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AndroSF 107: Rainer Schorm & Jörg Weigand (Hg.), ZWEITAUSENDVIERUNDACHTZIG. Orwells Albtraum


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#1 My.

My.

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Geschrieben 24 May 2020 - 13:55

Rainer Schorm & Jörg Weigand (Hrsg.)
ZWEITAUSENDVIERUNDACHTZIG
Orwells Albtraum
AndroSF 107
p.machinery, Winnert, Juni 2020, 432 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 171 6 – EUR 17,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 913 2 – EUR 8,99 (DE)

 

androSF107cover500.jpg

Alles wird gut. – Warum man Kindern heute noch diesen Bären aufbindet, ist schwer zu erklären. Am wahrscheinlichsten ist, dass es sich um eine simple Kompensation handelt – der Tatsache nämlich, dass dem eben gerade *nicht* so ist! Glaubt man dem Volksmund, dem man ansonsten eher misstrauen sollte, kommt nichts Besseres nach.

Die Erkenntnis, dass Freiheit nichts mit der Freiheit, alles Gewünschte konsumieren zu können, zu tun hat, ist in den meisten Köpfen noch lange nicht angekommen. Gerade China ist der beste Beweis dafür, dass die Erzeugung von Demokratie durch Handel nicht funktioniert. Die Entwicklungen haben begonnen. Nicht erst gestern. Wir sind bereits mittendrin.
Die Autoren, die sich an dieser Anthologie beteiligt haben, kamen zum selben Schluss. Vielen ist offenbar bewusst, dass der eingeschlagene Weg seine Tücken haben wird. Nun mag die Titelwahl dieser Sammlung eine gewisse Ausrichtung nahegelegt haben – die eifrige Beteiligung spricht für eine empfundene Dringlichkeit.

… nicht nur, den Anfängen zu wehren!

Die Geschichten:
Werner Zillig: Das Vermächtnis des Großen Bruders
Thomas Le Blanc: Hochzeitsvorbereitungen
Rainer Schorm: Vote!
Martina Schleich: Trautes Heim
Karla Weigand: Eliten
Klaudia Vormann: Lebe deine Gefühle!
Ruben Wickenhäuser: Der Fliegende Holländer
Barbara Büchner: Das Abendritual Seiner Allerhöchsten Majestät
Peter Mathys: Wahltag
Jörg Weigand: Ein gefährliches Dokument
Rainer Erler: Die Auserwählten
Claudine J. Lamaison: Smart Contract
Dietmar Kuegler: Social Media
Ernst Kelheimer: Lehrjahre
Herbert W. Franke: Osiris
Jan Osterloh: Farbige Zeiten
Bernd Schuh: Verhör
Monika Niehaus: Ein ganz normaler Tag im Leben der Birdie Brown
Udo Weinbörner: Evolution Homo KI 4.2084
Günther Stigler: Wir brauchen Sensationen
Gisbert Haefs: Sonntagsspaziergang AD 2084
Kai Focke: Unter dem Datenradar
Katja Göddemeyer: Pirates of Love
Hinnerk von Robert: Da capo
Andreas Schäfer: Exorzist 84
Ellen Norten: Schönheitsschlaf
Hans-Dieter Furrer: Fluchtgefahr
Chris Schmidt: Evolution
Rene A. Raisch: MySpace
Kai Riedemann: Ich töte im Namen der Mehrheit
Iny Klocke & Elmar Wohlrath: Wohlfühlen in der Sphäre
Marie Viking: Ein Menschheitstraum
Hans Jürgen Kugler: Nachruf auf ID 18.02.1234.5678.000-5
Sabine Frambach: Ungefiltert
Franziska Wolff: Geliebte Miranda
Karl-Ulrich Burgdorf: Die zweite Maschine
Rainer Maria Barley: Rücktritt

Das Titelbild stammt von Rainer Schorm.

https://www.pmachinery.de/?p=6738

 

 

My.


Bearbeitet von My., 27 May 2020 - 12:21.

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Ohne Hunde leben? Ich bin doch nicht blöd!


#2 ChristophGrimm

ChristophGrimm

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Geschrieben 05 September 2020 - 16:07

Kurz-Rezi:

2084 - ein Titel, der unweigerlich an den Klassiker von George Orwell denken lässt. Das fiktive 1984 der Dystopie wurde längst von der Wirklichkeit überholt, doch an Aktualität hat das Werk über die totale Überwachung und Indoktrination nicht verloren - und ein Frösteln kann sicher kein Leser verleugnen, wenn bewusst wird, wieviel des Heute dieses 71 Jahre alte Werk vorweggenommen hat.

Auf über 400 Seiten blicken die Autorinnen und Autoren auf ein mögliches 2084. Wohin werden uns Social Media, autonome Systeme, all die netten Smart-Geräte und die zigfach gesammelten Daten führen? Es liegt in der Natur von Anthologien, das nicht jede Geschichte gleichermaßen den persönlichen Geschmack trifft. Mir persönlich haben die die typischen Pointen-Dreiseiter, die verhältnismäßig oft vorkamen, weniger gefallen. Alle Beiträge sind allerdings auf hohem, handwerklichen Niveau.

Wie bei Orwells Roman sind die geschilderten Szenarien nicht die düstersten - aber vermutlich die, die einem realen 2084 am nächsten kommen könnten. Dies wird auch dadurch verstärkt, dass die Handlungsorte der Anthologie oftmals regional, in Deutschland (bzw. dessen Nachfolge-Staat) bleiben. Die Anthologie als Gesamtkunstwerk stellt damit eine Frage deutlich: Ist dies eine Zukunft, die wir wollen? Und können wir auf dem eingeschlagenen Weg noch umkehren?

Mulmig gestimmte fünf Sterne für eine der besten SF-Anthologien der letzten Jahre.

Bearbeitet von ChristophGrimm, 05 September 2020 - 16:09.



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