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Blade Runner - Der Final Cut


84 Antworten in diesem Thema

#1 Gast_Michel_*

Gast_Michel_*
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Geschrieben 22 June 2010 - 18:08

(Nur zur Info: Dieser Thread ist einer von mehreren Threads zum Thema Blade Runner über die Jahre; s. Linkliste mittig unten. /Mod)

Moin Forum!

Auf BR http://www.br-online...76766428448.xml läuft am heutigen Abend die "Final Cut" Version des Films Blade Runner.

Was ist so speziell an dieser "Final Cut" Version, kann ein Experte hier im Forum darüber etwas berichten?



Gruß


Michel

#2 Iwen

Iwen

    Cybernaut

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Geschrieben 22 June 2010 - 19:15

habe ich bereits gesehen und ich meine, dass ich keinen Unterschied erkannt habe zu der Kinoversion. - Damals, bevor Blade Runner Kultstatus erlangte, gab es nie die Planungen, irgendwelcher Langversionen!

Aber es könnte Wissendere geben als mich. ;)

#3 Gast_Michel_*

Gast_Michel_*
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Geschrieben 22 June 2010 - 19:40

Iwen,

die heutige Version auf BR ist lt. meiner TV-Zeitung 110 Minuten lang, in der Wikipedia wird eine 112 Minuten lange Version gelistet?

http://de.wikipedia....ki/Blade_Runner

Sicher, das mag Erbsenzählerei sein, aber diese sehr feinen Details interessieren mich doch sehr, gerade bei diesem Filmklassiker?

Gruß


Michel (Freue mich auf den Film, egal in welcher Version auch immer...)

#4 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 22 June 2010 - 19:43

Zwischen der ursprünglichen Kinoversion und dem Director's Cut von 1992 gibt es einige recht prägnante Unterschiede:

- Keine Voice-over im Director's Cut.
- Kein Happyend im Director's Cut.
- Das Closeup des Auges am Anfang im Director's Cut.
- Die Einhorn-Traumsequenz im Director's Cut.

Die Unterschiede zwischen Final Cut und Director's Cut sind dann nicht mehr so gross:

The running time of The Final Cut is 117 minutes - virtually identical to the original theatrical release, but there have been many changes, most of them quite subtle. First, the film has undergone a painstaking frame-by-frame digital clean-up to remove unwanted dust, scratches and other age-related image defects. The film has been color-timed to Scott's specifications, and its soundtrack has been remastered as well to take advantage of the latest surround sound technology (so when those Spinners fly by now, you'll really hear them zoom past you and away).

As you'd expect, the film's editing has been massaged here and there, but this time to Scott's exact instructions. Like the 1992 version, this new Final Cut omits the Deckard narration and the happy ending. Scott has made subtle trims here and there to tighten the footage (without the narration, he felt that some shots went on a little too long), but he's also added material. For example, the "unicorn" scene is now a bit longer and more effective (it's actually the originally-intended version, the complete footage for which couldn't be found for use in the '92 cut). Footage from both the international and workprint versions has been inserted into the film as well, including a number of street/atmosphere shots (such as the infamous hockey-masked geisha dancers) and more intense moments of violence.

Scores of subtle digital tweaks have also been made to correct problems that couldn't be addressed during the original production. For example, the wires supporting the practical, on-set Spinner vehicles have been removed. In a couple of street shots, members of the production crew accidentally appeared in the edges of the frame - they're gone now. Various matte lines have been erased, and detail that was lost due to image degradation has been restored. When you see the infamous "eye" shot at the beginning of the film, the optical printing process employed at the time wouldn't allow for a moving image of the eye to be used. So now, in The Final Cut, you'll notice the pupil iris slightly in reaction to the plume of fire billowing before it.

Other digital corrections fix continuity errors. In the original shooting script, Leon and Deckard fought in the street before Zhora was "retired," so the make-up reflected this on set. When the film was edited together, however, Leon and Deckard's fight was moved after Zhora's death. But the bruise on Deckard's face was still there, before the fight actually happened on screen, so it's been erased digitally. In another instance, the first time you see Roy Batty on screen in the sidewalk Vid-Phon booth, the shots were actually stolen from later in the film (a moment of Roy at the Tyrell Corporation, I believe, and a shot of him in the Bradbury building). So the lighting and the backgrounds you saw in those shots didn't match the booth or the rain-soaked streets behind it. Now they do. There's also a scene where Deckard is talking to an old Asian woman about the snake scale he's found. She's reading a serial number from a microscope... but when you saw that serial number on the screen, it didn't match. Now it does. The vast majority of these digital effects tweaks are so subtle that only fans who are intimately familiar with the film will even notice them.


