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Interview mit Jens Lubbadeh ("Neanderthal")


37 Antworten in diesem Thema

#1 Uwe Post

Uwe Post

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Geschrieben 18 March 2018 - 15:23

Axel Kruse hat den Autor des Science Thrillers "Neanderthal" ausführlich interviewt.

 

Dort findet ihr das ganze Interview und hier ist Platz, um ggf. darüber zu diskutieren.


Bearbeitet von Uwe Post, 20 March 2018 - 09:36.

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#2 Amtranik

Amtranik

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Geschrieben 18 March 2018 - 16:44

Vielen Dank für das Interview. Die Aussagen von Jens zu seiner etwas veränderten Herangehensweise zwischen "Unsterblich" und "Neanderthal" bezüglich des Plots und sein stärkeres Augenmerk auf die Charaktere in Neanderthal habe ich ganz genau so bei der Lektüre empfunden. Meiner Meinung nach, das hatte ich ja auch schon in meiner üblichen Kurzrezension im "Ich lese gerade" thread geschrieben ist zwischen Roman 1 und 2 eine deutliche Weiterentwicklung als Autor bemerkbar. Ideen scheinen bei ihm ja nicht das Problem zu sein, wie er auch im Interview bestätigt. Nachdem für mich "Unsterblich" so ein bißchen aus dem Nichts kam und ich mich fragte, wieso gerade dieser Autor jetzt bei Heyne so groß beworben wird und ich das nicht unbedingt im Roman bestätigt sah, denn auch andere schreiben gute Geschichten, fristen aber eher ein Schattendasein in Klein und Kleinstverlagen ist nach "Neanderthal" bei mir durchaus eine gewissen Erwartungshaltung und Neugierde da was da noch alles aus seiner Feder kommen wird. Ich freue mich jedenfalls schon darauf.


Bearbeitet von Amtranik, 18 March 2018 - 16:45.


#3 schilling

schilling

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Geschrieben 19 March 2018 - 23:26

Schönes Interview. Ich hatte JL gar nicht so auf dem Schirm, obwohl ich den Namen kenne. Er hat ein paar interessante Dinge zu sagen, aber ich werde bei so Sachen wie 'SF wird in Deutschland nicht akzeptiert' immer skeptisch. Deutsche SF hat sich meiner Meinung nach nie von ihren Wurzeln in der Heftromankultur emanzipiert, und mit der wird sie nach wie vor assoziiert. Im englischsprachigen Raum wird SF als Teil der 'hochwertigen' Literatur begriffen, weil es eben auch viele Autoren gibt, die 1. etwas zu sagen haben, und 2. das auch mit Stil können. Gäbe es einen deutschen Dick, oder Vance oder meinetwegen McDevitt, müsste man auch nicht immer Fäuste gen Himmel schütteln.



#4 Ender

Ender

    Illuminaut

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Geschrieben 20 March 2018 - 11:04

[...] Deutsche SF hat sich meiner Meinung nach nie von ihren Wurzeln in der Heftromankultur emanzipiert, und mit der wird sie nach wie vor assoziiert. Im englischsprachigen Raum wird SF als Teil der 'hochwertigen' Literatur begriffen, weil es eben auch viele Autoren gibt, die 1. etwas zu sagen haben, und 2. das auch mit Stil können. Gäbe es einen deutschen Dick, oder Vance oder meinetwegen McDevitt, müsste man auch nicht immer Fäuste gen Himmel schütteln.

Mit dieser Analyse unterstützt du aber doch genau die "SF wird in Deutschland nicht akzeptiert" - Aussage, die du im Satz zuvor noch kritisiert hast.
Du stimmst Jens Lubbadeh also zu und wirst trotzdem dadurch skeptisch. Klingt für mich nach einem Widerspruch.


Bearbeitet von Ender, 20 March 2018 - 11:10.


#5 Selma die Sterbliche

Selma die Sterbliche

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Geschrieben 20 March 2018 - 17:50

@ schilling: Da verwechselst du SF wohl mit Perry Rhodan ... Nach deinem Post scheinst du die Sichtweise ja zu teilen. Selbstverständlich gibt es seit langem deutsche SF-Autoren, die etwas zu sagen haben und das auch mit Stil können. Ich nenne jetzt mal "aus dem Ärmel" Gisbert Haefs, Wolfgang Eschbach und natürlich Jott Fuchs  :ValsWeizen:


