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SF schreiben - aber wie? (4)


40 Antworten in diesem Thema

#1 fictionality

fictionality

    Illuminaut

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Geschrieben 29 May 2013 - 09:49

Lest hier meinen neuen Artikel für (angehende) (SF-)Autoren. Diesmal geht es um verschiedene Schriftstellertypen ...

#2 Valerie J. Long

Valerie J. Long

    Passionaut

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Geschrieben 29 May 2013 - 10:06

Ich glaube, der erste Typ liegt mir näher. Aber es geht nicht um ein Echtzeit-Aufbau-Strategiespiel, sondern um ein Science-Fiction-Rollenspiel. Als Autor bin ich der Spielleiter, der ein wenig mehr über die Hintergründe und Gegenspieler weiß, und ich führe meine Protagonisten durch die Geschichte. Dabei dürfen sie eigene, neue, kreative Lösungen finden und sich weiterentwickeln.
Anders als beim üblichen Rollenspiel darf ich dabei wirklich fies zu meinen Protagonisten sein - Sterben eingeschlossen.

#3 Diboo

Diboo

    Kaisertentakel

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Geschrieben 29 May 2013 - 10:09

Wobei die Einschätzung, dass Typ 1 eher Kurzgeschichten schreibt, m. E. nach irrig ist.

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(13. Erwerbsregel)

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#4 Valerie J. Long

Valerie J. Long

    Passionaut

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Geschrieben 29 May 2013 - 10:15

Wobei die Einschätzung, dass Typ 1 eher Kurzgeschichten schreibt, m. E. nach irrig ist.

Ganz bestimmt! Sonst wäre ich im Traum nie auf 250.000 Worte gekommen... Eingefügtes Bild

#5 methom

methom

    Teetrinkonaut

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Geschrieben 29 May 2013 - 12:00

bei Kurzgeschichten und Gedichten muss(!!!) man originär schreiben.


Nö. Die meisten meiner Geschichten sind komplementär entstanden, um bei dieser Terminologie zu bleiben.

Biom Alpha ist im Sonnensystem angekommen. Jetzt auf eigener Seite und auf Twitter @BiomAlpha


#6 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

    Quadruplenominaut

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Geschrieben 29 May 2013 - 12:15

Da bin ich wohl originär, aber nicht linear. Dazu komplementär in der Vorbereitung.
Will heißen: Bevor ich mit dem Schreiben starte, sind 90% Recherche abgeschlossen
und die Kapitel-Treatments erstellt. Dann schreibe ich den Anfang. Danach den Schluss.
Und dann den Rest. Wobei ich hier je nach Eingebung zwischen den Kapiteln vor und
zurück springe.
Und das betreibe ich so sowohl bei Shorties als auch bei Romanen.
Vielleicht bin ich aber auch nur Typ 3: interdisziplinär! Oder chaotisch.

 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#7 Valerie J. Long

Valerie J. Long

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Geschrieben 29 May 2013 - 12:17

So vielfältig wie die Inhalte sind die Schreibstile. Der Versuch, einen Haufen Individualisten in Schubladen zu zwängen, muss einfach scheitern. Eingefügtes Bild

#8 C. J. Knittel

C. J. Knittel

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Geschrieben 29 May 2013 - 17:32

So vielfältig wie die Inhalte sind die Schreibstile. Der Versuch, einen Haufen Individualisten in Schubladen zu zwängen, muss einfach scheitern. Eingefügtes Bild

Richtig. Ich sehe mich auch eher irgendwo dazwischen, aber mit deutlicher Tendenz zum komplementären Autor.

Folgende Behauptung weise ich aber entschieden zurück:

Eine neue Story ist hier nun keine plötzliche Eruption von Ideen mehr, sondern ein langer Prozess des Formens und Schleifens

Und wo soll die Idee DANN hergekommen sein? Natürlich war es auch eine "plötzliche Eruption". Diese wurde aber nicht sofort verfrühstückt, sonder erst sorgsam ausgearbeitet. Wobei ich das nicht so exzessiv betreibe, wie es in Deinem Artikel rüber kommt.

