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PR vs Kleinverlagprodukte vs große Verlage


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219 Antworten in diesem Thema

#91 Gast_jasicher_*

Gast_jasicher_*
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Geschrieben 19 August 2009 - 08:09

Echophage, das glaubst du doch nicht wirklich, mit dem Roman, oder (dass du das auch kannst)? Und du ziehst zehn Zeilen, die du geschrieben hast, als Beweis heran? Sehr interessante, aber völlig falsche Methode. Taugt überhaupt nichts. Ein Roman hat eine gewisse Länge, einen gewissen Aufbau, eine Dramaturgie, handelnde Personen undsoweiter. Das natürlich mehr oder weniger gut, auch bei Perry Rhodan. Das steht ja außer Frage. Das ist etwas anderes als mal fünf zusammenhängende Sätze zu schreiben. Aber du kannst es ja ruhig weiterhin glauben. Auch andere haben inzwischen geschrieben, dass ein Roman etwas anderes als ein Führerschein ist. Für mich ist das Thema beendet, übrigens. Arividertschi. Lebe weiter in deiner Echophage-Scheinwelt.

#92 Gast_jasicher_*

Gast_jasicher_*
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Geschrieben 19 August 2009 - 08:12

Zu Stahlfront, was Echophage so schön als Beispiel heranführt. Naja, es ist schon Kunst in dem Sinne. Allerdings vom Inhalt und auch vom Handwerk her sehr, sehr schlechte Kunst. (Meine Meinung, nicht mehr.) Muss es ja auch geben. Der ominöse Autor beherrscht sein Metier nicht, ganz einfach. Da sind wir uns sicher alle einig. (Meine Meinung, nicht mehr.)

#93 Gen. Bully

Gen. Bully

    Perrynaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 09:21

Auch wenn es Dich sicherlich etwas schockieren wird. Dieses Forum ist u.a. auch in dieser Hinsicht nicht besser als das NGF.


....schön zu sehen das...... ^^



Hi, Strega.
"Es gibt 5 Arten der Lüge: die gewöhnliche Lüge, den Wetterbericht, die Statistik, die diplomatische Note und das amtliche Kommuniqué" George Bernhard Shaw
"Bazinga!"

#94 Diboo

Diboo

    Kaisertentakel

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Geschrieben 19 August 2009 - 09:45

Dann schick mal schnell deine Persokopie an den Betreiber.


Schecks und Bargeld werden alternativ sicher nicht abgelehnt.

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
(13. Erwerbsregel)

"Anyone who doesn't fight for his own self-interest has volunteered to fight for someone else's."
(The Cynic's book of wisdom)

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#95 MoiN

MoiN

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Geschrieben 19 August 2009 - 12:01

Hi, Strega.

Komisch. War gestern auch mein erster Gedanke.... :blink: :D

Bearbeitet von MoiN, 19 August 2009 - 12:15.

πάντα ῥεῖ

 

Büchermarkt ...druckfrisch...dlr lit  ...Verena ... Dana ...swrwi ...brwi ..   .A I N


#96 MoiN

MoiN

    Galaktonaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 12:10

Auch andere haben inzwischen geschrieben, dass ein Roman etwas anderes als ein Führerschein ist. Für mich ist das Thema beendet, übrigens. Arividertschi.

Hat Echo ja auch gar nicht bestritten. Es ist sicherlich leichter, einen Führerschein zu bekommen (warum wohl haben so viele Millionen einen :blink: ), als einen Roman zu schreiben. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß auch ein Autor sein Handwerk erlernen muß. So wie ein Maler den Umgang mit Pinsel und Palette. :D

Und auch nicht alles, was sich auf einer Leinwand wiederfindet, ist Kunst. Genausowenig wie alles Kunst ist, was "Roman" sich nennt. - Aber um da nicht im Vakuum zu diskutieren, müßten man überhaupt erstmal definieren, was denn mit "Kunst" eigentlich gemeint ist. :D ;)

Bearbeitet von MoiN, 19 August 2009 - 12:11.

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#97 Lomax

Lomax

    Illuminaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 12:29

Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß auch ein Autor sein Handwerk erlernen muß. So wie ein Maler den Umgang mit Pinsel und Palette. :D
...
Und auch nicht alles, was sich auf einer Leinwand wiederfindet, ist Kunst. Genausowenig wie alles Kunst ist, was "Roman" sich nennt. - Aber um da nicht im Vakuum zu diskutieren, müßten man überhaupt erstmal definieren, was denn mit "Kunst" eigentlich gemeint ist. :blink: :D

Da Kunst ja schwer greifbar ist, würde ich den Unterschied an so was wie einer "Talentschwelle" festmachen. Natürlich kann auch nicht wirklich jeder einen Führerschein machen - wenn man beispielsweise blind ist, dürfte es schwierig werden. Aber die Schwelle für die Voraussetzungen, die man mitbringen muss, um einen Führerschein machen zu können, ist so niedrig, dass man schon von einem außergewöhnlichen Handicap sprechen muss, wenn jemand nicht dazu in der Lage ist.
Bei Leistungssport sieht die Sache schon was anders aus. Nicht jeder ist in der Lage, in der "Profiliga" mitzuspielen - auch bei allerhärtestem Training nicht. Da muss schon eine körperliche Veranlagung vorhanden sein, die überdurchschnittlich ist. Beim "Weinexperten" würde ich es ähnlich sehen - natürlich kann man seinen Geschmack schulen, aber damit man professionell verköstigen kann, muss man schon eine Sinnesschärfe haben, die man nicht mehr automatisch bei jedem Durchschnittsbürger voraussetzen kann.
Das ist auch keine außergewöhnliche Erscheinung, die Leistungssport, Weinkunde oder auch das Heftromanschreiben auf eine qualitativ neue Ebene hieven könnte. Schon bei vielen ganz normalen Berufen ist ein gewisses Grundtalent Voraussetzung. Man lernt ein Handwerk - aber eine gewisse Grundfähigkeit muss da sein, um es überhaupt lernen zu können.
Bei einem Müllmann oder einem Bäcker würde man diese Schwelle sicher sehr niedrig ansehen und zu dem Schluss kommen, dass es womöglich noch "jeder" lernen kann. Bei Grafikern oder Dolmetschern sieht die Sache schon anders aus. Und bei Heftromanen eben auch, unabhängig davon, dass eine Menge erlernbares Handwerk dabei ist.
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#98 Morn

Morn

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Geschrieben 19 August 2009 - 12:41

Ich finde es interessant, dass einem Angeberei vorgeworfen wird, wenn man behauptet, dass _jeder_ etwas kann.

@ Lomax:

Um das Fußball-Beispiel aufzugreifen: Mit der Bezirksoberliga ist vermutlich was Wahres gesagt. Der Irrtum fängt dann an, wenn man glaubt, Heftromane wären die Bezirksoberliga der Literatur. Heftromane sind eine eigene Sportart, und die veröffentlichten Autoren haben es in die Profiliga dieser Sportart geschafft. Das ist durchaus oberhalb der Grenze, die man für einen Führerschein oder für irgendwas anderes, was "prinzipiell jeder kann", erreichen muss.
Nein, Echophage: Im Prinzip verstehe ich deine Einschätzung und weiß auch, wie sie zustandekommt. Man liest immer mal wieder was, bei dem man denkt, das hätte ja eigentlich jeder schreiben können. Aber dann wiederum kenne ich auch genug Beispiele, die mich gelehrt haben: Der Eindruck täuscht. Einer Menge Leute können es wirklich nicht.