Bearbeitet von Selma die Sterbliche, 20 March 2018 - 17:51.

~~~ mich haut nur Rum wirklich um ~~~

 

jottfuchs.de

 

 


#6 schilling

schilling

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Geschrieben 20 March 2018 - 21:05

Mein Eindruck ist, dass solche Aussagen gerne von Autoren getätigt werden, die sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Bücher wünschen, was ja auch verständlich ist. Nur manchmal, ganz allgemein gesagt, mangelt es eben an sehr elementaren Dingen, und da darf man sich auch nicht beschweren oder die Schuld nur bei anderen suchen ;)

Ja, ich weiß, das klingt jetzt arrogant und herablassend - aber eigentlich finde ich es mehr schade als ärgerlich, wenn auf SF Büchern (auch von Autoren, die was zu sagen haben) Raumschiff-vor-Planet-Bilder prangen und innen fleißig Phrasen gedroschen und Stilblüten präsentiert werden, die Dialoge holprig sind usw. Unter solchen Vorraussetzungen kann SF ja auch nur wenig Breitenwirkung erfahren. Natürlich liegt das nicht alles allein an den Autoren, Verlage und Lektoren tragen da auch Verantwortung.

 

 

 

 und natürlich Jott Fuchs  :ValsWeizen:

 

:)



#7 Jens Lubbadeh

Jens Lubbadeh

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Geschrieben 21 March 2018 - 11:36

Mein Eindruck ist, dass solche Aussagen gerne von Autoren getätigt werden, die sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Bücher wünschen, was ja auch verständlich ist. Nur manchmal, ganz allgemein gesagt, mangelt es eben an sehr elementaren Dingen, und da darf man sich auch nicht beschweren oder die Schuld nur bei anderen suchen ;)

Ja, ich weiß, das klingt jetzt arrogant und herablassend - aber eigentlich finde ich es mehr schade als ärgerlich, wenn auf SF Büchern (auch von Autoren, die was zu sagen haben) Raumschiff-vor-Planet-Bilder prangen und innen fleißig Phrasen gedroschen und Stilblüten präsentiert werden, die Dialoge holprig sind usw. Unter solchen Vorraussetzungen kann SF ja auch nur wenig Breitenwirkung erfahren. Natürlich liegt das nicht alles allein an den Autoren, Verlage und Lektoren tragen da auch Verantwortung.

 

 

 

 

:)

 

 

Ich wollte weder Aufmerksamkeit auf mein Buch lenken noch die Schuld für irgendetwas suchen. Ich habe einfach nur Axels Frage beantwortet. Ich empfehle diesen Film zum Thema, da kann man es mal von Volker Weidermann persönlich hören:

https://florian-jung...eister-scheiden

 

Ob Scifi-Literatur durchgehend qualitativ schlechter ist als andere Literaturgattungen, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Schrott und Qualität gibt's überall, wie ich schon im Interview sagte. Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass  von Autoren aber auch Lesern mehr Augenmerk auf Worldbuilding und technische Details gelegt werden denn auf schreiberische Qualität. Ob diese Priorisierung, die ich nicht belegen kann, dann zu schlechterer literarischer Qualität im gesamten Genre führt, bleibt ebenfalls zu belegen. 



#8 Amtranik

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Geschrieben 21 March 2018 - 12:27

Danke für den Link zum Film. Hat mir gut gefallen.



#9 schilling

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Geschrieben 21 March 2018 - 23:03

Ich wollte weder Aufmerksamkeit auf mein Buch lenken noch die Schuld für irgendetwas suchen. Ich habe einfach nur Axels Frage beantwortet. Ich empfehle diesen Film zum Thema, da kann man es mal von Volker Weidermann persönlich hören:

https://florian-jung...eister-scheiden

 

Ob Scifi-Literatur durchgehend qualitativ schlechter ist als andere Literaturgattungen, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Schrott und Qualität gibt's überall, wie ich schon im Interview sagte. Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass  von Autoren aber auch Lesern mehr Augenmerk auf Worldbuilding und technische Details gelegt werden denn auf schreiberische Qualität. Ob diese Priorisierung, die ich nicht belegen kann, dann zu schlechterer literarischer Qualität im gesamten Genre führt, bleibt ebenfalls zu belegen. 

 

Ich wollte dich oder dein Buch jedenfalls überhaupt nicht angreifen - falls der Eindruck entstanden ist, tut mir das Leid. Es passte eben gerade so gut, etwas zu dieser Art Statements zu sagen (ohne mit dem Finger auf irgendjemanden zeigen zu wollen), die ja immer wieder auftauchen.

Ich glaube auch, dass vieles in der 'Hochliteratur' überbewertet ist und dass es klarerweise überall Schrott gibt - aber ich wage zu behaupten, dass man nirgendwo sonst als in der Phantastik oftmals geradezu stolz darauf ist. Der Film zeigt ja auch diese Autorenmentalität: 'Ich möchte unterhalten, alles andere ist mir egal.' oder 'Ich will auch gar nicht Mainstream sein.' Und das wird dann mit höchst merkwürdigen Statements begründet: Steinbeck ist Eskapismus, Bibel ist Fantasy (was gerade auch von dersoziologischen Warte aus totaler Quatsch ist) usw. Hat natürlich auch seine Berechtigung, dieser Anspruch auf pure Unterhaltung, aber man muss sich da im Klaren darüber sein, dass man so nicht zum Literarischen Quartett kommt, ja, und dass man als Autor in dem Falle selber schuld ist und nicht die Kritiker oder amerikanische Schriftsteller oä.

 

Ein wenig kann ich Weidermann auch verstehen, mit seiner Antwort: "Kenn icht nicht, sind die gut?" Kai Meyer zB kannte ich auch nicht bis zu seiner SF-Veröffentlichung, obwohl der Dutzende Bücher geschrieben hat und ich sehr viel Phantastik lese. Tja, jeder hat so seine Scheuklappen und irgendwann wird der schlechte Ruf von SF/F auch zum Selbstläufer.

 

