eine ganze Menge der beteiligten Autoren, einige persönlich, viele über Facebook, eine Menge durch eigene Lektüre. Also, nach diesem letzten großen Schreibkurs haben es fast alle geschafft, in der Literatur ihre Fußstapfen zu hinterlassen. Es ist ein Science-Fiction-Roman dabei herausgekommen, das Buch enthält auch eine Dokumentation des Seminars und sogar ein Gutachten eines Lektors, der die Verkaufschancen des Werkes einschätzt. Ja, ich teile seine Einschätzung und verstehe, warum das Buch nicht in einem Verlag als "normaler" Roman erscheinen konnte. Ein bisschen ruckelt es natürlich beim Kapitel- und Autorenwechsel, manches ist zu ausschweifend, manches hätte ausführlicher dargestellt werden können, und der Plot ist halt nicht großartig sondern Durchschnitt. Trotzdem: Dieses Buch war ein Erlebnis, und wenn auch nicht alles zusammen passte, jeder einzelne Autor hatte eine verdammt gute Schreibe, und ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Ein echter Pageturner. In einer der Beurteilungen habe ich gelesen, man wisse nicht so recht, in welches Regal man das Buch nun stecken sollte, ins SF-Regal der ins Schreibratgeber-Regal. Bei mir steht es im Schreibratgeber-Regal, aber etwas spacig ist es trotzdem. Einfach ein Erlebnis.

Oliver Hohlstein (Hrsg.): Kinder der Sonnenfinsternis
Eine Sammlung, zu der ich selbst eine Geschichte beigesteuert habe, darum hier keine Bewertung. Aber die Texte der anderen Autoren sind durchweg lesenswert. Es geht um Jugendliche mit besonderen magischen Begabungen. Gezeugt wurden sie zur Zeit der Sonnenfinsternis von 1999 unter dem Einfluss eines schwarzmagischen Rituals, das eine Sekte durchgeführt hatte. Das Ritual ging schief, aber einige damals geborene Kinder entwickeln nun als Jugendliche bestimmte Kräfte. Staatliche Organe, aber auch Wirtschaftsunternehmen machen Jagd auf diese "Begabten", um sie entweder als Gefahrenquellen auszuschalten oder sie für ihre Zwecke einzusetzen. Es handelt sich um eine der typischen "verwobenen" Anthologien der Geschichtenweber. Das heißt, jeder Autor schrieb zwar eine eigene Kurzgeschichte, aber die Storys sind untereinander durch bestimmte Elemente miteinander "verwoben". Die Arbeit daran hat mir jedenfalls sehr viel Spaß gemacht.

Tatjana Stöckler: Chagrans Thron I

Steffi Biber-Geske & Sabrina Pohle: Sagenhafte Ferien auf Usedom

Die Welten von Thorgal: Thorgals Jugend 3 - Runa

Dorothee Kremer: Der Marmeladenkönig und andere Obstrmärchen

Der große Feuergeist. Märchen der Eskimo (e)
Kostenloses Kindle-eBook. Eine Märchensammlung mit Märchen der Inuit. Viel ist die Rede von Kindern, die ihre Familie verlieren oder irgendwie Nahrung beschaffen müssen.Einiges über Schamenen, die die Meergöttin besänftigen müssen. Sehr interessant zu lesen, teilweise etwas altertümlich.

Schwarzer Hirsch: Ich rufe mein Volk
Autobiographischer Bericht, ein Buch aus Dietrichs Gelber Reihe, ich hab es gebraucht bekommen. Erzählt wird die Geschichte der Lakota und ihres Kampfes gegen die Weißen, die sie immer mehr verdrängen und ihnen ihr Land rauben. Das ganze aus der Sicht eines Schamanen, der eine sehr mächtige Vision erhalten hat und diese nach und nach als öffentliche Inszenierung umsetzt. Habe ich so noch nicht gehört, aber es war wohl so, dass solche besonderen Träume erst dann für die Schamenen nutzbar und anerkannt wurden, wenn sie öffentlich vorgeführt werden. Am Ende ist aber der Wiederstand der Lakota zerschlagen, der letzte Krieg ist verloren. Ein letztes Aufbäumen ist die Geistertanz-Bewegung. Schwarzer Hirsch lernt den Geistertanz kennen und ist begeistert von Wovoka und seinen Lehren. Doch auch die Geistertanz-Bewegung wird blutig niedergeeschlagen. Schwarzer Hirsch gelangt zu der Erkenntnis, dass er seine eigene Vision verraten hat. Er hätte die Chance gehabt, sein Volk zu retten, wenn er sich nicht Wovoka angeschlossen, soindern seine eigene Vision umgestzt hätte, glaubt er.

Hörbuch:
Mark Brandis - Raumkadett 1: Aufbruch zu den Sternen
Erster Teil einer Hörspielserie über den jungen Mark Brandis und seine Ausbildung bei der Vega. Grundlage ist die gleichnamige Kurzgeschichte von Nikolai von Michalewsky. Der junge Mark Brandis schleicht sich als blinder Passagier auf ein Schiff, das zur Venus fliegt. Dort, so hat er erfahren, kann er Astronaut werden. Aber er wird entdeckt, und der Kapitän, der furchtbar abergläubisch ist, hat für junge "Klabautermänner" nichts übrig ... Akustisch erneut ein Hochgenuss, die Crew der Mark-Brandis-Serie hat eine ganze Menge auf dem Kasten. Hat mir gefallen.


Zu Teil II meines Jahresrückblicks: April bis Juni 2016
Zu Teil III meines Jahresrückblicks: Juli bis September 2016
Zu Teil IV meines Jahresrückblicks: Oktober bis Dezember 2016

© Petra Hartmann


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Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2015

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2015 · 579 Aufrufe
Jahresrückblick
Letzter Teil meines Jahresrückblicks. Bleibt noch zu fragen, was ich dieses Jahr an Neuem geschrieben habe und wie es weitergeht.
Ich habe mich in den vergangenen zwölf Monaten weniger mit Romanprojekten befasst und bin zu meiner großen Liebe, dem Märchen oder der Sage zurückgekehrt. In den ersten Monaten entstanden in rascher Folge meine Neu-Erzählungen der Hildesheimer und Alfelder Lokalsagen um den Geist Hödeken. Es wurde ein kleines Büchlein daraus, das inzwischen im Verlag Monika Fuchs erschienen ist. Außerdem gibt es ein paar neue Nestis-Geschichten, darunter ein neues Helgoland-Märchen und ein Abenteuer aus dem Bereich der Seefahrersagen und des Seemannsgarns.
Mein aktuelles Projekt läuft bei mir unter dem Arbeitstitel "Buchfinkenmärchen", bislang gibt es vierzehn Texte dazu, die vielleicht irgendwann einmal Druckreife erlangen. Es wird aber noch ein wenig dauern.

Doch nun zu meinen Lesefrüchten des letzten Quartals von 2015. Diesmal viele Kinderbücher, Klassiker, Helgolandliteratur, Neu- und Wiederentdeckungen. Viel Vergnügen damit!

Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
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Oktober

Hugo Kocher: Das große Buch der Tiergeschichten:
- Twiga, die Giraffe
- Glitsch Wasserschreck
- Korró, der Jaguar

Eigentlich ein Fehlkauf. Ich hab es antiquarisch erstanden, weil ich auf der Suche nach Kochers Geschichte "Mit dem Hundeschlitten unterwegs" war und der Klappentext auch von Abenteuern bei Eskimos sprach. Es war dann aber nichts aus der Arktis dabei. Der Sammelband vereinigt drei Tierromane Kochers in sich, allesamt typische Tiergeschichten im 50er- oder 60er-Jahre-Stil. Felix Saltens "Bambi" oder die Tierbücher von Otto Boris funktionieren ähnlich. Tierkind wird geboren, verliert früh die Mutter, lernt sich durchzusetzen und zu verteidigen, wird schließlich zu einem großartigen Exemplar seiner Gattung, oft zum Leittier, besteht seinen letzten großen Kampf gegen einen Widersacher, der womöglich schon seit Jahren auf seiner Fährte ist und ihm die Mutter getötet hat, und stirbt irgendwann. Naja, etwas variiert wird das Thema schon. Twiga, der Giraffenbulle, hat eine sehr interessante Freundschaft mit einem Schwarzen, der ihn als seinen Schutzgeist betrachtet, Korro der Jaguar ist eher der Böse, und die Geschichte wird aus der Perspektive eines jungen Indios erzählt, der seine Angst überwindet und endlich die gefährliche Raubkatze zur Strecke bringt. Und Glitsch Wasserschreck hat den gemütlichen Humor einer deutschen Jägergeschichte. Dass Kocher deutsche Jägersprache auch für afrikanische Giraffen verwendet, ist etwas gewöhnungsbedürtig, ansonsten eine ganz nette Lektüre und recht lehrreich.

E.T.A. Hoffmann: Nachtstücke (e):
- Der Sandmann
- Ignaz Denner
- Die Jesuiterkirche in G.
- Das Sanctus
- Das öde Haus
- Das Majorat
- Das Gelübde
- Das steinerne Herz

Düstere Erzählungen, von denen ich bislang nur den "Sandmann" kannte. "Ignaz Denner" ist eine verschlungene Geschichte über einen Räuberhauptmann, der ein wenig von Magie versteht und einen armen aber redlichen Förster und dessen Frau zu seinen Spiegesellen machen will. Der Rest ist meist ziemlich geradlinig erzählt. Mir gefielen vor allem die Geschichte der Jesuiterkirche und des Sanctus, das öde Haus hat mich weniger angesprochen. Insgesamt aber eine sehr lesenswerte Sammlung.

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
Ein Erbstück aus der Bibliothek meines Vaters, das ich schon lange ins Auge gefasst hatte. Jetzt habe ich es endlich gelesen. Ein beeindruckendes Buch. Wahrhaftig, wenn ich nicht die Tochter Wilfried Hartmanns wäre, dieser Atticus Finch wäre jemand, der in die engere Wahl käme. Ich habe das Buch verschlungen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der jungen Scout, die zusammen mit ihrem Bruder und einem Freund eine Südstaaten-Kleinstadt-Kindheit erlebt, die ein wenig Bullerbü-Feeling aufkommen lässt. Der alleinerziehende Vater Atticus ist Anwalt, ein sanfter, freundwilliger Mann, von Idealen geprägt, die keineswegs hohl und pathetisch scheppernd daherkommen. Ein anständiger Mensch, ohne kleinkariert und philiströs zu wirken. Als Atticus Finch zum Pflichtverteidiger eines wegen Mordes angeklagten Schwarzen wird, verändert sich einiges für die kleine Familie. Vor allem, als klar wird, dass Atticus den offenbar Unschuldigen tatsächlich ernsthaft und mit allen juristischen Mitteln verteidigen und einen Freispruch erwirken will ...
Ein Buch, das sehr gut tut. Ich hätte es schon viel eher lesen sollen.

Markus K. Korb: Schock!
Wow! Ein ganz besonderes Buch, das vollkommen zu Recht mit Auszeichnungen überhäuft wurde. Die Aufmachung ist genial, ein Kurzgeschichten-Band der als Comic-Sammelband in der Tradition der alten Horror-Hefte daher kommt, mit herrlichen Covermotiven von Christian Krank. Im Innenteil leitet ein alter Totengräber als Conferencier den Leser mit seinen zynischen Kommentaren von Geschichte zu Geschichte. Es geht um lebendig Begrabene, Geisterkutschen, Aliens und Monster aus der Kanalisation, Nahtoderfahrungen und ewige Verdammnis, Kanibalismus und eisige Winter - einfach irre, grandios irre.

Andrea Tillmanns: Julia Jäger und die Macht der Magie

Atlantis - Die Storys zum Marburg-Award
Anthologie zum Wettbewerb des vorigen Jahres. Ich hatte eigentlich mitmachen wollen, ehrlich, aber es wieder nicht geschafft, dabei war es ein so schönes Thema. Die Samlung ist sehr viekseitig und enthält eine Menge spannende Texte, ich mag auch die schlichte, geschmackvolle Aufmachung sehr. Eine schöne und passende Insellektüre für meinen Herbst auf Helgoland.

James Krüss: Welches Tier hat sieben Meter Halsweh?
Schönes kleines Bilderbuch für die Kleinsten. Ein Fundstück in der Helgoländer Bibliothek. Ich hatte eigentlich nach James Krüss' "Bienchen, Trinchen, Karolinchen" gefragt, das sich etwas schwer finden ließ. Doch während der Suchzeit baute die Bibliothekarin bergeweise Krüss-Bücher aus ihrer Schatzkammer vor mir auf, auch seltenere und uralte bibliophile Ausgaben. An einigen bin ich dann hängen geblieben, zum Beisipiel an diesem. In humorvollen und fantasievollen Versen werden Tiere beschrieben, die man dann raten soll. Das Tier mit den sieben Metern Halsweh ist *Achtung, Spoiler!* natürlich die Giraffe.

James Krüss: Bienchen, Trinchen, Karolinchen
Mein absolutes Lieblingsbuch von James Krüss und eine wundervolle Kindheitserinnerung. Leider wird es nicht mehr aufgelegt und ist nur noch antiquarisch zu haben. Ich habe vor einigen Jahren auch schon mal bei den Krüss-Nachkommen in der James-Krüss-Hummerbude vor dem Museum nachgefragt, aber sie konnten mir nicht viel Hoffnung machen. Karolinchen, die Heldin dieses Buches, ist noch recht jung, kann noch nicht lesen, hat aber zwei Brüder, von denen vor allem der nur etwas ältere Michael ihr am nächsten steht, meist liebevoll, manchmal macht er aber auch einfach nur Quatsch. Zum Geburtstag etwa liest er ihr die Postkarte von Tante Lotte und Onkel Otto falsch vor und vermeldet Geburtagsgrüße von Onkel Balduin. Nach einigen Diskussionen in er Familie, dass ein solcher Onkel gar nicht existiere, wird Karoline sehr traurig, doch Michael weiß Rat. Zuletzt stellt Karoline salomonisch fest: "Ich hab gar keinen Onkel Balduin. Aber es ist lieb, dass er an meinen Geburtstag gedacht hat." Karoline baut eine Hütte, entdeckt den gefährlichen Gartenschlauch, träumt von Wolkenbildern, feiert die Hochzeit ihrer Puppe mit dem Klammerbeutel, Herrn Birnbaum, und freut sich über die Geburt dreier Wäscheklammer-Kinder und und und. Dazu gibt es humorvolle, sehr leicht eingängige Kindergedichte, von denen ich noch heute einen Großteil auswendig weiß. Wirklich zu schade, dass es dieses Buch nicht mehr gibt.

James Krüss: Annette mit und ohne Mast
Nettes Kinderbuch über ein Mädchen namens Annette, das zu seinem Kummer genau so heißt wie der kleine Schlepper ihres Onkels. Ein Klassenkamerad zieht sie immer wieder damit auf, dass sie den Namen eines so kleinen, plumpen Schiffs trägt. Da wird es dem Mädchen Annette zu bunt: Sie läuft zum Reeder und überzeugt ihn, dass nächstes Mal unbedingt der Schlepper Annette den fettesten Orzeanriesen in den Hafen ziehen soll. Und sie schafft es sogar, dass ihre ganze Klasse zuschaut und sehen kann, was alles in dem kleinen Schiff Annette steckt. Damit sind dann auch die Hänseleien vorbei. Sehr liebenswert.

James Krüss: Der kleine Flax
Eigentlich eine Indianergeschichte. Ich kenne Teile davon als Abenteuer des Spinnenmanes Iktumi. Hier ist es der kleine Flax, der in die Welt zieht und versucht, seinen Hunger zu stillen. Sehr nett. Mit Illustrationen von Janosch.

Hans-Magnus Enzensberger: Zukunftsmusik
Ein sehr gelungener Gedichtband von einem der ganz Großen. Abgeklärt, unspektakulär, wohlklingend, ohne aufdringlich zu wirken. Man sollte sich etwas Zeit nehmen für die Gedichte, auch wenn das Buch recht schlank daherkommt. Hat mir gefallen.

Tanja Mikschi: Auf den Pfaden des Luchses

Isidor Bürger: Helgoland
Grottenschlechter Gedichtband, Finger weg davon. Ich habe ihn mir halt in der Helgoländer Bibliothek noch einmal geben lassen, weil Bürger zu der Zeit auf der Insel war, als auch Mundt und Wienbarg dort ihre Reiseberichte verfassten. Und weil Mundt in seinem Helgolandtext einen Briefpartner namens "Isidor" anspricht. Aber es war schon ein hartes Brot, sich durch diese Verse durchzubeißen. Wenn ihr nicht gerade lyrische Masochisten seid, lest ihr den Gedichtband besser nicht.

Herrmann Parzinger: Die Skythen
Übersichtsdarstellung im handlichen Taschenformat, etwas spröde geschrieben, aber sehr informativ. Mit vielen Skizzen von Grabanlagen, Kleidung, Waffen und anderen Fundstücken.


November

Siegfried Wagner: An allem ist Hütchen schuld!
Libretto zu einer Märchenoper des Sohnes von Richard Wagner. Siegfried Wagner bringt es fertig, rund 40 Märchen, meist aus der Sammlung der Brüder Grimm, zu einer Geschichte zusammenzubasteln. Ich habe den Text natürlich wegen des Titelhelden gelesen, denn hinter diesem "Hütchen" verbirgt sich niemand anders als die Hildesheimer beziehungsweise Alfelder Sagengestalt "Hödeken" über die ich ja dieses Jahr ein Buch veröffentlicht habe. Offenbar war 2015 ein Hödeken-Jahr, denn außer meinem Buch gab es dank einer szenischen Aufführung dieser alten Oper an der Ruhr-Universtät in Bochum (18. Oktiber 2015) noch eine weitere Hommage an die Sagengestalt.
Hütchen spielt in diesem Stück allerdings eher die Rolle eines Bösewichts oder zumindest die Rolle eines Wesens, das sich einen argen Scherz mit zwei Liebenden erlaubt. Der Zwerg oder Kobold versucht, das Pärchen durch seine bösen Streiche auseinander zu bringen, sorgt dafür, dass sie getrennt von einander durch die Welt irren müssen, und verblendet sie manchmal durch einen heimtückischen Zauber, sodass sie einander nicht erkennen, wenn sie sich gegenüberstehen. Unter anderem müssen sie sich gegen den Teufel mit den drei goldenen Haaren behaupten, treffen auf Frau Holle und die Märchenhexe und so weiter. Am Ende finden die schwer gepüften Liebenden aber doch noch zu einander. Mal sehen, vielleicht schreibe ich nächstes Jahr noch etwas Ausführlicheres über das Stück.

Marcus Jensen: Oberland
Ein Helgoland-Roman, jedenfalls das erste Drittel. Dort habe ich das Buch vor ein paar Jahren auch erworben, es verschwand dann im Koffer er und tauchte erst jetzt wieder auf. Erzählt wird die Geschichte Jens Behses, eines jungen Mannes, der sich selbst umbringt und kurz zuvor von vier eigenartigen Personen zu den wichtigsten Stationen seines Lebens zurückgeführt wird, das ist in ersten Drittel ein Urlaub auf Helgoland, in dem er eine alte Kapitänsmütze findet, die ihn fortan begleiten soll, dann seine Schulzeit in Pinneberg - mit klassischen 70er/80er-Jahre-Schul-Erfahrungen, Pubertät, Sex, Cliquenbildung, Mobbing. Steph, die Sexgöttin der Klasse, wird in den Selbstmord getrieben, woraufhin Jens den Verantwortlichen umbringt und die Leiche in dem Grab unterbringt, das er eigentlich für sich selbst und seinen eigenen Selbstmord vorbereitet hat. Der dritte Teil schließlich zeigt Jens als Zivi auf der Sterbestation eines Krankenhauses, wo er seine Helgoländer Zimmerwirtin wiedersieht. Dann schließlich das, worauf der gesamte Roman von Anfang an hinauslief - sogar die noch verbleibenden Tage, Stunden und Minuten wurden immer wieder als Countdown eingeblendet: Jens zieht seinen Selbstmord durch. Das hört sich in der Wiedergabe etwas verworren an, ist aber ein verdammt guter Roman und vor allem sprahlich ein Hammer. Wenn ihr das Buch irgendwo seht, nehmt es mit, es lohnt sich.

Antonia Michaelis: Das Blaubeerhaus

Mark Haddon: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone
Christopher Boone ist Autist. Er braucht Ordnung, hat Angst vor Unbekanntem, nimmt alles um sich herum ungefiltert wahr und ist eigentlich nur glücklich, wenn er sich mit Mathematik befassen darf oder Logikrätasel lösen kann. Sein Ziel: Das Matheabitur bestehen und dann an die Uni kommen - die Alternative wäre eine Sonderschule. Doch dann passiert etwas Erschreckendes: Der Hund der Nachbarin wird erstochen. Christopher ist vollkommen verstört, doch er beschließt, den Mord aufzuklären. Er überwindet sich und spricht wildfremde Nachbarn an, um das Rätsel zu lösen. Dann zerbricht auch noch das Vertrauensverhältnis zu seinem Vater. Und Christopher findet heraus, dass seine Mutter nicht im Krankenhaus verstorben ist, wie der Vater ihm erzählt hat. Völlig auf sich allein gestellt macht er sich auf eine angsteinflößende Reise: Er wagt sich hinaus, sucht sich den Weg durch das Gewirr von Straßenbahnen, U-Bahnen, Zügen und fremden Städten und fährt zu seiner Mutter ... Ein beeindruckender Roman, manchmal umwerfend komisch, manchmal zum Heulen, oft erkenntniserweiternd und spannend, manchmal sehr fordend, wenn man Christophers Gedankenspiele und Logikrätsel nachvollziehen will. Hinzu kommt eine wunderbare Sprache, die Christopher eine ganze eigene, unverwechselbare Stimme verleiht. Klasse.

J. H. Rosny: Am Anfang war das Feuer
Paläo-Fiction. Es gibt ja für jedes noch so enge Genre inzwischen einen Fachausdruck.
Der Roman spielt in der Urzeit und handelt von einer Frühmenschensippe, denen bei einem Überfall eines feindlichen Stammes das Feuer ausgegangen ist. Zwei dreiköpfige Jägerteams werden ausgesandt, um das für das Überleben der Sippe unverzichtbare Feuer zurückzubringen. Dem Chef des Siegerteams winkt die Hand der schönen Häuptlingstochter.
Ich habe die Geschichte vor Jahren kennen gelernt durch den gleichnamigen Film, der mich besonders durch die dafür neu geschaffene "Steinzeitsprache" beeindruckte. Davon ist allerdings im Buch nichts zu finden, und auch die Handlung des Films weicht stark von der des Buchs ab. Ich war enttäuscht. Andererseits ist es nicht die Aufgabe eines Buches, die Versprechen eines Films zu erfüllen, vor allem dann nicht, wenn das Buch älter als der Film ist.

Dirk van den Boom: Der sensationelle Gonwik
Ein neuer Einsatz für die Crew von Thrax und Skepz. Auf einem von Eroberung durch die Hondh bedrohten Planeten ist ein uraltes Artefakt verborgen, das in den falschen Händen eine Katastrophe auslösen könne: Das Gerät ist in der Lage, gezielt alle künstlichen Intelligenzen psychisch völlig durcheinanderzubringen, was den Hondh natürlich gegen die noch freien Völker ausgenutzt werden könnte. Man lernt einen nahezu mittelalterlichen Planeten kennen, erlebt Abenteuer mit einer Gauklertruppe, vor allem aber geht es um ein Selbsterfahrungscamp einer total durchgeschepperten Roboterzivilisation, die hier menschliche Gefühle nachvollziehen will. Nicht ganz so gut wie der Leeluu-Roman, aber nicht schlecht, sehr originell.

Inge Becher/Nina Lükenga: Georg der Fünfte und sein Floh
Sehr liebenswertes Kinder-Bilderbuch für Besucher der Stadt Georgsmarienhütte und des dortigen Museums. Auf amüsante Art wird hier vom königlichen Engagement für den dortigen Bergbau und die Gründung des Stahlwerks erzählt - aber auch vom traurigen Ende der Herrschaft Georgs.

Das Mädchen aus dem Moor (Lerato-Anthologie)
Uralte, mystische Anthologie eines untergegangenen Verlags, der seinerzeit schöne Sachen herausgebracht hat. Es war schon seltsam, die alten Texte zu lesen. Viele der Autoren kenne ich und weiß, wie sie sich inzwischen weiterentwickelt haben. Sehr spannende Sammlung, hätte vielleicht etwas großzügiger layoutet sein sollen.

Artur Rosenstern: Planet Germania

Eckehard Haase: Einfach nur Kant
Ein Herzensprojekt eines Autorenkollegen aus dem Verein der Hildesheimlichen Autoren. Eckehard Haase bittet Kant zum Interview. Der Königsberger hat aufgrund nicht näher erläuterter Umstände bis heute überlebt, ist inzwischen, ganz gegen seine alte sesshafte Natur, zu einem begeisterten Globetrotter geworden und trifft sich nun zum Gespräch mit einer Journalistin, die sich als eine ihm in philosophischen Fragen durchaus ebenbürtige Partnerin entpuppt. Es geht noch nicht um den "ganzen" Kant in diesem Buch, sondern es handelt sich um einen ersten Band, der den vorkritischen Kant zum Thema hat. Weitere Interviewbände sind gerade in Arbeit und sollen demnächst erscheinen.
Dem Autor muss zunächst einmal eine hohe Kompetenz bescheinigt werden. Er kennt seinen Kant, das spürt man aus jeder Zeile dieses Interviews heraus. Für den Leser ist es ein lehrreiches, zum Teil sogar vergnügliches Stück Literatur, das allerdings auch einige Zumutungen und Fallstricke aufzuweisen hat. Etwas vor den Kopf gestoßen ist man schon zu Anfang, wenn Kant im Gesräch nicht nur seine eigene Philosophie erläutern will, sondern zugleich auch weit in seine Zukunft hinausgreift und von Einstein oder Heisenberg spricht, Atommodelle von Demokrit mit denen des 21. Jahrunderts vergleicht. Es geht also nicht nur um Kant, sondern um eine Nachzeichnung philosophischer und naturwissenschaftlicher Ideen von den Anfängen bis in die Gegenwart, gebündelt, fokussiert und katalysiert durch den Blick des Ausnahmephilosophen Kant. Das ist eine Stärke, zugleich aber auch eine Schwäche des Buchs. An zwei Stellen, einmal ziemlich weit am Anfang, einmal gegen Ende hin, wird das Gespräch denn auch zum einem eher rezitativen Aufsagen von Namen und Entdeckungen der Philosophiegeschichte, im Wechsel vorgetragen von Kant und der Journalistin. Aber dies nur am Rande, in weiten Teilen ist das Buch sehr gut zu lesen, bietet viele Aha-Erlebnisse, humorvolle Einblicke in Kants Biographie und Verständnishilfe bei der Beschäftigung mit seiner Philosophie. Man darf gespant sein, was der weitere Verlauf des Interviews bringt.


Dezember

Schöpfungsmythen. Hrsg. v. Hans Christian Meiser
Schöne und interessante Sammlung, leider etwas verzerrt. So besteht der Afrika-Teil lediglich aus drei Sagen der nordafrikanischen Kabylen. Sollte der Riesenkontinent mit seinen zahlreichen Völkern und Kulturen nicht noch etwas mehr zu sagen haben? Als Quelle schlage ich gleich mal "Der Gaukler der Ebene" vor, ein afrikanisches Märchenbuch, das ich im ersten Quartal dieses Jahresrückblicks kurz besprochen habe. Auch sonst ist das Buch etwas unausgewogen, und auch in der Darstellung wäre etwas mehr Einheitlichkeit zu wünschen gewesen. Manchmal gibt es Übersetzungen von literarischen Originaltexten wie Hesiods "Werke und Tage" oder aus dem indischen "Rig-Veda" und der Bibel, dann wieder Nacherzählungen, geformte Prosatexte oder knappe Inhaltsangaben. Der einleitende Essay von Mircea Eliade ist sehr erhellend, aber aus einem anderen Buch entnommen. Insgesamt also ein ziemliches Sammelsurium, von überall her zusammengeklaubt.

John Brinckmann: Kasper Ohm un ick (Hamburger Lesehefte)
Lausbubengeschichten, aber diesmal nicht von Ludwig Thoma und auf Bayerisch, sondern in Mecklenburger Platt und mit Seemannsgarn durchsetzt. Angeschafft hatte ich es mir als bekennender Uwe-Johnson-Fan, um mir den Namenspatron der John-Brinckmann-Schule in Güstrow mal etwas näher anzuschauen.
Der Titelheld, Kasper Ohm ist ehemaliger Kapitän und soll früher sogar bis Batavia gesegekt sein. Allerdings besteht Grund zu der Annahme, dass er nie in Batavia gewesen ist und nur Seemannsgarn gesponnen hat. Jedenfalls reagiert er ausgesprochen unwirsch, wenn man ihn dazu näher befragen will. Ich-Erzähler des Buches ist sein Neffe, der sich, inzwischen selbst ein alter würdiger Kapitän, im Lehnstuhl sitzend an ihn erinnert und der staunenden Runde von seinen Jugenstreichen und des Onkels Reaktionen darauf erzählt. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach, es dem alten Ohm recht zu machen. So kommt er einmal zum Vater des Erzählers und beschwert sich bitterlich darüber, dass der Neffe einfach an seinem Haus vorbeigegangen ist, ohne ihn zu grüßen. Nein, Kasper Ohm habe nicht vor dem Haus gestanden. Nein, auch nicht am Fenster oder in der Tür. Aber grüßen hätte der Bengel doch sollen. Schließlich kommt heraus, dass der Onkel im Sessel in der Stube gesessen hat und der Neffe ihn gar nicht hatte sehen können. Kasper ist ausgesprochen gekränkt, als sich der Vater daraufhin weigert, den Sprössling ob seiner schlechten Manieren zu züchtigen.
Das Meckenburger Platt liest sich manchmal etwas schwer, lautes Lesen hilft meist beim Verständnis. Die Buchstaben dürften gern etwas größer sein. Ansonsten gar nicht schlecht, nur etwas anstrengend.

Stanley G. Weinbaum: Auf dem Titan (BunTES Abenteuer 29)
Abenteuerliche Novelle über einen Mann und eine Frau , die auf dem Titan besondere Steine suchen, die auf der Erde ein Vermögen wert sind. Hat etwas von Jack London und Goldrausch. Sehr spannend, ich hätte gern einen längeren Roman darüber gelesen.

Gerd Frey: Anomalie (BunTES Abenteuer 31)
Drei Science-Fiction-Kurzgeschichten, alle drei sehr knapp und pointiert. Mir hat am besten die Titelgeschichte gefallen, in der ein Mann versucht, ein Ereignis aus der nahen Vergangenenheit ungeschehen zu machen. Das alte Motiv - gerade durch seinen Eingriff wird er zum Auslöser des Unglücks.

Jan Wagner: Regentonnenvariationen
Ehrlich gesagt, ich verstehe nicht ganz, dass um den Mann und seine Lyrik ein solches Gewese gemacht wird. Ich fand den Band eher nichtssagend. Handwerklich sicher gut, meinethalben perfekt, aber da war nichts, was mich nachhaltig berührt hätte oder aufhorchen ließ.
Es sind oft die kleinen Dinge am Wege oder im Garten, die hier bedichtet werden, zum Beispiel der Giersch, der im Garten wuchert und nicht totzukriegen ist. Das ist gut und löblich. Auch die Reime - sind das überhaupt Reime? - können durchaus als originell gelten. Wagner lässt seine Vers-Enden gern mit Wörtern schließen, die eher als "etymologische Reime" gelten könen oder auch als bloße Buchstabenähnlichkeiten miteinander korrespondieren. Das ist etwas weniger als eine Assonanz aber doch noch ein Bezug und insofern recht interessant. Da findet man untereinander korrespondierende Versenden wie "garage" / "giersch" / "geräusch" oder "rohling" / "reling", oder "weich" / "wich". Dieses Um-die-Ecke-Reimen macht sicher viel Arbeit. Aber ist das schon Kunst? Auf jeden Fall hat das Büchlein bei mir eher eine Leere hinterlassen.

Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter
Ein Buch, das dieses Jahr fur Schlagzeilen sorgte - das wieder entdeckte Manuskript des ersten Romans von Harper Lee. Entstanden zeitlich vor "Wer die Nachtigall stört", inhaltlich lange nach diesen Ereignissen angesiedelt. Die erwachsen gewordene Scout kehrt in ihre Heimatstadt zurück und trifft auf ihren inzwischen alt gewordenen Vater. Atticus Finch ist noch immer eine beeindruckende und liebenswerte Persönlichkeit, macht nicht viel Aufhebens von sich, auch wenn ihn Rheumaanfälle manchmal fast vollständig außer Gefecht setzen. Für Scout ist er noch immer das Urbild absoluter Integrität. Ein Mann von felsenfester Gerechtigkeit, der es (abweichend vom anderen Roman) gewagt hat, einen Schwarzen in einem Mordprozess nicht nur zu verteidigen, sondern sogar ihn freizubekommen. Doch dann passiert das Undenkbare: Scout sieht Atticus auf einer Versammlung, in der ein rassistischer Hetzer auftritt und verkündet, wie schlecht und minderwertig die Schwarzen sind. Für Scout bricht eine Welt zusammen.
Ein - verglichen mit dem zuerst veröffentlichten Buch - ausgesprochen moderner, sehr reifer Roman. Wenn ich beide Texte ohne Hintergrundinformationen gelesen hätte, ich wäre überzeugt gewesen, der "Wächter" sei der später entstandene. Es hat mir sehr weh getan, das Idol Atticus vom Thron stürzen zu sehen, da verstehe ich Scout sehr gut. Aber wie hätte der Roman gewirkt, wenn er tatsächlich als erstes veröffentlich worden wäre? Dann wäre die Wirkung sicher nicht so groß gewesen. Ich denke schon, dass die Ikone Atticus tatsächlich erst aufgebaut werden und wachsen musste, erst nun wird doch die Verletzung deutlich, wenn etwas an ihrem Lack gekratzt wird. Insofern war die Entscheidung, das Buch zurückzustellen, sehr richtig. Ob es dann tatsächlich so lange hätte dauern müssen, darüber mag man sich streiten. Auf jeden Fall ein würdiger erster oder zweiter Teil des Nachtigallen-Romans.

Inge Becher & Nina Lükenga: Klaras Geschenk
Kleines Weihnachts-Bilderbuch, das ich als Geschenk von meiner Verlegerin Monika Fuchs erhalten habe. Klara soll einer alten Nachbarsfrau ein Weihnachtsgeschenk bringen und stellt fest, dass im Paket ausgerechnet ihre Lieblingssüßigkeiten sind. Eigentlich wollte sie ja nur kosten, und nicht das ganze Paket leerfuttern ... Was nun?

Tommy Krappweis: Mara und der Feuerbringer
Eigentlich mag ich es nicht, das "Buch zum Film" zu kaufen. Erst recht nicht, wenn das Buch älter ist als der Film. Aber als ich in der Buchhandlung zwei Mara-Ausgaben in der Hand hielt, die eine normal, die andere als "Buch zum Film" und mit Szenenfotos und einem auf den Film bezogenen Vorwort des Autors, da habe ich mich dann doch für letzteres entschieden. Aus Gründen.
Das Buch ist toll. Eine spannende von Humor und Wortwitz durchzogene, aber nicht verkrampft witzig sein wollende Reise durch die germanische Mythologie, in der es hauptsächlich um den gefesselten Loki und um sein - offenbar von Mythologie-Fachleuten geradezu gehasstes - Pendant im Wagner-Kosmos geht, den Loge aus dem "Ring". Hat mir sehr gefallen, ich las das Buch in einem Rutsch durch und war sehr traurig, als es schon zu Ende war. Demnächst lege ich mir den zweiten Teil zu.

Heinrich Laube: Reisenovellen II (e)
Der zweite Band de Reisenovellen. Endlich geht es in südliche Gefilde, und zwar nach Tirol und Italien. In die Reisebeschreibung eingebunden sind mehrere Porträts und biografische Darstellungen berühmter Männer wie Andreas Hofer, Goethe und Byron, auch findet man ein paar unterwegs erzählte Novellen, meist geht es um Liebe.

Friedrich Schlegel: Lucinde (e)
Eine Art Liebesgeschichte. Jugendsünde eines Philosophen. War damals als Schweinkram verrufen, heutzutage eher harmlos und durch den Stil nicht ganz einfach zu lesen. Ich habe Anfang der 90er das Insel-Taschenbuch gelesen, kurz darauf auch Schleiermachers "Vertraute Briefe über die Lucinde". Bisher hat sich die Taschenbuchausgabe jedem Wiederlese-Versuch meinerseits widersetzt, ich bin jedesmal steckengeblieben. Als eBook ließ sich das Dng aber recht zügig konsumieren. Hat aber dem heutigen Leser, sofern er nicht von literarischem oder historischem Interesse geleitet ist, nicht allzu viel zu bieten.

Märchen unbekannter Verfasser (e)
Sammlung von teils anonym überlieferten Märchen, teils ist auch der Verfassername genannt, es handelt sich aber um "relativ unbekannte" Autoren. Enthält das von mir sehr geschätzte und wohl auch recht bekannte Märchen "Hans der Grafensohn und die schwarze Prinzessin" über eine verstorbene Königstochter, die jede Nacht aus dem Sarg steigt und den Wächter auffrisst.Ferner das Märchen vom dicken fetten Pfannekuchen. Sehr gefallen haben mir auch das Fischessen und das Märchen "Lang sei dein Leben". Außerdem gibt es darin zwei recht umfangreiche märchenhafte Abenteuererzählungen von Ernst Constantin, "Der noble Schuster" und "Die silberne Axt". Sehr lesenswert.

Lilith Kalluna: Kinder der Dunkelheit I - Der Prophet

Roberto Piumini: Motu Iti. Die Insel der Möwen
Kinderbuch, das auf der Osterinsel spielt, und von der Verbannung eines guten Königs auf den kargen Möwenfelsen berichtet, weil ihn ein Neider verleumdete und schließlich eine Verschwörung gegen ihn gründete. Der König, von Hass und Wut gepackt, rächte sich schließlich, indem er die Möwen, die er in der Einsamkeit zu lenken lernte, zu Raubzügen auf die Osterinsel schickte. Schließlich werden die Möwenüberfälle unerträglich. Der Schurke gesteht sein hinterhältiges Ränkespiel gegen den guten König, dieser wird zurückgeholt und wieder ins Amt eingesetzt, doch er verliert die Macht über die Möwen, die ihre Überfälle mit noch größerer Wut fortsetzen. Erst als die Insulaner riesige Steinköpfe, die Moai, errichten, die drohend auf das Meer und zum Möwenfelsen blicken, bekommen die Möwen Angst, stellen ihre Angriffe ein und bleiben der Insel fern.
Eine sehr sehr schöne, sagenhafte Geschichte. Allerdings mit einem Schönheitsfehler. Denn die Riesenstatuen auf der Osterinsel blicken gerade nicht drohend aufs Meer hinaus, wie der Autor beschreibt, sie kehren dem Meer vielmehr den Rücken und starren die Dörfer der Insulaner an.

Antonia Michaelis: Im Auge des Leuchtturms
Magisch, düster, surreal, ungeheuer phantasiebegabt und spannend bis zur letzten Seite. Antonia Michaelis erzählt die Geschichte der perfektionistischen Karrierefrau Nada Schwarz, die plötzlich eine Ansichtskarte erhält. Darauf ist ein Leuchtturm zu sehen, ein Gruß von der kleinen Insel Nimmerog, der sie vollkommen aus dem Gleichgewicht bringt. Verstört, ohne überhaupt zu wissen warum, macht sie sich auf die Spurensuche. Sie findet heraus, dass ihre Eltern dort ein Ferienhaus besitzen, es aber schon Jahrzehnte lang nicht mehr besucht haben. Auch sie selbst muss schon einmal dort gewesen sein. Als Kind. Aber die Erinnerung ist fort - vollkommen ausgelöscht. Und der Leuchtturm? Als sie kurz entschlossen das Ferienhaus ihrer Eltern besucht, fällt sie in Schlaf und hat einen seltsamen Traum. Sie sitzt im Leuchtturm, umgeben von hunderten von IKEA-Bausätzen mit seltsamen Namen, die beim Zusammenbau vollkommen widersinnige und funktionslose Möbelstücke ergeben. Wann immer sie im Ferienhaus ihrer Eltern einschläft - sie wacht in diesem Traum- oder Albtraum-Leuchtturm wieder auf. Immer wieder klingelt dort ein Telefon. Eine Kinderstimme bittet um Hilfe, spricht von einem dunklen Raum ohne Fenster und Tür ... Nach und nach kommt Nada einem Kindheitstrauma auf die Spur, das sie vollkommen verdrängt hatte ... Ein Wahnsinnsbuch, wahrscheinlich das beste, das ich dieses Jahr gelesen habe. Unbedingte Leseempfehlung.

Emilia Jones: Michelles Verführung

Ulrich Wißmann: Tanz mit Schlangen. Tödliche Zeremonie bei den Hopi

Kling, Glöckchen ...
Erotik-Anthologie des Eysion-Verlags, die "besinnliche Weihnachtsgeschichten" verspricht. Enthält neun kürzere Erzählungen von Autorinnen wie Emilia Jones, Lilly Grünberg und Sira Rabe. In allen Geschichten gibt es reichlich Geschlechtsverkehr, mal im Nikolauskostüm, mal beim Wichteln, mal auf einer Weihnachtsfeier, was sich zum Teil recht lustvoll lesen lässt. Sonderbar: Ein Drittel der Geschichten hat absolut keinen Bezug zum Thema Weihnachten. Ob hier die Autorinnen das Thema nicht mitgeteilt bekommen oder nicht beachtet haben oder ob der Verlag einfach genommen hat, was gerade da war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich bin ich auch der einzige, der beim Lesen einer Erotikanthologie darauf achtet, ob das Thema beachtet wurde. ;-)

Ludolf Wienbarg: Tagebuch von Helgoland (e)
Ein Buch, das ich in der Originalausgabe von 1838 und in der Auswahlfassung aus dem Greno-Verlag schon mehrfach gelesen habe, beim Helgoland-Urlaub gehört es sowieso jedesmal ins Handgepäck. Eines meiner Liebligsbücher eigentlich. Eigentlich Wienbargs bestes. Ein Buch, durch das der Seewind weht, salzluftgeschwängert und voller Freiheit. Jetzt also die eBook-Ausgabe.
Es handelt sich um eine Verlagsausgabe. Das Buch ist bearbeitet worden, mit historischen Bildern aufgewertet und mit Kapitelüberschriften versehen. Also keine kostenlose Trash-Ausgabe mit automatisch aus der Public Domain herausgelutschten Texten. Der Lexikus-Verlag hat Arbeit hineingesteckt, es darf also auch ruhig etwas kosten. So weit, so gut.
Jetzt zu den unschöneren Aspekten dieser Ausgabe. Zunächst einmal (was nur jemandem auffallen kann, der das Buch fast auswendig kennt): Der Text ist an einigen Stellen verändert worden. So wurde im Vorwort Wienbargs das Wort "Kaprice" mal eben durch "augenblickliche Laune" ausgetauscht. Wie bitte was? Was soll das? Der Text ist also absolut nicht zuverlässig und nicht zitierfähig. Hütet euch davor. Ein paar Absätze weiter ist der verlangsinterne Hinweis, man solle hier ein Bild einfügen, zu finden.
Dass bei Einscannen von alten Frakturtexten oft Fehler passieren, die dann auch noch stehen bleiben, ist leider eher die Regel als die Ausnahme. Aber wenn man den Text schon bearbeitet, warum wird dann nicht auch Korrektur gelesen? Es muss doch jemandem aufgefallen sein, dass es komisch klingt wenn Leute im Meer "Ach weiblich tummeln" - natürlich wollen sie "sich weidlich tummeln". Häufig wird das langgezogene "s" als "f" übersetzt, Umlautpunkte verschwinden, und das im Original auf den Namen "Bliza of Heligoland" getaufte Schiff wird nun zu einem "Blizard of Helgoland" - da hätte man doch geich einen "Blizzard" mit korrektem Doppel-Z draus machen können. Also: Finger weg von diesem eBook. Man kann es nur ordentlich lesen, wenn man ohnehin schon weiß, wie der Text lauten muss - und dann braucht man es nicht mehr.

Hörbuch

Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren. Tagebücher 1939-1945
Die Tagebücher, die Astrid Lindgren wärend des zweiten Weltkriegs führte, zeigen ein Bild der bekannten Kinderbuchautorin, das auf den ersten Blick nicht viel mit der heilen Kinderwelt von Saltkrokan und Bullerbü gemein hat. Obwohl manches doch auch etwas nach dem vertrauten Lönneberga-Tonfal klingt. Wenn sie etwa eine Magd zitiert mit den drohenden Worten: "Mit diesem Hitler würde ich gern mal ein Wörtchen reden." Da klingt irgendwie doch noch Michels Lina durch.
Astrid Lindgren hat vom Beginn des zweiten Weltkriegs an gewissenhaft Tagebuch geführt über die Ereignisse. Und man ist erstaunt darüber, wie sich die Pespektive ändert, wenn man nicht aus Deutschland auf die Europakarte blickt, sondern aus Schweden auf die Weltkarte. Für das neutrale Schweden rücken Dinge in den Vordergrund, die mir als Deutschem gar nicht so recht bewusst waren. Die deutsche Besatzung Norwegens und die russischen Angriffe auf Finnland zum Beispiel, die einen breiten Raum in Lindgrens Aufzeichnungen einnehmen. Zu wem sollte man nun halten? Zu England, weil die Engländer die Deutschen bekämpften und damit den Norwegern halfen? Oder lieber zu Deutschland, weil die Deutschen gegen Russland zogen und damit den Finnen halfen? Und war diese Neutralität nun gut? Vielen Schweden behagte es gar nicht, dass die Regierung beschloss, die deutschen Truppen passieren zu lassen, auch wenn es nur um Soldaten ging, die auf Fronturlaub nach Hause wollten und dazu mit dem Zug durch Schweden reisten. Oder eben um Truppen, die von Norwegen nach Finnland transportiert wurden. Auch manche unfreundlichen Äußerungen aus Norwegen sind gefallen, obwohl die Schweden feißig Geld und Kleiderspenden nach Norwegen und Finnland schickten. Aber hätte sich das kleine Land ernsthaft widersetzen können und sollen? Mit Genugtuung werden Äußerungen des dänischen Königs notiert, der die Deutschen, obwohl sein Land besetzt war, manchmal in ihre Schranken wies. Das war die kleine, die skandinavische Perspektive.
Erstaunlicherweise ist Lindgrens Blick auf diesen Krieg, obwohl oder gerade weil er aus einen sehr kleinen Land kommt, nicht auf die kleine skandinavische Welt beschränkt. Sie hat gleichzeitig einen wesentlich weiteren Blick als der, den uns der Geschichtsunterricht vermittelt. Sie notiert Kriegshandlungen aus Java, Taiwan, Singapur, hat Afrika und Pearl Harbour gleichermaßen im Blick, und manchem mag wohl erst durch diese Kriegstagebücher aus Schweden wirklich klar werden, dass das Wort Welt-Krieg tatsächlich die ganze Welt umfasst. Hand aufs Herz, an was denkt ihr denn, wenn ihr an den Zweiten Weltkrieg denkt? Frankreich und Russland, Flugzeuge nach England und irgendwann kamen die Amerikaner wie aus dem Nichts ... Oder?
Lindgren notiert politische Witze über Hitler - der mit dem Echo, das bei Hitlers Rede auf die Frage "Was ist die größte Nation?" antwortet: "Zion", der ist richtig gut. Sie berichtet auch über ihren "Schmuddeljob": Als Angestellte der Postzensur hatte sie Briefe ausländischer Absender und Adressaten zu lesen und auszuwerten. Auch dies eine wichtige Informationsquelle. Da wird nicht nur von Kriegsereignissen und der Stimmung in Deutschland berichtet, sondern auch von Judentransporten und Konzentrationslagern. Sogar in Schweden hat man davon gewusst. Da kann sich niemand herausreden.
Wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit, gegen Ende des Krieges, Pippi Langstrumpf geboren wurde ... Im Tagebuch kommt sie nur mit zwei oder drei Sätzen vor, fast beiläufig. Doch die Aufzeichnungen schließen damit, dass nun endlich Frieden ist, und Frau Lindgren geht ins Buchgeschäft und kauft sich ihr erstes Exemplar von Pippi.
Ein besonderes Buch oder, in diesem Fall, Hörbuch. Empfehlenswert.


Jahresrückblick Teil 3: Juli bis September 2015
Jahresrückblick Teil 2: April bis Juni 2015
Jahresrückblick Teil 1: Januar bis März 2015


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick III: Juli bis September 2015

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2015 · 513 Aufrufe
September
Das Jahr 2015 war für mich auch als Vorleser ausgesprochen arbeitsintensiv. Ich hatte insgesamt 29 Lesungen, bislang mein absoluter Rekord. Es gab ein paar interessante Premieren. So hatte ich meine erste "Buch & Bier"-Lesung zusammen mit Brauer Jan Pfeiffer im Leseladen am Marienburger Platz in Hildesheim, eine rundum gelungene Veranstaltung, die hoffentlich bald eine Neuauflage erlebt. Weiterhin las ich erstmals in einem Zug etwas vor: Ich war eingeladen zum fünften Geburtstag des Kulturbahnhofs in Bad Salzdetfurth und trug zur Feier des Tages mein Märchen "Furunkula Warzenkraish" in der Nordwestbahn auf der Fahrt zwischen Bahnhof und Solebad vor. Ich war erstmals auf dem Braunschweiger Conventus Leonis zu Gast, wo ich aus "Doctor Nikola" und "Darthula" vorlas. Sehr schön war auch die erste szenische Lesung der Hildesheimlichen Autoren in der Buchhandlung Decius, bei der ich als Touristin in Altje Hornburgs Dialog "Ein Gespräch in Hildesheim" mitwirkte und anschließend als Fräulein Liane in Bernward Schneiders Krimi "Im Dunkeln" mal so richtig die Sau rauslassen durfte. Auch die Marathon-Lesung zum Tag der Niedersachsen in der Hildesheimer Fußgängerzone - mit Premiere meines Hödeken-Buchs - war etwas ganz Besonderes. Ich war erstmals zu Gast in der Heimatstube in Sibbesse, hatte ein "Heimspiel" mit der "Schlagzeile" in Bennigsen sowie einige sehr spannende Lesungen und Interviews auf Radio Tonkuhle, las mehrfach in der Salze-Klinik in Bad Salzdetfurth und im Hildesheimer Michaeliscafé, und auch der MarburgCon durfte natürlich nicht fehlen.

Nun aber zu meinen Lesefrüchten des dritten Quartals 2015. Diesmal vorwiegend Antikes, eine Menge Science-Fiction, Fantasy und Horror, dazu kam einiges an ???-Cassetten. Viel Vergnügen damit.


Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


Juli

Aristoteles: Eudemische Ethik
Ich hatte mich im Studium ziemlich intensiv mit der Nikomachischen Ethik auseinandergesetzt und hatte die Eudemische und die Große Ethik schon seit gut 20 Jahren auf meiner geistigen To-do-Liste. Aber was tun, wenn es die beiden nicht als Reclamhefte gibt ... Ich habe mir mal etwas gegönnt und mir die gediegene Ausgabe aus dem Oldenbourg Akademieverlag (Übersetzung und Kommentar: Franz Dirlmeier) gegönnt. Das Buch lässt in Aufmachung und Kommentierung nichts zu wünschen übrig, es gibt eine sehr umfangreiche Einführung in das Werk und eine gut nachvollziehbare Einordnung der Eudemischen Ethik im Vergleich zur Nikomachischen und Großen Ethik.
Was den Text selbst angeht, es ist ein typischer Aristoteles-Text, spröde in der Sprache, klar in der Struktur, ein wenig dröge und systematisch, das war zu erwarten. Es gibt große Überschneidungen mit der Nikomachischen Ethik, die Betrachtungen zur Eudaimonia und Arete sind ähnlich, auch geht es hier wie dort um die Mesotes der ethischen Tugenden. Doch alles noch ein wenig eckig und unfertig. Das Buch ist fragmentarisch überliefert, ein paar Lücken wurden bereits in der Antike aus der Nikomachischen Ethik ergänzt. Den hohen Flug und die formvollendete Komposition der Nikomachischen erreichte die Eudemische Ethik nicht. Trotzdem ein hochinteressantes Werk, die Anschaffung hat sich gelohnt.

Niklas Peinecke: Die Seelen der blauen Aschen (D9E 6)
Die Fortsetzung des Romans "Das Haus der blauen Aschen", ebenfalls sehr spannend und mit einem hochinteressanten Handlungsort. Etwas verschlungen durch die vielen Handlungsfäden, aber man steigt gerade noch durch. Die Romanze der beiden Roboter/KIs Wurm und Hackbot geht weiter, während der ehemalige Mensch und jetzige Karman eine weitere Entwicklungsstufe durchmacht. Farne und ihr Team sitzen noch immer auf dem Planeten der blauen Aschen fest und müssen sich mit den geheimnisvollen Birkenmenschen auseinandersetzen - und mit den Rätseln einer uralten Zivilisation. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Regine Mengel: Am 13. Tag III: Flaschengeister (e)
Dritter und letzter Teil der Trilogie um das Mädchen, das von Flaschengeistern abstammt, und das para-orientalische Zauberreich Kis-ba-Shahid. Mit vereinten Kräften kämpfen die Helden gegen den bösartigen Usurpator. Dass am Ende das Gute siegt, darf wohl verraten werden. Aber der Weg dorthin und die Art, wie die Flaschengeister überzeugt werden, war sehr spannend und überraschend. Gut gemacht.

Robert Musil: Mann ohne Eigenschaften. Erstes Buch (Teil I und II)
Ein ziemlich dicker Schinken, in den man sehr schwer reinkommt. Und wahrscheinlich einer der Klassiker, die am häufigsten zitiert und am wenigsten gelesen werden. Man muss sich erst ein wenig eingewöhnen, aber nach ein paar hundert Seiten platzt dann der Knoten. Das Buch bietet ein Panoptikum der österreichischen Gesellschaft und der Gedanken und Beweggründe einzelner Bevölkerungsgruppen und Individuen. Es geht um Ulrich, den "Mann ohne Eigenschaften", um seine Beteiligung an der "Parallelaktion", die Vorbereitung zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung des österreichischen Kaisers, mit der man die unglücklicherweise gleichzeitigen Feierlichkeiten eines preußischen Jubiläums ausstechen will. Es geht um einen, möglicherweise unzurechnungsfähigen, Frauenmörder, der auf seine Hinrichtung wartet, um die Frage nach Schuld und Schuldunfähigkeit, um die bezaubernde Diotima, die im Zentrum der Vorbereitungen zum Festjahr steht, um den gewinnenden preußischen Intellektuellen und Industriellen Arnheim und überhaupt um ganz viele sehr unterschiedliche Charaktere und ihre Gedanken über das Friedenskaisertum und andere Ideen.
Musil hat zweifellos die genialste Art gefunden, einen Roman mit einem Wetterbericht zu beginnen (gilt sonst ja in Schreibratgebern als pfui bäh). Mir hat am besten der Ausflug des Generals Stumm von Bordwehr in die Bibliothek gefallen - einfach beeindruckend, was für Gedanken sich der alte Kämpe darüber macht, wie man Ordnung in eine Sache bringt. Und nicht von der Hand zu weisen die Erkenntnis des Bibliothekars: Der Mann erklärt, er habe nur deshalb den Überblick über die mehreren hundettausend Bände, weil er Zeit seines Lebens kein einziges dieser Bücher gelesen hat.
Fazit: Das Buch lohnt sich. Aber man muss vorher eine Menge Arbeit reinstecken, bevor es sich einem öffnet. Kein Appetithäppchen für zwischendurch.

Matthias Falke: Agenten der Hondh (D9E 7)
Die Überlebenden der Expedition, die in "Kristall im fernen Himmel" geschildert wurde, machen sich auf die Spurensuche und versuchen herauszufinden, wo ihr ehemaliger Chef die Informationen über ihr damaliges Ziel herhatte. Auch die Liebesgeschichte zwischen Nola und Manuel geht weiter. Der Wiedereinstieg in diesen Handlungszweig der "neunten Expansion" war nicht ganz einfach, es lag doch schon einige Zeit zwischen meiner Lektüre des "Kristalls" und der "Agenten", man findet sich aber dann doch hinein.

Fundbüro der Finsternis. Kann Spuren von Grauen beinhalten
Anthologie der Autorengruppe Geschichtenweber mit bewegter Editionshistorie. Es fing vor Jahren an als ein Projekt des WortKuss-Verlags von Simone Edelberg, die einer ausgewählten Reihe von Autoren pünktlich zu Halloween ein Bild zumailte, das ein "Fundstück" zeigte und in einer Horrorgeschichte verarbeitet werden sollte. Nach dem Ende des Verlags und langem Hin und Her fanden sich schließlich ein Großteil der Autoren bei den Geschichtenwebern zusammen, ein paar waren abgesprungen, ein paar neue waren hinzugekommen, und der Verlag p.machinery übernahm schließlich die Veröffentlichung. Von mir ist die Bergmannsgeschichte "Der schwarze Frosch" enthalten. Inzwischen habe ich das gesamte Buch durchgelesen und finde, dass es sehr gut gelungen ist. Erzählerische Ausfälle habe ich nicht gefunden, nur gute bis sehr gute Geschichten. Meine beiden Lieblingsstorys sind "Im Licht des vollen Mondes" von Karsten Beuchert und "Sie hat alles gesehen" von Jan-Christoph Prüfer. Nichts für schwache Nerven.

Holger M. Pohl: Fünf für die Freiheit (D9E 8)
Eines der besten Abenteuer aus der Reihe "Die neunte Expansion", das ich bisher gelesen habe. Vor allem wegen der Konzentration auf eine kleine fünfköpfige Gruppe und einen geradezu klaustrophobisch engen Raum. Fünf sehr unterschiedliche Personen sollen sich als Kundschafter ins Hondh-Gebiet begeben und Informationen über die fremden Eroberer sammeln. Zu diesem Zweck wird die Gruppe in einem Geheimraum innerhalb eines Riesentanks mit flüssigem Spezial-Kunststoff untergebracht, der Teil einer Tributleistung an die Hondh ist. Ein Himmelfahrtskommando ... Gut gemacht.

Gisela Laudi: Justina Tubbe. Der weite Weg einer Brandenburgerin vom Oderbruch nach Texas
Biographie einer Auswanderin, in der Ich-Perspektive erzählt.
Ich lernte Justina Tubbe im Auswanderer-Museum in Bremerhaven kennen, das ich im Sommer letzten Jahres besucht habe. Das Museum ist ein Erlebnis der Spitzenklasse und sei hiermit jedem wärmstens ans Herz gelegt. Einfach toll. Muss ja mal gesagt werden. Man bekommt dort beim Eintritt die "Identität" eines bestimmten Auswanderers zugewiesen, auf dessen Spuren man sich beim Weg durch das Museum begibt. Mit diesem "Reisepass" kann man sich an den einzelnen Stationen Informationen anzeigen lassen, wie der Betreffende seine Situation empfunden hat und was es an historischen Quellen über ihn gibt. Da ich zu der Zeit gerade an meinem Roman "Freiheitsschwingen" arbeitete, bat ich die Frau an der Kasse um einen Auswanderer aus den 1830er Jahren. Ganz genau aus der Zeit hatten sie zwar niemanden, aber ich bekam die Identität Justina Tubbes, die im Jahr 1844 nach Amerika auswanderte, also doch sehr nahe dran. Nach einem fast ganztägigen Museumsaufenthalt erwarb ich schließlich im Museumsshop auch das Buch dazu - die Biographie Justina Tubbes.
Sie war eine Frau aus usprünglich gar nicht so ärmlichen Verhältnissen. Sie stammte aus einer Weberfamilie. Dann kam die industrielle Revolution. Dampfwebstühle machten die Arbeit in einem Bruchteil der Zeit und kosten weniger. Hunger zog bei den Webern ein. Dazu Missernten. 1844 war ja dann auch das Jahr des Weberaufstandes. Wir erinnern uns an Heinrich Heines schlesische Weber ... Jedenfalls blieb ihr irgendwann einfach nichts mehr übrig als der Weg nach Amerika, wo sie einer ihrer bereits ausgewanderten Söhne aufnahm. Richtig heimisch geworden ist sie dort wohl nicht, sie war schon recht alt, als sie den alten Kontinent verließ. Aber ihre Söhne und Enkel entwickelten sich schnell zu echten Amerikanern, und ihre Nachkommen leben dort noch heute.
Das Buch ist, wie bereits gesagt, als Ich-Erzählung verfasst. Es wirkt stellenweise etwas unauthentisch, wenn die Verfasserin sich bemüht, die einfache Frau aus dem Oderbruch sprechen zu lassen, vor allen zu Anfang klingt es doch nach einer erkünstelten Naivität. Doch das machen die gründliche Recherche und die sorgsam zusammengetragenen Fakten und Dokumente mehr als wett. Also: Ein sehr lesenswertes und materialreiches Buch, für Recherchezwecke sehr gut geeignet.

Die Welten von Thorgal: Kriss de Valnor 5 - Rot wie der Raheborg

Andrea Tillmanns: Mimis Krimis

Ovid: Amores / Liebesgedichte. Lat./Dt. (Reclam)
Ovid: Ars Amatoria / Liebeskunst. Lat./Dt. (Reclam)

Ich habe ja hier im Blog schon häufiger darüber gemeckert, dass Übersetzer antike Lyrik neuerdings nur noch als Prosaübersetzungen darbieten. Das ist ärgerlich und wird über kurz oder lang die Leserschaft der Lyriklektüre weiter entfremdem. Ich hätte es lieber, wenn man wenigstens einen kleinen, wenn auch nicht hundertprozentig geglückten Eindruck vom Versmaß und Rhythmus des Originals zu vermitteln versucht.
Diese bittere Anklage muss ich angesichts dieser beiden Reclamhefte teilweise revidieren. Es sei an dieser Stelle zugegeben, dass die deutsche Übersetzung von Michael von Albrecht ausgesprochen wohlklingend ist und beinahe lyrisch anmutet. Der Ton hat mir sehr gefallen, zumindest in Bezug auf Ovid bin ich etwas nachsichtiger geworden. Es geht also. Man kann Lyrik in Prosa übersetzen und trotzdem noch etwas leisten. Aber ruht euch bitte nicht darauf aus, liebe Übersetzer.
Ovid zeigt sich, wie auch in den Metamorphosen und den Heroinenbriefen als außerordentlich gefühlvoller und phantasiebegabter Dichter, das genaue Gegenteil zum harten, kargen Epenstil eines Vergil. Wie auch in seinen epischen Texten erweist er sich als großer Psychologe und Freund der Frauen, denen er in seiner "Liebeskunst" ebenso hilfreiche Verführungstipps gibt wie den Männern. Zwei sehr schöne Bücher, deren Lektüre ich demnächst durch die dazugehörigen "Heilmittel gegen die Liebe" ergänzen werde. Empfehlenswert.

