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Thomas Hofmanns Phantastische Ansichten



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2020 - die Leselisten-Abrechnung

Geschrieben von T.H. , in Statistik, Leseliste ab 2013 29 December 2020 · 229 Aufrufe

Das wars also mit 2020. Zumindest auf meiner Lektüreliste sah das Jahr sehr gut aus. Bei den rund 60 von mir gelesenen Büchern gab es im Grunde keine Ausfälle; na gut, eines davon fand ich wirklich ziemlich mies (Der hat auch noch 6 Punkte bekommen, aber so im Nachhinein weiß ich echt nicht mehr, warum ich da so gnädig war…)
Was war denn so drauf auf dem Plan? Na ja, meine Klassiker habe ich weitergelesen, also etwas Blish, einige Bücher von Moorcock, noch ein bisschen Priest, neuerdings Huxley. Das will ich auch im nächsten Jahr weiterverfolgen, da liegt noch was auf dem SUB.
An für mich neuen Autoren kamen Warren Ellis, Sebastian Guhr und Mark Fisher dazu; Kandidaten, von denen ich wohl einfach alles lesen muss. Die drei haben mich auf sehr unterschiedliche Art und Weise beeindruckt, beackern sie auch völlig verschiedene Felder. Zwei davon sind nicht mal originär „Phantasten“, wenn auch absolut phantastische Autoren!
Im Sommer gab es so zwei spezielle Wissensgebiete, die mich gefangen nahmen. Das eine hing mit einer kleinen Textarbeit für einen Verlag zusammen, der den „Frankenstein“ von Mary Shelley neu herausbrachte. Bei meiner Recherche stieß ich auf allerlei Schriftwerke um das Monster und ihre Schöpferin herum. Dass dabei auch eine ganze Reihe Artikelchen entstanden, kann ich bisher nur behaupten; denn bisher war kein Platz im NEUEN STERN und ein Teil davon wird auch gleich ins Sonderformat STERNENSPLITTER ausgelagert. Das 2. Heft wird dann hoffentlich 2021 fertig.
Meine Skala hat 10 Punkte, wobei ich den Rahmen auch gern sprengen lasse – mit 11 Punkten.

Meine Highlights mit 11 Punkten waren:
Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“
Sebastian Guhr: „Die Verbesserung unserer Träume“

Sehr gut gefallen haben mir und mit 10 Punkten bedacht habe ich:
J.L. Borges: „Die Bibliothek von Babel“
Warren Ellis: „Gott schütze Amerika“
Warren Ellis: „Gun Machine“
Charlotte Freise: „Die Seelenfotografin“
Mark Fisher: „Das Seltsame und das Gespenstische“
Sebastian Guhr: „Die langen Arme“
Aldous Huxley: „Das Genie und die Göttin“
Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“
Tim Powers: „Die kalte Braut“
Angela & Karlheinz Steinmüller: „Pulaster“
H.G. Wells: „Die Insel des Dr. Moreau“

Noch sehr gute 9 Punkte haben:
James Blish: „Irgendwann“
Ralph C. Doerge: „Yume. Träumen in Tokio“
Ina Elbracht: „Der Todesengel“
Mark Fisher: „Gespenster meines Lebens“
Sebastian Guhr: „Im Boxring meines Kopfes hau ich jeden um“
Marcus Hammerschmitt: „Der Zensor“
Frank Herbert: „Dune – der Wüstenplanet“
Tom Hillenbrand: „Hologrammatica“
Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“
Aldous Huxley: „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“
Reinhard Kaiser: „Der kalte Sommer des Doktor Polidori“
Michael Moorcock: „Eiszeit 4000“
Michael Moorcock: „Die goldene Barke“
Michael Moorcock: „Der Stahlzar“
Alan Moore, Dave Gibbon: „Watchmen“
Sam Moskowitz (Hg.): „Die Gesichter der Zukunft“
Walter Tevis: „Die Letzten der Menschheit“

Auch gut gefielen mir (8 Punkte):
James Blish: „Auch sie sind Menschen…“
James Blish: „Triumpf der Zeit“
Aldous Huxley: „Affe und Wesen“
Monika Maron: „Stille Zeile Sechs“
Michael Moorcock: „Der Herr der Lüfte“
Michael Moorcock: „Der Landleviathan“
Michael Moorcock: „Die Zeitmenagerie“
Ellen Norten (Hrsg.): „Das Alien tanzt Polka“
Christopher Priest: „Die Stadt“
Christopher Priest: „Der Traum von Wessex“
Karla Schmidt: „Lügenvögel“
Marianne Sydow: 4 x Terra Astra
David Foster Wallace: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“

Was ich nicht übel, aber auch gar nicht überragend fand und 7 Punkte erhielt:
Federico Andahazi: „Lord Byrons Schatten“
Armen Avanessian (Hg.): #Akzeleration
John Clagett: „Das perverse Paradies“
Sebastian Guhr: „Philpots Reise“
Tom Holland: „Der Vampir“
Michael Moorcock: „Rituale der Unendlichkeit“
Anna von Münchhausen: „Der Lügenbaron. Mein phantastischer Vorfahr und ich“
Max Franz Johann Schnetker: „Transhumanistische Mythologie“
Adrian Tchaikovsky: „Die Kinder der Zeit“
Yehuda Shenef und Karel Čapek: „Karel Capeks R.U.R. – Rossum Universal Robots“

6 Punkte bekamen, weil sie mich nicht mehr so richtig überzeugt haben:
Guy Adams: „Sherlock Holmes. Die Armee des Dr. Moreau“
Sebastian Guhr: „Die Selbstlosen“
Frank Herbert: „Der Herr des Wüstenplaneten“
Manuela Lenzen: „Künstliche Intelligenz. Was sie kann & was uns erwartet“

Bei folgenden Büchern vergebe ich einfach keine Punkte, kann verschieden Gründe haben, die ich in den Einträgen der Leseliste auch angesprochen habe. Ich lass das mal so stehen:
Stephen Hawking & Leonard Mlodinow: „Der große Entwurf“
Eugene Thacker: „Im Staub dieses Planeten. Horror der Philosophie“
Mario Vargas Llosa: „Der Traum des Kelten“ (beim 1. Mal gab es sogar 12 von 10 Punkten)


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Hofmanns Leseliste - Der Rest des Jahres 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 25 December 2020 · 348 Aufrufe
Marianne Sydow, Steinmüller und 1 weitere...
Hofmanns Leseliste - Der Rest des Jahres 2020 Angela & Karlheinz Steinmüller: „Pulaster“
Der Roman wird demnächst bei Memoranda erscheinen. Wenn ich richtig zähle, ist das die vierte Publikation des Romans. Ist das sinnvoll? Ja, denn jetzt erscheint der Roman in der Werkreihe bei Memoranda.
Da das Buch wieder eine Vignette von mir zieren soll, habe ich ihn jetzt noch einmal gelesen. Erstmals tat ich das Ende der 80er, vielleicht sogar Anfang der 90er Jahre. Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall ist leider nicht sehr viel bei mir hängen geblieben. Das lag daran, dass er mich damals nicht so erreichte. Sicher hängt da auch mit der Umwälzungszeit damals zusammen; das gilt für fast alle Bücher, die ich damals las. Für mich waren da wichtiger: Studium, Beginn des Lehrerdaseins, Armee-Zeit, Wendezeit natürlich, Arbeitslosigkeit. Kein Nerv für gute Lektüre!
Jetzt las ich die Shayol-Variante. Und bin schlichtweg begeistert! Na, vielleicht musste das Buch reifen – oder ich? Auf jeden Fall ist es aus meiner Sicht ganz großartig gealtert.
Ich habe befürchtet, hier noch mal – unterschwellig, oder sogar vordergründig – eine Auseinandersetzung mit dem realexistierenden Sozialismus im SF-Gewand zu lesen. Ob mir das jetzt noch was geben würde? Doch selbst, wenn davon etwas enthalten ist, so „störte“ es mich jetzt keineswegs.
In der kleinen terranischen Kolonie auf Pulaster herrscht das strenge, hierarchische Regime der Flotte. So ein administratives System ist für so ein Unternehmen eigentlich normal, denke ich. Da man sich hier gegen eine überwältigende Natur behaupten muss, kann man sich eher nicht in Freiheit und / oder kommunistischen Verteilungsverhältnissen ausleben.
Interessant ist aber in dem Zusammenhang die zeitliche Dimension, in der „Entscheidungen“ durch die Flottenleitung gefällt werden. Da Flüge mit halber Lichtgeschwindigkeit bei den Entfernungen immer noch Jahrhunderte dauern, kann man sich kaum vorstellen, wie so eine Organisation vernünftig geleitet werden soll. Das wird im Roman auch thematisiert. Der Hintergrund dieser seltsamen Gesellschaft, in der Menschen aus verschiedenen Epochen auf diesem besonderen Planeten zusammentreffen und zusammenleben sollen, ist schon mal absolut faszinierend.
Im Mittelpunkt stehen aber die vernunftbegabten Saurer auf Pulaster, die Hreng. Und ein Mensch, ein Raumfahrer, der quasi auf Pulaster gestrandet ist. Er kann dort aus Gründen nicht mehr weg. Das nimmt ihn erst mal gar nicht für seine neue Heimat ein. Aber das wird. Und dieses Werden und seine Freundschaft zu einem Hreng, das in Bedrängnis gerät, dazu diese Dschungel-Welt mit dem Dauerregen, all das beschreiben die Autoren so überaus faszinierend.
Sie haben sehr viel Hintergrund geschaffen, die Welt, die Hreng, ihre Kultur, ihre Biologie (eingeschlechtlich), ihre Gesellschaft, die auf Fortschrittsverzicht basiert. Diese Kultur der Hreng, die irgendwann in ihrer langen Geschichte darauf verzichteten, sich aus ihren steinzeitlichen, urtümlichen Verhältnissen fortzuentwickeln, also z.B. auf Feuernutzung und Metallverarbeitung zu verzichten, damit aber im Einklang mit der üppigen Natur leben zu können, erscheint heute ja aktueller denn je.
Da es sich um Hard SF handelt, dürfen auch Physik und Kosmologie nicht zu kurz kommen. Es wird nach Dunkler Energie geforscht. Die „Zahl“ spielt eine große Rolle, also so eine Art Theorie von allem (…lautet die „Zahl“ nicht 42?). Und eine mysteriöse Hyper-Zivilisation, deren Spuren man nachjagt, aber deren man nicht habhaft wird, wabert so im kosmischen Hintergrund. Die „Außenzeitler“ sind sicher sowas wie die Wanderer bei den Gebrüder Strugazki, nehme ich mal an.
All das spielt eine große Rolle und dennoch bleiben sie bei ihren Figuren; die stehen im Mittelpunkt.
Einfach ein großartiger Planetenroman, der nach so viel mehr schmeckt. Na, ihr merkt, ich bin begeistert und möchte ihn daher einfach mal wärmstens empfehlen.; vielleicht ja ein bisschen warten, in 2021 erschient die Neuausgabe.
10 / 10 Punkte

Marianne Sydow: 4 x Terra Astra
Von der Autorin gibt es, soweit mit bekannt, keine „richtigen“ Bücher. Sie schrieb Heft-Romane. Für mich gut: Sie schrieb auch außerhalb von Serien eigenständige Romane. Vier davon las ich nun am Stück. Für meine Leselisten-Abrechnung nehme ich die 4 Hefte mal als 1 Buch. Im Einzelnen waren das also folgende TERRA ASTRA-Hefte:

#220: „Affäre Interstar“
2017 hatte ich das Heft schon mal gelesen und war recht angetan. Ist ja „nur“ ein Heftroman. Aber das gilt hier nicht, denn es ist kein Serien-Teilchen und auch keine eingekürzte Übersetzung, sondern halt eine eigenständige Geschichte. Ob es wirklich ein „Roman“ ist, sei dahingestellt. 2017 habe ich einfach Novelle dazu gesagt. (alter Blogeintrag) Ich nehme also daher jetzt der Einfachheit halber an, dass diese Texte auch für den Umfang konzipiert waren, da extra so geschrieben; also nicht im Nachhinein eingekürzt. Bei Übersetzungen muss man ja davon ausgehen, nur das halbe Buch (oder so) zu lesen…
Damals versprach ich (mir in erster Linie), mehr von ihr zu lesen. Nun endlich also…
Aber zunächst noch mal dieses Heft. Es ist ein SF-Krimi, bei dem es um nicht mehr, nicht weniger als die Rettung der Menschheit vor dem Zugriff eines bösen Usurpators geht. Zumindest andeutungsweise.
In einem „Nachts im Museum“-Opening scheint es in einem Museum für außerirdische Artefakte und Naturkunde zu spuken. Die Nachtwächter nehmen jedenfalls seit geraumer Zeit regelmäßig Reißaus. Übrigens stimmt hier das Titelbild sogar: Ein hilfloser Mann inmitten von Monstren.
Der Fall soll von einem Privatdetektiv gelöst werden. Hinter der Affäre steht natürlich ein großes Ding. Es geht um eine Kristall-Mosaik-Wand, außerirdischer Herkunft. Die kann mehr als nur schön sein, wie wir erfahren. Ein skrupelloser Konzernboss wittert das große Geschäft mit einer Art Psycho-Waffe.
In erster Linie ist es ein rasanter Krimi. Die Figuren haben ihre Funktionen und herausgearbeitete Allianzen und Positionen zueinander werden im Laufe der Handlung in Frage gestellt und neu sortiert.
Nebenbei aber wird auch so eine für mich faszinierende Welt der Zukunft entworfen, in der mit wenigen Pinselstrichen, oder Worten, die Ausbreitung der Menschen in der Galaxis gezeichnet, in der sie viele fremde Welten mit interessanten Naturphänomenen, Tieren und sogar vernunftbegabten Wesen gefunden hat. Aber „wir“ sind keiner hochstehenden Zivilisation begegnet, nur den Hinterlassenschaften einer solchen. Wohin sie entschwand, weiß niemand. Vielleicht haben wir es nun mit ihnen zu tun? Oder ist das doch nur… Die Antwort auf diese Fragen bekommen wir hier auf den 60 Seiten auch. Mir hat der Roman wiederum großen Spaß gemacht; ich bleibe bei den 2017 vergebenen 9 /10 Punkten.

#328: „Planet der Verrückten“
Der Roman trägt auf dem Cover die Bezeichnung „Eine SF-Humoreske“. Das Cover passt auch wieder sehr gut zum Inhalt. Auf der Homepage von M. Sydow, der Villa Galactica, kann man die vollständige Version dieses Romans erwerben. Zumindest in diesem Fall ist das Heft die gekürzte Version des Romans. Allerdings erfolgte die Kürzung wohl nicht aus Platzgründen, sondern wegen inhaltlicher Fragen. Es gibt da wohl vor allem sexuelle Anspielungen, die im Terra Astra Heft dann nicht enthalten sind. Da ich den Roman als Heft las, kann ich mir sie zumindest vorstellen. Ob das aber wichtig für den Roman ist, weiß ich nicht, glaube ich aber auch nicht.
Also, da gibt es den Planten Harako. Auf dem leben ziemlich unkaputtbare, kleine, amorphe Aliens in paradiesischen, also vorzivilisatorischen Zuständen. Aber sie lernen schnell von den Menschen, leider scheinbar den ganzen Unsinn, wie Krieg und so was. Da sie aber mit vielen „Konzepten“ der menschlichen Natur und Zivilisation nichts anfangen können (Liebe, Scham, Tod), weil sie eben ganz anders sind, ahmen und spielen sie nur nach und das halt recht unsinnig und kurios.
Jedenfalls gibt es wohl seine Art galaktischen Rat der Zivilisation, die diese Entwicklung mit Sorge beobachtet.
Dazu kommt dann noch, dass ein Psychotherapeut, der einen recht miesen Ruf hat, dort helfen soll – und noch mehr verdirbt.
Das ist halt so ein typischer Roman über die Missverständnisse unterschiedlicher Kulturen, die wir auf der Erde oft genug erlebt haben und die hier ins Kosmische projiziert werden.
Ob das nun so lustig ist? Es gibt vor allem in der ersten Hälfte viel Schenkelklopferhumor aus meiner Sicht, also durchaus kuriose Situationen und die dazu passende Hilflosigkeit der Menschen. In der zweiten Hälfte wird für meine Begriffe der Ton ernster. Die Probleme treten mehr zutage. Es werden von der Autorin auch viel mehr Spitzen losgetreten gegen so eine überzogene Frohsinn- und Gesundheitspropaganda, die in Form des besagten Psychotherapeuten auf dem Planeten eintrifft und den alle unangenehm finden. Mit seinem selbstgemachten und natürlich grässlich schmeckenden Tee bringt er sogar ein echtes Problem mit auf den Planeten.
Der Roman ist dann halt so ein Plädoyer für die „erste Direktive“; man kennt das ja. Hübscher Roman, wieder mit etwas detektivischer Ermittlungsarbeit, ohne aber ein Krimi zu sein. Sowas scheint der Autorin aber zu liegen. Für mich waren das aber „nur“ 7 / 10 Punkte

