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Ein Detektiv der besonderen Art ist der Held des Romans "Finderlohn" von Hannah Steenbock. Konrad Zarezky ist in der Lage, dank einer übersinnlichen Begabung verschwundene Gegenstände zu finden. Theoretisch könnte er mit seiner Gabe auch Menschen suchen. Aber das ist nicht nur mit extremen Kopfschmerzen verbunden, sondern auch mit furchtbaren Erfahrungen. Noch immer denkt es mit Grauen zurück an einen Suchauftrag, bei dem er eine Leiche entdeckte. Und nun kommt wieder so ein Anruf einer verzweifelten Mutter ...
Konrad weiß schon, warum er das Suchen nach Menschen ablehnt. Es ist so viel angenehmer, einfach mal die Augen zu schließen und sofort den vermissten Ehering hinter der Spüle oder die auf dem Dachboden eingeschlossene Katze zu sehen. Auch als er sich von Lauras Mutter zur Suche nach der verschollenen Tochter engagieren lässt, hat er ein ungutes Gefühl. Die Frau verschweigt ihm etwas. Und dann ist da dieser eigenartige Nebel, der sich immer wieder vor das Bild der Gesuchten schiebt. Als sich herausstellt, dass Laura von einer Art Dämon, einem Rasnog, begleitet wird, ist es für Konrad bereits zu spät zum Aussteigen. Und als Konrad entdeckt, dass ganze Heerscharen von Rasnogski durch ein Portal in unsere Welt einfallen wollen, ist aufgeben und weglaufen erst recht keine Option mehr, immerhin steht das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel.
Der Roman spielt in Göttingen und im Harz und verbindet das phantastische Element einer Auseinandersetzung mit Dämonen aus einer anderen Welt mit einer sehr konkreten Verortung im Hier und Jetzt. Wer sich in Göttingen, Geismar und Weende auskennt, wer Konrad auf seinen Expeditionen zum Kehr und auf das Kerstlingeröder Feld begleitet oder wer schon einmal den Kyffhäuser besucht hat, wird sicher einiges wiedererkennen.
Vertrauen über alle Grenzen hinweg
"Finderlohn" lebt vor allem durch die Dialoge und das Zusammenspiel der drei sehr unterschiedlichen Helden, die sich in einer extrem bedrohlichen Situation zusammenraufen, Vertrauen zu einander fassen und beweisen, dass Wesen unterschiedlicher Herkunft nicht notgedrungen Todfeinde sein müssen. Ein ausgesprochen liebenswerter und sehr lebendig gezeichneter Charakter ist der Rasnog Ksirl, eine Art Dämon und für gewöhnliche Menschen unsichtbares Geisterwesen, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Geschichte und Biografie zum Beschützer der jungen Laura wurde - zum Beschützer auch und gerade gegen "böse" Ragnoski, die das Mädchen töten wollen. Aus anfänglicher, todgefährlicher Feindschaft (Ksirl glaubt zunächst, Konrad will Laura angreifen) wird eine starke Partnerschaft, die sich bald bewährt. Zwischen Konrad und Ksirl wächst über alle Rassen- oder Speziesgrenzen hinweg eine Freundschaft, in der jeder dem anderen bedingungslos sein Leben anvertrauen kann.
Eine Freundschaft über Grenzen hinweg, die beinahe unüberwindlich scheinen: Denn Menschen haben Rasnogski in der anderen Welt jenseits des Portals offenbar Jahrhunderte lang als Sklaven gehalten und gequält. Und zu seiner großen Bestürzung muss Konrad sogar erfahren, dass auch seine Mutter durchaus weiß, was diese seltsamen Geister sind, und ihm erklärt, als Diener seien sie "ganz nützlich".
