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Kais Komik Blokk



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Gung Ho, Band 1 [Cross Cult/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 07 May 2017 · 2715 Aufrufe
21.Jhdt., Cross Cult
GH1-Cover Im April las ich den 1. Band dieser gehypeten dt.-sprachigen Serie, von einem "adeligen" bayrischen Duo, Texter von Eckartsberg und visueller Gestalter von Kummant.

 
Der erste Eindruck ist auch sehr positiv - die Hardcoverversion kommt im Riesenformat, 24x32qcm, gleich auf Deckelinnenseite ein Luftbild des offensichtlich europäischen Umfelds der "Siedlung #16", die an einem See gelegen ist, und wenn man so durchblättert, viele großartig (CGI-assistiert?) gemalte randlose Panels, die insbes. in punkto Kolorierung Stauneffekte auslösen! Allerdings - um es gleich vorweg zu sagen - hat mir dann der Stoff doch nicht so sehr zugesagt...

 
In der nicht allzu weiten Zukunft ist die Welt von einer "weißen Plage" überrannt worden, die - im 1. Band zumindest - nie näher beschrieben wird. Geblieben sind nur mit hohen Zäunen befestigte, ständig bewachte "Siedlungen" - also Dörfer - die mit der Außenwelt nur durch elektrische Züge verbunden sind. Scheinbar sind also alle technischen Kommunikationsmittel ausgefallen - wird auch nicht näher erklärt.

 
In einer dieser Siedlungen treffen die Brüder Zack & Archer ein, die aus einer zentraleren Stadt wg. unspezifizierter Ordnungswidrigkeiten ausgewiesen wurden, und sich nun "an der Front" ein Leben aufbauen sollen. Es wird angedeutet, dass menschliches Leben in den Siedlungen nicht viel wert ist, weil die manchmal übermächtigen Attacken von außen ständig Opfer verlangen. Archer ist ein großmäuliger Twen mit langen Haaren und Waschbrett-Body - und Gitarre - & Zack ein stillerer Teenager, der aber offensichtlich schon mal was ziemlich Schlimmes erlebt hat, wie die Klauenspuren an seinem Kopf und am Hals beweisen (s. Coverbild).

 
Obwohl es dann um eine langsame Einführung der beiden und den Jugendlichen geht, mit denen sie im Dorf zu tun bekommen, wird nach einer Weile klarer, dass der Plot der Serie wohl in Richtung eines klassischen Slasherfilms geht: Hübsche/Sympathische und zumeist unschuldige Teenies finden sich in einer Situation zurecht, in der ein tödlicher Horror sich stetig breiter macht; die wenigen Erwachsenen, die vorkommen, einige offensichtlich ziemlich ekelige Typen, werden nach & nach abgemurkst.

 
Die Zeichnungen - insbesonders deren Kolorierung & Lichteffekte - sind so augenwässernd perfekt, dass ich mir wie in einem Disneyfilm der 60er/70er vorkam; wer nicht superhübsch - und als Mädchen besonders "well-endowed" - ist, zieht zumindest nett die Augenbrauen kreuz und quer. Kindhaft werden ständig die - zu oft blauen oder grünen - Augen aufgerissen; aber in der nächsten Szene spritzt dann Blut. (Wobei die eigentlichen Gewalttaten im 1. Band kaum zu "sehen" sind...)

 
Die Dialoge, und die Textgenauigkeit allgemein, ist m.E. eher durchschnittlich. Gelegentlich hatte ich das Gefühl es müsse auch eine englische Version des Comics geben (immerhin ist neben den Slasher-Elementen die sichtbare Dorfkultur auch eher US-amerikanisch), denn manchmal klingt das Deutsche übersetzt. Auf der letzten Seite gibt es auch einen Rechtschreibfehler in einem englischen Liedtext.

 
Fazit: Wenn man die Idee, die Mühe mit dem Weltenbau, und die tolle grafische Leistung berücksichtigt, haben wir hier so etwas wie einen großartigen Fehlschlag. Letzteren leider auch im Sinne der Ausschließlichkeit der Zielgruppe, der ich eindeutig nicht angehöre.


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Valerian & Veronique Two-in-One [Carlsen/2017(1979)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 April 2017 · 2674 Aufrufe
20.Jhdt., Carlsen, Dargaud

Eingefügtes Bild


Im März las ich, in Vorbereitung für die diesjährige Verfilmung, eine neue Verlags-Jubiläums-Ausgabe der 3. & 4. Bände eines SF-Comic-Klassikers - die dt. Fassung von Valerian & Laureline des ehrenwerten französischen Dargaud-Verlages. Beide Bände erschienen ursprünglich vor 38 Jahren!

Texter Christin erfand eine Zukunft, in der, von der irdischen Megastadt Galaxity ausgehend, Agenten des Raum-Zeit-Services im All nach dem Rechten sehen, wobei sie i.d.R. auf sich selbst angewiesen sind, mit Schwierigkeiten - oder Außerirdischen, die eigentlich kein Eingreifen erwarten/wollen* - umzugehen. Seine wilden Ideen - und ein paar eigene Visualisierungen - brachte dann der Zeichner Mézières zu Papier, in einem m.E. durchaus beachtlich lockeren, & oft sehr bunten, Stil.

Die Stories der 2 Bände in je einem Satz: V&V entdecken, dass in einem leeren/steinigen Riesenplaneten, der droht mit einem anderen bewohnten kleineren zu havarieren, eine Hohlwelt mit eigener Sonne und innerem Planeten existiert - und lernen auf letzterem 2 geschlechtlich getrennte Stämme kennen, die im ewigen Krieg miteinander stehen, und nie die Sterne gesehen haben. (Daher der Bandtitel Land ohne Sterne.) Nach Bestehen dieses Abenteuers kehren sie zum bekannteren terranischen Raum zurück, zum Planeten Technorog, riesig/ressourcenreich/unbewohnt, zufällig zur gleichen Zeit wie dessen Ureinwohner, eine Art Raum-Indianer mit besonderen Fähigkeiten, alle sehr langlebig, nach einer längeren "Wanderung" im All zurückkehren - natürlich etwas verdutzt, dass nun diese emsigen Kurzlebigen sich ausgebreitet haben, und ihre Lebensgrundlage auf ihrem Heimatplaneten durch ihre industrielle Ausbeutung bedrohen...

Mich hat diese Serie nie so besonders angesprochen, v.a. weil die Physik darin oft derart hanebüchen daher kam, stellenweise ärger als bei STORM (s. vor 2 Monaten hier im Blokk). Als nun Carlsen diesen besonders preiswerten Jubiläumsband aktuell in den Comicläden auslegen ließ*, dachte ich, probier's ich nochmal. Und - mir gefällt's im Alter schon etwas mehr, wenn ich auch nicht so ganz warm damit werde.

Das liegt u.a. auch an der besonderen (französischen?) 70er-Geschlechterkampf-Dynamik, die die Herren Autoren hier wohl von Anfang einbauten. Grundregel scheint zu sein: Valerian lande nie beim Planeten Veronique! Er wird als der gelegentlich väterliche Agent mit Erfahrung - öfter aber als simpler Macho - von ihr gesehen, und macht auch prompt vieles Fehlerhafte. (Hundebabyhafte?) Sie wiederum ist modern, klug und mutig, aber macht sich dann doch immer wieder mal Gedanken über Valerians Wohlergehen. Natürlich ist ihr Raumanzug passgenau geformt, und entkleidet sie sich komplett (artig an den "richtigen" Stellen bedeckt) in der 1. Hälfte dieses Sammelbands; damit ein Teil der Zielgruppe auch was zu sehen bekommt. q:p (Dafür hat Valerian wiederum ein Gregory-Peck-Kinn...)

Was mir gefällt, sind die wilden Plotideen, und die vielfältige Zeichnung (nicht nur grafisch) der jeweiligen Umgebungen. Kein Wunder dass das der perfekte Stoff war für den "bunten" Regisseur französicher Phantastik, Besson!

Ob ich mir weitere Bände zulege, um Verpasstes nachzuholen? Hm, sicher bin ich mir nicht. Sollte der Film, den ich mir sicherlich ansehe, auf einen gewissen Band basieren, werde ich mir den, wenn, sicherlich als Erstes noch zulegen. Als früher Baustein für weitere französische/westliche grafische Ausflüge Anderer in die wilden papiernen Grenzwelten der SF scheint es mir jedenfalls nicht unwichtig, etwas von V&V vor die Linse bekommen zu haben.

C'est parti!

(* wie auch die Franquinschen Carlsen-Standards, wie Gaston, Spirou & Marsupilami)


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D.K. III - The Master Race #1-#4 [DC/2016]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 28 February 2017 · 2288 Aufrufe
21.Jhdt., *Miller, DC


 
Die Zeichnungen der Hauptserie hier sind noch nicht mal von ihm. Er textet sie nur - Zeichnen tut Andy Kubert, einer der berühmten Brüder in 2. Kubert-Zeichner-Generation, und Tinte drüber schüttet Klaus Janson. Der Sache gibt Brad Anderson (tolle) Farbe. In jedem Heft enthalten ist ein kurzer - oft ziemlich schräger - Exkurs über andere SuperheldInnen, die von den schlimmen Geschehnissen um Kandor betroffen sind - und da zeichnet Miller wahrhaftig ein wenig, den Bleistiftvorgaben von John Romita Jr. folgend...(Ich stell mir vor, Miller, zu den Anderen: "Ach Jungs, ich schreib doch schon die Story & die Dialoge. Und bin eh dauernd in Hollywood unterwegs, nebenbei. Macht ihr mal!")

(HIER GEHT'S LOS! :qblushing:) Ich brauche einen guten Rat. Soll ich weiterhin 7€ für jedes dieser Hefte ausgeben, nur weil es so ein Riesen-Event ist, dass Star-Storyteller Frank Miller seinen Dark-Knight-Epos nach vielen Jahren endlich fortsetzt? Es sollen insgesamt 8 Hefte werden & damit hätte ich dann einen Fünfziger "plus change" für eine Sammlung ausgegeben, was ich i.d.R. für einen Sammelband nie tun würde... (Bin eben doch zu geizig um ein echter Sammler zu sein, folks.)

Um sich klar zu machen, warum die Frage im 1. Absatz oben rechts nicht ganz ohne Schwung ist, sollte man sich gelegentlich die ersten beiden Sammelbände ansehen: Das legendäre The Dark Knight Returns, erschienen Mitte der 80er, und das 15 Jahre später erscheinende Sequel The Dark Knight Strikes Again. Diese abgebrühte Sicht auf den besten, inzwischen doch sehr gealterten/vernarbten, Detektiv der Welt schlug in '86 - zusammen mit einem 2 Jahre später erschienenen anderen "Buch" von einem anderen bekannten Autor - derartig ein, dass ab dann Batman nur noch als grimmiger, gebrochener Dunkelmann dargestellt wurde - der immer auch mit den eigenen Dämonen ringt - und außerdem den 1. Batman-Kinofilm der Neuzeit mit dem gleichen coolen-aber-etwas-irren Image mit-inspirierte, nicht nur im titelgebenden Sinne. (Und jeden weiteren Batman-Film seitdem...)

Nachdem Batman im 1. Band nochmal aus dem Ruhestand erwacht, u.a. durch Anfeuern eines neuen weiblichen Robins (das ehemalige "Catgirl" Carrie Kelly, im Plakatbild oben zu sehen), und letztendlich gegen den regierungshörigen Superman antritt, und im 2. Band entlarvt, dass diese Regierung von Lex Luthor unterwandert wurde, hat nun im 3. Carrie inzwischen die Ritterrolle ganz übernommen... umgeben von einer reichen urbanen Menschheit, die unter ewigen Medien-/Smartphone-Ablenkungen jeglichen Sinn für eine vernünftige Welt abgegeben hat.