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#5 Gast_Michel_*

Gast_Michel_*
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Geschrieben 22 June 2010 - 19:53

Danke, Simon!

Also 117 Minuten, das war mir nicht bekannt...

Welche DVD kaufen..., für diese vollständige Version, das wäre dann noch meine Frage?

Gruß


Michel

#6 Stormking

Stormking

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Geschrieben 22 June 2010 - 20:05

Tja, ich weiß nicht, was ich vom Final Cut halten soll. Die Bildqualität ist in HD natürlich einfach nur atemberaubend, die Making-Ofs im Gegensatz zu den meisten DVDs und BluRays wirklich informativ. Aber was den Film selber angeht, stellt für mich die Entfernung der "Fahrt ins Grüne" am Schlußß die einzige signifikante Verbesserung dar. Das Voice-Over fand ich in der deutschen Version nie auch nur halb so schlimm wie es immer gemacht wird. Im O-Ton dagegen ist es wirklich grottig, da kann ich diese Standard-Kritik an der Kinofassung durchaus verstehen. Mich stört aber, daß - wie schon im Director's Cut - durch die zusätzlich eingefügten Szenen jetzt die Deckard-ist-ein-Replikant-Deutung geradezu erzwungen wird, weil ich die für Käse halte, den sich Ridley Scott von den Hardcore-Fans leider hat einreden lassen und den er mittlerweile auch offiziell vertritt. Für mich macht diese Interpretation die Kernaussage des Films kaputt.

#7 ✝ Christian Weis

✝ Christian Weis

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Geschrieben 22 June 2010 - 20:38

Also 117 Minuten, das war mir nicht bekannt...

Das dürfte sich auf die amerikanische Version beziehen, bei einer Abspielgeschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde ist ein Zweistundenfilm ungefähr 5 Minuten länger. Im europäischen PAL-System sind es 25 Bilder pro Sekunde, und da ergibt sich beim Final Cut eine Laufzeit von 112 Minuten 48 Sekunden (auf meiner DVD sind 113 Minuten angegeben).

Wenn der BR eine 110-Minutenfassung ausstrahlt, könnte die geschnitten sein. Im Final Cut ist z. B. die Szene, in der Roy Batty seinem "Vater" Tyrell mit den Daumen die Augäpfel zerquetscht, im Vergleich zu Kinofassung und Director's Cut länger - könnte mir vorstellen, dass das und evtl. die Fingerquetscherei am Schluss rausgeschnitten wurde. Vielleicht stimmt aber auch einfach die Angabe im Programmheft nicht - bei mir stehen 108 Minuten drin ... Kann auch sein, dass die kürzere Laufzeit schlicht daher rührt, dass der BR - wie leider leider so oft, auch bei den öffentlich rechtlichen Sendern - den Abspann weglässt oder schneller laufen lässt.

Grad überleg ich mir, wie oft ich den Film schon gesehen habe - dürfte einer der meistgesehenen unter meinen Lieblingsfilmen sein.
;) :unsure: :unsure: :coool: :coool:

#8 Gast_Michel_*

Gast_Michel_*
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Geschrieben 22 June 2010 - 20:52

Grad überleg ich mir, wie oft ich den Film schon gesehen habe - dürfte einer der meistgesehenen unter meinen Lieblingsfilmen sein.
coool.gif coool.gif coool.gif coool.gif coool.gif


Ja, echt ätzend, der Film, geht aber runter wie lauwarmes Salatöl ! ;)


Michel

#9 ✝ Christian Weis

✝ Christian Weis

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Geschrieben 22 June 2010 - 21:19

Ja, echt ätzend, der Film,

Garnichtätzend. ;)

#10 Joe Chip

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Geschrieben 22 June 2010 - 22:28

Hi All! ;)


ich (J.S.) hab mal eine recht ansprechende Rezension über Buch/Film/Directors Cut geschrieben - LINK auf LESEATTACKE.de

Der Final Cut unterscheidet sich vom DC nur durch otische Dinge

Ich persönlich bevorzugen den Directorscut wegen
- no Happy End und der Tatsache, dass Rick ein Replikant ist

beste Grüsse
Joe

@ Police Department

gibt es so einen Thread nicht schon ?? :unsure: :coool: :coool: :blink:
wie auch immer - die Regeln hier werden ohnehin ständig geändert und auch Ermahnungspostings werden gewertet für die Top 10
wenns manchen hilft - mir schadets nicht :unsure:

Bearbeitet von Joe Chip, 22 June 2010 - 22:29.