Ich hatte Echophages These so verstanden, dass es sich um eine einmalige Anstrengung handeln wuerde, dass prinzipiell jeder einen durchschnittlichen Heftroman schreiben koennte, wenn er genuegend Aufwand treibt, um alles dafuer notwendige zu lernen. (Der Aufwand wuerde sich dabei natuerlich erheblich von Mensch zu Mensch unterscheiden, und es setzt voraus, dass es durchgezogen wuerde, egal wie lange es dauern wuerde, also "prinzipiell", da die Bedingungen ja ueberhaupt nicht realistisch sind.) Ich wuerde "Heftroman" gerne durch "Geschichte mit vorgegebener Laenge" ersetzen. Wuerde das deiner Meinung nach einen Unterschied machen, oder gilt Dein o.g. Argument auch in diesem Fall? "[D]ie veröffentlichten Autoren haben es in die Profiliga [...] geschafft", ohne Zweifel, aber die Behauptung war m.E. _nicht_, dass "jeder ein durchschnittlicher Autor werden koennte". Ich denke aber selbst, dass es nicht jeder koennte, da mMn auch z.B. Sprachgefuehl usw dazu gehoert, das man mE nur bis zu einem gewissen Grad lernen kann und der Rest ist Talent. Aber das haengt vielleicht auch von der Definition von "Durchschnittlichkeit" ab. Woran erkennt man eine durchschnittliche Geschichte?

#99 Mycroft

Mycroft

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Geschrieben 19 August 2009 - 13:46

Na ja - das mit dem Künstleranspruch hin und her - das gibt es auch in ganz anderen und recht unterschiedlichen Feldern. Zwei Beispiele:

1. ist ein Softwareentwickler - der sich, wohlgemerkt, auf die Entwicklung komplexer Algorithmen spezialisiert hat - ein "Künstler" oder nicht? Manche halten sich für solche. Wieder andere halten dasfür ausgemachten Unsinn...
2. Ist ein Fussballspieler ein Künstler? OK, der Klopper aus der B-Liga nicht, aber schau dir mal das Tor an, das Hleb gerade zum 2:0 für den VfB Stuttgart in Timisoara geschossen hat...

Vielleicht ist gerade das Fussballbeispiel wieder mal das treffende. Was Echo letztlich sagt, ist: mehr oder weniger jeder kann, wenn er sich entsprechend reinhängt und es wirklich will, Bezirksoberliga spielen. Zur Bundesliga oder gar Weltklasse reicht es damit nicht automatisch.

Das würde ich so unterschreiben. Und - dazu muss sich Echo nicht extra in eine Bezirksoberligamannschaft stellen und mir irgendwas beweisen... :blink:

Ich war Neujahr bei einer Veranstaltung, wo diskutiert wurde, ob Informatik eine Ingenieurwissenschaft oder eine Geisteswissenschaft sei. Ich: "Vllt. ist es ja eine Sprachwissenschaft." Das hatte die Diskussion bereichert, aber nicht beendet. :D

Wenn ich das mit dem Fußball richtig verstehe, geht es also doch nicht einfach um den Kunst-Handwerk-Gegensatz, sondern mehr um den Gegensatz gut-genial.
Oder durchschnittlich-genial, wobei ich mich mit "durchschnittlich" schwer tue. Das ist der Kaugummibegriff schlechthin. :D

Und da bin ich anderer Meinung als Echo: er fordert Heftromane, die so gut sind, dass eben nicht "jeder" lernen/üben kann, so gut zu werden, sondern eben besser sind.
Ich erwarte realistischerweise nicht, dass das immer möglich ist. (Oder wenn, würde genial zum Standard, also "Durchschnitt"...)
Bescheiden begnüge ich mich mit spannenden Geschichten, überraschenden Wendungen, interessanten Völkern und Personen und vor allem dem Fehlen von peinlichen Liebesgeschichten. Sachen, die "lernbar" sind. ;)
Bzw., die man ohne "Genie" erreicht.
Anderswo known as Yart Fulgen

#100 Lomax

Lomax

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Geschrieben 19 August 2009 - 14:12

Ich hatte Echophages These so verstanden, dass es sich um eine einmalige Anstrengung handeln wuerde, dass prinzipiell jeder einen durchschnittlichen Heftroman schreiben koennte, wenn er genuegend Aufwand treibt, um alles dafuer notwendige zu lernen ... Wuerde das deiner Meinung nach einen Unterschied machen, oder gilt Dein o.g. Argument auch in diesem Fall?

Das ist ein interessanter Einwand. Prinzipiell würde ich sagen, wenn man genug Fähigkeiten erworben hat, um einen Roman in der entsprechenden Klasse zu schreiben, kann man auch mehrere schaffen - denn überhaupt den Stand zu erreichen, ist ja die größte Arbeit. Wenn man mit einem Roman gezeigt hat, dass man prinzipiell dazu fähig ist, dann ist es womöglich wirklich nur noch eine Frage der Übung und Routine - und des Willens -, bis man an einen Punkt kommt, diese Leistung regelmäßig reproduzieren zu können.
Andererseits habe ich auch eine sehr konkrete Erfahrung aus dem Studium mitgebracht: Zwei, dreimal habe ich es in einem Hauptseminar alte Geschichte erlebt, dass der Professor meine Übersetzung für deutlich besser hielt als die der Standardedition - in der ich auf diese Weise auch einige Fehler feststellen konnte. Allerdings habe ich zum Anfertigen dieser Übersetzung einen Aufwand treiben müssen, der jenseits von Gut und Böse lag. Ich konnte also durch investierte Zeit und Mühe durchaus die Qualität der Arbeit weit über das Niveau hinaus steigern, dass ich im Zeitrahmen eines "Profiübersetzers" erreicht hätte.
Inwiefern sich das Verallgemeinern lässt - eine gute Frage. Ich bin eher geneigt, das als Hinweis zu nehmen, dass ich mit entsprechender Übung vermutlich doch recht flüssige Lateinkenntnisse hätte erwerben können ... obwohl ich mich andererseits nie für einen besonders talentierten Lateiner gehalten habe und auch nie Ambitionen in diese Richtung entwickelt habe. Ich weiß also nicht wirklich, ob man durch einmalige, besondere Anstrengung seine Leistung über das Niveau heben kann, dass man jemals vom Talent her regelmäßig erreichen könnte. Ich muss zugeben, da glaube ich nur, dass die Perpetuierung und Optimierung einer einmal gezeigten Leistung nur eine Frage der Routine ist, und dass die grundsätzliche Hürde mit dem ersten Erreichen eines gewissen Niveaus überwunden ist. :D

"[D]ie veröffentlichten Autoren haben es in die Profiliga [...] geschafft", ohne Zweifel, aber die Behauptung war m.E. _nicht_, dass "jeder ein durchschnittlicher Autor werden koennte". Ich denke aber selbst, dass es nicht jeder koennte, da mMn auch z.B. Sprachgefuehl usw dazu gehoert, das man mE nur bis zu einem gewissen Grad lernen kann und der Rest ist Talent. Aber das haengt vielleicht auch von der Definition von "Durchschnittlichkeit" ab. Woran erkennt man eine durchschnittliche Geschichte?

