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"Rikers Versuchung" - wenn alles erreicht ist


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6 Antworten in diesem Thema

#1 Beverly

Beverly

    Temponaut

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Geschrieben 28 April 2011 - 20:21

In der Star Trek Episode Rikers Versuchung bietet Q dem Ersten Offizier Riker die Fähigkeit an, Tote wieder ins Leben zurück zu rufen, nach Belieben in Sofortzeit durch Raum und Zeit zu reisen und Materie nach Wunsch zu manipulieren. Anfangs nutzt Riker diese Fähigkeiten, um z. B. Wesley zehn Jahre älter zu machen oder Worf eine Klingonin herbei zu teleportieren, verzichtet aber darauf.
Hintergrund von "Rikers Versuchung" ist allerdings die Ansicht von Q und den anderen Angehörigen des "Kontinuums", dass die Menschen im Laufe ihrer Entwicklung solche Fähigkeiten erlangen werden, wie sie sie Riker angeboten haben. IMHO wollten die Q's Riker als eine Art "Versuchskaninschen" benutzen, um zu sehen, wie die Menschen dann sein werden.

IMHO ist so ein Szenario durchaus bedenkenswert. Zivilisationen streben danach, materiellen Mangel zu überwinden, den Tod zu besiegen, Information immer besser zu verarbeiten, die Materie immer besser zu manipulieren und nach Wunsch durch Raum und Zeit zu reisen.

Die Start-Trek-Episode deutet an, dass damit nicht alle Konflikte aufhören (so scheinen die Q's Angst vor den Menschen zu haben, weil die nicht immer so "primitiv" sein werden, wie im 24. Jahrhundert). Nur ändern sich die Ursachen der Konflikte - alle Konflikte, die auf irgendeinen Mangel oder beschränkten Fähigkeiten basieren, sind passé. Der Tod ist NICHT mehr "unser aller Meister" (Ausspruch des Zauberers im Film "Krabat") und Streit um Ressourcen gibt es nicht mehr.
Ich habe oft den Eindruck, dass sich SF-Autoren nicht an solche Spekulationen über eine ferne oder nicht einmal so ferne Zukunft herantrauen, weil sie nicht wissen, wo dann die Handlung und die Konflikte herkommen sollen. Aber ist dann wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen? Schließlich haben sich schon in den klassischen Sagen des Altertums die allmächtigen Götter zur Gaudi der Sterblichen gezankt wie die Kesselflicker :D

#2 MartinHoyer

MartinHoyer

    Temponaut

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Geschrieben 28 April 2011 - 20:39

Auch in der SF sind Konflikte - wie in der menschlichen Geschichte - nicht vorrangig ein Kampf um Ressourcen, sondern um Meinungshoheit. Dagegen sind unbegrenzte Ressourcen oder gar unbegrenzte Macht kein Mittel, weil mindestens immer noch der Streitpunkt bliebe, was man mit dieser Macht anstellt.

Um den Kreis zu Star Trek zu schließen: Auch im Q-Kontinuum gibt es Differenzen zwischen den Q-Entitäten, obwohl diese alles haben und alles sein können, was sie möchten.
Though my soul may set in darkness, it will rise in perfect light;
I have loved the stars too fondly to be fearful of the night.
(Sarah Williams: The Old Astronomer To His Pupil)

#3 Angela Fleischer

Angela Fleischer

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Geschrieben 29 April 2011 - 10:14

Ich sehe das ähnlich wie Martin. Es wird dann keine Konflikte um Ressourcen mehr geben, das ist richtig, aber wie die Welt/das Universum "geformt" werden soll, da sehe ich viel Spannungspotential. Heutzutage gibt es diese Konflikte doch auch schon. Wenn beispielsweise ein Bürohaus mitten in eine kleine Ortschaft gestellt werden soll hätten wir so einen Ideologie-basierten Konflikt. Ist das Ortsbild oder die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Gemeinde wichtiger?
  • (Buch) gerade am lesen:Asimov: The Currents of Space
  • • (Buch) Neuerwerbung: Wüstensehnsucht

#4 nodus

nodus

    Ufonaut

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Geschrieben 28 November 2011 - 13:10

