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Eine Saison der Kurzatmigen – Anmerkungen zur deutschen SF-Story-Szene 2016


191 Antworten in diesem Thema

#31 My.

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Geschrieben 10 October 2017 - 10:55

Du kennst mich doch schon eine Weile, Michael

Oft hört es sich so an, als wollte ich herdenweise Hammelbeine langziehen.

Aber das ist nicht die primäre Motivation.

 

Ich unterstelle Dir, daß Du möglichst gute Bücher produzieren willst. Nach

meinem besten Wissen und Gewissen ist aber bei den Anthologien von 

Sven und Ralf einiges daneben gegangen, und Skora/Hebben/Rößler

haben einfach bessere Arbeit geleistet. So wie auch, nach jedem vernünftigen

Maßstab, Exodus in letzter Zeit aus vielerlei Gründen bessere Arbeit geleistet

hat als Nova (was nicht heißen soll, daß wir den drei Schandbuben René, Olaf 

und Fabian nicht demnächst wieder mächtig Feuer unterm Hintern machen

wollen...) Als Außenstehender, der ich nicht bin, würde sowohl ich p.machinery

wie auch der Nova-Crew empfehlen, ihre Produktionspraxis noch einmal

grundsätzlich zu überdenken. Das sollte und kann besser gehen.

 

Wer mein Urteil für verfehlt hält, hat immer die Möglichkeit, mit sachlichen

Argumenten dagegen zu halten. Er könnte sich auch an erfahrenere und

belesenere Kollegen wie etwa Franz Rottensteiner wenden und schauen,

was die sagen. Nach den Rückmeldungen in den letzten drei Jahren darf

ich für mich aber in Anspruch nehmen, daß ich mich als nicht allzu inkompetent

erwiesen habe.

 

Schöne Grüße

Michael

 

Oh, sorry, ich habe mich ganz sicher missverständlich ausgedrückt, ich wollte dir bzgl. deines Urteils keinesfalls zu nahe treten. Es ist berechtigt - vielleicht nicht ganz so, wie ich es en detail sehen würde, aber insgesamt durchaus (und die vorhandenen Abweichungen unseres Urteils sind vermutlich schlicht natürlich).

Ich vermute, ich muss endlich weg hier aus Bayern. Die Art und Weise, hier miteinander umzugehen, führt offensichtlich - ich erkenne das noch nicht sehr lange, erkenne es aber - zu einer fortschreitenden Verrohung im Umgang.

 

Also, Michael, für mich ist alles gut. (Hähä, und die "Schuldigen" in unserem - deinem und meinem - Sinne sind ja nicht wir <g>.)

 

My.

 

 

P.S.: Wenn man es genau nimmt, war die Anthologie zum MediKonOne ein Beinaheschnellschuss - mit dem entsprechenden Ergebnis. Und ich glaube, in welcher Situation Sven derzeit lebt, ist dir bekannt - keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.


Bearbeitet von My., 10 October 2017 - 10:57.

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#32 My.

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Geschrieben 10 October 2017 - 10:59

Insgesamt kann man allen Herausgebern aber mehr Mut wünschen, halbgare Konstrukte einfach abzulehnen. Vorzugsweise (und das sage ich als Autor) mit (knapper) Begründung.

 

Du solltest nicht mehr Mut wünschen, sondern vorrangig mehr Zeit. Weißt du eigentlich, was sehr häufig passiert, wenn du einem Autor ein Werk begründet (!) ablehnst? Um das zu bewältigen, braucht man nicht Mut, nicht mal Leidensfähigkeit, sondern schlicht und ergreifend: Zeit.

 

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#33 quanat

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Geschrieben 10 October 2017 - 12:03

Aus aktuellem Anlass:

 

"Gute Bücher wird es aber wahrscheinlich trotzdem noch geben, weil ein paar Verlage die Idee, wozu sie da sind, nicht vergessen und während der Zeit, in der eben das ganze sinnlose Zeug stattfindet, sehr sparsam wirtschaften und ganz sorgfältig mit ihren Büchern umgehen, zusammen mit denen, die sie schreiben."

 

Dietmar Dath in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 6.10.2017 ("Wie erkläre ich’s meinem Kind?: Wozu Autoren Verlage brauchen")

 

http://www.faz.net/a...n-15234070.html



#34 Michael Iwoleit

Michael Iwoleit

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Geschrieben 10 October 2017 - 12:55


P.S.: Wenn man es genau nimmt, war die Anthologie zum MediKonOne ein Beinaheschnellschuss - mit dem entsprechenden Ergebnis. Und ich glaube, in welcher Situation Sven derzeit lebt, ist dir bekannt - keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.

 

Vielleicht sollte man einfach nicht zu viel machen. In "Hauptsache gesund" sind einige gute bis annehmbare Stories enthalten.