#300 „Angriff aus dem Jenseits“
Der Titel? Nun, hier kann man sich eigentlich nicht damit herausreden, dass es eine unpassende Übersetzung wäre. Der Titel erscheint trotzdem etwas unpassend. Aber am Ende vielleicht doch nicht…
Die ca. 60 Heftromanseiten haben es in sich. Hätte ich eingangs gar nicht gedacht. Das Titelbild wirkt ja etwas lahm – ein futuristischer Produktionsroman? Dabei ist es gar nicht mal fehl am Platze.
Also, Terraner sind dabei, einen Wüstenplaneten am Rande ihrer Einfluss-Sphäre zu erkunden und zu erschließen. Der Planet ist unbewohnt. Es gibt nur wenig Wasser und wenig Flora. Ansonsten haben wir hier viel Sand. Scame liegt aber am Rande des Imperiums der erbitterten Feinde der Menschen, der Goghleens. Damit besitzt der Planet vielleicht eine gewisse strategische Bedeutung.
Zunächst aber kommt ein Raumschiff an, das einen Inspektor mitbringt, der das Team der Planetenbesiedler prüfen soll. Der Typ ist ein Ekel, der sogleich einen Verbündeten, einen karrieregeilen Offizier, unter der Crew auf Scame findet. Die Beiden machen sich erst mal sehr unbeliebt und räumen mit scheinbaren Saboteuren auf. Das alles ist sehr unschön und endet mit dem Tod der beiden Querulanten. Nun scheint der Roman ein SF-Krimi zu werden.
Das turnte mich ab, muss ich zugeben. Scheinbar hat die Autorin ein Faible für SF-Krimis gehabt. Aber ich hatte erst mal keine Lust mehr drauf. Aber Pustekuchen. Ehe es für mich langweilig zu werden drohte, begegnen die Menschen doch noch Eingeborenen: Beschrieben werden sie von der Autorin sehr anschaulich. Mich hat es dazu bewogen, so einen Scame-Alien zu zeichnen.
Die erste Begegnung verläuft leider feindselig. Ein Mensch wird spurlos entführt.
Danach ereignen sich noch andere mysteriöse Dinge, die die Terraner zu der Erkenntnis kommen lässt, dass sie es hier nicht mit primitiven Steinzeit-Leuten zu tun haben. Deren „Waffe“ sind wohl Psi-Kräfte. Und wenn ein entführter Mensch zurückkehrt, ist der wahnsinnig und aggressiv, für das normale Leben verloren.
In der Situation kann nur noch eine „psionische Null“ helfen – ein Mensch, der völlig unempfänglich für Psi-Kräfte ist und nicht beeinflusst werden kann.
Man kommt den Fremden auf die Schliche, wo sie überhaupt leben (das mit dem „Jenseits“ im Titel kann damit zumindest ansatzweise erklärt werden) auch was die Erzfeinde damit zu tun haben.
Hinter allem steckt eine total psychedelische Friedens-Utopie, die halt von den latent aggressiven Terranern und erst recht von den stark aggressiven Goghleens nicht verstanden werden kann. Ein Kontakt ist hier im Grunde nicht möglich, Scame wird zur Tabuzone.
Nachdem ich nach dem ersten Drittel fast mit dem Roman innerlich abgeschlossen hatte, entpuppte er sich noch als spannendes und utopisches Abenteuer, mit viel action, aber auch tollen Ideen.
9 / 10 Punkte

#309 „Weg durch das Nichts“
Der Roman konnte mich nicht so hundertprozentig überzeugen. Er war mir diesmal doch zu konstruiert.
Ein Detektiv wird von einem Industrieboss angeheuert, um einen Planten zu finden, den es sich auszubeuten lohnt. Also, so richtig klar ist es mir im Nachhinein nicht, was er da soll, ich interpretiere das mal so.
Nun hat dieser Industriemagnat einen adoptierten Sohn, den nimmt aus selbst für ihn unerfindlichen Gründen der Detektiv mit auf seiner Reise mit. Der Planet, den sie ansteuern, ist der, wo der Adoptivsohn herkommt. Zufall? Kaum zu glauben…
Auf dieser Welt leben Ureinwohner, die sich aber sehr komisch benehmen. Komisch vor allem aus der Sicht einer profitorientierten Gesellschaft, wie sie die Terraner immer noch haben. Sie arbeiten nämlich nicht, sondern „dienen“, wobei sie „dienen“ als freiwillige Tätigkeit ansehen. Allein der Gedanke, für ihr Tun Geld zu erhalten, macht sie wütend oder bringt sie an den Rand des Wahnsinns.
Okay, das haben sie sich nicht ganz allein so ausgedacht, sondern sie sind in einer sehr manipulativen Religion unterwegs. Und deren Gründer hat mit dem Adoptivsohn zu tun. Also, ich erzähle das mal nicht genau nach. Der Plot ist sehr an den Haaren herbeigezogen. Es gibt auch noch zahlreiche Wendungen, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die Opfer werden zu Tätern, oder / und umgekehrt. Und der Titel des Romans erklärt sich auch noch – nur so richtig interessiert hat es mich am Ende nicht.
Hier nur 7 / 10 Punkten (Spannend war das alles schon, auch gut erzählt)
2 x 7 und 2 x 9 von 10 Punkten = macht also im Durchschnitte 8 / 10 Punkte für das Gesamtpaket.


Sam Moskowitz (Hg.): „Die Gesichter der Zukunft“ (Terra TB 220)

L. Ron Hubbard: Die negative Dimension
Wegen dieser Geschichte habe ich das Büchlein bestellt. Ja, ich wollte einfach mal den SF-Autor Hubbard kennen lernen, nachdem man (ich) so viel über ihn als Stifter seiner Religion / Kirche / Sekte erfahren habe. Kritiker meinen, so las ich, dass seine Stories nicht so pralle wären. Aber eine eigene Notiz triggerte mich seit langer Zeit. Ich hatte sie mir so um 1987 notiert. Ein Zitat aus dem Büchlein aus der nl-Konkret-Reihe (DDR 1983) „Falsche Propheten“ von Günter Koch, in dem er Hubbard mit einer Stelle aus einem seiner SF- oder Horrorbücher zitiert. Leider entspricht mein Zitat keinem wissenschaftlichem Anspruch, so kann ich da kaum genauere Angaben machen. Es geht um eine Story, in der das Ungeheuer Zongri einen Professor mit einem Schwert auf einen Schlag zweiteilt. Das war so ein Beispiel für die Abscheulichkeiten Hubbardscher Phantasie, wie sie der nl-konkret-Autor bei Hubbard ausmachte. Na ja, das schreckte mich eher nicht ab; seit ich das dort las, war ich neugierig. An diese Neugierde erinnerte ich mich immer mal wieder.
Heute ist es ja recht einfach solche Sachen zu recherchieren. Auf jeden Fall „muss“ ich jetzt endlich mal Hubbard lesen!
Die Schlachtfeld-Erde-Romane wollte ich nicht lesen, sondern das, was er im Golden Age schrieb, also „davor“. Diese kleine Story hier kam mir als Einstieg gerade recht.
Und? Nun ja, ist tatsächlich nicht so der große Wurf. Aber auch nicht übel.
Ein Wissenschaftler entwickelt eine Formel, mit der er durch den bloßen Gedanken an einen Ort wechseln kann. Er nutzt dazu eine vierte, die negative Dimension. Leider klingt da nur auf den ersten Blick großartig. Wie gesagt, allein der Gedanke reicht. Man denke an den Mond und schwups.
Neben dieser „physikalischen“ Idee ist es der angedeutete Kompetenzstreit zwischen Akademikern, der hier eine Rolle spielt. Der eher unterwürfige Entdecker muss sich erst mal bei seinen Kollegen und Vorgesetzten durchsetzen, um Gehör zu finden.
Wie kommt er aber aus dem Dilemma? Na, er entwickelt noch eine andere Formel. Nun ja…
Interessant ist aber der Gedanke, den Hubbard hier formuliert: Der Körper folgt dem Geist.

A.E Van Vogt: Im Dschungel von Mira II
Kurioser Weise geht es auch hier um Kompetenzen – zwischen einem ehemaligen Raumfahrer, der inzwischen ein am Schreibtisch agierender Funktionär geworden ist und einem harten, aktiven Raumfahrer. Raumfahrer scheinen in dieser Zukunft die Outlaws mit amtlicher Genehmigung zu sein, sowas wie die englischen Piraten zu Zeiten von König Elisabeth II. Auf jeden Fall wird der Kompetenzstreit hier nicht nur mit Worten ausgetragen.
Es geht um die Entscheidung, wie der Saft einer Lebensform auf Mira II, der „Brut der Lymphbestien“, gewonnen werden kann. Das Zeug ist sehr wichtig, es bekämpft Krebs beim Menschen und ist gleichzeitig eine biologische Waffe gegen die kosmischen Feinde der Menschen, die unverwüstlichen Yerd. Die können auch die Lichtstrahlung manipulieren und sich dadurch hervorragend tarnen. Ansonsten sind sie richtig üble Typen.
Als man schon denkt, dass der Streit der beiden Männer eskaliert, kommt es ganz anders und endet als Alien-Agenten-Story. Spannend das Ganze und Vogt zeigt sich als Könner beim prägnanten Beschreiben außerirdischer Lebensformen. Das erinnert mich daran, dass ich schon längst mal mit der Space Beagle unterwegs sein wollte (um u.a. auch der Urform des Aliens zu begegnen).

Alfred Bester: Der Joker
Es könnte eine einfache Zeitreise-Abenteuer-Story sein. Aber dann kommt ja der Joker ins Spiel – das ist fast ein Zitat. Bester führt diesen Joker an einer Stelle ein, wo er seinen Lesern versucht zu erklären, wie das mit der Beeinflussung der Zeitebenen funktioniert. Ich gebe zu: Da bin ich ausgestiegen. Vielleicht ist das was für Physiker? Auf jeden Fall für Mathematiker, denn er bemüht so etwas wie Formeln. Einfache zwar, aber es sind Formeln.
Ob die stimmen? Keine Ahnung. Es geht auf jeden Fall darum, dass ein Mann aus der fernen Zukunft (2975) mit seiner Zeitmaschine in eine Vergangenheit reist, die aus Sicht des Autors die nahe Zukunft ist: 1975. Dort muss er irgendetwas erlebt haben, was genau, erfahren wir gar nicht. Nur die letzten Minuten, in denen er sich mit seiner dort gefundenen Geliebten gegen den Angriff irgendwelcher Böslinge erwehren muss.
Er kann die Angelegenheit klären, muss aber planmäßig zurück in seine Zeit. Nur leider geht das nicht (und jetzt käme das mit den Formeln). Er landet in einem alternativen Jahr 2975.
Da sieht es finster aus: Er begegnet Typen in Ritterrüstungen und mit Lanzen bewaffnet. Die Lanzen verschießen allerdings nukleare Projektile. (Was dazu ein Physiker sagen würde?)
Er gerät auch dort in ein Gefecht, und danach in Gefangenschaft. Es gibt zwei Gruppen, die einen können lesen, genannt die „Leser“, sie haben die alte Kunst des Lesens bewahrt, aber im Widerstand gegen die herrschende Meinung, dass das Teufelszeug sei.
Es wird viel gekämpft und der Zeitreisende kann natürlich aufgrund überlegenden Wissens einer Seite der Streithähne helfen. Er hilft natürlich den Guten, also den Leuten, die als „Leser“ verschrien sind. Leser sind die neuen Ketzer, die wenigstens noch ein wenig der alten zivilisatorischen Tugenden bewahren konnten.
Am Ende kehrt der Zeitreisende nach 1974 zurück, weil er – wie formelhaft bewiesen wurde – seine richtige Zeit-Realitätsebene nie wieder erreichen kann. Außerdem wartet 1974 ja jemand auf ihn.

Clifford D. Simak: Am Rande der Tiefsee
Eine feine, (fast ganz) runde Story. Auf kurzem Raum werden drei Handlungsebenen aufgemacht und miteinander verknüpft. Mag sein, dass da ein zu großer Zufall beschworen wird, aber in sich ist das alles sehr stimmig.
Ein Reporter erhält die Nachricht, dass ein Supergangster, der einst durch die Ermittlungstätigkeit des Reporters dingfest gemacht werden konnte, aus dem Knast ausgebrochen ist. Das ist für unseren Reporter keine gute Nachricht, denn der Gangster ist sehr nachtragend.
Dann erfahren wir, dass der Reporter schon mal auf der Venus war. Dort gibt es Ureinwohner, die aber in dem für menschliche Verhältnisse unwirtlichen Meer leben und sich daher der Erforschung durch die Menschen entziehen.
Und dann bekommt der Reporter einen vermeintlich einfachen Auftrag, in der Tiefsee (der Erde) herauszubekommen, warum dort immer wieder die Glaskuppeln der Stationen kaputt gehen.
Wie das nun alles zusammenhängt? Das erfahren wir und Simak erzählt das in einer flotten und enthaltsamen Art und Weise. Nebenbei erfahren wir sogar was über Tiefseewesen und den „Haus-Kraken“ eines Tiefsee-Einsiedlers. Simak hat so eine Art, seine Figuren den Lesenden schnell nahe zu bringen; mir erschienen sie schnell sehr vertraut.
Nur das Ende der Story ist seltsam, denn mir erscheint es fast so, als hätte sie gar kein Ende und es müsse noch eine Fortsetzung geben. Meine bisherigen Recherchen ergaben aber dahingehend nix.

L Sprague de Camp: Der Unverbesserliche
Johnny Black ist ein Bär. Einer der lesen kann, und denken, aber nicht sprechen. Er ist das Ergebnis von Forschungen, die nun verboten werden sollen.
Ein anderes Ergebnis derselben gentechnischen Forschungen sind Ziegen, die Bier, statt Milch erzeugen.
Aus diesen beiden amüsanten Ideen strickt de Camp eine hinreichend spannende und unterhaltsame Abenteuerstory. Fast möchte ich schreiben: leider nur eine kleine Abenteuerstory.
Es geht um eine politische Entscheidung, ob besagtes Verbot durchgesetzt werden soll. Um einen Senator dazu zu überreden, dem nicht zuzustimmen, wird Poker gespielt. Na ja, das ist doch hoffentlich auch nur SF, und keine Realität…
Es kommen noch Gangster ins Spiel, die im Auftrag von Brauereien die Verbreitung von Bier-Ziegen unterbinden wollen. Nur der Bär Johnny kann die Situation klären und den Fall retten. Am Ende bekommt er sogar einen Ehrendoktortitel verliehen.
Eine hübsche Story, die ein großes Thema anspielt, aber dann etwas verschenkt, aber sie für mich mit der bezaubernden Figur des Bären Mr. Black rettet.

Henry Kuttner: Blumen von der Venus
Im Grunde sicher eine typische amerikanische SF-Story des Golden Age: Ein Raumschiff stürzt über Neuengland ab und wird von einem durchschnittlichen, etwas unbedarften Mann, einem Farmer, gefunden. Als richtiger US-Amerikaner sieht er erst mal Dollarzeichen vor Augen, als er in dem Raumschiff so etwas wie einen riesigen Diamanten findet. Und Samenkörner. Nimmt er alles mit und verschweigt den Absturz, obwohl da sicher wissenschaftliches und regierungsseitiges Interesse dran bestünde.
Das Raumschiff ist ein irdisches. Er findet Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass das Schiff auf der Venus war und dort Entdeckungen machte.
Auf jeden Fall gehen seine Geheimniskrämerei und Geschäftstüchtigkeit mächtig in die Hosen.
Aus dem Kristall schlüpft ein Monster, was aber nur äußerlich eines ist, eigentlich ist es ein Vertreter der schon ausgestobenen vernunftbegabten Art auf der Venus, der gern Kontakt zu den vernunftbegabten Erdlingen herstellen möchte.
Und aus den Samen entstehen schöne Blumen. Die Story konzentriert sich auf das vermeintliche Monster, aber sie heißt ja nicht „Das Monster von der Venus“. Man kann sich also denken, was am Ende rauskommt.
Eine einfache Story, auch geradlinig und einfach erzählt. Aber durchaus spannend und Partei für das missverständlich und von den dummen Menschen schlecht behandelte „Monster“ ergreifend.

Fazit: Obwohl Hubbard mich lockte, diese alte Antho zu erwerben, um mich dann weder zu schocken, noch zu sehr zu enttäuschen, fand ich unterm Strich diese Reise in die Urzeit der SF sehr erfrischend! Was machen heutige SF-Erzähler anders, oder gar besser? Ich fand die Auswahl richtig gut.
Was mir auffiel: Recht viele Gangster sind damals in der SF unterwegs gewesen. Und die Aliens kommen oftmals noch aus dem eigenen Sonnensystem. (Und ein Mal sind die Aliens die Gangster…)
9 / 10 Punkte


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Gelesen - November 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 03 December 2020 · 559 Aufrufe
Karla Schmidt, Huxley und 1 weitere...
Da ist ja - für meine Verhältnisse- doch ein bisschen zusammen gekommen. Ein paar Klassiker nachgeholt (Huxley) und, wie versprochen, noch etwas von Karla Schmidt gelesen. Hier: Ein Buch, das unter einem Pseudonym erschien, aber kein geheimes... Das Buch hat mir so gut gefallen, habe mir gleich das nächste bestellt. Mehr gibt es aber von der Sorte leider nicht. Schade.