Partnerschaft auf Augenhöhe
Aber wer diesen liebenswerten, oft frotzelnden und manchmal auch etwas naiven Geist an seiner Seite tatsächlich als Partner annimmt, wird schnell. merken, dass Ksirl ein denkendes, fühlendes und humorvolles Wesen ist, ein vollwertiger Gesprächspartner, dem man eigentlich nicht anders als auf Augenhöhe begegnen kann.
Dass Laura in den Auseinandersetzungen um ihre Person alles andere als ein klassisches minderjähriges "Opfer-Kindfrauchen" ist, gehört gleichfalls zu den Pluspunkten des Buchs. Die 15-Jährige kann durchaus einen zudringlichen Mistkerl mit ein paar Karatetricks umnieten oder eine Mauer aufbrechen, hinter der sich Hinweise auf ihre verschwundene Mutter verbergen könnten.
Spannend, flüssig und mitreißend
Hannah Steenbock ist ein spannender, flüssig geschriebener Roman in eingängiger, mitreißender Sprache gelungen, den man nicht wieder aus der Hand legen kann, bis die Geschichte um Laura und ihren Begleiter zum (Spoiler: relativ guten, wenn auch etwas nachdenklichen) Ende gekommen ist. Ihr Heldentrio (beziehungsweise -quartett, wenn man Konrads klugen Kater Nebel mit einrechnet) erweist sich als lebendige Vereinigung sehr starker Charaktere, mit denen man mitfiebert und denen man durchaus gönnt, heil aus der Sache herauszukommen. Und auch Kvorl, ein ursprünglich menschenhassender "böser" Rasnog, lässt sich von diesen Helden zum Nachdenken anregen. Was, wenn ein Frieden zwischen beiden Spezies möglich wäre?
Fazit: Spannender Roman über Freundschaft, die stärker ist als Hass und Rassenvorurteile, phantastisch, lokal und humorvoll. Lesenswert.
Hannah Steenbock: Finderlohn. Ein Konrad-Zarezky-Roman. Kiel: Bühsteppe-Verlag, 2017. 305 S., Euro 14,89.
© Petra Hartmann
Es hat ja niemand jemals behauptet, dass der NEUE STERN monatlich erscheint. Am Ende eines Jahres hat es sich oftmals ergeben, dass es tatsächlich 12 geworden sind, mitunter allerdings auch nur deshalb, weil es Doppelnummern gab, oder andere Sonderhefte (STERNENSPLITTER). Aber irgendwie dachte ich jetzt, bei der vierten Ausgabe für 2026, dass wir ja schon im Juni sind – und dieser niemals aufgestellte „Plan“ nicht erfüllt wird, wenn das so weiter geht. Na ja, das sind Sorgen, wa? Es gilt ja weiterhin, dass dieser Rundbrief von und an die SF-Fans des Halleschen SF-Stammtischs und Freunde dann fertig wird, wenn er fertig ist.
ABER: Unter dem neuen Heft sieht man ja schon was vorblitzen … Man darf also gespannt bleiben und so viel sei verraten: Im Juli, planmäßig, dem Inhalt der kommenden Ausgaben entsprechend, am 14. Juli, sollten sie kommen. Mal schauen.
