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Story: Die Geheimprotokolle des Wisconsin-Club


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20 Antworten in diesem Thema

#1 Armin

Armin

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Geschrieben 06 December 2005 - 09:49

Mit ein bisschen Verspätung ist die Corona-Ausgabe 155 erschienen - zumindest in den Postfächern, die Online-Ausgabe folgt bestimmt demnächst ...

Die aktuelle Nummer enthält die Kurzgeschichte "Die Geheimprotokolle des Wisconsin-Club" von Uwe Neuhold und damit einen Appetizer auf die Anthologie "Fantastisches Österreich", die dieser Tage erscheint. Mehr Infos dazu gibt's auch schon hier im Forum.

Georg Siebert (Hrsg.): Fantastisches Österreich
Hardcover
ISBN: 3-935982-43-7
240 Seiten
12 Euro
Titelbild von Michael Preissl

Bestellen beim Web-Site-Verlag:
http://www.web-site-...&sub=show&id=37

Bei Amazon:
http://www.amazon.de...oronamagazin-21

Der Klappentext:
Da fährt einer den Tod über den Haufen, während auf einem Asteroiden eine Wissenschaftlerin langsam checkt, dass wir Menschen gar nicht in der Lage sind, außerirdisches Leben wirklich als solches zu erkennen. In der Zwischenzeit treiben ein paar Vampire im Paris des 18. Jahrhunderts ihr Unwesen, und ein Polizist der Zukunft erkennt, dass der perfekte Mensch alles andere als perfekt ist, während ein anderer Polizist, diesmal unserer Zeit, sich als Taxifahrer des Grauens wiederfindet ...

Geschichten von:
Marie Andrewsky, Markus Böhme, Bernhard Brunner, Gunilla Drofenik, Viktor Farkas, Wolfgang Geißler, Andreas Gruber, Nina Horvath, Walter Kiesenhofer, Oswald Köberl, Doris Mitterbacher, Uwe Neuhold, Claudia Pogoreutz, Markus Prem, Bernhard Prochaska, Manuela Ruzicka, Georg Siebert, Lea Spark, Günter Suda und Michael Ziegelwagner.

Und noch einmal der Hinweis auf den laufenden Kurzgeschichten-Wettbewerb: Einsendeschluss für die kommende Runde, die unter dem Titel "Kind der Zeit" steht, ist der 15. Dezember. Direkt im Anschluss folgt das Thema "Glücksritter", Einsendeschluss hierfür wird der 1. März 2006 sein. Wer Interesse hat, sich mit einer Kurzgeschichte (Science Fiction, Fantasy, Horror, Phantastik) zu beteiligen, die einen Umfang von 20.000 Zeichen nicht überschreitet, schickt seine Story rechtzeitig per E-Mail an die Kurzgeschichten-Redaktion, die unter kurzgeschichte@corona-magazine.de zu erreichen ist. Die jeweils drei besten Geschichten der Themenrunden werden dann im Corona Magazine veröffentlicht.

Viele Grüße
Armin

#2 Armin

Armin

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Geschrieben 06 December 2005 - 15:46

Und inzwischen ist die Nr. 155 auch online: hier.

Gruß
Armin

#3 Nina

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Geschrieben 06 December 2005 - 16:07

Danke für die tolle Vorstellung unseres Buches!

#4 Armin

Armin

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Geschrieben 06 December 2005 - 16:15

Danke für die tolle Vorstellung unseres Buches!


Gern geschehen. Danke für die tolle Story :smokin:

#5 Jakob

Jakob

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Geschrieben 06 December 2005 - 16:18

