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Das schwarze Loch deutschsprachiger SF


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35 Antworten in diesem Thema

#31 Peter-in-Space

Peter-in-Space

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Geschrieben 07 December 2019 - 11:29

Vielleicht habe ich das falsch aufgefasst, aber mir scheint, als wäre eine Vorraussetzung für eine größere Bekanntheit im jeweiligen Land, dass es einen entsprechend großen Verlag mit dem entsprechenden Marketingarsenal gibt.
Oder beschränkt sich Bekanntheit hier tatsächlich auf die jeweilige Szene im Land?
Dann griffe wieder das Argument, dass der jeweilige "Markt" von lokalen Werken durchsättigt sein dürfte.
China als Referenz für die Bekanntheit deutscher, bzw. nichtchinesischer SF erscheint mir etwas gewagt, bei einem Potential von ca einer Milliarde Lesern.

Das SF nicht als marktrelevant angesehen wird, liegt an der Denke: SF-Literatur = Groschenroman/Pulp = minderwertig = für geistig minderbemittelte Jugendliche = diametral abseits jeglicher Qualitätsliteratur à la Faust/Effi Briest/Buddenbrooks.

 

Wenn man einen der bekannteren Mainstream-Feuilletonisten frägt, was ihm als Erstes zu SF einfällt, kommt - nach meinem Dafürhalten "Perry Rhodan" und dann lange mal nix, vielleicht auch in Unkenntnis darüber, dass es sich hier um ein Produkt aus deutscher Feder handelt. (Hier sei darauf hingewiesen, dass ich PR weder für Pulp noch für minderwertig halte - ich bin aber auch keine Referenzquelle).

 

Da kann ich nur für den deutschen Markt sprechen, in französischer Literatur kenne ich mich nicht aus, ebenso wenig wie in jeder anderen ausländischen Szene. Ich weiß aber, dass gerade die DDR eine sehr positive Penetranz von SF in der Mainstream-Literatur hatte - wenn zuweilen auch stark linientreu geprägt.

 

Seit Jahrzehnten bestimmen in der gehobenen Trivialliteratur (in diesem Feld bewegen wir uns ja) Kriminalromane den Markt (in den letzten zwei Jahrzehnten auch durchaus aus deutschsprachiger Feder - Klüpfl/Kobr, -ky, Berndorf -, zunehmend wird ihr der Rang von Fantasy abgelaufen. Die Hoffnung, wenigstens über die Schiene der Fantasy SF zu bringen, scheitert auch an der Mentalität des Deutschen Marktes (Anbieter wie Konsumenten sind da auf ähnlicheḿ Niveau schuldig!): Schubladendenken (das wir auch in anderen Kunstformen sehen, ich denke an die Zersplitterung der Popmusikszene im Allgemeinen sowie der Metalszene - aus der ich komme - im Besonderen).

 

Deinen letzten Satz kann ich nur teilweise humoristisch verstehen: um in ganz China gelesen zu werden, müsste ein Werk in mehrere Dialekte und Sprachen (Tibetisch, Uigurisch, Mandarin) übersetzt werden - das kann dauern! :closedeyes:


Bearbeitet von Peter-in-Space, 07 December 2019 - 11:38.

„La filosofia è scritta in questo grandissimo libro che continuamente ci sta aperto innanzi a gli occhi (io dico l’universo), ma non si può intendere se prima non s’impara a intender la lingua, e conoscer i caratteri, ne’ quali è scritto. Egli è scritto in lingua matematica, e i caratteri son triangoli, cerchi, ed altre figure geometriche, senza i quali mezi è impossibile a intenderne umanamente parola; senza questi è un aggirarsi vanamente per un oscuro laberinto.“

 

Galilei

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#32 simifilm

simifilm

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Geschrieben 07 December 2019 - 11:43

Das SF nicht als marktrelevant angesehen wird, liegt an der Denke: SF-Literatur = Groschenroman/Pulp = minderwertig = für geistig minderbemittelte Jugendliche = diametral abseits jeglicher Qualitätsliteratur à la Faust/Effi Briest/Buddenbrooks.


Hier vermischst du in meinen Augen zwei unterschiedliche Dinge. Zumindest ich verstehe unter Marktrelevanz, wie gut sich gewisse Titel verkaufen. Es geht also um Absatzzahlen. Du sprichst dagegen von der Anerkennung im Feuilleton und bei anderen hochkulturellen Instanzen. Diese Dinge sind aber keinesfalls deckungsgleich. Man nehme ein aktuelles Beispiel: Peter Handke hat den Literaturnobelpreis erhalten, wird regelmässig im Feuilleton besprochen etc. (die ganze Jugoslawien-Krieg-Geschichte lassen wir mal aussen vor), aber ich wäre überrascht, wenn es eine durchschnittliche Handke-Neuerscheinung vor Bekanntgabe des Nobelpreises über fünfstellige Verkaufszahlen gebracht hat (aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren).

Und bei SF muss man klar zwischen Genre-Literatur und Romanen, die SF-Motive verwenden, nicht aber als SF vermarktet werden, unterscheiden. Letztere gibt es reichlich – Christian Kracht, Reinhard Jirgl, Markus Orths, Karen Duve, Leif Randt etc. – man findet sie in der Buchhandlung allerdings nicht in der Abteilung "Science Fiction".

Bearbeitet von simifilm, 07 December 2019 - 11:48.