51 – David Foster Wallace: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“
Hörbuch, gelesen von Dietmar Bär
Mal so zwischendurch, weil ich gern als Hörbuch Bücher konsumiere, die ich sonst eher nicht lesen würde. Der Autor wurde ja mit einem Riesenwerk und seinem Selbstmord (auch mir) bekannt. Ansonsten hat er, mir zur Überraschung, eher kurze Texte veröffentlicht. Das hier ist sein Bericht einer Schiffsreise, die er im Auftrag von und bezahlt durch eine Zeitschrift antrat. Nun, er ist kein Fan solcher Form des Urlaubs und Unterhaltung. Kann ich übrigens voll verstehen. Und nach der Lektüre fühle ich mich in meinem Vorurteil bestärkt: sowas ist nix für mich.
Wallace erzählt sehr amüsant, keine Frage. Ist jetzt aber nicht so tiefsinnig, das Ganze. War nett.
8 / 10 Punkte

52 – Aldous Huxley: „Schöne neue Welt“
Ein Klassiker? Ja, ein Klassiker! Und ich habe ihn nicht in der Schule gelesen. (Hat das eigentlich wirklich jemand? Ich frage, weil ich gerade einen Abiturienten erlebte, der kaum noch ganze Bücher im Unterricht lesen musste / durfte…)
Ich las das Buch weil…
… ich jetzt irgendwann sicher mal die neue TV-Serie sehen werde und darauf vorbereitet sein will…
…ich das Buch zwar seit 29 Jahren im Regal stehen habe, aber es selbst nie gelesen hatte, ja, ja…
…mich nach „Genie und Göttin“ Huxley als Autor stark interessiert. Selbiges fand ich ja ziemlich gut, mal sehen, ob das so weiter geht…
Die Reclam-Ausgabe (DDR, 1988) ist seit ca. 29 Jahren in meinem Besitz. Das Buch trägt einen „Ausmusterungsstempel“ einer Bibliothek (aus Hoyerswerda; hab keine Ahnung, wie ich das Buch erworben habe…) von 1991. Damals stürzte ja eine Welt zusammen und eine andere auf mich ein; ich – glaube – ich habe es nicht gelesen damals. Aber das Buch „muss“ man ja haben! Und kennen; aber wie so oft bei Klassikern: Man kennt es einfach zu gut, ohne es gelesen zu haben.
Aus einem nun schon ziemlich tief in mir verwurzelten Misstrauen gegenüber DDR-Ausgaben von „West-Büchern“ dachte ich mir, dass es vielleicht besser wäre, lieber die bundesdeutsche Ausgabe zu lesen. Könnte ja was in der DDR zensiert, gekürzt, verändert sein?
Außerdem wollte ich auch „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“ dazu lesen. Das Buch gibt es separat, ist aber mit dem Roman zusammen billiger zu bekommen als solo. Daher legte ich mir also die Übersetzung von Herbert E. Herlitschka zu. Wie ich inzwischen weiß, ist das die erste deutsche Übersetzung von 1932.
Als ich das Buch dann aufschlug und die Reclam-Ausgabe danebenhielt, überraschte mich schon der erste Absatz, der nämlich die Handlung einmal nach London, ein andermal nach Berlin verlegte!
Inzwischen weiß ich, wie das zustande kam. Und ich las die alte „Berliner Version“.
Ist das Buch nun eine Kritik am Kommunismus? In der kleinen Diskussion auf Facebook, die um meinen Hinweis auf die beiden unterschiedlichen Übersetzungen entstand, kam dieser Aspekt auch zur Sprache. – Nun, vielleicht auch, aber meiner Meinung nach sicher nicht in erster Linie. Ansonsten wäre es auch kaum denkbar, dass das Buch bereits in der DDR (ab 1978) erschien; „1984“ ja z.B. überhaupt nicht.
Die Schöne neue Gesellschaftsordnung des Ford’schen Weltstaates ist auf universellen, gemeinschaftlichen, massenkompatiblen Konsum und Produktion ausgerichtet. Als kommunistisch kann ich diese Weltordnung eher nicht erkennen. Die ideologische „Gleichschaltung“ hier ist auch eine andere als in „1984“. Die Leute wollen ja in der Mehrheit diese Weltordnung – wer sich ihr entgegenstellt, wird aber ausgegrenzt.
Ach, und dann gibt es da einen Aspekt, den ich gar nicht vermutet hätte, der mich das Buch in unserem (NEUER STERN) Sonderheft zum Thema „Indianer und SF“ erwähnen lassen wird.
Insgesamt fand ich die Lektüre sehr inspirierend und kurzweilig. 9 / 10 Punkte

53 – Aldous Huxley: „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“
Kein Roman, also keine direkte, erzählerische Fortsetzung des berühmten, dystopischen Romans. Der Autor greift seine Themen, die er im Roman ansprach, nach 30 Jahren in Form von Essays noch einmal auf: Was hat von seinen Fragen, die er in „Schöne neue Welt“ aufwarf, noch Bestand, wieweit sind die befürchteten, prophezeiten Dinge bereits in der Realität angekommen?
Der Roman ist eine Dystopie, vielleicht auch als Satire lesbar, aber eben keine Utopie. Trotzdem gibt es einen Faktor, eins der großen Probleme, die Huxley für die Menschheit sieht, der in seiner schönen neuen Welt gelöst wurde: Die Überbevölkerung.
In dem späteren Aufsatz betont er aber, dass die Probleme, die er nennt, nur im Zusammenhang zu sehen sind und zu lösen sind.
Kurzgefasst sind es folg. generellen Probleme, oder, wie die Transhumanisten von heute sagen: die „existentiellen Risiken“, die Huxley ausmacht: Überbevölkerung, Überorganisation. Sie werden unbehandelt und ungelöst die Freiheit des Menschen einschränken; auch in den westlichen Demokratien!
Für mich ein wichtiger Schluss: Huxley richtet sich mit seiner Gesellschaftskritik aus „Schöne neue Welt“ nicht (nur) an die totalitären Diktaturen, sondern sieht da auch ganz konkrete Gefahren für die Demokratie und Freiheit des Westens. Und er macht kein Hehl draus, dass er da schwarz für die Zukunft sieht.
Natürlich geht er auch auf die Formen der Manipulation der Menschen, die in „Schöne neue Welt“ eine Rolle spielen (von Drogen, über Gehirnwäsche etc.) sehr ausführlich ein – übrigens alles Faktoren, die im demokratischen Westen bereits eine sehr große Rolle spielen. Ich nehme mal an, das hat sich seit Huxley nicht verbessert…
Im letzten Kapitel diese Essays bietet der Autor Lösungen an. Die gehen in eine sozialistische Richtung, allerdings mit Betonung auf die Wahrung / Herstellung der persönlichen Freiheit der Menschen und orientiert an eher altmodische Formen des Sozialismus („Walden“) des 19. Jahrhunderts und erinnerte mich an die Ideen, die in der Fabian Society eine Rolle spielten.
Das Buch ist eine absolut notwendige und erhellende Ergänzung zum bekannten Roman, zumindest für mich.
9 / 10 Punkte

54 – Aldous Huxley: „Affe und Wesen“
Untertitel: „Ein Roman aus der Zeit nach dem Atomkrieg“. Ein interessanter „Roman“, der als fiktives Drehbuch daherkommt. Er stammt aus dem Jahre 1948. Das Buch ist zweigeteilt. Im ersten Teil, der noch „normal“ erzählt wird, lernen wir einen Schauspieler und seinen Agenten in Hollywood kennen. Sie sind ziemlich kulturpessimistisch drauf. Das mag aber auch daran liegen, dass der „Erfolg“ so wie erhofft ausbleibt.
Huxley nutzt die Gelegenheit, interessante Gedanken anzusprechen, indem er sie seinen Figuren in den Mund legt. Da geht es z.B. um die Rolle Gandhis. Aus der Sicht eines zukunftszugewandten, technokratischen, erfolgsorientierten Fortschrittsmenschen („…wir, die Intelligenten, die Aktiven… die Anhänger von Ordnung und Perfektion…“ S.12) ist Gandhi ein Reaktionärer, der sich um Leute vom Dorf kümmert. Irgendwie kennen wir das ja, oder?
Das Buch erwies sich für mich als überraschend aktuell. Huxley formuliert, u.a. mit dem Gandhi-Vergleich, aber auch als er Bezug zu Platons „Staat“ nimmt, die Gefahr einer „Wissenschaftsdiktatur“ herauf. Der Autor erlaubt es sich allerdings, hier bei der Behauptung zu bleiben; dieser erste Erzähl-Teil bietet auch gar nicht genügend Raum für weitergehende Erläuterungen. Huxley sieht jedenfalls eine logische Kette von Platons Mythen-Zerstörung durch Mathematik & Logik, die den Weg aus Chaos zur Kunst bereitet, aber auch zur quasi wissenschaftlichen Begründung der Tyrannei, die sich z.B. auch im wissenschaftlich begründeten Marxismus widerspiegelt (S. 10). Aber nicht nur!
Ehe es zu philosophisch wird, kippt vor den Augen der Beiden ein Laster um, der mit Drehbüchern gefüllt ist, die vernichtet werden sollen. Eines heben sie auf: „Affe und Wesen“.
Der Text ist ein bisschen wie ein Drehbuch formuliert, also mit Regieanweisungen z.B., aber im Grunde auch ein normaler Erzähltext, der nur ein wenig so wirkt, als sei er noch nicht fertig ausformuliert. Kann man machen, finde ich, das rafft den Text ungemein.
Der Atomkrieg beschleunigt für Huxley den Verfall der Menschheit zum Bösen und zu einer Ordnung, die die menschliche Gesellschaft dadurch aufrechterhält, indem sie alle humanistischen Grundsätze über Bord wirft.
Die Welt ist weitestgehend zerstört und atomar verseucht. Nur Neuseeland war nicht betroffen. Von dort startet eine Expedition nach Amerika. Ein Dr. Poole gerät in die Fänge der Überlebenden in San Franzisco und lernt für uns stellvertretend die satanistische Gesellschaftsordnung dort kennen. Dr. Poole ähnelt in seiner Funktion dem Wilden in „Schöne neue Welt“. Auch hier gibt es eine Liebesgeschichte dazu, in der auch die verschiedenen „Lebensentwürfe“ des Liebespaares aufeinanderprallen. Anders als in „Schöne neue Welt“ finden sie aber am Ende zueinander.
Das Ganze liest sich noch satirischer als „Schöne neue Welt“; so richtig ernst kann man das nicht nehmen. Aber es ist schon interessant!
Frauen sind nur noch „Gefäße“, die Kinder gebären sollen. Durch die atomare Verseuchung kommen die Kinder oftmals verkrüppelt und entstellt zur Welt. Die werden von den satanistischen Priestern in Ritualen geopfert und die „Gefäße“ bestialisch bestraft.
Liebe gibt es nicht mehr; die Menschen sind insofern mutiert, dass sie nur noch zu einer bestimmten Zeit in Brunft sind. Dann gibt es eine deftige Orgie.
Industrie ist in der stark dezimierten Menschheit nicht mehr möglich. Kleidung „gewinnt“ man durch das Aufbrechen der Gräber aus der Zeit vor dem Krieg.
Das alles ist so gesehen ziemlich deftig, um es mal so auszudrücken. Huxley scheint der Menschheit nicht viel zuzutrauen, scheint aber müde gewesen zu sein, nur davor zu warnen und lässt seinen Unmut in bissiger Satire freien Lauf.
8 / 10 Punkte

55 – Marcus Hammerschmitt: „Der Zensor“
Der Roman spielt im Jahre 2136 in Spanien. Spanien? Gibt es nicht mehr. Das wurde von den Maya überrannt, ca. 100 Jahre zuvor. Portugal ist von Azteken besetzt. Die Maya haben ihre Kultur, ihre Vegetation, ihre Religion mitgebracht; alles so auf dem Stand kurz vor der Conquista, also 16. Jh., Aber ihre Technologie ist höchst modern: Alles Nano! Und Cyber und so.
Der Roman lebt auf jeden Fall von den faszinierenden Beschreibungen all dieser „Rahmenbedingungen“, die so eine Umkehrung der Geschichte mit sich bringt. Ein „echter“ Alternativweltroman ist es nicht, denn es ist schon ein „echter“ SF-Zukunftsroman. Es gab halt eine Renaissance der amerikanischen Ureinwohner, und die kehrten einfach die Geschichte um, holten sich Amerika zurück und eroberten Teile Europas.
Dass die Welt dadurch eine bessere wird, kannste vergessen.
Die blutigen Rituale und Opferungen und die extrem harsche Rechtsprechung der Indios sind kein Zuckerschlecken.
Der Roman ist eine Wucht, auch wenn mich die Personen und die eigentliche Handlung nicht so sehr abholten. Mag sein, dass ich auch viel zu sehr auf die Begleitumstände geachtet habe, sie mich regelrecht ablenkten. Aber das ich schon ein Jammern auf sehr hohem Niveau! Die Handlung kehrt auch Verhältnisse und Begebenheiten für die betroffenen Personen um. Der titelgebende Zensor ist ein hohes Tier in der Maya-Hierarchie und verliert seinen Posten sozusagen. Ein spanischer Widerstandkämpfer fällt bei seinen Genossen in Ungnade.
Es gibt kein Gut und Böse, kein 08/15-Schema. Alles bleibt sehr differenziert und konkret.
Eine tolle Leseerfahrung. 9 / 10 Punkte

56 – Walter Tevis: „Die Letzten der Menschheit“
Was der Mann so alles schrieb! Nach der supertollen Netflix-Serie „Damengambit“ habe ich mal nachgeschaut. Na, will das hier nicht kolportieren, googlen kann ja jede/r allein.
Der SF-Roman geht aber etwas im Oeuvre des Autors unter, der wurde nicht verfilmt und zumindest auf Deutsch seit damals nicht noch mal aufgelegt. Es gibt da nur die alte Moewig-Ausgabe von 1981.
Da es ein „Roboter-Roman“ ist (natürlich nicht nur) habe ich ihn gerade sehr gern gelesen, da eine Rezi gut in das erste Heft des NEUEN STERNs im Januar 2021 passen wird. Warum? Verrate ich jetzt nicht…
Der Roman erscheint mir an bekannte Dystopien wie „Schöne neue Welt“ (Befriedung der Menschen durch gedankliche Manipulation [hier: TV] und Drogen; Reduzierung der Menschheit; Ent-Demokatisierung der Gesellschaft, Abkehr von Familie und Liebe, dafür Hinwendung zum beziehungslosen Sex) und „Fahrenheit 451“ (Lesen ist verpönt und vergessen, Bücher sind nur noch zum Heizen gut). Realisiert wird diese „Befreiung der Welt vom Menschen“ durch Einführung von KIs – da der Roman nicht so neu ist, sind es hier noch handfeste Roboter, verschiedener Bauklassen, die interessanter Weise auch eher Androiden, keine Blechkumpel, sind. Aber so ein Klasse Neun Roboter, der in dem Roman eine Hauptfigur ist, ist eine weltbeherrschende KI.
Ja, der Typ Neun: Der ist dann aber auch schon ziemlich menschlich, wird beherrscht durch Todessehnsucht. Die menschlichen Haupt-Akteure fallen aus dem Rahmen der normalen menschlichen Gesellschaft, indem sie schlau, neugierig sind – und das Lesen lernen! Das ist der Hauptgrund für ihr Anderssein – und dafür, dass die Welt der Menschen am Ende noch mal gerettet werden kann. Na ja, ich plaudere dann im Neuen Stern weiter und vergebe hier glatte 9 / 10 Punkten. Das Buch liest sich nämlich trotz des angestaubten Inhalts sehr gut, ist spannend, weist tolle, mitunter sehr melancholische Textpassagen auf, die mich sehr erreichten.

57 – Charlotte Freise: „Die Seelenfotografin“
Charlotte Freise ist Karla Schmidt. Das muss man wissen. Also, für den Roman ist das vielleicht unwichtig, aber nicht für mich, der ich letztens auf die Autorin aufmerksam und auf ihre Werke neugierig geworden bin – hoffentlich nicht zu spät (sie stellt ja die Sinnfrage auf ihrem Blog, auch die Frage nach dem Sinn des Schreibens von Geschichten).
Es ist ein historischer Roman, spielt in den Gründerjahren in Berlin. Dass die Autorin aus der phantastischen Ecke kommt, ist aber dennoch zu merken; ein klein wenig fließt davon hier ein – am Ende vielleicht zu wenige für meinen Geschmack, aber genug, um den sense of wonder bis zum Schluss zu kitzeln.
Aber auch ohne Phantastik ist der Roman phantastisch. Dabei hat er mich zunächst einmal auf einem ganz anderen Gebiet überrascht. Es ist ja ein „normaler“ historischer Roman, er setzt bei konkreten, realistischen historischen Hintergründen an und erzählt von einfachen – fiktiven – Menschen dieser Epoche (nicht von „historischen Persönlichkeiten“, also bekannten Figuren der Weltgeschichte). Ohne das Gerne noch gut zu kennen, sehe ich in den Regalen der Buchhandlungen in dieser Sparte Unmengen von Büchern. Bin mir nicht sicher, an wen konkret sie sich wenden. Ich vermute aber, dass ein weiblicher Autorennamen mit einer weiblichen Protagonistin (bzw. titelgebenden Person) auch eher ein weibliches Publikum anzieht? „Darf“ ich sowas überhaupt lesen? (Okay, das ist ironisch gemeint, und kann die Frage auch beantworten: Ja, darf ich – und zwar mit großer Begeisterung!)
Also da hatte ich dieses (falsche?) Bild dieses speziellen Genres im Kopf – und las teilweise recht deftige Anspielungen, vor allem sexueller Art. Hatte ich so nicht erwartet.
Das zum einen. Zum anderen aber glänzt der Roman durch seine absolut interessanten, niemals eindimensionalen und unproblematischen Figuren, deren Beziehungen zueinander (ja, es geht viel um Beiziehungen, vor allem auch liebestechnischer Art, aber das mag niemanden abschrecken, ist tatsächlich nicht langweilig oder beliebig), ihre Konflikte, ihre Sehnsüchte und ihr Scheitern am Ende. Es ist ein Buch ohne happy end, das man – vielleicht? – auch hier erwarten könnte.
Und dann schleust die Autorin so seltsame Themen und Motive ein: Seelenfotografie? gibt es sowas? Die leider gehbehinderte, aber überaus faszinierende junge Dame, die u.a. im Mittelpunkt der Handlung steht, die schöne, wenn auch sehr dünne und zierliche Isabel, erfindet da mal so einfach solche Sachen. Ob die aber auch funktionieren? Ihre verbesserte fotografische Platte tut es jedenfalls.
Sie will aber nicht nur Fotos machen lassen, sondern das „Fluidum“, also das Wesen, die Seele des Menschen festhalten – um mit diesem speziellen Abbild einen Menschen in einen anderen Körper zu transferieren.
Ein anderes Element, das mir wie SF erschien (Steampunk) ist der Versuch eines egomanischen, eitlen Arztes, die Gehbehinderung per Implantation elektrischer Drähte zu beheben. Ist das echt? Gab es solche Versuche? Habe bisher nicht recherchiert…
Das jedenfalls dürfte eventuell (?) Mainstream-Historienroman-Leser*innen irritieren. Mich nicht, höchstens der Umstand, dass am Ende diesbezüglich schon noch die eine oder andere Frage offenbleibt…
Hauptperson ist aber ein junger Mann, der sich erst an seine Vergangenheit erinnern wird, der in einer miesen, finsteren Halbwelt lebt und aus ihr ausbrechen möchte. Er scheitert, und er findet Antworten auf seine Lebensfragen, die ihn auch nicht glücklich machen.
Das hier soll keine vollständige Rezi werden, nur eine Erinnerung für mich an ein ungemein gutes Buch mit ungemein interessanten Figuren und vielleicht eine Anregung an euch, die ihr das hier lest, es mal mit dem Roman zu versuchen.
10 / 10 Punkte


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Wie klingt die Musik der Außerirdischen?

