✧✧✧ Musik zur Rekapitulation & Prolepsis ✧✧✧
Ab dem 27. April sollte es regulär weitergehen. Ansonsten gilt: Folgt dem Hasen! Er hat die Schokolade – STAY TUNED !!!

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Offener Leserbrief zum TCE-Fanzine PARADISE 127 (Doppelheft), Dezember 2025

Die Leute vom TCE haben sich und allen, die es wollen, zum Jahresende 2025 noch mal richtig was gegönnt: ein Doppelheft. Das sind 212 + die Farbcover-Seiten. Gefüllt mit sehr viel Fannischem und Informativem und Schönem. Außerdem sind sie 32 Jahre alt geworden. Dazu gratuliere ich herzlich! So, mal sehen, was ich da alles in dieser Ausgabe finden kann.
Im Zine wird den Leserbriefen immer viel Platz eingeräumt. In dem von Andy Schmid freut sich sein Autor über den Western-Artikel aus der 126 und betont die Nähe zur SF. Das macht er anhand von Beispielen fest, in denen beide Genres gemixt werden.
Ich hatte ja auch mal so eine Western-Phase, und ich denke, das geht vielen SF-Fans so, denn beide Genres haben – zumindest was einen Teil der SF anbelangt – einiges gemeinsam. Beide sind ja in den 40ern filmisch durch diese Serials populär geworden, und fernzukünftige Weltraum-Erzählungen heißen ja auch nicht umsonst space operas, abgeleitet von horse operas. Die Begegnung der Erkunder, Frontier, Eroberter mit „dem Fremden“ ist bei beiden Genres eine Quelle der Exotik, leider auch oftmals von Voreingenommenheit und der Grund für fiktive kriegerische, gewaltsame Auseinandersetzungen.
Aktuell sind es Serien, wie „The English“ und „American Primeval“, die mich faszinieren – die kommen aber ohne Außerirdische aus, obwohl manche Figuren so anmuten.
In ihrem LoC schreibt Sabine über einen Historienvielschreiber, der offen zugibt, nach „Schema F“ zu schreiben. Ich danke für die Warnung. Wobei er wohl auch meinte, dass sein Publikum gar nicht will, dass er anders schreibt. Ein entsprechender Versuch schlug wohl fehl. Ja, das führt dann langsam zu einer Frage über, die in dem ersten der beiden Hefte etwas im Mittelpunkt steht, nämlich nach dem Wert oder Unwert von KI-Kunst. Ich denke mal, Werke, die nicht wirklich „von Herzen und Verstand“ des Autors kommen, sondern nach einem vorgegebenen (fremden oder eigenen) Fahrplan abgearbeitet werden, lassen sich am leichtesten von KIs simulieren. Ketzerisch denke ich da gleich an Exposé-Autoren bei Heftromanserien: Ist das nicht mit einem Prompt für eine KI vergleichbar? Wobei ich den ausführenden Autor*innen nix unterstellen möchte und gern glaube, dass es da individuelle Unterschiede und Ausprägungen gibt; es noch nicht egal ist, wer was schreibt.
Das mit dem KI-Schreib-Experiment von Michelle Stern habe ich mit großem Interesse gelesen. Und etwas mit angehaltenem Atem: Eine Profiautorin setzt sich dieser Job-Killer-Maschine aus. Ich kann da noch immer nicht über meinen Schatten springen und bin sehr skeptisch. Wahrscheinlich wird diese Schreib-KI immer besser, und was passiert dann mit unseren geliebten Autor*innen? Noch ist es nicht so weit, dass die Dinger komplette – sinnvolle! und gute! – Romane schreiben können. Aber bald?
Die Aufsätze von Euch über KI-Kunst sind durchaus interessant gewesen, aber haben meine Fragen auch nicht beantworten können. Die meisten sind ja unentschieden, wenn ich das mal so zusammenfassen darf. – Hier wollte ich – ungefragt – auch meinen Senf dazugeben; aber ich habe ja auch keine richtigen Antworten und irgendwie lähmt mich diese Diskussion auch. Falls es eine gehörige Masse an Lesenden geben wird, die solche „Literatur“ von seelenlosen KIs goutieren kann, dann wird es sie geben. Ich hoffe nur, dass richtige Literatur nach wie vor geschrieben wird, weil ihre Autor*innen einfach nicht anders können. Da ist es ja fast tröstlich, dass die meisten Literaturschaffenden ohnehin nicht davon leben können, somit der Grund wegfällt, damit aufzuhören.
