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"Der Wüstenplanet" von Frank Herbert (Rezension, #65)

Geschrieben von Sierra , in Science Fiction 05 August 2021 · 340 Aufrufe

Wüstenplanet Frank Herbert Science Fiction Dune
"Der Wüstenplanet" von Frank Herbert (Rezension, #65) Als Freund der Lynch-Verfilmung von "Dune" (1984) und gleichzeitig jemand, den Villeneuves "Blade Runner" eher enttäuscht hat, haut mich die Idee eines neuen – warum auch immer notwendig gewordenen – "Dune"-Films kaum vom Hocker. Auch und gerade nach dem Anschauen des Trailers, der einen Action-Kracher in GoT-Optik (wie "LCU" in einem Tweet angemerkt hat) ankündigt.
Herberts ursprünglicher Roman selbst gefällt mir allerdings, wie ich vor ein paar Jahren anlässlich von Jakob Schmidts Neuübersetzung kurz notiert habe.


"Der Wüstenplanet" von Frank Herbert (Rezension, #65)

Heyne wirbt auf dem Cover von Frank Herberts „Wüstenplanet“ (1965) mit dem Begriff „Zukunftsepos“. Und in der Tat gibt es kaum einen Science-Fiction-Roman, der so sehr diese Bezeichung verdient. Es ist nicht nur der Umfang des Erzählzyklus um die schillernde Messiasfigur des Paul Atreides, der sich über sechs zwischen 1965 und 1985 erschienene Romane erstreckt. Bis heute beeindruckt auch Herberts Interesse an dem Verhältnis zwischen Religion, Macht und Herrschaft, das einerseits an die antike Tradition epischer Heldendichtung erinnert. Andererseits nimmt Herbert Bezug auf die islamische Mythenwelt und die Beduinenkultur, die in der Science Fiction und Fantasy selten eine so komplexe Literarisierung erfahren haben.

Herberts Roman spielt auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, in einer fernen unbestimmten Zukunft. Feudalismus prägt das Leben der über viele Planeten verstreuten Menschen. Die Herrschaft des Padischah-Imperators sorgt an der Oberfläche für Stabilität, doch hinter den Kulissen bekämpfen sich die im sogenannten Landsraad organisierten Adelsgeschlechter auf das Erbitterste. Wegen ihres Monopols auf Mobilität ist schließlich die Raumfahrergilde einflussreich. Als Herzog Leto Atreides das Adelsgeschlecht der Harkonnen als Herrscher über Arrakis ablöst, ist dies eine gewichtige Veränderung in der Machtbalance. Denn trotz seiner Lebensfeindlichkeit – neben der Wasserknappheit machen die riesigen Sandwürmer eine Wüstendurchquerung zum Abenteuer – ist Arrakis einzigartig: Die nur dort vorkommende „Gewürz“-Droge Melange ist für Raumfahrer elementar und verleiht zudem prophetische Kräfte. Obzwar die Atreides wussten, dass die Harkonnen Arrakis niemals friedlich aufgeben würden, vermögen sie ihren Angriff – der durch die Truppen des Imperators incognito unterstützt wird - nicht zu verhindern. Der heimtückische Plan von Baron Harkonnen geht jedoch nicht ganz auf. Denn Letos Sohn Paul und seine Konkubine Jessica, Pauls Mutter, können in die Wüste fliehen und finden dort bei dem Volk der Fremen Asyl. Auch gibt der gefangengenommene Leto keinerlei Geheimnisse preis, weil er den Selbstmord einer Folterung vorzieht. Und in der Wüste wird der Leser Zeuge einer Wandlung Pauls, so wie es eine alte Prophezeiung beschrieben hat: „Es heißt, dass eines Tages ein Mann kommen und durch die Gabe der Droge sein geistiges Auge entdecken wird.“ Paul wird von den Fremen zu ihrem Anführer erkoren und heißt nun „Paul-Muad’Dib“. Weil ihm die archaischen Fremen-Traditionen wenig Handlungsspielraum lassen, sucht er nach einem Weg, der ihm eine individuelle Interpretation seiner Anführerrolle ermöglicht und gleichzeitig die Chance auf die Bestrafung der Harkonnen wahrt.

Die vorliegende Neuausgabe von Herberts Klassiker ist mehr als empfehlenswert. Jakobs Schmidts Übersetzung liest sich erstaunlich flüssig und ist doch – dies zeigt der Vergleich mit dem Orginaltext – sehr textnah. Zudem hat Herberts Roman keine Patina angesetzt, weil der detailreiche Weltenbau so harmonisch mit der spannenden Handlung verbunden ist. Dabei steht Pauls Kampf um die Befreiuung Arrakis’ in bester humanistischer Tradition und verleiht der Geschichte eine interessante, antikolonialistische Stossrichtung. An Tiefe gewinnt der Roman schließlich durch die unterhaltsamen Dialogsequenzen, in denen die Rahmenhandlung wie in einem Kammerspiel auf den Ebenen der Diplomatie und Intrige weiterbefördert wird. (bf)

Gesamteindruck: +++++ (5 / 5)

Bibliographische Angaben:


Frank Herbert: Der Wüstenplanet. Übers. von Jakob Schmidt. München: Heyne. 2016. 800 S. 14,99 EUR.
Diese Rezension ist erstmals erschienen im Heyne Science Fiction Jahr 2016.

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