Horaz: Oden und Epoden Lat./Dt. (Reclam)
Schöne zweisprachige und gut kommentierte Ausgabe, die deutsche Fassung diesmal nicht als Prosawiedergabe, sondern in Versen, sehr gut. Ich denke, gerade bei einem Dichter wie Horaz war es auch unbedingt nötig, das Versmaß zu erhalten. Geboten wird eine ungeheure Fülle an Liedern, Hymnen auf Götter und Heroen, Lobpreisungen von Zeitgenossen - allen voran an Maecenas natürlich -, dazu Liebeslieder, Jahreszeitliches und ein sehr weiter Blick auf Landschaften. Horaz wetteifert mit Pindar, bietet Strophen im sapphischen Versmaß, singt Siegeslieder und Päane und kämpft in bissigen Jamben wie Archilochos. Er preist Rom und singt von Troja, bietet Philosophisches und Alltägliches, genießt und lobt die Enthaltsamkeit. Eine ganze Welt in einem Gedichtband.

Jeff Kinney: Gregs Tagebuch I - Von Idioten umzingelt
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 2 - Gibt's Probleme?
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 4 - Ich war's nicht
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 6 - Keine Panik!
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 7 - Dumm gelaufen
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 8 - Echt übel!
Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 9 - Böse Falle

Eine Freundin hat zusammen mit ihrem Sohn das Bücherregal aufgeräumt und alles, wofür der junge Mann zu alt geworden ist, für meine zweijährige Nichte gestiftet. So kam eine ziemlich große Bücherkiste in mein Haus, und wenn so etwas im Wohnzimmer herumsteht, kann ich ja nicht gut daran vorbeigehen. So stieß ich auf Gregs Tagebücher, die ich ja schon in meiner Dienstzeit als Schulbibliothekarin als absoluten Kindermagneten kennen gelernt hatte. Ich schlug Band eins auf und konnte nicht mehr aufhören. Die kommenden Tage verbrachte ich kickernd und blackernd wie eine Übergeschnappte. Um Himmelswillen, lest diese Bücher niemals in der Öffentlichkeit. Wenn ihr im Zug plötzlich so losrustet wie ich, ruft bestimmt jemand die freundlichen Männer mit den weißen Kitteln, die euch eine langärmlige Weste mitbringen. Bauchschmerzen von Lachkrämpfen sind garantiert. Und es bleibt nur noch die ärgerliche Frage: Wohin haben meine Freundin und ihr Sohn die Bände 3 und 5 verbummelt, konnten sie uns die nicht auch noch stiften?


Hörspiel

Die drei ??? 125 - Feuermond
- Das Rätsel der Meister
- Der Pfad der Täuschung
- Die Nacht der Schatten
Ein extralanges Abenteuer der drei Fragezeichen, drei MC im Schuber mit sehr schönem, stimmungsvollem Mondlichtcover in flammenden Rottönen. Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Erst dachte ich ja, es ginge um eine Art Fortsetzung von "Das Erbe des Meisterdiebs" mit anderen Mitteln und dass Hugenay seine damalige Ankündigung wahrmachen und Justus noch einmal "versuchen" wolle - diesmal vielleicht erfolgreich. Aber das Thema ist ein völlig anderes und überraschendes. Das Kunst-Konzept, das den Werken der beiden Künstler-Freunde in diesem Abenteuer zugrunde liegt, ist ausgesprochen faszinierend, ich würde so etwas selbst gern sehen. Die Entwicklung Hugenays war sehr unerwartet, man könnte sie tragisch nennen. Das Wiedersehen mit Brittanny brachte nicht nur die erhoffte Konfrontation, sondern gab auch Justus die verdiente Chance auf eine Revanche, die gut genutzt wurde. Ein rundum gelungenes, magisches und zum Nachdenken anregendes Abenteuer. Sehr gut.


August

Die griechische Literatur in Text und Darstellung. Band 4: Hellenismus (Reclam)
Schöne zweisprachige Überblicksdarstellung mit viel Material und einer ganzen Menge Autoren, die ich noch nicht kannte. Hat mir gefallen, wenn ich auch eher für die Autoren der Kaiserzeit, also des fünften Bandes, zu haben bin.

Geheimnisvolle Geschichten 4: Die Kathedrale
Anthologie des Extraklasse. Ein stilvolles, sehr dickes Hardcoverbuch mit Erzählungen sehr unterschiedlicher Verfasser, die eines gemeinsam haben: Es geht um eine Kathedrale, ein ungeheuer großes Sakralbauwerk in einer abgelegenen Gegend, oft vom Verfall geprägt, meist von einer Aura des Unheimlichen umgeben. Neuankömmlige haben oft ein sehr ungutes Gefühl, wenn sie unversehens in die Nähe dieser Kirche geraten - und das Gefühl trügt nicht. Da wird vom Bau der Kathedrale brichtet, meist in mittelalterlichen Settings, einmal auch im Urwald der "neuen Welt", um den Eingeborenen zu zeigen, welcher Gott der wahre ist. Mal ist das Gebäude das Tor in eine andere Welt oder Dimension, mal Zuflucht in einer ansonsten schrecklichen, tödlichen Dystopie. Mal lauern Geister und Monster in ihren Räumen, mal sogar ein steinerner Engel, der sich bewegt, sowie man blinzelt ... Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, das viele Überraschungen zu bieten hat.

Eowyn Ivey: Das Schneemädchen
Ein Ehepaar zieht sich in die einsamen nordamerikanischen Wälder zurück. Alles wollen sie hinter sich lassen, vor allem die schwere Zeit, in der die Frau eine Fehlgeburt hatte. Doch das Leben ist hart dort draußen. Im Spiel formen die beiden, als der Winter beginnt, ein kleines Mädchen aus Schnee, das bereits kurz danach verschwunden ist. Dann taucht ein fremdes Mädchen aus Fleisch und Blut auf. Hat sich die Schneefigur auf geheimnisvolle Weise belebt? Und warum verschwindet das Kind mit dem Ende des Winters und kehrt erst nach langen Monaten beim neuen Wintereinbruch zurück? Die Frau glaubt, das Märchen vom Schneemädchen sei wahr geworden. Der Mann aber hat inzwischen eine grausge Entdeckung gemacht, über die er zu schweigen versprochen hat ... Sehr schönes Buch, sowohl die Geschichte als auch die optische Gestaltung haben mir gefallen. Lesenswert.

Kerstin Groeper: Der scharlachrote Pfad

Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler
Ein sehr dünnes Buch, dessen äußere schlichte Erscheinung in verblüffendem Kontrast steht zu dem reichen Inhalt. Man erfährt in dieser knappen, natürlich vereinfachten Überblicksdarstellung mehr über den Charakter und die Denkweise Adolf Hitlers als aus vielen dickleibigen, detaillierten Hitler-Biographien. Haffner beschränkt sich auf wenige, knappe Aspekte und legt die Linien frei, an denen sich Hitlers Hirn und Psyche orientierten und die dann in Politik, Krieg und Mord umgesetzt wurden. Sehr logisch und folgerichtig, eins ergibt sich aus dem anderen, wie in einem typischen Wahnsystem eines Paranoikers. Am Ende versteht man zwar immer noch nicht, wieso jemand so blöd sein kann, einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen und Millionen und Abermillionen von Menschen zu töten, und für wen eigentlich? Aber wie und dass der einmal vorgezeichnet Weg konsequent verfolgt und umgesetzt wurde, wird sehr klar dargelegt. Einzelheiten mögen sich natürlich im Laufe der Jahrzehnte als falsch erweisen, die Geschichtsforschung wird immer wieder Neues auch aus dieser Zeit ans Tageslicht bringen. Doch die Grundzüge dieser knappen Darstellung werden sicher Gültigkeit behalten. Pflichtlektüre.

Lewis Carrol: The Hunting of the Snark /Die Jagd nach dem Schnatz (engl./dt.) (Reclam)
Herrliches, vollkommen irrsinniges Abenteuer, das die Wunder- und Spiegelland-Erlebnisse Alices mühelos in den Schatten stellt. Ich hatte die Jagd nach dem Schnatz vor einigen Jahren in der Hörbuchfassung kennen gelernt und erst jetzt beim Stöbern in den Vorschlägen eines Online-Buchhändlers entdeckt, dass es auch eine Reclamausgabe gibt. Klar, dass ich da zureifen musste. Worum geht es? Eine bunt zusammengewürfelte Truppe von Abenteurern, zu denen unter anderem ein Billard-Marqueur, ein Schlachter, ein Anwalt und ein Biber gehören, macht sich auf die Jagd nach dem Schnatz. Als Hilfsmittel steht ihnen eine leere Seekarte zur Verfügung, Lockmittel sind Seife und Fabeln, sie bedrohen sein Leben mit Aktien der Bahn und stellen seltsame mathematische Logikspiele an. Über der gesamten Reisegesellschaft schwebt die unsichtbare Drohung, was passieren möge, wenn der Schnatz sich als Boojum entpuppt. Das ganze in Verse gegossen, eine wunderbare Ballade. Herrlicher Nonsense, unbedingte Empfehlung.

Ruth M. Fuchs: Welcher Naturgeist ist das? Eine Art Bestimmungsbuch

Cyberpunk now - die Beiträge zum Marburg-Award
Taschenbuch in streng limitierter Auflage mit den Wettbewerbsbeiträgen. Cyberpunk ist nicht unbedingt mein Genre (ich glaube auch, die Mythenpunk-Anthologie der Marburger lässt sich auch nicht toppen), aber ansonsten ein dickes Lob an die Autoren und Organisatoren. Es ist ein schönes, spannendes Buch herausgekommen, das viele gute bis sehr gute Geschichten bietet. Ich hab es mit großem Vergnügen gelesen.

Andrea Tillmanns: Fünf Wege zum Grauen (e)
eBook-Anthologie mit fünf unheimlichen Texten der Autorin. Mal sind es Vampire, die in einer Diskothek ihr Unwesen treiben (nein, das ist nicht so klischeeartig geschrieben, wie sich das jetzt anhört, und die Art, wie die Blutsauger am Ende erledigt werden, ist sehr originell). Mal verirrt sich eine Campinggruppe in einem seltsamen Labyrinth im Wald - ein Albtraum sonder gleichen. Mir hat am besten die Geschichte eines jungen Paares gefallen, das in ein Hotel des Schreckens gerät. Alle Ausbruchsversuche scheitern, und die furchtbaren Geister versuchen alles, um die beiden in ein bestimmtes Kellerzimmer zu drängen ...

Linda Budinger: Der Geisterkessel (e)
Sammlung mit unheimlichen Geschichten aus der Feder Linda Budingers. Die Titelgeschichte handelt von einem jungen Mann, der nachts auf das Gebiet einer archäologischen Grabung vordringt und einen geheimnisvollen Kessel stieht. Was sich zunächst wie ein erfolgreicher Raubzug anfühlt, wird aber bald zu einem Horrortrip der Extraklasse, denn plötzlich sind schaurige Wesen aus der keltischen Mythologie hinter dem Dieb her. Meine Lieblingsgeschichte ist das Abenteuer einer Journalistin, die während eines Unwetters zusammen mit ihrem Freund in einer Grotte am Friedhof festsitzt. Sind es wirklich nur Schimmelpilze, die dort leuchten? Eine Felssäule in Gestalt einer Frau entwickelt sich zum schlimmsten Albtraum ihres Lebens, und ein literarischer Diebstahl eines minder begabten Schriftstellers kommt ans Licht. Sehr schön.

Karl May: Das Gold der Inkas (e)
Ein Anden-Abenteuer, das eine gewisse Verwandtschaft zu "Der Sendador" und "Der Schatz im Silbersee" aufweist. Ich habe es in meiner Jugend durch den Tosa-Band "Das Vermächtnis des Inka" kennen gelernt. Erzählt wird die Geschichte des jungen Hauka, des letzten Nachkommen der alten Inkaherrscher, der nun das Erbe seiner Väter antreten soll. Vor allem sein alter Begleiter Anciano träumt vom Wiedererstehen der alten Inkaherrlichkeit. In einer Gebirgshöhle lagern riesige Goldvorräte, die hierfür bereitstehen. Doch das Gold lockt auch Verbrecher an. Schon Haukas Vater musste sein Wissen mit dem Leben bezahlen. Eine abenteuerliche und gefährliche Schatzsuche beginnt, mit dabei sind der heldenhafte Vater Jaguar, aber auch einer der typischen Mayschen Käuze, ein weltfremder Gelehrter, der unbedingt prähistorische Riesentiere ausgraben möchte und dabei immer wieder Dummheiten macht und sich und de gesamte Gruppe in tödliche Gefahren bringt. Am Ende steht die vollkommene Vernichtung des Schatzes, weil ein Schurke die Quipu-Warnungen vor offenem Feuer in der Höhle nicht kennt. Eine Fackel entzündet den Sicherheits-Explosions-Mechanismus, und die gesamte Höhle samt Gold wird in die Luft gesprengt. Doch Hauka hatte sich ohnehin schon gegen das Leben als Inkaherrscher entschieden und auf das Gold, das nur Unglück bringen würde, verzichtet. Recht spannend, nur manchmal nerven die Eskapaden des Gelehrten ein wenig, man kennt das alles inzwischen schon.


Hörspiele

Die drei ??? 142: Tödliches Eis
Detektivabenteuer der drei Fragezeichen bei einem Schlittenhundrennen. Es geht um einen Diebstahl, um Jack London und um unlautere Methoden eines Teilnehmers, der unbedingt gewinnen will. Nicht gerade die tollste Folge der drei Fragezeichen, eher unterer Durchschnitt.

Die drei ??? 131 - Haus des Schreckens
Mörderspiel in einem unheimlichen Haus mit tausend baulichen Finessen, Irrgängen, Bodenfenstern und Geheimtüren. Eigentlich sind die drei ??? vom Veranstalter angestellt, und einer von ihnen soll Mörder, ein anderer Opfer sein. Aber dann verschwindet einer der Teilnehmer. Sehr spannend und atmosphärisch. Gut gemachtes, etwas unheimliches Hörspiel mit überraschender Auflösung.

Die drei ??? und der dreiTag
- J: Der Fluch der Sheldon-Street
- B. Im Zeichen der Ritter
- P: Fremder Freund
Eine MC-Box, die die These der Chaosforschung zu unterstreichen scheint: Ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Kleinweltwinkel könnte ein Erdbeben in Movenna auslösen ... In diesem Fall ist es ein Colaglas, das den Ausschlag gibt. Je nachdem, ob es umfällt oder nicht, und wenn ja wie, entwickelt sich der Tag vollkommen anders, und die drei Detektive haben einen vollkommen anderen Fall zu lösen. Wobei in jedem der drei Abenteuer ein anderer der drei Helden die Federführung hat. Im Fall "Der Fluch der Sheldon Street" ist es eher die Kombinationsgabe eines Justus Jonas, bei "Im Zeichen der Ritter" ist es die akribische Recherchearbeit Bobs, die zur Lösung des Falls führt. Einen makaberen Scherz erlauben sich die Autoren im Fall "Fremder Freund", in dem Peter Opfer eines Stalkers wird. Der zweite Detektiv führt sich dabei so herzzerreißend dämlich und naiv auf, dass man am liebsten schreien möchte.
Fazit: Ein sehr interessantes Experiment. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die drei Fälle doch etwas enger mit einander verzahnt sind und man häufiger auf kleine "Fenster" zwischen den einzelnen Teilen stößt. So sind es einfach nur drei unterschiedliche Abenteuer, die durch einen gleichen Anfang in Verbindung gebracht wurden.

Die drei ??? 139: Das Geheimnis der Diva
Eine nicht allzu gute Amateurtheatergruppe in Rocky Beach studiert ihr neues Stück ein. Der Clou: Als Überraschung wird darin eine weltberühmte Schauspielerin eine Gastrolle übernehmen. Allerdings scheint im Theater nicht alles ganz astrein zu sein. Unten im Keller versteckt lagert Beutekunst aus dem zweiten Weltkrieg, und die Diva hat ebenfalls ein dunkles Geheimnis. Eine ???-Folge, die ganz okay ist, nichts besonderes, aber man kann es anhören.

Die drei ??? 143 und die Poker-Hölle
Ein Pokerspieler, dem eine chinesische Verbrecherbande auf den Fersen ist, will seinem Neffen sein Erbe zukommen lassen. Damit die Gangster dem Jungen das Erbe nicht vor der Nase wegschnappen, wählt er den Weg einer verrätselten und abenteuerlichen Schnitzeljagd. Zum Glück hat der junge Mann als Helfer die drei Detektive an seiner Seite. Die Rätselreise ist ganz okay, kann aber mit Klassikern wie dem Fluch des Rubins oder der Rätselhaften Erbschaft nicht mithalten. Manches ist unglaubwürdig und bleibt dem Zufall überlassen. Die Art, wie Justus, der absolut keine Ahnung vom Pokerspiel hat, in einer illegalen Spielhölle blufft und absahnt, ist doch etwas zu konstruiert. Sehr schön dagegen die Idee, wie der Schurke am Ende außer Gefecht gesetzt wird.


September

Karl May: Kong-Kheou - das Ehrenwort (Der blaurote Methusalem) (e)
Ein Abenteuer, das ich in meiner Jugend unter dem Titel "Der blaurote Methusalem" in der Tosa-Ausgabe kennen lernte. Die Geschichte eines deutschen Langzeitstudenten, der sich im Auftrag einer armen deutschen Familie nach China aufmacht, um den Sohn zu einem Vermögen zu verhelfen. Außerdem wird er von einem benachbarten chinesischen Ladenbesitzer und Flüchtling gebeten, nach dessen Familie zu suchen. Natürlich hat der Langzeit-Student seine Jahre an der Uni nicht verschwendet, sondern hat perfekt Chinesisch gelernt und weiß so ziemlich alles über China, was auch Old Shatterhand wissen würde. Unterwegs lernt er Kapitän Turnerstick kennen, einen handfesten Seemann, der sich auch von chinesischen Piraten nicht ins Bockshorn jagen lässt und mal eben mit einer Handvoll Leute eine Piratendschunke erobert. Turnerstick hat allerdings einen ganz gewaltigen Spunz: Er glaubt, er könne Chinesisch sprechen, indem er einfach nur an die jeweiligen deutsching Wörtung einung chinesischong Ending anhängtangt. Sprachprobleme sind vorprogrammiert, und da auch noch ein Holländer hinzustößt, der sich bei jeder Gelegenheit in weinerliche Bekundungen ergeht, er sei doch ein "ungeluckelige Nilpaard", muss sich der Leser oft durch seitenweise pseudochinesisches Kauderwelsch und semi-holländische Tiraden hindurchlesen, bis die Handlung weitergeht. Gottseidank ist diesmal nicht auch noch ein Sachse mit im Boot. Wunderschön dagegen der Augenblick, als Turnerstick von aufgebrachten Chinesen als Fremding enttarnt wird, die ihm zur Last legen wollen, dass er einen falschen Zopf trägt. Der Mann beginnt in seinem unverständlichen Chinesisch zu schimpfen, betont, er dürfe so viele falsche Zöpfe tragen, wie er wolle, er dürfe sogar falsche Augen tragen, wenn ihm dies gefalle - und nimmt mal eben sein Glasauge heraus.
Allerdings spielt bei dieser Geschichte der sprichwörtliche Kommissar Zuall eine viel zu große Rolle. Damals ist es mir nicht so aufgefallen, aber in beinahe jedem Kapitel stößt der Methusalem auf ein verschollenes Mitglied der seit Jahrzehnten getrennten chinesischen Familie. Was für eine problemlose Wiedervereinigung,

Die Welten von Thorgal: Lupine 5 - Skald

Wieland: Agathodämon (e)
Briefroman aus der Antike. Besuch bei einem frommen Eremiten, der von der ländlichen Bevölkerung wie ein Gott verehrt wird und den Menschen mit Rat und Tat zur Seite steht. Ein Reisender Fremdling wird neugierig und sucht den Mann auf, darf auch eine Weile als Gast bei ihm verweilen und führt tiefsinnige und trotzdem sehr leichtfüßige Gespräche mit ihm. Es geht um Religion und Philosophie, das Wesen der Götter, Ethik und richtiges Leben, um die Lebenshaltungen der einzelnen Denkschulen und einen Bund von Menschen, die die menschliche Gesellschaft zum Guten führen möchten. Auch das aufkeimende Christentum und die urchristlichen Gemeinden werden besprochen und sehr positiv bewertet. Das Buch gehört zu Wielands besten Werken. Leider unkommentiet, halt nur der kostenlose Originaltext.

Theodor Storm: Der Schimmelreiter (e)
Klassiker, den ich vor rund 20 Jahren in der Reclamfassung erstmals las, jetzt also noch einmal als eBook. Ich stieß auf Storm, als ich auf der Suche war nach dem, was "nach dem Vormärz" kam, und bei den Realisten gelandet war. Ich erinnere mich noch daran, wie mein Doktorvater mit einer leichten Verzweiflung darüber klagte, dass seine Studenten Storm lasen und vom Schimmelreiter so begeistert waren. Tja, hätten diese Alt-68er uns nicht in Schule und Uni bis zum Überdruss mit Brecht vollgestopft und gequält, hätten wir Storm nicht als solche Erlösung empfunden. ;-)
Aber mal ganz im Ernst: Das Ding ist gut, bietet eine abenteuerliche Kulisse. Nordsee, Sturm, Wellen und Geisterhaftes, das Ganze von einem Erzähler. der mit Sprache umgehen und Spannungsbögen konstruieren kann, warum sollte man das Buch nicht mögen? Die Rahmenhandlung mit Rahmenhandlung mit Rahmenhandlung ist allerdings etwas übertrieben und maniriert. Aber auch Autoren wollen ja mal spielen.
Meine Storm-Phase war übrigens nur von kurzer Dauer. Zwei Sachen kamen zusammen. Zum einen kaufte ich mir eine Gesamtausgabe und las sie durch, damit war der Mann für mich erledigt. Zum zweiten lernte ich kurz danach Wilhelm Raabe kennen, und wer an Raabe einmal geschnuppert hat, der kehrt nicht mehr zu Storm zurück, einfach zu leicht, zu weich und zu glatt ... Okay, aber der Schimmelreiter und auch der Rest sind ja nicht schlecht, gehört auf jeden Fall ins Klassikerregal, und das Wiederlesen war schön.

Karl May: Der Sohn des Bärenjägers (e)
Western-Novelle, die gewöhnlich mit der Erzählung "Der Geist des Llano estacado" zusammen unter dem Titel "Unter Geiern" verkauft wird. Ich war zunächst etwas enttäuscht, dass es dieses "Unter Geiern", eines meiner Lieblings-Karl-May-Bücher, gar nicht als eBook gab, habe mir dann die beiden Einzelteile angeschafft und frage mich nun, wie man sie überhaupt zusammenfassen konnte. Es gibt zwar eine ganze Reihe von Personen, die in beiden Teilen eine Rolle spielen, und die Geschichte vom "Geist" schließt sich zeitlich auch an den "Bärenjäger" an, aber es sind halt zwei völlig verschiedene Abenteuer, und im ersten Buch kommen die Llanogeier überhaupt nicht vor.
In diesem Band geht es um einen deutschen Jäger, der zusammen mit seinem Sohn in der Wildnis lebt und vor allem Bären jagt. Die Besessenheit oder Fixierung auf dieses Jagdopfer ist beim Vater wie beim Sohn auf etwas zurückzuführen, das man heutzutage wohl als Trauma bezeichnen würde. Ein riesenhafter Grizzlybär hat nämlich Mutter und Tochter des Bärenjägers getötete, während der Sohn, der sich auf einen Deckenbaken gerettet hat, zusehen musste, wie seine Schwester zerfleischt wurde. Inzwischen haben sich beide weidlich an den Grizzlys gerächt und Massen von Bären getötet. Die eigentliche Geschichte handelt von der Entführung des Bärenjägers, der in die Gewalt Sioux geraten ist und nun zu Ehren eines toten Häuptlings zu Tode gemartert werden soll. Doch der Sohn des Bärenägers hat starke Verbündete bei der Befreiung seines Vaters. Da sind berühmte Jäger wie der lange Davy und der Dicke Jemmy, der Hobble Frank und der Neger Bob, der als Sliding Bob bei den Indianern eine gewisse Berühmtheit erlangt, sowie der junge Mandan-Krieger Wokadeh. Außerdem nehmen sich Winnetou und Old Shatterhand der Sache an. Arme Sioux.
Interessant ist das kurze Abenteuer vor allem durch die eingelegten Erzählungen am Lagerfeuer. Hier berichtet nicht nur der junge Martin Baumann vom Tod seiner Mutter und Schwester, es gibt auch einen köstlichen Bericht des Hobble Frank über eine Begegnung mit einem Bären und - bemerkenswert - eine Erzählung Winnetous, der davon berichtet, wie er Old Shatterhand kennen gelernt hatte. Da diese Version dem später in Winnetou I beschriebenen Beginn der wunderbaren Freundschaft vollkommen wiedersprach, hat May sie dann bei der Zusammenlegung beider Bücher kurzerhand gestrichen. Also, schaut mal ins Original rein, hier gibt es was zu entdecken.

Die vierte Geisterspiegel-Anthologie: Dark Crime IV
Sehr düster, sehr grausam, sehr schwarze Texte und sehr schön zusammengestellt. Eine Anthologie, die ich mit Gewinn gelesen habe. Schon die Auftaktstory mit der Pechmaske, mit deren Hilfe ein unschuldiges Mädchen ermordet wird, hat es in sich. Man begibt sich auf die Traumpfade der australischen Aborigines, klärt Morde in Vineta auf, findet Menschen quicklebendig wieder, die eigentlich schon lange tot sind ... Eine Sammlung der Spitzenklasse.

Karl May: Der Geist des Llano estacado (e)
Die zweite Hälfte von "Unter Geiern" beziehungsweise die Hauptgeschichte. Schon als Kind hatte mich Bloody Fox, der als eine Art Phantom oder Batman den Geiern des Llano estacado den Kampf angesagt hat, fasziniert. Der maskierte Rächer, der über eine geheimnisvolle Oase inmitten der Wüste gebietet, hat in jungen Jahren seine Eltern - und seine Erinnerung - bei einem Überfall der Llanogeier verloren. Jetzt befindet er sich auf seinem segensreichen Rachefeldzug. Und natürlich wird er in seinem Kampf für Gerechtigkeit unterstützt von Winnetou und Old Shatterhand, Hobble Frank und Sliding Bob. Jemmy und Davy tauchen in der Originalfassung nicht auf, hier sind es die beiden Snuffles (Jim und Tim, die Brüder mit den großen Nasen), die den jungen Komantschen Schiba-bigk retten und ihm bei der Rache an den Mördern seines Vaters helfen. Jemmy und Davy kamen erst durch die Zusammenlegung mit der Geschichte "Der Sohn des Bärenjägers" in diese Erzählung hinein.

Karl May: Der schwarze Mustang (e)
Roman, den ich als Kind unter dem Titel "Halbblut" kennengelernt habe. Die Geschichte eines bösen Komantschenhäuptlings und seines verräterischen Sohnes, die einen Überfall auf eine Eisenbahner-Siedlung planen, jedoch von Winneteou und Old Shatterhand besiegt werden. Spanend, aber auch ziemlich rassistisch. May verbreitet sich nicht nur darüber, dass "Halbblütige" die schlechten Eigenschaften beider Rassen erben (es sei denn, man heißt Schi-so, hat eine Deutsche zur Mutter und einen edlen Apachenhäuptling zum Vater und studiert in Deutschland auf der Forstakademie wie einer der Helden im "Ölprinz"), er zieht auch ziemlich heftig gegen die feigen, gierigen und verlogenen Chinesen vom Leder, denen Old Shatterhand zur Strafe die Zöpfe abschneiden lässt.

Erich Kästner: Fabian. Geschichte eines Moralisten
"Großstadtroman" über einen jungen Mann, der von Beruf "Propagandist" ist und die frühen 1930er Jahre in Berlin verbringt. Fabian arbeitet in einer Art Werbeagentur, wird schließlich arbeitslos, hat diverse sexuelle Abenteuer, gerät in die Auseinandersetzungen eines Nazis mit einem Kommunisten, die sch gegenseitig totschießen wollen. Er erlebt den Selbstmord seines Freundes Labude - eine ausgesprochen tragische Geschichte. Labude arbeitet an seiner Doktorarbeit, steckt sechs Liter Herzblut hinein, ist überzeugt, ein wirklich geniales und großartiges Werk geliefert zu haben. Wenig später teilt ihm ein Hiwi, der den Überflieger verletzten will, mit, sein Professor habe verlauten lassen, er hätte noch niemals eine so schlechte Arbeit gesehen. Woraufhin Labude seinem Leben ein Ende setzt. Dabei war das Werk in Wirklichkeit tatsächlich ein Meisterwerk, eine solch geniale Arbeit hätte er noch nie gesehen, sagt der Professor später. Übrigens ein autobiographisches Moment. Kästner verlor tatsächlich einen Schulfreund auf diese Weise, weil ein Spaßvogel dem jungen Mann sagte, er sei durchgefallen. Diese Geschichte, die ich in einer Kästner-Biographie las, war für mich auch der Grund, dass ich diesen Fabian unbedingt lesen wollte. Fabian selbst bezeichnet sich als einen Moralisten, geht auf viele schmutzige Angebote nicht ein und stirbt schließlich beim Versuch, einen ins Wasser gefallenen Jungen zu retten. Der Junge überlebte. Er konnte schwimmen. Fabian war Nichtschwimmer und ertrank. Ein bemerkenswerter Roman, der viel bekannter sein sollte.

Heinrich Laube: Reisenovellen, Band 1 (e)
Erster Teil einer sechsbändigen Reisegeschichte, die ich während des Studiums als Athenäum-Reprint las. Wobei der Titel etwas irreführend ist, denn es handelt sich nicht um Novellen. Es sind Reisebeschreibungen, in die von Zeit zu Zeit auch mal eine Novelle eingelegt ist, wobei der Prozentsatz der Novellen recht gering ist. Im ersten Band, 1834 erschienen, am geringsten, will man nicht die amourösen Abenteuer des Ich-Erzählers beziehungsweise sein Anschmachten der jeweiligen weiblichen Mitreisenden in der Postkutsche als Novelle mitrechnen. In Teil eins geht es zunächst um das Aufbrechen. Der Reisende träumt eigentlich von Spanien und Don Juan, doch erstmal reist er durch deutsche Städte: Breslau, Anhalt, Magdeburg, Braunschweig, Halberstadt, Halle, Leipzig, Altenburg, Zwickau, Karlsbad, Marienbad, Franzensbrunn. Italien folgt im nächsten Band. Das ganze ist recht spröde und nur für Hardcore-Leser zu empfehlen

Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, Band 2 (Buch 3)
Im zweiten Teil nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Sie wird geschlossener, lässt sich schneller und besser lesen. Allerdings stellt sich die Frage, ob das dann wirklich noch das "richtige" Buch vom Mann ohne Eigenschaften ist ...? Immerhin wird hier viel konventioneller erzählt.
Ulrichs Vater ist gestorben. Zusammen mit seiner Schwester ordnet Ulrich den Nachlass und begeht eine Urkundenfälschung, weil die Schwester es so wünscht, um ihrem Mann nicht das Erbe des Vaters zukommen lassen zu müssen. Sie will sich auch scheiden lassen. Die beiden Geschwister kommen sich näher, gehen schließlich zusammen nach Wien zurück, wo sie von nun an als "Zwillinge" auftreten. Dann bricht das Buch ab ... Schade irgendwie.

David und Daniel Hays: Seelenriffe. Der Vater, der Sohn und die See
Ein Buch aus dem Nachlass meines Vaters. Meine Schwester und ich hatten es ihm vor einer halben Ewigkeit zu Weihnachten geschenkt. Damals planten wir noch unsere große Atlantiküberquerung. Es hat nicht sollen sein.
"Seelenriffe" ist die Geschichte eines Vaters und eines Sohnes, die zusammen Kap Horn umrunden wollen. Beides passionierte Segler, aber inzwischen ist der Vater älter geworden, und der Sohn hat seinen alten Lehrmeister überholt und hat ihm einiges voraus, sodass er nun der Kapitän ist. Die Geschichte hat etwas Abenteuerliches, zugleich liegt darüber auch eine gewisse Melancholie des Abschiednehmens. "Wenn der Vater dem Sohn hilft, lachen beide. Wenn er Sohn dem Vater hilft, weinen beide", heißt es an einer Stelle.
Es ist nicht unbedingt ein Roman, aber auch nicht nur ein Bericht. Erzählt wird abwechselnd aus der Vater- und aus der Sohn-Perspektive, beziehungsweise man liest die Aufzeichnungen der beiden. Dabei gibt es einige Wiederholungen und Zeitsprünge, manchmal ist man beim Wechsel in die Notizen des jeweils anderen etwas verwirrt und muss sich erst wieder zurechtfinden. Hinzu kommt, dass der Sohn auch einige Etappen allein zurücklegen musste. Ein Großteil des Buches schildert auch die Vorbereitungen und den Bau beziehungsweise Ausbau des Schiffes. Also, wer einen netten Seglerroman sucht, ist hier falsch, hier geht es eher um das Nachvollziehen einer bestimmten Tour und um die persönlchen Betrachtungen zweier realer Personen. Trotzdem oder gerade deshalb aber nicht schlecht, hat mir gefallen.

Christiane Lieke: Die Geburt des Onyxdrachen (Geschichten der Nacht 61, TCE)
Roman, den ich, glaube ich, mal auf dem DortCon erstanden habe. Die Geschichte einer Söldnerin und eines Söldners, die sich lieben und gemeinsam im Kampf gegen einen riesigen Drachen umkommen. Sie landen in einer Art Totenwelt, die aber seltsam unbestimmt bleibt, und schaffen es, dass sie ins Leben zurückkehren dürfen. Jedoch erwachen sie ausgerechnet als Drachen zu neuem Leben. Originelle Idee, an einigen Stellen war es jedoch etwas anstrengend zu lesen. Das war auch der sehr kleinen Schrift und den langen Zeilen geschuldet. Ein etwas großzügigeres Layout hätte dem Roman und der Leserin gutgetan. Verleger, denkt an uns Senioren!

E.T.A. Hoffmann: Nussknacker und Mäusekönig (e)
Ein eBook, das ich mir vor allem wegen meiner Lektüre von Peter Raffalts "Märchen vom hölzernen Mann" heruntergeladen habe. Hoffmanns zauberhaft-düsteres Märchen vom Nussknacker und seinem Kampf gegen die bösen Nagetier-Horden ist einfach ein schönes Stück Literatur, das die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwimmen lässt. Hat Spaß gemacht.

E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf (e)
Das Reclamheft las ich wohl 1992 anlässlich einer Vorlesung von Leo Kreutzer. Ich denke noch immer an seine Deutung des "Im Kristall Seins" als Beschreibung eines Katers nach durchzechter Nacht. Kann Hoffmann durchaus so gemeint haben. Ein seltsames Märchen, die Sache mit den Schlangen und dem alten Pergament und dem Kristall hätte gut auch im Heinrich von Ofterdingen stehen können. Allerdings, etwas klarer ist die Geschichte schon als das Klingsohr-Märchen.

Jahresrückblick Teil I: Januar bis März 2015
Jahresrückblick Teil II: April bis Juni 2015
Jahresrückblick Teil IV: Oktober bis Dezember 2015.


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick II: April bis Juni 2015

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2015 · 626 Aufrufe
Jahresrückblick
Das Jahr 2015 brachte mir außer den gestern aufgezählten Buchveröffentlichungen auch ein paar kleinere Veröffentlichungen in Anthologien ein. Vor allem zwei Projekte der Autorengruppe Geschichtenweber gelangten in diesem Jahr zum Abschluss. Ich beteiligte mich mit meiner Horror-Story "Der schwarze Frosch" an der Sammlung "Fundbüro der Finsternis" (ehemaliger Arbeitstitel: "Fundstücke des Grauens"), erschienen im Verlag p.machinery, und mit der Geschichte "Zahltag" an der Anthologie "Kinder der Sonnenfinsternis" (ursprünglicher Arbeitstitel: "Aufstand der Zauberlehrlinge") im UlrichBurger Verlag. Außerdem konnte ich zwei Hödeken-Geschichten (über eine Sagengestalt mener Heimat) veröffentlichen. Die erste, "Das Wagenrennen auf dem Rennstieg", entstand für die Jubiläums-Anthologie "Hildesheimer Geschichte(n)", mit der sich der Verein Hildesheimliche Autoren e.V. an den 1200-Jahr-Feierlichkeiten meiner Heimatstadt beteiligte, die zweite erschien unter dem Titel "Die glücklose Hasenjagd" im Magazin des Marburger Vereins für Phantastik als Begleitheft zum Marburg-Con. Als Jahresabschluss kam mein Weihnachtsmärchen "Das kleine, blaue Fahrrad" an Heiligabend in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung heraus.

Doch nun zum zweiten Teil meiner Lesefrüchte aus dem Jahr 2015. Das zweite Quartal brachte erneut viele Märchen und Klassiker, meist in elektronischer Form, etwas Phantastik und einige Lyrik. Viel Vergnügen damit!


Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.


April

Heinrich Heine: Über Ludwig Börne (e)
Das Dokument eines großen Zerwürfnisses. Heinrich Heine gegen Ludwig Börne, die beiden exponiertesten Vertreter einer jungen, frechen und freiheitlichen Literatur in den 1820er und 1830er Jahren, zwei verdammt gute Leute, die leider so gar nicht "miteinander konnten". Anfänglich sahen sie durchaus im jeweils anderen noch einen Verbündeten, doch bald traten die Unterschiede zu Tage. Bald machte die Gegenüberstellung von "Talent" und "Charakter" die Runde. Heine, der eindeutig bessere Schriftsteller, der sich aber mehr als Künstler sah und davor zurückscheute, beispielsweise seine herrliche Lyrik als Karrengaul der Revolution missbrauchen zu lassen. Börne, der redliche, biedere politische Journalist, der zwar ebenfalls eine geschliffene Feder führte, doch alles, was er schrieb, bierernst bzw. mit heiligem Ernst meinte. Börne warf Heine denn auch vor, ob der Mann "Die Monarchie ist die beste Staatsform" schreibe oder "Die Republik ist die beste Staatsform", würde er davon abhängig machen, was besser klinge. Heine dagegen echauffierte sich darüber, wie Börne sich mit dem schmutzigen Revolutionspöbel gemein mache und in Räumen verkehre, in denen Taback geraucht wurde. Wenn er sebst einem dieser Revolutionäre die Hand schütteln müsse, würde er sie danach im Feuer reinigen müssen, meinte Heine.
Eigentlich kein "schönes" Buch. Heine bemühte sich, nach Börnes Tod im Jahre 1837, das letzte Wort zu behalten. Sein Buch, das den beinahe heiligenmäßig verehrten Börne mit Schutz und Ironie übergoss, kam allerdings gar nicht gut an, der Schuss ging nach hinten los, und Heine erntete einiges an Entrüstung, musste sich sogar duellieren. Schon der Titel "Heinrich Heine über Ludwig Börne" sorgte für Kritik, sah man doch darin den Versuch des Autors, sich "über" den Verstorbenen zu stellen. Heine gab jedoch an, der von ihm geplante Titel sei eigentlich ein schlichtes "Ludwig Börne. Eine Denkschrift" gewesen, Verleger Julius Campe hätte jedoch gegen den Willen des Autors einen anderen Titel gewählt.
Das Buch enthält in der Mitte Heines "Tagebuch von Helgoland", das ich schon ziemlich häufig gelesen habe, es gehört zu meiner traditionellen Insellektüre. Erstmals las ich es wohl Ende der 80er oder Anfang der 90er in meiner Heine-Gesamtausgabe (Manesse Dünndruck), später meist in der Textsamlung "Heinrch Heine und Ludwig Börne - ein deutsches Zerwürfnis" von Hans Magnus Enzensberger, seinerzeit als dickes Taschenbuch bei Reclam Leipzig erschienen. Nun also als eBook. Der Text sei jedem Literaturliebhaber wärmstens ans Herz gelegt, in welcher Ausgabe auch immer.

Wilhelm Hauff: Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 (e)
(enthält: Die Karawane; Kalif Storch, Das Gespensterschiff, Die abgehauene Hand, Die Errettung Fatmes, Der kleine Muck, Der falsche Prinz)
Hauffs Märchen-Almanache sind ein Meilenstein der deutschen Märchen-Erzählkunst und sollten eigentlich im Regal jedes Märchenfreundes neben Grimm und Andersen stehen. Die Bücher, die als Jahres-Gabe erschienen sind, enthalten jeweils eine Rahmen-Handlung, innerhalb derer mehrere Erzähler auftreten und diverse Märchen zum besten geben, wobei die Rahmenhandlung selbst eigentlich auch wieder ein großes Märchen ergibt.
Dieser Almanach auf das Jahr 1826 enthält die Geschichte einer Karawane, die durch die Wüste zieht. Abends am Feuer erzählen einige der Kaufleute und Reisenden Märchen, meist solche, zu denen sie irgend einen persönlichen Bezug haben. Das Umfeld ist ein orientalisches, wie sich Hauff ja vor allem durch Märchen im Tausendundeine-Nacht-Stil einen Namen gemacht hat. Enthalten sind viele bekannte Märchen-Klassiker wie Kalif Storch oder Der kleine Muck.
Etwas unschön ist die Organisation des eBooks zum Amanach, der wohl auf eine Billig-Ausgabe zurückgeht. Hier ist erst die Rahmengeschichte insgesamt erzählt, wobei die einzelnen Märchen weggelassen worden sind, man findet im Text nur Hinweise à la "Hier wird das Märchen vom Kalif Storch erzählt". Dann folgen die aus dem Zusammenhang herausgezogenen Einzelmärchen hinter einander weg, und zuguterletzt wird noch einmal die Rahmenhandlung erzählt und diesmal zu Ende gebracht. Da hätte man es lieber als im Gesamtzusammenhang dargebrachtes durchgängig erzähltes Werk gelesen.

Wilhelm Hauff: Märchen-Almanach auf das Jahr 1827 (e)
(enthält: Zwerg Nase, Vom Juden Abner, der nichts gesehen hat, und Almansors Rückkehr ... diverse andere wie Schneeweißchen und Rosenrot herausgeschnitten)
Der zweite Märchen-Almanach Hauffs spielt ebenfalls im orientalischen Milieu. Auch hier gibt es wieder eine Rahmenhandlung, die selbst märchenhafte Züge aufweist und innerhalb derer verschiedene Märchen erzählt werden. Diesmal geht es um einen reichen Mann, dessen Sohn vor Jahren verschwand. Seitdem lebt dieser Mann, dem es ansonsten an Glückgütern nicht fehlt, in tiefer Trauer und betet um die Rückkehr des Verschollenen. Einmal im Jahr lässt einige seiner Sklaven frei, die sich dann jeweils mit einer Geschichte bei ihm bedanken. Als Happy End ist natürlich die Rückkehr des Sohnes zu erleben, der in der Welt schlimme Prüfungen erfuhr, doch nun als Geretteter vor seinen Vater tritt.
Auch hier ist die unglückliche Art, die Sammlung so hässlich zu zerhacken, unbedingt zu rügen. Wieder wird erst die Rahmenhandlung erzählt, dann folgen hinter einander weg die Märchen und schließlich wird die Rahmenhandlung nach dem letzten Märchen zu Ende geführt. Unschön.
Bemerkenswert ist, dass Hauff diesen Almanach für andere Autoren bzw. fremde Märchen öffnet, unter anderem wird von den Sklaven das Märchen von "Schneeweißchen und Rosenrot" erzählt. Diese Nicht-Hauff-Märchen sind jedoch herausgeschnitten, man findet im Text nur den Hinweis, dass dort ursprünglich "Schneeweißchen und Rosenrot" gestanden hat. Schade.
Ein Wort noch zum sehr deutlichen Antisemitismus Hauffs. Es ist ein seltsamer Antisemitismus, den ich nicht so recht verstehe. Wann immer ein Jude auftritt, wird im Vorfeld ziemlich viel Negatives gesagt und die angeblichen schlechten Eigenschaften jener "Rasse" aufgeführt, aber wenn die Handlung dann beginnt, benehmen sich die dargestellten Juden eigentlich nicht böse oder kleinkariert. Bei der Geschichte vom Juden Abner zum Beispiel, der zweimal Prügel bekam, bin ich automatisch auf der Seite Abners und ärgere mich eher über den Justizskandal, als der Herrscher ihn schlagen lässt. Abner hatte sich lediglich als besonders guter Spurenleser erwiesen, dem selbst Winnetou hätte Bewunderung zollen müssen. Er konnte den suchenden Wächtern genau sagen, wie das durchgegangene Pferd seines Herrschers aussah, allerdings sagte er vollkommen wahrheitsgetreu aus, dass er das Tier selbst nicht gesehen habe und auch nicht wisse, wo es ist ...

Wilhelm Hauff: Märchen-Almanach auf das Jahr 1828 (e)
(enthält: Das Wirtshaus im Spessart; Die Sage vom Hirschgulden, Das kalte Herz, Saids Schicksale, Die Höhle von Steenfoll)
Der dritte Amanach Hauffs. Diesmal spielt die Rahmenhandlung in Deutschland, im bekannten Wirtshaus im Spessart, und gab offenbar genug Stoff her, um selbst zur Hauptgeschichte und zum Filmstoff zu werden. Allerdings muss ich sagen, dass diese Wirtshausgeschichte als Rahmenhandlung für eine Märchenanthologie eher wenig geeignet ist. Da sind also ein paar Leute in einem Wirtshaus abgestiegen, das sich als Räuberhöhle entpuppt. Um nicht im Schlaf überfallen zu werden, versuchen die Gäste, sich durch Märchenerzählen wachzuhalten. Hm. Zum einen wäre es sicher klüger, sich still zu verhalten und zu lauschen. Zum anderen ist die äußere Situation ja wohl so beunruhigend, dass wohl kaum jemand schlafen könnte. Aber was solls.
Das Buch enthält den großartigen Märchenklassiker "Das kalte Herz", zeigt sich auch sonst eher dem deutschen und nordeuropäischen Milieu zugewandt, bietet mit "Saids Schicksale" aber auch einen kleinen Rückgriff in die Orient-Tradition. Insgesamt wirkt die Sammlung dadurch etwas weniger geschlossen als die beiden anderen. Sehr unschön wieder das zerhackte Erscheinungsbild des Almanachs. Hier wäre es einfach schöner gewesen, die Märchen innerhalb der Rahmenhandlung zu belassen. Schade.

Novalis: Heinrich von Ofterdingen (e)
Eines der grundlegenden Werke der Romantiker, in dem unter anderem das zentrale Symbol der blauen Blume seinen Ursprung hat. Novalis schildert darin die Berufung und Lehrzeit des mittelalterlichen Dichters Heinrich von Ofterdingen (geht mit demThema aber sehr frei um, schon auf der ersten Seite findet man einen Anachronismus, als die im Mittelalter noch nicht erfundene Standuhr erwähnt wird.) Heinrich erwacht aus einem seltsamen Traum und sehnt sich fortan nach der blauen Blume. Er unternimmt zusammen mit seiner Mutter eine Reise, die ihn nach und nach zum Dichter formt. Er erfährt von Leben der unterschiedlichsten Menschen, sehr eindrücklich vor allem die Welt der Bergleute, hört diverse Erzählungen und Lieder ... Prägend ist die Begegnung mit dem Dichter Klingsohr. Besonders hervorzuheben sind die beiden Märchen, einmal das Karfunkelmärchen (eigenlich hätte der Karfunkel mit beinahe dem gleichen Recht Symbol der Romatik werden können wie die blaue Blume) und das ausgesprochen schwer verdauliche Klingsohrmärchen. Das Buch blieb Fragment, der zweite Teil, der die "Erfüllung" Heinrichs hätte zeigen sollen, bricht nach einigen Seiten ab.
Ich las das Buch erstmals in der Reclamfassung, das muss 1987 oder 88 gewesen sein. Aus der Schulzeit erinnere ich mich, dass mich einige Mitschülerinnen, die (anders als ich) einen Deutsch-Leistungskurs belegt hatten, mich fragten, ob ich ihne nicht das Klingsohrmärchen erklären könne. Ich musste meine Hilflosigkeit eingestehen. Später, Mitte der 90er Jahre, hörte ich an der Uni ein sehr gutes Referat einer Kommilitonin, nach dem ich glaubte, etwas von dem Märchen verstanden zu haben. Aber kurz danach hätte ich schon nicht mehr wiedergeben können, was das genau war. Jetzt in der eFassung habe ich das Märchen also schon zum dritten oder vierten Mal gelesen. Es ging mir diesmal wesentlich besser damit. Aber bittet mich bloß nicht, es euch zu erklären. ;-)


Wilhelm Hauff: Mittheilungen aus den Memoiren des Satans (e)
Ein junger Schriftsteller wird von Satan persönlich aufgesucht und soll dessen Memoiren aufzeichnen. Das Werk ist ein sehr interessantes Stück Literatur, vor allem durch seine Vielseitigkeit und die unterschiedlichen Handlungsfäden. Als einheitlichen Roman kann man das ganze nicht bezeichnen, eher als eine Abfolge verschiedener Episoden, die keiner Chronologie folgen und nicht immer miteinander in Zusammenhang stehen. Satan erzählt aus seinem Leben in der Menschenwelt, zum Beispiel wie er sich als Student an der Universität herumgetrieben hat, oder von Teezirkeln und Künstlergesprächen. Durchaus auch in die heutige Zeit passen könnte auch die Geschichte, in der zwei Frauen ein Gespräch führen und sich darüber austauschen, auf welche Weise sie diesen oder jenen Mann ins Jenseits befördert haben. Der unfreiwillige Zuhörer, der die Unterredung entsetzt belausche, läuft daraufhin zur Polizei, doch er macht sich nur lächerlich: Es gibt keine Bande von Mörderinnen, die verhaftet werden kann. Die beiden Damen waren lediglich zwei recht berühmte Krimiautoren, die über ihre neuen Romane sprachen. Das hätte ich mir gut und gerne bei einigen Kolleginnen von den "Mörderischen Schwestern" vorstellen können.
Sehr unschön fand ich die Darstellung des "ewigen Juden", den Satan auf seinen Streifzügen trifft und in seine Dienste nimmt. Dieser ewige Jude ist im Laufe der fast zwei Jahrtausende vollkommen heruntergekommen und wird als eine Art Bärenhäuter dargestellt, ungewaschen, lange Zottelhaare, ungeschnittene Fingernägel und so weiter. Darüberhinaus hat er ein ziemlich täppisches Benehmen und ist extrem dumm und ungeschickt, sodass sich Satan schließlich doch wieder von ihm trennt. Da ist mir das gängige Klischee, das Juden vor allem Intelligenz und eine gewisse Geschmeidigkeit bescheinigt, doch etwas lieber. Abner im Hauffschen Märchenalmanach auf das Jahr 1827 war da von einem ganz anderen Kaliber.

Hertha Vogel-Voll: Die silberne Brücke

Karl Gutzkow: Nero (e)
Ein Drama des frühen Gutzkow aus der Zeit, bevor er mit seiner "Wally" einen Literaturskandal heraufbeschwor und zusammen mit Heinrich Heine und Theodor Mundt verboten wurde. Zum Teil ein historisches Drama aus dem alten Rom, aber durchaus gegenwartsbezogen, vor allem durch den deutschen Sklaven Michel, der durch seine Bemerkungen immer wieder für Stilbrüche sorgt.

Wassili Golowatschow: Landung auf Pluto. 2 Teile (BunTES Abenteuer 1/2011 und 2/2011)
Zweiteilige SF-Novelle über ein Wettrennen zum damals äußersten Planeten unseres Sonnensystems. Interessant die Konstellation, dass der Chef der russischen Expedition und die Chefin der amerikanischen Expedition ein Ehepaar sind. Was sie dann auf Pluto entdecken, hätte keiner erwartet ... Lesenswert, allerdings etwas unglücklich auf zwei Hefte verteilt. Zu dieser Zeit hatten die Hefte der Reihe BunTES Abenteuer nämlich nur 32 Seiten (statt der heutigen 40). Als "Füller" musste nun im zweiten Band die Kurzgeschichte "Der Flüchtling" beigefügt werden, die die Häfte des Hefte ausmacht. Aber egal, es sind zwei spannende Hefte geworden, die auch optisch außerordentlich ansprechend wirken, vor allem das Titelbild von Teil 1 hat mir gefallen.



Mai

Wilhelm Hauff: Novellen (Die Bettlerin vom Pont d'Arts, Othello, Jud Süß, Die Sängerin, Die letzten Ritter von Marienburg, Das Bild des Kaisers.) (e)
Gut erzählte, sehr kunstvoll gestaltete Novellen, die man allerdings lieber nicht alle auf einmal lesen sollte. Dann fällt nämlich eine gewisse Monotonie der Erzählstruktur ins Auge. Hauff beginnt oft damit, dass er eine bestimmte düstere, rätselhafte Stimmung schafft, es gibt eine Person oder einen Ort mit einem Geheimnis, irgend etwas läuft nicht so, wie man es sich wünscht, vielleicht liegt ein Fluch vor oder eine Schuld, die jemand auf sich geladen hat. Dann irgendwann gibt es eine "Geschichte in der Geschichte", irgendjemand erzählt eine Begebenheit, die den aktuellen Zustand erklärt, und dann erfüllt sich entweder das Schicksal auch an der Person des Leser-Interesses, und sie kommt um, oder der Knoten löst sich, und es gibt ein glückliches Ende.
Insgesamt haben mir die Novellen sehr gut gefallen. Vor allem die Geschichte der Bettlerin vom Pont d'Arts und die Geschichte eines Theaters, dessen Othello-Aufführungen stets ein Todesopfer fordern, fand ich faszinierend. Auch "Das Bild des Kaisers" hat mir gefallen, auch wenn es vorhersehbar war, der Titel plaudert die Pointe ja schon aus. Mehr will ich gar nicht spoilern.
Es ist in dieser Sammlung auch der unselige "Jud Süß" enthalten, ein Stoff, der später in der Nazipropaganda weidlich ausgeschlachtet wurde. Ja, dieser Hauff greift immer wieder in die antisemitische Klischeekiste hinein, was bei einem sonst so guten und intelligenten Erzähler doppelt schmerzt. Aber auch hier muss ich sagen, dass ich bei allen Dingen, die Finanzminister Süß tut, ihn sehr gut verstehen kann und seine Handlungen für berechtigt halte. Natürlich vermehrt er das Geld seines Landesfürsten und sein eigenes, das ist sein Job. Natürlich will er seine Schwester gut verheiraten, das ist seine Pflicht als Familienoberhaupt und liebender Bruder. Letzten Endes ist der ins Auge gefasste christliche Schwiegersohn Gustav, der ein grausames Spiel mit Süß' Tochter Lea treibt und sie am Ende sitzen lässt, das größere oder besser gesagt einzige Arschloch in dem Buch, naja, Arschloch ist vielleicht etwas hart, sagen wir Schlappschwanz. Ähnlich wie beim Märchen vom Juden Abner gibt es auch hier wieder diesen eigenartig doppelbödigen Antisemitismus: "Show" und "Tell" passen einfach nicht zu einander, man sagt zwar ziemlich viel Negatives im Vorfeld über Süß, gezeigt wird aber ein recht normaler Mensch, der nur sein besonderes Geschick, hier den Umgang mit Geld, benutzt, um es zu etwas zu bringen.
Eine Art Distanzierung Hauffs findet sich im Autorenkommentar am Schluss der Geschichte:
"Beides, die Art, wie dieser unglückliche Mann mit Württemberg verfahren konnte, und seine Strafe, sind gleich auffallend und unbegreiflich zu einer Zeit, wo man schon längst die Anfänge der Zivilisation und Aufklärung hinter sich gelassen, wo die Blüte der französischen Litteratur mit unwiderstehlicher Gewalt den gebildeteren Teil Europas aufwärts riß."
Ich werde mir wohl einmal etwas Sekundärliteratur dazu besorgen müssen.

Hugo von Hofmannsthal: Das Märchen von der verschleierten Frau (e)
Fragmentarische Märchen, spielt im Gebirge/Bergmannsmilieu. Etwas symbolisch aufgeladen. Vielleicht eine gewisse Verwandtschaft zum "Heinrich von Ofterdingen"? Am Ende des sehr kurzen eBooks sind einige Notizen des Autors zum weiteren Verlauf der Geschichte begegeben. Es ergibt sich für mich aber kein Gesamtbild.

Ludwig Bechstein: Die schönsten Märchen (e)
Ludwig Bechstein ist mir vor allem als recht frommer Autor in Erinnerung gewesen, man denke nur an seine Geschichte vom Schwaben, der das Leberlein gefressen hat, oder an den Gevatter Tod. Entfallen war mir, dass der Mann auch ein außerordentlich humorvoller Märchenerzähler war. In seiner Märchensammlung finden sich immer wieder Stellen, an denen man einfach schmunzeln muss, und wo die Grimms ihre Bösewichte hart aber gerecht bestrafen, löst Bechstein den Konflikt mit Pfiff und Um-die-Ecke-Denken. Manches ist skurril, alles irgendwie liebenswert in dieser Sammlung. Köstlich etwa die Geschichte von den drei Gaben oder von den drei dummen Teufeln, die ulkige Goldraspel "Schab den Rüssel" oder der perfide "Schwan kleb an", das Bechsteinsche Gegenstück zur goldenen Gans. Sehr lesenswerte Sammlung. Holt sie euch.

Gunnar Kaiser: Letzte Gedichte (e)
Sehr ausdrucksstarke Gedichte, von denen man hoffen sollte, dass es nicht wirklich die "letzten" des Autors sind. Es geht um Gott und die Welt in diesem Lyrikband, Ausflüge in die Edda inbegriffen, um Liebe und Philosophie, es finden sich Homer-Zitate und der Blick auf eine Schopenhauer-Ausgabe, die Anrufung einiger Sternbilder genau so wie ein gelassener Blick auf die Landschaft. Die Texte sind zumeist recht ruhig und getragen, eher einem weiten Bogen folgend, und vermitteln das Bild eines Autors, der "angekommen ist", sehr genau weiß, wer er ist und was er kann. Da mag er in "Es gibt keinen Grund, meiner zu gedenken" notieren, wie gern er Konfuzius, ein zweiter Bob Dylan, ein gottesfürchtiger Danton oder ein Sokrates wäre, es endet doch mit einem "Doch ich bin es nicht". Ein wenig bereue ich es, mir diesen Gedichtband in der eBook-Ausgabe geholt zu haben. Es wäre schön, ein Papierbuch in der Hand zu halten und darin zu blättern. Vielleicht wenn es mal einen Band "Allerletzte Gedichte" gibt.

Manfred Kyber: Märchen (e)
Ebenfalls eine sehr schöne Märchensammlung. Mir hat vor allem die Geschichte vom Oberhofszeremonienmeister gefallen. Die Märchen sind recht moderne Geschichten, eher in der Tradition Andersens als der Grimms, Kyber spinnt unzählige Kleinigkeiten und Einzelheiten aus, wenn er seine Märchenwelten vor dem Leser ausbreitet. Dabei geht es oft um ganz kleine Dinge. Um die Bewohner einer Wiese zum Beispiel. Oder ein Königreich hinter dem Regenbogen, dessen König nur dreieinhalb Untertanen hat - und nun will die Prinzessin auch noch unbedingt den halben Untertanen "wegheiraten", wie soll man denn da noch ordentlich regieren?

Sven Klöpping: Aufheller. Gedichte (e)
Mir war Sven Klöpping bisher vor allem als Prosaautor ein Begriff, dies ist der erste Lyrikband von ihm, den ich las. Das Buch hat auf jeden Fall sehr viel Energie, kommt teilweise frech und versifft daher, hat aber auch sehr gefühlvolle und stille Passagen. Ein Gedicht wie "al'hambra", das sprudelndes, die Sinne kühlendes Wasser in seiner Augenblicklichkeit und Zeitlosigkeit einfängt, steht direkt neben dem gnatzigen, vom Brechreiz eines Fernsehzuschauers getriebenen "Alles geht zum Anus", das mit der Feststellung schließt: "Dann ist es an der Zeit, sich mit einer Kettensäge unterzumieten."
Es gibt Texte wie "Befruchtung", ein optisches Gedicht in der Tradition von "Fisches Nachtgesang", oder einen "brief von der mafia", der aus einer langen Liste von "erledigt"s besteht. Ein anderes füllt die Seiten mit dem immer wiederholten Wort "morden", bis es am Ende sein "m" verliert und optisch in Form eines Kreuzes am Bande ausläuft. Äußerst einprägsam.
Sehr ernst kommt das Gedicht "Caritas" daher, die Selbstaufforderung eines Menschen, der nicht mitmachen will mit Zombies, Geldschneidern und Kriegstreibern. Immer wieder ist es die Kritik an Medien, vor allem der Fernsehberichterstattung, die Klöppings Gedichte durchzieht. Dazwischen Sex, Tod, Kotze, Gentechnik, Hirnphysiologie und was da sonst noch so kreucht und fleucht.
Alles in allem ein sehr vielschichtiges Werk. Mal sehen, was da noch kommt.

Begleitheft zum Nürnberger Autorentreffen 2015
Enthält nicht nur die Vorträge der Referenten, sondern auch noch ein paar weitere Aufsätze. Besonders interessant fand ich einen Beitrag über Gerichtsmedizin und Leichenfunde, bei denen zunächst vieles auf Mord hindeutete, aber am Ende war doch nur ein Unfall die Todesursache.

Carl Einstein: Der Gaukler der Ebene und andere afrikanische Märchen und Legenden (e)
Märchen der unterschiedlichsten afrikanischen Völker. Die Titelgeschichte ist eine der längsten und ausführlichsten, wobei der "Gaukler der Ebene" ein großer Stier ist, der den Reichtum eines Stammes verkörpert. Es gibt sehr viele Ursprungssagen und viel Genealogisches. Man lernt zum Beispiel den Gott Uwolowu aus Togo kennen, über den es im Buch eine ganze Reihe von Sagen gibt. Dass die Menschen sterblich wurden, haben nach diesen Sagen ein Huhn oder ein Frosch und ein Hund verschuldet, außerdem wird beschrieben, wie Uwolowu den Aussatz und andere Krankheiten schuf und wie seine beiden Frauen, Frosch und Eisvogel, bei seinem vorgeblichen Tode um ihn weinten. Ein wenig an den biblischen Schöpfungsbericht erinnert die Geschichte von den beiden ersten Menschen aus den Sagen der Mkwule. Gott hatte oben im Himmel sehr viele Menschen und wollte auch die Erde mit ihnen besiedeln, also schleuderte er ein Paar hinab. Doch es kam zu einem Sündenfall, seither sind die Menschen sterblich. Es wird jedoch eine Auferstehung in Aussicht gestellt. Insgesamt haben sagenhafte Texte den Löwenaneil in dem Buch. Ich finde wenig, was ich als reines Märchen bezeichnen würde. Auch sind die meisten Texte recht kurz, es sind wenig ausgefeilte Erzählteste darin zu finden.