Christian Jäkels Szenarien, die er in seinem Beitrag beschreibt, fand ich sehr interessant und auch die darauffolgende, „illustrierende“ Story. Die war echt klasse! Hat mir sehr gefallen. Vor dem Hintergrund interstellaren Bergbaus müssen Entscheidungen im Konfliktfeld Mensch – KI gefällt werden, was zu einer recht spannenden Handlung führt.
Auch die Geschichte von Götz Roderer über einen Urheberrechtsstreit, den eine KI ausfechten wird, fand ich recht gut; toll geschrieben, alle Achtung!
Sabines/Narranias Kolumne war wieder toll, auch wenn ich gar nicht alles verstanden habe (?) – ich weiß nicht, wer dieser „Dämon“ ist…
Danke auch für die fakten- und umfangreiche Vorstellung der Boje-Jugend-SF-Bücher von Alexander Röder. Sind ja tolle Namen darunter.
In den Heften sind viele Con- u.a. Veranstaltungsberichte. Mitunter etwas ausufernd, finde ich, aber allesamt schon sehr interessant und für mich bereichernd – konnte immer was Neues erfahren.
Csaba widmet sich der Nachwuchsfrage für das SF‑Fandom. Die kenne ich, diese Frage. Die hatten wir uns auch schon in unserm Club in Halle gestellt. Damals, in den 90ern, gab es auch einen Anflug von Aktionismus diesbezüglich. Hat aber nichts gebracht, wurde eingestellt. Die Nachwuchsfrage stellt sich ja auch in unterschiedlichem Maße: Wie kann man Jugendliche für SF-Literatur gewinnen, und: Kann man generell neue Leute dafür interessieren? Die müssen ja nicht unbedingt „jung“ sein. Also, wenn man mich fragt (tut natürlich niemand), dann würde ich sagen: SF ist heute ja nicht gerade unpopulär, halt nur nicht unbedingt in Form von Literatur. Und was jüngere Generationen als meine (60+) anbelangt, so kann ich konstatieren, dass es sehr wohl neue Namen, neue Leute gibt. Die machen ihr Ding, gern auch anders als wir ollen Veteranen. Ich finde, die SF, auch das SF-Fandom, stirbt gerade nicht aus. – Keine Ahnung, warum ich das hier schreibe, vielleicht um mir zu rechtfertigen, dass ich/wir da nicht mehr aktiv sind. – Wobei, auch ohne viel zu unternehmen z. B. die Zahl der Leute, die unseren SF-Stammtisch in Halle besuchen, stetig wächst. Mittlerweile müssen wir überlegen, wie wir mit dem „Ansturm“ (na gut, Anstürmchen) umgehen…
Noch etwas, was (eine zweifelhafte) Hoffnung macht: Wir leben ja in Zeiten gesellschaftlichen Rückschritts, und da könnte es sein, dass es mehr Leute gibt, die sich nach Fortschritt, Innovationen und einer lebenswerten Zukunft sehnen; könnte das Interesse an SF-Welten erhöhen (auch jenseits von Weltraumkrieg und Horrorszenarien). Okay, das klingt dann auch etwas zynisch…
Heft 2 (Schwerpunkt Horror) beginnt mit einem richtig tollen E.-A.-Poe-House-of-Usher-Artikel von Toloceste, die wohl im „richtigen Leben“ Englischlehrerin ist und das Thema für Schüler aufbereitet hat. So einen Englischunterricht hätte ich mir damals auch gewünscht! – Nur der kulturkämpferische Beginn mit einem Seitenhieb auf die „Vernunftdiktatur der Aufklärung“ ließ mich aufhorchen. Na ja, vieles hat ja so viele verschiedene Seiten, sicher auch die Aufklärung. Aber jetzt, wo sie Stück um Stück zurückgedrängt wird und damit Platz macht für, aus meiner bescheidenen Sicht, nix Gutes, könnte man die doch eher hochhalten. Aber das ist ein weites Feld.
Die folgenden Dracula- und Frankenstein-Artikel sind erfrischend subjektiv und persönlich. Gut so, hat mir gefallen, schöne Plauderei. Ich staune ja auch etwas, dass diese angestaubten Themen immer noch so gefeiert werden. Mir hatte die Del-Toro-Verfilmung auf Netflix nicht viel gebracht, aber sie wird ja gelobt und bekommt Preise. Muss wohl was dran sein.
