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Walter M. Miller jr.: Lobgesang auf Leibowitz


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9 Antworten in diesem Thema

#1 Dave

Dave

    Hamannaut

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Geschrieben 30 November 2003 - 20:20

Weiter mit der zweiten Hälfte... :rolleyes:

#2 rockmysoul67

rockmysoul67

    Temponaut

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Geschrieben 19 December 2003 - 01:09

(und weiter geht's mit Fiat Voluntas Tua)


Aha, das wusste ich gar nicht: Walter M. Miller jr. ist der Erfinder der Computermaus.... :D

#3 rockmysoul67

rockmysoul67

    Temponaut

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Geschrieben 19 December 2003 - 14:14

Mit den Interviews gibt es erneut eine Stiländerung. Mann o mann, in der Zukunft weichen Politiker ja noch mehr aus als heutzutag. Bin ich froh, dass ich kein Journalist geworden bin. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Erneut wird eine Aufbewahrung des Wissens (bzw. bloss der Memoriabilien des Leibowitzes) an einem sicheren Ort geplant. Ob dieser Kreis je durchbrochen wird?

#4 rockmysoul67

rockmysoul67

    Temponaut

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Geschrieben 19 December 2003 - 21:35

Kapitel 25

Interessante Frage stellt Miller uns hier in diesem Kapitel Wieviel Leben ergibt ein oder mehrere Lebewesen?

Ist die zweiköpfige Frau eine oder zwei Personen? Ist das Kloster ein Lebewesen mit den Mönchen als Organe?


Kapitel 26

Der Abt setzt den armen Joshua ganz schön unter Druck. Und zwar unter einem Verfahren, dass ich in den letzten zwei Jahren hab beobachten können (untermehr bei mir selbst), nachdem meine Freundin mich darauf hingewiesen kann. Es geht im etwa wie folgt. Der Stärkere sagt dem Schwächeren stillschweigend: Wir machen was du willst. Wähl dir etwas aus. Mach, was du willst. ... Aber wehe, wenn du nicht wählst, was ich dir vorgesehen habe.


Kapitel 27 + 28

Diese beiden Kapitel beschäftigen sich mit dem Un- und Wahnsinn des atomaren Krieges. Endlich! Das Buch steigt bei mir direkt im Ansehen als Anti-Atomkriegs-Roman.

Bearbeitet von rockmysoul67, 19 December 2003 - 22:54.


#5 rockmysoul67

rockmysoul67

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Geschrieben 19 December 2003 - 23:33

Das Buch war zum Glück kurz genug und leicht zu lesen: Ich bin durch. In wenigen Stunden muss ich auf einen Flieger und ich bin froh, dass ich das Buch noch schnell subito ausgelesen habe, denn in den nächsten zwei Wochen möchte ich mich nur mit einem Arbeitsbuch beschäftigen. Ich verabschiede mich gleich hiermit und melde mich erst wieder in 2004 (ausser vielleicht wenn Leben auf Mars...). Ich wünsche allen einen guten Rutsch. Das Ende. Sehr, sehr traurig und doch gibt es ein Happy-End, denn das menschliche Leben geht weiter. Auch auf der Erde gibt es Hoffnung, denn jetzt lauft ein sündenfreies Wesen (doch eine Art Messias?) auf der Welt herum. Mir geht eine Kurzgeschichte von Stephen Baxter, die ich vor Kurzem gelesen habe, nicht aus dem Sinn. "Inherit the earth". Es lest sich wie eine Nachgeschichte zum Buch von Miller. Ich wundere mich in wie fern Baxter (unbewusst) von Leibowitz beeinflusst ist. In der Geschichte geht es um sehr gläubige Katholiken. Allerdings sind die Menschen schon längst ausgestorben: Die Gläubigen sind Tiere und der Papst ist eine KI. Gesamtfazit für mich: Das Buch war im Grossen und Ganzen nett, aber auch nicht viel mehr. Platz 50 auf meine persönliche Top 100 der meist geliebten Büchern.