Jetzt also die 123 mit folgendem Inhalt:
Das wurde fast ein Lars-Dangel-Spezial, hat aber auch noch 2 andere – kleine – Schwerpunkte:
E.T.A. Hoffmann wurde ja im Januar dieses Jahres 250 Jahre alt & das Thema KI beschäftigt uns auch ein wenig …
Editorial von Thomas Hofmann - Coverinnenseite
Phantastische Höhepunkte für einen Sammler klassischer Phantastik im Jahr 2025, von Lars Dangel
KI: Clemens Nissen: Back to Books
KI: Franziska Appel: Die Schnittstelle
Ina Elbracht: Mit E.T.A. Hoffmann im Kellerschwimmbad
Martin Ruf: „Das Reich des Ungeheuren und Unermesslichen“. E. T. A. Hoffmanns Musiknovellen
Der anonyme, chancengleiche Schreibwettbewerb von den Punktasten. Es berichtet Galax Acheronian
Aus alten & noch nicht ganz so alten Bücherschränken:
Enrique Gaspar: „Der Anacronópete. Die erste Zeitmaschine“ von Lars Dangel
Lars Dangel: Paul Lafargue und die Quelle seiner Erzählung „Der verkaufte Appetit"
Gertrude Friedberg: „Ruf aus dem Weltraum“ von Volker Adam
Jack Finney: "Die Körperfresser kommen" und „Das andere Ufer der Zeit“, von Peter Schünemann
Agatha Christie: „Passagier nach Frankfurt“, von Bernd Wiese
Wie jedes Jahr war ich gespannt auf die aktuell stattfindenden ZKFT. Kulturelle Höhepunkte laden zum Verweilen ein, Lesungen, Workshops, Krimicomedy und vieles mehr.
Besonders freute ich mich über die Möglichkeit, neben der Personalausstellung von Gerlach Bente, wieder mit vielen anderen Künstlern im Museum Bilder zeigen zu können.
Mir gefällt das Ambiente. Voller Ehrfurcht bewunderte ich, wie beim letzten Mal, die herrlich alten Kreuzgänge des ehemaligen Franziskanerklosters.
Die Werke wurden von der Kuratorin angenommen und passend präsentiert.
Natürlich war die Vernissage gut besucht. Reden wurden gehalten, bemerkenswerte Gesangseinlagen mit musikalischer Begleitung gehörten dazu.
Beim Schlendern durch die Gänge fand ich die Bilder einer Künstlerin aus Jever. Ihre Arbeiten fielen mir schon mehrmals auf. Ich hatte das Glück, die Malerin Monika Reuss selbst in dem alten Gemäuer zu treffen und konnte ein wenig mit ihr plaudern. Das war eine wichtige und schöne Erfahrung für mich.
Die ZKFT geht bis zum 15. März 2026.
Ein Hinweis: In der Zerbster Stadthalle findet am 18.3.2026 um 19.00 Uhr eine Bonus-Veranstaltung statt. Arno Strobel liest aus seinem neuen Buch Ungelöst - Die erste Zeugin. Das würde mich auch interessieren.
Jeder 6. Mensch in Deutschland liest keine Bücher.
Das geht aus einer Umfrage (2024) hervor (DACH-Länder, Frankreich,Italien; 5000 Befragte) , die im Auftrag des Onlinebuchhändlers Galaxus in Auftrag erstellt und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde .
Demnach kommen hierzulande 1/3 der Befragten auf 1-3 Bücher im Jahr. Nur die Hälfte will künftig mehr lesen – was den niedrigsten Wert darstellt. Ähnlich Lesefaul zeigt sich höchstens noch Frankreich.
Deutsche benutzen vergleichsweise häufiger ebooks (19%) - und Hörbücher (11%). Zur Lesefaulheit der Deutschen passt letzteres wiederum, dass sie im europäischen Vergleich die meisten Hörbücher konsumieren – jede zehnte Person in der Bundesrepublik lässt sich Bücher vorlesen.
Das Lieblingsgenre was Spekulative Fiction anbelangt ist bei Deutschen die Fantasy – Franzosen stehen eher auf Science-Fiction (s. 2. Grafik).
Frauen lesen dagegen häufiger Romane: in Deutschland beispielsweise 3 von 5 Frauen und nur 2 von 5 Männern.
Quelle:
https://www.galaxus....e-buecher-36136
bitte auf Grafiken klicken zum vergrössern:
Nur was endet, hat bekanntlich einen Sinn: Also ist es Zeit, dass auch dieser Vlog zu Ende geht – alles hat ein Ende, ergo auch das Ende. See you in a better place... ¯\_(ツ)_/¯
Die Leiden des jungen Verlegers
...