Ehrlich gesagt musste ich beim Titel der Story schon schlucken, klingt der doch nach einer deutlichen Anspielung auf die "Protokolle der Weisen von Zion" - dabei handelt es sich um gefälschte Protokolle einer vermeintlichen "jüdischen Weltverschwörung", der so ziemlich alle Übel der Welt angelastet werden. Dieser Text ist quasi der "Grundlagentext" des modernen Antisemitismus und war unter anderem eine zentrale Inspiration für Hitlers Vernichtungswahn. Das wichtigste zu den "Protokollen" knapp zusammengefasst unter:
http://de.wikipedia....Weisen_von_Zion
(Kürzlich hat Will Eisner in seinem Comic "Das Komplott" versucht, die Geschichte dieser Fläschung aufzuarbeiten.)
Die Story folgt einer ähnlichen Grundidee - einer Verschwörung der wirtschaftlich Mächtigen, die insgeheim die Geschicke der Welt lenken? Natürlich macht die Weihnachts-Pointe klar, dass hier eher eine satirische Absicht im Vordergrund steht und der Autor nicht wirklich die Behauptung verbreiten will, Weihnachten wäre die Erfindung einer Verschwörung von Großkonzernen. Trotzdem, ein solches verschwörungstheoretisches Weltbild als Idee aufzugreifen, ohne es dabei ernsthaft infrage zu stellen, erscheint mir ziemlich fragwürdig. Um nicht zu sagen: geschmacklos. Ansonsten wäre die Story ja durchaus recht lustig ...
"If the ideology you read is invisible to you, it usually means that it’s your ideology, by and large."

R. Scott Bakker

"We have failed to uphold Brannigan's Law. However I did make it with a hot alien babe. And in the end, is that not what man has dreamt of since first he looked up at the stars?" - Zapp Brannigan in Futurama

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#6 Armin

Armin

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Geschrieben 06 December 2005 - 16:36

Natürlich macht die Weihnachts-Pointe klar, dass hier eher eine satirische Absicht im Vordergrund steht


Eben.

#7 Jakob

Jakob

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Geschrieben 06 December 2005 - 17:05

Das "Eben" reicht hier m.E. aber leide nicht: denn tatsächlich liest die Story sich für mich nach dem Prinzip der "Überspitzung": D.h. für mich kommt es so rüber, als steht man am Ende mit dem Gedanken dar, dass die evidente "Wahrheit" der Geschichte ist, dass Weihnachten in erster Linie ein Riesengeschäft ist - eine Aussage, gegen die ich nichts einzuwänden hätte. Das aber ausgerechnet die verschwörungstheorie als "Form" der Überspitzung gewählt wird, und dann noch mit einem so vielsagenden Titel, finde ich dann wiederum recht unbedarft. Denn die "Protokolle der Weisen von Zion" sind ja nun keine "Überspitzungen", sondern schlicht und einfach Lügen, die zum schlimmsten denkbaren Zweck - der Rechtfertigung von Pogrom und Massenmord - eingesetzt wurden. Die Story fordert einen quasi auf, das verschöwrungstheoretische Modell mit einem wohlwollenden Augenzwinkern zu betrachten, von wegen: "Natürlich ist das übertrieben, aber im Prinzip ist ja was an der Sache dran". Die anderen "Protokolle" mit dem gleichen Blick zu lesen, wäre verhängnisvoll ... Deshalb frage ich mich ein bisschen, ob der Autor seine Titel bewusst in Anlehnung gewählt hat, und wenn ja, ob er dieses Problem überdacht hat. Natürlich könnte man auch sagen, die ganze Geschichte würde letztlich nur die Absurdität von verschwörungstheorien illustrieren. Das entspricht zwar nicht mein Leseeindruck, aber vielleicht überinterpretiere ich auch einfach zu stark, da ich beim Thema "Antisemitismus" ja bekanntermaßen zu starken Reaktionen neige ...
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#8 Frameguard

Frameguard

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Geschrieben 06 December 2005 - 18:09

