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Der Kampf mit Myspace

Geschrieben von Nina , 19 April 2007 · 744 Aufrufe

Seit Anfang der Woche bin ich nach den Osterferien wieder in Wien. Leider ist da nicht viel mit pulsierendem Leben der Großstadt - immer gibt es etwas zu tun. Dazu geht es mir auch immer noch nicht so gut, mein Husten ist mir gefolgt und mein Selbstmitleid ebenso.
Wenigstens konnte ich auf der Hinfahrt – schön im ICE, den ich danke Verspätung der Bahn wider Erwarten erwischt habe – noch Interessantes auf meinem Musikhandy hören, das ich eigentlich kaum für Musik verwende. Auf den Programm standen zwei Podcasts, zu einen der immer wieder gute des Literaturcafés, zum anderen die 1. Sendung von Corona Radio, nämlich Audio 51.
Beide Geschichten waren hervorragend und ich wäre bei dieser Lesung echt gerne dabei gewesen. Nicht nur wegen des Programms, da waren ja schließlich auch viele Fans versammelt und da hätte man auch ungehemmt fachsimpeln können.
Besonders beeindruckt hat mich, wie es Niklas in seiner Geschichte „Ding und das Tank-Mädchen“ geschafft hat, einerseits köstlich zu unterhalten, andererseits auch die neuere Bildungspolitik in Frage zu stellen.

Neben all dem habe ich jetzt was Neues entdeckt, und zwar Myspace. Mir wurde das als großartige Werbeplattform präsentiert, gut, denke ich mir, melde ich mich mal an.
Nun bin ich seit kurzer Zeit stolze Besitzerin einer Myspace-Homepage.
Zuerst haben wir beide uns aber gar nicht gut verstanden: Ich wollte ja zunächst nur mal registrieren und wie man es halt so macht, mich erst später damit beschäftigen.
Aber, was sehen meine Augen da? - Ohne auch nur eine Zeile ausgefüllt zu haben, standen dort Sachen wie "auf Beziehungssuche" und "ich will keine Kinder". Also genau das, was sich einer wünscht, der auf schnellen Sex aus ist.
Wenigstens das Hauptfeld mit den Interessen war nicht ausgefüllt - ein Glück. Vermutlich wäre dann so etwas wie: "Ich bin gerade rollig, bitte nimm´ mich!" dortgestanden.
Nichts gegen Paare, die sich über gemeinsame Interessen im Internet kennen lernen. Aber über so eine Profilseite finde ich dann doch etwas plump!

Also raus mit dem Schwachsinn, neue Beschreibung rein. Und da begann der Krieg erst: Myspace akzeptiert html-Code, also kein Problem.
Dachte ich zumindest.
Allerdings kann man nicht einfach so eine Seite schreiben, nein. Warum denn so einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Also, Kopf- und Fußzeile werden offenbar automatisch eingefügt, auf jeden Fall bekommt man bei einer von Grund auf programmierten (bzw. Computerdödel wie ich produzieren das mit dem Front Page Editor, was durchaus akzeptable Ergebnisse liefert) Seite lästige Quellecodes rein.
Der Hintergrund lässt sich ändern, da es aber zwei Hintergründe gibt, die übereinander liegen, ist das gar nicht so einfach.
Meine Idee war das Profil in weißer Schrift, schwarzer, dezent gemusterter Hintergrund, so ähnlich wie auf meiner Homepage. Aber: Nicht in allen Feldern lässt sich die Schriftfarbe so leicht ändern!
Also sollte die nächstbeste Farbe, rot, her. Aber: Ein Hintergrundbild ließ sich nicht einfügen. Das voreingestellte rot war die hässlichste Farbe, die ich je gesehen habe. Etwas ausgefallenere Rottonnamen (natürlich brav auf englisch eingegeben und von einer Liste entnommen) kennt das System nicht.

Also gut, zu guter Letzt ist mein Profil braun, als Faulheit die Schrift mal schwarz, mal weiß belassen, der andere Hintergrund - eigentlich nur ein Streifen links und rechts ein silbriges Hintergrundbild.

