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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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Etwas ziellos herumgelesen in Zeiten zunehmender Dunkelheit (Leseliste Herbst 2018)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 21 December 2018 · 464 Aufrufe
Amis, Martin Amis, Bulgakow und 5 weitere...
42 – Tobias Bachmann: „Innsmouth Harlekin“
Lovecraft-Weird-Fiction satt! Was kann man danach noch zum Thema beitragen?
Es ist alles drin, die einschlägig bekannten Ortsnamen, all die tentakelbehafteten, fischigen, unnennbaren Monstren, die menschlichen, unmenschlichen Verirrungen und Verwirrungen, alles.
Neben dem äußerst schrägen, sogar etwas ekligen Schilderungen wird das Ganze aber insgesamt auch sehr rational behandelt: Alle Geheimnisse kommen auf den Tisch, eigentlich bleibt am Ende keine Frage unbeantwortet. Na ja, kann man machen, die Leser werden es ihm danken, denke ich.
Ein Mann namens Harlekin will das Verschwinden seiner Schwester aufklären. Mutmaßlich hat das was mit einem Zirkusclown zu tun. Hmm, als das so losging, dachte ich mir schon, dass der Name des Protagonisten nicht zufällig so gewählt wurde vom Autor. Harlekin findet „seinen“ Clown, der ist in dem einschlägig bekannten Innsmouth ansässig.
Bei der Schilderung der hässlichem, dunklen, stinkgien Ortschaften nimmt sich der Autor dann viel Zeit und Raum. Doch WAS sich dort abspielt, spottet eigentlich jeder Beschreibung – aber auch da muss man als Leser dann durch.
Für diese Art von Erzählungen dürfte es am Ende nicht verwundern, wenn sie dann doch nicht gut ausgeht, aber eben sehr konsequent.
Mit hat’s gefallen, obwohl man (ich) danach erst mal genug von HPL-Stoff hat, echt jetzt.
9 / 10 Punkte

43 – J.R.R. Tolkien: „Das Silmarillion“
Hörbuch, vollständige Lesung von Achim Höppner.
Ach, Tolkien… Über die Jahrzehnte habe ich ihn mir sozusagen abgewöhnt. Das mit den Filmen und auch literarischen Nachahmern hat es mir vergällt, muss ich gestehen. Von den drei Filmen zum Hobbit habe ich erst eineinhalb gesehen.
Das Silmarillion fand ich immer spröde und für mich unzugänglich. Ja, eine eigene Mythologie hat ER geschaffen. Sicher eine große Leistung. Doch wozu? Was gibt sie mir?
Ich habe es jetzt noch mal mit der Hörbuchversion versucht. Und so in der Mitte frage ich mich nach der Relevanz. Sorry. ist für mich nix. Die Namensfolgen, die Länder und Städte und Völker und Helden und Halbgötter. Alles chic, aber nicht relevant für mich. Was gibt es mir, habe ich mich gefragt: Leider nichts.
Keine Punktzahl, denn die Leistung von Autor und Vorleser sind unbestritten, was können die dafür, dass ich mit dem Stoff so gar nichts anfangen kann…

44 – Martin Amis: „Einsteins Ungeheuer. Träume im Schatten der Bombe“
Meiner 2018er Obsession für die Familie Amis wollte ich mit dem dünnen Erzählungsband von Sohn Martin frönen. Am Ende muss ich sagen, dass der Titel ein wenig Etikettenschwindel ist. In seinem langen Vorwort, sozusagen einem eigenen Essay, zum Thema „Leben im Schatten der Atomkriegsgefahr im Kalten Krieg“ bringt der Autor sein Unbehagen und dem irrationalen Wahnsinn der atomaren Aufrüstung zum Ausdruck. Damals war das eher keine große intellektuelle Leistung. In einer Rezi in der "Zeit" hat der Rezensent das dann auch zum Ausdruck gebracht. Mehr als bekannte Allgemeinplätze bringt der M. Amis da im Grunde nicht. Aber immerhin. Und wie soll er denn seine Ängste anders artikulieren? Und auch wenn das „jeder“ weiß, so hilft ihm das ja nichts, wenn er sein Unbehagen loswerden muss, um nicht daran einzugehen. Ich kann das verstehen.
Und so nach all den Jahrzehnten ist es durchaus noch mal interessant, von dieser Angst zu lesen – die wir heute ja gern verdrängen. Wer spricht schon noch von Atomkriegsgefahren? Obwohl es die Bomben ja immer noch gibt.
Für mich erfrischend war sein Hohn zu den Zivilschutzmaßnahmen, die man der Bevölkerung für den Fall der Fälle anriet. Die waren in England genauso bescheuert wie bei uns: Im Grunde völlig nutzlos.
Auch erfrischend – wenn auch traurig und hoffnungslos – seine Einstellung zu der Möglichkeit, die Apokalypse in einem Bunker z.B. zu überleben: Er (und ich auch!) würde jeden beneiden, der sie nicht überlebt, denn was „danach“ kommt, ist sicher keine Freude!
Das gilt dann auch für alle Postdoomsday-Szenarien, der sich die Phantastik ja erfreut: Aber da wird ja im Grunde der postatomare Wahnsinn auch oft genug beschrieben, auch wenn man oftmals den Eindruck hat, das wird so ein richtig tolles Abenteuer.
Na ja, leider kommt dann in den Erzählungen dazu kaum was. Ich frage mich: Warum diese Überschrift?
Gut hat mir die erste Story gefallen, über einen jüdisch-polnischen Widerstandskämpfer im von den Nazis besetzten Polen. Der griff auch mal zu unlauteren Mitteln, um polnische Kollaborateure auszuschalten – mit Folter. Ein Bulle von Mensch, mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn und dem Willen, sich nichts gefallen zu lassen, auch Rache zu üben und mit harten Fäusten ausgestattet. Und am Ende, als Halunken seine Familie meuchelten, dann doch keine Rache Vergeltung übte, weil er ahnt, dass das nichts bringt.
Die anderen Stories sind schon wieder so ungreifbar, mitunter abstrakt. Man könnte sie teilweise sogar als New Wave SF einstufen (Die Zeitkrankheit), erinnerte mich an Harlan Ellison (den ich auch nicht so dolle mag). Na, ich denke mal, Martin Amis gefällt mir als Essayist mehr denn als Prosa-Autor.
6 / 10 Punkte

45 – Philip K. Dick: „Der dunkle Schirm“
…und: „A Scanner Darkly. Alles wird nicht gut“ Ein Comic-Buch nach dem Film von R. Linklater
…und den Film habe ich auch gleich noch mal gesehen.
Okay, das war jetzt A Scanner Darkly satt. Zweck der Übung war eigentlich, einen Beitrag für das PKD-Spezial des NEUEN STERNS anlässlich des 90. Geburtstages des Meisters im Dezember 2018 zu verfassen. Doch dafür haben die fleißigen Mitstreiter so viel Material zusammen getragen, dass das Heft für diese meine Rezi keinen Platz mehr bot. Auch hier werde ich nicht groß ausholen. Der Plot ist für PKD recht übersichtlich, die Verschwörungen, Realitätsverzerrungen sehr eindeutig und nachvollziehbar, denn sie sind eher keine politischen Intrigen, oder gar kosmischen Verwerfungen und der undurchschaubaren Handlung schöpferischer und zerstörerischer Demiurgen geschuldet, sondern dem übermäßigen Zuspruch von Drogen. Dick hat hier seine eigenen Erfahrungen verarbeitet; das Buch ist den ihm bekannten und mit ihm befreundeten Opfern des Drogenmissbrauchs gewidmet.
In der Story verweist Dick auf die Mitschuld der Gesellschaft – in Form der ominösen Institution „Der neue Pfad“. Die Kräfte, die vorgeben, das Problem zu bekämpfen, bzw. sich der Opfer anzunehmen, stellen sich als dessen Verursacher, oder zumindest dessen Nutznießer heraus. Das Ganze vor dem dystopischen Hintergrund totalen Überwachung.
So ein vergleichendes Konsumieren hat bei mir ja oftmals das Ziel, Unterschieden in Plot und Intention der verschiedenen Aufbereitungen nachzugehen. Nun, hier findet man kaum welche. Der Film ist eine sehr genaue Kopie der Buchvorlage, das Comic ist entsprechend eine haargenaue Übernahme der (Trick-) Filmbilder. D.h. einen Unterschied habe ich ausmachen können – und zwar was die Rolle der Freundin von Bob, Donna, anbelangt…
Auch wenn gar nicht so viel passiert, fand ich die Lektüre spannend und aufschlussreich, daher…
8 / 10 Punkte

46 – Michael Bulgakow: „Meister und Margarita“
Nach seiner „Weißen Garde“ habe ich Blut geleckt und gleich mit seinem Groß-Werk weitergemacht. Nun, nach der Lektüre, weiß ich nicht, warum darum so ein Gewese gemacht wurde. Sicher kann man heute kaum die „Bedenken“ der Funktionäre nachvollziehen, die ob des zauberischen und magischen, also anti-atheistischen Grundtons Verrat an der kommunistischen Ideologie rochen. Die Kritik am sowjetischen System hält sich nach meinem Dafürhalten sehr in Grenzen. Der große faustische Entwurf, den wir bei Goethes Faust finden, sucht man nach meinem Dafürhalten hier vergeblich. Da bin ich aber vielleicht auch mit einer falschen Erwartung an die Lektüre gegangen?
Gestaunt habe ich allerdings, wie weit Prostitution und Geld- (Schwarz) -Geschäfte im Moskau der 30er Jahre Gang und Gebe waren. Geldwirtschaft (Devisen vor allem) war ein großes Thema für die Leute dort. Okay, das ist nicht im Sinne der „neuen Gesellschaft“ gewesen.
Zwei Szenen haben mich vor allem beeindruckt: Zum einen die Varieté-Veranstaltung, in der der Teufel Woland und seine Gehilfen, der Kater Behemoth und der Mann in den karierten Hosen, Korowjew, auch Fagott gerufen, die gierigen Moskowiter und ihre Geldgeilheit vorführt. Und dann natürlich der Teufelsball in dem Haus, wo sich Woland niedergelassen hat und wo seltsame Dinge mit den Bewohnern passieren.
Der Zusammengang von Wolands teilweise lustigen, teilweise auch etwas mörderischen Umtrieben, um die Gesellschaft etwas durchzurütteln und dem Fall des namenlosen Schriftstellers in der Klappsmühle (der Meister) und dessen Roman über Pontius Pilatus und Jesus, ging mir nicht so richtig auf.
Ach, ein Gimmick fand ich dann noch bemerkenswert: Wie ein findiger Moskauer in der allgemeinen Wohnungsknappheit zu einer größeren Wohnung kommen kann. Also, für Woland ist das ja kein Problem, die mysteriöse Wohnung, die er sich aussuchte, hat was von einer Tardis, aber der real-existierende Moskauer muss sich schon was einfallen lassen, um am Ende eine größere Wohnung zu bekommen.
Der Roman kommt mit einer leichten, manchmal volkstümlichen, rotzigen Sprache daher. Es gibt aber auch wunderschön poetische Sentenzen. Die schwarzmagischen, fast schon im gothic style inszenierten Theater-Variationen, die das Teuflische, Satanische, Schwarzmagische betonen, kann ich kaum nach der Lektüre nachvollziehen (haben aber natürlich was!).
7 / 10 Punkte

2 x gegen den Krieg:

47 – Kurt Vonnegut: „Schlachthof 5“
Ich las meine DDR-Ausgabe des Buches noch einmal (ob die vollständig ist? weiß es gar nicht…) Ein tolles, kurzweiliges, aber auch kurzes Buch. Dabei so voller Ideen und Bilder; reicht eigentlich für drei Bücher. Ich finde ja Vonnegut mitunter zu skurril; zu skurril für seinen Realismus. Aber gut, So geht es halt…
8 / 10 Punkte

48 – Joseph Heller: „Catch 22“
Nachdem ich auf den Begriff bei Michael Bishop (Dieser Mann ist leider tot) und bei der kurzen Recherche daraufhin auf den Titel der DDR-Ausgabe „Der IKS-Haken“ gestoßen bin, war mein Interesse erwacht. Das mit dem Haken ist ja so eine Sache: ein Alltags-Paradoxon - bzw. wie man in dem Buch lesen kann, viele solche Paradoxa – verzwickte Situationen, logische Fallen und ausweglose Situationen. Auch hier ist der Krieg, ähnlich wie bei Vonnegut, zwar das Thema Nr. 1, wird aber irgendwie verzerrt wahrgenommen. Wie soll man diesen Irrsinn auch rational erfassen? Wie wird man mit so einer Situation fertig? Die Soldaten bei Heller reagieren auf sehr unterschiedliche Weise. Im Grunde ist es eine Sammlung von Erzählungen über die einzelnen Personen; die zusammenhängende Story kommt für meine Begriffe in der Verfilmung dann viel besser zum Tragen. Die Beispiele sind dann auch irgendwie austauschbar, beliebig, retardierend.
Aber ich konnte mitunter herzlich lachen und viel schmunzeln, auch wenn der Hintergrund und das Streben des „Helden“, endlich wieder nach Hause gehen zu können, an keinen Flugeinsätzen mehr teilnehmen zu müssen, eher tragischer Natur ist.
7 / 10 Punkte

2 x gegen Umweltzerstörung:

49 – Ursula K. LeGuin: „Das Wort für Welt ist Wald“
Aus einer Laune heraus habe ich den Heyne Sammelband mit „ökologischer SF“ noch mal aus dem Regal gefischt. Der erste der drei Romane ist der der kürzlich verstorbenen großen SF & Fantasy-Autorin. Komischer Weise las ich ihn, kurz bevor hier im Forum eine Klassiker-Leserunde dazu gestartet wurde. Hatte ich nicht mitbekommen, erst als es sozusagen zu spät dafür (für mich) war.
Nun, der Roman ist im Grunde recht didaktisch, die Figuren klar umrissen und festgelegt, das Buch ein Plädoyer gegen Unterdrückung und Ausbeutung und gegen die schonungslose Vernichtung von Natur für Profit.
Mich hat der Plot und die Stimmung und die Erzählweise sehr stark an „Avatar“ erinnert – als wäre der Roman von LeGuin die originale Vorlage zum Film.
Der Militär Davidson, der im Namen des Fortschritts seinen Gewaltphantasien hier freien Lauf lassen kann, erinnert so sehr an Col. Miles Quaritch, die Creechies natürlich in ihrer indianisch, natürlich-esoterischen Naturverbundenheit an die Na’vi, nur halt in klein und grün, statt groß und blau. Einen Menschen, der Verständnis für die Eingeborenen entwickelt, gibt es auch, allerdings stirbt er vor dem happy end.
Ich finde das Buch inspirierend, irgendwie auch wichtig, gerade heute. Allerdings wird die Geschichte bei uns, auf unserem Planeten, nicht so gut ausgehen, befürchte ich. Übrigens scheint das auf der Erde, die bei LeGuin hier im Hintergrund angedeutet wird, auch nicht so sein; da ist die Naturvernichtung weit vorangeschritten. Schade eigentlich.
8 / 10 Punkte

49 - Peter Lorenz: „Quarantäne im Kosmos“
Der Roman befindet sich zwischen LeGuin und Foster in dem Heyne-Band mit ökologischer SF. Schon außergewöhnlich: Ein DDR-Autor in einem „West-Buch“ zwischen big names. Alle Achtung. Na, sicher war das ein Marketing-Trick des Herausgebers, um einen Roman einfach mit zu verkaufen. Aber okay. Außerdem ist der Roman nicht schlecht. Möchte behaupten, dass Peter Lorenz als guter SF-Autor Bestand hat, nach wie vor. Wie sehr ich mit meiner Vermutung Recht hatte, stellte ich staunend bei der erneuten (nach 30 Jahren) Lektüre fest. Ich war fast schon geschockt, mehrfach, denn er spricht Themen an, die jetzt, aktuell, heutzutage auf der Tagesordnung stehen: Klima, Bienensterben, Arbeit 4.0, psychologische Auswirkung der Arbeit auf die Menschen (Burnout) – alles drin.
9 / 10 Punkte


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Die Tür durchschritten - eine Empfehlung, die zu spät kommt

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 October 2018 · 2450 Aufrufe
Sawinkow, Erik R. Andara und 2 weitere...
Leseliste (39 - 41)

Folgendes Büchlein würde ich ja gern empfehlen, nützt aber nix. Das Buch ist auf 100 Exemplare limitiert und bereits vergriffen. Da mir aber in letzter Zeit so viel Nicht-Phantastik untergekommen ist, und nun aber endlich mal wieder was dabei ist, was auch noch sehr gut war, muss ich das gleich hier mal loswerden:


