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Am Anfang war das Bild - herausgegeben von Aiki MIra, Uli Bendick und Mario Franke


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22 Antworten in diesem Thema

#1 Rezensionsnerdista

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    Giganaut

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Geschrieben 24 November 2021 - 08:55

Hallo zuammen,

 

wer hat Lust auf einen Buddy-Read? Wer liest auch gerade die Anthologie?

 

Ich habe erst drei Geschichten gelesen und werde in den nächsten Tagen häppchenweise weiterlesen und sicher auch eine Rezension machen.

 

Die Anthologie enthält folgende Geschichten:

 

Niehaus, Monika  -  Bermudabohrturm
Rehak, Janika  -  Onkel Nolte oder die hohe Kunst, aus dem Fenster zu schauen
Diemrich, Robert   -  Das Wiedersehen
Neuhold, Uwe   -  Das Licht
Hemmrich, Isabell   -  Unser stilles Dorf
Endres, Christian   -  Sterben und sterben lassen auf einem einstmals blauen Planeten
Kugler, Hans Jürgen   -  Die Verwandlung
Rauch, Marco   -  Der Erleger
Wiesner, Nils   -  Ich kann nur sehen, was ich glaube
Stößer, Achim  -  Bethlehem
Schorm, Rainer   -  Hirnwald
Tinnefeld, Michael   -  Upgrade Yourself
Maelle, Tessa   -  Arabesque
Hernandez, Vlad   -  Glühwürmchen
Leroch, Karin   -  Ganymed
Jänchen, Heidrun   -  Stille Post
 
Viele Grüße, Yvonne

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#2 lapismont

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Geschrieben 24 November 2021 - 20:33

Ich habs mir am Samstag auf der buch Berlin direkt beim Verlagsstand geholt. Würde mitlesen, aber eher nur ein/zwei Storys pro Woche, wird Dir bestimmt zu langsam sein,

:blush:


Überlicht und Beamen wird von Elfen verhindert.
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#3 Rezensionsnerdista

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    Giganaut

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Geschrieben 24 November 2021 - 21:00

Macht nichts, ich mache Notizen. Ich habe jetzt sechs gelesen, zwei davon sind überragend, eine ist zumindest extrem gut geschrieben, zwei weitere solide und eine war nichts für mich.

Ich kann ja immer Details posten, wenn du gelesen und Feedback gegeben hast.
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#4 lapismont

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Geschrieben 24 November 2021 - 21:38

Okay, dann schnapp ich mir das hübsche Dingens morgen und schnupper rein.


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#5 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 25 November 2021 - 06:57

Super, klingt nach einem Plan! Ich bin gespannt ;-)


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#6 Narrania

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Geschrieben 25 November 2021 - 21:32

Ich habe es noch nicht, will es aber unbedingt lesen, also hole ich es mir und schau wieder rein. Schließlich ist Mario unser Haus. und Hofmaler :D



#7 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 26 November 2021 - 06:13

Ah, super Narrania - ich bin jetzt ungefähr halb durch und mache mir Notizen zu allen Geschichten. Einige verstehe ich auch nicht ganz, daher wäre Buddy-Read super.


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#8 lapismont

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Geschrieben 26 November 2021 - 17:41

Monika Niehaus – Bermudabohrturm

Eher eine Skizze, aber stimmungsvoll.

 

Janika Rehak –  Onkel Nolte oder die hohe Kunst, aus dem Fenster zu schauen

Eine schöne Liebesgeschichte, in der die SF quasi nur Staffage ist.

 

Ich find das Buch weiterhin sehr hübsch gemacht. Mach Spaß, drin zu lesen.


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#9 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 27 November 2021 - 08:42

Moin Ralf,

 

ich scheine nicht gerade eine Heidrun-Jänchen-Flüsterin zu sein. Nach meiner neuesten Zählung hat kein:e deutschsprachige Autor:in in 2021 mehr Kurzgeschichten herausgebracht als sie (nach meiner Zählung sind es zwölf bisher) und ich habe die tatsächlich auch alle gelesen (na gut, eine fehlt noch, die ist am Ende dieser Anthologie). 

Sprache, Stil und Atmosphäre kann ich dabei stets bewundern, aber die Botschaft geht eigentlich fast immer über meinen Kopf. 

 

Die Story von Janika Rehak hingegen habe ich extrem genossen und sogar ein paar Tränen vergossen. Es ist (leider) völlig korrekt, dass der SF-Anteil nicht so hoch ist bzw. könnte Allison auch aus einer phantastischen Parallelwelt kommen (=Fantasy) und die Story, Botschaft etc. wäre dieselbe. Die SF ist also kein zwingender Bestandteil der Geschichte.