Hätte man nur die genommen und einige Geschichten mit offensichtlichen Mängeln überarbeiten lassen, wäre ein zwar kürzeres,

aber weit besseres Buch zustande gekommen. In dieser Hinsicht könntest Du Dich in Deiner Kontrollfunktion als Verleger, with all

due respect, noch etwas steigern und entschlossen eingreifen, wenn Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen (dasselbe gilt für

mich als Magazinredakteur). Es muß nicht jede Anthologie auf 400 Druckseiten aufgedröhnt werden. 200 Seiten reichen auch,

und es hätte für neue Leser sogar den Vorteil, daß Du das Buch zwei bis drei Euro günstiger machen könntest.

 

Sven macht gerade was anderes, und er macht es sehr gut. Vielleicht hat er diese Situation einfach mal gebraucht. Die eine

Anthologie kann man verschmerzen. Er hat schon bewiesen, daß er es besser kann, und wird es auch wieder besser machen.

Svenni ist doch noch nicht mal 40. Auf dem Weg in den völligen Wahn sind Du und ich ihm um 15 Jahre voraus. Das macht

schon was aus ;-)



#35 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 10 October 2017 - 13:33

Du solltest nicht mehr Mut wünschen, sondern vorrangig mehr Zeit. Weißt du eigentlich, was sehr häufig passiert, wenn du einem Autor ein Werk begründet (!) ablehnst? Um das zu bewältigen, braucht man nicht Mut, nicht mal Leidensfähigkeit, sondern schlicht und ergreifend: Zeit.

 

My.

Du hast Recht.

Man sollte nicht von sich auf andere schließen. Ich würde vielleicht leise schmollen und mich dann an die Überarbeitung machen. Aber andere sind anders. Das mag sein.

Vergiss das mit der Begründung.  ;)


 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#36 Michael Iwoleit

Michael Iwoleit

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Geschrieben 10 October 2017 - 13:50

Noch etwas Allgemeines zum Nutzen von Kritik:

 

Es hebt den Nutzwert einer Kritik ungemein, wenn man seine Bewertungskriterien oder, wie ich

es mal auf Englisch ausgedrückt habe, seinen "the frame of reference"/"frame of judgement" offenlegt.

 

Darko Suvin sagte in einem persönlichen Gespräch mit Horst Pukallus und mir einmal: Man hat immer eine

Theorie, auf die man Bezug nimmt, selbst wenn man sich dessen nicht bewußt ist. Um der eigenen Theorie

nicht passiv und unreflektiert zu erliegen, ist es deshalb besser, wenn man sie sich bewußt macht.

 

Meinen "frame of reference" lege ich hiermit gern einmal offen (was ich aber eigentlich dauernd mache):

 

1) So gern wir es hätten, ist die SF ist nicht der Nabel der Welt, sondern eine von zahllosen interessanten

kulturellen Facetten in einer großen weiten Welt, mit der das Genre unweigerlich interagiert. Wer SF

beurteilen, darstellen und deuten will, sollte ein einigermaßen solides Wissen insbesondere über Kultur 

in dieser großen weiten Welt mitbringen.

 

2) Als Teil der Literatur sollte die SF versuchen, in erster Linie eines zu sein, nämlich Kunst. Wenn Leute

vor dem Begriff "Kunst" zurückschrecken wie der Teufel vor dem Weihwasser, kann ich das sogar

verstehen. Da hat ein Bildungssystem, das uns primär auf Autoritäten einschwört, statt die eigenen

Gedanken, die sich ein Kind über eine Geschichte, ein Gedicht oder ein Bild macht, ernst und wichtig

zu nehmen, dauerhafte Verheerungen angerichtet. (Respekt vor jedem Lehrer, der in diesem System

noch gute Arbeit leistet.)

 

Das sind meine Maßstäbe. Wer Argumente hat, sie für verkehrt zu halten, kann sie mir gern mitteilen.

Seit der Zeit, als ich, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen, mit Horst Pukallus die deutsche

Übersetzung von "Barefoot in the Head" besprochen habe, sind mir sachliche Argumente aber eher 

selten entgegengebracht worden. Es überwog die schiere Empörung. Nun ja.

 

Wenn nun jemand sagt "SF ist Unterhaltungsliteratur und sollte den Leser in erster Linie unterhalten", 

dann ist das auch ein Maßstab, auch wenn ich ihn nicht teile. Die Schwäche des Unterhaltungs-

Arguments ist in meinen Augen, daß "Unterhaltung" ein schwammiger Begriff ist und für jeden etwas

anderes bedeutet. Umberto Eco hat die Sache mit seiner These vom "Idealleser", meine ich, präziser

gefaßt. Ich glaube, es war in der "Nachschrift zum Namen der Rose", wo er geschrieben hat: "Der

Idealleser von 'Finnegans Wake' ist am Ende des Buches genauso gut unterhalten worden wie der

Idealleser von 'Winnetou', wenn auch auf andere Weise."


Bearbeitet von Michael Iwoleit, 11 October 2017 - 05:58.