Erik R. Andara: „Hinaus durch die zweite Tür“
Der Autor braucht noch ein Weilchen bis zu seinem nun dann wirklich ersten Roman. Bis dahin verkürzt er sich und würzt uns die Wartezeit mit Kurzgeschichten und dieser Novelle. Ja, kann er so weitermachen, von mir aus; aber der Roman muss dann doch mal kommen… :)
Diese phantastische Novelle lehnt sich – wenn ich das richtig verstanden habe – an Kubins „Die Andere Seite“ an. In wie weit da wirklich so viel von Kubin drin steckt, vermag ich nicht zu sagen. Interessant ist in dem Zusammenhang auf jeden Fall, dass Erik wie Alfred Kubin „von Hause aus“ bildender Künstler ist; zumindest habe ich beide als erstes so kennen gelernt – einst (Kubin) und jetzt (Andara).
Leider zeichnet Erik nicht mehr so oft und viel, immerhin hat er für die Ausgabe der Novelle das Cover erstellt.
Aus Kubins Welt hat er ein paar Begriffe und Namen entnommen. So wird aus der Hauptstadt in Kubins Traumland, Perle, eine Art „konkrete Metapher“ – so wie die Perle entsteht, wenn sich in der Muschel ein Klümpchen Dreck ansammelt, um das sich die Perle bilden kann, wird bei Erik Andaras Perle eine Mensch als Kern benötigt, um als Aufhänger für ---- etwas da zu sein…
Worum geht es? Nun, auch wenn die Personen die Namen aus Kubins Werk tragen und sicher sehr an diese angelehnt sind (das vermag ich nun wirklich nicht mehr so fix zu rekapitulieren, ist zu lange her, dass ich den Kubin gelesen habe), könnten die Personen etwas aus des Autors Biografie haben. Es handelt sich um Absolventen einer Kunsthochschule. Andererseits hoffe ich aber auch sehr, dass sie nicht allzu viel gemein haben mit seiner eigenen Biografie.
Es geht um die Macht und Kraft der Kreativität, um die Mühe, die einem Kreativität bereiten kann. Wann ist man ein – guter – Künstler? Was bedeutet dies für eine selbst, nicht nur für die Umwelt? Fragen, die – so kann ich mir denken – den Autor, auch vormals als Grafiker, sein Leben lang beschäftigt haben.
Wie kann man seine Chancen auf dem Kunstmarkt erhöhen? Welche Rolle spielen da Geld und Beziehungen? Das wird alles angedeutet und in den Plot eingewoben. Am Ende bleibt die moralische Keule aber wohltuender Weise stecken; alle Beteiligten haben es nicht so einfach in ihren künstlerischen Karrieren und müssen „nachhelfen“.
Was hilft es, wenn man die besondere, bestimmte Tür durchschreitet?
Die „Tür“ ist hier auch eine konkrete Metapher, hat etwas Faustisches, etwas von einem mephistophelischen Kontrakt, den aber die Hauptperson, der sehr begabte, aber dann nicht erfolgreiche Künstler Alfred hier nicht selbst eingeht, sondern von einem ehemaligen Kommilitonen übergeholfen bekommt.
Das Thema der Novelle ist sehr eigen, wie ich fand. Für die Länge aber durchaus eine tragende Idee. Mir selbst gab sie sehr viel, da ich ja miese Phasen in meinem (hobby-) künstlerischen Dasein auch schon durchlaufen habe. Ich weiß, wie man sich da fühlt – und Ursachen dafür könnte ich auch - konkret, wenig metaphorisch – benennen, mache ich hier jetzt aber lieber nicht.
Danke, lieber Erik, für die Kurzweil und den Blick hinter die Kulissen.
9 / 10 Punkte

Boris Sawinkow: „Das fahle Pferd“
…ist das des Todes. Das schwarze, das dem anderen autobiografischen Buch des Autors den Titel gab, war ja das der Gerechtigkeit, wobei diese Deutung eine reduzierte ist. Die Reiter der Apokalypse bringen ja alle den Tod, auf ihre eigene charmante Art.
In dem Roman hier geht es um die Zeit vor der Oktoberrevolution. Der Autor war damals der wohl berühmteste und meistgesuchte, anarchistische Bombenleger Russlands. Er war maßgeblich an der Planung und Durchführung mehrerer Attentate beteiligt.
Wie in dem anderen Buch sind die Kapitel wieder sehr kurz und knapp. Er macht keine Schnörkel, zeigt ungeschminkt, was er fühlt und denkt. Und das ist meist nichts Gutes. Motive für sein Handeln, edle gar, hat er nicht. Er will einfach nur töten; das ist sein Lebenssinn. Die sozialrevolutionären Ziele seine Mitstreiter kann er fast gar nicht mehr nachvollziehen und mittragen. Er hat sich das Täten vorgenommen und zieht es nun durch.
Als es vollbracht war, fällt er in ein schwarzes Loch, spürt seine absolute Einsamkeit, die auch noch durch eine unglückliche Liebe zu einer nicht zu erreichenden Frau verstärkt wird. Diese Beklemmung macht der Autor dann stark spürbar. Am Ende steigt er aus dem sozialrevolutionären Terror-Geschäft aus, einfach so.
Starkes, beklemmendes, kompromissloses Buch.
9 / 10 Punkte

Horst Evers: „Alles außer irdisch“
Hörbuch, vom Autor gelesen.
Als, ich habe es versucht. Vielleicht habe ich keinen Humor? Dache ich eigentlich immer… Aber nee, war nicht meins. Das sind einfach mal Wortspielereien, einfache Gags, die sozusagen auf der Hand liegen, das Spiel mit den Erwartungen, Figuren ohne Widersprüche. Unterm Strich ist das nicht meine Form von Humor.
Die SF fängt damit an, dass der Berliner Flughafen fertig geworden ist. Oh ja, DAS ist Science Fiction! Na gut. Dann landet da aber als erstes ein außerirdisches Raumschiff. Unser Anti-Held – ein Tunichtgut und halt so ein Typ, der nix gebacken bekommt, aber sofort unsere Sympathie besitzt, gerät in einen Strudel sehr phantastischer Ereignisse.
Der Autor liest selbst und das macht er hervorragend. Aber ich habe es nicht bis zum Ende durchgehalten, einfach weil mich das Ganze dann nicht mehr interessierte. – Na, ich denke, ich passe nicht zu dem Buch. Denn es ist ja recht erfolgreich – und das ist gut so.


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Zwei Abstecher in die andere Richtung der Zeitachse (also keine SF, keine Phantastik)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 21 October 2018 · 1627 Aufrufe
Sawinkow, Bulgakow, Isaak Babel und 1 weitere...
Zwei Abstecher in die andere Richtung der Zeitachse (also keine SF, keine Phantastik) Bild: Die Bücher vor Herbstlaub © Thomas H.

Russische Bürgerkriegskunde
Der Sawinkow hat’s mir angetan. Aber nicht nur der. Irgendwie macht Geschichte gerade einen Riesenspaß – mir zumindest. Obwohl, „Spaß“ ist irgendwie der falsche Ausdruck, ich weiß nicht. Eher „Spaß“ in einem schwarzen Sinne von „Zu Tode freuen“, oder so etwas. Das klingt natürlich dramatisch.
Geschichte war schon immer mein großes Interesse, es ist älter als das Interesse an der Zukunft, die SF. Für mich waren dann die beiden Auswüchse der Zeitachse – Vergangenheit und Zukunft – eine Art Zwillingspaar.
Die 20er, 30er Jahre des 20. Jh, sind gerade medial sehr präsent: Ich schaue mit leicht enttäuschter Euphorie „Babylon Berlin“ und mit großer Überraschung „Der Krieg der Träume“. Orwell, jenseits von „1984“, vor allem auch seine Erlebnisse als anarchistischer Kämpfer im Spanienkrieg, hatten es mir sehr angetan. Das Buch von Sawinkow hatte mich sehr begeistert, habe mir gleich noch sein biografisches Werk bestellt, das vor seiner Zeit im russischen Bürgerkrieg spielt, als er ein aktiver antizaristischer Anarchist und Terrorist war.
Sawinkow hat eine überaus interessante und abenteuerliche Biografie; ähnlich wie in der Doku-Drama-TV-Serie „Krieg der Träume“ sind es diese besonderen Biografien der Menschen, die in den politischen und kriegerischen Wirren vom 1. bis zum 2. Weltkrieg so faszinieren. Mich fasziniert dabei durchaus auch die Situation des Unentschiedenen – das sich im Großen, Politischen, aber auch Menschlichen äußert. Niemand wusste, wie es ausgehen wird, das mit dem Kommunismus, dem Faschismus etc. Heute, wo wir auf die Geschichte drauf schauen können, sind wir klüger – na ja, sollten es sein, klappt aber auch nicht – machen „wir“ nicht gerade die gleichen Fehler wie damals durch – fast in allen Sparten, ob Politik, im gesellschaftlichen Denken, in der Wirtschaft sogar? Ist zum Haare raufen. Im Unterschied zu damals ahnen wir aber heute von den Folgen.
Bei der Beschäftigung mit der Geschichte, den Geschichten, stelle ich fest, dass ich wohl viel vergessen, aber noch mehr gar nicht wusste.
Hier nun im speziellen Fall der russischen Revolution und des Bürgerkrieges kommen mir Tatsachen unter, die mich erschrecken, auf böse Art faszinieren und zeigen, dass auch damals die Fronten überhaupt nicht klar waren, weder die realpolitischen, noch die in den Köpfen.
Beim warten auf das nächste Sawinkow-Buch las ich mal, was die Bibliothek so hergab – und was ich zu meiner großen Schande gestehend, bisher tunlichst ignoriert hatte:

37 – Michael Bulgakow: „Die weiße Garde"
Der Autor ist ja nun wirklich kein Geheimtipp. Aber auch hier gilt: Was kann mich doch alles Erstaunen, wenn ich mich nur mit seiner Biografie beschäftige. Auch er war kein geradliniger Sowjetbürger. Wobei so etwas auch gar nicht ging, denn welcher aufrechte Kommunist hat die stalinistischen Säuberungen überstanden?
Noch erstaunter war ich nach der Lektüre, dass dieses Buch überhaupt „bei uns“ erschienen ist! Helden der Geschichte sind keine Kommunisten, keine Rotarmisten, eher ihre Feinde und Gegner. Im ganzen Buch spielen Bolschewisten nur eine periphere Rolle – und schneiden noch nicht mal gut ab. Die Bolschewiki drohen wie ein Unwetter, wie eine finstere Naturgewalt aus dem fernen Moskau herüber. Schauplatz unseres Dramas ist Kiew, die Ukraine. Da herrschen ganz andere Kräfte. Da sind deutsche Besatzer, die von den Teilen der ukrainischen Bevölkerung, in deren Milieu der Roman angesiedelt ist, durchaus wohlwollend als Ordnungsmacht und Ruhestifter gefeiert werden. Im Grunde stört so eine Darstellung schon mal die mir bekannte DDR-Geschichtsauffassung von den imperialistischen Okkupanten im neuen Sowjetlande, die aber sicher auch stimmt. Betonung liegt hier auf „auch“.
Es gibt eine Art konservative Regierung, unter einem Hetman (so eine Art militärischer Häuptling im poln.-ukrainischen Raum, oder auch bei den Kosaken). In der STADT (so wird der Ort immer genannt) befinden sich ein paar alte zaristische Truppenteile, vor allem auch die Kadetten einer Militärschule. Diese Junker und andere Militärs schließen sich dem Hetman an.
Aber es droht eine links-nationalistischer Typ, Petljura, der gegen Bolschewiki und Weißgardisten antritt. Am Ende siegt dieser und die sich falsch entschieden Habenden müssen sich neu positionieren, fliehen, untertauchen, sich anpassen.
Petljuras Regime ist zum einen gegen die alte Obrigkeit, aber auch zutiefst antisemitisch, es beginnen Juden-Pogrome.
Im Grunde bietet der Roman keine Identifikationsfigur für einen „sozialistischen Menschen“ (Ich lese das Buch als DDR-Romanzeitung aus dem Jahre 1983), das ziemlich viele antikommunistische Steilvorlagen bietet. Das erstaunte mich total; hätte ich so – aus der Draufsicht, „uns“ gar nicht zugetraut.
Insgesamt spielt das Thema Antisemitismus nach der Oktoberrevolution eine ziemlich große Rolle, auch in dem nächsten Büchlein, das ich mir dazu vorgenommen habe:

38 – Isaak Babel: „Die Reiterarmee“
Der Autor selbst ist jüdischer Herkunft. Er will als junger Mann Schriftsteller werden. Gorki, dessen Protegé er war, gab ihm aber den Tipp, erst mal im richtigen Leben Erfahrungen zu sammeln, um dann auch was zu haben, über das er überzeugend schreiben könne. Also meldete er sich bei der Roten Reiterarmee von Budjonny. Auch so ein sowjetischer Mythos – der hier aber, sehr überraschend für mich, völlig unerwarteter Weise – zerlegt wird! Echt, diese Mörder, Haudraufs, Judenhasser waren „bei uns“ Helden? Kaum zu glauben, oder habe ich das einfach nur noch falsch in Erinnerung?
Babel schildert hier Umstände und Zustände und Menschen, die außer Rand und Band, Kraft ihre Wassersuppen, ihrer Waffengewalt, über die sie verfügten, sich mordend durch das Land bewegten. Einfache Menschen konnten unter ihnen nur leiden. Dabei sind es eben nicht nur weißgardistische Mörder, auch Leute der besagten Roten Reiterarmee, ja der Icherzähler selbst ist unter ihnen. Er töte lieber einen Gefangenen mehr, als dass er, müde wie er ist, auf ihn aufpassen muss. Echt jetzt? Ich weiß gar nicht, wie wir einen „neuen Menschen“ nach sowjetischem Vorbild ausgemacht hatten in der uns beherrschenden Ideologie?
Der Band versammelt einfach nur kurze und sehr kurze Erzählungen. Nur in einigen geht es wirklich um die Reiterarmee, alle scheinen autobiografisch zu sein. Ein paar sind irgendwie schelmisch, humorig, wobei der Humor durchaus derb und eher sarkastischer Natur ist. Ein paar Stellen fand ich richtig faszinierend, auch wenn sie dunkel schillern; wie diese z.B.: „Das Gewölk der Schlacht näherte sich der Stadt. Gegen Mittag jagt Korotschajew im schwarzen Filzmantel an uns vorbei, der in Ungnade gefallene Kommandeur der 4. Division, der nun allein weiterkämpfte und den Tod suchte.“ („Dolguschows Tod“, S. 59) – Auch hier: Schon allein das Bild eines militärischen Führers, der auf eigene Faust losschlägt. Der Bürgerkrieg, die Geburtsstunde der Sowjetunion, war geprägt von egoistischen, durchaus willensstarken, aber wohl auch skrupellosen Warlords. So habe ich diese Geschichte jedenfalls nicht aus meinem Unterricht in Erinnerung. Aber das steht so in diesem Buch, das in der SU, und auch in der DDR erschienen ist, gelesen werden konnte.
Ein Beispiel – für mich unfassbar: Die Story „Salz“, sie wird exemplarisch im Waschzettel des Buches herangeführt, als beispielgebend für die große literarische Wucht der Babel’schen Texte. Gorki verlas sie auf einem Besuch in Deutschland 1924, übrigens im Publikum viele Emigranten aus Russland, also aus Sicht der SU erklärte Sowjetfeinde. In „Salz“ geht es um eine Frau, die zu ihrem Mann an die Front will und dazu von Rotarmisten mit der Eisenbahn mitgenommen werden möchte. Um sich vor der mit Sicherheit drohenden Vergewaltigung zu entgehen, gibt sie sich als junge Mutter aus, die ihr Baby dabeihat. Aber der Trick wird enttarnt. Der Ich-Erzähler ist empört über die Verräterin an der revolutionären Idee (?)! Er wirft ihr vor, dass sie sich ihre Unversehrtheit (also, dass sie das Privileg genießt, nicht vergewaltigt zu werden!) – erschlichen hat und sie aus dem fahrenden Zug. Aber das genügt ihm nicht als Strafe für ihr Verhalten und erschießt sie dann doch.- Echt jetzt? Das ist revolutionäres Verhalten? Ich weiß gar nicht, wie das (weißgardistische) Publikum bei der Lesung 1924 reagiert hat: Warn sie begeistert – ob der Selbstentlarvung ihrer Feinde?
Selbst Jude und Intellektueller schreibt er über die Juden- und Intellektuellen-Feindlichkeit der roten Garden. Da deutet sich schon sehr genau an, was in der chines. Kulturrevolution so blutig endete. Für mich auch ein unbegreiflicher Zustand. Mensch mit Brille war den Rotgardisten wohl schon ein Dorn im Auge, unglaublich… Aber – genau besehen – spüre ich so eine anti-kulturelle, anti-intellektuelle Haltung im „Volk“ auch noch. Mitunter macht sie mich bitter.
Babel selbst erlitt das Schicksal fast aller Menschen, die ein bisschen über den Tellerrand schauten, d.h., auch absolut stromlinienförmige Superkommunisten landeten im Gulag oder vor dem Erschießungskommando, das half alles nix. Er wurde gefoltert, dann erschossen, angeklagt wegen irgendwas, was nicht stimmte. Der Wahnsinn des Stalinismus scheint mir immer mehr absolut unerklärlich.