Aus Sicht eines Übermensch-Kults einiger hundert Kryptonier in der Flaschenstadt Kandor haben die Menschen - und friedliebendere andere Kryptonier - das Recht verwirkt über die Erde zu herrschen. Der Kult findet einen Weg sich wieder vergrößern zu lassen, und so seinen Siegeszug als gottgleiche Bestimmer über menschliches Leben zu beginnen. U.a. teilt der Kultanführer besondere Pillen an besonders devote Jünger aus, womit sie sich jeweils rasend in den Selbstmord in eine Großstadt stürzen können, um dort eine nukleare Schmelze auszulösen, & atombombenartig Abschied für die Sache zu nehmen. Währenddessen sitzt Superman in seiner arktischen Festung in einem Riesen-Eisblock & träumt seit Jahren von besseren Zeiten.

Das alles stammte nicht von Miller, ohne eine gehörige Menge Blut und Mordio, mit teilweise beachtenswerter Action und Ka-Bumm (s. Atom-Kamikazes im vorigen Absatz). Wie immer sind seine "Helden"-Kreationen sehenswert, insbes. in ihrer unsympathischeren Form, oft weit entfernt von jeglicher Ethik. Aber all das ist kaum neu; im 4. Heft passiert fast gar nichts Nennenswertes mehr, außer dass Superman nochmal richtig dolle Haue bekommt, von einem durchdrehenden Familienmitglied, und Wonder Woman sich (scheinbar) von der Menschheit abwendet.

Spoiler

Die Echtwelt-Referenzen sind wie immer genial - auch ein schwadronierender Trump kommt vor, und ein etwas anders benannter Klon von Großmaul-TV-Talkmaster O' Reilly. Der dunkle Ritter selbst ist noch kaputter als je zuvor, aber noch immer Meister allerlei (Rüstungs- & Kommunikations-) Technik. Das beschwört eine gewisse wohlig-angenehme anarchische Nostalgie, die ich nachvollziehen kann. Doch.

Aber ist das die 50+€ und das Warten wert? Was meinen geschätzte Blokk-LeserInnen?




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Storm #12: Die Monster von Aromater [Ehapa/1995]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 February 2017 · 2021 Aufrufe
20.Jhdt., Ehapa, Splitter

Die besondere Kunst vom vor 13 Jahren verstorbenen "malenden" Zeichner Don Lawrence wurde bereits ein paar Mal im Haupt-Board bei uns bewundert - er konnte unglaublichen Realismus an den Tag legen, von phantastischen Szenen bis sehr dynamischer Figurenzeichnerei, wobei mir in punkto letzterer v.a. immer seine Gesichter in Erinnerung bleiben.

Eine seiner bekanntesten Bandserien ist STORM, erstellt für das holländische Magazin "Eppo" und daher auch oft von dem Holländer Martin Lodewijk ausgedacht/getextet.

In diesem mittigen Band (der vor 4 Jahren auch bei Splitter erneut als Die Sieben von Aromater erschien - s. Coverbild) einer 22-teiligen Serie, den ich in dieser Besprechung beispielhaft vorziehe, erkundet das HeldInnen-Trio, bekannt aus früheren Bänden, nämlich

 

  • * Storm, ein in diese phantastischen Welten verschollener Astronaut aus der heutigen Erde, der wohl oder übel gelernt hat, mit Stichwaffen umzugehen,
  • * Rothaar, ein Red-Sonja-Klon, allerdings mit etwas mehr Zurückhaltung und Wärme (insbesonders ggü. Storm :wub:), &
  • * Nomad, ein rothäutiger/haarloser aber superstarker kämpfender Prinz des lebenden Planeten Pandarve, den Storm & Rothaar zu diesem Zeitpunkt des Zyklus "befliegen"

 

die Stadt Aromater und ihre Umgebung, zu der u.a. die riesige Rote Träne, ein sich schnell drehender winziger Mond, gehört, der sich in der Nähe der Stadt nur wenige Kilometer über dem Meer in einem sehr erdnahen Orbit bewegt. (Ok, ich hab gerade versucht, die etwas unmöglichen Physikverhältnisse des pandarvischen Paralleluniversums in diesen Absatz mit einzubauen. q:p)

 

In diesem Band erreichen zu Beginn die 3 in ärmlichem Zustand - Storm hat nur noch ein altes rostiges Schwert, seine Pistole tauschte er vor Tagen gegen etwas Essen - die Stadt, wo Storm gleich in ein Duell mit einem uniformierten Typ gerät, der Rothaar etwas zu machohaft antatscht. Dabei zerbirst sein Schwert und der Hüne spottet, er könne ja versuchen das berühmte 7. Schwert aus einem amboss-ähnlichen Gebilde zu ziehen. Was Storm erstaunlicherweise gelingt - es gab eine molekularische Manipulation von seiten ferner Beobachter - und damit ist klar: Er ist der lang-ersehnte Siebte von Aromater! Der ergraute alte Herrscher der Stadt lädt ihn dann zu einem folgenreichen Trunk ein, während die anhimmelnde Masse der StadtbürgerInnen den Atem anhält...

 

Neben den unglaublichen Erlebnissen der 3 auf der Roten Träne, wo alle - außer Rothaar! - sich ständig neuen unerwarteten Einschränkungen - jaja, diese verquere Physik wieder! - beugen müssen, gefiel mir schon immer an diesem Band, wie Rothaar letztendlich alle Kumpel-Fliegen aus der Suppe holt. Im Gegensatz zu den machohaften Plots früherer Bänder, und den meisten Fantasy*-Plots der 70er und 80er, wird hier effektiv der Spieß umgedreht: Storm und Nomad sind in der 2. Hälfte kaum im Spiel, und Rothaar kämpft und rennt (unter rötlichem Wasser!) und absorbiert Energie, dass es eine Wonne ist.

 

Letztendlich fegt dies und die unglaublich( leuchtend)en gemälde-artigen Bilder der Seefahrt hin/hoch zur Träne die Unglaubwürdigkeiten des teils geklauten Plots hinweg. Storm macht Spaß (immer wieder mal, mit geschlossenem kritisch-literarischen Auge)! Lawrence rocked!

 

(* hier eher Science Fantasy / übrigens ist dies der Januarbeitrag :blush:)



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Mermaid Project Episode 1 [Epsilon/2015]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 08 January 2017 · 2163 Aufrufe
21.Jhdt., Epsilon

Zum Jahresabschluss* stelle ich ein tolles neues französisches SF-Comic vor, das es schon seit 4 Jahren dort gibt, jedes Jahr mit weiterem Folgeband erscheinend, wo seitdem aber jede Spur einer deutschsprachigen Fortsetzung fehlt (leider!): Das Mermaid Project vom bekannten SF-affinen Texter Léo, assistiert von Corine Jamar, und den für mich neuen, aber sehenswerten Zeichner/Tuscher Fred Simon!

Der Zeichenstil des Letzteren ist eigentlich angenehm einfach, aber gewöhnungsbedürftig; z.B. mag er offensichtlich Portraits - frontale, seitliche, 45°ige. Das wirkt zwar etwas stereotyp, aber ist letztendlich auch angenehm, da er damit dem Texter eine stärkere Unterstreichung anbietet für das was da - beim "Angesichts"-Bild - gerade gesagt wird. Das, gekoppelt mit dem wunderbar lässigen allgemeinen Stil, der mir schon oft bei frankobelgischen Zeichnern urbaner Szenen auffiel, eine souverän-ruinierte (oft Pariser) Welt visuell beschreibend! Très bien!

Souveräne Ruinen? Tja, der Weltenbau der Texter ist in diesem Comic besonders auffällig: Sie haben so etwas wie Ökopunk** geschaffen - ein vom zu großen Fortschritt bzw. zu großer Luxus-Gier zerstörtes Umfeld, aber völlig ohne Computer. Die Erzählung spielt mitten im 21. Jahrhundert, in einer Welt in der Öl/Benzin/Kerosin praktisch nicht mehr vorhanden ist. Der pöse Klimawandel hat die Zone zwischen den Breitengraden von Rom und Paris (wahrscheinlich sogar noch tiefer/höher) stark hin zum Tropischen verändert & den Meeresspiegel soweit ansteigen lassen, dass Teile von Manhattan wie (einst) Venedig wirken. Und irgendeine Katastrophe hat die obersten Etagen fast jedes höheren Gebäudes weggemäht - der Eifelturm ist nur noch ein Stumpf (s. Cover).

Für mich das Spannendste am Weltenbau ist allerdings dass, zumindest in Paris & NYC, Weiße nur noch eine verschwindende Minderheit sind. Nachdem sich der Westen wegen seiner Gier und Arroganz fast selber zerstört hat, haben die Migranten bzw. deren Nachfahren übernommen. Die Protagonistin Romane, Polizei-Inspektor des 8. Departements, ist also wie mann es gewohnt ist, weiß, wird aber in der 1. Hälfte des Bandes öfter gehänselt und allgemein als zweitrangig behandelt wie früher die Weißen viele Andere; an einer Stelle beklagt sich sogar ihre Nichte bei ihr weil ihr Freund mit ihr Schluss gemacht habe, da sie ja weiß sei... In Antwort ein Ausschnitt der Ich-Narration der Detektivin:

[..] dann erzählte ich ihr von früher, wie es war, als die Welt von Europa und den USA dominiert wurde, als die reichen Länder hauptsächlich von Weißen bevölkert wurden und wie sie, die Dunkelhäutigen, die Schwarzen aus dem Süden, kamen, um dem Elend ihrer Länder zu entfliehen...

 

Ein cleverer Clou! :wub:

Nach all dem ist der Plot schon fast nebensächlich. Er ist spannend - viel darüber zu erzählen, verrät schon zuviel. Und er leidet leider unter Sequelitis - hört also im spannendsten Moment auf, um auf die Fortsetzung zu harren. In Kürze daher: Nachdem der Inspektor einem Hinweis nachgehend, entdeckt dass die tote Tochter eins Pariser Ehepaars nicht in ihrem Sarg liegt, und der Hinweis auf diesen Misstand Romane persönlich erwähnt, wird sie in angedeutete dunkle Entwicklungen des New Yorker Unternehmens Algapower - einer der größten Produzenten von Methan, dem neuen Antriebsersatzmittel - involviert. U.a. weil ihr Zwillingsbruder dort als Genetiker arbeitet. Was genau treibt der Weltkonzern hinter den Kulissen bei seinem geheimen "Mermaid Project"?

Fazit: Ein sehr erfreuliches Réussement der frankobelgischen urbanen Comic-Tradition zur nahen Zukunft! Ich war hingerissen, und halte feste beide Daumen für eine baldige Fortsetzung für deutschsprachige Fans!

(* Aus aktuellem Anlass lautet ein Neujahresvorsatz von mir: Blokk-Deadline innerlich ab sofort immer um eine Woche vorziehen! / ** Statt Cyberpunk...)




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Calvin & Hobbes - Lazy Sunday Book [Andrews McMeel/1989]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 06 December 2016 · 4306 Aufrufe
20.Jhdt., *Watterson und 1 weitere...

Mal wieder einige Tage zu spät dran - diesmal mit Ausrede: Grippe - hole ich, für den letzten Oldie des Jahres, ein Sammelband des m.E. besten Zeitungsstrips des späten 20. Jahrhunderts hervor: CALVIN & HOBBES, hier im Lazy Sunday Book, einer 1989er Sammlung von besten Sonntags-Seiten aus mehreren Jahren. Solche Seiten sind ja oft größer als der tägliche Strip, nämlich hier 3 Streifen untereinander, mit einer Titel-Splash-Szene darüber.

Der Erfinder der Serie fand's spaßig 2 Figuren zu schaffen, die immer wieder mal miteinander über die Welt philosophieren, und klaute sich daher dem Wesen der Figuren ungefähr entspr. Namen aus der Weltgeschichte: Des etwas fanatischen, misogynen Gründers des Protestantismus, Calvin, und des eher misanthropen, aber nachdenklichen, Erschaffers des Leviathan-Brockens, Hobbes.

Den 1. Namen bekommt ein hyperaktiver Sechsjähriger, der seine Eltern massiv auf Trab hält, und eine gewaltige Fantasie, Quelle vieler Ideen & vermeintlicher "Super"-Dinge (man halte Kartonkisten von ihm fern :D), inne hat; den 2. Namen vergibt er seinem Stofftiger, der - immer nur wenn er mit ihm alleine im Raum ist - zu einem langen echten Tiger wird, allerdings einem meist eher netten, der auch aufrecht stehen kann. Die beiden werden unzertrennliche Wegbegleiter in die entdeckerischen Welten, die Calvin erforscht. Die Philosophierereien geschehen v.a. bei Spaziergängen oder wilden Schlittenfahrten im Schnee.