Stefan George: Das Jahr der Seele (e)
Gedichtzyklus aus knapp 100 (98) Gedichten beziehungsweise Gesängen, ein Gang durchs Jahr und die Jahreszeiten, zum Teil an alte landwirtschaftliche Kult-Handlungen angelehnt, dabei aber doch recht modern, jedenfalls das, was damals als modern galt. Regelmäßig geforme Verse, zum Teil elegisch, manchmal etwas großsprecherisch und pathetisch, Naturbeobachtungen und Seelenspiegelungen, wobei der Autor sich dagegen verwahrt, dass das Ganze autobiographisch oder auf bestimmte Personen und Orte bezogen sei, außer an den Stellen, an denen es ausdrücklich angegeben ist. Der 1897 erschienene Gedichtband gilt als erfolgreichster Georges. Mir ist er aber recht fremd geblieben.

Karl Gutzkow: Die Nihilisten (e)
Ein Roman des späteren Gutzkow und wohl auch eine gewisse Distanzierung zu seiner jungdeutschen Vergangenheit. Ein wenig werden auch die Ideale der früheren Zeit etwas durch den Kakao gezogen. So ist die "emanzipiert" lebende weibliche Heldin Hertha Wingolf absolut weltfremd und bekommt gar nicht mit, wie ihre Dienerin ihr viel zu niedrige Preise für die Nahrungsmittel und Haushaltskosten angibt. Sie glaubt, völlig selbstständig zu leben, während in Wirklichkeit ihr Vater heimlich eine Menge Geld zur Haushaltskasse zuschießt. Welch ein Abstieg nach der wilden und freien Wally. Auch Herthas Geliebter Constantin Ulrich, der revolutionäre bezeihungsweise oppositionelle politische Gesinnung zur Schau trägt, ist eher aus Eitelkeit denn aus einem glühenden liberalen Eifer heraus auf der Seite der Freiheitlichen. Nicht umsonst bezeichnet man ihn und seine politischen Freunde im Roman als "Nihilisten". Es ist eher ein Zyniker, der an nichts mehr glaubt, als jemand, der ein positives Ziel hat. Einer der besten Romane Gutzkows und ein Büch, das ich in der Printfassung schon mehrfach gelesen habe. Wobei ich euch die "Wally" natürlich eher ans Herz legen würde.

Joachim Ringelnatz: 56 Gedichte (e)
Tja, was soll man zu Ringelnatz noch sagen? Sie sind alle darin, die Gedichte, die man so kennt: Das Reh aus Gips, der zu lange Bumerang, die Schnupftabaksdose des Alten Fritz, der männliche Briefmark, das Suahelischnurrbarthaar ... Und noch viel mehr. Gehört auf jeden eReader.

Hörspiel

Geister-Schocker: Der achtbeinige Tod (Wolfgang Hohlbein)
Ein Meteor stürzt auf ein Dschungelgebiet. Kurz darauf mutieren die Spinnen, und ein geheimnisvoller Mann, der sich "Arachno" nennt, stellt sich an die Spitze der Engeborenen, um die Weißen aus dem Dschungel zu vertreiben. Wieder ein Hörspiel, das ich nachts allein im Auto gehört habe. Sollte man nicht tun.


Juni

Frank Wedekind: Mine-Haha (e)
Geschichte eines jungen Mädchen, das von klein auf in einer besonderen Erziehungsanstalt aufwächst, wobei besonders das Training körperlicher Vorzüge im Mittelpunkt steht. Läuft auf Schweinkram hinaus, es ist aber auch ganz nett, wenn man das Buch mit Rousseau im Hinterkopf liest. Und natürlich ist mir der Name der Heldin als kleiner Gruß aus dem Hiawatha sehr lieb. Hochinteressanter Lektüre also.

Gunnar Kunz: Ein Koffer voller Wunder

Peter Raffalt: Die Geschichte vom hölzernen Mann

Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandtschaften (e)
Wenn es so etwas wie meinen "Lieblings-Goethe" gibt, dann ist es dieser Roman. Ich liebe seine naturwissenschaftliche Grundlage und die Präzision, mit der hier ein chemisches Experiment auf soziale Interaktionen übertragen wird, und ich würde sehr gern einmal eine Vorlesung über die Wahlverwandtschaften in einem Chemiesaal halten. Vor allem liebe ich aber die klare Novellenstruktur dieses Romans. Zum ersten Mal gelesen muss ich ihn wohl Anfang der 90er in der Reclamfassung haben. Nun als eBook wiederentdeckt. Und es ist immer noch das beste, was Goethe je geschrieben hat.

Clemens Brentano: Das Märchen vom Myrtenfräulein (e)
Geschichte eines geheimnisvollen Myrtenbaums, in dem eine zauberhafte Frau wohnt. Erinnert zunächst etwas an den Anfang von Schneewittchen oder an das Machandelboom-Märchen, aber auch an "Klingt meine Linde". Ein armes Töpferehepaar pflegt ein Myrtenreis, aus dem ein Baum wächst. Doch dann verliebt sich der Prinz des Landes in den Baum und meint, er könne nicht mehr weiterleben, wenn er ihn nicht bekommt. Schließlich lernt er das Myrtenfräulein kennen, ist bezaubert und will es heiraten. Aber da sind noch neun böse Hexen ...

Aristophanes: Die Wolken (e)
Aristophanes: Die Vögel (e)
Aristophanes: Lysistrate (e)
Aristophanes: Die Ritter (e)

Aristophanes: Der Friede (e)
Aristophanes: Die Acharner (e) (eGesamtausgabe)
Aristophanes: Die Wespen (e) (eGesamtausgabe)
Aristophanes: Die Frauen beim Thesmophorenfeste (eGesamtausgabe)
Aristophanes: Die Frauen-Volksversammlung (eGesamtausgabe)
Aristophanes: Plutos (eGesamtausgabe)

Letztes Jahr hatte ich mir meine Lieblingskomödie von Aristophanes in elektronischer Form zu Gemüte geführt. Klar, ich bin ja Aischylos-Fan, da muss man halt ab und zu mal in die "Frösche" reinschaun und seinen Lieblings-Tragödiendichter beim Dichterwettstreit in der Unterwelt anfeuern.Da ich schon mal dabei war, habe ich mir inzwischen auch noch den Rest auf den Reader geladen. Also alle elf erhaltenen Komödien des Aristophanes. Außer den Fröschen gibt es auch die Wolken, die Vögel, Lysistrate und die Ritter als Einzelausgaben. Für den Rest habe ich mir die eGesamtausgabe auch noch geholt. Allerdings würde ich für Erstleser doch die kommentierte Gesamtausgabe von Artemis und Winkler empfehlen oder die Reclamausgaben von Fröschen, Vögeln, Wolken, Lysistrate, Frauenfest, Frauen-Volksversammlung und Frieden. Da weiß man wenigstens, wer der Übersetzer ist, und hat ein paar Hinweise zu den vom Autor zitierten und parodierten Dichtern und Politikern.
Nach den Fröschen sind meine Favoriten die Vögel (die ich nie lesen kann, ohne an den Schluss von Heines Wintermärchen zu denken) und die Wolken, die seinerzeit wohl mit dazu beitrugen, dass die Athener den alten Sokrates zum Tode verurteilten. Alle elf sind aber durchaus lesenswert.


Kalmückische Märchen (e)
Als ich das eBook herunterlud, wusste ich zugegebenermaßen nicht, was Kalmücken sind. Also: Es ist ein westmongolisches Volk, das heute eine "autonome russische Teilrepublik" bewohnt.
Sehr interessant finde ich die Komposition des Ganzen. Es hat auch eine Rahmenhadlung, in der der Sohn eines Chans (Khans) für einen Weisen einen Leichnam stehlen soll. Es handelt sich um einen toten Zauberer, in dem noch immer eine übernatürliche Macht ruht. Das Problem: Der Königssohn darf bei dieser Aufgabe nicht sprechen. Er zieht los, schnürt den toten, noch spukenden Leichnam in einen Sack und trägt ihn davon. Da der Weg recht lang ist, muss er unterwegs rasten, und der tote Zauberer bittet, für diese Zeit aus dem Sack herausgelassen zu werden. Hierauf beginnt er, dem Chanssohn eine Geschichte zu erzählen. Der hört schweigend zu. Doch kurz vor Schluss, als es am spannendsten ist, entfährt ihm eine unbedachte, ungeduldige Äußerung. Daraufhin ist der Bann gebrochen, und der tote Zauberer ist frei und schwebt zum Ausgangspunkt zurück. Der Chanssohn stiefelt also wieder los, bannt den Zauber erneut, neues Nachtlager, neues Märchen, und wieder verplappert sich der Zuhörer kurz vor Schluss, und so geht es jede Nacht, immer weiter und weiter, bis der Leser einen bunten Strauß wunderbarer kalmückischer Märchen kennen gelernt hat. Eine herrliche Geschichte.

Juliane Seidel: Assjah II - Die vergessenen Kinder
Der zweite Teil der Assjah-Reihe von Juliane Seidel. Teil 1 hatte ich letztes Jahr gelesen und war begeistert. Jetzt hat die Autorin sich von ihrem Verlag getrennt und bot den zweiten Teil zum Sonderpreis an - nur so lange der Vorrat reicht. Klar, dass ich da zugriff.
Es ist ein wunderschön illustriertes Taschenbuch mit einer zauberhaften Geschichte. Kim, ein junger Rollenspieler und Weltenbauer, hatte in Teil 1 einen magischen Gegenstand gefunden, mit dessen Hilfe er Wesen aus seinen Welten in unsere reale Welt herübertransportieren kann. Doch durch den Einsatz dieses Traumspiegels verschiebt sich das Gleichgewicht der Welten, furchtbare Wesen, die Namaren, bedrohen Kim und seine Wesen, und das Nichts greift nach den von ihm erschaffenen Welten. Auch im zweiten Teil muss sich Kim mit diesem Nichts auseinandersetzen. Doch diesmal ist seine eigene Welt bedroht. Überall verschwinden Kinder, schließlich auch eine Schulkameradin von Kim. Dann tauchen die Namaren wieder auf. Aber sind sie wirklich Feinde? Kann er ihrem Hilferuf vertrauen? Kim und seine Freunde haben eine gefährliche Luftreise und eine Odyssee durch die Wüste zu bestehen, schließlich kommt es zur Konfrontation mit einem mächtigen Gegner.
Erneut ein zauberhaftes Buch, das es wohl bald in neuem Gewand bei einem anderen Verlag zu erwerben gibt. Ich freue mich auf weitere Abenteuer mit Kim, seinen Freunden und seiner Phantasie.

Chinesische Märchen (e)
Ein Buch, das sehr viel über Götter und Heilige erzählt, vieles ist mehr der Sage und Religion zugehörig als dem, was wir unter Märchen verstehen. So erfährt man etwas über die fünf großen Alten, über den Himmelsherrn und seine Töchter und Söhne, über die Himmelskönigin, über Drachenkönige und die Mondfee, den Gott des Reichtums oder den Feuergott. Es geht um kluge und dumme Frauen, um Habgier und Großherzigkeit. Viel wird über Tiere erzählt, etwa über den Fuchs und den Tiger oder die Feindschaft zwischen Hund und Katze.
Mir hat besonders das Märchen von den zehn Bauern gefallen, die während eines Gewitters in einem Tempel Schutz suchten. Da das Unwetter immer stürmischer tobt, glauben sie, dass sich wohl ein großer Sünder unter ihnen befinden muss, dem die Götter übel wollen. Das Los bezeichnet einen der zehn, der den Tempel verlassen soll. Der arme Kerl beteuert seine Unschuld, wird aber von den neun anderen, die um ihr Leben fürchten, erbarmungslos aus dem Tempel in den Sturm hinausgejagt. Doch kaum ist er draußen, schlägt ein Blitz in den Tempel ein, und die neuen bösen Menschen, die ihn hinausgejagt haben, verbrennen mit Haut und Haar.
Mein anderes Lieblingsmärchen ist die Geschichte vom Zauberfass: Ein Mann grub auf seinem Acker ein Fass aus. Als ihm versehentlich eine Bürste hineinfiel, war plötzlich das ganze Fass voll mit Bürsten, die er auf dem Markt sehr gut verkaufen konnte. Später fiel ihm zufällig eine Münze hinein, und das ganze Fass war voller Münzen. Davon wurde er reich. Aber auch hartherzig. Er ließ seinen alten, schwachen Großvater, der zu nichts anderem mehr taugte, fortan bis zur Erschöpfung arbeiten und immer neue Massen von Geldstücken aus dem Zauberfass herausschaufeln. Doch eines Tages brach der alte Mann zusammen, starb und fiel kopfüber in das Fass, woraufhin sein Enkel überschwemmt wurde mit Massen von toten Großvätern. Für die Beerdigung ging sein gesamtes Vermögen drauf, und das Fass zerbrach ihm auch noch ...

Zu Teil 1 des Jahresückblicks: Januar bis März 2015.
Zu Teil 3 des Jahresrückblicks; Juli bis September 2015.
Zu Teil 4 des Jahresrückblicks: Oktober bis Dezember 2015.


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick: Januar bis März 2015

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 27 December 2015 · 605 Aufrufe
Jahresrückblick
Ein ereignis- und arbeitsreiches Jahr neigt sich dem Ende zu. Mir hat dieses Jahr 2015 erneut eine Reihe von Veröffentlichungen beschert. Ein etwas unglückliches Timing sorgte dafür, dass drei Bücher innerhalb eines Monats herauskamen: Mein historischer Roman "Freiheitsschwingen" bei PersonalNovel, mein Sagenbuch "Hut ab, Hödeken!" im Hildesheimer Verlag Monika Fuchs und meine düstere Fantasy-Novelle "Timur" im Verlag Saphir im Stahl. Außerdem habe ich dieses Jahr zwei geliebte "Jugendsünden" aus den Jahren 1996 und 1997 veröffentlicht, nämlich den "Feuervogel" als Heftroman in der Reihe BunTES Abenteuer und "Ulf. Ein Romanexperiment in zwölf Kapiteln" als eBook bei Neobooks.
Doch nun ein Blick auf meine Lesefrüchte des vergangenen Jahres. Zunächst das erste Quartal. Es ist, wie im vergangenen Jahr, eine Menge "Wiedergelesenes" darunter, das ich als kostenloses oder günstiges eBook erstanden habe, ein paar neu entdeckte Klassiker, etwas Phantastik und etwas Lyrik. Viel Spaß damit - vielleicht ist ja etwas für euch dabei.

Legende:
Ein (e) hinter dem Titel bedeutet, dass ich den Text in der eBook-Fassung gelesen habe.
Blaue Schrift weist auf herausragend gute Bücher hin.
Rot markiert sind Bücher, die ich so abgrundtief schlecht finde, dass ich euch ausdrücklich davor warne.
Bei verlinkten Titeln landet ihr auf ausführlicheren Besprechungen innerhalb dieses Blogs.



Januar

Regine Mengel: Am 13. Tag II: Kis-Ba-Shahid (e)
Der zweite Teil einer zauberhaften Trilogie über ein Mädchen, das von Flaschengeistern abstammt und aus unserer Welt in die geheimnisvolle Welt "Kis-Ba-Shahid" hinüberwechselt (Tel 1 las ich letztes Jahr, gibt es als kostenlose Leseprobe). Sie landet in einem Land, das aus Tausendundeiner Nacht zu stammen scheint - mit sehr vielen humorvollen und parodistischen Elementen aus unserer Welt. Herrlich zum Beispiel die Seherin "Seherazade" und die technischen Errungenschaften der Wahrsagekugeln in Kis-Ba-Shahid, inklusive Faxgerät, oder der jugendliche Dieb Ali Baba, der sich als Haupt einer Bande von 40 Räubern bezeichnet, aber gerade mal sechs Leute aufbieten kann. Wunderbar auch die Schilderungen aus der magischen Bibliothek. Jawohl, auch Bücher haben eine Seele, und wer eines quält, etwa durch Unterstreichungen oder Eselsohren, der soll sich nicht wundern, wenn sie wegfliegen oder sich wehren. Fazit: Ein herrliches Abenteuer, man möchte mehr davon, mehr, mehr und immer mehr.

Lutz Seiler: pech & blende
Ein Fundstück im Lyrikregal beim Buchhändler meines Vertrauens. Ein Gedichtband eines Menschen, der eine ganze Menge kann, keine Frage. Aber mir persönlich gefiel es weniger, vor allem wegen des Zeilenfalls, der meinem Lesegefühl diametral entgegenlief. Anstrengend und unschön, hat mir keinen Spaß gemacht. Nun ist es nicht Aufgabe eines Lyrikers, mir Spaß zu machen, aber ich war mit der Lektüre einfach ziemlich unglücklich.

Günter Abramowski: vor den toren von tag & nacht

Tassilo 14: Die Stufen der Eliandysse

Karl Krolow: Schattengefecht
Ene Sammlung mit theoretischen Texten des Dichters, in denen er sich der Lyrikgeschichte und einigen Motiven widmet. Sehr interessant vor allem der titelgebende Dialog bzw. das Selbstgespräch am Schluss. Macht Lust darauf, sich einmal wieder mit Krolows Lyrik zu befassen.

Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache (e)
Ein Text, den ich während des Studiums als Reclamheft gelesen habe. Unvergessen die Diskussionen im philosophischen Seminar von Karl-Friedrich Kiesow darüber. Ein Wiedersehen mit dem Lamm ("Du bist das Blökende") und dem Menschenkind, das unter Bären herumkraucht, und der Feststellung, dass der Mensch schon von Anfang an Sprache hat. Ein wichtiger, wenn auch stellenweise etwas verworrener Text. Zum Wiederlesen ist das kostenlose eBook ganz okay, Ensteigern würde ich für de Erstlektüre aber doch die kommentierte Reclamfassung empfehlen.

Valerian & Veronique 19: Am Rande des Großen Nichts
Valerian & Veronique 20: Das Gesetz der Steine
Valerian & Veronique 21: Der Zeitöffner
Letzter Band der Gesamtausgabe: Der Abschluss der wunderbaren Serie, erneut märchenhaft und bezaubernd, ein Eintauchen in eine andere Welt voller phantastischer Details. Diese Hardcover-Gesamtausgabe bei Splitter hat sich echt gelohnt, die jeweiligen Einleitungen und die Aufmachung stimmen, ein Buch, das jeden Cent wert ist.

Dirk van den Boom: Ein Leben für Leeluu (D9E 5)
Der fünfte Band der SF-Reihe "Die neunte Expansion" erzählt von der Vorbereitung einer Revolution und einem Sabotageakt in einer Welt, die etwas ganz anderes ist, als sie zu sein scheint. Sprache, Handlungsführung und Personenzeichnung sind hervorragend, und das Überraschungsmoment am Ende, als die geheimnisvollen Helfer ihr eigentliches Objekt der Begierde erlangen, hat mir sehr gut gefallen. Eine deutliche Steigeung gegenüber dem Auftaktband "Eine Reise alter Helden" (der ja auch nicht schlecht war). Ich freue mich schon auf die weiteren Abenteuer dieser Helden.

Stille. Die besten Geschichten der Storyolympiade 2013/2014
Das Buch enthält die besten Beiträge zum Wettbewerb, 29 sehr unterschiedliche Texte, in denen sich 30 Autoren mit dem Thema "Stille" auseinandergesetzt haben. Außer den drei Siegertexten "Namu" (Günter Wirz, Geschichte einer Art magischen Initiation oder Visionssuche), "Verbindungsabbruch" (Daniel Schlegel, eher Cyberpunk) und "Der Gesang der Engel" (Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, eine Art Thriller mit Kindheitstrauma und Hexenhausmotiv) möchte ich vor allem "Helfen Sie der Vigilanz!" von Thomas Heidemann als einen der wenigen humoristischen Beiträge sowie den eher märchenhaften Text "Der Wassermann vom schwarzen Weiher" hervorheben. Aber auch die anderen sind ausgesprochen lesenswert, Totalausfälle gab es nicht.

Antonia Michaelis: Niemand liebt November
Wahrscheinlich habe ich es in diesem Blog schon ziemlich oft geschrieben: Ich liebe Antonia Michaelis. Und wenn niemand November liebt, ich liebe auch diese November. November ist der Name, den sich eine 17-Jährige gibt, die ihre Eltern finden will. Als Vierjährige wurde sie plötzlich von ihnen verlassen, stieg dann auf der Suche auch noch in eine Bahn und weiß nun nicht einmal, in welcher Stadt sie suchen soll. Nach Jahren in diversen Heimen schaffte sie es abzuhauen. Zusammen mit ihrer Katze macht sie sich auf die Suche. Sie hat nur einen Anhaltspunkt: Die Adresse einer Kneipe, in der ihr Vater oder ihre Mutter einmal verkehrt haben soll.
Antonia Michaelis gießt über ihre Heldin die ihr eigene ganz besondere Mischung aus Dreck und Zauber aus. November erlebt Dinge, die man einer Minderjährigen - und auch einer Erwachsenen - gar nicht begegnen lassen möchte. Alkohol, Zigarretten, Sex mit widerlichen älteren Männern, die sie bezahlen, Perversitäten. Doch immer ist da die Katze, die eigentlich gar nicht mehr leben dürfte, so alt ist sie, und da ist noch der geheimnisvolle Junge, der mitten im kältesten Winter in seinem Zelt liest und für November ein sanftes, freundliches Licht spendet. Immer wieder scheint die Spur ihres Vaters verloren zu gehen, immer wieder stößt November dann doch noch, wie von einer freundlichen, übernatürlichen Macht geführt, auf einen neuen Hinweis.Und wird es ihr gelingen, die verlorenen Eltern tatsächlich zu finden und wieder zu vereinen? Nun, Antonia Michaelis ist keine Schönwetterautorin, und ein Happy End mit rosa Wolken wäre wirklich nicht stimmig gewesen. Aber es ist ein gutes Buch, ein verdammt gutes.

Christoph Martin Wieland: Glycerion und Menander (e)
Wielands Briefromane über Helden aus der Antike gehören zum besten, was die deutsche Literatur zu bieten hat. Leider ist dieser Klassiker immer noch ein Geheimtipp und wird wohl auch immer einer bleiben. Vor allem, da seine Texte doch einige Ansprüche an mythologisches, literarisches und historisches Hintergrundwissen stellen. Ich habe den Briefwechsel von Glycerion, Menander und ihren jeweiligen Vertrauten Mitte der 90er Jahre erstmals gelesen, in der sehr schönen, leider unkommentierten Ausgabe bei Haffmanns. Anfang des 3. Jahrtausends gönnte ich mir die Hörbuchfassung, gelesen von Jan Philipp Reemtsma. Beide Ausgaben seien euch ans Herz gelegt. Auch die eBook-Fassung ist in Ordnung, ich würde sie aber wegen der Flüchtigkeit des Lesens am Reader eher für Wiederleser als für Erstleser empfehlen.
Wieland erzählt in diesem Buch eine Liebesgeschichte ganz eigener Art. Der Komödiendichter Menander, neben dem großen Aristophanes der bekannteste griechische Dichter in diesem Genre, und die junge Frau Glycerion, die bekannt wurde durch die schönen Blumenkränze, die sie zu binden weiß, verlieben sich in einander. Schon lange vor der ersten Begegnung sind beide dem jeweils anderen zugeneigt. Glycerion verehrt den Dichter und liebt seine Stücke, sie leidet schwer daran, wenn andere, weniger begabte Dichter bei den großen Dionysien den Preis davontragen. Als sie in Athen dabei ist, wie ein schlechter Dichter den Sieg über ihren Liebling davonträgt, verkündet sie im Theater, sie wolle für Menander einen Siegerkranz winden, der viel schöner ist als der Theaterlorbeer, den ein unverständiges Volk vergab. Doch auch Menander ist schon lange verliebt in Glycerion. Er sah ein Bild, für das sie Modell gestanden hatte, und kann seither nur an sie denken. Menander und Glycerion kommen sich näher, eine besondere Freundschaft, Liebe, Beziehung, was auch immer beginnt. Aber Wieland wäre nicht Wieland, wenn er es mit einer plumpen Heirat und einem Happy End ausklingen ließe. Nach und nach emanzipiert sich die schon von Anfang an sehr selbstsichere und kluge Glycerion und schafft es, sich sehr stilvoll von ihrem Idol zu verabschieden. Einfach ein besonderes, kluges Büchlein, as nicht zu Ende ist, wenn man den letzten Brief gelesen hat.

Michael Buttler: Der Teufels-Vers

Maraba: Gedichte vom höchsten Ast des Kirschbaumes (e)

Holger Ehrhardt (Hrsg.): Dorothea Viehmann
Dorothea Viehmann war eine der wichtigsten Quellen der Brüder Grimm, als sie sich auf die Suche nach Märchen machten. Im Vorwort der Kinder- und Hausmärchen ist sie beschrieben als eine alte, einfache Frau aus dem Volke, geradezu als die Ur-Märchenerzählerin und weise Frau schlechthin. Neben der "Ewig", der alten Kinderfrau im Hause Grimm, war sie es, die das Bild der Märchenerzählerin geprägt hatte. Genau so wollten es die Grimms ja haben: Anonym überlieferte Märchen, die sich im Herzen der alten, einfache Menschen bewahrt hatten, unverkünstelt, direkt aus dem Munde des deutschen Volkes, wobei die einzelnen schlichten Erzähler gar nicht selbst wussten, welche Schätze sie da in sich trugen; sie waren nicht gestaltende Schöpfer, sie waren nur das Medium, durch das etwas Älteres, Großes sich offenbarte. Die Grimms wollten es so sehen. Sie fanden, was sie suchten und sehen wollten.
Das hier vorliegende Büchlein versammelt einige Essays über die "Viehmännin" und ihre Lebensumstände, sehr interessant vor allem im Vergleich zu dem Buch über Marie Hassenpflug, das ich kurz zuvor gelesen hatte. Vor allem erscheint mir die Tatsache bemerkenswert, dass auch die angeblich so einfache und urdeutsche Frau genau wie die Hassenpflug-Schwestern hugenottische Vorfahren hatte, auch hier kommt also das französische Erbe unserer "deutschen Volksmärchen" zum Tragen. Eine sehr spannende Entdeckung aus der Ahnenforschung förderte zudem ans Licht, dass die Viehmännin, was sie selbst nicht wusste, Cousine vierten Grades sowohl Goethes als auch Savignys war. Letzterer hatte ja auch seinen Anteil daran, dass die Grimms auf die alter Frau aufmerksam wurden. Ein spannendes Buch also. Schade, dass es nicht dicker geworden ist.



Februar

Sunzi: Die Kunst des Krieges (e)
Absoluter Klassiker, der auch in der modernen Management-Literatur wieder eine Rolle spielt. Ich habe ihn mir vor einigen Jahren als kleines gebundenes Büchlein zu Gemüte gefürt, jetzt wiedergelesen als kostenloses eBook. Ich muss gestehen, dass es in beiden Versionen nicht ganz mein Fall ist, mir ist die fernöstliche Denkart einfach zu wesensfremd. Einige der Anekdoten sind auf jeden Fall nachdenkenswert, einige der enthaltenen Lehren sollte man natürlich beherzigen (kenne das Terrain, sei gut vorbereitet etc.).

Kurt Tucholsky: Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte (e)
Meine große Tucholsky-Phase hatte ich in den Jahren 1988 und 89. In dieser Zeit las ich auch erstmals sein "Bilderbuch für Verliebte" als Taschenbuch (rororo). Sehr nett die Vorworte zu den jeweiligen Neuauflagen und die Seitenhiebe auf den armen Verleger, der immer "zusetzen" muss. Claires Sprache finde ich nach wie vor albern, auch wenn das Wiedersehen mit der Frage "Ob es hier Bärens gibt?" ganz nett war. Kein schlechtes Buch, aber den Vergleich zu "Schloss Gripsholm" hält es in keinster Weise aus. (Ach ja: Kennt eigentlich einer von euch den Film dazu? Ich habe ihn - wohl auch vor 20-25 Jahren mal gesehen und mich gefragt, wo eigentlich der Zusammenhang mit dem Buch liegt. Irgendwie passte das gar nicht zusammen.)

Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm (e)
Ebenfalls wiedergelesen. Die Taschenbuchausgabe las ich 1988 oder 89 im Aufenthaltsraum meiner alten Schule, kurz vor dem Abi. Eine Liebesgeschichte? Du liebe Zeit was soll das? Lieben Sie? Mit einem launigen Briefwechsel zwischen Verleger und Schriftsteller beginnt Kurt Tucholsky dieses Buch, das ich für sein schönstes halte. Eine Liebesgeschichte à la "Die Gräfin raffte ihre silberne Robe und fiel wortlos die Treppe hinunter" will sich der Autor denn doch nicht abgeben und schlägt stattdessen eine Sommergeschichte vor. Eine Sommergeschichte auf dem schwedischen Schloss Gripsholm, auf dem ein junger Mann und eine junge Frau ihren Urlaub verbringen. Später schauen noch Freund Karlchen und Freundin Bille herein. Es gilt, die Landschaft zu erkunden und ein Kind aus den Fängen einer herzlosen Kinderheim-Feldwebelin zu retten, daneben gibt es einige Seitenhiebe auf üble Chefs, und es ist sehr viel Sommer und Sonnenschein darin. Eine der drei schönsten Sommergeschichten, die ich kenne. Da können nur noch die "Ferien auf Saltkrokan" und Bergengruens "Rittmeisterin" mithalten. Erstaunlicherweise auch Bücher, in denen gar nicht so umwerfend viel "passiert". Nur Sommer und Sonne passieren dort und etwas Wasser.


Goethe: Götter, Helden, Wieland (e)
Kostenloses eBook aus der Public Domain. Nette, etwas böse Parodie vom Altmeister auf den Oberaltmeister der deutschen Literatur. Die Wieland-Lukianische Tradition der Göttergespräche auf die damalige moderne Zeit ausgeweitet und dabei den alten, liebenswerten Wieland gehörig durch den Kakao gezogen. Man braucht etwas Hintergrundwissen beim Lesen, es macht aber Spaß.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia

Valerian & Veronique 22: Souvenirs der Zukunft
Das Album nach den Abenteuern der Raumzeitagenten ... Es bietet einige kürzere Episoden aus dem Leben einiger Begleiter der beiden Helden. Erneut zauberhaft, wundervoll und zum Träumen. Es ist eine Binsenweisheit, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. So betrachtet, war dies wirklich ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Ich hätte mich noch gern weiter in Valerians und Veroniques Welten verloren.

Linda Budinger: Im Keller des Killers (e)
Brrr ... Wie krank ist das denn? Da lädt man sich nichtsahnend einen Thriller seiner guten alten Freundin Linda Budinger auf den Reader, von der man so viele sensible und zauberhafte Fantasy-Abenteuer gelesen hat - und plötzlich steckt man mitten in einem Albtraum fest und irrt zusammen mit einem Liebespaar durch den Keller eines perversen Mörders und Plastinators, der aus Leichenteilen einen Horrortrip der übelsten Art zusammengestellt hat. Das eBook ist irre. Irre gut. Grauenerregend. Gänsehaut pur. Unvergesslich. Grandios gruselig. Ich weiß gar nicht, ob ich euch das jetzt empfehlen oder lieber verbieten soll. Auf jeden Fall würde ich keinem raten, es zu lesen, wenn er nachts allein im Haus ist. Brrr ...


Wilhelm Hauff: Das kalte Herz und andere Märchen (Reclam)
Absoluter Klassiker. Enthält außer der Titelgeschichte "Das kalte Herz" die Märchen vom "Gespensterschiff" und "Kalif Storch". Einer der ganz großen Märchenerzähler neben den Grimms und Hans-Christian Andersen, mit dem man sich als Märchenforscher unbedingt mehr befassen sollte.

Seneca: De vita beata / Vom glücklichen Leben. Lateinisch/Deutsch (Reclam)
Der Mann hat ziemlich oft Recht. Grundlegender, nicht allzu umfangreicher Text, gut aufbereitet, ordentliche und lesbare Übersetzung.

Gottfried Martin: Sokrates (Rowohlt-Monographie)
Gut geschriebene und eingängige Darstellung von Leben und Gedankenwelt des Sokrates in bewährter Rowohlt-Monographien-Qualität. Vielleicht ein wenig redundant, einiges wurde einfach so oft wiederholt, bis es selbst der Dümmste kapiert hat. Aber gerade darum auch empfehlenswert.

Die 5 Meeresfreunde

Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n)
Die Anthologie des Autorenvereins zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Hildesheim erzählt Geschichten aus der Historie der Domstadt, beginnend mit dem Rosenstock-Wunder des Jahres 815, der Gründungslegende, über mittelalterliche und frühneuzeitliche Prominente aus Hildesheim (wie Albertus Magnus oder Didrik Pining, den Entdecker Amerikas), über Sagengestalten wie den Huckup und Hödeken (letzterem habe ich ein Denkmal im Buch gesetzt), über Arschlöcher wie die Nazis bis hin zu Spekulationen über die Zukunft und außerirdische Besucher. Ein sehr vielschichtiges Buch also. Auch für Nicht-Hildesheimer.

Laurence Sterne: Tristram Shandy (e)
Wer den Tristram Shandy nicht kennt, weiß überhaupt nicht, was ein humorvoller Roman ist. Ein umwerfendes Buch, absoluter Klassiker und unverzichtbarer Bestandteil einer jeden Bibliothek eines jeden Literaturliebhabers. Ich habe das Werk 1991 durch eine Vorlesung von Jürgen Peters an der Uni Hannover kennen gelernt und sofort gemerkt, dass es hier um etwas ganz Besonderes geht. Am nächsten Morgen holte ich mir die Reclamausgabe und hatte das ziemlich dicke Buch in wenigen Tagen durchgekaut. Die eBook-Ausgabe ist auch nicht unbedingt schlecht, allerdings muss ich vor der Anschaffung warnen: Da die elektronische Fassung auf die Zweitauflage zurückgeht, fehlen hier so wichtige Elemente wie die in der Sterne-Diskussion immer wieder zitierte schwarze Seite, die weiße Seite und die marmorierte Seite. Ihr werdet also nach Lektüre des eBooks im Gespräch mit Sterne-Kennern manchmal das Gefühl haben, dass euch etwas fehlt ...

Hörspiel

Geister-Schocker: Griff aus dem Dunkel (Earl Warren)
Sehr stimmungsvolles, akustisch hochdramatisches Hörspiel über einen Familienfluch. Sollte man nicht unbedingt nachts allein im Auto hören, wenn man etwas schreckhaft ist.


März

D.W. Schmitt: Perlamith 4 - Die Silberbrigade
Der Abschluss der Perlamith-Tetralogie, die ursprünglich mal eine Pentalogie hatte werden sollen. Schmitt schildert den Einsatz einer Eliteeinheit, die unter dem Kommando eines mysteriösen Fremden mit seltsamen Kräften einen außerirdischen bzw. außerperlamithischen Stützpunkt stürmen muss. Es geht um einen geheimnisvollen Treibstoff, sehr unterschiedliche nichtmenschliche kosmische Zivilisationen und die Frage nach der Verantwortung.
Ich halte diesen Abschlussband für den besten und am klarsten strukturierten Band der Serie. D.W. Schmitt führt seine Figuren diesmal sehr zielstrebig durch die Handlung, das Buch ist nicht ganz so verschlungen wie die Vorgängerbände. Eigentlich schade, dass es vorbei ist. Aber vielleicht liest man ja nochmal etwas Neues von diesem Autor?

Ludger Christian Albrecht: Neue Freiheit (e)
Lyrik, speziell Lyrik zur Verarbeitung einer gescheiterten Beziehung, autobiographisch, wie das Vorwort des Verfassers erläutert. Zum Teil etwas naiv und simpel, da reimt tatsächlich noch jemand "Herzen" auf "scherzen". Zum Teil sehr pathetisch. Hervorzuheben ist aber der leichte, unverkrampfte Tonfall und der am Ende doch recht positive Umgang mit der Trennung, immerhin sagt schon der Titel, was das Auseinandergehen auch bedeutet: Neue Freiheit. Was den Preis angeht: Ich glaube mich zu erinnern, dass ich es damals für Null Euro, meinethalben auch 99 Cent oder 1,99 erworben habe. Der aktuelle Preis von 9,99 Euro erscheint mir recht hoch - sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Gedichte angeht.

Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts (e)
Neben "Des Lebens Überfluss" die wohl schönste und leichtfüßigste Novelle der deutschen Romantik. Manchmal möche man selbst wie Eichendorffs Taugenichts einfach so mit der Geige in die Welt hinausziehen. Ebenfalls ein Büchlein, das ich Anfang der 90er Jahre in der Reclamfassung kennen und lieben lernte und jetzt in der kostenlosen eFassung noch einmal entdeckte. Es hat in der Zwischenzeit nichts von seinem Zauber verloren.

Rabindranath Tagore: Gitanjali (e)
Die eBook-Ausgabe greift zurück auf die Übersetzung von Marie Luise Gotheim, die den Titel mit "Hohe Lieder" wiedergibt, anderswo habe ich auch schon "Sangesopfer" als Titel gefunden. Ein zum Teil sehr interessantes, schönes und weises Buch, mit dem ich aber doch nicht recht warm geworden bin. Letzten Endes blieben alle meine Ausflüge in die indische Literatur immer ein wenig ... funkenlos. Da ist nichts, was überspringt, auch wenn Tagore schon recht modern ist und sich von vielen Tradtitionen gelöst hat, er steht nun einmal in einer anderen Tradition als ich, vielleicht klappt es später irgendwann einmal mit uns.

Indische Liebeslyrik, übersetzt von Friedrich Rückert (e)
Eine Blütenlese aus indischen Klassikern, darunter Kalidasa und die Geschichte von Nala, übersetzt von Friedrich Rückert. Nicht direkt schlecht, aber ich bin weder Rückert- noch Indienfan, da kamen einfach zwei Tonfälle zusammen, die mir gar nicht liegen.

Gustav Schwab: Die schöne Melusine (e)
Ich hatte mich ja kürzlich hier mit der alten Sage um Melusine und mit dem Melusinenbuch von Thüring von Ringoltingen befasst. Während ich euch den Thüring-Text nicht unbedingt empfehlen kann, sei euch diese Nacherzählung von Gustav Schwab nachdrücklich ans Herz gelegt. Der Mann kann erzählen und versteht es, alte spröde Stoffe für moderne Leser aufzubereiten. Nicht umsonst ist sein Buch über die Sagen des Altertums so bekannt geworden. Auch seine Bearbeitungen alter deutscher und französischer Stoffe sind sehr lesbar. Also, ran an die Melusine.

Gedanken im Sturm (e)
Eine Anthologie, die von Nicole Rensmann nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ins Leben gerufen wurde. Später auch als eBook erschienen. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um mir die Sammlung anzuschaffen, wie man sieht. Aber als Nicole auf Facebook verkündete, sie werde das eBook nun endgültig aus dem Verkehr ziehen, musste ich einfach zugreifen. Eine sehr lesenswerte Anthologie, auch und gerade jetzt mit dem großen zeitlichen Abstand. Einiges ist inzwischen natürlich überholt, aber vieles davon kann man auch heute noch so unterschreiben. Gerade jetzt wieder nach den Anschlägen von Paris und und und ...

Andrea Tillmanns: Wo liegt denn nun die Leiche?

Theodor Mundt: Madonna (e)
Es gibt Bücher, die begleiten einen Menschen sein ganzes Leben lang. Ein Buch, das mich seit meinem ersten Semester an der Uni Hannover begleitet, ist die "Madonna" von Theodor Mundt. Mundt, mein Leib- und Magen-Autor, über den ich später auch meine Doktorarbeit verfasste, hatte diesem respektlosen, hochphilosophischen, schwerverdaulichen und dickleibigen Buch einiges zu verdanken, vor allem das Scheitern seiner Universitätskarriere und ein Berufsverbot sowie seinen, wenn auch kleinen, Eintrag in der Geschichte der deutschen Literatur als einer der Wortführer einer Bewegung, die man das "Junge Deutschland" nannte.
Die "Madonna" war das erste Buch, das ich mir in der niedersächsischen Landesbibliothek als Fernleihe besorgte, und da ich die uralten, frakturgedruckten Seiten nicht fotokopieren durfte, schrieb ich in guter alter Klostertradition das ganze Buch einfach ab. 436 Seiten. Das hat mich stark geprägt. Und man lernt ein Buch sehr gut kennen dadurch. Noch heute kann ich weite Passagen der Madonna nahezu auswendig zitieren, zumindest sinngemäß. Würde ich jedem Literatur-Studenten empfehlen, der sich in ein Buch richtig einleben möchte.
Zum Hintergrund gibt es hier im Blog zwei Einträge, in denen ihr noch etwas mehr über Mundt und seine Madonna erfahren könnt:
Rezension zur Zenodot-Ausgabe
Mundts Madonna, die Zensur und die verlorene Professorenstelle

A.S. Jones: Die schwarze Fledermaus 1 - Blutgeld
Ein Buch, das lange aus meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) lag. Ich habe es vermutlich auf dem Buchmesse-Convent in einer Con-Tüte erhalten und wusste nicht so recht etwas damit anzufangen. Aber irgendwann war es dann doch auf den Spitzenplatz des Stapels gelangt und wurde gelesen. Die schwarze Fledermaus ist ein Held, der seine hohe Zeit in der guten alten Pulp-Klassik-Epoche hatte, sich aber immer noch einer großen Fangemeinde erfreut. Jetzt also ein neues Abenteuer. Der Held ist eigentlich Anwalt, löst aber nachts in der Maske der "schwarzen Fledermaus" diejenigen Kriminalfälle, mit denen die Polizei nicht fertig wird. Die Assoziation an Batman liegt natürlich auf der Hand, aber auch eine gewisse Erinnerung an Marvels Daredevil schwingt mit, da das Alter Ego der Fledermaus vorgibt, blind zu sein. Der Fall "Blutgeld" selbst ist recht spannend und temporeich erzählt, lässt sich gut lesen und hat mir gefallen. Mal sehen, vielleicht finde ich mal wieder eine Fledermaus in einer Con-Tüte.

Carolyn Lucas: Vermächtnis der Engel (e)
Männliche und weibliche Engel befinden sich seit Äonen im Krieg. Seit einiger Zeit gibt es zwar eine Art Frieden, doch der ist brüchig und bedroht. Die junge Menschenfrau Sarah ist der Schlüssel, das Wesen, das über Krieg und Frieden und über die Macht entscheiden kann. Beide Parteien versuchen, ihrer habhaft zu werden. Doch nicht nur Machtpolitik und Ehik, sondern auch die Liebe hat ein Wort mitzureden. Ausgerechnet zwischen Sarah und einem Engel funkt es gewaltig. Für seine Chefs ein eindeutiger Sündenfall. Gibt es eine Zukunft für ihre Liebe?
Carolyn Lukas hart einen guten, flüssigen Schreibstil und versteht es, dem alten Thema der Liebe zwischen Mensch und Engel/Vampir/Werwolf/Wasauchimmer eine neue Seite abzugewinnen. Das eBook ist leicht und schnell zu lesen und viel eher zu Ende, als man erwartet. Ich war etwas verwirrt, bis ich schließlich feststellte, dass es der Auftakt zu einer Trilogie ist. Mal sehen, demnächst hole ich mir wohl den zweiten Teil.

Asbjörnsen/Moe: Norwegische Volksmärchen II (e)
Asbjörnsen und Moe sind für Norwegen ungefähr das, was die Grimm-Brüder für Deutschland sind. Sie sammelten alte norwegische Volksmärchen und vereinigten sie zu einer Sammlung, die sich vor den Kinder- und Hausmärchen nicht verstecken muss. Meine ersten Asbjörnsen-Moe-Märchen las ich als Kind, während eines Norwegen-Urlaubs mit Eltern und Schwester, das war vermutlich in Loen am Nordfjord, 1977. Ein recht dünnes Taschenbuch mit den drei bekannten Ziegenbock-Brüdern auf dem Titel. Ich habe es noch immer. Jetzt also die eBook-Ausgabe, die wesentlich umfangreicher ist. Teil 1 habe ich bereits letztes Jahr gelesen, Teil 2 war jetzt dran. Bevorwortet bemerkenswerterweise vom guten alten Ludwig Tieck. Enthält unter anderem die Geschichte der sieben Füllen, des norwegischen (männlichen) Aschenbrödels, der drei Böcke Brausewind, "Östlich der Sonne und westlich vom Mond" und den köstlichen Schmierbock. Unbedingt empfehlenswert.


Zu Teil 2 des Jahresrückblicks: April bis Juni 2015.
Zu Teil 3 des Jahresrückblicks: Juli bis September 2015.
Zu Teil 4 des Jahresrückblicks: Oktober bis Dezember 2015.


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2014

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2014 · 985 Aufrufe
Jahresrückblick
Der letzte Teil meines Rückblicks aus das Literaturjahr 2014. Für mich war das vierte Quartal schriftstellerisch vorwiegend geprägt von der Arbeit an der Weihnachtsanthologie "Blitzeis und Gänsebraten", die ich zusammen mit Monika Fuchs herausgab. Außerdem standen Besuche auf dem Buchmesse-Convent und der Berliner Buchmesse "Buch Berlin" auf dem Kalender. Mein Meermädchen-Roman "Nestis und die Hafenpiraten" ist erschienen und kam offenbar auch ganz gut an. Ich hatte eine Menge Lesungen, es war ein anstrengender, arbeitsreicher aber auch guter Jahres-Endspurt.
Auf der Lektüre-Liste stehen erneut einige Wieder-Entdeckungen. Offenbar hatte ich in diesem Jahr ohnehin ein starkes Bedürfnis, zurück in meine Vergangenheit zu blicken. Es ist für eine aktuelle Standortbestimmung ja manchmal nicht schlecht, wenn man weiß, wo man herkommt. Dazu erneut ein bisschen Phantastik, Kinder- und Jugendbücher, drei Comics. Schaut halt mal rein.

(Legende: "(e)" bedeutet eBook-Ausgabe; hinter Links verbergen sich ausführliche Rezensionen innerhalb dieses Blogs; blau markiert sind besondere Bücher, die mehr als eine 1+ mit Sternchen verdienen, irgendwie anders sind und mich bezaubert haben; rot sind Scheißbücher, vor denen ich ausdrücklich warne.)

Oktober

Heinrich Heine: Almansor (e)
Eine der beiden Tragödien, mit denen der junge Heine versucht hat, die Bühne zu erobern. Der große Erfolg blieb ihm versagt. Einzig das "Lyrische Intermezzo", das zusammen mit den beiden Tragödien abgedruckt wurde, hat als Teil des "Buchs der Lieder" ein größeres Publikum errreicht. Das Stück spielt in Spanien, der Titelheld ist Moslem, seine Geliebte allerdings ist, wie ihr Vater auch, zum Christentum übergetreten. Ein Sück, in dem es um Religions-Idiotie und Toleranz geht. Wichtigstes Zitat: "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen." Etwas konstruierte Geschichte (aber das ist "Nathan, der Weise" ja auch). Tragisches Ende, die beiden Liebenden gehen gemeinsam in den Tod.

Bettina Ferbus: Auf verschlungenen Pfaden (BunTes Abenteuer 25)

Peter Raffalt: Die Geschichte vom hölzernen Mann
Märchen in der Nachfolge von E. T. A. Hoffmann und Peter Tschaikowsky.. Ein hartherziger Prinz wurde als Strafe in einen Nussknacker verwandelt. Nur der magische Vogel Simurgh kann den Fluch wieder von ihm nehmen. Zusammen mit einem jungen Menschenmädchen macht sich der Nussknacker auf die gefahrvolle Reise. Märchenhaft erzählt, dazu gibt es zauberhafte Illustrationen von Sibyle Gädecke.

Karl Gutzkow: Wally, die Zweiflerin (e)
Der wichtigste und folgenreichste Roman des Jungen Deutschlands. Löste seinerzeit einen Literaturskandal aus und war hauptverantwortlich für das Verbot des Jungen Deutschlands im Dezember 1835. Wegen einer heutzutage ziemlich harmlos wirkenden Nacktszene. Und wegen ziemlich ketzerischer Thesen über Religion im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen. Die Titelheldin begeht am Ende Selbstmord. Inspiriert wurde das Werk durch den Selbstmord der Charlotte Stieglitz (vergleiche dazu Theodor Mundts zeitgleich erschienenes Buch "Charlotte Stieglitz. Ein Denkmal" aus dem September-Rückblick). Erstmals gelesen hatte ich es 1987 oder 88 in der mustergültigen Reclam-Ausgabe, die einen umfangreichen Kommentarteil und viele wertvolle Dokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte bietet. Sie sei allen ans Herz gelegt.

Was mir heilig ist ... Hildesheimer Lyrikwettbewerb 2014
Ein schmales, doch sehr gehaltvolles Heft, das die Gewinner des Hildesheimer Lyrikwettbewerbs präsentiert und in hoher Auflage in Stadt und Landkreis verbreitet wurde. Unter anderem lag es in Bussen und Bahnen aus, war in Kulturzentren und Gastronomieeinrichtungen zu finden. Die 13 Sieger-Gedichte zum Thema "Was mir heilig ist ..." können sich sehen lassen und haben die Veröffentlichung verdient. Das schlanke Format und das geniale Coverbild (es zeigt einen auf ein kleines Holzkreuz genagelten 50-Euro-Schein) gefallen mir ausgesprochen gut.
Weniger gut gefällt mir die Art, wie Hildesheimer Lyrikprojekte (dieses ist nicht das erste) eigentlich immer dem Hauptzweck dienen, den Autor und Organisator Jo Köhler in die Öffentlichkeit zu bringen. Von den 13 Preisträgern ist jeweils ein Porträtfoto enthalten. Organisator Jo Köhler ist insgesamt fünfmal abgebildet, präsentiert sich hier als Vorwortschreiber, dort während der Auswahlarbeit, da auf dem Gruppenbild mit Sponsoren, als Jurymitglied, im Presseartikel zum Auftakt, zur Eröffnung der Aktion Lesezeichen. Im Frühjahr hatte der Mann es geschafft, insgesamt neun seiner Gedichte auf Riesenplakaten in der ganzen Stadt zu verteilen. Wettbewerbsgewinner, Klassiker oder Nobelpreisträger, die einige ihrer Verse gestiftet hatten, waren nur jeweils mit einen oder zwei Werken verteten. So segensreich diese Wettbewerbe für Lyriker sein mögen, die es ja weiß Gott noch schwerer haben als wir Prosaschriftsteller, so kritisch sehe ich die Art der Präsentation in Hildesheim. Was sich hier als Literaturförderung gibt, scheint mir nur eine einzige Riesen-PR-Kampagne zu sein, um den Namen Jo Köhler bekannt zu machen. Dafür wären mir meine Gedichte (die mir heilig sind) zu schade.


November

Donald Duck Taschenbuch Nr. 85
Jahrzehntelang habe ich versucht, das Abenteuer mit der "Karpfenqäke" wiederzufinden. Ich habe als Kind Lackrämpfe bekommen, wann immer ich die Geschichte von Gevatter Bär und Gevatter Fuchs beim Fischefangen las und die Kindertröte mit einem lauten "Quäääk" losging. Einfach herrlich, allerdings vollkommen ungeeignet, um es heimlich unter der Bettdecke zu lesen, ich konnte mir das Lachen nie verbeißen. Mein Gott, was habe ich mich in Lachkrämpfen gewunden.
Wo das Taschenbuch abgeblieben ist, habe ich nie herausgebracht. Und leider wusste ich auch nicht, um welche Nummer es sich handelte und was auf dem Titelbild zu sehen war. Jetzt bin ich auf den simplen und dennoch genialen Gedanken gekommen, das Wort "Karpfenquäke" bei Google einzugeben. Und siehe da: Das Wort kommt in exakt einem einzigen Buch vor - dem Donald Duck Taschenbuch Nr. 85, und freundlicherweise war ganz oben der Link zu einer Comicbörse angegeben. Ich hab's mir geholt, und - ob ihr es glaubt oder nicht - als Gevatter Fuchs den Ziegelstein auf den Hinterkopf kriegte und dabei die Tröte verschluckte und laut quäkend durch die Gegend rannte, da habe ich tatsächlich wieder schallend gelacht.

Yvonne Kopf: Lilo Lametta
Zauberhaftes Kinderbuch über ein Mädchen, das Gedanken lesen kann. Weil sie Angst hat, dass die anderen sie für ein Monster halten, gibt sie immer wieder falsche Antworten und baut absichtlich Fehler in ihre Klassenarbeiten ein. Eines Tages kommt ein neuer Schüler in ihre Klasse. Auch er kann etwas Besonderes: Er kann durch die Zeit reisen. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Und Lilo kann ihm helfen, seine verschwundene Mutter wiederzufinden. Eine wunderschöne Geschichte über das Anders-Sein und darüber, dass eigentlich jeder Mensch eine besondere Begabung hat.

Heinrich Heine: William Ratcliff (e)
Heines zweite Tragödie, ebenso erfolglos wie der Almansor. Aber in der Geschichte um einiges faszinierender. Es liest sich wie eine der großen alten Schauernovellen. Alte Schlösser, Geistererscheinungen, Liebe, Fluch, Morde. William Ratcliff stammt aus ärmlichen Verhältnissen, ist Student und hat sich in eine junge schottische Adlige Maria verliebt, die auf einem abgelegenen, nebelumwogten Schloss in der Obhut ihres Vaters lebt. Ihr Vater will sie jedoch lieber standesgemäß verheiraten. Da schwört Ratcliff, jeden Bräutigam Marias zu töten. Zweimal hat er bereits zugeschlagen, nun ist die dritte Verlobung geschlossen. Ratcliff und Maria verbindet aber mehr als bloße Liebe, es liegt ein Fluch auf beiden, der Marias Mutter und Ratcliffs Vater verband ... Es juckt mich in den Fingern, daraus ein Seitenstück zu Darthula und Timur zu machen. Vielleicht nächstes Jahr.

Karl Gutzkow: Briefe eines Narren an eine Närrin (e)
Gutzkows Narrenbrief las ich zuletzt vor ein paar Jahren in einer Taschenbuchausgabe aus dem Antiquariat. Es ist kein ganz einfaches Buch, ein wenig verworren, eine Mischung aus Literatur, politischen Betrachtungen, Plaudereien, Philosophie und ironischen Seitenhieben auf Zeitgenossen. Ich lese es jetzt zum dritten oder vierten Mal, finde es nicht direkt schlecht, denke aber, Gutzkow hat bessere Sachen geschrieben, wie etwa die Wally, den Sadduzäer von Amsterdam oder den Uriel Accosta.

Die Welten von Thorgal: Lupine 4 - Crow
Der vierte Teil der Lupine-Reihe innerhalb der "Welten von Thorgal". Lupine hat nach dem Verschwinden ihres Vaters Thorgal einen schweren Stand im Wikingerdorf. Die Jungen hänseln sie und werden auch handgreiflich. Als sie sich jedoch effektiv und ebenso handgreiflich zur Wehr setzt, ist das ganze Dorf gegen sie, und es wird äußerst bedrohlich. Lupine ergreift die Flucht. Währenddessen ist eine unheimliche Frau auf der Suche nach ihr. Die Einäugige, die sich Crow nennt, scheint magische Kräfte zu haben und führt offenbar nichts Gutes im Schilde. Als sich am Schluss des Albums ihre wahre Identität enthüllt, ist das eine ziemliche Überraschung.
Das Abenteuer ist gut erzählt und opulent illustriert. Etwas nervig ist das Verhalten von Aaricia, die inzwischen ihre Wikingerkönigs-Ahnen, ihre Kampffähigkeit und ihre Liebe zu Thorgal vergessen zu haben scheint und in der Rolle eines hilflosen Frauchens an der Brust eines starken Seekriegers aufgeht. Warum sie die Lügen und dämlichen Ausreden dieses Typen nicht durchschaut, sich offenbar sogar bewusst täuschen lassen will und sich gegen ihre Tochter Lupine einnehmen lässt, erschließt sich mir nicht ganz. Zumal sie nicht einmal verliebt ist und ihre Blindheit nicht mit schäumenden Hormonen begründet werden kann. Schade auch, dass der ursprüngliche Albentitel "Krähe" und damit der Name der neuen Gegnerin Lupines in das englische "Crow" geändert wurde. So hielt ich sie zunächst für die Angehörige eines nordamerikanischen Indianerstammes.

Ida von Hahn-Hahn: Peregrin, Bd.1 (e)
Roman aus dem Jahr 1861. Da war Ida von Hahn-Hahn - nach der gescheiterten 48er Revolution - schon katholisch geworden und ins Kloster gegangen. Der Roman ist ein Zweiteiler. Im ersten Band wird Peregrin, ältester Sohn und Erbe des Grafen Gorm, vorgestellt. Peregrin verliebt sich in die junge Heliade, die aus einem alten irisch-katholischen Geschlecht stammt. Die beiden lieben sich heiß und innig. Aber Heliade besteht darauf, dass sie nur einen Katholiken heiraten will, und Peregrin, dem religiöse Kleinigkeiten und Formen des Bekenntnisses eigentlich gleichgültig sind, kann aus dynastischen Gründen nicht übertreten: "Kein Gorm darf katholisch werden", ist unumstößliches Gesetz ... Heliade verschwindet, Peregrin ist verzweifelt. Es häufen sich allerdings seltsame Andeutungen und Vorfälle. So enterbt Peregrins Tante ihren Neffen und spricht ihr Landgut dessen jüngerem Bruder zu. Auch seine Mutter beschwört ihren Mann, Peregrin zu enterben und den Titel des Grafen Gorm auf den jüngeren Sohn übergehen zu lassen. Der Vater weigert sich jedoch. Nach dessen Tod eröffnet Peregrins Mutter dem Sohn das Geheimnis, das sie seit Jahrzehnten belastet. In ihrer Verzweiflung, ihrem Mann keinen Erben schenken zu können, nahm sie nach wiederholten Totgeburten Zuflucht zu einem letzten Mittel: Sie nahm ein Waisenkind aus einem italienischen Waisenhaus auf und präsentierte es dem Ehemann als seinen Sohn - Peregrin. Erst als später ein legitimer Sohn geboren wird, bekommt die Mutter Gewissensbisse, die sie bis ans Ende ihrer Tage quälen. Peregrin ist schockiert von der Beichte. Er verlässt das Schloss und macht sich auf, seine wahren Wurzeln zu finden.
Viel Herzschmerz, etwas Geheimnis, Familiendrama und Schicksalstragödie, gewürzt mit Betrachtungen über den Katholizismus als allein seeligmachende Religion. Die Hahn-Hahn konnte schreiben, auch in der Spätphase.

Herder: Journal meiner Reise im Jahr 1769 (Reclam)
Mal wieder ein richtig dickes Reclam-Buch. Herders Notizen, entstanden auf einer Schifffahrt, die den jungen Theologen von Riga nach Frankreich brachten. Das Werk erschien erst postum, erste Auszüge wurden im Jahr 1810 von Herders Sohn herausgegeben.
Das Buch ist keine Reisebeschreibung, vom Schiffsleben und den angesteuerten Häfen erfährt man kaum etwas. Herder ist vielmehr damit beschäftigt, ein neues Schulsystem zu entwerfen, und skizziert Pläne für Fächerkanon und pädagogische Arbeit. Das Ganze ist gewissermaßen Gründungsurkunde des Realschulgedankens, den er der klassischen humanistischen Gymnasialbildung entgegensetzt. Nicht uninteressant, man muss sich allerdings in den Stil Herders erst etwas einlesen. Und da das Werk gar nicht für die Veröffentlichung bestimmt war, haftet ihm trotz seines Umfangs etwas Skizzenhaftes, Unvollendetes, Fragmentarisches an. Vor allem im hinteren Bereich sind viele Abkürzungen und unvollständige Sätze zu finden. Also: keine ganz leichte Kost, aber es lohnt sich.

Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten
Was macht man, wenn man sich monatelang mit der Textarbeit für eine Anthologie herumgeschlagen hat und das fertige Werk jetzt in den Händen hält? Richtig: Ich habe mich hingesetzt und unser Hildesheimer Weihnachtsbuch noch einmal ganz in Ruhe durchgelesen. Ohne Druck und nur für den Genuss. War auch nett.

Hölderlin: Hyperion (e)
Noch so ein Klassiker. Mein altes Reclamheft ist voller Unterstreichungen und Randbermerkungen. Jetzt also ein Neustart mit einer notizenfreien eBook-Ausgabe. Hyperion lebt im Griechenland des 19. Jahrunderts und leidet daran, dass das Hellas seiner Zeit nur noch ein peinlicher Nachkömmling der großen Kulturnation der Antike ist. Er verliebt sich in die bezaubernde Diotima, zieht in den Krieg gegen die Türken, um sein Land zu befreien, tauscht überschwängliche Freundschaftsbriefe mit seinem Freund Alabanda aus. Sehr gefühlsbetont, sehr emphatisch. Vom anfänglichen Peinlichkeitsbekunden, ein "Grieche" genannt zu werden, bis zum geflügelten Schlusswort "so dacht ich - demnächst mehr" einfach ein Buch, das in den Literaturkanon gehört.
Mein großes Hölderlin-Erlebnis war eine Vorlesung von Professor Kreutzer in Hannover. Der Mann trug plötzlich die Stelle vor, als Hyperion auf der Akropolis stand und Athen wie die Trümmer eines gewaltigen Schiffbruchs unter sich liegen sah. Das war, als sei ein Blitz in mich eigeschlagen. Denn ich hatte sofort den Stadtplan Athens vor Augen. Das alte Straßennetz aus der Zeit nach der Schlacht von Salamis, angelegt unter der Regie des Themistokles, kann man heute noch sehen. Athen war damals vollständig von den Persern eingeäschert und dem Erdboden gleichgemacht worden. Es existierte nur noch die athenische Flotte, die "hölzernen Mauern", mit denen sich die Stadt laut dem Orakel von Delphi schützen sollte. Dann die Seeschlacht in der Meerenge von Salamis. Die eben noch triumphierenden Perser vernichtend geschlagen. Die Athener konnten kein schöneres Symbol finden für den Wiederaufbau ihrer Stadt als dieses neue Straßennetz in Form eines Schiffes. Und wenn man dann mit Hyperion auf der Akropolis steht und auf die Stadt hinabschaut, dann weiß man einfach, da ist nicht irgend eine abgegriffene Metapher von einem Staatsschiff gemeint. Athen sah nicht nur aus wie ein Schiff. Athen war das Schiff. Da ist nicht nur einfach eine physische und kulturelle Wüste unter ihm, sondern im Bild des Schiffs liegt de athenische Seele am Boden.
Gleich am nächsten Tag ging ich in die Buchhandlung und holte mir das Reclamheft.