Die Verrisse zu „Rembetis“ und „Forbidden World“ lasen sich erfrischend. Ebenso der lange, aber dennoch informative Bericht über die Eschbach-Lesung von Lumpazie.
Zum Schluss arbeiten sich Alexander Röder und Sabine Seyfarth, getrennt voneinander, an den beiden Cyberpunk-Romanen von Markus K. Korb ab. Das Ergebnis ist nicht überragende Begeisterung: Zu viel Zitatgewitter, zu viel hektische Action, zu wenig Personality der Figuren. Ohne die Bücher selbst gelesen zu haben, kann ich das nachvollziehen. Meine letzte Cyberpunk-Erfahrung hatte ich kürzlich mit Roman(heften) von M. H. Steinmetz, deren Lektüre ich sogar abgebrochen habe, weil sie mich nur konfus gemacht hat. Für dieses Action-Dauerfeuer bin ich wohl nicht mehr bereit. Aber Dank für die Rezis, so weiß ich nun also Bescheid.
Ja, langer Text geworden – soll ja im Blog für Aufklärung sorgen, sie in meinem Blog vorstellen, und gleichzeitig hoffe ich, dass sie – falls sie als LoC im nächsten PARA abgedruckt werden – die EdeN nicht langweilen.
Füße kaputt, Autorin pleite. Wenn's nicht so schön wäre, müsste man mir die Leipziger Buchmesse eigentlich verbieten. Ich habe mich zwei Tage lang zwischen den Ständen ausgetobt und habe mich gefühlt wie ein Junkie, der die Tür zum Lagerraum des Drogendezernats offen gefunden hat. Okay, ihr ahnt es schon, das Wochenende war teuer, ungesund und einfach unverzichtbar. Eine Premiere war, dass ich am Sonntag als "Aufsichtsperson" für eine Zwölfjährige fungierte: Die Tochter der besten Messegastgeberin und Pancake-Bäckerin der Welt (Danke, Kata), brauchte halt einen Vorzeige-Erwachsenen am Eingang. Ich habe also versucht, vorzeigbar zu wirken.
Mein Haupt-Interesse lag natürlich, wie gewohnt, auf der Halle 3, dem Zuhause der Phantasten. Allerdings habe ich mich diesmal auch ziemlich viel in den Hallen 4 und 5 herumgetrieben. Was auch damit zu tun hatte, dass ich am Samstagmorgen nicht mehr auf den Presseparkplatz unterkam (alles voll), sondern von den freundlichen Mitarbeitern auf die andere Seite zum Ausstellerparkplatz auf der Nordseite gelotst wurde, also von der anderen Seite aus hereinkam.
Sehr viele Musik-Titel
Ich lief gleich dem Reclam-Verlag in die Arme, der mich um rund ein Viertel meiner Barschaft erleichterte. Ich nahm drei Bände aus der "100 Seiten"-Reihe mit: den Band über Beethoven (er hat ja 2027 schon wieder ein Jubiläumsjahr), den über Oper und den über Taylor Swift (Mitbringsel für meine Nichte). Außerdem erstand ich das Buch "Komponistinnen. Frauen, Töne & Meisterwerke" von Aliette de Laleu. Ziemlich viel Musik auf einmal. Aber schaden kann es nicht. Außerdem nahm ich die "Polulangrischen Lieder" von James Krüss mit. Ein sehr interessanter Gedichtband von Helgolands berühmtesten Sohn.
Helgolands zweitberühmtester Sohn, Reimer Boy Eilers, hatte es zur Buchmesse zwar diesmal nicht geschafft, er hatte mir aber seine Neuerscheinung, den vierten Band seiner Magellan-Pentalogie bereits im Vorfeld zukommen lassen. Gleichwohl schaute ich beim Kulturmaschinen-Verlag vorbei, guckte mir auch schon mal sein neues Buch über das "Witte Kliff" an, und hatte ein sehr angeregtes Gespräch mit seinem Kollegen Peter Reuter, dessen Haiku-Band "Nur geschrieben" schließlich in meinen Leinenbeutel wanderte. Unfassbar, was für eine ordentliche Handschrift der Mann hat.