Gerade scheinbare Allmacht und Unsterblichkeit oder die Nutzung unendlicher Ressourcen führen zu Konflikten. Wesley hat das ja in der Folge ziemlich schnell erkannt. Omnipotenz entwertet das Alltägliche und die kleinen Freuden die wir heutzutage so haben. So thematisieren viel Sci-Fi Romane das Problem der Langeweile die auftritt sobald der Tod erst mal passe ist. Zuletzt habe ich etwa Chasm City gelesen
http://nodus.onreact...stair-reynolds/

worin sogar Menschenjagden auf Unterschicht-Sterbliche stattfinden um den Unsterblichen ein wenig Amüsement zu bereiten.
Die Q-Folgen sind da sehr ähnlich. Q hat ständig Langeweile und versucht mit den Menschen zu spielen um seine Monotonie der Allmacht zu überwinden.
Andere Welten sind möglich
http://nodus.onreact.com/
  • (Buch) gerade am lesen:Äon von Greg Bear
  • (Buch) als nächstes geplant:Die Boten des Unheils von Peter F. Hamilton
  • • (Buch) Neuerwerbung: Existenz von David Brin
  • • (Film) gerade gesehen: Der Plan
  • • (Film) als nächstes geplant: Oblivion
  • • (Film) Neuerwerbung: Matrix

#5 Torwan

Torwan

    Cybernaut

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Geschrieben 29 November 2011 - 13:22

Die menschliche Geschichte wird sich nicht wesentlich anders entwickeln, solange der Mensch der gleiche ist. Seit Beginn unserer Zivilisation vor rund 6000 Jahren (soweit wir sie zumindest zurückverfolgen können) sind gerade mal 200 Generationen vergangen. In der Zeit hat sich nicht viel in unserer "Basisprogrammierung" geändert. In einer Zeit, in der das Überleben hart war, Nahrung und Wasser knapp und der eigene Stamm klein und abgeschottet, haben sich gewisse Grundprogrammierungen eingebaut, die nicht überwunden wurden:

- Xenophobie (Fremdenhaß, Misstrauen gegenüber Fremden)
- Kampf um Ressourcen aus Angst ums Überleben (sei es nun Nahrung, Wasser, Eisen, Land, Öl, Gas...immer das gleiche Muster, anderer 'Schauplatz')

Die Mischung aus Misstrauen und Angst ist eigentlich die Ursache für sämtliche Konflikte auf der Welt. Irgendjemand misstraut irgendjemandem bzw. hat Angst, grenzt sich dagegen ab ("fremd") und fürchtet um sein Überleben (Leben, Freiheit, Ideologie etc.). Und es kommt Konflikt & Krieg bei raus.


Diese Episode vergrößert nur Riker's Fähigkeiten, befreit ihn aber nicht von seiner beschränkten Steinzeit-Basisprogrammierung. Dies umgehen auch viele SciFi-Autoren. Warum? Vielleicht weil man nicht weiß, was danach kommt, wie der Mensch danach tickt. Vielleicht auch, weil es dann wesentlich schwieriger wäre, sich mit diesen Personen zu identifizieren - sie wären ja in jeder Hinsicht anders, würden anders denken, ticken und aus ganz anderer Motivation heraus handeln - und gegenüber unserer eigenen Motivation verständnislos sein.

#6 huepfer

huepfer

    Yoginaut

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Geschrieben 29 November 2011 - 21:44

(...)
Vielleicht weil man nicht weiß, was danach kommt, wie der Mensch danach tickt. Vielleicht auch, weil es dann wesentlich schwieriger wäre, sich mit diesen Personen zu identifizieren - sie wären ja in jeder Hinsicht anders, würden anders denken, ticken und aus ganz anderer Motivation heraus handeln - und gegenüber unserer eigenen Motivation verständnislos sein.

Vielleicht doch auch deshalb, weil SF-Autoren und ihre Leser - ihrer eigenen Selbstwahrnehmung zum Trotz - im Grunde genommen recht konservative und phantasielose - um kein schlimmeres Wort zu verwenden - Menschen sind? Eingefügtes Bild Manchmal scheint mir, dass die einzig überzeugend porträtierte Utopie in der SF die Vorstellung ist, dass auch in ferner Zukunft mit all ihren technologischen Wundern die Welt im Grunde so bleibt, wie sie sich jeweils gegenwärtig darstellt.

