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Morddrohungen gegen deutsche SF-Autoren


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8 Antworten in diesem Thema

#1 Ronald

Ronald

    Ufonaut

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Geschrieben 26 November 2010 - 21:44

Wirklich wahr: Auf dem Lande, da leben sie noch

Betr.: Morddrohungen gegen Ronald M. Hahn, Horst Pukallus und ihren Verleger Hansjoachim Bernt

Adalbert B.: Und wir waren jeden Tag vom billigen Fussel besoffen, sonst hätten wir nicht überlebt. (Brief v. 26.10.2010)
Ronald M. Hahn: Er mit vier Jahren?
Horst Pukallus: Seien wir ehrlich, Ronny, der Mann war uns von Kindesbeinen an im Saufen weit, weit überlegen.
Ronald M. Hahn: Holy Toledo, was haben wir versäumt.

Es irrt, wer meint, Morddrohungen gegen Autoren gäbe es nur in Schurkenstaaten. Zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Science Fiction sind jetzt Morddrohungen gegen deutsche SF-Autoren ausgestoßen worden.
Anlaß ist der im Oktober 2010 im schweizer Unitall-Verlag erschienene Roman Wo keine Sonne scheint von Ronald M. Hahn und Horst Pukallus. Die Handlung dieses im Jahre 1948 spielenden, schwarzhumorigen Thrillers dreht sich um einen Schmalfilm, der kompromittierende Aufnahmen Adolf Hitlers zeigt.
Die Lektüre dieses Buchs bot dem 1941 geborenen Leser Adalbert B. im hessischen Friedewald Grund genug, um dem Unitall-Verleger Hansjoachim Bernt am 26.10.2010 einen Brief zu schreiben, in dem er beanstandet, die „Herabwürdigung“ des „größten Sohnes unseres Volkes“ (gemeint ist Adolf Hitler) sei an „Unverschämtheit und Zynismus“ partout „nicht mehr zu überbieten.“ Deshalb hält er es für erforderlich, den „Lumpen, die das Buch geschrieben haben“, einen „Scheitel mit der Axt“ zu ziehen.
Gleichzeitig verlangt er, den Vertrieb des Buches einzustellen, andernfalls hätte es für den Verleger ernste Folgen: „…denn dann werde ich sie eigenhändig umlegen.“ Es käme nämlich „der Tag der Rache.“
Der Absender des in dubiosem Deutsch verfassten Briefs begründet seine Morddrohungen weiter mit dem Leid, das zahlreiche Deutsche während des Zweiten Weltkriegs, bei Kriegsende und danach zu erdulden hatten. Sein Vater sei 1944 gefallen, seine Mutter in Pommern einundzwanzigmal vergewaltigt worden, so dass sie dann lieber mit einem „Polaken“ freiwilligen GV aufnahm, sein Bruder hätte „schwere Diphterie“ gehabt und nur „durch trinken von Lampenpetrolium“ überlebt.
In diesem Zusammenhang nimmt der Briefschreiber besonderen Anstoß an einer Äußerung des Protagonisten Harras: „Diese Schwachköpfe hatten ihn“ (Adolf Hitler) „ja selbst gewählt.“ (S. 57 der Unitall-Ausgabe)
Hierzu erklären die Unterzeichner: Wir wollen die Angaben Herrn Adalbert B.’s gar nicht anzweifeln. Derartige Vorkommnisse hat es in großer Zahl gegeben, und wir bedauern das schreckliche Los der betroffen gewesenen Menschen. Dennoch ist eben die Kausalität, die Herr B. so fanatisch leugnet, als Ursprung all dieser Leiden anzusehen. Wer die Ursächlichkeit zwischen den Aggressionen des Nazi-Reiches gegen seine Nachbarländer und den späteren Konsequenzen für das deutsche Volk in Abrede stellt, dessen Biografie kann nur eine Überschrift tragen: Verblendung.
Glauben Sie, Herr Adalbert B., dass eine Nation ihre Nachbarn überfallen, ausplündern, mit Zwangsarbeit, Massenmorden, Zerstörungen und Vergewaltigungen quälen kann - und dann, wenn sie den Krieg verliert, Millionen von Heiligen einmarschieren, um die Verlierer zu trösten? Dann sind Sie gewiss noch heute besoffen.
Wir bedauern auch Herrn Adalbert B. Obwohl er in Friedewald wohnt, ist für ihn der Krieg noch nicht zu Ende.
Der Verleger Hansjoachim Bernt hat die zuständige Staatsanwaltschaft informieren lassen.