Tannenbaum-Frau trifft Stein-Frau
Letztes nicht-phantastisches Buch, das ich mitnahm: "Lilien über weißen Wegen" aus dem Traumfänger-Verlag, ein historischer Roman über die Eroberung Kanadas, über die Franzosen, Huronen und Irokesen. Autorin Kerstin Groeper signierte mir das Buch mit ihrem irokesischen Namen Aska nukiw, was der Autorin zufolge soviel bedeutet wie Starke Tannenbaum-Frau. Ich übersetze ihr als Ausgleich meinen griechischen Namen Petra ins Lakota: Inyan win. Wir beide haben ja den gleichen Lakota-Lehrer gehabt.
Wie es dem Verlag geht? Nach der jüngsten Empörung über alles, was das Wort "Indianer" enthält, laufe es bei dem Verlag eigentlich relativ gut, was die historischen Romane angeht, erzählte sie. Die Bücher, die von Indigenen, also amerikanischen Ureinwohnern, verfasst wurden und bei ihr in deutscher Übersetzung erschienen, habe sie aber inzwischen aus dem Programm nehmen müssen, sie habe sie nicht mehr verkaufen können. Traurig für einen Indianistik-Verlag, der sich in seinem Bereich ja einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Da haben ein paar Möchtegern-Gutmenschen den indigenen Autoren einen Bärendienst erwiesen.
Ein Bestiarium aus Grönland
Apropos Indigene: Meine große Entdeckung war der Inuit-Verlag: Der noch sehr junge, erst im vergangenen Jahr gegründete Verlag mit Grönland-Schwerpunkt hat bisher nur zwei Bücher herausgebracht: ein "Bestiarium Groenlandicum" über die mystischen Wesen Grönlands und "Sila – Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises". Zwei weitere Bücher sind geplant. Und am Stand konnte man eine rotweiße Tasche erwerben mit dem Umriss Grönlands und der Botschaft "Greenland is not for sale".
Verlegerin Laali Lyberth konnte leider - oder wie mein Portemonnaie sagen würde: Gott sei Dank - kein Bargeld annehmen, und ich habe es ja nicht so mit Kartenzahlung, darum muss ich mir das Bestiarium etwas später bestellen. Oder ich setze es auf meine Geburtstagswunschliste. Immerhin bin ich ja selbst eine Bestiariums-Autorin.
Besucher-Rekord ohne Ölsardinen-Atmosphäre
Jetzt aber zur Phantastik und ab in die Halle 3: Ausnahmslos alle Verleger, die ich fragte, waren offenbar sehr zufrieden mit den Besucher- und Käuferzahlen. Immerhin: Felix Wisotzki, der Pressesprecher der Leipziger Buchmesse konnte am Sonntagabend verkünden, es seien 313.000 Besucher und Besucherinnen gewesen. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 waren es "nur" 296.000. Dabei kam es mir eigentlich relativ entspannt vor, man hatte in den Gängen durchaus Platz und konnte auch zügig geradeaus gehen. Da habe ich schon sardinenhaftere Wochenenden in Leipzig erlebt.
Grünblaue Wunderbücher
Was ich ganz ganz ganz ganz schlimm finde: Ich habe mal wieder meine Überzeugung verraten, dass es nicht auf das Cover und die Aufmachung ankommt, sondern nur auf die Qualität der Geschichte. Aber dieses Schildkröten-Cover in Grün und Blau, der Farbschnitt ... Ich musste "Kumara" von Ann-Kathrin Karschnick einfach anfassen und in die Hand nehmen. Und als mich ihre Kollegen am Stand dann auch noch mit Lesezeichen, Charakterkarten, Postkarten und weiterem Merch überschütteten und Markus Heitkamp meinetwegen noch ein blaues Wattebällchen ins Abstimmungsglas für das "Team Schildkröte" warf, da konnte ich nicht anders und hab das Buch halt mitgenommen, OBWOHL es so schön aussah. Naja, Ann-Kathrin wird da wohl nichts Schlechtes geschrieben haben. Die Schildkröten-Fans waren, wie ich hörte, bei der Abstimmung am ersten Messetag ganz vor, am zweiten hatten die "Geister" die Nase vor. Fragt mich nicht, wie das Rennen ausging.