#37 Michael Iwoleit

Michael Iwoleit

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Geschrieben 10 October 2017 - 15:38

 
Frank:
> Vorzugsweise (und das sage ich als Autor) mit (knapper) Begründung. 
 
 
Es gibt einen Grund, warum Redakteure das ungern und eher selten machen. Es bringt nämlich nichts. 
Der Redakteur vergeudet in den allermeisten Fällen seine Zeit, eine bessere Story bekommt er deswegen
nicht, und die meisten Autoren sind wie ich: sie wissen sowieso alles besser ;-) Wobei die Regel gilt: je 
unfähiger, desto besserwisserischer. Kompetente Autoren können mit einem Hinweis, wo es an einer 
Story hakt, schon eher was anfangen.

Bearbeitet von Michael Iwoleit, 10 October 2017 - 15:41.


#38 Dyrnberg

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Geschrieben 10 October 2017 - 15:43

Frage eines Laien: Wie kommen denn die meisten Anthologien zustande? Werden die offen ausgeschrieben, oder ladet man intern AutorInnen ein, die man kennt und schätzt? Wenn eine offene Ausschreibung... wie darf man sich denn den Schlüssel vorstellen: Wie viele reichen eine Kurzgeschichte ein - wie viele werden abgelehnt? (Letzteres sind natürlich Interna, die man nicht gerne preis gibt, das würde ich völlig verstehen.)



#39 Frank Lauenroth

Frank Lauenroth

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Geschrieben 10 October 2017 - 16:07

Wie kommen denn die meisten Anthologien zustande? Werden die offen ausgeschrieben, oder ladet man intern AutorInnen ein, die man kennt und schätzt? 

Sowohl als auch.

Nova und Exodus sind zumindest weitestgehend immer auf der Suche nach neuen Talenten. Da darf man Texte einreichen. Eine Vorabanfrage, ob es gerade jetzt gewünscht ist, ist jedoch nie verkehrt.

Der Verlag für moderne Phantastik setzt weitestgehend auf eingeladene Autoren.

Die meisten restlichen Anthos werden ausgeschrieben und jeder darf seine Kunst bzw. sein Glück versuchen. 


 In memoriam Christian Weis & Alfred Kruse  


#40 Naut

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Geschrieben 10 October 2017 - 16:44

Stimmt nicht. Gerade die Anthos, auf die Michael sich bezieht, waren bis auf Mayapunk alle invited, oder?

Und dass Nova immer auf der Suche sei, halte ich auch für arg übertrieben formuliert, eher freuen sich die Herausgeber, wenn sie mal eine seltene Perle im üblichen Seetang ausmachen ...

#41 derbenutzer

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:04

 

 

[...]

 

Umberto Eco hat die Sache mit seiner These vom "Idealleser", meine ich, präziser

gefaßt. Ich glaube, es war in der "Nachschrift zum Namen der Rose", wo er geschrieben hat: "Der

Idealleser von 'Finnegans Wake' ist am Ende des Buches genauso gut unterhalten worden wie der

Idealleser von 'Winnetou', wenn auch auf andere Weise."

Du vermutest vollkommen richtig, was das Zitat angeht.

 

S. 69 in der Ausgabe von dtv, 1986 (Übersetzer Burkhart Kroeber). Die Nennung von "Winnetou" ist allerdings der Übersetzung geschuldet. Im Original lautet der Satz so:

 

"... Il lettore ideale del Finnegans Wake deve alla fine divertirsi quanto il lettore di Carolina Invernizio ..."

 

Carolina Invernizio dürfte tatsächlich so etwas wie eine italienische Karl May-Entsprechung ihrer Zeit gewesen sein.

 

Man verzeihe mir bitte diese Klugscheißerei, aber ich konnte nicht glauben, dass Umberto Ecco Karl May gelesen hat. 

 

LG

 

Jakob


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#42 lapismont

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:20

Und dass Nova immer auf der Suche sei, halte ich auch für arg übertrieben formuliert, eher freuen sich die Herausgeber, wenn sie mal eine seltene Perle im üblichen Seetang ausmachen ...


Ich denke eher, dass das Nova-Team gar keine Ressourcen hat, die von MKI ja auch geforderteten Bearbeitungsschritte durchzuführen.

 

Und zum Thema: Bewertungskatalog: Ich könnte das für mich gar nicht liefern. Ich bin kein Germanist, kein professioneller Literaturkritiker und meine Ansprüche an guter Literatur sind von vielen, auch veränderlichen Dingen abhängig.

Professionelle Literaturkritik, die sich regelmäßig mit deutschsprachiger Phantastik beschäftigt, ist rar. Vielleicht ist das auch etwas, was aus den germanistischen Fakultäten kommen müsste.

 

Wir Finzine-Rezensenten können das kaum liefern.


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#43 Mammut

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:23

Frage eines Laien: Wie kommen denn die meisten Anthologien zustande? Werden die offen ausgeschrieben, oder ladet man intern AutorInnen ein, die man kennt und schätzt? Wenn eine offene Ausschreibung... wie darf man sich denn den Schlüssel vorstellen: Wie viele reichen eine Kurzgeschichte ein - wie viele werden abgelehnt? (Letzteres sind natürlich Interna, die man nicht gerne preis gibt, das würde ich völlig verstehen.)