Dezember

Ida von Hahn-Hahn: Peregrin, Bd. 2 (e)
Teil 2 der Liebes- und Religions-Odyssee von Peregrin und Heliade. Peregrin hat inzwischen seine wahre Herkunft erfahren und im Waisenhaus Aufschluss über seine verstorbenen Eltern erhalten. Er stammt aus einer italienischen Musikerfamilie. Sein musikalisches Talent zeigte sch bereits im ersten Band immer wieder: Wenn es ihm schlecht ging oder er mit sich selbst ins Reine kommen musste, griff er zu seiner Amati und bezauberte alle zufälligen Zuhörer durch sein Geigenspiel. Er findet seinen Onkel, ebenfalls Musiker, der seine drei Kinder als musikalische Wunderkinder auftreten lässt. Leider ist eine Tochter, die die erste Geige spielte, kürzlich verstorben, sodass das einst sehr erfolgreiche Quartett aus vier Wunderkindern nicht mehr auftreten kann. Peregrin lässt sich für den Part des ersten Geigers verpflichten und begibt sich mit der Gruppe auf Tournee, wobei er für die vom Vater bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus getriebenen Kinder schnell eine Art Beschützerrolle einnimmt.
Heliade ist inzwischen nach dem Tod ihres Vaters veramt und versucht, zu ihrer Großmutter nach Italien zurückzukehren. Zufällig gerät sie als Vorleserin in die Dienste von Pergrins Tante und kommt dem Familiengeheimnis und der Geschichte des verschwundenen Peregrin auf die Spur. Doch auch ihre irischen Wurzeln bekommen nun Bedeutung. Als Mündel eines irisch-katholischen Adligen kehrt sie zurück in die Heimat ihres Geschlechts, alte Familientraditionen und die Unterdrückung der Katholiken durch die Engländer prägen den weiteren Verlauf der Geschichte. Erst nach vielen Irrungen und Wirrungen finden Peregrin und Heliade wieder zueinander. Klar, dass Peregrin, der ja nicht mehr Angehörger eines urprotestantischen Grafengeschlechts ist und durch seine Erfahrungen und Begegnungen längst den Weg zum rechten Glauben gefunden hat, nun zum Katholizismus übertreten und seine Heliade heiraten kann.
Ebenfalls gut geschrieben und gekonnt alle Fäden verwoben, eine würdige Fortsetzung des ersten Teils. Hat mir gefallen. Auch wenn ich die Sache mit den Religionen selbst etwas lockerer sehe.

Lukian: Hetärengespräche (e)
Auch hier ein Wieder-Lese-Erlebnis. Mein erster Lukian war das Reclamheft "Gespräche der Götter und Meergötter, der Toten und der Hetären", in dem auch die Hetärengespräche enthalten waren. Wenig später begann ich damit, meine Magisterarbeit zu schreiben, und verbrachte ziemlich viel Zeit im Lesesaal der Landesbibliothek. Dazu ließ ich mir dann, als kleinen "Trost" für zwischendurch, die gesamten Werke Lukians, übersetzt von Wieland, aus dem Magazin bringen: Sechs etwa zehn Zentimeter starke Doppelbände voller Dialoge und Prosaerzählungen, humoriger Seitenhiebe auf die antiken Philosophenschulen, Novellenstoff, mythologische Parodien - kurzum: das ganze volle Wunderhorn lukianischen Witzes. Jedesmal, wenn ich 50 Seíten einer staubtrockenen Dissertation geschluckt hatte, belohnte ich mich als Nachtisch mit einem Lukian-Zitronencremeschnittchen. Es war ein schönes halbes Jahr. Und im Anschluss war ich überzeugt, dass auch Christoph Martin Wieland, der meinen Liebling Lukian so gut und liebevoll übersetzt hatte, kein unrechter Kerl sein könne. Ich durchforstete also erstmal das Reclam-Regal nach Wielands Werken. Der Beginn einer weiteren wundervollen Freundschaft.
Bei den Hetärengesprächen muss man Wieland allerdings einen Vorwurf machen. Er hat zwar die Dialoge recht geistreich und spritzig übersetzt und hatte keine Hemmungen, auch das antike Milieu der Edel-Prostituierten kongenial abzubilden. Allerdings - einen der Dialoge ließ er dann doch aus, weil er das sittliche Empfinden seiner Zeitgenossen zu sehr beleidigt hätte, und zwar den Dialog, in dem zwei der Frauen über lesbische Sexualität sprachen. Wohlgemerkt, mit männlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen gab es zumindest in der Fachliteratur über die Antike nicht so große Probleme, aber zwei Frauen zusammen im Bett, das ging offenbar nicht. Da Wieland bis heute der unübertroffene maßgebende Übersetzer ist - und obendrein als längstverstorbener Autor keine Tantiemen mehr einfordern kann - findet man in vielen heutzutage erhältlichen Ausgaben der Hetärengepräche die Wieland-Übersetzung ohne den 5. Dialog. Also, bei aller Liebe zu Wieland, wer etwas Gutes und Vollständiges haben möchte, ist auch hier mit der Reclamausgabe am besten bedient.

Bergengrueniana II
Die zweite Ausgabe der Mitteilungen der Werner-Bergengruen-Gesellschaft. Wie der erste Band, der zwei Jahre zuvor erschienen ist, ein sehr gehaltvolles Buch mit vielen wertvollen Materialien über einen meiner Lieblingsschriftsteller.
Bergengruens Sohn erzählt etwas zur Biographie und zum Leben im Dichterhaushalt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf den Kriegsjahren, dem Ausgebombt-Sein, später den Jahren in der Schweiz. Sehr interessant die Bemerkungen zur "Rittmeisterin" und zum "Dritten Kranz". Ich fand letzteres übrigens gar nicht so schlecht, wie die Klagen über das unselige Buch vermuten lassen ...
Außerdem findet man einen Bericht über Bergengruen in der "Zwanglosen Gesellschaft" in München sowie Auszüge aus dem "Compendium Bergengengruenianum", Bergengruens Skizzen- und Notizbuch mit vielen Ideen, Aphorismen, Beobachtungen und biographischen Einträgen. Dem Jahrbuch ist zu entnehmen, dass es endlich einmal eine Gesamtausgabe des Compendiums geben soll. Großartig, ich freue mich drauf. Sehr interessant auch ein Aufsatz über die baltische Literatur zu Bergengruens Zeit.
Außerdem gibt es im Buch die Vorstellung der Bergengruen-Preisträger der Jahre 2011 und 2013, Peter Kurzeck und Kurt Drawert, die Laudationes zur Preisverleihung, dazu Kurt Draerts Dankesrede. Peter Kurzeck hatte statt einer Rede aus seinen Werken gelesen. Alles in Allem: Erneut eine reiche Fundgrube für Forscher und Fans.


Heinrich Smidt: Semanns-Sagen und SchifferMärchen (e)
Wie der Titel schon sagt eine Sammlung mit sagenhaften Geschichten von Meer und Seefahrt. Zum Teil alte Lokalsagen, etwa von der Insel Helgoland, zum Teil phantastische Erzählungen von zauberhaften Königreichen vor der südamerikanischen Küste und auf unbekannten Inseln. Vieles über glückliche Inseln, deren unschuldigen und sorglos lebenden Bewohnern fremde Seeleute und Glückssucher den Untergang brachten. Manchmal mit etwas ausufernden Rahmenhandlungen, in denen lang und breit berichtet wird, wie sich ein alter Seemann in der oder jener Situation zu diesem oder jenem Anlass sich in Positur setzt und gern oder ungern von den schauderhaften alten Mären berichtet. Ansonsten sehr gehaltvoll und lesenswert.

Bartholomäus Figatowski (Hrsg.): Weil ich John Lennon bin ...

Brita Rose-Billert: Die Farben der Sonne
Eine Indianergeschichte der anderen Art. Ein Junge, Halbindianer, der sich Blue Light Shadow nennt, lebt nach dem Tod seiner Mutter auf der Straße und schlägt sich auf seine Art in der Halbwelt/Unterwelt/unterprivilegierten Welt durch. Bis das Jugendamt sich einschaltet. Der Vater, ein reicher weißer Anwalt, will nichts mit ihm zu tun haben, so fällt das Sorgerecht an den indianischen Großvater. Blue muss sich auf der Reservation vor allem gegen die Attacken seines Mitschülers Mitch Walking Elk zur Wehr setzen, der etwas gegen das "Halbblut" hat. Als Blues Onkel wegen eines tieffliegenden Hubschraubers seine gesamte in Panik davonjagende Pferdeherde verliert, worauf die Tiere im Nachbarstaat Nebraska als wilde Mustangs angesehen und verkauft werden, begraben Blue und Mitch ihre Feindschaft und machen sich zusammen auf, die Pferde zurückzuholen. Allerdings - mit Pferdedieben, vor allem mit nicht-weißen Pferdedieben, macht man in Nebraska kurzen Prozess ... Spannendes Jugendbuch, das sich sehr flüssig lesen lässt. Hat mir gefallen.

Regina Mengel: Am 13. Tag. 1. Teil: Die Bestimmung (e)
Der Beginn eines dreiteiligen Jugend-Fantasy-Abenteuers. Die Autorin gibt das erste Drittel als kostenloses eBook und Leseprobe heraus. Teil 2 und 3 sind bereits erschienen. Außerdem gibt es ein eBook, das alle drei Teile in sich vereint.
Susanna, die Hauptfigur dieses Buches, erhält zu ihrem Geburtstag eine geheimnisvolle Flasche, die zu leuchten beginnt, als Susanna sie berührt. Es scheint sich jedoch um kein harmloses Geschenk zu handeln. Ihr Vater reagiert geradezu panisch, als er von der Flasche erfährt, und bringt seine Tochter sofort ins Ausland, in ein kleines Dorf, wo sie bei einer Tante unterkommt. Zusammen mit ihrem Freund Patrick versucht Susanna, hinter das Geheimnis der Flasche zu kommen.
Nach und nach tauchen immer bizarrere Informationen auf. Anscheinend war Susannas Mutter kein normaler Mensch, sondern ein Flaschengeist aus dem Land Kis-Ba-Shahid. Ein Land, in dem es Brauch ist, dass die Bewohner am 13. Tag nach ihrem 13. Geburtstag ihre Bestimmung erfahren. Auch Susanna hat eine solche Bestimmung. Doch um sie zu erfahren, muss sie nach Kis-Ba-Shahid hinüberwechseln. Und anscheinend ist die Bestimmung Susannas entscheidend sowohl für die Existenz des Zauberlandes als auch für die der realen Menschenwelt.
Die Geschichte ist gut geschrieben und zeigt, dass die Autorin ihr Handwerk versteht. Es handelt sich um eine Fantasy-Geschichte mit orientalischem Ambiente, jedenfalls ruft die Beschreibung Kis-Ba-Shahids und die Geschichte der Flaschengeister sofort die Assoziation von 1001 Nacht hervor.
Zwar handelt es sich um eine selbstpublizierte Geschichte, doch das eBook trägt das Qindie-Qualitätssiegel durchaus zu recht. Lesern, die einen kompletten Roman erwarten, sei allerdings noch einmal die Warnung mit auf den Weg gegeben, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Geschichte handelt, sondern um das erste Drittel eines Romans. Beschrieben wird die Zeit von Susannas Geburtstag bis zu dem Augenblick, in dem sie sich entschließt, den Sprung in die andere Welt zu wagen. Das Abenteuer geht also jetzt erst los. Die beiden Folgebände heißen "Kis-Ba-Shahid" und "Flaschengeister". Ich werde sie mir vermutlich demnächst zulegen.

Nadine Boos: Der Schwarm der Trilobiten
Der vierte Band der Science-Fiction-Serie "D9E - die neunte Expansion". Und, wie ich finde, der beste. Nadine Boos stellt uns einen völlig neuen Planeten vor, entwirft ein eigenes Gesellschaftsmodell und stellt den regierenden Menschen eine hochinteressante maritime Lebensform an die Seite, humanoid, intelligent, aber eben an das Leben im Wasser angepasst.
Auf Andesit ist eine der mächtigsten herrschenden Dynastien die Familie Darjeeling, die mit harter Hand und scharfblickendem Auge von der Clanchefin Bronja geführt wird, während die kampferprobte Tochter Berenike das Sicherheitswesen unter sich hat. Enkelin Beatrix allerdings macht Sperenzien. Sie widersetzt sich den Hochzeitsplänen ihrer Großmutter, die sie mit dem Sprössling einer ebenfalls mächtigen und einflussreichen Familie verkuppeln will. In ihrem selbstzusammengeflickten Raumschiff Skolopendra macht sich Trixi aus dem Staub. Nur gibt es einige Dinge, mit denen sie nicht gerechnet hat: Ihre Großmutter hat diese Flucht bis ins kleinste Detail mitgeplant, Trixis ungeliebter Verlobter ist ebenfalls an Bord, und die Gefahr durch die heranrückenden Außerirdischen, die Hondh, scheint größer als gedeckt. Es gibt jedoch auch Dinge, die weder Trixi noch Bronja voraussehen konnten: Die Skolopendra stößt mit einem geheimnisvollen Schiff zusammen. An Bord: Angehörie einer aquatischen Zivilisation, ähnlich der Urbevölkerung auf Trixis Heimatplaneten. Die Fremden sind auf der Flucht vor den Hondh.
Nadine Boos ist eine große Weltenbauerin. Anders als im Vorgängerband "Kristall im fernen Himmel" liegt hier der Schwerpunkt nicht auf physikalischem und paraphysikalischem, sondern auf biologischem und sozialem Gebiet. Man lernt außerirdische Wesen und ihre ganz eigene Art der Bewegung und Wahrnehmung (riechschmecken) kennen, aber auch eine neugezüchtete Ponyrasse, in einem SF-Roman ein durchaus ungewöhnliches Personal. Es werden staatliche bzw. dynastische Strukturen entworfen und die Intrigen und Machtspiele der alten Clanchefinnen gezeigt, man erlebt aber auch Aufstände der Arbeiter und illegale Gewerkschaftssitzungen.
Fazit: Eine detailliert beschriebene, lebendige Welt mit faszinierenden Kreaturen und fein ausgearbeiteten zwischenmenschlichen bzw. inter-species-ischen Beziehungen. Dazu eine spannende Handlung und eine gekonnte Erzählweise. Sehr gut, weiter so. Bitte mehr davon.

Johann Nestroy: Der Zerrissene (Reclam)
Komödie, die sich über die in Literatenkreisen damals oft beschriebene und diagnostizierte "Zerrissenheit" lustig macht. Es ist die Geschichte eines reichen aber übersättigten, von allem gelangweilten Herrn, der während eines Streites zusammen mit seinem Gegner vom Balkon stürzt und in den See fällt. Beide Kontrahenten können sich retten, aber jeder von beiden ist überzeugt, der jeweils andere sei ertrunken, und er selbst werde nun als Mörder gesucht. Liest sich recht nett, aber man hätte aus dem Plott wesentlich mehr herausholen können. Mir kommt die Auflösung zu rasch und zu schmerzlos. Naja, man hätte es von Nestroy selbst auf der Bühne dargestellt sehen müssen, der Mann soll eine Granate gewesen sein ...

Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel (e)
Enthält Erzählungen, in denen sich der Meisterdetektiv mit phantastischen Phänomenen herumschlagen muss. Holmes begegnet Vampiren und Magiern, mechanischen Killermaschinen und Monstern, er benutzt fliegende Teppiche und bewusstseinserweiternde Drogen mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie seinen messerscharfen Versand oder Watsons Revolver.
Mir hat vor allem die Geschichte über den Arpaganthropos gefallen, in der Klaus-Peter Walter das Duo Holmes & Watson auf einen Hai-Menschen, die maritime Entsprechung eines Werwolfs, treffen lässt. Das eindrucksvolle Bild des Gehenkten, der, an einem fliegenden Sack baumelnd, im Nebel an dem alten Kapitän vorüberschwebt, ist eine sehr starke Szene, die ich mir auch gut auf dem Cover hätte vorstellen können. Sehr gut gelungen auch Linda Budingers Story "Der stählerne Strahl", in dem Holmes nach Watsons Tod einen ägyptischen Magier stoppen muss, der im Park am Victoria Embarkment bereits mehrere Morde begangen hat. Interessant auch die beiden Sachtexte, die sich im Anschluss an die Geschichten mit Holmes und seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle befassen. Allerdings sind stellenweise in beiden Texten die gleichen Infos und Bebachtungen zu finden, sodass der Nachgwort-Teil ein wenig redundant wirkt. Man hätte sich vielleicht für einen der beiden Beiträge entscheiden sollen.

Auf den Spuren von H.P. Lovecraft (Comic, Torsten Low)
Zwei dunkle Geschichten, optisch meisterhaft in Szene gesetzt von Stefanie Hammes. Das Heft enthält die beiden Horror-Novellen "Die Schokolade des Herrn Bost" von J.C Prüfer und "Der Fluch des Zulu" von Carsten Steenbergen. Beide sehr schön düster und unheimlich, Die Comics haben mir sehr gut gefallen, vor allem die Zeichnungen von Stefanie Hammes, die dem Ganzen die besondere Atmosphäre verleihen. Einziges Manko: Die dünne verschnörkelte Schreibschrift, in der manche der Texte gedruckt sind, lässt sich sehr schwer lesen, vor allem in der Variante Weiß auf Schwarz, hier sollte in einem möglichen zweiten Heft eine andere Schriftart gewählt werden. Ansonsten: Ein Schmuckstück.

Nina Horvath: Die Duftorgel
Edle Hardcover-Ausgabe mit den Science-Fiction-Kurzgeschichten einer meiner Lieblingsautorinnen. Das Buch erschien in einer signierten Liebhaberausgabe mit einer Auflage von 100 Exemplaren, meines hat die Nummer 11. Nina ist eine Meisterin der Kurzgeschichte, die sich auch sehr selbstbewusst für ihr Genre einsetzt und sich gut gegen die fast übermächtige Roman-Fixierung unseres Literaturbetriebs behaupten kann. Ihre Storys sind oft nur wenige Seiten lang und haben trotzdem mehr Dichte und Atmosphäre als mancher hunderte von Seiten lang ausgewalzte Roman. Da entwickeln Puppen oder Kunstmenschen plötzlich Seele, Gefühl und Eigenleben; außerirdische Rieseninsekten wetzen ihre tödlichen Mandibeln, können aber durch Einsatz von bestimmten Duftstoffen gezähmt werden; Paläantologen der Zukunft müssen sich entscheiden zwischen der Verpflichtung, die Wahrheit ans Licht zu bringen, und der Zukunft ihrer Wissenschaft. Raumfahrer lernen, dass der Blick in die Sterne süchtig machen kann. Das kann auch dieser Kurzgeschichtenband. Man schließt ihn nach der Lektüre mit einem leichten Bedauern. Das war viel zu kurz - bitte noch einen zweiten!

Hörbuch

Philip Pullman: Tödliche Missverständnisse
Das Hörbuch beginnt mit einem perfiden, uralten Thriller-Autoren-Kniff. Der erste Satz lautet: "Chris Marshall traf das Mädchen, das er töten würde, in einer warmen Juninacht beim jährlichen Sommerball..." Okay, mit dem Einstieg kann sich der Autor schon einiges erlauben, selbst banale Alltagssitutationen werden vom Zuhörer mit Spannung verfolgt, man weiß ja, dass bald die Katastrophe eintreten wird, die Frage ist halt das Wie. Die Geschichte hat einige Längen, und für meinen Geschmack wird bei den einzelnen Personen zu viel Vorgeschichte erzählt. Das macht die Sache etwas langatmig und wirkt erzähltechnisch ungeschickt. Bei der Dramatik der dann ablaufenden Ereignisse ist man allerdings geneigt, den einen oder anderen erzählerischen Lapsus zu verzeihen. Am Ende ist das Mädchen tatsächlich tot, wie versprochen. Nicht unbedingt ganz großes Kino, halt ein Jugendwerk Pullmans, der Autor hat sich inzwischen sehr weiterentwickelt. Aber als Hörbuch ganz in Ordnung.

Kai-Uwe Kohlschmidt: Nanga Parbat
Geschichte einer Himalaya-Expedition. Nicht besonders spannend. Vor allem, da die eigentliche Expeditionsgruppe, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, eine Gruppe aus fünf Künstlern auf den Spuren Reinhold Messners, gar kein Gesicht gewinnt. Es wird halt mehrfach gesagt, dass es sich um fünf Künstler hadelt, darunter ein Schriftsteller, eine Schauspielerin und ein Fotograf, aber es wird nichts "gemacht" aus diesem Personal. Die einzelnen Mitglieder werden nicht vorgestellt, haben keine Namen, äußern sich nicht über ihre Kunst und Motivation, da wird überaupt nichts gesagt, was diese Menschen irgend etwas an Kontur gewinnen lässt. Dazwischen ein paar Interview-Fetzen, die aber nur Fragen enthalten wie "Was bedeutet der Berg für dich?" Und dann ein paar Sätze von der Art, wie sie Fußballspieler nach dem Spiel ins Mikro geben. Die fünf sind halt auch in den Bergen unterwegs, begegnen unter anderem einer sächsischen Gruppe und bekommen über Funk mit, wie sich mehrere Tagesreisen oberhalb ihrer Station eine Katastrophe ereignet, als den Sachsen einer ihrer Kameraden verloren geht. Das ständige "Fünf stiegen hinauf, nur vier kamen wieder herab", soll wohl Wirkung erzielen und das Stück etwas literarisch aufwerten. Es ist aber doch ein ziemlich nichtssagendes Teil geblieben, ich werde es mir nicht noch einmal anhören.



Jahresrückblick I: Januar bis März 2014
Jahresrückblick II: April bis Juni 2014
Jahresrückblick III: Juli bis September 2014


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick III: Juli bis September 2014

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2014 · 376 Aufrufe
Jahresrückblick
Der dritte Teil meines Jahresrückblicks. Schriftstellerisch war dieses Quartal vor allem durch die Arbeit an meinem historischen Roman "Freiheitsschwingen" geprägt, der 2015 im Verlag PersonalNovel erscheinen wird, und von den letzten Korrekturarbeiten an "Nestis und die Hafenpiraten", die im Oktober 2014 bei Monika Fuchs erschienen sind.
Meine Lektüre hatte, vermutlich durch die Arbeit an den "Freiheitsschwingen", in diesem Quartal einen Schwerpunkt auf Werken der jungdeutschen Autoren, allen voran Heinrich Heine, aber auch Ludolf Wienbarg, Heinrich Laube und Theodor Mundt landeten auf den eReader. Außerdem erneut etwas Kleinverlags-Phantastik und etwas Karl May. Viel Vergnügen damit!

(Legende: "(e)" bedeutet eBook-Ausgabe; hinter Links verbergen sich ausführliche Rezensionen innerhalb dieses Blogs; blau markiert sind besondere Bücher, die mehr als eine 1+ mit Sternchen verdienen, irgendwie anders sind und mich bezaubert haben; rot sind Scheißbücher, vor denen ich ausdrücklich warne)


Juli

Christoph Martin Wieland: Göttergespräche (e)
Wieland auf den Spuren Lukians - ein Gott in den Fußstapfen eines anderen, und ich bin ein Fan von beiden. Klar, dass ich auch diese Göttergespräche haben musste. Wieland als erfahrener Lukian-Übersetzer, der auch dessen "Göttergespräche" übersetzt hat, bringt nun eigene Dialoge aus den Reihen der Olympier. Das ist zunächst noch recht antiken-gemäß gehalten und behandelt mythologische Themen, etwa wenn Selene, Artemis und Hekate sich miteinander unterhalten und sich darüber amüsieren, dass die Menschen sie manchmal zu einer einzigen Person machen. Je weiter man im Buch voranschreitet, desto politischer wird es dann allerdings, und wir sehen Götter und Helden der Antike im Gespräch über die und mit den Helden der Französischen Revolution. Humorvoll, philosophisch und mit dem einen oder anderen politischen Stachel. Ein hochinteressantes Stück Literatur.


Karl May: Am Rio de la Plata (e)
Karl May: In den Cordilleren (e)
Abenteuer- und Reiseerzählung um einen betrügerischen Führer durch die Wildnis, einen verschwundenen Inkaschatz, den heldenhaften Bruder Jaguar und den Sieg der Gerechtigkeit. Mir haben sich damals vor allem die fliegenden Bolas und das Pfeilgift eingeprägt. Wie gut, dass durch Old Shatterhands Lederkluft kein Pfeil durchkommt. Das Abenteuer ist übrigens als Umsonst-eBook auch unter dem Titel "Der Sendador" erhältlich. Hab's mir versehentlich doppelt geholt, da ich den Titel nicht kannte und dachte, es sei eine Vorgeschichte dazu.

Robert Şerban: Heimkino bei mir

Thorgals Jugend: Das Auge Odins

Catull: Sämtliche Gedichte (Reclam)
Es kotzt mich an! Warum zum Teufel bieten die Leute von Reclam inzwischen nur noch Gedichtübersetzungen in Prosa an? Jahrhundertelang haben Übersetzer es durchaus hingekriegt, antike Klassiker lesbar und geschmackvoll in adäquaten Versmaßen zu verdeutschen. Und das soll jetzt plötzlich nicht mehr gehen? Verdammtnochmal, wenn ich Lyrik kaufe, dann will ich Lyrik haben, keine Inhaltsangaben in Prosa, da kann ich mir auch gleich ein biologisches Lehrbuch über Tier- und Pflanzenkunde kaufen und Staubfäden zählen. Liebe Reclam-Leute, hört bitte auf mit eurem aktiven Beitrag zur Volksverblödung, die literarische Bildung in diesem Lande geht sowieso schon vor die Hunde. Helft doch wenigstens ihr mit, das Bewusstsein für lyrische Formen zu erhalten und zu schärfen.


Jürgen Peters: Wandel des Wortlosen. 1922-1619
Jürgen Peters: Eines treuen Husaren Bratkartoffelverhältnisse

Jürgen Peters war mein Lieblingsprofessor in Hannover. Ich habe viel von ihm gelernt, viel an ihm, viel gegen ihn. Ein Mann, an dem man sich reiben konnte. Mit dem man mal eben kryptische Zitate quer durch den Hörsaal austauschen konnte, ohne dass einer der anderen Studenten überhaupt wusste, was gemeint war. Blödelei und Ernsthaftigkeit lagen so nah beisammen. Er konnte einem mit einem einzigen zynischen Spruch die Adern wieder freiätzen, wenn man zu lange in faustischen Regionen geschwebt hatte. Ein Peters-Zitat in einer Vorlesung eines Kollegen, und plötzlich war es, als hätte jemand ein Fenster aufgestoßen und ein kleiner Sonnenstrahl sei hereingeflogen ... nein,. halt, ein kleiner Sonnenstrahl war er nun doch nicht. Er war kratzbürstig, sarkastisch, arrogant, divenhaft, launisch und eben einzigartig. Er hat mich sehr geprägt, und viele seiner widerborstigen, querdenkerischen Sätze werden mich bis ans Ende meiner Tage begleiten.
Als ich las, dass er gestorben sei, hat es mir einen kleinen Stich ins Herz gegeben. Nein, einen großen. Da habe ich mich hingesetzt und die beiden Taschenbücher noch einmal gelesen. Das eine Interpretationen von Gedichten, teils bekannte, teils abseitige, oft aus sehr eigenwilliger Perspektive. Das andere Aufsätze sehr unterschiedlicher Art, versammelt zu einer Festschrift. Beides in seinem sehr eigenen Tonfall, etwas maniriert, manchmal ein wenig arrogant, jemand, der schreiben konnte und dies auch sehr gut wusste und gern zeigte. Unvergessen.


Klaus H. Sütterlin: Hoka, der Hengst aus der Südsee
Ein Pferdebuch aus der Südsee über die Wildpferdherden auf den Marquesas. Ich habe das Buch als Kind und Jugendliche oft im Buchladen in die Hand genommen und es dann wieder weggelegt, irgendwie war ich dann immer doch nicht ganz überzeugt und habe lieber ein anderes genommen. Aber der Titel hat sich in meinem Gedächtnis festgesetzt. Als ich es jetzt im Antiquariat entdeckte, habe ich zugeschlagen. Es handelt sich um ein klassisches Pferdeabenteuer. Hoka wird als freies Pferd in einer wilden Herde auf einer Südseeinsel geboren, dann gefangen, schließt endlich Freundschaft mit einem tollen jungen Mann, gewinnt Rennen und ist bald das erfolgreichste Pferd bei den Strandrennen. Dann kommt eine deutsche Familie in die Südsee. Zusammen mit Hokas Freund entsteht der Plan, den Hengst wieder auszuwildern, und zwar auf einer anderen Insel, wo eine wilde Pferdeherde auf einen neuen Leithengst geradezu zu warten scheint. Die Handlung ist nicht unbedingt mitreißend und die Erzählweise an einigen Stellen etwas spröde, aber es ist ganz nett, und man erfährt vieles über die Pferde der südlichen Inselwelt.

Helmut Höfling: Drei Wichtel stechen in See
Kinderbuch über drei Wichtel. Für sehr kleine Kinder zum Vorlesen geeignet. Ich hatte es vor dreieinhalb Jahrzehnten mal beim Kinderkegeln des Kegelvereins meiner Eltern gewonnen, und dann ist es mir wohl irgendwann verloren gegangen. Als ich es im Antiquariat wiederentdeckte, konnte ich nicht anders ... Also, drei Wichtel lernen schwimmen, bauen sich ein Segelboot und besuchen dann eine befreundete Nixe, natürlich gibt es einen Schiffbruch und ein nettes Fest am Ende. Nett gemacht, aber ich werde es wohl meiner kleinen Nichte schenken.

Märchenprinzessinnen (Saphir im Stahl)
Eine Sammlung von Prinzessinnen-Märchen diverser Autoren und Märchensammler. Darunter zum Beispiel zwei Versionen des Grimmschen Froschkönigs, eines Märchens, das ich nie so recht verstanden habe. Ganz ehrlich, ich raffe bis heute nicht, warum diese dumme Tusse den Prinzen bzw. König kriegt. Das soll doch wohl sonst im Märchen immer die Belohnung für moralisch untadeliges Verhalten sein, oder? Die olle Kuh gibt ein Versprechen und weigert sich, ihr Wort zu halten. Sie ist eitel und zickig und obendrein eine Tierquälerin. Es ginge um Beischlaf, erklärte uns damals an der Uni mein alter Professor. Ja, klar, darauf wäre ich auch allein gekommen. Aber wer will denn ernsthaft mit einer Frau schlafen, die Frösche an die Wand wirft? Vor allem, wenn er selbst der Frosch ist? Schon die Eingangsszene war für mich als Kind immer ein Ärgenernis. Da fällt der Frau ein goldener Ball in den Brunnen, und was tut sie? Sie setzt sich hin und flennt. Meine Eltern hätten mich doch enterbt und verstoßen, wenn ich mich so benommen hätte. Da wird gefälligst das Kleid gerafft und dann der Ball halt selbst zurückgeholt. Bei Frau Holle hat es ja auch geklappt mit dem In-den-Brunnen klettern ... Bah.
Grundsätzlich bin ich bei vielen dieser "Prinzessinnenmärchen" im Zweifel, ob es tatsächlich Märchen über Prinzessinnen sind. Denn in den meisten ist die Prinzessin nur der buntgeschmückte Siegerpreis, den der Prinz am Ende bekommt, wenn er alle Abenteuer bestanden und Aufgaben gelöst hat. Sie sitzt passiv da und wird am Ende verheiratet, in 90 Prozent der Fälle könnte man sie auch austauschen gegen eine Goldmedaille oder Siegerurkunde oder den Heiligen Gral oder sonstwas ... Ist das wirklich der Traum heutiger junger Mädchen, wie es der Klappentext behauptet? Das will ich nicht hoffen.
Richtig gut gefallen hat mir die rabenschwarze Geschichte von der "Schwarzen Prinzessin", die nachts aus ihrem Sarg steigt und ihre jeweiligen Totenwächter auffrisst - bis Hans der Grafensohn, der ein meisterhafter Versteckspieler ist, sich so gut versteckt, dass sie ihn drei Nächte lang nicht finden kann und dadurch erlöst ist. Oder auch die Geschichte vom unechten Mohren und der Goldprinzessin, in der ein Mann als Schwarzer geboren wird, aber eben nicht als ganz echter Schwarzer, denn er färbt ab. Nach erfolglosen Versuchen, eine Schornsteinfegerlehre zu absolvieren oder sich als Diener zu verdingen freit er um die Goldprinzessin, die von goldener Farbe ist, leider auch ziemlich eitel. Sie lässt ihn abblitzen. Jahre später treffen sie sich wieder, da ist er inzwischen seine schwarze Farbe losgeworden und sie all ihr Gold. Jetzt würde sie ihn gern nehmen, er sie aber nicht. Richtig so.
Insgesamt haben mir die humorvollen oder düsteren Märchen wesentlich besser gefallen als die klassischen Erlösungs- oder Werbungsmärchen. Es gibt einiges zu entdecken in dieser Sammlung, vor allem die Märchen jenseits der Grimm- und Andersen-Klassiker sind sehr interessant. Schön auch das Titelbild, das Prinz und Prinzessin in prächtigen Kleidern bei einer aschenputtelartigen Ballszene zeigt.

Matthias Falke: Kristall im fernen Himmel
Der dritte Band der SF-Serie "D9E - Die neunte Expansion". Spannendes, gut geschriebenes Science-Fiction-Abenteuer in einer sehr interessanten Welt. Allerdings hat mich der Einstieg - Raumschiffcrew erwacht nach Unfall und Sturz aus dem Menger-Schwamm im Ungewissen und muss sich erst völlg neu orientieren - etwas an den ersten Teil, "Eine Reise alter Helden", erinnert. Ich habe inzwischen sogar in der Wikipedia nachgeschaut, was es mit diesem Menger-Dingsbums auf sich hat, ziemlich wirr. Interessant finde ich jedenfalls an dieser Serie die Psychologie der Piloten, die geradezu süchtig nach dem Zeug werden, höhere Bewusstseinszustände erleben und irgendwann in ihren Sitzen festwachsen. Insgesamt würde ich mir aber etwas weniger pseudeophysikalisches Techno-Gebabbel wünschen, das hat mich bei Perry Rhodan schon zum Aussteigen gebracht. Und noch ein Wunsch: Bitte langsam ein bisschen Butter bei die Hondh. Der rote Faden, der die einzelnen Teile verbindet dürfte gern dicker sein.

Antonia Michaelis: Friedhofskind
Magisch, düster, bezaubernd, spannend und in einer Sprache, die einfach und zugleich lyrisc ist, den Leser schweben lassen kann und in die Geschichte hineinzieht ... Antonia Michaelis kann's einfach. Das Buch erzählt von einer Künstlerin, die die bunten Mosaikglasfenster einer alten Dorfkirche neu erschaffen soll. An einem besonderen Tag fielen alle gleichzeitig in Scherben. Was war auf den Fenstern zu sehen? Warum reden die Leute im Ort nicht gern über die Bilder? Und was ist das Geheimnis des alten wunderlichen Totengräbers, den alle nur das "Friedhofskind" nennen? Ein junges Mädchen im blauen Kleid taucht immer wieder auf, aber nur die wenigsten können es sehen oder mit ihm sprechen. Das Friedhofskind, die Künstlerin und das Geistermädchen kommen sich näher. Näher, als es den Dorfbewohnern gefällt. Ist das Friedhofskind tatsächlich ein Mörder und das Mädchen sein Opfer? Und hat der wütende Mob, der den Totengräber am liebsten lynchen würde, vielleicht sogar recht? Ein Roman, der unter die Haut geht und den man bestimmt nicht aus der Hand legt, bis díe letzte Seite gelesen ist. Magisch eben. Ein echter Michaelis.

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Murakami hatte ich mir schon lange einmal anschauen wollen. Da hat die Freundin, die mir das Buch schenkte, genau ins Schwarze getroffen. Eine Geschichte aus Japan, die aber, wenn die exotisch klingenden Namen der Personen nicht immer wieder darauf hinweisen würden, auch in jeder europäischen Stadt spielen könnte. Herr Tazaki hatte in seiner Schulzeit vier sehr gute Freunde, die seltsamerweise alle eine Farbe im Namen trugen. Nur er selbst bildete eine Ausnahme, Tazaki bedeutet so viel wie Jemand, der etwas mit seinen Händen herstellt. So war Tazaki in dieser Freundesgruppe, die eine vollkommene Harmonie bildete, doch so etwas wie ein Außenseiter. Er war es auch, der nach der Schule zum Studium in eine andere Stadt wechselte, der Rest blieb zu Hause und beisammen. Dann der Schock: Nach seiner Rückkehr in den Semesterferien wollen seine Freunde nichts mehr von ihm wissen. Es ist, als habe er etwas Entsetzliches getan, aber niemand will ihm verraten, welche Schuld er auf sich geladen hat. Erst Jahrzehnte später, als Tazaki die Frau fürs Leben gefunden zu haben glaubt, wird klar, dass er dieses Jugendtrauma nie überwunden hat. Tazaki begibt sich auf Spurensuche und macht sich auf, die farbigen Freunde von damals wiederzufinden. Ein erstaunliches, poetisches Buch, das mir sehr gefallen hat. Ganz sicher nicht mein letzter Murakami.


Juliane Seidel: Assjah - Die lebenden Träume
Ich hatte mir schon das eBook heruntergeladen, da traf ich Juliane Seidel auf der Homburger Buchmesse, und sie bot mir ein Buch an, bei dem ich mir aussuchen konnte, welche der Romanfiguren ich auf der ersten Seite als Zeichnung haben wollte. Hättet ihr da "nein" sagen können? Zumal wenn eure Sitznachbarin gerade so ein besonderes Assjah-Buch bekommen hat? Ich besitze jetzt eine Ausgabe mit dem Drachen Finn vorne drin, und er sieht einfach zum Knuddeln aus.
Die Geschichte handelt von einem Jungen, der in einem alten, abbruchreifen Haus ein magisches Artefakt findet. Es handelt sich um einen Traumspiegel, mit dem er Geschöpfe aus fremden Welten in unsere Welt holen kann. Als begeisterter Rollenspieler hat er natürlich seine eigene Welt schon lange im Hinterkopf. Er holt zwei zierliche Efen herüber und dann ... einen riesigen Drachen. Mit Hilfe eines ebenfalls herbeigezauberten Magiers kann das Tier zwar vorerst gebändigt werden, aber die Katastrophe beginnt erst. Unheimliche Schattenwesen dringen in unsere Welt ein. Zugleich greift das Nichts die anderen Welten an, magische Wesen verschwinden, Städte werden entvölkert, das Gleichgewicht ist gestört ...
Eine zauberhafte Geschichte, die Lust auf mehr macht. Und es gibt ja noch eine zweiten Teil.

Heinrich Heine: Elementargeister (e)
Eine kleine, weniger bekannte Schrift Heines, in der er sich mit alten Volkssagen und den in ihnen vorkommenden Zauberweisen befasst. Sehr interessante Materialsammlung und eine Fundgrube für den Sagenforscher.

Heinrich Heine: Buch der Lieder (e)
Heines erfolgreichster Gedichtband. Enthält düstere Nachtbilder mit unglücklich Liebenden, Friedhofsgeistern und Selbstmördern, die Fresko-Sonette an Christian Sethe, die Gedichte aus der Harzreise, einfach eine ganze Menge Heine vom Feinsten. Das Buch der Lieder gehört auf jeden Reader.

Heinrich Laube: Das Junge Europa I: Die Poeten (e)
Einer der wichtigsten Romane des Jungen Deutschlands. Ich lernte die Trilogie im Jahr 1990 in der Germanisten-Bibliothek der Uni Hannover kennen. Ein sehr schöner Athenäum-Reprint in dunkelblauem Leineneinband. Frakturgedrucktes Faksimile der Ausgabe von 1834. Habe immer eine eigene Ausgabe haben wollen. Jetzt also auf dem Reader.
Fünf Freunde - Valerius, Konstantin, Hippolyth, Leopold und William - tauschen sich in ihrem Briefwechsel aus über Literatur, Liebe und Politik. Die meisten von ihnen werden dann auf Schloss "Grünschloss" Gäste eines reichen Adligen. Es entspinnen sich diverse Liebesgeschichten. Auch die Tagespolitik und Weltgeschichte machen nicht halt vor den Toren von Grünschloss, so bricht Konstantin schließlich auf, um in Paris an der Julirevolution mitzuwirken, Valerius schließt sich den polnischen Freiheitskämpfern an, um die russischen Besatzer zu vertreiben.


August

Gotthold Ephraim Lessing: Der Freigeist (Reclam)
Eine der weniger bekannten Komödien von Lessing. Noch nicht ganz so ausgefeilt wie die spätere Minna von Barnhelm. Eine klassische Liebes- und Verwechslungsgeschichte. Ein Vater hat zwei Töchter und will die fromme, sanfte mit einem frommen Mann und die etwas keckere, freisinnige mit einem "Freigeist" verheiraten. Allerdings lieben die jungen Leute gerade ihr jeweiliges Gegenteil. Der Freigeist ist zudem geradezu bösartig und hat einen furchtbaren Hass auf den Frommen, der ihm anscheinen die Geliebte wegnehmen will, und führt sich ausgesprochen unliebenswürdig und unvernünftig auf. Hochinteressantes Stück, würde ich gern mal auf der Bühne sehen.

Heinrich Laube: Das Junge Europa II: Die Krieger (e)
Der zweite Teil der Trilogie. Die Briefform wird hier zugunsten einer Romanerzählung weitgehend aufgegeben. Der Schwerpunkt liegt auf Vaerius und seinen Abenteuern im polnischen Freiheitskrieg. Interessant die Figur des jungen Juden Joel, der an der Seite der Polen mitkämpfen und endich auch ein Vaterland haben will, aber von den stolzen Polen nichts als Verachtung erntet. Das Ende des Aufstandes ist bekannt, die Polen unterliegen, die Aufständischen müssen flüchten.

Heinrich Laube: Das Junge Europa III: Die Bürger (e)
Im dritten Teil wird die Briefform wieder aufgenommen. Sehr eindrucksvoll die Aufzeichnungen des Valerius im Gefängnis und der Doppel-Selbstmord Konstantins und seiner Frau, die sich gegenseitig mit Duellpistolen erschießen. Auch die anderen ehemaligen Poeten nehmen kein gutes Ende. Auswandern nach Amerika als Alternative funktioniert nicht.
Die Trilogie ist insgesamt etwas anstrengend, zum einen durch den für heutige Leser ungewohnten Schreibstil Laubes, vor allem aber durch die zahlreichen Stimmen der Briefromane. Zu den fünf Haupthelden gesellen sich immerhin noch die jeweiligen Geliebten, die sich am Briefwechsel beteiligen und einige weitere Nebenfiguren. Der durch seine reaktionären Reden immer unfreiwilig komische und zum Außenseiter degradierte William lässt sich noch echt leicht wiedererkennen, ebenso der aufrechte und heldenhafte Valerius. Aber Leopold und Hippolyth zu unterscheiden und ihre amourösen Abenteuer von denen Konstantins zu trennen, ist schon etwas für Fortgeschrittene. Dennoch: Ein wichtiges Buch. Und mir gefällt der Schreibstil der Jungdeutschen eben.

Ludolf Wienbarg: Holland in den Jahren 1831 und 1832. 2 Bde (e)
Ein weiteres Buch der Autoren des Jungen Deutschlands. Ludolf Wienbargs Holland-Buch lernte ich in Auszügen durch den Ende der 1980er erschienenen Auswahlband "Nach Helgoland und anderswohin" kennen. Hier also nun die vollständige Ausgabe. Eine Reisebeschreibung, vielleicht auch ein Reiseführer, der mit zahlreichen holländischen Besondeheiten bekannt macht. Besonders gut getroffen eine kleine Skizze, in der nachts in einem Museum die große alten holländischen Maler wieder auferstehen und zum Schrecken des Museumswächters beginnen, ihre dort ausgestellten Gemälde zuerst auszulöschen und dann auf der neuen weißen Leinwand neu zu malen. Zum Teil ein wenig holländerfeindlich, er wirft den Bewohnern einen etwas trägen, geschäftstüchtigen Carakter vor ... Ansonsten sehr witzig, gut lesbar, vielleicht etwas altertümlich. Übrigens soll Heinrich Heine sich hier einige Anregungen für seinen Schnabelewopski geholt haben.

Ludolf Wienbarg: Soll die plattdeutsche Sprache gepflegt oder ausgerottet werden? (e)
Kleine Streitschruft Wienbargs, in dem er für die Ausrottung des Plattdeutschen kämpfte. Der Hintergrund ist ziemlich ernst. Er sah einfach, wie den Leuten, die auf ihrem Dorf nur Plattdeutsch sprachen, jeder Zugang zu höherer Bildung versagt blieb. Sie lernten zwar in der Schule lesen, bekamen dann eine hochdeutsche Fibel, konnten solche Bücher aber nicht mit ihrer Lebenswirklichkeit zusammenbringen und vergaßen, sobald sie dem schulpflichtigen Alter entwachsen waren, alles Gelernte wieder, um zurückzusinken in den Status der Ungebildeten und Analphabeten. Auch erlebte Wienbarg vor Gericht, wie einfache Leute schuldlos verurteilt wurden, einfach weil sie dem auf Hochdeutsch geführten Prozess nicht folgen konnen.
Wienbarg hatte allerdings keinen Erfolg mit seinem Bildungsprogramm. Die Schrift wurde eher als Kuriosum abgetan und belächelt, hatte aber sonst keine Folgen. Jahrzehnte darauf veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Freimund" die Kampfschrift "Die plattdeutsche Propagande (sic!) und ihre Apostel". Auch diese blieb folgenlos und fand noch weniger Beachtung als die erste.

Heinrich Heine: Die Götter im Exil (e)
Eine Lieblingsidee von Heinrich Heine war, dass die alten heidnischen Götter nach dem Sieg des Christentums nicht starben, sondern unerkannt im Untergrund weiterlebten, zum Beispiel im Exil an der deutschen Nordseeküste. Hier hat er ein paar sagenhafte Berichte zusammengetragen über Begegnungen der Menschen mit seltsamen Zeitgenosssen, die sich dann plötzlich nach dem Weggang als einstige Olympier entpuppten. Interessante Sammlung, zumal die Idee in seinen Werken ja immer wieder aufblitzt. Man denke nur an den Tannhäuser, an die Schilderung der Wilden Jagd im "Atta Troll "oder "Die Göttin Diana".

Heinrich Heine: Die Göttin Diana (e)
Neben dem "Faust" das zweite Libretto für ein Ballett aus Heines Feder. Eine Art Ergänzung zu den Göttern im Exil. Ich bin allerdings eher ein Fan von Heines Prosa, weniger seiner Bühnenwerke,

Heinrich Heine: Romanzero (e)
Die dritte große Gedichtsammlung Heines, enthält zahlreiche seiner besten Balladen. Auch geprägt von der Erfahrung der "Matratzengruft", also zum Teil sehr ernst und bitter, aber immer wieder mit dem Heineschen Spott und Trotz darin. Großartig.

Nikolas Lenau: Faust (e)
Lenaus Faust ist mein Lieblings-Faust. Oder zumindest einer von zweien, der Klinger-Faust ist auch nicht zu verachten. Ich lernte ihn Anfang der 1990er kennen, zunächst durch das Reclamheft, später fand ich im Antiquariat eine gebundene Lenau-Gesamtausgabe. Als ich 1992 eine Seminararbeit über den Faust- und Don-Juan-Stoff schrieb, die ich später zur Magisterarbeit ausweitete, war Lenaus Faust einer der wichtigsten Bausteine dazu.
Das Werk ist gattungsmäßig nicht ganz leicht einzuordnen. Größtenteils kommt es als Epos daher, es hat aber auch lyrische und dramatische Kapitel. Es ist einer der musikalischsten "Fäuste", die ich je gelesen habe, ist sprachlich und rhythmisch sehr eingängig und ist einer deutlich anti-goetischen Faust-Tradition verpflichtet. Lenau fand, es sei geradezu eine Ehrensache, dass Mephisto den Faust am Ende bekommt und seine Seele mit in die Hölle nimmt. Nix mit Erlösung hintenrum also.

Heinrich Heine: Die Harzreise (e)
Heinrich Heine: Die Nordsee, dritte Abteilung (e)
Heinrich Heine: Ideen. Das Buch le Grand (e)
Heinrich Heine: Reise von München nach Genua (e)
Heinrich Heine: Die Bäder von Lucca (e)

Heinrich Heine: Die Stadt Lucca (e)
Ein eBook-Sammelband der Heineschen Reisebilder. Die meisten hatte ich bereits 1987 in der Reclam-Version kennen gelernt. Den Rest durch meine Manesse-Dünndruck-Ausgabe, die ich wohl 1988 oder 89 von meinen Eltern zu Weihnachten bekam. Es sind einige meiner absoluten Lieblingsbücher dabei, Vor allem Ideen. Das Buch le Grand mit den unnachahmlichen, genialen zwölften Kapitel, das ich in jedem meiner Vorträge über Literaturzensur zitiere. Oder die beiden Lucca-Bände, die ich in einem Reclamheft vereingt besitze. Ein Buch, mit dem ich mich in meiner Schule unsterblich blamierte, als ich es einer Klassenkameradin als Superbuch empfahl. Kurz darauf beschwerte sie sich bei mir, es sei stinklangweilig gewesen. Banausin. Der herrliche Platen-Streit in den Bädern, Gumpelinos verunglückte Liebschaft, Francescas Spiel mit den Schuhen - langweilig?

Paul Celan: Lichtzwang
Gedichte, bei denen man spürt, dass "Gedicht" von "dicht" kommt. Extrem verdichtete sprachliche Äußerungen, die dem Leser Arbeit machen, da es sich auch der Dichter nicht leicht gemacht hat. Sprachlich herausragend, beim Lesen etwas anstrengend. Nichts für zwischendurch.

Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944
Wirklich ein beeindruckendes Buch. Mit dieser Gebrauchsanweisung für Deutschland in der Tasche kamen die britischen Soldaten also hierher. Ein sehr ziviles und zivilisiertes Buch. Man erfährt auf engstem Raum etwas zum Nationalsozialismus und zu den Ursachen des Hochkommens dieses Herrn Hitler, aber auch viel über Deutschland als Geschichts- und Kulturraum, über deutsche Speisen, Literatur, Psychologie. Es gibt sehr wenig Gebote und Verbote für die Soldaten darin. Eigentlich nur die Aufforderung, distanziert zu bleiben, sich nicht in Diskussionen etwa über die Russen verwickeln zu lassen, nicht alles glauben, was die Deutschen über ihre vermeintlichen Tätigkeiten im Widerstand erzählen, bei Bagatelldiebstählen gelassen zu reagieren und ansonsten die Militärbehörden zu rufen. Fair bleiben. Und, ganz wichtig: Keine Verbrüderung, das Verbot, mit deutschen Frauen Sex zu haben oder sie gar zu heiraten. Zum Teil, weil die Frauen zu rund 40 Prozent mit Geschlechtskrankheiten infiziert seien, wie es unter Berufung auf einen deutschen Arzt heißt. Zum Teil aber auch, weil die Ernährungssituation im Nachkriegsdeutschland einfach derart schlecht ist, dass eine deutsche Frau alles tun würde, um einen britischen Ernährer und die britische Staatsangeörigkeit zu bekommen. Die Soldaten müssten darauf gefasst sein, dass sich deutsche Frauen vor ihnen "erniedrigen" würden. Eine so zurückhaltende Umschreibung für das Wort Prostitution habe ich noch nie gefunden.
Es wurde in Rezensionen schon viel gesagt über die Menschlichkeit und Humanität gegenüber den besiegten Deutschen, die aus diesem Buch spricht. Ja, das stimmt, das ist beeindruckend. Aber wisst ihr, was mich noch mehr beeindruckt hat? Der Tonfall, in dem hier zu den eigenen Soldaten gesprochen wird. Da ist nichts vom Kommandogebrüll und Kasernenhofton, ja nicht einmal etwas von beamtenhaftem Dienstanweisungsstil zu finden. Es ist eine in freundlichen Ton vorgetragene Handreichung zum Umgang mit Deutschland und den Deutschen, sachlich und respektvoll und überaus wertschätzend vorgetragen. Es steht zu keiner Zeit infrage, wer der Soldat und wer der vorgesetzte Offizier ist, und doch entfällt hier alles, was irgendwie an Hierarchie- und Silberrückengehabe erinnern könnte. Einfach nur ein Gespräch auf Augenhöhe mit Menschen und nicht mit Kanonenfutter. So weit sind wir in deutschen Kasernen immer noch nicht. Und selbst dass ein Leiterling der untersten Hierarchiebene in einem zivilen deutschen Unternehmen so wertschätzend mt seinen Mitarbeitern reden würde ---- utopisch.
Ein sehr beeindruckendes Buch.


Hörbücher/Hörspiele

Cornelia Funke: Herr der Diebe
Schöne Jugendfantasy im venezianischem Ambiente. Die Geschichte einer Kinderbande, die in einem stillgelegten Kino wohnt und von dem "Herrn der Diebe" ernährt wird. Der ist allerdings auch nur ein Jugendlicher und nicht der große Meisterdieb, für den er sich ausgibt. Etwas irritierend fand ich allerdings, dass das phantastische Element recht spät auftaucht, also etwa zu Anfang des zweiten Drittels der Geschichte. Da hatte man sich als Leser bzw. Hörer längst daran gewöhnt, dass man es mit einer "realistischen" Erzählung zu tun hat. Ansonsten: Spannend, fesselnd, poetisch und mit großem Können erzählt, hat mir gefallen.


September

Heinrich Heine: Englische Fragmente (e)
Heinrich Heine: Briefe aus Berlin (e)
Heinrich Heine: Über Polen (e)

Der Abschluss des Sammel-eBooks mit Reisebildern, das ich im August begonnen habe. Ein paar kürzere Texte, nicht unbedingt seine größten, aber ganz interessant und lesenswert.

Griechische Lyrik, übersetzt von Eduard Mörike (e)
Eine Auswahl klassischer griechischer Lyriker, keiner der Autoren ist mit seinem Gesamtwerk bzw. mit dem gesamten überlieferten Werk vertreten, sondern Mörike hat hier einen bunte Strauß zusammengestellt, von jedem ein bisschen. Besonders viel Vergnügen scheinen ihm Anakreon und die Anakreontiker bereitet zu haben, hier spürt man eine gewisse Wesensverwandtschaft. Gut zu lesen. Als Übersetzer konnte Mörike durchaus etwas.

Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim (e)
Die deutsche Antwort auf Richardsons "Pamela", verfasst von einer beeindruckenden Frau, die nicht nur eine der ersten Frauenzeitschriften gründete, sondern auch Geliebte Wielands und Großmutter Bettina von Arnims und Clemens Brentanos war. Ich habe das Buch 1986 oder 87 in der Reclamfassung gelesen und wollte es mir seither immer schon mal wieder vornehmen. Aber der Umfang des Wälzers schreckte mich etwas ab. Eine unbegründete Sorge, in der eBook-Version liest es sich weg wie nix.
Worum geht es? Ein junges Mädchen, Tochter einer Adligen und eines bürgerlichen edlen Menschen wird fernab des Großstadt- und Hofslärms zu tugendhaftem Leben erzogen. Nach dem Tode ihrer Eltern allerdings kommt das anfangs noch recht naive Fräulein zur Familie ihrer Eltern und wird dort in adlige aber moralisch minderwertige Kreise eingeführt, soll gar zur Mätresse eines Fürsten gemacht werden. Dagegen weiß sich das tugendhafte Fräulein zur Wehr zu setzen. Etwas anderes ist es, als sie die Besitzgier eines englischen Lords erregt. Der Mann weiß sie in der Gesellschaft als absolut verkommen hinzustellen und alle ihre menschlichen Bindungen zu kappen und schafft es schließlich, dass sie einwilligt, ihn zu heiraten und mit ihm zu fliehen. Der Geistliche, der die geheime Trauung leitet, ist allerdings nur ein verkleideter Ganove, irgendwo in Irland lässt der Lord sie dann schließlich sitzen bzw. lässt sie von einer Tagelöhnerfamilie in erbärmlichsten Umständen beherbergen und bewachen. Eine echte Bewährungsprobe für das tugendhafte Fräulein, das die Grundsätze ihrer Eltern niemals verleugnet hat ...
Etwas kitschig, ganz viel großes Gefühl und Herzschmerz, ziemlich viel Gerede über Tugend, aber doch ein recht spannendes Buch und ein wichtiger Meilenstein der deutschen Literatur. Sollte man kennen.

Simone Stölzel: Unendliche Weiten. Lösungsorientiert denken mit Captain Kirk, Mr. Spock und Dr. McCoy
Eine Hommage an die Enterprise mit den Mitteln eines Management-Ratgebers. Das Ganze ist amüsant zu lesen, allerdings sollte man jetzt auch nicht zu tiefgründige Ratschläge erwarten. Es gibt halt gewisse Lebensweisheiten wie: Ruhe bewahren und die Situation logisch analysieren. Oder: Wenn dich Logik nicht weiter bringt, versuchs mal mit Phantasie und irrationalem Verhalten. Immer am Leitfaden einzelner Enterprise-Episoden, die dann nacherzählt werden und an denen dann ein Stück Lebenserfahrung festgemacht wird. Die Ratschläge sind nicht neu, die Kombination mit Enterprise-Wissenschaft schon. Es ist also vor allem für den Startrek-Fan interessant, nicht unbedingt für jemandem, der die Strategie seines Wirtschaftsunternehmens neu ausrichten will. Das Buch ist sehr amüsant zu lesen, bringt einige interessante Infos zum Hintergrund der Spielfilme und Serienfolgen und ist eindeutig von einem Fan geschrieben.

Theodor Mundt: Charlotte Stieglitz. Ein Denkmal (e)
Charlotte Stieglitz war Gattin und Muse des erfolglosen Orientdichters Heinrich Sieglitz. Eine Frau, die ihre Musenfunktion sehr ernst nahm. Als ihr Mann in eine schwere Schaffenskrise geriet und seine Schreibblockade sich nicht mehr anders aufheben ließ, erstach Charlotte sich, um ihn zu einer großen Tragödie zu inspirieren. Hat allerdings nicht funktioniert, der Mann hat danach auch nicht mehr viel geleist und ist heute völlig zu Recht vergessen. Theodor Mundt jedenfalls, mein Leib- und Magendichter, schrieb über seine verstorbene Freundin Charlotte dieses Buch, ein Mittelding zwischen Biographie und Sammlung von Briefen und Tagebucheinträgen. Eine tragische Geschichte eben ... Ich habe das Buch 1990 im Lesesaal der niedersächsischen Landesbibliothek gelesen. Mit nach Hause nehmen oder fotokopieren durfte ich es nicht, da es bereits älter als 100 Jahre war. Wollte mir schon immer meine eigene Ausgabe anschaffen, was ich hiermit getan habe.

Hörbücher/Hörspiele

Hausschatz deutscher Liebesgeschichten
4 CDs mit Liebesgeschichten aus 5 (?) Jahrhunderten. Goethe, Schiller, Tucholsky, Schnabel, Schnitzler, Heine, Kafka, Novalis, Thoma, Rilke ... Von unterschiedlichen Sprechern vorgetragen. War ein netter Begleiter auf zwei langen Autofahrten.

Jahresrückblick I: Januar bis März 2014
Jahresrückblick II: April bis Juni 2014
Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2014


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick II - April bis Juni 2014

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2014 · 375 Aufrufe
Jahresrückblick
Das zweite Quartal 2014 brachte für mich zunächst einmal die Neu-Veröffentlichung meines Romans "Darthula" mit sich (Verlag Saphir im Stahl, Cover von Miguel Worms). Außerdem habe ich mich erstmals unter die Selfpublisher gewagt und bei Neobooks zehn eBooks herausgebracht. Den Autoren unter euch lege ich vor allem meinen Ratgeber "Pressearbeit für Autoren" ans Herz. Wer's damit nicht in die Lokalzeitung schafft, ist ein Wunderwesen. ;-)
Meine Lektüre dieses Quartals war geprägt von Beutestücken, die ich von der Homburger und Leipziger Buchmesse und vom MarburgCon mitgebracht habe, sowie von Selfpublisher-Ratgebern und - erneut - eBook-Klassikerausgaben. Vielleicht ist ja das eine oder andere Brauchbare dabei für euch:

(Legende: "(e)" bedeutet eBook-Ausgabe; hinter Links verbergen sich ausführliche Rezensionen innerhalb dieses Blogs; blau markiert sind besondere Bücher, die mehr als eine 1+ mit Sternchen verdienen, irgendwie anders sind und mich bezaubert haben; rot sind Scheißbücher, vor denen ich ausdrücklich warne)

April

Jonathan Philippi: Mary Island 1 - Das Geheimnis des dritten Hügels

Andrea Tillmanns: Der kleine Troll kehrt heim

Finn Soeborg: Zwei Wunderkinder (Pelikan)
Ein niedliches kleines Pelikan-Buch, vielleicht anderthalbmal so groß wie die klassischen Tramps, aber immer noch gut für die Hosentasche. Enthält witzige Kurzgeschichten, zum Teil aus dem Alltag einer Familie und eines Schriftstellers. Die Titelgeschichte etwa erzählt von einem Vater, der mit einem Säugling unterwegs ist, einem anderen Babyträger begegnet und nun am Herumstrunzen ist, was sein Kleiner alles schon kann. Die beiden Erwachsenen überbieten sich in ihren Erzählungen immer wieder gegenseitig und erzählen von den intellektuellen Höchstleistungen ihrer Kleinen, die offenbar bereits Unireife erlangt haben, während die Kinder in Wirklichkeit gerade mal erste AA-Laute von sich geben ... Das Buch hat mich vor 30 Jahren mal in einen wunderschönen Dänemark-Urlaub begleitet und ist mir dann verloren gegangen. Jetzt habe ich es im Antiquariat wiedergefunden, und es war immer noch schön.

Evangelista Sie & Nadine Muriel (Hrsg.): Goldene Märchen aus dem Schloss

Jonathan Philippi: Mary Island 2 - Das Geheimnis des goldenen Medaillons

Nancy Salchow: Von einer, die auszog, ein eBook zu schreiben (e)
Ein weiteres Ratgeber-eBook, das ich mir anschaffte, als ich unter die Selfpublisher ging. Nancy Salchow, gefeierte Bestseller-Autorin bei Neobooks, schreibt einen sehr zurückhaltend formulierten und bescheidenen Ratgeber, erzählt die Geschichte ihrer eBooks und ihres Erfolgs. Sehr sympathisch. Vor allem hilfreich sind die Tipps für "Aktionen", mit denen sie ihre eBooks immer wieder ins Gedächtnis der Leser brachte und die Verkäufe ankurbelte. Der vermutlich beste und ehrlichste Ratgeber, den ich dieses Jahr zum Thema Selfpublishing gelesen habe.

Kathrin Hamann: Deine ersten 1000 Euro: Schreibe dein erstes Kindle-Buch, das dir regelmäßig Geld einbringt (e)
Ziemlich reißerischer Titel, Und: Nein, natürlich wird man nicht geich 1000 Ero bekommen, wenn man dieses eBook liest. Immerhin, der Verfasserin wird es etwas eingebracht haben. Die Tipps sind ganz in Ordnung, ich habe was draus gelernt.

Rübezahl. Sagen aus dem Riesengebirge (Saphir im Stahl)

Jean-Jacques Rousseau: Pygmalion. Ein Monodrama
Kurzdrama, mit dem ich mich anlässlich meiner Beschäftigung mit dem Pygmalion-Mythos auseinandergesetzt habe. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Psyche der neu zum Leben erweckten Marmorfrau. Ganz interessant und lesbar.

Sabine Kosubek: Unter dem Delphinmond

Andrea Tillmanns: Mathilda tanzt

Erik Schreiber: Tatort: Weltraum
Der Band enthält zehn Science-Fiction-Kurzgeschichten, manches sind kleine Detektivgeschichten aus der Zukunft, manchmal geht es um Betrug und Diebstahl, fast immer um die zwischenmenschlichen Abgründe, die auch in den kommenden Jahrtausenden nicht eingeebnet sein werden. Erik Schreiber versteht es, seine Geschichten kurz und pointiert zu halten. Oft genügen ihm nur wenige Seiten für eine Story, knapp, ohne überflüssigen Schwulst und auf den Punkt getroffen. So hat diese Sammlung trotz ihres geringe Umfanges einiges an Gehalt zu bieten. Es sind kleine Kabinettstückchen und Fingerübungen, die den Leser schon mit wenigen Sätzen in die Situation hineinziehen. Gut geeignet als Lektüre zwischendurch für den Leser, der schon genug dicke Romane gelesen hat.