Noch ein Fall von Zugreif-Cover: An "Aqua obscura", einer Anthologie aus dem Carpathia-Verlag, konnte ich einfach nicht vorbeigehen. Kurzgeschichten über die Dunkelheit, die in der Tiefe lauert. Es gibt bereits eine zweite Anthologie, die sich dem Thema "Feuer" widmet. Erde und Luft sollen folgen.
Und noch ein aquatisches Mitbringsel: "Rán" von G.A. Winter. Der erste Band der Trilogie heißt "Erwachen" und passt farblich genau in mein Beuteschema. Und das mythologische Thema natürlich auch, ich habe es ja ein wenig mit der alten Meergöttin und ihren neun Töchtern ...
Düsteres in Schwarzrot
Aber zurück zu meinen Prinzipien: Nicht wegen des Covers gekauft habe ich mir jedenfalls das 45. Büchlein aus dem Kabinett der Phantasten. Die Werke des jmb-Verlags sehen nämlich alle gleich aus, haben einen unaufdringlich-stilvollen schwarzroten Umschlag, bieten jeweils einen klassischen düster-phantastischen Text und ein erläuterndes Nachwort, also so eine Art Reclam-Hefte der dunklen Phantastik. Diesmal erbeutete ich "Das Brandmal des Tiers" von Rudyard Kipling. Ich bin gespannt.
Farblich wieder fast in mein Beuteschema passte die Novelle "Der Fluch des Voodoopriesters" von Sabine D. Jacob, erschienen bei Shadodex - Verlag der Schatten. Eigentlich wollte ich ja Shadodex ja erst beim Marburg-Con im April plündern, aber das kleine Büchlein konnte ich mir dann doch gerade noch leisten. Und gibt es mal wieder eine Anthologie aus dem Verlag? Verlegerin Bettina Ickelsheimer-Förster ist noch nicht ganz sicher, könnte sich das aber vielleicht unter Umständen vorstellen. Die Idee und die Energie dazu komme ihr gewöhnlich beim Comicsalon in Erlangen. Abwarten also.
Warten auf die Herbstlande
Meinen Einkauf beim Verlag Torsten Low verschob ich aber definitiv auf das Marburger Treffen. Dann werde ich mir den neuen Band von Fabienne Siegmund "Geschichten aus der Dämmerung" anschaffen. Vermutlich noch nicht fertig sein wird dann der neue Kurzgeschichtenband aus der Herbstlande-Reihe, den der Verlag in der Pipeline hat. Und zum BuCon? Das sei sehr "sportlich" meinte der Verleger.
Da ich die Brandts in Marburg nicht sehen werde, habe ich Wolfgang seinen "Fantômas" schon in Leipzig am Romantruhe-Stand abgenommen. Das Buch wollte ich ja letztes Jahr schon anschaffen. Jetzt habe ich ein signiertes Exemplar mit Prägestempel. Mit Anke plauderte ich etwas länger, unter anderem über Anthologie-Pläne und darüber, dass Familienfeste manchmal sehr ungünstig fallen.
Von Sarah Drews brachte ich den Auftrag mit nach Leipzig, ich sollte doch mal am Elysion-Stand nachschaun, ob ihr neues Buch "Zwischen Herzklopfen und Verrat" am Stand schon zu sehen ist. Verlegerin Jenni Schreiner hatte eine Last-Minute-Aktion geplant, und das Buch war tatsächlich pünktlich zum ersten Messetag erschienen. Handy-Beweisfoto mit Grüßen an die Autorin ging raus, Sarah kann sich zurücklehnen.
Kaffee, Kekse, Kaiju-Hamster
Einen Luxuskaffee mit extra vorgewärmter Milch und Keks dazu bekam ich bei Tanja Kummer und Marc Hamacher vom Leseratten-Verlag. Der Verlag hat inzwischen sein "German Kaiju"- Sortiment noch weiter ausgebaut. Knuffig-gefährliche Neuerscheinung ist "Goldizilla", ein Comic über einen riesenhaften, monströsen Goldhamster. Schräge Idee. Das muss ich mir zulegen. Ich schreibe es mal auf meine Liste für Marburg. Und ich bin schon gespannt auf die weihnachtliche "Santagarn"-Anthologie.