 

Du schreibst Anthologien. Man sollte aber schon zwischen Einzelanthologien und Periodika unterscheiden. Zu Zwielicht 11 habe ich ungefähr 60 Einsendungen erhalten: http://defms.blogspo...eschichten.html

 

5 Geschichten finden davon ihren Weg in Zwielicht 11.

Für manche Ausgaben habe ich eigene Ausschreibungen gestartet, da ohne Ausschreibungen nur vereinzelt Einsendungen kommen. Ansonsten schreibe ich Autoren die ich kenne immer direkt an, das heißt aber nicht, dass die Geschichte dann unbedingt genommen wird. 

Als Autor finde ich Themenanthologien zwiespältig: Einerseits ist es interessant auf ein vorgegebenes Thema zu schreiben, wenn allerdings das Thema bei mir nicht fruchtet, lasse ich es auch sein. 

Bei den Anthologien ist es so, dass man manchmal eingeladen wird, manchmal gibt es Ausschreibungen. Einladungen haben den Vorteil, dass der Herausgeber einen schätzt, man hat eine reelle Chance, in das Buch aufgenommen zu werden. Bei diesen typischen Ausschreibungen erhält man manchmal gar keine Rückmeldung und erfährt meist aus dem Hinweis zum Buch, dass man es nicht geschafft hat. Dann kann man sich aussuchen, warum es die Geschichte nicht geschafft hat, das finde ich echt unter aller Sau.

Bei Zwielicht erhält jeder Feedback, mal ausführlicher, mal weniger ausführlich. In Zwielicht sind viele Geschichten erschienen, die eine ordentliche Transformation hinter sich haben zwischen Einsendung und Abdruck im Buch und wir haben von vielen Autoren das Feedback, dass sie das dankbar angenommen haben.

Natürlich macht man sich weder mit Absagen noch mit Kritik große Freunde, aber es geht ja nicht darum, Everybodys Darling zu sein.


Galactic Pot Healer - die etwas andere Bar
http://defms.blogspo...pot-healer.html


#44 Michael Iwoleit

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:23

Eigentlich weiß der Bursche, dass er nicht wirklich anonym ist. Seine Postings haben eine unverwechselbare Signatur.

 

Ich stehe wirklich hinter ihm. Das war ernst gemeint. Was ich dabei in der Hand halte, ist natürlich ein

anderes Thema.



#45 Michael Iwoleit

Michael Iwoleit

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:27

Du vermutest vollkommen richtig, was das Zitat angeht.

 

S. 69 in der Ausgabe von dtv, 1986 (Übersetzer Burkhart Kroeber). Die Nennung von "Winnetou" ist allerdings der Übersetzung geschuldet. Im Original lautet der Satz so:

 

"... Il lettore ideale del Finnegans Wake deve alla fine divertirsi quanto il lettore di Carolina Invernizio ..."

 

Carolina Invernizio dürfte tatsächlich so etwas wie eine italienische Karl May-Entsprechung ihrer Zeit gewesen sein.

 

Man verzeihe mir bitte diese Klugscheißerei, aber ich konnte nicht glauben, dass Umberto Ecco Karl May gelesen hat. 

 

Keine Klugscheißerei feststellbar. Ich find's interessant. Hier mußte sich der Übersetzer etwas einfallen

lassen, und Ecos Aussage blieb gewahrt. Obwohl: Umberto Eco war so umfassend gebildet, daß man

ihm auch Kenntnisse Karl Mays zutrauen darf. Kein Dogmatiker, der Mann.



#46 fancy

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Geschrieben 10 October 2017 - 17:48

Interessantes Thema. Ich kann mich MKI nur anschließen, weil auch ich Kritik für wichtig halte.

In der Regel sind es überwiegend die Neulinge, die sich persönlich angegriffen fühlen.

(Ich kann mit "anspruchslos aber wenigstens unterhaltsam' sehr gut klarkommen. Ich will immer unterhalten, aber ab und an auch anspruchsvoll sein.)

Ohne Kritik entwickelt sich niemand weiter. Insofern sollte wir sie alle einfordern, wo wir sie nur kriegen können. Und zwar von Leuten, die auch etwas von der Materie verstehen.

Als Herausgeberin lade ich Autoren nur ein, weil ich mich nicht durch zu viel "Schrott" kämpfen mag. Eingeladene Autoren dann nicht anzunehmen, finde ich schwer, aber wenn es sein muss, kann ich durchaus auch nein sagen.

Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, was MKI zu einigen Bänden sagen wird, die demnächst veröffentlicht werden.

 

fancy


Fang nicht an, Dinge zu tun, tu sie einfach!