Bei Ideen und kritischen Gedanken sehe ich auch gerade SF als das passende Genre par excellence, aber wie gesagt finde ich es schade, dass so selten auch auf die Form geachtet wird. Ich habe in den letzten Jahren recht viele deutsche Kurzgeschichten gelesen (die einschlägigen Anthologien; c't habe ich im Abo), und da fällt mir schon auf (vielleicht bin ich da auch zu kleinlich), dass viel mit den immergleichen (lieb- und einfallslosen) Phrasen, Motiven, Metaphern gearbeitet wird, und das findet man nicht bei, sagen wir mal, Kehlmann.

 

 



#10 Ender

Ender

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Geschrieben 22 March 2018 - 09:29

Bibel ist Fantasy (was gerade auch von dersoziologischen Warte aus totaler Quatsch ist)

- Menschen werden aus Erde erschaffen und teilweise fast 1000 Jahre alt. Krankheiten werden durch Handauflegen geheilt. Es herrscht tagelange Finsternis -> SF
- Tote erstehen wieder auf oder werden zum Leben erweckt. Eine gesamte Generation Erstgebohrener stirbt -> Horror
- Wasser wird in Wein verwandelt. Es gibt sprechende Schlangen -> Fantasy
... also ich wüsste kein Werk, das noch mehr Phantastikelemente in sich vereinigt.
Aber gut, das ist ein anderes Thema.

 

[...] dass es klarerweise überall Schrott gibt - aber ich wage zu behaupten, dass man nirgendwo sonst als in der Phantastik oftmals geradezu stolz darauf ist.

Ich wage zu widersprechen. "Ich möchte nur unterhalten" ist ein Ansatz, der unter Autoren von z.B. Krimis, Historischen Romanen oder sämtlichen anderen Richtungen ganz genauso verbreitet ist. Und ebenso wie in der Phantastik gibt es immer einen gewissen Prozentsatz, der darüber hinaus auch literarische Ansprüche erfüllt. Dass dieser Prozentsatz in der SF signifikant niedriger sein soll, kann ich nicht erkennen.
 

Bei [...] SF [...] finde ich es schade, dass so selten auch auf die Form geachtet wird.

Auch hier: Findest du, dass das bei - beispielsweise - Psychothrillern anders ist? Bewertest du die SF hier tatsächlich anders als irgendein anderes Genre?


Insgesamt argumentierst du genau so, wie es die "SF ist keine ernstzunehmende Literatur"- Fraktion tut.
Als du eingangs sagtest:

[...] aber ich werde bei so Sachen wie "SF wird in Deutschland nicht akzeptiert" immer skeptisch.

meintest du da also "Ich kann das Gejammer über dieses angebliche Vorurteil nicht mehr hören" oder "Ich kann das Gejammer über diese doch so offensichtliche Tatsache nicht mehr hören"?


Bearbeitet von Ender, 22 March 2018 - 09:31.


#11 Uwe Post

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Geschrieben 22 March 2018 - 09:43

 

 

dass man nirgendwo sonst als in der Phantastik oftmals geradezu stolz darauf ist.

Ist mir zu weit gegriffen, dürfte schwer beweisbar sein.

 

 

Es gibt nun einmal unterschiedliche Zielgruppen. Sie unterscheiden sich nach bevorzugten Genres, Themen, aber auch Ansprüchen. Auf der anderen Seite sind die Verlage oder Herausgeber, die versuchen, ihre Zielgruppe mit dem zu versorgen, was sie sich wünscht. Deshalb wirst Du beispielsweise in der c't eher selten sehr anspruchsvolle Kurzgeschichten finden. Ich weiß nicht, wie es der neue Story-Redakteur Peter Schmitz hält, aber Bernd Behr hat immer gesagt: Die c't-Leser wollen sich am Ende einer technisch anspruchsvollen Lektüre bei einer Story entspannen. Ich hab's immerhin einmal geschafft, voll hochliterarische Querverweise zu Goethes Iphigenie in eine Story zu schummeln. Feedback (sinngemäß): "Ja, die Story war echt lustig!" (War sie auch. Was ich damit sagen will: Kein Mensch hat auch nur den Eindruck erweckt, dass ihm der Verweis aufgefallen wäre.) Du kannst ja mal eine hochliterarische SF-Story einreichen, und wir schauen, was passiert  :bighlaugh:


Bearbeitet von Uwe Post, 22 March 2018 - 09:58.

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#12 Amtranik

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Geschrieben 22 March 2018 - 11:41

Ich frag mal ganz ketzerisch. Wer hier im Forum hat sich denn schon mal mit den Büchern die im literarischen Quartett besprochen werden beschäftigt? Interessiert es die Leute hier eigentlich überhaupt? Liegt wirklich ein Interesse vor das Bücher die wir hier lesen und Besprechen, von mir aus auch Werke die vermutlich als etwas "anspruchsvoller" gelten wie vielleicht Annhilition oder auch eines des Sprachakrobaten Dath, dort im Literarischen Quartett besprochen werden? Fehlt da eventuell das Selbstbewußtsein? Mir ist nicht wichtig was eine Elke Heidenreich oder wer da sonst noch so sitzt von Fantasybüchern hält. Wenn der eine Typ noch nie was von Kai Meyer gehört hat so nehme ich mal stark an, das wir hier von den meisten der dort besprochenen Autoren auch noch nix gehört haben. Aber was sagt das aus? Wie wir aus dem Film den Jens verlinkt hat lernen hat sich die Deutsche Literatur Szene da im Gegensatz zu den anderen Weltweit seit jeher selbst limitiert. Und so muss man sich auch bewußt machen das diese Sendungen kaum Einschaltquote haben. Zu recht!  Die laufen dann wenn "normal" Arbeitenden Menschen schon schlafen. Ich wette, da haben so manche Fan Youtube Projekte im Phantastischen Bereich, seien es Film oder Buchbesprechungen eine größere Zuschauerschar. Das herkömmliche Fernsehn ist sowieso ein Auslaufmodell. Die im öffentlich-rechtlichen Bereich tätigen seien es Journalisten, Moderatoren oder Kulturschaffende werden sich auch noch umschaun in Zukunft. Hier scheint für mich so ein bißchen ein falsches Bild durch von David gegen Goliath wobei fälschlicherweise angenommen wird diese Literatensendung sei der Goliath. Es ist genau anders herum.