Karl May: Old Surehand I (e)
Die Geschichte von Old Surehand und Apanatschka, vom "König der Cowboys" Old Wabble, von der furchtlosen Jägerin Kolma Puschi und der wahnsinnigen Indianerin Tibo-wete-Elen ist eine meiner Lieblingsgeschichten von Karl May. Ich besitze die Tosa-Ausgabe in zwei Bänden und habe mich zunächst etwas gewundert, wieso es denn nun drei Bände gab. Nun gut, über Teil II wird weiter unten noch einiges zu sagen sein. Teil I gewohnt spannend mit Befreiung des Gefangenen Old Surehand, einem Wiedersehen mit Bloody Fox, mit Pferdebändigen, Feinde-Beschleichen und dem ganzen Drum und Dran. Ein Klassiker eben.

Matthias Jahn: Top Positionierung + 1000 Euro monatlich passives Einkommen als Sachbuchautor (e)
Noch so ein großsprecherischer Titel. Ich sollte vielleicht an dieser Stelle schon mal vorsorglich hinschreiben: "Liebes Finanzamt, glaubt den Leuten nicht. Ich habe zwar inzwischen zehn wirklich gute eBooks in Eigenregie herausgebracht, aber 1000 Euro monatlich bringen sie mir noch nicht ein. Sollte es eines Tages dazu kommen, werde ich selbstverständlich mit Freuden einen angemessenen Teil davon an Sie überweisen." Zusammenfassend kann man sagen: Dieses eBook schadet sicher nichts, aber man sollte auch nicht zu viel erwarten.

Georg Weerth: Das Domfest von 1848

Karl May: Old Surehand II (e)
Der ominöse zweite Teil der Old-Surehand-Trilogie. Kein Wunder, dass er in vielen OS-Ausgaben weggelassen wird. Die Geschichte besteht einfach nur darin, dass Old Shatterhand nach Jefferson City kommt und dort seinen Freund Old Surehand besuchen oder Erkundigungen über seinen aktuellen Aufenthaltsort einholen will. Er kehrt im Gasthaus von Mutter Thick ein, hat dort einen Zusammenstoß mit Rowdies (diese Episode findet sich auch als Beginn meines OS II) und dann beginnt ein klassischer Kneipen-Abend mit Geschichten-Erzählen. Sprich: Am Nebentisch sitzen einige Westmänner und andere Leute zusammen, und beinahe jeder von ihnen hat eine Geschichte über seine Abenteuer zu erzählen. Hier hat Karl May offenbar Zeilen schinden müssen und sich einen dritten Band erschlichen, indem er ein gutes Dutzend seiner kürzeren Erzählungen, die irgendwo in Zeitschriften erschienen waren, recht lieblos aneinander geklebt und in die Geschichte einmontiert hat. Die Geschichten kannte ich alle, hatte sie in diversen Sammel- und Einzelbänden schon mal gelesen, unter anderem war der Roman "Kapitän Kaiman" darunter, nur hatte ich sie bislang nicht mit Old Surehand in Verbindung gebracht. Nun ja, auch hier ein dickes Lob an den späteren Lektor, der den Mittelteil einfach herausstrich, die einzelnen Storys auslagerte und Old Surehand zu dem straff komponierten und spannenden Zweiteiler machte, der er nun ist.

Joachim Graf: 42 Methoden, garantiert nicht in die Medien zu kommen (e)
Der Titel ist natürlich ironisch gemeint. Erinnert ein wenig an Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglücklichsein". Stellenweise habe ich wirklich schallend gelacht. Ja, solche Riesenbolzen bekommt man als Zeitungsredakteur wirklich manchmal auf den Schreibtisch. Kauft dieses Buch und unterlasst die beschriebenen Fehler, macht einfach das Gegenteil von dem dort Geratenen, dann klappt's auch mit der Redakteurin. ;-)

Hilke-Gesa Bußmann und Matthias Matting: Self-Publishing in Deutschland. Eine umfassende Studie (e)
Ergebnisse einer Umfrage unter Selfpublishern. Sehr interessant und übersichtlich gestaltet. Der erste Teil ist wirklich gut. Der zweite Teil etwas ermüdend, hier werden alle freien Antworten der Befragten wiedergegeben, die sich naturgemäß wiederholen. Aber, wie gesagt, der Statistik-Teil ist beeindruckend - und das Buch kostenlos.


Hörbücher/Hörspiele

Malcolm Max: Im Höllensumpf der Kannibalen
Malcolm Max und Charisma sind auf dem Weg zum Stammsitz der Familie des Titelhelden. Dabei müssen sie einen gruseligen Sumpf durchqueren, es wird Abend, es wird Nacht, ein Rad der Kutsche bricht, der Kutscher eilt davon, um Hilfe zu holen, und kommt um ... Für Malcolm und Charisma ist dies nur der Auftakt des Abenteuers, in dem eine uralte Sumpfhexe, ihr missgestalteter Sohn und eine vorzeitliche unheilige Kultstätte die Hauptrollen spielen.
Erneut ein spannendes, stimmungsvolles Abenteuer um den Dämonenjäger, das einfach Spaß macht. Ein dickes Kompliment an den Verlag Romantruhe, der dem Hörspiel als kleines großes Extra ein weiteres Abenteuer Malcolms mit auf den Weg gab. Einfach toll.

Malcolm Max: Das Ultimatum
Ein Solo-Abenteuer von Malcolm Max, das als Extra der CD "Im Höllensumpf der Kannibalen" beilag. Diesmal keine Fassung mit mehreren Sprechern, sondern eine reine Ich-Erzählung, in der Malcolm eines seiner Abenteuer zum Besten gibt. Malcolm wird zu einem alten Mann gerufen, der ein unglaublich langes Leben in Reichtum hinter sich hat. Ermöglicht hatte ihm die ein Pakt mit den Mächten der Finsternis. Doch nun ist die Zeit abgelaufen, um Mitternacht wird dem Mann die Rechnung präsentiert, es scheint kein Entkommen zu geben. Auch Malcolm weiß keinen Ausweg. Allerdings hat der Alte einen fiesen Plan - und Malcolm ist das Opfer.
Fast noch besser und intensiver als die Hörspiel-Geschichten. Eine gelungene, zielstrebige und temporeiche Gruselstory mit klassischen Motiven und gut vorbereiteter Pointe. Hat mir sehr gut gefallen.


Mai

Valerian & Veronique: Im Bann von Ultralum
Valerian & Veronique: Die Sternenwaise
Valerian & Veronique: In unsicheren Zeiten

Comic-Klassiker zum Träumen. Überwältigende Bilderwelten, neu aufgelegt in einer edlen Hardcover-Ausgabe, lesenswertes Vorwort, einfach zum Verlieben.

Karl May: Old Surehand III (e)
Der Abschlussband der Old-Surehand-Trilogie. Mit Familienzusammenführung und dem christlich-versöhnlichen Ende Old Wabbles. Wer's nicht kennt, hat was verpasst.

Adolf Dirr: Kaukasische Märchen (e)
Sehr schöner rappelvoller Märchenband. Bei vielen Motiven stellt sich ein "Kenne ich"-Gefühl ein, was daran liegt, dass hier viele Kulturen zusammentrafen. Man findet hier traditonelle europäische Märchenmotive und Orientalisches, Erinnerungen an Homer, Kalevala, Kalewipoeg und 1001 Nacht. Ich habe es mir vor allem angeschafft, weil ich mich für den Sagenzyklus über die Narten interessiere. Ebenfalls interessant: Die Geschichten um den kaukasischen Odysseus oder Prometheus. Sehr gehaltreich und kostenlos, nichts zu bemängeln.

Asbjörnsen/Moe: Norwegische Volksmärchen (e)
Asbjörnsen und Moe waren für Norwegen das, was die Grimms im deutschen Sprachraum waren: Sammler und Herausgeber norwegischer Volksmärchen und Bewahrer einer alten Kultur des Erzählens. Ich war sieben Jahre, als mir in einem Norwegen-Urlaub in Loen am Nordfjord meine erste Märchensammlung der beiden in die Hände fiel. Ein schmales rotes KiInderbuch mit drei Ziegenböcken drauf. Jetzt also fand ich die vollständige Ausgabe, und sie landete auf meinem Reader. Sehr schöne, vor allem humorvolle Geschichten, zum Teil ähneln sie ihren deutschen Verwandten. Man liest etwas über den Aschenhans, unseren Dummling, über Ase das Gänsemädchen oder über eine norwegische Frau Holle. Lesenwert.

Mia Salberg: Gegen die Gezeiten

Karl May: Satan und Ischariot I (e)
Karl May: Satan und Ischariot II (e)
Karl May: Satan und Ischariot III (e)

In meiner Buchausgabe heißen die Bände "Satan und Ischariot", "Die Felsenburg" und "Krüger Bei". Es geht um die Schurkenstreiche der Brüder Melton, um die tapferen Mimbrenjo-Knaben Yuma-Shetar und Yuma-Tsil, ein Bergwerk, eine Erbschaft, Verfolgungsjagden. Das Interessante ist, dass sich das Abenteuer über mehrere Kontinente erstreckt, sodass wir den edlen Apachenhäuptling Winnetou mal ausnahmsweise nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland und im Orient erleben dürfen. Er hält sich dort ganz gut.

Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt
Roman, der schon seit Jahren auf meiner To-do-Liste steht. Eine alte Frau erfährt, dass sie bald sterben muss, und beginnt mit Aufzeichnungen für ihre Enkelin. Sie versucht darin auch zu analysieren, warum in dieser Familie so viel schief gegangen ist und wie das Vertrauen zerstört wurde. Sehr lesbar. Bissel kitschig, aber nicht schlecht.

Hörbücher/Hörspiele

Malcolm Max: Totengeflüster
Malcolm Max und die Halbvampirin Charisma sind auf der Suche nach einem geheimnisvollen Informanten, der sich per Geisterstimme in einer Vison Charismas gemeldet hat. Auf dem Stammschloss der Familie Malcolms werde es weitere Auskünfte geben, hieß es. Nun haben Malcolm und Charisma das Schloss erreicht, in dem mehr als ein einzelner Geist zu spuken scheint. Für Malcolm ist es eine Reise in die Vergangenheit: Hier musste er als Kind miterleben, wie die schwarzen Engel seine Familie umbrachten. Erneut ein spannendes, sehr stimmungsvolles Hörspiel von Peter Mennigen. Klassisch-trashig, humorvoll, gruselig und ausgesprochen großzügig vom Verlag gestaltet, der als Beigabe die Extra-CD "Die Kammer", ebenfalls ein Abenteuer mit Malcolm Max, hinzufügte. Dazu im nächsten Monat mehr. Auf jeden Fall empfehlenswert.



Juni


Thorgal 34: Kah-Aniel


Andrea Tillmanns: Mörderische Saitensprünge

Karl May: Babel und Bibel (e)
Drama aus der Feder Karl Mays, im orienalischen Gewand. Abu Kital, der Gewaltmensch, hat seine Frau und seinen Sohn verstoßen und regiert sein Volk mit eiserner Hand. Aber das gibt es noch die Bibel und die gute Mahra Durimeh, die im Hintergrund die Fäden zieht. Das Ding war auf der Bühne ein ziemlicher Flop, verständlicherweise, es ist nicht unbedingt empfehlenswert, aber für Fans von "Ardistan und Dschinnistan" und "Winnetou IV" ganz interessant als Hintergrund.

Kerstin Lange: Grasträume

Karl May: Am Stillen Ozean (e)
Eine Reihe von Abenteuern unter anderem aus Tahiti und China. Mit dabei der heldenhafte Kapitän Frick Turnerstick mit seinem schauderhaften Chinesisch. Der Ich-Erzähler kämpft unter anderem geen die Flusspiraten des Kiang-Lu, bringt Verbrecher zur Strecke und mehrere Liebespaare zusammen und trifft glückliche Schiffbrüchige. Interessant die Geschichte "Der Ehri", eine Begegnung mit einem jungen Christen von der Insel Eimeo auf der Flucht, eine Episode, die wunderschön geeignet ist, die Herkunft von Karl Mays sagenhaften Fremdsprachenkenntnissen zu illustrieren. Der Mann besaß nämlich ein Buch, in dem für jede damals bekannte Sprache die Zahlen eins bis zehn und das Vaterunser verzeichnet waren, und ließ, wo immer es möglich war, die Leute in seinen Romanen zählen (man denke an die zahlreichen "Schussproben" mit dem Henrystutzen bei diversen indianischen oder orientalischen Völkern) und beten. So auch hier: Der Flüchtige schreitet die Bucht ab, um den Abstand zwischen sich und den Verfolgern zu messen, und fällt dann auf die Knie, um Gott für seine Rettung zu danken ...

Selja Ahava: Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm
Das vermutlich schönste Buch, das 2014 erschienen ist. Die berührende Geschichte einer Frau, die an Demenz erkrankt. Nach und nach verwirren sich die Gedanken. Sind die Begegnungen im Schnee real oder nicht? Tatsächlich wahr ist die im Titel angesprochene Geschichte vom Wal, der sich in die Themse verirrte. Aber es wirkt im Zusammenhang mit den unwirklichen und überwirklichen Erzählungen der Heldin wie eine neue Verwirrung. Das Ganze in einer so zauberhaften Sprache, beinahe lyrisch und märchenhaft, dann wieder harte, erbarmungslose Realität. Ein trauriges Thema und doch voller kleiner Edelsteine und Magie. Vom Verlag auch sehr schön gestaltet, die Leute von mare machen einfach besondere Bücher. Lest es unbedingt.


Kalosh Çeliku: Das boheme Mädchen gibt meinen Büchern die Brust


Reimer Boy Eilers: Helgoland, Goethe und das Glück (e)
Gekauft habe ich mir das eBook wegen des Wortes "Helgoland" im Titel. Allerdings handelt es sich nur zu einem kleinen, zu einem verschwindend geringen Teil um ein Helgoland-Buch. Es ist ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Texte, zum Teil autobiographisch, zum Teil literarisch, zum Teil journalistisch, zum Großteil aus allen Gegenden Deutschlands und sonstwoher. Sehr interessant die Geschichte von der Großwindanlage auf Helgoland, die eine geschäftstüchtige Firma den Insulanern aufschwatzte und die beim ersten Herbststurm umstürzte. Mir persönlich gefiel die Geschichte vom reichen Touristen, der auf Helgoland ein Boot mietete und sich zum Haifischangeln hinausfahren ließ, am besten. Ansonsten sehr viel Schlacke und wenig Goldkörner, ein Sammelsurium halt.

Hartgekocht (Elysion)
Erotische Geschichten rund ums Osterfest. Von sieben Autorinnen und einem Autor (Hahn im Korbe ist Thomas Backus), die sich in der erotischen Literatur bereits einen Namen gemacht haben und ausnahmslos ihr Handwerk verstehen. Alle Geschichten sind gut erzählt, es sind keine Ausfälle zu verzeichnen. Einzig eine etwas bessere Abstimmung untereinander wäre zu wünschen gewesen. Dass in insgesamt drei der acht Geschichten Hoden wie Ostereier angemalt werden, ist einfach zu viel.

Fabienne Siegmund: Das Zylinderkabinett (e)
Bezaubernde Erzählung, inspiriert von den "Magiern von Montparnasse" (Oliver Plaschka). Im Zylinderkabinett, der geheimnisvollen Welt, aus der Zauberer ihre Kaninchen holen, wenn sie sie aus dem Hut ziehen, taucht plötzlich eine Spieldosen-Figur auf. Eine kleine Tänzerin, die nur nach Hause will. Ein Kaninchen nimmt die Aufgabe auf sich, mit ihr das Zylinderkabinett zu durchstreifen, um den Heimweg zu finden. Zauberhaft geschrieben im unverwechselbaren Fabienne-Siegmund-Stil. Einfach schön.

Gerdt von Bassewitz: Peterchens Mondfahrt
Kinderbuch-Klassiker. Ich habe mir meine beiden Ausgaben nochmal vorgenommen, weil ich den Text für eine Neuausgabe im Verlag Saphir-im-Stahl aufbereiten musste. Ein Buch, das beim Leise-Lesen etwas anstrengend ist und seinen vollen Zauber ernst entfaltet, wenn man den Kindern auf der Bettkante daraus vorliest und sein ganzes schauspielerisches Können entfaltet. Dann wird das Mondabenteuer zu einem Heidenspaß für Groß und Klein. Seid gespannt auf die im nächsten Jahr erscheinende Neuausgabe mit einem phantastischen Cover von Miguel Worms.

Werner Koch: Altes Kloster
Ich bin, seit ich die See-Trilogie gelesen habe, ein großer Fan von Werner Koch. Leider gibt es seine Werke nur noch antiquarisch. Falls euch dieses "Alte Kloster" irgendwo in die Hände fallen sollte, greift zu, es ist großartig. Der Handlungsort, als altes Kloster bezeichnet, ist irgendetwas zwischen Gefängnis, Irrenanstalt und kafkaeskem Behörden-Zwischenraum. Es sind kaum noch Insassen da, zuletzt nur noch der Ich-Erzähler, der sich hier über seine Vergangenheit (Nationalsozialismus) und sein Verhältnis zur Kirche (Verfasser eines Paulus-Buches) klar werden soll. Immer wieder erhält er Besuch von seiner toten Mutter. Seine Mit-Insassin lädt ständig aufs Neue zu ihrer Beerdigung ein, ein weiterer Bewohner versucht dauernd, sich umzubringen, und schmuggelt Alkohol ein. Jeden Tag muss der gleiche Fragebogen ausgefüllt werden, die Antworten sind jedesmal neu und sehr tiefschürfend. Ein ausgesprochen gedankenreiches Buch, sehr anregend und horizonterweiternd. Es hinterlässt das Gefühl, endlich mal wieder etwas Besonderes gelesen zu haben. Tiefgründig und doch federleicht. Beeindruckend ohne zu erdrücken. Lest mehr Werner Koch.


Guido Fuchs (Hrsg.): Onofrius Meyenrose: "Ein' schöne Stadt auf schönem Grund." Ein Gang durch Hildesheim im Jahr 1575


Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther (e)
Und noch ein Klassiker. Goethes Werther lernte ich in der zwölften Klasse kennen. Herzlichen Dank an Herrn Siedler, der uns das Werk so gut und verständlich aufgedröselt hat. Jetzt also die Wieder-Lektüre auf dem eReader. Ein Wiedersehen mit den Schlüsselszenen - Lotte beim Brotschneiden, das Gewitter ... Ich sage nur: "Kloppstock!" ;-) War schon ziemlich gut.


Hörbücher/Hörspiele

Malcolm Max: Die Kammer
Hörbuch als Beigabe zum Hörspiel "Totengeflüster". Im Gegensatz zur Haupt-CD hier keine Inszenierung mit diversen Schauspielern, sondern die reine Lesung der vom Ich-Erzähler Malcolm Max dargebotenen Geschichte. Offenbar ein Abenteuer aus der Zeit, als Charisma, die heißblütige Halbvampirin noch nicht an der Seite des Helden wandelte. Malcolm Max wird zu einer Baustelle gerufen, auf der es spuken soll. Tief unter der Erde stießen Bauarbeiter auf eine Kammer, in der sich ein geheimnisvolles Portal befindet. Ein Blutstropfen öffnet den Zugang zu einer anderen Welt, und Malcolm sieht sich Kreaturen gegenüber, die seinen schlimmsten Abträumen entsprungen zu sein scheinen. Dann trifft er den Schöpfer des Portals und der Welt, einen Menschen aus Fleisch und Blut, der sich strikt weigert, die Tür erneut zu öffnen. Seine Furcht: Die Monster könnten auch auf die heimatliche Menschenwelt übergreifen. Malcolm will aber zurück nach Hause ...
Ein sehr spannendes, in sich geschlossenes Abenteuer, zielstrebig und pointiert erzählt. Fast noch schöner als die Haupt-CD. Hat mir sehr gut gefallen. Vor allem: Wo bekommt man das schon, dass man ein Hörspiel kauft und als Dreingabe solch ein hochwertiges Extra dazubekommt? Weiter so, Romantruhe.


Zu Teil I: Jahresrückblick Januar bis März 2014
Zu Teil III: Jahresrückblick Juli bis September 2014
Zu Teil IV: Jahresrückblick Oktober bis Dezember 2014


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick I - Januar bis März 2014

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 27 December 2014 · 416 Aufrufe
Jahresrückblick
Das alte Jahr neigt sich zum Ende. Zeit für einen kleinen literarischen Rückblick. Vor allem mein neuer elektronischer Mitbewohner hat im Lesejahr 2014 tüchtig zugeschlagen und mir viele eBook-Erfahrungen beschert. Ich habe ihn vorwiegend genutzt, um kostenlose, gemeinfreie Klassiker bei Amazon herunterzuladen. Die meisten kannte ich schon in der Printform - ich bin ja ein großer "Wieder-Leser" - und wollte sie nun zum Ständig-bei -mir-Tragen auch in der eVersion haben. Das hat mir einige sehr interessante Leseerlebnisse verschafft.
Hier also meine Lesefrüchte aus dem ersten Quartal 2014. (Das "e" hinter einem Buchtitel steht für "eBook-Ausgabe", hinter Links verbergen sich ausführlichere Rezensionen innerhalb dieses Blogs.) Vielleicht ist ja etwas dabei für euch:

Karl May: Winnetou IV (e)
Mein altes Tosa-Buch ist schon ziemlich zerfleddert. Nun habe ich die Gelegenheit genutzt, mir meinen Lieblings-Winnetou auf den eBook-Reader zu laden. Ich mag vor allem Mays Spätwerk, diesen magisch-mystischen Ton, hier findet man auch noch die damals modernste Technik im einstmals "wilden" Westen, etwa wenn der Schleierfall, das herrliche Naturschauspiel, plötzlich zur Stromgewinnung für die Beleuchtung herhalten muss oder wenn der Junge Adler einen Flugzeugmotor durch die Wildnis schleppt, um später seinen großartigen Flieger zu konstruieren. Einige Namen sind anders, so hier zum Beispiel statt Santer das ursprüngliche Sander. Sehr interessant.

Emilia Jones: Liebesfee auf Abwegen (e)
Emilia Jones: Liebesfee im Weihnachtsrausch (e)
Emilia Jones: Liebesfee rauscht ins neue Jahr (e)
Emilia Jones: Liebesfee feiert Karneval (e)
Emilia Jones: Liebesfee schießt quer (e)

Die Liebesfee-Serie von Emilia Jones. Eine erotische Geschichte in (leider) ziemlich kurzen Episoden. Es geht darum, dass sich eine Liebesfee in den Herrscher der Hölle verliebt. Allerdings kann dabei eine Seele aus der Hölle flüchten. Seelenjagd und erotische Spiele der beiden bilden die stets wiederkehrenden Komponenten der einzelnen Episoden, die sich am jährlichen Festkalender orientieren: Weihnachten, Silvester, Karneval etc. Sehr nett, aber eben auch sehr kurz.

Moses Mendelssohn: Ästhetische Schriften. Hrsg. v. Anne Pollok
Sehr schöne und gehaltvolle Ausgabe der ästhetischen Schriften Moses Mendelssohns.Bei der Lektüre Mendelssohns fühle ich mich immer irgendwie versöhnt mit der Aufklärung. Wo Kant und Lessing oft trocken, fad und einfach zu "vernünftig" sind, entwickelt die Philosophie der Aufklärung bei Mendelssohn ihren eigenen "Duft", hier wird die Aufklärung menschlich, warm, lebendig und freundlich.
Interessant und beschämend zugleich, wie der Jude Mendelssohn nach seinem Tode offenbar ganz gezielt aus den Annalen der deutschen Philosophie herausgestrichen und totgeschwiegen wurde. Wie viele Leute, die auf seine Schriften aufbauten, ihn nicht einmal zitierten. Wer etwa Schillers Aufsatz über das "Vergnügen an tragischen Gegenständen" gelesen hat, wird bei der Mendelssohn-Lektüre feststellen, wie viele der Schiller-Sätze, die man auswendig herbeten kann, wörtlich von Mendelssohn abgeschrieben sind - ohne Quellenangabe. Es ist eine Schande. Lest mehr Mendelssohn!

Jules Verne: Der grüne Blitz

Charlotte Rogan: In einem Boot

Henry Winterfeld: Timpetill. Die Stadt ohne Eltern

Ruth Klüger: Zerreißproben. Kommentierte Gedichte


Brita Rose-Billert: Das Geheimnis des Falken
Abenteuerroman über einen Lakota-Indianer, der als Auto-Rennfahrer große Erfolge hat. Allerdings ruft dies auch Neider auf den Plan. Und als er nach einem Unfall versehentlich einen Ersatzwagen nimmt, in dem ein Mechaniker Drogen versteckt hat, scheint die Katastrophe perfekt. Doch der Falke lässt sich nicht so einfach von weißen Polizisten einsperren, schikanieren und foltern. Er hat ein Geheimnis ... Sehr spannend geschrieben. Kriminalhandlung, Rennfahrer-Leben und der rechtlose Alltag der Reservationindianer bilden eine gute Mischung und sind sehr gut dargestellt. Eine Kleinigkeit zum Bemäkeln: Die Frauen benutzen im Buch manchmal fälschlicherweise die "Männersprache" der Lakota, sprich: Einige Endungen stimmen nicht. Aber das sind Grammatik-Fragen, über die sonst kaum ein Leser stolpern wird. Ich werde mir beizeiten den anderen Falken-Band von Brita Rose-Billert holen.

Vogonische Gedichte! von Anthony Sonnabend und Folmarnnik B. Tranddury (e)

Fritz Mauthner: Hypatia (e)
Hoppla, in was für einer Zeit sind wir denn hier gelandet? Der historische Roman über die antike Philosophin Hypatia sollte ja eigentlich im 5. nachchristlichen Jahrhundert spielen. Fritz Mauthner vergreift sich allerdings in seinem 1892 erschienenen Roman fast ständig im Tonfall und in der Zeit. So reden die Schüler der Philosophin untereinander so, als seien sie Studenten des 19. Jahrhunderts, überlegen, ob sie nach ihrem "Abschluss" ihre Studien in Paris fortsetzen sollten, ob sie dort interessante Gräfinnen oder Herzoginnen treffen könnten. Kaiser Julian wird mal eben zum "Paten" Hypatias erklärt. Hypatia sitzt in einem Bad mit goldenen Waserhähnen für Heiß- und Kaltwasser. Sie wird ständig als "Fräulein Professor" bezeichnet, schreibt den "Studenten" Zertifikalte aus und ähnliches. Nein, so etwas wie den Universitätsbetrieb des 19. Jahrhunderts gab es zu Hypatias Zeiten garantiert noch nicht ... Das Ganze ist also eher ein interessantes Dokument über die Zeit Mauthners, nicht aber das, was wir heutzutage einen historischen Roman nennen würden. Man sollte es eher als Kirchenkritik der Neuzeit lesen, nicht aber in der Vorstellung, etwas über Hypatia und ihre Welt und Lehre zu erfahren.

Ludwig Tieck: Der fünfzehnte November (e)
Novelle über einen Jungen, der als verrückt gilt, weil er nicht redet und stattdessen im Garten etwas baut. Erst als am 15. November eine große Flutkatastrophe hereinbricht und sich herausstellt, dass das Erbaute eine große Arche ist, in der sich die Familie retten kann, stellt sich heraus, dass der Junge in höherem Auftrag gehandelt hat. Sehr interessant. Ich hab's vor allem wegen Wilhelm Raabe gelesen. In einer seiner Biographien stand nämlich, dass der berühmte "Federansetzungstag" zu der "Chronik der Sperlingsgasse" in Wirklichkeit gar nicht der 15. November war, sondern von Raabe wegen dieser Novelle später auf das Datum verlegt wurde.

Karl May: Winnetou I (e)
Karl May: Winnetou II (e)
Karl May: Winnetou III (e)

Karl-May-Forscher schimpfen ja auf den Karl-May-Verlag in Bamberg und seine Veränderungen am Original wie die Rohrspatzen. Wisst ihr was? Die Leute vom Karl-May-Verlag haben mit Mays Geschichten nur das getan, was wir heute als "Lektorat" bezeichnen würden. Sie haben die Texte geglättet, stellenweise Passagen zusammengezogen, Namen verändert und grammatische Unzulänglichkeiten des Autors ausgebessert. Diese drei eBooks bieten das "Original". Ich, der ich die Bamberger Ausgabe nahezu auswendig kenne, muss gestehen: Die Texte sind durch die Eingriffe wesentlich besser und in sich geschlossener geworden. So, und nun möge man mich steinigen. ;-)
Schon Mays Angewohnheit, Nebensätze mit "trotzdem" einzuleiten, nervt. Aber wusstet ihr, dass in den Winnetou-Bänden insgesamt vier Personen vorkommen, die den Namen Sam tragen? Sehr verwirrend. Iltschi und Hatatitla existieren in den Büchern nicht. Und die herrliche Szene, in der sich Old Shatterhand und Old Firehand erstmals begegnen - das lautlose Rigen im Dunkel beim Beschleichen der Sioux, eindrucksvoll und unvergesslich - gibt es ebenfalls nicht. Hier treffen Winnetou und Old Shatterhand den berühmten Westmann schlicht und ergreifend in der Bahn. Hm. Also, Dankeschön an den Bearbeiter. Gut gemacht. Howgh.

Robert Kraft: Die Weltallschiffer (e)
Ich habe mir den Roman nochmal auf den eBook-Reader geladen. Vor zwei, drei Jahren war es noch nicht einmal über die Fernleihe der niedersächsischen Landesbibliothek aufzufinden, inzwischen kann ihn sich jeder einfach so auf den Reader holen. Sage noch einer etwas gegen den technischen Fortschritt. Ich brauche ihn für meine Studien über die Gegenerde in der Philosophie und der SF. Literarisch nicht unbedingt wertvoll. Aber eben historisch und thematisch interessant.


Caroline von Günderrode: Des Wanderers Niederfahrt (e)
Schlecht aufbereitetes eBook mit Lücken im Text und Abbrüchen. Ich habe es kostenlos bekommen, daher kann ich nicht sagen: "Schade ums Geld." Jedenfalls unlesbar, holt euch lieber die Gesamtausgabe aus den 1990ern aus der Bibliothek, da könnt ihr wenigstens den ganzen Text lesen.


Hörbücher/Hörspiele

Mark Brandis: Die lautlose Bombe I
Mark Brandis: Die lautlose Bombe II

Erneut sehr gut gemachtes Hörspiel der Mark-Brandis-Crew. Spannend, atmosphärisch, großartige Klangwelten und überhaupt ganz großes Kino. Hörenswert.



Februar

Friedrich de la Motte Fouqué: Undine (e)
Geschichte einer Meerfrau, die sich in einen Menschen verliebt und diesen heiratet, um eine unsterbliche Seele zu bekommen. Ich habe das Märchen vor rund 20 Jahren in einer sehr schönen, handlichen DTV-Ausgabe kennen gelernt und wollte es mir noch einmal zu Gemüte führen.
Undine ist die vermutlich wichtigste Ahnherrin von Andersens kleiner Meerjungfrau und damit indirekt auch meiner Nestis. Im Vergleich zu Andersen fällt allerdings auf, dass der versöhnliche Schluss fehlt. Der Naturgeist Kühleborn nimmt furchtbare Rache für das, was man seiner kleinen Nichte angetan hat. Und recht hat er. Ein zauberhafter Märchenroman der Romantik, den jeder gelesen haben sollte.

Niklas Peinecke: Das Haus der blauen Aschen (D9E2)

Longfellow: Der Sang von Hiawatha (e)
Ein "indianisches" Epos, das oft mit der Edda verglichen wird. Vom Versmaß her war aber eindeutig das finnische Nationalepos "Kalevala" die Vorlage. Sehr eingängig. Übersetzt wurde das Werk übrigens von Ferdinand Freiligrath, einem meiner Vormärzler.
Longfellow erzählt von dem indianischen Kulturheros Hiawatha und seiner Geliebten Minehaha, von der Entstehung der Welt, von guten und bösen Geistern. Wusstet ihr, dass es einen Maisgott namens Mondamin gab? Richtig, nach dem haben sie später ihren Soßenbinder benannt. Übrigens: In meinem Winnetou-I-eBook habe ich gelesen, dass der junge Häuptlingssohn Longfellows Hiawatha gelesen hat. Interessant, nicht?

Manuskript zum verlorenen Mark-Brandis-Hörbuch "Der Spiegelplanet"
Der "Spiegelplanet" ist ja damals bei der Hörbuchproduktion herausgefallen. Nun ja, die Geschichte mit dem unentdeckten Planeten gegenüber der Sonne und mit den "fremden" Sternbildern ist naturwissenschaftlich betrachtet schon ein harter Brocken. Es hat allerdings von Seiten der Hörspiel-Macher einen Versuch gegeben, die Geschichte zu retten. Hierbei ist der Spiegelplanet nicht die Gegenerde, sondern eine künstliche Realität, in der das Bewusstsein der Menschen sich angesichts der drohenden Hungerkatastrophe aufhalten kann, während der Körper in der wirklichen Welt auf Sparflamme überdauert. Das Konstrukt wich dann jedoch zu stark von der Romanfassung ab, sodass die Witwe des Autors ihr Veto einlegte. Was blieb, war dieses Skript...

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen (e)
Absoluter Klassiker. Wer den nicht gelesen hat, tut mir leid. Ich war damals, 1987, als ich ihn in die Finger bekam, so fasziniert, dass ich ihn auswendig lernte. Hab jetzt nochmal reingeschaut, um zu überprüfen, ob ich es noch kann. Nun, ein paar Füllsel sind mir im Gedächtnis umgemodelt worden, aber im Großen und Ganzen sitzt es noch. Schönes Stück Literatur. Allerdings empfehle ich euch eher die gelbe Reclamausgabe und das grüne Reclamheft noch dazu. Ohne Kommentare ist man bei den zahlreichen Anspielungen Heines auf seine Zeitgenossen doch etwas aufgeschmissen.

Aischylos: Agamemnon (e)
Aischylos: Die Grabspenderinnen (e)
Aischylos: Die Eumeniden (e)

Die Orestie ist die einzige vollständig erhaltene tragische Trilogie des antiken Griechenlands und das große Alterswerk des größten der drei klassischen Tragiker. Die drei Reclamhefte schaffte ich mir an, nachdem ich im Fernsehen eine Inszenierung der drei Stücke gesehen hatte. Weiß nicht mehr, welcher Regisseur dafür verantwortlich war, aber es muss circa 1986 gewesen sein. Es war das erste Mal, dass ich mir im Buchladen ein Buch selbst bestellte, und ich war etwas aufgeregt, als ich die Verkäuferin ansprach. Es gab im Reclam-Regal nämlich nur Teil 2 und 3. Am nächsten Nachmittag hatte ich meine Orestie dann aber komplett.
Jetzt habe ich sie also wiedergelesen. In der alten, gemeinfreien Übersetzung von ... ja, von wem eigentlich? Das ist der Nachteil dieser eBook-Ausgabe. Man weiß nicht, wer es übersetzt hat (ich habe Voss im Verdacht), man hat keine Kommentare und Erläuterungen, und die Sprache ist auch ziemlich altertümlich. Wer sich ernsthaft mit der Orestie befassen möchte, dem sei daher die Reclam-Ausgabe ans Herz gelegt. Es gibt nichts Besseres.

Platon: Kritias (e)
Der große "Atlantis-Dialog" Platons. Ziemlich verworrener Parforceritt durch die Naturwissenschaften seiner Zeit und etwas schwer verdaulich. Schade, dass diese eBooks keinen Kommentarteil haben.

Aristophanes: Die Frösche (e)
Meine Lieblingskomödie von Aristophanes. Eben, weil ich Aischyos-Fan bin. Nach dem Tod der drei großen Tragiker liegt die griechische Tragödie am Boden, daher zieht der Wein- und Theater-Gott Dionysos hinab in die Unterwelt, um seinen Lieblingsdichter Sophokles zurück ins Leben zu holen. Allerdings ist Sophokles ein ausgesprochen bescheidener Mann und will die Ehre, der größte aller Tragiker zu sein, lieber dem Aischylos zuerkennen. Euripides dagegen besteht darauf, nur er sei würdig, größter Tragiker genannt zu werden. Man beschließt also einen Dichterwettstreit im Hades, bei dem Verse des Aischylos und des Euripides auf einer unbestechlichen Waage abgewogen werden sollen. Herrlich, wie die Zitate aus bekannten und verlorenen Tragödien vom jeweiligen Gegner zerlegt werden. Am Ende ist (natürlich) klar, dass Aischylos größer ist als Euripides, und der Sieger zieht an er Seite des Gottes hinauf in die Oberwelt, neuen großen Tragödien entgegen. Wie gesagt, ein sehr schönes Stück, auch eine wichtige Quuelle für den Forscher, da hier viele Fragmente der großen Tragiker überliefert wurden. Aber auch hier der Hinweis: Nehmt euch als Neueinsteiger lieber die Reclamausgabe, da habt ihr mehr von. Und die Welt kostet es ja auch nicht.

Karl May: Himmelsgedanken (e)
Der in der Fachliteratur gelegentlich erwähnte und dann stets verteufelte Gedichtband Karl Mays. Ja, die Leute haben Recht, das Zeug möglichst zu verdrängen. Scheußlich fromm, ziemlich kitschig und literarisch auch alles andere als hochrangig. Ungenießbar. Klapperndes Metrum, eben nur peinlich genau abgezählt und ausgeklopft. Nun ja, der Mann war halt fromm und wollte etwas verkündigen. Wen's interessiert, der sollte sich ein oder zwei Handvoll der Gedichte in Auswahl geben lassen. Aber der Gesamtband ist nur etwas für Wissenschaftler, Hardcore-Fans und Masochisten.

Karl May: Und Friede auf Erden (e)
Sehr menschenfreundlicher Roman aus dem Spätwerk Karl Mays. Man hatte ihn gebeten, einen China-Roman zu schreiben und hoffte auf etwas Hetzerisches, Rassistisches über dumme, feige Zopfmänner. Karl May schrieb allerdings stattdessen einen Roman über einen von China ausgehenden Geheimbund, der sich zum Ziel gesetzt hatte, Menschenfreundlichkeit und Güte in der Welt zu verbreiten. Sehr schönes Beispiel dafür, wie ein Schuss nach hinten losgehen kann. Und dafür, dass man sich als Autor nicht vor schlechter Leute Karren spannen lassen sollte. Okay, vielleicht etwas zu stark christlich und gutmenschlich angehaucht, aber nicht schlecht. Halt nicht der Haudrauf-Abenteuerstil der frühen Jahre.

Igorlied (e)
Das russische Nationalepos. Steht schon seit 25 Jahren auf meiner To-do-Liste, ich habe bloß keine Reclam-Ausgabe dazu gefunden. Nun also das eBook. Die Geschichte ist etwas verworren, und für ein Epos ist sie sehr kurz. Übersetzt hat die anonym überlieferte Dichtung Rainer Maria Rilke. Es geht um einen Fürsten, der das Land um den Don herum für Russland zurückerobern will. Er scheitert jedoch. Beklagt wird die Uneinigkeit der Russen. Ich denke, ich muss es noch einmal lesen.

Japanische Märchen (e)
Sehr umfangreiche Sammlung mit zum Teil wunderschönen Märchen. Man wird allerdings ein wenig erschlagen von der Menge der enthaltenen Texte. Zauberfrauen, Füchse, freche und wohlerzogene Jungen, schöne Frauen, das ganze Märchenpersonal also. Auch das muss ich einfach noch mal lesen.

Aristoteles: Über die Dichtkunst (e)
Die Poetik des Aristoteles, die für die französischen Klassiker zur Bibel wurde, an der sich Lessing in seiner Hamburgischen Draaturgie abgearbeitet hat, gegen die Brecht sein antiaristotelisches episches Theater setzte. Unverzichtbar für jeden, der sich mit Theater befassen will. Und natürlich mit dem Tragödiensatz, den jeder Student auch dann noch auswendig hervorsprudeln können sollte, wenn er nachts um 4 Uhr aus dem Bett gerissen wird ... Halten wir fest: Es ist ein wichtiges Buch, man sollte es gelesen haben, aber auch hier der Hinweis: Zum Wieder-Lesen ganz okay, Die Recam-Ausgabe ist für Einsteiger aber wesentlich besser geeignet.

Mei Allison: Die Nebeldame (e)
Zauberhafte Kurzgeschichte um eine Vampirin, die vollkommen anders ist als die üblichen Blutsauger-Ladys. Eine berührende Winter- und Weihnachtsgeschichte, wunderschön und mit einem beeindruckenden Cover. Unbedingt empfehlenswert.

D.W. Schmitt: Haineck (e)
Science-Fiction-Erzählung über die Suche nach neuem Lebensraum im All. Ein Raumschiff landet auf einem Planeten, der als neue Heimat für Menschen recht vielversprechend aussieht. Die ersten Untersuchungen sind positiv, doch plötzlich ein furchtbarer Rückschlag. Die Besatzung gibt auch diesen Planeten auf und streicht ihn von der Liste möglicher Besiedlungsobjekte. Zu früh, wie sich herausstellt. Ein Mitglied der Crew ist im Hintergrund nämlich mächtig am Manipulieren ... Sehr gut erzählt, recht wissenschaflich gehalten, sehr knapp. Schade eigentlich, man hätte auch einen Haineck-Roman gut verkraften können.

Gesänge aus dunklen Zeiten

Die Welten von Thorgal: Kriss de Valnor 4 - Bündnisse


Hörbücher/Hörspiele

Peter Hereld: Die Braut des Silberfinders
Ich hatte den ersten Teil als Buch gelesen. Jetzt also der zweite Teil als Hörbuch. Robert, der letzte Überlebende des "Kinderkreuzzugs", kehrt nach jahrelanger Gefangenschaft aus dem Orient heim nach Deutschland. Begleitet wird er von seinem arabischen Freund Osman. Nach Abenteuern in Hildesheim wollen sie jetzt weiterziehen nach Köln. Doch sie kommen nicht weit, da eine rothaarige Diebin sie schon im nächsten Gasthof ihrer gesamten Barschaft beraubt. Die Suche führt die beiden Freunde nach Goslar, wo sie sich als Bergarbeiter verdingen müssen.
Erneut ein sehr gut recherchierter Roman Peter Herelds, der viel Wissen über das alte Bergbauwesen und die mittelalterliche Stadt Goslar verrät. Insgesamt etwas schneller erzählt und spannender als der erste Teil, "Das Geheimnis des Goldmachers". Der Sprecher macht seine Sache gut, sehr schön der orientalische Akzent Osmans.


März

Karl May: Der Schatz im Silbersee (e)
Und noch ein Karl-May-Klassiker. Der Kleine Bär war mein absoluter Lieblingsheld. ;-) Erstaulich, wie viele Helden May hier versammelt und am Silbersee aufeinandertreffen lässt. Und natürlich ein einzigartiger Schauplatz.

E. T. A. Hoffmann: Des Vetters Eckfenster (Reclam)
Ich habe mal wieder Punkte im Prämienshop bei Libri.de eingelöst. Ab und zu springt dann mal ein Reclamheft raus. Hatte eigentlich auf eine nette, schwarze, gruselige Geschichte in typischer Hoffmann-Manier gehofft. Das hier war allerdings etwas anderes. Es geht einfach nur darum, dass der Vetter seinem Besucher durch einen Blick aus dem Fenster zeigt, wie viel Unterhaltung und Inspiration ein einfacher Blick aus dem Fenster bringen kann. Da werden zahllose interessante Leute und Szenen geschildert. Künstlerisch sicher sehr aufschlussreich, und das Nachwort hebt auch die "Modernität" des Hoffmannschen Textes hervor. Mir hat allerdings bei dem ganzen Beobachten und Modernsein die Geschichte gefehlt. Es passiert einfach nichts.

Heiner Boehncke, Phoebe Alexa Schmidt: Marie Hassenpflug. Eine Märchenerzählerin der Brüder Grimm

Georg Herwegh: Gedichte (e)
- Gedichte eines Lebendigen I
- Gedichte eines Lebendigen II
- Ausgewählte Gedichte

Georg Herwegh ist einer meiner Lieblingslyriker. Die Verse von dem Mann lassen sich einfach so schön schmettern! Denkt doch nur an das "Mann der Arbeit, aufgewacht und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!" Oder an das herrliche "Mein ganzer Reichtum ist mein Lied!" Den Nachruf auf Georg Büchner habe ich mehrfach in meinen Werken über das Junge Deutschland zitiert. "Die Partei", der "Matador", die Zueignung an den "Verstorbenen".
Ich habe seine "Gedichte eines Lebendigen" damals, es muss 1989 oder 90 gewesen sein, in meiner Uni in der alten Germanistenbibliothek entdeckt und eine ganze Reihe davon auswendig gelernt. Das Reclamheft mit einer Auswahl seiner Gedichte musste natürlich auch sein. Ja, und jetzt habe ich mir das hier durchgelesen. Sehr schön. Schaut doch mal rein.


Olaf Kemmler: Die Stimme einer Toten

Carola Wimmer: Ostwind. Zusammen sind wir frei
Das Buch habe ich in der Buchhandlung stehen sehen, und es hat mich irgendwie angesprochen. Schöne Bilder, nettes Cover und eine Mädchen-und-Pferde-Geschichte, mir war halt mal wieder danach. Hm, ja, es ist halt ein Buch zum Film. Ich habe den Film nicht gesehen, aber ich kann ihn mir jetzt gut vorstellen. Man merkt aber, dass es keine Buch-Handlung, sondern eine Film-Handlung ist, die dem Text zugrunde liegt. Irgendwie wird vieles zu dürftig geschildert. Was im Film mit ein paar Sekunden und eindrucksvollen Bildern funktioniert, ergibt noch keine überzeugende Roman-Szene. Vieles ist einfach zu kurz beschrieben, etwa das Training mit dem Pferd, der Versuch, Ostwinds Vertrauen zu gewinnen, das langsame Wachsen von Gemeinschaft und reiterischem Können. Das geht einfach zu schnell, und es gibt zu wenig Details in der Schilderung. Vermutlich ist der Film um Klassen eindrucksvoller.


Bernhard Schlink: Der Vorleser
Roman über einen Jungen, der eine erotische Beziehung zu einer älteren Frau beginnt. Sie lässt sich die Liebe des Jungen gern gefallen, vor allem aber liebt sie es, wenn er ihr vorliest. Jahre später sieht er sie vor Gericht wieder. Sie ist angeklagt als ehemalige Aufseherin in einem Konzentrationslager. Erst nach und nach kommt er dahinter, warum sie eine Beförderung in ihrem Straßenbahnbetrieb ausschlug. Und warum sie hastig alles zugibt, wenn man ihr irgendwelche Schriftstücke vorlegen will. Die Frau ist Analphabetin und schämt sich dafür ... Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat. Sehr feine Beobachtungen, eine interessante Personenkonstellation und eine "Heldin", die alles andere als unschuldig ist und trotzdem irgendwo Mitgefühl auslöst. Empfehlenswert.

Lucas Edel: Die KDP-Formel (e)
Das erste einer Anzahl von eBooks, die ich mir angeschafft hatte, als ich unter die Selfpublisher gehen und "Darthula" auf eigene Faust herausbringen wollte. Das hat ja dann doch dankenswerterweise der Verlag "Saphir im Stahl" übernommen, sodass ich es zumindest für meinen "ossianischen Roman" nicht brauchte.
Die KDP-Formel hat einen etwas reißerischen Titel, natürlich gibt es keine Formel zum Reichwerden mit Kindle Direkt Publishing, auch ist es für die recht geringe Seitenzahl mit 4,99 Euro ziemlich teuer, aber ansonsten ist das Buch ganz okay. Man erfährt darin unter anderem etwas über Kindle-Technik, Selbstmarketing, Umgang mit Kritik, Verdienstmöglichkeiten und darüber, wie man eBooks signiert.
Etwas überzogen und unnütz finde ich den Schreibkurs. Ich denke, wer erst noch lernen muss, wie man schreibt (oder gar Themen findet), sollte sich einen Schreibratgeber kaufen, aber kein Spezialwerk zum Thema Veröffentlichen auf Amazon. Hier hat der Autor eindeutig zu viele Zeilen geschunden.


Zu Teil II: Jahresrückblick April bis Juni 2014
Zu Teil III: Jahresrückblick Juli bis September 2014
Zu Teil IV: Jahresrückblick Oktober bis Dezember 2014


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick 2013, Teil IV

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2013 · 447 Aufrufe
Jahresrückblick
Willkommen zum vierten und letzten Teil meines Rückblicks auf das Lesejahr 2013. In den ersten beiden Monaten des vierten Quartals werdet ihr nichts Auffälliges finden - aber dann, im Dezember, gab es eine wahre Explosion. Was war da los? Nun, seit dem Nikolaustag bin ich "elektronisch". Eine gute Freundin konnte das Elend wohl nicht mehr ertragen und hat mir kurzerhand einen Kindle geschenkt. Drei Jahre oder mehr habe ich mich gegen dieses Elektrozeugs gewehrt und habe das hohe Lied des Papierbuchs gesungen ... 30 Sekunden hielt ich das Teil in der Hand und verfiel prompt in einen wahren Leserausch. So kann es gehen. Dass ich das Gerät zunächst dazu nutzte, um uralte Klassiker zu laden, die ich ohnehin beinahe auswendig kenne, muss euch nicht verwundern. Es ging mir einfach darum, bestimmte "besondere" Bücher immer bei mir zu haben. Oder so. Und außerdem gab es die meisten kostenlos. Also dann, auf in die elektronische Zukunft. (Wobei ich in der Badewanne weiterhin Papierbuchleser bleibe.)



Oktober


Gustav Adolf Seek: Homer (Reclam)
Eine sehr detaillierte Darstellung der beiden großen Epen "Ilias" und "Odyssee". Leider furchtbar redundant, bestimmte Sachen werden immer wieder und wieder in neuen Variationen vorgetragen und breitgetreten. Man möchte beim Lesen immer wieder sagen: "Danke, ich hab's kapiert, schon beim ersten Mal." Auch die sehr kurzen Kapitel machen das Buch schwer zu lesen. Man kommt nicht in einen "Lesefluss" hinein und hat ständig "Aussteiger" vor sich, um das Buch erstmal wieder zuzuklappen. So habe ich sehr lange gebrauch, damit durchzukommen. Was drinsteht, ist eigentlich gar nicht schlecht. Aber sehr zäh.


Erik Schreiber (Hrsg.): Wolfsmärchen
Eine sehr schöne und umfangreiche Zusammenstellung von Wolfgeschichten aus aller Welt. Das Buch hat mir sehr gefallen und ist eine wahre Fundgrube für Wolfsfans. Eine etwas andere Gliederung hätte ich mir gleichwohl gewünscht. Zum Beispiel hätte man Texte mit ähnlichen Motiven zusammenstellen können. Etwa die zig Varianten der Geschichte, dass der Fuchs oder Wolf heimlich auf einen fahrenden Wagen springt und die nahrhafte Ladung herunterschubst. Wenn man sie hintereinander angeordnet hätte, wäre der gelangweilte "Kenneichschon"-Effekt ausgeblieben, der solchen Wiederholungen etwas Zähes verleiht. Und wenn man die Geschichten eines Kulturkreises zusammengestellt hätte, wäre sicher auch aufgefallen, dass Lessings Fabel vom alten Wolf zweimal im Buch vorkam. Vermutlich hätte an der Stelle des zweiten alten Wolfs die Geschichte vom Hirten stehen sollen, der aus Mutwillen rief: "Der Wolf ist da!", die leider fehlt.
Sehr gefallen haben mir die indianischen Märchen. Vor allem das, in dem mit den Klischees über die einzelnen Nationen gespielt wird: Der Engländer macht sich auf, den Wolf zu erschießen, will jedoch vorher noch seinen Tee trinken und wird dabei vom Wolf gefressen. Der Deutsche setzt sich erst hin und liest Bücher über Wölfe und wird während des Lesens überfallen usw. Eine schöne, dicke, materialreiche Sammlung voller überraschender Fundstücke. Lesenswert.


Lilach Mer: Seacrest House


Fabienne Siegmund: Goldstaub


Petra Gabriel: Hanna Himmelwärts
Ein Jugendbuch über eine Schülerin, die gerne segelfliegen würde. Hanna ist 14, leidet darunter, dass sie ziemlich groß ist, fühlt sich linkisch und ungeschickt und hat überhaupt ziemlich viel von einem typischen Teenager, der noch nicht recht hineinpasst in die Welt. Und wann immer sie in ihrer Tollpatschigkeit etwas verbockt, stöhnt die Familie unisono: "Oh Hanna!"
Da entdeckt sie auf einer Klassenfahrt ihre große Liebe: das Segelfliegen. Fortan hat sie nur noch ein Ziel: den Segelflugplatz im benachbarten Ort Hütten, wo sie unbedingt Flugstunden nehmen und ihren Segelflugschein machen will. Leider sind die Eltern strikt dagegen. Es folgen eine gefälschte Unterschrift, ständige Ausreden und geplatzte Alibis für ihre Arbeitsstunden auf dem Flugplatz - Hanna verstrickt sich immer mehr in ihr Netz aus Lügen. Aber dann stellt sich heraus, dass es noch eine weitere Lüge in ihrer Familie gibt. Eine, die Hannas große Schwester vollkommen verzweifeln und von zu Hause weglaufen lässt. Hanna versucht, ihre Familie zu retten und die Verschwundene zu finden.
Das Buch ist sehr lebendig und fesselnd geschrieben. Durch die Ich-Perspektive und die Erzählweise im Präsens hat der Leser tatsächlich das Gefühl, hautnah dabei zu sein und die Dramatik von Hannas großen und kleinen Katastrophen am eigenen Leibe mitzuerleben. Die Geschichte ist äußerst spannend, und man fiebert regelrecht mit, ob und wie Hanna die Situation meistern wird.
Etwas schade fand ich, dass das Segelfliegen nicht einen wesentlich größeren Raum einnimmt. Da hätte ich gern mehr gehört. Ich wäre gern bei Hannas Arbeitsstunden auf dem Flugplatz stundenlang an ihrer Seite gewesen, hätte gern mehr technische Einzelheiten erfahren, mehr über ihre Erlebnisse bei den Flugstunden, über all die Sachen, die schief gehen können oder mit denen ein junger Flugschüler Probleme hat. Ich hätte ihr gern beim Büffeln für die theoretische Prüfung über die Schulter geschaut und die eine oder andere unvorhergesehene Windbö gespürt. Familiengeschichten gibt es viele, und Liebeskram kommt in jedem Teenagerbuch vor. Da hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin ihr bzw. Hannas segelfliegerisches Alleinstellungsmerkmal etwas weiter ausreizt.
Herausgekommen ist immer noch ein spannendes, mitreißendes Jugendbuch, das ich unbedingt empfehlen kann. Oh Hanna!


Christa Lippich: Psst! Geheimnis!
Kinder-Bilderbuch mit sehr liebenswerten Illustrationen. Erzählt wird die Geschichte eines Bären und eines Hasen, die eigentlich die besten Freunde sind. Aber eines Tages hat der Hase ein Geheimnis vor dem Bären und will ihm nicht sagen, was es ist. Die Geschichte ist nett und liebenswert. Auf den erwachsenen Leser wirken die ständigen Wiederholungen zwar geradezu nervtötend. Der Bär ist niemals einfach nur der Bär, sondern immer "der große braune Bär", der Hase ist stets "der kleine weiße Hase", und zu jedem Waldbewohner, den er trifft, sagte der große braune Bär: "Der kleine weiße Hase weiß etwas, das ich nicht weiß, und will mir nicht sagen, was es ist. Weißt du es?" Aber das ist es gerade, was Kinder so lieben an ihren Büchern, diese ständigen Wiederholungen. Und sie werden demnach begeistert mitquietschen, wenn der Bär zum gefühlt tausendsten Mal fragt. Ach ja: Das Geheimnis wird am Ende gelüftet, und der Hase entpuppt sich tatsächlich als weiterhin bester Freund des Bären, dem er eine wundervolle Geburtstagsüberraschungsparty organisiert hat.


Sina Schneider & Teresa Ginsberg (Hrsg.): PragMagisch
Mein Lieblingssatz aus dem Buch "PragMagisch"? Ganz klar: „Ukončete prosím výstup a nástup, dveře se zavírají.“ Wer jemals in Prag gewesen ist, wird mich verstehen und sich an die alte Zauberformel erinnern. ;-)
Das Buch bietet phantastische, zumeist düstere und melancholische Erzählungen aus der goldenen Stadt. Meine Favoriten sind "Die Kinderstehlerin" (Sabrina Železný), in der es um die "Polednice" geht, einer Kindervertauscherin in der Verwandtschaft der Wechselbalg-Sagen, und "Seelenzettel" (Fabienne Siegmund), in der die Schwäne auf der Molda eine Rolle spielen - und eine junge Frau, de sich in einen von ihnen verwandelt hat. Als drittes möchte ich noch "Die Herren Lehmann" (Siri Kusch) hervorheben. Es ist eine der wenigen humorvollen Geschichten in diesem Buch und setzt einen sehr schönen Lichttupfer in die sonst recht düstere, schwerblütige Anthologie. Es geht um einen jungen Musikstudenten, der ein Auslandssemester in Prag verbringt und eine recht günstige alte Kommode erwirbt, um sich im Studentenwohnheim einzurichten. Beim Saubermachen läuft er um die Komode herum, was, da zeitgleich im CD-Player Händels "Messias" läuft, zufälligerweise zu einem Ritual wird, das zwei Miniatur-Golems aus in der Komode befindlichen Lehmresten erweckt ... Einfach schön.
Weniger gut gefallen hat mir an dem Buch das Schriftbild. Um die 20 Geschichten auf nur 103 Seiten zusammenzupressen, wurde die Buchstabengröße derart reduziert, dass das Lesen sehr anstrengend ist. Ja, ich weiß, Papier ist teuer. Aber Senioren jenseits der 40 als Leser auszuschließen, das kann auf Dauer noch wesentlich teurer werden.


Felix Woitkowski et al.: The End
Ein Buch, über das ich hier gar nicht soviel sagen möchte, weil ich ja selbst "die Finger drinhabe". Also nur kurz soviel, dass mir die Aufmachung sehr gut gefallen hat. Viele kleine Ideen rund ums finale Buchthema. Meine Lieblingsgeschichte ist der Western-Schluss. Und das Zombie-Ende. Und der Heimatroman hätte auch gut werden können, wenn da nicht ganz fies gemogelt worden wäre. Bah, was für ein böser Stilbruch. ;-)


Mirjam Rademacher: Krebs in Knoblauch. Mit Bildern von Irene Glockengießer
Bezauberndes Märchen über einen Krebs, der eine Flaschenpost findet. Herrlich die Diskussion der beiden, ob man nicht mal nachschaun sollte, was denn eigentlich für eine Botschaft auf dem Zettel steht. Und ein Extrapunkt für die Flaschenpostflasche, die nachdenklich ihr Etikett runzelt. Dazu wundervolle Illustrationen in einer ganz besonderen Technik, ein richtig schönes Buch.


Dirk van den Boom: Eine Reise alter Helden




November


Bartholoäus Figatowski (Hrsg.): Wovon träumt der Dom?


Jan Cayers: Beethoven - der einsame Revolutionär
Eine sehr gute und umfangreiche Biographie, die auch das musikalische Umfeld, die Wiener Gesellschaft, die politischen und geschichtlichen Hintergründe ausführlich darstellt und mache Entscheidungen Beethovens verstehbar macht. Man erfährt zum Beisiel sehr viel über die technischen Weiterentwicklungen vor allem des Klaviers, an denen Beethoven nicht nur lebhaften Anteil nahm, sondern die er selbst in Kontakt mit "seinen" Klavierbauern anregte und vorantrieb. Dass der Klavierbauer bzw. Klavierbauerinnengatte Streicher indentisch mit Schillers Streicher war, war mir bislang noch nicht klar ...
Cayers kennt sich auch sehr genau aus mit den materiellen Fragen, die Beethoven beschäftigten und belasteten. Vor diesem Hintergrund analysiert er unter anderem auch die Anekdote um die zerrissene Widmung der "Eroica" und macht klar, dass Beethoven schon im Vorfeld sehr gezielt nach großzügigen Gönnern und Adressaten für seine dritte Symphonie gesucht hatte und nun endgültig zu dem Schluss gekommen war, dass bei Napoleon nichts mehr zu holen war. Und er zeichnet auch sehr genau nach, wie die Vermögensverhältnisse von Beethovens Freunden aussahen und wann genau welcher Sponsor pleite war.
Faszinierend auch, wie der Autor neue Erkenntnisse aus der Kriminalistik schildert. So wurde anhand von chemischen Analysen und Schriftuntersuchungen festgestellt, dass Beethovens letzter Sekretär Schindler die legendären "Konversationshefte", mit deren Hilfe Freunde und Besucher sich mit dem tauben Komponisten verständigten, massiv gefälscht hatte, um seine eigene Rolle besonders hervorzuheben. Viele dieser Dokumente sind erst nach Beethovens Tod entstanden.
Cayers zeichnet das Porträt eines widersprüchlichen, manchmal widerborstigen Menschen, eines sehr schwierigen und oft unangenehmen Zeitgenossen, mit dem befreundet zu sein sicher nicht ganz leicht war. Er tut dies jedoch immer in einer Weise, die die Liebe zu seinem Komponisten durchscheinen lässt. Es ist weniger ein glorifizierendes Heldenbuch als vielmehr die freundliche Schilderung eines Menschen mit Ecken und Kanten, an dem, gerade weil er so groß ist, auch die Kleinlichkeiten und Unschönheiten betrachtet werden können, ohne in Kleinmacherei auszuarten oder dem Respekt und der Hochachtung Abbruch zu tun. Ein ehrliches Buch demnach, und eine sehr empfehlenswerte Darstellung eines großen Künstlers und Menschen.


Werner Bergengruen: Die letzte Reise


Henry Kuttner: Lord der Dunklen Welt
Ein Fehlkauf, gebe ich zu. Ich befasse mich ja seit einiger Zeit mit dem Thema "Gegenerde", und als ich das Wort mal spaßeshalber bei Amazon eingab, spuckte mir der Rechner diesen Titel aus. Die Inhaltsangabe in der Wikipedia ließ mich schon ahnen, dass es hier nicht um einen Planeten auf der anderen Seite der Sonne gehen würde, aber das Buch war gebraucht und billig, da nahm ich es halt mit.
Es ist ein recht dünnes Taschenbuch, nur 145 Seiten, und spielt in einer Parallelwelt, der "dunklen Welt". Beherrscht wird diese andere Erde von einer Gruppe Tyrannen, deren übelster Lord Ganelon ist. Nun schaffen es Rebellen jedoch, Ganelon durch seinen Zwilling, den von unserer Erde stammenden Edward Bond auszutauschen. Bond landet in der Zwillingswelt und schließt sich als anständiger Mensch den Rebellen an. Auch als die Bösen den Tausch rückgängig machen, bleibt Bonds Bewusstsein im Körper des dunklen Lords zurück und verdrängt ihn langsam. Es kommt zum Kampf gegen die dunklen Herrscher, in dem schließlich das Gute siegt.
Nicht unbedingt ganz große Literatur, keine großartigen Überraschungen, sehr geradlinig und ohne Verschlingungen erzählt. Aber ganz ordentliche Unterhaltung, es liest sich schnell und in einem Zuge durch, und ich habe mich nicht gelangweilt dabei.