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 20 November 2020 · 449 Aufrufe

Wie klingt die Musik der Außerirdischen? Gute Frage, oder? Wisst Ihr es? Interessiert mich wirklich!

Also, liebe Leute, es gibt da so ein kleines Fanzine, den NEUEN STERN, so ein Teil im handlichen Heftformat, aus Papier. Es enthält Artikel, Rezensionen, Stories zur Science Fiction, Phantastik, Fantasy. Manchmal widmen wir uns – die Redaktion, die Schreiberlinge aus dem Hause NEUER STERN – speziellen Themen.

Für den Sommer 2021 wollen wir ein Heft zum Thema Musik & Phantastik zusammenstellen.
Was da rein soll? Na ja, gerne Geschichten von Alien-Musikern, oder Rockfestivals auf Saturn, aber auch – profaner – Essays, Berichte über Musikprojekte, die eindeutig auch SF, Fantasy, Phantastik sind. Gibt’s ja. Wir suchen neue Inspirationen. Was muss man als SF-Fan unbedingt gehört haben?
Dies ist ein Aufruf, eine Bitte an Euch, SF-Fans und Phantasten und Phantastinnen, an Autorinnen und Autoren von phantastischen Stories.

…und, so ganz nebenbei: Wen sich jemand einfach mal so für unseren „Rundbrief an die Freunde des ASFC" interessiert, bitte melden.
Infos zu dem Fanzine finden sich hier auf dem Blog; wer möchte, kann sie hier einsehen: NEUER STERN


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Fast den Anfang vom 21. Leipziger Literaturherbst verpasst.

Geschrieben von T.H. , in Ich war dabei... 31 October 2020 · 639 Aufrufe
Leipziger Literarischer Herbst
Fast den Anfang vom 21. Leipziger Literaturherbst verpasst. +++ der Beitrag sollte nur korrigiert werden (Bild ausgetauscht), irgendwie hab ich auf den falschen Knopf gedrückt, daher ist er jetzt "hoch gerutscht"... +++ gehört in den Oktober 2017 (nicht 2020) +++


Logbuch - 21. Leipziger Literarischer Herbst - 24.10.2017, 1900, Haus des Buches, Leipzig
(Nur eine Plauderei)

Da will man mal ganz spontan sein, schnell mal nach Leipzig, meiner Lieblingskultur-Literatur-Stadt, fahren, um an einer Lesung teilzunehmen und denkt sich nichts dabei und dann?
Etwas außer Atem, weil ich irgendwie die Fahrtzeit doch unterschätzt habe, aber noch deutlich vor Beginn der Veranstaltung frohgemut eingetroffen, und dann?

Ausverkauft! ++ Was? ++ Echt jetzt? ++ Kann nicht sein!!!

Die Damen am Empfang teilten uns mit, dass die Veranstaltung bereits seit Wochen ausverkauft sei, wenn ich sie richtig verstanden habe. Wow! Und da sagen die Leute, dass sich niemand mehr für Literatur interessiert. (Sagen sie das? Ist vielleicht auch nur so eine Meme = Internetente…)
Aber – um es mal abzukürzen – die Empfangsdame macht es möglich: Es waren ohnehin schon zusätzliche Klappstühle eingeräumt worden, und davon gab es dann doch noch ein paar freie. Wir waren überglücklich.

Ach ja, weshalb so ein Ansturm? Nun, offensichtlich ist der Philosoph Sloterdijk kein Unbekannter. Mir halt auch nicht, und daher war es fast egal, worum es eigentlich gehen sollte, DEN wollte ich mal live erleben. Habe ich dann auch.
Und? Ja, war gut! Der 70jährige sprach sicher nicht so flott, wie der Moderator, aber dafür war fast alles schon sehr gehaltvoll und wortreich und witzig, was er sagte.
Das Motto des Literaturherbstes diesmal lautet: Na? Wer kommt drauf? Ja, richtig: Luther… „Martin Luther Superstar“, also etwas moderner. Aber so richtig kann mich das Thema nicht hinterm Ofen hervorlocken. Zumal es einen gewissen Übersättigungseffekt gibt. Aber Wir nähern uns (die Veranstaltung war am 24. Oktober 2017) dem Höhepunkt des Jubiläums, und danach wird es sicher wieder etwas ruhiger.
Im Zentrum des Gesprächs – eine Lesung fand gar nicht statt – mit dem Philosophen stand dessen letztes Buch „Nach Gott“. Na, das passt ja. S. Ist ja wohl kein einfacher A-, aber auch kein einfacher Theist (ehrlich gesagt könnte ich gar nicht sagen, wie er die Gretchenfrage wirklich beantwortet, eher atheistisch). Als Nietzsche-Fan ist er da eher daran interessiert, wie die Menschen ohne Gott auskommen.
Eingangs hat der Moderator ihn mit 2 Heinrich-Heine-Zitaten konfrontiert, einem kontra, einem eher pro Religion des älteren Heine.
Ich hielt da schon etwas den Atem an – fand die Frage spannend und wünschte mir eine Antwort – und wurde nicht enttäuscht…
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Das Foto: Hab ich über die Köpfe hinweg aufgenommen; es waren viele Köpfe, saß ganz hinten - aber ich saß!


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Herbst im NEUEN STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 31 October 2020 · 290 Aufrufe

Herbst im NEUEN STERN Der NEUE STERN ist auch schon wieder da! Gut, nicht wahr?
Coverbildgeberin ist sozusagen eine „Wiederholungstäterin“ bei uns: Dagmar Renée Ritter. Auch gut, nicht wahr!
Was können wir sonst bieten?
Diesmal mit einer hintersinnigen Horrorstory von Christian Hoffmann, der offensichtlich so seine Erfahrungen auf Bahnhöfen gemacht hat.
Dann schauen wir wieder mal in alten Bücherschränken nach. Diesmal erfährt Bernd Wiese Unterstützung von Clemens Nissen.
Es hat sich sogar ein kleines Schwerpunktthema ergeben: Das dreht sich um H.G. Wells „Die Insel des Dr. Moreau“.
Weitere Rezis zu Dirk van den Boom und Lavie Tidhar. Und ich habe dann noch meiner Begeisterung über Warren Ellis (diesmal Comics) freien Lauf gelassen (Teil 1, der 2. folgt dann noch; also am Ball bleiben…)
Und dann gibt es noch ein "Bekennerschreiben": Bernd Wiese erzählt darüber, wie er SF-Fan wurde. Dabei ist so ein Text gerade für ein Fan-Zine so wichtig! (Vielleicht dient er sogar als Anregung für weitere solche "Bekennerschreiben"; würde mich freuen.)

44 + 4 Farbseiten


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Septober (Leseliste bis zur Nr. 50)

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 16 October 2020 · 438 Aufrufe
Karla Schmidt, Huxley, Čapek und 1 weitere...
Es ist zwar Mitten im Monat, aber da ich nun das 50. Buch meines Jahrespensums erreicht habe; kommt hier also die Leselistenfortsetzung.
50 Bücher, das ist ja so mein "Leseziel" pro Jahr - also, nciht wirklich ein Ziel, aber eine für mich gute "Hausnummer". Ja, andere "schaffen" 150; ich arbeite an mir...

46 – Karla Schmidt: „Lügenvögel“
Diese Autorin habe ich lange Zeit ignoriert? Warum? Also, war keine böse Absicht, aber irgendwie habe ich sie wahrgenommen, aber nie zugegriffen. Dann las ich ihren Blog, dessen ersten Eintrag zum Thema Sinnfragen mich sehr beeindruckte. Und nun? Ich will also mehr von ihr lesen.
Versuche ich es doch mal mit dem kurzen Roman aus dem Wurdack-Verlag. Und dabei stellte ich noch fest, dass der Text einst als eBook im Verlag Das Beben erschien, den es leider nicht mehr gibt. Warum eigentlich? Das Konzept fand ich gut, und ich hatte damals auch ein paar Sachen gelesen und ein paar mehr noch auf Halde.
Nun machte es mir die Autorin mit dieser Geschichte nicht einfach. Worum geht es hier? Um Krankheiten, um Krebs, um Tschernobyl und die große Angst davor?
Das mittlere Kapitel, das 1986 in der BRD spielt, war für mich das eindringlichste. Es stellt die enorme Angst dar, die ein junger Mensch, eine Jugendliche in der BRD vor den Folgen, auch den möglichen Folgen, die in den Medien dargestellt wurden, hatte. Ich kann das kaum aus eigener Erfahrung nachvollziehen, denn bei „uns“ (DDR) wurde die Gefahr und wurden die Folgen weniger intensiv dargestellt, um es mal so auszudrücken.
Ein Familienmitglied der Jugendlichen war zum Zeitpunkt der Katastrophe in Kiew und kam mit der Strahlenkrankheit nach Hause.
Interessant sind die 8-beinigen Schmetterlinge, die sich durch den ganzen Text ziehen. Ich weiß nicht so recht, was sie darstellen sollen. Ist dies eine Mutation, eine Folge v. Tschernobyl? Im Zukunfts-Kapitel spielen sie dann auch wirtschaftlich eine Rolle. Immerhin…
Gut, dass die Autorin auch Seminare zum Schreiben hält, u.a. auch zum Thema „Plotten beim Nichtlinearen Erzählen“, zu dem ja ihr Kurzroman / ihre Novelle gehört. Da hat sich mal als Anschauungsmaterial ins Netz gestellt, aus dem die zeitlichen und personellen Verknüpfungen und Verwerfungen in „Lügenvögel“ dargestellt werden. Ein paar Sachen werden mir da klarer, gerade das mit dem Hund z.B., der mir zwar auffiel, aber den ich so nicht eingeordnet hätte.
Und Träume spielen eine große Rolle, darin die Lügenvögel, aber auch andere Wesen mit zugeschriebenen Eigenschaften.
Insgesamt holte mich der Text aber nicht ab. Trotzdem bin ich neugierig und ich greife demnächst mal zu einem eher mainstreamigen, geradlinig erzählten Text von ihr.
8 / 10 Punkte

47 – Tim Powers: „Die kalte Braut“
Wiedergelesen; Erstlesung war 1991. Hoho, das ist kaum noch wahr…
Das Buch war hinfort eines meiner Lieblingsbücher. Gelesen hatte ich es damals vor allem im Arbeitsamt wartend. Damals musste man dort oftmals noch sehr lange warten, was mich mit dieser Lektüre überhaupt nicht störte.
Und heute? Jaaaa…. Inzwischen erscheint es mir zu lang. Die Story und vor allem der mich nach wie vor absolut faszinierende Hintergrund (die Habsburger und die Nepheline, gefiederte Schlangen-Vampire und uralte Steinwesen in den Alpen, die nur mit ziemlich komplizierten Schmerz- und Blut- Ritualen und viel Kampfesmut zu besiegen sind) sind mir nach wie vor ein Fest, aber ein zu langes. Da wird viel gerannt, gekämpft, geblutet und über komplexe Vorgehensweisen orakelt, das hätte der Meister auch etwas kürzen können, ohne Inhaltsverlust.
Dafür habe ich jetzt die endgültige und umfängliche Wahrheit über die Dichtkunst der großen Dichterfürsten Shelley, Byron & Keats (noch einmal) erfahren. Ich weiß jetzt, warum sie und ihre Verwandten mitunter nicht so alt wurden und warum Polidori doch ein fieser Typ ist (leider, seufz…)
Es bleibt bei den 10 / Punkten (dich ich 1991 aber noch gar nicht so formell vergeben hatte)

48 – Aldous Huxley: „Das Genie und die Göttin“
Das ist ein Büchlein von meinem SUB; ein Geburtstagsgeschenk aus dem Jahre 1995 (?). Ja, ich bin da recht flott, nicht wahr?
Da nun bald die TV-Serie nach Huxleys Brave New World zu sehen sein wird, fühlte ich mich animiert, mal (wieder) was vom Meister zu lesen. Ich kannte aber bisher nur „Schöne neue Welt“. Dass es so eine Art Antwort von ihm selbst darauf gibt, wusste ich: „Eiland“. Will ich auf jeden Fall auch noch lesen, auch „Wiedersehen mit der Schönen neuen Welt“. Und vielleicht noch was von ihm?
Was soll man noch von ihm lesen, unbedingt?
Also, das Büchlein, Insel-Bücherei Nr. 1035. liegt seit Unzeiten bei mir im Regal. Warum also nicht das? Der Titel spricht ja auch den Phantastik-Fan an, der kurze Roman hat absolut keinen phantastischen Inhalt – aber er hat trotzdem supergut gefallen!
Der Ich-Erzähler hört einem alten Freund in der Vorweihnachtszeit bei einem Glas Whisky zu, wie er über seine erste große Liebesbeziehung erzählt.
Raffiniert ist das Ganze aufgemacht. Der (eigentliche) Erzähler ist verheiratet und hat ein Kind. Aber ist es diese seine Frau, von der er seinem Freund und uns erzählt?
Es ist eine tragische Liebesgeschichte. Tatsächlich, trotz des eingängigen Sujets, ziemlich überraschend, zumindest zum Schluss. Was mich aber sogleich faszinierte, ist Huxleys leichte und eloquente Art des Erzählens, seine von literarischem und geisteswissenschaftlichem Reflektieren durchdrungene Weltsicht, die er da offenbart. Allein die Reminiszenzen an E.A. Poe fand ich großartig. Und es ist eine Ode an das gute Leben, an die Liebe. Die erste Hälfte des Romans ist einfach ein Fest des Lebens, des Glücks, das man finden kann.
Bin echt angetan und neugierig auf mehr Huxley, gern auch abseits phantastischer (utopisch / dystopischer) Pfade.
10 / 10 Punkte

49 – Yehuda Shenef und Karel Čapek: „Karel Capeks R.U.R. – Rossum Universal Robots“
Langsam wird es ja Zeit: Im Januar feiert das Theaterstück, in dem der Terminus „Roboter“ geboren wurde, den 100. Jahrestag seiner Uraufführung (25. Januar 1921). Grund für uns – die Leute vom NEUEN STERN – ein Sonderheft / Schwerpunktheft zum Thema Roboter & Androiden zu machen.
Wie so oft bei Klassikern: Jede/r kennt sie, aber wer hat sie wirklich gelesen? Okay, ein Theaterstück muss man vielleicht nicht lesen, dafür auf der Bühne sehen. – Und? Also, ich bisher nicht.
Na, dachte ich mir, da muss mal eine Bildungslücke geschlossen werden und es kann ja nicht so schwer sein, den bekannten Stoff irgendwo lesen zu können, so populär wie der Titel und das Ding, was da das erste Mal unter der heute noch gängigen Bezeichnung beschrieben wurde, sind.
Tja, nun versuche man es mal.
Um es abzukürzen: Die einzige mir zurzeit zur Verfügung stehende Variante, sich dem Stoff zu nähern, ist dieses Büchlein, das im BoD-Verlag erschien. Antiquarisch kann man einen Sammelband mit Dramen von Čapek erwerben, ist aber nicht gerade günstig zu bekommen.
Ob es zum Jubeltag noch mal eine Edition geben wird?
Dann also die hier. Dabei ist der Ruf, den das Werk auf der allgemein bekannten großen Verkaufsplattform hat (Sternebewertung) nicht gerade einladend.
Es fängt schon mal beim Titel an: Warum fehlt beim Č von Čapek das Hatschek? (Ich habe bei Angabe der Autoren den Namen richtig geschrieben, auf dem Buchtitel steht er falsch.)
Warum fehlt bei Rossum’s Universal Robots das „‘s“, bzw. , wenn man es auf Deutsch schreibt, das "s"?
Auch auf dem Cover steht noch: „ins Deutsche übersetzt und aktualisiert von Yehuda Shenef“. Auch das stimmt. Nun bin ich nicht unbedingt so ein Verfechter der Unanfechtbarkeit des Ur-Textes; für meine Begriffe kann und darf man gerade Theaterstücke gern an die moderne Zeit anpassen. Das wird ja in vielen Inszenierungen gemacht; man findet eher selten eine völlig unbearbeitete Version eines Textes auf einer lebendigen Bühne. Für mich war das aber jetzt nicht ganz so gut, weil ich echt nicht weiß, wie der Ur-Text nun lautet. Ich muss vermuten, dass hier sehr viel dazu und umgedichtet wurde. Ich denke mal, dass sogar der ganze 4. Akt von Shenef ist, in dem nach dem Sieg der Roboter der letzte Mensch, ein ehemaliges Mitglied die Werkleitung von R.U.R., von den Robotern erpresst wird, zu verraten, wie sie „gemacht“ werden können. Sie leben ja nur ca. 20 Jahre und können sich nicht auf natürlichem Wege vermehren. Aber das Geheimrezept scheint ohnehin verloren gegangen zu sein. Bei den Dialogen zwischen Mensch und Robots erfährt man, dass sie, die unbeseelten Kunst-Figuren, wohl durchaus Gefühle und noch andere menschliche Eigenschaften haben.
Shenef hat mit Vokabeln, die an die moderne Zeit gemahnen, wie Computer, Tablet, Smartphone, Wikipedia, Netz(werk) etc. den Text aktualisiert. Da ist aber in einigen Passagen direkt darum geht, wie man den aufständischen Robots die Lebensgrundlage entzieht, um die Menschheit zu retten, ist es problematisch, wenn der Trick darin bestehen könnte, das Internet zu unterbrechen und sich auf das gute als Papierbuch (von denen es ja gar nicht mehr so viele gibt) zu besinnen. Ob das bei Čapek so stand? Und wenn nicht: Was stand denn da?
In dem Nachwort wird Asimov zitiert. Er meinte, das Stück sei nicht so gut. Na, hat er übrigens auch etwas Recht, insgesamt fand ich das Ganze ziemlich holprig, irgendwie auf lustig getrimmt. Dynamik wird durch wirre, mitunter ziemlich unmotiviert klingende Dialogfetzen erzeugt. Hat mich nicht überzeugt; vielleicht wäre das ja auf einer Bühne gesehen was anderes. Wer weiß? Damals ist das Stück, auch gerade in den USA, wohl sehr häufig aufgeführt worden.
Interessant fand ich den Anfang, denn der erinnerte mich sehr an „Bladerunner“ und die Frage: Wer ist denn hier Mensch und wer nicht – also Android? Dass es sich bei den „Robotern“ bei Čapek um Androiden, also biologische Wesen, handelt, dürfte ja allgemein bekannt sein. Und dabei bleibt es auch. Ob aber alle Sachen, die hier in diesem Text zur biologischen Konstruktion der Robots stehen, wirklich von Čapek stammen, möchte ich auch bezweifeln (in Richtung Mikrobiologie, Nanotechnik…). Auch die verkürzte „Lebensdauer“ der Robots erinnert dann stark an „Bladerunner“.
Nun, jetzt bin ich etwas schlauer. Yehuda Shenef sei gedankt, das es das Stück überhaupt aktuell gibt!
7 / 10 Punkte == siehe im Kommentar-Teil: Ich muss noch was hinzufügen und korrigieren ==