So weit, so gut. Oder eben nicht gut.
Zufrieden war ich dann erst, als ich mir die anderen Profile angesehen habe. Die waren allesamt auch nicht besser - die meisten sogar schlechter.
Man soll nicht vergleichen - aber trotzdem: Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sieht, dass die anderen in einer Sache auch nicht begabter sind als man selbst.

Dann begann die Suche nach Freunden. Das sind einfach Leute, die man als solche bei sich einträgt.
Nun gut, besonders überzeugend ist die Suchfunktion nicht. Ich finde mich beispielsweise selbst nicht, nicht mal, wenn ich meinen Namen oder andere Begriffe eingebe, die ich sicher irgendwo erwähnt habe!

Aber immerhin war es eine ganz nette Ausbeute. Zwei bereits mir bekannte Personen, davon ein anderer Autor, der Festaverlag (ja, kaum zu glauben, auch ernsthafte und erfolgreiche "Projekte" sind dort), das Fanzine Caligo, das Literaturcafé, ein paar Fans von Science-Fiction. Damit habe ich was losgetreten und demnach bekomme ich täglich neue Freundesanfragen.
Meistens haben die Leute nicht so genau geschaut, da ist beispielsweise ein Rapper mit ein paar tausend "Freunden" aus Kalifornien. Versteht der überhaupt, was in meinem Profil (deutschsprachig) steht? - Und wenn ich mir sein Profil so ansehe, kommen mir auch Zweifel an unserer Interessensähnlichkeit. Viel zu lesen scheint der ja nicht. Und schreiben?
Na ja, vielleicht hin und wieder einen Einkaufszettel ...
Auch sonst sind die Leute wenig wählerisch. Na egal, wenn ich annehme, dass derjenige zumindest potentiell dazu in der Lage ist, meine Minihomepage auf Myspace zu lesen, wird der hinzugefügt.

Fragt sich natürlich, wozu das alles. OK, die Leute sollen meinen Namen hören. Vielleicht bringt es mich ja ein Stück weiter in Richtung Berühmtheit. Ein paar lassen sich auch auf meine richtige Homepage oder auf mein Blog umleiten. All das Internetgetue wirkt nämlich tatsächlich.
Ich bin inzwischen draufgekommen, dass mich ziemlich viele Leute kennen.

Da ist es dann eigentlich frustrierend, wenn ich erfahre, woher: Die wenigsten lesen meine Geschichten, ein paar kennen noch Rezensionen (von denen ich zwar regelmäßig welche verfasse, worin ich aber sicher nicht meine Berufung sehe) - bzw. eine Rezension. Nämlich die, wo sie selbst drinnen erwähnt sind.
Warum also kennen mich auf dem BuCon eine ganze Reihe von Leuten? Warum wird jemand, den ich noch nie zuvor getroffen habe, hellhörig, wenn ich mir auf einer Lesung ein Buch mit meinem Vornamen widmen lassen? Warum glaubt immer wieder mal wer, ich könnte sein Romanmanuskript an einen Verlag vermitteln? Was treibt eine fremde Frau dazu, mir ein Mail zu schreiben und mich zu fragen, welche Ausbildung ich ihr empfehle, wenn sie den Berufswunsch Lektor hegt?

Ganz einfach: Es ist die große Klappe im Internet. Klar, ich mache das, was ich tue, schon ernsthaft. Ich bin auch so weit über den Literaturbetrieb informiert, dass ich keinen Kochbuchverlag aus dem Telefonbuch raussuche, mit einer hundert Tippfehler starken SF-Kurzgeschichte beglücke und mich dann noch wundere, warum der nicht drucken will.

Aber ich bin auch nicht Bestsellerautorin-Starlektorin-Verlagsagentin-Alles-Wisserin-Alles-Könnerin. Ich schreibe doch nur ... Geschichten. Ja, ich schreibe Geschichten! Nicht so viele, aber mit großer Überzeugung.
Und dass ich nicht alles weiß, alles kann und alles erreicht habe, ist vielleicht auch gut so. Immerhin weiß ich dann zumindest, dass ich nicht ein platter, unglaubwürdiger Charakter aus einem drittklassigen Roman bin!





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