Angenehm finde ich also schon mal die klugen Texte, und der stetige Kampf zwischen Calvins Impulsen/Manipulationen und Hobbes etwas traurigem Hedonismus. Auf dieser Basis baut Calvin dann noch an diversen weiteren phantastischen Ausflügen, oft auch in die Genren Superhelden-Abenteuer (mit Calvin als "STUPENDOUS man!" im scharlachroten Cape) und S.F. (mit Calvin als "Spaceman Spiff", der eine sehr fortgeschrittene Variante Ray-Bans trägt!). B-) (Letztere beiden Gründe warum ich mich endlich traute, C&H hier im Blokk vorzustellen; das hier gezeigte Buch fängt sogar mit 10 riesigen Extraseiten zu einem weiteren Spaceman-Spiff-Fall an, die der Autor extra für den Band anfertigte! Juchhe!)

Sporadisch treten auch in Einzelszenarien phantastische Elemente auf, wie z.B. im anliegenden Sonntagsstrip, der das engl. Idiom "don't let the bed-bugs bite" etwas calvinom interpretiert...

Neben der großartigen Zeichnerei, und wilden (Spiel-)Ideen, die oft auch mit der Form des Comics an sich spielen, bewundere ich Meister-Storyteller Bill Watterson aber auch für seinen damaligen nie müde werdenden Einsatz sein Werk NIE kommerzialisieren zu lassen. :o Keine beliebige "Syndication" damals, kein Marketing jeglicher Art - also auch keine T-Shirt-Aufdrucke oder C&H-Becher, oder C&H als Werbefiguren für irgendwas. Alles was man heute in der Form sieht, ist also illegal und gegen seinen Wunsch. Das führt natürlich auch dazu, dass C&H ein Geheimtipp geblieben ist; nur die vielen Bände gibt es nach wie vor überall zu bestellen.

Also: Alleman steige in die wundersame Welt eines ewigen Sechsjährigen und seines Tigers - und seiner taffen Eltern! - ein, und erlebe viele Wochen erstaunlicher Erlebnisse, inkl. phantastischen Erzählungen und Lyrik und visuellem Jazz. Und sauge eine Menge "joie de vivre" auf, in punkto toller Ideen/Sichtweisen, Grafiken, Texte und Dialoge.


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Marvel Now: Ms. Marvel [Marvel/2014f]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 05 November 2016 · 4854 Aufrufe
21.Jhdt., Marvel

Mit nur GANZ WENIGEN Tagen Verspätung rutscht der Oktober-Blokk hinein auf den Spuren der neuen Miss Marvel, die die Comicwelt in den USA wunderbar aufwirbelte - und schnell ein Renner in den Läden wurde - weil es sich um die erste muslimisch-jugendliche Comicheldin "ever" handelt! Gezeichnet wird sie von mehreren guten Leuten bei Marvel, aber der lässig-lustige Stil von Adrian Alphona gefällt mir am besten.

 

Das Fundament der gelungenen Serie - bis heute gibt es 5 Sammelbände* - ist aber die innovative und v.a. kenntnisreiche Schreibe der Texterin Willow Wilson, die sich scheinbar SEHR gut mit muslimischem Alltag auskennt, bis hin zu einem reichen pakistanischen Vokabular für Alltagsrollen & Objekte - "Shalwar kameez" z.B. für pakistanische Festkleidung (die die Protagonistin, Kamala, hasst)...

 

Man könnte meinen, Marvel reitet da mal wieder eine geldbringende Sympathiewelle - bzw. wollte geldbringenden Krawall lostreten - aber was sofort heraus sticht, ist wie klischeeplättend normal das Leben der Khans ist. Der etwas runde, großköpfige Vater, der seine Zeitung am morgen so liebt, die umsorgende/strenge Ma, der religiös-überkompensierende große Bruder... und die nerdige Tochter, die am liebsten neuste Computergame-Updates kompiliert, und in Jersey City - wo viele der Action stattfindet, nahe NYC - am liebsten mit einer Russenwinterklappenkappe herum läuft. q:D

 

Als dann diese junge Dame, von einem besonderen Nebel getriggert, zu einer merkbaren Inhuman reift - den Begriff kennen natürlich ALLE Agents-of-SHIELD**-Fans! - entscheidet sie sich, mit Hilfe ihres "Sidekick"-Freundes Bruno, ihren Burkini zu einem Heldinnenkostüm umzugestalten und sich den gerade frei gewordenen Namen "Miss Marvel", den dessen vorherige Inhaberin nur wenige Monate vorher abgab, zu schnappen!

 

Mit ihren besonderen Fähigkeiten - sie kann beliebige Körperteile verkleinern/vergrößern/verlängern, oder alle zusammen, und seltener sogar ihre Form wandeln, und bei jeder Rückverwandlung wird der betroffene Teil in den Urzustand versetzt, d.h. sofortige Heilung bei Verletzungen - kommt sie schnell vom Nebel in die Traufe, und so auch ins Visier der Inhuman-Königin Medusa, die ihr zur Hilfe eine meiner Allerlieblings-Comic-Figuren "ever" schickt, die teleportierfähige Riesenbulldogge Lockjaw. (S. Coverbild oben!)

 

Durch Wilsons gelassenen Umgang der "immigrantischen" Umgebung der neuen, unsicheren aber freudig-wilden Heldin sind die Geschichten ein Genuss, immer wieder tolle unerwartete Wendungen nehmend - z.B. als Kamala sich im 3. Band in einen ehemals verachteten gleichaltrigen Strebersohn von Freunden ihrer Eltern verknallt - und das Trumpeten-Thema nicht-islamischer Leitkultur so ganz und gar vom Tisch kehrend. Genial! Und sehr zeitgemäß!

 

Nur gelegentlich sickert durch, dass es Leute gibt, die die Khans etwas "anders" behandeln. Was natürlich v.a. eher belacht oder belächelt wird von Kamala selbst.

 

Fazit: In your face, Otherland!  :qwiseguy: Diese Serie ist der Beweis, dass Marvel alles Andere als zu klischeehaft ist fürs Coole-Comics-Regal. Meine Empfehlung ist... nicht verpassen!

 

(Das "in your face" ist seit Anfang Dezember ca. obsolet; mit Hilfe eines K.L.-Übersetzungs-Preisträgers konnte das Otherland doch überzeugt werden! Juhuu!

* Diese Besprechung deckt nur die ersten 3 Bände ab, damit der Post nicht zu lang wird.

** Am Ende des 3. Bandes gibt es übrigens ein kurzes Crossover mit genau 2 dieser Agents! :o

Übrigens ist das Coverbild von einem von sehr vielen Heften, die es im Angebot gibt; wer die Sammelbände finden will, sehe sich nur ein wenig um...)




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Marvel Team-Up #7 feat. Spider-Man & Thor [Marvel/1972]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 30 September 2016 · 1950 Aufrufe
20.Jhdt., Marvel, *Romita
Zur Erwärmung im herbstlicher-werdenden September hab ich einen meiner ältesten Comics hervorgeholt: Ein alleinstehendes Heft mit dem ersten kombinierten Auftritt der bereits damals größten Zugpferde Marvels - dem Gott der seit fast einem Jahrhundert gelebten Science Fantasy, Thor, und dem frech-labernden wände-hoch-krabbelnden Teenager, Spider-Man.

Ich fand damals als Pre-Teen die Zeichnungen einfach toll, wie - yo! - auch den erstaunlichen Hammer des Donnergottes, und Peter Parkers überbordendes Mundwerk! Heute gefallen mir noch immer die Zeichnungen - insbesonders als die Trolle, die die beiden bekämpfen, in Asgard und auf dem Planeten Erde die Zeit anhalten, und alles schwarz-weiß negativ erscheint... Marvel invertierte aufwändig in den entspr. Panels alles außer den beiden Helden und ihren Gegnern, die normal - koloriert - erscheinen. Klever!

Auch interessant durch die heutige Brille zu erkennen ist, dass Texter und Zeichner scheinbar andere Marvel-Größen nachahmen, und dies zeitweilig besser hin bekommen als die Originale! Gerry Conway schreibt den rasenden Spider-Man-Speak & Thors Shakespeare-Deklamationen, beide stilistisch von Stan Lee vor-exerziert, wunderbar dicht & zackig; Ross Andru zeichnet die beiden Helden sehr ähnlich John Romitas romantisch-dynamischen Stil. (Andru half natürlich Inkmeister Jim Mooney, der manchmal auch Romitas Linienzeichnungen "einschwärzte"...)

Ach ja, die Story: Die nicht immer netten Trolle der neun Welten wurden vor längerer Zeit nebst Schwarzelfen und Eisgiganten von Odin & seinen Söhnen unterjocht. Als ihr aktueller Anführer Kryllk eine fortgeschrittene Lern-/Zeitsprung-Maschine in Form eines riesigen blaukristallnen Eis entdeckt, "friert" er Erde & Asgard ein, um Asgard problemlos zu übernehmen. Zufällig aber hielt sich Thor gerade auf einem Balkon in der Nähe von Peter Parker auf, der gerade dabei war, zwei sexistischen Straßenmachos mit spinnenstarken Fäusten etwas Benimm beizubringen, und rettet ihn - und sich - vor dem Zeitstillstand mit einem von Mjolnirs Wirbeln...

44 Jahre ist diese etwas zerfledderte Ansammlung vergilbter Seiten alt... einer der wenigen Comics, die dieser Nicht-Sammler in einer typischen Sammlerplastikhülle lässt, und sich kaum traut da - vorsichtig! - heraus zu nehmen. Aber wenn doch, alle paar Jahre wieder, dann geht der gute alte Stoff wie Butter 'runter! :wub:

P.S.: Das Coverbild hab ich mal aus Spaß verlinkt auf ein kanadisches Angebot, das andeutet wieviel eine "mint copy" vom Heft heute wert sein kann! :o Wer es wirklich erstehen will, dem empfehle ich die britische Version von eBay - da gibt's momentan mehrere (preiswertere) Angebote.




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Superhelden - das Handbuch [Jacoby & Stuart/2015]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 19 August 2016 · 1559 Aufrufe
21.Jhdt., Jacoby&Stuart
Dieses rätselhafte Werk ist kein Comic per se, stützt sich aber stark auf die atmosfärischen Zeichenkünste des namhaften Parisers Benjamin Lacombe, der einen trendigen Retro-Stil aufzeigt, und das ganze Buch in dunklere "Verbrauchs"-Farben/-Effekte abtauchen lässt. Damit wirkt es irgendwie antik & eben wie ein Gebrauchsobjekt. Dies, und die teils skurril-saraszenen Texte des Konzept-Erfinders Sébastien Perez - auch Franzose - ließen mich lange im Dunkeln darüber, dass dies eigentlich ein Kinderbuch sein soll!
 
Jedenfalls ist es ein Werk mit Tiefen, die man erst nach und nach entdeckt, wie es sich bei einem echten Handbuch gehört! U.a. gibt es eine Menge Druckfehler - von "Ruestand" bis zur einmalig vergessenen Umstellung des franz. Originalnamens in der Kurz-Kurzgeschichte* "Donnie & Klyte", die wohl im Original "Donnie & Claude" hieß. Ob der Berliner Verlag nicht genug Budget verfügbar hatte für den ein oder anderen Korrekturlesezyklus? Egal, diese nach & nach entdeckbaren Kleinstfehler sind letztendlich Teil des Charmes des Buches.
 
Auch heißt der Flitzer - ähnlich Flash oder Quicksilver bei den Amerikanern - der Heldenriege, die alle neu & i.d.R. mächtiger sind in diesem Handbuchuniversum,  mal Velox - und das zugehörige Vollbild zeigt einen schlanken/flachbrüstigen dunkelhäutigen Sympathen - aber später - nur mit Profilbild anbei - Windbraut. Wurde eine transsexuelle Heldin hier unkommentiert eingeschmuggelt? q:)d
 
Die Texte sind teils euphorisch und auch ab & an m.E. ziemlich lustig, wie diese ausgesuchten Zeilen der 1. Textseite:

Ein Superheld zu sein, ist super!