Dritter Start für die Kondorkinder
Mehr zufällig stolperte ich in die Lesung von Sabrina Železný hinein. Sie las aus "Kondorkinder". Die Geschichte hatte ich damals in der Ausgabe des Mondwolf-Verlags gelesen und Die Suche nach den verlorenen Geschichten und Der Fluch des Spiegelbuchs bereits hier im Blog vorgestellt. Ich hatte Sabrina ohne Hut und Lama zuerst gar nicht erkannt, aber die Handlung und das Setting kamen mir irgendwie bekannt vor, so setzte ich mich neugierig dazu.
Sabrina las die Geschichte eines Jungen aus den Anden vor, der die Chance hat, Lesen zu lernen. Und sie erzählte auch, was das zu der Zeit bedeutete. Man wurde sichtbar, konnte sich mit Mächtigen in Verbindung setzen, Missstände aufzeigen. Sie berichtete auch von einem Fundstück während ihrer Recherchen: Ein Indigener schaffte es, einen Brief an den spanischen König zu schreiben und dem Herrscher das Papier auch zu überreichen. Er musste sich dafür allerdings verkleiden und in eine Jagdgesellschaft einschleichen. In Sabrinas Roman stößt der Junge allerdings nicht auf große Begeisterung bei seiner Mutter. Im Gegenteil: Sie zerstört das Buch. Kein guter Gedanke, wenn es sich um ein Werk handelt, das auf einen leicht erzürnbaren Berggott zurückgeht.
Einiges hat sich seit der ersten Mondwolf-Fassung und auch seit der zweiten Artscript-Fassung verändert. Jetzt also neu bei Calderan. Unter anderem hatte die Autorin ursprünglich beschrieben, wie die Leute mit dem "armen" Jesuitenpater Mitleid hatten. Aber inzwischen habe sie erfahren, dass die Jesuiten einer der reichsten Orden überhaupt waren, erzählte sie mir. Also, ganz so bedauernswert wird der Pater nicht gewesen sein.
Einer der wichtigsten Unterschiede zur Erstausgabe: Der Mondwolf-Verlag teilte die Geschichte in eine historische und eine Gegenwartsgeschichte auf und brachte sie als Zweiteiler heraus. Die Autorin hatte aber ursprünglich nur einen einzigen Roman geschrieben, der auf zwei Zeitebenen spielte und zwischen historischer und Gegenwartsgeschichte hin und her wechselte. Jetzt also ist der ursprünglich gewollte Zustand wieder hergestellt. Nun, ich bin gespannt, wie sich die Geschichte der Kondorkinder seit 2013 entwickelt hat. Denn natürlich musste ich mir die Neufassung mitnehmen. Mal sehen, wie es sich in der neuen Form lesen lässt.
Die Abrafaxe als Musical
Ebenfalls zufällig stieß ich auf eine musikalische Lesung, die "Die Abrafaxe und die schwarze Mühle" vorstellte. Jeder Figur war eine eigene kurze Melodie auf den Leib geschrieben. Ich kam gerade dazu, als nichts mehr funktionierte: Vincent Strehlow wollte die Musik abspielen, aber nichts tat sich. Der Albtraum jedes Referenten. Aber schließlich klappte es doch noch, nachdem der Techniker alles Mögliche ausprobiert hatte. Das Fagott für den gemütlichen Califax, das Englischhorn für Brabax, die Klarinette für Abrax, die drei haben sich irgendwo im nebligen Moor in der Lausitz verirrt. Sehr spannend, allerdings fand ich die Ouvertüre zu lang.
Romantasy-Verlegerinnen plaudern aus dem Nähkästchen
Die dritte Lesung, die ich miterlebte, war eigentlich keine Lesung, sondern eher eine freundliche und informative Aus-dem-Nähkästchen-Plauderei zweier Verlegerinnen: Jenny-Mai Nuyen und Katharina Stegen stellten den Von-Morgen-Verlag vor. Von Morgen bringt Romantasy heraus und entstand, wie Jenny erzählte, aus ihrer Verzweiflung während der Corona-Pandemie heraus. Bis dahin hatte sie als freie Schriftstellerin gelebt und regelmäßig Bücher veröffentlicht, doch dann sagte ihr ihre Agentur, sie könne für die nächsten sechs Monate kein Manuskript verkaufen. Jenny kam zuerst auf die Idee, ihre Romane ins Englische zu übersetzen und einen Verlag dafür zu gründen. Doch ein Autorenkollege riet ihr, lieber die deutschsprachigen Rechte für bereits gut laufende englische Selfpublisher-Titel zu erwerben und die Romane dann selbst zu übersetzen.