Beide: 9 / 10 Punkte (vor allem wegen der Aha-Effekte und Bereicherung meines Geschichtsbildes)


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Hofmann's Buch-Zeit - Leseliste im Herbst

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 15 October 2018 · 917 Aufrufe
Sawinkow, Bosch
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32 – „Boschs Vermächtnis. Geschichten aus dem Garten der Lüste“ hg. v. Christian v. Aster. Edition Roter Drache
Dieses Buch ist eine kleine Schatzkiste. Rein äußerlich schon: Gediegenes Hardcover, mit Lesebändchen und – daher meine Assoziation – mit einer Art Verschluss: Ein Gummiband, um das Buch zusammen zu halten. Die Seitenecken sind abgerundet. Das Buch macht neben dem sehr schönen und eben gediegenen, auch einen sehr haltbaren und robusten Eindruck: Man soll es also auf seinen Wegen mitnehmen.
Genau so habe ich es gehandhabt: Die Stories, meist kurze Texte, sind auch dazu geschaffen, den Fahrtweg in der Straßenbahn oder dem Bus, zur Arbeit, zu verkürzen. Ein Weg = eine Story, das war drin.
Inhaltlich ist es aber auch ein Schätzkistchen, fürwahr!
Allenthalben wird vom Aussterben der phantastischen Erzählung, der Erzählung als Erzählform allgemein, gesprochen und geschrieben. Doch irgendwie kommt es mir so vor, als würde gerade das Gegenteil passieren: Die Anzahl der Anthologien und Story-Sammlungen ist gerade auf dem phantastischen Sektor schier unüberschaubar. Zumindest ich habe da ein wenig den Überblick und Anschluss verloren. Was sicher stimmt, ist, dass diese Sammlungen eher nicht in großen Publikumsverlagen erscheinen, aber es gibt zahlreiche Anthologien vom fannischen, über den semiprofessionellen Bereich, bis hin zu den nicht ganz so supergroßen Verlagen. Zu letzteren dürfte ja die Edition Roter Drache auf jeden Fall gehören. Finde ich gut, dass sie ein Herz für die Erzählung haben!
In diesem vortrefflichen Band haben sich 33 Beiträge eingefunden, inklusive des Vorwortes von Christian v. Aster, dem Herausgeber. Ich zähle sein Vorwort mit, da es im Grunde auch eine Story ist. Na ja, zunächst hat er mich auf’s Glatteis geführt, denn ich dachte natürlich nicht im Traum daran, dass mich das Vorwort anlügt! Okay, ich nehme ich das mal nicht übel. Das „Lügen“ ist ja sozusagen, als guter Geschichtenerzähler, sein Job.
Christian erzählt, wie er auf die Idee zu dieser Anthologie kam. Es war, irgendwie ähnlich wie in der Dirty-Cult-Anthologie, zuerst ein Bild da, dann die Erzählungen dazu. Hier ist das Bild aber ein altes, bekanntes: Hieronymus Bosch: „Im Garten der Lüste“ – ein Meisterwerk des phantastischen und makaberen Surrealismus, gleichzeitig ein wichtiges Werk der Früh-Renaissance.
Die Autoren haben die Aufgabe erhalten, ein ihnen zugewiesenes Stück aus dem Triptychon als Inspiration für ihre Story zu nutzen.
Aus meiner Sicht haben sich 2 Gruppen dabei herausgebildet: Die einen blieben sehr nahe am Bild und seinem Schöpfer, dem Maler Bosch. Ihre Stories spielen mehr oder weniger historisch untermalt im Spätmittelalter, Bosch ist oftmals eine, oder gar die Hauptfigur ihrer Erzählung. Hier werden vor allem die Motive und Hintergründe für die phantasmagorischen Exzesse des Bildes „erklärt“. Natürlich bietet das eine Unmenge an phantastischen Einfällen und Ideen.
Die andere Gruppe kann sich aber mehr von dem historischen Hintergrund trennen, bringt den Stoff in die Gegenwart, oder in eine andere Zeit. Als spezielle Gruppe fielen mir dann noch diejenigen auf, die sich um das Bild an sich kümmern, sich also Spuren und Rätseln widmen, die das Bild (oder ein Ausschnitt daraus) bis in unsere Zeit hinterließ.
Obwohl die Aufgabenstellung die Autoren gleichermaßen traf, konnten sie doch sehr unterschiedliche Gedanken entwickeln, Ideen sprudeln lassen, viele ließen sich durchaus von den bizarr-dämonischen Alptraumgestalten des Bildes verführen, andere nahmen das alles nicht gar so ernst. Wieder andere haben sich recht weit von Bosch entfernen können, was bei der Fülle der Texte dann sogar angenehm war.
Einen regelrechten Ausfall konnte ich nicht ausmachen, auch wenn ich nicht alle Stories gleichermaßen attraktiv fand. Mir waren auch nicht alle Namen ein Begriff. Für mich war die Lektüre also zum einen ein willkommenes Wiederlesen mit „alten Bekannten", aber auch Aha!-Erlebnisse, da ich die Namen kannte, aber von den Autorinnen und Autoren bisher kaum oder nichts gelesen hatte und ich konnte gänzlich neue Talente kennen lernen. Was will man mehr?
9 / 10 Punkte

33 - Cixin Liu: „Weltenzerstörer“
Hübsche Novelle des großen chines. SF-Autors. Wirkt ein bisschen wie eine Aufwärmübung zu den Drei Sonnen, auf jeden Fall kommt die Menschheit auch wieder nicht gut weg bei der Sache. Und wieder sind es Aliens, die sich ein Kehricht um gutes Wetter zwischen den Zivilisationen im Weltraum scheren. In seiner misanthropischen Art bleibt der Autor sich treu; doch diesmal mit einer schwarz-humorigen und am Ende einer leicht optimistischen Note.
8 / 10 Punkte

34 - Mike Wilson: „Rockabilly“
Kurzroman um ein paar Vorstadt-Menschen, die in die Nähe eines niedergegangenen Meteoriten eine ziemlich verrückte, am Ende auch fatale Nacht erleben, aber nicht unbedingt überleben.
Im Mittelpunkt stehen diese krassen Typen, deren Leben ins Surrealistische abdriftet in Gegenwart dies Meteoriten; so richtig auserzählt wird das aber nicht.
Auch wenn man erst mal was anderes denkt, es ist kein US-Amerikaner, sondern ein Argentinier, merkt man dem Text aber m.M.n. nicht an. Hübsche, surrealistische Milieu-Studie, deren Tiefgang sich mir nicht erschlossen hat. Aber vielleicht gibt es keinen Tiefgang im richtigen Leben.
7/10 Punkte

35 - Michael Bishop: „Dieser Mann ist leider tot“
Irgendwie ziemlich aktueller Roman, denn die alternative Nixon-Alternativwelt, die Bishop vom Geist PKDs heimsuchen lässt, erscheint mir heute viel realer als sie dem Autor in den 80ern erschienen sein muss. Ob Dick, oder irgendein Demiurg, daran geschraubt hat? – Miene 50 Pfennige dazu in der PKD-Ausgabe des NEUEN STERNS.
9 / 10 Punkte

36 – Boris Sawinkow: „Das schwarze Pferd“
Wieder so ein Buch, nach dessen Lektüre ich mir dachte: Was weiß ich schon? Hier: Russischer Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution. Sehr kompakter Roman eines „Berufs-Attentäters“, der als sozialrevolutionärer russischer Anarchist und Bombenleger begann, dann in der provisorischen Regierung unter Kerenski war und mit einer sehr antibolschewistischen Haltung in allem möglichen weißen und „grünen“ Armeen und Untergrundorganisationen tätig war.
Wenn seine Biografen Recht haben, musste der Mann ständig „unter Strom“ stehen, adrenalinsüchtig gewesen sein. Hier stellt er unter Schilderung seines eigenen Tuns die Ereignisse des Bürgerkrieges als etwas Schreckliches, aber Natürliches dar, als etwas, was eben geschieht. Auch wenn er für den Tod von Menschen mitverantwortlich ist, so kann er das nur registrieren, kaum darüber reflektieren, geschweige denn sich dagegen positionieren. Irgendwie ist das alles unwirklich, kommt mir wie ein surrealistischer, gewaltvoller Alptraum vor.
Und ich bin fasziniert und werden mir auch sein Buch über seine Zeit als antizaristischer Anarchist reinziehen.
Mit „Dossier“ zum Autor: Biografisches, seine Rede vor dem Gericht nach seiner Inhaftierung in Moskau von 1924.
9 / 10 Punkte


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Hofmanns Leseliste - Phantastischer & realer Horror

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 02 September 2018 · 447 Aufrufe

Es ist Monatswechsel. Traditionell Zeit für meine eigentlich monatliche Leseliste. Doch das Timing stimmt nicht, schon lange nicht mehr. Hier kommt es immer mal sporadisch, wenn mir halt so ist, was ich so in letzter Zeit gelesen habe.
Enttäuschender Weise kann ich diesmal noch nicht mal viele Worte fallen lassen, denn was sollte ich denn dann – exklusiv, wie es das Heft verdient – im NEUEN STERN vermelden?
Wer also ausführlich lesen möchte, was ich gelesen habe und darüber denke, müsste… Na ja, man „muss“ natürlich gar nichts.
Also kurz die Liste; Stand Ende August 2018

26 bis 28 - In 47 Horror-Stories um die Welt-Literatur
Ein kleines Projekt für eine besondere Seite im NEUEN STERN: Namhafte Autoren, Genre-Autoren, aber auch dem Phantastischen Unverdächtige, die aber Weltliteratur schufen, in ausgewählten Zusammenstellungen, reizten mich in letzter Zeit. Drei Bände habe ich geschafft; hier nur die Titel der Anthologien:

„Nebel aus dem Jenseits“. hg. v. Martin Greenberg u. Robert Weinberg, Aufbauverlag 1995, „The Mists from Beyound“ 1993 (dt. 1995)

„13 Prisen Mitternacht“, Bastei Lübbe, 1976
Der Band entstand 1975 nach einem von der The Times und dem Verlag Jonathan Cape ausgeschriebenen Wettbewerb. Es wurde die beste Geistergeschichte gesucht.
Zur Jury gehörten Kingsley Amis, Patricia Highsmith und Christopher Lee. Gewonnen hat „Eine Puppe namens Silvio“ von Kernan. (Aus meiner Sicht nicht die beste Story.)

„Luzifer läßt grüßen. Teuflische Geschichten“, gesammelt von Peter Haining, dtv, 1979
Hier handelt es sich um ein Wiederlesen. Ich hatte das Buch schon mal beim Wickel und im April 2012 für das damals als PDF-Mag erschienene CTHLHU LIBRIA 44 rezensiert. Ein paar Eindrücke konnte ich auffrischen, andere kann / muss ich fast revidieren.

29 - Richard David Precht: „Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“
Weniger eine Utopie, als vielmehr Warnung vor der Dystopie. Aber wie soll man (Precht) es auch anders an die Leser bringen? Er nimmt zu Recht an, dass wir Menschlein Angst vor der Zukunft haben; deshalb holt er seine Leser eben dort ab. Ja, es kann alles ziemlich blöd werden – vielleicht ja nicht so wie in „Terminator“, aber den Kampf Mensch vs. Maschine würde, so Precht, die Maschine gewinnen. Aber es muss ja nicht dazu kommen, Precht sieht auch Chancen, wir dürfen das Zepter nur nicht in den Händen der Silicon Valley Protagonisten belassen, zumindest nicht wenn es um Politik, Wirtschaftssystem und Gesellschaftsordnung geht.
P. ist BGE-Befürworter und zeichnet ein Bild, das im Grunde keine Alternative dazu denkbar sein lässt.
Also, für meine Begriffe hätte das Buch gern utopischer sein können, bietet aber zum Thema Technologische Revolution 4.0, digitale Umwälzung und BGE eine sehr gute Zusammenfassung.
8 / 10 Punkte

30 - Cixin Liu: „Der dunkle Wald“
Tatsächlich habe ich es mir mit dem 2. Teil der Düster-Space-Opera des weltbesten chinesischen SF-Autors schwer getan. Ich habe lange daran gelesen, vor dem Urlaub begonnen, während des Urlaubs beiseite gelegt, erst mal was anderes „dazwischen geschoben“, am Ende holte das Buch mich wieder ein.
Kann ich den Roman nun empfehlen? Also, wenn man sich so richtig die Laune verderben lassen möchte, nur zu. Allerdings hat das ja schon Teil 1 geschafft, wenn man den geschafft hat. Ich denke mal, wer eil 1 gelesen hat, muss auch hier durch. Jetzt bin ich jedenfalls auf den dritten Teil gespannt – und befürchte das Schlimmste.
9 / 10 Punkte

31 – Gu Hua: „Hibiskus, oder Vom Wandel der Beständigkeit“
Bin gerade im China-Fieber, vor allem genährt durch Cixin Liu, klar. Aber nun wollte ich doch wenigstens mal DEN Klassiker (aus Ex-DDR-Sicht) über das Phänomen Kulturrevolution lesen, was ich damals tatsächlich versäumt hatte.
Der Roman erschien Mitte der 80er in de DDR, als Übersetzung aus dem Englischen. Nach der Lektüre jetzt frage ich mich ernsthaft, wie der Roman in der DDR erscheinen konnte.
Sozialismus – in der chinesischen „Spielart“ zwar – bekommt hier nun absolut kein gutes Leumundszeugnis ausgestellt. Neben dem absolut absurden Theater der Denk- und Sprechart der chinesischen Partei-Sprache, deren Logik, ohnehin völlig willkürlich und ständigen 180-Grad-Wendungen unterliegend, zumindest für einen Europäer kaum nachvollziehbar erscheint (nee, so’n Quatsch haben „wir“ damals nicht geglaubt oder gedacht oder geredet), ist es diese völlig unethische Art von Menschenverachtung, die da zum Ausdruck kommt, die mich richtig gepackt hat. So ein Wahnsinn!
Im Mittelpunkt steht eine Frau, die in einer Art Imbiss Dofou, eine Form gefüllter Teigtaschen (?), anbietet und damit zu etwas Geld kommt. In der Zeit der permanenten Revolution, wo die Roten Garden u.a. sich als ultralinke Revolutionäre gebende Arschlöcher auch ständig Feinde brauchte, die sie bekämpfen konnten, war sie dann auch als Opfer dran. Ihr erster Mann begann Selbstmord, weil er die Strafen für Verbrechen, die er nicht begannen hat und begreifen konnte, fürchtete. Sie verliebte sich in einen Mann, der durch antifeudale Hochzeitslieder bekannt war. Die Lieder wurden ihm zum Verhängnis. Als Leidensgenossen fanden sie zueinander.
Wenn bis dahin das Buch in erster Linie durch seine exotischen Beschreibungen der Lebensumstände in einem chinesischen Provinznest, dann auch vor diesem unfassbaren historischen Hintergrund, besticht, so begann mich mit dieser Liebensgeschichte auch die Personalie zu interessieren. Ganz stark die Szene, als die beiden Liebenden, dann schwarz Verehelichten (eine offizielle Heirat kam für diese Volksfeinde nicht in Frage), sich neuen Strafen beugen sollen, weil es mal wieder eine Verschärfung des Klassenkampfes geben musste. Sie wurden zu Arbeitslager verurteilt, sollten sich verbeugen, was sie nicht taten. – Wie auch immer, ein starkes Buch über eine finstere Zeit, eine „tragische Ära“. Besagter zweiter Mann war ein Schlitzohr, der auf seine eulenspiegelhafte Weise der Ungemacht entgegnete. Der Roman zählt daher auch zur Gattung der Schelmenromane.
9 / 10 Punkte

...und die Comics:

4 – DRIFTER 3. Lichterloh
5 – DRIFTER 4. Ruinen
Beide Bände: Ivan Brandon & Nic Klein.
Endlich gibt es einen Abschluss; diesmal habe ich extra mit Bd. 3 gewartet, um erst mit Erscheinen des abschließenden vierten Band die ganze Story noch mal in einem Ritt zu genießen.
Also, ein Genuss ist das Gesamtwerk auch – vor allem wegen seiner hervorragenden Bilder. Ein Meisterwerk, bin hin & weg, vollständig begeistert davon! Die helfen auch über die Plot-Längen hinweg, denn eine Auflösung des sehr mysteriösen Plots gibt es wirklich erst im vierten Band. Die hat es dann aber in sich. Noch ein Wow!
Also, 10 / 10 Punkte – im Grunde für das Gesamtwerk; ausführlicher im NEUEN STERN.

