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Earth Rocks! 5


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3 Antworten in diesem Thema

#1 Naut

Naut

    Semantomorph

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Geschrieben 21 April 2008 - 18:17

Heft Nummer 5 des ambitionierten Magazins "Earth Rocks!" steht unter dem Motto "Fremde Klänge" - und gemeint sind damit die Querverbindungen zwischen Klang, Musik und Phantastik.

Los geht es allerdings erstmal mit den (seit einigen Heften schon laufenden) Serienartikeln: Zunächst Austro Mars, die recht informative Reihe über die Aktivitäten des Österrecihischen Weltraumforums. Der aktuelle Beitrag, Nummer 3 von 6, gerät dabei etwas trocken als Faktenaufzählung. Dies ist vielleicht dem diesmal reduzierten Umfang geschuldet.

Als nächstes setzt Friedhelm Schneidewind seine faszinierende Serie über Mythen und Religionen in der Phantastik fort. Ich denke, allein dieser Artikel lohnt die Anschaffung des Heftes, sofern man sich für den Themenkomplex auch nur am Rande interessiert. Schneidewind ist ein ausgewiesener Experte, schreibt aber dabei recht unterhaltsam.

Im Interview wird diesmal Uwe Post interviewt, der einige Informationen über seinen (noch) aktuellen Roman "Zweiland" herausrückt und nützliche Tipps gibt, wie man als Jungautor schnell von 0 auf 100 beschleunigt. Für Fans und Postkomplettisten unverzichtbar, aber auch sonst nicht uninteressant.

Das Heftthema beginnt mit den drei platzierten Geschichten aus dem Wettbewerb. Platz 1 belegt Lydia Gschosmann mit einer zwar recht eloquenten, aber dennoch etwas "kanonischen" Fantasygeschichte. Melodie der Heimat erzählt im Stil vergangener Jahrhunderte die Lebensgeschichte einer Quellnymphe - fließend zu lesen, aber auch etwas zu vertraut, um wirklich mitzureißen.
Auf Platz 2 folgt Bernhard Weißbecker mit einer für ihn recht typischen Thematik über den Menschen als Eindringling in fremden Kulturen und Ökosystemen. Der Gesang der Odai ist ähnlich gelagert wie seine Erzählung im Story Center 2007, besticht aber vor allem durch ein farbiges Setting. Die Pointe hingegen hätte es nicht unbedingt gebraucht.
Platz 3 schließlich ist Salina P. Thomas' Geschichte Der Botschafter, eine etwas naive Parabel über den Platz, den jeder Heranwachsende im Leben finden muss. Auch diese Story ist aber schön erzählt und unterhält in der kurzen Form.

In der neuen Rubrik "Aufgestöbert" bringt Earth Rocks! eine Kurzgeschichte von Helfried Kammerhuber, Watashi No Karewa Pailotto. Schon einige Jahre auf dem Buckel, bezeichnete Uwe Post (eben jener!) sie einmal als "SF des 21. Jahrhunderts", und meinte damit eine Idee, die nicht ein Thema der vergangenen 200 Jahre wiederkäut. Recht hat er, kommt die Geschichte doch kurz & knackig auf den Punkt, und ist damit definitiv die Ausgrabung wert.

Thomas Templ setzt seine Reihe How to create a Universe, diesmal zur Kultur der Schöpfung, wie üblich charmant, aber auch etwas unbeholfen und unstrukturiert fort. Als Inspirationsquelle für den Einsteiger in die Thematik ist das sicher nicht verkehrt.

Zwei Interviews beschließen das Heft: Christian Bruhn weiß leider im Gegensatz zu früheren Intwerviews nicht viel Neues zu seinen Werken (und hier interessiert uns natürlich vorrangig "Captain Future", weniger "Unser Bernhardiner ist ein Schlawiner") zu berichten - wie auch, ist in den zahlreichen Berichten über die Jahre doch schon das meiste gesagt. Immerhin gibt es noch manche Einsicht zum neueren Musikbetrieb aus Sicht eines Mannes, der die deutschsprachige "Soundtrack"-Landschaft wie sonst nur wenige geprägt hat.
Schließlich wird Kirstin Tanger noch zum Thema Filk-Music befragt. Das wiederum fand ich interessant, vielleicht, weil mich das Gebiet wirklich (bisher) nicht die Bohne interessiert hatte und ich daher nichts darüber wusste.

Insgesamt ist sichtbar, dass sich Earth Rocks! zu einer echten Institution entwickelt. Die Qualität der Beiträge ist nicht immer höchstes Niveau, aber das macht ja eigentlich den Charme eines Fanzines aus. Dafür entschädigt die wirklich sehr bunte, oft außergewöhnliche Themenauswahl und nicht zuletzt - und das will ich hervorheben - das außergewöhnlich gelungene Layout. Obwohl verspielt, wirkt das Heft nicht aufdringlich oder amateurhaft, sondern lässt hier viele, etabliertere Hefte hinter sich.