Hallo Jakob, ich bezweifle doch sehr, daß Uwe Neuhold auch nur ansatzweise an die Weisen von Zion dachte. Ein Protokoll ist einfach eine Mitschrift einer Sitzung. Wenn jemand wie Uwe Neuhold als Erzählform eine protokollarische wählt, läßt es sich fast nicht vermeiden, daß der Name "Protokoll" auch im Titel der Geschichte auftaucht. Mit Antisemitismus oder dergleichen hat das nichts zu tun. Eine Geschichte nimmt grundsätzlich nicht für sich in Anspruch, wahr zu sein (außer es handelt sich zB um eine autobiographische Geschichte, was hier aber nicht der Fall ist). Es handelt sich aus meiner Sicht einfach um eine Satire, die das Weihnachtsfest als solches aufs Korn nimmt; bzw. dessen Konjunktion mit Konsum. Sicher könnte man's auch als Verschwörungstheorie sehen, aber wenn Du die Geschichte gelesen hast, wird Dir zweifellos aufgefallen sein, daß am Ende die betreffenden Geschäftsleute selber reingelegt wurden. Ich sehe da nichts, was in irgendeiner Form auf die Nazipropaganda über die "Weisen von Zion" hindeutet. Liebe Grüße, Georg Siebert (Herausgeber von "Fantastisches Österreich")
Das Leben ist eine Geschichte. Jeder von uns schreibt daran mit.
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#9 Jakob

Jakob

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Geschrieben 06 December 2005 - 18:42

Ich wollte auch keinerlei böse Absicht unterstellen. Ich finde nur, man kann die Geschichte leicht in den falschen Hals kriegen ... aber wenn ich da der einzige bin, liegt das vielleicht auch an meiner Eisner-Lektüre.
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#10 Gast_Frank W. Haubold_*

Gast_Frank W. Haubold_*
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Geschrieben 06 December 2005 - 22:02

Ich wollte auch keinerlei böse Absicht unterstellen. Ich finde nur, man kann die Geschichte leicht in den falschen Hals kriegen ... aber wenn ich da der einzige bin, liegt das vielleicht auch an meiner Eisner-Lektüre.

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Vermutlich.

Ein schönes chinesisches Märchen berichtet von einem Herrscher, der, um die Loyalität seiner Untertanen und Verbündeten zu testen, wiederholt das Hornsignal blasen ließ, daß einen feindlichen Angriff signalisierte. Stets waren die Reiter und Soldaten zur Stelle. Bis der Feind wirklich vor den Toren stand. Da waren sie es leid geworden ...

FWH

#11 Jakob

Jakob

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Geschrieben 07 December 2005 - 00:12

Um das chinesische Märchen werd ich mir wohl keine Sorgen machen müssen - schließlich ist es ohnehin nicht so, dass irgendjemand zur Stelle wäre, wenn ich ins Horn stoße ... :smokin:
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#12 Uwe Neuhold

Uwe Neuhold

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Geschrieben 10 December 2005 - 15:00