Darüberhinaus frage ich mich, woher Du weißt, wie wir arbeiten und denken. Wieviele Autoren hast Du für den Atikel befragt?

Bi-lal kaifa
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#9 Diboo

Diboo

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Geschrieben 29 May 2013 - 17:39


Darüberhinaus frage ich mich, woher Du weißt, wie wir arbeiten und denken. Wieviele Autoren hast Du für den Atikel befragt?


Und vor allem: Wie viele Romane hat Herr Klöpping eigentlich schon fertig geschrieben, dass er das so gut weiß? :-)

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#10 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 30 May 2013 - 08:11

Uh-oh! Jetzt geht's ans Eingemachte. Aber die Basis für den - zugegeben interessant geschriebenen Bericht - würde mich schon interessieren. Herr Klöpping, bitte melden!

 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#11 simifilm

simifilm

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Geschrieben 30 May 2013 - 08:46

Hmm, als sehr simple Unterscheidung zweier möglicher Herangehensweisen mag das ja noch angehen, aber ich frage mich auch, inwiefern das tatsächlich das Ergebnis einer Recherche oder einfach eine nicht weiter verifizierte Behauptung ist.

Es liegt auf der Hand, dass spontan entstandene Texte, die frisch aus dem Kopf des Autors zu Papier gebracht werden, oftmals mehr Flair und Esprit versprühen als aufwändig konstruierte, lang recherchierte Satzkonstrukte, die das Lesen unnötig verkomplizieren.


Liegt das wirklich auf der Hand? Ich behaupte jetzt mal, dass das genau so gut anders herum sein kann. Dass es nicht wenige Autoren gibt, bei denen die erste, schnell hin geschriebene Fassung all die genannten Mängel aufweist und dass die — scheinbare — Leichtigkeit das Ergebnis langen Feilens und Schleifens ist (Martin Suter beispielsweise, der ja für seinen sehr eingängigen und süffigen Stil bekannt ist, feilt sehr lange an seinen Texten, weil er gerade komplizierte, schwer zu lesende Sätze vermeiden will. Und es würde mich nicht wundern, wenn Kleist, der Meister des langen Satzes, diese einfach so hingepfeffert hätte.)

Nachtrag: Ich glaube, ich habe weniger Mühe, mit den beiden Autorentypen. Als zwei Pole auf einer Skala, auf der es dann unzählige Zwischenstufen gibt, stimmt das ja funktionieren. Was ich dagegen sehr bezweifle, ist, dass man von der Art und Weise, wie der Autor arbeitet, auf den Charakter des Textes schliessen kann. Dass Autor vom Typus A automatisch zu Texten der Art XY führt. Das leuchtet mir nicht ein und entspricht auch nicht dem, was ich über die Arbeitsweise verschiedener Autoren weiss.

Bearbeitet von simifilm, 30 May 2013 - 09:01.

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Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

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#12 C. J. Knittel

C. J. Knittel

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Geschrieben 30 May 2013 - 08:59

Liegt das wirklich auf der Hand? Ich behaupte jetzt mal, dass das genau so gut anders herum sein kann. Dass es nicht wenige Autoren gibt, bei denen die erste, schnell hin geschriebene Fassung all die genannten Mängel hat und dass die — scheinbare — Leichtigkeit das Ergebnis langen Feilen und Schleifens ist (Martin Suter beispielsweise, der ja für seinen sehr eingängigen und süffigen Stil bekannt ist, feilt sehr lange an seinen Texten, weil er gerade komplizierte, schwer zu lesende Sätze vermeiden will. Und es würde mich nicht wundern, wenn Kleist, der Meister des langen Satzes, diese einfach so hingepfeffert hätte.)

Sehe ich auch so. Ich versuche ebenfalls lange und komplizierte Sätze zu vermeiden. Trotzdem schleichen sie sich ein und werden erst beim x-ten überarbeiten gefunden. Ich halte das Abschleifen hinterher genauso wie das Vorbereiten des Textes für sehr wichtig.