Dezember


Günther Haselbusch: Der Elchkönig
Uraltes Kinderbuch, das ich vor vielleicht 35 Jahren mal gelesen hatte. Dann ging es mir verloren, und ich habe immer wieder überlegt, wie es wohl war und was darin vorkam. Ich konnte mich nur an die eindrucksvolle Szene erinnern, wie der Elch durch das Haff geschwommen ist. Fand das Buch auch lange nicht, weil ich glaubte, der Titel sei "Schnauf, der Elchkönig". Jetzt also dank Amazon Marketplace die Wiedebegegnung mit einem Helden meiner Jugend.
Ja, okay, es ist sehr einfach gestrickt. Und die langen Vorträge des Försters über Elche und ihre biologischen Eigenarten sind handwerklich nicht allzu gut gemacht. Aber die Fahrt mit dem Trog über das zugefrorene kurische Haff hat immer noch etwas. Schön, dass ich das Buch wiedergefunden habe.


Alisha Bionda (Hrsg.): Sherlock Holmes und der verschwundene Schädel


Clemens Brentano: Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl (Reclam)
Hab mich lange nicht überwinden können, dieses Buch zu lesen. Der Titel hat mich glauben lassen, es sei ein Kasperltheaterstück. Ist es aber nicht. Es geht vielmehr um die tragische Geschichte eines Soldaten mit einem extrem verhärteten Begriff von Ehre, der schließlich ihn und seine Geliebte in einen unehrenhaften Tod treibt. Sehr schlimme Geschichte. Sollte man gelesen haben.


Ulrich Wißmann: Böser Zauber. Schwarze Magie auf der Navaho Reservation
Frank Begay, der Fährtenleser von der Navaho-Stammespolizei ist zurück. Nach Ermittlungen in Reservationen der Lakota und Apachen ist er diesmal in seinem eigenen Territorium unterwegs: Eine Navaho-Familie, die im Hopi-Gebiet lebte, wurde niedergemetzelt. Die Täter waren, wie die Spurensuche ergibt, vier Weiße. Einzige Überlebende des Überfalls sind ein junger Navaho und sein weißer Schulkamerad, die sich in einen Canyon geflüchtet haben. Die Mörder nehmen die Verfolgung auf. Frank Begay und ein weißer Kollege vom FBI folgen ihnen ebenfalls. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Was keiner von ihnen ahnt: Im Canyon lauert eine tödliche Gefahr. Denn die abergläubischen Erzählungen von einem Hexer oder Navaho-Wolf, der dort sein Unwesen treiben soll, sind mehr als abergläubische Erzählungen ...
Ulrich Wißmanns dritter Thriller um den Navaho-Polizisten ist der bisher beste Roman aus der Reihe. Es ist faszinierend, den Spurenleser einmal auf seinem eigenen Terrain zu erleben. Die Kombination von Kriminalistik und Navaho-Spiritualität, die den Navaho eigene Scheu vor Toten, die gerade bei einem Polizisten ein großes Handicap ist, und Begays ruhige und sympathische Art zu ermitteln machen den Protagonisten zu einem höchst eigenständigen Charakter, mit dem man gern das Indinaerland durchstreift.
War es in den anderen beiden Fällen Begay, der sich von seinen Begleitern über die kulturellen und psychologischen Eigenheiten der Stämme unterrichten lassen muss, so ist nun er sebst der Fachmann, dem der Autor einen freundlichen und lernwilligen Kollegen an die Seite gestellt hat, um die für den Leser nötigen Fragen zu stellen. Sehr authentisch wird die eigentümliche Landschaft des Navaho-Gebietes dargestellt und die tiefe Verbindung der Bewohner zu ihrem Land. Etwas schade, dass der Autor die Schlussszene, als Begay und sein Freund sich nach den Ermittlungen innerlich und äußerlich reinigen, nicht direkt schildert. So wird das Ritual in einer sehr langen, ermüdenden Plusquamperfekt-Passage nacherzählt, als alles bereits überstanden ist. Ein sehr ungelenker Abschluss eines ansonsten mitreißenden Abenteuers.
Fazit: Ein spannendes Buch. Ich freue mich auf Begays vierten Fall.




Kindle-Ausgaben


Karl Gutzkow: Der Sadduzäer von Amsterdam
Novelle aus dem Jahr 1834 über Uriel Acosta. Uriel und seine Familie, getaufte Juden aus Portugal, wanderten nach Holland aus und kehrten dort zum alten Glauben seiner Väter zurück. Allerdings bringen ihn seine philosophischen Studien in Konflit mit der jüdischen Geistlichkeit. ähnlich wie Galileo Gailei mit der christlichen Kirche. Über ihn wird der Bann verhängt. Was für den Wahrheitssucher vielleicht noch erträglich ist, doch seine Geliebte Judith, die ihm in die Verbannung folgt, droht darunter zu zerbrechen. Acosta widerruft und dtut damit der Form Genüge. Doch er kann von der Philosophie nicht lassen. So wird ein zweiter, schwererer Bann verhängt. Getrieben von seiner Geliebten und seinem verräterischen Vetter willigt er erneut in einen Widerruf ein, wird dabei jedoch so schwer gedemütigt und so hart gezüchtigt, dass er darüber wansinnig wird. Während der Bußveranstaltung soll gleichzeitig Judiths Vermählung mit dem Vetter statfinden. Uriel dreht durch, stürzt mit einer Pistole bewaffnet davon, er und Judith sind schließlich im Tod für immer vereinigt.
Sehr eindrucksvolles Stück. Ich habe darüber eine Seminararbeit geschrieben, die später eingang fand in mein Buch "Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension". Eine gute alte Freundin also, diese Novelle.


Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach
Heines Novellenfragment, in dem er sich auf die Suche nach seinen jüdischen Wurzeln begibt. Ich muss es wohl das erste Mal im Sommer 1987 gelesen haben, als ich Heine für mich entdeckte. Wenig später hörte ich es auf einem Vortragsabend im Hildesheimer "Vier Linden", eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung.
Es fängt sehr traurig, bedrückend an mit jenem Sederabend in Bacherach, als fremde Christen ein totes Kind ins Haus des Rabbis schmuggeln, um einen Vorwand für ein Progrom zu haben. Dann die Szene am Frankfurter Tor, lustig, heiter, fast hemmungslos albrig, wenn die Erinnerung an die Toten nicht wäre ... Schließlich die Begegnung mit dem Jugendfreund des Rabbis. Ich frage mich, wie es weitergegangen wäre, wenn Heine es fortgesetzt hätte.


Karl Gutzkow: Uriel Acosta
Zwölf Jahre nach der Novelle "Der Sadduzäer von Amsterdam" machte Gutzkoew aus dem Stoff eine Tragödie. Ein sehr eindrucksvolles Stück - um ein Tausendfaches spannender als Lessngs "Nathan", aber mindestens genauso vernünftig.


Ludwig Tieck: Des Lebens Überfluss
Eine meiner Lieblingsnovellen. Die Geschichte eines geflüchteten Liebespaares. Die beiden haben sich den Winter über in einem Haus eingemieten. Dann geht ihnen das Geld aus, und sie können sich kein Brennholz mehr leisten, obwohl es doch so bitterkalt ist. Aber hat nicht das Leben einen geradezu sagenhaften Überfluss um sie herum zu bieten? Wozu braucht man zum Beispiel ein Treppengeländer? Gibt es nicht viel zu viele überflüssige Treppenstufen? Und wozu braucht man eine Treppe überhaupt, wenn man doch gar nicht ausgehen will? Einfach herrlich, diese scheinbar naive Lebenskunst. Die allerdings im Frühjahr den zurückgekehrten Hausbesitzer sofort nach der Polizei rufen lässt.


Ludwig Tieck: Der Wassermensch
Novelle über das Erzählen von Novellen - mit einem leichten Seitenhieb auf meine Lieblingsautoren vom Jungen Deutschland. Nach einer Theateraufführung treffen ein paar Menschen zusammen, und es entspinnt sich ein Gespräch über Schillers Ballade "Der Taucher". Es wird von dem Vorbild des Tauchers, dem sagenhaften Nikola oder Kola Pesce gesprochen, über dessen Leistungen im Schwimmen wahre Wunderdinge berichtet werden. Schließlich versucht sich ein Mitglied der Gruppe als Erzähler und stellt in mehreren Varianten seine Auffassung des Stoffs vor, unter anderem Nikola als Revolutionär, was dem anwesenden JungdeutschenDichter ausnehmend gut gefällt. Die Geschichte hat mich seinerzeit übrigens inspiriert zu meiner eigenen Story "Nicola Pesce". Und ich habe viel über die Verwandtschaft von Novellen und Balladen daraus gelernt. Also ebenfalls eine ziemlich gute alte Freundin.


Aischylos: Die Perser
Tragödie aus dem Jahr 472 v. Chr., die mich im Wintersemester 1992/93 beschäftigt hat. Ich hatte in dieser Zeit kein passendes Seminar gefunden für das, was ich eigentlich wollte, und mir darum mein eigenes "Literaturseminar" gebaut. Selige Vor-Bologna-Zeit, als Studenten noch Zeit und ausdrückliche Erlaubnis zur Selbstbildung hatten. Jedenfalls habe ich mich in dieser Zeit mit Aischylos befasst und seine Perser (1073 Verse) ins Deutsche übersetzt. Also ein Stück, das ich recht gut kenne.
Schade finde ich, dass bei dieser und den weiteren Kindle-Ausgaben überhaupt nicht gesagt wird, wer der Übersetzer ist und woher der Text überhaupt stammt. Zitieren kann man das also nicht. Der Unbekannte hat sich jedenfalls bei der Verdeutschung der Schmerzensschreie nicht halb so viel Mühe gegeben wie ich. Schwierig ist auch, dass der Sprecherwechsel beim Lesen manchmal nicht auffällt. Da denkt man, es spricht noch die alte Königin, und dabei ist man schon mitten in der Chorpartie. Alles in allem: Ganz okay, aber keine Alternative zum Reclamheft.


Heinrich Heine: Florentinische Nächte
Das zweite Romanfragment Heines. Und dasjenige, das von den dreien am geschlossensten ist. Zwei Nächte, in denen Max am Krankenlager seiner Freundin sitzt und ihr Geschichten erzählt, damit sie möglichst ruhig bleibt. Sie soll nämlich nicht reden und sich möglichst auch nicht bewegen. Allerdings lässt sie sich nicht ganz stillhalten. Für die Paganini-Schilderung hat er sich übrigens von meinem Freund Ludolf Wienbarg und dessen Paganini-Buch inspirieren lassen.
Eine Geschichte, die mich zu meiner ersten Veröffentlichung inspirierte: "Florentinische Nächte" im Ergebnisband einer Schreibwerkstatt für Schüler, entstanden 1987 oder 88, herausgekommen, 1989, ein ziemlich peinlicher Text, aber eben der erste ...


Aischylos: Sieben gegen Theben
Die guten alten "Hepta". Das zweitälteste Stück von Aischylos. Sehr streng aufgebaut mit sieben parallelen Vorstellungen der Angreifer und ihrer Gegner im Kampf um die Stadt Theben. Ein Stück, das wegen dieser etwas langweiligen Struktur nicht viele Freunde hat, ich mag aber gerade das Geometrische daran.


Karl May: Weihnacht
Abenteuer-Klassiker mit der nötigen Portion Weihnachtskitsch, passend zur Jahreszeit. Die Winterreise des jungen Karl mit seinem Studienkameraden Carpio, später das rührende Wiedertreffen im Wilden Westen, der sagenhafte Tomahawk-Wettkampf Old Shatterhands mit dem blutgierigen Häuptling Peteh. Das musste einfach mal wieder sein.


Heinrich Heine: Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelowopski
Und Heines drittes Romanfragment, das Holland-Buch. Mit der Schilderung der Opernaufführung des "Fliegenden Holländers", die Wagner zu seiner Oper inspirierte. Und der schwarze Zensurgedankenstrich für die Begegnung mit der schönen Apfelsienenesserin. Das traurige Ende des armen Simson. War ein schönes Wiedersehen.


Aischylos: Die Schutzflehenden
Die drittälteste Tragödie von Aischylos. Galt lange als die älteste, weil der Chor eine so große Rolle gespielt hat. Erst Ende der 1960er fand man bei Ausgrabungen ein Papyrusfragment, aus dem hervorging, dass diese Schutzflehenden viel jünger sind, als bisher angenommen. Zuvor hatte einzig Walter Nestle dies erkannt, er ordnete die Tragödie aus strukturellen Gründen wesentlich später als "Perser" und "Sieben" ein, wollte das auch in einem umfangreicheren Werk beweisen, doch leider wurde er gegen Ende des zweiten Weltkriegs in einem Hinterhof von einem Plünderer erschlagen ...
Aischylos erzählt hier die Geschichte der 50 Danaostöchter, die aus Ägypten zurück in ihr griechisches Mutterland flüchten. Sie sollen gezwungen werden, die 50 Söhne ihres Onkels Ägyptos zu heiraten. Für die Bewohner der Stadt Argos ein Gewissenskonflikt: Weist man sie ab, verscherzt man es sich mit den Göttern, die das Gastrecht und die Schutzflehenden schützen. Nimmt man sie auf, bedeutet das Krieg mit den mächtigen Ägyptern ...


Karl May: Ardistan
Erster Teil des Zweiteilers "Ardistan und Dschinnistan", der Urgroßmutter aller Fanasyromane. Habs jetzt schon mindestens fünfmal gelesen. Kara Ben Nemsi im Reich der Ussul, liebenswerte, etwas schwergängige Riesen aus dem Sumpfland mit wunderbaren Pferden. Bisweilen etwas viel Predigtstil. Und der Superheld aus Deutschland kann alles, sieht alles, weiß alles, selbst bzw. gerade wenn er sich besonders bescheiden gibt. Aber es ist einfach ein tolles Buch. Verstehe nicht, wie es Tolkien schaffen konnte, dass sein Dreiteiler die "Bibel der Fantasy" wurde. Sagen wir: May schrieb das "Alte Testament" der Fantasy ...


Theodor Storm: Aquis submersus
Geschichte eines rätselhaften Bildes und eines Malers, der seine Geliebte verliert und unwissentlich den Tod seines Sohnes verschuldet. Mein Lieblingsstorm. Habs jetzt zum dritten oder vierten Mal gelesen. Ich war ja ziemlich lange weg von Storm, weil ich dachte, wer einmal an Wilhelm Raabe geschnuppert hat, für den sei Storm einfach zu ... weiß auch nicht. Zu heile, zu banal, zu zierlich? Also, "Aquis submersus" bleibt eine meiner Lieblingsnovellen.


Wilhelm Raabe: Holunderblüte
Neben den "Akten des Vogelsangs" mein absolut liebster Raabe. Zuletzt gelesen habe ich es glaube ich, in Prag, das ist lange her. Es geht um einen jungen Medizinstudenten und ein jüdisches Mädchen, das ihn über den alten jüdischen Friedhof führt. Um eine Tänzerin, deren Herz brach. Und um Holunderblüten, womit allerdings Flieder gemeint ist. Eine wunderschöne, traurige Geschichte.


Achim von Arnim: Isabella von Ägypten
Das Reclamheft habe ich mir angeschafft, als ich in der zwölften Klasse war. Da hatte ich gerade Heinrich Heine entdeckt und seine "Romantische Schule" gelesen, in der Heine besonders auf jene gruselige Kutsche hinwies, die Achim von Arnim da durch seine Novelle schaukeln ließ: In ihr saßen nämlich eine alte Zigeunerin und Hexe, ein toter bzw. untoter Bärenhäuter, ein Golem in Gestalt der lieblichen Isabella und der aus einer Alraune auf magische Weise hergestellte Cornelius Nepos, der unbedingt General oder irgend etwas anderes Hohes werden wollte. Ja, tatsächlich eine unheimliche Gesellschaft. Und die Geschichte war beim zweiten Lesen auch nicht schlecht, wenn auch etwas umständlich.


Aischylos: Der gefesselte Prometheus
Aischylos' letzte Tragödie. Entstanden auf Sizilien. Zum Teil umstritten, da sie sprachlich etwas einfacher ist als seine anderen Sachen. Aber er schrieb sie ja auch für einen etwas einfacher gestrickten sizilischen Chor, nicht für die dionysienerprobten Leute aus Athen. Ich bin geneigt, sie für echt zu halten. Allein schon wegen des weitausholenden, mehrere Generationen umspannenden Welt- und Schicksalsentwurfs. Die Geschichte vom Titanen Prometheus, der die Menschen liebte und ihnen das Feuer brachte. Vom weitblickenden Sohn der Themis, der die Jahrhunderte der Götterschicksale überschaute. Von Trotz, Verhärtung und Beharren. Aber auch vom jungen, seiner selbst noch nicht ganz sicheren Gott Zeus, der zu unmäßigen Strafaktionen neigte. Unverzichtbar.


Karl May: Der Mir von Dschinnistan
Zweiter Teil der Urgroßmutter aller Fantasyromane. Mit dem zum Teil ergreifenden, zum Teil parodistischen Weihnachtsfest in Ardistan und der eindrucksvollen Gerichtsverhandlung am Maha-Lama-See. Pflichtlektüre für alle Phantasten.


Ida von Hahn-Hahn: Faustine
Mal ein Buch, das ich vorher noch nicht kannte. Ich hatte bloß Ida von Hahn-Hahns "Orientalische Briefe" gelesen und war begeistert. Eine sehr mutige Frau mit einer verdammt guten Schreibe.
Diese "Faustine" ist nicht wirklich das weibliche Pendant zum "Faust". Es geht nicht um eine Wissenschaftlerin, die vom Wissen ermüdet ist und nicht weiterkommt. Und es geht auch nicht um einen Teufelspakt. Mit ihrem berühmten Namenspatron berührt sich diese Faustine eher in ihrer Gedfühlswelt, hier scheint es tatsächlich so etwas wie ein ewiges faustisches Streben und eine gewissen Grenzenlosigkeit zu geben. Und in ihrem Egozentrismus. Jedenfalls die Geschichte einer intelligenten, auch künstlerisch hochbegabten Frau, die sehr selbstbewusst ihren Platz innerhalb der Gesellschaft beansprucht und in einer Zeit, in der Frauen eigentlich gar nicht ohne einen männlichen "Vormund" frei herumlaufen durften, ihre eigenen Entscheidungen trifft und ihr Leben selbst bestimmt. Berührt sich zum Teil sehr eng mit dem Leben der Verfasserin, auch Faustine unternimmt eine Orientreise und beschließt am Ende, in ein Kloster zu gehen ...


Adalbert von Chamisso: Peter Schlemiehls wundersame Geschichte
Die Geschichte vom Mann, der seinen Schatten verkaufte. Ebenfalls ein absoluter Klassiker, den ich in den späten 80ern zuerst las. Mein Versuch, meine kleine Schwester von dem Buch zu begeistern, schlug allerdings fehl. Sie fand die einleitenden Briefe stinklangweilig, las nur die erste Seite, und ich bekam das Reclamheft mit einem hässlichen Knick im Titelbild zurück. So geht es mir oft, wenn ich Bücher empfehle ... Ist aber wirklich ein gutes Buch.



Bücher, die ich zurzeit lese:
Tanja Kummer: Die Weltenwandlerin
Gunnar Kunz: Ruf der Walküren
Moses Mendelssohn: Ästhetische Schriften
Bartholomäus Figatowski: Wo kein Kind zuvor gewesen ist

Dazu vielleicht nächstes Jahr mehr. Jetzt wünsche ich euch allen einen guten Rutsch und ein ganz tolles Jahr 2014. Und schaut mal wieder rein. ;-)



Jahresrückblick 2013, Teil I: Januar bis März
Jahresrückblick 2013, Teil II: April bis Juni
Jahresrückblick 2013, Teil III: Juli bis September


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick 2013, Teil III

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2013 · 220 Aufrufe
Jahresrückblick
2013 war in jedem Fall ein Jahr, in dem ich viel unterwegs war und viel vorgelesen habe. Das Con- und Lesejahr begann für mich mit einer Winterreise nach Homburg im Saarland bei Eis und Schnee, wo ich auf der HomBuch zusammen mit Andrea Tillmanns einen Tisch und eine Lesung hatte und meinen Roman "Das Serum des Doctor Nikola" sowie die Anthologie "Drachen! Drachen!" vorstellte. Mit Doctor Nikola war ich auch zu Gast auf dem DortCon (Lesung zusammen mit Michael Böhnhardt). Ich war auf dem MarburgCon (ohne Lesung, nur mit Büchertisch) und auf dem BuCon (nur als Bücherfan im Kaufrausch) und las im Wiesbadener Literaturcafé aus "Die Schlagzeile" vor. Auf der Mainzer Minipressenmesse stellte ich in zwei Lesungen die Anthologien "Autorenträume" und "Mit Klinge und Feder" vor. Ich las zweimal im Bad Salzdetfurther Kulturbahnhof, zweimal in der Salze-Klinik und einmal im dortigen Kurpark, einmal im Hildesheimer Café Akku und einmal beim Kulturkreis Laatzen. Dreimal war ich beim Hildesheimer Lokalradio "Tonkuhle" zu Gast. Ebenfalls dreimal gab es Lesungen mit Rena Larf auf Radio 1000 Mikes, in denen sie meine Bücher und Geschichten vorstellte.
Beim Lesen in Büchern anderer Autoren war ich im dritten Quartal 2013 etwas fleißiger als in dem Halbjahr zuvor. In den Monaten Juli bis September gab es vor allem Begegnungen mit Lyrik, dazu ein paar Krimis und Thriller, außerdem einige Klassiker und erneut einiges an Phantastik aus kleineren Verlagen. Viel Vergnügen damit.


Juli

Wislawa Czymborska: 100 Freuden. Gedichte. Übersetzt von Karl Dedecius
Wenn ich in eine Buchhandlung komme, gehe ich gewöhnlich ans Lyrikregal, falls vorhanden, und suche ein Buch, das folgende drei Kriterien erfüllt: 1. Keine Anthologie. 2. Autor lebt noch. 3. Kein Nobelpreisträger. Und am liebsten hätte ich ja deutschsprachige Lyrik, keine aus fremden Sprachen übersetzte ... Letzteres ist allerdings optional. Gewöhnlich fallen dabei alle vorhandenen Bücher durchs Raster ...
Wislawa Czymborska ist tot und war Nobelpreisträgerin, und diese "Hundert Freuden" sind eine Zusammenstellung von Gedichten aus dem Gesamtwerk dieser als "Erste unter den Lyrikerinnen Polens" gefeierten Autorin. Aber ich habe das Buch dann doch mitgenommen, beim Blättern habe ich mich an der einen oder anderen Stelle festgelesen. Es sind einige beeindruckende Gedichte darin, allerdings ist es weniger das "Lyrische" in ihrem Werk, das mich ansprach, sondern gerade das "Erzählerische". Oft sind es kleine Geschichten oder beobachtete Situationen, die zum Nachdenken anregen. Das ganze sehr herb, oft nüchtern und emotionslos, und darunter spürt man die Verletzungen der Welt. Da ist das Gespräch mit einem Stein, der einen Menschen nicht hineinlassen will. Da sind die Gedanken eines Terroristen, der aus der Ferne die Bar beobachtet, in der er eine Bombe versteckt hat, die um 13.20 Uhr explodieren soll. Aber vor allem ging mir das Gedicht "Vietnam" unter die Haut. Eine Frau taucht auf, die niemand kennt. Man fragt sie nach ihrem Namen: "Ich weiß nicht", sagt sie. Nach ihrer Herkunft, ihrem Ziel, ihren Verletzungen: "Ich weiß nicht", sagt sie bei jeder Frage. Nur bei der letzten nicht. "Sind das deine Kinder? Ja."
Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich das Lyrik nennen würde.

The Green Lantern Archives vol. 7
Weiß nicht, ob ich mich hier schon als Green-Lantern-Fan geoutet habe? Wenn nicht, tue ich es hiermit. Und füge hinzu, dass ich Hal Jordan sowieso für die beste, einzige und wahre Green Lantern des Raumsektors 28/14 halte. ;-) Das Buch bietet wie die sechs Bände zuvor die Abenteuer der alten Silver-Age-Hefte, diesmal vor allem Auseinandersetzungen mit dem Erzfeind Sinestro, der auch das Cover ziert. Für Fans ein absolutes Muss. Wenn ich auch zugeben muss, dass die 90er und 2000er Jahre die Comichelden um einen Qualitätsquantensprung vorwärtskatapultiert haben ... Aber ich bin halt ein Kind des Silver Age ...

Hilde Domin: Nur eine Rose als Stütze
Ein weiterer Gedichtband, in dem ich mich bem Buchhandlungsbesuch festgelesen habe. Herb und doch ausdrucksstark. Allein schon dieser Auftakt: "Man muß weggehen können / und doch sein wie ein Baum: / als bliebe die Wurzel im Boden, / als zöge die Landschaft und wir stünden fest." Naturschilderungen, Trauer und Verlust, immer wieder Gedichte vom Unterwegs-Sein. Sprache und Tonfall sind sehr schlicht und ohne Bombast, treffen aber gerade dadurch. Immer wieder fühlte ich mich zum Lautslesen und Nachsprechen gezwungen, und zu manchen Gedichten bin ich mehrfach zurückgekehrt. Und ich werde dieses Buch sicher noch häufiger wieder zur Hand nehmen.

Reiner Kunze: sensible wege und frühe Gedichte
Einiges von Reiner Kunze kennt man ja aus dem Deutschunterricht. Habt ihr damals auch "Die Bringer Beethovens" im Deutschbuch gelesen und interpretieren müssen? Ich hatte damals eine Klassenkameradin aus der DDR (ihre Eltern waren wohl geflohen oder übergesiedelt, ich weiß nicht mehr genau, sie hatte etwas von "Familienzusammenführung" erzählt, so kam sie auch herüber). Sie hatte uns einen besonderen Schatz mitgebracht: einen Brief von Reiner Kunzes Frau, die "Bringer Beethovens" betreffend. Eine gar nicht so unheikle Angelegenheit, stellte ich mir vor. Da schrieb eine Schülerin einer DDR-Schule einen Dichter an und fragte ihn, wie er dieses Gedicht gemeint habe, ob es wohl politisch zu verstehen sei gar als Kritik an der Regierung ...? Andererseits, da sie wohl ungefähr mein Alter hatte und Reiner Kunze schon 1977 in den Westen kam, war das Risiko wohl nicht mehr so groß. Der Brief war jedenfalls recht diplomatisch und dennoch sehr warmherzig, viel war von Farben die Rede, man könne halt nicht bei allen Dingen sagen, das sei schwarz und das weiß, der Regenbogen habe viele Farben. Es endete mit dem Wunsch, meine Mitschülerin möge offen für die Farben des Regenbogens beiben.
Die Gedichte in diesem Band gehören eigentlich noch heute in jedes Deutschbuch und in jedes Geschichtsbuch. Es sind hochpolitische, oft sehr mutige Bestandsaufnahmen, Kommentare zu Ereignissen, über die man besser nicht redete, wie der Biermann-Ausweisung, da ist von Folter und Verhören die Rede, von Erziehungsmethoden, von den eigenen Kindern, aber auch von Freundschaft über die Sprachgrenzen hinweg, von der alles verbindenden Kraft der Musik. Kleine Beobachtungen aus dem Alltag zeigen, wie Angst im Osten funktionierte, etwa der Siebenzeiler "Am Briefkasten", in dem jemand bemerkt, dass er eine Briefmarke verkehrt herum aufgeklebt hatte. "Der kopf steht kopf" - ob das noch als Versehen durchgeht? "Am besten / ein neuer Umschlag".
Unbedingt empfehlenswert.

Mark Staats: Aufstieg einer Heldin
Eine herrliche Fantasy-Parodie, die ich jedem empfehlen kann. Erzählt wird die Geschichte eines Helden, eines so heldenhaften Helden, dass man sein Bild sogar als Rausreiß-Puzzle in der Zeitschrift "Hurra!" findet. Eine Zeitschrift, in der sehr sensibel auf Leserbriefe geantwortet wird wie zum Beispiel auf den einer jungen Elfe, die schreibet: "Er will nur meine Ohren." Dazu eine Prinzessin, die es satt hat, auf den rettende Prinzen zu warten, und sich kurzerhand selbst rettet, wobei das gerade in ihr erwachte Helden-Gen tüchtig hilft. Es geht um Abenteuer in einer Baumstadt, um schwule Drachen, um Armeeköche mit heftigem Eigenwillen und Abneigung gegen das Kämpfen, um eine neue Form der Temperaturmessung, um Erfindungen und ein Liebespaar der besonderen Art. Ein Buch, das einfach nur Spaß macht. Daumen hoch.

Ursula Schmid-Spreer/Kerstin Lange (Hrsg.): Schreibaffären

Die Welten von Thorgal: Thorgals Jugend I - Die drei Schwestern

Sabrina Zelezný: Kondorkinder - Die Suche nach den verlorenen Geschichten

Sabrina Zelezný: Kondorkinder - Der Fluch des Spiegelbuchs


Titus Müller (Hrsg.): Gedichte schreiben und veröffentlichen
Ein Buch, das ich im Antiquariat fand und für einen Schnäppchenpreis bekam. Insgesamt steht nicht unbedingt viel Falsches drin. Aber ich fand es auch nicht allzu berauschend. 70-80 Prozent handen allgemein vom Veröffentlichen, also Tipps, die man als Prosaschriftsteller auch schon tausendmal so oder so ähnlich gehört hat. Dass man für seine Veröffentlichungen nichts bezahlen soll und dass man sich bei der Verlagssuche und beim Anschreiben einer sorgfältigen Recherche befleißigen sollte, stimmt. Die Ratschläge für die Gestaltung einer Lesung oder das Verfassen und Versenden einer Pressemitteilung sind ebenfalls 1:1 aus dem Ratschlagsrepertoire für Prosa- und sonstige Autoren übernommen. Der Anteil des Buches, der wirklich dezidiert auf das Phänomen Lyrik eingeht, ist also sehr dünn. Und zumeist schwach und banal.
Im einleitenden Kapitel "Wie man gute Gedichte schreibt" listet Herausgeber Titus Müller Reimarten, Versmaße und Stilmittel auf. Das ist akribisch und sicher auch mit Fleiß gemacht, auch wenn sich das heutzutage jeder aus dem Internet zusammenkopieren kann. Jedoch sagt einem diese lexikalische Übersicht weder, wie man Gedichte macht, noch wie man gute Gedichte macht. Das Zeug wäre als Anhang zum Nachschlagen ja ganz nett, aber nicht als Einleitung und schon gar nicht als Ratschlag. Thema verfehlt. Außerdem gibt es als Anhang schon ein weiteres Nachschlagwerk, das die wichtigsten rhetorischen Figuren auflistet. Ebenfalls nicht lyrik-spezifisch.
Sehr interesant fand ich das von Kai Lüftner geschriebene Kapitel "Lyrik als Dienstleistung: Geld verdienen mit Gedichten". Auch und gerade weil es so kurz ist und ziemlich ernüchternd herüberkommt. Mehr als Werbetexter und Verfasser von bezahlten Geburtstags- oder Silberhochzeitsgedichten, eventuel noch das professionelle Slammen fällt dem Verfasser nämlich auch nicht ein ... Ebenfalls interessant ist der Beitrag von Nico Bleutge und Anton G. Leitner, die sich um eine Standortbestimmung der deutschen Lyrik bemühen und einen Ausblick ins neue Jahrtausend wagen (das Buch erschien 2001). Ob die Betrachtungen einem jungen Nachwuchs-Lyriker beim Abfassen des eigenen Werkes helfen, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Absoluter Höhepunkt war für mich das "Lyriksplitter-ABC von Theo Breuer, der zu jedem Buchstaben des Alphabets einen lyrikspezifischen Eintrag verfasste - von A wie Avantgarde bis Z wie "Zwischen den Zeilen". Das ist amüsant zu lesen, oft sehr hilfreich und immer literarisch ansprechend formuliert. Tilman Rau mit seinem Kapitel über Slam Poetry zieht ein ernüchterndes Fazit: "Die Lyrik hat's schwer auf der Slambühne, weil sie eigentlich nicht für den Slam gemacht ist. Man muss nur die Reaktionen auf ein Gedicht mit denen auf eine unterhaltsame Kurzgeeschichte vergleichen." Ja, die Lyrik, die ich meine, ist auch nicht unbedingt slamtauglich. Auch wenn es da natürlich ganz andere gibt.
Es ist unfair, ein zwölf Jahre altes Buch nach den Selbstverständlichkeiten von heute zu beurteilen. Insofern bitte ich, meine Schelte über Autorengemeinplätze wie Verlagssuche nicht auf die Goldwage zu legen. Vielleicht musste man es damals den Lyrikern noch einmal gesondert sagen, wie sie Lesungen gestalten, Pressemitteilungen schreiben und Verlagsnamen recherchieren sollten. Aber dass man nicht dichten lernt, indem man ein Lexikon der Stilmittel liest, dürfte auch damals schon gestimmt haben.


Rena Larf: Mord zwischen Bille und Serrahn

D.W. Schmitt: Perlamith 3 - Lichtstrand




August

Hellmut Flashar: Aristoteles, Lehrer des Abendlandes
Hellmut Flashar ist einer der ganz großen in der Aristoteles-Forschung. Ein Autor, der mich im Philosophie sehr gut durch das Werk des Stagiriten geleitet hat. Auch dieses Buch mit dem Titel "Lehrer des Abendlandes" hat mir sehr gut gefallen. In unprätentiöser Sprache und mit einem großen Überblickswissen breitet Flashar die Welt des Aristoteles vor dem Leser aus. Hier geht es nicht um einige Spezialaspekte seines Werkes, sondern um eine Gesamtübersicht, sodass nahezu alle Wissensgebiete der damaligen Zeit durchstreift werden. Man erfährt also Biographisches und Hintergründe zur Athener und Makedonischen Politik genauso wie Flashar sich mit philosophischen Traditionen beschäftigt, in denen Aristoteles stand oder an denen er sich abarbeitete. Es geht um die Naturwissenschaften jener Zeit und die empirische Forschung, aber auch um Aristoteles als Verfasser grundlegender Schriften der Geistes- und Sozialwissenschaften. Das alles in gut zu handhabenden Portionen und gut strukturiert. Für den Anfänger eine gute Einstiegslektüre. Und für jemanden, der sich schon länger mit dem Philosophen befasst, ein Buch, das vieles neu ins Gedächtnis ruft, anders beleuchtet und immer mal wieder für Aha-Erlebnisse sorgt. Empfehlenswert.

Mark Brandis: Geheimsache Wetterhahn
Der letzte Band der 31-teiligen Mark-Brandis-Serie. Noch immer hat die Erde an den Folgen der Ikarus-Katastrophe zu leiden. Nun manipulieren skrupellose Kriminelle auch noch das Wetter - in einer Zeit, in der jede Missernte dem Planeten den Todesstoß geben kann. Hauptziel des selbsternannten Wettergottes scheint die Vernichtung der Vereinigten orientalischen Republiken zu sein, über die er eine tödliche Dürreperiode verhängte, während er es auf die Felder der Europäisch-Afrikanisch-Amerikanischen Union erntefördernd regnen lässt. Den Republiken scheint nur ein einziger Ausweg zu bleiben: Krieg, um Nahrungsmittel zu erobern. Da gerät Mark Brandis auf die Spur eines geheimnisvollen Phantomsatelliten.
Die Geschichte ist spannend und routiniert erzählt. Etwas unglaubwürdig erscheint allerdings die Art, wie Brandis aus zwei halben Wörtern in zwei zufällig mitgeschnittenen Funkspruchfragmenten das über Leben und Tod entscheidende Codewort zusammenbastelt und auf diese winzig kleine Chance auch noch sein Leben setzt. Große Abzüge gibt es für den Anfang, der ähnlich wie bei "Kurier zum Mars" ein zielloses Herumstochern zu sein scheint und etwas vorbereitet, das später überhaupt nicht zum Tragen kommt. John Harris, Brandis' Mentor und Vorgesetzter, wird nämlich entführt und durch eine perfekte Kopie ersetzt. Und dies geschieht, ohne dass es irgend eine Folge für den Verlauf der Geschichte hat. Wie kann das sein, dass man eine Person von solcher Machtfülle, einen Menschen, dem von allen Seiten uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht wird, einfach vom Spielfeld nimmt und dann vergisst, dass man es getan hat? Der Autor schrieb doch seinen Roman nicht als Zeitschriftenfortsetzungsgeschichte ...


Mark Brandis: Aufbruch zu den Sternen
Ein kleiner Leckerbissen für Brandis-Fans: Nach Abschluss der offiziellen 31-bändigen Mark-Brandis-Serie veröffentlichte der Wurdack-Verlag als 32. Band eine Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Brandis-Universum. Man findet darin zum Beispiel die Geschichte "Aufbruch zu den Sternen", in der sich der jugendliche Brands als blinder Pasagier auf ein Raumschiff schleicht, um sich auf der Venus zum Astronauten ausbilden zu lassen. Oder die Geschichte von Iwan Stroganow und seiner Geliebten Masha, in der eine pünktliche Heimkehr darüber entscheiden soll, ob die beiden heiraten. Meine Lieblingsgeschichte ist "Floby Dick", eine Erinnerung an die Zeit nach der afrikanischen Katastrophe, als menschliche Bewustseine als Bauteile für Maschinen verwandt wurden. "Floby Dick" ist so ein versprengtes, einsam durchs All irrendes Raumschiff mit menschlichem Bewusstsein, das eines Tages ins Visier eine FLOB-Jägers gerät.
Eine neue Variation des Gehirnwäsche- und Kunstmenschen-Themas, das sich durch die Serie wie ein roter Faden hindurchzieht, bietet "Der Egomat", eine Geschichte über William Xuma und dessen Bruder Tom, der von den Vereinigten Orientalischen Republiken gefangen und mit einem neuen Gehirn versehen wurde - Pech für Egomaten ist allerdings, dass Xuma schwarz ist und sein neues Bewusstsein das eines extremen Rassisten. "Der "Wyatt-Earp-Faktor" beschwört die gute alte Westernromantik wieder hervor. Es geht um einen absolut zielsicheren Roboter, der jedes Duell gewinnt. Besiegt wird er durch einen robotpsychologischen Trick in guter alter Mark-Brandis-Tradition.
Etwas verwirrend fand ich die letzte Geschichte, "Heimkehr eines Astronauten", in der ein verirrter Raumfahrer nach schier endlosem Aufenthalt im All - 99 Jahre - zur Ede zurückkehrt. Seine gesamte Besatzung ist umgekommen, nur seine unterwegs geborene Tochter Ruth kann er zur Erde zurückbringen. Irgendwie bringe ich dieses Unter-den-Sternen-geboren-und-Aufgewachsen-Sein nicht mit der Ruth O'Hara unter einen Hut, die ich in den 31 Bänden zuvor kennen gelernt habe.

Ernst A. Schmidt / Manfred Ullmann: Aristoteles in Fes
Ein recht dünnes Büchlein, das sich mit der arabischen Überlieferung des Werkes von Aristoteles, genauer gesagt seiner Nikomachischen Ethik, befasst. Im einleitenden Text wird kurz auf die Fundorte und den Erhaltungszustand der gefundenen Schrifen eingegangen, am Schluss gibt es eine textkritische Diskussion und einen Versuch, die richtigen Lesarten zu finden. Den Löwenanteil machte der Mittelteil aus, in dem die arabischen Textfragmente in lateinischer Umschrift dargeboten werden, es folgt jeweils eine kurze Übersetzung und der entsprechende griechische Text beziehungsweise die griechischen Varianten. Ohne Arabisch lesen zu können, hat mir doch ein wenig die arabische Schrift gefehlt. Kam mir irgendwie komisch vor, nur die kursive Umschrift zu sehen. Der Einblick in die Überlieferung war sehr interessant, vor allem, da die orientalischen Gelehrten offenbar an vielen Stellen sorgfältiger und wortgetreuer bei der Abschrift vorgegangen sind. Trotzdem ein Buch, das ich nicht jedem empfehlen würde, sondern wirklich nur Philologen, die sehr tief in den griechischen Text eintauchen und in Zweifelsfragen ein einzelnes Wort genauer beleuchten wollen.

Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen (Reclam)
Sehr destruktive und schwarze Inhalte in traditioneller, beinahe zierlicher Form, klassische Versmaße und Reime inklusive. Nicht ohne Grund ein Klassiker. Die Übersetzung scheint recht gut gelungen, vor allem weil die Übersetzerin sich auf die strenge Form einlässt und sich nicht auf eine Sinnwiedergabe in freien Versen beschränkt. Das Nachwort hätte umfangreicher ausfallen können, ein Kommentarteil fehlt, der Informationsgehalt ist also recht gering. Schade, da hätte ich mir mehr gewünscht.

Terenz: Der Eunuch (Reclam)
Nette antike Verwechslungskomödie. Es geht um einen jungen Mann, der sich bei seiner Geliebten einschleichen möchte. Am günstigsten erscheint ihm das in der Rolle eines Eunuchen, denn einen solchen hatte er ihr ja schon lange versprochen. Ein Geschenk, mit dem er auch den reichen Nebenbuhler glorreich auszustechen gedenkt. Das Ganze ist recht lustig und hat schließlich ein Happy End, bei dem auch der reiche Trottel eine freundliche Behandlung findet. Und der Schmarotzer, der sich mit Schleimereien ganz gut über Wasser hält, ist ebenfalls eine sehr einprägsame Figur mit tiefen Einsichten in die menschliche Psyche.

Nikolai von Michalewsky: Wintersturm ... in Böen dreizehn
Entdeckung im Antiquaritat, die ich nicht liegen lassen konnte. Ein spannender Jugendroman über einen Bergignsschlepper und seine Besatzung. Sehr authentische Schilderungen des Bordlebens. Und ganz schön fies, wie die Mannschaft ihre Konkurrenz austrickst, um als erste beim Wrack zu sein. Da wird mit harten Bandagen gekämpft.

Nikolai von Michalewsky: In gefährlichen Tiefen. Grüner Auftrag für "Fortuna"
Noch ein Antiquariatsschnäppchen und Jugend-Abenteuer. Geschichte über einen deutschen Taucher, der einfach nur im Mittelmeer seine Ruhe haben möchte und ab und zu einen gut bezahlten Auftrag erledigen will. Eines Tages will ihn eine Umweltschutzorganisation engagieren, um versunkene Giftfässer zu finden und zu bergen. Doch das gefällt einigen Leuten gar nicht, und es wird lebensgefährlich. Sehr fesselnd geschrieben.

Frank Lauenroth: New York Run

Ludwig Bauer: Orplid
- Der heimliche Maluff
- Orplids letzte Tage
Orplid ist vielleicht dem einen oder anderen von euch durch Eduard Möricke bekannt. Im "Maler Nolten" kommt ein Theaterspiel vor, das "Der letzte König von Orplid" heißt. Und vielleicht kennt ihr auch Mörickes Gedicht "Gesang Weylas": "Du bist Orplid, mein Land, / das ferne leuchtet ..." Orplid war eine Art frühes Fantasy-Königreich, das Möricke und sein Freund Ludwig Bauer in ihrer Jugend gegründet haben. Es gab auch einmal ein Taschenbuch, das Peter Härtling herausgegeben hatte und in dem die Orplid-Texte beider Autoren versammelt waren: Briefe, Gedichte und eben auch drei Dramen, von denen Mörickes "Letzter König" vollständig, die beiden von Bauer jedoch nur in Auszügen abgedruckt waren. Damals, vor rund 25 Jahren, hat mich das ziemlich gewurmt. Und als ich nun im Internet den Band mit den beiden Bauer-Dramen entdeckte, habe ich gleich zugegriffen. Das Buch ist schon ziemlich betagt, es erschien zum 100. Geburtstag Mörickes und enthält außer den beiden Dramen auch noch ein paar Anmerkungen Bauers zu Orplid.
Im "Heimlichen Maluff" geht es darum, dass ein Nachbarkönig Orplid angreifen will, was aber durch ein Wunder verhindert wird. In "Orplids letzte Tage" bricht die Bevölkerung der Insel ein Tabu, nämlich indem sie beginnt sich für Schifffahrt zu interessieren. Die Götter erfüllen daraufhin die alte Prophezeiung und lassen Orplid untergehen. Am Leben bleibt lediglich der König, dem es bestimmt ist, noch lange einsam auf der Insel zu leben. Das Stück erzählt also gleichsam die Vorgeschichte zu Mörickes Drama "Der letzte König von Orplid". .
Sehr interessant, wenn auch nicht gerade ein Pageturner. Das Buch hat durchaus seine Längen. Als Lektüre also eher denen zu empfehlen, die sich näher mit Orplid oder Mörickes Welt befasssen möchten. Wer es nur zum Vergnügen in die Hand nehmen möchte, dem sei abgeraten.

Selma Meerbaum-Eisinger: Blütenlese (Reclam)
Ein beeindruckendes Büchlein. Zarte Verse, traurige Gedanken, Naturbeobachtungen. Einziges Werk, Frühwerk, Hauptwerk, zugleich Fragment und vollendet ... Ganz erstaunlich reif, was diese junge jüdische Frau dort schrieb, bevor sie, nur achtzehnjährig, im Jahr 1942 am Fleckentyhus starb, im Arbeitslager, wohin sie und ihre Familie deportiert worden waren. Ein besonderes Buch, werde es nicht vergessen.

Julie Zeh: Treideln
Wow! Klug, frisch, rotzfrech - so müssen Frankfurter Poetikvorlesungen gehalten werden. Lesebefehl an alle!

Hans Kruppa: Schenk dem Tag ein Lächeln
Es ist unfair, Hans Kruppa direkt nach Selma Meerbaum-Eisinger zu lesen. Er kann dadurch nur verlieren. Seine Gedichte sind nicht schlecht, meist mehr Aphorismen, meist darüber, wie es denn wäre, wenn wir Menschen uns einfach mal anständig benehmen würden, wenn wir unseren Mitmenschen freundlich, unseren Gefühlen ehrlich und unseren Gedanken mutig begegnen würden. Ja, wäre schön. Und schön ist das Buch auf jeden Fall geworden, die herrlichen Illustrationen, der tolle Einband. Ein schönes Geschenkbuch eben. Ein Lächeln für den Tag.

Alexis Kivi: Die sieben Brüder
Wie das "Kalevala" das finnische Nationalepos ist, so sind diese "Sieben Brüder" der finnische Nationalroman. Erzählt wird die Geschichte von sieben Brüdern, die nicht zur Schule gehen und nicht Lesen lernen wollen. Bärenstarke Kerle sind sie fast alle, gutherzig aber manchmal entsetzlich tollpatschig, leicht zu provozieren, manchmal auch einfach vom Pech verfolgt. So verpachten sie den elterlichen Hof und ziehen hinaus in die Wildnis, um hier ein neues Gehöft zu gründen. Eine Familiengeschichte der etwas anderen Art. Und ein Ausflug in die Welt der finnischen Sagen und Geschichten. Humorvoll, oft tragikomisch, aber doch eine ernste Geschichte. War gut.

Michael Buttler: Die Bestie von Weimar

Sabine Hartmann (Hrsg.): Gesalzene Morde

Wilhelm Herzberg: Das Hambacher Fest
Uraltes Buch, stammt aus dem Jahr 1908. Ich habe es 1995 zum ersten Mal gelesen, als ich mich auf meine mündliche Magisterprüfung vorbereitete, eines meiner Themen lautete nämlich "Das Hambacher Fest". Natürlich habe ich damals auch modernere Literatur herangezogen, aber dieser alte Schinken war für mich doch der beste Begleiter durchs Studium. Einfach, weil der Verfasser eine ungeheure Materialfülle zusammengetragen hatte. Originaldkumente, literarische und publizistische Texte, Gerichtsakten, Flugblätter und dergleichen, dazu wurde sehr anschaulich die Vorgeschichte herausgearbeitet, die Bedingungen damaliger Politik, die Herkunft und Ziele der Protagonisten. Kleine Ereignisse am Rande, Details, Anekdoten, Liedtexte und Auszüge aus den Reden, der Werdegang der Hambacher nach dem Fest ...Das war nicht nur übersichtlich, detailreich und im großen Zusammenhang dargestellt, sondern dabei auch sehr anschaulich. Kein Wunder, dass für mich jetzt, als ich mich für meinen historischen Roman "Freiheitsschwingen" erneut in das Hambach-Gefühl hineinlesen wollte, kein anderer als der alte Herzberg-Text infrage kam. Also, falls ihr ihn irgendwo im Antiquariat herumliegen seht: Nehmt ihn mit, es lohnt sich.



September

Erik Schreiber (Hrsg.): Geheimnisvolle Geschichten: Steampunk

Nicolo Macchiavelli: Lorenzo il Magnifico / Lorenzo der Prächtige
Zweisprachige dtv-Ausgabe, ein Auszug aus Macchiavellis "Geschichte von Florenz". Antiquarischer Zufallsfund. Die Geschichte ist nicht uninteressant, eine sehr beeindruckende Persönlichkeit zweifellos. Nur eine 2/3-Seite Anmerkungen und ein dreieinhalbseitige Nachwort sind allerdings ziemlich wenig. Dafür gibt es noch eine knapp zweiseitige Bibliographie.

Peter Hereld: Das Geheimnis des Goldmachers
Ein historischer Roman, der in meiner Heimatstadt Hildesheim spielt. Robert "der Schmale" ist einer der wenigen Überlebenden des "Kinderkreuzzugs". Er geriet in Gefangenschaft, wurde einem reichen Orientalen verkauft, hat dort Jahre zugebracht und konnte nun flüchten. Zusammen mit seinem arabischen Freund Osman kehrt er nach Deutschland zurück. Eigentlich wollen die beiden nach Köln, doch nach ihrer Ankunft in Bremen müssen sie nun in Hildesheim einen Zwischenstopp machen. Dabei begegnen sie Albertus Magnus, der hier im Auftrag des Papstes alchimistische Studien betreibt und nach einem Weg suchen soll, Gold herzustellen. Als wenig später der Goldmacher entführt wird, sind die Fremden natürlich die ersten Verdächtgen. Zumal die Inquisition bereits ein Auge auf die seltsamen Morgenländer geworfen hat. Robert und Osman haben nur eine Chance: Sie müssen Albertus finden und seine Entführer zur Strecke bringen, bevor sie selbst gefasst werden.
Der Roman zeugt von großer Sachkenntnis und akribischer Recherche. Peter Hereld kennt vermutlich jeden Stein im mittelalterlichen Hildesheim. Und auch die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse in der Stadt wirken gut recherchiert und mit Liebe zum Detail ausgeführt. Etwas anstrengend sind die vielen Tempusfehler, da der Autor konsequent den Gebrauch des Plusquamperfekts vermeidet. Gibt es denn bei Gmeiner keine deutschsprachigen Lektoren? Unangenehm ist auch, dass der Name Jesus Christus ständig falsch dekliniert wird ("Gelobt sei Jesu Christi!"). Ansonsten ein schöner Ausflug ins mittelalterliche Hildesheim, der mir viel Spaß gemacht hat.

Die großen Reden der Indianer. Hrsg. v. Renate Kiefer und Lenelotte Möller
Sehr umfangreiche Sammlung indianischer Rhetorik. Fast alles freilich überliefert von Weißen, das meiste später aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. Und wenn überhaupt zuverlässig überliefert, dann auch nur in der Version, die die Dolmetscher weitergaben. Insofern alles Texte, die mit einem leichten Fragezeichen versehen sind. Davon abgesehen aber: Ein Lesebuch starker rhetorischer Literatur, die sich vor keinem antiken Redner zu verstecken braucht. Ein bisschen hat sich das Gleichgewicht anscheinend in Richtung der östlichen Stämme verschoben. Seneca, Shawnee, Irokesen und verwandte Nationen sind recht gut dokumentiert, vor allem durch bekannte Redner wie Sagoyewatha (Red Jacket) oder Tecumseh. Wohingegen mir die Plainsstämme recht dürftig vertreten vorkommen. Vermisst habe ich Joseph II. Vermisst habe ich Äußerungen der großen Lakotahäuptlinge. Aber was drin ist, ist gut.

Michael Krüger: Umstellung der Zeit
Ein sehr ruhiger, beinahe kontemplativer Gedichtband. An Haikus gemahnende Momentaufnahmen, unter denen ein Stück Ewigkeit hervorschimmert. Vieles kommt leicht daher und erst am Schluss findet man den kleinen desillusionierenden Haken, der aber doch wieder nur ein Teil des Ganzen ist und mit dazu gehört wie Amselgesang und Blätterrauschen. Es ist eine recht abgeklärte Sammlung, der Autor scheint viel erlebt und erfahren zu haben, und so schreibt er auch. Jemand, der weiß wovon er spricht. Leise, ohne die Stimme zu heben. Einer, der nichts mehr beweisen muss.

Jocho Yamamoto: Die Lebensweise eines Samurai. Aus dem "Hagakure" (Reclam)
Ein Einblick in das Leben und die Ideale der Samurai. Es ist ein Auswahlbändchen aus den ersten beiden Büchern des "Hagakure", der "Bibel der Samurai", das ich aus dem Libri-Prämienshop habe. Es geht um Gefolgschaftstreue, um korrektes Verhalten gegenüber seinem Herrn, um das Üben von Barmherzigkeit und Gnade, aber auch darum, wie man seinen Herrn am geschicktesten ermahnt. Hilfreiche Fußnoten. Ein vollkommen unzureichendes Nachwort - zwei Seiten für einen Text aus so einer fremden, fernen Welt und Zeit, das reicht einfach nicht. Insgesamt hochinteressant, wenn auch absolut nicht meine Welt.

Christian Lehnert: Auf Moränen
Ein Gedichtband, mit dem ich nicht ganz warmgeworden bin. Der Autor ist versteht sein Handwerk, er ist klug und hat viel gedacht, das merkt man. Und die in 23 Abschnitte gegliederte Dichtung "Nicht fester als Atemluft", die Zitate von Erich Mielke und aus Texten von und über ihn verwendet, ist sicher hochinteressant, ebenso wie die Virgilien, die auf Pauluszitaten aufbauen. Schlecht ist es nicht. Nur meins ist es auch nicht.

Ruggero Leo (Hrsg.): Große Geschichten vom kleinen Volk
So ein dicker fetter Ziegelstein - über so kleine Leute. Es geht um Hobbits, auch wenn das im Buch sicherheitshalber nicht gesagt wird. "Hobbits" sind als geistiges Eigentum Tolkiens noch nicht frei verwendbar, also wird hier im Buch konsequent von "Halblingen" geschrieben. Dass das Buch passend zum Kinostart des ersten Hobbitfilms erschien, wurde bei Basei-Lübbe aber wohl mehr als billigend in Kauf genommen.
Es ist ein edles Buch. Vornehmer Klappenbroschur-Umschlag mit erhaben geprägtem Titel in Gold, wunderschön illustriert und geschrieben von der Elite der deutschen Fantasy. Das Buch enthält 15 Geschichten, die zum Teil schon den Namen Kurzromane verdienen. Da ist Thomas Finns Geschichte von Fido Pfeifbock, der als "Held wider Willen" auf die Drachenjagd geht. Da ist der scharfsinnige Halblingsdetektiv Shloko Holmser, den Bernd Perplies gegen einen unsichtbaren Armbrustschützen ermitteln lässt. Alexander Lohmann lässt seinen Halbling das "Herz der Finsternis" suchen (Anmerkung: Der Name "Leuchmadan" für den Bösesten aller Bösen verdarb mir etwas den Lesegenuss. Ich las immer wieder versehentlich "Leuchtmade" und musste unwillkürlich an einen phoshoreszierenden Engerling denken ...). Linda Budinger erzählt die Geschichte einer Fehde zwischen zwei Halblingsdörfern und schickt zwei Vertreter dieser Dörfer in eine Gefahr, die sie jede Dorffehde vergessen lässt. Interessante Wesen, diese Gogler, von solchen magischen Gestalten mit Innenschale würde ich gern mehr erfahren. Wolfgang Hohlbein versetzt seine Halblinge sogar ins Milieu der Filmstudios, wo sich herausstellt, dass Orks auch ihre guten Seiten haben.
Ein rundum gelungener Band mit tollen Geschichten. Einziges Manko: Für einen notorischen Badewannenleser wie mich ist das Ziegelsteingewicht in der Hand ziemlich unbequem. Wer zuviel liest, den bestraft das Handgelenk.

Die Welten von Thorgal. Lupine 3: Das Reich des Chaos

Monica Davis: Nick aus der Flasche

Franz Grillparzer: Des Meeres und der Liebe Wellen (Reclam)
Tragödie um den Sagenstoff von Hero und Leander. Habs mir vor allem angeschafft, weil mich schon lange der Gedanke an Heinrich Laube beschäftigt hat, der ja seinerzeit als Chef des Burgtheaters - wider alle Erkenntnisse über griechische Architektur - im Tempel eine Treppe errichten lassen hat, um anhand des physischen Aufstiegs zu illustrieren, wie sich die Seele der schönen Hero erhebt. Da wollte ich doch mal die Tempelszene anschaun.
Wer von den alten griechischen Tragödien herkommt, wird das hier manchmal als zu überschwänglich und zu viel Gewimmer empfinden. Grillparzer ist einfach etwas zierlicher und märchenhafter. Wüsste zu gern, was Friedrich Hebbel aus dem Stoff oder aus der Libussa oder Sapho gemacht hätte.

Cyprian Norwid: Das Geheimnis des Lord Singelworth. Novellen
Kleines Hardcoverbändchen aus der Insel-Bücherei, illustriert von Barbara Müller-Wolf. Ich hab es mal in einer Bücher-Mitnahmestelle entdeckt, und da mich der Untertitel "Novellen" lockte, nahm ich es mit.
Vieles davon würde ich nicht als Novellen bezeichnen. Die "Schwarzen Blumen" zum Beispiel sind eher eine aneinandergereihte Sammlung von Anekdoten und Gedanken über den Tod. "Menego" handelt von einem Mann, der den Namen eines Jungen falsch ausspricht ("Menego" = Koseform von Domenicus; "me nego" = italienisch für: "Ich ertrinke") und damit unwissentlich eine Prophezeiung für sein eigenes Ende ausspricht.
Am besten haben mir die beiden letzten Geschichten gefallen. "Ad Leones" handelt von einem Bildhauer, der ein Christenpaar in der Arena bei ihrer Hinrichtung durch Löwen darstellen will. Das Steinbild ist halb fertig, als ein reicher Kunstkäufer in die Stadt kommt. Als sich das Gerücht verbreitet, der Mann sei Jude, lässt der Bildhauer das Kreuz aus den Händen der Frau lieber verschwinden und ersetzte es durch einen symbolträchtigen Schlüssel. Wenig später wirft der Bildhauer seine ganzen Pläne über Bord und passt sich immer mehr den Vorstellungen seines Kunden an. Zum Schluss wird aus dem Löwen zu Füßen der Christen auch noch ein Geldkoffer, dessen Schlüssel die tüchtige Hausfrau wohl verwahrt.
Schön auch die Titelgeschichte.Lord Singelworth ist ein wohlhabender und wohlgeachteter Mann mit einer kleinen sonderbaren Angewohneheit: Jeden Tag steigt er zur Mittagsstunde in einem Heißluftballon auf und bleibt ziemlich lange dort oben. Niemand weiß, was er dort treibt. Wissenschaftliche Forschung? Körperhygiene? Es werden Wetten abgeschlossen. Schließlich kommt eine Gesandtschaft aus Mitgliedern der verschiedenen Fraktionen zum Lord und verlangt vehement Auskunft ...


Hörbücher

Edith Nesbit: Die Macht der Dunkelheit
Edith Nesbit ist die Verfasserin einiger meiner liebsten Kinderbücher. Dass sie auch gruselige Sachen schreiben konnte, habe ich letztes Jahr aus dem Titania-Hörspiel "Das violette Automobil" gelernt. Auch "Die Macht der Dunkelheit" ist eine Horrorgeschichte, die ziemlich gruselig wirkt, vor allem wenn man sie wie ich nachts im Auto auf der Fahrt durch dunkle, einsame Waldgebiete hört. Dabei ist die Geschichte - oder besser: die beiden Geschichten, denn innerhalb der Story wird eine zweite erzählt - eigentlich recht simpel. Doch durch die Atmosphäre, die die Hörspielmacher erzeugen, entsteht eine enorme Schauerwirkung.
Worum geht es: Ein Künstler-Ehepaar entdeckt ein traumhaftes Haus am Meer. Die Frau verliebt sich sofort in das Haus, und es ist erstaunlicherweise für einen so geringen Preis zu haben, dass sich selbst die beiden recht armen Helden es leisten können. Sie sind glücklich. Allerdings gibt es einen furchtbaren Moment, als sie beim Erkunden ihrer neuen Heimat in einer Kapelle zwei Sarkophage entdecken, in denen zwei riesenhafte, böse Ritter liegen. Panische Angst ergreift die Frau. Der Mann empfindet nichts. Wenig später sind die Ritter vergessen. Die Frau verfasst eine Horrorgeschichte und kann sie sehr vorteilhaft an einen Verlag verkaufen. Am prasselnden Kaminfeuer liest sie ihrem Mann vor, was sie geschrieben hat. Es ist eine wahrhaft furchtbare Geschichte über einen Mann, der sich wegen einer Mutprobe nachts in einem Wachsfigurenkabinett einsperren lässt und dabei wahnsinnig wird.
Wenig später bricht die Nacht an, in der die Ritter, einem alten Aberglauben zufolge, lebendig werden und mordend durch ihren alten Besitz ziehen ...
Wie gesagt, beide Geschichten sind eher schlicht und geradlinig. Aber das, was die Hörspielmacher daraus geschaffen haben, ist einfach brrr.....

Hans Scheibner: Bevor ich abkratz, lach ich mich tot
Liebenswert und bösartig, lästerlich, humorvoll und mit einem scharfen Blick für allgemeinmenschliche Verschrobenheiten - Hans Scheibner ist ein kabarettistisches Urgestein, das ich in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren habe. Da musste ich zugreifen, als mir dieses CD in die Hände fiel. Und er kann's noch immer. Ob er von seinen eigenwilligen Reparaturarbeiten erzählt, bei denen immer "was über" bleibt, oder von dem kleinkarierten Nachbarn, der vor seinem Grundstück immer so sorgfältig harkt und bei dem es so herrlich viel Spaß macht, durch das "Geharkte" zu trampeln, oder ob er von seinem Freund den Tipp bekommt, doch einfach mal die Haustür zufallen zu lassen, um mit seinen Nachbarn ins Gespräch zu kommen - das alles ist gut beobachtet, weitergedacht und schließlich mit diesem kleinen absurden Schuss zuviel auf de Spitze getrieben, der einfach schön ist. Hat mir Spaß gemacht.