Das funktionierte für den jungen Verlag dann wohl ganz gut, allerdings stellte die Abrechnung die Verlegerin vor einige Probleme. Da kam Excel-Expertin Kathy ins Spiel ... Sehr liebeswert, wie diese die Geschichte ihres ersten Kontakts erzählte. Sie hatte einige kritische Anmerkungen zu einem Roman von Jenny gemacht, die darüber wohl "not amused" war. Ich selbst schreibe ja keine Romantasy, aber die beiden haben mir sehr gefallen. Vor allem wegen Jennys Aussage, ein gut geschriebenes Manuskript sei ihr wichtiger als die Menge der Instagram-Follower eines Autors.
Der Rest ... durchgelaufene Füße, ein furchtbarer Muskelkater, ein auf grausamste Weise malträtierter Geldbeutel, überteuertes Essen und meine Weigerung, ein Restaurant mit dem bedrohlichen Namen "Alte Waage" zu besuchen, dazu viele bezaubernde Gewandete, nette Gespräche und ein Polizist, der mich wohl für einen absoluten Ignoranten hielt, weil ich ihn wegen seines DD-Autokennzeichens fragte, ob er aus Düsseldorf komme. Er wirkte ziemlich gekränkt. Das Kürzel stand natürlich für DresDen, da kann doch keiner drauf kommen. Ja, sorry, ich bin Wessi. Habe jedenfalls viel gelernt und entdeckt in Leipzig. Das Wochenende hat sich gelohnt. Nächstes Jahr wieder.
© Petra Hartmann
Wie jedes Jahr war ich gespannt auf die aktuell stattfindenden ZKFT. Kulturelle Höhepunkte laden zum Verweilen ein, Lesungen, Workshops, Krimicomedy und vieles mehr.
Besonders freute ich mich über die Möglichkeit, neben der Personalausstellung von Gerlach Bente, wieder mit vielen anderen Künstlern im Museum Bilder zeigen zu können.
Mir gefällt das Ambiente. Voller Ehrfurcht bewunderte ich, wie beim letzten Mal, die herrlich alten Kreuzgänge des ehemaligen Franziskanerklosters.
Die Werke wurden von der Kuratorin angenommen und passend präsentiert.
Natürlich war die Vernissage gut besucht. Reden wurden gehalten, bemerkenswerte Gesangseinlagen mit musikalischer Begleitung gehörten dazu.
Beim Schlendern durch die Gänge fand ich die Bilder einer Künstlerin aus Jever. Ihre Arbeiten fielen mir schon mehrmals auf. Ich hatte das Glück, die Malerin Monika Reuss selbst in dem alten Gemäuer zu treffen und konnte ein wenig mit ihr plaudern. Das war eine wichtige und schöne Erfahrung für mich.
Die ZKFT geht bis zum 15. März 2026.
Ein Hinweis: In der Zerbster Stadthalle findet am 18.3.2026 um 19.00 Uhr eine Bonus-Veranstaltung statt. Arno Strobel liest aus seinem neuen Buch Ungelöst - Die erste Zeugin. Das würde mich auch interessieren.
Jeder 6. Mensch in Deutschland liest keine Bücher.
Das geht aus einer Umfrage (2024) hervor (DACH-Länder, Frankreich,Italien; 5000 Befragte) , die im Auftrag des Onlinebuchhändlers Galaxus in Auftrag erstellt und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde .
Demnach kommen hierzulande 1/3 der Befragten auf 1-3 Bücher im Jahr. Nur die Hälfte will künftig mehr lesen – was den niedrigsten Wert darstellt. Ähnlich Lesefaul zeigt sich höchstens noch Frankreich.
Deutsche benutzen vergleichsweise häufiger ebooks (19%) - und Hörbücher (11%). Zur Lesefaulheit der Deutschen passt letzteres wiederum, dass sie im europäischen Vergleich die meisten Hörbücher konsumieren – jede zehnte Person in der Bundesrepublik lässt sich Bücher vorlesen.
Das Lieblingsgenre was Spekulative Fiction anbelangt ist bei Deutschen die Fantasy – Franzosen stehen eher auf Science-Fiction (s. 2. Grafik).
Frauen lesen dagegen häufiger Romane: in Deutschland beispielsweise 3 von 5 Frauen und nur 2 von 5 Männern.