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#13 Diboo

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Geschrieben 30 May 2013 - 09:12

Sehe ich auch so. Ich versuche ebenfalls lange und komplizierte Sätze zu vermeiden. Trotzdem schleichen sie sich ein und werden erst beim x-ten überarbeiten gefunden. Ich halte das Abschleifen hinterher genauso wie das Vorbereiten des Textes für sehr wichtig.


Lange Sätze sind geil, die bleiben :-))

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#14 C. J. Knittel

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Geschrieben 30 May 2013 - 09:25

Man muss vielleicht auch fragen, wann ein Satz als lang gilt und wann noch nicht. Letztlich kommt es auf den Satz an. Verschachtelungen finde ich aber generell ungünstig. Ich habe von folgender Faustregel gehört: Wenn der Leser am Ende des Satzen den Anfang vergessen hat, ist der Satz zu lang.
Eingefügtes Bild

Bearbeitet von C. J. Knittel, 30 May 2013 - 09:26.

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#15 simifilm

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Geschrieben 30 May 2013 - 09:28

Man muss vielleicht auch fragen, wann ein Satz als lang gilt und wann noch nicht. Letztlich kommt es auf den Satz an. Verschachtelungen finde ich aber generell ungünstig. Ich habe von folgender Faustregel gehört: Wenn der Leser am Ende des Satzen den Anfang vergessen hat, ist der Satz zu lang.
Eingefügtes Bild


Länge allein halte ich tatsächlich für kein wichtiges Kriterium. Es gibt Autoren, die sehr lange Sätze schreiben, denen man problemlos folgen kann, und andere, die wiederum mit Kürzestsätzen unglaublich kompliziert schreiben. Und letztlich ist auch die Tatsache, dass ein Text Widerstand bietet und sich nicht einfach süffig runterschlürfen lässt, per se nichts Negatives. Das kann ja durchaus so gewollt sein.

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#16 C. J. Knittel

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Geschrieben 30 May 2013 - 09:47

Natürlich, das ist wieder so ein Balanceakt. Da muss jeder Autor seinen Weg finden.
Sicher gibt es auch Autoren, die lange Sätze besonders gut machen und solche, die selbst kurze versaubeuteln.

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#17 Valerie J. Long

Valerie J. Long

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Geschrieben 30 May 2013 - 09:56

Bei langen Sätzen denke ich immer an Dürrenmatt. Ein Satz=Ein Kapitel. Kunst oder Leserärgernis?

Ich ertappe mich oft bei langen Sätzen. Manche sind gewollt und müssen bleiben, weil der dahinplätschernde oder strömende Rhythmus zur Situation passt.

#18 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 31 May 2013 - 08:44

Womit verdient ein langer Satz seine Existenzberechtigung?
'Fasse dich kurz!'
'Sei prägnant in deinen Aussagen'
Anton Tchechov schrieb seinerzeit: 'Kürze ist die Schwester des Talents.'

Meine langen Sätze - so sie meine eigenen ersten 3-4 Sichtungen überstehen - werden von meiner 1st-Level-Lektorin sofort mit dem Schwert bearbeitet.
Am Ende bleiben leicht verdauliche, kleine Häppchen, die den Lesefluss hoch halten sollen.

Und in diesem Kontext ist auch meine Meinung zu 'Schreiben und Feilen' offensichtlich.

Bearbeitet von Frank Lauenroth, 31 May 2013 - 08:44.

 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#19 simifilm

simifilm

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Geschrieben 31 May 2013 - 08:49

Womit verdient ein langer Satz seine Existenzberechtigung?


Dass er eine andere Art von Fluss und somit ein anderes Leseerlebenis ermöglicht als ein kurzer?

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#20 Diboo

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Geschrieben 31 May 2013 - 09:04


Dass er eine andere Art von Fluss und somit ein anderes Leseerlebenis ermöglicht als ein kurzer?


Korrekt.