Für mich ist die zentrale Hürde die "Verkaufbarkeit". Insofern würde ich auch nicht mehr widersprechen, wenn es hieße, jeder könne irgendeine Geschichte beliebiger Länge schreiben. Wenn mit "Durchschnittlichkeit" allerdings ein durchschnittlicher Profi-Text gemeint ist, würde ich schon widersprechen. Davor steht dann doch eine Qualitätshürde, die man nicht ohne ein gewisses Talent nehmen kann.
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#101 Arl Tratlo

Arl Tratlo

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Geschrieben 19 August 2009 - 15:25

Ich war Neujahr bei einer Veranstaltung, wo diskutiert wurde, ob Informatik eine Ingenieurwissenschaft oder eine Geisteswissenschaft sei. Ich: "Vllt. ist es ja eine Sprachwissenschaft." Das hatte die Diskussion bereichert, aber nicht beendet. :D


Warum überrascht mich das nicht.... ;)

Wenn ich das mit dem Fußball richtig verstehe, geht es also doch nicht einfach um den Kunst-Handwerk-Gegensatz, sondern mehr um den Gegensatz gut-genial.
Oder durchschnittlich-genial, wobei ich mich mit "durchschnittlich" schwer tue. Das ist der Kaugummibegriff schlechthin. :D

Und da bin ich anderer Meinung als Echo: er fordert Heftromane, die so gut sind, dass eben nicht "jeder" lernen/üben kann, so gut zu werden, sondern eben besser sind.
Ich erwarte realistischerweise nicht, dass das immer möglich ist. (Oder wenn, würde genial zum Standard, also "Durchschnitt"...)
Bescheiden begnüge ich mich mit spannenden Geschichten, überraschenden Wendungen, interessanten Völkern und Personen und vor allem dem Fehlen von peinlichen Liebesgeschichten. Sachen, die "lernbar" sind. :D
Bzw., die man ohne "Genie" erreicht.


Auch in der Bundesliga spielen ja keineswegs nur die Ballzauberer...
Ich erwarte auch nicht notwendigerweise einen Hleb - ein Simunic würde mir zum Beispiel schon ausreichen.
Was ich nicht brauche, ist dagegen ein Lell - aber der ist ja, wie unlängst unter Beweis gestellt, noch nicht mal drittligatauglich... :blink:
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  • (Buch) als nächstes geplant:David Gibbins - Tiger Warrior
  • • (Buch) Neuerwerbung: Joanne Harris - Runemarks
  • • (Film) gerade gesehen: Terminator Salvation
  • • (Film) als nächstes geplant: Harry Potter 6
  • • (Film) Neuerwerbung: N.a.

#102 † a3kHH

† a3kHH

    Applicant for Minion status in the Evil League of Evil

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Geschrieben 19 August 2009 - 16:17

Eigentlich bin ich Egos Meinung.
Aaaber : Wäre es so, daß jeder einen durchschnittlichen Roman schreiben könnte, würde dies bedeuten, daß man das Romanschreiben kodifizieren kann. Und dies würde implizieren, daß man es auch codieren kann. Nun kann sicher jeder von uns, auch jasicher, aus beliebigen Versatzstücken ein Romangerüst zusammenstoppeln. Aber die Verbindung dieser Einzelstücke verlangt ein kleines bißchen Kreativität auf diesem Sektor. Mehr als jeder Computer je zu leisten in der Lage ist. Und folglich auch nicht jeder Mensch aufbringt.
Also hat jasicher Recht.
Schade eigentlich.
Denn was Ego sagen wollte, ist daß in einem Roman immer auch eine gehörige Portion Handwerk drinsteckt. Siehe dazu etwa Andreas Eschbach. Von daher kann jeder, der dieses Handwerk beherrscht und eine gewisse minimale Kreativität hat, einen durchschnittlichen Roman schreiben. Aber ein bißchen literarische Kreativität ist unabdingbar.
:D

#103 Tennessee

Tennessee

    Cybernaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 16:37

Eigentlich bin ich Egos Meinung.
Aaaber : Wäre es so, daß jeder einen durchschnittlichen Roman schreiben könnte, würde dies bedeuten, daß man das Romanschreiben kodifizieren kann. Und dies würde implizieren, daß man es auch codieren kann. Nun kann sicher jeder von uns, auch jasicher, aus beliebigen Versatzstücken ein Romangerüst zusammenstoppeln. Aber die Verbindung dieser Einzelstücke verlangt ein kleines bißchen Kreativität auf diesem Sektor. Mehr als jeder Computer je zu leisten in der Lage ist. Und folglich auch nicht jeder Mensch aufbringt.
Also hat jasicher Recht.
Schade eigentlich.
Denn was Ego sagen wollte, ist daß in einem Roman immer auch eine gehörige Portion Handwerk drinsteckt. Siehe dazu etwa Andreas Eschbach. Von daher kann jeder, der dieses Handwerk beherrscht und eine gewisse minimale Kreativität hat, einen durchschnittlichen Roman schreiben. Aber ein bißchen literarische Kreativität ist unabdingbar.
:D


Salut a3,

damit argumenentierst du aber, dass es nur *eine* mögliche Weise gibt, wie ein PR-Roman geschrieben werden kann. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Autoren der Serie sind aber auch gegeben: Ein Leo Lukas schreibt anders als ein Uwe Anton, welcher wieder anders schreibt als ein Arndt Ellmer das tut.
Auch die von Echo immer wieder angeführtern Schreibwerkstätten weisen darauf hin, dass ein Roman handwerklich gemacht werden kann, dass es bestimmte Arten gibt, *wie* Spannung und Äktschn erzeugt wird usw.
Berücksichtigt man die ... Vielfalt, die die *Serie* PR romantechnisch hevorbringt und welche an den Polls zu Bewerzung des Autoren und Story ja abzulesen ist, dann kann man schon damit argumentieren, dass es für jeden möglich wäre, mit ein bisl handwerklicher Übung, ein Heft in der rhodanistischen Romanvielfalt zu platzieren.

lg
Ten,
der sich niemals zutrauen würde, einen PR-Roman zu schreiben.
"Mit meiner Frau in 'Romeo und Julia'. Das schlechteste Stück, das ich je gesehen habe, und dazu schauderhaft gespielt. Habe beschlossen, nie wieder in eine Premiere zu gehen, weil die Schauspieler dauernd ihren Text vergessen." (Samuel Pepys, 23.02.1633)

#104 Lomax

Lomax

    Illuminaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 16:59

Auch die von Echo immer wieder angeführtern Schreibwerkstätten weisen darauf hin, dass ein Roman handwerklich gemacht werden kann, dass es bestimmte Arten gibt, *wie* Spannung und Äktschn erzeugt wird usw.

Gutes Beispiel - aber für meine Argumentationslinie :D
Die Tatsache, dass ich ein paar Leute kenne, von denen ich weiß, dass sie teilweise schon seit 20 Jahren in "Schreibwerkstätten" aktiv sind, dass sie so ziemlich jeden Schreibratgeber gelesen haben, den es gibt, und die ganze Zeit auch schon in unterschiedlichen Gruppen an ihrer Schreibkunst feilen - und ich dann, wenn ich ihre Texte lese, das Gefühl habe, dafür hätte ich mich mit 16 schon geschämt ... Diese Erfahrung ist tatsächlich einer der wesentlichen Belege, auf die sich mein Gefühl stützt, dass es wohl tatsächlich nicht jeder lernen kann.

