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Fantasy & Science Fiction


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#1 Armin

Armin

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Geschrieben 19 November 2009 - 22:10

Gordon Van Gelder (ed.)
Fantasy & Science Fiction
October/November 2009 (No. 685)

Angehängte Datei  F_SF685.jpg   67.9K   12 Mal heruntergeladen

60 Jahre „The Magazine of Fantasy & Science Fiction“! Und, beeindruckender noch, Ausgabe Nummer 685. Zum Vergleich: Der deutschen Version, die lange im Heyne Verlag erschienen ist, ging mit Nummer 101 („Die Roosevelt-Depeschen“, erschienen im Jahr 2000) leider die Luft aus. Im Original erscheint das Magazin aber immer noch – zum Glück muss man sagen, wenn man die Ausgabe zum 60. Geburtstag in Händen hält. Die fällt mit 320 Seiten ein bisschen dicker aus als üblich (seit April 2009 erscheint „Fantasy & Science Fiction“ nicht mehr wie zuvor mit elf Nummern, sondern mit sechs Doppelausgaben jährlich, der normale Umfang liegt bei knapp über 250 Seiten) und wirkt auch äußerlich weitaus eher wie ein Taschenbuch als ein „Magazin“. Wichtiger ist der Inhalt: Auch der wird dem stolzen Jubiläum absolut gerecht. Das versprechen schon auf dem Cover Namen wie Kate Wilhelm, Robert Silverberg, Joe Haldeman oder Lucius Shepard.

Der Auftakt ist allerdings noch eher ernüchternd. Das Vorwort von Herausgeber Gordon Van Gelder kommt ein bisschen emotionslos daher – verglichen damit, wie als Einleitung zu den einzelnen Storys die vertretenen Autoren ihre jeweils ersten Begegnungen mit dem „Magazine of Fantasy & Science Fiction“ schildern, ist das doch eher mager, was Herr Van Gelder hier an gedämpfter Begeisterung versprüht. Vorbildlich macht das später Robert Silverberg, inzwischen vierundsiebzig Jahre alt und mit einem dementsprechend großen Erfahrungsschatz gesegnet. Seine Reminiszenz an die guten alten Zeiten liest sich, ehrlich gesagt, weitaus spannender und anrührender als die folgende Geschichte: „The Way they wove the Spells in Sippulgar“ entführt den Leser wieder einmal auf die Welt Majipoor, vermag aber längst nicht so sehr zu fesseln wie die dort angesiedelten Romane („Lord Valentine“). Letztlich eine der schwächeren Erzählungen dieser Ausgabe. Ganz anders sieht das bei einem weiteren Altmeister aus: „I waltzed with a Zombie“ von Ron Goulart (geboren 1933) ist eine köstliche Geschichte, die im Hollywood der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt ist und von den Nachforschungen eines Amateur-Detektivs über einen Schauspieler handelt, der zu untotem Leben wiedererweckt worden ist, damit ein Film fertig gedreht werden kann. Das ist sicher ganz und gar keine neue Idee, aber so charmant und stilsicher und herrlich altmodisch erzählt, dass es einfach Spaß gemacht, diese Story zu lesen.

Die erste Erzählung des Buchs fällt wesentlich ernsthafter aus. „The far Shore“ von Elizabeth Hand berichtet von Philip, einem alternden Ballett-Tänzer und -Lehrer, der seinen Job verliert. Es dauert, bis sich ein eher märchenhaftes als umwerfend fantastisches Element in die Geschichte schleicht. Die ist trotzdem lesenswert, weil einfühlsam erzählt und auch ohne spektakuläre Höhepunkte nie langweilig. „Shadows on the Wall of the Cave“ heißt ein weiteres Glanzlicht dieser Ausgabe: Kate Wilhelm (geboren 1928), von der in den letzten Jahren in Deutschland leider überhaupt nichts mehr zu lesen war, liefert mit ihrer Story einen hervorragenden Abschluss des Buchs. Drei Kinder spielen in einer Höhle, eines verschwindet und wird trotz aufwendigster Suchaktionen nicht gefunden. Die beiden anderen müssen damit leben – bis ihre Großmutter stirbt, sie an den Ort zurückkehren, den sie seit ihrer Kindheit gemieden haben, und das Unglaubliche geschieht …

Die längste Erzählung hat mit einem Umfang von fast siebzig Seiten Lucius Shepard beigesteuert. Entsprechend vielschichtig ist „Halloween Town“: eine Novelle, die sich Zeit nimmt, facettenreiche Charaktere zu entwickeln, die dem Leser anfangs vielleicht noch sperrig vorkommen mögen, die er am Ende aber kaum wieder verlassen will. Gelungen; Ähnliches gilt für „Bandits of the Trace“ von Albert E. Cowdrey wie auch für „Never Blood enough“ von Joe Haldeman. „Mermaid“ von Robert Reed mag eher leicht vorhersehbar sein, ist aber schön erzählt. Nicht ganz die Klasse der besseren Geschichten erreichen „Another Life“ von Charles Oberndorf, „Logicist“ von Carol Emshwiller, „Blocked“ von Geoff Ryman und „The President’s Book Tour“ von M. Rickert. Der Magazin-Teil (unter anderem „Books“, „Science“, „Films“) ist vergleichsweise ebenfalls vernachlässigbar.

Insgesamt kann sich diese Jubiläumsausgabe des „Magazine of Fantasy & Science Fiction“ aber auf jeden Fall mehr als nur sehen lassen. Für 7,50 US-Dollar erhält der Leser eine ganze Reihe erstklassiger Geschichten – und auch der Rest ist keine Zeitverschwendung.


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