Wer wenig denkt, irrt viel (Leonardo da Vinci)
Meinungsverschiedenheiten über ein Kunstwerk beweisen, dass das Werk neu, komplex und lebenswichtig ist. (Oscar Wilde)
Wenn Kritiker uneins sind, befindet sich der Künstler im Einklang mit sich selbst. (Oscar Wilde)

 

www.mluniverse.wordpress.com


#47 Armin

Armin

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Geschrieben 10 October 2017 - 18:20

Michael, vielen Dank für die Arbeit, die du dir gemacht hast. Und natürlich vielen Dank für die lobenden Worte zu Gamer.

 

 

Frage eines Laien: Wie kommen denn die meisten Anthologien zustande? Werden die offen ausgeschrieben, oder ladet man intern AutorInnen ein, die man kennt und schätzt? Wenn eine offene Ausschreibung... wie darf man sich denn den Schlüssel vorstellen: Wie viele reichen eine Kurzgeschichte ein - wie viele werden abgelehnt? (Letzteres sind natürlich Interna, die man nicht gerne preis gibt, das würde ich völlig verstehen.)

 

Wir haben zu Zeiten der Wurdack-SF-Anthologien ein einziges Mal eine öffentliche Ausschreibung gemacht. Das Ergebnis war ein Alptraum. Wir wurden mit Einsendungen überschüttet, ich müsste lügen, wenn ich die genaue Zahl noch weiß, glaube aber, dass es fast 200 Storys waren, durch die wir uns wühlen mussten. Da war sehr, sehr viel Schrott dabei, deshalb haben wir das nie wieder gemacht, sondern später gezielt Autoren eingeladen - immer allerdings mit der Maßgabe, dass mit der Einladung noch keine Garantie verbunden ist, auch abgedruckt zu werden. Gelohnt hat sich das damals unterm Strich irgendwie trotzdem: Denn wir haben durch die Ausschreibung auch viele Leute entdeckt, auf die wir sonst vielleicht nie gestoßen wären. Ob ich mir noch einmal eine vergleichbare Arbeit machen würde? Nein.



#48 Nadine

Nadine

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Geschrieben 10 October 2017 - 19:33

Denn wir haben durch die Ausschreibung auch viele Leute entdeckt, auf die wir sonst vielleicht nie gestoßen wären.

 

Und dafür bin ich euch heute noch dankbar. Die Ausschreibung war mein Ansporn, mitten in der Diplomarbeit intensiv zu recherchieren und zu schreiben.

 

Edit: Im Nachhinein hätte ich mir bei ein oder zwei Geschichten in anderen Publikationen gewünscht, die Herausgeber hätten mich abgelehnt, anstatt etwas zu drucken, mit dem ich selbst eigentlich unzufrieden war.

Als Leser verdrehe ich immer die Augen, wenn ich lese, bei einer Anthologie sei "Für jeden Geschmack etwas dabei". wenn ich eine Anthologie kaufe, dann erwarte ich doch, dass mir die meisten Geschichten zusagen, weil die Herausgeber für eine gewisse Homogenität in Sachen Niveau gesorgt haben. Stattdessen lese/durchblättere ich immer mehr Anthologien, bei denen mir maximal zwei Geschichten einigermaßen zusagen - und ich mich dann aufrege, weil viele Autoren ihr Potential gar nicht nutzen, sondern die Geschichten sich lesen, als wären sie mal eben schnell runtergeschrieben worden.


Bearbeitet von Nadine, 10 October 2017 - 19:37.

Europa ist nicht nur ein Kontinent.

 


#49 Dyrnberg

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Geschrieben 10 October 2017 - 19:36

Sehr interessante Antworten. Vielen Dank.



#50 Michael Iwoleit

Michael Iwoleit

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Geschrieben 11 October 2017 - 06:11


> Und zum Thema: Bewertungskatalog: Ich könnte das für mich gar nicht liefern.
 
Brauchst Du auch nicht. Es ist völlig legitim, wenn ein Privatleser und/oder Amateurrezensent
nach Lust und Laune und Neigung agiert.
 
Wenn allerdings jemand mit einem professionellen Anspruch auftritt, in einer Publikation
veröffentlicht, für die ein Leser (wie im Falle des "Science Fiction Jahrs") einen nicht unbeträchlichen
Betrag latzen muß, ist mehr gefragt als der persönliche Gusto (der natürlich immer ein wenig
mit hineinspielt). Dasselbe gilt für Erzähler, die erwarten/erhoffen, daß Leute Geld für Ihre 
Bücher ausgeben. Da kann man sich nicht mehr auf eine lässige Haltung zurückziehen,
wie ich sie mal von einem (inzwischen verstummten) Autor zu hören bekommen habe:
"Ich war noch nie ein großer Grammatik-Held..."
 
Tja, Herr Dichter, das sieht man... 


#51 lapismont

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Geschrieben 11 October 2017 - 06:30

oh, verdammt, ich konnte zwei Rezis im SF-Jahr unterbringen, kauft es bitte trotzdem!