(...)
Die menschliche Geschichte wird sich nicht wesentlich anders entwickeln, solange der Mensch der gleiche ist. Seit Beginn unserer Zivilisation vor rund 6000 Jahren (soweit wir sie zumindest zurückverfolgen können) sind gerade mal 200 Generationen vergangen. In der Zeit hat sich nicht viel in unserer "Basisprogrammierung" geändert.

(...)

Desgleichen neigen sie, denke ich, dazu, die Konstanten in der geschichtlichen Entwicklung überzubetonen. (Du qualifizierst Deine Aussage immerhin („...solange der Mensch der gleiche ist.“) Eingefügtes Bild ) und übersehen dabei, dass sich im Verlauf der Geschichte radikale Veränderungen vollzogen, in Bereichen wie der Legitimation von Herrschaft, der Sexualmoral, der Beziehung zwischen den Geschlechtern, etc., die alle irgendwann einmal als in der menschlichen Natur begründet und damit keiner geschichtlichen Veränderung unterworfen betrachtet wurden.
Einerseits ist also m.E. keineswegs klar, wie unsere biologische Ausstattung im Einzelfall unter bisher noch nicht dagewesenen Umweltbedingungen unsere Möglichkeiten limitiert, andererseits - und das erscheint mir der wichtigere Punkt - spricht viel dafür, dass eben diese Natur zumindest mittelfristig in einem Maß disponibel wird, wie sich das heute vermutlich kaum jemand vorzustellen vermag - auch phantasievollere Menschen nicht, als es SF-Fans für gewöhnlich sind...
Ich habe mich selber auf der Ignore-Liste!

#7 Torwan

Torwan

    Cybernaut

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Geschrieben 01 December 2011 - 10:58

Vielleicht doch auch deshalb, weil SF-Autoren und ihre Leser - ihrer eigenen Selbstwahrnehmung zum Trotz - im Grunde genommen recht konservative und phantasielose - um kein schlimmeres Wort zu verwenden - Menschen sind? Eingefügtes Bild Manchmal scheint mir, dass die einzig überzeugend porträtierte Utopie in der SF die Vorstellung ist, dass auch in ferner Zukunft mit all ihren technologischen Wundern die Welt im Grunde so bleibt, wie sie sich jeweils gegenwärtig darstellt.


Naja, Fakt ist, dass sich unsere heutige Zeit auch nicht allzu sehr von früher unterscheidet. Sicher, es gibt heute andere Ideologien, andere Wertvorstellungen, andere Technologie...aber das Stichwort ist "anders". Heißt das moderner/besser/überlegen? Wohl kaum. Der Zyklus zwischen Demokratie und Autokratie ist Tausende von Jahren alt, der Aufstieg und Fall von Imperien ebenso, genauso Krieg und Frieden. Technologie ändert sich, aber nicht Verhalten.
(siehe unten)

Desgleichen neigen sie, denke ich, dazu, die Konstanten in der geschichtlichen Entwicklung überzubetonen. (Du qualifizierst Deine Aussage immerhin („...solange der Mensch der gleiche ist.“) Eingefügtes Bild ) und übersehen dabei, dass sich im Verlauf der Geschichte radikale Veränderungen vollzogen, in Bereichen wie der Legitimation von Herrschaft, der Sexualmoral, der Beziehung zwischen den Geschlechtern, etc., die alle irgendwann einmal als in der menschlichen Natur begründet und damit keiner geschichtlichen Veränderung unterworfen betrachtet wurden.
Einerseits ist also m.E. keineswegs klar, wie unsere biologische Ausstattung im Einzelfall unter bisher noch nicht dagewesenen Umweltbedingungen unsere Möglichkeiten limitiert, andererseits - und das erscheint mir der wichtigere Punkt - spricht viel dafür, dass eben diese Natur zumindest mittelfristig in einem Maß disponibel wird, wie sich das heute vermutlich kaum jemand vorzustellen vermag - auch phantasievollere Menschen nicht, als es SF-Fans für gewöhnlich sind...