6 – VISION 1. Eine (fast) normale Familie
7 – VISION 2. Träumen Androiden von virtueller Liebe?
Tom King (Text), Gabriel H. Walta (Bilder)
Gekauft habe ich es in Vorbereitung zum Ph.K.Dick-Spezial des NEUEN STERNS im Dezember d.J. Ja, habe mich vom Titel des 2. Bandes locken lassen, auch, weil Dick als Referenz in der Werbung dazu genannt wird. Na ja, es ist KEiN Ph.K.Dick-Comic, aber sein Geist weht einem schon aus den bunten Marvel-Seiten entgegen.
Der Ex-CIA-Agent Tom King hat da eine sehr rührende und packende Story erdacht; die bildnerische Umsetzung ist relativ „normal“, aber in ihrer reduzierten, ruhigen Art dem Thema sehr angemessen.
Vision, ein tragischer Avenger, einst als synthetischer Mensch von Ultron hergestellt, will ein Normalo werden. Er baut sich dazu eine eigene Familie. Na, geht natürlich schief…
Ich war ziemlich angetan von dieser reifen, relevanten Superheldenstory, die die Frage nach dem, was einen Menschen so ausmacht, mal wieder aufwirft und am Ende nicht pädagogisch u. politisch korrekt beantwortet.
9 / 10 Punkte


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Fortführen 2: Die Leseliste (März bis Juni)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 29 June 2018 · 613 Aufrufe
Vonnegut, Twain, Amis, Lewin und 3 weitere...
Ach ja, meine Leseliste. Jetzt ist es aber mal Zeit für Nachträge. Als mir nicht klar war, ob ich den Blog hier weiterführe, habe ich ja auch nichts mehr dazu vermerkt, das war so Anfang März. Da ich gar kein Schnell-Leser bin, ist die Liste hier auch schnell abgehakt.
Ein paar alte und neue Steckenpferde geritten (Lewin, Amis), zwei neue (für mich) Klassiker ausgegraben, denen ich nun mehr Aufmerksamkeit widmen möchte: Twain und Vonnegut. Also, zu meiner Ehrenrettung sei dies angemerkt: Ich kenne die, habe sie schon gelesen, aber lange nicht alles. Da gibt es für mich noch viel nach- und einzuholen…

12 – Erik R. Andara: „Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel“
Endlich mal was von Erik gelesen! Wird ja Zeit – der Roman lässt ja noch auf sich warten…
3 Stories: 1 ) Dem Cthulhu-Mythos wird ein Bausteinchen hinzugefügt, wobei das am Anfang gar nicht klar ist, am Ende schon. Die eingangs beschriebene Szenerie erinnerte mich irgendwie an einen Film von Ullrich Seidl (sorry für das Klischee), wird dann aber noch abgründiger. 2 ) Eine Sozial-Medien-Groteske trifft auf Chinese Ghost Story – ja, das geht und funktioniert und wird richtig heftig zwischendrin. 3 ) Wir fahren mit einem typischen Horror-Story-Protagonisten (leicht verkrachte Existenz mit Beziehungsproblemen und keinem Traumjob im Copy Shop) in einer surrealistischen Nacht mit dem Zug nach Carcosa. Doch der König in Gelb bringt auch nicht die Lösung.
Mir haben diese Versuche, alte Weird Fiction-Stoffe ins moderne Wien zu transportieren, sehr gut gefallen; auf den großen Mythen-Roman vom Autor bin ich nun gespannter denn je.
9 / 10 Punkte

13 – Kingsley Amis: „Der grüne Mann“
Ein Roman über einen Mann am Rande der Verzweiflung: Alkohol- und Sex-süchtig, leidlich überfordert vom normalen bürgerlichen Leben, gerade Witwer geworden, mit einer fernsehsüchtigen Tochter, die ihm immer mehr entgleitet und: Mit einem Gespenst im alten Gasthaus, das er führt!
Ob das zusammen geht, passt? Ja, macht es! Ganz hervorragend! Mir hat’s gefallen:
9 / 10 Punkte

14 – Juli Zeh: „Unterleuten“
Als Hörbuch über einen langen Zeitraum genossen (Jan. – Ostern). Ein großartiges, weises Buch! Über eine Dorfgemeinde im Berliner Umland, die alle ihre Geschichte haben und ihre Konflikte miteinander. Es gibt die alteingesessenen, die schon in der DDR-Zeit nicht grün miteinander waren und ihre Konflikte über die historischen Epochen hinweg mit sich tragen. Und dazu kamen neue Leute, auch aus dem Westen.
Stark ist das Ganze aber dadurch, dass die Autorin alle Figuren sprechen lässt, die Situationen aus ihren jeweiligen Perspektiven den Leser erleben und sehen lassen. Und das Großartige dabei: Sie haben alle auf ihre Weise Recht und gute (oder auch schlechte) Gründe, das so zu sehen und sich so und so zu verhalten. Das ist ganz großes, konkretes psychologischen Personenkino!
10 / 10 Punkte

15 – Anthony Burgess: „Der lange Weg zur Teetasse“
Jetzt weiß ich, wo Neil Gaiman seine Art zu Erzählen herhat; das (Kinder-) Buch ist sozusagen das missing link zwischen „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll und Neil Gaimans Erzählungen (etwa in „Die Messerkönigin“).
Die lange Erzählung (ich hatte das Hörbuch, gelesen vom unvergleichlichen Harry Rowohlt) berichtet von der abstrusen Reise eines Schuljungen, der nur nach Hause, zurück in seine Schule und zum Nachmittagstee möchte. Ein Engländer eben…
Seine Reise beginnt aus langer Weile, in der Schule. Er wünscht sich nach Hause und fällt durch ein schwarzes Loch auf ein Schiff, das sich auf dem Weg zu den Osterinseln befindet. Dort muss er sich auf den Weg nach Eden begeben. Dabei begegnet er komischen Figuren; davon, von diesen Begegnungen und Gesprächen mit ihnen, lebt die Story. Das ist zum Teil sehr amüsant, trägt aber (für mich) nicht durch den ganzen Text. So richtig fesseln konnte mich das Teil nicht.
7 / 10 Punkte

16 – Mark Twain: „Kannibalismus in der Bahn“
Hörbuch, drei Erzählungen:
„Kannibalismus in der Bahn“
Ziemlich böse Story über falschen Deckel der Zivilisation, den wir Menschen über die Urtriebe stülpten. Anders als so mancher Horrorautor meint Twain, dass in einer absoluten Notsituation der das Überleben Weniger rettende Rückfall in den Kannibalismus durch parlamentarische und demokratische Spielchen gerechtfertigt werden kann. Die Moral bleibt trotzdem auf der Strecke. Eine richtig böse Satire, die doch ihr langweiliges Abstimmungs-Gelaber nur unerträglich wird (werden soll).
„Eine Geistergeschichte“
Der Geist ist zwar ungehobelt, aber nicht böse. Gut, dass der Held der Story das erkennt, so hat er einen Freund gefunden.
„Mrs. McWilliams und der Blitz“
Nervige Story über ein Pärchen, dass sich vor lauter Angst vor Gewitter das Leben schwer macht; im Grunde sowas wie eine frühe Satire auf moderne Aluhut-Träger.
Insgesamt doch nur 7 / 10 Punkte, weil mich der Humor des Mark Twain hier nicht wirklich begeistern konnte.

17 – „Leben im Nebel“, hg. v. Tobias Reckermann
Die Best-Of-Sammlung aus dem gleichnamigen Phantastik-Magazin aus dem Darmverlag, später WhiteTrain, der Vorläufer des „IF Magazin für angewandte Fantastik“. Für mich war das eine willkommene Reise zu den Ursprüngen des sehr interessanten Kleinverlages für alle möglichen Arten und ihre Vermengungen des Phantastischen.
8 / 10 Punkte

18 – Kingsley Amis: „Die Falle am Fluss“
Charmanter englischer old school Krimi. Im Mittelpunkt steht ein Heranwachsender in der Zeit zwischen den Kriegen (der 1. WK steckt den Leuten noch in den Gliedern, der 2. ist dafür noch nicht spürbar) und in der Zeit zwischen Kindheit und Mannesalter. Sexuelle Erfahrungen paaren sich mit der Begegnung mit dem gewaltsam herbeigeführten Tod eines unliebsamen Nachbarn. Die Polizisten sind irgendwie bizarr, die Verdächtigen aber auch. Die Lösung des Krimis ist für meine Begriffe bisschen an den Haaren herbeigezogen, aber dadurch durchaus überraschend.
9 / 10 Punkte

19 – Mark Twain: „Ein Yankee an König Artus Hof“ / „Die Eine-Millionen-Pfund-Banknote“
Ein Wieder(vor)lesen, zum Teil (Ein Yankee) und für mich ein neues Stück Twain. Allerdings ist die Hörbuchfassung des Yankees arg gekürzt; da fehlen auffallend deutlich Teile, an die ich mich sogar noch nach ca. 30 Jahren erinnern konnte und die hier im Hörbuch nicht vorkommen. Aber trotzdem sehr schön, wie der amerikanische Unternehmergeist im Frühmittelalter (den beschriebenen Rüstungen nach aber eher Hoch- bis Spätmittelalter) mal so richtig auf den Putz schlägt. Der kleine Angestellte wird mit seinem technischen Wissen zum King – äh, Magier – an Artus‘ Hof.
Die Geschichte mit der großen Banknote hat was von „Die Glückritter“ (das mit der Wette) und „Des Kaisers neue Kleider“ (mehr Schein als Sein).
Insgesamt muss ich sagen, dass mich Twain als jüngere Mensch mehr beeindruckte.
8 / 10 Punkte

20 – Kurt Vonnegut: „Stories“ Hörbuch mit 4 Geschichten
Irgendwie sind 2 der 4 Stories hiervon SF, die aber am SF-Mainstream vorbeierzählen. Es gibt durchaus eine wiss.-technische Errungenschaft, die im Mittelpunkt steht, aber es geht nicht um sie selbst, sondern tatsächlich um die Menschen drumherum; wobei: Ist das bei (guter) SF nicht immer so?
„Jenny“ ist ein Roboter, eigentlich ein überkonstruierter Kühlschrank, in den aber sein Konstrukteur mehr reinbaute, als dem eigentlichen Zweck dienlich. Mit dem „Kühlschrank“ baute er sich eine Ersatz-Frau, die ihm über seine missglückte Ehe hinweghalf.
„Confido“ ist ein Kopfhörer-System, das aber nicht nur Töne überträgt, sondern eigene Gedanken erzeugt – bzw. die des Trägers verstärkt – immer in eine Richtung, die dem Träger nicht unmittelbar, wahrscheinlich ehe unter-bewusst sind.
„Azur“ – Eine Büro(kraten)geschichte. Eine neue Absolventin wird einer Abteilung in dem Konzern zugeordnet, die überhaupt so gut wie gar nix macht. Da herrscht Langeweile. Bisher hat der sich abduckente Abteilungsleiter damit recht gut leben können, nun kommt ihm schlechtes Gewissen. Die Neue bringt frischen Wind in den Betrieb. (keine SF)
„Die Hand immer am Regler“. Ein Mann und sein Hobby: Modelleisenbahn. Dass das sehr einnehmend sie kann, habe ich ja schon öfter gehört. Hier gefährdet es aber die Ehe eines Paares. Okay, die Story hat auch was Technisches, ist aber doch noch weit von SF entfernt.
9 / 10 Punkte

21 - Cixin Liu: „Spiegel“
Feine Novelle des Neuen Großen SF-Autors aus China. Lese aktuell (Ende Juni) den 2. Trisolaris-Band, der mich erst mal nicht so von Hocker reißt. Die Novelle konnte das – also Reißen, vom Hocker… War an einem sonnigen Nachmittag zu konsumieren und erinnerte an „Anschlag auf Visionen“ von seligen Tendrjakow. Ist vielleicht so Ost-Ding: Wie deterministisch ist menschliche Geschichte?
9 / 10 Punkte

22 – Martin Amis: „Koba der Schreckliche. Die zwanzig Millionen und das Gelächter“
Kein komisches Buch, sondern eines, das begründet, warum man über den Diktator Stalin nicht lachen kann, genau so wenig wie über Hitler. Beide nehmen sich nichts, so Amis. Stalin hat mit großem Erfolg an der Vernichtung seines eigenen Volkes gearbeitet – da bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
10 / 10 Punkte

23 – Waldtraut Lewin: „Columbus“
Ein Jugend-Sachbuch-Roman. Interessante Mischung aus Erzählung und Information. Auch wenn es deutlich erkennbar für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde, kann man es als alter Sack auch gut lesen. Ich mag die Lewin! Immer noch, immer wieder, jetzt wieder.
Und sie wartet mit tatsächlich Neuem, für mich Unerwartetem auf. Dazu musste ich mich etwas länger auslassen und darf schon mal an einen Sonder (-lichen) NEUEN STERN verweisen, der aber erst noch ganz am Anfang seiner Existenz steht. (Na, neugierig?)
9 / 10 Punkte

24 – „Sternmetall. Neue Phantastik aus Bulgarien“, hg. v. Juri Ilkow und Erik Simon
Ziemlich tolle Sammlung neuer Phantastik aus B. Mit 2 expliziten SF-Texten. Diese und die anderen sind aber mehr als 08/15-SF. Mehr in der BULGARIEN-Ausgabe des NEUEN STERNS, so im August…
8 / 10 Punkte

25 – Luci van Org: „Ragnarök' Deine Mudda!“
Hörbuch, gelesen von der Autorin. So ist es übrigens ein Hochgenuss: Gelesen von der Autorin. Ansonsten wäre der Roman vielleicht etwas zu voll mit Redundanz und gewollt schenkelklopfender Humoristik.
Mythische Humoreske, die sich der nordischen Götter annimmt. Die leben nämlich als Berliner Originale in einem Kiez, das wohl wirklich gibt, um einen kleinen Tümpel „Blanke Helle“, der aber eher ein schmutziges Dunkelloch ist.
Der Text lebt vor allem durch seinen Wortwitz, mit viel Berliner Schnauze und Milieu-Slang und -Figuren.
8 / 10 Punkte


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Leselistenfortsetzung - Februar, März

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 11 March 2018 · 550 Aufrufe
Atlantis, Kingsley Amis und 2 weitere...
Ach herrje, lange nicht mehr gepflegt, die Leseliste... Jetzt, Mitte März, hat sich doch einiges angesammelt. Derzeit lese ich im Wesentlichen zu 2 Themen, die beide mit dem Fanzine-Projekt NEUER STERN zusammen hängen. Ja, zugegeben, das Fanzine, das keines sein will, beschäftigt mich derzeit ganz schön. Ist aber okay, macht Spaß...
Also 2 Themen:
1. Atlantis
2. Kingsley Amis (als Teil der Serie "Das andere England")
Weil das so ist, steht hier im Blog dann auch zu den einzelnen Titeln nicht all zuviel. Ich darf da halt immer auf das Zine verweisen...

4 – Kingsley Amis: „Das Auge des Basilisken“
Ein Wiederlesen. Damals – 2009 – hat es gut gemeinte 2 von 10 Punkten bekommen. Ich fand es langweilig. Inzwischen habe ich begriffen, dass die Langeweile Teil des Plots ist.
Wer wissen will, warum ich heute 8 von 10 Punkte für dieses Buch dieses hochinteressanten Autors vergeben, lese bitte den NEUEN STERN.

5 – POSEIDONIS-Geschichten
L. Sprague de Camp „Die Chronik von Poseidonis“ 7 / 10
L. Sprague de Camp: „Prinz von Poseidonis“ 7 / 10
Algernon Blackwood: „Sand“ 8 / 10
C.A.Smith: Poseidonis-Erzählungen in „Poseidonis“ 9 / 10
Die Stories habe ich sozusagen en bloc gelesen, als Vorbereitung auf das Atlantis-Heft des NEUEN STERNs; dazu sekundärliterarisches wieder gelesen: Gilsenbach, „Der ewige Sindbad“, Umberto Eco, ein Kapitel in seinem farbenfrohen „Die Geschichte der legendären Länder und Städte“ über A.
Ausführlich bitte dann im Heft.