Der Plot, die Figuren, das Ende, A-Story und B-Story hingegen fand ich sehr überzeugend. Ich bin ja auch eigentlich auf der Suche nach guten Geschichten, nicht zwingend nach guten SF-Geschichten. Dazu plane ich auch, ein wenig mehr zu schreiben:

 

Der Ich-Erzähler kümmert sich um seinen wirklich alten Onkel Nate, der siebzig Jahre am und im Meer verbracht hat. Der Ich-Erzähler heißt ebenfalls Nate, wird aber von seinem Onkel “Junior” genannt. Die beiden verbindet diese besondere Freundschaft, die man zwischen Familienmitgliedern manchmal hat. Das Schöne ist, das steht alles irgendwie zwischen den Zeilen.

Onkel Nate spricht schon seit langer Zeit von Allison, die ihn einst besucht hat und in die er sich verliebt hat. Sie hat ihn “nur mal kurz” verlassen, um ihm ein Ticket in ihre Welt zu besorgen und seitdem wartet er auf sie. Hat nie geheiratet. Lässt sich nicht beirren. Sie wird kommen. Sie kommt zurück.

Auch der jüngere Nate, “Junior”, scheut sich davor, eine Partnerschaft einzugehen, hat aber seit längerer Zeit online Kontakt zu einer Frau, Erin.

Das Ende hat mich komplett überzeugt und mitgenommen. Eine tolle Geschichte.

 

Plus, die Autorin hat es einfach drauf, einmal um’s Eck zu zeigen, was sie sagen will durch treffende Details und tolle Ideen. Die kann ich gar nicht alle auflisten, aber ich bin auf alle neidisch und sehr begeistert.

Ein Beispiel:

Cousine Hettie zweifelt laut daran, dass Allison jemals wiederkommen wird, aber Onkel Nate lächelt ihre Zweifel einfach nur weg. Hettie ist kürzlich verlassen worden und ihr Ex ist mit einem Koch durchgebrannt, der tollen New Yorker Cheesecake backt. Die Szene schließt ab mit dem Satz:

“Ich verzieh Hettie, weil Nate es tat. Trotzdem kaufe ich jedes Mal New Yorker Cheesecake, wenn sie zu Besuch kam.”

 

Was ich auch anmerken muss, es ist genau nach meinem Geschmack geschrieben: szenisch, kein Info-Dump, subtil, tolle Figuren. Daher bin ich natürlich hier eine Vollabholerin. Bisher mein Highlight in der Anthologie (wobei mir die letzten vier Geschichten noch fehlen und die sind zum Teil von Autor:innen, die ich sehr gern lese).

 

Wobei, vom Plot und von der Idee her fand ich Uwe Neuholds Geschichte besser, nur die Art zu Erzählen liegt mir nicht so stark.

 

LG Yvonne

 

 


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#10 lapismont

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Geschrieben 27 November 2021 - 20:51

Ja, das trifft, was Onkel Nolte oder die hohe Kunst, aus dem Fenster zu schauen anbelangt, ziemlich genau meine Meinung. Das Beziehungsgeflecht ist großartig aufgebaut, die Stelle mit dem Cheesecake fiel mir auch explizit auf und ich hab es als Geschichte genossen, trotz des kaum vorhandenen Phantastik-Einschlags.

Die Story ist rund, gut erzählt und berührend. 


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#11 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 28 November 2021 - 07:19

Da bin ich ja gespannt, ob wir noch mehr Gemeinsamkeiten finden.
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#12 Bernard

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Geschrieben 28 November 2021 - 11:18

Am kommenden Donnerstag (2. Dezember) um 21:00 wird einer der vertretenen Autoren, Michael Tinnefeld, bei mir auf Twitch zu Gast sein. Wir werden auch über diese Anthologie sprechen ...


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#13 lapismont

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Geschrieben 29 November 2021 - 07:17

Robert Diemrich – Das Wiedersehen

Vorhersehbare und recht dünne Story, zudem stilistisch schwach.


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#14 Bernard

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Geschrieben 29 November 2021 - 07:34

Plus, die Autorin hat es einfach drauf, einmal um’s Eck zu zeigen, was sie sagen will durch treffende Details und tolle Ideen. 

Die Details machen's für mich bei Onkel Nate oder die hohe Kunst, aus dem Fenster zu schauen auch. Da wurde eine gute Balance aus Verbildlichung und Weglassen gefunden.


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#15 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 29 November 2021 - 09:14

Bernhard, ja, total. Die Story gehört gemeinsam mit zwei anderen zu meinen Highlights der Anthologie.