   :

Superheld ist der Beruf der Zukunft!

   :

[..] ihr jungen Superhelden [..] Experimentiert, übt, kämpft! Und vergesst diese schwachsinnigen Umhänge! Wichtig ist nur die Maske und die schreckliche Wirkung von Spinat.

Aber dann gibt es auch die schlimmeren Drehs in manchen der KKGen, wie z.B. Donnie & Klytes Wende hin zum Morden, und ihr letztendlich blutiges Ende...

 

Also durchaus auch mit einem erwachseneren - oder: französischeren :confused: - Kern, wie z.B. die großartige Superheldinnen-Werdung des Batman-Ersatzes: Der wundersam gerundeten Wasp Woman aus Harlem, NYC! (Vordergründig abgebildet auf dem Cover oben.) Ihr Heldenalias ist wunderbar zweideutiges Programm, denn sie trägt auch einen hervorstehenden gestreiften Kostümhintern - keinen Umhang!! - aber kann auch Erstaunliches wie Teleportieren. Alles hervorgebracht, als sie ansehen musste wie mehrere Honky-Besucher^ einer Kneipe, wo ihr Vater arbeitete, vor ihren Augen diesen fast zu Tode prügelten...

 

Sehr gefallen hat mir auch die 3D-Bildgeschichte** mittens, ohne Worte! Wie auch die ständige Überbeanspruchung des Wortes "super"! :P

 

Zwiespältiges Fazit: Nicht so ganz, was man als bierernster dt. oder amerikanischer Comic-Fan gewohnt ist, aber "it grows on you". Man setze die Riddler-Maskenbrille auf, und sehe das Ganze als Herausforderung, und entdecke immer wieder mal was Neues. Sozusagen ein tiefflammiges Dauervergnügen, dieses Handbuch! -- Aber wahrscheinlich eher was für junge Teenager, als Kleinkinder...

 

(* im Rest des Beitrags abgekürzt auf KKG / ^ m.a.W. WASPs! / ** im hinteren Innendeckel ist auch eine rot-grüne 3D-Brille mit dabei!)




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Amber #1 [Feest/2002(1996)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 31 July 2016 · 2226 Aufrufe
20.Jhdt., Ehapa
Vor ca. zwei Jahrzehnten entdeckte ich diesen dt.-sprachigen Band in einem dt. Comic-Laden. Natürlich wusste ich wer Roger Zelazny ist, und hatte sogar von seinen 9 Princes in Amber schon gehört. Aber v.a. begeisterten mich die großartigen Panels im Inneren - gezeichnet von einem der realistischsten Comic-Zeichner, die ich kenne, Lou Harrison. Den Band musste ich sofort haben...

Die schlechte Nachricht gleich vorweg - obwohl der 1. Band (von insgesamt 3) überzeugte, wie weiter unten angedeutet, wirkten die weiteren Bände aus zwei Gründen als eine zu starke Bremse meines Geschmacks in Comics um sie weiter zu lesen/sammeln. Zum Einen war Harrison bei den weiteren Büchern nur noch der Cover-Artist (sein eigentliches Metier), und der Zeichenstil der Folgezeichner zu "schlampig" im Vergleich, und zum Anderen wurde mir die Geschichte irgendwann einfach zu blutig. Es eignen sich eben nicht alle Stoffe für die Verbildlichung, zumindest was mein Wohlgefühl angeht... :qinsane: Vom 2. Band hab ich irgendwann vor lauter Frust den vorderen Cover abgerissen, und den Rest der Seiten entsorgt; der besagte Cover dient bis heute als Lesezeichen für den hier besprochenen Band.

Amber, die 9 Prinzen, wie die Urgeschichte im Dt. vollständig heißt, ist eine Science Fantasy von Altmeister Zelazny, der sozusagen der Erfinder des Genres sein könnte. Die Geschichte beginnt mit Corwin, einem der "Prinzen", der aus einer Amnesie in einem Betreuungsinstitut erwacht, diesem entflieht, und sich dann auf den Weg macht die Leute aufzusuchen, die ihn dort einwiesen. Wie sich heraus stellt, seine Familie, deren Mitglieder aber in Wirklichkeit zum versprengten Adel der fabelhaften Stadt Amber gehören, und sich im erweiterten Sinne gerne gegenseitig versuchen zu benachteiligen (daher: Corwin im Institut) oder sogar bekriegen...

Fürs Comic umgeschrieben wurde das Zelazny-Original vom talentierten Mr. Terry Bisson, dessen Kurzgeschichten ich sehr mag, und den einen Roman, den ich bisher las, ziemlich cool fand. Wie gegen Ende des Bandes die Landschaft, durch die Corwin und sein alliierter Bruder fahren, sich ständig wandelt, hätte direkt in einen solchen Bisson-Roman hinein gepasst. Vielleicht ist ja Bisson, ein weiterer Könner im Science-Fantasy-Oeuvre, bei Hrn. Z. in die Lehre gegangen? :qdevil:

Aber zu guter letzt haut dieser Band v.a. um wg. den perfekten, stark-kolorierten Bildern, die Mr. Harrison hinein gezaubert hat. Fotorealistische Ausführung der Menschen und allem Anderen - die sich z.B. soviel Mühe mit der Frisur einer jeden dargestellten Figur macht wie andere Zeichner mit mehreren Seiten! In den letzten 10 Seiten gibt es eine erstaunliche Kampfszene mit einem 3. Bruder, in weißer Rüstung auf einem weißen Kriegspferd, wo jede Schattierung, jeder von Hufen fallende Erdkrümel, jeder Blutspritzer, sitzt. Erstaunlich, dass Hr. H. sich den ganzen ersten Band soviel Mühe gemacht hat, wie sonst nur mit seinen Covern - ich denke mal, das war der Akt eines Fans der Urreihe.

Ich kann also keine fundierte Empfehlung aussprechen, weil ich mir die ganze Comicserie nicht antat. Und die Urromane hab ich noch immer nicht gelesen - obwohl sie längst Kultstatus erreicht hatten damals. Also bleibt mir nur zur Empfehlung der "Moment", den dieser wohl-geschriebene und perfekt-illustrierte Band einem COnsuMICenten beschert... :qgoodnight:


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Aladin & die Wunderlampe [gondolino/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 02 July 2016 · 2012 Aufrufe
21.Jhdt., gondolino
Mitte Juni fand ich auf dem Ramschtisch vor einem Spandauer Buchladen dieses Kinderbuch, und war sofort angezogen vom Stil des Deckel-Layouts & der Zeichnungen. Wieso kostete so ein gut "dekoriertes" Buch nur €5? Es ist zwar kein Comic - keine Sprechblasen! - aber es sind genug großformatige Zeichnungen drin, dass ich für den (späten) Juni-Beitrag das ein wenig verbiege...

Ich werde hier nichts Weiteres über den Text des bekannten Märchens sagen, außer: Auch der (politisch) korrigierte Text erzählt einen wirren Plot (wieso ist der Lampengeist automatisch wichtiger als der Ringgeist?), so dass man deutlich das Gefühl hat, dass - schon immer - eine Menge klärende Füllung ausgelassen wurde. -- Nein, es geht mir in diesem Blokk-Beitrag v.a. um die Zeichnerin/Koloristin Olga Poljakowa*:

Eingefügtes Bild


Sie setzt einen etwas einfachen Stil beim Zeichnen der Menschen ein - lieblich, ein Tick großäugig, proportional sehr korrekt/realistisch, & mir ein Tick zu "westlich" - und die Linienführung der dekorativen Seitenränder ist comichaft "klar". Aber schon bei den grandiosen Haus- & Palastentwürfen sieht man ihr eigentliches Interesse durchscheinen. Neben einer der stimmungsvollsten & treffsichersten Farbgebungsjobs, die ich je gesehen habe - das erahnt man schon, wenn man sich die Himmel der Coverbilder genauer ansieht! Very well done! q:)d

Sobald man aber das Buch aufschlägt, wird m.E. offensichtlich, was ihr Haupttalent ist - das Layout und die allgemeine künstlerische Gestaltung des Ganzen! :o Sie umrandet viele Bilder mit dekorativen Kränzen, Bögen und Ranken, oder dünnen Ausschnitten von kontextuell passenden Landschaften. Das ganze Buch ist v.a. Poljakowas Werk - von den lila Innendeckeln mit mauve-farbenen Wunderlampen, zum großen verzierten "I" zum Textbeginn, bis zum hellgelb-umrandeten Abschlussbild, in dem sich die Prinzessin und der Sultan umarmen, & Aladin lächelnd zusieht. Alles in einem Retro-Stil, der an die Eleganz der Dreißiger erinnert. Und dazu kommt die vorsichtige Farbton-Nuancierung... :wub:

Ein erstaunlicher Fund, auf den ersten Blick unauffällig, dann aufreibend großartig wenn man sich Zeit dafür nimmt - und mit-träumt! q:)

(* heir stand ursprünglich "die Dame ist nicht in der WIkipedia oder anderswo zu finden, also kann man ihre Biographie nur erahnen, leide" - inzwischen lief dank heschu ein Maildialog mit ihr, s. Kommentare untenr; im Buchhandel sind mehrere ihrer märchenhaften Werke zu finden, u.a. eine Neuinterpretation von Peterchens Mondfahrt)


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Batman: The Dailies 1943-1944 [Kitchen Sink/1990]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 03 June 2016 · 1655 Aufrufe
20.Jhdt., Kitchen Sink, DC

Mit drei Tagen Verspätung nehme ich mir für den Mai-Blokk-Beitrag mal das erste Erscheinen von Batman & Robin als Zeitungsstrip vor, damals vor über unglaublichen 7 Jahrzehnten. Ich wurde an diesen Band in den Tiefen meiner Comic-Kiste erinnert, weil ich seit wenigen Wochen wieder zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Comic Heft für Heft kaufe, aus lauter Neugier: DK III - The Master Race (also die lang erwartete Fortsetzung von Millers Dunklem-Ritter-Zweig der Abenteuer des Manns im Fledermaus-Kostüm...). q:)d

 

Für Bob Kane war das zusätzliche Erscheinen des von ihm erfundenen und schon recht erfolgreichen maskierten Helden mit Grips - er lief ja als einer der Zugpferde in der Serie "Detective Comics", nach der kurze Zeit vor seinem Debüt der gleichnamige Verlag umbenannt worden war - sicherlich eine Aufwertung, trotz der Tatsache, dass alles nun in schwarz-weiß erscheinen musste. Für dieses 1. Jahr der Batman-Strips jedenfalls standen ihm einige DC-Texter zur Seite, u.a. Jack Schiff, der die ersten drei Jahre auch als Chefredakteur für die Strips verantwortlich war. Gerade bei einem Strip war auch wichtig, wer die Tuscharbeit vornahm: Das war neben Kane selbst auch Charles Paris, der das danach noch über zwei Jahrzehnte (!) lang weiter machen sollte.

 

Der "inker" eines solchen Strips arbeitete zur der Zeit außerdem mit einer damals gerade neu eingeführten Technik, Craftint. Zeichner trugen ihre Urversionen mit Bleistift auf ein chemisch präpariertes Papp-Brett - das "Craftint board" - auf, und Tuscher konnten danach ganz normal die Linien zu Ende tuschen, und auch Schattierung usw. anbringen. Aber für den Craftint-Effekt nahmen Letztere dann einen Pinsel in die Hand und tunkten diesen in einen Spender mit einer klaren Flüssigkeit - und wenn damit auf dem Strip "gemalt" wurde, kam auf dem präparierten Brett pünktchwenweise eine graue Schattierung zustande, perfekt geeignet für den Druckprozess, der ja Bilder eigentlich nur schwarz-weiß produzieren konnte. Graustufen mussten also mit mehr oder weniger engen Punkten simuliert werden, und die Craftint-Methode bekam das für Zeitungscomics hin. (Im anliegenden Foto eines Strips aus dem Buch sieht man z.B. beim 2. Panel von links den Craftint-Effekt - im Nachthimmel, der einen Gebäudeseite und an einigen Stellen der Staubwolken, die das Batmobil hinterlässt.)