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
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#21 Guido Seifert

Guido Seifert

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Geschrieben 31 May 2013 - 10:00

Eine forcierte Satzlänge - sei es nun eine Reihe auffällig kurzer oder langer Sätze - kann durchaus ein Kunstmittel sein (das also einen bestimmten Zweck anstrebt). Man stelle sich vor, Thomas Bernhards Lektor hätte ihm seine Bandwurmsätze in vermeintlich "leserfreundliche" Häppchen zerhacken wollen. Die Lächerlichkeit ist offensichtlich.

#22 fictionality

fictionality

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Geschrieben 31 May 2013 - 11:34

Natürlich beruht der Artikel auf meinen persönlichen Erfahrungen. Ich habe zwar einige Autoren zum Thema befragt, aber trotzdem meine Meinung aufgeschrieben. Das alles soll ja auch keine wissenschaftliche Doktorarbeit sein, sondern ein unterhaltsamer Einblick in den Alltag von Autoren. Und es ist doch auch klar, dass ich über eure Meinungen froh bin, sonst hätte ich den Artikel hier gar nicht zur Diskussion gestellt. Betrachtet es einfach als Anregung zum Meinungsaustausch.

@Dirk: Veröffentlicht habe ich bisher noch keinen Roman, aber zwei habe ich definitiv schon fast fertig geschrieben (einer ging verloren, der andere wird dann demnächst veröffentlicht). Das ist natürlich keine so profunde Erfahrung wie du sie hast, aber immerhin etwas.

PS: Aber in Sachen Kurzgeschichten habe ich bestimmt schon mehr Erfahrung als so mancher andere. So, das musste jetzt auch mal sein ;-)

#23 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 31 May 2013 - 11:37

Ah - Thomas Bernhard - sehr schönes Beispiel.

Aus T.B. - Meine Preise (1.Seite, 1.Satz) :
Zur Verleihung des Grillparzerpreises der Akademie der Wissenschaften in Wien musste ich mir einen Anzug kaufen, denn ich hatte plötzlich zwei Stunden vor dem Festakt eingesehen, dass ich zu dieser zweifellos außerordentlichen Zeremonie nicht in Hose und Pullover erscheinen könne und so hatte ich tatsächlich auf dem sogenannten Graben den Entschluß gefaßt, auf den Kohlmarkt zu gehen und mich entsprechend feierlich einzukleiden, zu diesem Zwecke suchte ich das mir von mehreren Sockeneinkäufen her bestens bekannte Herrengeschäft mit dem bezeichnenden Titel Sir Anthony auf, wenn ich mich recht erinnere, war es Dreiviertelzehn, als ich den Salon des Sir Anthony betrat, die Verleihung des Grillparzerpreises sollte um elf stattfinden, ich hatte also noch eine Menge Zeit.

Ich stimme Guido zu. Liest sich hervorragend.
Jedoch werden hier nur Punkte durch Kommata ersetzt. Insofern Stilmittel. Die Aussagen der Teilsätze stehen allerdings (wenn auch im Verhältnis zu den umgebenden Teilsätzen) in sich isoliert da.
DAS IST vermeintlich leserfreundlich.

Vielleicht sollte ich meine allzu kategorische Aussage zurücknehmen.
Solche Stilmittel erscheinen sowohl im Auge des Autoren wie im Auge des Betrachters ... unterschiedlich. Eingefügtes Bild

Aber ein Beispiel von Diboo würde mich brennend interessieren. Mit Raumschiffen, Aliens und Frauen mit ausladender Oberweite. In einem Satz wohlgemerkt Eingefügtes Bild

 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#24 Diboo

Diboo

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Geschrieben 31 May 2013 - 12:31

Dann war da möglicherweise dieses wohlige Gefühl, das einen noch für einige Momente in der Wärme verharren ließ, aber mit einem bereits so wachen Geist, dass an weiteren Schlaf nicht mehr zu denken war und wenn man Glück hatte, war man aufgewacht, weil sich seine Freundin gerade in Richtung Badezimmer begab, und der erste Anblick aus schläfrigen Augen fiel dann auf die sich langsam entfernenden Pobacken.

("Tentakelblut", Kapitel 1)

Bearbeitet von Diboo, 31 May 2013 - 12:31.