Ansonsten habe ich den Eindruck, dass a3 es eigentlich perfekt auf den Punkt gebracht hat: Es ist genau dieser nicht kodifizierbare Anteil, der für jede halbwegs veröffentlichbare literarische Arbeit nötig ist und der eben jenseits des erlernbaren Instrumentariums steht. Ich würde es nicht mal mit Kreativität gleichsetzen - auch so was wie Sprachgefühl oder ein Gespür für Dramaturgie gehört dazu.
Das hat nichts damit zu tun, dass es nur einen Weg gäbe, es "richtig" zu machen. Es gibt mehrere Wege, und selbst die in den zitierten "Schreibwerkstätten" genannten Rezepte lassen sich auf viele Weise umsetzen. Aber eben nicht auf jede Weise, und wer nicht in der Lage ist, die funktionierende Umsetzung einer Regel von der untauglichen zu unterscheiden, ändert daran auch durch langes Regellernen nichts, und durch langes üben oftmals erstaunlich wenig.
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#105 Tennessee

Tennessee

    Cybernaut

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Geschrieben 19 August 2009 - 17:42

Gutes Beispiel - aber für meine Argumentationslinie :D
Die Tatsache, dass ich ein paar Leute kenne, von denen ich weiß, dass sie teilweise schon seit 20 Jahren in "Schreibwerkstätten" aktiv sind, dass sie so ziemlich jeden Schreibratgeber gelesen haben, den es gibt, und die ganze Zeit auch schon in unterschiedlichen Gruppen an ihrer Schreibkunst feilen - und ich dann, wenn ich ihre Texte lese, das Gefühl habe, dafür hätte ich mich mit 16 schon geschämt ... Diese Erfahrung ist tatsächlich einer der wesentlichen Belege, auf die sich mein Gefühl stützt, dass es wohl tatsächlich nicht jeder lernen kann.

Ansonsten habe ich den Eindruck, dass a3 es eigentlich perfekt auf den Punkt gebracht hat: Es ist genau dieser nicht kodifizierbare Anteil, der für jede halbwegs veröffentlichbare literarische Arbeit nötig ist und der eben jenseits des erlernbaren Instrumentariums steht. Ich würde es nicht mal mit Kreativität gleichsetzen - auch so was wie Sprachgefühl oder ein Gespür für Dramaturgie gehört dazu.
Das hat nichts damit zu tun, dass es nur einen Weg gäbe, es "richtig" zu machen. Es gibt mehrere Wege, und selbst die in den zitierten "Schreibwerkstätten" genannten Rezepte lassen sich auf viele Weise umsetzen. Aber eben nicht auf jede Weise, und wer nicht in der Lage ist, die funktionierende Umsetzung einer Regel von der untauglichen zu unterscheiden, ändert daran auch durch langes Regellernen nichts, und durch langes üben oftmals erstaunlich wenig.


Salut Lomax,

ich stimme dir ja auch zu: Ich bin auch eher zweifelnd, ob jeder schreiben lernen oder den verdammt guten Roman schreiben kann - auch wenn gerade die Institutionen der Schreibwerkstätten und die Creativ-Writing-Bücher eine solche Haltung bewusst herausfordern. Denn dort ist die Hemmschwelle des Schreibenlernens zunächst einmal eine Kursgebühr bzw. der Ladenpreis. Und davon leben diese "Coachsachen" ja, und das ist auch erst mal völlig legitim: von einer (manchmal) gemeinen Illusion!
(Auch wenn ich z.B. von Berichten aus Schreibwerkstätten gehört habe, dass der erste Tag "der Tag der Desillusionierung" genannt wird, oder so ähnlich.)

Aber die Frage ist doch auch - und damit kommen wir vielleicht auch einen Punkt zurück, der am Anfang so gar nicht besprochen wurde: Hier wird immer von Kunst, dem künstlerischen Aspekt, dem Literarischen usw. gesprochen. Aber benötigt denn ein PR-Roman eine solche Schreibe? Jonas Hoffmann z.B. schrieb, dass er sich unterhalten lassen will. Und ich glaube, würde er einen PR-Roman lesen (müssen), in dem hochartifizielle Thomas Mann Schachtelsätze, surrealistische Kafkaesken oder Hubert Fichte'sche Stilismen stünden, er würde ihn wütend in die Ecke schmeißen.

Ein PR-Roman, das glaube ich einfach erst mal (belegen wäre noch ein Punkt für eine Perry Rhodan-Forschung *zwinker*), braucht einen bestimmten Stil, bestimmte Schreibe(n), die eben *nicht* zu (künstlerisch) abgehoben daher kommt.

lg
Ten,
hochartifiziell, ächt jezz.
"Mit meiner Frau in 'Romeo und Julia'. Das schlechteste Stück, das ich je gesehen habe, und dazu schauderhaft gespielt. Habe beschlossen, nie wieder in eine Premiere zu gehen, weil die Schauspieler dauernd ihren Text vergessen." (Samuel Pepys, 23.02.1633)

#106 Echophage

Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 17:57

Der Irrtum fängt dann an, wenn man glaubt, Heftromane wären die Bezirksoberliga der Literatur. Heftromane sind eine eigene Sportart, und die veröffentlichten Autoren haben es in die Profiliga dieser Sportart geschafft. Das ist durchaus oberhalb der Grenze, die man für einen Führerschein oder für irgendwas anderes, was "prinzipiell jeder kann", erreichen muss.

Das ist ein hochinteressanter Gedanke! Dem könnte man zustimmen, und das würde auch einige "Knoten sprengen". Jedoch sprechen zwei Dinge dagegen. Erstmal die Tatsache, daß PR ganz klar unter "normale Belletristik" läuft. Das schließt also nicht nur Maddrax und Lassiter, sondern sehr wohl auch Dan Brown, Markus Heitz oder sogar... ähm... "Prof. emer. Torn Chaines".
Mit andern Worten: man betreibt bei PR ja irgendwie dann doch dieselbe Sportart. :D
Der viel wichtigere Punkt (denn den ersten Einwand kann man durch ein bißchen "Definitionsflexibilität" leicht aushebeln) ist aber, daß sich die Autoren in ihrem Selbstverständnis ganz klar als "Fußballer" sehen dürften. Sehr stark deutet darauf z.B. die Bemerkung Uschi Zietschs, grundsätzlich jede belletristische Arbeit sei "kreative Kunst", hin; d.h. egal, ob man eine Kurzgeschichte, ein Buch, einen Heftroman verfaßt.
Tatsächlich ist es doch so, daß Heftromanautoren genauso Geschichten erzählen wie "richtige" Autoren - ist nicht so, als spielten die einen Tennis und die andern Eishockey. ;)

Dem Rest Deiner Ausführungen kann ich mich hingegen problemlos anschließen. :D

Außer natürlich:

[U]nd ich dann, wenn ich ihre Texte lese, das Gefühl habe, dafür hätte ich mich mit 16 schon geschämt ... Diese Erfahrung ist tatsächlich einer der wesentlichen Belege, auf die sich mein Gefühl stützt, dass es wohl tatsächlich nicht jeder lernen kann.

