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PR vs Kleinverlagprodukte vs große Verlage


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219 Antworten in diesem Thema

#211 valgard

valgard

    Revoluzzer

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Geschrieben 24 August 2009 - 15:42

Das kann man in viele Ebenen auswalzen. So hab ich mich etwa letztens über das Titelbild zu Lukianenks Sternenschatten geärgert.
Eingefügtes Bild
Planet mit Kratzern. Da hab ich mich schon gefragt ob Dirk Schultz das wohl selbst als Kunst sieht.


Man müßte es größer sehen.
Ist aber nicht der Reißer.
Von der Idee her.

Also ein solches hätte ich auch hinbekommen!
Und auch sicher viele Andere.
Es kommt dann auch eben darauf an ob der Künstler ne Vorgabe hatte.

valgard
  • (Buch) gerade am lesen:Biom Alpha 1-3

#212 Tennessee

Tennessee

    Cybernaut

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Geschrieben 25 August 2009 - 07:34

Ich glaube man muss zwischen Kunst und Kunstwerk unterscheiden. Es gibt durchaus Kunst, die nicht *für* etwas gemacht wird, sondern einfach raus will. Ob das entstandene Kunstwerk hinterher etwas *macht*, ist schnurzpiepegal.
[...]


Salut lapismont,

ja, dieses Prinzip gibt es auch, es heißt "l'art pour l'art", Kunst der Kunst wegen, und war eine Richtung, die - grob gesagt - keinen Zweck außer ästhestischen zu erfüllen suchte. In der Musik würde das z.B. heißen, dass z.B. *Tanz*musik nicht dazu gehörte, da sie primär dem Zweck des Tanzes dient.
In der Literatur hatte diese Strömung Ende des 19., Anfang des 20 Jhds ihre Blütezeit. Das kannst du vergleichen mit den Künstlern, die quasi im Elfenbeinturm ihres Künstlertums sitzen und ihr Kunstwerk nur nach der Literarizität, der künstlerisch-ästhetischen Qualität, formal und handwerklich (Metaphern, Bilder usw.) schufen. (Das diskutiert btw. Thomas Mann in seiner Erzählung "Tonio Kröger"...)
Trotzdem ist da auch noch ein Pferdefuß: Die Kunst kann ja aus sich selbst heraus nichts machen; Kunst *wird* gemacht; und auch bei den "l'art pour l'art"-Vertretern ist Kunst mit einem Effekt verbunden: Sie erfreut (d.h. "unterhält") zumindest...

Die Unterscheidung zwischen Kunst und Kunstwerk ist natürlich richtig. Das Kunstwerk ist das Objekt bzw. Medium; Kunst das entsprechende ..mh... "Prinzip". Und der aristotelische Satz "Literatur ist Nachahmung" ist natürlich erst mal eine ganz allgeime und grobe und letztendlich nicht wertende Annäherung an den Kunstbegriff. AUch ein solches "Kunstwerk" wäre da zunächst Kunst:

Sie ist nun fort, ich schrei Oh je!
Was tut mein Herz mir denn so weh?
Sie war die schönste Frau auf Erden!
Was soll aus mir nun werden?
(Tennessee, 2009)

Das ist die Nachahmung von Liebeskummer über das Kunstwerk der Literatur, durch die Kunst. Ob das aber nun gefällt oder ob nun das auch qualitativ gut ist - das ist erst mal ne gaaaanz andere Frage.
Und Kunst an sich wird immer *für* etwas gemacht. Wenn du dich an den SChreibtisch setzt und ein Gedicht schreibst, ein Bild malst oder einen Ausdruckstanz steppst, dann machst du das aus einem Grund, d.h. dein Tanz oder was auch immer weißt auf einen Zweck hin, entweder für dich allein oder, wenn du das in die Öffentlichkeit packst, auch für viele. Mein obiges Gedicht z.B. hat ja auch einen Zweck - es dient als Anschauungsobjekt für einen Kunstbegriff. *zwinker*

lg
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"Mit meiner Frau in 'Romeo und Julia'. Das schlechteste Stück, das ich je gesehen habe, und dazu schauderhaft gespielt. Habe beschlossen, nie wieder in eine Premiere zu gehen, weil die Schauspieler dauernd ihren Text vergessen." (Samuel Pepys, 23.02.1633)