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#11 Gallagher

Gallagher

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Geschrieben 22 June 2010 - 22:29

Garnichtätzend. :unsure:


Genau. Wir reden hier immerhin über einen zweimaligen SFNSDSSFS-Finalisten. Einmal Champion, einmal Vize. ;)
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#12 Jorge

Jorge

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Geschrieben 23 June 2010 - 15:09

gibt es so einen Thread nicht schon ?


http://www.scifinet....?showtopic=6374
http://www.scifinet....?showtopic=5090
http://www.scifinet....?showtopic=2640

#13 Gast_Michel_*

Gast_Michel_*
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Geschrieben 23 June 2010 - 21:01

Jorge, danke für die Links!

Zu dem Film hätte ich noch eine klitzkleine Frage, was hat es auf sich mit den kleinen Papierfiguren (Origami) , die der Polizist Gaff (Edward James Olmos) mehrmals faltet, und hinterläßt ?

Das habe ich nicht gerafft, oder habe ich etwas übersehen ? :angry:

Gruß


Michel

#14 Rusch

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Geschrieben 23 June 2010 - 21:25

Ich muss sagen, mir fehlt das Verständnis dafür, dass alle paar Jahre eine neue Schnittfassung rauskommt. Die erste war gut und ich mochte das Voice-over (ich glaube aber, dass ich da jetzt eine Minderheit darstelle). Also - für mich gibt es nur die Erstfassung.

#15 Gast_Michel_*

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Geschrieben 23 June 2010 - 21:31

Moin Rusch!

Du hast recht, die vielen Versionen machen einen ganz kirre, ähnlich wie z.B. bei Das Boot, oder auch Apocalypse Now, oder geht es nur mir so ? :angry:

Gruß


Michel

#16 ✝ Christian Weis

✝ Christian Weis

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Geschrieben 23 June 2010 - 21:54

Zu dem Film hätte ich noch eine klitzkleine Frage, was hat es auf sich mit den kleinen Papierfiguren (Origami) , die der Polizist Gaff (Edward James Olmos) mehrmals faltet, und hinterläßt ?

Das habe ich nicht gerafft, oder habe ich etwas übersehen ? :angry:

Gaff macht mehrere Andeutungen, die Rick Deckard auf sich beziehen kann. Da Gaff eigentlich nicht wissen kann, dass Deckard sich an ein Einhorn erinnert, lässt das Einhorn-Origami an Ende deutliche Schlüsse zu, dass es sich hierbei um implantierte Erinnerungen handelt. So wie Deckard weiß, welche Erinnerungen Rachel implantiert wurden, weiß Gaff offenbar, was Deckard implantiert wurde.

#17 Gast_Michel_*

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Geschrieben 23 June 2010 - 22:06

Gaff macht mehrere Andeutungen, die Rick Deckard auf sich beziehen kann. Da Gaff eigentlich nicht wissen kann, dass Deckard sich an ein Einhorn erinnert, lässt das Einhorn-Origami an Ende deutliche Schlüsse zu, dass es sich hierbei um implantierte Erinnerungen handelt. So wie Deckard weiß, welche Erinnerungen Rachel implantiert wurden, weiß Gaff offenbar, was Deckard implantiert wurde.


Aha..? :thumb:

Danke für deine Antwort, Christian!

So gesehen empfinde ich Blade Runner sehr ähnlich wie 2001, sehr viele offene Fragen, und genau das macht diese Filme spannend, zu Klassikern des Gernres, immer wieder sehr gerne... :angry:

Gruß


Michel

#18 Marianne Sydow †

Marianne Sydow †

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Geschrieben 24 June 2010 - 01:56

Ich muss sagen, mir fehlt das Verständnis dafür, dass alle paar Jahre eine neue Schnittfassung rauskommt. Die erste war gut und ich mochte das Voice-over (ich glaube aber, dass ich da jetzt eine Minderheit darstelle). Also - für mich gibt es nur die Erstfassung.


Da bin ich komplett deiner Meinung. Mein absoluter Lieblingsfilm.

Als der Film rauskam, gab es vorher kein langes making-of oder sonstwas, das einem schon vorher alles verriet. Alles, was man zu sehen kriegte, war eine kurze Sequenz, die sowohl auf einer Cinema-Kassette als auch in den einschlägigen TV-Sendungen gebracht wurde: der kurze Überflug mit der irren Musik in Richtung Tyrell-Pyramide und die paar Worte, die Rachel und Deckard über die künstliche Eule miteinander wechseln.