#13 Armin

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Geschrieben 22 March 2018 - 12:38

Erstaunlich: Laut Wikipedia-Eintrag 700.000 bis 1,5 Millionen Zuschauer.

In den letzten Sendungen wurden u.a. Stephen King, Daniel Kehlmann und Margaret Atwood besprochen.



#14 Pogopuschel

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Geschrieben 22 March 2018 - 13:23

Da ich nicht nur Science Fiction lese, schaue ich mir das Literarische Quartett immer an, bevorzuge aber das lesenswert Quartett! mit Denis Scheck und Ijoma Mangold. Da herrscht eine angenehmere Diskussionsatmosphäre, die Diskutanten vermitteln eine wirkliche Lust an der Literatur, während sie sich im Literarischen Quartett oft nur verbissen gegenseitig angreifen (siehe letzte Sendung). Im letzten Jahr wurde im lesenswert Quartett zum Beispiei Ursula K. Le Guins "Freie Geister" besprochen, bei einigen der Diskutanten zeigten sich aber deutliche Berührungsängste mit phantastischer Literatur.



#15 Amtranik

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Geschrieben 22 March 2018 - 13:26

Erstaunlich: Laut Wikipedia-Eintrag 700.000 bis 1,5 Millionen Zuschauer.

In den letzten Sendungen wurden u.a. Stephen King, Daniel Kehlmann und Margaret Atwood besprochen.

Finde ich auch.

Ich schaue die Sendung nicht. Daher bin ich dann doch auch über Atwood und King erstaunt da ich hier den Eindruck gewonnen hatte, das Format wäre immer noch mit dem zu Reich-Ranitzkis Zeiten vergleichbar und Phantastik würde dort nicht besprochen. Das ist dann doch wohl offenbar falsch.  Kehlmann kenn ich nicht - schreibt der auch Phantastik?

Da Du das aus der Wiki hast, nehm ich mal an Du siehst die Sendung auch nicht?


Da ich nicht nur Science Fiction lese, schaue ich mir das Literarische Quartett immer an, bevorzuge aber das lesenswert Quartett! mit Denis Scheck und Ijoma Mangold. Da herrscht eine angenehmere Diskussionsatmosphäre, die Diskutanten vermitteln eine wirkliche Lust an der Literatur, während sie sich im Literarischen Quartett oft nur verbissen gegenseitig angreifen (siehe letzte Sendung). Im letzten Jahr wurde im lesenswert Quartett zum Beispiei Ursula K. Le Guins "Freie Geister" besprochen, bei einigen der Diskutanten zeigten sich aber deutliche Berührungsängste mit phantastischer Literatur.

Von dieser Sendung mit Herrn Scheck habe ich noch nie gehört. Da werd ich gleich mal schaun ob man das bei Youtube irgendwo findet.



#16 Pogopuschel

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Geschrieben 22 March 2018 - 13:41

Von dieser Sendung mit Herrn Scheck habe ich noch nie gehört. Da werd ich gleich mal schaun ob man das bei Youtube irgendwo findet.

 

Die findet man in der Mediathek der Öffentlich Rechtlichen. Hier die Sendung mit "Freie Geister". Wird ganz am Ende besprochen und kommt leider etwas kurz.



#17 Ender

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Geschrieben 22 March 2018 - 13:42

Da ich nicht nur Science Fiction lese, schaue ich mir das Literarische Quartett immer an, bevorzuge aber das lesenswert Quartett! mit Denis Scheck und Ijoma Mangold. Da herrscht eine angenehmere Diskussionsatmosphäre, die Diskutanten vermitteln eine wirkliche Lust an der Literatur, während sie sich im Literarischen Quartett oft nur verbissen gegenseitig angreifen (siehe letzte Sendung). Im letzten Jahr wurde im lesenswert Quartett zum Beispiei Ursula K. Le Guins "Freie Geister" besprochen, bei einigen der Diskutanten zeigten sich aber deutliche Berührungängste mit phantastischer Literatur.

Ich stimme dir in allen Punkten zu. Beim Literarischen Quartett bin ich mittlerweile ausgestiegen, weil ich die "Diskussionen", Wichtigtuereien und Besserwissereien dort wirklich unerträglich finde. Nach dem Ausstieg des unsäglichen Maxim Biller hatte ich auf Besserung gehofft, aber wohl vergeblich.


@Amtranik: Kehlmann solltest du dir mal anschauen, den zähle ich zu meinen Lieblingsautoren. Teilweise gibt es in seinen Geschichten auch phantastische Elemente, aber eher selten. Vielleicht fängst du zum Kennenlernen mit dem schmalen Kurzgeschichtenband "Unter der Sonne" an.
 


Bearbeitet von Ender, 22 March 2018 - 13:46.


#18 Amtranik

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Geschrieben 22 March 2018 - 13:52

Die findet man in der Mediathek der Öffentlich Rechtlichen. Hier die Sendung mit "Freie Geister". Wird ganz am Ende besprochen und kommt leider etwas kurz.

Klasse. Da habe ich gerade mal in die erste Sendung reingeschaut die ich fand vom 8.3 über ein Buch das ich nicht kenne und vermutlich auch nie lesen werde aber finde erstaunlich das diese Hochprofessionellen Buchleser teilweise die gleichen Argumente und unterschiedlichen Lesarten eines Textes haben wie wir Laien das hier im Netzwerk schon so oft diskutierten. Was ist neu? Was ist konventionell? Worauf kommt es an? Da muss man nicht mal das Buch unbedingt kennen um das interessant zu finden. Sobald ich etwas mehr Zeit habe werde ich mir da sicher die ein oder andere Sendung anschauen. Auch weil ich Herrn Scheck von seinen sehr unterhaltsamen Kurzbesprechungen der Spiegelbestsellerliste sehr schätze und seiner Sendung Druckfrisch.



#19 Armin

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Geschrieben 22 March 2018 - 14:01

 Kehlmann kenn ich nicht - schreibt der auch Phantastik?

 

 

Kehlmanns "Tyll" wurde on board des Öfteren (mindestens) wohlwollend erwähnt.

 

 