50 – John Clagett: „Das perverse Paradies“
Wie komme ich denn auf diesen Schmöker aus dem Jahre 1973 (dt. 1980)? Den Autor kannte ich zuvor überhaupt nicht, der Titel lockt den Käufer in eine völlig falsche Richtung. Also: Warum?
Na, hängt mit dem Thema unseres Jahresend-NEUEN-STERNS zusammen. Da soll es um Indianer in der SF (und Fantasy) gehen. Und tatsächlich geht es in diesem Roman auch darum, wenn auch nicht vorrangig. Es ist ein Alternativwelt-Roman. Eine US-amerikan. Pilot wird durch einen Unfall in eine andere Realität katapultiert. Der Knackpunkt ist die Tatsache, dass es Jesus Christus nie gab.
Für den Autor ist das der Grund, weshalb es in der anderen Welt kaum verheerende Kriege gab, angefangen von den Kreuzzügen, bis zu den Weltkriegen. Dafür ist aber die Sklavenhaltergesellschaft erhalten geblieben und auch nach Amerika exportiert worden. Doch nicht die Ureinwohner dort sind die Sklaven, sondern halt große Teile der europäisch-stämmige Bevölkerung selbst.
Die Indianer leben in ihren Stammsitzen in der Prärie, allerdings irgendwie immer noch wie im 19. Jahrhundert.
Es ist eine abenteuerliche Geschichte, in der der Held, so ein Buck Rogers-Typ, scheint mir, namens Ash, sich behaupten muss. Er beginnt als Sklave, verbringt ein utopisches Lebensjahr bei den „edlen Wilden“, deren Leben in wundervollen Bildern idealisiert dargestellt wird und endet mit einem ziemlich kitschig anmutenden Ende sogar noch ziemlich missionarisch (nach all den Jahrtausenden ohne monotheistische Religion findet sich dann doch noch ein Prophet. Nun ja…)
7 / 10 Punkte (leichte, ein bisschen spannende Unterhaltung, ohne hohen Anspruch)


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Aus alten Bücherschränken, Stand: 1. Oktober 2020

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 01 October 2020 · 3836 Aufrufe
Aus alten Bücherschränken und 1 weitere...
Wer meint, ich hätte es extra darauf angelegt, wieder genau am 1. Oktober die Aktualisierung der Bücherliste "Aus alten Bücherschränken" hier zu veröffentlichen, nun, der liegt nicht falsch...
Was sich zuerst als Zufall ergeben hatte - jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt diese Liste aktuell einzustellen - ist jetzt wohl eine amtliche Tradition.
Ein paar Bücher sind ja wieder hinzugekommen (am 1.10.19 waren es 132 Einträge, jetzt: 164). Jetzt taucht auch das eine oder andere Buch auf, das bisher nicht enthalten war: Zum einen gibt es in diesem Jahr (im Heft 64) eine Rezi zu einem Buch über alte SF (Hans Frey), zum anderen hatten wir auch alte Phantastik-Bücher in dem einen oder anderen Heft in der Mangel, die nicht im "alten Bücherschrank" einsortiert waren.
Die Sparte wird ja originär von Bernd Wiese gepflegt und kontinuierlich erweitert, aber der "alte Bücherschrank" steht inzwischen auch anderen Rezensenten offen.
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Also, hier sind sie, "Aus alten Bücherschränken", im NEUEN STERN, Januar 2012 - September 2020
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Autor Nachname  Vorname  Titel  Neuer Stern Ausgabe
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A -----------------------------
Abel-Musgrave  Curt  Fräulein Eulalia’s gräßliches Abenteuer  9
Abel-Musgrave  Curt  Der Bacillenkrieg  24
Anton  Ludwig  Brücken über dem Weltenraum  9
Anzelewsky  Erich  Die Nachtmahr  43
Aragon  Jesus de  40.000 Kilometer an Bord des Flugschiffs Phantom  23
Aragon  Jesus de  Nachts über der Verbotenen Stadt,  23
Asselineau  Charles  Die Hölle des Bibliomanen  59
B -----------------------------
Babits  Mihaly  Der Storchkalif  57
Beljajew  Alexander  Professor Dowells Kopf, TES, 2018  59
Berg  Onno zum  Der Kaiser wieder in Deutschland  13
Bilz  F.E.  In hundert Jahren  6
Blumenthal  Hermann  Gilgul - ein Roman aus dieser und jener Welt  49
Blunt & Rudolph Falb  Charles  Der Weltuntergang  14
Braun  Curt Johannes  Das Land der Finsternis  34
Braun  P. Hans-Fried  Die Expedition der Senta II  57
Brust  Alfred  Eisbrand - Die Kinder der Allmacht  40
Burroughs  Edgar Rice  Die Prinzessin von Mars  16
Burroughs  Edgar Rice  Die Götter des Mars  16
Burroughs  Edgar Rice  Der Kriegsherr des Mars  16
Burroughs  Edgar Rice  Thuvia, das Mädchen vom Mars  16
C -----------------------------
Casares  Adolfo Bioy  Morels Erfindung  64
Collins  Gilbert  Das Tal der Träume  13
Condor   Im Kampf um Südamerika  36
Conrad  Michael Georg  In purpurner Finsternis  61
Corrinth  Curt  Mo Marova, ein Legendenbuch aus dem Jahre 2010  56
D -----------------------------
Dangel (Hg.)  Lars  Hinter dem Quecksilber  53
Dangel (Hg.)  Lars  Das sterbende Bild  53
Dangel (Hg.)  Lars  Das Elixier des Lebens  59
Daumen  R.H.  Gefahr aus dem Weltall  7
Defontenay  C. I.  Star (Psi cassiopeia)  14
Delmont  Joseph  Erdbeben  50
Desberry  L. H.  Der blaue Strahl  12
Dickens  Charles  Der Schwarze Schleier  64
Doberer u. Max Seydewitz  Kurt  Todesstrahlen  16
Doyle  Sir A.C.  Der Tauchbootkrieg  3
Dreyer  Harry  Kurier aus dem Weltall  6
E -----------------------------
Ernst  Paul  Sechs Geschichten; die sonderbare Stadt  35
Ettlinger  Karl  Der erschossene Storch  12
Exzelsior   Michael der Grosse  28
F -----------------------------
Faber  Otto  Krieg dem Frieden  24
Falb & Charles Blunt  Rudolph  Der Weltuntergang  14
Fetz  August  Ein Blick in die Zukunft 2407  60
Frank  Emil  Im Ringen um das Luftmeer:  52
Frey  Alexander Moritz  Dunkle Gänge. Zwölf Geschichten aus Nacht und Schatten  23
Frey  Hans  Aufbruch in den Abgrund (Rezi von Clemens Nissen)  64
Fürth  Jacob  Phantasus : Moderne Märchen  34
G -----------------------------
Gabelentz  Georg von der  Geschehen aus jener andern Welt  60
Gail  Otto Willi  Der Herr der Wellen  19
Götz  Wilhelm  Vor neuen Weltkatastrophen  48
Grassegger  W.  Der zweite Weltkrieg. Deutschland die Waffenschmiede  52
H -----------------------------
Hach  Arno  Der Kopf des Maori  35
Hagen  Richard  Der brennende Kontinent  9
Hansen  Erik  Das verborgene Land  4
Hansen  Wilhelm  Die vierte Waffe  13
Hanstein  Otfrid v.  Der Fluch des Goldes  15
Hanstein  Otfrid v.  Das Licht im Osten  9
Hanstein  Otfrid v.  Der blonde Gott  30
Harbou  Thea von  Frau im Mond  52
Harrison Ainsworth  W.  Auriol oder Das Lebenselexier  16
Haugen  Christian  Die Reise nach dem Ken  9
Hauptmann  Hans  Wer bin ich?  24
Haushofer  Max  Planetenfeuer  40
Heinrichka  Max  100 Jahre deutsche Zukunft  47
Helms  H.  Heinzens Flug zum Mond  7
Herrings  Josef  Die goldene Gefahr nach amerikan. Dokumenten, Briefen u. Depeschen  52
Herzl  Theodor  Altneuland  5
Heuer und Walther Keghel  Hans  Tiefsee  6
Heymann  Robert  Wunder der Zukunft: Romane aus dem dritten Jahrtausend  18
Hoffmann  Arno  Silvester 2999  12
Hoffmann von Vestenhof  A.  Der Mann mit den drei Augen  20
Holk  Freder van  Kim Roy - Der Herr der Zukunft (Rezi v. Ekkehardt Brux)  57
Horst  Walter  Der versunkene Erdteil  37
Howler  Big  Der Doppelkopf des Dr. Sorel  60
J -----------------------------
Jefremow  Iwan  Das Observatorium von Nur-i-Descht und Atoll Fakaofu  20
John  Nell  Roman einer Verjüngten von Benno Vigny  18
K -----------------------------
Keghel und Hans Heuer  Walther  Tiefsee  6
Kindermann  Eberhard Christian  Reise in Gedancken durch die eroeffneten allgemeinen Himmels-Kugeln  11
Kloepfler  Walter  Luzifers Ende  15
Kossak-Raytenau  Karl L.  Lermontow vernichtet die Welt  48
Kotze  Stefan von  Das Gift des Vergessens. Roman aus der Südsee  52
Kraft  Robert  Die Nihilit Expedition  23
Kraft  Robert  Aus dem Reich der Phantasie  43
Kraft  Robert  Die neue Erde  43
Kraft  Robert  Im Panzerautomobil um die Erde  58
L -----------------------------
Laffert  Karl-August von  Gefährliche Wissenschaft  22
Lahrssen  Hermann  Unter der roten Fahne, Blätter aus dem Tagebuch eines Volksschullehrers  17
Levett  Oswald  Verirrt in den Zeiten  22
M -----------------------------
Machen  Arthur  Der große Pan  28
Madsack  Paul  Tamotua - Die Stadt der Zukunft  23
Madsack  Paul  Die metaphysische Wachsfigur oder Auf Geisterfang mit Sir Arthur Conan Doyle  35
Martin  Rudolf  Der Weltkrieg in den Lüften  16
Masereel/Romain Rolland  Frans  Die Revolte der Maschinen  57
Maurus   Ave Caesar : Deutsche Luftschiffe im Kampfe um Marokko  30
Mayer  Theodor Heinrich  Rapanui – Der Untergang einer Welt  37
Melchers  Gustav Adolf  Die Vergangenheit unserer Zukunft? Der Verfall unserer Vormenschen  17
Melchers  Gustav Adolf  Aus dem Jenseits: Aufzeichnungen eines Toten  34
Merriman  Hohn  Die Marsmenschen kommen  1
Merritt  Abraham  Das Gesicht im Abgrund (Rezi v. Peter Schünemann)  16
Meyn  Nils  Die Reise zur Venus  3
Michaelis  Sophus  Das Himmelsschiff  28
Moy  Peter  Medusensteine  37
Münch  Paul Georg  Hindenburgs Einmarsch in London  46
N -----------------------------
Nelson  Heinrich  Ahasvers  15
Niemann  August  Aetherio: eine Planetenfahrt  8
Noordung  Hermann  Das Problem der Befahrung des Weltraums  12
O -----------------------------
Opree  Arthur  Der Unirdische  46
Opree  Arthur  Unter glühender Doppelsonne  58
P -----------------------------
Passer  Arnold von der  Mene tekel!  27
Passon  Marga  Der rote Stern, ein Weltuntergangsroman  11
Pastingl  Günther  Die vier denkwürdigen Jahre...  2
Persius  Lothar  Der Zusammenbruch: die Seeschlacht zwischen Borkum und Helgoland  57
Puttkamer  Jesco von  Im Panzer-Automobil  58
R -----------------------------
Renker  Gustav  Ein Schiff steuert in die Urzeit  20
Reymond  Moritz von  An Bord des „Jules Verne”  32
Richter  Eugen  Sozialdemokratische Zukunftsbilder  27
Richter Frich  Oevre  Der rote Nebel  36
Rohmer  Sax  The Day the World ended  10
Rohmer  Sax  Das graue Gesicht  22
Rosegger  H.L.  Der Golfstrom  5
S -----------------------------
Scheerbart  Paul  Ein skurriler Phantast  19
Scheff  Werner  Die wandernde Seele  37
Schertel  Ernst  Die Katakomben von Ombos  20
Schilit  Otto  Die Königin der Tigermenschen  23
Schmidt-Kestner  Hans  Der fliegende Tod der Japaner  24
Schoenaich  Paul v.  Die Peitsche des August Schmidt  3
Schraut  Max  An den Feuern der Ewigkeit  26
Seidel  Willy  Das älteste Ding der Welt  17
Selige  Kurt  Der neue Weltdiktator  18
Severus  Severin  Ein Duell im Jahre 2000  19
Seydewitz u. Kurt Doberer  Max  Todesstrahlen  16
Sixtus  Albert  Das Geheimnis des Riesenhügels  17
Sologub  Fedor  Totenzauber: eine Legende im Werden  18
Soyka  Otto  Im Bann der Welle  19
Spanner  E. F.  Der zerbrochene Dreizack  11
Stein  Leonhard  Das Ballett des Todes  60
Sternberg  A. v.  Das stille Haus  56
Stockton  Frank R.  Zum Nordpol und Erdkern  6
Strobl  Karl Hans  Eleagabal Kuperu  2
Strobl  Karl Hans  Die Eier des Basilisken  13
Suttner  B.v.  Der Kaiser v. Europa  15
Svensen  Victor  Die Uhr läuft ab  25
T -----------------------------
Taeschner  Titus  Atlantropa  4
Taeschner  Titus  Eurofrika  61
Teranus  V. E.  Der letzte Krieg  25
Thauß  Arno  Der Mann, der das Gas bezwang  64
Thorne  Guy  Als es dunkel war  61
Tyss  P.  Gorgyra  15
U -----------------------------
Unger  Hellmuth  Morells Milliarden  13
V -----------------------------
Valier  Max  Auf kühner Fahrt zum Mars  59
Vejdelek  Cestmir  Heimkehr aus dem Paradies  34
Venir  A.  Ein Blick nach vorn  30
Verne  Jules  20000 Meilen unter dem Meer (Rezi v. Arnold Drabek)  53
Viereck  Georg Sylvester  Das Haus des Vampyrs  24
W -----------------------------
Wells  H. G.  Die Welt des William Clissold  22
Wells  H. G.  Mr. Blettsworthy auf der Insel Rampole (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H. G.  Tono-Bungay (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H. G.  Im Jahre des Kometen (Rezi von Thomas Hofmann)  21
Wells  H. G.  Der Heilige Terror  21
Wells  H. G.  Kinder der Sterne  21
Wells  H.G.  Die Insel des Dr. Moreau (Rezi v. Thomas Hofmann)  64
Winckelmann  Joachim  Gläserne Seelen.  36
Wittkop  Justus Franz  Gullivers letzte Reise. Die Insel der Vergänglichen  32
Z -----------------------------
Ziese  Maxim  Der Film des Dr. Wharton  8
Zobeltitz  Hanns von  Die Jagd um den Erdball  58


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Ein NEUER STERN für R. Bradbury & W. Jeschke

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 11 September 2020 · 277 Aufrufe

Ein NEUER STERN für R. Bradbury & W. Jeschke Liebes Tagesbuch. Heute ist Stammtisch-Tag! Freu mich drauf! Der ANDROMEDA SF Club Halle trifft sich wieder mal, wie jeden Monat – außer wenn er sich nicht trifft, weil… na, irgendwas dazwischen kommt.
Und ich freue mich auch, weil es nun auch den NEUEN STERN gibt, die 63. Ausgabe – die ist zwei Großen der Phantastik gewidmet. Wir erinnern uns an:
Wolfgang Jeschke & Ray Bradbury. Das machen wir wie folgt (und darüber hinaus gibt es noch was anderes):

A) Wir erinnern an Wolfgang Jeschke
Meine Begegnungen mit Wolfgang Jeschke, Beitrag von Udo Klotz - S. 2
Midas - Rezi von Peter Schönemann - S. 9

B) Wir erinnern an Ray Bradbury
Story: Peter Schünemann: Wo der Fluss rauscht - S. 11
Joachim Körber: Warum ich Ray Bradbury schätze - S. 26
Bernd Wiese liest Ray Bradbury
...Fahrenheit 451 - S. 22
...Die Mars-Chroniken - S. 24
...Der Katzen-Pyjama - S. 27
...Das Böse kommt auf leisen Sohlen - S. 37
...Geisterfahrt - S. 39
...Halloween - S. 41
...S is for Space - S. 42

C) Und sonst?
Corona-Story: Armin Möhle: Happy Home-Office! - S. 30
Ellis: "Gott schütze Amerika" - Rezi Thomas Hofmann - S. 32
Collins: "Das Lied von Vogel und Schlange" - Rezi Volker Adam - S. 35

Das Titelbild gestaltete komplett David Staege!