Zwei Anmerkungen hierzu:
Ich habe mir kürzlich ein Jahrbuch aus dem Jahr 1901 gekauft. Zur Info: Das Jahrbuch ist ein Kalender mit Zusatzinformationen, so etwas wie ein Terminplaner heute mit Infos, was so im letzten Jahr passiert ist. Es ist recht offiziell und konservativ gehalten, u.a. voll mit positiven Stories aus den deutschen Herrscherhäusern, allen möglichen Geburts- und Feiertagen der Adeligen usw.
Wenn man sich die Texte und die Werbung darin anschaut, ist man sehr oft überrascht. Ein Text befasst sich u.a. mit den Berufsmöglichkeiten für junge Frauen und es ist erstaunlich, wie liberal der Text ist. Nicht etwa, dass da nur "Hausfrau" oder "am Herd" steht, sondern die ganze Bandbreite von einfachen Ausbildungsberufen, Dienstleistungsberufen, kaufmännischen Berufen und akademischen Berufen (u.a. Ärztin usw.). Der Text könnte auch aus den 1950ern oder 60ern sein. Allgemeinwissen ist ja, dass die Gleichstellung von Mann und Frau mit den Erfahrungen der beiden Weltkriege begann, als Frauen massiv in der Rüstungsindustrie und an anderen Punkten arbeiten mussten. Ist wohl falsch, wenn man sich das hier durchliest. Wie gesagt: Das ist kein sozialistisches Buch, sondern eher eins für den Bürger!
Und wenn man sich die Werbung anschaut: Werbung für Reisen, Haushaltsgeräte, Medikamente, Nahrungsmittel, Unterhaltung...was man auch heute erwarten würde.

Zweite Anmerkung: Ich habe mal ein Buch über Wirtschaft im römischen Reich gelesen. Wenn man sich das durchliest, verliert man jeden Glauben an die Überlegenheit unserer Zeit bzw. den Glauben, dass wir heute so anders sind als die Leute früher. Versicherungsbetrug, Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung, Korruption, Wahlfälschung, falsche Wahlversprechen, Propaganda, öffentliche Meinung...hat's alles schon gegeben, ist alles nicht neu. Was zeigt das? Der Mensch ist der gleiche, nur das Umfeld ist anders.

Sexualmoral und Legitimation der Herrschaft haben sich im Laufe der Zeit immer angepasst und werden sich immer anpassen. Die Sexualmoral ist z.B. aktuell eher wieder in Richtung konservativ unterwegs. Glaubt man mir nicht? Schaut euch mal die Sittenwächter in den USA an. Erinnert sich jemand an "Nipplegate" von Janet Jackson? Ende der 60er war da noch was von "freier Liebe" usw. unterwegs. Gab's ja in Deutschland auch, die Kommune so-und-so mit offenem Gruppensex und Verpönung fester Beziehungen. Das gibts zwar heute auch noch, wird aber nicht mehr als Ideal proklamiert.
Legitimation der Herrschaft, da gibts auch ein Auf und Ab. Im Westen ist aktuell die Demokratie angesagt, aber es hat schon Artikel gegeben, die sagen, dass Chinas Autokratie evtl. besser mit großen Krisen wie der Euro-Finanzkrise umgehen kann. Von dem Standpunkt aus ist es nur ein kleiner Hopser zum Unterstützer der Autokratie. Demokratie wurde gerade in islamischen Ländern ab und zu durch Fundamentalismus ersetzt. Die Aufklärung, Trennung von Kirche und Staat und der Glaube an die Wissenschaft wird in Teilen der USA gerade durch christlichen Fundamentalismus ersetzt. Das Pendel schwingt dort in die andere Richtung...


Das alles ist natürlich auch eine persönliche Philosophie-Frage. Ich sehe unsere Geschichte aber eher als ein ständiges Hin-und-Her gewisser Kräfte und Flügel, weniger als einen Strahl, der unaufhaltsam in eine Richtung geht. Entwicklungen kann man auch umkehren und wieder umkehren usw. Denn eines ist in all den Jahrtausenden gleich geblieben: Der Mensch selbst.


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