 

 

Auf die Geschichten gehe ich mal nur kurz ein. Robin ist immer dabei, und das dynamische Duo ist meist unterwegs in der Stadt zu sehen (wenig im Wayne Manor), wo sie ermitteln - es gibt also eine Menge Dialoge mit Verdächtigen & der Polizei - bzw. behende in Aktion treten. Obwohl in einem Fall Batman schwer verletzt wird, tragen die beiden nie Waffen & töten auch ihre Gegner nicht. Im Gegenteil, in einer Sequenz retten sie einen Kriminellen, der Selbstmord begehen will, indem sie ihn mitten im Sturz in die Tiefe auffangen. Ich fand die Plots allesamt spannend, wenn auch aus heutiger Sicht gelegentlich etwas stereotyp in punkto Gesichtsgebung der Bösewichte. Butler Alfred ist hier übrigens noch ein treuer Tölpel, der den gelegentlichen "comic relief" abdeckt, aber zur Not auch mit einer guten Idee seinen Meister aus einem reißenden Fluss rettet.

 

Kanes Zeichenstil ist recht professionell, finde ich. Zwar benutzt er immer wieder ähnliche "ägyptisch"-anmutende Action-Posen, insbes. wenn eine Figur läuft, aber die Umgebungsdetails sowie auch die Darstellung der ProtagonistInnen sind genau & mit Liebe auf Papier - bzw. Craftint-Brett - gebannt. Sein "inking" gefiel mir besonders gut - typisch Schwieriges wie Lichtflecken/Schatten in der Nacht, und Wellen auf einer Wasseroberfläche, bekommt er glaubhaft hin. Der moderne Trend zu mehr Schwarzem/Dunklen in Comics wurde eigentlich von Zeitungsstripzeichnern erfunden...

 

Empfehlung also: Als Batman-Fan sollte man diese "Täglichen" Bände nicht missen, einerseits um staunend zu bewundern, wie spannend & aktuell anmutend diese uralten Comics noch heute wirken! Und auch weil es am Anfang eine wunderbare historische Einführung vom Initiator dieser Reprint-Sammlung, Joe Desris, gibt.


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Rocket Girl VOL:01 [Image/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 29 April 2016 · 1546 Aufrufe
21.Jhdt., Image
Zeichnerinnen kommen zu selten im Blokk vor, finde ich, und diesen Monat ist eine besondere Könnerin dran: Amy Reeder, die bei Image zusammen mit Texter Montclare diese Reihe über ein Teenage-Mädchen aus einer nicht all zu fernen Zukunft geschaffen hat, deren erste 5 Hefte nun in diesem Band gesammelt wurden. (Leider gibt es noch keine weiteren "trades"...)

DaYoung Johansson - eine paralleluniversale Cousine des heutigen Hollywoodstars? :wub: - heißt die Dame, und ist eine von einer Truppe raketenbetriebener JungpolizistInnen der fernen Zukunft 2013. "Fern" weil die Haupthandlung des Bandes Mitte der Achtziger spielt - wir haben es hier also auch mit einer alternativen Geschichts-SF zu tun. Die junge Polizistin bekommt Infos von einem unbekannten Hacker, dass ihre komische oligarchische Gegenwart die Folge ist von der Entwicklung des Prototyps der zu ihrer Zeit wohl-bekannten Zeitsprungmaschinen, der in den 80ern in den Quintum-Labors gebaut wurde, Sie springt also illegalerweise zurück um genau diese Maschine zu vernichten: Leider ist der Unbekannte scheinbar nicht so vertrauenswürdig wie sie annahm, und einige unangenehmere Zeitgenossen springen ihr hinterher. Im chaotischen NYC der 80er geht dann zunehmend die (Flug-)Post ab...

DIe Geschichte torkelt immer wieder etwas vor sich hin, und ich finde die Dialoge manchmal etwas plakativ. Ein junger Kollege DaYoungs versucht noch, ihr auszureden, die Zeitreise anzutreten, und das nächste Mal, das wir ihn sehen, liegt er angebeult und leicht blutend vor den Füßen seines - ebenfalls blutjungen - Commisioners, umgeben von bedrohlich dreinschauenden erwachsenen Quintum-Sicherheitstypen.

Aber wegen der großartigen Linienführung inkl. Tintengebung ("inking") Reeders schnürt die junge Heldin, der unsere Augen meistens folgen, die ganze Sache zusammen. Reeder schafft es, fast alles Wirre, das ihrer Heldin - und NYC! - geschieht, zu einem faszinierenden Ritt durch die scharfen Ecken und Tunnel der Comic-Panels umzugestalten.

 

Gelegentlich geht sie auch in die volle Breite und zieht eine "Marvel style"*-Sequenz ab, in der die willensstarke Polizistin vor irgendeiner Bedrohung - meist älterer Herren, die nachher ernsthafte Kopfschmerzen verspüren! - ausbüchst. Wow!

Am Ende ist Ms. Johansson emotional adoptiert worden vom Leser und man will mehr sehen von dem Teenie mit den doppelten Jets auf dem Rücken. Man hofft, dass die längere Pause endet und der nächste Band bald erscheint!

(* Zitat des in 10 Bonusseiten abgedruckten Dialogs zwischen Texter und Zeichnerin am Bandende / dort schoss ich auch das Schwarzweiß-Foto - man öffne es in einem neuen Browserfenster um es in größerer Form zu bewundern)




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Spider-Man Taschenbuch [Panini(Marvel)/2004(1967)]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 31 March 2016 · 1798 Aufrufe
20.Jhdt., Panini, Marvel, *Romita und 1 weitere...


Ich löse ein Versprechen vom 1. Blokk-Jahr ein: Nochmal den großartigen & prägenden Marvel-Zeichner John Romita sr. aus den Sechzigern/Siebzigern zu präsentieren - bei einem seiner bekanntesten Einsätze, seiner Übernahme des Zeichnerbleistifts von Spider-Man-Miterfinder Steve Ditko, um die Stories & Texte von Marvel-Gründer Stan Lee grafisch umzusetzen.

Der vorliegende Band ist besonders, weil er nach 2 enthaltenen Ditko-Heften, u.a. das allererste Spider-Man-Comic, wo Peter Parkers Entstehungsgeschichte zum ersten Mal erzählt wird, fünf (5!) von Romita gezeichneten Hefte ansammelt, die er Ende 1966 & Anfang 1967 zeichnete. Auf die letzten drei möchte ich mich hier konzentrieren, denn in diesen lernt Spidey den Kingpin kennen - und für den damals noch recht jungen Rezensenten war diese Figur - in diesen Seiten - ein überwältigender Gegner.

Der Kingpin wird hier als breit-eher-als-lang und bullig dargestellt, immer extrem selbstsicher, mit teils tödlichen aber ungewöhnlichen Waffen zur Hand, u.a. einem kurzen Stock mit Knauf, aus dessem dünnen Ende ein Destruktorstrahl gefeuert werden kann, der z.B. problemlos einen Revolver in Luft auflösen kann. Das wirklich besondere Attribut ist aber Kingpins Kampffähigkeit, die er selber während eines blitzschnellen Schlagabtauschs mit einem seiner aufmüpfigeren Schlägerunterlingen so beschreibt:


Hast du dich nie gefragt, wie ich der Herrscher der Unterwelt werden konnte? Nie daran gedacht, du könntest dich irren? Dass du Muskelmasse mit Fett verwechselst?

Während dieses Monologs umschließt er die geballte Faust des Anderen fest in seiner breiteren "fetten" Faust, als ob es sich um einen "Schraubstock" handle, wie der nachher klein beigebende Gorilla konstatiert.

Das Besondere an Romitas Linie ist die sichere Art, wie er Körper zeichnete, sei es im Alltag, wenn M.J. Watson eine ihrer ausladenden Armbewegungen macht, sei es im Spinnen-Kampf mit Kingpin oder seinen Mannen. Romita hatte ein rares Können was kämpfende Figuren anging, inkl. dramatischen Perspektiven & ausholenden Faustschlägen; die fast cineastische Weise, wie er Kampfabläufe darstellte, hatte ich ja schon mal bei seinem Einsatz in der Cap-Reihe im Blokk dokumentiert. Dazu kommt, dass Romita seine Anfänge ja in den Romanzen-Zeitungsstrips hatte - Peter Parkers "look" (der ab dann für alle weiteren Hefte bis heute "galt") als Herzensbrecher auf dem Campus, sowie z.B. MJs markante "mehrspitzige" Vorderfrisur und ihre Grübchen, sind alles Erfindungen von Romita.

Der agile Spinnen-Superheld mit dem Maschinengewehr-Kommentar aus Lees Feder war damals derart markant, dass meine Theorie ist, dass der heuer so beliebte Marvel-Anti-Held Deadpool einfach eine neue Variante davon ist, mit heute gängigen Zusätzen wie - leider - ständigem Umnieten seiner Gegner und das Durchbrechen der "4. Wand".

Das preiswerte Panini-Büchlein hat jedenfalls einen frühen Höhepunkt des Oeuvres um den "Netzschwinger" festgehalten, spannend geschrieben und gezeichnet, in großartigen Farben, und durchaus gekonntem Inking (durch Mickey Demeo)! Schade dass es seit kurzem nicht mehr neu bestellt werden kann. (Beim dt. Comicguide - s. Link hinterm obigen Bild - findet man einige Preisangaben, und heuer wird es definitiv noch spottbillig bei Booklooker angeboten...)

Wenn mensch ein alter oder neuer Fan des taffen Wände-hochlaufenden Teenagers ist, sollte sie/er die paar Euronen für diesen Schatz ausgeben.

P.S.: In einer tollen Geschichte aus der Feder von All-Round-Talent J. Michael Straczynski - ja, der der auch Babylon 5 mit-erfand! - und gezeichnet von Romitas SOHN (!) wird nah am Ende des dünnen Bandes noch beschrieben, wie Peter endlich seiner Tante May Parker sein Geheimnis eröffnet! Großartiger Comic-Stoff!

P.P.S. (2 days later edit): Ein ZIP-Archiv, das u.a. Kingpin in Großaufmachung zeigt, liegt nun endlich vor (1MB-Download). Allerdings alle Seiten nur in nicht zu hoher Auflösung & schwarzweiß...




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Nowhere Men Vol. I [Image/2013]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 29 February 2016 · 1714 Aufrufe
21.Jhdt., Image

Der Verleger des ca. seit einem Vierteljahrhundert existierenden US-Comic-Verlags Image Comics, Eric Stephenson, hat wahrscheinlich ein Faible für die BEATLES - und hat mit diesem lesenswerten Band eine neue Art von X-Men-Anfang in Form einer Hommage an die echten Sechziger & Siebziger hingelegt, die aber eine alternative Geschichtsentwicklung beschreibt: Was wäre, wenn in den Mittsechzigern "science" - also experimentale Wissenschaft, die zur Entwicklung von Technologien führt - einen ähnlichen Schub erlebt hätte wie damals die Popmusik?

 

Die vier Nicht-ganz-Pilzköpfe sind - man beginne im Kopfreihen-Bild hinterm Link ganz rechts & mache dann vorne links weiter - der ethisch-motivierte Ellis, sein praktischer-veranlagter Partner Strange, der geniale, aber anerkennungsgierige, Grimshaw, und der abgeklärte "boy wonder" Walker. Nach einem eröffnenden Interview bei einem Dick-Cavett-Lookalike im TV - damit die BEATLES-Parallele klar etablierend - werden diese 4 wie Rockstars gefeiert, ob ihrer Ansichten & den erstaunlichen Erfindungen der von ihnen gegründeten Fa. World Corporation (deren Produkte immer wieder mittels Vollseiten-Werbungen im Band vorgestellt werden) - u.a. künstliche Augen, Riesenbrücken zwischen Inseln, unkaputtbare Roboter für den Einsatz in besonderen Gegenden bzw. im All. Und dies sind nur die offensichtlichsten Erzeugnisse - eigentlich geht es die meiste Zeit im Band um einen selbstgebauten Virus aus Grimshaws Abteilung, der offensichtlich in der Lage ist, in theoretisch jeder Zelle im infizierten Körper die DNS umzuschreiben. Als Walker verschwindet, und Ellis nach einem Riesenstreit mit Grimshaw - wodurch Letzterer World Corp. verlässt - in ein jahrelanges Koma verfällt, zieht sich Strange zurück & führt v.a. einen Umbau der von ihm inzwischen aquirierten ISS durch, und schickt ein Team junger Leute insgeheim dorthin...