Denn das ist natürlich genau der Grund, warum ich mich zur Aufstellung der These, daß prinzipiell jeder einen durchschnittlichen Heftroman verfassen könnte, veranlasst sah!
Ich weiß ja nicht, ob Du die letzten fünf, sechs Jahre PR gelesen hast.
Aber schnapp' Dir doch mal so zutiefst durchschnittliche, (leider ziemlich) alltägliche PR-Kost wie z.B. "Technomorphose", "Risikoplan Charlie", "Opfergang", "Der dritte Messenger" oder "Der Sternenfindling". Oder noch besser, greif' zu einem der wirklich hundsmiserablen Romane der letzten Zeit, von denen es auch nicht gerade wenige gab! Ich empfehle "Finsternis über Terra", "Operation Kobaltblau", oder - meine "Lieblingszielscheibe" von PRA - "Regenten der Energie".
Bei der Lektüre solcher... "Werke", da geht mir nämlich genau das durch den Kopf, was Du so schön beschrieben hast. Dafür hätte ich mich mit 16 schon geschämt. Und nein, das ist eben keine Seltenheit. Da ich aber immernoch gerne davon ausgehen will, daß der durchschnittliche PR immernoch besser ist als der durchschnittliche Heftroman - wie sollte ich da nicht auf die Idee kommen, daß so mancherlei Krempel noch jedermann schreiben könne?
Deswegen schrieb ich ja ausdrücklich von durchschnittlichen Heftromanen; damit sind Meisterwerke wie eben "Quintatha" oder "Die dunklen Gärten" von vornherein ausgeschlossen. Selbst wenn man die genannten Romane nicht mögen würde - man könnte sie nur schwerlich als vom sprachlichen, handwerklichen, ja literarischen Niveau her "durchschnittlich für einen Heftroman" nennen. (Da wären wir dann wieder beim Wein, der zwar nicht jedem schmeckt, aber doch eine gewisse Qualität hat.)
Und auch so kleine, erfreuliche Geschichtchen wie z.B. "Galaxis der Antikrieger" oder das PR-Extra 7, "Die Stardust-Maschine", sind durchaus von jenem Minimalfünkchen Kreativität beseelt, das eben nicht jeder mitbringt, zweifellos. Ganz ebenso wie Romane, die einfach unter "guter Arbeit" laufen: "KOLTOROC", "Nach der Stasis" oder "Der Fund von Amienolc" z.B.

Diese Romane sind aber nunmal (leider, leider - ich freue mich darüber nicht!) nicht der Normalfall. Der Normalfall ist "Dienst nach Vorschrift"; ein "routiniert heruntergeschriebener", "flüssig zu lesender" "Roman". Na, Wahnsinn. Was unterscheidet das noch großartig von einem Zeitungsartikel, einem Lehrbuch oder einer Gebrauchsanweisung? Niemand würde letztere - von manch ambitioniertem Feuilleton-Artike vielleicht einmal abgesehen :wacko: - als Kunst bezeichnen wollen, oder etwas, wofür man eine "künstlerische Veranlagung" haben müßte.
Das ist zweifellos eine anstrengende Arbeit. Man hat eine Deadline. Man muß - gerade auch bei PR - einen Recherche-Aufwand betreiben, über ein Hintergrundwissen verfügen, daß zu erwerben sicherlich alles andere als einfach ist. Ganz zu schweigen davon von dem enormen Output, den so ein Heftromanautor pro Jahr einfach mal hat. Da schlackern selbst so manchem Journalisten die Ohren. Und der muß sich seine Artikel (wenn er was auf sich hält, anyway :blink:) nicht ausdenken.
Das will ich doch alles gar nicht verkennen. Aber deswegen muß ich das weder gut, noch außergewöhnlich, noch begabungsabhängig oder gar Kunst nennen. Niemand bestreitet, daß ein Medizin- oder ein Jura-Studium unglaublich anspruchsvoll, sehr schwer und fordernd ist. Niemand würde das deswegen Kunst nennen oder davon ausgehen, daß es Leute gibt, die's prinzipiell niemals im Leben schaffen würden.

Letztlich ist es natürlich so; wenn Du tatsächlich sagen kannst, daß alles, was Du bis jetzt an veröffentlichtem belletristischen Material gelesen hast, so weit Deine Mindestansprüche erfüllt, daß Du noch nie so reagiert hast wie bei den Texten Deiner sich seit Jahrzehnten in Schreibwerkstätten abmühenden Bekanntschaften - dann schätze Dich glücklich. Dann ist in der Tat Deine Wertung der "Veröffentlichungsfähigkeit" schlüssig. Ich für meinen Teil habe gerade bei PR in den letzten Jahren schon so viel unterstschudbladigen Schmutz lesen müssen, daß ich beim besten Willen dem Begriff der "Veröffentlichungsfähigkeit" keinerlei Vermögen zur Bestätigung eines gewissen "Mindeststandards" zusprechen kann*. Jedenfalls keines "Mindeststandards", der relevant oder gar erstrebenswert wäre. Ein bißchen mehr sollte es dann bitte schon sein. Gerne auch regelmäßig. ;)

*Jaja, warum les' ich dann überhaupt noch - und warum mach ich's nicht besser? :D
Ich habe erstens niemals behauptet, daß ich's besser könnte - nur genauso... "gut". Zweitens les' ich noch, weil's ja auch herausragend gute Romane gibt, wie meine Beispiele oben belegen sollten.

Bearbeitet von Echophage, 19 August 2009 - 18:21.

Von allen Gedanken
Schätze ich doch am meisten
Die interessanten...


#107 † a3kHH

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:19

Hier wird immer von Kunst, dem künstlerischen Aspekt, dem Literarischen usw. gesprochen. Aber benötigt denn ein PR-Roman eine solche Schreibe?

Wie oben ausgeführt braucht jeder Roman sein Quentchen Kreativität. D.h. jeder Roman ist Kunst, auch ein PR-Roman.
:D

#108 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:22

Wie oben ausgeführt braucht jeder Roman sein Quentchen Kreativität. D.h. jeder Roman ist Kunst, auch ein PR-Roman.

Na, da frag' ich Dich doch auch gleich nochmal: auch Stahlfront? :D

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#109 † a3kHH

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:29

Ja, auch Stahlfront.
Unabhängig vom Inhalt, der bei dem von Dir zitiertem Machwerk mehr als fragwürdig ist, ist die für einen Roman benötigte Kreativität auch hier unbestritten. So ungern ich diesen *zensiert* dies auch attestiere.
:D

#110 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:38

Bei einem Müllmann oder einem Bäcker würde man diese Schwelle sicher sehr niedrig ansehen und zu dem Schluss kommen, dass es womöglich noch "jeder" lernen kann. Bei Grafikern oder Dolmetschern sieht die Sache schon anders aus.

Genau das würde ich bestreiten wollen.
Zweifelsohne ist der Beruf des Dolmetschers anspruchsvoller als der Beruf des Müllmannes, da gibt's keine Diskussion. Aber es gibt doch - von schwersten Handicaps/Behinderungen einmal abgesehen - keinen Grund zu sagen, daß der Müllmann nicht auch Dolmetscher hätte werden können; wenn nur bestimmte kontingente Abläufe und Entscheidungen in seinem Leben gelaufen bzw. getroffen worden wären.
Diese Idee, daß "eben nicht jeder zum Studium geboren ist" - das diskreditiert doch all jene, die diesen Weg nicht einschlagen; als ob sie's nicht könnten und niemals nicht könnten. Klar, der eine braucht länger als der andere, mancher stellt sich "dümmer" an, dem nächsten fällt es leicht. Aber das sind doch keine prinzipiellen Gründe.

(Ganz im Gegensatz zu den Umständen die zum Zustandekommen so singulärer, so einzigartiger Ereignisse wie der Schöpfung eines "wahren Kunstwerks" führen, zum Weltrekord in einem Leistungssport, zum Lösen eines mathematischen Jahrhundertproblems etc.pp. - das sind Taten, die in der Tat nicht jeder vollbringen kann.)

