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Lisa-Marie Reuter - Exit this City


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#1 Zack

Zack

    Giganaut

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Geschrieben 09 September 2021 - 15:41

Die Climate Fiction "Exit this City" ist im Februar bei Fischer TOR erschienen und hat mir damals bereits gut gefallen - durch die verheerenden Starkregen-Ereignisse hat sich meine Perspektive auf den Roman nochmals leicht geändert, denn hier ist das zukünftige Deutschland von Starkregen betroffen und ganze Landstriche saufen ab. Das fand ich damals beim Lesen interessant, aber nach den Dürre-Perioden der letzten Jahre fand ich bezüglich Klimawandel seltsam, hier das Gegenteil zu lesen. Natürlich weiß man, dass Extremwetterereignisse allgemein zunehmen, also auch Starkregen, aber da es die letzten zwanzig Jahre immer wieder sehr heiße Sommer bei uns gegeben hat, hätte ich erwartet, dass es auch in "Exit this City" zu warm und zu trocken in Deutschland ist. Stattdessen watet man hier durch den Matsch. 

 

Der Roman spielt in der Mitte des 22. Jahrhunderts und Deutschland ist zu einem verarmten Agrarland geworden, das gigantische Lebensmittelkonzerne aus dem Ausland unter sich aufteilen. Einer davon ist der indische Konzern Final Food Inc., der genmanipulierte Bienen auf den Feldern einsetzt, um die Erträge zu steigern. Ein Stich ist allerdings tödlich. Bisher hat nur eine einzige Person den Stich einer solchen Biene überlebt: Die indische Influencerin Veeru, die eine Rebellion gegen Final Food anzettelt. 

 

Indien hingegen ist von extremen Dürren und unerträglicher Hitze betroffen. Marti arbeitet als Realfood-Kurier in Delhi. Er braucht Geld, um sein Raumschiff zu reparieren. Ob Marti wirklich ein Außerirdischer ist oder schlicht jemand, der sich dafür hält, bleibt lange Zeit offen, denn Marti hat sein Gedächtnis verloren. Ihm zur Seite steht der verfresse Streuerhund Ray, der sprechen kann - allerdings nur mit Marti. Bald heften sich Verfolger an die Fersen der beiden - und dann rast auch noch ein radioaktiver Sandsturm auf Delhi zu ...

 

"Exit this City" ist ein bunter Mix aus Cyberpunk und Climate Fiction und mir haben insbesondere die chaotischen Szenen im Großstadtdschungel von Delhi gefallen. Der Außerirdische und der sprechende Hund fügen sich erstaunlich gut in die SF-Story. Das indische Setting war mal etwas anderes und auch wenn es erst einmal seltsam wirkt, dass Deutschland den Anschluss verloren hat und Indien eine neue, hochtechnisierte Großmacht ist, ist es auch nicht ganz unrealistisch. Außerdem geht es in der SF ja um die Frage "was wäre wenn?" und auf die findet die Autorin hier durchaus interessante Antworten. 

 

Schade war allerdings, dass man nahezu nichts über den Rest der Welt erfährt. Die Story ist sehr auf Deutschland und Indien fokussiert und es hätte dem Roman mehr Tiefe gegeben, wenn man hin und wieder die Entwicklungen auf anderen Kontinenten eingebaut hätte, beiläufig über Schlagzeilen in den Nachrichten, Gesprächen etc. ... 

 

Ein Interview mit Lisa-Marie Reuter gibt es hier: klick

 

Hat es hier noch jemand gelesen? 


“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)


http://www.literatopia.de


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