Da Du das aus der Wiki hast, nehm ich mal an Du siehst die Sendung auch nicht?

 

 

Absolut richtig. Deshalb hat mich das ja auch überrascht.



#20 Amtranik

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Geschrieben 22 March 2018 - 14:13

Kehlmanns "Tyll" wurde on board des Öfteren (mindestens) wohlwollend erwähnt.

 

 

 

 

Jo. Ich lese nicht immer alle threads.. aber irgendwie klingelts bei "Tyll" so ein bißchen. Hab ich sicher mal gelesen aber wieder vergessen. Ich gebs ja auch zu und habe nie einen hehl draus gemacht das ich beinahe ausschliesslich SF Stoffe verkonsumiere. Bisweilen hab ichs auch schon mal mit dem ein oder anderen Fantasybuch versucht, scheitere aber regelmäßig daran, bzw merke das ich dem nicht so viel abgewinnen kann wenn es allzu mystisch zugeht.



#21 Selma die Sterbliche

Selma die Sterbliche

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Geschrieben 22 March 2018 - 18:23

Ich frag mal ganz ketzerisch. Wer hier im Forum hat sich denn schon mal mit den Büchern die im literarischen Quartett besprochen werden beschäftigt? Interessiert es die Leute hier eigentlich überhaupt? 

 

Ich. Aber nur, weil lesen meine Kernkompetenz ist. Ich lese ständig und die Stadtbibliothek bietet mir solche Bücher wirklich wohlfeil. Manche sind sogar richtig gut. Ansonsten gebe ich sie einfach wieder ab.

 

Übrigens habe ich mir heute dort "Neanderthal" per Fernleihe bestellt. Kostet nur 2,50 € und ist somit preislich günstiger als jeder andere Dealer.


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#22 T. Lagemann

T. Lagemann

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Geschrieben 23 March 2018 - 10:27

Hallo Amtranik,

 

 

Ich frag mal ganz ketzerisch. Wer hier im Forum hat sich denn schon mal mit den Büchern die im literarischen Quartett besprochen werden beschäftigt? Interessiert es die Leute hier eigentlich überhaupt? Liegt wirklich ein Interesse vor das Bücher die wir hier lesen und Besprechen, von mir aus auch Werke die vermutlich als etwas "anspruchsvoller" gelten wie vielleicht Annhilition oder auch eines des Sprachakrobaten Dath, dort im Literarischen Quartett besprochen werden? Fehlt da eventuell das Selbstbewußtsein? Mir ist nicht wichtig was eine Elke Heidenreich oder wer da sonst noch so sitzt von Fantasybüchern hält. Wenn der eine Typ noch nie was von Kai Meyer gehört hat so nehme ich mal stark an, das wir hier von den meisten der dort besprochenen Autoren auch noch nix gehört haben. Aber was sagt das aus? Wie wir aus dem Film den Jens verlinkt hat lernen hat sich die Deutsche Literatur Szene da im Gegensatz zu den anderen Weltweit seit jeher selbst limitiert. Und so muss man sich auch bewußt machen das diese Sendungen kaum Einschaltquote haben. Zu recht!  Die laufen dann wenn "normal" Arbeitenden Menschen schon schlafen. Ich wette, da haben so manche Fan Youtube Projekte im Phantastischen Bereich, seien es Film oder Buchbesprechungen eine größere Zuschauerschar. Das herkömmliche Fernsehn ist sowieso ein Auslaufmodell. Die im öffentlich-rechtlichen Bereich tätigen seien es Journalisten, Moderatoren oder Kulturschaffende werden sich auch noch umschaun in Zukunft. Hier scheint für mich so ein bißchen ein falsches Bild durch von David gegen Goliath wobei fälschlicherweise angenommen wird diese Literatensendung sei der Goliath. Es ist genau anders herum.

 

ich bin Dauerleser von "Literatur". Ob das Bücher sind, die im literarischen Quartett besprochen werden, weiß ich nicht - wir haben keinen Fernseher. Und, nö, gestreamt mag ich mir derlei auch nicht anschauen (wir wollen nämlich nicht fernsehen ...). Dafür lese ich mich aber quer durch die Feuilletons und lasse mir auch keine Literaturbeilage der überregionalen Tages- und Wochenzeitungen entgehen. Bei der hohen Anzahl an Veröffentlichungen ist es mir nämlich gar nicht möglich, wirklich zielführend auf Entdeckungsreise hin zu neuen Autoren zu gehen. Da braucht es schon dezente Hinweise von Experten.

 

Letztens bin ich so auf Arno Geigers aktuellen Roman gestoßen worden. "Der alte König in seinem Exil" hat mich seinerzeit nicht interessiert, mich interessierte das Thema nicht. Geiger war damit bei mir ein bisschen außen vor. Die gelesene Rezension zu  "Unter der Drachenwand" hat mich dann aber mehr als nur neugierig gemacht. Und so habe ich den großartigen Roman nach dem Kauf dann gelesen. Teils atemlos vor Staunen. Ein wirklich großartiger Roman.

 

Und bevor ich aus dem Forum gedisst werde. Natürlich lese ich auch SF. Ich erwarte dabei aber neben einer gelungenen Umsetzung des Themas auch eine gewisse sprachliche Eleganz. Ja, diesen Anspruch habe ich auch bei Unterhaltungsliteratur a la SF. Übrigens werde ich bei Krimis in dieser Hinsicht häufiger fündig als bei SF. Das hat, glaube ich, nicht unbedingt etwas mit der Selbstlimitierung der deutschen Literatur zu tun, sondern mit der Selbstlimitierung der Leser. Darf halt nicht zu anstrengend sein, was man da liest. Und vielleicht hängen da ach zu viele SF-Leser noch an Jugenderinnerungen und damit an Perry Rhodan. Simple Story, simpler Stil. Bei Krimis hingegen stolpert man zumeist recht früh über Klassiker a la Hammet und Chandler. Und das prägt, so meine These.

 

Viele Grüße

Tobias


"Wir sind jetzt alle Verräter."
"Ha!", machte die alte Dame. "Nur wenn wir verlieren."

(James Corey, Calibans Krieg)
  • (Buch) gerade am lesen:Andreas Brandhorst "Die Tiefe der Zeit" und täglich einen Tag aus Johnsons "Jahrestage"

#23 Amtranik

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Geschrieben 23 March 2018 - 19:21