#213 Arl Tratlo

Arl Tratlo

    Temponaut

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Geschrieben 25 August 2009 - 08:44

Sie ist nun fort, ich schrei Oh je!
Was tut mein Herz mir denn so weh?
Sie war die schönste Frau auf Erden!
Was soll aus mir nun werden?
(Tennessee, 2009)


Hmm... dieses Gedicht könnte auch von Heinz Erhardt sein. Dann wäre es vermutlich sogar ein Meilenstein - wenn auch in einem anderen Kontext. Aber der Kontext ist ja nicht dein Ding... :D
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#214 Tennessee

Tennessee

    Cybernaut

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Geschrieben 25 August 2009 - 10:01

Hmm... dieses Gedicht könnte auch von Heinz Erhardt sein. Dann wäre es vermutlich sogar ein Meilenstein - wenn auch in einem anderen Kontext. Aber der Kontext ist ja nicht dein Ding... :D


Salut Arl,

Meilensteine schaffen war schon immer mein geringstes Problem. *grinst wie eine satte Katze*

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#215 lapismont

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Geschrieben 25 August 2009 - 10:39

Salut lapismont,

ja, dieses Prinzip gibt es auch, es heißt "l'art pour l'art", Kunst der Kunst wegen,

[...]
Die Kunst kann ja aus sich selbst heraus nichts machen; Kunst *wird* gemacht; und auch bei den "l'art pour l'art"-Vertretern ist Kunst mit einem Effekt verbunden: Sie erfreut (d.h. "unterhält") zumindest...


eigentlich mein ich genau das nicht
:D
Wahrscheinlich hab ich da eher ein philosophisches Gemenge im Sinn, allerdings bin ich gar kein Philosoph.
Darum: Ein Kunstwerk zu schaffen um einer Kunstform/Kunstrichtung zu entsprechen ist imho etwas anderes. Ich kann mich hinsetzen und einen Heftroman schreiben, weil ich einen schreiben will. Oder ich schreibe einfach einen Text, der mich grad überfällt.
Dabei kommt natürlich der ganze Textschreibkram zur Anwendung, der mich grad umtreibt, den ich kenne oder vielleicht eine spontane Neuentdeckung.
Kuss der Muse, Genie oder Unterbewusstsein - der Akt an sich passiert.
Ich kann ein blaues Bild malen und es ist nichts als ein blaues Bild. Ich kann aber auch jahrelang auf der Suche nach der brutalsten Strenge sein, das in tausend Bildern versuchen auszudrücken und plötzlich wird mir klar, eine blaue Leindwand stellt genau diese Strenge dar. Dann mal ich das und es ist mehr als nur eine blaue Leinwand - pour moi.
:rolleyes:
Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#216 Tennessee

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Geschrieben 25 August 2009 - 11:01

[...]
Ich kann ein blaues Bild malen und es ist nichts als ein blaues Bild. Ich kann aber auch jahrelang auf der Suche nach der brutalsten Strenge sein, das in tausend Bildern versuchen auszudrücken und plötzlich wird mir klar, eine blaue Leindwand stellt genau diese Strenge dar. Dann mal ich das und es ist mehr als nur eine blaue Leinwand - pour moi.
:rolleyes:


Salut lapismont,

"pour moi" ist es exakt. Pour toi kann es alles sein. Das ist auch ok. Aber wenn du möchtest, dass auch andere die blaue Strenge in deinem Bild feststellen und es als hochkünstlerisch bewerten, dann solltest du mehr bieten können als "pour moi". Ich sage dazu nur Beuys und der Fettfleck auf der Badewanne. *zwinker* Und dann auch damit leben können, dass einige Kunstbeflissene zu dem Urteil kommen, dass deine blaue Strenge nur eine blaue Leinwand ist.
Und ja! das führt genau zu dem Problem der Uneinigkeit. Blaue Strenge oder blaue Leinwand? Dies ist aber ein grundsätzliches Problem der Geistes- oder "Kunstwissenschaften", dass sie eben nur bedingt mit empirisch-normativen Parametern arbeiten - sie sind ja keine Naturwissenschaft. Sie haben oft ganz grundsätzliche, grobe Definitionen, die mit dem jeweiligem Werk, dass man begutachtet auch hinterfragt oder relativiert werden müssen. Und das macht es doch auch so spannend. *zwinker*