 

Die Ideen sind nicht neu - vieles scheint aus den mutantenthematischeren* Marvel-Comics und Byrne's Next Men geklaut worden zu sein - aber die Synthese schon, insbes. mit vielen Memen aus der postmodernen Hippie-Zeit unserer Eltern & Großeltern, wohl um ein "Gründerzeit"-Feeling der gegenwärtigen Moderne auszustrahlen. Neu ist das, was die 3 aktiveren Mitglieder der alternativen Fab 4 miteinander machen, sowie der ein oder andere höhere World-Corp.-Angestellte, und wie abgebrüht menschlich - und damit oft fehlschlagend - die meisten Beteiligten agieren. Und wie sehr schief technologische Anwendungen oft gehen können. Das alles gefiel mir ganz gut - und der "cliffhanger" am Ende ist spannend genug, das ich allein von der Story her auf Vol. II gespannt bin. (Leider gibt es bereits seit ca. 4 Monaten Gerüchte, dass dieser Band nie kommen wird. q:()

 

Die Aufmachung des Bandes ist super! Nicht nur gibt es großartige "visuals" von Nate Bellegarde - u.a. einen Centerfold der umgebauten I.S.S.! Die Macher haben sich auch Mühe gegeben, diverse magazin-/buch-artige Auszüge ihres alternativen Universums im Band zu "dokumentieren", u.a. ein 2-seitiges Interview mit dem sehr breit denkenden Harrison-Klon Thomas Walker, das ganz genau dem Format der Playboy-Interviews der Siebziger entspricht. q:D

 

Wenn es etwas zu meckern gibt, dann evtl. dass man Geduld mitbringen muss, um alles zu lesen & kapieren - so 3 Mal von Anfang bis Ende Durchlesen sollte man zur vollen Erleuchtung schon einplanen! Und außerdem ist die Prämisse, dass "science" ahnlich beliebt werden kann wie Rock 'n Roll mir etwas zu abgehoben, obwohl mit den hier geschilderten ziemlich glaubhaften Konsequenzen einer bleibenden heutigen Meme ausgemalt werden - dass "science" doch soviel besser als Religion sei, und so große Errungenschaften mit sich bringen würde. Dabei lassen sich m.E. die Wissenschaften kaum mit einer Religion vergleichen; es gibt stärkere Zweige - wie jeder Forschungs-Prozess für ein neues maschinelles Produkt heutzutage - oder schwächere - wie die aktuell in aller Munde ins Katastrophale tendierende Klimawandeltheorie... Das alles gehört dazu, und kann v.a. jederzeit ins Leere führen (eine der Kerneigenschaften einer wahrhaftig wissenschaftlichen These)!

 

Die kulthafte Ding-Machung von "science", die im Band immer wieder angedeutet wird, ist m.E. die Kernfantasie dieses epikurisch & mit viel Detailliebe konstruierten Gebildes. So sehr dass Nowhere Men schon fast als zynische Dekonstruktion dessen gedacht sein könnte.

 

Jedenfalls hat Board-KI Jorge zurecht diesen - in 2014 auch auf dt. bei Cross Cult erschienenen - Sammelband empfohlen! Dem schließe ich mich an. :thumb:

 

(* X-Men, New Mutants, X-Factor, Excalibur, usw. usf.)




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Star Wars Special #5 [Dino/1999]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 10 January 2016 · 1668 Aufrufe
20.Jhdt., Dino, *David

Passend zum neuen Star-Wars-Kinofilm (Ep. VII) hab ich dieses alte Heft in meinem Fundus ausgegraben, das ich mir damals ungefähr zu genau dem Zeitpunkt kaufte, als ich nach Berlin zog. Es ist eine Sammlung von 4 "graphic short stories" von namhaften Autoren wie u.a. Peter David & (meist) guten Zeichnern. Sie erschien damals auf deutsch im Dino-Verlag, wohl unter Lizenz von LucasBooks.

 

Damals war wohl gerade erst der 1. Prequelfilm (Ep. I) heraus gekommen, weil gleich die erste Story von Obi-Wan & Qui-Gon handelt; sie ist großartig gezeichnet von Robert Teranischi, wenn auch die Dialoge bzw. die Geschichts-Moral etwas merkwürdig wirken. Anakin Skywalker, noch bevor er Vader wurde, kommt nirgendwo im Band vor.

 

Ich möchte mich in einer folgenden genaueren Analyse dieser 1. und der vorletzten Geschichte im Band v.a.* annehmen; letztere ist auch grandios gezeichnet, von Claudio Castellini. Sie handelt von einer der letzten Jedi-Auslöschungen von Vader, chronologisch vor Beginn von Ep. IV.

 

In der ersten Geschichte befinden sich Qui-Gon und sein Padawan Obi-Wan in einer Dschungelumgebung. Dort treffen sie u.a. auf ein Monster, das eine liebliche Gesichtsattrappe am Körper entwickelt hat, die es aus Gebüsch heraus zeigt, um Zweibeiner anzuziehen um sie dann zu fangen und verschlingen - und einen von sich selbst überzeugten, lauten, zwerghaften "Moggoniten", der seine Rettung durch die Jedis leider nicht so recht würdigt... Am Ende bestehen die Jedis noch gegen einen Silan, ein riesiges furchtbares Wesen, das mit Hilfe der dunklen Seite der Macht unter den Dschungelbewohnern wütet.

Nach all dem Morden fragt Obi-Wan warum Qui-Gon dieses letzte Lebewesen anders behandelt als z.B. den widerwärtigen Moggoniten, den er, Qui-Gon, offensichtlich zu naiv behandelte. Und da kommt eine Philosophie hervor, die ich doch damals - & heute - etwas befremdlich fand, und die in der Form nie in den Filmen anklang, obwohl sie sicherlich eine valide Extrapolation wäre: Ein wahrer Jedi müsse immer der Macht folgen, woimmer sie ihn hin führt...

Als Jedi-Ritter wirst du noch oft dazu gezwungen sein, etwas zu tun, was du nicht willst, Obi-Wan.

Für mich einer der Hauptgründe, warum ich irgendeiner Religion nie vollständig folgen könnte. Ich möchte mein Hirn nie ganz ausschalten müssen im Leben.

In der zweiten, chronologisch früher angesiedelten, Geschichte reden Darth Vader, der Imperator - Darth Sidious - und Mara Jade über eine der wenigen verbleibenden Jedis, die Vader seit Jahren jagt, deren Aufenthaltsort Jade entdeckt hat: Die Dunkle Frau. Vader besucht den Ort, und findet ein pflanzliches Paradies vor (s. Bild). Die Frau, eine hochgewachsene weißhaarige-aber-robuste Schönheit, weist ihn mit ihrem ersten gesprochenen Satz darauf hin, dass er gerade eine sterbende Blumenart ansieht. Sie hege diese Arten hier um ihnen eine Chance zu geben, sich später wieder zu vermehren. Vader meint, Auslöschung gehöre auch zu den natürlichen Mechanismen des Universums, Schwäche müsse dem Kräftigen weichen. Am Ende sieht man nur wie die Frau von Vader abgewandt ihn implizit einen Feigling nennt, während er hinter ihrem Rücken das eingeschaltete Lichtschwert hebt.

Tatsache ist leider, dass dies nur der erste Teil eines Zweiteilers ist; der zweite Teil fehlt. Ich als Uninformierter damals wusste das nicht, und nahm an, dass sie einfach ohne Angst in den Tod geht, im letzten Moment noch einen Zweifel in Vader säend. War mir aber dessen nicht ganz sicher. Trotzdem gefiel mir die Geschichte gut; heute, wo ich dank diversen Wikis im Web weiß, wie die Geschichte endete, gefällt mir mein altes Missverständnis noch immer gut. Die Geschichte hätte hier gut enden können!

Fazit: Star Wars ist für mich v.a. ein Phänomen des bewegten Bildes - interessant( gemacht)er Kinofilme und der gelungenen Clone-Wars-Serie. Aber diese großartig gezeichneten Kurz-Comics sind definitiv einen genussvollen Einblick wert. Allerdings kann es sein, dass die "reinere" Sicht auf was die Macht wohl sei, dadurch etwas getrübt wird! q:D (Aber ausgleichend dafür gibt's den obigen Cover mitten im Heft als herausnehmbaren Poster! ;))

(* Es gibt noch eine Geschichte von Timothy Zahn, die nicht so toll gezeichnet ist, und eher was für Mara-Jade-Fans ist. Und eine großartig komische Geschichte vom bereits erwähnten Textmeister David, die glaubhaft erklärt dass der R2-Droide, der in Ep. I von Lukes Onkel abgelehnt wird, damit dann R2-D2 dran kommt, in Wahrheit ein Jedi-Droide sei, der sich aus gewissen Gründen opfert, damit die Dinge fürs Universum zum Positiven, also im Sinne der Rebellen, entwickeln können.)


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Shatter [First/1984]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 14 December 2015 · 1775 Aufrufe
First, 20.Jhdt.

Eingefügtes Bild

Ein wahrer Klassiker des Computer-Zeitalters, wurde SHATTER von Künstler Mike Saenz und Texter Peter Gillis als das erste Comic konzipiert, das vollständig am Computer gezeichnet werden sollte. In dem Jahr als der brandneue Apple Macintosh mit MacPaint ein erstes einigermaßen starkes Programm anbot, womit man Schwarz-Weiß-Pixel-"Gemälde" produzieren konnte - inkl. einer Auswahl von Schriftarten inkl. Effekte für eingebettete Texte, und einem einigermaßen fähigen "resize"-Feature. Saenz war so überzeugt von diesem neuen Computer/Programm, dass er der Meinung war, er würde das Monat für Monat hinbekommen. Die beiden überzeugten First-Chef & Verleger Rick Oliver das Experiment zu wagen.

 

Das 1. Heft war ein "Special", also ein normal langes Heft, das nur dem neuen Projekt gewidmet war. Darin stellten Saenz & Gillis den Protagonisten Sadr al Morales vor, neben vielen anderen Namen auch "Shatter" genannt, der ein "Temp"-Ermittler im Chicago der nicht all-zu-fernen cyberpunkigen Zukunft ist - und auf ein morbides Geschäft stößt nachdem verstorbenen Genies kurz nach ihrem Tod RNA aus dem Gehirn entzogen wird, das, in einen normalen anderen Menschen verpflanzt, demjenigen ein Jahr lang das gleiche Talent beschert; derjenige muss dann nur noch lernen, das technisch zu meistern. Das ist unter Reichen & Machtgierigen ziemlich begehrt, und daher kommt es immer häufiger vor, dass die "Quellen" kalt gemacht werden, um ihr RNA zu ernten.

 

Dieser - m.E. innovative Cyberpunk-Plot - wurde dann als Backup-Geschichte in dem First-Titel JON SABLE weiter entwickelt, bis SHATTER dann endlich seine eigene Reihe bekam - zu welchem Zeitpunkt Saenz & Gillis allerdings schon wieder ausgestiegen waren. Als die Hauptserie dann mit der Nr. 14 endete, hatte ein neuer Dauerzeichner, Charlie Athanas, fast alle Pflichten einigermaßen gekonnt übernommen. Aber das Heft lief da wohl nicht mehr gut genug - das "Neue" war inzwischen wohl passé & die Stories nach wie vor recht wild - und wurde wenige Monate später eingestellt.