#6 Impala

Impala

    Giganaut

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Geschrieben 20 December 2003 - 19:12

Ein großartiges Buch. Hat ja auch den Hugo 61 gekriegt. Wenn’s da schon den Nebula gegeben hätte, hätte es den sicher auch bekommen. Walter M. hat ein großes Vokabular zu seiner Verfügung und einen gehobenen Schreibstil. In jedem der drei Teile pilgert und wandert die gleiche Person herum. Es ist eine Person, die vom Aussehen her Leibowitz ähnelt, aber Lazar heißt (Lazarus, der von Jesus vom Tode ins Leben zurückgerufen wurde, wie in Operation Jesus :D ). Dieser Typ ist nicht unsterblich, sondern meines Erachtens ein Symbol für irgendwas. Leibowitz (ob nur ein simpler Ingenieur oder ob direkt beteiligt an der Atombombe, das habe ich nicht verstanden, immerhin deutet der jüdische Name auf Letzeres hin) war also direkt oder indirekt beteiligt und hat sich nach dem Gau ins Kloster verzogen und sich besonnen. Zwei Seelen in seiner Brust, wie vielleicht in jedem Menschen, wie ja auch im Mittelteil zum Hauptdiskurs des Romans gemacht: Wissenschaft gegen Religion. Für mich ist das Buch eine Parabel (= Die Parabel ist eine Gleichniserzählung und wird häufig zur didaktischen Literatur beziehungsweise zur sogenannten Lehrdichtung gezählt.) Ein nettes Lehrstück, kein bisschen penetrant oder mit erhobenem Zeigefinger. Abgehoben ist es auch nicht. Ich glaube, warum man bei Fiat Lux anfangs stutzt, ist einfach aus dem Unwillen heraus, dass man sich jetzt auf etwas Neues einstellen soll. Für mich sind die drei Teile einzeln sehr gut und jeweils eine angemessene Steigerung. Fast gebe ich Fiat Lux den Vorzug, weil ich die dortigen Streitgespräche am aufregendsten finde. Im letzten Teil wird sein Humor beißend, BEIßEND! (Pressekonferenzen). Und wieder können wir nur uns selbst erkennen. So, ich google jetzt mal ein bisschen rum.
Julius Gaius Baltar!

#7 Impala

Impala

    Giganaut

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Geschrieben 21 December 2003 - 11:08

Aha, das wusste ich gar nicht: Walter M. Miller jr. ist der Erfinder der Computermaus

.... Wie meinst Du das?

Liebe Mitleser,

hier die besten Infos, die ich fand.
Bio: http://www.kirjasto.sci.fi/wmiller.htm
Study Guide: http://www.wsu.edu:8...n/canticle.html
Biblio: http://isfdb.tamu.ed...r_M._Miller,_Jr.

Es ist ein bisschen traurig. Zwar ist bekannt, dass unter Schriftstellern überdurchschnittlich häufig die Depression grassiert, aber bei SF-Autoren wusste ich nichts davon, wenn man mal von Dick’s Paranoia absieht. Dieses Jahr musste ich lernen, dass Maureen McHugh und Walter M. Miller, jr. dazuzurechnen sind.

Auch hat Walter M. nichts weiter geschrieben, was auf die To-Do-Liste müsste. Das ist schade, hat aber auch etwas Befriedigendes: einmal mit einem Autor durch zu sein. Allerdings werde ich mir sicher eine Best-of-Sammlung von Short Stories noch mal irgendwann zuführen. Mir ist aufgefallen, dass ich noch eine vierte Story mal vor Jahren gelesen habe („Crucifixus Etiam“), die mich ebenso wie „Dark Benediction“ stark durch seine Idee beeindruckt hat. „LEIBOWITZ“ ist noch um einiges beeindruckender, weil ein ausgefeilter großer Entwurf.

Was ich noch zu FIAT VOLUNTAS TUA sagen wollte:
hat mir wieder sehr gut gefallen. In diesem Teil gibt es noch mal mehrere verschiedenen Textsorten (zusätzlich zu den ersten beiden Teilen) und Walter M. beherrscht sie alle. Er ist einfach gut.

Die Pressekonferenzen sind klasse. Na, woran erinnert das wohl?

Ich hätte es nicht gedacht, aber dass die katholische Kirche sich so lange so gut gehalten hat, finde ich glaubwürdig. Die Argumentationen der Vertreter des Ordens sind ebenfalls glaubwürdig und sympathisch (ich begreife, dass Kirchenleute auch nur eine heterogene Gruppe sind und genügend intelligente und weise Personen unter sich haben). Ich kann auch die Position von Abbot Zerchi zum Freitod absolut nachvollziehen. Für sich genommen ist es ein spannender Aspekt, ich weiß bloß nicht, warum das hier für uns so wichtig ist. Wirkt ein bisschen aufgebläht.

Dass die Mutantin der Hoffnungsstrahl ist, auf den die ganze Zeit gewartet wurde? DAS! ist flexibles Denken. Und im übrigen das Thema von „Dark Benediction“.

Impala, Oculus Poetae Judicis
Julius Gaius Baltar!