Quelle:
https://www.galaxus....e-buecher-36136
bitte auf Grafiken klicken zum vergrössern:
Nur was endet, hat bekanntlich einen Sinn: Also ist es Zeit, dass auch dieser Vlog zu Ende geht – alles hat ein Ende, ergo auch das Ende. See you in a better place... ¯\_(ツ)_/¯
Die Leiden des jungen Verlegers
...
Ich bin mal wieder spät dran*, und tausche außerdem für diesen & den nächsten Eintrag die Neu-/Alt-Reihenfolge. Es handelt sich hier platzhaltend um ein Buch aus der Dr.-Seuss-Reihe, die in den 60ern die Vorgehensweise beim Lesen-Erlernen für Kinder revolutionierte. Außerdem hält sich das Buch an die Nonsens-Tradition von anderen Kinderbüchern seit Alice in Wonderland, was Kindern (& mir, übrigens) sicher so gut wie immer gefällt. (Und: Eine brandneue audiovisuelle Umsetzung erscheint heuer auf Netflix!)
Im Buch erscheint ein frecher Kleinling namens Sam-I-Am, auf einem hund-ähnlichen Wesen vorbei-reitend, der einen älteren, größeren Pelzherren mit hohem schwarzen Hut auf die Nerven geht. Dieser sagt öfter "I do not like", anfangs in Richtung Sam, aber kurz danach auch dem Gericht das ihm Sam unter die Nase hält - Schinken mit grünen Spiegeleiern! Als aber der Schwarzhütige dies das erste Mal nicht mag, schaltet der Rothütige schlauerweise auf die Logikschiene - mag der Ältere das Gericht vielleicht an einem anderen Ort? Denn schließlich isst das Hirn ja mit, und vielleicht fühlt der Andere sich anderswo wohl(gesinnt)er?
Lässt sich der junge bzw. sich nicht alt fühlende Leser darauf ein, ist klar womit das restliche Buch gefüllt wird - den absurdesten Orten & Vehikeln, wo Schinken mit solchen Spiegeleiern vielleicht doch schmecken könnte... Irgendwann gibt der inzwischen durchnässte Schwarzhütler auf - und dann geschieht noch ein kleines Wunder!
Seuss hat wohl damals die altmodischen "anspruchsvolleren" Kinderbücher - wie ev. auch Alice? - in die Ecke gepfeffert und mit jemandem eine Wette ausgemacht, dass er ein besseres erstes Lesebuch mit einem Vokabular von nur 50 Wörtern erstellen könnte. Ein Buch wie dieses locker gereimte war das Ergebnis. (Das hier ist neben dem früheren Cat in the Hat das bekannteste aus seiner langen Serie.
Es gibt endlose Marketingumsetzungen davon! Ich behaupte, dass auch Hip-Hopper Will-I-Am sich daraus hat inspirieren lassen.)
Was ich an den Seuss-Büchern so toll finde, ist dass nicht nur die Texte schnell ins Absurde kippen, sondern die Illustrationen das praktisch von Anfang an tun, mit wilderen Aufstellungen mit jeder Seite. Die Protagonisten sind meist Tiere, oft eher unidentifizierbar - aber definitiv "furry" - und die tanzen/schweben/schwimmen in der Weltgeschichte herum, meist irgendwas unmöglich balancierend, umgeben von staunenden - oder selbst irgendwelche Stunts ganz lässig durchführenden - Zuschauern. Seuss stellt seine Welten subversiv gaga dar. (Oder angemessen der Zeitperiode: Dada! Apropos: Ich finde lustig, wie dieses 1. Buch die klassisch-amerikanisch-kapitalistische Rolle des ewigen nie-aufgebenden Verkäufers parsifliert!)
Diese Idee des einfacheren Anfangslernen wurde kurz danach dann auch von Sesame Street im TV fortgesetzt, und von vielen anderen Einrichtungen im Westen angewandt. Die US-TV-Serie wird übrigens im November ein halbes Jahrhundert alt! ![]()
Fazit: Am besten VORM Schauen bei Netflix sich mindestens ein Buch aus der Reihe mal reinziehen! Nachher kann man es einer Lieblingsenkelin oder so schenken; wird bestimmt mit großem Dank entgegen genommen.
(* offiziell ist das hier der Juli-Beitrag!!)
Regenbogen-Leseprobe.pdf (162,72K)
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