 

Jedenfalls erlebt man zusammen mit Shatter, der sich als RNA-Speicher-Naturtalent herausstellt (bei ihm haben RNA-Aufrüstungen permanente Wirkung), einige wilden Ritte durch die Welten, die sich Leute in den 80ern im Cyberpunk-Milieu so ausdachten: Er verknallt sich in eine hübsche Serienkillerin, die mit den großen Firmenkonglomeraten, die hinter dem RNA her sind, kooperiert, lernt den Artists' Underground kennen, die ihn angeblich studieren wollen, trifft seine Mutter in Asien, die ihn dort auch für eines der Konglomerate rekrutieren will, tut sich mit der Kämpferin Revenant zusammen, die sich nie seinen Namen merken kann, ihn aber sehr loyal beschützt, und kämpft am Ende gegen abwasser-patrouillierende Roboterhunde, die er durch das illegale Verschütten von Coca-Cola (in der neuen sauberen Welt der Zukunft als toxischer Müll verschrieen) aus ihren Untergrundverstecken lockt.

 

Es geht ziemlich ab.

 

Grafisch ist alles recht interessant, schon rein als kleiner CAD-Geschichtsunterricht! Man sieht dass es Zeichner immer wieder Leid werden, die ganzen Hintergründe neu zu zeichnen (computerisierte 3D-Konstruktionen, die man drehen konnte, gab's noch nicht!), was dann mit innovativer Farbgeberei versucht wird, wett zu machen. Einmal scheint Saenz Fotos irgendwie eingescannt zu haben, und benutzt sie verpixelt für die Gesichter in einem der Hefte. Besonders gut gelingen ihm & Athanas schwarz-glänzende Oberflächen, z.B. die polizeilichen Exoskelett-Rüstungen, die ab und an zum Einsatz kommen.

 

Wenn man stundenlang durchblättert, staunt & lacht man viel (Letzteres wg. der Grobheit mancher Grafik im Vergleich zu heute, u.a.), und liest die oft spannend-verwickelten Cyberpunk-Szenarien, mit typischerweise vielen losen Enden.

 

Macht also verpixelt höllischen Spaß!

 

P.S.: Das verlinkte Coverbild oben ist das der aktuell neu kaufbaren Version vom Ait Planet Lar Verlag, die allerdings völlig ohne Farbe daher kommt; daher bleibt dieser Verlag im Eintragstitel usw. unerwähnt. Einen alten First-Sammelband in Farbe mit den 1. 4 Hauptheften, plus den ganzen "backups" aus den JON-SABLE-Heften in einem Band gibt es antiquarisch ("the revolutionary graphic novel" steht vorne auf dem Cover). Der Auszugsthumbnail rechts oben verlinkt auf seine Quelle, ein Artikel zum Comic des Blogs "Ablogalypse".




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Marvel Now: Captain Marvel [Marvel/2014]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 07 November 2015 · 4253 Aufrufe
21.Jhdt., Marvel

Aus halbwegs aktuellem Anlass - es soll "bald" im Rahmen des MCU, und der GotG-Reihe darin, einen Film der Dame geben - besorgte ich mir alle Sammelbände zur neuen Captain Marvel von - zum größten Teil - strahlender Newcomer-Texterin Kelly Sue DeConnick. Es sind 6 in Summe, in 2 "Volumes" - ein neuer Marvel-Abzock-Begriff, womit die Hefte immer wieder erneut bei der #1 beginnen - von je ca. 20 Heften. Wobei ich mich - wie auch nebenan mit entspr. Cover - auf den 1. Band aus dem 2. DeConnick-"Volume" konzentrieren werde; in diesem zeichnet v.a. der großartige Spanier David López die Heldin, & das macht ungemein Spaß!

 

Die Backstory: Bostonite Carol Danvers ist schon länger Miss Marvel, eine taffe Blondine, die aber durch den Eingriff eines verrückten Kree-Kriegers ein "genetisches Imprinting" bekam vom allerersten Capt. Marvel (=CM), dem mit besonderen Kräften ausgestatteten "Universalheld" Mar-Vell, ein weiterer Kree, der durch seine noch frühere Captain-Werdung u.a. "kosmisch bewusst" wurde, und die ganz großen galaktischen Macher - wie z.B. Thanos - in den Fokus nahm. Der weibliche Marvel-Azubi wurde nun recht kräftig, bekam einen roten Umhang, konnte fliegen und Strahlenstöße aus ihren Händen schießen. Leider wurde sie immer wieder mal fallen gelassen (v.a. von den Marvel-Herausgebern) & vergessen (von den Fans), also machte sie allerlei Verwandlungen durch: Sie hatte einen 2. Unfall mit einem Wurmloch, und wurde vorübergehend die übermächtige kahl-/rot-köpfige BINARY, ein Wesen, das gleichzeitig die Eigenschaften eines schwarzen und eines weißen Lochs - Letzteres m.a.W. ein unendlicher Energie-Generator! - in sich vereinte und einigermaßen anwenden konnte, fiel danach aber, in Folge eines wortwörtlichen Burnouts, als kräfte-reduzierte Erneut-Blondine Warbird dem Alkoholismus zum Opfer, den ihr derweil angefreundeter Mitleidender Tony Stark a.k.a. Iron Man ihr half halbwegs zu überwinden. Inzwischen war sie Mitglied der Rächer geworden, und änderte dann ihr Kostüm - der Umhang wurde zur Hüftenschärpe - und nannte sich erneut Miss Marvel. Dann erschien der eigentlich totgeglaubte Mar-Vell aber in einem Kampf gegen eine erneute Variante des Energiewesens Phoenix, und half Carol dieses endgültig zu besiegen, wobei er aber sein Leben erneut opferte & Carol einen Teil der Phoenix absorbierte. Damit wurde sie nun endgültig zu "Earth's Mightiest Hero" - eine mächtige Energiewandlerin, mit Flugvermögen und fast undurchdringbarer Haut.

 

Dort holt sie DeConnick im 1. DeConnick-Band (also 1. DeConnick-"Volume", 1. Band) ab*, als Capt. America ihr, nach einem gemeinsam bestandenen Kampf gegen den tückischen Absorbing Man, empfiehlt, den seit der Phoenix-Sache endgültig brach-liegenden Titel des Wunderbaren Käpt'ns anzunehmen. Nach einigem Hin-&-Her entscheidet sie sich, dem Rat zu folgen. Und erlebt als Teil der Rächer noch den ein oder anderen galaxisspannenden Tumult, u.a. den Widerstand gegen die planetenzerstörenden "Erbauer", mit Hilfe der etwas sehr rabiaten, und daher nicht ganz koscheren, Galaktischen Allianz, die von GotG-Anführer Star Lords kaiserlichem Vater nicht wenige Teile der näheren Milchstraße unter ihrer Fuchtel hat.

 

Obiger Band beginnt nun danach - in einer relativ ruhigen Zeit, in der Carol allerdings merkt, dass es ihr auf Erden (sie wohnt im Kopf der Freiheitsstatue) in den behandschuhten Fingern kribbelt, wieder in den Weltraum zurückzukehren. Ihr Freund Tony erwähnt nebenbei, dass die Rächer überlegen eine feste "Filiale" nahe dem Mondorbit zu etablieren, und einen Rächer-in-Rotation immer dort zu stationieren. (Evtl. ist ja jemand bei den Rächern ein Fan von Thunderbird 5? :qdevil:) Natürlich greift sich Carol diese Gelegenheit und nimmt erstmal provisorisch zusammen mit ihrer Katze Chewie Station auf in einem von den Rächern gestifteten künstlich-intelligenten Schiff namens Harrison. Prompt bekommt sie auf Umwegen erneut mit der Allianz - und auch wieder den GotG - zu tun!

 

Das Besondere an DeConnicks Schreibe ist der "in your face"-Feminismus, der m.E. nicht so sehr aufdringlich ist, wie jederzeit präsent - in einer Dichte, die ich bisher in Comics nicht erlebt habe. Wo das im 1. "Volume" (also den 1. 3 Bänden aus DeConnicks Feder) noch etwas gewaltiger - & militanter - daher kommt, findet sie im oben abgebildeten 4. Band ihres CM-Oeuvres, Hand in Hand (meistens) mit dem Meisterzeichner López, zu einer etwas gelasseneren und damit auch viel humorigeren Form... CM ist nun einfach eine mächtige Superheldin, die cool & scheinbar petite daher kommt (die Aliens, auf die sie trifft, sind i.d.R. größer als sie), aber energetisch unglaubliche Macht unter ihren Handschuhen versteckt.

 

Dazu kommt, dass ihre genetische Kree-Kriegerin-Ausstattung u.a. anbietet, im All einen klassischen Kree-Helm um ihren Kopf zu bilden, der ihr erlaubt mit ihrem Schiff in Kontakt zu bleiben und zu atmen. (Kalt wird ihr eh nur wenn sie will, da sie Energie beliebig absorbieren/speichern kann.) Sie aktiviert ihn also immer bei "space walks" (oder Flügen - schließlich kann sie ja unter eigenem Dampf fliegen), wobei dann eine irokesenartige Tolle die Mittellinie ihres Kopfes bis nach hinten säumt. Don't mess mit CM in voller Kree-Montur! q:o :wub:

 

In diesem und den weiteren 2 Bänden dieses letzten "Volumes" kommen also Fans von raumfahrenden Abenteuern mit gewaltigem Einsatz, inkl. gelegentlichem Gastspiel der GotG, und vielen Nachreichungen gekonnten Wortwitzes (

- One warrior goddess and one comically-oversized goat, at your service!
- Hey, Captain! I resemble that remark!

), also moderner Weltraumoper voll auf ihre Kosten.

 

Ich mag außerdem sehr DeConnicks Feinfühligkeit bei ihren Plots. Beispiele:
1. Die ganzen 6 Bände hindurch verabschiedet sich Carol ab und an von ihrer alten Normalleben-Kollegin Tracy Burke, die an einem Krebsleiden verkümmert; dazu gibt es ein wunderbar unerwartetes literarisches "Happyend" am Ende des letzten, also 6., Bandes (dem 3. mit López).
2. Im gleichen Band bekommt Carol die Chance eine noch mächtigere "kosmische" Version ihrer selbst zu werden - einer Versuchung, der schon mehrere andere HeldInnen verfielen, u.a. GotGs Gamora! - sieht also endlich in den Zauberspiegel genannt "Schwarzer Vortex" und... erkennt sich selbst in ihrer damaligen BINARY-Form. Und lehnt dankend ab. :o q:)d

 

Mann - und Andere - verpasse nicht diesen und die 2 folgenden in 2015 erschienenen Bände, die die Erfolgsgrundlage legen für den angeblich 2019 zu erwartenden Film. Eine feministisch-leichte Tour de Force, großartig gezeichnet, wie man sie in dieser Kombination selten vor die phantastische Brille bekommt, mit besonderem Reiz für alle Liebhaber von "road movies" im Weltall!

 

P.S.: Ausblick aus Herausgebersicht... DeConnick begibt sich leider in andere Gefilde, und eine etwas brachialer wirkende CM-Fortsetzung kündigt sich - natürlich wieder in einem neuen Abzock-"Volume" - aktuell an.

 

P.P.S.: Personality-Update... DeConnicks schlechtere Hälfte war auch schon mal aufem Texterstuhl im Blokk präsent!

 

P.P.P.S.: Blokk-Hinweis (das war's dann auch an Nachworten)... Diesen Monat wäre ein Comic-Klassiker dran gewesen; ich konnte mich aber in meiner CM-Begeisterung nicht zügeln. Somit werden dann die Monate Dezember & Januar "alte", aber hoffentlich spannende, sein...

 

(* Alle 6 CM-Bände sind Teil des verlagsweiten Marvel-Reboots "Marvel Now", weswegen gerade die ellen-lange Vorgeschichte CMs eigentlich nur nebenbei eine Rolle spielt; denn alles Wissenswerte wird eh in den neuen Comics eingeführt. Ich habe die Vorgeschichte u.a. hier im Beitrag mit drin, um zu zeigen wie lange es schon CM als "ewige Nebenfigur" gibt, und welche "Energiestufen" diese klevere Blondine schon hinter sich hat; u.a. um ihre Macht, aber auch ihre lange Erfahrung, im Rahmen ihres Superheldinnen-Daseins zu grundieren.)