Hallo Amtranik,

 

 

 

 

 

 

 

 Das hat, glaube ich, nicht unbedingt etwas mit der Selbstlimitierung der deutschen Literatur zu tun, sondern mit der Selbstlimitierung der Leser. Darf halt nicht zu anstrengend sein, was man da liest. Und vielleicht hängen da ach zu viele SF-Leser noch an Jugenderinnerungen und damit an Perry Rhodan. Simple Story, simpler Stil. Bei Krimis hingegen stolpert man zumeist recht früh über Klassiker a la Hammet und Chandler. Und das prägt, so meine These.

 

Viele Grüße

Tobias

 

Ich bin jetzt nicht sicher ob Du mich in einem Punkt mißverstanden hast? Oder verstehe ich das richtig das Du im Grunde den Literaten des Feuilleton recht gibst das die SF einzig zu schlecht ist um besprochen zu werden? Ich meinte nämlich mit Selbstlimitierung das im Film den Jens verlinkt hat ausgesagt wird, das in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern ganz bewußt ein Unterschied zwischen "Ernsthafter" und "Unterhaltungsliteratur" gemacht wird was dazu führt das Phantastik niemals in solchen Literaturzirkeln besprochen würde. Also sozusagen eine freiwillige Limitierung der" Literaturpäpste" in Deutschland auf die sogenannte "ernsthafte Literatur" und die bewußte Ausgrenzung der sogenannten, als minderwertig, jedenfalls im Sinne von Form und Stil, angesehenen "Unterhaltungsliteratur".  Deine Aussagen würden diese in meinen Augen steile These nun ja eher Stützen hoffe aber das Du es in einem anderen Sinne meinst.

 

Ansonsten sprüht aus deiner Aussage wenn auch vermutlich eher unbewußt leider auch wieder die übliche Arroganz heraus. Indem Du die Meinung vertrittst es wäre den Lesern die nunmal bestimmte Stoffe bevorzugen einfach nur zu anstrengend mal was anderes zu lesen versuchst Du diese abzuwerten. Sie sind nicht bereit sich herauszufordern, zu quälen, so wie Du es tust. Daher bist Du natürlich ein guter Leser denn Du willst gefordert werden, willst nicht alles sofort verstehn, möchtest am Lesestoff wachsen etc pp. und Perry Rhodan Leser und damit auch gleich die meisten SF-Leser sind natürlich schlechte Leser. Daher ist die SF auch im Schnitt schlechter als andere Sparten. Sorry net bös gemeint aber genauso klingt das in meinen Ohren und das gefällt mir ganz und gar nicht. Ich lese ja zwar zugegebenermaßen wirklich beinahe monothematisch in der SF und man kann das kritisieren, ich stehe aber dazu, und darüberhinaus habe ich innerhalb dieses Genre schon so eine immense Bandbreite an Stilen, Anspruch, Action, Spannung oder auch Langeweile gelesen das ich deine These absurd finde. Ich bin der Meinung das alles was in der Feulliton Literatur drin sein kann prinzipiell auch in einem Phantastischen Buch möglich ist. Literatur ist Literatur. Umgekehrt frage ich dann eher, warum sich eingrenzen indem Phantastische Elemente prinzipielle ausgesperrt werden. Und nochwas zu Perry Rhodan. Ich werde hier bestimmt nicht den Stil verteidigen ganz sicher nicht aber wenn Du glaubst deren Zyklen hätten eine simple Story dann beweist Du damit nur das dein Urteil ein Vorurteil ist und nicht aus Wissen resultiert.



#24 schilling

schilling

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Geschrieben 23 March 2018 - 23:44

- Menschen werden aus Erde erschaffen und teilweise fast 1000 Jahre alt. Krankheiten werden durch Handauflegen geheilt. Es herrscht tagelange Finsternis -> SF
- Tote erstehen wieder auf oder werden zum Leben erweckt. Eine gesamte Generation Erstgebohrener stirbt -> Horror
- Wasser wird in Wein verwandelt. Es gibt sprechende Schlangen -> Fantasy
... also ich wüsste kein Werk, das noch mehr Phantastikelemente in sich vereinigt.
Aber gut, das ist ein anderes Thema.

 

Ich wage zu widersprechen. "Ich möchte nur unterhalten" ist ein Ansatz, der unter Autoren von z.B. Krimis, Historischen Romanen oder sämtlichen anderen Richtungen ganz genauso verbreitet ist. Und ebenso wie in der Phantastik gibt es immer einen gewissen Prozentsatz, der darüber hinaus auch literarische Ansprüche erfüllt. Dass dieser Prozentsatz in der SF signifikant niedriger sein soll, kann ich nicht erkennen.
 

Auch hier: Findest du, dass das bei - beispielsweise - Psychothrillern anders ist? Bewertest du die SF hier tatsächlich anders als irgendein anderes Genre?


Insgesamt argumentierst du genau so, wie es die "SF ist keine ernstzunehmende Literatur"- Fraktion tut.
Als du eingangs sagtest:

meintest du da also "Ich kann das Gejammer über dieses angebliche Vorurteil nicht mehr hören" oder "Ich kann das Gejammer über diese doch so offensichtliche Tatsache nicht mehr hören"?

 

Jetzt über die Bibel zu diskutieren, führt tatsächlich zu weit, das sehe ich auch so. Aber nur ganz kurz: In allen religiösen Texten oder Überlieferungen (von Erzählungen Eingeborener über die Veden, das yoga-Sutra usw. bis eben zur Bibel) gibt es 'phantastische' Elemente, das liegt auf der Hand, aber sie erfüllen immer eine Funktion, sie sind immer Teil von Kultur-Entwicklungen und stehen immer im Kontext der Entstehung und Bewahrung von Zivilisation überhaupt. Ich möchte nur mal auf R. Girard verweisen und seine Ideen/Erkenntnisse zur mimetischen Rivalität, zu Sündenbock- und Rachemechanismen, Gewalt und Gewaltenteilung innerhalb von Gesellschaften usw. All das, also im Prinzip das Sich-Beschäftigen mit dem, was den Menschen ganz grundsätzlich ausmacht, findet Niederschlag in religiösen Texten, und ist möglicherweise von größerer Bedeutung als die 'erbaulichen' Elemente von Religionen. Wenn sich dann Autoren hinstellen und sagen: "Also mein Zombie-Horror-Metzel-Roman ist ja eigentlich genauso bedeutsam wie die Bibel", kann ich nur den Kopf schütteln.

 