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#25 Naut

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Geschrieben 31 May 2013 - 12:45

Vor "und wenn man Glück hatte" fehlt ein Komma. Kein echter Bandwurmsatz, nur eine Aufzälung dreier Hauptsätze. :)

#26 Valerie J. Long

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Geschrieben 31 May 2013 - 12:59

Ich stimme Guido zu. Liest sich hervorragend.
Jedoch werden hier nur Punkte durch Kommata ersetzt. Insofern Stilmittel. Die Aussagen der Teilsätze stehen allerdings (wenn auch im Verhältnis zu den umgebenden Teilsätzen) in sich isoliert da.


Aus T.B. - Meine Preise (1.Seite, 1.Satz) :
Zur Verleihung des Grillparzerpreises der Akademie der Wissenschaften in Wien musste ich mir einen Anzug kaufen, denn ich hatte plötzlich zwei Stunden vor dem Festakt eingesehen, dass ich zu dieser zweifellos außerordentlichen Zeremonie nicht in Hose und Pullover erscheinen könne und so hatte ich tatsächlich auf dem sogenannten Graben den Entschluß gefaßt, auf den Kohlmarkt zu gehen und mich entsprechend feierlich einzukleiden. Zu diesem Zwecke suchte ich das mir von mehreren Sockeneinkäufen her bestens bekannte Herrengeschäft mit dem bezeichnenden Titel Sir Anthony auf, wenn ich mich recht erinnere, war es Dreiviertelzehn, als ich den Salon des Sir Anthony betrat, die Verleihung des Grillparzerpreises sollte um elf stattfinden, ich hatte also noch eine Menge Zeit.

Ein Punkt an der rot markierten Stelle verändert mE den Lesefluss nicht. Klar ist das als Stilmittel okay. Ich habe es nur mal herausgepickt, weil ich mich bei solchen Folgen selbst sehr genau kontrollieren muss.

#27 Diboo

Diboo

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Geschrieben 31 May 2013 - 13:01

Vor "und wenn man Glück hatte" fehlt ein Komma. Kein echter Bandwurmsatz, nur eine Aufzälung dreier Hauptsätze. Eingefügtes Bild


Aber lang :-)

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
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#28 simifilm

simifilm

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Geschrieben 31 May 2013 - 13:25

Ich stimme Guido zu. Liest sich hervorragend.
Jedoch werden hier nur Punkte durch Kommata ersetzt. Insofern Stilmittel.


Ich verstehe nicht so ganz, was Du hier sagen willst. Dass lange Sätze ein Stilmittel sind oder sein können, ist ja unbestritten. Und die Tatsache, dass man statt einem Komma auch einen Punkt setzen könnte, würde — wenn es denn stimmt — ja nicht gegen lange Sätze sprechen. Es würde doch eher illustrieren, dass Länge an sich noch kein Kriterium für Lesbarkeit ist.

Bearbeitet von simifilm, 31 May 2013 - 13:36.

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#29 Frank Lauenroth

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Geschrieben 31 May 2013 - 13:45

Ich wollte nur anmerken, dass es auch andere Bandwurmsätze gibt, deren Inhalt sich spätestens zur Hälfte verliert, was es je nach dem Erfassen selbigen durch den Leser oder die Leserin zwangsläufig notwendig macht, zum Anfang dieses Satzkonstrukts zurück zu blättern und so gegebenenfalls den Lesefluss zu verlieren oder gar das Interesse an dem Fortgang der Geschichte an sich.

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#30 simifilm

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Geschrieben 31 May 2013 - 13:47

Ich wollte nur anmerken, dass es auch andere Bandwurmsätze gibt, deren Inhalt sich spätestens zur Hälfte verliert, was es je nach dem Erfassen selbigen durch den Leser oder die Leserin zwangsläufig notwendig macht, zum Anfang dieses Satzkonstrukts zurück zu blättern und so gegebenenfalls den Lesefluss zu verlieren oder gar das Interesse an dem Fortgang der Geschichte an sich.


Das wären dann eben schlecht geschriebene Bandwurmsätze (es sei denn, es lag in der Absicht des Autors, dass der Leser immer wieder an den Anfang zurück muss).

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