Hier spricht der Autor... ;-) Vorweg freue ich mich, dass meine Kurzgeschichte im Corona-Magazine publiziert wurde und hoffe, sie erfüllt ihren Hauptzweck, nämlich für angenehme Unterhaltung beim Lesen zu sorgen. Damit bin ich auch schon beim Thema der hier stattfindenden Diskussion. Als ich das Feedback von "Jakob" las, war ich - gelinde gesagt - erstaunt. Aber ich will mich kurz mit dem Thema auseinandersetzen: 1.: Die "Protokolle der Weisen von Zion" sind mir natürlich bekannt 2.: Sie haben die Kurzgeschichte nicht beeinflusst 3.: Wie hier schon richtig dargestellt wurde, ist jede Form der Mitschrift eines Gespräches oder einer Versammlung ein "Protokoll", d.h. man könnte auch protokollierenden Gerichtsschreibern vorwerfen, sie wollten die Zion-Protokolle propagieren, und hätte damit genauso viel Wahrheitsanspruch wie gegenüber meiner Story 4.: Freilich geht es in der Story, im Gegensatz zu Gerichtsschreibern, um "Geheimprotokolle", und in der Tat wird eine Verschwörung beschrieben; hierzu kann ich letztendlich aber nur folgendes feststellen: - Die Zion-Protokolle erhoben den Anspruch auf Wahrheit und wurden daher in Zeitungen und in einem "Sachbuch" veröffentlicht - Meine Story ist deklarierte Phantastik und wurde in einer belletristischen Anthologie publiziert; mehr kann man zum Unterschied zwischen den beiden Werken nicht sagen; ich schätze, das wird auch 99,9% der Leser klar sein, die restlichen 0,1% werden IMMER irgendetwas in Dinge interpretieren, die schlicht und ergreifend nicht vorhanden sind. Ich möchte mich aber über die hehren Motive von "Jakob" nicht hinweg setzen, selbstverständlich gilt es für jeden vernünftigen Menschen, keine Zeit wieder aufkommen zu lassen, in welcher Leser ein Machwerk wie die "Zion-Protokolle" für Wahrheit halten konnten (weil man sich insgeheim oder sogar öffentlich damit identifizierte). Insofern finde ich die Diskussion auch gar nicht schlecht. Wachsamkeit ist angesagt. Es ist jedoch wichtig, Warnungen mit Augenmaß auszusprechen anstatt in Bausch und Bogen bzw. im Affekt auf doppeldeutige Reizwörter ("Geheimprotokolle") zu überreagieren - da sonst der weiter oben schon beschriebene Effekt der Gewöhnung eintritt und die "Wächter" die Warnungen irgendwann nicht mehr ernst nehmen. Ich habe mir daher überlegt, wo ich in letzter Zeit tatsächlich in Büchern oder Filmen rassistische Äußerungen gesehen habe (abgesehen von Wahlkämpfen, zumal in Österreich, traurigerweise), und da fällt mir ad hoc nur ein Beispiel ein: Michael Moore's "Fahrenheit 9/11". Wie der von mir ansonsten sehr geschätzte Filmemacher dort den Saudi-Arabern genau dasselbe und genau mit den gleichen Mitteln vorwirft - nämlich Raffgier, Unterwanderung und Verschwörung - wie dies die Antisemiten den Juden vorwarfen, erzeugt mir Gänsehaut. Ging es noch jemandem im Forum so? Und wie bzw. ab wo laufen (Science Fiction-) Film und Literatur heute tatsächlich Gefahr, späteren Verhetzern die geistige Vorlage zu liefern? Kennt ihr Beispiele?

#13 Armin

Armin

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Geschrieben 10 December 2005 - 20:39

Danke, Uwe, dass du dich zu Wort gemeldet hast. Damit sollte das dann hoffentlich klar gestellt sein. Und, Jakob, um mein etwas schnippisches „eben“ weiter oben zu relativieren: Natürlich ist deine Assoziation auf den ersten Blick nicht völlig abwegig. Der Titel der Story, eine Verschwörung als Inhalt, vielleicht auch noch die Jahreszahl 1933 – da kann man die Verbindung schon herstellen. Aber nach der Lektüre der Story? Gruß Armin

#14 Jakob

Jakob

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Geschrieben 10 December 2005 - 22:52