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#52 simifilm

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Geschrieben 11 October 2017 - 07:44

Und zum Thema: Bewertungskatalog: Ich könnte das für mich gar nicht liefern. Ich bin kein Germanist, kein professioneller Literaturkritiker und meine Ansprüche an guter Literatur sind von vielen, auch veränderlichen Dingen abhängig.


Ich weiss spontan nicht, ob resp. welche deiner Rezensionen ich gelesen habe, aber ich behaupte, dass jede gelungene Rezension zumindest implizit immer auch die Kriterien mitliefert. Ich schreibe seit Jahren professionell über Film – als Rezensent und als Wissenschaftler –, dennoch hätte ich Mühe, auf die Schnelle eine Liste von Kriterien zusammenzustellen, die für mich relevant sind. Ich bemühe mich aber auf jeden Fall, Kritiken so zu schreiben, dass einem Leser klar werden sollte, an was ich einen Film messe. Darin besteht in meinen Augen auch der Unterschied zwischen einer guten und amateurhaften Kritik.

 

Ich lese online immer wieder Rezensionen, die im Grunde auf "Ich will gar nicht viel dazu sagen, ist einfach toll, lest es" hinauslaufen. Das nützt mir aber gar nichts. Wenn mir ein Bekannter, der meinen Geschmack einigermassen kennt, etwas so empfiehlt, ist das was anderes. Bei Online-Rezensent xy fehlt mir aber das Referenzystem. Eine gelungene Rezension sollte dieses zumindest implizit mitliefern. Ich würde eigentlich noch weitergehen und sagen, dass bei wirklich guter Kritik das Werturteil sekundär ist (was nicht heisst, dass kein Urteil erkennbar sein sollte) und ich als Leser vom Text profitieren sollte, selbst wenn mich der Film überhaupt nicht interessiert. Aber diesen Anspruch erfüllt wohl nur eine kleine Minderheit.


Signatures sagen nie die Wahrheit.

Filmkritiken und anderes gibt es auf simifilm.ch.

Gedanken rund um Utopie und Film gibt's auf utopia2016.ch.

Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

zfs40cover_klein.jpg ZFS16_Coverkleiner.jpg

  • (Buch) gerade am lesen:Samuel Butler: «Erewhon»
  • (Buch) als nächstes geplant:Samuel Butler: «Erewhon Revisited»
  • • (Film) gerade gesehen: «Suicide Squad»
  • • (Film) Neuerwerbung: Filme schaut man im Kino!

#53 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 11 October 2017 - 08:31

Eine aktuelle Beobachtung: Michael hat ja aus "Gamer" ganz besonders Franks Geschichte hervorgehoben. Zufälligerweise erschien vor kurzem ebenfalls eine Rezension zu der Anthologie in "Return", einer Gamer-Zeitschrift. Der Rezensent nannte Franks Geschichte meiner Erinnerung nach die schlechteste im ganzen Band. Sehr gelobt wurden hingegen beispielsweise Thorsten Küpers und Andreas Winterers Geschichten, der DSFP-Sieger (Michaels Geschichte) wurde gar nicht weiter erwähnt. Dieses Beispiel zeigt, wie stark Bewertungsmaßstäbe vom Hintergrund des Lesers abhängen - Literat hier, Gamer dort. In diesem besonderen Fall sind ja tatsächlich beide auch Zielgruppe.


Bearbeitet von Uwe Post, 11 October 2017 - 08:39.

FÜR IMMER 8 BIT!  |||  uwepost.de ||| deutsche-science-fiction.de


#54 Amtranik

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:19

Tja Uwe da hast Du eine Bermerkung gemacht die ich auch anbringen wollte halb vorweggenommen. Ich weiß ja nicht genau wie viele der hier postenden eigentlich selber schreiben oder zumindest halbprofessionell sind, gehe aber mal davon aus das die reinen "Fans" oder "Nur Leser" wie ich es bin unter 10% liegen.

 

Mir fällt hier etwas auf das im Bereich der Politik als "Blase" bezeichnet wird. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ok, einer der letzten Einwürfe von MKI der so ungefähr lautet es sei ja legitim wenn man SF vor allem unter Aspekten der Unterhaltung bewertet, es sei aber nicht seins ist dann letztlich noch das versöhnlichste erklärt wohl auch vieles.

 

Ich kann nur sagen das mir persönlich und auch vielen die ich kenne, darunter nicht nur Leser sondern tatsächlich auch welche die selber Autoren sind, die Story Kaleidoskop gar nicht gefallen haben. Als ich die Lobpreisung dieser Story von MKI im verlinkten Text las war ich ziemlich überrascht. Jedenfalls im ersten Moment. Wenn man Werke stark oder ausschliesslich aus der Warte "Kunst" wie MKI das weiter oben ausführt betrachtet, dann mag man zu solch einer beurteilung kommen können, fällt mir zwar schwer aber ich kann es dann letztlich doch noch irgendwie nachvollziehn/akzeptieren. Ich wage aber mal die steile These das es so von 100 Lesern vielleicht 2 ergeht. 98 wollen in erster Linie kein Kunstwerk, sondern gute Unterhaltung die auch Sinn ergibt. Das war schon so als die allerersten Geschichten an den Lagerfeuern der Steinzeit zum besten gegeben wurden. Die Autoren im übrigen die den Text eher ablehnen sagen nicht ganz zu unrecht daß das was der Hebben da macht ja eigentlich gar nix so Neues und  Phänomenales ist, sondern das Autoren, vor allem Britische aber auch andere das schon in den 60igern so und ähnlich versucht haben.