Signatures sagen nie die Wahrheit.

Filmkritiken und anderes gibt es auf simifilm.ch.

Gedanken rund um Utopie und Film gibt's auf utopia2016.ch.

Alles Wissenswerte zur Utopie im nichtfiktionalen Film gibt es in diesem Buch, alles zum SF-Film in diesem Buch und alles zur literarischen Phantastik in diesem.
 

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#33 Peter-in-Space

Peter-in-Space

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Geschrieben 07 December 2019 - 12:20

Hier vermischst du in meinen Augen zwei unterschiedliche Dinge. Zumindest ich verstehe unter Marktrelevanz, wie gut sich gewisse Titel verkaufen. Es geht also um Absatzzahlen. Du sprichst dagegen von der Anerkennung im Feuilleton und bei anderen hochkulturellen Instanzen. Diese Dinge sind aber keinesfalls deckungsgleich. Man nehme ein aktuelles Beispiel: Peter Handke hat den Literaturnobelpreis erhalten, wird regelmässig im Feuilleton besprochen etc. (die ganze Jugoslawien-Krieg-Geschichte lassen wir mal aussen vor), aber ich wäre überrascht, wenn es eine durchschnittliche Handke-Neuerscheinung vor Bekanntgabe des Nobelpreises über fünfstellige Verkaufszahlen gebracht hat (aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren).

Und bei SF muss man klar zwischen Genre-Literatur und Romanen, die SF-Motive verwenden, nicht aber als SF vermarktet werden, unterscheiden. Letztere gibt es reichlich – Christian Kracht, Reinhard Jirgl, Markus Orths, Karen Duve, Leif Randt etc. – man findet sie in der Buchhandlung allerdings nicht in der Abteilung "Science Fiction".

Entweder habe ich mich da wirklich falsch ausgedrückt oder Du hast es nur in den falschen Hals bekommen:

 

ich habe nichts vermischt, ich habe 2 höchst unterschiedliche Dinge - wie Du schon richtig bemerktest! - zusammengeführt, aber versucht, es immer klar voneinander abzugrenzen. Vielleicht ist mir der Versuch nicht gelungen. I'll try harder next time!


„La filosofia è scritta in questo grandissimo libro che continuamente ci sta aperto innanzi a gli occhi (io dico l’universo), ma non si può intendere se prima non s’impara a intender la lingua, e conoscer i caratteri, ne’ quali è scritto. Egli è scritto in lingua matematica, e i caratteri son triangoli, cerchi, ed altre figure geometriche, senza i quali mezi è impossibile a intenderne umanamente parola; senza questi è un aggirarsi vanamente per un oscuro laberinto.“

 

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#34 simifilm

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Geschrieben 07 December 2019 - 12:31

Entweder habe ich mich da wirklich falsch ausgedrückt oder Du hast es nur in den falschen Hals bekommen:
 
ich habe nichts vermischt, ich habe 2 höchst unterschiedliche Dinge - wie Du schon richtig bemerktest! - zusammengeführt, aber versucht, es immer klar voneinander abzugrenzen. Vielleicht ist mir der Versuch nicht gelungen. I'll try harder next time!


Du hast im ersten Satz geschrieben, dass in deinen Augen SF nicht als marktrelevant betrachtet wird, weil sie nicht als gehobene Literatur gilt – darauf bezog sich meine Antwort. Diese Aussage stimmt in meinen Augen nicht. Es sei denn man betrachtet nur den Markt der "gehobenen Literatur", aber darum scheint es dir ja nicht zu gehen.

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#35 Peter-in-Space

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Geschrieben 07 December 2019 - 14:25

Du hast im ersten Satz geschrieben, dass in deinen Augen SF nicht als marktrelevant betrachtet wird, weil sie nicht als gehobene Literatur gilt – darauf bezog sich meine Antwort. Diese Aussage stimmt in meinen Augen nicht. Es sei denn man betrachtet nur den Markt der "gehobenen Literatur", aber darum scheint es dir ja nicht zu gehen.

Diese Anleitung zur Fehlinterpretation gebe ich uneingeschränkt zu.

 

Wenn ich sie jetzt mit einigen Tagen Abstand noch einmal lesen müsste, würde mir der Fehler sofort auffallen: es existiert keine Hoch- oder Trivialliteratur. Nur Gute oder Schlechte, und diese Einteilung ist auf den individuellen Geschmack begrenzt!


Bearbeitet von Peter-in-Space, 07 December 2019 - 14:26.

„La filosofia è scritta in questo grandissimo libro che continuamente ci sta aperto innanzi a gli occhi (io dico l’universo), ma non si può intendere se prima non s’impara a intender la lingua, e conoscer i caratteri, ne’ quali è scritto. Egli è scritto in lingua matematica, e i caratteri son triangoli, cerchi, ed altre figure geometriche, senza i quali mezi è impossibile a intenderne umanamente parola; senza questi è un aggirarsi vanamente per un oscuro laberinto.“

 

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#36 Selma die Sterbliche

Selma die Sterbliche

    Nautilia sempervirens

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Geschrieben 07 December 2019 - 15:06

Dieses Werk von Gus Backus (gesungen, der Text stammt von Werner Scharfenberger und Peter Wehle) ist _KEIN_ Karnevalslied.

 

My.

 

Ich verneige mich vor deinem Wissen, Meister!


Die Realität ergibt einfach keine gute Story! jottfuchs.de

 

 



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