Freue mich, vom Autor zu hören! Ich finde zwar, dass man die Assoziation auch nach dem Lesen der Story noch haben kann - ich sehe aber auch ein, dass die meisten wahrscheinlich nicht darauf kommen würden und man der Story von daher wohl auch keine entsprechende "antisemitische" Wirkung unterstellen kann. Ich beschäftige mich einfach in politischen/akademischen Zusammenhängen mit dem Thema Antisemitismus, und von daher kann es gut sein, dass das, was der eine vielleicht einen "scharfen Blick" nennen würde, manchmal im Endeffekt nur auf Alarmismus hinausläuft. Der Hintergrund meiner Assoziation zu dieser Story besteht vor allen Dinge darin, dass sie von einer Verschwörung handelt - und der moderne Antisemitismus seit dem Nazi-Vordenker Chamberlain ist eben vor allen Dingen eine Verschwörungstheorie, verquast mit rassistischen Vorstellungen und einem mythisch-regressivem Antiliberalismus, der in den Juden das internationale, "wurzellose" und allerorten verräterische Finanzkapital sah. Und Verschwörungstheorien und Antisemitismus gehen leider nach wie vor oft Hand in Hand (Ich habe übrigens auch meine Probleme mit Michael Moore, das aber vor allem, weil er ganz allgemein Verschwörungstheorien nicht abgeneigt ist). Nun kann man der Story von Uwe Neuhold aber bei genauerem Hinsehen wirklich nicht unterstellen, verschwörungstheoretisch zu sein - der fiktionale und satirische Charakter steht so deutlich im Vordergrund, dass eigentlich niemand auf "falsche Gedanken" kommen kann. Trotzdem finde ich es ehrlich gesagt nach wie vor nicht falsch, solche Assoziationen anzusprechen - ich bin nämlich nicht der Meinung, dass kritikwürdige Ideologien etwas sind, was von einem "Feind" von draußen hereingetragen wird, wie das im von Frank zitierten chinesischen Märchen der Fall wäre, sondern dass sie (größtenteils unbewusst) ständig in unserem Alltag präsent sind und man deshalb auch im Alltag darüber reden muss und sich bewusst machen, wie man dazu kommt, die Sachen für selbstverständlich zu halten, die man für selbstverständlich hält ... (siehe dazu auch meine Signatur). Dabei gehts nicht um persönliche Schuldzuweisungen, sondern einfach um Reflektionsversuche, die m.E. nicht Schaden können, selbst, wenn sie von manchen vielleicht als "überempfindlich" gesehen werden. Leider ist es in unserer Gesellschaft üblich, Ideologien nicht als Ausdruck hartnäckiger unbewusster, von der Gesellschaft ständig reproduzierter Denkweisen zu behandeln, sondern als "Meinungen" einzelner böswilliger Individuen. Das hilft meines Erachtens leider nicht dabei, zu verstehen, wie Vorurteile zustande kommen, sondern nur dabei, sie von sich zu weisen. Aber das hat mit der konkreten Sache hier eigentlich schon gar nichts zu tun - möchte nur noch mal deutlich machen, wie ich dazu komme, solche "Verdächtigungen" anzustellen und dass selbige nicht auf die Diffamierung einzelner Personen gerichtet sind. Meine erste Story würde ich mir heute wohl selbst als "antisemitisch" um die Ohren hauen, und das, obwohl ich auch früher ganz sicher kein Antisemit war!
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R. Scott Bakker

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#15 Frameguard

Frameguard

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Geschrieben 10 December 2005 - 23:18

Hallo Jakob, die Diskussion an sich ist ja nicht schlecht, das haben weder Uwe noch ich behauptet. Im Gegenteil, es ist ein - für uns zugegebenermaßen unerwarteter - Ansatz, sich mit der Geschichte Uwes zu beschäftigen. Wenn Uwe also durch seine Geschichte ungewollt dazu beigetragen hat, Themen wie Antisemitismus und Verschwörungstheoretik bewußter wahrzunehmen, ist das mE ein Erfolg für seine Geschichte, der so vielleicht gar nicht beabsichtigt war. Das Problem ist, daß die Antisemitismus-Paranoia mittlerweile so fortgeschritten ist, daß man sich auch als Linker (und ich bin bekennender Sozialdemokrat) nicht mehr traut, etwas gegen die (von Sharon inzwischen - hoffentlich nachhaltig - geänderte) Siedlungspolitik der Israelis zu sagen, oder gegen das Studierverbot für Palästinenser an israelischen Universitäten. Weil jede Kritik an einer einzelnen (israelischen) Person oder einer (israelischen) Regierung mittlerweile den Antisemitismus-Verdacht automatisch nach sich zieht, während Kritik etwa an George W. Bush, Präsident der USA, oder Angela Merkel, Bundeskanzlerin Deutschlands, oder Wolfgang Schüssel, Bundeskanzler Österreichs, als solche eben hingenommen und als legitim betrachtet wird. Dies führt dazu, daß sich die Antisemiten in ihrer Argumentation bestärkt fühlen, daß das "Weltjudentum" sich auf eine Opferrolle zurückziehe, um aus dieser heraus die Welt zu beherrschen - völliger und schmerzhafter Unsinn, aber vom "Volk" nur zu gern aufgegriffen, um etwa Sharons Schießbefehl auf Palästinenser als "typisch Juden" zu verallgemeinern. Von demselben Volk, das gleichzeitig nicht bereit wäre, eine Behauptung zu akzeptieren, wonach die Existenz von CIA-Foltergefängnissen beweise, daß alle Amerikaner Folterer wären. Eine Normalität in der Argumentation ist so nicht möglich. Ariel Sharon hat einmal gesagt: "Ich akzeptiere Kritik an meiner Person und meiner Politik, das ist legitim, möge sie aus Israel oder aus dem Ausland kommen. Ich akzeptiere aber keine Kritik an meinem Volk, denn das wäre verallgemeinernd und damit Antisemititmus." Eine Einstellung, die - nicht nur für Österreicher und Deutsche - durch den Schock der Nazizeit und des Holocausts kaum zu erreichen ist. Die "Protokolle der Weisen von Zion" waren antisemitisch motiviert, Fälschungen, die den Anspruch erhoben, Wahrheit zu sein. Das Leben ist weit komplizierter als das. Mit Antisemitismus, -amerikanismus, -germanismus, -slawismus und dergleichen kommen wir nicht weiter. Menschen sind wir alle. Also gehen wir auch wie Menschen miteinander um: Als Freunde.