6 – Kingsley Amis: „Glück für Jim“
Der Autor hat es mir nun angetan, nachdem ich sein „Im Auges des Basilisken“ ein 2. Mal – und diesmal mit großem Vergnügen – las. Jetzt will ich alles von ihm lesen… Na ja, mal sehen, ob ich das durchhalte.
Der Roman begründete ein Sub-Gerne – im Mainstream, keine Phantastik: Der Professoren / Universitäts-Milieu-Roman. Und er war wichtig für die englische Nachkriegsliteratur, identitätsstiftend für eine Generation akademisch gebildeter, junger Leute.
Jim kommt mir eingangs eher unsympathisch vor: Er eifert seinem Professor als akademischer Assistent nach, eher widerwillig, weil er erkennt, dass der alte Prof eine ziemliche Pfeife ist. Aber er macht nichts dagegen, opponiert nicht, ergibt sich in sein müdes, langweiliges Schicksal.
Aber das ändert sich zunehmend, da er merkt, dass er ohnehin in dem Milieu nicht landen kann. Zudem kämpft er für die Zuneigung einer und gegen die einer anderen Frau, die beide mit einer Art persönlichen Feind von ihm liiert sind.
Also reiner Mainstream? Ja! Aber doch so gut erzählt, dass ich das Buch sehr, sehr gerne gelesen habe und mich die alltagsbetonte, psychologisch motivierte Handlung außerordentlich fesselte.
Hier findet sich auch eine gehörige Portion Humor, der sich z.B. in den Streichen des Protagonisten äußert, die er gegen seine Widersacher und universitären Widerlinge verübt – und dabei regelmäßig ertappt wird. Macht aber nichts…
8 / 10 Punkte

7 – Günther Kehnscherper: „Auf der Suche nach Atlantis“
Ein kleines Büchlein aus der akzent-Reihe des DDR-Urania-Verlages. Derzeit bin ich auf der Suche nach dem Atlantis-Stoff – für den NEUEN STERN. Auch wenn ich in dieser Ecke gar nicht suchte, fand ich beim Ausmisten des Bücherregals dieses Büchlein, das ich längst vergessen hatte.
Dabei hatte ich es seinerzeit sehr intensiv gelesen, wie zahlreiche Unterstreichungen und Anmerkungen belegen.
Habe es mit großem Vergnügen und Staunen also gleich noch mal gelesen. Staunen deshalb, weil es in einer sehr freien Art über diese doch eher spekulative Thema erzählt, was ich so der DDR-Rezeption des Themas gar nicht mehr zutraute. Aber da war damals wohl doch mehr möglich, als es mir so in Erinnerung gewesen war. Im NEUEN STERN lasse ich mich ein wenig darüber aus.
8 / 10 Punkte

8 - Robert Silverberg: „Briefe aus Atlantis“
Hübsche SF-Novelle – ja, SF denn trotz des Titels ist es SF: Eine Zeitreise-Story, die sich zudem an historische Rahmenbedingungen hält, und für die Herkunft der hochstehenden Atlantis-Zivilisation (mit Dampfschiffen, Elektrizität) eine Erklärung findet, die einem SF-Autor angemessen ist.
(Etwas mehr dazu dann in dem (oder den) Atlantis-Heften des NEUEN STERNs, demnächst in diesem Theater)
8 / 10 Punkte

9 – Robert Markham: „James Bond 007. Colonel Sun“
…und weiter mit meiner Kingsley-Amis-Komplett-Lesung. Ja, Robert Markham ist ein Pseudonym von Amis. Als James-Bond-Fan und Autor eines Sachbuches über die Romane von Fleming hat er sich wohl das Recht erworben, nach dem Tod Flemings den nächsten Bond-Roman zu schreiben.
Auf Deutsch erschien der Roman auch unter den Titeln „Auf der griechischen Spur“ bzw. „Liebesgrüße aus Athen“.
Für mich war es der erste Bond-Roman überhaupt. Nun ja, ist ein hinreichend spannender Krimi ohne große Überraschungen. Die Bösewichter sind ein chinesischer General der Volksarmee und ein Alt-Nazi, die eine sowjetische Konferenz auf einer griechischen Insel in die Luft jagen wollen. Die Aktion wollen sie dem britischen Geheimdienst in die Schuhe schieben und entführen zu diesem Zweck M. James Bond wollen sie auch entführen, gelingt ihnen im ersten Anlauf aber nicht.
Das Bondgirl ist eine griechische Kommunistin. Bond kooperiert also mit den Sowjets und deren Verbündete gegen die Chinesen, die neuen Feinde des Empire, der Welt und so.
Es wird wieder kräftig zugeschlagen, auch etwas gefoltert, aber – was mich dann doch sehr nervte – sehr viel geplant und palavert, wie man was machen kann… Ist das in den Fleming-Romanen auch so? Lustig ist, dass Bond hier sehr viel mehr Genießer – von gutem Essen, Frauen natürlich auch – ist als es mir in den Filmen auffiel.
Na ja, für eine flotte, kurzweilige Unterhaltung gebe ich dann doch…
7 / 10 Punkte

10 – Nils Wiesner: „So langsam wie möglich“
Vorbereitung zum März-Termin im Haus des Buches, beim Freundeskreis SF Leipzig. Zu Gast ist der Autor und wird u.a. aus dieser Erzählung lesen. Sie erschien in einem eigenen Buch. Anlass für die Geschichte ist das derzeit laufende Konzert eines Orgelstücks von John Cage, das schon im Jahr 2640 abgeschlossen sein wird – wenn das nix für’n SF-Autor ist! Nils hat was draus gemacht – ganz famos. Der größte Teil spielt an dem Tag, an dem das Konzert beendet sein soll – allerdings in alternativen Zukunftsentwürfen – die meisten eher grau bis finster…
8 / 10 Punkte

11 – Kingsley Amis: „Geheimakte 007 James Bond“
Nun also auch das „Handbuch“ zum Helden – Amis‘ freie Plauderei zum großen Helden der westlichen Welt. Er bricht natürlich eine Lanze für Flemings Bond, entgegen den Sadismusvorwürfen und der Darstellung Flemings als Frauenverachter. Keine wirklich tiefgründige Analyse, es werden halt ein paar Topoi benannt (Anti-Bond, Frauenbild, der Fleming-Effekt) und dazu reichlich Belege aus den Büchern aufgeführt. Anfangs erklärt Amis allerdings Bond zum Byron’schen Helden. Na bitte! Kurzweilige Lektüre, daher 8/ 10 Punkte

Comics
2 – Erik Kriek: „H.P.Lovecraft. Vom Jenseits und andere Erzählungen“
Der Holländer Kriek hat hier 4 Erzählungen von HPL 1:1 in Comicform gegossen. Schwarz-Weiß natürlich. Der Stil ist ruhig, klassisch, erinnert an die 40er und 50er Jahre; er belässt das Ambiente originalgetreu in den 20ern. Na ja, vielleicht etwas zu zahm – wie erfrischend dagegen die Adaptionen von Reinhard Kleist, dessen Expressivität mich mehr überzeugte. Krieks HPL-Monster entsprechen denen, die man gemeinhin auch so kennt, er bleibt das visuell konservativ.
Doch wenn man mal wieder HPLs Welten erkunden möchte, und das im Schnelldurchlauf, dann sind dieses Comics genau das richtige! Gerade bei dem längsten Stück – Schatten über Innsmouth – kommt diese Art & Weise sehr gut zum Tragen: Ausführlich und dicht gleichsam genug, die Erzählung kommt schnell auf ein Punkt (mehr als bei HPL selbst).
7 / 10 Punkte

3 – Mignola, Stenbeck, Stewart: „Frankenstein. Underground“
Hellboy ohne Hellboy. Gibt es ja sowieso schon (B.U.A.P.), doch hier gibt es (für mich) eine neue Figur. Ich habe nicht mehr alle Hellboy-Omnibusse und sonst was gelesen, daher ist mir wohl der vorherige Auftritt von Frankensteins Monster in den Frühgeschichten von Hellboy (50er Jahre) entgangen. Na also, da konnte ich mir was Schönes zu Weihnachten wünschen!
Und es ist schön! Erst mal gefällt mir das größere Format, was das Ganze lesefreundlicher macht. Auch wenn die flächigen Zeichnungen das große Format nicht wirklich notwendig machen. Diesen Stil hat der Zeichner sicherlich irgendwie von Mignola „geerbt“. Der Meister steuert die Story und ein paar Titelbilder bei.
Die Story greift wieder tief in die Mottenkiste der Geheimlehren und Aluhut-Ideologien; aber in dieser Form mag ich das sehr! Frankensteins Monster ist seit Jahrhunderten auf der Flucht, dabei sehnt er sich nach Nähe Anderer und Frieden, wird aber immer wieder zum Mörder (meist aus reiner Notwehr). Sein Leidensweg führt ihn in die Hände von Alchemisten in der Hohlen Erde. Dort kann er seinem Schicksal eine Wendung geben, gefangen gehaltene Geister befreien und den Ober-Alchemisten, der die Vril-Kraft sucht, zur Strecke bringen. Auf diesem seinen Weg wird von Monstern und Neandertaler-Kriegern bedrängt. Am Ende sieht Frankensteins Monster wie ein Bourroghs’scher Held aus (Hohlwelt würde da ja passen).
Die Story wird zeitlich verschachtelt, mit vielen Sprüngen, in einem ständigen Hin und Her erzählt. Das wirkt etwas konfus und undurchsichtig. Die esoterischen Andeutungen werden dadurch auch nicht klarer. Irgendwie hatte ich den Eindruck, Mignola wollte hier alles reinpacken, was ihm in seinem Hellboy-Universum wichtig ist. Der Plot verliert dadurch etwas an eigener Kraft, dient sozusagen nur dazu, die ganzen Ideen unterzubringen, die aber nur angerissen werden können. Habe es genießen können, aber für die volle Punktzahl fehlt noch was.
8 / 10 Punkte


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Die Finsteren Seiten von Leipzig in einer Anthologie

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013, Phantastisches Halle & Le... 16 January 2018 · 600 Aufrufe

Neues Jahr - neue Leseliste!
Zu Beginn habe ich gleich mal einen heißen Tipp - sozusagen aus der Region. Regionalkrimis sind ja richtig angesagt derzeit, bzw. schon ein Weilchen. Aber gibt es auch eine Sparte, "Regionalhorror"? Der Lychatz-Verlag versucht das mal mit einer Anthologie für Leipzig:

Eingefügtes Bild

„Leipzig morbid. Eine Reise durch das dunkle Leipzig in 21 Geschichten. Hg. von Uwe Schimunek & Uwe Vöhl
Lychatz Verlag, 2017
Leipziger und solche, die es werden wollen (? – na ja, zumindest solche, die gern etwas über Leipzig erzählen wollen) widmen sich der finsteren Seite der Stadt. Sieht man sich die Liste der vertretenen Autoren an, bekommt na schnell eine Ahnung von dem, was einem hier zwischen den schwarzen Buchdeckeln erwartet.
Mein Vor-Urteil wurde aber aufgeweicht. Es sind nämlich nicht nur die „einschlägig Verdächtigen“ dabei. Wobei ich das hier ausdrücklich aus meiner persönlichen Sicht so schreibe, denn es ist sicher so, dass Leser und Leserinnen aus verschiedenen Perspektiven das Buch betrachtend, „ihre“ speziellen, eigenen Anknüpfungspunkte haben. Ich denke, genau das könnte ein Ziel dieser feinen Anthologie sein – und genau das war auch ein Grund für mich, sie zu lesen: Hier kommen verschiedene Welten zusammen. Die beiden Herausgeber, Uwe und Uwe, stammen sozusagen ihrerseits aus verschiedenen Welten. Uwe Schimunek dürfte kein Unbekannter sein; zumindest hatte ich ihn schon mal hier im Blog. Er schreibt vornehmlich Krimis, gern mit regionalem und historischem Schwerpunkt. Darüber hinaus aber auch SF.
Uwe Vöhl ist ein big name in der deutschsprachigen Horror-Autorenszene. Allerdings nicht nur: Inzwischen hat er sich auch einen Namen als Krimiautor gemacht. Er widmet sich ebenfalls dem derzeit wohl sehr beliebten Regionalkrimi. Uwe Schimunek konzentriert sich als Leipziger natürlich auf die Messestadt, Uwe Vöhl schreibt seine Lippe-Krimis. Da kommt einiges zusammen; an ihren „Jagdgebieten“ orientiert sich auch die Autorauswahl, die zu dieser Anthologie eingeladen wurde.
Für mich war dieser Ausflug in die Messestadt daher eine sehr willkommene Möglichkeit, neue Namen kennen zu lernen, neue literarische Welten zu erkunden.
Im NEUEN STERN gibt es dann eine ausführliche Rezension / Vorstellung des Bandes.
Es sind viele Texte, mitunter aber sehr kurze. Das Buch ist ein absolut feine Straßenbahn-Lektüre, zudem sehr abwechslungsreich und vergnüglich, auch wenn es manchmal etwas blutig und grob wird. – Hat man nach der Lektüre Angst vor den dunklen Straßen von Leipzig? Na ja, ich nicht, auch wenn L. ja statistisch irgendwie als eine der kriminellsten Städte Deutschlands gilt.
Mir hat der Sammlung einen Riesenspaß bereitet, neue Namen schmackhaft gemacht und mir ein schönes Wiederlesen mit „alten Bekannten“ beschert. Danke dafür!
9 / 10 Punkte

Ansonsten schon mal in diesem Jahr gelesen:

Anthony Burgess: „1985“
Interessante Auseinandersetzung des einen großen englischen Literaten mit dem anderen großen englischen Dystopiker. War für mich ein richtiges Aha-Erlebnis, dass es dieses Buch überhaupt gibt.
Und es ist durchaus sehr interessant! Die 1. Hälfte – ein Essay, 2. Hälfte – ein Roman – beides zusammen eine Erwiderung auf „1984“. Burgess ist anderer Meinung in Bezug auf das, was in Zukunft zu erwarten ist, als Orwell. Für Burgess ist die Macht der Gewerkschaften der größere gesellschaftsprägende Faktor, nicht die Gefahr, die von totalitären (faschist., kommunist.) Kräften ausgeht. Liest sich aber dann doch am Ende wie eine politische Streitschrift zur Vorbereitung des Thatcherismus.
7 / 10 Punkte

Anthony Burgess: „Das Uhrwerk-Testament“
Auch interessant. Ich denke fast: Kann Burgess überhaupt „normale“ Bücher schreiben? Auch das ist schon sehr besonders. Scheinbar eine Fortsetzung seines großen und zeitweise sehr umstrittenen Hauptwerkes, ist aber eine Abrechnung mit und Reminiszenz auf die Anfeindungen, die Burgess offenbar nach der Verfilmung seines Clockwork Orange durch Kubrick erdulden musste. Der Literaturprofessor des kleinen Buches ist Burgess in verfremdeter Form selbst. Nun, ich hoffe ja für Burgess, dass seine literarische Figur doch sehr verfremdet ist, ansonsten ging es B. wohl nicht so gut…
Sein fiktives alter ego erleidet in dem 150 Seiten drei Herzinfarkte, muss sich von seinen Studenten beleidigen lassen, wegen seiner „schmutzigen“ Dichtung fast erschießen lassen. Und alles für den Grundsatz, von dem auch schon sein Clockwork lebte: Der Mensch ist doch erst Mensch, wenn er die Wahl hat zwischen Gut und Böse. Ja, Herr Burgess, jetzt habe ich es begriffen (Darum geht es ihm übrigens im Grunde auch i seinem 1985)! Sollte ich jetzt noch mal was von B. lesen, möchte ich aber ein anderes Thema haben, bitte.
8 / 10 Punkte

Comic:
David Zane Mairowitz & Robert Crumb: Kafka“
Eine Comic-Biografie – und mehr. Der Comic enthält neben biografischen Szenen, nachdenklichen, die Psyche, das Wesen Kafkas beleuchtenden Szenen auch Comic-Umsetzungen seiner bekanntesten Storys. Das Buch ist ein Hit, ganz großartig. Super gezeichnet – Crumb zeigt hier, dass er sehr realistisch, exakt arbeiten kann und toll erzählt. Kafka wird im Spannungsfeld seiner Zeit, Epoche, Umwelt gezeigt, wie er mit seiner Herkunft klar, oder auch nicht klar kam. Welche großen Probleme ihm sein Verhältnis zu Frauen und überhaupt anderen Menschen machte.
10 / 10 Punkte


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Mein Lektürejahr 2017

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013, Subjektive Eindrücke 21 December 2017 · 622 Aufrufe

Mein Lektürejahr: Noch mal Revue passieren lassen…
Als ich die Bücher hier nach meiner persönlichen Rangliste sortierte, kam ich sogar ins Staunen; bei einigen Titeln dachte ich – jetzt im Dezember – dass ich sie vor viel längerer Zeit gelesen hatte…
Also, mein Lektürejahr stand im Zeichen von 2 Schwerpunkt-Themen für den NEUEN STERN: Zum einen das Lovecraft (Doppel-) Spezial – also Weird Fiction und solch Zeug, von dem ich meinte, das es dazu gehört; und das Swift (ebenso Doppel-) Spezial, also Bücher, die das Erbe Swifts aufgreifen.
Dann gab es auch für mich ein schönes Wiederlesen mit einer alten Jugendliebe: Waldtraut Lewin; ich denke mal DAS Kapitel ist für mich auch noch nicht abgeschlossen. (Weitere Jugenderinnerungen sollen ebenso aufgefrischt werden, na, mal sehen…)

1. Bücher, die ich überragend fand; meine Bücher des Jahres 2017:
Daniel Kehlmann: „Tyll“ 12 / 10 Punkte
Aleksandar Žiljak: „Welche Farbe hat der Wind“ 12 / 10 Punkte
George Orwell: „Rache ist sauer“ 11 / 10 Punkte

2. Bücher, die ich richtig gut fand:
Daniel Kehlmann: „Du hättest gehen sollen“ 10 / 10 Punkte
Daniel Kehlmann: „Mahlers Zeit“ 10 / 10 Punkte
George Orwell: „Im Innern des Wals“ 10 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin: „Der Wind trägt die Worte“ 10 / 10 Punkte
Tobias Reckermann: „Das schlafende Gleis“ 10 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Herr der Unterwelt“ 10 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin & Miriam Margraf: „Märchen von den Hügeln“ 10 / 10 Punkte
Ričardas Gavelis: „Friedenstaube“ 10 / 10 Punkte
H. G. Wells: „Die Zeitmaschine“ 10 / 10 Punkte

3. Weitere, für mich sehr gute Bücher im Jahre 2017:
Thomas Melle: „Die Welt im Rücken“ 9 / 10 Punkte
William Golding: „Herr der Fliegen“ und „Der Sonderbotschafter“ 9 / 10 Punkte
China Miéville: „Diese Volkszähler“ 9 / 10 Punkte
T.H. White: „Schloss Malplaquet oder Lilliput im Exil“ 9 / 10 Punkte
Marianne Sydow: „Affäre Interstar“ 9 / 10 Punkte
H.P. Lovecraft: „Die Katzen von Ulthar“ 9 / 10 Punkte