Ralf, "Das Wiedersehen" habe ich so schlimm verrissen in meinen Notizen, dazu sollte ich öffentlich lieber schweigen. Fand die Botschaft auch absolut daneben.
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#16 lapismont

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Geschrieben 30 November 2021 - 08:42

Ich lese gern Verrisse.

 

Uwe Neuhold – Das Licht

 

Mir gefiel, dass hier Quantenverschränkungen als Plot-Aufhänger genutzt werden. Aber mir schwante recht früh, wo das hinführt, die Konflikte sind lahm, werden off scene abgearbeitet (Suizid, Verlieben) und die Geschichte kann sich nicht entscheiden, ob sie die Techniik näher beleuchten will oder die Lebensgeschichte der Beteiligten, letztlich kommt nix interessantes heraus. Die Story hätte ich wesentlich abgefahrener erwartet. Dass das »Quantenreisen« die Menschen verändert oder die Realtät. Da hätte mehr drive reingepasst.


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#17 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 30 November 2021 - 08:59

Lieber Ralf,

 

witzig. Vom Plot und vom Twist her hat mir die Story sehr gut gefallen, aber laut meinen Notizen habe auch ich die wenig szenische Art des Erzählens bemängelt. Das ist glaube ich das, was du mit "off scene" meinst. 

 

Mit der Art und Weise zu erzählen bin ich nicht die ganze Zeit über total mitgegangen - aber dafür bin ich absolut überzeugt von allem anderen, vor allem vom Plot, der Idee, und, total wichtig: Von dem perfekten Schluss mit einer Art Doppel-Pointe. Ich habe auch drei Sätze, bevor ein wichtiger Zusammenhang aufgelöst wurde, das Ende erahnt und es war dieses tolle Gefühl, dass man als Leser:in manchmal haben darf. Richtig richtig gut. Super Idee.

Plus, ich stehe auf Zeitreisegeschichten (und ähnliches, dies hier ist ein wenig abseits des Üblichen) und kann diese Geschichte daher sehr wertschätzen.

 

Trotzdem ist die Story noch unter den Top-3 für mich in dieser Anthologie. Mir schwante es eben nicht recht früh, vermutlich habe ich noch nicht genügend Storys mit diesem Twist gelesen. Ich muss dringend mehr Klassiker lesen! Gerade habe ich "Es stirbt in mir" von Silverberg gelesen, jetzt muss ich erstmal den Abschlussband von The Expanse lesen.

 

LG Yvonne


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#18 lapismont

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Geschrieben 30 November 2021 - 09:06

Mag sein, dass ich dieses Setting, Typ erzählt vor Aufsichtsratgremium, langweilig finde. Das nervte mich letztens erst wieder in Der vierte Mond von Kathleen Weise.

 

Der Twist zum Schluss ist zwar gut und den meinte ich nicht mit vorhersehbar, sonder die Auflösung des Verschwindens.

Aber beide Dinge hätten Potential gehabt, auserzählt zu werden. Zum einen hätte man sich mehr mit der Umkehrung von Kausalitäten befassen können und zum anderen wäre interessant gewesen, was man denn nun damit tatschlich alles anstellen könnte, wenn man weiß, wie es funktioniert.


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#19 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 30 November 2021 - 09:25

Ich finde den narrativen Stil fast grundsätzlich deutlich, deutlich weniger gut als szenisches Erzählen. Später in der Anthologie kommt da noch so ein Kandidat.

 

Ich meine, sogar Mary Shelley vor XXX Jahren hat - trotz Tagebuchstil und allem - Frankenstein und sein Monster extrem cool und szenisch erzählen lassen. Frankenstein ist ein geniales Buch. Zwischendurch hatten wir mal ein paar langweilige Jahrzehnte, in denen die Leute irgendwie alles narrativ zusammengefasst haben (zumindest viele schrieben so) und heutzutage gibt es noch immer zu viele, die so erzählen und das nimmt mich fast nie mit.


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#20 lapismont

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Geschrieben 02 December 2021 - 06:47

Isabell Hemmrich – Unser stilles Dorf

 

Eine stark erzählte Geschichte, sehr poetisch. Wir erleben hautnah, was die beiden Mädchen fühlen, sind sehr dicht an ihnen dran. Hier passt dann auch das psychedelische Ende.

Gefiel mir sehr gut.


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#21 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 02 December 2021 - 07:33

Moin moin,

 

ja, die Story ist zwar nicht unter meinen Top 3, aber die hat mir ebenfalls gefallen.

 

 

Hemmrich, Isabell: Unser stilles Dorf

Die Erzählweise ist hier eher ruhig, und rückblickend. So wie es erzählt wird, entfernt mich das ein wenig vom Geschehen.