Bearbeitet von Frameguard, 10 December 2005 - 23:21.

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#16 Gast_Die Geheimprotokolle des Wiscons_*

Gast_Die Geheimprotokolle des Wiscons_*
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Geschrieben 01 February 2006 - 08:58

Hallo, bin zum ersten mal hier in Forum und will sicher nicht für Ärger sorgen. Ich bezweifle allerdings das "Die Geheimprotokolle des Wisconsin-Club" ausschließlich der Fantasie von Uwe Neuhold entsprungen ist. Da gibt es schon eine Kurzgeschichte mir sehr ähnlicher Handlung (was das "Essen und gegessen werden" betrifft) Wenn jemand Details braucht werd ich gern mal in meinen Büchern schmökern. gruß Thad

#17 Armin

Armin

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Geschrieben 01 February 2006 - 10:08

Na, dann schmöker mal.

#18 ThadMiller

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Geschrieben 01 February 2006 - 23:40

Wer lange sucht, wird.. na ja wie auch immer. Hab's gefunden: "Excerpts from the Records of the New Zodiac and the Diaries of Henry Watson Fairfax" von Chet Williamson, 1999 Übersetzung erschienen in z.B.: "999 Festmahl des Grauens" Heyne BÜCHER als "Auszüge aus den Protokollen des New Zodiac und den Tagebüchern von Henry Watson Fairfax" Wenns die Ähnlichkeit Zufall ist WOWOWOW gruß Thad

#19 Armin

Armin

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Geschrieben 02 February 2006 - 10:03

"Excerpts from the Records of the New Zodiac and the Diaries of Henry Watson Fairfax" von Chet Williamson, 1999


Danke für den Hinweis.
Ich habe mir Williamsons Geschichte heute Morgen kurz angeschaut und kann dir – was die äußere Form angeht – nicht widersprechen. Ich weiß zwar nicht, ob Uwe die Story kennt, es könnte aber durchaus gut sein, dass er sich davon hat inspirieren lassen. Uwe?
Inhaltlich sind „Die Geheimprotokolle des Wisconsin-Club“ aber was völlig anderes, denke ich, deshalb würde ich das auch für absolut legitim halten, falls es so sein sollte.

Gruß
Armin

#20 ThadMiller

ThadMiller

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Geschrieben 02 February 2006 - 18:45

Inhaltlich sind „Die Geheimprotokolle des Wisconsin-Club“ aber was völlig anderes, denke ich, deshalb würde ich das auch für absolut legitim halten, falls es so sein sollte.

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Selbstverständlich, das sehe ich auch so.
Ich wollte auch niemandem ans Bein pinkeln. Ist mir halt beim Lesen der Geschichte aufgefallen. Das wars auch schon.

gruß
Thad

#21 Armin

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Geschrieben 03 February 2006 - 11:00

Da sind wir uns ja verblüffend einig :(


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