Dann lief der Film in Berlin im Royal-Palast, damals größte Kinoleinwand Europas, die Lautsprecher von einem extra aus London eingeflogenen Team perfekt abgestimmt. Es wurde dunkel, der bescheuert übersetzte Vortext lief, und ich dachte: "Na das kann ja was werden!" - Irrtum: Der akustische Vangelis-Vorhang öffnete sich, die Stadt erschien, die Flammen schossen hoch, und es begann für mich die großartigste Filmreise, die ich jemals erlebt habe: es hob mich förmlich aus dem Sessel und ich flog mit dem Schweber auf und davon in diese faszinierende Welt, die einerseits eine Dystopie darstellte, aber samt all den kleinen Nebensächlichkeiten so normal rüberkam, als wäre Ridley Scott mal kurz in die Zukunft gereist und hätte seinen Film vor Ort gedreht. Und das sagten und schrieben damals viele, und niemand beschwerte sich über die Stimme aus dem Off und das happy-end.

Der Blade Runner in seiner ursprünglichen Fassung war damals einer der wenigen Filme, bei dem sich (fast alle) Kritiker und Film-Fans einig waren: einfach perfekt. Jede einzelne Rolle perfekt besetzt, jeder einzelne Schauspieler perfekt geführt. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Der Film hatte keine Längen, er war in sich schlüssig, auch die Sache mit den Origamis folgte einer ausgeklügelten Logik. Wahnsinn die letzte Szene mit Rutger Hauer, seine Erinnerungen an den Weltraum, an all diese Bilder in seinem Kopf, die mit seinem Tod verloren gehen, "verloren wie Tränen im Regen --- Zeit zu sterben!", die Taube, die er noch im Tod freiläßt und die in diesen dreckigen Himmel aufsteigt, in diese so fragwürdige Freiheit:

Großartig! Das ganze Kino hat geheult. Das kollektive Atem-Anhalten, als Deckard das Tuch anhebt. Das ebenso kollekive Aufatmen: Rachel lebt. "Sie war etwas Besonderes. Kein Ende-Datum. Wir wußten nicht, wieviel Zeit uns noch blieb. Aber wer weiß das schon?" Und dann kam die Musik. Die Leute blieben einfach sitzen und ließen sich auch durch die ungeduldigen Putzfrauen nicht vertreiben. Diese Musik war der perfekte Abschluß für einen wunderbaren Abend. Ridley Scott war für uns der Größte - bis zu seinem nächsten Film...

Mit großer Spannung besahen wir uns dann den Director´s Cut - komisch, daß manche Regisseure keinen Aufwand scheuen, wenn es darum geht, nach Jahr und Tag ihre größten Fans vor den Kopf zu stoßen. Komisch auch, wie wenig zusätzliche Bilder, wie wenig weggelassene Worte genügen, um einen perfekten Film zu ruinieren.

Okay, das ist meine ganz private Meinung, aus der immer noch taufrischen und aufregenden Erinnerung an die Zeit heraus, in der dieser Film entstanden ist und in der er eine Sensation war. Der Blade Runner wurde zum Kult - er lief in Berlin immer wieder irgendwo in einer Spätvorstellung, und jedesmal war die Bude rappelvoll. Außerdem hatten wir ihn auf Video. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie oft ich ihn gesehen habe. Wenn ich mit einem Roman nicht weiterkam: Blade Runner rein, und schon ging meine Phantasie auf Reisen.

#19 simifilm

simifilm

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Geschrieben 24 June 2010 - 04:17

Der Blade Runner in seiner ursprünglichen Fassung war damals einer der wenigen Filme, bei dem sich (fast alle) Kritiker und Film-Fans einig waren: einfach perfekt.


Das stimmt definitiv nicht. Der Film war bei Erscheinen ein grosser Flop und erntete viele negative und verständnislose Kritiken. Und die Voice-over und das Happyend der ersten Fassung wurden von Anfang von vielen kritisiert. Zum Kultfilm und gefeierten Meisterwerk wurde der Film erst allmählich – nicht zuletzt dank Video- und Laser-Disc-Releases.

Bearbeitet von simifilm, 24 June 2010 - 04:22.

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#20 Marianne Sydow †

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Geschrieben 24 June 2010 - 07:05

Das stimmt definitiv nicht. Der Film war bei Erscheinen ein grosser Flop und erntete viele negative und verständnislose Kritiken. Und die Voice-over und das Happyend der ersten Fassung wurden von Anfang von vielen kritisiert. Zum Kultfilm und gefeierten Meisterwerk wurde der Film erst allmählich – nicht zuletzt dank Video- und Laser-Disc-Releases.


