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Podcasts zu Romanen von LeGuin bei Rewrite

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Eine Antwort in diesem Thema

#1 yiyippeeyippeeyay

yiyippeeyippeeyay

    Interstellargestein

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Geschrieben 05 January 2021 - 00:22

(Dies ist mein 2. Thread zu einer Podcast-Serie bei Rewrite - v.a, weil ich bei den Podcasts als Co-Diskutant mit mache :blush:. Dieser ist ein wenig anders gestrickt als der erste nebenan - zur Ur-DUNE-Romanserie - da es darum geht, Gedanken zu sammeln VOR der Podcast-Aufnahme. Kritiken zu den Podcasts selber wird es hier, von mir zumindest, nicht geben. Andere Co-Diskutanten - oder natürlich Boardler im SFN - sind aber willkommen sich hier auch breit zu machen zum Thema! Nur zu!)

 

Gedanken zum 1.* Roman

Hab WINTERPLANET (orig. Left Hand of Darkness) erneut gelesen zwischen den Jahren. Zu meinem Erstaunen hatte ich es schlecht in Erinnerung; der galaktische Diplomat - Ai - macht seine arktische Wanderung nicht mit dem König der Provinz, in der er landete, sondern mit dem Erstminister, dessen Beweggründe er vor dieser Flucht über den Riesengletscher nie ganz verstanden - sogar deutlich zu negativ interpretiert - hatte.

 

Und: Erst bei dieser Lesung - bestimmt meine 4. oder 5.! - wurde mir klar, dass LeGuin hier eine stark zen-buddhistische Sichtweise einflechtet, in ihrer "future anthropological" Bescheibung der veränderten Menschheits-Kolonie auf einem der wohl unwirtlichsten vor sehr langem kolonisierten Planeten:

  • Der Scheitelpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Yin & Yang, zwischen Licht und Dunkelheit ist das Wesentliche, auf das sich zu konzentrieren ist. Das Jetzt und das Neutrum und der ewig voranschreitende Sonnenaufgang (oder wenn mensch sich umdreht, Beginn der Nacht)!
  • Auch klein (die Machtspielchen der Menschen in 2 größeren Nationen des Winterplaneten) vs. groß (die eisigen Naturgewalten, ev. auch der langsam-mahlende Ekumen)...
  • Auch gefiel mir schon immer sehr, dass dieser besondere Fokus der Gethenianer, der einer entsprechend zusammengesetzten Gruppe von teils mönchartigen Personen erlaubt in ein universales Zentrum zu sehen, um dort an der ultimalen Wahrheit teilzuhaben (u.a. auch die einer zukünftigen Entwicklung "vor Ort" im echten Leben) immer nur dann brauchbar funktioniert, wenn eine Frage so klar gestellt wurde, dass sie beantwortbar wird... Stellt ein Mensch - z.B. Ai, wie im Roman - eine Frage, muss sie/er sich genügend Zeit nehmen sie wohl zu fomulieren. Das erinnert an DUNE wg. diesem absoluten Zentrum, das normale Menschen - & BG-Schwestern :devil: - eher nie zu sehen bekommen, und den galaktischen Reiseführer au Adams - "42"! (Ob Adams damit LHoD parsiflierte?)

Den 1. Punkt setzt sie zumindest ganz klar in PLANET DER HABENICHTSE - wozu es auch einen Podcast geben wird in '21 - fort... in dem Teil des - im Hain-Universum chronologisch früheren! - Romans, der sich praktisch mit dem Physikunterbau zur Schaffung des mächtigen Ansible - in LHoD schon gang & gäbe - befasst!

 

Letztendlich kann man also diese "achte auf das aktuelle Zentrum"-Linie als LeGuins grundlegende philosophische Leitlinie sehen, in den Romanen der Hain'schen Phase der humanoiden Galaxis. Das war mir zumindest nun neu. (Cool! Bei einem halben Jahrhundert alten Roman... q:o :thumbup:)

 

Schlagwort-Notizen zum geplanten kurzen Hintergrund "SF-historischer Einfluss von LHoD"

  • Sehr beliebter Roman in '69 (Jahr der Mondlandung) & Folgejahren, ev. auch wg. "love, not war"? LeGuin "knackt" damit den SF- & sogar literarischen Mainstream mit neuem Stil (u.a. 2 wichtige Protagonisten, die unpathetisch in der Ich-Form erzählen) & Themen (v.a. Gender-Bezogenes)...
  • Dekonstruktion bis dahin typischer SF-Tropes, z.B. Spannungserzeugung durch Action männlicher Helden; Wegbereiterin f. "abenteurelosere" SF-AutorInnen wie Tiptree, Henderson, Sturgeon, Lessing - Politik-Allegorien im Allgemeinen.
  • Hainish-Zyklus Wegbereiter f. Science Fantasy.
  • Hat bis heute ähnlichen Stellenwert als Roman im Einsatz in Schulen wie 1984.
  • Dauerrelevanz a la Chambers.
  • Sieht man von der Emotionslosigkeit ab, sind die Gethenianer ähnlich den Vulkaniern im 3 Jahre früheren STTOS, u.a. auch in ihrer überwiegenden Asexualität; es wird allerdings realistischerweise auf "logische"/"unlogische" Schwarzweißmalerei verzichtet. LHoD ist im Kern arational.
  • "Ansible" macht derartigen Eindruck, dass Begriff UND Gerät von anderen SF-Autoren in ihren Stories mit eingebaut werden (wichtiges heutiges S/W-Implementierungs-Synchronisations-System heißt auch so)

 

(* zuerst nehmen wir in wenigen Tagen den bekanntesten SF-Roman LeGuins auf, danach PLANET DER HABENICHTSE)


Bearbeitet von yiyippeeyippeeyay, 07 January 2021 - 02:00.

/KB (blokkt auch auf dt.)

Yay! SF-Monolog im März...
Leben erhöht die Kapazität des geschlossenen [planetaren] Systems, Leben zu erhalten. Leben - alles Leben - ist dem Leben dienlich. Notwendige Nährstoffe für das Leben werden durch das Leben in immer größerer Fülle zur Verfügung gestellt, wenn die Vielfalt des Lebens zunimmt. Die gesamte Umwelt erwacht, erfüllt von Wechselbeziehungen, in denen sich Wechselbeziehungen verbergen, in denen sich weitere Wechselbeziehungen verbergen.
(Pardot Kynes, 1. Planetologe Dunes, zitiert aus dem 1. Anhang von Der Wüstenplanet, im Heyne-Verlag, S. 745, by Herbert; Unterstreichung von mir!)


#2 Wrong

Wrong

    Infonaut

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Geschrieben 07 January 2021 - 16:53

Hallo yip,

 

vielen Dank für deinen Beitrag, auch für deine obrigen Gedanken im Vorfeld. Ich werde den Podcast definitiv weiter verfolgen. Leider kenne ich aus dem Zyklus nur die ersten drei Romane. Es wird langsam Zeit, die weiteren zu lesen.

 

Wrong





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