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Ode [*/2011-heute]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 18 October 2015 · 2794 Aufrufe
21.Jhdt.
Diesen Monat biete ich einen kürzeren Blokk-Beitrag, denn es geht zum 1. Mal um die seit ca. einem Jahrzehnt immer häufiger erscheinenden Webcomics, meist verlaglos produziert*; genauer: Ein konkretes Beispiel zum Hineinschnuppern. Das wunderbar handgemalte Comic ODE des Ehepaars Annie Stoll (Zeichnerin) & Tim Ferrara (Texte).

 

Darin kommen zwei Ritterinnen anfangs vor dem Tor der Stadt Spire an - die ältere & kampferprobtere Stana, die früher für diese Stadt als Heerführerin gegen Drachen gekämpft hat, & Wren, ihre Akolytin. Allerdings musste Stana damals nach einer "Niederlage" in Schande die Stadt verlassen, weswegen es Probleme geben dürfte, ohne Einsatz der langen Schwerter der beiden hinein gelassen zu werden...

 

Ich verrate hier nicht mehr, denn viel weiter kommt die Story auch gar nicht - nach 3+ Jahren gibt es bisher nur 3 Kapitel zu bewundern - aber es fällt schnell auf, dass dieser Plot immer wieder einen feministischen/emanzipierten Ton trifft, der m.E. erst seit kurzem in der Klarheit in (wenigen) anderen US-Mainstream-Comics zu hören ist (u.a. Capt. Marvel, die auch demnächst mal im Blokk dran kommt): Frauen als durchaus machtvolle, dynamische Kumpel, die v.a. mit Geschlechtsgenossinnen zu tun haben, und Männer nur gelegentlich brauchen, so oft wie nicht um sie zu verdreschen. (Dem war dieses Macher-Paar um einige Jahre voraus.) :D

 

Was bei freien (=gratis) Webcomics immer wieder auffällt, ist, wie unregelmäßig sie erscheinen. Oft sind es eben nebenberufliche "ehrenamtliche" Projekte. Wenn also die Zeichnerin z.B. davon abgelenkt wird, dass sie gerade ein Heft in der Reihe "Star Wars Rebels" grafisch produzierte, kann es auch sein, dass ihr nicht-kommerzielles Webcomic mal ein Jahr lang ruht.

 

Dazu kommt, dass DIESE Zeichnerin jede Seite als Aquarellgemälde gestaltet. Auch die Dialoge sind durchaus anspruchsvoll (s. Beispiel nebenan - "Bild in neuem Fenster öffnen" zeigt es in voller Größe).

 

Das Ehepaar behandelt auch jede neue Seite als einen Thread mit Kommentaren - das erste kommt immer von einem der beiden, und gibt ein wenig Hintergrund preis, oder wie es dem "ich lebe von meiner Kunst"-Projekt allgemein geht. Die ODE-Fans, auch genannt "Odettes", rufen (=posten) dann Mut zu und äußern sich zur neuen Fortsetzung.

 

Wer die drei Kapitel durch hat, fiebert sofort danach wie es wohl weiter gehen mag - und muss sich gedulden... Das haben die freien Webcomics nun mal so an sich!

 

Viel Spaß beim Durchklicken! (Auch andere Comics sind leicht erreichbar - man studiere die Icon-Zeile "jump to another comic" auf jeder Seite.)

 

(* wie z.B. bei ODE mittels dem WordPress Add-on ComicPress / BTW: Das Coverbild oben verlinkt direkt zur ODE-Site.)




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Die Fantastischen Vier #124 [Marvel/1978]

Geschrieben von yiyippeeyippeeyay , 11 September 2015 · 2950 Aufrufe
Marvel, 20.Jhdt.

Diesen Monat sehe ich mir mal ausnahmsweise ein Lieblings-Comicheft - also eine einzige klassische dt. Ausgabe der FV-Reihe von vor ca. vier Jahrzehnten! - genauer an. Es handelt sich um die von zwei Marvel-Titanen - dem talentierten Plotter/Texter Roy Thomas und dem großartigen Zeichner John Buscema - erdachte/ausgeführte Mini-Serie um Ben Grimms Versuch, dem megalomanen Maulwurf - im Original: Mole Man - Herrscher eines Teils der Welt unter der Erdkruste, ein wichtiges Geheimnis zu entlocken.
 
Das Coverbild des nur noch antiquarisch erhältlichen Hefts leitet weiter auf ein Angebot von Booklookers' JOKERS, denen es hoffentlich nichts ausmacht, dass ich das Bild hier zeige. Der dort zu lesende Untertitel der Ausgabe deutet schon den Plot an: "Das Ding kämpft allein!" Alleine in den Welten unter der Erde...
 
Denn in diesem Heft beginnt ein orpheanischer Mehrteiler, der sich über wenige Nummern erstreckt. Ausgangslage: Ben Grimm, das grotesk-große steinern-häutige Ding, ist frustriert, weil er seiner Freundin, der blinden Künstlerin Alicia, so wenig bieten kann. Er entscheidet sich also den Maulwurf zu finden; der kam zuletzt dem Versuch des Ehepaars Richards/Storm (Mr. Fantastic / Invisible Girl) in die Quere, ein Landhaus mit ihrem kleinen Sohn zu beziehen, indem er bei einem Angriff dieses einfach völlig platt machte. Den Kampf gegen die mächtigen Vier verlor der Unterweltler, fand aber am Ende, seine besondere Nachtbrille im Kampf verschollen, trotzdem den Weg zu einem seiner versteckten Schächte direkt unter dem Haus, durch den er entkam. Ben meint also, dass dieser besondere Radarsinn, den der (auch eigentlich blinde) Maulwurf entwickelt hat, etwas für seine Alicia wäre. Er räumt in der Erstszene dieses Hefts die restliche Ruine des Hauses ungestüm weg, findet den Eingang & klettert hinunter - indem er sich beim Abstieg einfach ständig Löcher in die Stahlwand des Schachts tritt.
 
Derweil sitzt Johnny Storm, a.k.a. die Fackel, im Central Park in Manhattan herum & sehnt sich nach Crystal, seiner in ihre Inhuman-Heimat entschwundenen großen Liebe, die zeitweilig zu den FV dazu gestoßen war als Dank für einen großen Gefallen, den die Vier ihrem Schwager, dem stummen Black Bolt, Anführer der Inhumans, mal getan hatten. Als Johnny von Fans entdeckt wird, heizt er los in Richtung Baxter Building, wo ihn leider der Vermieter abfängt & nebenbei erwähnt, dass das Ding einen Ausflug zur "Mitte der Erde" gemacht hätte...
 
Wenig später hat Johnny die Anführer des Teams - das oben genannte Ehepaar - alarmiert. Alle drei ahnen wo der fehlende Vierte seinen Abstieg begonnen hat, & treffen sich dort. Reed sagte gerade Johnny er müsse sich keine Sorgen darüber machen, dass die Verheirateten etwas verzögert ankamen - es habe nur eine kleine Privatdiskussion gegeben... An diesem Punkt steht die Story, als wir zu den Seiten 14 & 15 kommen, die ich nebenan zum genaueren Ansehen fotografiert habe. (Ein Klick führt zur größeren Version. Ging leider am Abend nicht ohne Blitz.)
 
Die Gebrüder Buscema hatten immer einen großartigen Touch für dramatisch-gutes Zeichnen (als kl. Junge hab ich vor allem ihre Zeichnungen von geballten oder gespreizten Händen gerne als Vorbild für die Hände eigener Comicentwürfe genommen!), wobei John das noch einen Tick realistischer hin bekam als sein Bruder Sal. Wenn dazu ein großartiger Tuscher wie hier Joe Sinnott der Sache "body" & Schattierung gibt, geht's rund! Der dramatische Aufbau der linken Seite ist m.E. gelungen: Auf der linken Hälfte liest Sue Reed bildhaft die Leviten als emanzipierte, aber liebende, Ehefrau - besonders gefällt mir das unterste Bild, wo sie & Reed von oben zu sehen sind, ihre Gesichter schon im Schatten der Unterwelt. Die rechte Hälfte deutet allgemeine Dynamik & Geschwindikeit an, mit Hilfe des startenden/rasenden Fantasticars.
 
Auf der rechten Seite kehrt der Fokus zurück zu Ben Grimm, der in den unterirdischen Tunneln gerade eine angebliche Prinzessin der legendären versunkenen (aber in den Tiefen überlebenden) Metropole Atlantis vor einem Ungetüm gerettet hatte, und sie nun auf dem Weg zum Maulwurf, mit dem sie eigener Aussage nach verlobt sei, begleitet. Prompt kommen dem Zug unwirsche "minions"* des Maulwurfs entgegen, denen sich der Steinerne gerade lebhaft annehmen will, als er in eine Fallgrube stürzt & dort auf einem klebrigen Gitter festgehalten wird. Ben erkennt darin sofort die Unterschrift des Maulwurfs... Hier gefällt mir v.a. wie Buscema das Ding gezeichnet hat - mit riesigen Pranken & Latschen. Sinnott gibt den felsigen Elementen auf Bens Körper asymmetrisch große Schatten, um deren Unebenheit hervorzuheben. Das Ding ist grobschlachtig, wild - & ein Kavalier!
 
Im restlichen Heft gibt es viele weiteren Szenen im Dunkeln, als der Maulwurf & seine "Liebste" ihren wahren Plan eröffnen, und er zuletzt noch veranlasst, dass die FV sich gegenseitig bekämpfen. In weiteren Heften gibt es dann eine erneute Überraschung, als ein alter Gegner dem Maulwurf entgegen tritt & sich damit das Blatt auch für die FV wendet.
 
Neben den großartigen Zeichnungen & dem sich windenden Plot gefällt mir v.a. bei Schreiberling Thomas auch sein Umgang mit den Dialogtexten im Abtausch mit bestimmten Aktionen der Helden. Als z.B. der Vermieter Johnny gerade verraten hat, wohin Ben unterwegs ist, meint der Kostümierte:


`
        "Sie schnurren wie ein satter Panther, Collins! - Kommen Sie zur Sache!"
        (Vermieter:) "Also gut! Die Sache ist die! Sie und ihre Monsterfreunde
    haben die seriösen Mieter dieses Hauses zum allerletzten Mal terrorisiert!
    Ich habe Schritte gegen sie unternommen!" (zückt ein Blatt aus der
    Innentasche seiner Jacke) "Sehen Sie diesen Gerichtsbeschluss, Sie ---
    Sie ---!"
        (Johnny, seine linke Hand entflammend & mit einem gezielten Feuerstrahl
    den Brief einäschernd:) "Gerichtsbeschluss? Ich sehe ihn nicht, Mr.
    Collins! - Sieht hier jemand einen Gerichtsbeschluss?"
        "Sie Idiot!"

 
Fazit: Für mich war diese Phase in den Siebzigern mit der Grund, warum die FV damals meine Lieblingscomichelden vor allen Anderen waren. Die waren authentisch, "realistisch" (ohne Masken!) und gewannen letztendlich immer nur, weil sie als Team agierten & zusammen hielten. Neben der späteren Byrne-Phase** eine goldene Zeit für das "eindrucksvollste Superhelden-Team der Welt" (Cover-Zitat, s. oben)! Es stimmte alles; wiederholt, Monat für Monat am Kiosk, war die Welt in Ordnung!
 
(* Die aktuellen Kinowesen gleichen Namens sind m.E. von diesen Sub-Terraniern des Maulwurfs abgeleitet! Man achte auf die gelbe Haut & die komischen Brillen... Leider sind diese im Heft m.E. eindeutig wiederum eine weitergehende Karikatur einer propagandistischen Karikatur der Japaner aus Zeichentrickfilmen & Plakaten aus dem 2. Weltkrieg - Schlitzaugen, hervortretende Zähne, "gelbe Gefahr". Ob sich Buscema & Andere bei Marvel dessen damals bewusst waren? Wie konnten sie es nicht sein? q:p / ** S. ersten Link hier im Artikel oben neben dem Coverbild.)








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