Ich bin mal wieder spät dran*, und tausche außerdem für diesen & den nächsten Eintrag die Neu-/Alt-Reihenfolge. Es handelt sich hier platzhaltend um ein Buch aus der Dr.-Seuss-Reihe, die in den 60ern die Vorgehensweise beim Lesen-Erlernen für Kinder revolutionierte. Außerdem hält sich das Buch an die Nonsens-Tradition von anderen Kinderbüchern seit Alice in Wonderland, was Kindern (& mir, übrigens) sicher so gut wie immer gefällt. (Und: Eine brandneue audiovisuelle Umsetzung erscheint heuer auf Netflix!)
Im Buch erscheint ein frecher Kleinling namens Sam-I-Am, auf einem hund-ähnlichen Wesen vorbei-reitend, der einen älteren, größeren Pelzherren mit hohem schwarzen Hut auf die Nerven geht. Dieser sagt öfter "I do not like", anfangs in Richtung Sam, aber kurz danach auch dem Gericht das ihm Sam unter die Nase hält - Schinken mit grünen Spiegeleiern! Als aber der Schwarzhütige dies das erste Mal nicht mag, schaltet der Rothütige schlauerweise auf die Logikschiene - mag der Ältere das Gericht vielleicht an einem anderen Ort? Denn schließlich isst das Hirn ja mit, und vielleicht fühlt der Andere sich anderswo wohl(gesinnt)er?
Lässt sich der junge bzw. sich nicht alt fühlende Leser darauf ein, ist klar womit das restliche Buch gefüllt wird - den absurdesten Orten & Vehikeln, wo Schinken mit solchen Spiegeleiern vielleicht doch schmecken könnte... Irgendwann gibt der inzwischen durchnässte Schwarzhütler auf - und dann geschieht noch ein kleines Wunder!
Seuss hat wohl damals die altmodischen "anspruchsvolleren" Kinderbücher - wie ev. auch Alice? - in die Ecke gepfeffert und mit jemandem eine Wette ausgemacht, dass er ein besseres erstes Lesebuch mit einem Vokabular von nur 50 Wörtern erstellen könnte. Ein Buch wie dieses locker gereimte war das Ergebnis. (Das hier ist neben dem früheren Cat in the Hat das bekannteste aus seiner langen Serie.
Es gibt endlose Marketingumsetzungen davon! Ich behaupte, dass auch Hip-Hopper Will-I-Am sich daraus hat inspirieren lassen.)
Was ich an den Seuss-Büchern so toll finde, ist dass nicht nur die Texte schnell ins Absurde kippen, sondern die Illustrationen das praktisch von Anfang an tun, mit wilderen Aufstellungen mit jeder Seite. Die Protagonisten sind meist Tiere, oft eher unidentifizierbar - aber definitiv "furry" - und die tanzen/schweben/schwimmen in der Weltgeschichte herum, meist irgendwas unmöglich balancierend, umgeben von staunenden - oder selbst irgendwelche Stunts ganz lässig durchführenden - Zuschauern. Seuss stellt seine Welten subversiv gaga dar. (Oder angemessen der Zeitperiode: Dada! Apropos: Ich finde lustig, wie dieses 1. Buch die klassisch-amerikanisch-kapitalistische Rolle des ewigen nie-aufgebenden Verkäufers parsifliert!)
Diese Idee des einfacheren Anfangslernen wurde kurz danach dann auch von Sesame Street im TV fortgesetzt, und von vielen anderen Einrichtungen im Westen angewandt. Die US-TV-Serie wird übrigens im November ein halbes Jahrhundert alt! ![]()
Fazit: Am besten VORM Schauen bei Netflix sich mindestens ein Buch aus der Reihe mal reinziehen! Nachher kann man es einer Lieblingsenkelin oder so schenken; wird bestimmt mit großem Dank entgegen genommen.
(* offiziell ist das hier der Juli-Beitrag!!)
Regenbogen-Leseprobe.pdf (162,72K)
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