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Der Sommer ist vorbei in Hofmanns Leseliste

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 05 September 2020 · 322 Aufrufe
Alan Moore, Polidori, James Blish und 1 weitere...
Der Lesemonat hielt ein paar schöne Überraschungen für mich bereit, lässt mich einen innigen Wunsch äußern und eine Lanze für einen fast vergessenen Autoren brechen, der selber zur Romanfigur wurde – mehrfach sogar.

40 – James Blish: „Triumpf der Zeit“
Der kurze Roman ist der letzte Teil des Vierteilers „Die fliegenden Städte“, von denen ich bisher den ersten und die Hälfte des zweiten Teils gelesen hatte. Nun also separat den vierten Teil. Warum? Na ja, leider quasi doppelt gekauft und halt nicht bedacht, dass das ja „nur“ ein Teil ist.
Den Anfang der Serie fand ich leider damals nicht so toll, daher nicht durchgehalten. Mir war das zu profan, zu sehr an den ökonomischen Verhältnissen der USA zu Blishs Zeit (und davor) orientiert. Mir ist haften geblieben, dass Blish da vor allem ökonomisch „argumentierte“, was mich einfach nicht abholte.
Der vierte Teil ist nun aber auch völlig anders. Hier sind wir – ähnlich wie Moorcock – am Ende der Zeiten. Aufgrund physikalischer, astronomischer Beobachtungen wird festgestellt, dass das Universum, das in Wirklichkeit ein positives und ein anti-positives Universum gleichzeitig ist, halt Materie und Antimaterie, nunmehr wieder zur Singularität wird. Bei Blish heißt das übrigens „Monoblock“ und ist zwar auch sehr dicht, aber auch ziemlich groß. So ein auf einen Punkt reduziertes Universum war dem Autor dann wohl doch zu unheimlich.
Wenn man das absolute Zentrum des Universums erreicht, kann man – vielleicht – dem singulären Ereignis – dem Tod des aktuellen und der Geburt des neuen Universums – nicht nur beiwohnen sondern auch überstehen. Das ist nun der Plan der Menschen. Die Menschen entscheiden sich: Wagen sie dieses Abenteuer, oder ergeben sie sich dem universellen Tod? Das mit dem „Überleben“ ist dann auch eher metaphorisch gemeint. Auch unter günstigsten Bedingungen kann man das wohl nicht, aber man kann was für das neue Universum tun. Auch wenn hier kein göttlicher Plan erstellt wird – so etwas ähnliches ist das dann doch.
Mir gefiel die Melancholie, diese seltsame Stimmung aus Untergang und vorsichtigem Optimismus, der dem Leben doch noch einen Sinn gibt. Das alles ist so ganz anders als das verrückte und dekadente Endzeit-Universum Moorcocks; und nun weiß ich nicht so genau, welches mir besser gefällt…
Es wird viel Bezug genommen auf die drei vorherigen Teile, aber man kann das Büchlein auch separat lesen und verstehen.
Der große, kosmologische Rahmen hat mir großartig gefallen; Ökonomie, familiäre und beziehungstechnische Verwerfungen gibt es dennoch, die mir hier irgendwie auch fehl am Platze erschienen, aber dann doch nicht so sehr störten (also mich störten).
So mag ich Blish! 8 / 10 Punkte

41 – Warren Ellis: „Gun Machine“
Ich möchte dringend darum bitten, dass Herr Ellis mehr Romane schreibt! Auch das Teil hier war wieder absolut stark. Dabei ein fast ganz normaler Krimi. Im Laufe der Erzählung dachte ich schon, es gibt einen phantastischen Kern, der mit den amerikanischen Ureinwohnern zu tun hat, hier speziell der Indianer, die auf der Insel des heutigen Manhattans lebten. Am Ende ist es nur der ganz normale Wahnsinn.
Es ist also ein normaler hard boiled Krimi. Sehr gewalttätig, mit viel schwarzem Humor. Der Protagonist ist ein herunter gekommener Polizist, der eingangs gleich mal seinen Kollegen verliert. Bei einer Schießerei mit einem durchgeknallten Bewohner eines Mietshauses, das einer Mietspekulation zum Opfer gefallen ist, kommt er um. Dabei entdeckt er eine Art Waffenlager, das aber mehr ist – nämlich eine Art indianisches Heiligtum, ein magischer Ort, der aus Waffen erstellt wurde, die alle für Morde in den letzten 20 Jahren benutzt wurden. Alles unaufgeklärte Fälle. Na klar, ist eine riesengroße Schweinerei die dahintersteckt, die in die höchsten Kreise des New Yorker Establishment reicht.
Ellis ist ein Meister der spannenden, action-betonten Unterhaltung. Hier stimmen Plot, Tempo, Dialoge, Stimmungen und Botschaften. Nun bin ich echt Fan von Ellis!
10 / 10 Punkte

42 – Federico Andahazi: „Lord Byrons Schatten“
Auf der Suche nach Geschichten, die für den nach meiner Auffassung oftmals Unrecht getanem Dr. Polidori eine Lanze brechen, stieß ich auf diesen kurzen Roman. Der Autor hat wohl schon einen „skandalumwitterten“ Bestseller verfasst, der dem Titel nach (Im Land der Venus) vor allem eines thematisiert. So auch hier. Was wir hier an Enthüllungen von und über John William Polidori erfahren, geht vor allem unter die Gürtellinie. Und es stellt sich heraus, wer der wahre Autor seiner weltbekannten Story „Der Vampir“ ist.
Polidori kommt hier charakterlich nicht gut weg, aber die anderen großen Dichter, Byron, Shelley, und sogar Mary Shelley auch nicht. Das Buch ist frech und frisch verfasst, das mit dem Sex etwas seltsam. Dazu kommt ein sehr außergewöhnlicher Vampir. So habe ich das noch nirgends gelesen. Insgesamt aber war das alles nicht sehr erhellend für mich.
7 / 10 Punkte

43 – Mario Vargas Llosa: „Der Traum des Kelten“
Das Buch hatte ich schon mal 2013, im November (50). Hatte es auch damals auf meiner Leseliste, siehe hier:
http://www.scifinet....mber-leseliste/
Das Buch war ja der Hit für mich in diesem Jahr 2013. Nun, jetzt halt noch mal – gehört übrigens – auch damals als Hörbuch.
Die Gestalt des Roger Casement ist nach wie vor faszinierend. Und wieder habe ich mit Faszination und Erschrecken von den Erlebnissen dieses interessanten Mannes gehört. Als Kind begeisterten ihn Geschichten von Entdeckern und Forschern, die fremde Länder und Ozeane erkundeten. Er las von Livingstone und Stanley in Afrika; dann ging ein Kindertraum für ihn in Erfüllung: Er lernte Stanley kennen und nahm an einer seiner Expeditionen teil. Nun, er musste ihn allerdings auf einer ganzen anderen Art kennenlernen…
Casement war ein Fan des britischen Imperialismus – bis er ihn in Aktion erlebte. Casement war im Kongo, am Amazonas, und dann als Freiheitskämpfer für Irland unterwegs.
Was mir beim diesmaligen Hören so nebenbei auffiel: Der Autor legte seine Erzählung so an, dass alles aus der Erinnerung des zum Tode verurteilten Casement erzählt wird. Die Rückblicke laufen nicht immer chronologisch ab. Dadurch entstehen Dopplungen, was natürlich einen gewissen Lerneffekt hat, aber so eine Redundanz kann auch etwas ermüden.
Ansonsten ist es – wie ich 2013 schon bemerkte – alles recht nüchtern erzählt, mit vielen Datumsangaben. Das erleichtert die historische Einordnung, kann aber auch etwas zu nüchtern und fachsprachlich erscheinen. Aber nach wie vor gehört das Buch zu meinen absoluten Lieblingen; werde es sicher nicht das letzte Mal genossen haben. (Mit dem erhobenen Zeigefinger: Sollte man sich mal zu Gemüte führen, wenn man meint, dass es uns hier und heute so schlecht ginge. Was Casement so sah und erlebte und gegen was er ankämpfte, ist einfach nur die Hölle, die Menschen sich gegenseitig zufügen.)
– ohne neue Wertung –

44 – Tom Holland: „Der Vampir“
Hach, das war auch mal so ein Lieblingsbuch von mir. Damals, als die Vampir-Welle wogte. Anne Rice hatte ich nie gelesen, dafür aber Tom Holland. Na, ich nehme mal an, das nimmt sich nicht. Höchstens insofern, als dass Anne Rice besser schreibt als Tom Holland – und natürlich viel berühmter wurde.
Dass ich noch mal zu dem Schmöker griff, hat seine Ursache darin, dass ich diesen Sommer u.a. damit verbrachte, eine Lanze für den Doktor Polidori zu brechen. Polidori, der Mann, der den modernen Vampir „erfand“ – und sich neben der berühmteren Mary Shelley die zweite bleibende Geschichte in der berühmten Nacht am Genfer See ausdachte.
Wer war dieser Dr. Polidori? Der Frage gehe ich also nach und erinnerte mich, dass es in diesem Vampir-Roman auch um die Dichter-Gruppe um Lord Byron ging. Polidori kommt hier auch drin vor und leider sehr schlecht weg. Sein Neid auf den großen Dichter, der er auch gern sein wollte, macht ihn fertig.
Holland, von Hause aus Historiker, verknüpft sehr geschickt die biografischen und historischen Fakten um Byron und seine Genossen, zu denen (hier) am Rande auch Polidori gehörte, mit einem Vampirstoff, der mir jetzt, beim zweiten Lesen, ziemlich schmonzettenhaft erschien. Na, ist irgendwie auch ein wild-romantischer Stoff. Und die Liebe zum Blut, die in Gier und todbringende Wut umschlägt, paart sich mit der Liebe und Zuneigung zu Menschen und Vampiren. Das wird dann schon mal mitunter ziemlich schwülstig.
Kann man den Roman heute noch lesen? Warum nicht. Ich gebe mal 7 / 10 Punkte.

45 – Alan Moore, Dave Gibbon: „Watchmen“
Ist ein Comic-Buch, aber ein mächtig dickes und wird auch als „Comic-Roman“ angepriesen. Insofern wage ich es, mal (wieder) ein Comic in meine Leseliste aufzunehmen. Habe auch in etwa so lange wie an einem richtigen (vielleicht nicht zu umfangreichen) Roman dran gesessen.
Weil ich ja den Film kenne und mir mal wieder ansehen wollte und weil ich gerade die Serie gesehen habe, die die Story des Comics fortsetzt, musste ich jetzt auch mal das Original lesen.
Geniales Zeitbild des Kalten Krieges in den 80er Jahren, vom Leben unter der Gefahr der atomaren Vernichtung der Menschheit. Ich habe die Zeit ja selbst miterlebt, aber als junger Mensch. Muss sagen, dass ich sie nicht so bedrückend in Erinnerung habe, wie sie hier rüberkommt. Aber das schreibe ich in erster Linie meiner Naivität zugute. Die Zeit was gefährlich, in der Tat. Auch ohne maskierte Rächer und Superhelden, übrigens.
An der Stelle will ich mal mit der Story etc. nicht langweilen, kennt ja inzwischen jede/r.
Eines ist mir beim Lesen und auch beim Sehen der Serie besonders aufgefallen. Etwas, was heute sehr aktuell und akut geworden ist: Rorschach ist ja echt mal der Prototyp eines antiliberalen, rechten Volks-Helden. Darauf wurde ich erst richtig aufmerksam, als ich die Serie sah und mitbekam, welche Leute sich die Rorschach-Masken überziehen. Rorschach selbst meint es ja durchaus ehrlich, ihn kotzt die Verlogenheit und Korruptheit der (aus seiner Sicht und von ihm so benannten liberalen) Elite an, aber was daraus werden kann, ist (mir) heute klarer als damals, als ich den Film das erste Mal sah. – Schön, dass ich immer noch was dazulernen kann.
Einen Punkt ziehe ich ab, weil mir die langen Prosatexte zwischendrin nicht wirklich immer gefielen. Aber wenigstens sind sie hier lesbarer als in den Providence-Bänden (dort in Schreibschritt).
9 / 10 Punkte


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Gelesen - der halbe Juni und der ganze Juli 2020

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 31 July 2020 · 1638 Aufrufe
Frank Herbert, Borges, Polidori und 1 weitere...
32 – J.L. Borges: „Die Bibliothek von Babel“
Das ist der 1. Band der vierbändigen Ausgabe aus der DDR, hg. v. Fritz Rudolf Fries, 1987. Ich hatte diese Bände kurz nach ihrem Erscheinen, also so 1988 (?) gelesen; und jetzt also wieder, nach über 30 Jahren. War wohl Zeit, zumal ich seitdem Borges als einen meiner Lieblingsschriftsteller bezeichne.
Dabei bleibt es auch! Auch wenn ich mich oftmals bei ihm frage, was er mir damit sagen will, faszinieren mich diese Kurzerzählungen nach wie vor. Bei ihm ist erst einmal fast egal, worüber er schreibt, er vermittelt mir immer so etwas wie „größere Geheimnisse“, die hinter den Dingen lauern. Die sind ja so ganz anders als die nordamerikanischen Short Stories, denn oftmals hat man nicht mal einen richtigen Plot. Manche lesen sich eher wie Aufsätze zu fiktiven Themen, wie Darstellungen oder Berichte. Andere sind Parabeln.
Na, wie auch immer, das gibt satte 10 / 10 Punkte

33 – H.G. Wells: „Die Insel des Dr. Moreau“
Der Klassiker als Vorbereitung für die Lektüre des neuen Comics von Adams und Rodriguez gelesen. Aber nicht nur deshalb. Schuld daran trägt auch Borges, der ja Fan von Wells war und der einen guten Kumpel hatte: Casares, der nun wiederum mehrere Texte schrieb, für die Wells‘ Roman als Vorlage diente.
Der Roman hielt ein paar Überraschungen für mich bereit. Details, die ich nach 30 Jahren einfach mal vergessen hatte. Diese Auffrischung tat jedenfalls sehr gut; hier kann man nur vergeben:
10 / 10 Punkte

34 – Frank Herbert: „Dune – der Wüstenplanet“
Als Hörbuch. Darf ich das so zugeben: Habe nie vorher Dune gelesen. Den Film von Lynch gesehen, klar, mehrmals. Danach hatte ich gar nicht den Trieb, das dicke Buch noch zu lesen. Was soll denn da noch Interessantes drin stehen, was der Film nicht erzählt hat? Auch wenn man sicher davon ausgehen kann, dass Film und Buchvorlage nicht zu 100 % übereinstimmen.
Na, jetzt also nachgeholt, als Hörbuch. Und? Ja, es ist anders. Was fiel mir da an (für meine Begriffe wesentlichen) Unterschieden auf?
Paul Atreides ist schon früh eine gebrochene Figur, er ahnt, dass er mit seinen „Reformen“ Schlimmes heraufbeschwört. Seine Mutter Jessica hat eine viel größere Bedeutung als im Film (ist mir so zumindest in Erinnerung). Das Gewürz ist zwar total wichtig, aber wird nicht so sehr in den Vordergrund für die Gilde der Raumfahrer gerückt, die ja ohne das Zeug ihren Job gar nicht ausführen könnte. Na ja, irgendwie stimmt das schon, denn es verstärkt ja die Kraft, die Zukunft zu sehen, also können sie so den Weg durch das All finden.
Im Roman nervten mich zunächst die echt altertümlichen, feudalen Familien-Macht-Verhältnisse, um die es ja fast ausschließlich geht. Aber ich habe mich beim Hören dran gewöhnt.
Was mir beim Sehen des Filmes jetzt nach der Lektüre auffiel: Die Gedankengänge, die Herbert seinen Figuren in den Kopf legt, sind um ein Vieles komplexer als dann im Film. Dort denken die Leute ja auch laut, aber meist belangloser und kürzer als im Buch. Das war dann schon eine echte Bereicherung.
Insgesamt hatte das Buch für mich ein paar Längen, die mich vielleicht beim Lesen abgeschreckt hätten und zu einem vorzeitigen Lektüreabbruch führen könnten. Aber so beim Laufen durch die morgendliche Stadt war das schon schön.
8 / 10 Punkte