Soviel dazu, kurz war das leider ja dann doch nicht :(

 

Mit anderen Genres kenne ich mich tatsächlicher viel weniger aus als mit SF und habe auch insgesamt viel weniger historische Romane, Horror, Psychothriller, Krimis etc. gelesen. Aber ja, wenn ich so zurückdenke, gab es dort überall gute Bücher und schlechte Bücher. So ist es vielleicht falsch von mir, die (deutsche) SF so isoliert zu bewerten. Allerdings ist mir das Genre sehr wichtig, aus denselben Gründen wie sie auch im Interview genannt werden; und weil ich viel daraus lese, fallen mir auch die häufigen Unzulänglichkeiten auf. Also, ich finde schon, dass SF ernstzunehmende Literatur ist, aber auch dass gerade auf sprachlicher/stilistischer Ebene viel zu wünschen übrig bleibt. So wird man bei Christie, Kehlmann, LeGuin, Leonard, Vance wahrscheinlich in tausenden von Seiten nicht eine Stilblüte finden, nicht einen Hinweis auf süße Knack-Pos, die sich erfreulich gegen hautenge Kittel abzeichnen oder auf 'wie von Geisterhand' bewegte Schiebetüren oder Raumschiffe, die wie Insekten an Raumstationen kleben. Aber genau das ist immer und immer wieder zu lesen und meiner Meinung nach ist es somit kein Wunder, dass SF oft nicht ernstgenommen wird.

 

 

Ist mir zu weit gegriffen, dürfte schwer beweisbar sein.

 

 

Es gibt nun einmal unterschiedliche Zielgruppen. Sie unterscheiden sich nach bevorzugten Genres, Themen, aber auch Ansprüchen. Auf der anderen Seite sind die Verlage oder Herausgeber, die versuchen, ihre Zielgruppe mit dem zu versorgen, was sie sich wünscht. Deshalb wirst Du beispielsweise in der c't eher selten sehr anspruchsvolle Kurzgeschichten finden. Ich weiß nicht, wie es der neue Story-Redakteur Peter Schmitz hält, aber Bernd Behr hat immer gesagt: Die c't-Leser wollen sich am Ende einer technisch anspruchsvollen Lektüre bei einer Story entspannen. Ich hab's immerhin einmal geschafft, voll hochliterarische Querverweise zu Goethes Iphigenie in eine Story zu schummeln. Feedback (sinngemäß): "Ja, die Story war echt lustig!" (War sie auch. Was ich damit sagen will: Kein Mensch hat auch nur den Eindruck erweckt, dass ihm der Verweis aufgefallen wäre.) Du kannst ja mal eine hochliterarische SF-Story einreichen, und wir schauen, was passiert  :bighlaugh:

 

Ich erinnere mich, mal als Beispiel, an den Start von D9E und dass Ernst Wurdack gesagt hat, er wolle keine Künstler, sondern Leute, die abliefern. Das zeigt ja, wo Prioritäten liegen. Alles legitim, aber wenn das Ergebnis dann keiner lesen will (ich verallgemeinere jetzt hier), darf man auch nicht auf englischsprachige Autoren schimpfen, die vielleicht doch auf 'Kunst' wertlegen und mehr Beachtung finden.

 

Zur c't: Ich habe seit etwa 2005 so ziemlich jede Story gelesen und mein Eindruck ist, dass erst in der letzten Zeit die Storys deutlich weniger anspruchsvoll geworden sind. Gut, vielleicht ist das eine Art Nostalgie, aber soweit ich mich erinnere, hatten Autoren wie der Hebben, Peineke, Stevens oder eben auch du nicht nur etwas zu sagen, sondern auch den sprachlichen Stil, dass man meinte: "Ja, genau so sollte deutsche SF sein." Aber das waren insgesamt auch Ausnahmen und diese Zeiten sind eh vorbei, tja.

 

 

 

 @Amtranik: Kehlmann solltest du dir mal anschauen, den zähle ich zu meinen Lieblingsautoren. Teilweise gibt es in seinen Geschichten auch phantastische Elemente, aber eher selten. Vielleicht fängst du zum Kennenlernen mit dem schmalen Kurzgeschichtenband "Unter der Sonne" an.
 

 

Oder Die Vermessung der Welt. Liest sich schnell weg und ist ein schönes Beispiel dafür, wie virtuous man mit Sprache umgehen kann. Das wünschte ich mir mal für die Phantastik.

 

 

Ich erwarte dabei aber neben einer gelungenen Umsetzung des Themas auch eine gewisse sprachliche Eleganz.  

 

Tja, das kann ich genau so unterschreiben.


Bearbeitet von schilling, 24 March 2018 - 00:51.


#25 Ender

Ender

    Illuminaut

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Geschrieben 24 March 2018 - 08:10

Wenn sich dann Autoren hinstellen und sagen: "Also mein Zombie-Horror-Metzel-Roman ist ja eigentlich genauso bedeutsam wie die Bibel", kann ich nur den Kopf schütteln.

Wer hat das denn gesagt?

ich finde schon, dass SF ernstzunehmende Literatur ist, aber auch dass gerade auf sprachlicher/stilistischer Ebene viel zu wünschen übrig bleibt. So wird man bei Christie, Kehlmann, LeGuin, Leonard, Vance wahrscheinlich in tausenden von Seiten nicht eine Stilblüte finden, nicht einen Hinweis auf süße Knack-Pos, die sich erfreulich gegen hautenge Kittel abzeichnen oder auf 'wie von Geisterhand' bewegte Schiebetüren oder Raumschiffe, die wie Insekten an Raumstationen kleben. Aber genau das ist immer und immer wieder zu lesen und meiner Meinung nach ist es somit kein Wunder, dass SF oft nicht ernstgenommen wird.

Es wird vermutlich niemand bestreiten, dass es jede Menge Durchschnitt, Triviales oder sogar richtigen Mist gibt.
Wenn ich mir z.B. die Thrillerabteilung ansehe, wo mal wieder ein Psychopath seine Opfer auf besonders perfide und grausame Art foltert und quält, den Ermittlern stets rätselhafte Botschaften hinterlässt und das am Ende oft mit simpler Küchenpsychologie à la "seine Mama hatte ihn nicht lieb" erklärt wird, dann kann ich da wahrlich auch kein höheres Niveau erkennen. Und so ließen sich sicher für jedes Genre Beispiele für entsprechend platte Klischees finden.