Wuppertal 26.11.2010 Ronald M. Hahn Horst Pukallus
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#2 Jaktusch †

Jaktusch †

    Andronaut

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Geschrieben 27 November 2010 - 00:10

Ihr wundert euch nicht wirklich darüber, oder?
War das nicht zu erwarten, wenn (ganz verkürzt dargestellt) ein "linkes" Buch in einem "rechtem" Umfeld veröffentlicht wird? Wie DAS zustande kam, darüber rätselt die (SF-)Gemeinde.
Aber keiner traut sich, zu fragen....

Jaktusch
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#3 ANUBIS

ANUBIS

    Bibliophilus Maximus

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Geschrieben 27 November 2010 - 03:33

Ganz ehrlich...mich kotzt das ewige schubladisieren von wegen"links" und "rechts" total an. Ob ein Massenmörder links( Stalin) oder rechts(Hitler) war ist doch völlig egal. Mögen beide in der Hölle schmoren;-) Und ihre "Fans" gleich mit.
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#4 valgard

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Geschrieben 27 November 2010 - 05:25

Ganz ehrlich...mich kotzt das ewige schubladisieren von wegen"links" und "rechts" total an. Ob ein Massenmörder links( Stalin) oder rechts(Hitler) war ist doch völlig egal. Mögen beide in der Hölle schmoren;-) Und ihre "Fans" gleich mit.
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#5 lapismont

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Geschrieben 27 November 2010 - 10:17

Da seht ihr auch gleich noch, dass euer Buch wohl wichtig war.
Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#6 raps

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Geschrieben 27 November 2010 - 11:48

Interessant finde ich ja, dass diese Typen ihre Drohungen seit einigen Jahren sogar noch mit eigener Unterschrift versehen. Was blüht dem Mann jetzt wohl? 100 € Strafe? Eine amtliche Verwarnung? Gar nichts? Weiß so etwas zufällig hier jemand?

Grüße, Rainer

#7 Jakob

Jakob

    Temponaut

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Geschrieben 27 November 2010 - 12:13

Ich bin auch verwirrt, ich dachte erst, Ronald macht Spaß, aber das Buch ist ja tatsächlich bei Unitall in Neuauflage erschienen ... als jemand, den die Kategorisierung in "Links" und "Rechts" überhaupt nicht ankotzt (Es gibt nämlich durchaus einen Unterschied zwischen Nazis und Stalinisten, und der besteht gar nicht unbedingt vorrangig darin, wer nun "schlimmer" ist, sondern darin, welche politischen Ideologien hinter ihrem jeweiligen Handeln stecken und wie sich ihr Handeln deshalb typischerweise unterscheidet), frage ich mich durchaus, warum die Autoren dem Verlag mit ihrem Buch das Feigenblatt liefern, mit dem dieser mal wieder behaupten kann, das sei ja alles "bloß Satire".
Und ich will jetzt gar nicht wieder wegen Stahlfront anfangen, das ist ja nun wirklich nicht der Rede wert, viel verstörender finde ich da reaktionären Verschwörungsmüll wie "Wächter der Schwarzen Sonne", mit dem Unitall sich wahrscheinlich sehr viel subtiler und erfolgreicher in der neurechten Szene positioniert.
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#8 Ronald

Ronald

    Ufonaut

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Geschrieben 27 November 2010 - 12:41

Im Gegensatz zum Berufsschauspieler, der vorwiegend vom Steuerzahler lebt, ist der Verleger der Partner des Berufsschriftstellers - in manchen Fällen kann es so weit gehen, dass der Verleger auch Landser-Hefte verlegt. Verleger sind Kaufleute und demgemäß nicht links gestrickt. Zum Glück aber sind sie als profitorientierte Lebewesen weniger an der politischen Gesinnung ihrer Autoren interessiert als an der Qualität ihrer Werke. Wären sie ideologisch so behämmert wie manche Leser, käme der Autor ohne vorherige Gesinnungsprüfung nicht mehr zum Zuge.

Bearbeitet von Ronald, 27 November 2010 - 12:42.

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#9 Lomax

Lomax

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Geschrieben 27 November 2010 - 14:17

Ich denke mal, der Anlass eignet sich wenig für eine Links-Rechts-Diskussion. So wenig wie für Erklärungsversuche im Stile von "Glauben Sie, Herr Adalbert B., ...". Wenn es wenigstens ein zünftiger Neonazi wäre, der die Drohung formuliert hat, aber so ...
Das hört sich einfach nach einem wirren Spinner an. So was kann einem bei jedem Buch unterkommen, egal wo man es veröffentlicht - wenn auch bei manchen Themen vermutlich eher als bei anderen :). Und da die Gedankengänge dahinter verwirrt sind, ist wohl auch jedes vermittelnde Wort oder der Versuch eine Begründung in den Wind gesprochen.
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)


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