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#217 Heidrun

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    Giganaut

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Geschrieben 11 September 2009 - 12:05

Hallo zusammen, ich wollte mich schon immer mal bei all denen bedanken, die uns so heftig in Schutz nehmen. Natürlich ist die Arbeit im Kleinverlag, egal ob als Autor oder als Redakteur, ein Hobby. Wir verdienen nämlich alle nicht genug damit, um es zum Beruf zu machen. Ich habe keine Ahnung, wie hoch mein Stundenlohn als Herausgeber tatsächlich ist, aber als 1-Euro-Jobber hätte ich am Ende auf jeden Fall mehr ... Die Schlußfolgerung, daß etwas schlecht sein muß, nur weil es ein Hobby ist, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Für mich selbst hat das was mit künstlerischer Freiheit zu tun. Ich muß nichts schreiben, um am Monatsende die Miete bezahlen zu können. Ich kann Texte, die ich geschrieben habe, auch auf der Festplatte vermodern lassen, nur weil ich sie dämlich finde. Ich kann es mir leisten, einen Text zum zehnten Mal mit Änderungsvorschlägen an den Autor zu schicken, weil sich der Quatsch nicht rechnen muß. Wenn ich schon meine Freizeit ranhetze, dann will ich ein verdammt perfektes Buch machen. Ich weiß nicht, welcher Großverlag sich DREI Korrekturleser leistet, die das ganze Buch zweimal durchackern nach dem Satz. Und obendrein können wir uns ab und an mal irgendwas total Schräges leisten, wo wir uns gar nicht so sicher sind, ob die Leser das mögen. Den Versuch ist es wert. Außerdem kommen Autoren, die im wirklichen Leben ihr Geld verdienen, oft mit erstaunlich engagierten Storys daher, weil sie persönlich betroffen sind. Ich habe einmal fürs Fernsehen gearbeitet, und es war die Hölle, weil man hundert Herren hat und als Autor Schütze Arsch im letzten Glied ist. Falls die nicht irgendwann mal ein Drehbuch für mein eigenes Kleinverlagsbuch wollen, tue ich mir das nie wieder an. Man wird entweder depressiv davon oder Terrorist. Also - Danke, Kleinverlagsleser! Ihr seid die Besten!
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#218 Diboo

Diboo

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Geschrieben 11 September 2009 - 13:39

Ich habe keine Ahnung, wie hoch mein Stundenlohn als Herausgeber tatsächlich ist, aber als 1-Euro-Jobber hätte ich am Ende auf jeden Fall mehr ...



Speak for yourself, darling!

Ach Guido, danke nochmal für die Uhr von Cartier. Ich habe schon Druckstellen von den schweren Klunkern, die da eingearbeitet sind.

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
(13. Erwerbsregel)

"Anyone who doesn't fight for his own self-interest has volunteered to fight for someone else's."
(The Cynic's book of wisdom)

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#219 lapismont

lapismont

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Geschrieben 11 September 2009 - 13:57

da fällt mir ein: Wo bleibt die lederne Die Hard Cover Ausgabe der Tentakelbücher eigentlich?
Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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  • (Buch) gerade am lesen:Earl of Chesterfield – Über die Kunst, ein Gentleman zu sein

#220 Diboo

Diboo

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Geschrieben 11 September 2009 - 14:16

da fällt mir ein: Wo bleibt die lederne Die Hard Cover Ausgabe der Tentakelbücher eigentlich?



Ich bin bloß der Autor, meine Aufgabe ist es, Geld zu zählen.

"Alles, was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert, für Geld getan zu werden."
(13. Erwerbsregel)

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