Ansonsten müßte man ja schon all die "Tölpel", die es nur zum Hauptschulabschluß und einer Lehre bringen als prinzipiell "intellektuell minderausgestattet" bezeichnen. Und prinzipiell, das hieße hier: von Geburt an, durch eine meinetwegen genetische Disposition. Davon halte ich nicht viel. Alles, was sich halbwegs "verschulen" läßt - und dazu gehören Studiengänge (siehe Bologna :D) ebenso wie das Verfassen einer "belletristischen Auftragsarbeit" wie sie durch einen durchschnittlichen Heftroman repräsentiert wird -, das kann auch prinzipiell von jedem verstanden und erlernt werden. Der eine braucht hält länger, der andere weniger. Und natürlich ist es faktisch so, daß Leute niemals im Leben all das können werden, was sie prinzipiell könnten; schon allein, weil ihre Zeit endlich ist. Aber ich sprach zu jeder Zeit nur von der Disposition zum (mehr oder minder mühseligen) Erwerb bestimmter Fähigkeiten, nicht vom tatsächlichen Vorhandensein dieser Fähigkeiten.

Kurz: In jedem von uns steckt ein Autor durchschnittlicher Heftromane, genauso wie eine Putzkraft, ein Kantinenkoch oder ein Dipl.-Ing.; in nicht jedem von uns steckt ein Künstler, ein Talent oder gar ein Jahrhunderttalent.
(Ja, das bedeutet letztendlich, daß man zum Schreiben eines durchschnittlichen Heftromans nicht zwingend literarisches Talent braucht. Warum auch? Zum Schreiben einer Pressemitteilung braucht man das auch nicht. Jedoch auch da sind die richtigen Worte zu finden, auch da ist eine Deadline einzuhalten, auch da ist der Umfang vorgegeben.)

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#111 Mycroft

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:40

...... ähm... "Prof. emer. Torn Chaines".

Du hast vermutlich noch nie vom Begriff des Gesinnungsporno gehört, den ich gerade erst erfunden habe, aber Stahlfront macht genau das: es bedient einfach nur die Vorurteile seiner Zielgruppe, so wie Pornos die niederen Instikte ihrer Zielgruppe ansprechen. Von dieser Intention her wäre ein Überbegriff, der "TC"s Werke mit anderen Romanen zusammenfasst, etwas größer als der, der Dan Brown, PR und Maddrax zusammenfast (nur das bei PR und Maddrax wohl niemand aus einem Hubschrauber in den Tiber springt... :D ).
Ansonsten wäre "Belletristik" ein Überbegriff wie "Sport".

Mit andern Worten: man betreibt bei PR ja irgendwie dann doch dieselbe Sportart. ;)
Der viel wichtigere Punkt (denn den ersten Einwand kann man durch ein bißchen "Definitionsflexibilität" leicht aushebeln)

jaja

ist aber, daß sich die Autoren in ihrem Selbstverständnis ganz klar als "Fußballer" sehen dürften. Sehr stark deutet darauf z.B. die Bemerkung Uschi Zietschs, grundsätzlich jede belletristische Arbeit sei "kreative Kunst", hin; d.h. egal, ob man eine Kurzgeschichte, ein Buch, einen Heftroman verfaßt.
Tatsächlich ist es doch so, daß Heftromanautoren genauso Geschichten erzählen wie "richtige" Autoren - ist nicht so, als spielten die einen Tennis und die andern Eishockey. :D
...

Ich glaube schon, dass Heftromanautoren anders arbeiten als Dan Brown. Sie schreiben ihre Exposes nicht selbst, sie müssen viel mehr recherchieren :D , sie haben engere Abgabefristen, sie haben nur Teile einer Geschichte zu schreiben.
In Hinsicht auf die Erlernbarkeit der Arbeit wirkt sich das schon aus - man bekommt Vorgaben, die einem einen Teil der Denkarbeit abnehmen, man muss aber sehr wahrscheinlich mehr Disziplin haben. In PRA stand außerdem noch was von unterschiedlichen Absatzlängen bei Heft und Roman, das stelle ich mir vor, wie die unterschiedlichen Armbewegungen bei Tennis und Tischtennis (hast Du mal einen Tennisspieler Tischtennis spielen gesehen? Du errätst, was der sonst spielt. :blink: ).

Achso, zum Verhältnis Kunst und Handwerk: Michelangelo meinte mal, dass die Figur schon im Marmor wäre, man müsse sie nur noch heraus hauen.
Demnach sind alle, die aus dem verhauenen Marmorklotz, wo der David drin war, nicht den David machen konnten, Versager. Einfach alles wegkloppen, was nicht nach David aussieht, und fertig. Klingt doch einfach, oder?
Mal abgesehen davon, dass das auch eine harte Arbeit ist - die allermeisten Menschen halten Michelangelo für den größten Bildhauer seines Jahrtausends, und versuchen keine Davids aus irgendwelchen Klötzen zu hauen, auch, wenn er es für einfach hielt.
Meine Interpretation dieses Ausspruchs ist, dass man irgendwann einen Level der Meisterschaft erreicht, dass die eigene Genialität und Ausbildung nicht mehr unterscheidbar sind.
Anderswo known as Yart Fulgen

#112 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:43

Ja, auch Stahlfront.
Unabhängig vom Inhalt, der bei dem von Dir zitiertem Machwerk mehr als fragwürdig ist, ist die für einen Roman benötigte Kreativität auch hier unbestritten. So ungern ich diesen *zensiert* dies auch attestiere.
:D

Ach, mir fielen da noch ganz andere und wesentlich prominentere Machwerke aus der gleichen Ecke ein... :blink:
Alles schon Kunst?
Sieh' mal, das Problem ist doch... was ist das noch für ein Kunstbegriff, der so gleichmacherisch und allesrelativierend jeden hinterletzten Schmutz miteinschließt? Kann das ein vernünftiger Kunstbegriff sein? Was unterschiede denn dann z.B. das Wort Kunst - jetzt mal auf die belletristische Literatur bezogen - von der Gattungsbezeichnung Roman, wenn jeder Roman immer schon ein kleines Kunstwerk wäre?

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#113 Lomax

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:49

Das ist ein hochinteressanter Gedanke! Dem könnte man zustimmen, und das würde auch einige "Knoten sprengen". Jedoch sprechen zwei Dinge dagegen. Erstmal die Tatsache, daß PR ganz klar unter "normale Belletristik" läuft. Das schließt also nicht nur Maddrax und Lassiter, sondern sehr wohl auch Dan Brown, Markus Heitz oder sogar... ähm... "Prof. emer. Torn Chaines".

Da fängt das Thema an, komplizierter zu werden. Tatsächlich funktioniert ein Teil der Genreliteratur nach ähnlichen Regeln wie der Heftroman - genau genommen habe ich den Eindruck, dass die "Heftromanisierung" eines Teils des Taschenbuchsektors und der Rückgang der Heftromane Hand in Hand gehen. Es ist also durchaus so, dass Heftromane und Teile des normalen Buchmarkts in derselben Sportart spielen. Da kann ein guter Heftromanautor durchaus noch weiter "aufsteigen", oder "in mehreren Ligen spielen".
Aber keines dieser verschiedenen "Spielfelder" orientiert sich an den Richtlinien, die beispielsweise ein Germanist an "gute Literatur" stellen würde. Ein Heftromanautor qualifiziert sich durch sein "Training" nicht automatisch für Hochliteratur - umgekehrt kann aber auch ein Hochliterat nicht automatisch brauchbare Heftromane schreiben. Was letztendlich der deutlichste Hinweis darauf ist, dass es sich nicht um unterschiedliche Ligen derselben Sportart handelt.

