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Klare Kante: Ursula Le Guin über Genre-Dünkel (#61)

Geschrieben von Sierra , in Sekundärliteratur, Science Fiction, Kinder- und Jugendliteratur 05 April 2021 · 436 Aufrufe

Ursule K. Le Guin Genre Fantasy Literaturkritik Science Fiction Trivialisierung Genreliteratur
Klare Kante: Ursula Le Guin über Genre-Dünkel (#61) Klare Kante: Ursula Le Guin über Genre-Dünkel (#61)

Gestern bin ich im Internet auf eine sehr pointierte Aussage von Ursula K. Le Guin gestoßen:

„All judgment of literature by genre is tripe. All judgment of a category of literature as inherently superior or inferior is tripe. […] There are many bad books. There are no bad genres.“

Ich mag die 'klare Kante', die Le Guin hier gegenüber der pauschalen Abwertung von Genreliteratur zeigt. Nun ist diese Aussage aber auch schon über 15 Jahre alt und es stellt sich die Frage, ob sich die Situation – in Deutschland – verändert hat. Meiner Ansicht nach haben solche Genre-Dünkel gegenüber Science Fiction und anderer phantastischer Literatur zumindest im schulischen bzw. literaturpädagogischen Kontext abgenommen. Wenn es um spannende Lesetexte für Kinder und Jugendliche geht, sind heutige Lehrer*innen, Erzieher*innen oder Eltern viel eher bereit, Heranwachsenden SF- oder Fantasy-Romane oder -Comics zu empfehlen bzw. zu kaufen.
Wie verhält es sich aber mit dem Umgang mit Genreliteratur in anderen öffentlichen Bereichen (Medien, Verlage, Universität...) ? Dies ist sicher nicht einfach zu überblicken und noch schwieriger zu beurteilen. Zumindest das Feuilleton scheint aber die Science Fiction heutzutage zu akzeptieren und größtenteils ohne Trivialisierung oder mitschwingende Exotismus-Vorurteile auszukommen. – Oder bin ich mit dieser Annahme zu optimistisch? (bf)


Quellen und Nachweise
Zitatquelle: Ursula K. Le Guin: Genre: A Word Only the French Could Love. In: The James Tiptree Award Anthology 1. Tachyon Publications, 2005, S. 68.
Bildquelle für Entry Image: Oct21 Ursuala le Guin from en:wiki screeens. Victuallers. November 17, 2019. Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0.



Ich denke, es hat sich inzwischen was getan. Es gibt ja auch namhafte und auch allgemein anerkannte Kritiker, die den phantastischen Genres gegenüber offen und positiv gestimmt sind, wie Denis Scheck und Dietmar Dath.

Ob das nun immer und überall so zutrifft, also in allen Feuilletons und Redaktionsstuben im Literaturkritikergewerbe so gehandhabt wird, vage ich nach wie vor zu bezweifeln. Allerdings frage ich mich immer öfter, ob wir – die SF & Fantasy-Fans – das überhaupt wollen?

Aber du weist ja besonders auf den Schulbereich hin. Wie es da ist? Keine Ahnung. Meine persönlichen Erfahrungen in der Schule waren dabei durchaus positiv; habe meinen Prüfungs-Aufsatz zu „Die gierigen Dinge des Jahrhunderts“ geschrieben. Und kam durch (Ja, ist lange her.)

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Na, wenn du siehst wie abwertend Teile der SF auf Horror schauen und Teile der SF auf andere Teile der SF schauen, hat sich da gar nicht so viel getan. Ganz früher war der Krimi das Schmuddelkind. Irgendein Schwarzes Schaaf wird wohl immer gebraucht.
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@T.H. @Mammut:

Ja, Dath u.a. – Josefson könnte man ebenfalls hervorheben – sorgen regelmäßig für mehr Aufmerksamkeit für SF- und Fantasy-Autor*innen. Ich glaube, ich sehe das  insgesamt als eine positive Entwicklung an. Dabei geht es mir selbst weniger um ein bestimmtes Standing oder Renommee, das ich mir bspw. für die SF wünsche (etwa nach dem unseligen Motto: "jetzt aber hat es die SF endlich in die "Hochliteratur" geschafft" o.ä.).

Wichtiger finde ich es, dass durch die zunehmende Auseinandersetzung mit Genreliteratur im Feuilleton und an anderen Orte letztlich die Unterhaltungsbedürfnisse vieler Leser*innen ernst genommen werden und ihnen vielleicht auch etwas mehr Orientierung im Dschungel der Genre-Neuerscheinungen ermöglich wird. Schließlich wird so mittelbar auch die  Diversität und Dynamik des (internationalen) literarischen Phantastik-Schaffens zumindest teilweise auf der Metaebene der Zeitungen und Zeitschriften abgebildet. Allerdings gehen die Verkaufszahlen von Print-Medien bekanntlich zurück, also sollte man wohl insgesamt nicht zu euphorisch sein. 

Aus meiner Sicht gilt Le Guins Zitat selbstverständlich auch für die Auseinandersetzung mit Horror-Literatur und eine Abwertung von Horror aus jedweder Richtung ist wenig zielführend und sinnvoll. Auch wenn man sich mal überlegt, dass in der Entwicklungsgeschichte von Genres immerzu wenig Rücksicht auf irgendwelche 'Genregrenzen' genommen wurde und die Verbindungslinien zwischen den Genres vielfältig sind (im Falle SF & Horror: Alien, Frankenstein, Wells' War of the Worlds...).

PS
Schule: "Die gierigen Dinge des Jahrhunderts“ ;-)  Ich durfte damals als Schüler einmal einen meiner PR-Silberbände in der Klasse  vorstellen und war an diesem Tag so  happy, dass ich mich auch heute noch – über dreißig Jahre  später – gerne an diesen Tag erinnere. 

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Zitat des Monats

„All judgment of literature by genre is tripe. All judgment of a category of literature as inherently superior or inferior is tripe. […] There are many bad books. There are no bad genres.“ (Ursula K. Le Guin)

 

[Ursula K. Le Guin: Genre: A Word Only the French Could Love. In: The James Tiptree Award Anthology 1. Tachyon Publications, 2005, S. 68.]

 

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(Quelle: Wikipedia: Le Guin in 2009. Ursula Le Guin. Photo by Marian Wood Kolisch. CC BY-SA 2.0)

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