Jahresrückblick 2013, Teil I: Januar bis März
Jahresrückblick 2013, Teil II: April bis Juni
Jahresrückblick 2013, Teil IV: Oktober bis Dezember


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick 2013, Teil II

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2013 · 194 Aufrufe
Jahresrückblick
Der zweite Teil meines Rückblicks auf das Jahr 2013. Schreiberisch war ich nicht allzu fleißig in diesem Jahr. Ich habe zwei Romane angefangen, die ich nächstes Jahr beenden will. Zum einen den fünften Teil meiner Walkürenserie "Die Falkin", in der Valkrys sich erneut den Schrecken des Totenreichs stellen muss. Zum anderen einen historischen Roman unter dem Arbeitstitel "Freiheitsschwingen" über eine junge Frau in den 1830er und 1840er Jahren, die versucht, eine politische Zeitung zu gründen. Ansonsten erschienen Beiträge von mir in den vier Elfenschriften des Jahres, ich habe fünf Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht, und schließlich erschien am 24. Dezember mein Weihnachtsmärchen "Die Weihnachtseisenbahn" in der Hildesheimer Allgemeinen. Soweit meine Schreib-Bilanz.
Doch nun zurück zum Lesejahr. Das zweite Quartal 2013 bietet ein Gemisch aus Literatur-Klassikern, Comicalben und Kleinverlags-Phantastik. Erneut sehr übersichtlich. Aber in der Zeit von April bis Juni habe ich wenigstens etwas mehr rezensiert. Bei gut der Hälfte der Bücher findet ihr also einen Link auf eine etwas ausführlichere Darstellung. Vielleicht ist etwas für euch dabei. Viel Spaß beim Lesen.


April

Die Welten von Thorgal: Kriss de Valnor III - Einer Königin würdig

D.W. Schmidt: Perlamith II - Das Geflecht

Die Welten von Thorgal: Lupine II - Die abgeschnittene Hand des Gottes Tyr


Die deutsche Literatur in Text und Darstellung: Aufklärung und Rokoko (Reclam)
Eigentlich bin ich ein Fan des Reclam-Verlags, und ich liebe auch die Reihe "Die deutsche Literatur in Text und Darstellung". Wenn man sich allerdings intensiver mit Moses Mendelssohn befasst und immer wieder lesen muss, wie der große jüdische Philosoph bereits in der Generation der Klassiker/Romantiker systematisch aus der Literaturgeschichtsschreibung hinausgeschwiegen wurde, dann dreht sich einem der Magen um angesichts dieser mendelssohnfreien Literaturgeschichte. Immer wieder wird aus dem Briefwechsel Lessing/Nikolai/Mendelssohn zitiert, aber immer wieder sind es nur Texte mit Literaturbetrachtungen der beiden ersteren. Genug zur Literaturtheorie und zur Ästhetik hat der Mann ja wohl geschrieben. Und eine ganze Menge davon ist zum Beispiel von Schiller ziemlich dreist geguttenbergt worden. Wenn die nationalistische Literaturtradition so dominant ist, dass sogar eine so seriöse Literaturgeschichte wie die Reclamreihe da nicht tiefer bohrt, ist das schon bedenklich.


Das Gilgamesch-Epos (neue RUB-Übersetzung von Wolfgang Rölling)
Ja, die neue Übersetzung war wirklich nötig. Der alte, liebgewonnene Text von Albert Schott war einfach nicht mehr zu retten. Nicht, nachdem so viele neue Bruchstücke entdeckt worden sind. Ich lernte das alte Epos Mitte der 80er Jahre kennen, das war in der Zeit, als ich das Reclam-Regal in einer Hildesheimer Buchhandlung entdeckte und mir nach und nach die großen alten Epen zu Gemüte führte. Das war damals schon eine überarbeitete Schott-Übersetzung, der noch die alte Einleitung von 1934 beigegeben war, etwas gekürzt und ergänzt vom Herausgeber Wolfram von Soden. Vor fünf Jahren las ich die neue Maul-Übersetzung, jetzt also eine neue Reclam-Fassung von Wolgang Rölling.
Der neue Gilgamesch ist mehr als doppelt so dick wie der alte. Er hat eine umfangreiche Einleitung, bietet zusätzlich Auszüge aus altbabylonischen Gilgamesch-Texten, einen Anmerkungsteil und ein Glossar. Das ist sehr komfortabel, man kann also recht gut damit arbeiten und lernt eine Menge. So weit, so gut.
Aber was haben die Macher dieses Buches eigentlich geraucht, als sie auf die Idee kamen, die zwölfte Tafel wegzulassen? Hallo? Wenn ich den Faust II kaufe, will ich auch kein Buch haben, in dem die abstruse Schlussszene weggelassen wurde, weil den Herausgebern ein Ende mit dem Tod Fausts stimmiger erschien. Natürlich ist das siebte Kapitel des vierten Buches Mose strunzlangweilig und aus erzählerischer Sicht katastrophal - aber das ist doch kein Grund, es aus der Bibel rauszuschmeißen.
Ja, natürlich, zugegeben, die zwölfte Tafel passt inhaltlich überhaupt nicht zu den vorhergegangenen elf Tafeln. Aber sie gehört dazu. In der Einleitung erzählt Herr Rölling permanent etwas vom "Zwölftafelepos". Warum wohl? Weil es nur elf Tafeln sein sollen?
Ein Übersetzer und Herausgeber hat nicht die Aufgabe, erzähltechnische "Fehler" oder Ungeschicklichkeiten seiner Quellen auszumerzen. Er hat treu und redlich den Text wiederzugeben, wie er vorliegt und wie er überliefert wurde. Wenn er dazu nicht bereit ist und lieber klüger als der Autor/die Autoren sein will, soll er doch lieber einen eigenen Gilgamesch-Roman schreiben. Es ist unfassbar.



Mai

Rousseau: Emile (Reclam)
Ein etwas über tausend Seiten starker Wälzer, der mich fast den ganzen Monat beschäftigt hat. Als Erziehungskonzept faszinierend. An einigen Stellen hat Rousseau sicher Recht, und ich denke auch, dass gerade das Leben in und mit der Natur dem Charakter eines jungen Menschen ausgesprochen förderlich ist. Vollkommen ausgeblendet wird jedoch, dass bei aller Verachtung des Adels und Reichtums eine solche aufwändige Erziehung und Ausbildung nur möglich ist, wenn die nötigen materiellen Hintergründe vorhanden sind. Anders ist es kaum möglich, einem Kind einen Erzieher an die Seite zu stellen, der es von der Geburt bis zur Heirat durchs Leben geleitet. Das ist sehr aufwändig und sehr beeindruckend. Aber auf einen Emile kommen ein paar hundert Bauern- und Handwerkersöhne, die ganz nebenhin aufwachsen. Und dass Emile sich gerade im Kontakt mit ihnen bilden soll, ist der hintenrum doch hineingeschmuggelte elitäre Kern dieser Lehre vom einfachen, unverkünstelten Leben fernab der großen Höfe und sündigen Städte. Dass die Dinge, die Rousseau über die Bildung von Frauen sagt, heutzutage einem weiblichen Homo sapiens unangemessen sind - geschenkt. Da war er ein Kind seiner Zeit. Und wir dürfen ihm schließlich auch nicht vorwerfen, dass er noch kein Internet und Handy in sein Konzept mit einbezog. Insgesamt: ein sehr interessantes Buch, das zum Nachdenken anregt. Und, das ist auch in der Erziehung das Wichtigste, Einzelheiten sollte man der Praxis anheimstellen.


Charlotte Engmann: Spiel mir das Lied vom Untod

Andrea Tillmanns: Der Tote am Zülpicher See




Juni

Stephan R. Bellem: Die Ballade von Tarlin


Storm 5: Der Kampf um die Erde
Comic-Klassiker, erneut in großartiger Aufmachung, Hardcover, hinten eingelegt ein separates, festeres Blatt mit einer Einzelszene, dazu gibt es einen ausführlicher Informationsteil. Die Geschichte selbst ganz okay, nicht herausragend, aber akzeptabel.


Siegfried Harmel (Hrsg.): Sagen vom Klabautermann.
Mit Illustrationen von Cornelia Harmel
Nettes kleines Buch, sehr schmal, halt etwas für unterwegs. Ich habs kostenlos aus dem Libri-Prämienshop bekommen. Liest sich recht schnell weg. Die Hälfte des Büchleins ist gefüllt mit Geschichten, es handelt sich um traditionelle, rechtefreie Texte, aus Sagensammlungen zusammengetragen, vieles kennt man schon, aber die Zusammenstellung ist recht nett. Die Bilder dazu sind sehr liebenswert und frech, haben mir Spaß gemacht. Die zweite Hälfte des Büchleins besteht aus einem Aufsatz über das Wesen des Klabautermanns, seine Herkunft und darüber, was man von ihm weiß bzw. erzählt. Das ist ganz brauchbar, allerdings auch an einigen Stellen ziemlich redundant. Hätte gut auch auf die halbe Seitenzahl gepasst.


Felix Woitkowski: Kollaboratives und literarisches Schreiben im Internet


Karsten Kruschel: Vilm - Das Dickicht
Die Geschichten über den Regenplaneten gehen weiter. Und fast noch besser als in den ersten beiden Büchern. Man erfährt viel Neues über die eigenartige Symbiose der Vilm-Kinder, die ja merkwürdige Doppelwesen sind, zusammengesetzt aus einem Zweibeiner menschlicher Herkunft und einem vierbeiligen vilmischen "Eingesicht". Der Leser erlebt, was passiert, wenn eine der beiden Komponenten stirbt. Man begegnet "Nachträglich Zusammengesetzten", traurigen Wesen, die irgendwie weiterleben, aber doch nicht recht zu Hause sind in ihrer Doppelhaut. Besonders beeindruckend fand ich die Geschichte eines Menschen, der eine besondere Beziehung zu den "Regentauchern" einging, eine Begegnung, die nicht einmal die Vilmkinder glauben. Es geht um die Erforschung der sagenhaften "Supergestrolchs", das eine Hälfte des Planeten vollständig abriegelt. Auch die verschiedenen Machthaber - weltliche und geistliche - des Universums interessieren sich für diese Barriere. Und es gibt sehr unterschiedliche Versuche, sie zu überwinden. Bestürzende Entdeckungen und gefährliche Begegnungen warten auf die Eindringlinge.
Erneut ein Band voller nachdenklicher und poetischer Gedanken über die Regenwelt. Wenn irgendwann Tourismus ins All möglich und erschwinglich ist, will ich Vilm sehen.


Valerian und Veronique 13: Die große Grenze
Valerian und Veronique 14: Lebende Waffen
Valerian und Veronique 15: Die Kreise der Macht
Auch der fünfte Sammelband über die beiden Raum-Zeit-Agenten ist wieder großartig geworden. Die herrlichen Zeichnungen konnten mich schon vor Jahrzehnten begeistern. Und die neue Hardcover-Ausgabe mit den ausführlichen Einleitungen und Hintergrund-Informationen setzt Maßstäbe. Einfach schön.


Fabienne Siegmund (Hrsg.): Das Tarot
Eine sehr interessante Anthologie, für die jeder der teilnehmenden Autoren eine Tarotkarte zugeschickt bekam und darüber erzählen sollte. Dazu gibt es zauberhafte Illustrationen von Elke Brandt, Tatjana Kirsten und Chris Schlicht, die zu jeder Geschichte eine Tarotkarte gestalteten. Insgesamt eine sehr schöne Anthologie, die in Text und Bild eine Einheit bildet, so unterschiedlich die Autoren auch sein mögen. Mein Favorit ist die Geschichte "Samen" von Annika Sylvia Weber, die sich angesichts der Karte "Die Kraft" mit dem Unterschied zwischen Kraft und Stärke auseinandersetzt. Es geht um ein Zugunglück und um eine besondere Liebe. Sehr gefallen hat mir auch die Geschichte "Flaschendrehen", in der Ann-Kathrin Karschnick dem Rad des Schicksals eine moderne Gestalt gibt und ein Partyspiel in blanken Horror verwandelt. Auch die anderen Geschichten sind lesenswert. Eine Anthologie der besonderen Art.



Jahresrückblick 2013, Teil I: Januar bis März
Jahresrückblick 2013, Teil III: Juli bis September
Jahresrückblick 2013, Teil IV: Oktober bis Dezember


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick 2013, Teil I

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 27 December 2013 · 210 Aufrufe
Jahresrückblick
Ich habe lange überlegt, ob ich meinen Leserückblick auf das Jahr 2013 nicht lieber dritteln sollte, anstatt ihn in vier Teile zu zerlegen, wie ich es in den Jahren zuvor getan habe. Denn die Portionen sind klein dieses Jahr, ich hatte gerade in den ersten drei Quartalen recht wenig Zeit zum Lesen ... Es war ein Jahr, das mir so ziemlich alle Energiereserven abverlangt hat, die ich überhaupt noch irgendwo versteckt hatte. Sowohl was meine Familie angeht als auch meine Arbeit als Autor.
Wie sich die Crewliste der Hartmanns verändert hat, steht in der Zueigung zum ersten Nestis-Buch, Einzelheiten gehören nicht ins Netz, seht es mir also bitte nach, wenn ich darüber hier nicht mehr schreibe.
Zu meiner Autorenexistenz kann ich hier immerhin festhalten, dass ich dieses Jahr reichlich Veröffentlichungen hatte. Im Februar kam mein Roman "Das Serum des Doctor Nikola" im Wurdackverlag heraus. Im Mai erschienen zwei Anthologien, bei denen ich jeweils als Mit-Herausgeberin fungierte: Zusammen mit Andrea Tillmanns organiserte ich "Mit Klinge und Feder", die Fantasy-Anthologie der Phantastik Girls, die bei Ulrich Burger erschien. Und als Partnerin der Verlegerin Monika Fuchs gab ich "Autorenträume", ein besonderes Lesebuch, heraus. Im Oktober war es dann so weit, dass "Nestis und die verschwundene Seepocke" das Licht der Welt erblickte. Ein Meermädchenroman, verlegt von Monika Fuchs und illustriert von Olena Otto-Fradina, dem sich vor drei Wochen noch ein Nordsee-Weihnachtsmärchen-eBook anschloss: "Nestis und der Weihnachtssand". Ich hatte dieses Jahr also jede Menge zum Korrekturlesen. Da blieb die weitere Lektüre manchmal auf der Strecke.

Doch nun zum Leserückblick auf das Jahr 2013. Vielleicht ist ja der eine oder andere Titel für euch dabei. Herausragend gute Bücher habe ich blau markiert, sehr üble Bücher rot. Hinter den Links verbergen sich ausführliche Buchbesprechungen, die ich im Lauf des Jahres geschrieben habe.


Januar

Pablo de Santis: Die Fakultät
Ein unglaublich gutes Buch. Magischer Realismus in höchster Perfektion, kafkaesk und klug, eine bissige Universitätssatire und zugleich ein sprachliches und erzählerisches Kunstwerk. Ich hatte im Jahr zuvor bereits den Roman "Die Übersetzung" aus de Santis Feder gelesen und war hin und weg. Auch die "Fakultät" hat mir sehr gut gefallen.
Es geht um einen Autor, von dem niemand so richtig beweisen kann, ob er überhaupt existiert, der aber gleichfalls eine Art Nationalheros ist. Die Deutungshoheit über das Werk dieses "Homero Brocca" hat ein recht angesehener, zumindest geltungssüchtiger Professor, der dessen Manuskripte wie einen Drachenhort bewacht und aus dem einzigen von Brocca erhaltenen Werk und dessen tausend und abertausend überlieferten Varianten eine wissenschaftlich fundierte Ausgabe zusammenstellen will. Aber da sind noch ein paar eifersüchtige Literaturwissenschaftler, die ebenfalls ihre Fußstapfen in der Brocca-Forschung hinterlassen möchten. Unter anderem eine Wissenschaftlerin, die behauptet, einmal etwas mit diesem Heros gehabt zu haben. Hinzu kommen Universitätsintrigen, Fälschungen, nächtliche lebensgefährliche Expeditionen in einsturzgefährdete Universitätsarchive, Morde und die heimlichen Besuche des Professors in einer Irrenanstalt, aus der er gut ausgestattet mit Manuskriptfragmenten zurückkehrt. Und gibt es diesen Brocca vielleicht doch ...?
Einfach nur großartig. Unbedingte Leseempfehlung.


Storyolympiade: Masken
Die 25 besten Beiträge zur Storyolympiade. Ich kenne die nicht ausgewählten Beiträge ja nicht, aber ich glaube schon sagen zu können, dass diese 25 Geschichten würdige Siegertexte sind. Ich fand die Texte insgesamt ernster und düsterer als bei den vorigen Wettbewerbs-Anthologien. Auch das Cover sehr düster-dramatisch. Aber richtig gut. Mein persönlicher Liebslingsbeitrag ist "Madame in 31" von G.K. Nobelmann. Die Geschichte eines Hoteldiebs, der sich in das Zimmer einer augenscheinlich reichen älteren Dame schleicht und ... brrrr ... nein, der Schluss ist zu gänsehauterregend, als dass ich ihn hier erzählen könnte. ;-) Sehr gut gefallen haben mir auch die Geschichte "FBM" von Günter Wirz - in einer Zukunftsgesellschaft ist "Bodymorphing" total angesagt, ein Ehepaar geht zur Retroparty im Stil der Jahrtausendwende als Shakira und Arnold Shwarzenegger - und "Spiel nicht mit den Kellerkindern" von Manuela Obermeier - sehr böse.


Christoph Schulte: Die jüdische Aufklärung
Eine sehr gute Überblicksdarstellung, die zeigt, dass außer dem Leuchtturm Moses Mendelssohn noch zahlreiche andere Denker in der jüdischen Welt der Aufklärung existierten. Detailliert wird das Verhältnis zur Toragelehrsamkeit und der Umgang mit dem Talmud dargestellt, man erfährt einiges über das Spannungsverhältnis zur Kabbala und zum Chassdismus, vor allem, dass jüdische Religionsgelehrsamkeit eben nicht nur Gegensatz zur Aufklärung sodern auch Wurzel oder Schwester der Philosophie war. Einige Namen sind noch bekannt, Saul Ascher etwa, dem Heine in der "Harzreise" ein ironisches Denkmal als "Vernunftdoktor" gesetzt hat und dessen Buch über die Wartburgfeier ich mal im Studium gelesen hatte (Seine Schrift über "Germanomanie" war dort verbrannt worden, ein trauriges Kapitel ...). Leopold Zunz dürfte einigen noch durch seine Bibelübersetzung ein Begriff sein. David Friedländer ist noch recht bekannt. Salomon Maimon und Lazarus Bendavid habe ich mir mal auf die To-do-Liste gesetzt. Insgesamt ein sehr umfangreiches Panorama der jüdischen Aufklärung, das Zusammenhänge gut und übersichtlich darstellt, von großem Hintergrundwissen zeugt und dabei trotzdem gut lesbar ist. Klug und doch spannend, leicht lesbar ohne dabei simpel zu werden.


Erik Lorenz: Liselotte Welskopf-Henrich und die Indianer
Die Lebensgeschichte einer großen Schriftstellerin und auch sonst eines außerordentlich bemerkenswerten Menschen. Eine Frau mit starkem Charakter und stark entwickeltem Gerechtigkeitsgefühl, mit Mut, Durchsetzungsvermögen und einer gewissen menschlichen Integrität, dabei eine Wissenschaftlerin, die etwas von ihrem Fach verstand und sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen ließ. Das kommt auf jeden Fall rüber. Die Organisation des Buches freilich, die Gesamtdarstellung und der nur schwer auffindbare rote Faden machen die Lektüre zu einer Enttäuschung.
Man weiß nie so recht, wo man sich eigentlich befindet und ob das vorliegende Werk nun eine Biographie, eine Materialsammlung und Textdokumentation oder eine Zusammenstellung von Essays über die Autorin und eine Interpretation ihrer beiden bekannten Mehrteiler ist. Der Untertitel nennt das Buch zwar "Eine Biographie", aber schon der Beginn des Vorworts - geschrieben von ihrem Sohn Rudolph Welskopf - kündigt an, man werde in die "Werkstatt" der Autorin blicken. Es folgt ein "Prolog", ein autobiographischer Text Liselotte Welskopf-Henrichs, in dem sie sich an ihre Mutter und ihre ersten Begegnungen mit Indianern in Büchern erinnert.
Hierauf folgt ein 30-seitiger Essay über die Autorin als Wissenschafterin, Autorin und Mutter, angefeatured mit einer etwa einseitigen Darstellung eines lesenden Jungen aus dem Jahr 2010, der gern Skateboard fährt, sich aber nun über einen "alten, vergilbten Indianerschinken aus der DDR" hermacht. Immerhin werden hier zum ersten Mal ein paar biographische Daten und Ereignisse geboten. Aber das recht gerafft, an die Schulzeit schließt sich die Promotion an, die Nazizeit wird sehr knapp in fünf Zeilen abgehandelt, das ganze Leben in sechseinhalb Seiten, dann hebt der Autor erneut an und widmet sich ihrer wissenschaftlichen Arbeit in der DDR. Es folgt ein fünfeinhalbseitiger Text unter der Überschrift "Eine couragierte Frau", hier geht es um Welskopf-Henrichs Haltung gegenüber der DDR-Regierung zum Beispiel beim Thema Ungarnaufstand und Prager Frühling. Dann plötzlich im nächsten Kapitel ein drastischer Zeitsprung zurück, unvermittelt befindet man sich nun doch noch in der bisher ausgesparten Nazizeit, man erlebt die Autorin und ihren Mann im Wderstand und erfährt etwas darüber, was denn nun Dichtung und was Wahrheit ist im Roman "Jan und Jutta".
Von da aus dann, genauso plötzlich, der Sprung über den großen Teich, jetzt also geht es um den Sechsteiler "Die Söhne der großen Bärin". Leider erfährt man so gut wie gar nichts zu den verschiedenen Entwicklungsstufen des Werkes, auch die Infos zum Hintergrund sind dürftig. Wer etwas über die "Söhne" wissen will, ist mit dem Wikipedia-Artikel wesentlich besser bedient. Zumal der Löwenanteil des Bären-Kapitels auf eine reine Inhaltsangabe hinausläuft. Das wertvollste in diesem Kapitel ist erneut ein beigegebener autobiographischer Text der Autorin. Auch bei der Behandlung der Pentalogie "Das Blut des Adlers" besteht ein Großteil des Textes aus Inhaltsangaben.
Recht interessant sind immerhin der Vergleich von "Über den Missouri" mit Charles Eastmans "Ohijesa" und der Abschnitt über die Verfilmung der "Söhne" und die Haltung Welskopf-Henrichs dazu. Auch die Beziehungen der Autorin zum Amercan Indian Movement (AIM) sind sicher interessant, wenn auch keine großen Überraschungen darin zu finden sind.
Aber bei allem wünscht man sich doch mehr Zusammenhang und Ausführlichkeit. Das ganze Buch macht den Eindruck des Zusammengestückelten: Überall wurden Themen angerissen, nirgends ausführlich bearbeitet oder zu Ende gebracht. Dieses Buch zu lesen vermittelt das Gefühl, vor einem Fernseher zu sitzen, wenn jemand anderer die Fernbedienung in der Hand hat: Immer wenn man gerade in einem Stück des Films "angekommen" ist, wird unvermittelt zu etwas völlig anderem umgeschaltet. So begrüßenswert es ist, dass es eine Biographie über Liselotte Welskopf-Henrich gibt, ich hätte mir doch ein etwas weniger wirres Buch gewünscht.



Februar

Günter Abramowski: Vom Turm (Gedichte)


Henry Miller: Wendekreis des Krebses
Absoluter Klassiker, sehr viel Leben drin. Das Buch ist mir in meiner Bibliothek wie von ungefähr in die Finger gefallen, und ich musste einfach mal wieder reinschauen. Schöne Sprache, es wirkt immer noch. Auf Dauer fehlt mir allerdings die "Geschichte", es sind halt mehr Situationen, Anekdotisches, kein Roman.


Pia Biundo: Alle Zeit der Welt


Otfried Preußler: Die kleine Hexe
Kinderbuchklasiker, den ich jetzt erst gelesen habe. Ich gestehe freimütig, dass ich mir das Buch angeschafft habe aufgrund der hochgekochten Diskussion um das "Entschärfen" politisch unkorrekter Stellen. Und da wollte ich sicherheitshalber noch ein Original bunkern, in dem "Negerlein" und "durchwichsen" steht.
Hm, ja, und was sagt uns dieses Buch nun? Mein Fazit: Preußler wäre auch in meiner Kinderzeit nicht mein Fall gewesen. Ist alles so "möchtegern-kindchengerecht". Wenn ihr mich fragt: Ich finde am Wort "Negerlein" den Bestandteil "Neger" nicht halb so schlimm wie das "lein". Diese Verniedlichung hätte mich auch schon als Kind angewidert. Nein, die Geschichte mag ja ganz nett sein, aber diese Sprache rollt mir die Zehennägel hoch.
Ich denke übrigens nicht, dass man Toleranz fördern und Rassismus bekämpfen kann, indem man Wörter verbietet. Nazigesocks kann das Wort "Schwarzer" genau so verletzend aussprechen wie das Wort "Neger". Bedeuten tut beides etymologisch das gleiche ...
Ach ja,und das Wort "durchgewichst" kommt in der "kleinen Hexe" nicht vor, das muss ein anderes Preußler-Buch sein. Habe aber keine Lust mehr, noch eines zu lesen.


März

Thilo Corzilius: Der Herr der Laternen


Andrea Tillmanns: Das magische Trio 1: Geister im alten Gemäuer


Herta Müller: Vater telefoniert mit den Fliegen
Ein Buch, das mir sehr viel Spaß gemacht hat, für das man sich aber auch sehr viel Zeit lassen sollte. Gedichte ohne Zeilenumbruch, gestaltet aus Zeitungsausschnitten, man findet viel Sinn, Tiefsinn, Nebensinn und Widersinn, manches verblüfft, und viele Bilder und Formulierungen sind so surreal, dass sie großes Kopfkino in Gang setzen. Dinge, die eigentlich gar nicht zusammen passen, ergeben hier erstaunliche Kombinationen. Das ganze ist durch die Klebetechnik nur langsam zu lesen und braucht einiges an Konzentration. Und gewöhnlich bemerkt man erst beim letzten Wort, dass sich da doch etwas reimt, immer nur am Schluss, und dann fängt man nochmal von vorn an und erkennt ein Metrum ... Eben kein Buch für Bequeme.


Peter Dehmel (Hg.): Die Erde und die Außerirdischen
Eine Anthologie, die Geschichten polnischer Science-Fiction-Autoren enthält. Ich fand sie vor allem stilistisch interessant. Denn obwohl es eine Übersetzung ist, spürte man doch sofort an der Sprache, dass es sich um keine Texte aus dem 21. Jahrhundert handelte. Das klang alles ein wenig gravitätisch, behäbig, eben nach SF aus der Großvaterzeit. So wirkt auch die Technik ein wenig betagt und die Probleme, auch wenn durchaus bedrohlich, doch eher betulich. "Die Hand" von Zbigniev Prostak und "Die Schaufensterpuppe" von Jacek Sawaszkiewicz haben mir am besten gefallen. Insgesamt eine sehr interessante Sammlung, die mir aber doch recht fremd geblieben ist.


Mark Brandis: Zeitspule
Ein wunderlicher Wissenschaftler, der sich fernab der Menschheit und unbehelligt von Ignoranten seinen Forschungen widmet, so etwas gehört zum Standardpersonal der Science Fiction. In diesem Roman ist das verkannte Genie ein Fachmann für Zeitforschung, lebt auf einer einsamen, geheimen Station im All und hat ein Gerät entwickelt, mit dem man in die Vergangenheit blicken kann. Für die Erde werden diese Forschungen plötzlich zur Überlebensfrage. Nur mit dem "Praeteroskop" lässt sich eine verschwundene Formel wiederfinden, die die Zucht von Superweizen ermöglicht - nach der Ikarus-Katastrophe die letzte Chance, die Ernährung der Erdbevölkerung zu gewährleisten. Doch der Forscher will sein Gerät nicht herausrücken. Seine Befürchtung: In den Händen von Verbrechern wäre es eine furchtbare Waffe ...
Die Geschichte ist nicht unbedingt ein Glanzpunkt der Serie, aber auch nicht der schlechteste Band. Routiniert erzählt, spannend geschrieben, technisch vielleicht nicht unbedingt nachvollziehbar - aber welche Erfindungen aus SF-Romanen lassen sich schon ohne weiteres nachbauen? Der Einblick in die Geschichte Trojas und den Kampf zwischen Hektor und Achill ist eine recht hübsche Idee. Die Geschichte des "Zufallsfundes" gefiel mir weniger. Einfach zuviel Zufall, das hätte ich mir besser vorbereitet gewünscht.


Mark Brandis: Die Eismensch-Verschwörung
Verschwörungen mit Unterstützung durch Kunstmenschen haben in der Mark-Brandis-Serie eine gewisse Tradition. Erst war es der "Homo Factus", später die MOBs und FLOBs, nun also "Eismenschen", deren einzige Achillesferse zu große Hitze ist. Und um den neuen Menschen mit dem nötigen Hass auf das System zu impfen, wird ihm das Bewusstsein des gerade hingerichteten Chemnitzer implantiert. Mark Brandis' Erzfeind ist wieder da. Zum letzten Mal.
Die Geschichte ist gut erzählt und recht spannend, läuft mit einiger Schlüssigkeit auf das Ende zu und ist - wenn man erstmal akzeptiert hat, dass diese ultimative Kampfmaschine keine Wärme verträgt - auch recht logisch und genießbar. Sehr gut hat mir das Ende gefallen, als der Eismensch gerade dadurch enttarnt wird, dass ihm die "Achillesferse" der Menschen, nämlich die Gefühle, fehlen. Ein gut vorbereiteter und hochdramatischer Abgang für Chemnitzer. Friede seinem Schmelzwasser.


Eoin Colfer: Artemis Fowl 8 - Das magische Tor



Hörbücher

Mark Brandis: Sirius-Patrouille I
Mark Brandis: Sirius-Patrouille II
Eine gewohnt hochwertige Hörspielprduktion mit gewohnt guter Umsetzung der Romanvorlage. Akustisch ein Leckerbissen, ein sehr opulenter Ohrenschmaus, der viel Weltraumfeeling vermittelt. Wie im ersten Teil des Uranus-Hörspiels ist es durchaus gelungen, ein Brandis-Hörspiel ohne bzw. weitgehend ohne Brandis zu gestalten. Vielleicht ist das psychologische Moment des Kompetenzgerangels an Bord im Buch ein wenig intensiver dargestellt, die Kampfszenen und allgemein das Gefühl für Raumgestaltung vermittelt das Hörspiel weitaus sinnlicher.
Hier kann man allenfalls sehr auf hohem Niveau meckern. Etwas missfallen hat mir die unterwürfige, beinahe piepsige Sprechweise Martin Seebecks. Dass der Mann kein Astronaut ist und sich daher an Bord nicht auskennt, ist klar. Auch ein wenig Zurückhaltung, um aus der Distanz zu beobachten, ist vollkommen in Ordnung. Aber ein Pulitzerpreisträger muss nicht betteln, dass man ihn an Bord lässt. Ein einfaches "Danke, dass Sie es möglich gemacht haben" hätte gereicht. Und außerhalb von Schusswechseln und komplizierten Manövern kann er sich durchaus auf Augenhöhe mit seinen jeweiligen Gesprächspartnern unterhalten.



Jahresrückblick 2013, Teil II: April bis Juni
Jahresrückblick 2013, Teil III: Juli bis September
Jahresrückblick 2013, Teil IV: Oktober bis Dezember


© Petra Hartmann


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Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2012

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 31 December 2012 · 298 Aufrufe
Jahresrückblick
Und hier das letzte Viertel meines Leserückblicks auf 2012. In den Monaten Oktober bis Dezember standen vor allem phantastische Sachen auf dem Programm. Und dank meines Herbsturlaubs auf Helgoland hatte ich auch mal wieder Muße für dickere Schinken. Viel Spaß beim Lesen.


Oktober

Ulrike und Michael Stegemann: Weihnachtsmann auf Diät

Andrea Tillmanns: Der kleine dicke Pinguin

Ludolf Wienbarg: Tagebuch von Helgoland
Der Helgolandklassiker schlechthin. Und eigentlich habe ich meine erste Helgolandreise im Jahr 1997 auch nur unternommern, um Ludolf Wienbargs Insel kennen zu lernen. Wenn ich auf dem roten Felsen bin, gehört das "Tagebuch" auf jeden Fall ins Handgepäck. Das Vorwort kann ich fast auswendig. Die Geschichte von der kolossalen steinernen Sphinx und Forsetis rotem Altar, die hohen Wellen beim Ausbooten, die Badegästin mit den zierlichen Taschenthermometern en miniature ... Wirklich Wienbargs bestes Buch. Ein Buch, durch das der Seewind weht. Wenn ich mal ins Exil gehen müsste, diese Insel wäre nicht die schlechteste Ruhestätte, und das Tagebuch müsste mit ...

Antonia Michaelis: Solange die Amsel singt
Unheimliche Geschichte um einen reisenden Handwerksburschen, der in einem seltsamen Häuschen im Wald bei drei Mädchen unterkommt. Ein alter Entführungsfall. Zwei Morde. Wahnsinn und Geister aus der Vergangenheit. Wem kann der junge Man noch trauen? Sein Leben ist in höchster Gefahr ... Antonia MIchaelis mal nicht von ihrer märchenhaften, sondern von ihrer bösen Seite. Was für ein Thriller!

Michael Böhnhardt: Das Luftschiff des Doctor Nikola

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem II: Gefährliche Liebe
Suzanne Collins: Die Tribute von Panem III: Flammender Zorn
Nicht unbedingt schlecht geschrieben, die Folgebände fallen jedoch im Vergleich zum ersten Teil etwas ab. Wieder sehr grausam. Dass Prim am Ende stirbt, fand ich etwas an den Haaren herbeigezogen. Na gut, man kann's lesen, spannend ist es allemal.

Gundula Hubrich-Messow: Sagen und Legenden von der Insel Helgoland
Auch schon mehrfach gelesen. Diesmal habe ich das schmale Bändchen für meinen Aufsatz "Geisterstunde auf Helgoland", der in der Dezember-Elfenschrift erschienen ist, als Quelle benutzt. Einiges stimmt fast wörtlich mit Wienbarg überein, nur dass der älter ist. Wienbarg ist aber nicht als Quelle angegeben. Wenn man bedenkt, dass der Jungdeutsche das Buch 1838 veröffentlichte und sich der Vorfall mit dem spukenden Offizier ein Jahr zuvor zugetragen haben soll, dann muss wohl Wienbargs Tagebuch das Original sein und eine von Hubrich-Messows Quellen den alten Wienbarg-Text übernommen haben. Ich müsste mal in die Archive steigen und nachschaun, wer da geklaut hat.

Achim Hiltrop: Gallaghers Mission
Enthält die Romane:
Gallaghers Sturm,
Gallaghers Schlacht und
Gallaghers Sieg
und die Kurzgeschichte Krise auf Smirus
Schöne dicke Hardcoverausgabe, die mir auf dem BuCon in die Hände fiel. Drei spannende Weltraumabenteuer um einen Söldner und sein eigenwilliges, sprachbegabtes Raumschiff, das zu allem seinen Senf dazugeben muss. Die Dialoge zwischen Kommandant und dickköpfiger Maschine machen Spaß, vor allem als Trigger auch noch eifersüchtig auf Clous neue Freundin wird. Manchmal passieren etwas seltsame Zufälle, zum Beispiel als Clou einen jungen Mann trifft, der ihm helfen will und sich später als Neffe eines einflussreichen Mafiabosses entpuppt. Aber alles in allem eine gute Urlaubslektüre. Ich habe mich dabei keine Sekunde gelangweilt.

Bartholomäus Figatowski (Hrsg.): Der Basilikumdrache

Steve Gerlach: Rage



November

Meta Schoepp: Schiff auf Strand
Historischer Roman über Jakob Andresen Siemens, der das Helgoländer Seebad gründete. Sehr anschaulich schildert Meta Schoepp das harte Leben der Insulaner, deren einzige Nahrungsquelle, das Lotsenprivileg, zu schwinden droht. Ein Roman, der die bittere Armut, den mutigen Kampf mit der See, aber auch die Schattenseiten des Insellebens, etwa den hohen Alkoholkonsum, sehr deutlich zeigt. Die Autorin hat sich auf Helgoland nicht viele Freunde gemacht mit diesem Roman, in dem die Scheelsucht und die Gehässigkeit, mit der sich die Nachbarn gegenseitig belauerten, eine große Rolle spielt. Jeder, der etwas anders macht als die anderen, jeder, der auch nur einen Millimeter vom seit Jahrhunderten gegebenen Handlungsmuster abweicht, wird gnadenlos ausgestoßen aus der Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund zeichnet die Autorin den eigenwilligen, etwa düsteren Charakter des Schiffsbauers Siemens, der seine Vision eines Seebades zur Ernährung der Helgoländer Bevölkerung in die Tat umsetzen will. Ein sehr harter, realistischer Roman mit vielen Ecken und Kanten. Am Ende ist das Seebad gegründet, die Helgoländer haben eine neue Erwerbsquelle und müssen nicht mehr hungern, aber für Siemens gibt es kein Happy End. Lesenswert. Und auch das sehr ausführliche Nachwort, das sich auf die Spurensuche begibt und die dürftigen Informationen über die Autorin zusammenfasst, kann sich sehen lassen. Gehört in die Reisebibliothek jedes Helgolandfahrers.

Mitch Walking Elk: There will be no surrender - Ich werde mich nie ergeben
Lebensgeschichte eines Cheyenne-Musikers, der als Kind in eine weiße Schule zur Umerziehung von Indianerkindern gesteckt wurde. Eine Abrechnung mit dem Boardingschoolsystem, die zeigt, wie ein Volk systematisch ausgerottet und seiner Kultur beraubt werden sollte. Walking Elk erzählt, wie er mehr und mehr auf die schiefe Bahn geriet, erzählt von Gefängnisaufenthalten und Drogenkarriere, aber auch, wie er schließlich durch seine Musik und durch den spirituellen indianischen Weg aus der Abwärtssprirale herausfinden konnte. Sehr eindringlich und lesenswert.

Xenophon: Anabasis (Reclam)
"Thalatta! Thalatta!" Die Geschichte vom Zug der Zehntausend in einer gut kommentierten Übersetzung. Ein paar Kernstellen kannte ich schon aus dem Griechischunterricht. War gut, das mal im Zusammenhang zu lesen.

Mick Zoch: Tiffany
Endlich mal wieder ein erotischer Roman ohne charismatische blutlose Untote mit langen Eckzähnen. ;-) Die Geschichte eines 19-jährigen Ich-Erzählers, der sich in eine 14-Jährige mit prächtigem Busen verliebt. Sehr gut getroffen der leicht arrogante Tonfall eines angehenden Philosphiestudenten, der viel gelesen hat und glaubt, schon jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Drogen, Medikamentenmissbrauch, die ersten sexuellen Erfahrungen der jungen, langsam selbstbewusster werdenden Tiffany. Das alles ist recht gelungen. Etwas unglaubwürdig, dass weder seine noch ihre Eltern jemals eine Bemerkung über das doch recht junge Alter der Titelheldin machen und den Erzähler zu etwas Verantwortungsgefühl ermahnen. Zumindest ein kumpelhaftes "Ich gehe davon aus, dass du weißt, was du tust" wäre ja wohl angebracht. Ein paar überflüssige Disco-Dialoge hätte ich gestrichen, das dramatische Ende kommt etwas plötzlich, und ein Korrekturleser hätte dem Buch gutgetan. Ansonsten: Falls ihr es in einem Antiquariat mal in die Finger bekommen solltet, greift zu.

Windfänger und andere Begegnungen
Schmale, gut in der Hand liegende Lyrik-Anthologie aus dem Sperling-Verlag. Das Coverbild und das Format gefallen mir sehr. Die Texte sind sehr unterschiedlich, ein paar echt tolle Gedichte, ein paar nicht ganz so gute und eines von mir.

Mark Brandis: Der Pandora-Zwischenfall
Eine Neuauflage für den "Homo Factus": Die Menschheit greift nach den Sternen, doch da der Weg so weit ist und der Flug so lange dauert, soll als "Stellvertreter" des Homo sapiens ein neues humanoides Kunstwesen auf die Reise gehen und die Expansion des Erdenvolkes vorantreiben. Mark Brandis ist als Ausbilder der "Muster" mit im Team und soll seine Schützlinge zu perfekten Piloten machen. Erst läuft alles großartig. Eine Freude für jeden Lehrer, so gelehrige Schüler zu haben. Doch bald stellt sich heraus, dass beim Konstruieren der Kunstmenschen einige angeblich unwichtige und schwächende DInge weggelassen worden sind, die den Menschen erst zum Menschen machen: Gefühle und Ethik sind im Programm dieser überlegenen Wesen nicht vorgesehen. Der Versuch, die Reißleine zu ziehen, bevor sich die neue Rasse ins All verbreitet, führt zur bewaffneten Auseinandersetzung im Weltall ...
Der Roman ist spannend und mitreißend geschrieben, wird erneut getragen von der Mark-Brandis-Ethik und vom humanistischen Weltbild der "Windjammerzeit" des Menschseins ... Etwas unglaubwürdig und ärgerlich allerdings, wie blauäugig Brandis auf zwei der Kunstmenschen vertraut, weil er bei ihnen die menschliche Regung der Dankbarkeit voraussetzt. Als ob man es nicht hätte kommen sehen.

Storm IV: Die grüne Hölle
Storm und Rothaar in einer Dschungelwelt und auf den Spuren einer darunter liegenden, hochentwickelten Zivilisation. Erneut ein beeindruckend gezeichneter und erzählter Comic-Klassiker in einer exquisiten Aufmachung.

Valerian & Veronique 11 (7): Das Monster in der Metro
Valerian & Veronique 12 (8): Endstation Brooklin
Valerian & Veronique 13 (9): Die Geister von Inverloch
Valerian & Veronique 14 (10): Die Blitze von Hypsis
Die Raumzeitagenten sind in der Gegenwart, also auf der Erde der 1980er Jahre, unterwegs. Herrlich humorvoll und dabei nachdenkliche Geschichten, die ihren besonderen Reiz durch die realen Hintergründe erhalten. Sehr erhellend die Gegenüberstellung von Fotos aus Paris und der Comicfassung der Schauplätze. Einfach zauberhaft.


Dezember

Mark Brandis: Metropolis-Konvoi
Der letzte Streich des Diamant-Asteroiden Ikarus: Beim erneuten Versuch, den Himmelskörper in Erdnähe zu schleppen, ereignet sich ein Unfall, und die Erde wird von einer undurchlässigen Wolke aus Weltraumschutt umgeben. Kein Sonnenlicht dringt mehr durch, die Landwirtschaft liegt darnieder, Ernten werden vernichtet, und der Kampf um die letzten Lebensmittel beginnt. Dabei zeigt sich auch, wie brüchig das Kunstgebilde EAAU ist: Der Staatenverband der Europäisch-Amerikanisch-Afrikanischen Union fällt auseinander, vor allem bricht die Versorgung der Hauptstadt Metropolis zusammen. Auf den Kontinenten ist sich jeder selbst der Nächste, und auch Lebensmitteltransporte aus dem All - immerhin gibt es noch die Kolonie auf der Venus und einen Außenposten auf dem Mars - sind allenfalls spärlich. Da bekommt Mark Brandis eine geheime Nachricht vom Uranus. Er soll einen Lebensmittelkonvoi leiten. Allerdings sind auch die Raumpiraten auf den Transport scharf ... Spannendes Abenteuer in bewährter Brandis-Qualität, lesenswert.

Ingeborg Bachmann: Anrufung des großen Bären
Einer ihrer beiden bedeutendsten Gedichtbände. Herb, zurückhaltend und trotzdem sehr ausdrucksstark. Das Ganze in einer schön aufgemachten Taschenbuchausgabe. Hat sich gelohnt.

Joachim Ringelnatz: Die Schnupftabackdose
Joachim Ringelnatz: Turnergedichte
Joachim Ringelnatz: Kuttel Daddeldu oder Das schlüpfrige Leid
Joachim Ringelnatz: Die gebatikte Schusterpastete
Joachim Ringelnatz: Taschen-Krümel
Joachim Ringelnatz: Geheimes Kinder-Spiel-Buch
Joachim Ringelnatz: Kinder-Verwirr-Buch
Schöne Hardcover-Ausgabe im Anaconda-Verlag, da konnte ich nicht gut dran vorbeigehen. Weiß gar nicht, wo meine alte Ringelnatzausgabe geblieben ist ... Jedenfalls war es ein schönes Wiedersehen mit der Schnupftabackdose und dem Briefmark, und natürlich passte das Weihnachtsfest des Seemanns Kuttel Daddeldu sehr gut in die Jahreszeit. Hat mir Spaß gemacht.

Voltaire: Candid (Reclam)
O weh, der arme Leibniz, was hat man hier aus seiner besten aller möglichen Welten gemacht. Candids Abenteuer sind schröcklich, aber dabei sehr amüsant zu lesen. Der Roman gehört völlig zu Recht ins Klassikerregal, wenn mir persönlich auch der Tonfall manchmal etwas zu selbstgefällig und gewollt witzig erschien. Aber auf alle Fälle lesenswert.

Antje Babendererde: Starlight Blues. In der Kälte der Nacht
Kriminalroman um einen indianischen Detektiv, der ein über zehn Jahre zurückliegendes Verbrechen aufklären muss. Ein junger Cree-Indianer wurde damals weitab jeder Siedlung erfroren im Schnee gefunden. Bei den neuen Ermittlungen wird schnell klar, dass damals einiges nicht mit rechten Dingen zuging. Eine oberflächliche Obduktion, verschwundene Fotos, keine Spurensuche am Fundort der Leiche, Polizisten, die nicht reden wollen. Und das Schicksal des erfrorenen Jungen scheint kein Enzelfal zu sein.
Sehr spannender, sachkundiger und gut recherchierter Roman nach einer wahren Begebenheit. Empfehlenswert.

Sonja Klima: Beziehungskisten. schonungslos und hoffnungsvoll
Ein schmales aber gehaltvolles Heft einer Hildesheimer Autorin, das ich kürzlich auf einer sehr gelungenen Lesung mitnahm. Liebevoll illustriertes Bändchen mit Lyrik und Kurzprosa rund um das Thema "Beziehungen", eine schöne Lektüre, auch wenn es natürlich noch schöner ist, sich die Texte von Sonja Klima selbst vorlesen zu lassen ...

Detlev von Liliencron: Gedichte (Reclam)
Nicht ganz mein Fall. Ich fand ein paar seiner Balladen wie "Trutz, Blanke Hans" oder "Pidder Lüng" sehr schön und dachte, in dem Reclamheft gäbe es mehr davon. Aber der Mann verbreitet sich für meinen Geschmack beim Dichten zu sehr über das Dichten selbst, mault über Leute, die ein bestimmtes Versmaß erwarten, kommentiert ständig, was er da schreibt, und dichtet sehr privat an andere Autoren. Einfach zu viel Metalyrik. Und der Rest hat mich auch nicht gepackt. Das mag lesen wer will, mir hats nicht gefallen.

Martha Schlinkert: Maxis erstes Jahr im Internat
Altes Kinderbuch, das mir auf einem Flohmarkt in die Hände gefallen ist. Ich hatte vor ca. 30 Jahren die Geschichte "Maxi kämpft um Niki" gelesen und fand's damals gar nicht so schlecht. Hier also die Vorgeschichte dazu. Nun ja, man hat sich inzwischen weiterentwickelt. ;-)

Erin Hunter: Warrior Cats I: In die Wildnis
Geschichte einer Hauskatze, die in die Welt des Waldes und der wilden Katzenclans gerät und sich schließlich als Krieger beweisen muss. Schönes, spannendes Jugendbuch, das einmal mehr beweist, dass sich ein Leser auch mit nicht-menschlichen Helden problemlos identifizieren kann. War gut.


Hörbücher

Linda Budinger: Herz aus Stein



Meine aktuelle Lektüre:

Storyolympiade: Masken
Große Geschichten vom kleinen Volk
Gunnar Kunz: Ruf der Walküren
Dazu nächstes Jahr mehr ...




Jahresrückblick I: Januar bis März 2012
Jahresrückblick II: April bis Juni 2012
Jahresrückblick III: Juli bis September 2012




© Petra Hartmann


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Jahresrückblick III: Juli bis September 2012

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 30 December 2012 · 227 Aufrufe
Jahresrückblick
Teil III meiner Lesefrüchte des Jahres 2012. Lyrik, Phantastik, Kinderbücher und Klassiker. Schaut doch mal rein. Viel Spaß damit.

Juli

Die Welten von Thorgal: Lupine 1 - Raissa

Guy N. Boothby: Pharos der Ägypter
Gruseliger Abenteuerklassiker aus der Feder Guy N. Boothbys. Ich habe ihn vor allem deshalb gelesen, weil ich ja eine Fortsetzung zu Boothbys "Doctor Nikola" schreiben sollte. So kam ich ein bisschen besser in die Welt des australischen Bestseller-Autors ein. Die Geschichte selbst ist schon ein gutes Stück Literatur. Ein ägyptischer Magier oder was auch immer knechtet den Geist eines Briten, mit dem es dann auch ein schlimmes Ende nimmt. Exotische Schauplätze, unheimliche Szenen, eine schöne Frau, eine abenteuerliche und vergebliche Flucht - also alles drin, was man für einen Schauerroman braucht.

Mark Brandis: Ikarus, Ikarus ...
Ein Weltraumabenteuer um einen Asteroiden, der die vermutlich größte und ertragreichste Diamantmine des Universums birgt. Jetzt soll der Himmelskörper, um die Edelsteine billiger abbauen zu können, verlegt und in Erdnähe geschleppt werden. Allerdings haben auch Kriminelle ein Auge auf den Ikarus geworfen und wollen den Asteroiden verschleppen. De Autor versteht sein Handwerk, die Personen und die zwischenmenschlichen Beziehungen während der Entführungsaktion sind erneut gut getroffen und sachkundig gezeichnet. Etwas unglaubwürdig sind ein paar Kleinigkeiten wie zum Beispiel der Roboter, der einen Diamanten mit seinem Stahlfuß zertritt. Und dass am Ende ein einziges Raumschiff, das kopfüber in einen Krater gerammt wird, den ganzen Asteroiden bewegen kann, kommt mir angesichts der Riesenlogistik im Vorfeld auch unglaubwürdig vor. Ansonsten: Ein tolles Weltraumabenteuer, das sich rasend schnell wegliest.

Mythenpunk. Die Storys zum Marburg-Award 2012
Der Storywettbewerb zum MarburgCon stand dieses Jahr unter dem Motto "Mythenpunk". Ein schönes Thema, das nicht nur mehr Autoren als sonst zur Teilnahme lockte, sondern auch sehr gute Geschichten ergab. So konnte der Verein diesmal ein richtiges Taschenbuch mit den Teilnehmerbeiträgen herausgeben. Ein echtes Schmuckstück. Wer's nicht gekauft hat, ist selbst schuld. Auf dem Siegertreppchen standen schließlich: 1. "Der Sagenborn" von Tedine Sanss, 2. "Sonderzug nach Vineta" von Sabrina Železný und 3. "Wunderschöne Jacobe von Baden" von Nina Sträter. Wobei mir der "Sonderzug nach Vineta" noch besser gefiel als der "Sagenborn", der mir zu wenig "Punk"-Elemente enthielt. Mein absoluter Favorit war allerdings die "Raue Nacht" (Holger Teckenburg), in der der uralte germanische Mythos von der wilden Jagd mit den beiden Merseburger Zaubersprüchen und dem urbundesrepublikanischen Wirtschaftswunder-Mythenfahrzeug VW Käfer verbunden wurde. Echt was fürs Herz, einfach toll.

Jules Verne: Reise durch das Sonnensystem
Ganz okay, vermutlich nicht gerade eines seiner Glanzstücke ... Ein Teil des Mittelmmeers wird von einem Kometen aus der Erde herausgerissen und mitsamt ein paar Menschen unterschiedlicher Nationalitäten durch das Sonnensystem mitgenommen. Interessante Konstellation. Die Rückkehr ist jedenfalls etwas unglaubwürdig.

Michael Zoch: Kometen vom Fass
Michael Zoch: Wellenbrand
Michael Zoch: Andolina Stereo
Endlich mal ein Lyriker, der sich lohnt. Die "Kometen vom Fass" waren ein tolles Erlebnis, natürlich musste ich mir danach den Rest auch noch holen. Eines meiner spannendsten Literaturerlebnisse des Jahres. Lesenswert.

Rick Riordan: Percy Jackson 1: Diebe im Olymp
Fand ich ziemlich doof und langweilig. Nichts, was man nicht in "Harry Potter" oder anderen einschlägigen Jugendbüchern schon besser gelesen hätte. Ein Junge, der "anders" ist, Schulprobleme hat, von übermächtigen magischen Gegnern verfolgt wird und die Welt retten muss. Ron heißt hier Grover und ist ein Satyr. Hermine trägt den Namen Anabeth und ist Tochter von Pallas Athene. Überhaupt ist es schon mal Übelkeit erregend zu lesen, dass Athene eine Tochter haben soll, wenn man im gleichen Atemzug mitgeteilt bekommt, dass Hera als Schutzgöttin der Ehe natürlich keine Seitensprünge mit Menschen hatte und daher keine Halbgötter zur Welt brachte und dass Artemis, da sie ewige Jungfräulichkeit gelobte, ebenfalls keine halbgöttlichen Kinder hat. Athene, die den gleichen Eid leistete, ist also entjungert und Mutter - und Artemis nicht? Hä? Wo ist der Unterschied? Hätte zumindest thematisiert werden müssen. Außerdem heißt es nicht "im" Olymp, sondern "auf dem Olymp", und wieso die Heimat der griechischen Götter jetzt nach Amiland verlagert werden musste, will mir auch nicht in den Kopf. Immer wenn die Situation ausweglos erscheint und die Kinder beinahe tot sind, fällt Percy ins Wasser und erhält Superkräfte. Na toll. Einziger Lichtblick: Prokrustes als Bettenverkäufer, schöne Szene. Ansonsten: Schwach. Durchschnitt. Nichtssagend. Massenware von der Stange. Verzichtbar.


August

Ute Zimmermann: Kampf, Tod und die Erweckung des Helden. Zu den Walkürenvorstellungen der mittelalterlichen skandinavischen Literatur

Anne C. Voorhoeve: Unterland

Bergengrueniana I. Hrsg. v. Eckhard Lange

Fabienne Siegmund (Hrsg.): Die Einhörner

Rona Walter: Kaltgeschminkt

Die Welten von Thorgal - Kriss de Valnor II: Das Urteil der Walküren

Arthur Rimbaud: Une Saison en Enfer / Eine Zeit in der Hölle (Reclam)
Sehr ausdrucksstark. Ich fands etwas schwer reinzukommen, die zweite Hälfte und vor allem das letzte Stück haben mich dann aber doch reingezogen in diese eigenartige Welt. Empfehlung: auf jeden Fall laut lesen.

Paul Verlaine: Gedichte (Reclam)
Enthält "Fêtes galantes", "La Bonne Chanson" und "Romances sans paroles". Ganz okay, aber nicht meine Welt. Zu zierlich. Diese Maskenbälle und Feste. Commedia dell'arte. Dafür ein dickes Lob an den Übersetzer, der sich nicht gescheut hat, Verse und sogar Reime zu verwenden. Findet man nicht mehr so oft ... Auch ein gutes Nachwort.

Gunnar Kunz: Schnatzelschnapf



September

Die Welt in Gelb. Zur Neugestaltung der Universalbibliothek 2012
Reclamheft zur Neugestaltung des Reclam-Layouts. Ich fand's sehr interessant, mal die unterschiedlichen Outfits meiner Lieblingsklassiker vor Augen geführt zu bekommen. An das neue Weiß im Gelb werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Wobei mein Lieblings-Layout immer das der Jahre 1969 bis 1988 bleiben wird. Zeitlos schön. War einfach prägend.

Jutta Richter: Der Hund mit dem gelben Herzen
Sehr stilles, nachdenkliches Buch über einen sprechenden Hund, sein verlorenes Herrchen, über Herrn G.Ott und seinen Garten. Ist das wirklich ein Kinderbuch?

Moses Mendelssohn: Phaedon oder über die Unsterblichkeit der Seele
Ich hatte mich ja letztes Jahr schon ein wenig mit Moses Mendelssohn befasst. Jetzt habe ich mir den Phaedon vorgenommen. Sehr kluges Buch auf den Spuren Platons. Drei Dialoge des Sokrates kurz vor der Hinrichtung. Schade, dass es keine moderne, ordentlich kommentierte Ausgabe davon gibt, nur so billiges, automatisch reingelutschtes Zeug von Verlagen, die die "Public Domain" ausschlachten. Hätte mir da doch ein paar Worte von einem Fachmann gewünscht.

D.H. Lawrence: Meistererzählungen
Der Titel stimmt. Die Geschichten sind wirklich meisterlich. Zum Teil sehr harte Storys. Lawrence hat einen scharfen Blick für psychologische Vorgänge und seziert seine Figuren mitleidslos. Mein absoluter Höhepunkt ist die Geschichte mit den beiden blauen Vögeln. Eine eifersüchtige Frau demontiert die Sekretärin ihres Mannes, indem sie sie einfach nur zum Tee einlädt. Am Ende ist das kleine Wesen vollkommen zerstört. Der letzte Satz ist einfach umwerfend. Ansonsten haben mir vor allem "Sonne" und "Der moderne Liebhaber" gefallen, "Die Frau, die davonritt" war mir für die Grundidee einfach zu lang und zu vorhersagbar.

Sabine Axnick: Quirina, die Wasserfrau
Hübsches, selbstgemachtes Märchenheft von einer Autorin, die ich auf der Homburger Buchmesse kennengelernt habe. Ich habe vor allem zugegriffen, weil an dem Heft eine selbstgehäkelte Meerjungfrau dranhing. Dazu gibt es ein nettes Märchen über ein Mädchen, das sich mit einer Wasserfrau aus einem Teich anfreundet. Ein schönes Mitbringsel.



Jahresrückblick I: Januar bis März 2012
Jahresrückblick II: April bis Juni 2012
Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2012




© Petra Hartmann


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Jahresrückblick II: April bis Juni 2012

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 29 December 2012 · 183 Aufrufe
Jahresrückblick
Hier der zweite Teil meines Jahresrückblicks. In den Monaten April bis Juni habe ich recht wenig gelesen, eine große Hörbuch-Enttäuschung erlebt und mich ansonsten mit Phantastik, Lyrik und Kinderbüchern befasst.

April

Andrea Tillmanns: Mimis Krimis # 1: Mimi und das gestohlene Foto

Michael K. Iwoleit: Die letzten Tage der Ewigkeit
Sechs Science-Fiction-Geschichten mit zum Teil sehr eigenwilligen Ansichten über die Welt von morgen. Sehr interessante Schilderungen über den künftigen Wissenschaftsbetrieb und philosophische Betrachtungen. Zum Teil etwas anstrengend zu lesen, aber nicht schlecht. Kein Buch für zwischendurch, sondern eines, das viel Aufmerksamkeit verlangt und verdient.

Antonia Michaelis: Jenseits der Finsterbach-Brücke
Geschichte eines Jungen aus einer armen Bergarbeiter-Familie in einer dreckigen Stadt, der es wagt, über die FInsterbach-Brücke zu gehen. Auf der anderen Seite der Schlucht findet er eine traumhafte Welt, in der ein anderer Junge lebt. Beide werden Freunde und müssen den Kampf gegen ein furchtbares Vogelmonster aufnehmen. Ein seltsamer weißer Ritter hilft ihnen dabei. Aber ist der Fremde wirklich einer von den "Guten"? Antonia Michaelis versteht es, Zauberwelten und bittere Realität auf eine fast magisch-natürliche Weise zu verbinden. Auf jeden Fall mehr als eine Kindergeschichte. Lesenswert.


Hörbuch

Kai Meyer: Arkadien fällt
Eine einzige Enttäuschung. Kai Meyer hatte in Arkadien erwacht eine großartige, zauberhafte Welt aufgebaut, hatte sich in Arkadien brennt noch um das Zehnfache gesteigert und einen atemberaubenden Thriller hingelegt, und jetzt das. Die Kulisse des sagenhaften Arkadien fällt in sich zusammen, als habe jemand einfach nur die Luft rausgelassen. Der großartig angelegte Tempel entpuppt sich als banaler Bodensatz eines Stausees. Die dämonischen Mafiapaten schleichen erschreckt davon, als ein Haufen Reporter einfliegt. Vieles wird einfach nur notgedrungen und simpel zu Ende gebracht, weil eben die Trilogie zu Ende ist. Schade. Kai Meyer hatte sich die Latte selbst mit dem zweiten Teil unvorstellbar hoch gelegt. Dieser Sprung blieb darunter. Schade.



Mai

Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte
Beeindruckend, diese Sprache. Bis aufs Höchste verdichtet und offenbar jedes Wort eine halbe Ewigkeit abgewogen. Bilder, über die man noch lange nachdenkt. Es tut gut mitzuerleben, wie jemand tatsächlich mit und an der Sprache arbeitet. Große Hochachtung vor dem Übersetzer. Viele der Gedichte habe ich Tage später noch einmal zur Hand genommen, manche auch mehrfach noch einmal vorgeholt. Keine Lektüre für zwischendurch, man braucht sehr viel Zeit dazu. Aber es lohnt sich.


Andrea Tillmanns: Die Jagd nach der römischen Formel
Lokaler Kinderkrimi (Ermittlungsort: Zülpich) um ein Fundstück, das beim Umgraben eines Gartens nach oben kommt: Offenbar ist die seltsame Steintafel gar nicht so uninteressant, und prompt wird sie geklaut. Drei Kinder nehmen die Ermittlungen auf. Die Geschichte ist für Kinder ab 9 Jahre gedacht, spannend aber gewaltfrei, dabei gut geschrieben und lehrreich. Das Format (Crago-Taschenheft) ist für Hosentaschen geeignet (wenn auch nicht sehr stabil). Auch als kleines Geschenk sehr brauchbar.

Fabienne Siegmund: Sternenasche

Sueton: Nero (Reclam)
Schöne zweisprachige Ausgabe über den irren Kaiser ... Man hört im Hintergrund förmlich Peter Ustinov singen. Für Alt-Historiker ein Muss. Für alle anderen ein gut zu lesendes, spannendes Stück Geschichte. Sueton liest sich auch um einiges lockerer als Tacitus.