4. Bücher, die ich auch gern gelesen habe, mit Abstrichen:
Klaus Mann: „Alexander. Roman der Utopie“ 8 / 10 Punkte
Felix Gasbarra: „Schule der Planeten“ 8 / 10 Punkte
J. G. Ballard: „High-Rise“ 8 / 10 Punkte
H. Heidtmann: „Willkommen im Affenhaus“ 8 / 10 Punkte
Laurynkas Katkus: „Moskauer Pelmeni“ 8 / 10 Punkte
Waldtraut Lewin: „Insel der Hoffnung“ 8 / 10 Punkte
Brian Deatt: „Mind Watch“ 8 / 10 Punkte
Tom Hillenbrand: „Drohnenland“ 8 / 10 Punkte
Colin Wilson: Rudolf Steiner, Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes 8 / 10 Punkte
Neil Gaiman: American Gods. Director’s Cut 8 von 10 Punkte
Waldtraut Lewin / Miriam Margraf: „Die Zaubermenagerie“ 8 / 10 Punkte
Jerk Götterwind: „Etwas ist geblieben. Gedichte 2014 & 2015“ 8 / 10 Punkte
Joris K. Huysmans: „Tief unten“ 8 / 10 Punkte
Len Deighton: „SS-GB“ 8 / 10 Punkte.
Sybille Berg: „Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten“ 7 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Die Seelenfresser“ 7 / 10 Punkte
William Meikle „Das Amulett“ 7 / 10 Punkte
Colin Wilson: „Vampire aus dem Weltall“ 7 / 10 Punkte
P. D. James: „Das Land der leeren Häuser“ 7 / 10 Punkte
Jack Kerouac: „Unterwegs“ 7 / 10 Punkte
Klaus Mann: „Treffpunkt im Unendlichen“ 7/ 10 Punkte
Marlen Haushofer: „Die Wand“ 7/10 Punkte
Neil Gaiman: „Niemalsland“ 7 / 10 Punkte

5. So lala-Bücher, also nicht wirklich mies, aber auch nicht dergestalt, dass ich sie sofort wieder lesen würde….
Frigyes Karinthy: „Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver“ 6 / 10 Punkte
Kenneth Grant: „Gegen das Licht“ 6 / 10 Punkte
J.G. Ballard: „Crash“ 6 / 10 Punkte
Gynter Mödder: „Gullivers fünfte Reise und die Tyrannei der Alten“ 6 / 10 Punkte
Michael Kozyrew: „Die fünfte Reise Lemuel Gullivers“ 6 / 10 Punkte
A. A. Attansio: „Radix“ 6 / 10 Punkte
James Herbert: „Blutwaffe“ (Spear) 6 / 10 Punkte

4. Die fand ich dann in 2017 nicht so gut; ist aber – wie so oft – reine Geschmackssache:
Leigh Brackett: „Der Weg nach Sinharat“ 5 / 10 Punkte
H.G. Wells „Ugh-Lomi“ 5 / 10 Punkte
Götter des Grauens, hg. von Roman Sander 5 / 10 Punkte

Comics-Rangliste 2017
Mark Millar, Steve McNiven: „Wolverine. Old Man Logan“ 10 / 10 Punkte.
Alan Moore und Jacen Burrows: NEONOMICON 10 / 10 Punkte
Dingess, Roberts, Gieni: „Manifest Destiny. Bd.3: Chiroptera & Carniformaves“ 9 / 10 Punkte
Dingess, Roberts, Gieni: „Manifest Destiny. Bd.4: Sasquatch“ Noch mal 9 / 10 Punkte

Ivan Brandon und Nic Klein: Drifter, Bd. 2: Die Wache 8 / 10 Punkte
Morvan, Looky, Thill: „Herkules 1. Das Blut von Nemea“ 8 / 10 Punkte
Allen Ginsberg & Eric Drooker: „Howl“ 8 / 10 Punkte
Mézières & Chrstin: „Valerian & Veronique. Das Land ohne Sterne + Willkommen auf Alflolol“
8 / 10 Punkte
Francois Durpaire, Farid Boudjellal: Die Präsidentin 8 / 10 Punkte
Jeff McComsey: Mother Russia 8 / 10 Punkte
Moreno, Luján: „Psychodetektiv Byron. Das Portrait“ 8 / 10 Punkte

Wilson, Gill, Dalhouse: Shadowman and the Battle of New Stalingrad. – Stalinverse #1 6 / 10 Punkte


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Hofmanns Leseliste, Rest November 2017

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 01 December 2017 · 573 Aufrufe
TES
49 - Neil Gaiman: „Niemalsland“
Hörbuch, gelesen von Stefan Kaminski
Wieder Stefan Kamsinski, wieder ein großer Hörgenuss, da der Mann alle rollen mit anderen Stimmen versieht. Damit wird aus der Lesung fast ein richtiges Hörspiel.
Der Roman war, als er neu war, schon was Besonderes. Hatte ich so in Erinnerung. Jetzt, nach all den Jahren und nachdem ich „American Gods“ mir als TV-Serie und Hörbuch auch noch einmal zu Gemüte geführt hatte, ist so ein bisschen die Luft raus. Es erinnert ja an „American Gods“ (A.G.), also an diese Schein- und Schatten- und Parallelwelt neben der normalen; hier sind es eben nicht die Götter der Einwanderer in USA, sondern die alten Naturgeister in England. Ein Engel ist auch dabei, ein böser zudem.
Wieder ist es wie in A.G. ein normaler Mensch, der mit dieser Parallelwelt und -Gesellschaft konfrontiert wird und damit als Indentifikationsfigur zur Verfügung steht. Und er wird auch „dort“ bleiben. Ich kann ihn gut verstehen…
Die bürgerlich-städtischen Passagen dieser Urban Fantasy fand ich sogar fast die besten; die märchenhaft-unterirdischen waren ja auch schön, aber mir dann doch zu märchen(onkel)haft.
Wie in A.G. wird auch viel drumherum erzählt, der Plot etwas in die Länge gezogen. Auch hier trägt der Plot nicht wirklich über die ganze Länge. Nachdem der Roman zuende ist, wird sogar weitererzählt. Sind das Outtakes? Kann mich daran gar nicht erinnern. Es sind noch Abenteuer, die quasi innerhalb der Romanhandlung anzusiedeln sind und das Schicksal und die Erlebnisse einer wichtigen Nebenfigur behandeln. Ich denke mal, es hatte gute Gründe, diese Passagen erst mal entfernt zu haben...
Es war ein schönes Wiedersehen, mit einigen Längen. Wieder muss ich feststellen: Gaiman ist besser in der kurzen Form.
7 / 10 Punkte

50 – "Götter des Grauens", hg. von Roman Sander
Eine seltsame Auswahl nicht wirklich neuer Stories (geht in den 70er los, die jüngsten sind auch schon 4-5 Jahre alt), teilweise Übersetzungen aus dem Englischen, teilweise deutsche Beiträge, die zuvor in Fan / Small Press-Publikationen erschienen sind. Eine Story, die in den Credits genannt wurde, fehlt gänzlich (???).
Hängen bleiben werden mir die Stories von H. D. Römer, der gekonnt Horror mit historischen Ereignissen / Figuren verknüpft – auch wenn dies im Falle von „Tepes“ kaum was mit HPL zu tun hat. „Staub zu Staub“ von Wilum Hopfrog Pugmire hat mir ebenso ganz gut gefallen, war aber ziemlich kurz.
5 / 10 Punkte

51 – Marlen Haushofer: „Die Wand“
Hörbuch, gelesen von Elisabeth Schwarz
Endlich habe ich wenigstens mal das Hörbuch „geschafft“, nachdem der Film schon Monate bei mir liegt und wartet, gesehen zu werden; vom Buch ganz zu schweigen.
Von dem Buch / Film sind die Leute ja sehr angetan. Nun, meine Begeisterung hielt sich etwas zurück. Ja, ist eine eindringliche Studie darüber, wie man Einsamkeit besiegen kann. Ist mal eine Alternative zu den sonstigen Endzeit-Robinsonaden. Aber so richtig gepackt hat mich das Stück nicht, muss ich gestehen.
7/10 Punkte

52 - TES-Hefte – diverse –
neben den hier im Blog bereits erwähnten 3 neuen, habe ich auch zwei ältere Hefte aus meinem SUB aus dem Hause TEX gelesen. Insgesamt sind das also:
Rainer Zuch: „Der Außenposten“ (Doppelheft 37 / 38)
Stanley G. Weinbaum: „Planet der Illusionen“ (39)
H.G. Wells „Die Argonauten der Luft“ (40)
…und jetzt:
Wolfram Kober: „Mo’yin, der Alill“ (16 – 2 / 2012)
Ingo Scharnewski: „Der Hund, der auf zwei Namen hörte“ (8 / 2011)

Beide haben mir auf ihre Weise gefallen, wobei ich am meisten vom „Hund“ erstaunt und entzückt war. Von Ingo Scharnewski hatte ich bereits mal „Cutis Anserina“ gelesen. Damals fand ich dessen Stil etwas akademisch, zumindest für Abenteuerlektüre. Da ging es um eine private archäologische Expedition in Lateinamerika. Diesmal hat der irgendwie übergenaue, Erzählstil aber sehr gut gepasst. Der „Hund“ ist eine Erzählung in Briefen. Ein junger Mann nimmt eine Stelle in einer neuen Stadt an und schreibt davon, und wie er eine Frau kennen lernt, seinem Freund. Ein Hund wird schon bald erwähnt, der eine besondere Gabe besitzt.
Im Grunde ist diese „besondere Gabe“ das einzige phantastische Element und die Geschichte ist erst mal so eine „normale“ Story über einen jungen Mann in der Fremde, die es aber schafft, dass mir der Protagonist sympathisch wird. Dann diese harsche Wendung, mit phantastischem Anstrich, der aber den Grundcharakter der Geschichte nicht auf den Kopf stellt. Richtig gut! Glaube, muss mehr von dem Autor lesen! Das wäre ja sogar mit der Heft-Reihe möglich, denn – etwas unbeachtet von mir – gibt’s da einige von dem Autor; sogar ein ganz aktuelles.
Wolfram Kober ist ein Lieblings-SF-Autor aus der DDR für mich. Er hatte mich damals, als ich jung war, also vor unendlichen Zeiten, mit seinen zwei Storybänden, die in der DDR erschienen sind („Nova“ und „Exoschiff“) völlig verzaubert. Er bediente den sense of wonder wie kaum ein anderer Autor damals. Sein Markenzeichen waren absolut exotische Aliens und phantastische Einfälle, die er oftmals um ihrer selbst willen präsentierte. Das war – für mich – damals neu und ungewohnt und überraschend.
Die Story, die Gerd-Michael Rose hier nun „nachreicht“, ist auch so eine Alien-Story: Auf einem fremden Planeten gibt es eine Art Steinzeitkultur. Die beschriebenen Tiere und vernunftbegabten Geschöpfe sind so ganz anders als auf der Erde. Die Erde selbst spielt auch gar keine Rolle. Allerdings übertreibt der Autor hier ein wenig für meine (inzwischen anders tickenden?) Sinne: Wegen der fremdartigen Namen und Um- und Beschreibungen fiel es mir gar nicht so leicht, der ansonsten nicht so spektakulären Handlung zu folgen. Ohne seine phantastischen Aliens wäre die Story nur halb so schön.
Mich würde glatt Interessieren, von wann die Story ist, ob das neueren Datum ist, oder damals nicht mit in die Storybände aufgenommen wurde. Wie auch immer, mich hat das Wiederlesen mit dem alten Helden meiner Jugend sehr gefreut.
Die Illustrationen in dem Heft sind stilistisch der naiven Kunst zuzuordnen; ehrlich gesagt dachte ich, sie wären von einem Kind; waren nicht so mein Fall.


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Buch, Hörbuch, Comic - gelesen, gehört, geschaut habe ich...

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 11 November 2017 · 480 Aufrufe
Daniel Kehlmann
Fortsetzung der Leseliste.

48 - Daniel Kehlmann: „Tyll“
Das Buch ist einsame Spitze! Ich hatte große Erwartungen, es gab viel Lob im Vorfeld, bzw. gleich als es erschien und alles hat sich als wahr herausgestellt.
Da sicher sehr viel zu diesem Buch zu lesen und hören sein wird, gibt es von mir hier keine Inhaltsangaben.
Was mir z.B. so großartig gefiel, war die Allgegenwart sozusagen magischen Denkens in dieser vor-aufklärerischen Zeit. Was wir heute gern als Sagen und Märchen ansehen, als Magie und Zauberei, war – so habe ich es dem Buch entnommen – für die Menschen des 17. Jahrhunderts Alltag. Hexen, unheimliche, magische Überlieferungen etc. waren für sie Bestandteil ihres täglichen Denkens, wonach sie ihr Leben auch ausrichteten. Dabei bezogen sie sich nicht nur auf christliche Mythen, sondern auch auf vorchristliche. Wobei ein allzu reges Anwenden nichtchristlicher Magie natürlich gefährlich sein konnte.
Die Sprache ist großartig; die Handlung ist großartig, auch die dem Unterhaltungsroman abgeguckten Cliffhanger, die offenen Enden, die dann doch einen Abschluss erhielten, auch wenn man gar nicht mehr dran dachte: Diese ganze Konstruktion, die zeitlich nichtlineare Erzählweise, die dennoch stimmig und schlüssig ist; all das machte formal den Roman zum Hochgenuss, Pageturner. So schnell habe ich seit Jahren keinen Roman mehr am Stück verschlungen.
Es ist kein klassischer Schelmenroman, auch kein 08/15-Historienschinken, von allem etwas. Es ist lustig, es ist melancholisch, tragisch. Die Personen gingen mir nahe, wobei der Tyll Eulenspiegel fast noch die blasseste, weil mitunter mythisch verklärte Figur ist.
12 / 10 Punkte

49 - Neil Gaiman: „Niemalsland“
Hörbuch, gelesen von Stefan Kaminski
Wieder Stefan Kamsinski, wieder ein großer Hörgenuss, da der Mann alle rollen mit anderen Stimmen versieht. Damit wird aus der Lesung fast ein richtiges Hörspiel.
Der Roman war, als er neu war, schon was Besonderes. Hatte ich so in Erinnerung. Jetzt, nach all den Jahren und nachdem ich „American Gods“ mir als TV-Serie und Hörbuch auch noch einmal zu Gemüte geführt hatte, ist so ein bisschen die Luft raus. Es erinnert ja an „American Gods“ (A.G.), also an diese Schein- und Schatten- und Parallelwelt neben der normalen; hier sind es eben nicht die Götter der Einwanderer in USA, sondern die alten Naturgeister in England. Ein Engel ist auch dabei, ein böser zudem.
Wieder ist es wie in A.G. ein normaler Mensch, der mit dieser Parallelwelt und -Gesellschaft konfrontiert wird und damit als Indentifikationsfigur zur Verfügung steht. Und er wird auch „dort“ bleiben. Ich kann ihn gut verstehen…
Die bürgerlich-städtischen Passagen dieser Urban Fantasy fand ich sogar fast die besten; die märchenhaft-unterirdischen waren ja auch schön, aber mir dann doch zu märchen(onkel)haft.
Wie in A.G. wird auch viel drumherum erzählt, der Plot etwas in die Länge gezogen. Auch hier trägt der Plot nicht wirklich über die ganze Länge. Nachdem der Roman zuende ist, wird sogar weitererzählt. Sind das Outtakes? Kann mich daran gar nicht erinnern. Es sind noch Abenteuer, die quasi innerhalb der Romanhandlung anzusiedeln sind und das Schicksal und die Erlebnisse einer wichtigen Nebenfigur behandeln. Ich denke mal, es hatte gute Gründe, diese Passagen erst mal entfernt zu haben...
Es war ein schönes Wiedersehen, mit einigen Längen. Wieder muss feststellen: Gaiman ist besser in der kurzen Form.
7 / 10 Punkte

50 – Götter des Grauens, hg. von Roman Sander
Eine seltsame Auswahl nicht wirklich neuer Stories (geht in den 70er los, die jüngsten sind auch schon 4-5 Jahre alt), teilweise Übersetzungen aus dem Englischen, teilweise deutsche Beiträge, die zuvor in Fan / Small Press-Publikationen erschienen sind. Eine Story, die in den Credits genannt wurde, fehlt gänzlich (???).
Hängen bleiben werden mir die Stories von H. D. Römer, der gekonnt Horror mit historischen Ereignissen / Figuren verknüpft – auch wenn dies im Falle von „Tepes“ kaum was mit HPL zu tun hat. „Staub zu Staub“ von Wilum Hopfrog Pugmire hat mir ebenso ganz gut gefallen, war aber ziemlich kurz.
5 / 10 Punkte

51 – Marlen Haushofer: „Die Wand“
Hörbuch, gelesen von Elisabeth Schwarz
Endlich habe ich wenigstens mal das Hörbuch „geschafft“, nachdem der Film schon Monate bei mir liegt und wartete, gesehen zu werden; vom Buch ganz zu schweigen.
Von dem Buch / Film sind die Leute ja sehr angetan. Nun, meine Begeisterung hielt sich etwas zurück. Ja, ist eine eindringliche Studie darüber, wie man Einsamkeit besiegen kann. Ist mal eine Alternative zu den sonstigen Endzeit-Robinsonaden. Aber so richtig gepackt hat mich das Stück nicht, muss ich gestehen.
7/10 Punkte