Entschuldige bitte, aber ich war dabei und habe es erlebt. Der Film war im Royal-Palast von der Uraufführung an praktisch immer ausverkauft, man mußte die Karten vorbestellen. Ich habe haufenweise Kritiken, Pressestimmen, Interviews, Dokus und sonstiges Material hier herumzuliegen, die das Gegenteil von dem beweisen, was du behauptest. Rutger Hauer, Sean Young, Daryl Hannah, Joanna Cassidy und andere hatten durch diesen Film ihren Durchbruch - mit einem Flop wäre ihnen das sicher nicht gelungen.

Im Lexikon des Science Fiction FIlms (Heyne 1987) steht eine fast vier Seiten lange, durchweg positive bis fast euphorische Besprechung, und die stammt von Leuten, die nicht zimperlich im Umgang mit Filmen und im Verteilen von harscher Kritik waren: Ronald M. Hahn und Volker Jansen. Zum Blade Runnder aber haben sie unter anderem geschrieben: "Das futuristische Los Angeles, das Scotts Techniker geschaffen haben, ist ein Stadtmoloch, der den Betrachter förmlich erschlägt. Man merkt nie, daß man eine Filmkulisse vor sich hat. Die sich endllos in den schwarzen Himmel schraubenden Wolkenkratzer, die gigantomanischen Werbeflächen, die überall herumsirrenden Helikopter und Gleiter machen einen glauben, da sei jemand mit einer Zeitmaschine in der Zukunft gewesen und habe lediglich die Realität abgefilmt. Über die Detailfreudigkeit der Macher dieses Streifens kann man nur noch staunen... Trotz der Ödnis und Trostlosigkeit der Welt, in der sich die Akteure bewegen, beschreibt der Blade Runner keine Weltuntergangsvision." Klingt das netgativ und nach Flop? Die Stimme aus dem Off und das happy-end werden in diesem Beitrag überhaupt nicht erwähnt.

Natürlich gibt es in allen Zeitaltern Kritikaster, die sich nur wohlfühlen, wenn sie etwas niedermachen können. Wenn jemand eine Stimme aus dem Off und ein happy-end zum grundsätzlich negativen Kriterium macht, durch die ein Film reif für die Tonne wird - ja, Himmel, was soll man dazu noch sagen. Aber jeder hat das Recht, sich seine Scheuklappen selbst zu zimmern. Tatsache ist, daß der Blade Runner schon ein Kultfilm war, als deine hochgelobten Laser-Discs noch nicht einmal angedacht waren.

Es hieß damals, Warner Brothers betrachte den Film als Flop, weil er nicht gleich in der ersten Woche einen neuen Rekord eingespielt. Na sowas!

#21 Stormking

Stormking

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Geschrieben 24 June 2010 - 07:38

Also, daß Blade Runner seinerzeit nicht gerade ein Blockbuster war, entspricht auch meinem Kenntnisstand. Sorry, Marianne, aber daß der Streifen erfolgreich gewesen sein soll, höre ich von Dir zum ersten Mal.

Ansonsten: Das Happy-End *ist* Käse, paßt logisch nicht zum Rest des Films, wirkt künstlich drangepappt. Über das Voice-Over kann man reden, wie gesagt, in der deutschen Fassung finde ich es gar nicht so übel, im O-Ton ist es allerdings wirklich verdammt lahm.

#22 simifilm

simifilm

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Geschrieben 24 June 2010 - 07:44

Entschuldige bitte, aber ich war dabei und habe es erlebt. Der Film war im Royal-Palast von der Uraufführung an praktisch immer ausverkauft, man mußte die Karten vorbestellen. Ich habe haufenweise Kritiken, Pressestimmen, Interviews, Dokus und sonstiges Material hier herumzuliegen, die das Gegenteil von dem beweisen, was du behauptest.


Schön, ich will Dir Deine Illusion nicht rauben. Aber ein kleiner Hinweis: Die Rezeption in deutschen SF-Kreisen muss durchaus nicht repräsentativ für die ganze Welt sein und dürfte auch nicht entscheidend für sein, ob der Film insgesamt finanziell erfolgreich war …

Wenn jemand eine Stimme aus dem Off und ein happy-end zum grundsätzlich negativen Kriterium macht, durch die ein Film reif für die Tonne wird - ja, Himmel, was soll man dazu noch sagen.


Wer hat etwas von "reif für die Tonne" gesagt?

Aber jeder hat das Recht, sich seine Scheuklappen selbst zu zimmern.


Volle Zustimmung.

Bearbeitet von simifilm, 24 June 2010 - 07:50.