Carla Berling: Vom Kämpfen und vom Schreiben
Ja, Carla Berling hat recht: Schreiben hat viel mit Kämpfen zu tun, und man muss für seine Romane verdammt viel kämpfen. Fast jeder Schreibende dürfte, wenn er nur lange und ernsthaft genug dabei ist, ähnliche Erfahrungen gemacht haben: Falsche Freunde, Kollegen, die einen sitzen lassen, gute und schlechte Verleger und die Tücken der Schreibmaschinen oder heutzutage der Schreibprogramme. Köstlich und irgendwie typisch schon der Start mit der defekten Schreibmaschine, bei der das "e" hakte. Bei mir war's damals ein selbstgeschriebenes Textverarbeitungsprogramm, das mein Vater und ich in einem Urlaub Mitte der 80er in Dänemark ausgeklügelt hatten: Nach einer Stunde angestrengten Tippens stellte sich heraus, dass der Kasten das Komma als Steuerzeichen interpretierte. Er verschluckte jedesmal das Wort vor dem Komma, machte dann einen Absatz, wiederholte den Satz nach dem Komma zweimal und machte dann weiter. Mein Manuskript sah aus wie moderne Lyrik, und es war der Optik auch nicht gerade zuträglich, dass ich von da ab den Lattenzaun # anstelle des Kommas benutzte. Das Manuskript ging niemals zur Post ... Also, falls ihr selbst schreibt, ihr werdet in Carla Berlings Buch viel Bekanntes und Selbsterlebtes wiederfinden. Und falls ihr noch nicht schreibt aber mit dem Gedanken spielt, ein Buch zu verfassen, solltet ihr auch mal einen Blick hineinwerfen. Nur damit ihr hinterher nicht sagen könnt, es hätte euch keiner gewarnt. ;-)

Andrea Tillmanns: Lena lernt zaubern

Stig Ericson: Kleiner Wolf und die sprechenden Zeichen
Kinderbuch über einen Indianerjungen, der nach seiner Ankunft in der Reservation zur Schule gehen und Lesen lernen soll. Zufallsfund in der Bibliothek. Nicht schlecht, lässt sich gut lesen.

Ein Augenblick für Zwei. Gedichte



Hörbuch

Malcolm Max: Venedig sehen und sterben



Juni

Miriam Pharo: Section 3/ Hanseapolis: Schlangenfutter
Ein MItbringsel von der Homburger Buchmesse. Ich hatte das Vergnügen, Miriam lesen zu hören, und konnte natürlich nicht ohne ein eigenes Hanseapolis-Buch nach Hause gehen. Die High-Tech-Zukunftswelt, in der ihr Ermittler-Duo agiert, hat es in sich: Nach einer Flutkatastrophe sind Hamburg und Lübeck zusammengelegt worden, ein Damm schützt die Metropole vor erneuten Besuchen des Meeres. Im Jahr 2066 müssen eine junge Polizistin und ihr etwas abgebrühterer Kollege, der von der neuen Begleitung zunächst gar nicht so erbaut ist, einen ziemlich ekligen Mord aufklären. Das Ganze nimmt immer größere Ausmaße an, schließlich muss eine Spezialeinheit übernehmen ... Die Geschichte ist spannend erzäht, verblüfft immer wieder durch neue Details aus der Zukunftswelt und erinnert durch die kleinen erläuternden Infos, die immer wieder in den Text eingeblendet werden, an die Kommentare des sagenhaften Reiseführers aus Douglas Adams' Anhalter-Bänden. In der Mitte gab es ein kleines Logikloch, als der Ermittler Elias plötzlich während einer Razzia in einem Kellergewölbe verschwindet und dann am Anfang des zweiten Abschnitts lange erklären musss, was er in der Zwischenzeit erlebt hat. Doch das ist der Spannung und dem Lesevergnügen nicht abträglich. Ich werde mir beizeiten den nächsten Band holen.

Ole Lund Kierkegaard: Gummi-Tarzan
Dänischer Kinderbuchklassiker, den ich in meinem Dänisch-Volkshochschulkurs lesen und übersetzen durfte. Hat sehr viel Spaß gemacht. Humorvoll, frech und fantasievoll erzählt, einfach schön. Wie haben uns schlappgelacht über den Faustschlag auf den Kopf des Affenkönigs oder über die verunglückte Fahrradfahrt und den Weitspuckwettbewerb. Nur die Moral von der Geschicht', das Ende ... Naja, so gehen solche Geschichten wohl immer aus.

Andrea Tillmanns: Mimis Krimis #1: Mimi und das chinesische Rätsel

Mark Brandis: Planetaktion Z

Uwe Timm: Der Schatz auf Pagensand
Geschichte einer Jungenbande, die mit einem abenteuerlichen, wracken Kahn die Sandbänke in der Hamburger Elbmündung erkundet. Die Sage von Störtebeckers Schatz hat schon die Phantasie vieler Kinder und Erwachsener beflügelt, doch nun ist einer der Schüler ganz sicher, dass er das Rätsel gelöst hat: Auf Pagensand muss der Schatz liegen. Unterwegs begegnen sie Stürmen, Schweinen, Verbrechern, der Polizei und einem beinahe waschechten König. Und es findet sich tatsächlich so etwas wie ein Schatz. Das Buch ist nicht zu Unrecht in die Junge Bibliothek der SZ aufgenommen werden. Ein einfach erzähltes, völlig ohne phantastische Elemente auskommendes Abenteuerbuch, das man schon zu den Jugendbuch-Klassikern rechnen kann.

Helmut Ballot: Das Haus der Krokodile
Wer als Kind die Serie mit Tommy Ohrner gesehen hat, hat bei dem Titel bestimmt schon Bilder vor den Augen, gelle? Beim Stöbern in der Bibliothek habe ich jetzt zufällig das Buch dazu entdeckt. Die Krokodilsbilder, das Mädchen, das ins Treppenhaus stürzte, und immer wieder diese Augen, die alles beobachten. Gruselig, stimmungsvoll, eine unvergessliche Atmosphäre. Beim Lesen des Buchs stellte sich das Gefühl von damals wieder ein. Okay, wenn man den Text vor Augen hat und das Tempo ein wenig herausgenommen ist, fallen einem auch gewisse Logikmängel und Ungereimtheitenauf. Aber so war die Zeit damals einfach.

Max von der Grün: Die Vorstadtkrokodile
Noch eine Krokodilsgeschichte aus meiner Jugend. Nach dem "Haus der Krokodile" und dem Gerede um die Neuverfilmung der "Vorstadtkrokodile" wollte ich es einfach wissen und zog mir den Kinderbuch-Klassiker nochmal rein. Nicht schlecht, ich fürchte bloß, dass heutige Kinder mit dem Buch gar nichts mehr anfangen können. Irgendwie tun die mir leid.

Charlotte Engmann: Die Rechnung wird mit Blut bezahlt

Haiku. Japanische Gedichte. Hrsg. v. Dietrich Krusche
Schöne Sammlung, viele Klassiker, sehr sachkundiges Nachwort. Mein besonderer Liebling ist Issa. Der lässt sich ja auch, wie es heißt, am besten in andere Sprachen übersetzen.

Jahresrückblick I: Januar bis März 2012
Jahresrückblick III: Juli bis September 2012
Jahresrückblick IV: Oktober bis Dezember 2012




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Jahresrückblick I: Januar bis März 2012

Geschrieben von Petra , in Jahresrückblick 28 December 2012 · 273 Aufrufe
Jahresrückblick
Ein abwechslungsreiches, manchmal nicht ganz unbeschwertes Lesejahr neigt sich dem Ende zu. Hier das erste Viertel meiner Notizen über Lesefrüchte, Tops und Flops 2012. Vielleicht ist ja etwas für euch dabei:



Januar

Antonia Michaelis: Tigermond
Eine Variation der Sheherazade-Geschichte: EIne junge, gegen ihren Willen verheiratete Frau erzählt eine Geschichte. Verschränkt damit erleben wir die Abenteuer eines jungen Helden mit, der im Auftrag der Götter unterwegs ist und auf seiner Suche von einem wasserscheuen Tiger unterstützt wird. Ein abenteuerliches indisches Epos, bezaubernd und poetisch. Lesenswert.

Storm 2: Der letzte Kämpfer
Storm 3: Das Wüstenvolk
Comic-Klassiker in opulenter Aufmachung. Sehr edle Hardcover-Ausgabe von Splitter, mit viel Hintergrundinfos und jeweils einem Extra-Druck als Beigabe. Nicht ganz billig, aber lohnt sich.

Kerstin Groeper: Meine Mutter, der Indianer und ich
Geschichte über einen pubertierenden Jungen, der von der Schule fliegt und sich nach dem Umzug nicht nur mit der neuen Klasse, sondern auch noch mit dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter auseindanderzusetzen hat. Ich bin eigentlich ein Fan von Kerstin Groeper, aber die Geschichte hat mich eher etwas verärgert. Die Wutanfälle des jungen Halbstarken, seine Schulprobleme und das Abrutschen auf die schiefe Bahn mit seinen neuen "Freunden" kommen eher stereotyp und klischeehaft daher und wirken wenig überzeugend. Und der Indianer an der Seite der Mutter hätte genau so gut ein Türke sein können, ohne dass sich der Verlauf der Handlung irgendwie geändert hätte, die Nationalität scheint völlig austauschbar. Einfach nur Durchschnitt. Schade.

Dee Brown: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses
Der Klassiker schlechthin, absolutes Muss für jeden, der sich mit Indianern befasst. Sehr eindringlich wird hier die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner erzählt. Ein Buch, das immer noch unter die Haut geht.

Valerian & Veronique 3: Das Land ohne Sterne
Valerian & Veronique 4: Willkommen auf Alflolol
Valerian & Veronique 5: Die Vögel des Tyrannen
Valerian & Veronique 6: Botschafter der Schatten
Valerian & Veronique 7 (9): Trügerische Welten
Valerian & Veronique 8 (10): Die Insel der Kinder
Comic-Klassiker, zauberhaft gezeichnet und mit sehr viel Humor und Liebe zum Detail erzählt. Einfach ein großes Stück Comic-Literatur. Die neue Ausgabe bei Carlsen setzt Maßstäbe. Edles Hardcover mit viel Hintergrundmaterial, macht einfach Spaß und ist jeden Cent wert.

Klaus-Peter Walter: Sherlock Holmes und Old Shatterhand

Elmar Engel: Crazy Horse, Häuptling der Oglala-Sioux
Lebensbeschreibung eines der wichtigsten Häuptlinge der Sioux. Zum Teil etwas zu gewollt poetisch/empfindsam geraten, aber ganz in Ordnung.

Emilia Jones: Sinnesrauschen I - Ginas Bar

Geschichtenweber: Der Fluch des Colorado River

Alexandra Walczyk: Die Gesichter der Steine. Bloß kein Indianer sein

Edgar Allan Poe: Im Wirbel des Maelström / Der Untergang des Hauses Usher / Die Grube und das Pendel (Reclam)
Ich habe mal wieder meine Punkte im Prämienshop bei Libri.de einlösen "müssen" und mir was Gutes gegönnt. Die drei Storys hat man zwar alle schon mal irgendwann in Sammlungen gelesen, es war aber gut, sie mal zusammen zu haben. Ansonsten: Ordentliche Ausgabe in bewährter Reclam-Qualität, sollte jeder Phantast zu Hause haben.

Konrad Dietzfelbinger: Pythagoras - Spiritualität und Wissenschaft
Darstellung eines der ältestern Philosophen und seiner Schule. Zum Teil etwas esoterisch angehaucht, aber sonst ganz brauchbare Übersicht. Hab's mit Gewinn gelesen.

Franziska Heinrich: Ferien mit den Falken

Die Rede des Häuptlings Seattle
Schöne Hardcover-Ausgabe im Anaconda-Verlag, ebenfalls ein Schnäppchen aus dem Libri-Prämienshop. Was man wissen sollte ist, dass das Büchlein außer der im Titel genannten Rede des Häuptlings Seattle auch Reden der Häuptlinge Red Jacket und Joseph II enthält. Gewünscht hätte ich mir einen Kommentarteil, immerhin gibt es aber bei Josephs Rede ein paar erläuternde Fußnoten (übrigens nicht die legendäre Rede: "Ich will nie wieder kämpfen", sondern die vom Januar 1879, abgedruckt im North American Review) und vorne im Buch die Quellenangaben, die verraten, wo die Ursprungsversion der jeweiligen Rede zu finden ist. Die Reden selbst sind auf alle Fälle große rhetorische Literatur, irgendwo auf der Linie zwischen Naivität und Weisheit. Lesenswert.

Friedhelm Wessel: Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch
Teil meiner Recherche für eine Horrorgeschichte, die im Bergbau-Milieu spielt. Stammt aus der Bibliothek meines Onkels und war sehr hilfreich. Die Story trägt den Titel "Der schwarze Frosch" und wird mit etwas Glück nächstes Jahr erscheinen. Weitere Bergbauliteratur habe ich unten aufgelistet.

Antonia Michaelis: Das Geheimnis des 12. Kontinents
Sehr schöne Kindergeschichte über einen Waisenjungen, der in einem Spielzeugschiff mit einer Crew aus Zwergen aufbricht, um seine Eltern zu finden. Spannend, humorvoll und einfach toll.

Hans Fallada: Fridolin der freche Dachs
Ich liebe einfach Dachse. Diese Geschichte wurde von Hans Fallada eigentlich nur für seine Tochter geschrieben, aber es ist schön, dass sie dann doch veröffentlicht wurde. Eine Familie ist wenig begeistert von einem Dachs in der Nachbarschaft und versucht, das Tier loszuwerden. Nur das Nesthäkchen verbrüdert sich mit dem knurrigen Sonderling.

Antonia Michaelis: Das Adoptivzimmer
Geschichte eines Waisenjungen, der von einer Familie adoptiert wird. Aber er hat das Gefühl, dass er gar nicht als er selbst dort aufgenommen wurde, sondern als Ersatz für den verstorbenen Sohn des Ehepaars, mit dem er sogar einige Ähnlichkeit hat. Er findet ein geheimnisvolles Zimmer, das wie er selbst "nicht richtig dazugehört", und trifft dort den Verstorbenen. Es gilt, den Jungen zu befreien, damit er endlich ganz gehen kann, und ein geheimnisvolles Ungeheuer zu besiegen, das von der Trauer der Menschen lebt.

Hörbuch

Edith Nesbit: Das violette Automobil

Mark Brandis: Alarm für die Erde I
Die Umweltsünden der Vergangenheit rächen sich: Einst hatten geldgierige, gemeingefährliche Politiker Atommüll kostengünstig am Kilimanjaro endgelagert. Nun droht der ehemalige Vulkan erneut auszubrechen. Eine Katastrophe bahnt sich an. Für Mark Brandis und seine Leute beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Aufgabe ist fast unlösbar: Es gilt, den Atommüll rechtzeitig zu bergen und in die Sonne zu schießen. Schon der Roman war großartig, begeisternd und bedrückend zugleich. Der Hörbuch-Zweiteiler schafft es, die Atmosphäre des Afrika-Abenteuers kongenial umzusetzen. Hörenswert.


Bergbauliteratur
(Recherchematerial für meine Horror-Bergwerksgeschichte "Der schwarze Frosch". Ich setze die Liste hier mal unkommentiert rein für alle, die mal selbst in die Lage geraten, etwas aus diesem Milieu schreiben zu müssen. Oder die später meine Geschichte auf Plagiate überprüfen möchten ...)

Bergmännisches Liederbuch. Bochumer Beiträge zur Berufsausbildung im Bergbau. Westfälische Berggewerkschaftsklasse Bochum. Folge 20. Duisburg: Carl Lange Verlag, o.J. (1951).
Der praktische Bergmann. Kleines Nachschlage- und Tabellenbuch. Hagen/Essen: Lehrmitteldienst G.m.b.H Hagen, 1954.
Tilo Cramm: Bergbau ist nicht eines Mannes Sache. Das Bergwerk Victor-Ickern in Castrop-Rauxel. Essen: Klartext Verlag. 2. vollständig überarbeitete Aufl. 2001.
Joachim Huske: Der Steinkohlenbergbau im Ruhrrevier von seinen Anfängen bis zum Jahr 2000. Werne: Regio-Verlag. 2. überarbeitete Aufl. 2001.
Wilhelm Herbert Koch: Kumpel Anton. Der ganze Kwatsch fon die letzten Jahre. Düssedorf: Droste Verlag, 2. Aufl. 1997.
Rolf Potthoff / Achim Nöllenheidt (Hg.): Damals auf'm Pütt. Erinnerungen an das Bergmannsleben im Ruhrgebiet. Essen: Klartext Verlag, 2009.
Alf Rolla: Kommse anne Bude. Trinkhallen-Geschichte(n) aus dem Revier. Gudensberg-Gleichen: Wartberg Verlag, 2006.
Friedhelm Wessel: Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch. Geschichten rund um den Bergbau im Ruhrgebiet aus der Gezählkiste erzählt. Bottrop: Verlag Henselowsky Boschmann, 2009.



Februar

Antje Babendererde: Julischatten

Emilia Jones: Sinnesrauschen II - Spielsüchtig

Gerd Scherm: Die Weltenbaumler
Nach der Bibel und der griechischen Sagenwelt lässt Gerd Scherm seine Tajarim nun die Sagenwelt Nordeuropas erleben. GON, der Gott ohne Namen, Seshmosis und seine Freunde treffen auf germanische Götter und Helden, begegnen finnischer Magie und Sangeskunst und erleben die Geschichte um Siegfried und den Drachen mit. Spaß gemacht hat mir die Idee, dass die göttlichen Tiere Asgards eine Selbsthlfegruppe gründen. Etwas wirr fand ich das Verhandeln um den germanischen Weltuntergang, der wegen der Widersprüche zu den Szenarien anderer Kulte dann doch abgeblasen werden muss. Auch dass die ganze Reise nur angezettelt wurde, um einem Nachfahren von Seshmosis zu helfen, der dann aber einfach keine Hilfe haben will, lässt viel von der aufgebauten Spannung ins Nichts verpuffen. Nicht ganz so gut wie Teil I und II, aber auch nicht schlecht.

Mark Brandis: Vargo-Faktor

Mark Brandis: Astronautensonne

Heidrun Jänchen: Willkommen auf Aurora



Hörbuch

Mark Brandis: Alarm für die Erde II
Siehe Teil I, Januar


März

Ulrich Wissmann: Skalpjagd

Antonia Michaelis: Drachen der Finsternis
Spannendes Jugendabenteuer in einem para-indischen Land. Es geht um einen Jungen, der seinen entführten Bruder befreien will und dabei einen unsichtbaren Prinzen trifft. Zu zweit machen sie sich auf, um das Land vor farbenfressenden Drachen und Rebellen zu retten. Antonia Michaelis kann einfach gut erzählen.

Thorgal 33: Schwertboot

Marie-Louise Fischer: Olga, Star der Parkschule
Kinderbuch, das ich vor ca. 25 Jahren gelesen habe und das mir jetzt wieder in die Hände gefallen ist. Eines der typischen Schneiderbücher. Junges, hitzköpfiges Mädchen wird von ihren Klasenkameradinnen gemobbt (das Wort gab es damals freilich noch nicht) und lernt, sich durchzusetzen. Nette Geschichte. Konnte mich jedenfalls dann doch nicht von dem Feuerkopf Olga trennen und freute mich, dass sie ihren Posten als Klassensprecherin mit Würde verteidigte ...

Kerstin Groeper: Wie ein Funke im Feuer

Ota Hofman: Pan Tau
Ein Fundstück aus der Bibliothek, das ich als alter Pan-Tau-Fan natürlich nicht stehen lassen konnte. Bei dem Buch handelt es sich nicht um die scheußliche, verkitschte Nacherzählung von Folke Tegetthoff, sondern um eine eigenartige literarische Suche nach dem Mann mit der Zaubermelone. Ein Polizist und eine Journalistin sind auf der Spur der Pan-Tau-Sichtungen. Dabei treten nach und nach viele alte Bekannte aus der Fernsehserie auf.

Ulrich Wißmann: Wer die Geister stört

Brita Rose-Billert: Maggie Yellow Cloud

Tibull: Elegische Gedichte (Reclam)
Ordentlich kommentierte zweisprachige Ausgabe, Textgestalt okay, Anmerkungen okay, Nachwort brauchbar. Ich habe nur langsam die Schnauze voll von Übersetzungen, die fremdsprachige Verse in deutsche Prosa umsetzen. Bei epischen Texten lasse ich mir das vielleicht noch zähneknirschend gefallen, aber gerade bei Gedichten ist die Textgestalt mindestens genau so wichtig wie der Inhalt, wenn nicht noch tausendmal wichtiger. Ich will wenigstens eine Ahnung bekommen vom Versmaß und Rhythmus des Originals. Ein Gedicht lieblos in Prosa runterübersetzen, das kann jeder Pennäler, und der darf das auch. Von einem professionellen Literaturübersetzer erwarte ich mehr, und ich habe auch das Recht, mehr zu erwarten. Können die Übersetzer das plötzlich nicht mehr? Dann sollte der Verlag jemand anderen engagieren. Oder hält der Verlag seine Leser für zu blöd, um das Metrum angemessen zu würdigen? Hallo, liebe Reclam-Leute, ich bin nicht blöde - bitte tragt nicht aktiv zu meiner und anderer Leser Verdummung bei. Wer's nicht goutieren kann, dem bleibt schließlich noch die Bildzeitung. Grmpf.

Emilia Jones: Teufelskuss und Engelszunge



Hörbuch

Terry Pratchet: Eine Insel
Ja! So muss fantastische Literatur sein. Vergesst alles, was ihr bisher von Terry Pratchet gehört oder gelesen habt. Das war gut, ganz bestimmt. Aber diese Geschichte ist anders, etwas besonderes, ein Buch, das einfach den Zauber hat. "Eine Insel" ist die Geschichte eines Südseevolkes, das von einem Tsunami ausgelöscht wurde. Zurück bleibt nur ein halbwüchsiger Junge, der sein Ritual der Mannwerdung wegen der Katastrophe nicht vollenden konnte. Ein Mensch, der mit den Göttern hadert und sich Fragen nach dem Sinn von Opfern und Religion stellt, der wider Willen zum Häuptling einer zusammengewürfelten Gemeinschaft von Überlebenden wird und sich gegen das Schicksal und dumpfen Schamanen-Aberglauben stemmt. Zusammen mit der Tochter des englischen Königs macht er sich auf die Suche nach den Geheimnissen seiner Ahnen und entdeckt Ungeheuerliches über die Geschichte seines Volkes. "Eine Insel" ist eine harte Geschichte, eine grausame Geschichte, aber doch immer wieder mit einem Lächeln und mit witzigen und absurden Zügen. Ein sehr weises, nachdenkliches Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der überhaupt ein Herz zum Lesen und Hören hat. Macht euch unbedingt auf die Reise zu dieser Insel.

Martin Krüger: Lakota Wowaglake
Sprach-CD zum gleichnamigen Lakota-Lehrbuch. Sehr hilfreich. Etwas kurz.


Jahresrückblick Teil II: April bis Juni 2012
Jahresrückblick Teil III: Juli bis September 2012
Jahresrückblick Teil IV: Oktober bis Dezember 2012




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Nestis und die verbotene Welle, 2017

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Meerprinzessin Nestis und ihre Freunde sind sauer: Lehrer Seestern meint, dass laute Haifischmusik nichts für Kinder ist. Und der Kronrat stimmt ihm zu. Deshalb bekommt die Band »Ølpæst« Auftrittsverbot in der gesamten Nordsee. Doch plötzlich ist deren Musik überall zu hören: Ein Piratensender strahlt die Hits der Knorpelfischgang lautstark aus.

Als eine hochexplosive Kugelmine über dem blauen Glaspalast im Meer dümpelt und ein führungsloser Öltanker in die Nordsee einfährt, droht eine wirkliche Ölpest. Gelingt es den Meerkindern, ein Unglück zu verhindern?

 

Petra Hartmann: Nestis und die verbotene Welle. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Voraussichtlich ab Juni 2017 erhältlich.

Buch-Infos: ca. 152 Seiten, 14,2 x 20,6 cm, Hardcover, zahlreiche s/w-Illustrationen, mit Fadenheftung, Euro 12,90, ISBN 978-3-977066-00-1

 

Leseprobe

 

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Demantin, 2016

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Demantin, der junge König von Antrium, liebt die griechische Königstochter Sirgamot. Doch ihr Vater ist strikt gegen die Hochzeit. Immerhin ist Sirgamot erst zwölf Jahre alt. So zieht Demantin in die Welt, um Ruhm zu erwerben, den Namen seiner Geliebten durch seine Taten zu verherrlichen und sich dem griechischen König als Schwiegersohn zu empfehlen. Er besteht heldenhafte Kämpfe, erwirbt sich die Freundschaft der Königin und des Königs von England und besiegt ein schauriges Meerweib. Letzteres allerdings erweist sich als verhängnisvoll. Denn die sterbende Unholdin verflucht Demantin und prophezeit, dass seine Geliebte mit dem üblen König Contriok verlobt werden soll. Kann Demantin noch rechtzeitig zurückkehren, um die Hochzeit zu verhindern?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Demantin. Ein Ritter-Epos
128 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 9-78-3-940078-34-6
8,95 EUR

 

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Leseprobe

 

Crane, 2016

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Gayol, der Sohn des ungarischen Königs, hat in jugendlichem Übermut den alten Hofmarschall seines Vaters zum Wettkampf herausgefordert und eine peinliche Niederlage erlitten. Aus Scham flüchtet er und gerät ins Reich des deutschen Kaisers, wo er unerkannt unter dem Namen Crane (Kranich) eine Stellung als Kämmerer annimmt und bald sehr beliebt ist. Doch als der Fremde und die Kaiserstochter einander näher kommen und Hofbeamten Unzucht und eine unstandesgemäße Liebschaft wittern, beginnt eine schwere Zeit für Königssohn und Kaiserstochter. Kann Gayol sich auf die Treue Acheloydes verlassen? Und kann die lebensbedrohliche Krankheit der Prinzessin noch geheilt werden?

 

Berthold von Holle / Petra Hartmann: Crane. Ein Ritter-Epos
84 Seiten | 12 x 17 cm | Softcover | Klebebindung |
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2016
ISBN 978-3-940078-48-3
6,95 EUR

 

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Leseprobe

Hut ab, Hödeken! 2015

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Ein rasender Bischof auf dem Rennstieg.
Wegweiser, die sich wie von Geisterhand drehen.
Jäger in Todesangst.
Bierkutscher mit unheimlicher Fracht.
Ein stammelnder Mönch,
der plötzlich zum brillanten Redner wird.
Sollte da Hödeken seine Hand im Spiel haben?
Sagen um einen eigenwilligen Geist
aus dem Hildesheimer Land,
frisch und frech nacherzählt
von Petra Hartmann.

 

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken!

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs.

101 S., Euro 7,95.

ISBN 978-3-940078-37-7

 

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Leseprobe

Freiheitsschwingen, 2015

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Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift sehr zum Leidwesen ihres Vaters selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem kleinbürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen

 

Petra Hartmann: Freiheitsschwingen

Personalisierter Roman

München: Verlag Personalnovel, 2015

ca. 198 Seiten. Ab Euro 24,95.

(Einband, Schriftart und -größe, Covergestaltung etc. nach Wahl.)

 

Bestellen unter:

www.tinyurl.com/Freiheitsschwingen

 

Timur, 2015

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Wer ist der bleiche Jüngling im Verlies unter der Klippenfestung? Prinzessin Thia will ihn retten. Doch wer Timurs Ketten bricht, ruft Tod und Verderben aus der Tiefe hervor. Als der Blutmond sich über den Horizont erhebt, fällt die Entscheidung ...

 

Beigaben:

Nachwort zur Entstehung

Original-Erzählung von Karoline von Günderrode

Autorinnenbiografien

Bibliografie

 

Petra Hartmann: Timur

Coverillustration: Miguel Worms

Bickenbach: Saphir im Stahl, 2015.

ISBN: 978-3-943948-54-7

Taschenbuch, 136 S.

Euro 9,95

 

 

Ulf, 2015

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Ein Roman-Experiment mit ungewissem Ausgang: Ulf (Magisterstudent unbekannter Fachrichtung), stammt aus einem Dorf, das mehrmals jährlich überschwemmt wird. Zusammen mit Pastor Dörmann (Geistlicher unbekannter Konfession) und Petra (Biografin ohne Auftrag) überlegt er, was man dagegen tun kann. Als ein vegetarisches Klavier die Tulpen des Gemeindedirektors frisst und das Jugendamt ein dunkeläugiges Flusskind abholen will, spitzt sich die Situation zu. Nein, Blutrache an Gartenzwergen und wütende Mistgabelattacken sind vermutlich nicht die richtigen Mittel im Kampf für einen Deich ...
Mal tiefgründig, mal sinnlos, etwas absurd, manchmal komisch, teilweise autobiografisch und oft völlig an den Haaren herbeigezogen. Ein Bildungs- und Schelmenroman aus einer Zeit, als der Euro noch DM und die Bahn noch Bundesbahn hieß und hannöversche Magister-Studenten mit dem Wort "Bologna" nur eine Spaghettisauce verbanden.

 

Petra Hartmann:

Ulf. Ein Roman-Experiment in zwölf Kapiteln.

eBook

Neobooks 2015

Euro 2,99

Erhältlich unter anderem bei Amazon

Vom Feuervogel, 2015

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Ein Tempel in der Wüste. Heilige Männer, die sich dem Dienst des Feuervogels geweiht haben. Ein Hirtenjunge, der seinem Traum folgt. Aber wird der alte und kranke Phönix wirklich zu neuem Leben wiederauferstehen, wenn der Holzstoß niedergebrannt ist? Eine Novelle von Idealen und einer Enttäuschung, die so tief ist, dass kein Sonnenstrahl je wieder Hoffnung bringen kann.

 

Petra Hartmann:

Vom Feuervogel. Novelle.

Erfurt: TES, 2015.

BunTES Abenteuer, Heft 30.

40 Seiten, Euro 2,50 (plus Porto).

Bestellen unter:

www.tes-erfurt.jimdo.com

 

eBook:

Neobooks, 2015.

Euro 1,99.

Unter anderem bei Amazon

Nestis und die Hafenpiraten, 2014

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Endlich Sommerferien! Nestis und ihre Freunde freuen sich auf sechs Wochen Freiheit und Abenteuer. Doch ausgerechnet jetzt verhängt der Kronrat ein striktes Ausgehverbot für alle Meerkinder. Denn in der Nordsee treibt plötzlich ein furchtbares “Phantom” sein Unwesen. Möwen, Lummen und Tordalke werden von einem unheimlichen Schatten unter Wasser gezerrt und verschwinden spurlos.

Nestis beschließt, den Entführer auf eigene Faust zu jagen. Als ein Dackel am Strand von Achterndiek verschwindet, scheint der Fall klar: Die gefürchteten “Hafenpiraten” müssen dahinter stecken. Zusammen mit ihrem Menschenfreund Tom wollen die Meerkinder der Bande das Handwerk legen …

Petra Hartmann: Nestis und die Hafenpiraten
Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014
ISBN 978-3-940078-84-1
14,90 EUR

 

 

Leseprobe unter

 

www.tinyurl.com/nestis2

Blitzeis und Gänsebraten, 2014

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Weihnachten im Potte …

… ist so vielfältig wie die Menschen, die dort leben. Und deshalb findet sich auf diesem Bunten Teller mit 24 Hildesheimer Weihnachtsgeschichten für jeden etwas: romantische Erzählungen und freche Gedichte, Erinnerungen an die Nachkriegszeit, Geschichten von neugierigen Engeln, eifrigen Wichteln und geplagten Weihnachtsmännern. Der Huckup und die »Hildesheimer Weisen« fehlen auch nicht. Was es aber mit dem Weihnachtswunder an der B6 auf sich hat, erfahren Sie auf Seite 117. – Greifen Sie zu!

 

 

Petra Hartmann & Monika Fuchs (Hrsg.): Blitzeis und Gänsebraten. Hildesheimer Weihnachtsgeschichten.

Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

144 Seiten | 12 x 17 cm | Paperback |

ISBN 978-3-9400787-57-5
8,90 EUR

 

Leseprobe

Beim Vorderhuf meines Pferdes, 2014

Eingefügtes Bild

Das Messer zuckte vor. Fauchend wich die riesige Katze zurück. Doch nur, um sofort wieder anzugreifen. Das Mädchen, das auf dem Leichnam seiner Stute kauerte, schien verloren.
Acht Jahre ist Steppenprinzessin Ziris alt, als sie bei einem Sandkatzenangriff ihr Lieblingspferd verliert. Ist es wirklich wahr, was ihr Vater sagt? "Alle Pferde kommen in den Himmel ..."
Drei Erzählungen aus der Welt der Nearith über edle Steppenrenner, struppige Waldponys und die alte graue Stute aus Kindertagen.

Petra Hartmann: Beim Vorderhuf meines Pferdes. Neue Geschichten aus Movenna. eBook, ca. 30 Seiten. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014. Euro 0,99.

Erhältlich unter anderem bei Amazon.

Darthula, 2014

Eingefügtes Bild

Darthula ist die Tochter eines irischen Kleinkönigs, der über das nebelreiche Land Selama herrscht. Als schönste Prinzessin Irlands lebt sie allerdings nicht ungefährlich. Als sie den mächtigen König Cairbar abweist und ihm nicht als seine Braut folgen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Cairbar überzieht das kleine Selama mit Krieg und Vernichtung und rottet Darthulas Familie aus. Mit ihrem Geliebten Nathos wagt die junge Frau die Flucht über die stürmische See. Aber Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...

Beigaben zur Neuausgabe:
Vorwort der Autorin mit Infos zur Entstehungsgeschichte
Übersetzung des "ossianischen Originals"
Autorinnenbiographie und Veröffentlichungsliste

Buch-Informationen:
Petra Hartmann: Darthula, Tochter der Nebel.
Bickenbach: Verlag Saphir im Stahl, 2014.
Taschenbuch. 126 S., Euro 9,95.
ISBN 978-3-943948-25-7

Bestellen bei Saphir im Stahl

Pressearbeit für Autoren, 2014

Eingefügtes Bild

Petra Hartmann, Autorin und langjährige Lokalredakteurin, gibt Tipps für die Pressearbeit vor Ort. Sie erklärt die Wichtigkeit der „Ortsmarke“ für eine Zeitung, gibt Tipps zum Schreiben von Artikeln, zum guten Pressefoto und zum Umgang mit Journalisten. Anschaulich, verständlich, praxisorientiert und für Autoren jedes Genres anwendbar.

Petra Hartmann: Pressearbeit für Autoren. So kommt euer Buch in die Lokalzeitung.
eBook. Neobooks, 2014. Ca. 30 Seiten.
Euro 1,99
Diverse Formate, für alle gängigen eBook-Reader.
Erhältlich z.B. bei Amazon, eBook.de, Thalia, Hugendubel, Weltbild u.a.

Nestis und der Weihnachtssand, 2013

Eingefügtes Bild

Als kleine Weihnachtsüberraschung gibt es für Fans des "großen" Nestis-Buchs "Nestis und die verschwundene Seepocke" jetzt ein kleines bisschen Weihnachtssand: Der Verlag Monika Fuchs hat aus der "Ur-Nestis", einem Helgoland-Märchen aus dem Jahr 2007, jetzt ein eBook gemacht. Mit einem wunderschönen Cover von Olena Otto-Fradina und mit ein paar exklusiven Einblicken in Nestis' Nordseewelt.

Klappentext:
"November 2007: Orkantief Tilo tobt über die Nordsee und reißt große Teile der Helgoländer Düne ins Meer. Wer soll nun die Robbenküste reparieren? Meerjungfrau Nestis wünscht sich einfach mal vom Weihnachtsmann 500.000 Kubikmeter Sand ..."

Bonus-Material:
Die Autorin im Interview mit Wella Wellhorn von der Meereszeitung "Die Gezeiten"
XXL-Leseprobe aus "Nestis und de verschwundene Seepocke"

Petra Hartmann: Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen. Mit Illustrationen von Olena Otto-Fradina. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013. 99 Cent.

Erhältlich für den Amazon-Kindle

Nestis und die verschwundene Seepocke, 2013

Eingefügtes Bild


Eine ausführliche Leseprobe findet ihr hier:
www.tinyurl.com/nestis


Wütend stampft Meerjungfrau Nestis mit der Schwanzflosse auf. Ihre Schwester Undine ist von den Menschen gefangen worden – und weder Meerkönig noch Kronrat wagen, die Kleine zu retten. Aber Nestis fürchtet sich nicht einmal vor den furchtbarsten Monstern des Meeres. Zusammen mit ihren Freunden bricht sie auf zur Rettungsaktion, und es zeigt sich, dass tollpatschige Riesenkraken und bruchrechnende Zitteraale großartige Verbündete sind.
Petra Hartmann entführt ihre Leser in eine etwas andere Unterwasserwelt mit viel Humor und Liebe zum Detail. Trotz des phantastischen Meermädchen-Themas findet der Leser auch sehr viel naturnahe Beobachtungen aus Nord- und Ostsee, lernt die Meerbewohner und ihre Probleme kennen. Dabei werden unter anderem auch die Meeresverschmutzung, Fischerei und die wenig artgerechte Haltung von Haien in Aquarien behandelt.
Zauberhaft dazu die Zeichnungen von Olena Otto-Fradina.

Text: Petra Hartmann
Bilder: Olena Otto-Fradina
| Hardcover | 14,8 x 21 cm
Verlag Monika Fuchs | Hildesheim 2013
151 S., Euro 14,90
ISBN 978-3-940078-64-3


eBook:
Amazon-Kindle, 2154 KB
Euro 6,99
http://amzn.to/JJqB0b

Autorenträume, 2013

Eingefügtes Bild


Autorinnen und Autoren schicken ihre Leser in vergangene Zeiten, ferne Länder, phantastische Welten, spannende Abenteuer und bringen sie zum Träumen.
Wovon aber träumen Autoren? Vom Nobelpreis? Vom Bestseller? Vom Reich-und-berühmt-werden? Oder einfach nur davon, eines Tages vom Schreiben leben zu können? Vom Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, wenn das neue Märchen vorgelesen wird? Oder sind es schreckliche Albträume, die der angebliche Traumberuf mit sich bringt? Werden Schriftsteller nachts im Schlaf gar von Verlegern, Lektoren, Rezensenten oder Finanzbeamten bedroht?
Monika Fuchs und Petra Hartmann starteten eine »literarische Umfrage«, wählten aus den über 300 Antworten 57 phantasievolle Beiträge aus und stellten sie zu diesem Lesebuch zusammen. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Autorenalltags und träumen Sie mit!
Von jedem verkauften Buch wird 1 Euro an das Hilfswerk Brot & Bücher e.V. der Autorin Tanja Kinkel gespendet, die auch das Geleitwort zum Buch schrieb.

Petra Hartmann und Monika Fuchs (Hrsg.):
Autorenträume. Ein Lesebuch.
ISBN 978-3-940078-53-7
333 S., Euro 16,90

Bestellen beim Verlag Monika Fuchs

Mit Klinge und Feder, 2013

Eingefügtes Bild


Phantasie statt Völkerschlachten - das war das Motto, unter dem die Phantastik Girls zur Schreibfeder griffen. Mit Humor, Gewitztheit und ungewöhnlichen Einfällen erzählen sieben Autorinnen ihre Geschichten jenseits des Mainstreams der Fantasy. Kriegerinnen und gut bewaffnete Zwerge gehören dabei genau so zum Personal wie sprechende Straßenlaternen, Betonfresser oder skurrile alte Damen, die im Bus Anspruch auf einen Behindertensitzplatz erheben. Dass es dennoch nicht ohne Blutvergießen abgeht, ist garantiert: Immerhin stecken in jeder der Storys sechs Liter Herzblut. Mindestens.

Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns.
Mit Geschichten von Linda Budinger, Charlotte Engmann, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl.
Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. 978-3943378078
247 S., Euro 9.
Bestellen bei Amazon

eBook:
396 KB, Euro 5,49.
Format: Kindle
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Das Serum des Doctor Nikola, 2013

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Berlin, 1927. Arbeitslos, pleite und mit der Miete im Rückstand: Bankierssohn Felix Pechstein ist nach dem "Schwarzen Freitag" der Berliner Börse ganz unten angekommen. Da erscheint das Angebot, in die Dienste eines fremden Geschäftsmannes zu treten, eigentlich als Geschenk des Himmels. Doch dieser Doctor Nikola ist ihm mehr als unheimlich. Vor allem, als Felix den Auftrag erhält, Nikola zu bestehlen ...

Petra Hartmann: Das Serum des Doctor Nikola
Historischer Abenteuerroman.
ISBN 978-3-938065-92-1
190 S., 12,95 Euro.
Bestellen beim Wurdack-Verlag

Leseprobe

Hörbuch: Der Fels der schwarzen Götter, 2012

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Bei einer Mutprobe begeht der junge Ask einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat.
Bald wissen die Völker des Berglandes nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...

Der Fels der schwarzen Götter.
Hörbuch. 8 Stunden, 57 Minuten.
Sprecherin: Resi Heitwerth.
Musik: Florian Schober.
Action-Verlag, 2012.
CD/DVD: 16,95 Euro
mp3-Download: 11,95 Euro

Hörbuchfassung des 2010 im Wurdackverlag erschienenen Buchs "Der Fels der schwarzen Götter".

Drachen! Drachen! 2012

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Frank G. Gerigk & Petra Hartmann (Hrsg.)
DRACHEN! DRACHEN!
Band 01, Drachen-Anthologie
ISBN: 978-3-89840-339-9
Seiten: 384 Taschenbuch
Grafiker: Mark Freier
Innengrafiker: Mark Freier
Preis: 14,95 €
Bestellen beim Blitz-Verlag

Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen! Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist – und gelegentlich fies!

Die Autoren:
Rainer Schorm, Achim Mehnert, Andrea Tillmanns, Malte S. Sembten, Frank G. Gerigk, Christel Scheja, Fiona Caspari, Hendrik Loy, Christiane Gref, Linda Budinger, Miriam Pharo, Carsten Steenbergen, Rebecca Hohlbein, Frank W. Haubold, Melanie Brosowski, Astrid Ann Jabusch, Thomas R. P. Mielke, Karsten Kruschel, Marc A. Herren, Petra Hartmann, Monika Niehaus, Uwe Post.
Originalveröffentlichung!

Die Schlagzeile, 2011/2012

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Petra Hartmann: Die Schlagzeile.
Personalisierbarer Roman.
PersonalNovel Verlag, 2011.
eBook: PersonalNovel, 2012.
Personalisieren und bestellen

Verschlafen und idyllisch liegen sie da, die Orte Barkhenburg, Kleinweltwinkel und Reubenhausen. Doch dann stört der Diebstahl einer Heiligenfigur die Ruhe: Ein jahrhundertealter Hass bricht wieder aus und ein hitziger Streit entflammt, der aus Freunden Feinde und aus friedlichen Nachbarn sich prügelnde Gegner macht. Mittendrin: Eine Journalistin, die bereit ist, für eine Schlagzeile im Sommerloch alles zu geben. Mit viel Einsatz und einer Prise Humor versucht sie, das Geheimnis um die verschwundene Hubertus-Statue aufzuklären, und muss sich dabei mit erregten Politikern, aufgebrachten Dorfbewohnern und einem nervösen Chefredakteur herumschlagen. Aber die Journalistin lässt sich nicht unterkriegen – bis ihr ein Anruf fünf Minuten vor Redaktionsschluss die Schlagzeile zunichtemacht...

Falkenblut, 2012

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Petra Hartmann: Falkenblut.
Vier Romane in einem Band.
E-Book
Satzweiss.com - chichili agency, 2012.
3,99 Euro

 

Nicht mehr lieferbar!

Neuausgabe in Vorbereitung.


Die Abenteuer der jungen Walküre Valkrys beginnen an ihrem ersten Arbeitstag und ausgerechnet dort, wo die germanischen Götter- und Heldensagen enden: Ragnarök, die Endzeitschlacht, ist geschlagen, Götter und Riesen haben sich gegenseitig aufgerieben, die wenigen Überlebenden irren ziellos durch die Trümmer des zerbrochenen Midgard. An der Seite des neuen Götterkönigs Widar muss sich Valkrys nun behaupten. Dabei trifft sie auf Jöten, Thursen, Reifriesen, Seelenräuberinnen, Werwölfe, Berserker, Hexen, riesenhafte Meerungeheuer und das furchtbare Totenschiff Naglfari. Leseempfehlung ab 12 Jahren.

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Nächste Lesungen / Termine

Sonnabend, 28. Oktober: "Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen". Helgoländer Lesefestival. Bungalowdorf auf der Helgoländer Düne, 13.30 Uhr.

 

Sonntag, 3. Dezember: Weihnachtslesung beim Kunstkreis Laatzen-Rethen. Hildesheimer Str. 368, 30880 Laatzen/Rethen. Beginn: 16.30 Uhr.

 

Freitag, 8. Dezember: Weihnachtslesung im Familienzentrum Rethen, Braunschweiger Str. 2D, 30880 Laatzen/Rethen. Beginn 19.00 Uhr.

 

Sonnabend, 21. Juli 2018: Lesung aus "Darthula, Tochter der Nebel". Wohnzimmer-Lesung bei Autorenkollegin Gabrielle C. J. Couillez, Waldfischbacher Straße 1, 66978 Leimen.

 

 

Messen, Cons, Büchertische

 

 

Donnerstag, 26., bis Samstag, 28. Oktober 2017: 1. Helgoländer „Lesefestival“. Ich bin  mit einem Büchertisch und einer Lesung aus meinem Helgoland-Märchen "Nestis und der Weihnachtssand" dabei. Lesung: Sonnabend, 28. Oktober, 13.30 Uhr, Bungalowdorf auf der Helgoländer Düne.

Links

Meine Heimseite: www.petrahartmann.de

Mein Gezwitscher: www.twitter.com/PetraHartmann

 

Facebook-Autorenseite: https://www.facebook...nPetraHartmann/

 

Seite der Nestis-Serie:

www.nestis.net

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Biografie

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei einer Tageszeitung. Anschließend war sie fünf Jahre Redakteurin.
Als Schriftstellerin hat sie sich dem fantastischen Genre verschrieben und verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna. Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.

Termine der Hildesheimlichen Autoren

Mai

 

Sonnabend, 20. Mai: High Noon mit den Hildesheimlichen Autoren auf Radio Tonkuhle. Diesmal zu Gast: Bernward Schneider mit seinem neuen Buch "Der Teufel des Westens". Beginn: 12 Uhr. Livestream: www.tonkuhle.de/livestream

 

 

Juni

 

Sonnabend, 17. Juni: High Noon mit den Hildesheimlichen Autoren auf Radio Tonkuhle. Diesmal zu Gast: Petra Hartmann mit ihrem neuen Kinderbuch "Nestis und die verbotene Welle". Beginn: 12 Uhr. Livestream: www.tonkuhle.de/livestream

Leserunden zum Nachlesen

Leserunde zu "Darthula, Tochter der Nebel" auf Lovelybooks. Diskutiert mit Autorin Petra Hartmann und Cover-Künstler Miguel Worms über den "ossianischen Roman": http://www.lovelyboo...nde/1201913120/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Nestis und die verschwundene Seepocke": Diskutiert mit Autorin Petra Hartmann und Verlegerin Monika Fuchs über den Meermädchenroman:

http://www.lovelyboo...nde/1166725813/

 

Leserunde auf Lovelybooks zu "Mit Klinge und Feder": Diskutiert mit den Autorinnen Linda Budinger, Petra Hartmann, Stefanie Pappon, Christel Scheja, Andrea Tillmanns und Petra Vennekohl über die Anthologie der "Phantastik Girls": http://www.lovelyboo...nde/1156671163/

Geschichten über Nestis

Bücher
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

"Nestis und die verbotene Welle. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2017.

eBooks
"Nestis und der Weihnachtssand. Ein Helgoland-Märchen." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.
"Nestis und die verschwundene Seepocke. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2013.

"Nestis und die Hafenpiraten. Ein Meermädchen-Roman." Hildesheim: Verlag Monika Fuchs, 2014.

Hörbuch
"Eine Hand voll Weihnachtssand." In: Petra Hartmann: "Weihnachten im Schneeland". Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Essen: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM)

Beiträge zu Anthologien
"Weihnachtssand für Helgoland." In: "Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein." Hrsg. v. Bartholomäus Figatowski. Plön: Verlag 71, 2009. S. 163-174.

Hödeken-Lesestoff

Buch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. 101 S., Euro 7,95. ISBN 978-3-940078-37-7. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

 

Hörbuch

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. 2 CD. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. Euro 14,95. ISBN: 978-3940078414. Unter anderen erhältlich bei Amazon.

 

eBook

Petra Hartmann: Hut ab, Hödeken! Sagen aus dem Hildesheimer Land. Hildesheim: Verlag Monika Fuchs. In Vorbereitung.

 

Geschichten

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg. In: Hildesheimliche Autoren e.V.: Hildesheimer Geschichte(n). Ein Beitrag zum 1200-jährigen Stadtjubiläum. Norderstedt: Book on Demand. 196 S., Euro 9,99. ISBN 978-3734752698. Unter anderem erhältlich bei Amazon.

Die glücklose Hasenjagd. In: MVP-M. Magazin des Marburger Vereins für Phantastik. Marburg-Con-Ausgabe. Nr. 19b. S. 36-40.

 

Lesung

Das Wagenrennen auf dem Rennstieg, Radio Tonkuhle, Sendung vom April 2015.

 

Movenna-Kompass

Übersicht über die Romane und Erzählungen aus Movenna


Bücher

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004. 164 S.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007. 188 S.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 240 S.

 

eBooks

 

Geschichten aus Movenna. Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Ein Prinz für Movenna. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.
Der Fels der schwarzen Götter. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Beim Vorderhuf meines Pferdes. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2014.

Hörbuch

Der Fels der schwarzen Götter. Action-Verlag, 2012.


Movennische Geschichten in Anthologien und Zeitschriften

Die Krone Eirikirs. In: Traumpfade (Anthologie zur Story-Olympiade 2000). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2001. S. 18-25.
Flarics Hexen. In: Geschöpfe der Dunkelheit (Anthologie zur Story-Olympiade 2001). Hrsg. v. Stefanie Pappon und Ernst Wurdack. Dresden, 2002. S. 22-28.
Raubwürger. In: Kurzgeschichten, September 2004, S. 20f.
Furunkula Warzenkraish. Elfenschrift, dritter Jahrgang, Heft 2, Juni 2006. S. 10-14.
Der Leuchtturm am Rande der Welt. In: Elfenschrift, vierter Jahrgang, Heft März 2007, S. 18-21.
Gewitternacht. In: Im Bann des Nachtwaldes. Hrsg. v. Felix Woitkowski. Lerato-Verlag, 2007. S. 57-60.
Pfefferkuchen. In: Das ist unser Ernst! Hrsg. v. Martin Witzgall. München: WortKuss Verlag, 2010. S. 77-79.
Winter-Sonnenwende. In: Mit Klinge und Feder. Hrsg. v. Petra Hartmann und Andrea Tillmanns. Homburg/Saar: UlrichBurger Verlag, 2013. S. 51-59.
Der Reiter auf dem schwarzen Pferd. Ebd. S. 60-68.


Movennische Geschichten in Fanzines

Föj lächelt. In: Alraunenwurz. Legendensänger-Edition Band 118. November 2004. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 23.
Raubwürger. In: Drachenelfen. Legendensänger-Edition Band 130. Januar 2006. Hrsg. v. Christel Scheja. S. 3-5.
Goldauge. In Phantastische Geschichten mit den Phantastik Girls. (Broschüre der Phantastik Girls zum MarburgCon 2007)


Aufsätze

Wie kann man nur Varelian heißen? Über das Unbehagen an der Namensgebung in der Fantasy. In: Elfenschrift, 5. Jahrgang, März 2008. S. 16f.


Movennische Texte online

Aus "Geschichten aus Movenna":
König Surbolds Grab
Das letzte Glied der Kette
Brief des Dichters Gulltong
Der Kranich
Die Rückkehr des Kranichs

Aus "Ein Prinz für Movenna":
Der Leuchtturm am Rand der Welt
Furunkula Warzenkraish
Gewitternacht

Aus "Der Fels der schwarzen Götter":
Der Waldalte
Hölzerne Pranken
Im Bann der Eisdämonen

Die Bibliothek der Falkin

Übersicht über die Romane und Novellen über die Walküre Valkrys, genannt "die Falkin"

Bücher

Die letzte Falkin. Heftroman. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.


eBooks

Falkenblut. Vier Fantasy-Romane. eBook-Ausgabe. Chichili und Satzweiss.com, 2012 (Download hier)

Falkenfrühling. Novelle. eBook. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011. (vergriffen)

Falkenfrühling. Novelle. In: Best of electronic publishing. Anthologie zum 1. Deutschen eBook-Preis 2011. eBook. Chichili und Satzweiss.com, 2011. (unter anderem erhältlich bei Thalia und Amazon)


Aufsatz

Aegirs Flotte – ein Nachruf. In: Fandom Observer, Dezember 2011. S. 16-18. Online-Magazin und Blogversion

Meine Bücher 1998 - 2011

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Petra Hartmann
Falkenfrühling
eBook
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN: 978-3-939139-59-1

Wegen Verkauf des Arcanum-Verlags ist die Ausgabe nicht mehr erhältlich, aber die Zweitveröffentlichung in der eBook-Anthologie "Best of electronic publishing" gibt es noch als epub oder Kindle-Ausgabe.

Valkrys träumt davon, eine echte Walküre zu sein. Sie springt, noch Kind, vom Dach des Langhauses.
Alle Ermahnungen ihrer Eltern sind vergeblich, sie macht sich an den Aufstieg zum Gipfel der nahen Klippe, besessen vom "Traum vom Fliegen" ...

Fünfter Platz beim Deutschen eBook-Preis 2011.

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Petra Hartmann
Die letzte Falkin
Roman.
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-62-1
Bestellen beim Arcanum-Verlag

Blut und Tod, so weit die Falkenaugen reichen: So hatte sich Valkrys ihren ersten Flug als Walküre nicht vorgestellt. Ragnarök, die Endzeit-Schlacht, ist geschlagen. Die Götter tot, die Welt ein Flammenmeer, das Götterreich Asgard droht, in die Tiefe zu stürzen. Einzig Vidar, den Sohn und Erben Odins, kann die Walküre retten. Doch der neue Götterkönig schweigt sich über seine Ziele aus …


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Petra Hartmann
Der Fels der schwarzen Götter
Roman
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-64-8
Bestellen beim Wurdack-Verlag


Hochaufragende Felswände, darin eingemeißelt weit über tausend furchteinflößende Fratzen, die drohend nach Norden blicken: Einer Legende zufolge sind die schwarzen Klippen das letzte Bollwerk Movennas gegen die Eisdämonen aus dem Gletscherreich.
Doch dann begeht der junge Ask bei einer Mutprobe einen folgenschweren Fehler: Er schlägt einem der schwarzen Götter die Nase ab. Der unscheinbare Dreiecksstein wird Auslöser eines der blutigsten Kriege, die das Land jemals erlebt hat. Und die Völker des Berglandes wissen bald nicht mehr, wen sie mehr fürchten sollen: die schwarzen Götter, die weißen Dämonen oder die sonnenverbrannten Reiter aus den fernen Steppen ...


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Petra Hartmann
Darthula
Heftroman
Arcanum Fantasy Verlag
ISBN 978-3-939139-32-4
Bestellen beim Arcanum-Verlag


Darthula, die schönste Prinzessin der Nebellande, beschwört Krieg, Tod und Vernichtung über ihr heimatliches Selama herauf, als sie den Heiratsantrag des mächtigen Königs Cairbar ausschlägt. Zusammen mit ihrem Geliebten flüchtet sie in einem kleinen Segelboot übers Meer. Doch Wind und Wellen sind unzuverlässige Verbündete ...


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Petra Hartmann
Weihnachten im Schneeland
Hörbuch
Action-Verlag
Download bei Audible
CD bestellen beim Action-Verlag

WEIHNACHTEN IM SCHNEELAND von Petra Hartmann vereint vier wundervolle Kurzgeschichten für Kinder ab 6 Jahren. Schon die Titel regen die Phantasie der Kleinen an und verleiten zum Schmunzeln und Staunen:
- "Der Reserve-Weihnachtsmann"
- "Die Weihnachts-Eisenbahn"
- "Eine Handvoll Weihnachtssand"
- "Paulchen mit den blauen Augen"



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Petra Hartmann
Ein Prinz für Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-24-9
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Mit dem Schild oder auf dem Schild
- als Sieger sollst du heimkehren oder tot.
So verlangt es der Ehrenkodex des heldenhaften Orh Jonoth. Doch der letzte Befehl seines sterbenden Königs bricht mit aller Kriegerehre und Tradition: "Flieh vor den Fremden, rette den Prinzen und bring ihn auf die Kiesinsel." Während das Land Movenna hinter Orh Jonoth in Schlachtenlärm und Chaos versinkt, muss er den Gefahren des Westmeers ins Auge blicken: Seestürmen, Riesenkraken, Piraten, stinkenden Babywindeln und der mörderischen Seekrankheit ....


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Petra Hartmann
Geschichten aus Movenna
Paperback
Wurdack Verlag
ISBN 3-938065-00-1
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Verwünschte Hexen!
Warum zum Henker muß König Jurtak auch ausgerechnet seinen Sinn für Traditionen entdecken?
Seit Jahrhunderten wird der Kronprinz des Landes Movenna zu einem der alten Kräuterweiber in die Lehre gegeben, und der Eroberer Jurtak legt zum Leidwesen seines Sohnes großen Wert auf die alten Sitten und Gebräuche. Für den jungen Ardua beginnt eine harte Lehrzeit, denn die eigenwillige Lournu ist in ihren Lektionen alles andere als zimperlich ...


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Wovon träumt der Mond?
Hrsg. v. Petra Hartmann & Judith Ott
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
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Der Mond - König der Nacht und gleichsam Verbündeter von Gut und Böse ... Seit jeher ranken sich Legenden voller Glauben und Aberglauben um sein Licht, das von den einen als romantisch verehrt und von den anderen als unheimlich gefürchtet wird. Seine Phasen stehen für das Werden und Vergehen allen Lebens, er wacht über die Liebenden, empfängt die Botschaften der Suchenden, Einsamen und Verzweifelten und erhellt so einiges, was lieber im Dunkeln geblieben wäre. 39 Autorinnen und Autoren im Alter von 12 bis 87 Jahren sind unserem nächtlichen Begleiter auf der Spur gewesen. In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen sie die Abenteuer von Göttin Luna und Onkel Mond, von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.


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Drachenstarker Feenzauber
Herausgegeben von Petra Hartmann
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-28-0
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Öko-Feen, Büro-Feen, Todes-Feen und Bahn-Feen, geschäftstüchtige Drachen, goldzahnige Trolle, Sockenmonster, verzauberte Kühlschränke, Bierhexen, Zwirrrrrle, Familienschutzengel, Lügenschmiede, ehrliche Anwälte, verarmte Zahnärzte und andere Märchenwesen geben sich in diesem Buch ein Stelldichein.
51 Märchenerzähler im Alter von zwölf bis 76 Jahren haben die Federn gespitzt und schufen klassische und moderne Märchen, lustige, melancholische, weise und bitterböse Erzählungen, so bunt wie das Leben und so unvergesslich wie das Passwort eines verhexten Buchhalters.


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Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension.
Die jungdeutschen Autoren nach 1835.
ibidem-Verlag
ISBN 978-3-89821-958-7
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"Das Junge Deutschland“ – dieser Begriff ist untrennbar verbunden mit dem Bundestagsbeschluss vom 10. Dezember 1835, durch den die Werke der fünf Schriftsteller Heinrich Heine, Theodor Mundt, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg und Heinrich Laube verboten wurden. Das Verbot markierte Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt einer literarischen Bewegung, die erst wenige Jahre davor begonnen hatte. Die Wege der Autoren trennten sich. Und doch gab es auch danach immer wieder Begegnungen und Berührungspunkte.
Petra Hartmann zeichnet die Wege der Verbotenen und ihrer Verbündeten nach und arbeitet Schnittstellen in den Werken der alt gewordenen Jungdeutschen heraus. Sie schildert insbesondere die Erfahrungen der Autoren auf der Insel Helgoland, ihre Rolle in der Revolution von 1848, aber auch die Versuche der ehemaligen Prosa-Schriftsteller, sich als Dramatiker zu etablieren. Irgendwo zwischen Anpassung und fortwährender Rebellion mussten die Autoren ihr neues Auskommen suchen, endeten als gescheiterte Existenzen im Irrenhaus oder als etablierte Literaten, die doch körperlich und seelisch den Schock von 1835 nie ganz verwunden hatten, sie leiteten angesehene Theater oder passten sich an und gerieten nach Jahren unter strenger Sonderzensur beim Publikum in Vergessenheit. Die vorliegende Untersuchung zeigt, was aus den Idealen von 1835 wurde, wie vollkommen neue Ideen – etwa die Debatte um Armut und Bildung – in den Werken der Jungdeutschen auftauchten und wie die Autoren bis zum Ende versuchten, ihr „Markenzeichen“ – ihren Stil – zu bewahren.


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Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll
Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman
Aisthesis-Verlag
ISBN: 3-89528-390-8
Bestellen beim Aisthesis-Verlag

Theodor Mundt - Schriftsteller, Zeitschriftenherausgeber, Literaturwissenschaftler und Historiker - verdankt seinen Platz in der Literaturgeschichte vor allem dem Umstand, daß seine Veröffentlichungen am 10. Dezember 1835 verboten wurden. Das vom deutschen Bundestag ausgesprochene Verbot, das sich gegen die vermeintlichen Wortführer des "Jungen Deutschland", Heine, Gutzkow, Laube, Wienbarg und eben Theodor Mundt richtete, war vermutlich die entscheidende Zäsur in den literarischen Karrieren aller Betroffenen. Daß sie mit dem schon berühmten Heinrich Heine in einem Atemzug genannt und verboten wurden, machte die noch jungen Autoren Gutzkow, Laube, Mundt und Wienbarg für ein größeres Publikum interessant. Doch während Gutzkow und auch Laube im literarischen Bewußtsein präsent blieben, brach das Interesse an Mundt und seinen Werken schon bald nach dem Verbot fast gänzlich ab. Seine weitere Entwicklung bis zu seinem Tod im Jahr 1861 wurde von der Literaturwissenschaft bislang so gut wie vollständig ignoriert. Diese Lücke wird durch die vorliegende Studie geschlossen. Nachgezeichnet wird der Weg von den frühen Zeitromanen des jungen Mundt bis hin zu den historischen Romanen seines Spätwerks.


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Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß,
dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt
ibidem-Verlag
ISBN 3-932602-29-3
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"Faust und Don Juan sind die Gipfel der modernen christlich-poetischen Mythologie", schrieb Franz Horn bereits 1805 und stellte erstmalig beide Figuren, speziell den Faust Goethes und den Don Giovanni Mozarts, einander gegenüber. In den Jahren darauf immer wieder als polar entgegengesetzte Gestalten aufgefaßt, treten Faust und Don Juan in den unterschiedlichsten Werken der Literaturgeschichte auf.

Bei Lenau sind sie Helden zweier parallel aufgebauter Versepen, bei Grabbe begegnen sie sich auf der Bühne und gehen gemeinsam zugrunde. Theodor Mundt stellt als Lebensmaxime auf, man solle beides, Faust und Don Juan, in einer Person sein und beide in sich versöhnen.

Anhand der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt zeichnet Petra Hartmann die Biographien Fausts und Don Juans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach, einer Zeit, die beide Helden stark prägte und auch für heutige Bearbeitungen beider Stoffe grundlegend ist.

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