Ich nehme an, dass das gewollt ist, denn der Inhalt der Geschichte ist ziemlich heftig. Eine sehr plastisch geschilderte Vergewaltigung auf einem öffentlichen Platz durch einen Metzger, gefolgt von der Hinrichtung des Täters - quasi noch währenddessen - und dann der Tod der Schwester, der die Ich-Erzählerin traumatisiert hat.

Das alles in einem trostlosen, völlig verstrahlten Setting. Nach und nach fügen sich all die Schrecklichkeiten und die Tragik zusammen, zwar gepaart mit Hoffnung und Wiedererwachen, was aber gedämpft wird durch die Trauer der Ich-Erzählerin.

 

Auch wenn die Geschichte nicht in dem Stil ist, den ich normalerweise gern lese, muss ich doch der Autorin attestieren, dass sie mit Sprache hervorragend umgeht.

Ein Beispiel::

“Sie [die Haare] alle lösten sich büschelweise aus ihrer Verankerung, flohen wie ein Rudel verängstigter Ratten von diesem dem Untergang geweihten Wrack eines Körpers und hinterließen kranke, schutzlose Haut, die auf dem Kopf ein paar Nuancen heller war.”

 

Es gibt noch einige andere sehr gute Textstellen. Lese-Empfehlung.


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#22 Bernard

Bernard

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Geschrieben 02 December 2021 - 09:59

Inhaltlich gewinnt bei mir Der Erleger von Marco Rauch.

Die Geschichte hat ein sehr gutes Pacing. Der Einstieg ist gelungen, die Orientierung ist sofort da, die Informationen kommen exakt zum richtigen Zeitpunkt, die Handlung entwickelt sich zielstrebig und dennoch mit interessanten Wendungen. Der Schluss ist ein bisschen verschenkt, da wäre weniger (für meinen Geschmack) mehr gewesen, sprich: die Geschichte hätte etwas früher enden können. Die Motive sind in der richtigen Stärke dosiert. Beispiel: Dass Jagd auf Menschen gemacht wird, kommt so oft, dass es einen nicht mehr schockt. Auch die Verarbeitung zu Trophäen ist nicht so ungewöhnlich, aber das Verspeisen in freundlicher Umgebung berührt. Die Figurenkonstellation ist schön abgestimmt, besonders wegen der Freundlichkeit der Außerirdischen. Sie sind zwar bedrohlich, aber nicht bösartig, obwohl sie Böses tun - Menschen fallen schlicht nicht in die Kategorie, die moralische Überlegungen legitimiert. Natürlich liegt die Parallele zu unserem heutigen Umgang mit Tieren nahe, das ist ein billiger Beifang. Ein höheres Niveau erreicht Der Erleger dadurch, dass die Perspektivfigur ein Mensch ist. Das öffnet einen anderen Fragenkomplex, nach Kollaboration, nach Mitmenschlichkeit, nach einer Zusammengehörigkeit innerhalb der menschlichen Spezies. Sollte die Biologie eine solche begründen? Nicht die Kultur, die Lebensweise? Können Menschen ins Tierhafte absinken, gehen sie dabei moralischer Rechte verlustig? Ab wann und bis wann ist ein Mensch ein Mensch? Und wo würde man sich selbst positionieren - vor oder hinter dem Gewehr, oder würde man einen Weg finden, das Gewehr fortzuwerfen? Ganz nebenbei erfährt man eine interessante SF-Backstory mit der besetzten Erde, die sich "größer anfühlt" und dadurch zum Weiterdenken einlädt.

 

Sprachlich ist mein Sieger die von Pia Biundo angefertigte Übersetzung der Geschichte Glühwürmchen von Vlad Hernández.

Stark reduziert, verdichtet, es geht Richtung Lyrik. Dennoch eine klare Handlung, der man folgen kann.


Bearbeitet von Bernard, 02 December 2021 - 15:29.

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#23 Rezensionsnerdista

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Geschrieben 02 December 2021 - 14:11

Bernard, deine Sichtweise ist mega interessant, ich war bei Marcos Story zu sehr von meinen Würgereflexen abgelenkt und have nur weiter gelesen, weil ich dachte, da käme noch was.
Aber irgendwas müssten ja auch die Herausgeber: innen daran gefunden haben. Du hast mir jetzt quasi die Story erklärt. (ich mag sie dennoch nicht, sehe aber ihre Daseinsberechtigung ein)

Die übersetzte Geschichte war mir zu lyrisch. Das war nicht mein Stil. Ich habe aber auch nicht überlegt, wer sprachlich mein Favorit ist. Vermutlich bin ich mehr "down to Action".

Danke für deine Einsichten!
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