Comics
9 – Francois Durpaire, Farid Boudjellal: „Die Präsidentin“
Ein aktuelles, vielleicht ja auch populistisches, zumindest populäres Thema aufgreifend, beschreibt dieses Comic, was die ersten Wochen nach dem Wahlsieg des FN v. Le Pen in Frankreich passiert. Die Autoren haben sich dabei an das Wahlprogramm gehalten.
Die Umsetzung: Na ja, irgendwie mit schneller Nadel – Zeichenstift – wie es mir schien. Und dann ist da etwas, was ich als typisch französisch bezeichnen möchte: Es wird viel um den heißen Brei herumgeredet, so kommt es mir zumindest vor. Viel wird durch den Bauch, nicht den Kopf erklärt. Na ja, ist ja auch denkbar, dass einem erst mal etwas missfällt, ehe man begreift, was es ist.
Die Story wird anhand einer Gruppe junger Leute erzählt, die dem FN feindlich gegenübersteht. Der junge Mann betreibt einen Anti-FN-Blog, die Oma war schon Widerstandskämpferin im II. WK gegen Vichy und die Nazis. Die Freundin ist von der rigorosen Ausweisungspolitik der neuen rechten Regierung bedroht und wird auch abgeschoben.
Typisch französisch sind auch die vielen Namen von Politikern – die ich einfach nicht kenne. Wer dann da was sagt, kann ich einfach nicht nachvollziehen, zumal sich die wenigsten konkret äußern (für meinen Geschmack).
Die Autoren zeigen mit ihren den Mitteln des Comics wirtschaftliche Folgen der FN-Politik. Das geht, wenn auch nicht wirklich erquickend. Aber das war dann wenigstens durchaus konkret. Auch die Behandlung der Migranten. Und die Aufstände in den zu Frankreich gehörigen Überseeregionen. Am Ende wird Mutter Le Pen von rechts überholt. Interessant dabei ist – wie so oft – wie Instrumente der Datenerhebung und staatlichen Verwaltung der Bürgerdaten zur Gefahr für die Bürger werden. Das scheint dann alles sehr schnell zu gehen…
8 / 10 Punkte

10 – Jeff McComsey: „Mother Russia“
Ein Mitbringsel aus Übersee. Glaube, das gibt es auf Deutsch (noch) nicht.
Eine Zombie-Apokalypse im Stalingrad der 40er Jahre. Der Kessel reicht an Horror wohl noch nicht, nun sind alle Toten wieder aufgestanden, die deutschen wie die russischen und bilden eine hungrige Zombiearmee, die durch die zerstörten Straßen der Stadt wankt. Eine junge Scharfschützin hat überlebt, rettet ein kleines Kind und wird von einem Hund gerettet, der einem deutschen Offizier gehört, der ebenfalls überlebte.
Jaaaa, kein überragender Stoff, auch keine supertolle Umsetzung, scheint aber in USA so eine kleine Nische auszufüllen, da die Comics des Autors sich alle irgendwie in alternativer Geschichts-Aufarbeitung mit Zombies bemühen. Die Comics erscheinen dann auch alle in einem Verlag, den ich bis dato nicht kannte: FUBARpress. War gut und endet böse.
8 / 10 Punkte

11 – Wilson, Gill, Dalhouse: Shadowman and the Battle of New Stalingrad. – Stalinverse #1
Hmm, tja, schon komisch: Da geht man in Providence in einen Comicladen wo es wohl ALLES, absolut alles an Comics gibt, was man sich denken kann (nicht wirklich denke mal, viel aus Europa gibt es dort nicht) und ich greife mir Comics, die irgendwas mit Russland zu tun haben: Mother Russia und das hier.
Wobei: Stimmt nicht ganz. New Stalingrad ist halt das alte New York in einer alternativ-historischen, apokalyptischen, stalinistischen Alptraumwelt. Superhelden auf beiden Seiten haben viel zu tun… Braucht man das? Am Ende nicht, war aber mal ein interessanter Eindruck.
6 / 10 Punkte

12 – Moreno, Luján: „Psychodetektiv Byron. Das Portrait“
Ich habe einen neuen Comic-Lieblingshelden! Das Album stand im Comicladen unter den Neuerscheinungen, ist aber nicht so ganz nagelneu. Mich hat sofort der flotte Strich der Zeichnungen angesprochen, beim ersten Durchblättern die teilweise psychedelischen Zeichnungen, dazu der schmissige Titel.
Am Ende des 19. Jh. darf der „Psychodetektiv mit dem Dichternahmen einen handfesten, fast cthulhuid wirkenden Dämonen austreiben. Also, die Story ist jetzt nicht überragend, aber sie wird kurzweilig erzählt und die Zeichnungen sind einfach fetzig. OB es davon mehr geben wird?
8 / 10 Punkte


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Herbstlesungen 2017 | Lektüreliste

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 19 October 2017 · 691 Aufrufe
H.G.Wells
…und weiter geht’s… wieder ein paar Bücher gelesen. Eins war dabei, das mich wirklich ziemlich beeindruckt hatte. Das will ich auf jeden Fall wärmstens empfehlen (ausführlich in dem Rundbrief, wer möchte, wahrscheinlich in der Weihnachstausgabe).

Fortsetzung Leseliste 2017, September / Oktober

42 – Jerk Götterwind: „Etwas ist geblieben. Gedichte 2014 & 2015“
Dieses Buch und – als Bonus – das Heft LaborBefund #11, J.G.: „Das Leben ist schön“ (Ausgewählte Texte 2013) – habe ich im Tausch gegen den NEUEN STERN vom Autor erbeten und bekommen. Habe mich sehr gefreut. Sicherlich würde ich sonst kaum auf den Trichter kommen, mir Gedichtbände anzuschaffen. Aber hier war das mal eine gute Entscheidung!
Jerk traf meinen Nerv. Er kann seinen inneren Zustand, der nicht immer im hellsten Licht erstrahlt, mit knappen und treffenden Worten darstellen und mir begreifbar machen.
Die Gedichte reimen sich nicht, die Zeilen entsprechen nicht mal ganzen Sätzen – woran ich mich erst gewöhnen musste; ging aber schnell. Doch so lass ich mir Gedichte gefallen – komprimierte Gedanken und Gefühlsbeschreibungen (nein, nicht schwülstig, gar nicht).
8 / 10 Punkte

43 – H.G. Wells „Ugh-Lomi“
Als amazon-Broschüren-Nachdruck habe ich mir für wenig Geld das Heft geholt. Also, wenn es einem um „richtige“ Bücher geht, ist das vielleicht nicht die beste Wahl. Komischer Weise steht in dem Heft kein Übersetzername, kein Verleger oder Herausgeber. Es gibt einfach dieses Heft. Und ich wollte mal wieder diese Urmenschengeschichte lesen, ohne viel Geld auszugeben. Kann man machen…
Damals, als ich sie leihweise mal las, in einer alten Ausgabe aus der Bibliothek, war ich fasziniert. Leider fand ich diese Faszination nicht wieder. Die Story ist recht geradlinig, ohne den Esprit, an den ich mich erinnert hatte. Halt so eine Geschichte, in der ein Urzeitmensch alle möglichen Sache „erfindet“. Historisch überhaupt nicht belegt, aber eben auch nicht ins Mythische überhöht, oder besonders spannend aufbereitet. Versöhnt hat mich das Ende, als Wells so etwas wie herrlichen schwarzen Humor durchblitzen ließ (und der Held verspeist wurde).
So ähnlich erging es mir mit einem Wiedersehen mit RAHAN, den ich als Kind aus einem damals mir zugänglichen französischen Album kannte. Ich konnte den Comic gar nicht lesen (Französisch), aber die Zeichnungen und das Setting faszinierten mich. Und heute: Na ja…
5 / 10 Punkte

44 – H. G. Wells: „Die Zeitmaschine“
Zeit für einen Klassiker! Nach der Freigabe der Wells-Texte überrollt uns auch im Deutschen eine wahre Wells-Welle. Ich befürchte, man muss jetzt ziemlich genau hinschauen, zu welchem Wells-Buch man greift, um nicht „daneben“ zu greifen.
Bei der Neuübersetzung des Fischer-Verlages kann man jedenfalls nichts falsch machen! Die Novelle wird hier ergänzt durch weitere Zeit-Geschichten von Wells und ein Nachwort von Elmar Schenkel – sicher einem der deutschen Wells-Experten schlechthin. Allen das bewog mich, das Buch sozusagen nochmal zu kaufen, aber auch die anderen „Begleit-Texte“, die insgesamt mehr als ein Drittel des Buchvolumens füllen; Vorworte zu alten Ausgabe, auch von Wells selbst; andere Geschichten von Wells, die ich bisher nicht so kannte (sicher sind die schon mal woanders erschienen?).
Mit hat die Zusammenstellung ganz toll gefallen, hat mir neue Aspekte der sicher sonst wohlbekannten Story gezeigt und ein schönes Wieder-„Sehen“ mit einem alten Bekannten ermöglicht (das letzte Mal habe ich „Die Zeitmaschine“ so Ende der 80er gelesen).
Ein utopischer Aspekt wird bei der Betrachtung der Novelle ja immer betont, die Extrapolation der gesellschaftlichen und Klassenverhältnisse vom Ende des 19. Jh, in eine ferne Zukunft, in der die Arbeiter zu Morlocks und das dekadente Bürgertum zu den Eloi mutiert sind.
Ein anderer Aspekt, den Wells zur Sprache bringt, ist mir entweder entfallen, oder war mir gar nicht so helle, nämlich der der Verweichlichung der Menschen, die sich nicht im „Lebenskampf“ beweisen müssen. Das liegt ja auf der Hand, wenn man sich die Eloi betrachtet: Sie bekommen alles geliefert von den Morlocks, daher haben sie keinerlei Antrieb mehr, sich zu bilden, zu arbeiten, sich zu behaupten. Diese Tendenz zur „Lebensuntüchtigkeit“ sieht der namenlose Protagonist / Wells bereits in seiner Zeit und sieht es in der fernen Zukunft bestätigt. Das fand ich bemerkenswert, vor allem vor dem Hintergrund des Interesses von Wells an sozialistischen Utopien und dem Drang nach Glückseligkeit als Ziel der Menschheitsgeschichte.
10 / 10 Punkte

45 - Aleksandar Žiljak: „Welche Farbe hat der Wind“
Großartige Neuentdeckung für mich. Ob das „mein“ Buch 2017 wird? Auf jeden Fall haben mir die darin versammelten SF-Stories großartig gefallen (bis auf die Cyberpunk-Story). Sexualität, Liebespiel an sich, spielt eine große Rolle in fast allen Stories, aber immer so, dass es nicht zum Selbstzweck wird.
Es sind tolle Ideen-SF-Stories, schöne Liebesgeschichten, tolle Formulierungen… Ausführlich habe ich meine Eindrücke für den NEUEN STERN zusammengefasst.
12 / 10 Punkte

Eingefügtes Bild

46 – H.P. Lovecraft: „Die Katzen von Ulthar“
Noch ein Klassiker, nochmal gelesen. Nach der sommerlichen Urlaubsreise an die US-Ost-Küste, mit einem wundervollen Tag in Providence, musste ich jetzt mal wieder zu HPL greifen. Die Lektüre der Erzählungen aus dem Suhrkamp-Verlag soll mir auch das Warten auf den fulminanten Super-Band zu und von und über HPL aus dem Hause Fischer Tor: H. P. Lovecraft. Das Werk hg. von Leslie Klinger, verkürzen, den ich mir zu Weihnachten wünschen werde.
Hier also die Randolph-Carter-Fantasy-Stories vom Meister. Wieder großartig. Ich tauche gern in seine dunkel-glitzernden Traumwelten ab. Randolph Carter ist auch ganz aus dem Holz geschnitzt, der meinem Lieblingsmotto (siehe hier im Blog rechts oben) zu folgen scheint. Gerade die letzte Story, die das Testament Carters enthält, sein Vermächtnis sozusagen, das sicher auch mit HPL selbst zu tun hat, hat mir fast Tränen in den Augen beschert.
Einen Punktabzug gibt es dann doch, wegen der teilweise längeratmigen Aufzählungen etc…
9 / 10 Punkte

47 – Joris K. Huysmans: „Tief unten"
Das Buch habe ich jetzt zum 2 ½ Male gelesen*. In der fin de siècle-Ausgabe von SOLAR-X (Nr. 120), die Ende des 20. Jh.s erschien, habe ich auch eine längere Besprechung des Romans gebracht. Tatsächlich hat sich mein heutiger Eindruck im Grunde kaum geändert. Zur besseren Lesbarkeit habe ich mir eine für mich besser lesbare Ausgabe gegönnt, denn die klein- und engbedruckte Reclam-Ausgabe ist eher kein Genuss (mehr). Damit ich mich nicht wiederholen muss, füge ich die alte Besprechung mal kurzerhand als Kommentar zu meinem Blog-Eintrag hinzu.
Beim Wiederlesen fiel mir tatsächlich wieder Vieles ein; erkannte ich sozusagen wieder. Dramaturgisch bietet der Roman übrigens weit weniger als man vermuten könnte. Denn der Protagonist will ja nur sein Buch über Gilles de Rais schreiben, dessen Weg vom Jünger der reinen, christlichen Heilsbringerin, der Jungfrau von Orleans, zum bösartigen, kindermordenden Satanisten nachzeichnen. Sein Kumpel weist ihn darauf hin, dass es Satanisten immer noch gäbe (Ende 19. Jh.) und die sogar im Priestergewand zu finden sind. Daher versucht unser Buch-Autor Kontakt zu solchen Leuten zu finden. Dazu geht er auch eine Liebesbeziehung zu einer verheirateten Dame ein, die entsprechende Beziehungen hat.
Das Buch zerfällt in mindestens zwei Teile, einmal diese unredliche Liebensbeziehung (der gehörnte Ehemann der besagten Dame kann die gewünschten Kontakte herstellen), die nur ein gegenseitiges Ausnutzen ist, und die Darstellung der Recherche-Ergebnisse zu dem ollen Blaubart.
Das Buch erschien mir jetzt viel klarer, aber auch weit weniger spektakulär, geheimnisvoll, als ich es wohl damals gesehen habe. Aber gut, diese alten Eindrücke noch mal aufgefrischt zu haben.
8 / 10 Punkte
*) Was die halbe Lesung anbelangt: siehe meine alte Besprechung…


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Stückchen Leseliste September 2017

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 10 September 2017 · 634 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Neil Gaiman und 2 weitere...
...weite geht's mit der Leseliste für 2017...

37 - T.H. White: „Schloss Malplaquet oder Lilliput im Exil“
Charmantes englisches Kunst-Märchen, das zwar direkt bei Swifts „Gulliver“ anknüpft, aber diesmal nicht diesen gewollt, lustig-kritischen „Ich-weiß-es-besser“-Ton der meisten Swift-Epigonen aufgreift. Die Liliputaner leben seit 200 Jahren unentdeckt auf einem alten englischen Adelsanwesen. Die Erbin und ihr vermeintlichen, ziemlich geschrumpftes Vermögen wird von zwei bösen Alten verwaltet. Da entdeckt sie die geheimen Mitbewohner…
Auch hier gilt: Es gibt im November ein anlässlich des 350. Geburtstag des Autors einen Neuen Stern mit Schwerpunkt Swift / Gulliver – da dann auch mehr zu dem Buch.
9 / 10 Punkte

38 – Colin Wilson: Rudolf Steiner, Verkünder eines neuen Welt- und Menschenbildes
Meine Exkursionen in die Denk-Welten des Colin Wilson gehen weiter. Auch das war interessant. Ich darf betonen, dass ich Fan von Wilson, nicht von Steiner bin. Aber Wilson ist Fan von Steiner, wenn auch einer mit wohltuend kritischer Distanz. Aber er hat von ihm einiges gelernt, gerade auch im Umgang mit sich selbst und seinen Kopf-Welten. Das ist nicht uninteressant…
8 / 10 Punkte

39 - Neil Gaiman: American Gods. Director’s Cut
Anlass, das Buch noch einmal zu lesen, war die TV-Serie. Aber warum selber lesen, wenn es mir doch Stefan Kaminski vorliest? Und, um das gleich mal vorweg zu nehmen: Der macht das absolut supergut!
Natürlich habe ich beim Hören verglichen mit dem, was ich gesehen habe. Der Vorleser macht aus seiner Lesung eine regelrechte Vorstellung; liest jede Figur mit andere Stimmung, entsprechendem Dialekt (russisch geprägt z.B.). Dabei traf er – vielleicht wollte ich das aber auch nur so hören – die Stimmlage von Wednesday z.B. haargenau so wie die deutsche Synchronstimme aus der Filmserie.
Aus der Sicht lohnte sich das Wieder-„Sehen“ mit den alten Bekannten. Und sonst?
Vergleichsweise zu Serie ist das Buch 100-mal besser! Viele Nuancen des Buches kommen in den Filmteilen gar nicht vor, die aber für meine Begriffe essentiell, zumindest schön und wichtig und richtig sind. Warum nur? Dafür ist die TV-Serie ungleich brutaler. Warum nur? Sicher um Zuschauer zu fesseln. Mir war das zu viel, zu blutig, zu bunt.
Ein wesentlicher Erzählstrang (Schadows Aufenthalt in dem Kleinstädtchen bei Heinzelmann, mit dem Auto auf dem Eis, fehlt (bisher) in der Serie gänzlich; wurde durch so eine waffenlobby-kritische Dystopie um Gott Vulcan ersetzt. Kann man machen, allerdings erschien mir die Vulcan-Story der Serie fremdartig, was vielleicht darauf zurück zu führen ist, dass sie nicht von Gaiman stammt (?). Lediglich die Figur der Toten Ehefrau gefällt mir in der filmischen Umsetzung besser als im Buch, im Film ist sie fetziger, mächtiger, aktiver, hat mehr Profil.
Das Buch ist sehr dick. Ich denke mal, zu dick. Es hat Längen, die mir beim ersten Lesen auch schon aufgefallen sind. Beim Hören war das ja okay, da habe ich mir die ausufernde Schwafeligkeit gefallen lassen. Die Erzählweise erinnerte mich jetzt doch stark an King, den ich ja auch nicht so dolle mag; der Meister ist mir meist auch zu ausführlich.
Es verfestigte sich bei mir der Eindruck, dass Roman nicht das richtige Genre für Gaiman ist. Im Grunde erzählt er nicht wirklich viel; aber er scheint das selber zu wissen, denn er reichert seinen Roman mit einer Unzahl kleiner Geschichten an. Und DIE waren für meine Begriffe das Beste am ganzen Buch!
Teilweise war ich richtig gerührt (z.B. von der Geschichte der afrikanischen Zwillinge); dabei mehr vom geschriebenen Wort angetan, als von der filmischen Umsetzung.
Der Haupt-Plot zieht sich aber mächtig in die Länge. Ich kann mich noch am Selberlesen erinnern, wo ich fast die Geduld verloren hatte. Hier habe ich aber schön durchgehalten und darf für meinen Gesamteindruck 8 von 10 Punkte vergeben.
PS. Auch wenn mich die Serie nicht wirklich gepackt hat, so würde ich gern die 2. Staffel sehen; mal sehen, wie die den Bogen kriegen; die 1. hört ja wirklich mittendrin auf…