 

So fällt es mir auch ausgesprochen schwer den letzten Absatz von MKI unwidersprochen stehen zu lassen in dem er tatsächlich behauptet Kruschel und Hebben lieferten sich ein Duell um die Krone des besten Deutschen SF- Autors. Really? Nichts gegen Karsten Kruschel, er schreibt solide bis gute Romane in regelmäßigen Abständen bei einem Kleinverlag. Leider nicht jedes Jahr und leider immer nur aus ein und dem gleichen Universum seit Jahren. Ist das wirklich die Spitze der Deutschen SF? Frank Hebben, ja, zugegeben er ist ein wirklich toller Stillist, er hat vor ?? 10 Jahren? eine herausragende SF-Anthologie bei Wurdack vorgelegt mit Namen "Prothesengötter". Aber was ist seither von ihm gekommen? Ich würde sogar schwer in abrede stellen das er seither überhaupt viel SF geschrieben hat. Wie kann man so jemanden der erstens nicht mal einen Roman geschrieben hat noch überhaupt mehr als eine handvoll KG und eine Novelle als Speerspitze der Deuschen SF hochloben? Erschliesst sich mir nicht. Da könnte ich ja noch eher mit dem Namen Dietmar Dath leben, der wirklich sehr produktiv ist und darüber hinaus unbestritten SF schreibt. Er wäre nicht meine Wahl aber es wäre für mich nachvollziehbar. So wie ich Lapismonts faible für ihn akzeptieren kann ohne den selbst toll zu finden. Aber Kruschel und vor allem Hebben finde ich einigermaßen strange. Andererseits kein neues Phänomen bei MKI. Vor einigen Jahen war es noch Markus Hammerschmitt der für ihn der beste war. Ebenfalls ein Stilist vor dem Herrn, der aber immerhin schon eine ganze latte mehr oder weniger unbeachteter Romane vorgelegt hat.  Was macht er heute ausser hier und da eine KG bei einer Anthologie beizusteuern? Schreibt er noch an Romanen? Mir nicht bekannt.



#55 Naut

Naut

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:28

Am, wie Michael schon erklärte, geht es ja gar nicht so sehr um das "wer", sondern um das "warum".
Michael macht in seiner Kritik einigermaßen transparent, warum er Hebbens Geschichte für die beste hält, genauso begründet er seine sonstigen Favoriten und Ablehnungen. Das ist, wie man es machen sollte.

Analog stell Dir eine Rezension über Waschmaschinen bei Amazon vor: Einer schreibt: "Diese WM ist die beste! Fünf Sterne!", der andere schreibt: "Diese WM ist die beste, weil ich sie mit dem Handy steuern kann. Okay, wäscht nicht immer ganz sauber, aber das ist mir egal. 5 Sterne."

Beide Bewertungen würdest Du nicht teilen, sicher, aber welche ist nützlicher? See? ;)

#56 simifilm

simifilm

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:31

Analog stell Dir eine Rezension über Waschmaschinen bei Amazon vor: Einer schreibt: "Diese WM ist die beste! Fünf Sterne!", der andere schreibt: "Diese WM ist die beste, weil ich sie mit dem Handy steuern kann. Okay, wäscht nicht immer ganz sauber, aber das ist mir egal. 5 Sterne."

Beide Bewertungen würdest Du nicht teilen, sicher, aber welche ist nützlicher? See? ;)

Das erinnert mich an den Kauf meines letzten Fernsehers. Da war auf eine Amazon Kritik mit zwei Sternen oder so, und im Text hiess es dann: "Mistgerät. Gutes Bild, aber die Online-Funktionen sind Schrott." Das war für mich eine Kaufempfehlung.

 

In diesem Sinne: Volle Zustimmung.


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Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

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  • (Buch) gerade am lesen:Samuel Butler: «Erewhon»
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#57 Amtranik

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:46

Am, wie Michael schon erklärte, geht es ja gar nicht so sehr um das "wer", sondern um das "warum".
Michael macht in seiner Kritik einigermaßen transparent, warum er Hebbens Geschichte für die beste hält, genauso begründet er seine sonstigen Favoriten und Ablehnungen. Das ist, wie man es machen sollte.