35 – Adolfo Bioy Casares: „Morels Erfindung“
Auf den Spuren von Wells‘ Dr. Moreaus führte mich der Argentinier auf eine Nachbarinsel, die von Morel. Hier begegnen wir keinen Tier-Mischwesen, dafür so einer Art untoter Hologramm-Menschen. Ziemlich geniales Setting, aber schon gewöhnungsbedürfte Verarbeitung. Anfangs ging es nur um die Liebe des Protagonisten, den es auf die Insel verschlagen hatte. Er hat sich in eine Frau verliebt, aber irgendwie kam er nicht an sie ran. Das hat seine Gründe. In der Mitte des Romans entpuppt sich die Geschichte als echte SF; ab da hatte er mich dann auch wirklich gepackt.
8 / 10 Punkte

36 – Guy Adams: „Sherlock Holmes. Die Armee des Dr. Moreau“
Eine Fortsetzung von „Die Insel des Dr. Moreau“ in Form einer Sherlock-Holmes-Pastiche. Geniale Idee? Ja, vielleicht, aber die Umsetzung hat mich nicht überzeugt.
Der Roman ist eine geradlinig erzählte Abenteuerstory, die bei Wells ansetzt, dem Vorgänger aber nicht gerecht wird. Auch wird das „Gesetz“, auf das die Tier-Mensch-Gesellschaft eingeschworen wurde, hier auf den Kopf gestellt.
Okay, für so zwischendurch und zur Unterhaltung (das will der Autor, wie er in seiner Nachbemerkung selbst schreibt, auch so erreichen) ist es nicht schlecht. Wer wissen will, was aus Dr. Moreaus Ideen geworden ist, auch was aus dem einzigen menschlichen Überlebenden, Prendick, geworden ist, wer für die schrecklich verstümmelten Leichen in der Themse verantwortlich ist und was Sherlock Holmes und Dr. Watson am Ende dazu rausbekommen, dem sei das Buch empfohlen.
6 / 10 Punkte

37 – Warren Ellis: „Gott schütze Amerika“
Nachdem mir seine Comic-Novelle „Frankensteins Schoß“ so gut gefallen hat, habe ich mich einfach mal auf seinen Romanerstling eingelassen. War eine gute Entscheidung! Habe mich trefflich unterhalten bei der Lektüre. Das Buch zeichnet sich nun zwar nicht gerade durch einen überkomplexen Plot aus, konnte mich aber durch seinen schwarzen, oft unter der Gürtellinie verlaufenden Humor, seine Schnoddrigkeit und dystopischen Verrücktheiten begeistern. Erst dachte ich, das sei ein Alternativ-Welt-Roman, ist es aber nicht. So richtig ernst gemeint ist das Ganze aber auch nicht – hoffe ich zumindest. Den Lese-Spaß erzeugt der Autor vor allem durch witzige-spritzige Dialoge, gefährliche und auch eklige Situationskomik und viele Sex-Gags.
Dabei gibt es sogar einen phantastischen Aufhänger: Ein Detektiv (so richtiges Noir- oder Hardboiled-Klischee: Ex-Polizist, kein Geld, keine Frau, keine Jobs, Alkoholproblem) kriegt von einem durchgeknallten, drogenabhängigen Staatsbeamten einen Job und einen Haufen Geld. Er soll ein Buch finden. Natürlich ein besonderes Buch: Die Verfassung der USA – mit den 23 unsichtbaren (sic!) Zusatzartikeln. Dabei muss er ordentlich im Sex- und Drogensumpf der US-Eliten graben und sich so einiges ansehen, anhören und über sich ergehen lassen. Dabei hilft ihm eine bezaubernde, aber auch nicht so ganz einfache junge Dame. Die Handlung zieht sich von Nummer zu Nummer, dem wertvollen Buch immer ein Stückchen näher kommend, hin. Ein happy end gibt es auch noch.
Hab lange kein Buch mehr so in einem Ritt und mit so viel Amüsement durchgelesen. Klasse Unterhaltung, und dann sogar noch mit einem angedeuteten Diskurs zum Thema Wert der Freiheit im Konflikt zum sittlichen und moralischen Verfall der US-Gesellschaft.
Für mich waren das mal glatte 10 / 10 Punkten.

38 – Frank Herbert: „Der Herr des Wüstenplaneten“
Hörbuch
Frank Herbert, ja? Nun, ich muss gestehen, das hat mir jetzt gar nicht mehr zugesagt. Wenn der erste Teil - also der Klassiker schlechthin – schon eigentlich eher ein Familiendrama vor nahöstlich-mittelalterlichem Hintergrund ist – mit etwas SF, aber auch mit Fantasy-Elementen – dann ist es dieser zweite Teil erst recht.
So gelesen (vorgelesen bekommen) kann ich nicht nachvollziehen, warum dieses Werk so einflussreich war und noch immer ist. Mir war es ziemlich langweilig. Es geht ja fast nur noch um Machterhalt innerhalb eines zutiefst feudalistischen Gesellschaftssystems. Interessant ist noch die Selbstreflektion Pauls, der erkennen muss – nach zig Milliarden Todesopfern! – dass er zum Gewaltherrscher mutiert ist, was er immer verhindern wollte.
In dem Roman passiert eigentlich sehr wenig, wird nur über vergangene Zeiten und Ereignisse reflektiert, über das, was in „Dune“ passierte und danach, aber ansonsten? Ist wohl nur so ein Zwischenstück, ehe der neue Leto an die Macht kommt.
6 / 10 Punkte

39 – Reinhard Kaiser: „Der kalte Sommer des Doktor Polidori“
Alle reden über Mary Shelley und ihren Frankenstein! Aber was ist mit dem anderen Topos der modernen Phantastik, dem edlen, adligen Blutsauger, der in dem gleichen kalten Sommer 1816 geschaffen wurde und seinem Schöpfer?
Außerdem war ich immer skeptisch, ob der Dr. Polidori in dem Film „Gothic“ wirklich so ein unsympathischer Typ ist, wie er dort dargestellt wird.
Nach der Lektüre dieses Buches: Nein ist er nicht, obwohl… Er hat es halt schwer im Schatten seiner Majestät, des Großfürsten der Dichtkunst und des Nonkonformismus, Lord Byrons, zu bestehen. Das Buch ist aufschlussreich und locker und leicht geschrieben; eine Wohltat und Anregung, weiter auf den Spuren Polidoris zu wandeln…
9 / 10 Punkte


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Im Zeichen Münchhausens - der neue NEUE STERN

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern, Phantastisches Halle & Le... 03 July 2020 · 398 Aufrufe

Im Zeichen Münchhausens - der neue NEUE STERN Geschafft, hurraaaa!
Auf den letzten Drücker. Heute ist SF-Stammtisch bei den „Hallensern“, also beim ANDROMEDA SF Club Halle und der hausinterne „Rundbrief“ ist fertig.
Aber nicht nur das; auch die Leutchen außerhalb Halles, die das Zine beziehen, können sich freuen, verpackt sind sie und, darauf darf ich hier mal hinweisen: Die Briefmarken habe ich extra für diese Ausgabe herstellen lassen, wie man sicher dem Foto entnehmen kann. – Na ja, das ist natürlich geschwindelt, was ebenso zum Inhalt des Heftes passt wie das Cover und die Briefmarke, denn es geht in einem längeren Abschnitt um den guten alten Lügenbaron Münchhausen.

Was gib's zu lesen?

Editorial mit einem Nachruf auf unseren SF-Freund Norbert Danziger, verfasst von Wilko Müller jr.
STORY - Ellen Norten: Emil Blutrausch
Thomas Hofmann erinnert an Münchhausen
Peter Schünemann erinnert an den Männertagsausflug des ASFC 2020
Thomas Hofmann stellt vor: Ina Elbracht: Der Todesengel
STORY - Volker Adam erzählt von der wahren Geschichte von Hänsel & Gretel
Peter Schünemann rezensiert B. Collins: Die verborgenen Stimmen der Bücher
...und Nils Wiesner: Das Gralprogramm
Thomas schaut sich Lovecraft-Mangas an
Volker Adam hat von P. Bacigalupi: Biokrieg gelesen
Thomas Hofmann hat James Blish gelesen
Peter Schünemann meint von Lavie Tidhar, der sei Extraklasse (Teil 1)


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Es sind noch NEUE STERNE da....

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 13 June 2020 · 355 Aufrufe

Es sind noch NEUE STERNE da.... Mal so als Info - und wer diesen "Rundbrief" - das kleine Fanzine kennen lernen möchte.
1) Die Winterausgabe - das ist sozusagen ein Fehldruck (Die interne Farbseite ist nur eingelegt), da kann man gern drüber verhandeln; nur ein Exemplar von dem Fehlerheft ist da.
2) die 2. Winter-Ausgabe - beide Winterausgaben
3) das Frühlings-Doppel 59 /60
4) der aktuelle "Krohns Stern" (eine Hälfte ist Rolf Krohn gewidmet - eine Story von ihm und ein langer Artikel, in dem seine Werke vorgestellt werden).

Ach, und noch etwas, etwas Wichtiges:
Liebe Autorinnen & Autoren!
Die Leutchen vom NEUEN STERN suchen Euch!
Bitte meldet Euch, wenn Ihr Euch vorstellen könnt, Eure Story in dem Fanzine abgedruckt zu sehen!

(wir hatten das ja schon mal, gilt nach wie vor)


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Leseliste - der ganze Mai und der halbe Juni

Geschrieben von T.H. , in Leseliste ab 2013 12 June 2020 · 468 Aufrufe
Christopher Priest und 2 weitere...
Na ja, das mit dem monatlichen Rhythmus hat dann mal gerade nicht geklappt. Kann dann in Zukunft nur besser werden. Aber jetzt erst mal: Was bisher geschah...

23 – Manuela Lenzen: „Künstliche Intelligenz. Was sie kann & was uns erwartet“
Eine sicher gut recherchierte und historisch fundierte Zusammenfassung zum Thema. Mir bot das Buch aber schon zu wenig an Neuem, oder an Sichtweisen, die mir neu wären. Mit anderen Worten: Es hat mich gelangweilt.
Deshalb muss es nicht schlecht sein! Im Gegenteil, wer sich umfassend mit dem Phänomen befassen will, dem sei es empfohlen, aber man „darf“ quasi nicht allzu viel Vorwissen haben. Die Autorin fängt teilweise sehr beim Urschleim an – aber die „historischen Grundlagen“ hatte ich in dem Transhumanismus-Kritik-Buch besser zusammengefasst und präsentiert bekommen, vor allem die, auf die es ankommt; eine wiederholte Darstellung der Entwicklung von Computern und Robotern brauchte ich jetzt gerade nicht.
Die Autorin geht sehr nüchtern an die Angelegenheit ran, will sie weder vergöttern, noch verdammen – und hält bewusst den Ball flach, wie man so schön sagt. Vielleicht sollten wir nicht allzu viel erwarten (Singularität und so…). Ich vermisste den klaren Standpunkt. Im Grunde bleibt sie in der Konsequenz schwammig – vielleicht ist das aber auch eben realistisch, denn niemand kann in die Zukunft sehen…
6 / 10 Punkte

24 – Christopher Priest: „Der Traum von Wessex“
Etwas Geografie vorweg: Wessex ist keine Stadt – in unserer Welt. Hatte ich erst mal so oberflächlicher Weise gedacht. Es ist aber eher eine Landschaft, und historisch: Ein mittelalterliches Königreich auf britischem Boden, südwestlich von London, bis Wales runter.
Da wir den Ort geklärt haben, müssen wir nun über die Zeit reden. Darum geht es auch in dem Roman. Ich behaupte mal, das ist ein Priest-Roman im Rohschliff. Dadurch ist er viel mehr SF, als seine anderen Parallelwelt-Romane.
Das ist unverständlich? Okay, ich bemühe mich um eine Aufklärung des Sachverhalts.
Es gibt in den 80er Jahren des 20. Jh. ein Institut in Südengland, das sich mit einer Simulation der Zukunft befasst. Diese Erkenntnis offenbart der Autor nicht gleich zu Beginn, da lässt uns Leser erst einmal schmoren. Das ist ja auch typisch für Priest und fördert den sense of wonder. Allerding – deshalb „roh“ – klärt er uns ziemlich schnell auf, dass wir es hier mit 2 Ebenen zu tun haben, die in einem direkten und gut unterscheidbaren Maße miteinander zu tun haben: Die Realität und die Simulation. Allerdings ist die Simulation für die handelnden (simulierenden) Personen nicht immer als solche erkennbar. Daher braucht man als Leser zunächst auch etwas, um sich dort zurecht zu finden.
Das ist also schon ungewöhnlich für Priest, der ansonsten gern seine Leser darüber im Unklaren lässt, was „echt“ und was „geträumt“, fantasiert, ausgesponnen, simuliert ist.
Die Simulation ist eine Welt der Zukunft. Die Probanden erleben diese, ja, leben regelrecht in dieser Zukunftswelt. Großbritannien ist zerfallen, die Sowjetunion ist dominierende Macht in Europa, Wessex ist wohl sowas wie eine Sowjet-Republik; allerdings schmückt der Autor diesen gesellschaftlich-politischen Zustand nicht sehr aus. Vieles wird nur angedeutet. Obwohl diese politische Entwicklung den Leser schockieren dürfte, scheint man aber durchaus dadurch in der Lage gewesen zu sein, andere drängende Probleme, wie z.B. die Umweltverschmutzung, in den Griff bekommen zu haben.
Ziel des Instituts, das diese Simulation – übrigens durch Kopplung der Vorstellungswelten der Probanden – erstellt hat, ist es herauszubekommen, wie es zu dieser möglichen Zukunft gekommen ist. Man ist halt in den 80er Jahren des 20. Jh. ziemlich am Ende mit seinem Latein, daher erdenkt man sich eine Welt, in der wichtige Probleme gelöst sind und will nun wissen, wie man zu diesem – leidlich – idealen Zustand gelangen kann.
Das müsste doch nicht so schwer sein. Allerdings wissen die Probanden gar nichts von ihrer Aufgabe, wenn sie in der Simulation „erwachen“, sie denken eben nicht daran, mal „vor Ort“ nachzuforschen, wie die Geschichte in den letzten 100 Jahren verlaufen ist.
Das alles ist der Rahmen; nun kommt – auch typisch für Priest – eine konkrete Beziehungsgeschichte hinzu. Die ist noch nicht mal uninteressant, da die Personen ziemlich starke, vielleicht etwas eindimensionale, aber handfeste Charaktere sind. Julia hat sich von Paul getrennt, Paul ist ein A., na ja… auf jeden Fall macht er seiner Ex das Leben zu Hölle. Julia trifft in Wessex ihren Traummann. Usw. Der Plot ist dann aber doch interessanter, als ich es hier andeute! Lesen lohnt! Wobei ein Trick, den der Autor dann anwendet, nämlich die Möglichkeit, in der Simulation, also in dem zukünftigen Wessex, wiederum eine Simulation anzuregen, nicht wirklich bis zu einem (bitteren?) Ende ausgemalt wird. Da hat der Autor nach meinem Dafürhalten etwas Potential verschenkt, zugunsten seiner Story um Liebe & Kabale.
8 / 10 Punkte

25 – James Blish: „Auch sie sind Menschen…“
Wie (mir selbst) versprochen: Ich lese weiter kurze Texte von Blish, da mir „Irgendwann“ so gut gefallen hat. Dieses Buch hier firmiert – zumindest in der Ausgabe, die mir vorliegt – als Roman. Aber es ist kein Roman, höchstens eine Sammlung von Stories, die ein gemeinsamer Grundgedanke eint. Dennoch sind die einzelnen Stories als „Bücher“ deklariert. Das ist spätestens mit dem „Vierten Buch“ albern, denn das umfasst ganze 8 Seiten…
Das Buch ist in einer Reihe „SF für die Jugend“ erschienen, hat ultradickes Papier, fast Pappe (für Kleinkinder?), aber leider keine Illustrationen. Nun, wie jung die Jugend sein darf, die das lesen kann, weiß ich nicht, aber „Jugend“ ist ja mitunter ein weiter Begriff. Superkomplex sind die Stories aber eher nicht, man muss sich nur bei der starken, fast überbordenden Phantasie des Autors, auf Schilderungen und Beschreibungen gefasst machen, die man erst mal erfassen muss. Dadurch haben wir es aber mit phantasievoll-farbenprächtigen Alien-Schilderungen zu tun, die … äh, stimmt ja gar nicht, denn: Auch sie sind Menschen!
Darum geht’s: Es werden in vier „Kapiteln“ Einblicke in eine Entwicklung der Menschheit gewährt, die zeigen, wie sie sich über die Galaxis ausbreiten kann. Dabei werden nicht die Planeten terraformt, sondern die Menschen passen sich an die fremden Lebensbedingungen an. Das erfolgt zunächst quasi im Widerstand zum gesellschaftlichen Mainstream, später planmäßig. Es gibt da einen richtigen „Aussaatplan“ (Däniken würde sich freuen und das vielleicht als Sachbuch lesen?), das Fachwort dazu hat Blish auch parat: Pantropie
8 / 10 Punkte

26 – Eugene Thacker: „Im Staub dieses Planeten. Horror der Philosophie“
Hach, was fange ich mit diesem Buch an? Gelockt hat mich der Titel und das Thema. Aber nach der Lektüre muss ich gestehen, dass es mich eher nicht so hinter dem Ofen hervorlockt.
Ein Buch mit philosophischen Essays, die Bezug zur dunklen Phantastik, bzw. zur phantastischen Literatur und Filmkunst nehmen. Dass Philosophen sich mitunter um Dinge kümmern, die ein „Normalsterblicher“ kaum nachvollziehen kann, war mir schon bewusst, aber ich hatte schon die Hoffnung, dass mir dieses Gemenge aus (Horror) Phantastik und Philosophie relevant erscheint.
Die Referenzen sind schon so ganz mein Ding: Lovecraft (natürlich), Ballard, Fritz Leiber, James Blish (sic!), Fred Hoyle u.a. Ich lerne etwas über die Dämonen der Hölle, über kosmischen Pessimismus (könnte ruhig intensiver und ausführlicher behandelt werden) und okkulte Philosophie, über die verborgene und sichtbare Welt, über den Zusammenhang von Leben, Tod und Aussterben (das war dann aber mir wirklich zu abstrakt und unfasslich).
Es waren aber auch schöne und inspirierende Wendungen enthalten. So z.B. die Überlegung, dass das Grauen weniger mit der Angst vor dem Tode, denn mit der Angst vor dem Leben zu tun hat.
Punkte? Hach, weiß nicht, will ich mal nicht vergeben, weil ich mich hier einfach nicht für kompetent genug halte, das Buch wirklich wertzuschätzen. Vielleicht kann das ja als Einladung an Euch verstanden werden: Wer will, kann mir gern auf die Sprünge helfen!