40 – A. A. Attansio: „Radix“
Mir war mal nach was Neuem, Besonderen. Auf den Autor stieß ich in einer Wiki-Seite zum Cthulhu-Mythos. Dort tauchte der Name des Autors auf, den ich bis dato gar nicht wahr genommen hatte. Was ich zu ihm fand, machte mich sehr neugierig.
Das dicke Buch beginnt auch stark: in ferner Zukunft – auf der Erde – so richtig klar und deutlich wird das gar nicht – lernen wir einen Anti-Helden kennen. Ein junger, fetter, unansehnlicher Bursche, der in einer Art Slum bei seiner Mutter wohnt, tötet. Das macht er mit viel Raffinesse. Er töte Leute, die ihn piesacken, quälen, erniedrigen. Er tötet, seit er 11 Jahre alt ist.
Er ist zwar hässlich, aber kein Verzerrter, also kein genetisch Verunstalteter; sein Samen ist richtig viel Wert. Daher wird er gern auch zu Frauen geführt, um sie zu begatten. – Ähm, ja, so deftig geht es zu in der Zukunft.
Er hat zudem Kontakt zu Mutanten, den Voors, deren Mutationen sie zu besonders Begabten macht. Die Voors haben Dinge, die zwar in der Nicht-Mutanten-Gesellschaft verboten, aber dennoch kostbar und wertvoll sind.
Unser dicker Anti-Held hat aber noch was ganz Besonderes. Und so ca. nach dem ersten Drittel des Romans, der noch konkret und mit einem deutlich nachvollziehbaren Plot daher kommt, driftet der Autor in ein metaphysisch, psychotisches, sexuell aufgeladenes und total irres Universum ab. Ehrlich, ich war dann irgendwann nicht mehr bereit, ihm zu folgen, obwohl es vielleicht ja noch interessant wäre zu erfahren, wie unser Held – der ist jetzt kein Dicker mehr, sondern ein strammer Einzelkämpfer – mit dem Gottgeist Delph fertig wird; darin besteht seine geheime, vom Universum (oder so) vorgesehene Aufgabe. Die eigentliche Handlung mutet sogar simpel und wenig komplex an, aber die Welt, das Universum, das Attanasio entwirft, ist es um so mehr. Aber wozu? Habe leider nicht durchgehalten, nehme mir aber vor, weiteres vom Autor zu probieren-.
6 / 10 Punkte

41 – Waldtraut Lewin / Miriam Margraf: „Die Zaubermenagerie“
Der „Novellenkranz“ ist die Fortsetzung der „Märchen von den Hügeln“; diesmal nicht als Kinderbuch aufbereitet, da die Protagonistin nun auch kein Mädchen mehr ist, sondern eine reife Frau.
Ich kann mich erinnern, dass mich das Buch beim ersten Lesen damals verwirrt hatte. Tatsächlich gab es auch in der DDR schon eine Diskussion über Lebenswerte, darüber, ob die Arbeit alles wäre und wie weit man sich im Alltag verliert. Aber dass eine Karrierefrau im Mittelpunkt steht, die eher wie eine großindustrielle Managerin auftritt, war wahrscheinlich damals eher untypisch für die gesellschaftlichen Verhältnisse.
Beim neue Lesen fiel mir aber etwas auf: Also, die Protagonistin verfährt sich mit ihrem schicken Auto im Wald. Sie wird tatsächlich in die Irre geleitet, verfährt sich also nicht so ganz zufällig. Sie landet in einer ziemlich schrägen Gegend, die an eine Mischung aus Burganlage und herunter gekommenem Zirkus erinnert. Sie ist empört, was sonst…
Ein paar ganz wenige Hinweise deuten darauf hin, dass die Geschichte aus der damaligen Perspektive in der Zukunft spielt: Das Auto ist mir einem Navi ausgestattet – so lese ich das zumindest, oder einem Bordcomputer. Der gehörte eher nicht zu einem Ost-Auto der 80er Jahre…
Außerdem ist die überarbeitete und gestresste Dame ja eine alte Bekannte, die aber leider ihre Herkunft und ihr altes Wesen vergessen hatte: Leontine, das Löwenmädchen. In einem teilweise schmerzhaften Prozesse erkennt sie ihr Versäumnis und kehrt zu ihrem früheren Ich zurück. Realisiert wird dies durch Erzählungen aus dem Leben des Elbenkönigs, der als berühmter Sänger aus der Stadt an der Elbe bekannt ist: Klinger, der Drächin Donna, Dodo usw. Die alten tolkinesken, elbischen Bekannten aus den „Märchen…“ treffen wir hier wieder.
Leontine ist in der Rahmenerzählung als ein paar Jahrzehnte älter als noch in den „Märchen…“, die ja in den 80ern spielten – das ist dann also die Zukunft…
Insgesamt handelt es sich um urbane Fantasy, um doch sehr märchenhafte Erzählungen, die sich weder inhaltlich, noch erzählerisch von denen im Kinderbuch „Märchen von den Hügeln“ unterscheiden.
Ich habe mich gern in diese Phantasiewelt aus Träumen, dem Traumland des alten Turms, der Raritäten-, Antiquitäten- und Vinylplattenladens, der geheimen Gartens hinter verborgenen Türen verloren. Alle möglichen Sehnsüchte scheinen mir hier zu Prosa geronnen zu sein. Wahrscheinlich finde ich das jetzt sogar besser als damals.
8 / 10 Punkte


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Hofmanns Sommerlektüre 2017

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 11 August 2017 · 753 Aufrufe
Waldtraut Lewin, Brian Deatt und 1 weitere...
31 – Waldtraut Lewin & Miriam Margraf: „Märchen von den Hügeln“
Das Wiederlesen war nötig, und es war schön. Interessanter Weise habe ich eine Entdeckung gemacht (über etwas, was ich entweder zuvor nicht wahrgenommen hatte, oder es inzwischen wieder vergessen habe). bezüglicher einer handelnden Person (ist für die Kenner ja möglicher Weise ein alter Hut, aber ich hatte mich sehr erfreut über diese meine kleine „Entdeckung“).
Mehr als es mir in Erinnerung blieb, haben die beiden Autorinnen (Mutter & Tochter) ganz bewusst und direkt Bezug auf Tolkien genommen. Dass sie es taten, wusste ich ja noch, aber so viel und überdeutlich, war mir entfallen. DAS war sicher ungewöhnlich für DDR-Verhältnisse. Aber als das Buch 1985 in der DDR erschien, gab es dort bereits eine Ausgabe des „Kleinen Hobbit“, seit 1971 immerhin.
Nun, ich durfte die Tromba wieder einmal erschallen hören, erleben, wie aus dem Löwenfindelkind die lebenslustige Leontine wird, wie sich Halbelben und Zwerge doch noch irgendwie zusammen raufen und wie im Elb-Tal langsam der Sommer vergeht.
10 / 10 Punkte (etwas mehr – und auch über meine „Entdeckung“ in einem kommenden NEUEN STERN)

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32 - Brian Deatt: „Mind Watch“
Der Kurzfilmmacher und Fotostory-Erzähler mit dem sprechenden Pseudonym verdingt sich nun auch als Schriftsteller. Neben Stories aus seiner Feder gibt es einen Roman, der in der Tradition der großen Antiutopien steht. Neben dem glasklaren Warnhinweisen auf eine Verschärfung der gesellschaftlichen Spaltung und gleichzeitiger totalen Kontrolle und Manipulation bekommt der Leser knallharten Stoff um die Ohren geknallt. Pulp Fiction trifft 1984. Für meine Begriffe hätte es etwas ausführlicher sein können, manche Aussagen schienen dem Autor zu wichtig zu sein, um von ihnen durch erzählerische Staffage abzulenken.
Ach so: Man kann sich am 28. September 2017 in Leipzig dann selber ein Bild vom Autor, seinem Buch und dem dazugehörigen Kurzfilm machen. Weitere Infos folgen…
8 / 10 Punkte

33 - Ričardas Gavelis: „Friedenstaube“
Eine großartige Entdeckung für mich! Dabei ist das DER neue Autor aus Litauen. So richtig mit internationalem Renommee, aber leider schon tot, ist nur 52 Jahre alt geworden. Sein Hauptwerk gibt es auf Deutsch nicht. Dafür diesen kleinen Storyband. Stelle ihn im NEUEN STERN vor. Hier sei er nur wärmstens empfohlen. Es handelt sich um Phantastik; die stilistische, erzähltechnische Nähe zu Kafka wird bei ihm oft bemüht. Passt auch. Es sind Stories, die in der litauischen Umbruchzeit, nach Zerfall der SU, Aspekte des Lebens und Un-Lebens in Vilnius phantastisch, unwirklich, gespenstisch gar, umschreiben und auf den Punkt bringen. Na ja, ich war sehr angetan.
10 / 10 Punkte

34 - Tom Hillenbrand: „Drohnenland“
Hörbuch, gelesen von Uve Teschner.
Klassebuch! Keine Frage. Ob es den Laßwitz-Preis verdient hat (2015)? Na ja, meinetwegen. Ich fand das Buch nun auch sehr gut.
Es ist eine Art Near Future Politkrimi. Damit ist schon viel gesagt. Vielleicht noch, dass es eine sehr glaubwürdiges, nachvollziehbares, weil heute andeutungsweise schon existentes Background schildert. Ich fand die Beschreibung des Cyberspace hier sehr gelungen, nachvollziehbar, glaubwürdig, realistisch.
Ein Punkt erscheint mir diskussionswürdig, nämlich dann, wenn der Autor seine Figuren über die Möglichkeit und Unmöglichkeit von KI sprechen und nachdenken lässt. Da versagt ein wenig die ansonsten sehr ausgeprägte und fundierte prophetische Gabe des Autoren meiner Meinung nach.
Die kriminalistische Ermittlungsarbeit im realen und virtuellen Raum ist spannend, am Ende vielleicht nicht sooo überraschend. Aber gut.
Was die politische Entwicklung Europas und der Welt, die hier ziemlich konkret und ausführlich dargestellt wird, anbelangt, erscheint sie mir – leider – auch realistisch.
8 / 10 Punkte

35 – Marianne Sydow: „Affäre Interstar“
Dieser Zufallsflohmarktkauf entpuppte sich für mich als echter Glückstreffer! Das Heft hatte ich bereits vor Jahren mal erworben. Warum? Vielleicht, weil mir das Titelbild so gefiel? Eine Riesenkrabbe und ein grüner, muskelbepackter Humanoid kämpfen miteinander. Dazwischen ein Mann und davor ein Hinweisschild? Ähm, ja? – Was ich erst nicht wusste: Das Bild passt zum Inhalt.
Ich kannte bis dato nix von der Autorin, und war sehr positiv von ihrer Schreibe überrascht: Pointiert, kurzweilig, mit überraschenden Wendungen, liebenswerten Charakteren. Der 1. Eindruck stimmt.
Es beginnt fast wie im Film „Nachts im Museum“. Ein Detektiv wird inkognito als Nachtwächter angeheuert, da in einem Museum für außerirdische Artefakte seltsame Dinge in der Nacht abgehen. Die bisherigen Nachtwächter haben aufgegeben und sitzen meist in der Irrenanstalt.
Es entwickelt sich ein SF-Krimi-Plot, mit einer überschaubaren Anzahl von Verdächtigen und Mitwirkenden. Es bleibt im Grund bis zum Schluss spannend, auch wenn das Versprechen, man hat es ja schließlich mit einem außerirdischen Artefakt zu tun, irgendwie nicht eingehalten wird. Die Motivlage ist dann ziemlich „irdisch“, „menschlich“.
Ich fand diese 60seitige Novelle sehr gelungen und halte mal Ausschau nach weitern Romanen von Frau Sydow
9 / 10 Punkte

36 – Klaus Mann: „Treffpunkt im Unendlichen“
Nach seinem sehr speziellen Alexander-Roman, der im Untertitel etwas Utopisches verspricht, was ich so nicht eingehalten vorfand, nun also ein Buch mit einem Titel, der irgendwie auch einen SF-Fan ansprechen könnte. Aber das habe ich nicht wirklich erwartet, den SF-Bezug.
Es geht um junge Leute aus der oberen Mittelschicht, schon besser gestellte Leute, High Society im Deutschland zwischen 1929 und 1933. Der Roman hat viel Autobiografisches und Biografisches über die Bekannten und Freunde Manns, ohne eine Biografie sein zu wollen. Der Autor schöpfte lediglich aus seinem eigenen Erfahrungsschatz.
Die Bohème, Künstlerszene und Müßiggänger, die so eher in den Tag hineinleben, es sich gut gehen lassen, es aber nicht können, weil sie sich auch gern mal in ihren Liebelein und persönlichen Feindschaften gegenseitig aufreiben, sind auch nicht wirklich glücklich. Aber die Weltwirtschaftskrise, und auch die politischen Verwerfungen, erscheinen durch ihre Augen irgendwie wie ein Kunstwerk, wie eine Theaterinszenierung. Sie wollen nicht wirklich was, sie bringen nicht, tingeln durch die Welt (Paris, Nizza), telefonieren am liebsten, nehmen Drogen (ziemlich viel und ausführlich) und schwätzen herum.
Das ist kein Roman, der einen richtigen Plot hat, es entsteht keine Spannung oder so, es zeigt aber ein seltsames Lebensgefühlt sich wohl auch selbst als nutzlos erachtender Tunichtgute. Bin ich da zu streng mit der Bande?
Über lange Strecken fand ich das Ganze sehr interessant, auch wie sie so unbedarft mit den politischen Extremen ihrer Zeit (Faschismus, Kommunismus) umgehen, das alles wie ein Spiel betrachten, auch selber da mitspielen. – Da fällt mir ein Zitat aus einer anderen Geschichte zu ein: „Denn sie wissen nicht…“, na ja, kennt man ja.
Am Ende fand ich es etwas dürftig, auch wenn Klaus Mann seine verlorene Generation deutlich scheitern lässt – Selbstmorde…
7/ 10 Punkte


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Manifest Destiny, Bd.4

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 06 August 2017 · 573 Aufrufe
Manifest Destiny
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Nr. 8 auf meiner Comicleseliste
Dingess, Roberts, Gieni: „Manifest Destiny. Bd.4: Sasquatch“

Hier habe ich noch meine Überraschung ob der Wendung im vorherigen Band zum Ausdruck gebracht, und nun muss ich schreiben, dass es noch viel beeindruckender wird!
Die Wendung in Band 3 war nicht nur eine des Plots, sondern auch der Aussage. Wenn die Serie bis dahin bei mir den Eindruck einer eher harmlosen Abenteuergeschichte gemacht hatte, in der es auch mal splattert und in der gekonnt historische mit phantastischen Elementen verwoben werden, so bekam sie nun eine sozusagen anklagende Note.
Im 4. Band gehen die Autoren wiederum einen neuen Weg, der mich echt überraschte und beeindruckte! Dabei hatte ich beim Lesen und Betrachten die Finesse als solche anfänglich noch nicht mal erkannt. Mir fiel erst nur auf, dass die Story nicht linear erzählt wird, sondern mit Rückblenden und Vorgriffen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit…
Zudem kommt ein mysteriöser, metaphysischer Aspekt hinzu – der bei nüchterner Betrachtung auch einfach ein Ausdruck psychischer Überlastung eines Protagonisten sein kann.
Na, will nichts weiter verraten. Vielleicht noch, dass diesmal die Begegnung mit einer besonderen Form des Bigfoot im Mittelpunkt steht; der Untertitel des Bandes weist ja bereits darauf hin.
Was auch anders als in den anderen Bänden ist: Es geht gleich zu Beginn „zur Sache“, die fast schon schockierensten Elemente, die vor allem die Menschen in den Plot einbringen, werden den Lesern gleich zu Beginn übergeholfen. Puh, harter Tobak!
Noch mal 9 / 10 Punkte






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Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Neueste Kommentare

Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
■ A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
■ Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

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