Analog stell Dir eine Rezension über Waschmaschinen bei Amazon vor: Einer schreibt: "Diese WM ist die beste! Fünf Sterne!", der andere schreibt: "Diese WM ist die beste, weil ich sie mit dem Handy steuern kann. Okay, wäscht nicht immer ganz sauber, aber das ist mir egal. 5 Sterne."

Beide Bewertungen würdest Du nicht teilen, sicher, aber welche ist nützlicher? See? ;)

 

Ähm. Ja und? Hab ich ja nirgendwo in Abrede gestellt Ich führe ja selber aus das er offensichtlich aus einem bestimmten Blinkwinkel beurteilt den er selber angibt ( Kunst first!).

Viel interessanter wäre aber doch ob Du nachvollziehn kannst wenn ich meine das bestimmte Leutchen meiner Wahrnehmung nach in einer Filterblase sitzen. Das fängt ja im übrigen schon damit an das der KG hier in diesem Forum eine vielfach überproportionale Aufmerksamkeit zu teil wird, gemesssen an Ihrer tatsächlichen Bedeutung. Und zwar hauptsächlich deshalb weil Leuts , die selber KG schreiben oder Sie herausgeben wollen das immer wieder künstlich befeuern, woraufhin immer wieder die gleichen paar Leuts sich selbst befruchtend im Kreise drehn.


Bearbeitet von Amtranik, 11 October 2017 - 10:47.


#58 Pogopuschel

Pogopuschel

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:50

oh, verdammt, ich konnte zwei Rezis im SF-Jahr unterbringen, kauft es bitte trotzdem!

 

Aber du unterscheidest doch sogar besonders zwischen einer mehr subjektiven Rezension und einer objektiven, indem du die Rezi auf dem Fantasyguide noch mit einem persönlicher gefärbten Text auf deinem Blog ergänzt.



#59 simifilm

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:52

Ähm. Ja und? Hab ich ja nirgendwo in Abrede gestellt Ich führe ja selber aus das er offensichtlich aus einem bestimmten Blinkwinkel beurteilt den er selber angibt ( Kunst first!).

Viel interessanter wäre aber doch ob Du nachvollziehn kannst wenn ich meine das bestimmte Leutchen meiner Wahrnehmung nach in einer Filterblase sitzen. 

 

Heute muss irgendwie alles eine Blase sein …

 

Michael legt dar, dass er von gewissen Kriterien ausgeht. Das kann man Blase nennen oder elitär oder sonst irgend etwas, aber letztlich läuft es darauf hinaus, dass du anscheinend von anderen Kriterien ausgehst als er. Solange ihr euch beide nur für die Kriterien interessiert, die euch jeweils relevant erscheinen,  kann man dazu nicht viel mehr sagen.


Bearbeitet von simifilm, 11 October 2017 - 10:53.

Signatures sagen nie die Wahrheit.

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Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

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  • (Buch) gerade am lesen:Samuel Butler: «Erewhon»
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#60 Naut

Naut

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Geschrieben 11 October 2017 - 10:59

Ähm. Ja und? Hab ich ja nirgendwo in Abrede gestellt Ich führe ja selber aus das er offensichtlich aus einem bestimmten Blinkwinkel beurteilt den er selber angibt ( Kunst first!).
Viel interessanter wäre aber doch ob Du nachvollziehn kannst wenn ich meine das bestimmte Leutchen meiner Wahrnehmung nach in einer Filterblase sitzen. Das fängt ja im übrigen schon damit an das der KG hier in diesem Forum eine vielfach überproportionale Aufmerksamkeit zu teil wird, gemesssen an Ihrer tatsächlichen Bedeutung. Und zwar hauptsächlich deshalb weil Leuts , die selber KG schreiben oder Sie herausgeben wollen das immer wieder künstlich befeuern, woraufhin immer wieder die gleichen paar Leuts sich selbst befruchtend im Kreise drehn.

Natürlich weiß ich, was Du meinst. Bestes Beispiel ist ja auch die aktuelle Bladerunner-Fortsetzung, die im Netz (und in der Kritik) gehypt wird, aber vermutlich kommerziell ähnlich ausgeht, wie das Original, eben weil die Normalkinogänger - anders als die Bladerunner-Filterblasenbewohner - sich nicht sonderlich für den Film interessieren.

Aber das eine wie das andere ist ja kein Kriterium zur Bewertung. Filterblasen sind gut und notwendig, anders könnte niemand mit den Herausforderungen des Lebens umgehen. Wichtig ist nur, sich dieser Filter bewusst zu sein - und Michael weiß darum, das schreibt er ja. Also alles gut.

Zusammengefasst: Jeder sollte Werke der Kunst nach seinen Maßstäben auswählen und bewerten dürfen, wenn er aber darüber kommuniziert, ist es wichtig, diese Maßstäbe mit zu kommunizieren - sonst gibt es Missverständnisse.

Zu den restlichen Punkten: Dass die Kurzgeschichte, insbesondere die SF-Kurzgeschichte in D-Land tot ist, wurde (nicht nur in diesem Thread) mehrfach erwähnt, das weiß fast jeder.



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