Damit sind wir wohl wieder beim Sturgeon-Zitat "90% von ALLEM ist Schrott".
Aber einige Gegenbeispiele hast du ja selbst schon genannt. Die gilt es zu finden :)

Bearbeitet von Ender, 24 March 2018 - 08:26.


#26 Herr Schäfer

Herr Schäfer

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Geschrieben 24 March 2018 - 08:42

Aber einige Gegenbeispiele hast du ja selbst schon genannt. Die gilt es zu finden :)

 

Wenn man denn darauf gesteigerten Wert legt, was ja auf der Unterhaltungsseite der Literatur nur auf einen Bruchteil der Leser zutrifft. Komplizierte, anspruchsvolle Prosa macht noch lange keine gute Geschichte und ist völlig Genre-unabhängig. Diese felhlt auch der SF nicht, denn ihr scheint die Geschichte selbst oft egal zu sein. Ich für meinen Teil lese um der Geschichten willen, und nicht, um mich mit komplexen Sprachexperimenten auseinander zu setzen. Die Sprache also in einem Genre hervorzuheben macht für mich überhaupt keinen Sinn, denn gerade wenn man Genreliteratur in einen Topf schmeißt, wollen sie alle vor allem eins, nämlich gut unterhalten. Was übrig bleibt, außerhalb dieses Topfes, buhlt dann nicht um Aufmerksamkeit durch Unterhaltungswert, sondern durch sogenannten literarischen Anspruch.


(Buch) gerade gelesen: Dirk van den Boom - Canopus
(Buch) gerade am Lesen: Maja Lunde - Die Geschichte des Wassers
(Buch) als nächstes geplant: Robert Corvus - Das Imago-Projekt
(Buch) Neuerwerbung: Michael Marrak - Der Kanon mechanischer Seelen

#27 Amtranik

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    Hordenführer

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Geschrieben 24 March 2018 - 12:28

Wenn man denn darauf gesteigerten Wert legt, was ja auf der Unterhaltungsseite der Literatur nur auf einen Bruchteil der Leser zutrifft. Komplizierte, anspruchsvolle Prosa macht noch lange keine gute Geschichte und ist völlig Genre-unabhängig. Diese felhlt auch der SF nicht, denn ihr scheint die Geschichte selbst oft egal zu sein. Ich für meinen Teil lese um der Geschichten willen, und nicht, um mich mit komplexen Sprachexperimenten auseinander zu setzen. Die Sprache also in einem Genre hervorzuheben macht für mich überhaupt keinen Sinn, denn gerade wenn man Genreliteratur in einen Topf schmeißt, wollen sie alle vor allem eins, nämlich gut unterhalten. Was übrig bleibt, außerhalb dieses Topfes, buhlt dann nicht um Aufmerksamkeit durch Unterhaltungswert, sondern durch sogenannten literarischen Anspruch.

Ich sekundiere das vermutlich wenig überraschend.



#28 Ender

Ender

    Illuminaut

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Geschrieben 24 March 2018 - 13:01

Ich sekundiere das vermutlich wenig überraschend.

Ich übrigens auch - und ich sehe darin auch keinen Widerspruch zu meinem vorherigen Beitrag.

Sprachlich-stilistisches Können muss ja nicht automatisch gleichbedeutend mit "komplizierter Prosa" sein. Zwischen den von Herr Schäfer genannten "komplexen Sprachexperimenten" und den von schilling beschriebenen Stilblüten und Plattitüden liegt der riesengroße Bereich, der sich von solide bis zu äußerst gekonnt erstreckt und der mich persönlich am meisten interessiert.

Unabhängig vom Genre, versteht sich.


Bearbeitet von Ender, 24 March 2018 - 13:02.


#29 Naut

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Geschrieben 24 March 2018 - 14:00

Wobei wir nicht vergessen sollten, dass Unterhaltungswert bis zu einem gewissen Grad sehr persönlich gelernt wird: Ich kenne einige Leute, die "Twilight" äußerst unterhaltsam fanden, auch wenn ich nicht dazu zähle.

Lesen ist eine Form von Kommunikation, und Kommunikation baut auf gelernten Konventionen und Erfahrungen auf, die im Idealfall von vielen, aber sicher nie von allen Lesern geteilt und verstanden werden. Daher bilden sich in der Literatur Subkulturen, die Probleme haben, die Bücher der jeweils andren Gruppe zu verstehen oder zu genießen. Die "Hochliteratur" ist auch nur ein weiteres Subgenre, genau wie die Space-Opera oder der Schwedenkrimi.

Bearbeitet von Naut, 25 March 2018 - 07:36.

Liest gerade: Branderson: Kinder des Nebels; Chambers: Zwischen zwei Sternen

D9E: Das Haus der blauen Aschen | Die Seelen der blauen Aschen | Die Sonne der Seelen
Fieberglasträume | Tiefraumphasen | Gamer | biomAlpha

#30 schilling

schilling

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Geschrieben 25 March 2018 - 00:00

Wer hat das denn gesagt?
 

 

Ja, so wörtlich natürlich niemand ;)

Aber ich lese aus solchen Äußerungen, wie z.B. denen von Susami, das Bedürfnis heraus, seinen eigenen Text durch die Nähe zu bekannten, bedeutsamen Werken aufzuwerten.

 

 

Sprachlich-stilistisches Können muss ja nicht automatisch gleichbedeutend mit "komplizierter Prosa" sein. Zwischen den von Herr Schäfer genannten "komplexen Sprachexperimenten" und den von schilling beschriebenen Stilblüten und Plattitüden liegt der riesengroße Bereich, der sich von solide bis zu äußerst gekonnt erstreckt und der mich persönlich am meisten interessiert.

Unabhängig vom Genre, versteht sich.

 

Sehe auch ich ganz genau so. Ich finde zudem, daß literarischer Anspruch nicht dadurch, dass aufgrund von Verkünstelungen niemand mehr den Text verstehen kann, entsteht, sondern ganz im Gegenteil: Dann, wenn ein Autor es schafft, auch komplexe Dinge klar, einfach und präzise darzustellen und womöglich zur gleichen Zeit auf Fluss und Melodie der Sprache etc. zu achten. Idee und Sprache sollten keine Gegenpole sein, sondern eine Einheit.





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