Insgesamt viel Kurzweil für einen günstigen Preis.
Liest gerade: Branderson: Kinder des Nebels; Chambers: Zwischen zwei Sternen

D9E: Das Haus der blauen Aschen | Die Seelen der blauen Aschen | Die Sonne der Seelen
Fieberglasträume | Tiefraumphasen | Gamer | biomAlpha

#2 Flo

Flo

    Infonaut

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Geschrieben 22 April 2008 - 07:07

Hi Naut!


Oh, hat es deine strenger Zeitplan erlaubt eine Rezi über unser letztes Heft zu machen. Vielen lieben Dank.
Da bekomme ich gleich Gänsehaut.

Ich muss zugeben, dass du mir hier mit ein paar klaren Worten sehr geholfen hast. Es ist ja gar nicht so leicht ein Fanzine rauszugeben, wenn man das noch nie gemacht hat. Aber nach 5 Ausgaben bekommt man schon ein bisserl ein Gespür.
Wir werden uns aber auf alle Fälle der Kritikpunkte annehmen, denn als allererstes wird das nächste Heft im Umfang größer und detailierter. Jetzt wo auch ein bisserl Kohle da ist. :D

Zu den Geschichten möchte ich noch anmerken, dass sich der Wettbewerb ja als "Spielplatz" für Neulinge versteht. Ganz im Auftrag des Vereinsmottos "Förderung phantastischer Literatur". Über die Jahre wird sich dabei sicher das eine oder andere Talent finden, dass es wert ist aufgebaut zu werden.
Es heißt aber NICHT, dass nicht auch renomierte Autoren den Neuen mal beweisen können, wie man es richtig macht. :rolleyes:

In diesem Sinne:
Höchstes Niveau ist unser unterstes Ziel! Wir sind zwar erst ein Jahr alt, bekommen aber schön langsam Zähne.

Freut mich, dass wir mit einer bunten Gaartensalatmischung bestechen können.

lg, Flo

ps: Besagtes Heft und die Vorgänger gibt es hier zu erstehen: Earth Rocks, das Magazin

Bearbeitet von Flo, 22 April 2008 - 13:19.


#3 Thomas Sebesta

Thomas Sebesta

    Biblionaut

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Geschrieben 23 April 2008 - 11:20

... Schneidewind ist ein ausgewiesener Experte, schreibt aber dabei recht unterhaltsam.

...

Das Heftthema beginnt mit den drei platzierten Geschichten aus dem Wettbewerb....etwas zu vertraut, um wirklich mitzureißen....Die Pointe hingegen hätte es nicht unbedingt gebraucht....schön erzählt und unterhält in der kurzen Form.

...

In der neuen Rubrik "Aufgestöbert" bringt Earth Rocks! eine Kurzgeschichte von Helfried Kammerhuber, Watashi No Karewa Pailotto. Schon einige Jahre auf dem Buckel,...



Es ist ja nicht beliebt, wenn mehrere hintereinander das gleiche von sich geben, aber ich bin einer Meinung mit Naut.

Zu Schneidewind würde ich noch ergänzen, dass ich es sehr gut finde, dass sich das Magazin von Earth Rocks auch sekuntärliterarischen Themen widmet. Ich stehe auf dem Standpunkt dass es zwar nicht unbedingt erforderlich ist diesbezüglich belesen zu sein um gute Geschichten zu schreiben, aber dass es noch keinem Autor geschadet hat, sich damit auseinanderzusetzten. Daher kommt es dem Förderungsgedanken sehr zupass und ist ein wichtiges Kapitel in den einzelnen Heften.

Der Wettbewerb für diese Ausgabe war, so finde ich, der schwächste bisher. Das muss man aber auch etwas relativieren, da das vorgegebenen Thema nicht gerade einfach war. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass Themen vorgegeben werden und nicht einfach so ins Blaue hineinfabuliert wird.

Besonders freut es mich, dass ich mit meiner Meinung zur Kurzgeschichte von Kammerhuber nicht alleine dastehe - ich finde sie ist wirklich ein kleines Juwel. Danke dass sie ausgegraben wurde. Ich bin neugierig, ob noch weiter solche Edelsteine der Entdeckung harren.

Gruß
Thomas

Bearbeitet von t.sebesta, 23 April 2008 - 12:52.


#4 Uwe Post

Uwe Post

    Preisträger'o'naut

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Geschrieben 23 April 2008 - 12:33

Auch ich möchte unterstreichen, dass der Sekundär-Teil von ER eine gute Qualität hat. Naturgemäß kommen bei einem (kleinen) Story-Wettbewerb nicht immer die absoluten Top-Texte rüber, dementsprechend sehe ich den Schwerpunkt von ER auch nicht im Story-Teil. Das ist aber auch gut so, denn in Konkurrenz zu Nova, Exodus und wie sie alle heißen muss man sich nicht begeben. ER ist auf einem guten Weg, vor allem mit Schneidewind haben sie einen dicken Fisch an der Angel. Da kann man nur sagen: Weiter so!

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