#8 Impala

Impala

    Giganaut

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Geschrieben 21 December 2003 - 18:20

Der Roman handelt von einer postapokalyptischen Erde und der Widerstandsfähigkeit des Menschen, der sich von Niedergang zu Niedergang durchhangelt. Die „Hüter der Zivilisation“ (der Leibowitz Orden) müssen im Laufe der Zeit den Stab an die weltliche Fraktion weitergeben. Geschichte wiederholt sich. Durch Geschichte gelangen uns Einsichten und Erleuchtung auf die Natur des Menschen. Atombombe, Größenwahn und Mangel an Demut werden angekreidet, aber gehen tut es um die Bedeutung des menschlichen Daseins. Vielleicht ist die SF doch besonders dazu geeignet, grundlegende Fragen (des Glaubens) zu untersuchen.
Konzept und Schlussfolgerung sind relevant, heute wie damals. Auch frisch, da die Kirche mal zur Abwechslung nicht nur lächerlich gemacht wird, sondern wachstumsfähig ist.

Die Crux liegt für mich am Ende von Kapitel 22:

The answer was near at hand; there was still the serpent whispering: For God doth know that in what day soever you shall eat thereof (die Frucht), your eyes shall be opened: and you shall be as Gods. The old father of lies was clever at telling half-truths: How shall you "know" good and evil, until you shall have sampled a little? Taste and be as Gods. But neither infinite power nor infinite wisdom (Wissenschaft oder Kirche, imho) could bestow godhood upon men. For that there would have to be infinite love as well.

Agent Chip, bitte übernehmen Sie …


Eingang: sehr attraktiv

Konflikt: stark mitreißende emotionale und moralische Konflikte. Tief inspirierend.

Handlung: klar und glaubwürdig. Bewegt sich langsam, aber nie langweilig. Hauptkonflikt am Ende nicht „gelöst“, sondern eher ein „Dreingeben“ ins Mysterium (alles Nötige aber wurde erklärt).

Setting: überzeugende, gut konstruierte Verbildlichung des Settings und der Atmosphäre. Gute Namen.

Charakterisierung: Super. Absolut real. Hauptpersonen haben Sorgen, Zweifel, Ambitionen etc.. Meist sympathische Charaktere. Das Setting wird zu einem großen Teil von den Charakteren getragen.

Dialog: ebenfall sehr gut. Sehr differenzierte Dialoge, den diversen Persönlichkeiten angepasst.

Format: 3-Teilung funktioniert, da Abtei als Konstante bleibt und alte Fäden immer mal wieder aufgegriffen werden. Richtig gut geschrieben. Einfach zu lesen, auch wenn nicht alles verstanden wird, analog den Memorabilia... ;)

Stil: feiner, subtiler, extrem fantastischer, durchgängiger Humor. Dadurch wirkt das Buch nicht ganz so schwarz.

Zielgruppe: 15 – 95

Note: 1


Oculus Poetae Judicis,
Amen

Bearbeitet von Impala, 22 December 2003 - 09:54.

Julius Gaius Baltar!

#9 Joe Chip

Joe Chip

    The Saint

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Geschrieben 21 December 2003 - 22:15

so da bin ich wieder viel waren wir ja ohnehin nicht in diesem lesezirkel - aber ich steh leider voll im weihnachts/+den sonstigen stress hab natürlich eure komentare interessiert gelesen und bin gespannt auf das ende - doch werde ich meinen schlusskomentar erst nach weihnachten abgeben können - garantiert weil - ich hab nämlich wieder mal urlaub und werd die zeit lediglich zum füsse hochlegen und lesen nutzen (vielleicht ein paar kekse :o ) nehme mir für fast drei wochen anständig was mit zum schmökern mit (sachen welche ich schon alllzulange aufschiebe - auch "nicht SF") seit bitte net bös weil ich wieder mal einen zirkel verschlafen habe lg joe ;) PS:das ist mein 500. beitrag in weniger als einem jahr (dh. ein plapermaul bin ich allemal :P )
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#10 Joe Chip

Joe Chip

    The Saint

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Geschrieben 29 December 2003 - 18:14

hi impala - hi rock also mir hat das buch ebenfalls gefallen obwohl ich mir mehr erwatete bin ich im grunde zufrieden miller hat vielleicht ein wenig zuviel gekünstelt um eine geschichte zusammen zu stricken am ende finde ich FIAT LUX am besten der sprung ins atomzeitalter war eventuel zu gross - da hätte noch gut ein abschnitt welcher die industrielle revolution kopiert reingepasst die idee den ganzen roman auf religion und kirche aufzubauen fand ich genial lg joe :D
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