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#23 simifilm

simifilm

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Geschrieben 24 June 2010 - 07:49

Ansonsten: Das Happy-End *ist* Käse, paßt logisch nicht zum Rest des Films, wirkt künstlich drangepappt.


Ich finde das Happyend schon fast wieder gut, weil hier Material verwendet, dass ursprünglich für die Eröffnungssequenz von Kubricks Shining gedreht worden war.
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#24 Oliver

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Geschrieben 24 June 2010 - 08:07

Hi Marianne,

ich fasse Deine beiden letzten längeren Postings mal mit diesem Zitat von Dir zusammen:

Dann lief der Film in Berlin im Royal-Palast, damals größte Kinoleinwand Europas, die Lautsprecher von einem extra aus London eingeflogenen Team perfekt abgestimmt. Es wurde dunkel, der bescheuert übersetzte Vortext lief, und ich dachte: "Na das kann ja was werden!" - Irrtum: Der akustische Vangelis-Vorhang öffnete sich, die Stadt erschien, die Flammen schossen hoch, und es begann für mich die großartigste Filmreise, die ich jemals erlebt habe: es hob mich förmlich aus dem Sessel und ich flog mit dem Schweber auf und davon in diese faszinierende Welt, die einerseits eine Dystopie darstellte, aber samt all den kleinen Nebensächlichkeiten so normal rüberkam, als wäre Ridley Scott mal kurz in die Zukunft gereist und hätte seinen Film vor Ort gedreht. Und das sagten und schrieben damals viele, und niemand beschwerte sich über die Stimme aus dem Off und das happy-end.

Basierend auf meiner (wiederhole: meiner) Wahrnehmung, widersprichst Du Dir hier. Was Du da als Kinoerlebnis berichtest, habe ich exakt genauso empfunden, allerdings genoss ich die Gnade der späten Geburt und habe "Blade Runner" das erste Mal im Kino 1992/1993 bei Aufführung des DC in Deutschland gesehen. Bei der Anfangsszene, die Du beschreibst, ist mir damals auch die Kinnlade bis zum Kinosaalboden runtergefallen, ein unglaublicher Moment - und ich hatte den Film vorher schon gut fünf Mal auf VHS gesehen! Dass ein Film im Kino so krass anders wirkt als zu Hause, habe ich trotz unzähliger Möglichkeiten (ich habe sehr viel im Kino als WA gesehen, was ich vorher schon von VHS/DVD kannte) nur zwei Mal erlebt: Bei Scotts "Blade Runner" und bei Leones "Spiel mir das Lied vom Tod". Allerdings, zurück zu "Blade Runner" bin ich dem Herrgott (bzw. Ridley Scott) zutiefst dankbar dafür, dass ich zehn Jahre später als Du im Kinosaal saß und mir dieser magische Moment nicht dadurch zerstört wurde, dass diese wunderbare Mischung aus Bildern und Musik durch das Voice-Over zugequatscht und damit zerstört wurde. Und wenn man für ein angetackertes Happy End Montage-Restmüll aus dem Schneideraum eines anderen Films (aus Kubricks "Shining") verwenden muss, kann man zumindest in Zweifel ziehen, ob das wirklich homogen zu dem Film passt. Mit widersprüchlich nach meiner Wahrnehmung meine ich, wie Du diese Anfangsszene in "Blade Runner" ebenfalls als magisch empfinden konntest, obwohl sie von der Tonspur mit einem Decker-Monolog zugemüllt wurde. Ja, ich weiß, Du siehst das anders.

Dass Dir die Version von 1982 besser gefällt, sei Dir unbenommen, Deinen subjektiven Eindruck aber als Erfolg an der Kinokasse und bei Kritikern umzudeuten ist, mit Verlaub, schon eine etwas fragwürdige (um nicht zu sagen: alberne) Diskussionsweise. So ungern ich inzwischen die Wikipedia zitiere, weil das jeder macht, aber da reicht nun wirklich ein Klick und gleich am Anfang des zweiten Absatzes lesen wir:

Blade Runner initially polarized critics: some were displeased with the pacing, while others enjoyed its thematic complexity. The film performed poorly in North American theaters.