Dass ein Heftromanautor auch in Buchform Erfolg haben kann; oder mancher erfolgreiche Romanautor vermutlich auch locker einen erfolgreichen Heftroman hinlegen kann, ist kein Hinweis darauf, dass alle Schreiber irgendwelcher Art denselben Sport spielen. Es zeigt nur, dass die "Sportart" sich nicht immer trennscharf an der Bindung der Produkte erkennen lässt, sondern dass man sich schon genauer das Regelwerk anschauen, nach dem "gute Literatur" in der jeweiligen Sparte funktioniert. Manches Buch spielt in der Heftromanliga mit - andere hingegen deutlich nicht, und dass nicht unbedingt, weil sie "besser" wären, sondern weil sie einfach anders funktionieren.

Sehr stark deutet darauf z.B. die Bemerkung Uschi Zietschs, grundsätzlich jede belletristische Arbeit sei "kreative Kunst", hin; d.h. egal, ob man eine Kurzgeschichte, ein Buch, einen Heftroman verfaßt.nen;

Darin würde ich auch keinen Widerspruch zur These von unterschiedlichen Sportarten sehen. Unterschiedliche Sportarten sind trotzdem alle noch Sport. Belletristisches Schreiben ist ein "Kunsthandwerk" - und damit enthält natürlich auch jede belletristische Arbeit auch ein Quantum kreative Kunst ... Aber wie schwierig es wird, den Kunstbegriff zu definieren, haben wir ja oben schon festgestellt.
Es heißt jedenfalls nicht, dass die Regeln in allen Feldern der belletristischen Arbeit gleich sind, nur weil sie einen (oder mehrere) gemeinsame Faktoren aufweisen.

Letztlich ist es natürlich so; wenn Du tatsächlich sagen kannst, daß alles, was Du bis jetzt an veröffentlichtem belletristischen Material gelesen hast, so weit Deine Mindestansprüche erfüllt, daß Du noch nie so reagiert hast wie bei den Texten Deiner sich seit Jahrzehnten in Schreibwerkstätten abmühenden Bekanntschaften - dann schätze Dich glücklich.

Ich muss zugeben, ich habe in den letzten Jahren genau nur ein PR-Heft gelesen. Ich maße mir also nicht an, da eine umfassende Qualitätsanalyse für zu geben. Ich habe tatsächlich eine Menge anderes belletristisches Material gelesen, das meinen persönlichen Mindesansprüchen wohl nicht gereicht hätte. Aber ich habe noch mehr unveröffentlichtes Material gelesen, das noch deutlich schlechter war. Ich schätze also die Spannbreite unterhalb des als schlecht empfunden veröffentlichten Materials vermutlich deutlich höher ein als du. Schon die "Durchschnittsware" im Heftroman hat ein Niveau, das man erst mal erreichen muss - und solange da eine professionelle Redaktion sitzt, gehe ich zumindest davon aus, dass auch die schlechteren PR-Romane nicht bis in die Tiefen hinunterreichen, die man wirklich völlig talentfrei erreichen kann.
Abgesehen von einigen Ausrutschern vielleicht, die aus irgendwelchen individuellen Gründen "durchrutschen" und nicht für Verallgemeinerungen taugen. Auch das habe ich anderswo schon erlebt - aber das sind bestenfalls Abstrusitäten, deren Werdegang für Anekdoten taugt, aber nichts darüber aussagt, was ein Schreiber bringen muss, um eine reguläre Veröffentlichungschance zu haben.
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#114 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:50

Achso, zum Verhältnis Kunst und Handwerk: Michelangelo meinte mal, dass die Figur schon im Marmor wäre, man müsse sie nur noch heraus hauen.
Demnach sind alle, die aus dem verhauenen Marmorklotz, wo der David drin war, nicht den David machen konnten, Versager. Einfach alles wegkloppen, was nicht nach David aussieht, und fertig. Klingt doch einfach, oder?

Naja, das ist eben der Blick des Genies! Den hat nicht jeder, weil nicht jeder ein Genie ist. Logischerweise sieht deshalb auch nicht jeder schon die Figur im Marmor. :D

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#115 Arl Tratlo

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:54

Wie oben ausgeführt braucht jeder Roman sein Quentchen Kreativität. D.h. jeder Roman ist Kunst, auch ein PR-Roman.
:D


Wenn wir bei einem "Quentchen" angelangt sind - ein "Quentchen Kreativität" brauchst du in fast jedem Job. Dann sind wir alle Künstler, und gut iss.

NB selbst bei dem einen oder anderen Posting vermag ich ein Quentchen Kreativität zu entdecken... :blink:
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#116 Crashlander

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Geschrieben 19 August 2009 - 18:59

Die "Kunst" des Heftroman-Autors (Anführungszeichen bitte nicht wertend verstehen) dürfte im wesentlichen aus drei Punkten bestehen: 1. Die zu erzählende Geschichte "exakt" auf der vorgegebenen Länge unterzubringen, 2. die zu erzählende Geschichte in der Zeit zu schreiben, die vom Verlag eingeräumt wird, und 3. diese Geschichte auf "Kommando" (Eintreffen des Exposées bei PR) schreiben zu können. Der Rest sollte sich meiner Einschätzung nach nicht von anderen Erscheinungsformen unterscheiden, also allgemein unter "Erzählkunst" einzuordnen sein. Wer ein schlechter Erzähler ist, der wird auch im Heftromanbereich nicht erfolgreich sein können. Aber wer gut erzählen kann, muß noch lange nicht ein guter Heftautor sein, weil er die Punkte 1 bis 3 vielleicht nicht erfüllen kann. Oder anders formuliert: Wer ein "normales" Buch schreibt dürfte in der Regel mehr Freiheiten haben als der Heftautor. Auch wenn der Umfang des Romans mit dem Verlag abgesprochen sein sollte, bei, z.B., 600 Seiten Gesamtumfang sollten fünf oder zehn Seiten mehr oder weniger keinen Beinbruch darstellen, bei 60 Seiten kann das eine Katastrophe bedeuten. Wenn der Autor einen Roman an einen Verlag verkauft und einen Abgabetermin bekommt, dann hat er die Idee wohl in den meisten Fällen schon parat, eventuell ist ein erheblicher Teil bereits geschrieben, er kann die Frist also besser abschätzen, als wenn er durch ein "aus heiterem Himmel" über ihn kommendes Exposée überrascht wird. (Einschränkungen gelten in Sachen Umfang bei den Kleinverlagen wohl aus Kostengründen) Was die von Tennessee angesprochenen stilistischen Fragen angeht, denke ich, daß das auch mit dem Zeitfaktor zusammenhängt: Um besondere sprachliche Feinheiten einzubauen bedarf es Zeit, muß ein Satz u.U. dutzende Male überdacht, umformliert und "poliert" werden. Soll das in einem Heftroman erfolgen, dann muß man beim Rest um so schneller schreiben können, um diese Zeit wieder aufzuholen. Da sich solche Eskapaden bei "anspruchsvollen" Romanen durch das gesamte Buch ziehen dürften, scheiden sie bei Heften daher aus. Der Heftromanautor ist da wohl mehr auf "spontane" Einfälle angewiesen. Das solche Romane auch als Heft funktionieren können und gut unterhalten will ich nicht ausschließen. Der Heftroman stellt sich deshalb "einfacher" dar, weil eben nicht die Zeit für ausgefeilte Spielereien vorhanden ist. Das heißt nicht, daß er schlechter sein muß. Anders sieht es aus, wenn man sich nach "Marketing-Gesichtspunkten" orientiert, und daher das sprachliche (und inhaltliche) Niveau soweit reduzieren will, daß wirklich jeder dem Roman ohne eigenes Nachdenken folgen kann. Ob das dann auf der Seite des Kunden als "lesen" betrachtet werden kann wäre ein anderes Thema. Für mich gehört zur Unterhaltung auch dazu, geistig angeregt zu werden. Wenn es nur um die "qualitative" Betrachtung geht, dann kann ich denen zustimmen, die meinen, jeder könne einen Roman auf Niveau von PR und Co. schreiben. Das ist nicht das Problem, wenn man erzählen kann. Aber die Geschichte auch noch nach den Punkten 1 bis 3 zu Papier zubringen? Da könnten sogar Literatur-Nobelpreisträger und ähnliche scheitern. Ich behaupte, das ist weniger "Kunst" oder "Handwerk", sondern eine große Portion Erfahrung, die Kunst, bzw. der kreative Aspekt kommt dazu, wenn es darum geht, überhaupt eine Geschichte zu konzipieren und sie zu erzählen.