27 – Ina Elbracht: „Der Todesengel“
Ein Grusel-Thriller, Blitz-Verlag, 2020
- siehe hier -
9 / 10 Punkte

28 – Anna von Münchhausen: „Der Lügenbaron. Mein phantastischer Vorfahr und ich“
Als ich mitbekam, dass der reale Freiherr v. Münchhausen am 11.05.2020 seinen 300. Geburtstag feierte und ich einen interessanten Artikel in einer Tageszeitung darüber las, die genau dieses Buch zur Lektüre empfahl, erwarb ich es spontan. Tatsächlich las ich in diesem besagten Artikel so viel mir Unbekanntes zur Biografie des real-existierenden Barons und zur Publikationsgeschichte der Bücher, dass ich mich darin etwas vertiefen wollte. Da erschien mir dieses kleine Büchlein einer Verwandten des Herrn eine gute Wahl.
Nun, war sie auch, also eine gute Wahl, wenn auch keine sehr gute. Das Büchlein ist ein Sammelsurium verschiedenster Texte, bzw. Textchen, in denen die Autorin selbst und weitere Familienangehörige über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrem berühmt-berüchtigten Namen erzählen, in denen die wenigen bekannten biografischen Informationen zum Lügenbaron noch mal rekapituliert werden, die interessante und spannende Publikationsgeschichte (Raspe, Bürger), zu den Filmen und den Leuten, die sich heute mit der Person und dem Phänomen Münchhausens beschäftigen, vorgestellt werden.
Ein paar Münchhausiaden erzählt die Autorin auch noch; okay, darauf hätte ich gut und gerne verzichten können.
7 / 10 Punkte

29 – Stephen Hawking & Leonard Mlodinow: „Der große Entwurf“
Hörbuch, gelesen von Ranga Yogeshwar
Ich hoffe, niemand verlangt von mir jetzt eine kurze Inhaltsangabe und vor allem Wertung hinsichtlich der Richtigkeit des Inhaltes. Ich merkte beim Hören, dass ich so unbegabt bin als Physiker; mich interessierte da mehr die philosophische und kosmologische Dimension. Ist ja auch zu einem Großteil eine Geschichte der Erkenntnistheorie, eine Geschichte der Evolution des Wissens und der Erkennbarkeit des Universums. Und tatsächlich fand ich, dass der bekannte Wissenschaftsjournalist und -Popularisator (gibt es das?) aus dem Fernsehen das Buch ganz wunderbar liest. Sehr kurzweilig das Ganze und dafür geschaffen, mehrfach zu hören (teilweise getan), um da richtig mitzukommen.
(Keine Wertung, kann ich hier nicht vergeben)

30 – Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“
Ein Zweitlesen, besser: Lesenlassen – Hörbuch, gelesen von Ulrich Noethen.
Wollte das Buch schon lange mal wieder lesen, wie übrigens alles von D.K. Jedes Mal, wenn ich was von ihm lese, geschieht das mit großem Gewinn, auch beim wiederholten Lesen.
Die Doppelbiografie dieser beiden großen Wissenschaftler, die charakterlich so unterschiedlich waren und sich wohl freundschaftlich zueinander verhielten, ist absolut faszinierend. Es gibt so nebenbei auch ein paar tolle Anknüpfungspunkte für den Phantastik-Fan. Allein die Idee vom Orinoko, die den jungen Humboldt zu seiner abenteuerlichen Forschungs-Reise bewegte, ist im Grunde genau dasselbe, was einen Lovecraft zu seinen abenteuerlichen Geistes-Reisen veranlasste. So erschien es mir jedenfalls.
Vergnüglicher ist natürlich das Verhalten und Ins-Benehmen-Setzen des griesgrämigen Gauß. Und sein Sohn Eugen tut mir jedes Mal immer wieder leid. Dessen Erlebnisse mit der nationalen Studentenbewegung und einem (wohl falschen) Turnvater Jahn sind in ihrer Kehlmann‘schen kondensierten Schilderung so aufschlussreich – immer wieder.
10 / 10 Punkte (was sonst!)

31 – Michael Moorcock: „Die Zeitmenagerie“
Der erste Teil der Endzeit-Saga von Moorcock und mein x-ter Versuch, das Buch zu lesen. Ja, irgendwie kann ich mich immer noch gut verstehen, dass ich es mehrmals abgebrochen habe. Aber diesmal bis zum Schluss durchgehalten! Und dann war es auch gar nicht mal so übel.
Anfangs hat mich die Schilderung dekadenter Beliebigkeit am Ende der Zeiten gelangweilt. Fand ich auch diesmal wieder nicht so prickelnd. Wenn dann aber der Endzeit- Mensch seine große Liebe aus dem 19. Jahrhundert trifft, verehrt und in deren Zeit verfolgt, nimmt das Buch für meinen Geschmack an Fahrt auf. Spätestens dann, als der unbedarfte Zukunftianer in der Epoche seiner Sehnsucht war und so gar nicht mir den Gefahren dieser Zeit umgehen konnte, hatte mich die Geschichte erfasst. Also, ich werde dann wohl auch die anderen beiden Teile lesen müssen...
8 / 10 Punkte


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Die 60 ist erreicht!

Geschrieben von T.H. , in Neuer Stern 22 May 2020 · 1000 Aufrufe
Rolf Krohn, Sebastian Guhr
Die 60 ist erreicht! Jetzt aber!
Die letzte, 59. Ausgabe des NEUEN STERNS sollte ja so ein wenig mal wieder Teil einer Doppelausgabe werden. Aus verschiedenen Gründen, die nicht wirklich wichtig sind, wurde das nichts.
Aber es gibt diesen „anderen Teil“. Hier ist er! Und noch verrückter: Jetzt gibt es doch gleich 2 Ausgaben auf einmal. Das Heft 61 ist zur Hälfte mit Krohn-Material befüllt.
Fast unbemerkt hat nämlich ein deutscher SF-Autor seinen 70. Geburtstag gefeiert, und dazu auch noch sein 40-jähriges Schriftsteller-Jubiläum:
Rolf Krohn
Gut, dass wenigstens einem unserer Halleschen Autoren des NEUEN STERNs dran gedacht hat. Bernd Wiese hat sich der in 40 Jahren entstanden Bücher von Rolf Krohn angenommen. UND: Rolf Krohn hat exklusiv für uns zu „seiner“ Ausgabe – KROHNS STERN – eine Story beigesteuert. Da bin ich ja ganz besonders stolz drauf!

Beide Hefte haben je 44 Seiten + Farbcover

#60 Frühlingserwachen
Story von Marco Rauch + Thomas Hofmann lässt sich über geniale SF von Moorcock aus + Bernd Wiese widmet sich wieder seinen Alten Bücherschränken + Volker Adam kramt auch darin, auch wenn sein Bücherschrank nicht gar so alt ist, aber Klassiker hat er auch gefunden (Ward Moore und Farmer) + Peter Schünemann stellt Claire North: Die vielen Leben des Harry August, vor + Thomas Hofmann setzt seine Entdeckungsreise in die Welten des Sebastian Guhr fort + und widmet sich der „Transhumanistische Mythologie“ + Zu guter Letzt noch etwas Steampunk- George Mann, Rezi von Peter Schünemann
#61 Krohns Stern
Peter setzt seine George-Mann-Lesung fort + Rolf Krohn kommt zu Wort und wird breit vorgestellt + noch mehr aus alten Bücherschränken + und eine sehr schöner Überblicksartikel zu Bernhard Hennen: Die Chroniken von Azuhr - Beitrag von Sabine Seyfarth






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Motto

„Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nigthmare.“ 

Arno Schmidt

Thomas Hofmann, ein Phantastik-Fan

Angehängtes Bild: Demiurg_g.jpg

© Thomas Hofmann

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Als Freund der phantastischen Künste artikuliere ich mich seit ca. 1988. Vielleicht kennen einige von Euch meine Zeichnungen. War auch als Rezensent im Fandom unterwegs, einst vor allem im leider nicht mehr existenten Fanzine SOLAR-X, neuerdings im NEUEN STERN (kein Fanzine, nur ein "Rundbrief...")
Dieses Blog soll den geneigten Leser auf Tipps und Termine in Sachen Phantastik aus dem Raum Halle / Leipzig hinweisen. Einer alten SOLAR-X-Tradition folgend möchte ich auch Berichte zu von mir besuchten SF / Phantastik-Veranstaltungen einstellen.
Ich will immer mal wieder auf die Stammtisch-Termine meines Heimat-SF-Clubs, des ANDROMEDA SF CLUB Halle und auf die Veranstaltungen des Freundeskreis SF Leipzig hinweisen.

Man wird hier auch die eine oder andere Rezension zur Phantastik aus alten Tagen von mir finden, von denen zumindest ich meine, dass sie nicht völlig dem Vergessen anheim fallen sollen.

Mehr als Merkhilfe für mich, aber vielleicht auch als Anregung für den einen oder die andere Leser/in wird hier meine kommentierte Leseliste zu finden sein.


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Archiv

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Bücher, die weitestgehend von mir illustriert wurden:
Sagen der Oberlausitz, Nordböhmens und angrenzender Gebiete; Oberlausitzer Verlag A. Nürnberger, 1990

Sagen der Oberlausitz..., Band II, ebd., 1991
Oberlausitzer Kochbuch mit historischen Betrachtungen, ebd., 1991
Märch. d. Bergwelt, ebd., 1991
Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Solar-X-Prod., 1994
Das große Dorfhasser-Buch, Aarachne, Wien, 2000
Christian v. Aster: Nachmieter gesucht, midas 2000
Von dunklen Kräften und alten Mächten, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2001
Das große Verwandtenhasserbuch, Aarachne, Wien 2001
N. Rensmann: Ariane, Bastian, Luzifee und Co., K&C Buchoase,Solingen, 2001
Felten & Streufert: Gänsehautgeschichten, K&C Buchoase, Solingen, 2001
Spinnen spinnen. Die Anthologie zu nützlichen Tieren, Aarachne, Wien 2002
Peter Brandtstätter: Von Schmetterlingen und der Liebe..., Wien, 2002
Feenmond, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2002
Ruf der Ferne, Rollenspielbuch, Caedwyn, Hannover 2003
Frank Haubold: Das Geschenk der Nacht. Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2004
Das Mirakel, Phantastische Erzählungen, EDFC e.V., Passau, 2007
Rose Noire, Anthologie im Voodoo-Press, 2009
Michael Knoke: Das Tal des Grauens, Voodoo-Press, 2010
Michael Siefener: Die Entdeckung der Nachtseite, Verlag Lindenstruth, 2011

A.G.Wolf: Die weissen Männer, VP 2013
■ Tobias Bachmann, "Liebesgrüße aus Arkham", Edition CL, 2016
■ A.G.Wolf: Die weissen Männer, KOVD 2020 (Neuauflage)

Bücher, an denen ich mich beteiligen durfte:
Der Abenteuerwald. Phantastische Nachwuchsanthologie, Kreutziger Verlag, 1996
Das Herz des Sonnenaufgangs, Eine Alien Contact Anthologie, 1996
Liber XIII und andere unerwünschte Nachlässe, Goblin Press, 1999
Lichtjahr 7, Freundeskreis SF Leipzig e.V., 1999
Von kommenden Schrecken, Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2000
Der Erstkontakt. Stories und Bilder aus dem Perry-Rhodan-Wettbewerb, Berlin, 2001
Phantastik 2002, Taschenkalender, 2001
Michael Lohr, Gemurmel aus dem Buch der Drachen, 2001
Hysterisch funktionieren, Aarachne, Wien. 2002
C. Bomann: Anthrins Kind, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
C. Bomann, Parchimer Hexengeschichten, Abendstern-Verlag, Parchim, 2002
Des Todes bleiche Kinder, Abendstern-Verlag, Parchim 2002
Geschichten von Phönix und Sperling. Buch zum ElsterCon, Leipzig, 2002
Cover: Wilko Müller jr.: Operation Asfaras, Ed. Solar-X, 2003
Alien Contact Jahrbuch 1 für 2002, Shayol, 2003
Alien Contact Jahrbuch 2 für 2003, Shayol, 2004
Alien Contact Jahrbuch 3 für 2004, Shayol 2005
Cover: Carl Grunert: Der Marsspion, DvR, 2005
G. Arentzen: Christoph Schwarz, Detektiv des Übersinnlichen, Bd. 1 bis 6, Romantruhe, 2005
M. Borchard: Der Zeitarzt, SF Blues Bd. 4, edfc, 2005
Cover: Wilko Müller jr. & Renald Mienert: Die Zeitläufer, Ed. Solar-X, 2005
Cover: Carl Grunert: Im irdischen Jenseits, DvR, 2005
Cover: Carl Grunert: Zukunfts-Novellen, DvR, 2005
Markus Kastenholz: Tiamat 1 - Asche zu Asche, VirPriV-Verlag, 2005
Welt der Geschichten 1, Web-Site-Verlag, Mai 2006
Cover: Wilko Müller jr.: Mandragora, Ed. Solar-X, 2006
Kastenholz, Ippensen: Tiamat 2 - Die Stunde Null, VirPriV-Verlag, 2006
Nocturno 6, VirPriV-Verlag, 2006
Alien Contact Jahrbuch 4 für 2005, Shayol, 2006
Welt der Geschichten 2, 2006 (alte Ausgabe; in der Nachauflage von 2008 sind keine Bilder von mir enthalten)
Welt der Geschichten 3, 2008 (neue Ausgabe)
Cover: Bernd Rothe & Astrid Pfister (hg.): Gequälte Seelen; Welt der Geschichten Sonderausgabe, 2008
Robert N. Bloch: Michael Siefener. Eine kommentierte Bibliographie, Verlag Lindenstruth, 2011
Frank W. Haubold: Der Puppenmacher von Canburg, Edition Lacerta(eBook) und CreateSpace Ind. Pub. Platform, 2012

"Saramees Blut", Atlantis 2012

M. Kastenholz: Projekt Hexenhammer, Printausgabe, 2013

Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Shayol, 2014
■  Richard Kühle: Alraune und der Golem, Goblin-Press, 2015
■ Ine Dippmann und Uwe Schimunek: Leipzig mit Kindern, Jaron 2015
■ Leipzig - Visionen. Gestern und heute, FKSFL & Edition Solar-X 2015
■ Simon & Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee, Memoranda, 2017

■ Simon & Steinmüller: Leichter als Vakuum, Memoranda, 2017
■ Uwe Lammers, „Mein Freund, der Totenkopf“, Teil 1, 2017
■ IF Magazin für angewandte Fantastik # 666, Okt. 2017

■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Andymon, Memoranda, 2018
■ Ferne Welten, Buch zum 14. ElsterCon, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: SPERA, Memoranda, 2018
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Sphärenklänge, Memoranda, 2019
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Der Traummeister, Memoranda, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Marslandschaften, Memoranda, 2020
■ Fahrenheit 145, Buch zum 15. ElsterCon, 2020
■ Angela & Karlheinz Steinmüller: Pulaster, Memoranda, 2021

 

Magazine und SmallPress
Alien Contact, Kopfgeburten, GOTHIC, The Gothic Grimoire, Vanitas, Tanelorn, Fleurie, Bonsai 6 / Zimmerit 5, 1995, Tumor (Sonderheft 8), Andromeda SF Magazin des SFCD 143 / 144, EXODUS 15 / 16 / 17 / 18 / 19 (mit Galerie v. mir, 2006) / 20 / 21 / 22 / 24 / 25 / 27
einblicke. Zeitschrift der Krebsforschung, August 2005,
Watchtower 8 / 9
Die Ruhrstadt-Zeitung 41
ARCANA 6 (2005)
Andromeda Nachrichten 216, 218 / 219, 220, 222, 223, 224
Nova 16 (2010)
Fantastic Artzine 1, Fantastic Artzine. Halb-Zeit, beide 2012

Nova 22 (2014)
Der lachende Totenschädel, Nr. 3 (10 / 2015)
Cthulhu Libria Neo, BuCon-Ausgabe 10/2015

Cthulhu Libria Neo 1, April 2016

Cthulhu Libria Neo 2, Oktober 2016
Cthulhu Libria Haunted Houses, März 2017
EXODUS 36, Juni 2017

Der lachende Totenschädel Nr. 4, Jan.2018

!Time Machine, Januar 2018
IF #7, März 2018

EXODUS 38, 09 / 2018
!Time Machine 2, Januar 2019
!Time Machine 3, April 2020
!Time Machine 4, Januar 2021
Der neue Pegasus Nr. 2, April 2021

Fanzines

Solar-X, Fiction Post, Goblin Press Hefte

TERRAsse 27 (zum 60. FörsterCon, April 2019)
TERRAsse zum PentaCon 2019

CD-Cover
The Beat Of Black Wings: Nightfall; 1999
Syngularity: The Four Horsemen; 2000
Gothica: Within A Dream; 2000
Gothica: Into The Mystic; 2000
The Beat Of Black Wings: Black Love; 2000
■ Gothica, Workbook 1995, 2003

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