Disclaimer: Die Debatte ist nicht neu und wir führen sie auch in diesem Forum, meine ich, nicht zum ersten Mal, welche Blade Runner-Version die bessere ist. Auch damals haben wir nicht nur hier festgestellt, dass die Kinofassung von 1982 ihre Fans und Verteidiger hat, sicher auch aus dem Grund, weil das die Fassung ist, die sie zuerst kennen und lieben gelernt haben. Ich zähle mich selbst zur zweiten Gruppe der Konvertiten, die mit der Kinofassung auf VHS aufwuchsen und den DC gleich spontan besser fanden und eine dritte Gruppe kann man am Geburtsjahr festmachen: Diese kennt die Kinofassung nur noch als Supplement der DVD-Version. :angry:
Was ich damit sagen will: Wir müssen uns da nicht einig werden, wem die Kinofassung mit Voice Over und Shining-Ende besser gefällt, der ist auch heute mit dieser Meinung nicht alleine. Nur andere müssen sich dieser ja nicht anschließen.

#25 simifilm

simifilm

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Geschrieben 24 June 2010 - 08:11

Was ich damit sagen will: Wir müssen uns da nicht einig werden, wem die Kinofassung mit Voice Over und Shining-Ende besser gefällt, der ist auch heute mit dieser Meinung nicht alleine. Nur andere müssen sich dieser ja nicht anschließen.


Volle Zustimmung. Vor allem hat die subjektive Vorliebe nichts mit der Frage zu tun, wie erfolgreich der Film bei Erscheinen war.
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#26 yiyippeeyippeeyay

yiyippeeyippeeyay

    Interstellargestein

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Geschrieben 24 June 2010 - 08:26

(

..

Nach Einsicht der zitierten BR-Threads habe ich mich als zzt. letzter nicht-beurlaubter Filmcrew-Mohikaner entschieden, diesen Thread hier getrennt bestehen zu lassen. Die anderen Threads sind allgemeiner und schon ziemlich alt. Jorges zitierter Post kann ja als Referenz dienen; ich habe ihn in diesem Sinne im Erstpost verlinkt. /Mod)

/KB (blokkt auch auf dt.)

Yay! Superhelden-Monolog im Oktober...
B.B.: (Am Strand niederknieend, Ring zückend) Meggan, willst du meine Frau werden?
(Der Beschützer Englands & gelegentlicher Anführer des Mutantenteams "Excalibur", Capt. Britain, an eine mächtige Fee gewandt, mit der er schon länger liiert ist, grob übersetzt aus Marvel Visionaries: Excalibur, Marvel Worldwide Verlag, S. 71, by Davis)


#27 Lomax

Lomax

    Illuminaut

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Geschrieben 24 June 2010 - 08:40

Nun ja, ich erinnere mich nicht daran, wie erfolgreich der Film bei Erscheinen war oder wie er weltweit aufgenommen wurde. Woran ich mich allerdings sehr deutlich erinnere, ist die Tatsache, dass ich die ersten negativen Stimmen zu der alten Fassung gehört habe, als über den Directors Cut schon gesprochen wurde. Da konnte ich in meinem eigenen Bekanntenkreis erleben, wie sich die Meinungen verschoben von "Der Film war genial" zu "Die neue Fassung wird bestimmt noch besser" zu "Das Voice-over und das Happy End haben mich schon immer gestört" :thumb:
Da ich diese letzte Aussage allerdings definitiv nicht "schon immer" gehört habe, auch nicht von denen, denen das im Nachhinein plötzlich einfiel, hab ich mal das Gefühl, dass die Kritik an der ersten Fassung bei 90% derer, die sie äußern, einfach die übliche Geschichtsklitterung ist. 10% haben vermutlich tatsächlich "schon immer" an der ersten Fassung gemotzt - denn irgendwem gefällt irgendwas ja immer nicht, und nur zufällig kannte ich während meiner Jugend keinen von denen und hab auch anderswo nichts dergleichen gelesen ... Gab ja auch kein Internet, damals, wo jede ausgefallene Meinung gleich große Kreise zog.
Ob der Film nun ein Blockbuster war oder erst später Kult wurde, halte ich demgegenüber für recht unerheblich. Wenn er an der Kinokasse gescheitert ist, dann vermutlich eher wegen des Genres und weil ein breites Publikum grundsätzlich nichts mit Thema und Stimmung anfangen konnte - ich denke mir nicht, dass die Unterschiede zwischen alter Fassung und Directors Cut tatsächlich das waren, was den grundsätzlichen Tenor von Kritik und Publikum direkt bei Erscheinen verändert hätte.

