Was soll gute SF leisten, neben dem Unterhaltungswert, der aber nicht umbedingt im Vordergrund stehen soll? Was ist überhaupt gute SF?
Warum diese oder jene Geschichte gut ist oder besser als andere, sollte doch eigentlich keine Angelegenheit NUR des eigenen Standpunkts oder einer Mehrheitsentscheidung vieler sein (obwohl es oft darauf hinauszulaufen scheint).
Klar entscheidet man beim Lesen erst einmal aus dem Bauch heraus (so gehts mir jedenfalls) und versucht erst später den eigenen persönlichen Eindruck zu rationalisieren. Was genau war es, das mir gefallen oder nicht gefallen hat. Doch basieren auch diese späteren Rationalisierungen meist auf subjektiven Kriterien und impliziten Annahmen.
Gibt es vielleicht aber doch objektive Kriterien die uns helfen können schlechte SF Literatur von guter zu unterscheiden und wenn ja welche? Könnten objektive Kriterien helfen die Interpretation von Texten zu erleichtern? Wie sieht es bei euch aus? Entscheidet ihr immer aus dem Bauch und beurteilt ihr jede SF-Geschichte für sich genommen oder vergleicht ihr, versucht ihr zu objektivieren? Darf SF wirklich alles?
(Hier tritt natürlich wieder meine naturwissenschaftliche Ausbildung und Vorliebe zu Tage...
Mir ist klar dass das ein ganz schwieriges Feld ist und dass beispielsweise die verschiedenen Subformen von phantastischer Literatur unterschiedlich bewertet müssen. Aber dazu müsste man diese Subformen erst einmal beim Namen nennen. Mittlerweile ist es doch fast üblich, alles was futuristisch oder phantastisch daher kommt unter dem Label SF abzulegen.
Ist das wirklich gut so oder sollte man nicht doch besser trennen? Realistische SF (was immer das ist) von Phantastik.
Ich persönlich sehe zum Beispiel die SF ausschließlich als einen Zweig der realistischen Literatur an, die sich mit Themen der empirischen Welt befasst, für die rationale Maßstäbe gelten, und in der phantastische oder irrationale Elemente nichts verloren haben. Das heißt nicht, dass in der SF die Realität NICHT hinterfragt wird oder ganz in Frage gestellt werden kann (P.K. Dick), aber die beschriebenen Welten sollten rational verstehbar sein.
In der schon angesprochenen Diskussion kam zum Beispiel sehr schnell heraus das fast alle Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Erwartungshaltungen und impliziten Annahmen an SF herangehen, die dann zu unterschiedlichen Beurteilungen geführt haben. Manche haben eine realistische Geschichte erwartet und haben sich an den phantastischen Elementen gestört oder dass die Geschichte sich komplett ins Traumhafte und Phantastische gewendet hat.
Ich fühle ich mich bei Geschichten, die mit ihrer Zugehörigkeit zu einer festen Genre spielen und sich nicht klar zu erkennen geben meist betrogen. Solche Geschichten sind, finde ich, auch schwer zu beurteilen und entziehen sich Kritik sehr geschickt.
Sollen wir es einfach bei der Feststellung belassen dass jeder Leser seine eigenen Kriterien aufstellt und vertritt? Dann wären unsere Eindrücke allerdings nicht vergleichbar und nicht diskutierbar und der oder diejenigen Meinungsmacher die am eloquentesten ihre Positionen vertreten setzen sich durch und entscheiden über die Qualität. Das wäre dann die Marcel Reich-Ranicki-Methode.
Ich denke auch, dass das den Autoren nicht sehr hilft. Bei ausländischen Autoren ist es im Prinzip egal was wir hier sagen, unsere Urteile bleiben unter uns.
Bei deutschsprachigen Autoren sieht die Sache schon wieder anders aus, weil viele aus dem Fandom kommen und auch hier mitlesen. Man muss deshalb vorsichtig mit vorschnellen Urteilen sein und gut die eigene Position begründen. Doch was heißt gut begründen? Die meisten unter uns sind, nehme ich mal an keine professionellen Literaturkritiker (ich bins jedenfalls nicht und möchte mich auch nicht als solcher aufspielen) und äußern ihre persönlichen Eindrücke, die aber dennoch für einen Jungautoren der erst noch Fuß fassen muss, durchaus vernichtend sein kann. Deshalb habe ich auch hier eher ein ungutes Gefühl meine subjektive Meinung frei zu sagen, es sei denn der Autor ist schon so etabliert wie Eschbach oder Marrak.
So, ich habe jetzt auch hauptsächlich mehr Fragen gestellt als beantwortet. Aber ich will die Diskussion (falls es eine geben wird...
Manchmal stelle ich zu meiner eigene Schande fest, dass ich in meinen Urteilen und Bewertungskriterien bereits ziemlich festgefahren bin. Deshalb bin auch positiv überrascht, dass hier eine erfreulich offene Sicht herrscht was die Bandbreite der SF angeht. Und ich bin immer bereit dazuzulernen wenn die Argumente stimmen.
Nun, um die die Sache abzuschließen, mir fällt gerade nichts Gescheites mehr ein, ich würde gerne wissen was ihr zu dem Thema denkt.
Trurl