#117 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 19:00

1 - Ein Heftromanautor qualifiziert sich durch sein "Training" nicht automatisch für Hochliteratur - umgekehrt kann aber auch ein Hochliterat nicht automatisch brauchbare Heftromane schreiben. Was letztendlich der deutlichste Hinweis darauf ist, dass es sich nicht um unterschiedliche Ligen derselben Sportart handelt.

2 - Darin würde ich auch keinen Widerspruch zur These von unterschiedlichen Sportarten sehen. Unterschiedliche Sportarten sind trotzdem alle noch Sport. Belletristisches Schreiben ist ein "Kunsthandwerk" - und damit enthält natürlich auch jede belletristische Arbeit auch ein Quantum kreative Kunst ... Aber wie schwierig es wird, den Kunstbegriff zu definieren, haben wir ja oben schon festgestellt.

1 - Auch dem kann ich erstmal zustimmen. Nur, was würdest Du davon halten, wenn ich jetzt sagte, daß zumindest ein Hochliterat "relativ problemlos" - mit ein bißchen Üben und nach dem runtersteigen vom hohen Rosse :unsure: - einen Heftroman schreiben könnte. Daß also jeder Hochliterat prinzipiell das Zeug zum Heftromanautor hätte; aber umgekehrt eben bei weitem nicht jeder Heftromanautor das Zeug zum Hochliteraten? M.a.W.: Der Hochliterat könnte durchaus "umschulen", während dem Heftromanautor dieser Weg nicht offenstünde; da eben DieHoheKunstDerHochliteratur™ (:lol:) nicht "schulbar" ist in demselben Maße, in dem die Auftragsarbeit, die ein mäßiger - um mal ein anderes Wort als durchschnittlich zu benutzen; in der Tat ist es ja eher kontingent, daß durchschnittliche Heftromane mäßig sind - Heftroman nun einmal darstellt, sehr wohl erlernbar ist.
(Eben ganz ähnlich einem Zeitungsartikel oder einem Lehrbuch - damit ist natürlich noch nichts über gute Zeitungsartikel und vor allem nicht über gute Lehrbücher gesagt. :unsure:)

2 - Ja, damit hast Du Recht. Ich ziehe also den Einwand zurück.

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#118 Arl Tratlo

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Geschrieben 19 August 2009 - 19:03

1 - Auch dem kann ich erstmal zustimmen. Nur, was würdest Du davon halten, wenn ich jetzt sagte, daß zumindest ein Hochliterat "relativ problemlos" - mit ein bißchen Üben und nach dem runtersteigen vom hohen Rosse :unsure: - einen Heftroman schreiben könnte. Daß also jeder Hochliterat prinzipiell das Zeug zum Heftromanautor hätte; aber umgekehrt eben bei weitem nicht jeder Heftromanautor das Zeug zum Hochliteraten? M.a.W.: Der Hochliterat könnte durchaus "umschulen", während dem Heftromanautor dieser Weg nicht offenstünde; da eben DieHoheKunstDerHochliteratur™ ( :lol: ) nicht "schulbar" ist in demselben Maße, in dem die Auftragsarbeit, die ein mäßiger - um mal ein anderes Wort als durchschnittlich zu benutzen; in der Tat ist es ja eher kontingent, daß durchschnittliche Heftromane mäßig sind - Heftroman nun einmal darstellt, sehr wohl erlernbar ist.
(Eben ganz ähnlich einem Zeitungsartikel oder einem Lehrbuch - damit ist natürlich noch nichts über gute Zeitungsartikel und vor allem nicht über gute Lehrbücher gesagt. :unsure: )

2 - Ja, damit hast Du Recht. Ich ziehe also den Einwand zurück.


Einspruch! Lass mal den FC Bayern auf einem Hartplatz antreten... :lol:
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#119 Lomax

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Geschrieben 19 August 2009 - 19:05

Zweifelsohne ist der Beruf des Dolmetschers anspruchsvoller als der Beruf des Müllmannes, da gibt's keine Diskussion. Aber es gibt doch - von schwersten Handicaps/Behinderungen einmal abgesehen - keinen Grund zu sagen, daß der Müllmann nicht auch Dolmetscher hätte werden können; wenn nur bestimmte kontingente Abläufe und Entscheidungen in seinem Leben gelaufen bzw. getroffen worden wären.

Ah ja, damit kommen wir zur schwierigen Frage, was dieses "Talent" eigentlich ist. Vielleicht hast du recht - ich habe manchmal das Gefühl, viel von diesem "Schreibtalent" ist vielleicht nicht rein angeboren, sondern hätte sich entwickeln könnne, wenn die Betreffenden nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer kognitiven Entwicklung mehr gelesen hätten. Aber natürlich ist eine solche These in der einen wie der anderen Richtung pure Spekulation.
Und es macht auch keinen wirklichen Unterschied, ob ein Defizit angeboren oder erworben ist, solange nur beobachtbar ist, dass es an dem Punkt, wo das "Talent" gebräucht würde, nicht mehr regelmäßig erworben werden kann.

Also, vielleicht hätte jemand, der es trotz 20jähriger Übung nicht schafft, einen vernünftigen Text zu schreiben, Autor werden können, wenn nur irgendwann irgendwas in seinem Leben anders gelaufen wäre. Nur: deine These, jeder könnte es lernen, rettet dieser Einwand nicht. Denn da dass, was da anders hätte laufen müssen, sich eben nicht genau greifen (und "kodifizieren") lässt, kann diese Lücke auch durch gezieltes Lernen nicht geschlossen werden.
Wem gewisse Grundfähigkeiten dazu fehlen, der wird das Heftromanschreiben nicht lernen. Und diese Fähigkeiten fehlen eben deutlich mehr Leuten als die Fähigkeiten für den Führerschein. Wo liegt in der Praxis der Unterschied darin, ob dieses Talent angeboren ist oder aus anderen, nicht (mehr) beeinflussbaren Gründen resultiert?
"Modern Economics differs mainly from old Political Economy in having produced no Adam Smith. The old 'Political Economy' made certain generalisations, and they were mostly wrong; new Economics evades generalisations, and seems to lack the intellectual power to make them." (H.G. Wells: Modern Utopia)

#120 Echophage

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Geschrieben 19 August 2009 - 19:06

Einspruch! Lass mal den FC Bayern auf einem Hartplatz antreten... :unsure:

Da sehe ich kein Problem - der FCB ist eine Kol... ähm... Fußball-MASCHINE, kein Fußball-Kunstwerk. Die würden das schon hinkriegen, die Säcke... Und selbst bei Barca oder Brasilien würde das klappen - die müßten halt ein bißchen üben. :unsure:

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