Ich persönlich hab nichts gegen den (ersten) Directors Cut. Allerdings auch nicht gegen die allererste Fassung, die mich in meiner Jugend begleitet hat und die, ob Blockbuster oder nicht, ja nicht umsonst ein Monolith unter den SF-Filmen geworden ist. Woran ich mich allerdings sehr wohl störe, ist die Tatsache, dass es nun schon mindestens vier Fassungen gibt und mein Grundvertrauen gestört wurde, dass ich ein abgeschlossenes Werk vor mir habe.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, ich werd hier von einem Autor mit Entwürfen und Testlesefassungen bombardiert, und das hat mein ursprüngliches Verhältnis zu dem Film schon so getrübt, dass ich seit der 3. Fassung nie wieder Lust gehabt habe, auch nur irgendeine davon anzuschauen. :angry:
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#28 Joe Chip

Joe Chip

    The Saint

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Geschrieben 24 June 2010 - 11:41

Jorge, danke für die Links!

Zu dem Film hätte ich noch eine klitzkleine Frage, was hat es auf sich mit den kleinen Papierfiguren (Origami) , die der Polizist Gaff (Edward James Olmos) mehrmals faltet, und hinterläßt ?

Das habe ich nicht gerafft, oder habe ich etwas übersehen ? :angry:

Gruß


Michel


Anfang: Papier Huhn - soll bedeuten, dass Rick Angst hat vor dem Job wie ein feiges Huhn

Mitte: Streichholzmännchen mit Erektion - soll bedeuten, dass Rick in die Replikantin verliebt ist

Ende: Einhorn aus Staniol - soll bedeuten dass die Polizei seine implantierten Erinnerungen kennt: Rick erkennt die Wahrheit


Joe
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#29 leibowitz

leibowitz

    Giganaut

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Geschrieben 24 June 2010 - 15:08

Moin Rusch!

Du hast recht, die vielen Versionen machen einen ganz kirre, ähnlich wie z.B. bei Das Boot, oder auch Apocalypse Now, oder geht es nur mir so ? :rofl1:

Gruß


Michel



Den Apocalypse Now Director´s Cut finde ich persönlich großartig. Die zusätzlichen Szenen bereichern den Film. Sie passen sich genial und atmosphärisch dicht in die erzählte Geschichte ein und unterstreichen die Aussagekraft. In erster Linie denke ich dabei an den Besuch des Bunny-"Bordells" und an den Auftritt auf der französischen Farm. Beide Szenen sind hintergründig und vor allem die letztere grandios inszeniert. Die Aussagekraft des Films unterstreichen sie aber nur, weil sie nachträglich eingefügt wurden und (hauptsächlich) bestehende Fans des Films in den Genuss derselben kommen. Wer den Film zum ersten Mal sieht, ist sicherlich an vielen Stellen und bestimmt bei diesen Stellen "überfordert". (Ich jedenfalls wäre es gewesen.)
Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben. (P.K.Dick)

#30 simifilm

simifilm

    Cinematonaut

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Geschrieben 24 June 2010 - 15:24

Den Apocalypse Now Director´s Cut finde ich persönlich großartig. Die zusätzlichen Szenen bereichern den Film. Sie passen sich genial und atmosphärisch dicht in die erzählte Geschichte ein und unterstreichen die Aussagekraft. In erster Linie denke ich dabei an den Besuch des Bunny-"Bordells" und an den Auftritt auf der französischen Farm. Beide Szenen sind hintergründig und vor allem die letztere grandios inszeniert. Die Aussagekraft des Films unterstreichen sie aber nur, weil sie nachträglich eingefügt wurden und (hauptsächlich) bestehende Fans des Films in den Genuss derselben kommen. Wer den Film zum ersten Mal sieht, ist sicherlich an vielen Stellen und bestimmt bei diesen Stellen "überfordert". (Ich jedenfalls wäre es gewesen.)


Auf die Gefahr hin, dass der Thread nun abdriftet: So interessant die Redux-Version von Apocalypse Now ist, ich finde die Originalversion klar besser. Schon alleine weil Redux einfach zu lange ist. Und während sich die neue Bunny-Szene und auch die Zusätze bei den Surfszenen gut in den Film einfügen, wirkt die French-Plantation-Sequenz in meinen Augen wie ein Fremdkörper. Da wird der Film plötzlich unglaublich didaktisch, was überhaupt nicht zum Rest passt; und der zweite Teil dieser Sequenz mit Willard und Roxanne ist ganz einfach übler Kitsch («Där ar tu of ju, cönt u sie, wönn sat kills änd wönn sät lövs» – *Schauder*). Es war ein richtiger Entscheid, dass diese Szene aus der Urfassung rausgeflogen ist. – Was ich besonders schade finde, ist dass derzeit nur noch die Redux-Fassung im Umlauf zu sein scheint. Der Film läuft hier immer mal wieder in einem Reprisenkino, aber nur noch in der neuen Fassung.
Signatures sagen nie die Wahrheit.

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